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Full text of "Allgemeine preußische Staats-Geschichte. Bd. 4"

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D. Earl Friedrich Pauli 


des Staatsrechts und der Geſchichtkunde oͤffentlichen Lehrers 
und der koͤnigl. deutſchen Geſellſchaft zu Königsberg 
Mitgliedes 


allgemeine preußiſche 


faats⸗Geſchichte 


des dazu gehörigen 


Königreichs, Churfuͤrſtenthums 


und aller 


Herzogthuͤmer, Fuͤrſtenthuͤmer, Graf⸗ und Herrſchaften 


. 
bewährten Schriftſtellern und Urkunden bis auf gegenwaͤrtige Regierung. 


. Band. 


H 2 L L E, 1763. 
Verlag und Druck Chriſtoph Peter Franckens. 


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diget. Der König der über ſechs Jahr zu Beſchuͤtzung feiner 
Unterthanen ſelbſt zu Felde geweſen, ſelbſt geſtritten, ſelbſt 
alle Beſchwerlichkeiten eines lang anhaltenden hartnädigen 
= Krieges lang ausgeſtanden, komt mit Lorberreiſer gefrönt in 
feine Wohnſtaͤdte zurück, ohne ein Fußbreit Landes verloren zu haben. Die Unterthanen 
haben ihren Monarchen wieder, den die Geburt auf den Thron geſetzt, deſſen Klugheit 
und Tapferkeit, deſſen ſeltene Verdienſte ihn bey der ganzen Welt verehrungswuͤrdig, 
und bey allen auch den niedrigſten Unterthanen liebenswuͤrdig gemacht. Er wachte, 
wenn wir ſchliefen. Er unterzog ſich der beſchwerlichſten Reiſen, um uns Ruhe 
zu verſchaffen. Er wohnte in Zelten, damit wir bey unſern Haͤuſern bleiben konten. 
Er opferte alle Bequemlichkeit auf, um uns die unferige zu erhalten. Er ſtritt, 
uns zu ſchuͤtzen; Er ſetzte fein Leben tauſend Gefaͤhrlichkeiten aus, um uns zu 
ſichern. Millionen Menſchen loben jetzt mit einem Munde den Vater der Engel 
und Menſchen, daß er ihnen dieſen König gegeben, diefen Monarchen ige 
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durch ihn Friede in ihren Thoren verſchaft; durch ihn ihre zeitliche Gluͤckſeligkeit 
beveſtiget hat. Wir koͤnnen auch unſern Nachkommen ihr dauerhaftes Wohl vor⸗ 
aus ſagen, da ſolches zu unſern Tagen gegründet worden. In ganzen Jahrhun⸗ 
derten treffen nicht alle Umſtaͤnde fo genau zuſammen, als diejenige waren, die ein 
fo groſſes und fo veſtes Buͤndniß möglich machen, welches gegen unſern Geſalbten 
geſchloſſen war. Da dies die Grundveſten feines Throns nicht erfchüttern konte, 
fo wird kuͤnftig keine Macht ſich leichtlich wieder wagen. Wenn nach fpäten Tagen 
Friedrich 2. dies Wunder feiner Zeit nicht mehr da ſeyn wird, ſo lebet er doch in 
denen Prinzen des koͤniglichen Hauſes. Die hat er durch Lehren und Muſter zu 
Feldherren und Regenten gebildet. Der Prinz von Preuſſen, dieſe Hofnung 
kuͤnftiger Zeiten, half dem groffen Könige zuerſt ſtreiten und den Frieden erzwingen; 
er machte erſt der Welt ſich durch Thaten bekandt, ehe er ſich perſonlich an denen 
fürftlichen Höfen einfand. Er erſetzt den Verluſt, den die preußiſchen Unter⸗ 
thanen durch den Tod ſeines Herrn Vaters erlitten; und hat einen Bruder, der 
ihm fo nacheifert, wie die Brüder des Königes dem Monarchen. Der Prinz 
Heinrich kroͤnte die Siege des Koͤniges durch den, welchen er befochten, und wel⸗ 
cher unmittelbar vor dem Frieden hergieng. Prinz Ferdinand hat ſich gleichfals 
vielen Gefaͤhrlichkeiten den ganzen Krieg durch blos geſtellt, und im heftigſten Feuer 
als Feldherr befohlen, und als Soldat gefochten. Wir preiſen GOtt fuͤr dieſe 
Prinzen, und daß er fie glücklich erhalten. Der Herzog Ferdinand von Braun⸗ 
chweig; der Herzog Auguſt Wilhelm von Bevern; der Fuͤrſt Franz 
Adolph von Bernburg und die übrigen groſſen Feldherren des Königes führen 
nunmehro die fieghaften Kriegsvölfer der preußiſchen Macht in beruhigte Stand» 
laͤger, und verdienen durch die ganze Zeit unſers Lebens unſern Dank und die Bes 
wunderung unſerer Nachkommen. Sie hat uns Gott auf behalten vor die kuͤnf⸗ 
tigen Tage, da andere Prinzen und groſſe Feldherren, da der ſeelige Prinz von 
Deeufen ; der Marggraf Carl von Brandenburg; Herzog Franz von 
raunſchweig; Fuͤrſt Moritz von Anhalt; Schwerin; Winterfeld 
und andere groſſe Feldherren, nebſt ſehr vielen Kriegsbefehlshabern und vielen tau⸗ 
ſenden unſerer Mitbuͤrger ihren Lauf heldenmuͤthig geendiget, und theils ſich mitten 
in der Schlacht, theils durch ihre Wunden und ausgeſtandene Beſchwerlichkeiten 
zu unſerem Beſten aufgeopfert haben. Die kuͤnftigen Zeitbuͤcher werden aus unſe⸗ 
ren Tagen ein Wunder machen, und Muͤhe haben, dasjenige zu glauben, was 
wirklich geſchehen iſt. Die Geſchichte wird fie aber unterrichten, daß die Preuſſen 
mehr gethan, als von irgend einem andern ſtreitbaren Volk bekandt geworden. 
Wer hätte von unſern Vorfahren, die zu den Zeiten des dreißigjaͤhrigen Krieges ger 
lebet, ſich auch nur vorftellen koͤnnen, daß vier auf einander folgende Regenten 
den ohnmaͤchtigen Staat zu einer Macht erheben wuͤrden, der blos durch Klugheit 
und Tapferkeit des Koöͤniges und feiner Feldherren ſich dem halben Europa mit fo 
erwünſchtem Erfolg wurde entgegen ſtellen. Meine Lefer, die das, was zu unſern 


Tagen 


— 


9 


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Vorrede. 


Tagen geſchehen, erlebet haben, koͤnnen aus dieſem vierten Bande meiner preußi · 
ſchen Geſchichte den erſtaunenden Unterſcheid erlernen, der zwiſchen der Ohn⸗ 
macht des George Wilhelms und der groſſen Macht Friedrichs 2 ſich aͤuſſert. 


Es enthält diefer Band zwey Stücke. Das erſte iſt die Geſchichte des 
nunmehrigen Königreichs Preuſſens, ehe ſelbiges mit dem Churfuͤrſtenthum 
Brandenburg verfnüpft worden. Sowol deſſen ältefter Zuſtand, als da es 
unter den Kreuzherren und eigenen Herzogen geſtanden, iſt zwar leſenswerth; al⸗ 
lein die Geſchichte deſſelben auch vielen Schwierigkeiten unterworfen geweſen. 
25 habe das, was ich vorgetragen, aus den beſten Quellen geſchoͤpft; ich habe 
auswärtige und einheimiſche Geſchichtſchreiber zu Rathe gezogen. Schutz, 
Henneberger, Leo und Sartknoch find meine Hauptfuͤhrer geweſen. Ich habe 
aber auch die brauchbaren Schriften derer verdienſtvollen Männer, Lengnich, . 


Sanow, Lucanus, Jaͤnichen, Lilienthal, von Werner und Schulz mit 


Nutzen gebraucht. Vielleicht zeigt es ſich bey der Durchleſung dieſer Geſchichte, 
daß auch Kenner einige neue Entdeckungen, die von mir zuerſt geſchehen, wahr⸗ 
nehmen werden. Manchen meiner Leſer wird dieſe Abhandlung zu weitlaͤuftig 
ſcheinen, und verſchiedene angefuͤhrte Umſtaͤnde unerheblich vorkommen, wenn 
andere ſich doch beſchweren werden, daß ſie einige Umſtaͤnde darin vergeblich 
ſuchen. Ich glaubte, daß ich die Mittelſtraſſe halten muͤſte, und bitte theils zu 
bedenken, daß ich in der Geſchichtbeſchreibung meines eigenen Vaterlandes mir 
immer Zwang anthun müffen, um nicht noch weitläuftiger zu ſeyÿn. So lange 
aber Herr Lengnich, Herr Sanow, Herr Liedert, Herr Piſanski und ans 
dere preußiſche Geſchichtskundige leben, wird es an geſchickten Arbeitern in dieſer 
Erndte nicht fehlen. Dt 


Der zweite Theil dieſes Bandes begreift die Regierungsgeſchichte des Chur⸗ 
fürften George Wilhelms. Da man von Natur nicht geneigt iſt, ſich mit 
betruͤbten Vorſtellungen gerne zu beſchaͤftigen, fo darf man ſich wohl nicht wun⸗ 
dern, wenn die Geſchichte dieſes Churfuͤrſten von keinem einzigen Schriftfteller 
ausführlich beſchrieben worden. Die Begebenheiten des polniſchen und ſchwe⸗ 
diſchen Staats, und der ganze Zusammenhang der Angelegenheiten des Faiferlis 
chen / ſpaniſchen, fran zoͤſiſchen und daͤniſchen Hofes, der niederlaͤndiſchen 
Staaten, und faſt aller Churfuͤrſten und Fuͤrſten des deutſchen Reichs ſind von 
den Begebenheiten der brandenburgiſchen Churfuͤrſten unzertrennlich. Ich 
habe in der Abhandlung darauf geſehen, ob ich gleich vorzuͤglich auf dasjenige 
mein Augenmerk gerichtet, was den George Wilhelm und ſeine Staaten betrift. 


Vielleicht hat der Zuſammenhang mit der Geſchichte anderer Laͤnder eben ſo die 
Schriftſteller von der Beſchreibung dieſer Regierung abgeſchreckt, als der Einfluß 


den der oberſte Staatsbediente des Churfuͤrſten, Adam Graf von Schwar⸗ 
zenberg 15 die Begebenheiten damaliger Zeit gehabt. Die 1 
Nee N 3 eſchichte 


- 


Vorrede. 

Geſchichte würde ohnſtreitig groſſe Erläuterungen bekommen, wenn ein geſchickter 
Mann aus kaiserlichen, brandenburgiſchen und ſchwarzenbergiſchen Urkun⸗ 
den das Leben dieſes groſſen Staatsbedienten offenherzig und unparteiiſch beſchrei⸗ 
ben koͤnte. Ich habe mich an dasjenige halten muͤſſen, was die Schriftſteller des 
dreißigjaͤhrigen Krieges, ſonderlich Caraffa, Khevenhuͤller, Puffendorf u.f.w. 
von brandenburgiſchen Sachen erzählt. Ich habe des Londorps Urkunden 
gebraucht, und in denen preußiſchen Angelegenheiten dieſer Regierung, beſonders 
des Herrn . preußiſche Geſchichte unter Sigmund und feinem 
Sohn Wladislao zu Rathe gezogen. 

Meinem erſten Entwurf nach hätte zwar die preußiſche Geſchichte in die ⸗ 
ſem Bande bis zu dem weſtphaͤliſchen e S werden ſollen. 
Es wuͤrde aber hiedurch die Regierung des groſſen Churfuͤrſten Friedrich Wil⸗ 
helms gar zu ſehr getheilt worden ſeyn, welche ſo viel moͤglich in einem Zuſam⸗ 
menhange vorgetragen zu werden verdient. Ich habe ſolche alſo in dem kuͤnftigen 
Bande von Anfange an vortragen wollen. Da die Regierung des Churfuͤrſten 
8 Wilhelms aber, auſſer andern groſſen Thaten dieſes Herrn, auch die 

reinigung verſchiedener Länder mit dem Churfuͤrſtenthum enthält, fo werde ich 
meinem gemachten Entwurf gemäß, bey der Regierungsgeſchichte Friedrich Wil⸗ 
helms des Groſſen, auch die Geſchichte von Pommern und Camin, von 
Halberſtadt und Muͤnden, von Cleve, Mark und Ravensberg und von 
Magdeburg vorzutragen haben. 5 


Mit dem gegenwaͤrtigen Bande kann ich die Beſchreibung des Zeitpunkts 
beſchlieſſen, in welcher die Macht der Churfuͤrſten von Brandenburg nur noch 
ſehr maͤßig geweſen. Mit dem kuͤnftigen Bande muß ich denjenigen Theil der Ge⸗ 
ſchichte anfangen, in welchem die Regenten der preußiſchen Staaten ſich auf eine 
augenfcheinliche Art zu der jetzigen Groͤſſe gehoben haben. Ein jeder ſiehet hieraus 
die Wichtigkeit meiner kuͤnftigen Arbeit ein, und ich hoffe, daß diejenige meiner 
Leſer, denen folche nicht ganz mißfällig iſt, mir gerne gönnen werden, daß meine 
aͤuſſern Umſtaͤnde mir erlauben mit Vergnuͤgen mich dieſer Arbeit zu unterziehen. 
Gott laſſe einem jeden meiner Leſer die Fruͤchte des erlangten Friedens in reichem 
Maaſſe genuͤſſen, und erhalte den Staat, deſſen Geſchichte ich beſchreibe, unter 
der beſten Regierung in einem unwandelbaren Wohlſtande. Salle auf der koͤnigl. 
preußiſchen Friedrichs univerſitaͤt den asften April 1763. 


D. Carl Friedrich Pauli. 


* 1 ' 
Geſchichte 


 Gefchichte von Preuſen. 


Vierter Band. 


p. aug preuß. Geſch. 4 Th. 


5 ä Einleitung 55 
orſhicte von Preuſſen. 


. . 


. enn die im vorigen Bande verſprochene Geſchichte von Preuſſen Einthellung 
recht abgefaffet werden ſoll, fo muß man ſich dren Zeitalter mer. ec een 
ken. Die Begebenheiten dieſes Landes, ehe es. völlig cheiſtich e. . 
N N „ geworden, ſind dunkel und zweifelhaft. Das meiſte, was ſich 
2 x von den älteſten Einwohnern fagen läßt, gehet auf Treu und 
0 Glauben der chriſtlichen Schriftſteller, welche in ihren Erzeh⸗ 
Waben, ſolche auf der uͤbelſten Seite vorgeſtellet, um den Untergang ihrer Staatsein⸗ 
tichtung und die Kilege zu rechtfertigen, die der deutſche Orden in Preuſſen gefuͤhret 
bat. Die deutſchen Ritter bemächtigten fich hierauf des ganzen landes, und ihre 
Regierung deſſelben macht den andern Zeitpunkt in der preußiſchen Geſchichte aus. 
Ihr dreihundertjͤͤhriger Beſitz iſt durch groffe Kriege mit den Nachbarn und durch mans 
cherley Abwechſelungen von Gluͤcks ⸗ und Ungluͤcksfaͤlen ſehr merkwuͤrdig geworden. 
Endlich zogen fie ſich aus eigener Schuld den Verluſt von Preuſſen zu. Das land 
ce Theil unter die . der ERBEN Monarchen, zum Theil ward es 
Prim 


4 Geſchichte von Preuſſen. 

Prinzen aus dem Churhauſe Brandenburg uͤberlaſſen, unter deren Regierung es noch 
heutiges Tages ſtehet. Die Schickſale des Antheils, welcher feine eigene Regenten 
aus dem Churhauſe gehabt, gehören eigentlich nur vor uns, und machen den dritten 
Zeitpunkt der preußiſchen Geſchichte aus. Wir wollen die Merkwuͤrdigkeiten Preuß 
ſens unter feinen erſten Bewohnern, unter den Kreuzherren und unter ſeinen Herzogen 
aus dem brandenburgiſchem Haufe fo abhandeln, wie es ſich unferm Entwurf gemäß 
ſchickt. Ich werde mich alſo bemuͤhen, hauptſuͤchlich dasjenige meinen beſern bekandt 
zu machen, was das ganze fand angehet, und den Faden der Geſchichte fo weit fort 
ſetzen, bis der öſtliche Theil von Preuſſen mit der Churmark Brandenburg ver⸗ 
bunden worden. . d 


Die nachrich⸗ Denen geſitteten Völkern, welche uns hiſtoriſche Nachrichten hinterlaſſen haben, 

n das tand, deſſen Oeſchichte wir beſchreiben, fehr unbekandt. Es war durch eine 

lage Preuß lange Reihe anderer Volkerſchaften, die man ebenfals zu den ungeſitteten rechnete, ö 

fens führt uns von jenen abgeſondert. Dies verhinderte allen Eingang dererjenigen, welche Nach⸗ 

dane. tichten von dieſem Lande einziehen, und ſolche der Nachwelt mittheilen konten. End» 
lich lernete man den Bernſtein kennen und ſchaͤtzen, und man bekuͤmmerte ſich immer 
mehr und mehr, woher folcher haupſaͤchlich koͤme. Dunkele Nachrichten nahmen end» 
lich den Platz der Erdichtungen ein, bis endlich die erſteren immer heller wurden, und 
das Chriſtenchum bis an die Grenze dieſes kandes ſich ausbreitete, die Volker durch 
Uebereinſtimmung ihres Gottesdienſtes unter einander geſelliger machte, und hiedurch 
Gelegenheit verſchafte, auch dieſes fand und feine Einwohner näher kennen zu lernen. 
Man erfuhr erſt nach und nach, daß der Bernſtein aus einem Waſſer in den noͤrd⸗ 
lichen Gegenden Europ jenſeit des Ausfluſſes der Weichſel geſammlet wuͤrde; und 
dies bringt uns endlich einige Kenntniß des kandes und feiner Einwohner zuwege, in 
welchem der Bernſtein in vorzuͤglicher Menge ans fand geworfen wird. Da der Na⸗ 
me Preuſſen erſt ſpaͤt bekandt worden, ſo muß man ſich erſt um diejenigen Namen 
bekuͤmmern, welche in alteren Zeiten dem eigentlichen Vaterlande des Bernſteins be 
geleget werden. Weil aber derſelbe auch an andern Kuͤſten der Oſtſee ebenfals au 
gefunden wird, fo muß man hauptfächlich die Gegend jenſeit der Weichſel ſich be⸗ 
kandt machen, welches uns ſodenn auf das Land führen wird, welches wir jetzt 
Preuſſen nennen. it eee e eee 

3. 


Die Daͤnen Alle aͤlteſte Nachrichten zeigen, daß der Bernſtein den eten Boͤſkern der 
e den Welt nicht auf dem Wege zu Lande, ſondern zu Waſſer bekandt geworden. Man 
Prelſſen and fieng solchen frühzeitig an hoch zu fhägen. Seine Dürchfichtigfeit, Härte, anziehen 
denn kam er de Kraft, Geruch und andere Eigenſchaften machten ihn, ſo wie feine Seltenheit, be⸗ 
an andere n liebt. Die erſten lehrer der Erdhewohner, die Dichter, erfunden eine Fabel, die e 

von ſeinem Urſprunge ausbreiteten, weil ſie nichts gruͤndlicheres wuſten. Sie dichte⸗ 


un, dr Pond Schaden Ban fe dein nen za he Hern e, 


1 


| Geſchichte von Preuſſen. Be 

laſſen, daß fie aus Gram an einem Fluß Eridanus in Bäume verwandelt worden. 
Demungeachtet vergoſſen ſie noch immer Thraͤnen, welche in den Fluß herabrolleten, 
deſſen Wellen ſolche in der Geſtalt des Bernſteins an Inſeln ſpielten, welche ſie daher 
Electridas nannten. Die Dichter wuſten alſo nur ſo viel, daß der Bernſtein aus 
Inſeln kaͤme, die fie ſelbſt benenneten, obgleich kein tand in der Welt jemals fo ges 
heiſſen. Alles übrige ſchuf eine hitzige Einbildungskraft in ihrer Erzehlung. Selbſt 
die lage des Eridanus war erdichtet. Bald ſuchten fie denſelben in Waͤlſchland, 
bald in Spanien. Sie muſten aber darauf verfallen, weil Schiffe Über die mittellaͤn⸗ 
diſche See den Bernſtein in die Morgenlaͤnder brachten. Schon Herodotus verwarf 
den Eridanus und die Electridas der Dichter. Er hat ſchon fo viel Nachricht, daß 
der Bernſtein aus einem Meer komme, das die nördlichen Gegenden Europaͤ anſpuͤle, 
wo auch das Zinn zugleich hergebracht werde, ob er gleich keinen geſprochen, der ihm 
von dieſen Gegenden Bericht erſtatten konnen. Er fuͤhrt uns den rechten Weg uͤber 
Waͤlſchland und Spanien nach Britannien, welches feines fhönen Zinnes wegen 
berühmt iſt. Diodorus Siculus ſagt, der Bernſtein komme aus einer Inſel Bas 
ſilea jenſeit Frankreichs, wo die See denſelben reichlich auswerfe, ſonſt würde ſol⸗ 
cher, nach feiner Einſicht, nirgend gefunden. Timaͤus nennt die Bernſteininſel Bano⸗ 
mannam, und Baltiam. Nach Pytheas Bericht haben ſolchen die Gutones geſamm⸗ 
let. Dies fuͤhret uns bis Daͤnnemark und deſſen Inſeln. Hier wohnten die Guto⸗ 
nes oder Guͤten, Juͤten. Das gothiſche Volk ift in denen aͤlteſten Zeiten, von denen 
man Nachricht hat, das maͤchtigſte an den Küften der Oſtſee gewefen. Die Dänen 
find ſchon in den aͤlteſten Zeiten berühmte Seefahrer geweſen. Das in Daͤnnemark 
nicht weit von Moͤgel⸗Tondern 1639 von der Karrin Svensdatter gefundene guͤldene 
Horn, und dasjenige guͤldene Horn, das ein Bauer in der Gegend von Tundern, 
bey dem Dorf Gallhus, 1734 aus dem gegrabenen beim hervorgezogen, find aller 
Wahrſcheinlichkeit nach aus Egypten. Es zeiget ſolches die innere Zuſammenſetzung 
ihrer Theile ſowol, als die daran zu ſehende Arbeit und aͤuſſere Bilder. Auch die 
Gofoblätrgen, die in ziemlicher Anzahl in eben dieſem Reiche aufgefunden worden, ho— 
et der aus mehr als einer Urſache berufene Demveritus oder Dippel aus Egypten. 
Wo ſind aber dieſe egyptiſche Stuͤcke nach Daͤnnemark gekommen. Es iſt ſehr un⸗ 
wahrſcheinlich, daß des Seſoſtris Zug bis dahin gereicht, und es iſt der Wahrheit 
ähnlicher, daß die Dänen und Britannier ihren Bernſtein und Zinn mittel oder uns 
mittelbar bis nach dem ſehr angebauten Egypten verführt haben. Unter Baſilea 
und Baltia verſtehe ich alſo die vornehmſten Inſeln Daͤnnemark, Seeland und 
Fuͤhnen. In den daͤniſchen Inſeln hatte man aber zu wenig Bernſtein, als daß 
man damit einen Handel treiben können. Wir werden jedoch bald zeigen, daß gothi⸗ 
ſche Völker in Preuſſen am Strande gewohnet, und von denen mögen die Einwoh⸗ 
ner Daͤnnemarks vermuthlich ihren Bernftein bekommen, und ſodenn weiter verfah⸗ 
ren haben. Moch finde ich alſo keine Gewisheit, daß eben Preuſſen ſelbſt unter des 
nen Namen der electriſchen Inſeln, ok Baſilea, Baltia, oder wie man fie fonft 
* r 5 3 nennet, 


8 Gieſchichte von Preuſſen. | 
nennet, Abalus verſtanden ſey. Nur ſo viel erkenne ich als gewiß, daß, weil det 
Bernſtein ſchon in den älteften Zeiten in Achtung geweſen, und ſolcher vorzuͤglich in 
Preuſſen zu finden, man in den aͤlteſten Zeiten dieſes land nicht unbewohnt werde ges 
laſſen haben, und daß ſolche Völker am Strande gelebet, die mit den Dänen in 

Freundſchaft und Umgang geſtanden. Weil aber nur die verſchiedene Staͤmme eines 
Volks in Freundſchaft zu ſtehen pflegten, fo muͤſſen wohl die aͤlteſten Einwohner Preuß 
ſens und die Dänen von einer Abkunft, und beide Völkerſchaften Gothen geweſen 
fen. Ich ſuthe daher weder den erdichteten Eridanum in Preuſſen, noch die 
Bernſteininſeln, weil in Preuſſen keine Inſeln befindlich, und es wirklich zu gezwun⸗ 
gen ſcheint, die Nerungen für Inſeln auszugeben 4), ſondern glaube, daß die alten 

Schriftſteller die daͤniſche Inſeln daruntet verſtanden, weil fie den Bernſtein von da⸗ 
her bekamen, und nicht wuſten, daß ſolches nur mittelbar geſchahe. Auch denen kann 
ich nicht beipflichten, welche vorgeben, daß der Bernſtein auf einem landwege nach 
Griechenland, Aſia oder Africa gekommen 5). Denn die vielen Vöblkerſchaften, 
die von rauhen Sitten waren, wuͤrden ſolches nicht verſtattet haben. 


b d. 4. 

Endlich ward Die Römer lerneten den Bernſtein von den Griechen kennen und hochhalten. 
Preufen den Die Erweiterungen ihres Staats vermehrten ihre Erfahrungen. Sie wurden mit 
ee * Deutſchen bekandt. Hier fanden fie Bernſtein, den aber die Deutſchen von denen 
f erhalten, welche ihn in ſolcher Menge ſammleten, daß fie folchen ſtatt des Feuerwerks 

ſich bedieneten. Die Deutſchen nannten den Bernſtein Gleß, oder vielleicht feiner 
Durchſichtigkeit wegen Glaß. Plinius, der noch immer in der Meinung war, die 
er in altern Geſchichtbuͤchern geleſen, daß der Bernſtein aus einer Inſel herfäme; 
ſagt: die Römer haͤtten dieſe Inſel Gleſſarium genannt. Es war ſolches alſo nicht 
der rechte Name des Bernſteinlandes, ſondern der, damit die Roͤmer das kand be⸗ 
legten, aus dem der Bernſtein herkaͤme. Weil die roͤmiſchen Nachrichten ſagen, 
daß Auguſti Stiefſohn Druſus mit einer Flotte an dieſer Inſel Gleſſarium gewe⸗ 
ſen, ſo verſtanden ſie noch immer die daͤniſchen Inſeln dadurch, weil Druſus wohl 
gewiß nicht in Preuſſen geweſen. Aber die Römer bekamen den Bernſtein jetzt 
- fihon häufig von deutſchen Völkern, die ihn in Pannonien verkauften. Denn was 
einige preußiſche Nachrichten vom Pompejo ſagen, daß ſolcher den Seeraͤubern ei⸗ 
ne Menge Bernſtein abgenommen, iſt noch zweifelhaft. Die Römer wünſchten freie 
lich das Land kennen zu lernen, wo der Bernſtein herkaͤme. Ob aber zu Auguſti 
Zeiten, nach einiger preußiſchen Geſchichtſchreiber Bericht, ein gewiſſer Divonis, 
um zu ſehen, wie weit die Erde nordwaͤrts bewohnt ſey, bis nach Preuſſen gekommen, = 
ift unausgemacht c). Gewiſſer iſt das, was Plinius ſagt, daß Nero einen roͤmi⸗ - 
ſchen Ritter abgeſchickt, um Bernſtein zu erhandeln. Er reiſete von Carnunt in 
’ a N Panno⸗ 


a) Sartknoch alt und neu Preuſſen Ser u. ) preußiſche Sammlungen Th. 2 S. 5f. 
e) Preußiſche Lieferungen B. 1 S. 1f. ; - : 


ai u 
‘ 
1 
BB. 
5 


N Geſchichte von Preuſſen. N 7 
E Pannonien noch ungefehr 600000 Schritte weiter, und kam bis zu dem Ufer, wo 
Bernſtein war, und wo er zu denen luſtſpielen, die Nero veranlaſſete, vieles eins 
kaufte. Dies ſagt Plinius. Hierunter iſt wol nichts anders, als Preuſſen, zu 
verſtehen. Aber Plinius ſagt uns nicht, wie dies fand, wie dleſe Kuͤſte eigentlich 
heiſſe, oder wer ſie bewohne. Indeſſen wuſte man nun das Vaterland des Bernſteins 
gewiß. Die gegenſeitige Kriege der Roͤmer und der deutſchen Voͤlker machten die 
letztern bey den erſtern immer bekandter. So wie die Römer ſchon die nordiſchen 
Elendchiere und Auerochſen kandten, und am Bernſtein ein Belieben gefunden, fü 
pg9eeſiel den Deutſchen auch das roͤmiſche Metall in ihren Münzen. Beides beförderte 
den Handel. Da feine römiſche Macht jemals bis Preuſſen gekommen, fo scheinen 
die roͤmiſche Muͤnzen, die von Zeit zu Zeit in Preuſſen ausgegraben worden, durch 
den Bernſteinhandel hingekommen zu ſeyn d). Ich will zwar nicht gaͤnzlich verneinen, 
daß nicht auch einige roͤmiſche Münzen von ſolchen Männern nach Preuſſen mitge⸗ 
bracht worden, die den Einbrüchen der deutſchen und ſarmatiſchen Volker in die 

roͤmiſche Staaten beigewohnet. Allein die verſchiedene kupferne Stuͤcke darunter wa ⸗ 
ren wol nicht erheblich genug, fie mit zurück zu nehmen. Wenigſtens laͤſſet ſich das 
1 durch nicht aus ſchluͤſſen, daß auch manches Geld für Bernſtein nach Preuſſen gekom⸗ 
N men, da Tacitus ſelbſt erwehnet, daß die Aeſtier ſich verwundert hätten, daß man 
4 ihnen fo viel für Bernflein gegeben habe. Eben dieſe Verwunderung der Aeſtier ber 
1 weiſet nach meiner Meinung, daß der Bernſteinhandel vorher durch andere gefuͤhret 
ſeop, die fich denſelben beſſer bezahlen lieſſen. Vermuthlich waren ſolches die Dänen, 

und nachmals die Deutſchen und Wenden. a a 


9. . 
So bald das land, wo der Bernſtein eigentlich zu Haufe gehöret, den Roͤmern In Preuſſen 
bekandter wird, fängt man auch an, uns von feinen Einwohnern Nachrichten zu ers En 28 
theilen. Mit Gewisheit laͤſſet ſich alſo nichts von den Einwohnern dieſes landes vor heile ſarma⸗ 
der chriſtlichen Zeitrechnung herausbringen. Die aͤlteſten Erdbeſchreiber machen die tiſche volker 
Weichsel zum Grenzfluß zwiſchen den Deutſchen und den Sarmaten. In Preuß wohnen 
fen haben alſo Sarmaten gewohnet. Dieſe theilten ſich nach Ptolomaͤi Bericht in 
verſchledene Völferfehaften, darunter die Wenden, Anten und Slaven die ſtaͤrk⸗ 
ſten geweſen. Die Wenden wohnten um die Oſtſee, und dahin gehörten unter ans 
dern die Galinder, die Sudener und Stavaner. Nun fanden ſich noch zu der 
Bi, da der deutſche Orden nach Preuſſen kam, Galinder, Sudauer und Scha⸗ 
gunen in dieſem lande, woraus ein jeder erkennet, daß eben dieſe unter denen zu vers 
ſtehen find, die Ptolomaͤus angiebt. Es iſt aber deswegen noch nicht ausgemacht, 
daß eben dieſe Wenden die allererſten Bewohner von Preuſſen geweſen, oder daß 
ſonſt neben ihnen nicht noch andere in dieſem lande gewohnet hätten. Ich halte dafür, 


* 


daß 


d) Bayer Commentarius de numis Romanis in agro pruffico repertis und Erläutertes preuſſen 
T. I p. 4% & 868. T. 3 p. 246. T. 4 P. 824. I. 5 P. 125. 5 


— — — 


8 Geſchichte von Preuſſen. 
daß die Gothen eher als die Wenden in dieſem bande ſich eingefunden. Denn dle 
älceften Nachrichten ſagen, die Gothen Hätten den Bernſtein geſammlet. Ob nach 
dem Jornandes der gothiſche Heerfaͤhrer Berich auf dreien Schiffen die erſten go 
thiſchen Anbauer an die Weichſel gebracht, iſt daher unglaublich, weil ſolche ſchon 
Voͤlker in dieſen Gegenden gefunden, und mit denſelben Krieg gefuͤhret haben; ohn⸗ 
erachtet die Gepider ſich damals in dieſer Gegend zu allererſt niedergelaſſen e). Am 
Strande der Oſtſee wohneten zu Taciti Zeiten die Aeſtier, welche, wie wir fol 
ches weiter unten zeigen wollen, zuletzt durch die wendiſche und ſlaviſche Völker 
in Preuſſen unterdruͤckt worden. Ohne etwas gewiſſes zu beſtimmen, ſo halte ich 
dafür, daß wenigſtens noch vor den ſarmatiſchen Völkerſchaften ſchon gothiſche 
in Preuſſen, ſonderlich am Strande, gewohnet, und daß ſich ſolche durch eis 
nen Theil von Lithauen, durch Curland, Liefland und Eſtland ausgebreitet; auch 
daß von ihnen die aͤlteſte kandesſprache entſtanden: daß ſolche viele Kriege mit denen 
immer mehr vordringenden Wenden und Slaven gefuͤhret, welche die gothiſchen Völ⸗ 
ker, ſonderlich Aeſtier und Gepider, immer, und ſonderlich ſeit der Zeit der groffen 
Völkerwanderung, in engere Schranken gebracht, bis ſich endlich der Name der Yes 
ier völlig verloren, und ihre Sprache durch mehrere oder wenigere Vermiſchung mit 
der ſlaviſchen eine faſt neue Sprache geworden, in der es mehrere Mundarten gege⸗ 
ben. Es iſt ausgemacht, daß der deutſche Orden im lande eine eigene Sprache ges 
funden, daß ſolche mit der curlaͤndiſchen und lithauiſchen ſehr verwandt 7), und 
daß in manchen Gegenden mehr, in andern weniger aus der ſ laviſchen Sprache dar⸗ 
innen vorgekommen, bis dieſe alt preußiſche Sprache gänzlich) von der deutſchen, pol⸗ 
niſchen und jetzigen lithauiſchen, nach Verſchiedenheit der Gegenden Preuſſens, 
perdrungen worden. So wird man auf die beſte Art diejenigen Streitigkeiten ent⸗ 
ſcheiden, die wegen der ehemaligen alten preußiſchen Sprache entſtanden find g). 
Tacitus fagt, daß die Sprache der Aeſtier mit der Sprache der alten Britten viele 
Aehnlichkeit gehabt, folglich anfänglich von der Sprache der ſarmatiſchen Völker 
ganz verſchieden geweſen, N N 
§. 6. Ta 
Die erften Einwohner Preuſſens, welche uns bekandt geworden, find die Ul⸗ 
merugier. Denn folgen Völker gothiſcher Abkunft, und insbeſondere theils Gepi⸗ 


Ulmerugier, der, theils Aeſtier. Von den erſten beiden wiſſen wir faſt nichts, als was Jor⸗ 
Ae und andes von ihnen beibringt /). Nach feiner Nachricht wohneten um die Weich⸗ 


ſel 


) Preußiſche Sammlungen B. 1 S. 660 f. modo vero Getae Gepidæque ſint parentes fi quae · 
f) Tacitus de M. G. Blugeſſus T. x. Hift. ris, paueis abſoluam. Meminiſſe debes, me ini- 
Pol. ad 997. Cromerus p. 409. tio de Scanziae inſulae gremio Gothos dixiſſe 
) Hartknoch alt und neu Preuſſen ©. 84 f. egreſſos cum Berich rege ſuo, tribus tantum 
Ada Bor. T. 2 p. 55 l. 5344. 780 l. 863 . T. 3 nauibus vectos ad eiterioris orae ripam quarum 
P. 581. ' trium vna nauis vt aſſolet tardius vecta, nomen 

) De rebus Gethieis in der Baſeler erſten genti fertur dediſſe. Nam lingua eorum pigra 
Aus gabe des voſimi urd Procopti S. 607. Quo · gepanta dicitur. Hine factum eſt vt paulstim et 
3 ac e a corruptẽę 


Rn 


"U Geſchichte von Preuſſen. 90 
1 ſel an der See die Ulmerugii, folglich ein Theil der Ruͤger. Sie waren der Wan⸗ 
‚ dalen Nachbarn. Die Wandalen aber, die eben fo, wie die Ruͤger, ſueviſchen 
Urſprungs waren, wohneten ſchon in Deutſchland. Berich brachte drey Schiffe voll 
Gothen in die Gegend, wo nachher Gothiscanzia gelegen, worunter vermuthlich 
ſchon Danzig zu verſtehen, und bezwung die Ulmerugier ſowol als Wandalen. 
Eins der ankommenden Schiffe kam langſamer, als die andern an, und weil deſſen 
Schifkinder ohnedies deute von keiner Entſchloſſenheit waren, fo nannte man daher 
ſelbige von Gepannt, die langſamen, die Gepider. Es iſt nicht ausgemacht, wenn 
Berichs Ankunft in dieſe Gegend vor ſich gegangen. Es muß ſolches wirklich ſehr 
fruͤh geſchehen ſeyn, weil ſchon Pytheas, ein Gallier, lange vor Chriſti Geburt 
ſagt, der Bernſtein werde von den Guthonen oder Gothen geſammlet. Da nun 
Berich die Gothen zuerſt in das Bernſteinland gebracht, ſo muß er ſehr zeitig hinge 
kommen ſeyn. Die Nachkommen derer auf den beiden erſten Schiffen befindlichen 
Gothen zogen bald weiter, die Gepider aber blieben laͤnger in dem Danziger Wer⸗ 
der ſitzen, bis ſie endlich ebenfals beſſere Wohnſitze ſuchten. An ihre Stelle kamen in 
dieſes Werder oder Inſel die Vividarii, welches Wort aus Viridariis oder aus den Wer⸗ 
derſchen entſtanden ſeyn mag, die in dem Werder, als einem ſichern Zufluchtsort, 
aus vielen verſchiedenen Volkerſchaften ſich niederlieſſen. Wenn die Gepider wegge⸗ 
gangen, iſt ebenfals unausgemacht. Es ſcheint aber ſolches in der groſſen Voͤlkerwan⸗ 
derung geſchehen zu ſeyn. Von nun an rückten zwar die wendiſchen Völker immer 
weiter vor. Aber an denen Küften der Oſtſee jenſeit der Weichſel hielt ſich noch bes 
ſtaͤndig ein Volk auf, welches uns Tacitus fo beſchreibet, daß man wohl ſiehet, es 
habe ſolches weit mehrere Aehnlichkeit mit Gothen und Sueven, als mit den ſarma⸗ 
tiſchen Wenden und Slaven gehabt. Tacitus nennt ſolche die Aeſtier, die bis an 
die Finnen gegrenzt, und die folglich den ganzen Strand durch Preuſſen, Curland, 
Liefland und Eftland bewohnet. Daß ſolche gewiß auch in Preuſſen gewohnet, bes 
weiſet der Umſtand, daß Tacitus ihnen den Bernſteinfang zuſchreibt. Er ſchreibt 
von ihnen 1): zur rechten der Oſtſee wohnen aeftifche Volker. Sie muͤſſen alſo als 
N verſchie⸗ 


u il > 


—— — 


——ͤ — 


corrupte nomen eis ex convitio nafceretur. Ge- 
pidae namque ſine dubio ex Gothor roſa · 
pia ducunt originem. Sed quis, vt dixi, gepan- 
‚ta pigrum aliquid tardumque ſignat, pro gra- 
tuito conuicio Gepidarum nomen exortum eſt. 
Qgod nee ipſum eredo falſiſſimum, ſunt enim 
tardioris ingenii, grauiores corporum velveita- 
te. Hi Gepidae tacti inuidia, dudum ſpreta 
prouincia, commanebant in inſula Viſelae, am- 
nis vadis cireumatta, quam pro patriae ſermo- 
ne dieebant Gepidos. Nune eam, vt fertur, in- 
falam gens Viuidaria incolit ipſis ad meliores 
terras meantibus Qui Yinidarii ex diuerfisna- 
tionibus ac fi in vnum aſylum collecti ſunt et 
5 feciffe noleuntur, und p. 598. Ex hae 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Ch. 


igitur Scanziainfula, quaſi offieina gentium aut 
certe velut vagina nationum, eum rege fuo no- 
mine Berig Gothi quondam memorantur 


egreſſi, vt vt primum e nauibus exeuntes terras 


attigere illico loco nomen dederunt, Nam to- 
die illie vt fertur Gothiscanzia vocatur. 
mox promoventes ad ſedes Vlmerugorum, qui 
tune oceani ripas infidebant caftra inetati ſunt, 
eosque commiflo praelio propriis ſedibus pepu- 
lerunt, eorumque vieinos Vandalos iam tune 
ſubiugantes fuis appellauere victoriis. 

1) Tacitus de M. G. Dextro Sueuici maris li- 
tore Aeſtiorum gentes, quibus ritus habitusque 
Sueuorum, lingua Britannicae propior. Ma- 
trem Deum venerantur, inſignia ſuperſtitionis 

formas 


Vnde 


10 ax Geſchichte von Preuſſen. 


verſchiedene Volker angeſehen werden, und es iſt daher nicht zu verwundern, daß fie 
theils fo weitlaͤuftige Sitze bis an Finnland, von der Oſtſee an gerechnet, innenge⸗ 
habt, theils ſich fo lange bis zu denen Zeiten Carls des Groſſen k) gegen die andrin⸗ 
genden Wenden gehalten haben, ob ſie gleich freilich von der Seite von Preuſſen 
zu allererſt immer öſtlicher ſich zu ziehen mögen genörhiget ſeyn, fo daß ich eben nicht 
behaupten kann, daß zu Carls des Groſſen Zeiten folche noch eben in Preuſſen gewe⸗ 

Aber zu Jornandes Zeiten waren fie wenigſtens noch in dieſem ande, und da 


er ſelbige eine ſehr friedfertige Art Menſchen nennet, fo iſt kein Wunder, daß fie ſich 


eben nach groſſen Wanderungen und Kriegen nicht geſehnet haben )). Zu Caßiodo⸗ 
ri Zeiten m) ſchickten fie noch an den oſtgothiſchen König Theodoricum durch eine 
Geſandtſchaft ein anſehnlich Geſchenk an Bernſtein, und folglich muͤſſen ſie noch da⸗ 
mals in Preuſſen gewohnet haben. Ich glaube, daß die geſtiſchen Völker nichts 


anders, als öſtliche Voöͤlkerſchaften heiſſen ſollen, weil ſie unter den gothiſchen Völkern 


am meiſten oͤſtlich wohneten. 


e 
Der aeſti⸗ Die Einrichtung dleſer aeftifchen Völker beſchreibt uns Tacitus fo, daß fie mit 
ſchen volker in denen Sueven uͤbereinkommt. Wir brauchen uns dabey alſo nicht aufzuhalten, well 
une einrich⸗ ich davon im erſten Bande unſerer Geſchichte geredet habe n). Die Sueven und Go⸗ 


tung. 


” 


then ſtanden, aller Vermuthung nach, in Abſicht der Abſtammung, in Verwandtſchaft. 
Nur weil die erſtern fruͤher nach Deutſchland gegangen, ſo wich ihre Sprache von der go⸗ 
thiſchen ab, die weit mehr von der äfteften Art behalten, und nach Taeito der britanni⸗ 
ſchen näher kam. Dieſe Aeſtier waren eben fo wenig Heiden, als die Sueven, und beis 
de hatten einerley Gottesdienſt. Nach den Ausgaben des Taciti beteten ſie zwar die Mut⸗ 
ter der Götter an. Aber ich glaube, daß Tacitus ſelbſt ihnen eben die Religion der Sue⸗ 
ven zugeſchrieben, und daß fie den Gott der Götter, den erſten Urſprung aller Dinge, in 
der Erde geſucht, die unſer aller Mutter ift 0), fo daß auch von ihnen dasjenige ſtatt 
finde, was wir im erſten Bande von dem Gottesdienſt der Sueven gedacht pP. Nur 
darin hatten dieſe Volker etwas beſonderes, daß fie das Bild eines wilden Schweins 
als ein beſonderes Bewahrungsmittel gegen alles Uebel, ſonderlich gegen alles feindliche 
Geſchuͤtz, vor alle gottesfuͤrchtige Seelen gehalten. Da fie ſich in ihren Kriegen meis 
ſtens nur der Keulen, und weniger eiſernen Waffen ſich bedienet, ſo haben ſie wohl 
eine wilde Schweinshaut umhaͤngen, und unter derſelben ſich ſchuͤtzen können. Die 


formas aprorum geftant, id pro armis omnium- ſtrale Slaui et Aiſti et aliae diuerſie incolunt 

que tutela fecurum Dei 8 etiam inter nationes. 

hoftes praeſtat. Rarus ferri, frequens fuſtium ; 

vfas. Frumenta caeterosque fructus patients 0. %artEnoch alt und neu Preuſſen S. 28. 

quam pro ſolita Germanorum inertia laborant. 0 ag ©. a8. 

Sed et mare ſerutantur, ac foli omnium ſucei- u) B. 1 ©. 45 f. 

num, a ipfi Gleſſum vocant, inter vada at- 2 glaube ſtatt: matrem Deum veneran- 

que in ipfo litore legunt. - tur hat Tacitus geſagt: terram matrem Deum 
k) Eginbardus in vita Caroli M. e. 12. Hunc venerantur. gengt * N 

finum multae eireumſident nationes · litus Au - p) B. 1 S. 30 f. 


Geſchichte von Preuſſen. 1 
ſes mag Gelegenheit gegeben haben, entweder zu glauben, daß ſie das bloſſe Bild eines 
wilden Schweins für fo kraͤftig gehalten, oder daß fie auch wirklich dieſe einfaͤltige 

Meinung gehegt. Sie waren fleißige landanbauer; und Tacitus ruͤhmt, daß ſie im 
Feld / und Gartenbau die Deutſchen uͤbertroffen. Vielleicht hat hier Tacitus nicht 
zugleich auf den verſchiedenen Boden geſehen. Am Strande verhindert der Sand den 
Nutzen alles Fleiſſes. Aber ich ſchluͤſſe daraus, daß dieſe aeftifchen Voͤlker zu Taciti 
Zeiten noch tiefer landeinwerts gewohnet, wo die Fruchtbarkeit des Bodens ihrem Fleiſ⸗ 
ſe zu Huͤlfe gekommen. Vielleicht bewohneten ſie noch damals die ſogenannten Werder, 
welche noch jetzt den beſten Boden haben. Allein auch diejenigen, welche naͤher am 
Strande wohneten, hatten ihren guten Unterhalt. Auſſer die Fiſcheren, die ohne 
Taciti Erwehnen erheblich ſeyn muſte, und wohin zu ehemaligen Zeiten ein weit ſtaͤr⸗ 

1 kerer Heringsfang, als jetzo, gehörete, fiſchten fie den Bernſtein auf, den fie noch zu 

ö Taciti Zeiten wegen ſeiner Durchſichtigkeit Glas nenneten, und ſich verwunderten, daß, 

da ſolcher bey ihnen nicht hoch geachtet wurde, derſelbe doch von denen Römern fo theuer 

verguͤtet würde. Ihr von ihnen gut bebautes Land und der Nutzen, den ihnen die 

See brachte, waren, ſo wie die vom Jornandes ihnen nachgeruͤhmte Friedfertigkeit, 

wol die Urſachen, warum ſie nicht an ſonderliche Wanderſchaften dachten, die doch 

andere Stämme ihres Volks fo häufig unternommen. Sie erhielten ſich daher länger 

in ihren Wohnſitzen. Aber da durch die Schwächung anderer ſueviſchen und gothi⸗ 

ſchen Volker die benachbarten ſarmatiſchen Wenden, Slaven, Galinder, Su⸗ 

dauer und Schalaunen täglich mächtiger geworden, fo muſten die ruhigen aeſtiſchen 
Volker nach und nach dieſer andringenden Macht weichen, und ſich theils mit denen 

iſchen Völkern vermengen, theils ſich immer am Strande weiter gegen Oſten 
nach Curland, Liefland und Eſtland verdrengen laſſen. 
. Er. / 
Die ſarmatiſchen Völker hatten ſchon lange vor Chriſti Geburt den Strich lan / Wendiche 

des vom Fluſſe Oby bis an das carpathiſche Gebirge und die Weichſel beſetzt. Sie ee 
waren in viele Haupt / und Nebenvolker vertheilet, und unter ſelbige gehörten die Galin⸗ ganze land. 
der, Sudauer und Stavaner, welche letztere wol vermuthlich Slavaner oder Schla⸗ 
vaner Schalaunen heiſſen ſolten. Die Galinder, Sudauer und Schalauner 

aber ſind unſtreltige Bewohner Preuſſens zu der Zeit geweſen, da der deutſche Orden 

ſich dieſes kdandes bemaͤchtigte. Es folgt zwar daraus nicht, daß fie bereits zu Pto⸗ 

lomaͤi g) Zeiten in Preuſſen ſich aufgehalten. Es iſt ſolches aber doch ſehr wahr⸗ 

ſcheinlich, ob gleich damals und noch lange Zeit hernach auch gothiſche Volker am 
Strande gewohnet haben. Zuletzt ſind dieſe von denen wendiſchen oder ſarmatiſchen 

Voͤlkern verdraͤngt, fo daß zur Zeit, da der deutſche Orden ins fand gekommen, kei⸗ 

ne Spur der gothiſchen Völker mehr vorhanden war. Die Sarmatiſchen aber hat⸗ 

ten ſich ſchon damals in mehrere Staaten vertheilet. Wenn ſie ſich in ganz Preuſſen 
an! KR. Ye ausge⸗ 


D Libr. 5. Geogr. p. fr . ex edit, Sanfonii, Sariknoch alt und neu Preuſſen S. 22. 


12 Geſchichte von Preuſſen. 
ausgebreitet, und in Nebenvoͤlkerſchaften ferner verthellet, kann fo genau nicht ange 
geben werden. Doch iſt es ſehr wahrſcheinlich, daß beides zur Zeit der groſſen Völ⸗ 
kerwanderung geſchehen ſeyn wird, weil auch ſolche auf fie und ihre naͤchſte Nachbarn 
die Alaunen oder Alanen nothwendig einen Einfluß haben müffen. 
9. 9. 5 
Ihre beſchaf⸗ Die aͤlteſten ſarmatiſchen Einwohner Preuſſens waren bis zur Zeit, da das 
— Chriſtenthum bey ihren Nachbarn den Polacken und Daͤnen durchdringen konte, weit 
tung. rauher als nachher. Ihrem Körper nach blieben fie aber dieſelben. Es waren beute, 
die viele Röthe im Geſicht und blaue Augen im Kopf hatten. Ein langer Bart und 
ungeſchornes langes Haupthaar, das entweder von Natur roth war, oder doch durch 
Kunſt roch gefärbt wurde, ein ſtarker Korper und dauerhafte Geſundheit ſchienen ihnen 
eigen zu ſeyn. Ihre erſte Sprache war fo arm, daß, als fie bey den arbeitſamen 
Aeſtiern weit mehr Sachen antrafen, die Fleiß und Handel denſelben verſchaft hats 
ten, ſo muſten ſie nothwendig ſich deren Wörter bedienen, und daraus entſtund die 
preußifche kandesſprache, welche mehr oder weniger mit der ſlaviſchen, als ihrer aͤl⸗ 
teſten Mutterſprache, vermiſcht worden. Bey ihnen war es erlaubt, mehrere Wei⸗ 
ber zu nehmen, und ſie kehrten ſich hierin an keine Bande der Verwandtſchaft ſo daß 
der Sohn ſeine Stiefmutter ſich beilegen konte. Wenn einer ſich ein Maͤdgen ausge⸗ 
ſucht hatte, ließ er folche durch feine nächften Blutsfreunde entfuͤhren, und erſt hier ⸗ 
auf um ſie anwerben. Wenn man ſich vereiniget hatte, wie hoch der Braͤutigam die 
Tochter bezahlen ſolte, fo wurden Veranſtaltungen zum Beilager gemacht. Unter ih⸗ 
nen kaufte man die Frau, ſo wie bey uns den Mann durchs Heiratsguth. Das Maͤd⸗ 
gen ſtellte erſt ein Gaſtmal für ihre Geſpielinnen an, in deren Geſellſchaft fie ſich ſehr 
klaͤglich ſtellte, daß fie nun nicht mehr ihre Eltern bedienen, und das Hausweſen des 
Vaters beſorgen konte. Ihre und ihrer Freundinnen Thraͤnen miſchten ſich in dieſe 
Klagen; man tröftere jedoch auch die Braut fo kraͤftig, als wenn es noͤthig geweſen. 
Sodenn erſt beſtieg ſie den Wagen, der ſie in das Haus ihres Geliebten bringen ſolte, 
und von demſelben, ſie abzuholen, geſchickt worden. Auf der Grenze des Orts, wo 
ſolcher wohnte, kam ihr ein Abgeſchickter entgegen, der in der einen Hand einen Feuers 
brand, in der andern ein Trinkgeſchirr hatte. Solcher legte ihr die Pflicht, das 
Hausweſen ihres Mannes kuͤnftig ſo zu beſorgen, wie ſie es den Eltern geleiſtet, 
dadurch vor, daß er fügte, fo wie fie bisher für das Feuer in ihrer Eltern Haus geſor⸗ 
get, fo muͤſte fie jetzt ſich eben damit bey ihrem kuͤnftigen Manne beſchaͤftigen. So⸗ 
denn reichte er ihr das Trinkgeſchirr, um ihr zu lehren, daß eine fleißige Hauswirthin 
alles vollauf habe. So bald der Wagen fuͤr dem Hauſe des Braͤutigams hielt, lief 
der Fuhrmann unter dem Geſchrey der Anweſenden, die ſeine Ankunft verkuͤndigten, 
ins Haus, und wo er nicht Schlaͤge haben wolte, ſo ſetzte er ſich mit einem Sprung 
auf einen mit einem Kuͤſſen belegten und einem Tuch bedeckten Stul gleich an der Thuͤr, 
bis die von den ee me Braut anlangte, welche ſodenn den Stul ee, 


F - g * * n N * 


5 Geſchichte von Preuſſen. 13 
5 und mit einem Trunk bewillkommt ward. Denn fuͤhrte man ſie um den Herd. Der 
F Fuhrmann trug den Stul nach, worauf ſie ſich ſetzte, man wuſch ihr die Fuͤſſe, und bes 
N ſprengte mit dem Waſſer die Gaͤſte, Brautbette, Vieh und das ganze Haus. Denn 
verband man der Braut die Augen, und beſchmierete ihre lippen mit Honig, vielleicht 
anzuzeigen, daß alle ihr Worte angenehm ſeyn ſolten. Mit verbundenen Augen fuͤhr⸗ 
te man ſie an alle Thuͤren, die ſie auf das Zureden mit dem Fuß anſtoſſen muſte, wer⸗ 


— auf ſie allemal mit allerhand Getreide beſchuͤttet ward. Man machte ihr davon bie 
1 Auslegung: daß einer frommen und fleißigen Hausfrau nichts mangeln koͤnne. Hierauf 
1 ward das Band ihrer Augen abgelöſet, und das Hochzeitmal verzehret. Eſſen, Trin⸗ 


ken, Spielen und Tanzen waren Merkmale allgemeiner Froͤlichkeit. Endlich ſchnitt 
einer der naͤchſten Verwandten der Braut die Haarlocken ab, und ſonderte fie dadurch 
von denen ledigen Weibsbildern ab. Die Frauens ſetzten ihr einen breiten mit einem 
weiſſen Tuch benaͤheten Kranz auf, den fie kuͤnftig fo lange tragen folte, bis ſie ihren 
erſten Sohn geboren. Denn alle Töchter, die fie zur Welt brächte, waͤren von ih⸗ 
rem Fleiſch, und nur ein von ihr geborner Sohn würde fie von den Jungfern abſon⸗ 
dern. Meinen beſern uͤberlaſſe ich, hiervon zu urtheilen. Nun ſtieß man die Braut 
von allen Seiten nach dem Brautbette zu dem Braͤutigam. Es ſcheint, daß wenn 
fie ſich geweigert, von felbft zu Bette zu gehen, ſolches als was artiges angefehen iſt. 
Und doch ward fie noch mit allerhand gequaͤlet. Sie muſte nebſt ihrem Geliebten ein 
Gericht von allerhand gebratenen Nieren ſpeiſen, da ſchon auf dem Brauttiſche nichts 
von geſchnittenem Vieh aufgetragen worden, damit alles die Fruchtbarkeit befördern 
ſolte. Zuletzt naͤherten ſich die erheblichſten Matronen dem Bette, und gaben uͤber 
das mörhige Verhalten den Neuverehelichten Unterricht, als wenn ſolches nothwendig 
geweſen. Nun erſt blieben die Verbundene allein. Am folgenden Tage war ihre er 
ſte Koſt dasjenige, was von den gebratenen Nieren uͤbrig geblieben, und ſodenn erſt 
durften fie andere Speiſen genuͤſſen. Die übrige Zeit des lebens durch war die Frau 
von einer Magd in ihren Beſchaͤftigungen nicht viel unterſchieden. Doch hatte die ers 

ſte Frau einigen Vorzug vor denen uͤbrigen. Der Ehebruch wurde mit dem Feuer be⸗ 
ſtraft, und die Aſche der Verbrannten auf den Weg geſtreuet. Die Kinder, die aus 
Ehebruch gezeugt worden, waren zum Prieſterthum unfähig. Aber man verbrannte 
auch die Weiber, welche die eheliche Pflicht verweigerten, und ihre Schweſtern kamen 
in Verachtung, weil ſie der Schweſter ihr gebuͤhrlich Verhalten nicht eingepräget. Der 
Mann hatte alle Gewalt, auch ſogar Über das Leben feiner Gattin. Er betraurete ſei⸗ 
ne verſtorbene Gehüͤlſin nicht länger als acht Tage. Eine Witwe aber, die keine Kin⸗ 
der hatte, wurde fo lange von jungen Geſellen beſucht, bis fie ins Wochenbette kam, 
worauf ſelbige dem geiſtlichen Stande ſich widmen, und Zeitlebens, bey Strafe des 
Feuers, aller Beiwohnung enthalten muſte. Es konte jedoch auch des Erblaſſers 
naͤchſter Verwandte, oder der Erbe die Witwe als ein geerbtes Gut ſich zueignen. Die 
vaͤterliche Gewalt über feine Kinder war uneingeſchraͤnkt, ſo daß der Vater ſelbſt 
das leben nach ſeinem Gefallen nehmen konte, denen er ſolches gegeben. Die 
3 ea 45 20:5 Galin⸗ 


un —- 


} 


Sortfegung. | 


14 Geſchichte von Preuſſen. 

Galinder beſchloſſen fogar, da fie ſich gar zu ſehr zu vermehren glaubten, daß bie 
Wehemuͤtter alle Maͤdgen toͤdten, und nur die Knaben zum Kriege leben laſſen ſolten, 
und da dieſem grauſamen Befehl nicht nachgelebet worden, ſchnitten ſie ihren Weibern 
die Bruͤſte ab, damit ihre Kinder ohne Nahrung blieben. So erzehlt es wenigſtens 
der erſte chriſtliche preußiſche Geſchichtſchreiber ). Uebrigens muſten die Kinder als 
les Hausweſen beſorgen helfen, und waren nichts weniger als weichlich, aber auch 
nach dem Urbild ihrer Eltern, erzogen. Sonſt hielten ſie ſich freilich auch ihre Knech⸗ 
te und Maͤgde. Man kann nicht behaupten, daß ſie alle Gefangene umgebracht, oder 
den Göttern aufgeopfert hätten. Sie behielten viele als teibeigene, die ſich ſodenn 
durch die Fortpflanzung vermehreten. Nach der Menge der keibeigenen pflegte man 
den Reichthum ihrer Herren zu beſtimmen, welche ſonſt weder prächtig noch herr ⸗ 
lich lebten. i 

{. 10. - 


Sie unterſchleden ſich zwar bereits zu Taciti Zeiten von andern Sarmaten das 
durch, daß ſie ſich beſtaͤndige Wohnungen baueten, der Schilde ſich bedieneten, und 
geſchicktes Fußvolk abgaben, welches ſie alles von ihren Nachbarn den Deutſchen ge⸗ 
lernt zu haben ſcheinen. Aber freilich muß man in den aͤlteſten Zelten weder Pallaͤſte, 
noch Saͤulenordnungen ſuchen. Ihre Wohnungen waren anfaͤnglich einzeln in den 
dickſten Waͤldern zerſtreuet. In denen Kriegen aber mit denen Polacken fiengen ſie 
an, zu gemeinſchaftlicher Sicherheit, Dörfer anzulegen, die bey Ankunft des Ordens zahl⸗ 
reiche Einwohner hatten. Sie lerneten von eben denen Polacken von Natur uners 
ſteigliche Berge zu ihren Wohnſitzen wählen, und nach und nach auch nach dama⸗ 
liger Art beveſtigen, fo daß der deutſche Orden bey feiner Ankunft bereits im dande 
wohlbeveſtigte Orte und Schlöffer fand. Allein ihre übrige kebensart war blos nach 
denen hoͤchſten Beduͤrfniſſen des Lebens eingeſchraͤnkt, ohne alles dasjenige, was Bes 
quemlichkeit, Wohlanſtaͤndigkeit und Pracht erfordern, zu haben. Ihre Speiſe war 
geſotten und gebraten Fleiſch von zahmen Thieren, die fie auch zu ſchneiden verſtun 
den, und Wildprett. Auch Kräuter und Wurzeln affen fie, aber nie roh, ſondern 
gekocht, daher wunderten ſie ſich ausnehmend, als ſie auf den Tafeln der deutſchen 
Ritter rohe Kraͤuter oder Sallate auftragen und ſpeiſen ſahen. So wenigſtens muß 
Dusburgs Nachricht 5) verftanden werden. Zu ihren Speifen gehöreten noch Fiſche, 
Milchſpeiſen und Brod. Sonderlich ward der Heerlng vor 1313 an dem preußiſchen 
Strande fo häufig, als an den ſchottiſchen Kuͤſten gefangen 7), ohne ſolchen einzus 
ſalzen. Ihre Zuthat war Butter und Honig. Auch der Trunk war, ſo wie die 
Speiſe, einheimiſch. Vor des Ordens Zeiten beſtund der Trunk in Waſſer, Stut⸗ 
tenmilch und Mech. Den letztern braueten fie aus Honig, und berauſchten ſich darin 
fo ſehr, als nur andere Volker in andern ſtarken Getränken chun konten. Ob fie wer 
g N nigſtens 
) Petr. Dusburg Part. 3. Chr. e. 4. Von ) Petr. Dusburg. P. 3. Chr. Pruſſ. c. 69. 


allem bishererzehlten it nachzuſehen Sartknoch Al. 1) Petr. Dusburg in Synchronifino ad P. 3. 
N. N. Pr. S. 75 f. ©, 175 f. c, 308. Erl. Pr. T, 5 P · 493 . 


Geſchichte von Preuſſen. N 15 
nigſtens in altern Zeiten nicht auch das Blut ihres Schlachtviehes zum kabetrunk ges - 
braucht, laͤſſet ſich eher behaupten, als verneinen. Mit der Zeit lerneten fie auch die 
Kräfte des Bieres kennen, und bedieneten ſich deſſelben mit Ueberfluß. Ihre Gefaͤſſe 
beſtunden aus Holz und Thon, und zum Trinken brauchten ſie unter andern Schaalen 
und Hörner u). Der Stof zu ihren Kleidungsſtuͤcken war Pelzwerk, Leder, ſonder⸗ 
lich teinwand und Wolle. Jeder war fein eigener Schneider. Die Kleider waren 
nicht gefuͤttert, daher fie ſolche auf beiden Seiten tragen konten. Das Frauenzimmer 
ſahe jedoch auf Putz. Sie trugen meiſt leinwand zu ihrer Bedeckung, in die ſie 
ſich mehr einwickelten, als ſolche anzogen. Ihre Enveloppen waren aber lang gemacht, 
und giengen bis auf die Waden. Den Hals ziereten fie mit kupfernen und meßingenen 
Ringen, und ſie bedieneten ſich auch gewiſſer Ohrgehaͤnge. Die Mannsbilder trugen 
kurze Röcke, die dicht an dem Leibe anlagen. Sie machten ſie von Pelzwerk, Leinen 
oder grobem weiſſen Tuch. Das letztere kauften oder tauſchten ſie gegen Marderfelle 
von den Deutſchen, lerneten aber nachher ſolches ſelbſt weben. Zuletzt lieſſen fie fich 
von den Polacken auch gefärbte Tuͤcher als eine Schatzung erlegen, und der Orden 
brachte ihnen ſolche aus Deutſchland in weit beſſerer Beſchaffenheit zum Geſchenk. Die 
Beinkleider reichten bis auf die Schue, welche nach dem Verhaͤltniß des Reichthums 
bald von leder, bald von Baumbaſt gemacht waren. Der Ackerbau, die Vieh ⸗ und 
Bienenzucht, die Jagd, der Vogelfang, die Fiſcherey, nebſt der Beute im Kriege 
waren ihre Erhaltungsmittel, wozu nachmals auch der Handel mit Bernſtein und Rauch⸗ 
waaren kam, dafuͤr ſie von den Deutſchen theils Sachen, theils Geld erhielten. Zu⸗ 
letzt hatten fie auch Schiffe in der Oſtſee gehen. Von Natur war es ein leutſelig 
und gefelliges Volk, welches beſonders gegen jeden ſehr gaſtfrey ſich bezeigte. Ein 
Fremder gieng aus einer Hand in die andere, und ward von jedem nach Moͤglichkeit 
bewirthet. Selbſt ihre Feinde ruͤhmen dieſe Eigenſchaft. Sie giengen denen, die 
an ihrem Strande Schif bruch erlitten, mit aller Huͤlfleiſtung entgegen, und unter⸗ 
ſtͤͤtzten die Schiffenden, fo bald fie ſolche von Seeraͤubern angegriffen ſahen. Ihre 
natürliche Fähigkeiten des Verſtandes zeigten ſich in allen Stuͤcken, wovon fie Kennt⸗ 
niß hatten, und blos der Mangel der Wiſſenſchaften machte ſie zu Barbaren. Ihre 
Tapferkeit gegen alle ihre Feinde vereitelte die Anſchlaͤge der Polacken, fie unterwuͤrſig 
zu machen, und hielt die deutſchen Ritter in dieſem Geſchaͤft mehr denn funfzig Jahre 
auf. Sie glaubten, daß wer nicht arbeite, auch keines Unterhalts wuͤrdig ſey. Dar⸗ 
um tödteten fie die Kinder, welche gebrechlich und zu aller Arbeit untauglich waren. 
Alte unvermögende leute, ſogar bis auf die Eltern ſelbſt, baten, daß man ſie als uns 
nuͤtz ums leben bringen möchte. Dies hieß die Liebe zur Arbeit zu hoch treiben. Ein 
reifer Rath des Greifen erſetzt öfters die Geſchaͤftigkeit und Fleiß eines Mannes in den 
beſten Jahren. Dieſes ſowol als die Haͤrte gegen die Gefangene, da ſie ſolche ihren 
Goͤttern opferten, ſollen Beweiſe ihrer Grauſamkeit ſeyn. Allein da ihren Göttern ein 
gewiſſer Antheil aller Beute gebuͤhrete, fo zählten fie auch die Gefangene dahin, und 

a wenn 


1 Erl. Pr. B. 1 S. 641: 


85 Geſchichte von reif. 


wenn man das Betragen ihrer Feinde gegen ſie betrachtet, ſo entſchuldiget ſie ebenfals 
das Wiedervergeltungsrecht. Ein anderes kaſter, das man ihnen Schuld giebt, iſt 
die Falſchheit x). Ihre neuen Oberherren konten ſich nie ihrer Treue verſichert Hals 
ten, und ſolche waren allemal ihrem Untergange am naͤchſten, wenn fie den alten 
Preuſſen am meiſten zutraueten. Gegen die ins Land kommende Apoſtel und Deut⸗ 
ſche überhaupt veruͤbten fie bey aller Gelegenheit Grausamkeit. Allein der klaͤgliche 
Verluſt ihrer Freiheit, die ſich in eine tiefe Selaverey verwandeln ſolte, das harte 
Betragen der Oberherren zwang ſie zu allen Mitteln, ſich derſelben zu entſchuͤtten. 
Mit eben dem Rechte, welches die Spanier hatten, die Americaner zu vertilgen, 
und ſich ihre Beſitzungen zuzuelgnen, mit eben dem Rechte ſuchten Polacken und Deut⸗ 
ſche die Wohnſitze der Preuſſen einzunehmen, und die alten Einwohner zu verdren⸗ 
gen. Man bedienete ſich mehr als ſpaniſcher Härte, ihnen die ſanften lehren des 
Chriſtenthums, wie wir nachher ſehen werden, einzuprägen, und lieferte ihnen ganz 
entgegenſtehende Muſter. Der Eifer vor die Beibehaltung ihres alten Gottesdienſtes, 
ehe fie einen beſſern erkannten, iſt mehr zu loben, als zu ſchelten. Aber die Voͤlerey, 
der fie ergeben waren, iſt unſtreitig, und ein gemeinfchaftlicher Fehler der nordi⸗ 
ſchen Volker. Männer und Frauenzimmer trunken ſich und ihren Gaͤſten fo lange zu, 
bis ſie insgeſamt ihre Sinnen verloren hatten. Schon Kinder taumelten trunken de⸗ 
nen vollen Alten entgegen. Solte ſich wohl ſolches einigermaſſen mit der Kaͤlte ent⸗ 
ſchuldigen laſſen, welcher ſie ſich erwehren wollen? Trunken die Deutſchen nicht eben 
fo gern, die fie der Völleren beſchuldigten? Man beſchuldiget die Preuſſen nicht, daß 
fie den Deutſchen zugetrunken, ſondern nach dem letzten Zuge des Trinfgefchirres 
Gift darein geworfen, und ſodenn friſch gefuͤllet daſſelbe dem Deutſchen überreicht has 
ben. Daher entſtand das Trinkrecht 5), das der Orden vorſchrieb: wer die Neige 
getrunken, muß vom friſchen wieder anfangen; welches nachher auch in Pommern 
ſtatt gefunden 2). Aber man ſiehet hieraus, daß die Deutſchen nicht das volle Trink⸗ 
geſchirr, ſondern das darin befindliche Gift verabſcheuet haben. Die Vollerey erſchüͤt⸗ 
terte aber öfters der alten Preuſſen Geſundheit, und ſenkte alle ihre Glieder in eine 


Traͤgheit. Dieſe ſowol als andere Krankheiten zu vertreiben, bedieneten fie ſich vor 


zuͤglich der Badſtuben 2). Aber die Einfalt ihrer lebensart b) machte dieſe Reinigung 
noch unentbehrlicher, um ſich derer lebendigen Geſchöpfe zu entledigen, welche öfters 
veränderte Waͤſche und Wechſel der Kleider zurückhalten. Hiezu kam, daß fie aus 
oͤfterm Wachſen in den Badſtuben, wie viele Völker vor ihnen thaten, und wie noch 
die Tuͤrken pflegen, ein gottesdienſtlich Geſchaͤft machten, und ihren Göttern da 
durch gefallen wolten c). R | 


j x) Erl. Pr. B. 1 S. 142. i a). pr. Samml. B. 1 S. 793. } 


) Erl. Pr. B. 2 S. 96. b) Erl. Pr. B. 5 ©. 260. 


2) Gelrichs Beiträge zur brandenburtziſchen c) Selmold beſchreibt fie Überhaupt recht lie 
Hiſtorie. benswuͤrdig in Chron. Slay, Lib. 1. 0,3 p. 3. 


Geſchichte 55 Preuſſen. 6 m 


Man bedienete ſich aber auch auffer den Badſtuben einiger gottesdienſtlichen Mit / Beſchluß. 
tel bey Krankheiten. Man that Geluͤbde, und ließ ſich mit heiliger Aſche vom Altar der 
Götter beſtreuen. War die Krankheit bey alle dem unheilbar, fo wurden die Kranken ums 
gebracht. Die Knechte hieng man auf, kranke Kinder und andere ſchwache beute opfer⸗ 
te man den Obttern auf einem Scheiterhaufen. Selbſt vornehme und reiche Perſo⸗ 
nen wurden, ſo wie auch wohl Eltern, mit Betten erſtickt. Den Verſtorbenen wuſch 
man ab, kleidete ihn weiß an, und ſetzte ihn auf einen Stul. Die ganze Nachbar⸗ 
ſchaft kam zuſammen, um ihm zuzutrinken. Vielleicht wolten ſie ſehen, ob die Seele 
fich wirklich vom Leibe getrennet, weil ein Lebendiger nicht leicht Beſcheld zu thun vers 
abſaͤumte. Endlich fieng ſich ein Klaggeſchrey an. Man ſchien darin eine Verwun⸗ 
derung an den Tag zu legen, daß der Todte dieſes Leben verlaſſen, indem er doch alle 
Beduͤrfniſſe gehabt, und wohl gar nach ſeiner Art reich geweſen, auch ſogar ihm die 
1 erwuͤnſchten Vergnuͤgungen nicht gemangelt. Man ſahe den Tod als eine Reiſe in el⸗ 
5 ne andere Welt an, und verſorgte den verſtorbenen Mann auf dieſer Reiſe mit einem 
Schwerdt und etwas Gelde, das Frauenzimmer mit Nehgeraͤthe. Die lebenden wuͤnſch⸗ 
5 ten dem Todten Fünftige Gluͤckſeligkeiten, und beftellten auch durch ſolche an laͤngſt ver» 
ſtorbene Bekandte ihren Gruß. Bey Abfuͤhrung des leichenwagens folgte das Frauen⸗ 
zimmer nur bis an die Grenze, die verwandte Mannsperſonen aber bis zum Ort des 
teichenbegängniffes mit entblößtem Gewehr zu Pferde, um durch luftſtreiche alle ſich 
naͤhernde Teufel zur Hollen zu jagen. An dem Ort der keichenbeſtattung folgten aufs 
neue Klagelieder von ſchon bemeldter Art. Die Todten wurden bey ihnen meiſt ver⸗ 
brannt; doch ſind auch, beſonders gegen die Zelten des Ordens, einige beerdiget. Der 
Körper ward aber gewöhnlich auf einen Holzftoß geſetzt, und nachher auch Jagdhunde, 
Pferde, Waffen, und beim Frauenzimmer ein Spinnrad ins Feuer geworfen. Man 
will auch wiſſen, daß ſich Knechte, Eheweiber, auch wohl Prieſter freiwillig bey der 
leiche eines ſehr Vornehmen mit lebendig verbrannt. Andere geiſtliche Perſonen pflegs 
ten ſodenn den Verſtorbenen noch mit einer lobrede zu ehren. Die Aſche ward in ir⸗ 
dene Töpfe geſammlet, und ſodenn begraben. Man warf Geld mit in das Grab. 
Man findet Waffen, Menſchen und Pferdezierrathen von allerhand Gattungen in 
den Gräbern. Zuweilen werden auch Trinkgeſchirre mit Bier und Meth gefunden. 
Das Grab bedeckte ein Grabhuͤgel. Vornehme hatten ihre Erbbegraͤbniſſe. Auſſer dem 
waren auch gemeine Begraͤbniſſe ganzer Oerter ). An der Grabſtelle ward der Todte 
30 Tage von feiner Frau bey Auf ⸗ und Untergang der Sonnen beweinet, und dies Ges 
fchäfte verwalteten einige Klageweiber wohl vier Wochen lang. Man bewirthete dle 
Verwandten an einer Tafel, wo alles ſtumm zu ſeyn ſchien, und wo man die Spei⸗ 
fern durch zwey zu Tiſch dienende Weiber ſchon zerlegt bekam. Die Männner ſaſſen 
allein, und die Frauensperſonen rn allein. Des Verſtorbenen Seele ward zur 
Mahl⸗ 


rr 


5 0 erl. pr. B. 1 S. 783. III. 309. 539. IV. 79. 309. pe Samml. B. 2 S. 2. 
p. aug preuß. Geſch. 4 Th. N 


18 Geſchichte von Preuſſen. 
Mahlzeit gebethen, und jeder warf etwas von ſeinem Eſſen unter den Tiſch, wo man 
auch etwas Trinken hingoß, auch nichts von dem aufhob, was von ohngefehr herunter 
fiel. Endlich ſtand ein Prieſter vom Tiſch auf, fegte das Zimmer aus, und rief: 
heraus ihr Seelgen, ihr habt nun gegeſſen und getrunken, gehet heraus. 
Hierauf wurden erſt die Tiſchgaſte gleichſam lebendig. Man fieng an zu ſprechen. 
Perſonen beider Geſchlechter trunken ſich einander zu. Der Trank machte luſtig, und man 
kuͤßte ſich ſogar unter einander. Aus allem dieſem ſiehet man, daß die alten Preuſſen die 
Seelenunſterblichkeit annahmen, und ihnen nach dieſem ein anderes Leben zuſchrieben e). 


$. . 


Ihre goͤtter⸗ Dieſes führer mich auf ihren Gottesdienſt. Nichts iſt dunkler, als dieſer. Theils | 
lehre. konten die Chriſten keine richtige Nachricht davon geben, weil ſie an ihre heilige 
Orte nicht kommen und den Gottesdienſt nicht anſehen durften, theils weil man ſich N 
nicht die Mühe gab, ihren Gottesdienſt zu der Zeit zu beſchreiben, da ſolcher noch öf⸗ | 
fentlich getrieben wurde, weil er damals zu bekandt ſeyn mochte. Die fpäteren und N 
aus fuͤhrlichſten Nachrichten davon find von Chriſten geliefert, als ihr Gottes dienſt 
nur noch von wenigen heimlich getrieben wurde, und dazu von ſolchen, die von der 
ehemaligen Religion ihrer Vorfahren keine rechte hiſtoriſche Kenntniß mehr hatten. 
Hiezu kam, daß, da fie unſtreitige Abgötter und Heiden geweſen, mancher dieſem, 
mancher einem andern Namen und Bilde etwas göttliches beilegte, und feinen GOtt 
für den hoͤchſten ausgab, auch daß ihr Gottesdienſt nicht zu allen Zeiten gleich gewe⸗ 
fen. Die Einwohner Preuſſens glaubten Gott; das iſt gewiß. Das älteſte preußi⸗ 
ſche Geſchichtbuch /), was wir noch haben, ſagt, daß ſie Sonne, Mond, Sterne 
und faſt alle vierfüßige, fliegende auch kriechende Gefchöpfe, ſelbſt Kröten verehret. Da 
aber alle uͤbrige Nachrichten darin uͤbereinſtimmen, daß die Einwohner des Landes ge⸗ 
wiſſe Götter gehabt, und denenſelben gewiſſe Namen gegeben, ſo muß man die erſte 
Meinung wohl fo verſtehen, daß fie faſt alle Geſchoͤpfe als ihren Göttern gewidmete 
heilige Sachen gehalten. Daher kam es, daß dieſer die ſchwarzen, ein anderer die 
weiffen Pferde heilig hielt, und ſolche ſich nicht zu reiten unterſtanden. Wir haben 
ein ganzes Verzeichniß der Namen ihrer Gottheiten, die eine Nachricht anders als die 
andere liefert, und ſelbſt in der Rangordnung gehen die Schriftſteller von einander ab. 
Vielleicht hat eine und eben dieſelbe Gottheit mehrere Namen gehabt, unter denen ſie nach 
Verſchiedenheit der Zeiten, der Gegenden und der Perſonen, auch der Mundart der 
Sprache verehret wurde. Sie verehreten ſie ohne Tempel an heiligen Stellen, in den 
Haͤuſern, Seen, Fluͤſſen, Brunnen, Wäldern und unter einzelnen Baͤumen, ſonderlich 
- Eichen, Linden und Wachholderſtraͤuchen. Die heilige Eiche zu Romowe, welche 
vermuthlich da geftanden, wo nachher das heilige Dreifaltigkeitskloſter erbauet iſt g) 3. 
; 522 88 j au * die 


e) Sartknoch A. u. N. Pr. S. tor f. S. 181 f. 
) Petr. de Duisburg. Chr Pruſſ P. 3. c. 5. a Dh: 3 
80 Erl. Pr. T. 3 p. 285. Add Boruſſ. T. 1 p. 325 f. in: | 12 


die heilige Eiche zu Heiligenbeil; die heilige Eiche an der Weichſel, die vermuthlich 
da geweſen, worauf nachher die Veſtung Thorn erbauet worden; die welauiſche hei⸗ 
lige Eiche, welche noch zu Herzog Albrechts des altern Zeiten ſtand, waren die vor⸗ 
nehmſten. Man verehrte allgemeine Landesgötter, Götter dieſer oder jener Gegend, 
oder diefer oder jener Gattung Menſchen, und endlich Hausgötter. Auf der beſtaͤndig 


| Be Geschichte von Pruuſen 19 
. 
Fr 


| grünen fehr groffen Eiche zu Romowe ſtanden in den aͤlteſten Zeiten zwiſchen den Aeſten die 
* Blloniſſe der drey gröſten dandesgötter Percunos, Picollos, Potrimpos. Pers 
cunos ſtellte man unter dem Bilde eines Mannes in den beſten Jahren vor, und legte 


ihm die Gewalt des Donners bey. Er war alſo der Gott des Himmels. Picollos 
1 Bild ſtellte einen alten finſtern Mann von blaſſer Todtenfarbe mit verbundenem Kopf 
vor. Alle Strafen kamen von ihm, und er muſte mit Blut verſöhnt werden. Er 
war der Gott der Holle. Potrimpos ſchien einen jungen frölichen Mann vorzuſtel⸗ 
2 len, deſſen Haupt mit Aehren bekraͤnzt war. Er war der Gott der Erden. Alleln 
| der Dienſt dieſer Götzen blieb nur bis zu den Zeiten Boleslai 1 von Polen ungeſtört. 
1 Dieſer verbrannte die Bilder ſamt der Eiche, und fo oft die Preuſſen den Dienſt zu 
b Romowe wieder herzuftellen ſich bemuͤheten, fo oft wurde derſelbe wieder von denen 
. Polacken ſonderlich Maſuren, geſtöret, fo daß ſie endlich ihre Gottheiten mit ans 
dern Namen belegten, und auch an andern Orten verehrten. Zur Zeit der Ankunft 
. des Ordens war kein Romowe mehr in Preuſſen, und man weiß nicht mit Gewis⸗ 
beit mehr zu ſagen, wo Romowe geſtanden. Nachher kam der Dienſt des Curcho 
auf, dem man die Vorſorge der Fruͤchte zuſchrieb, und alle Jahr nach der Erndte ein 
neues Bild auf der heiligenbeilſchen Eiche errichtete. Der nachmalige Biſchof Anshelm 
von Ermeland wolte, dieſe Abgötterey zu ſtoͤren, die Eiche umhauen laſſen. Aber 
das Beil, welches man dazu brauchen wolte, fuhr vom Stiel, und verwundete den, 
welcher hiebey Hand angeleget hatte. Dies ſoll, meint Hartknoch, dem Ort, der 
ſonſt nur die heilige Stadt hieß, den Namen Heiligenbeil gegeben haben. Ich glau⸗ 
be, daß der Name Heiligenbeil von Heiligenbuͤhel, oder heiliger Hügel entſtan⸗ 
den ſen. Was aber das Beil nicht ausrichtete, that das Feuer. Die Eiche ward 
verbrannt. Worskaitus war der Gott der vierfüßigen Thiere, und Iſchwambra⸗ 
tus alles Geflägels. Aber es gab noch mehr Namen, die die alten Preuſſen ihren 
“Gottheiten beilegten. Waiſſel fuͤhrt fie in folgender Ordnung an: Occopirnus der 
bioͤchſte Gott Himmels und der Erden, Schwayrtir der Gott des lichts, Ausſchwey⸗ 
tus der Gott der Geſunden und Kranken, Antrimpus Gott des Meeres und der 
groſſen Seen, Gott der flieſſenden Gewaͤſſer, Perdoytus Gott der Schiffe, Pergu⸗ 
brius Gott des Graſes, Pelvittus Gott der Feldfrüchte, Percunus Gott des Don⸗ 
ners und Regens, Peckullus Gott der Hölle, Pockollus der Teufel, Puſchkaytus 
der Erden unter dem Hollunder, Barſtucke und Marcopete die kleinen Erdmaͤnner⸗ 
gen. Selbſt dies Verzeichniß lehret, wie ſchlecht die Chriſten von der Götterlehre 
der heidniſchen Preuſſen unterrichtet geweſen, und es mag wohl ſelbſt bey den letztern 
die Gottregelahrtheit fit der Zeit in groſſe ee geratßen ſeyn, da man ihnen 
C 2 N nicht 


20 Geſchichte von Preuſſen. 
nicht mehr erlaubte, ihre Religion frey und öffentlich, auszuuͤben. Ohne dieſe Gögem 
namen hielt man, wie ich ſchon gemeldet, noch verſchiedene Geſchöͤpfe für heilig /). 


. 


Ihre gottes⸗ Zur Zeit, da die Eiche von Romowe noch ſtand, und ihre Gottesgelahrtheit 
5 ſowol als ihr ganzer Götterdienſt noch ungeftört vorgetragen und verrichtet wurde, hat . 
gottesdienſt ten ſie einen hohen Prieſter. Ihr Papſt hieß Crieve, dem man noch prächtige Bel⸗ 
iu Romowe. namen gab. Das Verzeichniß, welches Grunow von allen auf einander gefolgten 

Crieve gegeben, ſcheinet ſchon dem Hartknoch erdichtet zu ſeyn. Dieſer hohe Prie⸗ 
ſter, alle feine Verwandte, und ſogar feine Boten wurden überall mit Ehrfurcht em⸗ 
pfangen und behandelt. Grunow erzehlt: daß wenn ein Crieve zu hohem Alter ge⸗ ö 
kommen, ſelbiger ſich ſelbſt den Goͤttern aufzuopfern pflegte. Er habe durch andere 
gottesdienſtliche Perſonen das Volk verſammlen laſſen, ſey ſodenn auf einen Holz „ 
ſtoß geſtiegen, und habe an das Volk eine Bußpredigt gehalten. Wenn er ſolches N 
dadurch zur Reue bewogen, wären von ihm Tröftungen und das Verſprechen hinzuge 
fuͤget, fich ſelbſt vor des Volks Suͤnde aufzuopfern. Denn ſey der Holzſtoß anges 
ſteckt, und der Crieve verbrannt. Die anweſenden Unterprieſter waͤhlten hierauf aus 
ihrem Mittel einen neuen Papſt, und ſtellten folchen des folgenden Tages der Ders 
ſammlung als einen ſolchen für, welcher von den Gbttern ſelbſt erkohren, und daher 
aller Folgſamkeit wuͤrdig ſey. Der vornehmſte Name ihrer übrigen Prieſter war der 
Name der Waidelotten. Sie hieſſen aber auch wohl Wurskaiten und Singo⸗ 
notten. Man hatte welche aus beiderley Geſchlecht, und ſie wohneten theils in ⸗ theils 
auſſerhalb Romowe. Ihr Amt war opfern, das Volk im Gottesdienſt und in ihren 
tebenspflichten unterrichten, beten, ſegnen, und in zweifelhaften und verworrenen 
Fällen einen Götterſpruch thun. Ihr Anſehen war erheblich, aber es wurden auch ih⸗ 
re Verſuͤndigungen ſehr hart und mit dem Feuer beſtraft. Ihre Diener und Helfer in 
ihren gottesdienſtlichen Verrichtungen hieſſen Linguſſonen und Tiluſſonen, welche 
noch damals die gottesdienſtlichen Verrichtungen, ſonderlich bey Leichenbegaͤngniſſen, 
verrichteten, als der romowiſche Dienſt ſchon laͤngſt in Unordnung gekommen. Die 
Sdalgonen, Puttonen, Weionen, Puſtonen, Seitonen, Swakonen ſchei⸗ 
nen bey dieſem aberglaubiſchen Volke mehr dasjenige vorzuſtellen, was man heutiges 
Tages unter Wahrſagern, Zeitdeutern und Taffengiefferinnen verſtehet, als daß fie 
ordentlich gottesdienſtliche Perſonen geweſen. Noch im Jahr 1531 hatte ſich das blinde 
Volk aus ſechs Dörfern einen Prieſter erwaͤhlet. Als Romowe noch ſtand, konte 
ordentlicher Weiſe der Crieve allein in das Allerheiligſte gehen, denn die Eiche wan 
mit acht oder ſieben Vorhaͤngen umzogen, die nur in den hoͤchſten Feſttagen, oder bey 
ſonderlichen Opfern abgezogen wurden. Dem heiligen Orte durfte ſich aber kein Miffer 
thaͤter, die auſſerhalb Romowe getoͤdtet wurden, ſehen laſſen. Am wenigſten war 
es Chriſten erlaubt, ſich demſelben zu nähern, wofern nicht die Götter mit feinem 
8 oder 


5) Sereknoch a. u. N. pr. S. uj f 


Geſchichte von Preuſſen. 8 
oder eines andern Blut ſolten verſöhnet werden. Bey dleſen Opfern war wieder a 
Erieve die erheblichſte Perſon, da auſſer Romowe in den ältern Zeiten kein Op d 
erlaubt war. Die Menfchenopfer waren das abſcheulichſte. Der Crieve, andere als 
te und gebrechliche Perſonen opferten ſich zuweilen ſelbſt freiwillig, oder wurden auch 
von ihren naͤchſten Verwandten dazu beſtimmt. Hauptſaͤchlich waren die Feinde zu 
dieſer Felerlichkeit beſtimmt. Wolten die Preuffen einen Krieg anfangen, ſo ſuch⸗ 
ten ſie erſt von ihrem Feinde jemand zum Gefangenen zu machen. Aus deſſen Blut 
ſolte der Crieve weiſſagen, ob der Krieg gluͤcklich laufen wuͤrde. Er ſtieß ſelbigem ein 
Opfermeſſer in die Bruſt. lief das Blut ſtromweiſe, fo verkuͤndigte ſolches den beſten 
Erfolg, wo nicht, ſo verſchob man den Feldzug. Auch zur Zeit der Fortſetzung des 
Krieges wurden gefangene Jungfrauen mit Blumen befränzt und die feindlichen gefans 
genen Anführer geopfert. Noch zur Zeit der Kreuzherren waren Menſchenopfer bey 
den Preuſſen gewohnlich. Gerhard Rude, Hirtzhaltz, Heidenreich Eylinger 
und Wilhelm von Koburg werden namentlich als folche angeführer, die dieſes To⸗ 
des geſtorben. Der erſte ward mit völliger Ruͤſtung zu Pferde verbrannt. Der an⸗ 
dere ward durch ein dreimal geworfenes kooß, welches unter den Mitgefangenen alles 
mal den Hirtzhaltz traf, dazu erkieſet. Da aber zu Zeiten des deutſchen Ordens die 
Menſchenopfer ſchon fo ſelten vorgefallen, ſo ſcheinen mir die davon angeführten Bei⸗ 
ſpiele nicht ſowol wirkliche Opfer, als vielmehr Fälle geweſen zu ſeyn, wo durch die 
aͤuſſerſte Strenge die kriegfuͤhrende Preuſſen die deutſchen Ordensleute zu beſſerer Bes 
handlung der Gefangenen zu bewegen ſuchten. Sonſt wurden auch wol Pferde zu 
Romowe geopfert, und allemal die Eiche mit Blut beſprengt. Der Crieve nahm 
ferner von aller Beute einen gewiſſen Theil, der den Göttern gehörte „in Empfang. 
Wenn er dem Volk der Götter Willen kund machen wolte, nahmen ihn die Waide⸗ 
lotten auf die Schultern. Ihnen ſagte er, was die Götter dem Volk verkuͤndigen 
wolten, und ſie muſten es dem Volk bekandt machen. Wenn es donnerte, glaubte 
man, Percunos rede mit dem Crieve, daher jeder Preuſſe ſodenn auf fein Ange, 
ſicht niederfiel. Dieſem Percunos ward zu Ehren ein ewig Feuer gehalten, und der 
Waidelotte, aus deſſen Schuld ſolches ausgieng, muſte ſterben. Dem Picollos 
ward ein Menfchens oder Pferdekopf zu Ehren aufgeſtellet. Wenn die Einbildung ei⸗ 
nem vornehmen Preuſſen ein Geſpenſt vorſtellte, fo glaubte man, Picollos muͤſte 
mit Opfern verſöhnt werden. Geſchahe ſolches nicht bald, und das Geſpenſt erfchien 
zum drittenmal, ſo konte nur Blut ſeinen Zorn ſtillen. Man bat daher einen Wai⸗ 
delotten, ſich den Arm aufzuritzen, und ein Getöſe oder Geraͤuſch in der heiligen Ei 
che verkuͤndigte, daß Picollos verſöͤhnt ſey. Der geſpielte Betrug iſt meiner Mei⸗ 
nung nach bandgreiflich. Ihm opferte man hauptfächlich die Feinde auf. Dem Por 
zu Ehren ward eine Schlange in einem mit einer Korngarbe bedeckten Topf 
mit Milch geſpeiſet, auch Wachs und Weyrauch angezuͤndet, und Kinder geopfert. 
Des Waidelotte muſte, ehe er ſeinen Dienſt antrat, drey Tage faſten, 
auf der Erde liegen, und ſich ſo zu 2 768 zubereiten. So ordentlich ſoll der 
5 Goͤtzen⸗ 


ME Geſchichte von Preuſſen. 
Obtendienſt zu Romowe eingerichtet geweſen ſeyn. So oft ſolcher geſtört wotden/ 
unterſtunden fi ich nicht die Preuſſen, einen Krieg anzufangen. Aber als derſelbe 
nicht weiter hergeſtellt worden ward die 2 gröfke u d der eee. ver⸗ 
würeter 5). 
5 Be 
und nach zer⸗ Denn 10d ward dem Curcho zu Ehren zu Hellgenbell e ein n gan ge 
W 2 halten, und ihm die Erſtlinge vom Fiſchzuge, und auch nach der Erndte von den Feld⸗ 
flrüͤchten geopfert. Perdoytus wurde von den Fiſchern an der Oſtſee als ein ſehr groß 
fer Gott verehret, der beſtaͤndig auf der See ſtuͤnde, der nach ſeiner Stellung die 
Winde beſtimme, und der Fiſche todte oder verjage, wenn er zornig ſey. Ihm opfer⸗ 
te man Fiſche auf allen hohen Steinen am Waſſer. Oſt hielten die Fiſcher ein Feſt, 
wo fie Fiſche affen und weidlich trunken, und zuletzt durch einen Prieſter die Winde 
theilen, und ſich Ort und Tag beſtimmen lieſſen, wo jeder fiſchen ſollte. Den Puſch⸗ 
kaitus beteten fie in Wäldern an. Sie hatten ihm feine Wohnung in der Erde un⸗ 
ter Hollunderbaͤumen angewieſen. Seine Verehrer trugen ihm Brod und Getraͤnke 
bin, und baten ihn, den Barſtucken zu befehlen, ihre Scheunen zu Füllen; und zu 
bewahren, auch zu verhindern, daß der Adel ſie nicht zu hart halte. Den Barſtu⸗ 
cken und Marcopeten ward in der Scheune ein gedeckter Tiſch mit Brod, Kaͤſe, 
Butter und Bier beſetzt. Verlor ſich davon nichts, ſo hielten ſie ſolches vor ein übel 
Zeichen. Je mehr davon ſich verzehret fand, je lieber war es ihnen, und ſie erſetzten 
den Abgang reichlich. Wenn ſie zuſammengehaͤufte Spaͤne im Hauſe fanden, fo lieſ⸗ 7 
fen fie ſolche liegen, und wenn fie in den Milchtoͤpfen Miſt fanden, fo trunk das gan⸗ 
ze Haus davon, und beides hielten fie vor ein Zeichen, daß ſich Erdmännergen bey ih⸗ 
nen einfaͤnden. Maonche fuͤtterten Schlangen mit Milch in ihren Haͤuſern. Manche 
hielten Seen und Fluͤſſe vor heilig, und wollten darin nicht fiſchen. Andere hatten 
heilige Wälder, worin Holz und alle Thiere unverletzlich waren. Noch andere huͤteten 
ſich dieſes oder jenes Thler zu tödten. Aus der Begegnung eines kranken Menſchen 
oder alten Weibes machten fie ſich ein böſes Zeichen. Kurz der Aberglaube dieſer Eins 
fältigen iſt unbeſchreiblich. Sie hatten Feine andere Abtheilung der Zeit, als in Som 
mer, Herbſt, Winter und Fruͤhling, in Saat und Erndte, in Tag und Nacht. 
Sie rechneten nach p und fo viel Tagen, die fie ſich mit Kerben auf ein Holz oder 
Knoten am Guͤrtelriemen abzeichneten. Doch hatten fie. einige Faſttage. Im An⸗ 
fange des Fruͤtling feireten fie dem Pergubrio, welches vielleicht ein anderer Name 
des Curcho geweſen, ein Feſt, auf welchem ſtark getrunken ward. Der Prieſter 
lobte den Gott wegen feiner Wohlthaten, und bat ihn um eine reiche Erndte. Hler⸗ 
auf faßte er eine volle Schale, die er fo lange in der Hand gehalten, mit den Zähnen 
an, trank ſie, ohne die Hand dazu zu bringen, aus, und warf ſie auf eben dieſe 
Art über den Kopf. Manchmal folgten eben ſolche Reden, den andern Göttern zu Ehe 
zen, und nach einer jeten folgte auf ei die Wa die age der immer friſch gefuͤll⸗ 
g ten 


A 


) Hartknoch A. u. N. Pr. S. 146 f. Ada Boruf, 1. 1. Pp. 218. 


‚Serbihte son Braun. =» 23 


[ gen Schaale. Alle Umſtehende trunken ſich eben ſo oft mit $uft zu, als der Prieſter 

ſeine Schaale ausleerete. Eben dem Gott ward im Auguſt das Erndte Dankfeſt, 

1 Zazineck genannt, doch noch vor Anfang der Erndte gehalten, wo man demſelben fuͤr 

; die reiche Erndte dankte. War die Erndte ſchlecht ausgefallen, ward von einem Prieſter 

i der Auſchweytus angerufen, um bey den andern Göttern fürzubissen, kuͤnftig beſſere Ernd⸗ 
ten zu gewaͤhren, wobey das Volk ſeine Sünden beweinete, und Beſſerung des debens 
gelobte. Der was groſſes verbrochen, und dadurch der Götter Zorn gereizt, ward an 

F Gelde geſtraft. Davor ward ein Gaſtmahl angerichtet, wozu auch ein jeder was aus 
“feinem Haufe herbeiſchafte, ſo wie die Weiber Brod von neuem Korn gebacken brach⸗ 

f ten. So lange noch was zu ſchmauſen da war, blieb die Geſellſchaft zufammen. Hiers 

| auf ward einem aufgetragen, mit Feierlichkeit die Erndte anzufangen, dem die ubri⸗ 

' gen folgten. Nach eingeſammleten Feldfruͤchten folgte das Feſt Ozinek. In dem 

ſelben ward ein Tiſch mit Heu bedeckt, denn Brod darauf gelegt, und auf beiden Sel⸗ 

N ten des Tiſches Bier geſetzt. Der Prieſter brachte ſodenn allerhand Vieh von beidem 

3 Geflecht, und ſegnete ſoſches. Das Opferthier ſchlug er ſodenn vor den Kopf und 

ö andere Glieder. Denn ſchlug alles Volk auf das Vieh, unter Dankgeſchren vor bishe⸗ 

% rige Wohlehaten und Gebet um zufünftige los. Der Priefter warf ſodenn einige Stuͤ⸗ 

cken in die Winkel des Hauſes dem Gott Pergubrio, worauf ein Gaſtmal folgte, 


das fo viele Tage daurete, als das Getränfe und Speifen zulangten. An dieſem Feſt⸗ 
tage gieng alſo unter andern die Heiligung oder Opferung einiger Thiere vor; worun⸗ 
ter das Bockheiligen K) noch ſehr ſpaͤte bis auf die Zeiten der Kirchenverbeſſerung unter 
dem gemeinen Velk heimlich uͤblich war, obwol auch Beiſpiele von der Heiligung ande⸗ 
rer Thiere vorkommen, und nech 1531 noch eine Sau von etlichen Wan 5 


gehe worden /). 
5 d. 15. 


Die gothiſchen Völker, und alfo auch die Aeſtier hatten in Preuſſen Ron Buͤrgerliche 
ge m). Aber die Wenden hatten ſolche in Preuſſen nicht, ſondern ihr Adel war verfaflung der 
unabhängig, auffer daß fie gemeinſchaftliche Sachen in offentlichen Zuſammenküͤnften uber / ſ * * 

legten. Neuere Schrlftſteller aber verfichern, daß einmal in Preuſſen eine groſſe ze 

f änderung vorgefallen, ob fie gleich in den Umſtaͤnden von einander abweichen. Man 
5 berichtet nemlich, daß im vierten Jahrhundert unter des Kaiſers Valentiniani 1 Res 
gelerung verſchledene Völkerſchaften, ſonderlich die Alaner von denen die Lithauer ab⸗ 
ſtammen follen, einen mächtigen Einfall in Deutſchland gethan. Die Sicambrer 
aber haͤtten folche zuruͤckgeſchlagen, und ſonderlich die Alaner zum Zuruͤckzuge gendthis 
get. Sie zogen ſich nach Preuffen, wohin auch die in ihrem Vaterlande zurückge⸗ 
bliebene nachgekommen, die alles ihrige mitgebracht und gutwillig aufgenommen wor⸗ 
den. Aber die e feyn 1 3 57 zu klein geworden, worauf viele Zerruͤttungen ges 
i folgt 


h Erl. Pr. B. 3 e. 
) Hartknoch A. u. N. eat. Adds Beruf T. 2. p. u T. 3. p. 456: 
2 m) Ser Variarum c. 2. 


24 Geſchichte von Preuſſen. 
folgt wären, weil die maͤchtlgen die ſchwͤcheren unterdruͤckt. Dies fein Uebel abzuhelfen 
habe man endlich eine allgemeine Verſammlung gehalten, auf der man einen allgemeinen 
König zu wählen beſchloſſen, nur wuͤnſchte man, einen zu haben, der das Wort fuͤh⸗ 
re. Endlich Härte ein alter Alane, Waydewut, von geoffem Vermögen und anſehn⸗ 
licher Freundſchaft ſich der Sache unterzogen. Er habe der Verſammlung den Rath 
gegeben, nach Art derer ihnen bekannten Bienen ein allgemeines Oberhaupt zu erwöͤh⸗ 
len, der Gerechtigkeit handhaben, das Unrecht rächen, fie vor Fremden ſchuͤtzen und 
alles anordnen konte. Einhellig habe die Verſammlung ſolches angenommen, und eben 
den Waydewut zum Könige erkohren, der die angebotene Wurde wirklich angenom⸗ 
men. Er habe ſodenn das Land unter die Menſchen ausgethellt, und ihnen den ro⸗ 
moweſchen Gottesdienſt angeordnet; er habe ihnen allerhand Arten von Geſetzen gege⸗ 
ben, und fie nach und nach ſehr geſittet gemacht. Man ſchreibt ihm ſogar ein Wap⸗ 
pen zu n). Aber der Lycurg der Preuſſen ſey endlich auf den Entſchluß gekommen, 
die königliche Würde niederzulegen, und das Land unter feine 12 Söhne zu theilen, fo 
daß der aͤlteſte einen Vorzug für feinen Übrigen Kindern behalte. Eilf davon hätte 
er mit Herrſchaften in Preuſſen verſorgt, dem Lithwo aber fen Litthauen zu Theil 
geworden. Wandewut behielt wirklich die hoͤchſte Gewalt, aber unter veränderter 
Geſtalt. Er ließ ſich zum Hohenprieſter oder Crieve, um uͤber ſeine Geſetze halten zu kon⸗ 
nen, machen. Zuletzt verbrannte er ſich den Göttern zu Ehren, wie folches auch fein Btu · 
der Pruteno gethan, der ihm im Hohenprieſterthum gefolgt ſeyn ſoll. Lycurg gieng 
weg, um feine Geſetze ewig zu machen, Waydewut ward Cruve, um daruͤber hal⸗ 
ten zu können. Dieſe Erzehlung wird wohl noch mit einigen Umſtaͤnden vermehrt. 
Allein ſelbſt diejenigen, welche ſolche vorgetragen, ſind unter ſich nicht eins. Man 
ſtreitet ſich über die Zeit, wenn er gelebt, über fein Vaterland, da ihn andere zum 
Cimbrer oder Juͤtlaͤnder machen, über die Zahl und Namen feiner Kinder u. ſ. w. 
Wäre dleſe Geſchichte gewiß, fo haͤtte Preuſſen ſchon lange mit dem königlichen Chr 
rennamen gepranget. Doch bedarf es ſolches nicht o). Hartknoch hat dieſe ganze 
Erzaͤhlung von dem Waydewut fuͤr ein Gedichte gehalten, und glaubt, daß es blos 
daher entſtanden, well man gefunden, daß alle gute Einrichtung in Preuſſen durch 
einen Waydewut und Pruteno veranſtaltet worden, welches aber beides blos einen 
verſtaͤndigen, und in Wiſſenſchaften erfahrnen Mann ausdruͤcke, und hieraus hätten 
die, welche der altpreußifchen Sprache unkundig, eigenthuͤmliche Benennungen ge, 
macht. 
n) Sartknoch A. u. N. Pr. S. 226. Adds Boruſſ. T. 2. p. 660. 12 
„) Ein preußiſcher Dichter hat fo davon im Erl. Pr. Th. 2. S. 448 geſungen: 


Waydewut, gekroͤntes Preuſſen, Die ſer hat darin verfehler, 

Dein Beherrſcher erſter Zeit, Und ſich heftig uͤbereilt, g 
Soll zugleich ein Koͤnig heiſſen, s Daß er dich, wie man erzehlet, 
Deiner erſten Herrlichkeit: Vielen Soͤhnen ausgethellt: i 
Es ſey wahr; es fey nicht wahr; Es ſey wahr; es ſey nicht wahr; 
Mir gilt alles beides gleich, Mir gilt alles beides gleich, 

So iſt dennoch offenbar, f So iſt dennoch offenbar, 


Preuſſen iſt ein Königreich. Preuſſen iſt ein Koͤnigreich. 


F 


macht. Es wäre viel zu weitläuftig, den Grund oder Ungrund dieser Erzählung bier 


zu unterſuchen p). In der That ſcheint Hartknoch nicht Grund genug gehabt zu has 


ben, das wirkliche Daſeyn des Waydewuts, dieſes preußiſchen Numa Pompi⸗ 
lius ſo ſchlecht weg zu leugnen. Den wichtigſten Grund nimmt er daher, daß zwar 
der Orden das fand in eilf landſchaften gecheilt gefunden, daß aber bie, erften preußi⸗ 
ſchen Schriftſteller kein Wort vom Waydewut gedenken, daß die Ritter keine Spur 
eines Königreichs angetroffen, ſondern daß das fand unter dem Adel damals ſich vers 
theilt befunden. Da aber Waydewut das Land unter feine Söhne vertheilen konnen, 
fo ſiehet man, daß ihm die Regierung vor ſich und feine Erben erblich übertragen ſey. 
Wenn nun die Söhne dieſes Fürften, wieder Theilungen unter ihren Kindern veran⸗ 
ſtaltet, und ſolche noch weiter das ererbte getheilte Land wieder unter ihre Nachkommen 
vercheilt, fo iſt leicht begreiflich, daß zu Zeiten des deutſchen Ordens keine Spur vom 
ehemaligen Königreiche oder einer allgemeinen Oberherrſchaft über ganz Preuſſen mehr 
dageweſen; und daß es den erſten preußiſchen Schriftſtellern, wenn fie gleich davon 
etwas gehört, eben fo unglaublich vorgekommen, die daher mit Fleiß davon nichts ers 
wehnen wollen . | 2 R | AR 
16. 

Das iſt wenigſtens gewiß, daß zu der Zeit, da Preuſſen bekannter geworden, 
kein allgemeiner Oberherr daſſelbe regieret. Ein jeder Gutsherr war zugleich Regent 
auf feinen Beſitzungen. Man konte fie kleine Könige nennen. Eine Urkunde vom 
Dietrich von Altenburg vom Jahr 1332 erwehnet wirklich der ehemaligen Könige der 


Stadt Bartenſtein. In dem Lande waren nur Adeliche, und ſolche die nicht von 


Adel. Der Adel war dem Stande nach nicht, ſo wie in Deutſchland, in den hohen 


und niedern abgetheilt, ſondern alle gehörten zu dem hohen Adel. Sie waren insge⸗ 
ſuomt Supans oder Herren. Doch hatten die reichern freilich vor denen einen Vor⸗ 


zug, die weniger bemictelt waren. Die erſten nannten daher die ins fand kommende 
Deutſche, wol Fuͤrſten. Ohnerachtet ſolche dem Herkommen nach nichts beſſer als ans 


dere Supans geweſen, fo. verſchafte ihnen doch ihr vorzuͤglicher Reichthum mehr 


Gewalt und Anſehen. Alle hatten bey allgemeinen Berathſchlagungen eine Stimme, 


N und die ſich bereits durch Tapferkeit einen Namen erworben, konten ſich Hofnung ma⸗ 


en, daß fie zu allgemeinen Kriegsheerfuͤhrern oder Herzogen erwaͤhlt würden, obgleich 


die erſten preußiſchen Geſchichtſchreiber ſolche meiſtens nur Hauptleute nennen, die aber 


öfters viele 1000 unter ihrer Anfuͤhrung hatten. Man hat Verzeichniſſe von denen 

alten adelichen preuſiſchen Geſchlechtern geſammlet 7), welche aber um fo weniger voll⸗ 

ſeyn können, da der deutſche Orden viele mit der gröften Gewalt völlig ausge⸗ 

tottet, viele ſich nach Lithauen und andere benachbarte Laͤnder zu fliehen gezwungen, 

1 7 0 end⸗ 

5) Meber dieſe Sache haben meine zwey num 4) Erl. P. B. 2. S. 448. 510. Acta Boruſſ. 

mehr ſeligen Freunde err Sahme und Herr Frie- T. 1. p. 99. Hartknoch A. u. N. Pr. S. 230. 

in den konigsbergſchen gelehtten Anzeigen im 1) Hartknoch A. u. N. Pr. ©, 443. Erl. Pr. 
Jahr 1742 ſehr geſchickte Streitſchriſten gewechſelt. B. 2. D. 4 


P. allg. preuß. Befch. 4 Ch. 


Jortſetzung. 


— —— ͤ Aʒů n — Z 


— . Geſchichte von Preuſſen. 


endlich noch andere zu einer Gattung von Bauren gemacht. Nur einige wenige alte 
preußiſche adeliche Geſchlechter haben ſich durch Annehmung des Chriſtenthums und 


durch Unterwerfung unter die Gewalt des Ordens erhalten. Man nennet die Lesge⸗ 
wang, Kalnein, Perband, Parthein, Brarein, Malgedein und Merckier 
als folche, die noch von denen altadelichen preußiſchen Geſchlechtern abſtammen. Dies 
jenigen, welche keine Supans waren, und alſo nicht zum Adel gehöreten, waren 
meiſtens in ſchlechten Umſtaͤnden. Ich will zwar nicht eben behaupten, daß ſie insge⸗ 
ſamt lelbeigen geweſen, halte aber folches hoͤchſt wahrſcheinlich. Sie opferten deswe⸗ 
gen dem Gott unter dem Hollunderbaum, daß ihre Schickſale unter ihren Herren er⸗ 
leichtert würden. In denen wenigen Städten, welche nach und nach erbauet worden, 
mögen wohl freilich die Einwohner es etwas beſſer gehabt, und mehrere Freiheiten ges 
noſſen haben, da man die Muſter von denen deutſchen Staͤdten entlehnen konte. Doch 
zweifele ich ſehr, daß es Staͤdte gegeben, die nicht dieſem oder jenem Supan zuge⸗ 
hoͤret. Auch dieſe wurden zur Zeit des Ordens ſehr dünne gemacht, ob wohl nicht zu 
leugnen, daß noch viele jetzt in Preuſſen lebende Einwohner von denſelben abſtammen 
ſollten. Allein dieſe Einrichtung verhinderte doch die Beſorgung des allgemeinen Be⸗ 
ſten nicht. Die Supans einer jeden landſchaft hielten zu dieſem Ende Landtaͤge, 
auf denen ſie ihre Stimmen ablegten, aber zugleich ihre Geiſtlichen zu Rathe zogen und 
ſolche nicht leicht auſſer Augen ſetzten. Auf dieſen Zuſammenkuͤnften muß Recht und 
Gerechtigkeit uͤber die Supans gehandhabet worden ſeyn, fo wie dieſe die Gerichtsbar ⸗ 
keit uͤber ihre Unterthanen ausuͤbten. Von geſchriebenen Geſetzen haben wir keine Nach⸗ 
richt, und das Herkommen mag neben der natuͤrlichen Billigkeit die einzige Richtſchnur 
geweſen ſeyn, wornach man die Streithaͤndel entſchieden, und die Miſſethaͤter beſtra _ 
fet. Wir haben von denen Todesſtrafen derer, die das heilige Feuer ausgehen laſſen, 
die einen Ehebruch begangen, die aus dem Ehebruch erzeugt worden, und die dem 
Mann die eheliche Pflicht verſagten, bereits gedacht. Wenn ein Diebſtahl begangen, 
fo ſuchten fie erſt durch aberglaͤubiſche Handlungen ihrer Waidelotten den Dieb her⸗ 
aus zu bringen. Wenn ſolcher uͤberzeugt worden, ſtaͤupete man den, der zum erſten⸗ 


mal geſtohlen, zum anderumal ward er mit Keulen, ihren Waffen, gepruͤgelt, und zum 


drittenmal denen Hunden vorgeworfen, weil fie fo raubbegierig, als dieſe Thiere, ſich auf⸗ 
gefuͤhret. Sie ſahen hicben mehr auf die Wiederholung des Verbrechens, und folg ⸗ 
lich die Gemüchsart, die aller Beſſerung unfähig chien, als auf die Gröſſe des Dieb, 
ſtals, der bey der Menge der Beduͤrfniſſe, und bey dem Mangel anderer Sachen ſo 
erheblich nicht ſeyn konte. Alle Todesſtrafen aber wurden, aus Ehrfurcht gegen die 
Götter, weit von dem Ort entfernt vollſtreckt / wo man den Gottesdienſt verrichtete )). 


Unſtreitig waren Krieg, Frieden und Buͤndniſſe vorzuͤgliche Berathſchlagungen der all- 
gemeinen Verſammlung 2). In denen Kriegen bedieneten fie ſich anfaͤnglich groſſer 


und kleiner mit Bley ausgegoſſener Keulen, womit ſie eben ſo handveſt ſchlugen als 
geſchickt und treſſend warfen. Nachher aber lerneten fie tee . kennen 255 


) Erl. Pr. B. 2. S. 140. t) Bartknoch x. u. . pr. S. 238 ie 


Geſchichte von Preuſſen. 


N 27 
bedieneten ſich zur Zeit des Ordens der Schwerdter, der Spieffe, der Schilde. Sie lernten 


Orte beveſtigen und vertheidigen. Umpfaͤlungen, Mauren, Thuͤrme und Graben wuſten 
ſie geſchickt anzubringen, und ſonderlich bey ihren veſten Orten die Vortheile des Bo⸗ 


dens zu beobachten. Beym Angrif bedienten fie ſich gewiſſer Mauerbrecher und Stein ⸗ 


ſchleuderer als Werkzeuge u). Kurz ſie hatten mit denen Rittern gleiche Waffen. Durch 
Tapferkeit machten ſie allen Feinden genug zu thun und hielten die Eroberung ihres 
landes durch den Orden ganzer 53 Jahre auf. Sie verbanden mit dem Muth auch 
Klugheit, und die polniſchen Geſchichtſchreiber muͤſſen geſtehen, daß fie durch Kriegs⸗ 
liſt und Klugheit manche Vortheile erlangt. Sie ſollen ſich ſogar gewiſſer Paniere 
oder Fahnen bedienet haben, die Hartknoch im Kupferſtich geliefert hat. Die erſte⸗ 
re ſcheint mir ſehr wahrſcheinlich. Was die Wenden in der Mark Brandenburg 
durch drey Köpfe auf einem Korper auszudruͤcken gewohnt waren x), ſtellten die alten 
Wenden in Preuſſen durch drey verſchiedene Körper vor, und fo wie jene ihrer Göts 
ter Bilder ins Feld mitnahmen, und in ihren Fahnen brauchten ), ſo koͤnnen es auch 
wohl die Wenden in Preuſſen gethan haben. Die Fahne des Waydewuts beru⸗ 
het auf dem Grunde odec Ungrunde der ganzen Erzehlung von dem Daſeyn ſeiner Per⸗ 
fon. Daß alſo Hartknochs Bilder 2) wohl richtig ſeyn mögen. Doch laͤſſet ſich 
aus Taciti Worten wohl nicht erweiſen, daß ſchon die Aeſtier Fahnen gehabt, wo⸗ 


rin fie das Bild der wilden Schweine gebraucht, wie doch Haynovius vorgiebt a). 


Auf den öffentlichen Verſammlungen waͤhlten ſich die Preuſſen ihren Feldherren, wel⸗ 
cher die zum Kriege taugliche Mannſchaft feiner kandſchaft fo befehligte, daß ein jeder 

unter ihm, ‚feiner Unterthanen Anfuͤhrer war. Ihre Heere waren zahlreich, 
und das Fusvolk war der Kern ihres Volks, und übertraf die Reuter an Menge. Aus 
dem Opfer des erſten Gefangenen ſchloſſen fie, ob der Krieg fortzuſetzen. Mit denen Ger 
fangenen giengen fie hart um. Sie machten fie zu Leibeigenen, wenn fie zuvor die 


2 feindlichen Anführer geopfert hatten. Denn das Beſte der Beute gehörere den Got⸗ 


Sie theileten ſolche dergeſtalt, daß bald ein Viertel den Göttern, das andere dem 
be den Waidelotten, das dritte den Bundesgenoſſen und Freunden, das vlerte 
dem Ueberwinder; bald ein Drittel den Goͤttern, das andere den Prieſtern, und das 


dritte dem Ueberwinder zu Theil ward. Dieſes zeiget auch, daß fie in ihren Kries 


ffe zu machen gewohnt geweſen / dan die Anna aus andern preußi⸗ 


gen Buͤndni 
a een bie nächften waren b). 


nn 517 9. vr. 

Denn das ganze Preuſſen war zur Zeit der Ritter i in eilf landſchaften abgethei / 
let. Ich mag nicht unterſuchen, ob ſolche wirklich vom Waydewut ihre Grenzen, 
und von deſſen Söhnen ihre Namen bekommen. Aber ich muß ſolche anfuͤhren um 
in der folgenden Geſchichte alles zu erleichtern. Ohne mich daher an die Ordnung zu 
5 D 2 . 
su Pi je beſchrieben inden pr. 29 Sariknoch A. u. N. Pr. ©. 226. 0 


% S. unfere Geſchichte B. 1. ©. 29. a) Ada Boruff T. 2. p. 99. 
0 n * 1. S. 179. a b) Hartknoch A. u. N. Pr. S. arg f. 


Beſchluß. 


28 Geſchichte von Preuffen. 
halten, die man Waydewuts Söhnen zuſchreibt, will ich dieſe kandſchaften aus dem 
Henneberger befehreiben. 1) Das Culmer Gebiet. Es iſt ein alter Streit, ob dieſe 
landſchaft urſpruͤnglich zu Preuſſen oder Polen gehdret. Wir werden davon kuͤnftig reden. 
Doch iſt fie lange Zeit ein Zankapfel, zwiſchen beiderſeitigen Herren geweſen. 2) Galin⸗ 
den grenzte ebenfals an Polen, und war fo volkreich, daß die Einwohner auf ſehr barbari⸗ 
ſche Mittel bedacht waren, ſich ſeiner Menge zu entledigen. 3) Sudauen grenzte an die 
polniſche landſchaft Podlachien und an Lithauen. Die Einwohner waren mächtig, 
und haben einmals auch das Galinder land erobert und verwuͤſtet. Aber endlich wurden 
viele Sudauer aus ihrem Vaterlande in eine andere landſchaft näher nach die See 
verſetzt, die von ihnen der Sudauer Winkel hieß. 4) Schalaunen lag ganz an der 
lithauiſchen tandſchaft Samaiten. Unter dem lag am curiſchen Hafen 5) Nas 
drauen. Zwiſchen derſelben und dem Galinder Lande lag 6) das Bartenland. 
Es grenzte ſolches mit 7) Ermeland. Solches hatte 8) Natangen über ſich. Dem 
lag zur Seiten 9) Pogeſanien oder das Hockerland. Dieſes lag neben 10) Pome⸗ 
zanien. Eine der erheblichften landſchaft war endlich 1) Samland. Sie machte 
meiſt eine Inſul aus, und lag in der fruchtbarſten Gegend. Hier war das preußi⸗ 
ſche Paradies c). Da die Sudauer an Volk die maͤchtigſten, ſo folgte ſodenn Sam⸗ 
land. Wenn Sudauen 6000 Reuter und faſt unzählige Fusknechte ſtellen konte, fo 
konte Samland 4000 Reuter und 40000 zu Fuß aufbringen. Andere Landſchaften 
aber lieferten nur ungefähr 2000 Reuter und auch wenigere Fußknechte als jene beide. 
Samland war unſtreitig am meiſten bevölkert, und hatte die geſitteſten Bewohner, 
welche bey Ausländern am belannteſten geweſen. Sie fuͤhreten hauptſuͤchlich den Han⸗ 
del mit Bernſtein und Rauchwaaren nach allen Kuͤſten der Oſtſee und ſonderlich nach 
Deutſchland. Helmold und Adam von Bremen haben fie gekannt, und nennen fie 
bald Samlaͤnder, bald Preuſſen. Dieſer letztere Namen iſt ſpaͤt der landesnamen 
geworden. Er kommt zuerſt in den Geſchichtbuͤchern der ſaͤchſiſchen Kaifer vor, und 
ward von Zeit zu Zeit immer gewönlicher. Man ſchrieb das fand Prucia, Pruzig 
Pruzzia, Prußia, Pruſcia, Prutzenia Prutenia, Borußia, und die neue 
ſten Schriftſteller haben noch Porußia geſagt d). Man pflegt in der Ableitung die ⸗ 
ſes Namens des landes und feiner Einwohner eben fo verſchiedene Meinungen zu hegen. 
Das wahrſcheinlichſte iſt, daß es entweder fo viel heiſſen foll, als das land nahe bey 
Rußland, Po⸗Rußia, oder das Preußland, das geprieſene land, wo Milch und 
Honig fleißt. Das letztere feheint mir am wahrſcheinlichſten. Denn die nahe Nach? 
barſchaft mit den Ruſſen iſt noch nicht fo erwieſen als es geſchehen muͤſte, wenn wirk⸗ 
lich das fand davon den Namen bekommen haben ſolte. Hingegen iſt es wohl ganz ges 
wiß, daß Deutſche dieſen Namen zuerſt gebraucht, die dem lande den Namen aus ihrer 
Sprache gegeben haben werden. Die erſten Apoſtel, die hineingekommen und endlich N 
zurückkehreten, wuſten die verſchiedene Völkerſchaften dieſes Hauptſtaats nicht beſſer mit 
einem Namen auszudrücken, als daß fie insgeſamt in einem geſegneten geprieſenen dan ⸗ 


) Erl. Pr. B. 3. O. 383. 5 . 4) Ada Borufl, T. 3. p. 936. 


x Geſchichte von Preuſſen. 29 
de wohneten. Die feinen Pelzwaren, ſonderlich Marderfelſe, dafur die Deutſchen 
gern ihre Tuͤcher hingaben, die Auerochſen, Elendthiere, Honig, Wachs, Vieh, leder, 
Talch, Fiſche, alles war annehmlich. Sonderlich war der Bernſtein ſo angenehm, 
daß ſich die Deutſchen in Preuſſen das vorſtellten, was man ſich heutiges Tages von 
Peru macht. Der Name Pruzzland, Prußland, Prutzen, Preuſſen war allein, 
ihren Einſichten nach, der, welcher ſich vor diefes land am beſten ſchickte. Dazu komme, 
daß Adam von Bremen die Sitten des Volks ſehr erhebet. Er wuſte an ihnen gar 
nichts auszuſetzen, als daß fie die chriſtliche Religion nicht annahmen, ſondern deren 
Diener graͤulich verfolgeten eo). Niese 
7 2 $ 18. NE J 1 

Da die alten Preuſſen vielleicht nicht einmal, wenlgſtens in altern Zeiten, Buch. Ibre erſten 
ſtaben gehabt, fo kann man ſich keine Geſchichtſchreiber von ihnen vermuthen. Dieb chaten. 
leicht find die erſten Nachrichten von ihren Thaten, die auch chriftliche benachbarte 
Schriftſteller, oder auch wohl deute aus dem Orden ſelbſt aufgeſetzt, mit Fleiß von 
dem deutſchen Orden unterdruͤckt. Man hat wenigſtens demſelben Schuld gegeben, 
daß er viele ſchriftliche Erzehlungen von dem, was in Preuſſen vorgegangen, vertil⸗ 
get habe. Muthmaſſungen muͤſſen daher in den aͤlteſten Zeiten die Stelle der Gewis⸗ 
‚heit vertreten. Ich will mich aber dabey fo kurz als möglich aufhalten, da alles, was 
wir wiſſen, theils Schluͤſſe aus gewiſſern Begebenheiten, theils verſtuͤmmelte Nachrich⸗ 
ten aus altern nicht richtig eingerichteter Erzehlungen find. Es gebötet hieher, daß 
durch erhebliche Veranderungen die an dem Strande wohnende Aeſtier von den Wen⸗ 
den verdrungen worden. Die Begebenheiten mit denen Alanen orer Cimbrern, 
welche denen Preuſſen den Waydewut zugeführet, und alles, was von dieſem ers 
ſten allgemeinen Beherrſcher Preuſſens bereits angefuͤhret iſt. Die Nachrichten der 
rußiſchen aͤltern Schriftſteller, welche verſichern, daß da ihr groffes Volk bisher auch 
keinen allgemeinen Herrn gehabt, ſolches ſich endlich entſchloſſen, einem Oberhaupt 
ſich zu unterwerfen. Sie hätten gehöret, daß der Kaiſer Auguſtus ſeinem Bruder 
Pruß ein erhebliches kand dieſſeits der Donau eingeräumet, deſſen Nachkommen in 
Preuſſen berrſcheten. Aus dieſem Geſchlecht hätten fie ſich ihren Herrn nehmen wol⸗ 
fen. Sie ſchickten daher Geſandte nach Preuſſen, woher Rurick, Sinaus und 
Trumwor, drey Brüder, im Jahr 862 nach Rußland gekommen, und Herren dieſes 

landes geworden wären f). Solte auch wohl das, was mit Waidewut in Preuſ⸗ 
gegangen, die Ruſſen zu einem gleichen Verlangen bewogen haben, durch eis 
iſchen Regenten bey ſich eben die Gluͤckſeligkeiten eingeführt zu ſehen, wel⸗ 
che Waidewuts Fönigliche Würde in Preuſſen nach ſich gezogen? Eben fo wenig 
hänge das mit der gewiſſen Geſchichte zufammen, was Peter von Dusburg von den 
ur "9 : 


3) I) 


N 3 alten 


) Vom alten 3 ſtande der preuſſen kann man alle preußiſche Geſchichtbuͤcher zu Rathe ziehen, 
auch die Abhandlung leſen, die im Erl, Pr. B. 5 S. 427 und Act. Boruſſ. T. 1 p. 99. 195, 
T. 2 p. 500, 637. 797 \ 
f) A& Bor. T. 1 p. 381. 


30 Geſchichte von Preuſſen. 
alten Kriegen der Preuſſen anfuͤhret 9). Sie ſollen mit dem Julius Caͤſar geſtrit 
ten haben, der aber wohl fo wenig jemals in Preuſſen geweſen, als des Auguſti 
Stiefſohn Druſus, ob deſſen Flotte gleich an denen daͤniſchen Inſeln geweſen. Der 
Krieg mit neun Bruͤdern aus Schweden, welche Gampti hieſſen, mag nichts anders 
vorſtellen, als die Kriege mit dem Berich, feinen Gothen und Gepidern und de⸗ 
‚ven Nachkommen den Aeſtiern. Was aber eben dieſer Geſchichtſchreiber von den 
Kriegen mit dem Hugo Potyr verſtehe, iſt eben fo dunkel. Ein anderer preußi⸗ 
ſcher Schriftſteller Y) legt dieſes von einem Kriege aus, der gegen einen deutſchen 
Hugonem Botyrum, ſonſt Bructerum, gefuͤhret ſey, welcher mit ſeinem Volk 
aus Sachſen, ſeinem Vaterlande, vertrieben worden, und ſich an beiden Seiten 
der Weichſel, zu den Zeiten des Kaiſers Otto des Groſſen, niedergelaſſen. Allein die 
deutſchen Schriftſteller haben davon nichts erwehnet, und ich weiß in der Geſchichte 
nichts, was damit etwas ähnliches hat, als die Streitigkeiten der Polacken mit dem 
lauſitziſchen Marggraf Udo un Jahr 973 und 974, in denen vielleicht die Preuſſen 
denen Polacken Hülfe geleifigg 5). Eben fo dunkel ſiehet es noch mit andern Kriegen 
der Preuſſen aus. Ein König Erich aus Schweden ſoll in Memel zu dem Gloms⸗ 
fäfe durch eine Belagerung Gelegenheit gegeben haben K). Es bleibt ebenfals zweifel 
haft, ob die Dänen Beſitzungen an der Weichſel gehabt, und ob die Kriege ihres 
Königs Siwarts, die er mit dem Wißimir oder Wiſimar, einem polniſchen oder 
wendiſchen Regenten, gefuͤhret, dem lande Preuſſen angegangen J). Es iſt eben 
„fo zweifelhaft, ob die daͤniſchen Könige m) Woldemar 1, Canut 6 und Wolde⸗ 
mar 2 Eroberungen in Preuſſen an dem Strande der Oſtſee gemacht, welche faſt 
alle Kuͤſten der Oſtſee bezwungen haben. Der Krieg, wodurch das fand der Ga⸗ 
linder wuͤſte geworden, muß mit denen Polacken geführer ſeyn, weil Petr. von 
Dusburg m) erzehlet, daß fie von den Chriſten fo übel zugerichtet worden. Denn 
da ſich die Galinder zu ſtark vermehret hatten, ſo faßte das ganze Volk auf einer 
Berfammlung den Schluß, daß alle neugeborne Maͤdgen umgebracht, die Sdh⸗ 
ne aber zum Kriege aufbehalten werden ſolten. Die W;ößmuͤtter aber unterlieſſen, 
dieſen ihnen aufgetragenen Befehl zu vollſtrecken. Hierauf beſchloß man, allen ſtillenden 
Weibern die Bruͤſte abzuſchneiden, damit die Kinder verſchmachten muͤſten. Allein das 
Frauenzimmer nahm die empfindlichſte Rache. Sie wuſten es durch eine gewonnene 
Propbetin dahin zu bringen, daß die Galinder auf einen vorgegebenen Sötterſpruch 
der Priefterin ohne alles Gewehr, vielleicht mit bloſſen Knuͤtteln bewafnet, die Chri⸗ 
ſten anfelen, und anfaͤnglich groſſe Verwuͤſtungen anrichteten, und vieles Volk ge⸗ 
fangen wegſchleppten. Beim Abzuge gieng ihnen einer der Gefangenen durch, und * 
gab denen Chriſten, die bisher furchtſamer geweſen, als es fich die welſe Frau vorge⸗ 
f ſtellet, 
2) Chr. Pruſſ. P. a. e 7 p. 41. 2 — — u 240. > 9570 . 
Lan 1 F 
i) Dir marus Merspurg ap Leibnit. Ser. Rer. Vandal. L. 2. e 21 p. 159, 
Brunſv. T. 1 p. 337. Fetr. Dusburg. P. 3. Chi. c. 4. 
t 


Geſchichte von Preuffen, 23 
ſtellet, von ihren ſchlechten Kriegsruͤſtungen Nachricht. Dies brachte ihren Unter⸗ 
gang zu Wege. Die Chriſten überfielen fie, und machten alles mit leichter Muͤhe 
nieder. Ob nun wohl hierauf Sudauer und andere preußiſche Volkerſchaften 
neue Bewohner dahin abſchickten, ſo blieb doch ſeit der Zeit das Galinderland ziem⸗ 
lich wuͤſte. 5 
ö f §. 19. N N f 
Eben die Kriege mit denen Polacken find es, die uns ſchon weitlaͤuftiger und Das chriſten⸗ 
umftändlicher ſeit den Zeiten Boleslai ı erzehlt werden. Es iſt nur zu bedauren, daß it ua 
alle Nachrichten, die wir davon haben, einfeitig von denen Polacken herruͤhren, und derungen an 
ſelbſt die Geſchichtſchreiber dieſes Volks ſpaͤter gelebt, und alfo das meifte aus bloſſen laß. 
mündlichen Ueberlieferungen, die vielleicht bereits mit Zuſaͤtzen ausgeſchmuͤckt gewefen, 
gezogen haben. Wir müffen jedoch, weil keine andere Quellen find, blos denen pol⸗ 
niſchen Geſchichtſchreibern folgen, und uns zugleich an ihre Zeitordnung halten. Die 
ſanfte lehre des Chriſtenthums wurde gemisbraucht, denen Preuſſen den Verluſt ihr 
rer Freiheit und endlich ihren Untergang zu bewerkſtelligen. Seit den Zeiten des groß 
ſen Carls der Franken muſte das Chriſtenthum, durch den Weg des Handels mit den 
Deutſchen, unſern Preuſſen gewiß bekandt geworden ſeyn, wo fie nicht ſchon fruͤher 
durch griechiſche Geiſtliche davon Nachricht erhalten. Es iſt ſehr wahrſcheinlich 0), 
daß die Mönche des Kloſters Corvey auch nach Preuſſen Bekehrer ausgeſandt haben mör 
gen, da ſolche ſich den allgemeinen Ruhm der nordiſchen Apoſtel zu verſchaffen ſuchten. Ihre 
Bemuͤhungen hatten jedoch keinen erwuͤnſchten Erfolg. Die Schuld kann nicht am 
Evangelio ſelbſt, ſondern vielleicht an den ſchlechten Gaben derer gelegen haben, die 
ſolches verkuͤndigten. Der Goͤtterdienſt zu Romowe gieng ungeflört fort. Endlich 
nahm der polniſche Regent Miecislaus 1 das Chriſtenthum aus Liebe zu feiner boͤh⸗ 
miſchen Gemalin Dambrowka an. Ganz Polen folgte ſeinem Beiſpiel. Die lehre 
von Chriſto breitete ſich alſo bis an die Grenzen Preuſſens aus. Dies gab dem hei⸗ 
ligen Albrecht, den die Polacken Woiciech nennen, Gelegenheit, Verſuche zu mas 
chen, auch dieſes land zu bekehren. Dieſer Mann, deſſen unruhige Gemuͤthsart aus 
feinem verſchiedenen Aufenthalt in Böhmen, Rom, Ungarn, Polen und Preuſ⸗ 
ſen zu erkennen, der ſich unter feinen tandesleuten den Böhmen beim Biſchofthum 
Prag nicht erhalten, oder die Unglaͤubigen ſeines Kirchenſprengels zu Chriſten machen 
konte, kam mit feinem Bruder und Gefährten Gaudentio nach Preuſſen, predigte 
im culmſchen Gebiet, welches damals zu Preuſſen gehöre haben muß, und gieng 
denn Über den Fluß Oſſa. Weil er kein Fehrgeld bezahlen konte, bekam er vor feine 
Unbeſonnenheit, eine weite Reiſe ohne Geld zu unternehmen, zur Strafe einen Ru⸗ 
derſchlag auf den Kopf. In Pomeſanien machte ihm die guͤtige Aufnahme eines 
Preuſſen zwar Hofnung, etwas in ſtinem Geſchaͤfte auszurichten; aber er fand 
auch hier keinen Eingang, und muſte ſich entfernen. Zu Waſſer gieng er von Dans 
n 5 | zig 
) Clagius rechnet unrichtig den heilige ie iſchen Apoſtel. 5 
noch K ER Er 8 heiligen Suibertum unter die preußiſchen Apoft Bart 


ü 


996. 


32 Geſchichte von Preuſſen. 
zig nach Samland. Aber Hier erwartete ihn fein Tod. Denn Siggo, ein heid⸗ 
niſcher Pfaffe, ſtieß ihm bey Fiſchhauſen einen Spieß in die Bruſt, und brachte nebſt 
feinen Amtsbruͤdern ihn mit ſieben Wunden 996 p) um das teben. Boleslaus Chro⸗ 
bri, König von Polen, wolte den Körper dieſes Prager Biſchofs, der aber nie 
Erzbiſchof von Gneſen geweſen, haben. Die Preuſſen aber, die damals in Pome⸗ 
ſanien ſowol als mland den Wehrt des Geldes ſchon verſtanden haben muͤſſen, 
wolten erſt ſo viel Geld haben, als der Leichnam wiegen würde. Doch ein Wunder⸗ 
werk machte, daß ſolcher auf der Wagſchaale ſehr leicht ausfiel. Mit mehreren Wun⸗ 
dern, die man dem heiligen Albrecht, der ſeit feinem Tode in Böhmen, Polen und 
Schleſien als ein heiliger verehret worden, und dem zu Ehren Kirchen erbauet und 
Münzen geſchlagen find J), mag ich meine leſer nicht aͤngſtigen 7). Ein anderer Bes 
nedictinermönch Boniſteius und Johannes waren eben fo unglücklich. Der heilige 


Bruno, geborner Herr von Querfurt, der gern Biſchof von Preuſſen werden 


wolte, hatte ſie auf ſeiner erſten Reiſe in Preuſſen zuruͤckgelaſſen, in ihrem Bekeh⸗ 
rungsgeſchaͤft unter den Preuffen. Sie wurden ohngefehr 1004 erſchlagen. Bru⸗ 
no war des Albrechts Nachfolger im Apoſtelamt und im Marterthum. Er gieng 
nach einem ſonderbaren Zufall, der ihm auf der Eſelswieſe begegnete, von Querfurt 
zum andernmal, ohngefehr 1009, nach Preuſſen. Da er aber, alles Drohens ohn⸗ 
geachtet, fortfuhr, Neugläubige zu machen, ward er den 9ten Merz ohngefehr 1010 
nebſt 15 Mithelfern gebunden, und ihm erſt Hände und Züffe, denn der Kopf abge⸗ 
hauen 5). a f 5 N 


20. 


Boleslaus : Der am Albrecht begangene Mord wurde jedoch von denen Polacken unter 
en De allen am meiſten gerüget. Er mufte dem Boleslaus 1 von Polen einen Vorwand 
be ee verſchaffen, feinen längft gefaßten Entwurf gegen Preuffen auszuführen, und dieſes 


tand zu erobern, das jedoch denen Erzehlungen polniſcher Schriftſteller unerachtet, 
niemals feinen Vorfahren zugehöret hatte. Der Ausgang dieſer Unternehmung ſchien 
gefährlich. Die Menge und Wildheit des preußiſchen Volks, deſſen unbebautes fand 
voller Waͤlder und Suͤmpfe, und die Lage ſeiner Staͤdte, welche mitten im Gehölze 
auf Anhöhen erbaut waren, die den Zugang gefährlich und muͤhſam machten, ſchie⸗ 
nen ſehr groſſe Hinderniſſe in dieſem Kriege zu ſeyn. Aber Boleslai 1 Muth uͤberſtieg 
ſolche. Er brach ohngefehr 1014 ins culmiſche Bebiet ein. Sein Heer rückte mit 
aller Vorſichtigkeit fort. Die Haufen entferneten ſich nicht von einander, um ſich 
unterſtuͤtzen zu konnen, und hatten Mannſchaften vor ſich her abgeſchickt, um den Zug 
zu ſichern. Allein Boleslai erworbener Kriegsruhm chat mehr, als alle Sorgfalt. 
Da 


5) Andere fagen 999. ſtian Selwigs 3 diſſ. de „11a 8. Adalberti Re- 


) Erl. Pr. B. 2 S. 79. giom 1693, B. L. S. Bruno Apoſtolus. Salle 
7) Hartknoch preuß. Kirchenhiſt. L. 1. e. 1. 1714. 8vo, und vor allen andern des heiligen Bru⸗ 


p. 13 5 e bt e 8 4 Veen Erl. Pr. B. 1p 787. 
) Hartknoch A. u. N. Pr. 456. on und B. 2 S. 186 f. Dieſe Schrift iſt leſens wer 
11 5 Apoſteln ſehe man mit mehrerem M Gbri⸗ 5 - 8 nr 


8 


Geſchichte von Preuſſen. 8 33 
Da er die Mittel uͤberdachte, die Preuſſen zu bekriegen, faßten ſolche ſchon den 
Schluß, ſich nicht zu wehren. Die meiften Einwohner waren in die Wälder geflohen. 
Aber kaum vernahmen fie die Annäherung des Feindes, als fie ſchon hervorkamen, um 


nicht einmal den Schein einer vorgefaßten Gegenwehr zu haben. Doch alles diefes dies 


— — —ů—— 


nete zu nichts, als ihr Unglück zu beſchleunigen. Sie wären in ihren Schlupfwinkeln 
allemal des Boleslai Heer furchtbar geblieben. Da ſie aber hervorkamen, wurden 
fie theils ihres Lebens beraubt, theils in die keibeigenfchaft gebracht. Ihre Stoͤdte 
waren theils von den Einwohnern verlaſſen, theils ergaben ſie ſich um die Wette. Es 
koſtete dem polniſchen Regenten faſt keine Muͤhe, die Preuſſen zu vermögen, einen 
Tribut zu verſprechen 7). Eben dieſes zeigt aber daß er fie übrigens in ihrer buͤrgerli⸗ 
chen Verfaſſung gelaſſen, und nicht zu Polen geſchlagen. Die polniſchen Schrift⸗ 
ſteller gehen wirklich zu weit, wenn fie vorgeben, das eroberte Preuſſen ſey eine pols 
niſche kandſchaft geworden. Aber mit der gottesdienſtlichen Verfaſſung gieng eine 
merkliche Veraͤnderung vor. Um die Bewegungsgruͤnde, oder beſſer den Vorwand 
dieſes ganzen Krieges zu rechtfertigen, beſchloß der König, das Chriſtenthum in Preuß 
fen einzuführen. Der vorgebliche am heiligen Albrecht begangene Meuchelmord folte 
durch die gaͤnzliche Zerſtörung derer Vorurtheile, die ſie zu deſſen Begehung verleitet, 


‚1014. 


beſtraft werden. Romowe und der ganze Soͤtterdienſt dieſes Orts ward daher mit der 


heiligen Eiche und denen Bildern des Percunos, Pikollos und Potrimpos zerftös 
ret. Der Soldat machte ſich alſo ein Geſchaͤfte daraus, mit dem Schwerd in der el⸗ 
nen und der Fackel in der andern Hand die Heiden zur Taufe einzuladen. Nach Bo⸗ 
leslai Meinung entgieng er aller kuͤnftigen Rache dieſes uͤberfallenen Volks, wenn es 
das Evangelium annahme. Konte ſolches wohl bey dieſer Bekehrungsart veſte Wur⸗ 
zel faſſen? Wenn eine Muthmaſſung gegruͤndet wäre, daß zu Boleslai Zeiten die 
Preuſſen von den Polacken Gothen genennet worden, fo findet ſich noch auf der 


i rt 7 9. 21. 
Ess ißt zu zweifeln, ob unter Miecislao dem andern, der 1034 mit Tode abge⸗ 


Alte en, der Tribut und die chriſtlche Religion in Preuſſen fortgedauret. Aber das 
Be Streit, daß dieſes fand ſich des folgenden Zwiſchenreichs und derer daraus 


daß Preuſſen zu feinen Ländern gezͤhlet worden 10. 


andern 1040 für die paͤpſtliche Erlaubniß dazu ſich zu Entrichtung des Peterspfennings 
anhelſchig machen, dem jedoch Preuſſen nie unterworfen geweſen. Caſimir ſuchte 
2 b . ee nun 
een kann ſich jetzt auf die Zeitrechnung nicht recht verlaſſen. 


) Von dieſem Kriege reden alle polniſche Geſchichtſchreiber. Statt aller leſe man Dlugeſſum 


L. 2 P. 0 l. Kadlubko L. 2. Epiſt. 2. Cromer Lib. 3 p. 62. 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. E 


Grabſchrift des 1025 verſtorbenen Königs der Titel eines Fuͤrſten der Gothen ſo 


aligen Freiheit zuruͤck zu kehren. Endlich aber ward der polniſche Prinz Cafimir ı - 
aus einem Benedictinermoͤnch polniſcher Monarch. Die Polacken muſten unter 


1025. 


1034. 
Ihr verhal⸗ 


ten unter 
_ entftandenen Untuhen bedienet, in Firclicher und bürgerlicher Derfaſung zu feiner ehe ume 


1040. 


34 Geſchichte von Preuſſen. 
1040, nun ſein Reich wieder zu beruhigen. Maslaw oder Maſo hatte ſich der vorigen Zeir 
ten bedienet, ſich zum unumſchraͤnkten Herrn von Maſovien zu machen. Gegen ihn 
1042. gieng Caſimir 42 mit rußiſcher Huͤlfe zu Felde. Maſo ſtand zwar mit denen 
preußiſchen Schalaunern im Baͤndniß. Ohne jedoch ihre Huͤlfsvölker abzuwarten, 
lieferte er denen Polacken ein unglücklich Treffen. Seine Zuflucht nahm er zu den 
Preuſſen, die er zu Ergrelfung der Waffen zu feinem Vortheil zu bereden ſuchte. Er 
brauchte hiezu alle Gründe. Er ſtellte ihnen das angewohnte Mönchsleben des Kr 
nigs, die aus voriger Zerruͤttung noch ſchlecht beſchaffene polniſche Macht, die Luft der 
Maſauer nach dem letzten Unglück, welches mehr ein Ueberfall, als wirkliche Schlacht 
zu nennen, ihn zu unterſtutzen, und die Nothwendigkeit vor, Preuſſen durch bie 
Waffen vor Auflegung eines Tributs zu ſichern. Maſo erreichte ſeinen Zweck, kehrte 
mit einem ſtarken Heer Preuſſen in Maſovien, und erfüllete das Herz dieſes Monar⸗ 
chen mit Schrecken. Doch ein Traum ſoll den Caſimir wieder aufgerichtet haben. Er 
1043. lieferte 1043 an den Ufern der Weichſel bey Plotzko, oder nach andern da, wo jetzt 
Poſen ſtehet, ein Treffen. Hier zeigten ſich Maſo und Caſimir als groſſe Feldher⸗ 
ren, jener groſſe Erfahrung, dieſer eigene Einſichten. Bey allen verdoppelten An⸗ 
fällen der Preuſſen ſiegte die Menge der Polacken, die ihr Regent fo perſönlich ans 
fuͤhrete, daß er ganz mit Blut bedeckt geweſen. Die Sieger ſuchten ihre Rache zu 
ſaͤtigen. Nur 2000 Preuſſen wurden gefangen, 1sooo hatte das Schwerd gefreſſen. 
Die uͤbrigen retteten ſich in ihr Vaterland, beſonders da ſie den Maslaus ebenfals 
umgekommen zu ſeyn glaubten. Sie fanden ihn aber in Preuſſen, wo er aufs 
neue, deſſen Einwohner zu Fortſetzung des Krieges zu bewegen ſuchte. Jedoch den 
Preuſſen ſchmerzte der groſſe Verluſt, den fie erlitten, dergeſtalt, daß, da Maſo 
ſich nach ihrer Meinung zu zeitig vom Schlachtfelde entfernet, ſie ſolchen aus Rache 
aufhängen lieſſen. Es ſtieg ſolcher alſo zu einer Höhe, die er auf eine ganz andere Art 
geſucht hatte. Maſovien unterwarf ſich dem Caſimir, und die Preuſſen ſuchten 
ſolchen ebenfals zu beſaͤnftigen. Des Maſo Tod, der Vortheil, Maſovien wieder 
zu haben, und neue Kriege machten denen Polacken die Huͤlfe, die die Preuſſen 
1044. dem Aufwiegler geleiſtet, bald vergeſſen. Die 1044 in Polen neu geſtiftete Klöfter 
Benedictinerordens werden ſonder Zweifel auch auf das Bekehrungsgeſchaͤft der Preuß 
fen abgezielet haben. Wir konnen aber nicht behaupten, daß ſolches ſonderlichen 
Erfolg gehabt x). 5 \ Sl Re 


„ 


1981 


ö zz 9. * N 57 5¹7 

1058. Boleslaus der Kühne oder der zweite, der feinem Vater 1088 in dem polni⸗ 
unter Boles, (chen Reich folgte, ſuchte feine Staaten auf allen Seiten zu erweitern. Die Reiße 
ihn kam 1064 )) auch an Preuſſen. Sie hatten ſich der Kriege dieſes Prinzen mit den 
1064. N g tere, 45 
Boͤhmen bedienet, und manche Streifereien in Polen vorgenommen. Ein an der 

l Weich⸗ 
Die polacken fagen: ein Engel habe ih, -Hift. Polon., Lib. 3 p. 60. Herburs a Fulſin. 

nen gegen die Preuſſen ſtreiten helfen. Diugof- Chr. p. 33. 8 
füs p. 225 ſ. Comerus L. 4 p. 5. Neugebauer 9) Henneberger hat 1060. 


\ 


——— 


5 5 Geſchichte von Preuſſen. 35 
Weichſel, wo die Oſſa bineinfaͤlt, auf einer ſtarken Anhöhe erbautes Schloß, Na / 10646. 
mens Graudenz oder Grodeck, war bisher ihr Zufluchtsort fuͤr die gemachte Beute 
geweſen. Dieſen ſuchte Boleslaus als einen Schluͤſſel zum Culmer Gebiet unter fets 
ne Gewalt zu bringen. Aber die vorgenommene Belagerung muſte wegen der veſten 

lage und harten Gegenwehr unverrichteter Sache aufgehoben werden. Zu einer Feld⸗ 
ſchlacht wolten es die Preuſſen nicht kommen laſſen. Sie hielten ſich in Graudenz, 
in den Waͤldern und zwiſchen den Moraͤſten verborgen, und ſchickten nur Haufen nach 
Pommern, um daraus dasjenige zu erpreſſen, was ihnen in ihren Freiſtaͤdten einen 
Ueberfluß an allem nothwendigen verſchaffen konte. Zuweilen uͤberfielen fie auch wohl 

. die polnifche Feldwachen, und erhaſchten die lebensmittel, welche denen Polacken zw 

1 gefuͤhret wurden. Boleslaus 2 ſuchte fie wider ihren Willen zu einer Schlacht zu 

5 nörhigen. Er gab daher Befehle zum Zuruͤckzuge, und machte alle Anſtalten, ſolchen 
zu bedecken. Alle Bruͤcken, die über die Oſſa geſchlagen waren, ließ er abbrechen, 
durch abgeſchickte Haufen die Wege beobachten, und ſeinen Nachzug durch die beſten 

Volker verftärfen. Die Preuffen beſetzten ſofort das von ihm verlaſſene lager. Mies 

5 le von ihnen folgten dem Heer, und fuchten-fich, durch Ellfertigkeit das land zu vers 
wuͤſten, wegen der Zeit, in der fie an Beute machen verhindert waren, ſchadlos zu 

halten. Boleslaus 2 vernahm dieſe Sicherheit mit Vergnuͤgen, und ſetzte ſeinen 
Zug bis gegen die Nacht fort. Kaum konte er nicht mehr beobachtet werden, ſo keh⸗ 
rete er durch Umwege zuruͤck. Seine Reuter muſten, weil keine Bruͤcke vorhanden, 
durch die Oſſa ſchwimmen. Mit Anbruch des Tages uͤberfiel er den Feind, der ſich 
ſeiner am wenigſten verſahe. Was dem polniſchen Saͤbel entgieng, muſte gezwun⸗ 
gen aufs neue Unterwerfung verſprechen. Aber auch denen Polacken kam dieſer Sieg 
cheuer zu ſtehen. Viele kamen auf dieſem beſchwerlichen Wege um, und noch meh⸗ 
rere fanden in der Oſſa bey dem Durchſetzen ihr Grab, weil der Fluß ziemlich ange 
laufen, und die polniſchen Reuter ſchwer gewafnet waren. Seit der Zeit aber führs 
ten die Polacken bey ihrem Heer dle Art leichter Reuter ein, die nachmals beftändig 
beibehalten worden. Andere rußiſche und ungarifche Kriege verhinderten den König, 
zu bemerken, daß ſein uͤber die Preuſſen befochtener Sieg alle Folgen verlor. Die 
Unruhen, welche dadurch veranlaſſet wurden, daß Boleslaus 1079 den heiligen Sta» 1079 
islaum zu dieſen Zeiten des Aberglaubens, in denen Gregorius 7 Papſt war, mit 
gener Hand niederſebelte, noͤthigten ihn 1081, aus ſeinem eigenen Reiche nach Un⸗ 1oge, 
garn zu entfliehen, ohne jemals ſein Reich wleder zu bekommen, in welchem ihm ſein Bru⸗ 
der Wladislaus folgte 277. er 2 . nr 
rind RT 23. a N 
Unter dieſer Regierung verrichteten die Preuſſen fo groſſe Thaten, daß ſelbſt die Unter Mia, 
einſeitigen polniſchen Geſchichtſchreiber ſolche nicht zu unterdrücken ſich getrauen. Sie Disine, 
verſuchten ſogar uͤber diejenigen eine Herrſchaft zu erlangen, die bisher, ihre Religion 
ann eee ee a zu 
Vincent. Kadlubk. Hit. Pol. L. Epift. 19. Dlugof p. 256. Neugebauer p. 62. Cromer 
vp. 6. Sarniciss Annal. Pol. L. 6. e 3 p. 105. Faff. ab flirtemberg Flor. Pol. p. 38. 39 


36 Geschichte von Preuſſen. 


1081. zu zerſtören, und fie unter das Joch zu bringen bemuͤhet geweſen. Ihre Krlegszurä⸗ 
ſtungen machten alles zittern, da ſie diejenigen ihrer Groſſen, welche nicht mit zu Felde 
gehen wollten, ſogar mit der Todesſtrafe belegten. Die Caſſuben und Pommern, 
welche den erſten Anfall befuͤrchteten, ſchloſſen mit ihnen ſogar, um ſolchem vorzubeu⸗ 

2091. gen, ein Schutz, und Trutzbuͤndniß gegen Polen. Endlich fiel 1091 4), ihre Macht 
in die Staaten der Feinde, die ſolches um deſtomehr fuͤhleten, da die Pommern ſich 
mit ihnen vereinigten, nachdem ſchon jene allein am Palmſonntage dem Wladislaus 
ein zweifelhaftes Treffen geliefert. Jetzt griffen fie den 1sten Auguſt am Tage Ma⸗ 
ria Himmelfahrt aufs neue das Heer der Polacken an. Das Blurbad war entſetzlich. | 
Die Polacken ſollen aber endlich durch ihre beſſere Kriegsordnung und durch die Ta. 
pferkeit des Woywoden von Cracau Sieciech das Feld behalten, und die Preuſſen 
ſich unterwuͤrſig gemacht haben. Weil aber Sieciech, mehr Soldat als Staatsmann, 
die Erpreſſungen aufs ärgfte getrieben ſo habe dieſes den Preuſſen aufs neue die Waf⸗ 
fen in die Haͤnde gegeben, wofern fie ſolche ſchon, wie ich doch zwelfele, weggelegt. Sie 

2092. machten die polniſche Beſatzung der Grenzveſtungen, die fie folglich 1092 erobert hats 
ten, nieder. Sie zwangen auch wirklich den Wladislaum und Sieciech, die gegen 
ſie anruckten, zum Abzuge. Denn ſie hatten ſich in die dickſten Waͤlder mit Weib 
und Kind, mit ihren Heerden und Habſeligkeiten gefluͤchtet, und durch Mangel der 
Unterhaltungsmittel das Vorruͤcken, eben fo wie ein langes Stillſtehen unmöglich ges 
macht. Als die Polacken eben uͤber die Netze fegen wollten, kamen ſchon die Preuſ⸗ 
fen ihnen auf den Hals, und fielen den feindlichen Nachzug an. Dies gab zu einer 
der blutigſten Schlachten bey Drieſen Anlaß. Freund und Feind ward blos durch die 
nächtliche Finſterniß getrennet. Die Polacken verloren viele Todte „viele Gefange⸗ 
ne, und die Zahl der Verwundeten war ftärfer als ihrer Gefunden. Sie konten ſich 
blos ruͤhmen, daß fie auf dem Schlachtfelde ſtehen geblieben. Dieſe geringe Ehre vor 
ein Volk, welches ausgezogen war, die Preuſſen gänzlich zu vertilgen, dieſe Ehre, nz 
die ein ſehr zweideutiges Zeichen ihres Sieges zu nennen, war der einzige Vorthell die⸗ 
ſes Treffens auf Seiten der Polacken. Sie erfegten ihren Abgang durch Böhmen, 
die fie in Sold nahmen, und nun belagerten fie die Veſtung Mackel „die nothwendig 
ihre Eiferſucht rege wachen muſte, weil der Feind von daraus immer leicht in Po =‘ 
eindringen konte. Der Ort ward eingeſchloſſen, aber von Völkern voller Schrecken, 
die ſich beſtaͤndig ein zum Entſaß herbeieilendes preußiſches Heer vorſtelleten. Weder 
Verſchanzungen noch Wachen konten ſie beruhigen. Beſtaͤndig glaubten fie Preuſſen 
zu ſehen und zu hören. Sie fahen Bäume und Wolken davor an. Jedes Geraͤuſchh 
ſchien ihre Ankunft zu verkuͤndigen. Die Furcht, welche alle nöchige Ruhe verhinder⸗ . 
te, ſtellte ihrer Einbildungskraft Perſonen vor, wo keine befindlich. Bey diefenlm 
ſtaͤnden war es ein leichtes, daß die Belagerten in einem nächtlichen Ausfall alle gen 

machte Werke zerſtören, Zelte, Feldgeraͤthe und Kriegsruͤſtzeuge in Brand ſtecken, 
und was ſich widerſetzen wolte, niederhauen konten. Dieſer Unfall, und die noch fort 


) Schuͤtz Sol. 9 S. b. hat das Jahr 1085 und 1086. 1 


Geſchichte von Preuſſen. 37 
daurende Furcht vor einem Entſatz, noͤthigte die Polacken, die Belagerung aufzuhe ⸗ 109% 
ben, und ihr Zuruͤckzug fahe einer völligen Flucht aͤhnlich. Ihre Schande zu bedecken j 

ſchrieben fie ihre Furchtſamkeit uͤbernatuͤrlichen Urſachen zu. In denen damaligen Zeis 
ten verwandelte der Aberglaube alles in Wunder. Man ſchrieb alles Ungluͤck den Ge⸗ 
ſpenſtern zu, und die Prieſter wuſten ſogleich den Grund ihrer Erſcheinung ausfindig 
zu machen. Der Soldat hatte ſich im Felde in der Faſtenzeit deſſen zu ſeinem Unter⸗ 

halt bedienet, was er habhaft werden konte. Er hatte ſogar Fleiſch und Milchwerk 

gegeſſen, und für dieſes Verbrechen waren die Polacken nach der Angabe der Geiſtli⸗ 

0 chen durch die Erſcheinung der Geſpenſter beſtraft. Doch Haß, Rache, Ehrbegierde 

das Vergnuͤgen Feinde zu uͤberwinden, und die Schande, die den vorigen Feldzug be⸗ PR, 

| gleitet, alles feurete Wladislaum zu einem neuen Feldzuge 1093 gegen die Preuſſen 1093. 

5 an. Er behielt, wie die polniſchen Geſchichtſchreiber verſichern, über ein Volk die 

Oberhand, das mehr Tapferkeit als Geſchicklichkeit beſas, und das durch feine bärgers 
liche Einrichtung eben alsdenn am meiſten in Gefahr ſtand, feinen Untergang zu bes 
ſchleunigen, wenn es ſolchem zu entgehen die gröfte Muͤhe anwandte. Da ſich Preuſ⸗ 
fen von allen Seiten beunruhiget, angefallen und mit Gewalt gedrängt ſahe, bequem⸗ 
te es ſich, Verbindlichkeiten einzugehen, bis es ſich wegen der Ungluͤcksfaͤlle, welche es 
zu dieſem aͤuſſerſten Schritt gezwungen, wieder ſchadlos halten konte. Allem Vermu⸗ 
then nach haben ſie in denen bald erfolgten Kriegen der Pommern mit den Polacken 
die erſtern als ihre Bundesgenoſſen unterſtuͤtzt. Solche hatten 1094 Meſeritz erobert, 
von wo fie in Polen groſſen Schaden anrichten konten. Im folgenden Jahr 1095 bes 
lagerte der polniſche Erbprinz Boleslaus und Sieciech dieſen Platz, der ſich bis in 
den fpäten Winter wehrete, und endlich unter der Bedingung, daß die Beſatzung, 

mit allem, was ihr zugehörete, einen freien Abzug haben ſollte, ergab. 1099 bela 1099. 

gerten die Pommern Santock an der Netze. Der polniſche Prinz Boleslaus 

entſetzte jedoch dieſen Ort, und da fie ſolches 1100 aufs neue verſuchten, uͤberſiel und 1100. 

ſchlug fie eben dieſer junge Held, welcher 1102 feinem Vater in der Regierung folgte b). 102. 


n 0 Nl 9. 24. 2 
INN . u - 1 1 4 
Boleslaus 3 gerieth bald Anfangs mit feinem Bruder Sbigneus in viele Weis unter Bor 
terungen. Hierin wurden auch die Pommern verwickelt, da der letztere fie gegen den leslaus z. 
erſtern in die Waffen brachte. Boleslaus belagerte ros Colberg vergebens, ob er gleich 1105. 
bald kiſt, bald Gewalt angewendet hatte, ſich dieſes Orts zu bemaͤchtigen. Die Pos 
lacken giengen zuruͤck, nachdem fie groffe Verheetungen angerichtet. Boleslaus kam 
d war nach ergaͤnztem Heer aufs neue zurück, konte aber die Pommern durch die Auf 
ſerſte Verwuͤſtung des platten Landes weder zu einer Schlacht, noch zu Verlaſſung der 
Parten des Sbigneus vermögen. Sobald aber der polniſche Regent gegen die Boͤh⸗ 
men ins Feld gehen muſte, ruckten auch u06 die Pommern vor, denen Scarbimir 1186. 
SR 2 entge⸗ 


EEE — —— 
8 


1094. 
1095. 


- mg enn da en, E 3 
3 Dlageſf L. 2. p. 63. L. 4. p. 37 1. Comer p. 94 . Tad. ab Hrtemb. Flor. Pol. p. 47 f 
Suoruic. L, 6. e. 10. p. 9 l. B 2 


‘ 


38 Geſchichte von Preuſſen. 
1106. entgegen geſtellet wurde. Es that ihnen ſolcher Einhalt, ohne fie zur Schlacht nörhie _ 
gen zu konnen. Da ihn aber Boleslaus ſelbſt mit friſchen Völkern noꝛ verſtͤͤrkt hats 
te, gieng Belgard mit Sturm und andere Orte mit Bedingungen an die Polacken 
über, und Sbigneus muſte zu einem Vertrage mit feinem Bruder ſchreiten. Neue 
Zwiſtigkeiten unter ihnen verurſachte Sbignei Verbannung, der ſich nach Pommern 
1108. wandte und Wollin auf feine Seite zog. Boleslaus belagerte 1108 dieſen Ort. 
Sbigneus ward in der Bemuͤhung, denſelben zu entſetzen, gefangen und erkandt, 
Wollin aber, ohnerachtet es ſich ergeben wollte, von den Polacken gepluͤndert und 
verwuͤſtet. Sie wurden nachmals in andere Kriege verwickelt. Des Zeitpunkts bes 
12. dieneten ſich die Preuſſen und Pommern mu in Maſovien einzufallen. Dies bes 
nz. wog Boleslaum, Nackel zu belagern. Der Entſatz ruckte 1riz herbey, und um 
ſich nicht zu verrathen, hatten die Bundesgenoſſen alle Pferde zuruͤckgelaſſen, und da⸗ 
gegen eine Gattung ſpaniſcher Reuter verfertiget, dem Feinde das Einhauen zu ver⸗ 
hindern. Dieſes zeigt wirklich Vorſichtigkeit, Klugheit und Geſchicklichkeit. Unver⸗ 
muthet giengen ſie auf die Polacken los, die eben den Gottesdienſt abwarteten. Sie 
zogen haufenweiſe aus denen hohlen Wegen des Waldes, wo ſie verdeckt geſtanden, her⸗ 
aus. Allein fie breiteten ſich in eine tinie aus, vor die fie ihre Umpfaͤlungen ſtellten, 
aber weder ein Hintertreffen, noch andere Voͤlker zur Unterſtuͤtzung beſtimmten. 
Die Polacken ruckten aus, aber der Pfeilhagel derer Verbundenen trieb fie etliche 
mal zuruck, ohne daß der Boleslaus ihre Umpfaͤlungen durchbrechen konte. Doch 
mitten in der Hofnung eines Sieges wurde ihnen derſelbe entriſſen. Boleslaus 
hatte den Scarbimir mit einem Theil ſeiner Reuterey, um den Wald herum, ihnen 
in den Rücken geſchickt. Unvermuthet hieb er von hinten zu ein, und verurſachte das 
durch eine allgemeine Verwirrung. VBoleslaus merkte ſolches, und brach mit der 
Hauptmacht, ohne merklichen Gegenftand, durch die Umpfaͤlungen. Nun waren die 
Verbundenen eingeſchloſſen und auſſer Stand, ihre Ordnung wieder herzuſtellen. Das 
Metzeln unter ihnen war erſtaunend. Ueber 20000 kamen durchs Schwerdt oder in 
den Suͤmpfen und Moräften um, wohin fie ihre Flucht nahmen. Ohngefaͤhr 2000 
wurden gefangen, und hatten ihr leben mehr der Ermattung der Sieger als ihrem 
Mitleiden zu verdanken. Was der Sieg den Polacken gekoſtet, laͤſſet fich ſchon aus 
den erſteren verfchiedenen Bemühungen urtheilen, die Umpfälungen der Bundesgenoſ⸗ 
fenen zu durchbrechen. Die Eroberung von Nackel, das mit polniſcher Beſatzung bes 
legt ward, und die Uebergabe ſechs anderer Städte in der Gegend, war der Mutzen die⸗ 
ſes Sieges. Der Befehlshaber in Nackel machte zwar nach einigen Jahren einen Auf⸗ 
ung. fand, und hielt mit den Pommern ohngefaͤhr 1g einen lebhaften Krieg aus, ward 


1107. 


jedoch zuletzt bezwungen, worauf Boleslaus zu Einführung des Chriſtenthums uns 
1120. ter den Pommern 1120 die Hand bot. Endlich legte der Gram, uͤber eine von den 

Ruſſen erlittene Niederlage dieſen Helden, der 47 Schlachten, meiſt glücklich gelle ⸗ 
1138. fert, 1138 ins Grab, nachdem er feine Staaten unter feine Söhne vertheilet, von 


\ F 
1 Geſchichte von Preuffen. 39 
weſchen Wladislaus, 2 als der ältefte, die erheblichften känder und Rechte daron 138, 


4 trug c). 


er j 
Eben dieſe Theilung hatte für Polen, und in der Folge auch für Preuſſen er⸗ unter Wla⸗ 
hebliche Folgen. Es entſtanden unter denen regierenden Brüdern ſolche Uneinigkeiten, dislaus 2 und 
daß Wladislaus 2 daruͤber von land und leuten gejagt worden. Seine gehabte Bars d * 
7 Äge wurden ſeinem Bruder Boleslaus 4 146 zu Theil. Jener ſuchte zwar mit deut⸗ 146. 
ſcher Hülfe feine Wiedereinſetzung, obwol vergebens. Er gieng 1159 mit Tode ab, 1189. 
ohne die verlorne Rechte und Lande wieder zu bekommen. Seine Soͤhne waren jedoch 
gluͤcklicher. Der Kaifer Friedrich der Rothbart nahm ſich ihrer fo Fräftig an, daß 
Boleslaus 4 ihnen endlich Schleſien 1163 abtreten muſte; die anderen Vorzuͤge aber 1163. 
behielt. Er ſuchte ſich wegen der Abtretung von Schleſien ſchadlos zu machen, und 
dafuͤr Preuſſen zu erobern. Seine Zuruͤſtungen waren anſehnlich, da ſeine Bruͤder 
und Vettern das ihrige dabey thaten. Sie betrachteten dieſes Unternehmen als einen 
Religionskrieg. Preuſſen war zu feinen vorigen gottesdienſtlichen Meinungen zuruͤck⸗ 
getreten. Boleslaus 4 brauchte wenigſtens den Vorwand ihren Goͤtzendienſt zu zer⸗ 
ſtören, als ob dieſes das rechtmaͤßige Mittel ſey den Glauben auszubreiten. Aus dem 
Beiſpiel ſeiner Vorfahren konte er die Lehre ziehen; daß das Evangelium des Friedens 
nicht durch Waffen verkuͤndiget werden muͤſſe; daß es mit dem Chriſtenthum beſſer 
uͤbereinkomme, Verfolgungen zu erdulden, als zu erregen, für die Religion zu fterben, 
als für ſie zu fechten. Aber ſeine wahre Abſicht war, auch nur die Religion zum 
Deckmantel zu brauchen, Preuſſen unter das Joch der Dienſtbarkeit zu bringen. An 
drey verſchiedenen Orten brach er 1164 in dies kand ein. Er und feine Bruͤder führten, 16 505 
ein jeder, eine Abtheilung des Heers, die ſich in Preuſſen vereinigten. Den ganzen 
Zug über lieſſen die Polacken Spuren der Grauſamkeit zuruck. Je weiter fie kamen, 
je mehr verdoppelten ſie dieſelbe, gleich als ob man das ganze Volk unter dem Schutt 
der Haͤuſer begraben wollte. Niemand widerſetzte ſich dem Heer mit Gewalt, und doch 
ſchuͤmete man ſich nicht, ſelbſt aus der Furcht dieſer unglücklichen Bewegungsurſachen 
herzuholen, ſie mit allen nur möglichen Uebeln zu uͤberhaͤufen. Man ließ ihnen auch 
ſogar nichts als die Ehre des Jochs der Dienſtbarkeit. Die Preuſſen ſcheckten Abge⸗ 
ordnete an Boleslaum 4, welche ihn unter Bedingungen, die der Prinz felbft vor⸗ 
ſchreiben möchte, um Frieden baten. Das haͤrteſte ſchien ihnen die Nothwendigkeit zu 
ſehn, Chriſten zu werden. Sie ſchätzten ihren Gößendienſt hoch, weil ihre gute Ge, 
muͤthsart ihnen nicht verſtattete, in gottesdienſtliche Uebungen ein Mistrauen zu ſetzen, 
die ihren Tugenden nicht zuwider waren, ob ſolche gleich, wenn man die Wahrheit ſa⸗ 
gen ſoll, ſolche auch eben nicht erhöhen konten. Sie hatten faſt unuͤberwindliche Vor⸗ 
urtheile, welche fie verhinderten, über ihre Irthuͤmer vernünftig zu urtheilen. Es 
muſte ihnen wunderlich vorkommen, daß fie an ihren Bekehrern mehr laſter erblick 
un als unter ihnen im Schwann waren. Dadurch, daß man ſie bekriegte, wurde 
ihnen 


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1164. 


n6s. 


1166, 


40 Geſchichte von Preuſſen. 
ihnen jedoch keine Geringſchatzung gegen ihre altvaͤterlichen Meinungen eingepflanzt. Man 
zwang fie nur, ſich zu ſtellen, als ob fie denſelben entſagten. Sie lieſſen zu, daß man 
ihre heiligen Baͤume abbrandte, weil ſie es nicht hindern konten. In ihrem Herzen 
blieben fie Abgötter. Es zeigte ſich ſolches, ſobald das polniſche Heer aus einander 
gegangen. Sie jagten 1165 ſchon alle Priefter weg, die fie in ihrem angenommenen 
Glauben zu ſtaͤrken, ſich ausbreiteten. Sie ſtellten dem Boleslaus vor, es ſey ihnen um 
moͤglich, Chriſten zu bleiben; fie wollten Steuren geben und ihm in feinen Kriegen 
beiſtehen, konten aber dasjenige nicht glauben, wovon fie keine Ueberzeugung erlangt. 
Boleslaus gieng ihre Bitte ein. Eben fo unvernuͤnftig es geweſen, die Preuſſen zur 
Taufe zu zwingen, eben fo unuͤberlegt war es, ihnen zu erlauben, derſelben zu entſa⸗ 
gen. Er machte ſich dadurch bey ihnen veraͤchtlich und geringſchaͤtzig. Er kam ihnen 
nunmehr nicht mehr fo fürchterlich für. Sobald fie vom Chriſtenthum frey waren, 
fo verſuchten fie auch die Saft der Knechtſchaft abzuſchuͤtteln. Nicht ſowol die Auf⸗ 
lagen, als vielmehr die Grauſamkeiten der Einnehmer fielen ihnen unerträglich. 
Da fie durch dieſe Blutigel des gemeinen Wefens gänzlich erſchöpft worden, fo befan⸗ 
den ſie ſich in kurzer Zeit auſſer Stande, ihre Obliegenheiten zu erfuͤlen. Demuner⸗ 
achtet zwang man fie durch neue Erpreſſungen dahin, wodurch man fie völlig in das 
aͤuſſerſte Elend ſtuͤrtzte. Man ſpottete fogar ihrer Armuth, da ſich dieſe Plagegeiſter 
mit ihrem Raube bruͤſteten. Dieſe Aufführung fiel ihnen fo unleidlich, daß fie fir 
wirklich empöreten, und die Einnehmer aus dem Lande jagten. Sie dachten daran, 
ſich an Polen des Schadens zu erholen, den fie unter deſſen Regierung erlitten. 
Sie fielen 1166 in Maſovien ein, und richteten darinnen entſetzliche Verwuͤſtungen an. 
Boleslaus kam zu ſpaͤt, dieſes Sand zu retten. Die Preuſſen hatten ſich ſchon mit 
ihrem Raube davon gemacht, und alles hinter ſich zur Wuͤſte gemacht. Er hatte 
nicht Volker genug bey ſich, ihnen nachzufolgen, und befürchtete auch, vor dieſe an 
debensmitteln Noch zu leiden. Aber 1167 gieng ein allgemeiner Heerszug aus ganz 
Polen gegen die Preuſſen, die ihm nicht mehr als 16000 Reuter und 10000 Fuß ⸗ 
knechte entgegen ftelleten. Sie verſieſſen ſich aber auf einen Einfall, den fie hatten, 
der Polacken mit Liſt ſich zu entſchlagen. Vier ihrer kandsleute befanden ſich beim 
Boleslaus, deſſen Vertrauen ſolche durch Bezeigung ihres Eifers gewonnen. Er 
verließ ſich völlig in Abſicht der Bewegung und der Wohlfahrt feiner Kriegsvölfer auf 
fie, und hatte ihnen die Sorgfalt über die Züge ſowol, als lagerſtaͤdte übertragen. Es 
gluͤckte denen Preuſſen, dieſe vier Landsleute auf ihre Seite zu bringen. Boles⸗ 
laus 4 war bereits bis ins Land eingedrungen. Alles unterwarf ſich einem Heer, das 
nach Blut duͤrſtete. Aber plötzlich ſahe es ſich durch die Untreue feiner Führer in eis 
ner moraſtigen Gegend von allen Seiten mit Feinden umringt, ohne daß es ſich zu ſel⸗ 
ner Vertheidigung bewegen, oder zu Aus weichung der Gefahr zuruͤckkehren konte. Bey 
aller Herzhaftigkeit muſte es unbeweglich ſtehen bleiben, und den ganzen Angrif der 
Preuſſen aushalten, welche die Anhöhen beſetzt hielten, und einen unaufgörlichen _ 
Pfeilhagel machten. Alle Bemuhungen, Ungedult, und ſelbſt die Wut beſchleunigten 
N * dat 


Geſchichte von Preuſſen. 41 


das Verderben der Polacken. Sie fielen, wenn fie fortruckten, immer tiefer in die 1167. 
Suͤmpfe, aus welchen herauszukommen unmoͤglich ſchien. Faſt alle fanden darinnen 
ihr Grab. Henrich, ein Bruder Boleslaus 4 verlor ſelbſt daben fein leben. Die 
fe Niederlage Polens übertraf alle die es jemals erlitten, fo daß es lange Zeit darauf 
nicht einmal daran denken konte, einem Feinde unter die Augen zu treten. Boles⸗ 
laus 4 war bis an feinen Tod 1173 hiezu auſſer Stande d). | 1123. 
. 1 „ 256. 

Miecislaus 3 fein Bruder und Nachfolger konte noch vielweniger daran denken, unter Min 
die Preuſſen feindlich zu uͤberziehen, da er die Liebe feiner Unterthanen verlor welche 1177 . 3, Caſi⸗ 
den jüngften dieſer Brüder Caſimir den Gerechten zu ihrem Oberherrn machten. Un — den 

ter dieſem Regenten hatten die Preuſſen vor den Polacken bis 192 Ruhe. Damals 177. 
aber verbanden ſich wieder alle regierende piaftıfche Prinzen gegen fie. Sowol Mies ige. 
cislaus 3 als auch die Herzoge von Schleſien lieſſen durch ihre Völker das Heer Caſi⸗ 
mirs 2 verſtaͤrken. Es ruckte ſolches geſchwinde, aber doch gegen allen Ueberfall ſehr 
vorſichtig, fort. Es hatte ſogar die Abſicht, ſeine Feinde durch alle ausſchweifende 
Grauſamkeit beftürzt zu machen. Die Polacken lieſſen alles voller Verwuͤſtung hin⸗ 
ter ſich, und verlieffen folche mit der gröften Eilfertigkeit, um die noch uͤbrigen Laͤnde⸗ 
reien, welche ihr Zug noch nicht betroffen, in eben den Zuſtand zu verſetzen. Sie 
hatten ihren Willen ſchon vollbracht, ehe man faſt von dem Ungluͤck derer bereits zu 
Grunde gerichteten Nachricht bekommen. Die Einwohner waren wieder groͤſtentheils 
in die dickſten Waͤlder geflohen, ohne ſich mit denen Polacken in ein misliches und 
allem Vermuthen nach gefährliches Gefechte einzulaſſen. Sie ſuchten blos ihre Feinde 
durch das Verſprechen eines jährlichen Tributs, ohne jedoch ſich zur Annehmung des 
Ehriſtenthums zu verſtehen, aus ihrem Lande zu entfernen. Es hatten ſich ſolche 
ohnedies durch ihre Verwuͤſtungen unmöglich gemacht, länger ſtehen zu bleiben. Sie 
waren mit dem Anerbieten der Preuſſen zufrieden, belegten die veſten Plaͤtze des cul⸗ 
miſchen Gebiets mit Beſatzungen, und zogen ſich nach Polen wieder zuruͤck, woſelbſt 
bald darauf Caſimir 2 1194 mit Tode abgieng. Es zog dieſer Todesfall denen Preuſ⸗ 
fen mehr Vortheile als der gröfte Sieg zu. Denn Polen kam jetzt in die gröfte Ders 11794. 
wirrung. Seit dieſer Zeit ſtritten ſich die Nachkommen Boleslai 3 um die Oberherr⸗ 
ſchaft, und ſchwaͤchten ſich ſelbſt theils durch innerliche Kriege wegen der Oberregierung, 
theils durch immer fortdaurende Theilungen, die ſchon an und vor ſich zu beftändigen 
ftiſchen Streitigkeiten Gelegenheit gaben. Caſimirs 2 Sohn, Leſcus 5 der Weiſſe, 
ſtritte mit feinem Vetter Miecislaus 3, wer von ihnen Oberregente werden ſollte, 
und obgleich dieſer letztere 1202 verſtorben, fo machte doch des Miecislai Sohn, 
Wladislaus der Schmalfuͤßige, dem Leſeus 5 dem Weiſſen die Oberregierung noch 1202. 
bis 1206 ſtrittig. Dieſer trat hierauf feinem Bruder Conrad die tandfchaften Maſo⸗ 
ven, Eulm, Cujanien und Dobrin ab, und eben dieſer Conrad iſt derjenige 1206. 
1 5 Prinz 


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br Cromerus. Neugebauer, 


) Diugoffur. 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Ch. ung 


* 


3 Geſchichte von Preuſſen. 

1206. Prinz, der zu einer mit Preuſſen vorgefallenen Hauptveraͤnderung Anlaß gegeben * 
Es wird aber unſern leſern, zu beſſerer Einficht in die folgende Geſchichte, noͤthig ſeyn, 
folgende e der piaſtiſchen Prinzen ſich zu merken. 


Boleslaus 3. 
Wladislaus 2. Boleslaus 4. Wiecislaus 3. Henricus. Caſimir 2. 
Stammvater der piaſti⸗ 
ſchen Herzoge von Leſcus Otto Wladislaus 3. Leſcus 5. Conradus. 
Schleſien. . | nr e war 
- Wladislaus g Bole ſimir Ziemovitus. 
ee" 1 Stine Nach⸗ 
Przemislaus Boleslaus Keſcus 6. Wladiol. 4. kommen ſtar⸗ 
I — — ben aus 1526. 
Przemislaus 2. Caſim. m. Eliſab. Carl K. v. Ang. 
Wenceslaus 4. Kichſa Audovicus 
K. von Boͤhmen. e K. v. Ung. und Polen. 
3 } 
Eliſabeth Maria Hedwig 
G. Johann K. v. Boͤhmen. G. K. Sigismund! G. Wladisl. Jagelo. 


unter Leſeus oed Herzog von Maſovien beſas wutlich das den Preuſſen abgenommene 
5 culmiſche Gebiet. Chriſtian fein oberſter Staats und Kriegsbedienter, der ches 
weder durch mals fein Hofmeiſter geweſen, beſas alle Staͤrke, die bey feiner Stelle noͤthig. Die 
ſchwerdtraͤger Preuſſen lieſſen feinen Tugenden alles Recht wiederfahren, und gaben ihm den prͤͤch⸗ 

kreuz der ligen Ramen des Gotts der Polacken. Dieſes gab Hofnung, daß die Boten des 

einfalle der Evangelli endlich unter denſelben einen guten Eingang finden würden. Der Papſt 

rg © Innocentius 3 ſchickte daher einen gewiſſen Chriſtian und Philip nebſt noch andern 

Mönchen zu dieſem Bekehrungsgeſchaͤft im ızten Jahr feiner paͤpſtlichen Regierung, 

1210. oder 1210 mit Empfehlungsſchreiben an den Erzbiſchof von Gneſen ab /). Eben ſolche 

1212. Empfehlungen ergiengen zar2 an alle Ciſtercienſer ), ſowol, als an die ſaͤmtliche Res 
genten in Polen und Pommern. Die letztern wurden von dem Papſt erſucht, diejenis ' 

gen Preuſſen wenigftens, welche wirklich zum Chriſtenthum übergetreten, nicht hrs 

ter als die zu halten, welche bey dem alten Göͤtzendienſt geblieben. Unter denen aus⸗ 

geſandten Apoſteln muß Chriſtian dem roͤmiſchen Stul den Fläglichen Zuſtand der ber 

kehrten Preuſſen berichtet haben. Dieſer Mann hatte ſich durch ſeine Menſchlichkeit 

einen guten Eingang in die Herzen der Preuſſen verſchaft, mit denen er in ihrer Sans 

1215. des ſprache von der Religion ſprechen konte. Alles dieſes beſtimmte den Papſt 1215, und 

nicht wie die polniſchen Schriftſteller ſagen, den Herzog Conrad, ihn zum erſten Biſchof 

von Preuſſen zu machen g), und ihm das ganze band, welches er bekehren würde, ‚m 


e) Dlugoſſus. Cromerus. tilibus per Pruſſiam conftitutisnovae regeneratio 
2 Ads Boruſſ. T. 1. p. 249. nis gratiam ſuſcepiſſe, ſtatim oneribus eos ſervili - 
) Ebendaſ. S. 251. bus aggravant et venientes ad Chriftianae fidei li- 


g) Ebendaſ. S. 253. Darin heiſt es: quidam bertatem deterioris conditionis efficunt, quam ef- 
veftrum - quam cito intelligunt aliquos e Gen · ſent, dum iniugo ſervitutis priſtinæ pern 


Geſchichte von Preuſſen. A 3 
ſeinem Kirchenſprengel anzuweiſen. Um dieſe Zeit fiel der oberſte Staatsbediente des jars, 
Herzogs Conrads in Ungnade, ward geblendet, und endlich gar feines tebens beraubet. 
Dieſer Mann mochte bisher die Haͤrte gegen die unterworfene Preuſſen gemisbilliget, 
und denen andern glücklich die Spitze geboten haben 6). Nach feinem Tode aber grif⸗ 
fen ſie mit beſſerm Erfolge zu den Waffen. Sie brachen in die Lander Conrads ein, 
und veruͤbten ſowol an Polacken als bekehrten Preuſſen alles was ihnen die Rachſucht 
einflößte. Dies mag wohl den Philip Warpoda und den Paul Svavabuno, zwey 
bekehrte preußiſche Herren, bewogen haben, nach Rom ſich zu entfernen, und ihre kaͤnde⸗ 
reien Lauſania und Lobau dem Biſchof Chriſtian zu ſchenken 1). Der Hof gieng mit 
dieſem Manne zu Rathe, wie man ſich diefer Einfälle erwehren ſolle. Bey denen ges 
theilten Regierungen ſahe ſich Conrad auſſer Stande, vor ſich allein fein land zu fh 
gen. Nicht nur das Culmer Land ward von denen Feinden völlig verwuͤſtet, ſondern 
eben dieſes geſchahe auch in Maſovien, wo ſich kaum die Stadt Plotzcko vor ihnen 
retten konte. Ueber alles, was bisher die Polacken in Preuſſen veruͤbet, über alles, 
was die Barbarey ſich nur erlaubet, klagten jetzt die Unterthanen Conrads, und er 
ſelbſt, daß ſolches von den Preuſſen vorgenommen ſey. Dieſe glaubten, daß ſie nun 
die Mishandlungen ihrer Religion rächen muͤſten. Sie entweiheten alles, was die 
Chriſten heilig hielten. Dieſer elende Zuſtand Conrads und die Beſorgniß, daß 
das neue preußiſche Biſchofthum des Chriſtians zu Grunde gehen würde, nörhigten 
beide zu ihrer Rettung auf fremde Huͤtſe bedacht zu ſeyn K). Die Päpfte hatten zu dieſen 
Zeiten Mittel gewuſt, die ganze abendlaͤndiſche Chriſtenheit zu Wiedereroberung des 
gelobten landes in die Waffen zu bringen. Nichts war nach der damaligen Denkens⸗ 
art und denen Verſicherungen des roͤmiſchen Stuls verdienſtlicher, als mit Hintan⸗ 
ſetzung aller anderen Verrichtungen fein leben vor die Ausbreitung des Chriſtenthums 
durch Gewalt in die Schanze zu ſchlagen, und ein Geluͤbde Über ſich zu nehmen und zu 
erfuͤlen, gegen die Saracenen Kriegsdienſte zu verrichten. Alle die ſich dazu anhei⸗ 
ſchig machten, wurden mit einem Kreuz bezeichnet, daher die Kriegszuͤge nach Aſien, 
heilige Züge und Kreuzzuͤge hieſſen. Papſt Innocentius z hatte aber auch bereits ſolche 
Kreuzzuͤge gegen die Waldenſer veranlaſſet, und denen, die gegen dieſe Ketzer ſich mit dem 

Kereutze würden bezeichnen laſſen, verſprochen, daß es eben fo verdienſtlich ſeyn ſollte, 
als im gelobten Lande ſein Blut zu verſpritzen. Chriſtian glaubte den Papſt bereden 
zu können, auch denen, welche das Schwerdt gegen die ungläubigen Preuſſen zucken 
würden, dasjenige zuzueignen, was er denen verheiſſen, die im gelobten Lande foch⸗ 
ten. Mit Bewilligung des Conrads gieng er daher nach Rom ab. Innocentiusz 
hörete alle ſeine Gruͤnde, und hielt ſie ſchon genehm. Der paͤpſtliche Stul hatte von 

der Eroberung des gelobten bandes noch wenigere Vortheile als von der Eroberung Preuß 
ſens zu hoffen. Conrad von Maſovien konte nichts ſehnlicher wuͤnſchen, als daß dies 
land vor den Papſt eingenammen würde. Denn daß der roͤmiſche Stul die Chriſten⸗ 


e a F 2 heit 
Man giebt als einen Grund der erneuerten k) Ad Boruſſ. 1. p. 259. 260. 


8 2 ch Nie Sy. ad in, preußiſchen Kriege dieſes Mannes Ungluͤck au. 


1215. 


1216. 


1217, 


1218. 


44 Geſchichte von Preuſſen. 

heit auf bieten ſolte, ſolches zum Vortheil Conrads einzunehmen, konte er ſich nicht 
einmal einbilden. Innocentius beſtaͤttigte die an den Biſchof Chriſtian von einigen 
bekehrten Preuſſen gethane Schenkungen ). Er ſtarb aber 1216, ehe er noch in 
Abſicht des Kreuzzuges die noͤthigen Veranſtaltungen machen konte. Sein Nachfolger 
Honorius; aber ertheilte dem Biſchof Chriſtian das Recht, alle die ſich noch nicht 
zum Zuge nach dem gelobten Lande anheiſchig gemacht, mit dem Kreuze zum Zuge ger 
gen die heidniſchen Preuſſen unter eben denen heilſamen Bedingungen, welche jenen 
erſtattet worden, zu bezeichnen 2) Er verſprach ſich hievon den beiten Erfolg, ſo daß 
er 1217 eben dieſem Chriſtian auch bereits das Recht ertheilte, das bekehrte Preuß 
fen in Biſchofthuͤmer abzutheilen, und darin Domſtifter zu errichten ). Chriſtian 
eilete um fo mehr, den Kreuzzug zu Stande zu bringen, da die Hülfe, welche Conrad 
von ſeinen Bruͤdern und Vettern, ſonderlich Heinrich dem Baͤrtigen von Schle⸗ 
ſien auf fein Geſuch erhalten, ihn und feine kaͤnder zu ſichern, nicht hinreichte 0). Der 
Herzog von Schleſien hatte daher den Rath gegeben, daß Conrad geiſtliche Ritter 
ins land nehmen, und durch fie ein beftändiges Heer denen Preuſſen entgegen ſtellen 
ſolte, weil ſich die Preuſſen zuruͤckzogen, ſobald Krlegsvölker gegen fie anruͤckten, 
aber allemal wiederkamen, fo oft die Kriegsvoͤlker, die damals ordentlicherweiſe aus 
denen Edelleuten beſtunden, nach damaliger Art aus einander gegangen. Geiſtliche 
Ritter aber hatten ſich zu beſtaͤndigem oder täglichem Kriege anheiſchig gemacht. Con⸗ 
rad fiel dieſem Vorſchlage bey. In Liefland war ein ſolcher Ritterorden gegen die un ⸗ 
glaͤubigen vor einigen Jahren geſtiftet, deſſen. Glieder von ihrem Ordenszeichen die 
Schwerdtbruͤder hieſſen. An dieſe wandte ſich Conrad „und verſprach ihnen, alle 
Eroberungen mit ihnen nach Erkenntniß tedlicher Mittelsperſonen zu thellen. Die 
Schwerdtraͤger verfprachen ſich davon auch auf Liefland groſſe Folgen, weil fie nach 
bezwungenem Preuſſen die Lieflaͤnder in die Mitte befämen. Es wurden daher wirk⸗ 
lich 1218 30 Ordensbruͤder ) mit ihrer unterhabenden Mannſchaft wohlgeruͤſtet abge⸗ 
ſchickt. Conrad raͤumete folchen das kand Dobrin zum Waffenplatz ein, welches 
an das culmiſche Gebiet und den Fluß Drebnitz graͤnzet, und half ihnen die B 
Dobrin zu ihrem Aufenthalte bauen. Man nannte ſie ſeit der Zeit die Ritter 
Dobrin, welches aber nicht, wie Hartknoch ) vermeinet, ein ganz neuer Ritter 
orden geweſen, ob wohl, nach dem Peter von e gewiß iſt, daß die Einrich / 
tung der Ritter von Dobrin dem Herzoge Conrad zuzuſchreiben, und es moͤgen wohl 
dieſe Ritter noch ein beſonderes Merkmal angenommen haben, welches ihre Bruder 

in Liefland nicht gehabt 7). Doch war der Biſchof Chriſtian mit dieſer Sache nicht 
zufrieden. Er ſahe voraus, daß ſeine Vortheile leiden wuͤrden, wenn dieſe Ritter 


Eroberungen machen ſollten. Er hatte ſchon ein ee uͤber ganz Peu 8 na 


I) Alta Boruff T. 1 p.259. 260. p) Unter denen war Bruno N a . 
4. p. 262 2 fien. Nach dem Vornamen zu ſchluͤſſen, mochte 
9 8 8 er ein Edler Herr von Querfurt ſeyn. ; 3 
2 Ibid p. 264. W ne q) Harıknoch A. u. N. Pr. S. 2% 
0) Henelius in Annal Silef, p. 244. 8 Per. de Dusburg Chr. Boruſſ. L.2. c. 4. p. wu 


EEE 


a . 13 


5 Geschichte von Preuffen u 


ſich in den Kopf geſetzt, und er ſahe eine Menge von Streitigkeiten im Geiſt voraus, 


die er mit dem Stift Riga bekommen würde. Er wirkte daher beim päpftlichen 


Stul eine Verordnung aus, daß niemand aus Deutſchland, Boͤhmen, Maͤhren, 
Daͤnnemark, Polen und Pommern etwas in Preuffen vor ſich erobern, oder oh; 
ne des Biſchofs Chriſtians Willen etwas anordnen ſolte g). Zum Gluͤck dieſes Bis 
ſchofs konten die Ritter von Dobrin nichts ausrichten. Sie fielen zwar bald in die 
preußiſchen landſchaften ein, und machten Beute. Aber die Preuſſen zogen indeſ⸗ 
ſen ein Heer zuſammen, mit dem ſie dem Herzog Conrad und den Rittern eine zwei⸗ 
tägige Schlacht lieferten, und beide aufs Haupt ſchlugen. Von den Rittern retteten 
ſich nur fuͤnf nach Dobrin, welches fie mit ihrer Mannſchaft zwar gegen die Preuß 
ſen vertheidigten, aber ſich daraus nicht wagen durften, ſo daß im Angeſicht dieſes 
Schloſſes ſehr wenige Preuffen Streifereien vornehmen konten. Der Orden konte 
aus Liefland keine Mannſchaft mehr miſſen, die fünf Ritter ſahen fich zu ſchwach, ber 
ſonders da es ſcheint, daß auf Chriſtians Vorſtellungen der Papſt ihren hieſigen Er⸗ 


oberungen zuwider. Dem Conrad war alſo auch mit ihnen nicht weiter gedienet. Mit bei⸗ 


der Theile Bewilligung hob man alſo die zwiſchen den Rittern und dem Herzoge ge⸗ 
machten Verträge auf, und ihre ganze Einrichtung zu Dobrin hatte ein Ende 1). 


Hingegen ſetzte der Herzog alle Hofnung auf die Kreuzzuͤge, die Biſchof Chriſtian zu 


veranſtalten, uͤber ſich genommen, nachdem vor ihn nicht mehr daran zu gedenken war, 
daß er vor ſich in Preuſſen Eroberungen machen konte. Chriſtian gab ſich in Deutſch⸗ 
land, Böhmen, Maͤhren, Daͤnnemark, Polen und Pommern auch wirklich 
alle erfinnliche Mühe gegen die immer weiter um ſich greifende heidniſchen Preuſſen 
ein Kreuzheer aufzubringen. Sonderlich gelung es ihm 1220 in Schleſien, ſowol den 
Herzog Henrich den Baͤrtigen, als auch die Biſchöfe Laurenz von Breslau und Laws 
renz von Lebus zu Annehmung des Kreuzes zu bereden. Endlich langte dieſes Heer 1222 


zu groſſer Freude des Herzogs Conrads an. Schon ſeit vielen Jahren lag ſein Schloß 
und die landſchaft Culm gaͤnzlich verwuͤſtet, uͤber welches er die weltliche, und der 


Biſchof von Plotzko die geiſtliche Gewalt ſich anmaſſeten, aber die ſolche bis auf ohn⸗ 


gefahr eilf wuͤſte Städte und 100 Höfe nicht mehr im Beſitz hatten, weil ſich die 


Preuſſen davon bemaͤchtiget, die auch ſelbſt in des Herzogs uͤbrigen Staaten die voris 
gen Jahre durch abſcheulich hausgehalten, und ohne die Kloͤſter und andere geiſtliche 
Haͤuſer auf 250 Pfarrkirchen zerftöret hatten. Kaum war der Herzog in der Stadt Plotzko 
noch ſicher geweſen 1). Er ſchenkte daher dem Biſchof Chriſtian vor ſeine Bemuͤhung, 
den Kreuzzug zum Stande zu bringen, alles was er noch im Culmiſchen inne hatte, 


und die Helfte von dem, was andere darin erobern würden, nur daß ſich Chriſtian 


9 Here . von Schleß en des on Umſtandes wegen beſonders fer 
8 3 ben 
5 Ada Pont T. 1. p. 265. Man fiehet aus tes Land, und keine Provinz dieſes Reichs geweſen. 


— Urkunde unter andern, aus welchen Landern ) Fer. de Dusburg le. Acta Boruſſ. T. 1. 
Biſchof Chriſtian ſeinen Kreuzzug, zuſammen⸗ p 256. 257. Schürze. Harrkn. et alii. 


bringen ſolte, und zugleich daß Pommern vor 1) at, P. 2. e. 2. p. 30, Pr. Samml. 
n — abgeſonder⸗ B. 2. S. 28 n 


/ 


46 Geſchichte von Preuſſen. f 
222. hen ſolte. Der Biſchof ſolte einen Hof in Culm und dle Helfte der Einkünfte geuüſ⸗ 
fen u. ſ w. &) Conrad hatte bereits verzweifelt, etwas im Culmer Gebiet wieder zu 
erlangen. Leſco der weiffe verlangte ebenfals nichts. Die geiſtlichen und weltlichen pol⸗ 
niſchen Herren willigten ebenfals in dieſe Schenkung. Leſcus bewies ſich eben for 
wol y), als ein gewiſſer Crucco 2), gegen den Bischof freigebig. Der Papſt Hy 
1223. Noris beſtaͤtigte auch die Schenkung des Herzogs Conrads 1223 a). Der Herzog Con⸗ 
rad ſchenkte dem Biſchof noch drey andere Dörfer, und Chriſtian erkaufte noch uͤber⸗ 
dies Radzin. Bey dem allen ſahe ſowol ganz Polen, und ſonderlich Herzog Con⸗ 
rad, als auch der Biſchof Chriſtian wohl ein, daß der vorgenommene Kreuzzug nicht 
hinlänglich ſey, die Preuſſen zu baͤndigen. So ſchön denen mit dem Kreuz bezeich⸗ 
neten Kriegsleuten auch immer die Seligkeit vorkam, die ihnen verheiſſen worden, ſo 
groſſe Begierde fie auch Übrigens haben mochten, Beute zu machen, ſo kam ihnen doch bel⸗ 
des theuer zu ſtehen. Die Preuſſen hatten ſich mit den beſten Habſeligkeiten in um 
zugängliche Orte gezogen, und die zum Fechten kamen, mochten ihre Haut theuer genug 
1224. verkauft haben. Es ſehnte ſich alſo 1224 alles wieder zu denen Seinigen nach Hauſe. 
Alles verlor die kuſt, weiter etwas fuͤrzunehmen, und mehrere Verſuche zu wagen. 
Nun kamen die Preuffen wieder in die Lander des Herzogs, und ſtellten Verwuͤſtun⸗ 
1225. gen an. Selbſt Plotzko ward nicht verſchonet, und in einem neuen Einfall 1225 ſelbſt 
die Kirchen und Stadt beraubt und verbrannt 5). Vor dem Kreuzzuge hatten ſich 
doch die Preuffen manchmal durch Geſchenke an ſchöͤnfarbigen Kleidern und guten 
Pferden von einem Einfall abhalten laſſen, die der Herzog zuweilen ſeinen vornehmen 
polniſchen Gäften entwenden ließ c). Zuweilen hatte er ihre Wut dadurch befänftis 
gen können, daß er ihnen ſchöne Maͤdgen überließ. Aber jetzt wolte nichts mehr hel⸗ 
fen. Conrad hielt daher einen Landtag, um die Mittel zu uͤberlegen, wie man ſich 
dieſem Uebel entſchütten konne. Nach dreitägiger Berathſchlagung fand man den ehe- 
maligen Vorſchlag des Herzogs Henrichs von Schleſien am zuträglichſten, gegen die 
Preuſſen beſtaͤndige Kriegsvölfer auf den Beinen zu erhalten, und ſolches durch geiſt⸗ 
liche Ritter zu bewerkſtelligen. Der Biſchof Chriſtian fand ſelbſt, daß kein ander 
Mittel hinreichend ſey. Man beſchloß d), den deutſchen Ritterorden unter eben fol 
chen Bedingungen zu dieſem Kriege zu vermögen, über welche man ehemals mit dem 
Schwerdtraͤgerorden eins geworden. e 


8. 28. W Hakı 2 2. 2 
Urſprung des Es iſt aus der Geſchichte bekandt, daß die Paͤpſte die ganze Chriſtenheit öfters 
3 er aufgeboten, das gelobte Land denen Saracenen zu entreiſſen, und denen, welche ſich 
a dazu entſchloſſen, erhebliche Seelenvorthelle verheiffen haben. So ungereimt es in der 
That war, mit Zuruͤckſetzung eigener Landes angelegenheiten das Vermögen und Blut . 

ſeiner Unterthanen in einer Sache zu verſchwenden, die keinen Staatsvortheil, ohne 

| - 2 1 dem 


n 


x) A&ı Bor. T. i p. 626 5) AQ. Bor. T. 1 p. 363. Be 
0 Ib. p. 273. Dub. P. 2 e. 2 p. 31. 70 
2) Ib. p. 274. d) Acta Bor. T. 1 p. 395-388. Pr. Samml. 


4) A&, Bor. T. 1 p. 270 und 275 B. 2 S. 288. 


Geſchichte von Preuſſen. 47 
dem Papſt, verſchaffen konte; ſo war doch der Name des helligen landes und die An⸗ 
weiſungen des Papſts, zur Seligkeit zu gelangen, hinlaͤnglich, zu dieſen Zeiten des 
Aberglaubens Unterthanen und Regenten anzulocken, ſich in dieſes Geſchaͤfte ziehen zu 
laſſen. Man brachte es ſogar hierin zur Nacheiferung, und ſich mit dem Kreuz be⸗ 
zeichnen laſſen, und alſo gegen Unglaͤubige fechten, ward endlich zur Mode unter de⸗ 
nen, die tapfer ſeyn wolten. Es gelung auch denen abendlaͤndiſchen Chriſten, 1099 
in Jeruſalem ein Königreich zu ſtiften. Doch die Könige Gottfried von Bouillon, 
Balduin 1, Balduin 2, Fulco, Balduin 3, Almericus, Balduin 4, Bal⸗ 
duin 5 und Guido von Luſignan fanden ſich beſtaͤndig in die blutigſten Kriege vers 


wickelt, um ſich gegen die Saracenen zu ſchuͤtzen. Weil ihre eigene Macht nicht pin 


laͤnglich war, fo muſte das abendlaͤndiſche Europa fie beſtaͤndig mit neuen Kreuzzuͤgen 


unterſtuͤtzen. Es war dieſe Huͤlfe jedoch langſam und ungewiß. Sie fehlte oft, wenn 
man ſie am nöthigften brauchte. Dies gab Gelegenheit, daß im gelobten Lande ver⸗ 


ſchiedene Ritter in Geſellſchaft traten, und ſich anheiſchig machten, beſtaͤndig im ge⸗ 
lobten fande zu bleiben, und ſolches bey aller Gelegenheit zu ſchuͤtzen, kurz beftändig 
gegen die Unglaͤubige zu fechten. Ein Geluͤbde dieſer Art konte damals mit denen an⸗ 
genommenen Grundregeln der Religion beſtehen, und wurde ſogar als verdienſtlich ans 
geſehen; da der Papſt die Chriſten glücklich uͤberredet hatte, daß den Chriſten gar 
nicht erlaubt ſey, mit Unglaͤubigen in einer Vertraͤglichkeit zu ſtehen, ja daß auch die 
helligſten Vertraͤge, die man mit denſelben getroffen, unverbindlich zu nennen. Na⸗ 
tur und Schrift waren hiebey zwar aus den Augen geſetzt: aber damals unterſuchte man 
ſo wenig die erſte, als man die andere zu leſen pflegte. Auf die Art entſtunden die 
Tempelherren ſowol, als der Johanniterorden. Auſſer der Pflicht, beſtaͤndig ſich 


zum Kriege gegen die Feinde des chriſtlichen Namens brauchen zu laſſen, übernahmen 


dieſe Ritter auch das Geſchaͤfte, die kranken und armen fremden Pilger in gewiſſe Kran⸗ 
kenhaͤuſer aufzunehmen, und ihrer zu pflegen. Dies Geluͤbde war unſtreitig mehr 
werth, als das erſtere. Beide erwarben aber damals viel Ehre, und reitzten zur Nach⸗ 
folge. Ein in Jeruſalem wohnender Deutſcher ſtiftete von feinem Vermögen in dies 
fer heiligen Stadt vor feine kandesleute ein Krankenhaus, das er der Jungfrau Ma⸗ 
ria widmete. Dieſes Beiſpiel feurete mehrere Deutſche an, ſich in dieſem Hoſpital 
gänzlich der Pflege der Kranken zu widmen, und zu dem Ende durch ein Geluͤbde ſich 
zu allem verbindlich zu machen, was die Tempelherren uͤbernommen hatten e). Bey 
nahe wäre dieſe neue gutherzige Geſellſchaft gleich im erſten Anfang unterdruͤckt. Sa⸗ 
ladin, ein an Gemuͤth und Thaten gtoſſer Fuͤrſt, bedienete ſich der unter den Chris 


ſten eingeriſſenen Uneinigkeit, ſchlug dieſelben bey Tiberias, nahm den König Guido 


gefangen, und eroberte gleich darauf Ptolemais, Jeruſalem und mehrere Städte. 
Diefes Unglück fiel 1187 vor, und man kann ſich leicht einbilden, was das Marien⸗ 
fiechenhaus der Deutſchen zu Jeruſalem durch dieſen Stoß erlitten. Der Kaiſer 

„2 Wann 1 Frie⸗ 


e Jacobus de Vitriaco e. 66. Hiftoriae Hieroſolymitanae p. 1095. Venator vom deut ſchen 
Orden, Duellius de ordine erueiferorum. a 


235, 


48 Geſchichte von Preuſſen. 
1225. Friedrich 1 wolte ſolchen Unfall 1189 durch einen Kreuzzug wieder herſtellen, doch ſein 
Heer von 100000 Mann ſchmolz faſt ohne Nutzen, und der Kaiſer hohlte ſich ſelbſt 
ngo den Tod. Die ſtarke Veſtung Ptolemais wurde jedoch eingeſchloſſen. Der 
Ort, welcher damals auch Accon, Achon und Accaron hieß, wehrete ſich ſehr 5 4 
haft, welches theils Kranke, theils Verwundete im chriftlichen Heer verurſachte. N ö 
ein jeder auf eigene Koſten dienete, und ſich alſo nicht leicht jemand des andern yo 
nahm, fo war die Pflege dieſer Armen ſehr ſchlecht. Sonderlich litten die Deutfchen 
bieben am meiften, die aus verſchiedenen Landſchaften gekommen, und nicht ihren all⸗ 5 
gemeinen Oberherrn Henrich s bey ſich hatten. Doch einige Bremer und Luͤbecker 
lieſſen ſich den Zuſtand der kranken Deutſchen zu Herzen gehen. Sie baueten von 
den Schifsſegeln ein Zelt am Strande, und nahmen die mit der rothen Ruhr behafte⸗ 
te und andere kranke deutſche Soldaten darin auf, die ſie mit vieler Liebe warteten 
und pflegten. Allen im lager verſammleten geiſtlichen und weltlichen Standes perſonen ruͤh · 
tete dieſe Gutherzigkeit, und fie wurden befchämet. Sie gaben ſich um die Wette Muͤ⸗ 
he, dieſe Sache zu unterſtuͤtzen und zu verbeſſern. Des Kaiſers Bruder Herzog Fries 
drich von Schwaben nahm ſich der Sache ſonderlich an, und widmete zu der Pflege 
der Kranken mit milder Hand Einkuͤnfte. Er und die uͤbrigen Herren beſchloſſen, zu 
dieſer Anſtalt einen Ritterorden zu ſtiften. 3s bis 40 Deutſche von Adel uͤbernahmen 
das Geluͤbde, auf den Fuß der Johanniterritter, die Kranken zu pflegen, und auf 
den Fuß der Tempelherren den Gottesdienſt abzuwarten, und gegen die Feinde der 
chriſtlichen Religion zu fechten. Aus ihrem Mittel ward Henrich Waldpot von 
Paſſenheim zu ihrem Vorgeſetzten erkohren. Der König von Jeruſalem ließ ſie 
alle durch den Patriarchen einkleiden. Er ſelbſt aber eignete ihnen das deutſche Mas 
rienhoſpital zu Jeruſalem zu. Der kaiſerliche Prinz Friedrich, Herzog von Schwa⸗ 
ben, empfahl dieſen neuen Orden ſeinem Bruder dem Kaiſer Henrich 6, und durch 
denſelben 7) ward am paͤpſtlichen Stul die Beſtaͤtigung geſucht und erhalten. Der 
Orden pflegte daher auch Kaiſers Henrichs 6 und des Herzogs Seirdriche als Laie: 
gröften Wohlthaͤter zu gedenken. er 


. 9. 

Innere ver Der Orden hieß ſeit der Zeit der Marianerorden, und die Ritter darin Niter 
2 e des deutſchen Marienſiechenhauſes zu Jeruſalem, der deutſche Orden, auch der Du 
28 den der Kreuzherren, weil fie, als alles völlig eingerichtet war, auf einem weiſſen Mans 

tel ein ſchwarzes Kreuz, als ihr Merkzeichen, trugen. Sie hatten einen Meiſter, 

der nachher Hochmeiſter hieß, als er noch andere Meiſter unter ſich bekam. Die⸗ 

fer hatte fein eigen Siegel, das auch zuweilen Majeſtaͤtsſiegel hieß; er gehörte, 

Kaifer Friedrichs 2 Gnadenbrief, unter die deutſche Reichsfuͤrſten, und hatte von 
Kaiſern, Päpften und andern groſſen Herren, weltlichen und geiftlichen Standes, 

groſſe Vorzüge vor ſich und den Orden erhalten. Er ward vom Orden gewaͤhlet, 

ſeine Gewalt ward durch ein Capitel eingeſchraͤnkt. Unter ihm ſtanden die Sanbmeifler 5 

oder 

f) Par. 6 3 Schutz, Waiſſel, ä Venator, Jeroſchin u.a. l. 


Gicht. von Preuſſn. 49 
oder Statthalter ganzer kaͤnder, in denen der Orden auf allerhand Wegen erhebliche Gu 1225. 
ter nach und nach erhalten, die in des Hochmeiſters Abwefenheit, mit Zuziehung eis 
nes Capitels, die Regierungsgeſchaͤfte beſorgten, und auch ihr eigen Siegel hatten. 
Die vornehmſten Perſonen, die ſodenn folgten, hieſſen Ordensgebietiger. Der Groß 
comthur, deſſen Amt aber erſt über 100 Jahr ſpaͤter eingerichtet worden, und, fo zu 
ſagen, des Hochmeiſters rechte Hand war, der obriſte Marſchall, der die Kriegsvöl⸗ 
ker befehligte, der obrifte Spitler, welcher die Armenhaͤuſer unter feiner Aufſicht Hat 
te, der obriſte Drappirer, der vor die Kleidung und andere Sachen der Ritter ſorgte, 
und der obriſte Treßler oder Schatzmeiſter waren die erheblichſten Ordensbediente. Der 
Hochmeiſter hatte meiſtens zwey Compane bey ſich, die man ſich als ſeine Generalad⸗ 
jutanten vorſtellen kann. Denn kamen Landeomthurs. Man kann fie mit heutigen 
landraͤthen vergleichen. Die Comthurs, welche mit denen heutigen Amtshauptleuten 
vieles gemein hatten, und die Hauptcomthurs, die den Befehl in einer Veſtung allein 
hatten. Das gewöhnliche Wort Comthur wird auch wohl durch Vogt uͤberſetzt. Hier, 
auf folgten die eigentlichen geiſtlichen und weltlichen Bruͤder des Ordens, davon jene 
zum Gottesdienſt, dieſe hauptſaͤchlich zum Kriege und der Pflege der Kranken fich ges 
widmet hatten. Sie hatten auch Ordensſchweſtern, die ſich zu denen weiblichen Ver⸗ 

richtungen in den Hoſpitaͤlern des Ordens widmeten. Wer fein Vermoͤgen dem Or⸗ 
den ganz, halb oder zum Theil ſchenkte, ward ein Mitbruder oder Mitſchweſter, die 
an den guten Werken des Ordens Theil hatten, und wer auſſerdem dem Orden ſeine 
Dienfte widmete, hieß auch Halbbruder und Halbſchweſter des Ordens. Vielleicht 
gehhreten hieher auch die Heimlichen des Ordens, welche als Parteigänger gebraucht wur⸗ 
den. Die Halbbruͤder und Halbſchweſtern trugen Ordenskleider mit dem halben Kreuz, 
und gehörten in Abſicht ihrer Perſon und aller Güter unter den Orden, nicht abet 
die Mitbruͤder und Mitſchweſtern, die, ſo wie jene, vereheligt ſeyn konten, welches 
jedoch denen eigentlichen Brüdern und Schweſtern verboten war, die eine ewige Keuſch⸗ 
heit geloben muſten. Sowol aber dies Geluͤbde, als dasjenige von der ewigen Feind⸗ 
ſchaft gegen Unglaͤubige, iſt mit demjenigen, da fie die Pflege der Kranken uͤbernah⸗ 
men, in Abſicht der innern Güte in keinen Vergleich zu ſtellen. So lobenswerth das 
letztere, fo ungegruͤndet iſt die Verdienſtlichkeit der erfteren, und ich darf meinen fer 
ern hievon nichts mehr ſagen. Ihre eigene Einſichten mögen ſolches beurtheilen g). 


- d. 30. 5 
Henrich Waldpott von Paſſenheim, ein Rheinlaͤnder, deſſen Geſchlecht ) e 
mac jpc in Deutfhland Sir, Fü den gen Nys. 190 gum ehen Weite va acc 
ut) > deut⸗ fungin Preuſ⸗ 
2 80. Von dieſer Einrichtung iſt nachzuleſen derlich die geſammleten Nachrichten meines nun: en. 
Schuͤtz, Hariknoch, Venatar u. a. ſonderlich mehr ſeel. Freundes, des ehemaligen Herrn Krieges 
5 gehören hieher Erl. Pr. B S. 221. 824. II. 1. raths von Werner, der vor die preußiſche Ge⸗ 
1 592. III. 244. 426. IV. 36. 433. 547. 634. Pr. ſchichte viel zu zeitig geſtorben iſt. 
\ mm. II. 601. III. 63. 405. 532. 601. AR. 7) Aus dem Haufe war auch Siegfried. der 
N Bor. II. 237.860. und vorzüglich viele Schriften, fon: 1386 Ordensſpitler u. Comthur in Elbing geweſen. 
i D.als preuß. Geſch. 4 Th. G. 


— 


2225. 


38 Geſchichte von Preuſſen. 

deutſchen Ordens gewaͤhlet ſeyn. Seine Beſchaͤftigungen blieben faſt einzig in der 
Krankenpflege eingeſchraͤnkt, daher man wenig von feinen Kriegschaten redet. Ueber⸗ 
haupt war zu ſeiner Zeit der Orden in der Wiege und wenig bekandt, weil er noch nicht 
Ritter genug zum ſtreiten hatte. Nach der Uebergabe der Stadt Ackers zıyı kaufte 
er einen Garten vor dem Nicolaithor an der Mauer, wo er das erſte Hoſpital hinbaue⸗ 
te, und worin auch Herzog Friedrich von Schwaben begraben wurde. Schon in 
dieſem Jahr beſtaͤrigte Papſt Cöleſtin 3 den deutſchen Orden 1). nog ſollen unter 
ihm die erſten Ordensgeſetze in einem Capitel zu Ackers verfertiget ſeyn 4). Er ſtarb 
den 24ften. Oct. 1200 0). Nach ihm waͤhlte der Orden den I ee 


Otto von Carpen, einen gojährigen Mann, dem einige vor einen Freiherrn, 8 


andere vor einen Patricium von Bremen halten. 1200 ward der Orden vom Exzbi⸗ 
ſchof Ludolph von Magdeburg m), 1203 vom tandgrafen Hermann von Thuͤrin⸗ 
gen beſchenkt m). Er ſoll das erſte Siegel eingerichtet und gebraucht haben ). Daß 
er aber denen Dominicanern den Gottesdienſt in feinem Orden zu verrichten aufge. 


Jun 1206 2 N f 2 e 
Hermann Bart, der dritte Ordensmeiſter, foll nach einigen ein Holſteiniſcher 

von Adel, nach andern ein pommeriſcher Prinz von der Bartſchen linie geweſen ſeyn, und 

Venator ſagc, fein Vater fen in der Belagerung von Tripolis hart verwundet worden. 


Es hat jedoch wirklich ein adeliches Haus derer Barte gegeben 7), aus dem er wohl 


entſproſſen fiym mag. Er erhielt nicht nur vom Könige von Jeruſalem das Recht, 
das guͤldene Jeruſalemſche Kreuz in fein ſchwarzes zu fegen ), ſondern der Orden 
nahm unter ihm durch allerhand Schenkungen 7) zu. Man ruͤhmt von ihm, daß er, 
nach dem Muſter feiner Vorgänger, denen Armen und Kranken perſönlich aufgewar⸗ 
tet. Venator ſetzt ſeinen Tod ins Jahr 1270, andere aber ſagen, er fey ızır, nach 
vierjähriger Regierung, den zofen Merz geſtorben, und zu Ackers beerdiget ). 


4 2 
) Die Urkunde ſtehet in Luͤnich Spieil Feel. 4) Ibid. Yenaror p. 13. 0 5 
vom deutſchen Orden p. 3. Venator, Sartknoch 7) Herr von Dreyhaupt Hiſt. des Saa 
A. u. N. Pr. 252 Mullers Reichstagstheatr. Serie: T. 2. Geſchlechtstafeln S. 9. M. 4. Das Wa 


tragen, iſt wohl falſch p). Seinen Tod ſetzen einige auf den aten, andere zoflen 


drichs 5 II Vorſtell. ©. 436. du Mont Corps di- 
plomati que. T. 1. P. 1 pi 116. Leo in Hiſt Pruſſ. 
p: 62; hat ſie ins lareiniſche aus dem deutſchen 
uberſetzt. Es hat aber Duellius dagegen manche 
Zweifel gemacht. BASE 

k) Lünich; Cont. r Spie Ecel. p 356. 

) Sartknoch A. u. N. Pr. S. 263. 

m) von Ludew. Rel. T. 5 p. 96, von Drey⸗ 
haupt Hiſtorte des Saalkreiſes T. 2 p. Hat. 

n) de Ludwig Rel. T. 5 p. 117. 0 

) Erl. Pr. L. 328. II ır 14 f Senneb. S. 364. 
Schutz 16 f. Harrknoch A. u. N. Pr. ©, 265. 

59 Bariknoch ib. p: 265. 


ven ſtehet Tab. 30, es gehet aber ſolches von dem 
ab, welches die preußiſchen Schriftsteller unſerm 


Sermann zurianen. Noch finden ſich Al . 


Barth, von Audw, Rel. T. 6 p. 456 und 459, 


und Dietrich Barth, Pfleger zu Angerburg, > 
Fr 


in von Werner Poleogr. p.ı. 
) Venator S. 23. Lie 2 
5) Ordensdeduet gegen Seſſen, Beil. M. ar, 
en — Ord. Crueif P. 3 p. 53 8 
. Ecel Cont. 2 vom deutſchen ohe 
niterorden S. 318. * 


Penner ©. 13. Shranoch i.. u. dt pr. 
207% g 2e 


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Hermann von Salza. 8 st 
Hermann von Salza x) uͤbertraf feine Vorfahren an Geſchicklichkelt, Tugen⸗ 1225, 
den und Gluͤck. Er war ein Sachſe, allem Vermuthen nach aus Salza im Mag, 
deburgiſchen. Sein Geſchlecht hat ſich nachher in Schleſien ausgebreitet, wo Ja⸗ 
cob von Salza Biſchof von Breslau geworden. Fruͤhzeitig kam er an den Hof Con⸗ 
rads, landgrafens von Thuͤringen, wie theils vor, theils nach ihm andere Glieder 
feines Hauſes in den Dienften der Landgrafen von Thüringen geweſen )). An dies 

ſem Hofe lernete Hermann die Staͤrke eines Staatsmannes mit der Artigkeit des 
Hoflebens verbinden, und nachher bewog er ſogar feinen ehemaligen Herrn den Land⸗ 
grafen Conrad, mit vielen andern vornehmen von Adel feines Hofes, feinem Beiſpiel 
zu folgen, und in den Orden zu treten. Vielleicht hatte er gleich 1190 den Orden an⸗ 
genommen, da ſolcher eigentlich geftiftet worden. Sein Verhalten muß ruhmvoll ges 
weſen ſeyn, da er ſchon vor feiner Wahl Ordensmarſchall 2) geweſen. Entweder 1270 
oder 1211 ward er zum Meiſter des Ordens erkohren. Er fand denſelben in ſehr ſchlech⸗ 
tem Stande, und ließ ſich davon ſelbſt ſo vernehmen: daß er gern eines ſeiner Augen 
miſſen wolte, wenn er nur zehen Ritter gegen den Feind fuͤhren könte. Auch am paͤpſt⸗ 
lichen Hofe muß der Orden nicht viel Freunde gehabt haben, da der Papſt Innocen⸗ 
tius 3 dem Orden 12n verbot, ſich der weiſſen Mäntel zu bedienen, welche bey den 
Tempelherren üblich waren a). Aber unter ihm beſſerten ſich durch feine Geſchicklich⸗ 
keit die Umftände zuſehens an Gliedern, Einkuͤnften und Rechten. Schon 1212 faßte 
der Papſt von ihm und feinem Orden die allervortheilhafteſte Meinung. 1213 erhielt 
Hermann das Hoſpltal zu Briſach. Noch in eben dem Jahr nahm der Kaifer Ot⸗ 
to 4 den Orden in feinen Schutz b). 1214 nahm Kaiſer Friedrich a unſern Meiſter 
des deutſchen Ordens zum Hofbeamten auf 6), und ertheilte dem Orden das Recht, 
fine Güter mit Reichslehnen zu vermehren d). 1216 beftätigte der Papſt Innocen⸗ 
tius 3 den Orden, und es geſchahen in dieſem e) Jahr ſowol, als im folgenden 1217 
allerhand Schenkungen an denſelben f), In Ackers ſahe es bisher berrübt aus. Die 
Saracenen hatten den Berg Tabor beveſtiget, und ſtreiften bis vor die Thore von 
Ptolemais. Endlich langte Huͤlfe aus Europa an. Der König von Ungarn, Leo⸗ 
pold Herzog von Oeſterreich, und andere Herren langten an, bey denen ſich Her⸗ 
mann bald beliebt zu machen wuſte. Der Herzog von Oeſterreich ſchenkte ihm 6000 
Mark Silbers, um ſich davor Guͤter anzukaufen. Der Melſter bauete mit Huͤlfe anderer das 
er | 8 2 Schloß 
W f 5 » 5) Raynaldus in Annal. ad, 1213. No. 45: 
5 — sp FE gegen Seſſen, Doecllins roh 
gene Lebensbeſchreibung in dem gelehrten Preuſ p. 11. Origines Guelph. Lib. 7. Probat, p. 819. 


fen T. 3 p. 28 . geliefert. Ich will ſolche zum ) ordensdeduct. gegen Seſſen, Beil. No. 2. 
legen, und das übrige, was ich noch hin: Duellius App. p. 12. 


ſuzufuͤgen vor noͤt halten, aus gehoͤrigen 
fügen N hig gehalten, 4) Ordensdeduct. gegen Heſſen, Beil. N. 3. 


7 dar 
D Schannat, Vindem. ter. T u p. 4. „ Ducliue, Append P. 1. a 
. 3 Aus dem Grunow ſteht es im Erl. Pr. e) deLudw. Rel. I. 5 p.ı04 Braunſchwei⸗ 


B. 2 S. giſche Anzeigen von 1753 N. 39. 
3 Lin- — 2 P · 47¹. Duellius 2. 1 P · 16. N de Lud. Rel. T. 5p- N. 


23332 un 
3 * 


ie. 


1225. 


von Frankreich hatte die Belagerung von Damiata mit dem chriſtlichen Heer unter - 


Die Chriſten wichen. Hermann von Salza war aber unter denen, die die Sieger 


52 2 Geſchichte von Preuffen. 


Schloß der Fremden zwiſchen Caiphas und Caͤſaria wieder auf, und hatte daher auch 
Anthell an dem Schatz, welchen man bey dem Graben in diefem Schloſſe entdeckte. 
Bey dieſer neuen Schanze fanden ſich endlich 1218 alle Kreuzfahrer ein, und giengen 
nach Damiata in Egypten unter Segel. Unſer Hermann gieng mit feinen Ordens / 
bruͤdern ebenfals dahin. In der Zeit fehlte es dem deutſchen Orden fo wenig, als 
1219 an Schenkungen Y. Es machte ſich derſelbe in der That verdient. Der König. 


nommen. Er half ven zten Jul. die ausgefallenen Feinde zuruͤckſchlagen. Die Ba⸗ 
bylonier rückten zum Entſatz an. Darüber kam es den 29ſten Auguſt zur Schlacht. 


ſo lange aufhielten, bis die Chriſten ſich geſetzt. Es konte ſolches freilich ohne Ein; 
buſſe nicht abgehen. Damiata ward jedoch den sten Nov. erobert. Die Thaten 
Hermanns dabey vermochten das hohenlohiſche Haus zu groſſen Schenkungen ). 
Sonderlich grif ſich Honorius 3 recht an, in dieſem und dem Jahr 1227 dem Orden er 
hebliche Rechte zu geben 1). Der Kaifer Friedrich nahm denſelben in Schutz, und 
befrelete ihn von allen Abgaben K). Er ſchickte auch die Hauptbeſtaͤtigung des Ordens 
unſerm Melſter durch den Herzog von Barern und Ulrich Biſchof von Paſſau zu Di 
Auch der Pfalzgraf Henrich, aus dem Hauſe Braunſchweig, chat ſeine milde Hand 
auf m); fo wie ſich auch 1221 Andreas 2, König von Ungarn ), und Friedrich 
von Betovia 0) wohlthaͤtig bezeigten. Es war ſolches unſerm Meiſter ein Troft bey 
damaligen ſchlechten Umſtaͤnden. Das Gluͤck war den Chriſten zuwider. Derigeöfle 
Theil der Beſatzung in Damiata hatte unvorſichtiger Welſe einen Einfall tief ins band 
vorgenommen. Die Saracenen ſetzten ſolches unter Waſſer. Dieſes verurſachte, 
daß man ſich mit den Feinden in Unterhandlungen einlaſſen muſte. So lange ſolche dau / 
teten, war der Meiſter einer von denen Geiſeln, und als durch den Schluß derſelben Da⸗ 
miata zuruͤck gegeben werden muſte, trug man von Seiten der Chriſten ihm auf, ſol⸗ 
ches zu bewerkſtelligen. Gleich darauf gieng er nach Europa, um die ſchlechte Bed 
ſchaffenheit der Chriſten im gelobten Lande daſelbſt, ſonderlich dem Kaifer und Papſt, 
zu verkuͤndigen. Honorius hielt mit ihm in Rom nebſt andern vornehmen Herren, h 
viele Berathſchlagungen, wie denen verfallenen Sachen wieder aufzuhelfen. Hier hat⸗ 
te er nun Gelegenheit, ſich den Papſt, den Kaifer und den König von Jeruſalem auf 
eine ſonderbare Art 1222 zu verbinden. Friedrich 2 hatte das Geluͤbde, einem Kreuz 
zuge beizuwohnen, ſchon laͤngſt vorher gethan, glaubte aber Urfachen zu haben, va 
ich aus * zu 2 055 Nuß drang auf die Erfuͤllung des eil, 1 
. und £i 
g) de Ludw, Rel. T. p. gr Linz Con 1. ) Dieſe Urkunde ſtehet im Dyellio N 7 9. 
Sete Ecel p. 360. N Goldaſti Reichshaͤndel S. 166, in Lunch R 
) Sanſelmann bohenlohiſche e FR. ge NZ 7.60 N 


43. 
©. u BG. 7 Auszug im Europ. Herold P. 1 5 ER 


10 Duellius P. 2 p. 47 PR p. 1. 4. 5. 6. 7. m) Braunſchw. Anz. von 2 N. 62. 5. 7 
Pr. Samml. B. 3. S. 6 ) d. Dreger Cod. dipk Pom. T. 8 
k) Balle, App. bc ee 0) Duell. P. 3 p. 96. 


Hermann von Salza. 53 
und Johann von Brienne, König von Jeruſalem, wuͤnſchte, da er ſich ſelbſt nicht 1225. 
belfen konte, auswaͤrtige Huͤlfe, um ein Königreich zu erobern, davon er ſich zwar 
nannte, aber darin er faſt nichts beſaß. Hermann von Salza erfand gluͤcklich ein 
Mittel, fie alle zu befriedigen. Er ſchlug eine Heirat zwiſchen dem verwitweten Kais 
fer. Friedrich 2 und Johannis von Brienne Prinzeßin Jolantha vor. Der Papſt 
glaubte hiedurch den Kaifer um fo leichter zum perſönlichen Zuge nach Jerusalem zu 
bewegen, da er Fünftig ſeine eigene Vortheile darin zu beſorgen ſchien. Friedrich 2 
bekam durch die Minderjährigfeit, durch die Entfernung, durch das zu volziehende 
Beilager Gelegenheit, weitere Nachſicht zu erhalten, feine Geluͤbde noch länger uner⸗ 
fülle zu laſſen. Johann von Brienne aber glaubte in feinen Gedanken ſchon von 
Jeruſalem aus ein groſſes Reich, das ihm fein Schwiegerſohn erobern ſolte, zu bes 
figen. Hermann von Salza trieb die Sache zu allerfeitigem Veranuͤgen, und hatte 
von allen Seiten ſich Freunde gemacht P). Friedrich 2 J) und Honorius 3 r) be 
muͤheten ſich um die Wette, feinem Orden Gutes zu thun. Sowol von Seiten des 
Popſts ), als des Kalſers 7), ward dieſes Wohlwollen auch 1223 durch allerhand 
Gnadenbezeigungen ſortgeſeht denen noch andere 1) folgten, wovon ſich auch 1224 
Spuren a) finden. Da durch Hermanns Bemuͤhungen das verabredete Beilager 
mit der Jolantha endlich 1225 gehalten worden, ftieg fein Anſehen, fo wie bey dem 
Papſt, alſo auch ſonderlich beim Kalſer, dem er, nach ſeinem Wunſch, einen aber⸗ 
maligen Aufſchub des Kreuzzuges auf zwey Jahr verſchafte x). Die deutſchen Stäm 
B de vermehrten ihre Gutthaten ( gegen ſeinen Orden 5), und da ſein Name ſowol in die⸗ 
ſem, als dem folgenden Jahr 1226 häufig in den kalſerlichen Urkunden als Zeuge vor⸗ 
kommt 2), ſo ſichet man leicht, daß er dem Kalſer wenig von der Seite gekommen. 
ati | 
ER an 0 §. 31. 
Eiben dieſe Gnade beim Papſt und Kaiſer hatte dem Hermann von Salza die Der vierte 
beſte Empfehlung bey denen Polacken ſowol, als dem preußifchen Biſchof Chriſtian master, der. 
verſchaft, welche durch ihn und durch die auf feine Vermittelung zu hoffende auswärtige Salza wird 
Huͤlfe ſich der preußiſchen Einfälle am beſten zu entladen hoften. Der erſte Antrag ge nach Preuſſen 
ſthahe ihm vom Biſchof Chriſtian 1226 auf die Bedingungen, welche ehemals der Verne, 
Schwerdorden bey einem uͤhnlichen Geſuch angenommen. Der Biſchof Chriſtian und 5 
der Herzog Conrad von Maſau wolten das ihrige durch ſeine Huͤffe im Eulmer Ge 
ten, und Polen von den r der Preuſſen de Ve Was aber den 


F 
5 


ee nz 724 2 Wi G 3 . R - Preuß 
g Bee in n Annal. od h a. No. N ”) ee He Landeshoheit, 
laut in App. p. . Beil. No. 17. SD. \ 


x») Raynaldus nd b. a. N. 36. 
. . 2 p. 11. de p €. p. 108. 3) de Ludwig, Rel T 5 p. 119. Lunich Spie. 


39) Duellius P. 2 ps. %% J „det ant: Becel Cont 1p 361. Otdensdeduct. gegen Heſſen 
Duell in App = 15. 16 Ordensdeduct. ger, Beil. N. 43. 
den Beil. 2) Scharen Ann. Paderborn. p. 1005. Arnd 


fl. 4 6 
Fleur Illustr. p. 295. de ‚Ludwig, SE 1 b. 1h. wiuebrand hanſeat. Chron. 
"ser. Ber RER b r. 5 


1226, 


54 Geſchichte von Preuſſen. 


en abgenommen wuͤrde, ſolte zwiſchen dem deutſchen Orden und dem Herzoge 
von Maſovien getheilt werden. Die neuern polniſchen Geſchichtſchreiber find hiebey 


geblieben, ohne zu bedenken, daß in den folgenden Zeiten eine groſſe Abänderung dies _ 
ſer zuerſt geſchehenen Anerbietungen vorgegangen. Dieſes hat den Streit nach ſich ges 


zogen, der in den folgenden Zeiten ſogar erhebliche Kriege und Anforderungen gegen 
einander zwiſchen Polen und dem deutſchen Orben verurſachet. Der ſelige Herr von 
Ludwig hat die polniſche Parten genommen 4), iſt aber in der That von dem, was 
nachmals vorgegangen, nicht hinlaͤnglich unterrichtet geweſen. Die Urkunden, die 
uns erſt nachher geliefert find, und geſchickte Abhandlungen 5) haben uns aber beſſere 
Einſichten verſchaffet. Der erſte Aufſatz des Vertrags mit unſerm Hermann mag 
freilich fo vortheilhaft ausgeſehen haben, als die Polacken ihn vorſtellen, daß er das 
Culmer Gebiet und den Strich zwifchen der Weichſel, Mocker und Drebnitz feinen 
ehemaligen Herrn wiedergeben ſolte, wenn er ſie zu Bekriegung der Preuſſen nicht 


mehr nöchig habe; daß er die Eroberungen in Preuſſen mit Polen theilen, und des 


nen Polacken gegen alle Feinde beiſtehen ſolte c). Aber nahm Hermann denn dieſe 
Vorſchlaͤge ſogleich an? Er überlegte, nach dem Grunow, erſt die Sache reiflich. 
Die Bedingungen ſtunden ihm nicht an. Er verſprach, ſolche mit ſeinen Bruͤdern erſt 
zu beſprechen, ohne die Sache ganz von der Hand zu weiſen. Der Papſt ſuchte, auf 
Chriſtians Bitte, ebenfals den von Salza zu vermögen, ſich in dieſe Sache einzu⸗ 
laſſen. Aber er wolte ſelbſt Vortheile davon haben. Er glaubte, alles fand der Un⸗ 
glaͤubigen gehöre ihm an, und es ſtand ihm alſo die vorgeſchlagene Theilung des zu er⸗ 
obernden Preuſſens nicht an. Dem Chriſtian gefiel ſolches zwar nicht, und kam 
wieder auf den Einfall, ſich und den Polacken durch einen Kreuzzug zu helfen. Aber 


hieraus ward ebenfals nichts. Endlich ſchickte Hermann den Conrad von Lands⸗ 


berg und Otto von Saleide, zwey Ordensbruͤder, nebſt 1s Reutern zum Herzoge 
ab, um bey demſelben beſſere Bedingungen zu erhalten. Es ſchien ſolches nothwen⸗ 
dig. Der Krieg war gefährlich, die preußiſchen Eroberungen höͤchſt ungewiß. Was 


konte in dem Fall Hermann bey der Zuruͤckgabe des Culmer Landes und uͤbrigen Ge⸗ 


gend zwiſchen Maſovien und Preuſſen fur Vorthelle haben? Wo kam Erſetzung der 
Koſten zu dieſem Zuge her, da zum Theil die Ritter aus dem gelobten Lande herbey zu 
ſchaffen waren? Das, was Conrad im Culmiſchen und der Gegend allenfals abtre⸗ 
ten konte, beſtand in wenigen völlig verwuͤſteten Orten, durch deren völlige Abtretung 
er ſich Ruhe vor feine übrigen Staaten verſchaffen konte. Chriſtian Hatte ja ohnedles 
ſchon das meiſte vom Culmer bande vor ſich bekommen. Es war in der That nicht 
etwas erhebliches, was Hermann verlangte, noch was Conrad abtreten ſolte. Sol⸗ 
te ja was in Preuſſen durch den Orden erobert werden, ſo glaubte Hermann, daß 


4) Im vertheidigten Preuſſen. Siehe auch ne Urkunde, die aber noch nie bekandt gemüthe it — 
il Pr. B. 2 S. 510 f. Vielleicht gehet dieſe Urkunde die Handlung — 


b) Ad. Poruſſ. T. 1 p. 355. und Pr. Samml. dem Schwerdtorden an, der von den polniſch 
B. 2 S. 289. 5 
6) Cromer S. 199 beruft ſich deshalb auf ei- Orden hier verwechſelt worden. 0 


Geſchichtſchreibern mit Fleiß mit dem — — re 
124 we r 


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— — 


vorhanden, als wenn man den Papſt einmiſchen wolte. 


P 


Hermann von Salza. 55 


davon die Polacken um ſo weniger etwas verlangen könten / weil fie zu dieſer Erober 
rung für ſich nichts ausrichten, auch, die Wahrheit zu geſtehen, gar keine Rech⸗ 


te uber dieſes annoch freie land mit Beſtande der Wahrheit anführen konten. Auch 


ihre bisherigen gluͤcklichen Kriege in Preuſſen endigten ſich höchſtens mit der Erhebung 
eines Tributs, der aber nur fo lange bezahlt ward, als die Preuſſen die Uebermacht 
Polens zu ſcheuen nöthig hatten, und der vielmehr ein Beweis ift, daß die Polacken 
ihre Nachbarn bey aller ihrer innerlichen Staatseinrichtung gelaſſen haben. Mit eben 
fo viel Rechte Polen ſich Preuſſen anmaſſen konte, mit eben ſo viel Grunde konte fols 


ches ein jeder anderer, der Papſt oder der Kaiſer, thun. Der ſtaatskluge Hermann 


wandte ſich daher an den letztern, weil er wohl einſahe, daß dabey nicht fo viel Gefahr 
) Der Kaifer muſte ihm einen 
Schenkungsbrief auf ganz Preuſſen und eine Beſtaͤtigung alles deſſen ausfertigen, was 
er durch Unterhandlungen vom Herzoge Conrad erlangen wuͤrde d). 
Friedrich 2 ſagt darin e): Er beobachte, daß Preuffen zum Kaiſerthum gehöre. We⸗ 
nigſtens eben fo gut, als zu Polen. War die Beobachtung des Kaifers falſch, fo 
konte dem Hermann durchaus dieſe Schenkung nicht ſchaden. Friedrich 2 ſagt nicht, 
daß Preuſſen zu Deutſchland, ſondern zum Kaiſerthum gehöre. Dahin rechnete 
man, was einem einſiel, auf den Fuß des alten Roms, das ſich daher auch, fo wie 
die folgenden Kaiſer, Haͤupter der Welt nannte. Hermann ſahe ſolchen Schein⸗ 
grund ein. Er nahm jedoch die Urkunde vom Kaiſer an, weil ſie den Herzog Con⸗ 
rad zu beſſern Einſichten in Veſtſtellung der zu machenden Bedingungen bewegen, ihm 
aber nicht ſchaden konte. Wodurch ſolte ſich Deutſchland jemals ein Recht auf Preuſ⸗ 

erworben haben? Weder Carl der Groſſe, noch Otto der Groſſe ſind jemals uͤber 


die Weichſel gekommen. Kein anderer deutſcher Oberherr hat ſich jemals bis an dies 
ſen Fluß ausgebreitet. 


Der Grund, der vom Kaiſerthum hergenommen wurde, fiel 
lächerlich aus. Kurz Friedrich 2 wolte mehr ſeinem Freunde hiedurch gefällig ſeyn, 
als vor ſich auf eine ernſthafte Art Rechte behaupten, wo keine anzugeben waren 7). 
Nun kamen Hermanns Geſandte am maſoviſchen Hofe an. Es muß ſolches 1227 00 
geſchehen ſeyn, nachdem Leſcus der weiffe bereits von Sventepolk, Herzog von Pom⸗ 
mern, erſchlagen. Denn der Herzog war auf eine lange Zeit in Polen abweſend, 


als fie ankamen. Es ſuchte aber nach Leſeus Tode der Herzog Conrad entweder die 


Oberherrſchaft an ſich zu bringen, oder doch ſich von der Vormundſchaft über den Bo⸗ 
leslaus 5 oder den Keuſchen zu bemaͤchtigen. Er ſahe die Hinderniſſe, die ihm des 

er N halb 
de Dreger I. e. p. 17. Müllers Reichs Halae 1740. und de Actibus Imp R. G. in Pruf- 
tagstheatr. Friedrichs 5. P 1 p 440 Goldaſti ſiam pofl floris falſo venditatis. Regiom. 1741. 


Der Kaiſer 


Ohlü Pruſſiac in libertatem 


Reichshandlung. S. 168. Lünichs Spicil. Eeel 
Th. 1. Fortſ. S. 3 f. Ein Extract ſtehet im Sart⸗ 
Enoch A. u. N. Pr. S. 273. N 
) Nos igitur attendentes · quod terra ip- 
fa ſub monarehia imperii eſt contenta. 
Man leſe die vortrefliche Diſſ. des Herrn 
in l aſſertae ſpecimen. 


und Erl. Pr. T. 5 p. 647. 


8) Urkunden von dieſem Jahr, die den Orden 
betreffen, finden ſich beim Duellio in App. p.18. 


Mar purgiſche Beitraͤge S. 108. Ripoll Bullar, 
Ord. Praedie, P. 1 p. a0. Euler Beltziger Chron. 


„ 267. ’ 


1226. 


56  Gefhichte von Preuffen. 


1227. halb der Herzog von Schleſien Henrich und der gröfte Theil der Polacken in den 
x Weg legten. Alle feine Macht war nöthig, um feinen Endzweck zu erreichen. Eben 
zu der Zeit waren Hermanns Geſandten angekommen. Die Herzogin, feine Gema; 
lin erfuhr bey ihrer Ankunft, daß die Preuſſen aufs neue ins Land gefallen. Auf ihr 
1228. Anſuchen giengen 1228 die beiden Brüder mit dem polniſchen Heer dieſen 
Feinden entgegen. Gleich zu Anfang des Treffens wurden beide Ritter ſchwer verwun⸗ 
det. Der polniſche Feldherr ward gefangen, und das Heer in die Flucht geſchlagen. 
Die Herzogin ließ durch ihre Aerzte alle Mühe anwenden, die Heilung der für todt 
auf dem Schlachtfelde liegen gebliebenen Ordensgeſandten zu beſorgen. Alles ruͤhmte 
ihre Tapferkeit. Man ſchloß auf die übrigen Ritter. Ohne fie war jetzt gegen die 
Preuſſen nichts auszurichten. Der Vortrag der Geſandten fand jetzt um fo mehr Ge, 
hör, da Conrad von Maſau einen ſchweren Krieg gegen den Herzog Henrich von 
Schleſien zu führen hatte. Alles dieſes vermochte den nach Hauſe gekommenen Her⸗ 
zog, mit dem Orden Vertraͤge unter ſolchen Bedingungen zn ſchluͤſſen, welche die Ge⸗ 
ſandten vorſchlugen. Es iſt leicht zu begreiffen, daß Hermann zu dieſer Geſandtſchaft 
Männer von Verſtand ausgeſucht, die ſich aller Umftände des polniſchen Staats zum 
Vortheil ihres Ordens bedienet haben werden ). Auf Rath aller ſeiner Groſſen 
ſchenkte alſo der zuruͤckkommende Conrad alles was ihm im Culmer Gebiet zuſtand, 
ohne ſich dabey etwas fuͤrzubehalten, nebſt dem in der Coja liegenden Ort Orlow, dem 
Orden 1). Chriſtian uͤberließ demſelben die ihm gebuͤhrende Zehenten in dem abgetre⸗ 
tenen Antheil K). Uleberdies räumte der Herzog mit Genehmhaltung feiner Söhne 
dem Orden erblich und mit aller Freiheit das Schloß und fand Dobrin, nebſt andern 
Orten ein, mit aller Zollfreiheit und Gerichtbarkeit !). Zugleich halfen die Polacken das 
Schloß Vogelſang an der Weichſel von dicken Bohlen denen Ordensleuten bauen, die 
von dem, was fie ausgerichtet, den Meiſter benachrichtigten y). ag 
0. 32. ara 
er ernennt Hermann von Salza befand ſich eben damals, wie ich aus allen Umſtaͤnden 
den Hermann ſchluͤſſe, im gelobten tande. Denn der neue Papſt Gregorius? hatte ſich endlich gen - 
Balck au gen den Kaiſer des Bannfluches bedienet, weil er nicht ſogleich im vorigen Jahr den 
ſtatthalter. fängft verſprochenen Kreuzzug unternommen. Friedrich 2 gieng 1228 wirklich dahin 
ab, ohne den Papſt vorher um Aufhebung des Bannes zu erſuchen. Dies brachte. 
ſolchen fo ſehr gegen ihn auf, daß er ihm Überall Feinde aufzuhetzen ſuchte. Er haͤtte 
gern gefehen, wenn er denen Saracenen in die Haͤnde gerathen waͤre. Die Tempel⸗ 
herren und Johanniterritter fuͤhreten ſich wirklich gegen den Kaiſer ſchlecht genug r 
auf. Die Treue der Venetianer war ebenfals nicht ſonderlich. Blos der deutſche 
Orden, die Pifaner und Genueſer blieben ihm getreu n). Dies ſowol als viele üble 


Nach⸗ 
1) Perr. de Dusburg P. 2. e. 5. p 33. Nur irret er ſich, daß er alles gleich ins Jahr 1286 ſehet, 
wo die Unterhandlungen angegangen. N 


) Ada Boruſſ. T. 1. p. 394. de Dregerl e. p. 129. k) Ibid. T. 1. p. 395. de Dreger l. e. p 18, 
) Ad Boruſſ. T. 1. p. 306. de Dreger l e. p. 129 1) Ada Boruff. T. 1. p. 33. 
(u Cour. Urspergenf p. 325. 0 u e 


8 von Salza. 


Nochrichen „die der Kaiſer von dem ſchlechten Betragen des Papſts aus kann er⸗ 
hielt, machten, daß Friedrich 2 mit denen Saracenen 1229 fo gut Frieden ſchloß, 
als ihm moglich, und nach Europa zuruͤckkam. Hermann war in feinem Ges 
folg mit gekommen. Sein Orden hatte ſchon wieder manche Geſchenke erhalten o). 
Doch nun lag ihm vorzuͤglich die preußiſche Sache am Herzen, da er zur Gnuͤge 
einſahe, daß im gelobten Lande bey denen Zwiſtigkeiten des Papſts und Kaiſers nichts er 
hebliches ausgerichtet werden konte. Eben dieſe Streitigkeiten aber waren auch im Stan⸗ 
de feinen Abſichten in Preuſſen zu ſchaden. Nach unbeſchreiblicher Muͤhe gluͤckte es ihm jer 
doch endlich 1230 die beiden Haͤupter der Welt wieder, wenigſtens dem aͤuſſern Schein 
nach, auszuſoͤhnen p). Damit nun den Hermann nichts mehr hindern möchte, vers 
glich er noch einige Streitigkeiten mit dem Hauſe Hohenlohe J). Nunmehro ſchick⸗ 
te er endlich die erſten Kriegsvoͤlker nach dem Culmer Gebiet. Da ihm dieſes land 
zum Theil ſchon gehörete, und in Zukunft auch Hofnung zu Erweiterung der Ordens 
lande in dortigen Gegenden ſich fand, fo richtete man ſchon vorläufig eine völlige Uns 
terregierung von Preuſſen auf. Hermann Balck, einen tapfern und behutſamen 
Mann beſtimmte der Orden zum Statthalter des ganzen Staats, oder zum kandmei⸗ 
ſter von Preuſſen. Dietrich von Bernheim ſolte als Marſchall die Feldherrnwuͤrde 
führen, Conrad von Tutele oder Niecele, ehemaliger Kaͤmmerer der heiligen Eli⸗ 
ſabeth, ſolte die Gerichtsbarkeit als dandeshauptmann oder Comthur verwalten. Herz 
rich von Berg aus Thüringen bekam das Amt eines Schloßhauptmanns oder Haus⸗ 
comthurs. Henrich von Zeitz, genannt von Witkendorf, erhielt die Beſorgung 
der Krankenpflege oder das Amt eines Spitlers. Unter denen uͤbrigen Bruͤdern, wel⸗ 
che mitgehen ſolten, waren Bernhard von Landsberg, Bernhard von Ellenbogen, 
und Otto von Querfurt die nahmhafteſten. Dieſe erſteren Eroberer bekamen etwa 


_ 200 wohlausgeruͤſteter Reuter, und die Verſicherung mit, daß fie naͤchſtens mehrere 


Huͤlfe bekommen ſolten 7). Cortez und Pizarre, die Eroberer der neuen Welt, kön⸗ 
ten mit dem von Balck wegen ihrer Eigenſchaften, Abſichten und ſchwachen Heeres 


verglichen werden. Kaum war das abgeſchickte Heer in Vogelſang angekommen, 


als * der neue Vorſteher feiner Brüder 5) vor allen andern zum Herzog Conrad vers 
Dieſer uͤberließ ihm aufs neue mit Einwilligung ſeiner Gemalin und ſaͤmtlichen 

n das Culmer Gebiet mit aller möglicher Hoheit und Rechten, wogegen er dle 
erſicherung erhielt, daß ihn der Orden bis auf den letzten Mann gegen die Unglaͤu⸗ 
bigen ſchuͤtzen wolte. Es geſchahe ſolches durch eine doppelte Urkunde t). Er ſchenk, 
te dem pam das Schloß Vizne (Viſna), nebſt einigen Doͤrfern u). Der land⸗ 
mei⸗ 


0 ei Belziger Chr. p. 268. Stbwarte 7) Perr. de Dusburg P. 2. e. 9. p. 39. Ada 
neiffa p. 1072. Liebe Nachleſe zur Hiſt. Benr. Boruſſ. T. 1. p. 400. 


S. 47. s) Er nannte ſich — e 2 ſich 
2 feine Nachfolger Magiftros Pruſſise ſchrieben. 
ui $7 Conr. Urspergens p. 325. Ada Boruff. T. 1. p. 66 et 402. 


10 
hohenloheſch Landeshoheit Ibid. p. 404. 4 Dreger 1 p 137. 138. 
. a sep Due 8 12. Pr. Tadectempel S. 119. 123. 
ee ee Geſch. 4 Th. er 


1228. 
1229. 


1230. 


58 Geſhicht von Preuſſen. 


1230. meiſter mochte ſodenn auch dem Biſchof Chriſtian von Preuſſen vorſtellen laſſen: daß 
er zwar vom Herzoge anſehnliche Schenkungen bekommen, aber blos in der Hofnung, 
daß er durch ſeine Veranſtaltungen des Kreuzzuges vor denen Einfaͤllen der Preuſſen 
geſichert werden ſollen. Chriſtian habe aber dieſes nicht gewehren konnen. Es ſey 
alſo billig, nunmehro denen das Geſchenk des Herzogs zu laſſen, die dasjenige ausrich⸗ 

ten, was denſelben zu der Schenkung bewogen. Wenigſtens konte man nicht verlan⸗ 
gen, daß der Orden wegen Beſchuͤtzung des biſchöflichen Theils vom Culmerland 
ſich Muͤhe zu machen habe. Es wiirde derſelbe alſo ferner denen preußiſchen Einfäl 
len ausgeſetzt bleiben. Dieſe Vorſtellungen hatten ihre Wirkung. Der Biſchof Chris 
ſtian konte aus eigenen Kraͤften weder ſich noch ſeine Schenkung ſchuͤtzen. Er nahm 
die Vermittelung der Aebte von Lugna und Linda an, und dieſe erklaͤrten endlich, 
daß Biſchof Chriſtian alles was ihm der Herzog und andere geſchenkt oder er erkauft haͤt⸗ 

te, dem Orden völlig mit bloſſem Vorbehalt einiges Getreides und Frohndienſtes, 
uͤberlaſſe, damit ſolcher dafür den Schutz des Biſchofs und feiner Kirche uͤbernehmen 
ſolte x). Der Biſchof ſtellte deswegen ſelbſt gehörige Urkunden aus )). Auch Guͤn⸗ 
ther Biſchof von Plotzko und fein Capltul uͤberlieſſen aus eben der Urſache dem Orden 
das, was ihnen im Culmer Gebiet zuſtand, mit Beibehaltung der geiſtlichen Verrich⸗ 

1231. tungen 2). Der Biſchof Chriſtian wiederholte noch 1231 feine bereits vorgenommene 
Schenkung 4). Um nichts zu vergeſſen, erhielt der von Salza vor feinen Orden 
vom Papſt Gregorio 9 eine allgemeine Beſtaͤtlgung deſſen was die Marianer vom 
Herzoge Conrad und Biſchof Chriſtian erhalten 5), und insbeſondere der Schenkung 
Conrads auf deſſen Anſuchen c). Er empfahl dem Herzoge den Orden aufs Beſte ch 
und ermahnete den Orden, alle Tapferkeit gegen die Preuſſen zu beweiſen e). Er 
befrelete auch denſelben von aller Gewalt anderer 7). Hermann von Salza, der 
ſich fleißig bey dem Faiferlichen Hofe befand, wie ſolches die Faiferlichen Urkunden bes 
weiſen, worin er als Zeuge aufgefuͤhret wird, erhielt auch vom Kaiſer Friedrich a 4 
im gelobten Lande g), und von dem Landgrafen Henrich von Thüringen für’ feinen 
Orden Buͤter b). . . 

3 d. 33. e 
Man macht Nunmehr machte Hermann Balck alle Anſtalten zu Bekriegyng von Preuſſen. 
mit einem Er ließ das Schloß Neſſau in der Gegend, wo nachher Diebau ſtand, erbauen. 


3 et 
Leibnitz Prodrom. ad Cod. Iur Gent.Dipl. T. 1. ) Ada Poruſſ. 2. 414. de Dreger ua 
du Mont T. 1. P. 1. p 167. Länich Spic. Eech c) Ada Boruſſ. 1. p. 415. de Driger p. 14 5 
vom deutſchen Orden S. 4. Muͤller Reichstags⸗ 4) Acta Borufl. 1. p. 416. > 


* 


theatr Fried. 5. P. 1. S. 438. e) Acta Boruſſ 1. p. 418. wo nur dieſe und die = 
x) Adta Boruſſ. T. 1. p. 406. vorhergehende Urkunden nicht fruͤher ausgefertiget 
35 Ibid. p. 72. Duell 1. p. 13 Muller I. e. find, man würde ſodenn daraus die A * 


p. 440. de Dreger I. e p. 142. Lünich I. c. p. 5. Zeit erſehen koͤnnen, wenn Hermann Balck in 

du Mont. T. I. P. 1. p. 167. dieſe Gegenden abgegangen. ne 
2) Adta Boruſſ. T. 3. p. 263. de Dreger 1. ) Duellius 2. p. 10. eh 7 

P- 136. \ { ) Duellius2 p. 7. Ber Tor) 
4) Ada Borufl 1, p. 410. de Dreger p. 144. J) Ordensdeduct gegen Seſſen Beil. No, 4 


* 


Hermann von Salza. 5 3 
Hier ſahen die Preuſſen die Ritter in gröfferer Zahl, und erkundigten ſich, was dieſe 123l. 2 
ungeroöpnfiche Erſcheinung bedeute. Die Antwort, daß fie der Papſt zu ihrer Bekrie / kreuzheer zur 
gung abgeſchickt, war ihnen ganz laͤcherlich ). Allein fie wurden zu ihrem Schaden sroberung l 
innen, daß dieſe Männer auf ihren Untergang ſonnen, und ſolchen auch endlich bewerk⸗ Preuſſens eis 
ſtellgten. Der Hochmeiſter Hermann von Salta ſuchte gleich anfänglich mit einerfung 
gehbrigen Macht die Eroberung von Preuſſen zu betreiben. Er hielt bey dem Papſt 
um die Erlaubniß an das Kreuz predigen zu laſſen, und erhielt ſolche mit allen denen 
Vorthellen, welche denen verkuͤndiget zu werden pflegten, die ins gelobte land zu gehen ein 
Gelübde übernahmen k). Indeſſen bauete Balck an der Weichſel, auf einer groſſen Eiche, 
ein Schloß, deſſen Zugänge mit Hecken verſchloſſen wurden, ſo daß es nur einen Eingang 
behlelt. Dies ſolte gleichſam das Thor zu denen neuen Eroberungen werden. Man narmte 
das Schloß alſo Thorn. Es hielten die Ritter hieſelbſt auf der Weichſel fünf Schiffe be⸗ 
reit, um ſich, auf den Fall eines zu ſtarken Angrifs, nach Neſſau zurückziehen zu koͤn⸗ 
nen. An dieſem Schloß iſt nachmals die Stadt Altthorn angebauet, die aber end⸗ 
| uch wegen vleler Ueberſchwemmungen, fo wie ein neues Schloß auf die jetzige Stelle 
. 


gebauet und verlegt worden ). Die Feinde hatten in diefer Gegend drey Schlöffer, 
aus denen ſie in die benachbarten Gegenden zu fallen pflegten. Das eine war Rogow. 
Das andere lag da, wo nachher Althaus oder Stargard zu ſtehen kam. Zwiſchen 
beiden war das dritte Schlemmo oder Stemmo in der Gegend von Gardenſee oder 
Culmſee, wo ein gewiſſer Pipinus aus Pomeſanien, der feinem Namen nach vers 
muthlich ehemals die Taufe angenommen, wohnte. Die Befagung von Thorn ſchlug 
bey vorkommender Gelegenheit den Befehlshaber von Rogow, welcher zu Rettung feis 
nes lebens nicht nur feine Veſtung übergab, ſondern auch denen Rittern die Zeit vers 
kiech, wenn die Beſatzung in Schloß Althaus durch Trunk und Schlaf begraben wa, 
te. Der Orden bediente fich dieſer Nachricht, uͤberrumpelte dieſes Schloß, ließ die 
Beſatzung über die Klinge ſpringen, und ſteckte das Schloß an. Durch eben dieſes 
Mannes Verrätheren fiel auch Pipinus denen Rittern in die Hände, die dieſen Her⸗ 
ten an einen Pferdeſchwelf gebunden, in Thorn einbrachten, und ihn daſelbſt an eis 
nem Baum auſ hiengen. Zum Gluͤck nahm Pipinus Sohn Matz oder Matthias 
das Chriſtenthum nachher an, und ſtand, ſtatt den Tod feines Vaters zu rächen, 
nachmals dem Orden redlich bey m). Der kluge kandmeiſter noch immer bemuͤhet, 
aller auswärtigen Gerechtigketten in dieſem Ordenslande ſich zu entladen. ‚Er erhielt 
1232 von Michael Biſchof von Eujavien die Befreiung derer dem Biſchof zuſtehenden 1232. 
Zehenten zu Orlow gegen Entrichtung dreier Mark, die an die Kirche zu Wiſſegrad 
oder Belgard in Pommern bezahlt Bm folten 1). Der Papſt hörte den guten 
E ” uf; 2 An⸗ 


J Dusburg P. . e. 9 p. 64. Was der Ober⸗ „) Dathurg P. 2. e. 2. p. 62. 0 
a: Bee Non geurtheilet, ſiehet man aus den Akt. 7) Es muß das erſte Schloß alſo ſehr enge ger 
Horuff. T. 1. p 246. Er wußte die Rechte ſeines weſen ſeyn. Dusburg P. 3. c. l. p. 64. 
Landes ganz gut gegen die anmaßliche Schenkung ) bid e. 7. p. 87. 
dees Herzog Conrads zu vertheidigen. Man leſe 4e Dreger p. 156 
uch bes Heren Lengn. poln. Bibl. P. 4. S. 3 f. m de Dreger b.. 


1232. 


1233. 


60 Geſchichte von Preuſſen. 


Anfang der Kriege mit denen Preuſſen mit Vergnügen. Um folche zu unterſtuͤtzen 


gab er dem Orden nicht nur erhebliche Freiheiten ), ſondern ſuchte auch den Bela, des 
Königs Andreas 2 von Ungarn älteften Prinzen, zu bewegen, das Land Burtza, wel 
ches die Krone wieder eingezogen hatte, dem Orden zuruͤckzugeben P). Da auch nun⸗ 
mehro überall das Kreuz gegen die Preuſſen verkuͤndiget wurde, fo ſuchte er durch 
Schreiben an die Biſchöfe ſonderlich in Böhmen den Zuſtand diefes Landes ſo votzu⸗ 
ſtellen, daß viele Chriſten zu Annehmung des Kreuzes bewogen wurden g). Die Kreuz⸗ 
fahrer kamen in ziemlicher Anzahl, ſonderlich aus Deutſchland herbey. Weil verſchie⸗ 
dene darunter befindlich, die ſich in dem Ordenslande haͤuslich niederlaſſen wolten, ſo 
ward ihnen der Ort Culm zur Anbauung einer Stadt angewieſen, woraus ich ſchluͤſſe, 
daß viele aus dem Coͤlniſchen darunter geweſen 7). 1233 den 28ſten Oct. ruckte das 


Heer der Verbundenen aus Culm in Pomeſanien ein. Die vornehmſten darunter 


waren die Herzoge Conrad von Maſau mit 4000, Caſimir, deſſen Prinz Herzog 
von Cujavien s) mit 2000, Wladislaus Otto Herzog von Gneſen mit 2000, Hen⸗ . 
rich der Fromme Herzog von Schleſien mit zodo, Suantopelk und Sambor Sebi“ 

der Herzoge von Pommern mit sooo Mann. Auſſer denen war der Herzog von Cracau 
Boleslaus 5; der Burggraf von Magdeburg Burchard nebſt vielen andern Deutſchen 
mit bey diefem Zuge. Kurz vorher hatte man auf der Inſel Quidino ein Schloß aufs 
gebauet, bey welchem bald nachher eine Stadt erbauet wurde, die nachmals etwas wel⸗ 
ter verlegt, und Marienwerder genannt ift ). Das Heer gieng in das land Rie⸗ 
ſen, wo es ſchon in verſchiedenen leichten Treffen verſchiedene Preuſſen erlegte. Dar⸗ 
auf ſetzte man über den gefrornen Fluß Sirgune, der in die Drauſenſee fällt. Hier 
traf man ein preußiſches Heer in Schlachtordnung an. Der erſte Angrif der Chri⸗ 
ſten gelung ſo wohl, daß der Feind die Flucht ergrif, aber die Herzoge in Pommern 
hatten bereits die Wege zwiſchen dem Gebuͤſche beſetzt. Die Preuſſen kamen alſo zwi⸗ 
ſchen zwey Feuer, und buͤßten über Sooo Mann ein 2). Nun kam das chriſtliche Heer 
nach dem Culmerlande zuruͤck, wo zu Thorn vom Landmeiſter in Gegenwart des 
Poppo von Oſterna, Albrechts von Langenberg, des Morſchalls Dietrichs von 
Bernheim, Berlewins Comthurs zu Culm, Ludwigs Comthurs von Marienwen 
der aus dem Orden und des Burggrafens Burchards von Magdeburg, Johanns 
von Pach, Friedrichs von Scherweſt, Bernhards von Kamentz und anderer 
der berufene culmiſche Freiheitsbrief für die neuangelegten Scan) den 26ften De 


ausgefertiget wurde x). 0 oe 

a 

) Duellius 2. p. 12. meet ne Ada Borull. 1. p- BE 

5). Dreger 1. e. p. 154. Raynaldi Ann. T. 13. er l. p. 157. 

p. 357. No. 6. Gruber Orig, Liv, p. 271. J Dusb. Ch. Pruſſ. P. 3. e. 7 , 

995 175 8 ©. 35. 
9) Dusburg, u) Da.. P. 3 c. fl. p. 4 0 | 
r) Ducb. Chr. Pruſſ. P. 3. e. 8. p. 88. \ * 853. p. 453. Hartknoch A. u. N. 5 


5) Dieſer hatte ſchon in dieſem Jahr feines ©. 665. Privil. Pruſſ. P. 1. e 
Vaters 5 befätiget, wozu er noch p. 45. No. 143. 


der eee | 61 


9. 

Die Nachrichten EN glücklichen Anfangs des Krieges gegen die —— —.—. 
Preuſſen munterten ſowol den Papſt ), als den Kaiſer 2), imgleichen die kandgrafen rc — BE 
von Thüringen zu neuen Gutthaten 1234 auf 2). Der Landmeiſter von Preuſſen von dem orden 
Hermann Balck ließ, um das Culmerland vor allen Einfällen zu ſichern, in der eingenom⸗ 
wuͤſten Gegend, wo die Feinde anzukommen pflegten, das Schloß Reden erbauen; en. 
und als gegen den Winter der Marggraf von Meiſſen Henrich der Erlauchte nebſt * 
zoo Rittern dem Orden zu Huͤlfe in Preuſſen angelanget, fiel man denen Pomeſa⸗ 
nen aufs neue ins fand Rieſen, eroberte ihre Veſtungen an der Macker, bey 
Stum, Poſtelin, Rieſenburg, Rieſenkirchen, am Drauſenſee und Wilden⸗ * 
berg. Alle dieſe Schlöffer wurden 1235 der Erden gleich gemacht, und die Einwoh⸗ 1235. 
ner dieſer kandſchaft ſich zu unterwerfen gezwungen. Der tandmeifter ertheilte denen 
Meubekehrten gewiſſe Freiheiten, die in denen folgenden Zeiten allen uͤberwundenen 
Preuſſen unter gewiſſen Verſprechungen vergönnet ) worden. Sobald das Waffer aufs 
gegangen, ließ der Marggraf zwey Schiffe bauen, davon das eine Pilgrim das an⸗ 
dere Friedland hieß. Mit denenſelben reinigte man das friſche Haf nachmals von den 
Feinden, und fie thaten in den folgenden Zeiten bey Erbauung der Schloͤſſer Elbing 
und Balge gute Dienſte, bis ſelbige nach vielen Jahren im Drauſenſee geſunken ſind. 
Endlich gieng der Marggraf nach ſeinen Staaten, ließ aber viele Mannſchaft zu Er⸗ 
bauung des Schloſſes Elbing zuruͤck c). In Deutſchland hatte der Orden manche 
Vortheile erhalten d). Aber im gelobten Lande war gegen des Kaiſers Völker ein Auf 
ſtand vorgefallen, in welchem auch die Marianer gedraͤnge wurden. Doch ſtillte der 
Papſt diefen lerm bey Zeiten e). Sie konten ſolches leicht vergeſſen, da man 1236 in 1236. 

land noch immer ihnen guts erwies 7), und da der Hermann von Salza 
beim Papſt und Kaiſer noch ſo wohl angeſchrieben ſtand, daß beide ihn brauchten, um 
dos hwiſchen dem Friedrich 2 und feinen Feinden in Italien ausgebrochene Krlegs⸗ 
fruer zu dampfen g). Dies Jahr war in Preuſſen an Fortſetzung des Krieges nicht 
zu denken; da eine grauſame Peſt in dieſem fande wütere, Die Neubekehr⸗ 
. ten des Landes fielen auf die Gedanken, daß ſolches die Folge des verlaſſenen Gottes / 
ihrer Vaͤter ſey. Sie glaubten dem Uebel dadurch abzuhelfen, daß fie neben 
der chriſtlichen Religion auch wieder Religionsübungen nach ihrer Väter Weife vor / 
nahmen 5), und einige Preuſſen ſogar das Kloſter Olive zerſtöreten 1). Aber 1237 1237. 
ward nun auch der Krieg in das Land der Pogeſanier geſpielet. Die vom Marggra⸗ 
fin den Meiſſen zurückgelaſſene ee, und Schiffe wurden hauch das 
loß 
9 Ordenebeduet. gegen Heflen Beil. 7. be T. 5 p. 195. Lünich Spie. . 
57 Ebendaſ. Beil. 43. 1. p. 361. 
) Ebenbaf. Mo. 45. Nitters Hefifche Nach 5 che. Pe. a. 


7 Schwartz Brain p. 857 Duell. P. 3. 
dale. Marburgifche Beiträge, St. 4. S. 107. 3. Martene. Collect. Ser Vet. T. 2. p. 1184. 


P. 4 
00 Pub. Ch. Fr. p. 3. e. ia. 13. 10. p. 95. 97. Gelehrt. Pr. T. 6. 
e) Dusb. Chr. Pr. P. 3. e. 18. p. 99. 5 189 5 5 . Pa 


er) Marb. n, S. day * Got ha 7 Shürz Chr. ‚Boru 


62 Geeſchichte von Preuſſen. 


1237. Schloß Elbing ) an dem Fluß dieſes Namens anzulegen, wobey bald nachher auch 
die Stadt dieſes Namens erbauet iſt J). Von hieraus ward der Krieg eifrig gefuͤhrt, 
und von daraus nach und nach auch die Pogeſanier gebaͤndiget n). Hermann von 
Salza blieb beſtaͤndig durch fein vorſichtiges Betragen beim Papſt und Kaiſer in Gna ⸗ 
den, und dienete dem letztern ſowol in feinen Angelegenheiten im gelobten Lande, als 
auch in Italien 1). Es fehlte ihm nicht an Schenkungen ). In Preuſſen ward der 
Krieg gegen die Ermlaͤnder, Barten und Natanger durch Streifereien angefangen. 
Der Orden ſetzte auf ſeinen Schiffen auf dem friſchen Haf bald hier bald da Mann⸗ 
ſchaft ans tand. Endlich aber wurde ein Theil von ihnen, der ſich in die Gegend, wo 
1238. nachher Balga erbauet iſt, wagte, 1238 von den Preuſſen erſchlagen, fo daß nur die⸗ 
jenigen zuruͤckkamen, welche auf den Schiffen unterdeſſen geblieben waren. Doch die⸗ 
fer Verluſt ward reichlich erſetzt, da dem deutſchen Orden in Liefland ein neues Feld 
. der Tapferkeit und des erheblichſten Nutzens ſich erbfnete 7) 7. 


§. 38. 


Lieſland, Cur⸗ Denn nunmehr kam das groſſe Geſchaͤfte der volligen Einverleibung der Schwerdt⸗ 
land und bruͤder in den deutſchen Orden zum Stande. Bereits im vorigen Jahrhundert hatten 
Paste die Lübecker und Bremer Kaufleute zum Behuf ihres Handels in Liefland und den 
e * angrenzenten Landſchaften das Chriſtenthum einzufuͤhren geſucht. Der Papſt verlor 
f keine Zeit, das Land in feine Biſchofsſprengel abzucheilen. Aber es gieng dort eben 
wie in Preuſſen. Die Geiſtlichkeit konte mit dem Schwerdt des Geiſtes wenigſtens 
nicht geſchwinde genug das fand einnehmen J). Dies brachte die Luͤbecker und Bre⸗ 
mer dahin, zu eben dem Geſchaͤfte, des leiblichen Schwerdts ſich zu bedienen. Man 
errichtete in Liefland einen elgenen geiſtlichen Ritterorden. Denn dieſe Mode kam 
immer mehr und mehr auf. Die Glieder hieſſen die Ritterſchaft, die Ritterſchaft 
Chriſti, die Schwerdtbruͤder. Den letztern Namen führten fie von dem Merkmal, 
welches fie auf ihren Kleidern trugen. Vinno war 1201 ihr erſter Meiſter. Volquin 
Schenk von Winterftädt war 1208 der andere Meiſter, der ſogar ſich vom Herzog 
Conrad von Maſovien bereden ließ, auch einen Verſuch gegen die Preuſſen zu ma⸗ 
chen, da er doch in Liefland noch ſchwach genug ſaß. B Wegen derer Beſitzungen der 
Chriſten in Liefland entſtanden zwiſchen dem Orden und der Geistlichkeit folche Streir‘ 
tigkeiten, welche der gemeinſchaftlichen Abſicht, das Land chriſtlich zu machen, ſehr 
A) Man ſtreitet ſehr uͤber den Namen von Freyling u. ſ. w. Elbing wuͤrde also einer heiße 
Elbing. Da nicht zu erweiſen iſt, daß der Fluß ſen, der von der Elbe hergekommen. 
an welchem ſolches erbauet, ſchon vor der Ritter ) Dusb. Chr. P. 3. e 16. p. 99. N 
Zeiten den Namen Elbing gehabt, ſo glaube ich, m) Ibid. P. 3. c. 17. p. 102, wobey zugleich die 
daß die Leute, welche Henr. Illuſt. nachgelaſſen, Fabel vorkommt, daß Engel vor den Orden ge⸗ * 
dem Schloß, der Stadt und dem Fluß erſt den ſtritten. ER eh 
Namen gegeben. Die Endigung: ing bedeutet m) Gelehrt. Pr. T. 5. S. 37. 8. 
bey den Sach ſen die Beſchaffenheit eines Men⸗ 0) Ordensdeduct. gegen Seſſen. Beil. 52. 53° . 
ſchen. Als Abkoͤmmling, Fremdling, Adeling, p) Dub. p. 1 I eee 
Tr 7) Gruber Orig. Lironiae. 


* 


Hermann von Salza. 6: - 
hinderlich fielen. Die benachbarte Kronen, ſonderlich Waldemar 2 von Daͤnnemark 1238. 
glaubten zu Eroberungen ungläubiger Lander eben fo ſtark als der Schwerdtorden br - 
rechtiget zu ſeyn. Volquin fand vor noͤthig, da die bisherige Pilgrimme aus Deutſch⸗ 
land nicht mehr fo häufig als im Anfang ihm zur Hülfe ankamen, durch eine ewige 
Vereinigung mit dem weit maͤchtigern deutſchen Orden ſich zu helfen, ſonderlich da 
1229 der groſſe rigaſche Biſchof Albrecht mit Tode abgegangen. Doch Hermann 
von Salza verzog aus kluger Vorſicht eine lange Zelt ſich Darüber zu erklaͤren. Weil 
aber Volquin noch immer bey ihm anhielt, ſo ſchickte er endlich 1235 zweene Deuts 
ſche Ordensritter nach Liefland, um von dem Schwerdtorden nähere Nachrichten eins 
zuziehen. Der Comthur zu Altenburg Ehrenfreid von Neuenburg, und der Com⸗ 
thur von Negelſtaͤdt Arnold von Dorf oder Neuendorf, uͤbernahmen dieſe Gefandts 
ſchaft. 1236 kamen ſie mit drey Schwerdtbruͤdern, dem Voigt zu Wenden Erd⸗ 
mund oder Reimund, dem Ordensmarſchall Johann Salinger und dem Johann 
von Magdeburg in Deutſchland an. Ludwig von Oettingen, den man in der 
Erzehlung dieſer Begebenheit, obgleich unrichtig, einen Deurfchmeifter nennet, gab 
ihnen in Abweſenheit Hermanns von Salza zu Marpurg das erſte Gehör im Bei⸗ 
ſeyn von 70 deutſchen Ordensbruͤdern. Man machte den Schwerdtrittern mit Fleiß 
die Aufnahme ſchwer, um deren Werth deſto mehr zu erhöhen. Man erkundigte ſich 
nach ihren Ordensgeſetzen, Vorrechten, Landen und leben, und ließ die zwey zuruͤck⸗ 
gekommenen Geſandten Bericht abſtatten, wie fie alles in Liefland gefunden. Bru⸗ 
der Ehrenfried machte von den Schwerdebrüdern folgende Beſchreibung; es find ei⸗ 
genfinnige muthwillige Köpfe, die ſich nicht gern an die Ordensregeln binden. Sie be⸗ 
gehen ſeltſame Dinge, und ſehen mehr auf ihren Eigennutz, als auf die gemeine 
Wohlfart. Dabey wies er auf zwey von den lieflaͤndiſchen Abgeordneten mit Fin⸗ 
gern, und fügte hinzu: Dieſe nebſt vier andern, welche ich kenne, find die alleraͤrg⸗ 
ſten. Dieſe ſchlechte Empfehlung begleitete der andere Geſandte des deutſchen Or- 
dens Arnold, mit dem Zeugniß: Es ſey alles, was jetzo geſagt worden, richtig; 
da aber die Schwerdtbruͤder den deutſchen Orden annehmen, und allen Misbrauch 
fahren laſſen wollen; fo ſey das beſte zu hoffen: Man muͤſſe ihnen durch guten 
Wandel ein Muſter der Nachfolge vorſtellen. Ludwig von Ottingen ſammlete dar⸗ 
auf wegen Vereinigung beider Orden die Stimmen. Ehrenfrieds gegebene Nach⸗ 
richt machte, daß niemand dazu rathen wolte. Endlich ſchlug einer von den juͤngſten 
Hermann 7) von Heldrungen vor, daß man vor Ankunft des Hermanns von 
Salza keinen Schluß hierinnen faſſen ſolte. Arnold von Neuendorf trat die 
fer Meinung, fo wie nachher auch die Übrigen, bey. Die lieflaͤndiſchen Geſandten 
Erdmund und Johann Salinger reiſeten wieder zuruck. Der letzte ſtarb ums 
terwegens. Johann von Magdeburg ſolte aber die Sache abwarten. Auf fein 
inſtändiges Anhalten reiſete endlich der Ludwig von Ottingen mit ihm und 
225 N den 


2 — — —d — — — — — —-⅛¼— u — u—v—ͤ—  — 
x er * 
* . * 


0 Es ſoll eben der ſeyn, welcher nachmals Hochmeiſter geworden, dies war aber Hartmann 
und nicht Hermann von Heldrungen. a 


— — 


1238. 


“glück vorgefalen. Der Meiſter Volquin hatte ſich mit den Letten in eine 


64 Geſchichte von Preuſſen. 

den deutſchen Ordensbruͤdern Ulrich von Doͤre, Wichmann von Wuͤrtzburg und 
Hermann von Heldrungen an den kaiſerlichen Hof. Von da gieng Hermann von 
Saltza mit dem Johann von Magdeburg und Hermann von Heldrungen nach 
Viterbo, wo der Papſt Hof hielt. Hieſelbſt ſuchte aber 1237 Woldemar 2 König 
von Daͤnnemark die Sache zu hintertrelben, weil er Eſtland forderte, welches die 
Schwerdtbrüder weggenommen. Allein in Liefland war indeſſen ein ſonderbar Un⸗ 


Schlacht eingelaſſen, und war vom Feinde nebſt 48 Schwerdtbruͤdern ohne das übrige 
Volk erſchlagen. Die übrigen Brüder ſchickten nunmehr den Gerlach Rothe nach 
Rom, das Vereinigungsgeſchaͤfte zu befördern. Hermann von Saltza brachte die 
Sache zum Stande. In einem beim Papſt erhaltenen Gehör fanden ſich bey dem Gre⸗ 
gorius 9 der Patriarch von Antiochia; der Biſchof von Bari; Conrad von Stras⸗ 
burg, ein deutſcher Ordensritter, Marſchall des Papſts; und der paͤpſtliche Kaͤmmer⸗ 
ling s), ein Johanniterritter. Die beiden Lieflaͤnder brachten hier wieder ihr An, 
ſuchen an, worin der Papſt nunmehr ſeine Einwilligung ertheilete. Jene knieten 
nieder. Der heilige Vater vergab ihnen alle Suͤnden, zehlte ſie vom Eide und den 
Regeln ihres Ordens los, ermahnte ſie zur Tapferkeit, und ertheilte ihnen nebſt den 
Ordensregeln der Marianer den paͤpſtlichen Segen. Hierauf legten ſie ihre vorige 
Maͤntel mit dem Schwerdt ab, und lieſſen ſich die neuen weiſſen mit dem ſchwarzen 
Kreuz umhaͤngen. Sie wolten zwar erſt die vorigen Maͤntel mit nach Hauſe nehmen, 
lieſſen ſich aber endlich durch den paͤpſtlichen Marſchall bedeuten, daß ſolche an den 
Kaͤmmerling verfallen wären. Am meiſten verdroß fie, daß der Papſt der Krone 
Daͤnnemark Rewel und Eſtland zugeſprochen, und daß ihr neues Oberhaupt ſich fol 
ches gefallen laſſen. Gerlach ſchlug eifrig für die Bruſt und ſagte zum Hermann 
von Heldrungen: Wäre die Vereinigung nicht geſchehen, fo geſchaͤhe fie nun und 
nimmermehr, das ſage ich warlich! Doch nunmehr kam nichts mehr auf ihn an. 
Der Schwerdorden hatte ein Ende, und die übrigen Ritter deſſelben waren nunmehr 
deutſche Ordensritter, und ſtanden unter dem Oberhaupt der Marianer. Dieſes 
ſchickte den Hermann von Heldrungen und Gerlach Rothe nach Deutſchland a,, 
mit Befehl 60 Ritter zu wählen, die nach Liefland abgehen ſolten. Der von Sal⸗ 
tza und Johann von Magdeburg giengen erſt an den kaiſerlichen Hof, ſtatteten davon 
dem vorgegangenen Bericht ab, und Hermann erhielt 60 Mark Gold, oder nach Wai - 
ſeln 1000 Mark zur Beiſteuer der lieflaͤndiſchen Sache. In Marpurg hielt er darauf 
eine Ordensverſammlung, um die Anſtalten zum Heerzuge der 60 2) Ritter zu machen. 
Anfänglich ernannte er den Dietrich von Gruͤningen zum Meiſter in Liefland. Da 
ſolcher aber noch zu jung, fo änderte er auf Vorſtellung feine Meinung, und ernannte 
den Hermann Balck, einen alten leutſeligen tapfern Mann, der bisher den Ordens ⸗ 
angelegenheiten in Preuſſen fo wohl und wei lich vorgeſtanden, zum Meifter i — 
and, 


79 Damals iſt dieſes Amt alſo noch nicht beim deutſchen Orden geweſen. r 
1) Dus b. ſagt P. 3. c. 28. S. 114 nur 40 Ritter. Vielleicht waren die aus Preuſſen, die ubri⸗ 
E 5 5 N 


1 
gen aus Deutſchland gezogen. 


1 2. 


+ 


Hermann von Salza. 65 
land, der auch 1238 dahin abgieng u). An feiner ſtatt ward Hermann von Alten⸗ 1238. 
burg zum Meiſter in Preuffen beſtimmt, und bis ſolcher daſelbſt anlangte, muſte 
Johann von Forberg deſſen Stelle vertreten ). . N 
FR $. 36. | 5 N 
Dies iſt nach meiner Meinung die Zeit, da Hermann von Salza in vielen In Preuſſen 
Stücen neue Einrichtungen gemacht. Da jetzt der Schwerdtorden, der bisher ſeinen werden die 
eigenen Meifter gehabt, dem deutſchen Orden einverleibet worden, ſo ward ebenfals — 
künftig Liefland durch einen eigenen Meiſter regieret, und auch denen andern Dis Natanger be; 
denslanden eigene Meiſter vorgefegt. Preuſſen, Deutſchland, Waͤlſchland be zwungen. 
kam bald darauf jedes einen Meiſter. Im gelobten lande war noch zu Ackers das 
Haupthaus, obwol Hermann von Salza ſich daſelbſt wenig auf hielt, ſondern meiſtens von 
Europa aus des Ordens Beſtes beſorgte. Dieſer Herr, der nunmehr Meiſter unter 
ſich bekommen, nahm ſeit dieſer Zeit die Wuͤrde eines Hochmeiſters an, der den erſten 
Meifter in Liefland Hermann Balck ſowol als den von Preuſſen Hermann von 
Altenburg unter ſich hatte. Bisher hatte Balck ſich nicht Meifter von Preuſſen, 
ſondern, Praͤceptor, Vorgeſetzter genannt. Eben ſo ſchrieb er ſich noch 1239 Praͤcep⸗ 1239. 
tor von Liefland, eben wie Henrich von Hohenlohe Präceptor von Deutſchland a 
hieß 5). Vielleicht iſt aber eben in dieſem Jahr die Ordnung getroffen, daß ſeit der Zeit 
die bisherigen Praͤceptores Meiſter genannt find, wofern ſolches nicht gar erſt nach Her⸗ 
manns von Salza Tode geſchehen. Um eben dieſe Zeit mag auch vielleicht der Hochs 
meiſter das Recht erhalten haben, als geiſtlicher Reichsfuͤrſt Sitz und Stimme auf den 
Reichstaͤgen zu fuͤhren. Es iſt ausgemacht, daß die Hochmeiſter nicht nur heutiges 
Tages Reichs fuͤrſten, ſondern ſolches ſeit undenklichen Jahren geweſen find. Nach 
allen Nachrichten ſoll Hermann von Salza ſolches Vorrecht erlangt haben 2). Man 
weiß aber die Zeit nicht anzugeben, wenn ſolches geſchehen. Vermuthlich iſt diefe- 
Reeichsfuͤrſtenwuͤrde auf den Hochmeiſter durch den ihm ſehr gnaͤdigen Kaiſer Friedrich 2 
gekommen. Ich halte dafür, daß ſolches 1239 geſchehen. Um die Zeit, und nicht 
eher kann Hermann von Saltza das Recht ſeinem Orden verſchaft haben, daß die 
Paͤpſte eine lange Zeit ihre Kämmerer, und eine Art einer Leibwache aus dem deut⸗ 
ſchen Orden gehabt. 1237 bey der Einverleibung des Schwerdtordens wenigſtens war 
der Kämmerer noch ein Johanniterritter a). Daß 1239 viele Sachen von Erheblich 
keit vorgefallen, ſiehet man daraus, weil ſich in dieſem Jahr die Hauptperſonen des 
e 0 x . Or⸗ 


) Ich habe mich an des Hrn. Arnd Thaten der bloſſe Ritter geweſen, und alſo der erſte nicht Mei⸗ 
lieflaͤnd Ordens meiſter S. 35 f. gehalten. ſter von Deutſchland, und der andere noch nicht 
*) Gelehrt. Pr T. 5. ©. 25. f Meiſter in Preuſſen geweſen. e 
) Laut einer Urkunde beim Herrn anſelmann ) Dusb. Chr. Pruſſ p. 27. Erl. pr. B 4. 

von der hohenlohiſchen Landeshoheit Mo. 30. p 637. Gelehrt. Pr T.. S. 31. Am letztern Ort 

S. 404. Man lernet daraus, daß Ludw. von meinet man, daß ſolches zeitiger geſchehen. 

Oettingen ſowol als Poppo von Oſterna, noch 4) Gelehrt. Pr. T. 5. S. 49. 


P. allg. preuß. Geſch. a Tb. I 


= m — —— 


— — ——-— ——ů— — I 
2 - . 
t 


1239 


. 1240. 


66 Geſchichte von Preuſſen. 


Ordens, und unter denen auch Hermann Balck ſich in Deutſchland einfinden muͤſſen d). 


Es iſt wenigſtens wahrſcheinlich, daß der neue Statthalter von Preuſſen erſt 1239 
in Preuſſen angelangt ſey c). Es war ſolches Hermann von Altenburg, ein har⸗ 
ter Mann, uͤber den ſowol der Biſchof Chriſtian, als auch die Neubekehrten bittere 
Klagen fuͤhrten d). Er ſuchte nunmehr ſich einen freien Weg nach Curland an der 
Seeſeite zu eröfnen. Zu dem Ende ſchickte er zu Waſſer eine hinlaͤngliche Mannſchaft 
ab, welche bey Honeda oder Balge an land ſetzte, und mit Verraͤtherey des Befehls 
habers, den einige Codruno, andere Podaw nennen, erſtiegen, und ſolches beſetz⸗ 
ten. Es verſuchte zwar gleich darauf, ein ermlaͤndiſches Heer, unter der Anfuͤhrung 
des Pyopſo, welches zum Entſatz zu ſpaͤt gekommen, den Ort durch Sturm den Rit⸗ 
tern wieder zu entreiſſen. Als aber Pyopſo an der Spitze der Stuͤrmenden geblie⸗ 
ben, zogen ſich die uͤbrigen zuruͤck. Viele Ermlaͤnder begaben ſich alſo in des Ordens 
Schutz, mit deren Huͤlfe eine Mühle bey Balge zwar beveſtiget, und mit Beſatzung 
verſehen ward; allein ein preußiſches Heer bemaͤchtigte ſich bald darauf derſelben, 
erſchlug die Beſatzung, und ließ die Mühle im Feuer aufgehen. Den Verluſt von 
Balga erſetzten die Edlen Gobatiner, oder Glottiner, ein ermlaͤndiſches Geſchlecht, 
durch Beveſtigung von Partegall und des Berges Strandons. Die Beſatzung in 


Balga hingegen legte eine Schanze an denen Bruͤcken an, die über die Suͤmpfe fuͤh 


ren, und nannten ſolche Schinkenberg, welche andere Schneckenberg nennen. Ge⸗ 
gen den Winter kam der Herzog Otto von Braunſchweig und Luͤneburg dem deut⸗ 
ſchen Orden in Preuſſen zu Huͤlfe e). Da aber die Preuſſen alle Wege ſtark beſetzt 
hielten, ſo wuſte man lange kein Mittel, an den Feind zu kommen. Doch ein Ber 
raͤther verſchafte ſolches. Pommada, ein vornehmer Preuſſe, der zum Chriſtenthum 


uͤbergegangen, ſtellte ſich, mit Vorbewuſt der Bruͤder, als ob er wieder abgefallen, 


und beredete feine landsleute in Ermland, Natangen und Bartenland, mit einer 


ſtarken Macht 1240 Balga zu belagern. Sie uͤberlieſſen ihm die ganze Einrichtung 


des lagers. Er nahm daſſelbe dergeſtalt, daß ſolches abgeredeter Maaſſen gleich von 
der ganzen Macht des Ordens und des Herzogs von Braunſchweig angefallen und um 


zingelt wurde. Das ganze Heer ward in die Pfanne gehauen. Den Chriften war 
es nunmehr leicht, Partegal und das andere preußiſche Schloß zu erobern und in die 


Aſche zu legen, und die Einwohner dieſer drey genannten preußiſchen Landſchaften zu 


zwingen, nebſt Annehmung des Chriſtenthums die Oberherrſchaft des Ordens zu erken / 
nen. Es fiel aber der Orden denſelben durch ſeine Haͤrte ganz unertraͤglich. Nach 
und nach, jedoch in kurzer Zeit, muſten fie Frohndienſte ohne Maaß uͤbernehmen, da 


der Orden theils zu feiner Sicherheit Schlöffer, theils vor die fremden Ankoͤmmling * 
viele Staͤdte anlegte. Auf die Art kamen die Schlöſſer Creutzberg, Bartenſtein, - 


5) HanfıImann l. e No, 30. Pommern, deſſen Sohn Gneomar der 
f vater derer von Rrockow geworden. 

e) Schötigen von Pommerlande. S. 634. 4) Gel. Pr. T. 5 p. 4. um 
Mit ihm kam George von Vicherad mit nach e) Bunting ex ed. Meibomii p. 210. 


73 2 * 


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4 


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Tr? 


Hermann von Salza. 67 

Wieſenburg, Röſel, Braunsberg, Heilsberg und Neidenburg zum Stande 

Auf dieſe Art mehrten ſich auch die Staͤdte des Landes zuſehens TF7). er 
— 9. 37. Pen 

Hermann von Salza hatte bey dem allen aber die Angelegenheiten im gelobten 

Sande nicht vergeſſen. Sein Orden willigte in dieſem Jahr noch in die Beveſtigung der 


noch perfönlich mit dem Richard, Grafen von Cornwallis, dahin abgehen, und 
demſelben mit Rath und That beiſtehen. Allein es uͤbereilte ihn der Tod zu Barletto 
den zoften Merz g). Ein Mann von feiner Beſchaffenheit war allein im Stande, 
den Grund zu der Hoͤhe und der Macht des Ordens zu legen, zu der ſolcher in den fol⸗ 
genden Zeiten geſtiegen. Daß er zwiſchen dem Kaifer und Papſt den Mantel auf beis 
den Schultern getragen, und daß er die Vortheile ſeiner Geſellſchaft vielleicht zu hab⸗ 
ſuͤchtig geſucht, unterſtehe ich mich nicht, ihm als einen Fehler anzurechnen, da er uns 
ter regierende Herren gehörte, und bey denenſelben gemeinhin dergleichen Sachen als 
Merkmale einer durchdringenden Staatsklugheit gelobet zu werden pflegen. Seine 
Kriege gegen die Unglaͤubigen, welche ihm kein feid zugefuͤget, und die er, unter dem 
Vorwand der Ausbreitung des Chriſtenthums, ſich zu unterwerfen anfieng, muß man 
mit denen damaligen Vorurthellen entſchuldigen. Wir bedienen uns derſelben nur gar 
zu gern, wenn fie unfere Vorthelle befördern; geſetzt, daß wir fie nicht mit unſerer 
Vernunft räumen konnen. Er drung in Abſicht des weiſſen Mantels endlich durch, 
den der Tempelherrnorden den Marianern ſtreltig gemacht. Der Papft verſchwende⸗ 
te alle Gaben der Kirche ſeinetwegen, die dem Orden nur vortheilhaft ſeyn konten, und 
foll das Amt der paͤpſtlichen leibwache und Kaͤmmererwuͤrde lange Zeit mit lauter Mas 
rianern beſetzt haben. Der Kaiſer Friedrich 2 machte ihn zum Reichsfuͤrſten, und 
erlaubte, in der Mitte des Ordenskreuzes den ſchwarzen Adler, als ein ewiges Merk⸗ 
mal feiner Gnade, zu führen 5). Am meiſten aber hat ſich dieſer Meifter dadurch 
verewiget, daß er Preuſſen ſowol, als Liefland, Curland und Semgallen feinem 


R ter ſich hatte „ geſchaffen. Sein Geſchlecht kann billig ihn als feine vornehmſte Zierde 
anſehen. Von feinen Vettern ſoll ) Friedrich als deutſcher Ritter in Preuffen wers 
en ſeyn. 2) Henrich hat erſtlich unter ihm Dienſte geleiſtet, und nachher das 


a . in der Lauſitz und Schlefien fortgeſetzt. Von dem ſtammen der berühmte 
vo 


1 97 on Breslau, Jacob von Salza, und deſſen Bruder Wigand, Domherr 
Zn Breslau, ab, welche unſerm Hochmeiſter 1519 im Kloſter Leubus ein Ehrendenk, 


l > J 2 mal 

5 Y Dusburg. P. 3. e. 19 · 27 p. 104 · 113. ſam dadurch, daß man ſeit 1239 in keiner Urkunde 
Herr Gebauer Leben Kaiſer Richards mehr den Namen dieſes geschäftigen Herrn ans 
S. 40/%1ẽ1 b trift. 


9) Pꝛovius ſagt in Annal. p. 468 den zaſten 6) Daß er aber erſt das güldene Kreuz ins 
Jul. Die Ordensnachrichten Jagen den zoſten ſchwarze bekommen, wie Herr Beyer ſagt, ftreis 
Merz. Einige haben ihn irrig noch länger als tet gegen alle Ordensnachrichten, die ſolches feis 
bis 140 leben laſſen. Dies widerlegt ſich genug⸗ nem Vorgänger zuschreiben. 


1240. 


Des Her⸗ 
manns von 
Salza tod und 


Stadt Aſcalon ), und der Hochmeiſter wolte, feines fehr hohen Alters ungeachtet, eigenschaften. 


Orden verſchaft, und ſich ſelbſt dadurch zum Hochmeiſter, der noch andere Meiſter un⸗ 


1240. 


Ihm folge 
Conrad land: 
graf von Thu⸗ 


ringen. 


— 


Sophia, Herzogs Otto von Braunſchweig Tochter. Die letztere halt man vor uns 


68 Gioeſcchichte von Preuſſen. | | 
mal errichten lieſſen. 3) Dietrich von Salza behielt die väterlichen Guͤter, und hat bis 
1409 Erbfolger gehabt. Sein Geſchlecht hat theils Bockshörner oder Lilien, nachdem ſich dies 
fer oder jener die Wappenfigur vorgeftellet, theils Fiſchangeln gefuͤhret. Es iſt alſo ein Ir⸗ 
thum, wenn man unſerm Hochmeiſter Adlersfluͤgel als fein Geſchlechtswappen anſetzt 5). 


38. 

Es haben zwar manche den Henrich von Hohenlohe als Nachfolger des Her⸗ 
manns von Salza, und denn erſt den Conrad, Landgrafen von Thuͤringen, in der 
Hochmeiſterwuͤrde angeben wollen K). Aber die Urkunden widerſprechen dieſem Borges 
ben ausdruͤcklich, und zeigen, daß Conrad, tandgraf von Thüringen, Hermanns 
von Salza Nachfolger geweſen ). Sein Vater kandgraf Hermann ı von Thuͤrin⸗ 
gen hatte zwey Gemalinnen: die Sophia, Pfalzgraf Friedrichs 5 Tochter, und 


ſers Conrads Mutter. Seine Bruͤder waren Ludwig der heilige, ein Gemal der 
heiligen Eliſabeth und Vater Hermanns 2; und Henrich Raſpe, der Gegenkaiſer 
Friedrichs 2. Die Gelehrſamkeit „) feines Vaters laͤſt uns auf die beſte Erziehung 
Conrads ſchluͤſen. Da das Recht der Erſtgeburt der Zeit unter den Fürften noch 
nicht eingefuͤhret war, fo bekam er 1215, nach feines Vaters Tode, Antheil an der 
Regierung m). Er nahm ſich daher 1232 des Abts zu Reichardsbrunn gegen den 
Erzbiſchof von Mainz Siegfried 3 an. Dieſer hatte jenen, weil er ihm nicht Geld 
geben wollen, von Stiftsherren in Erfurt geiſſeln laſſen. Conrad war eben in Er 
furt, lief hitzig in die Capitelsſtube, und ſetzte den Erzbiſchof wegen dieſer unanſtaͤn⸗ 
digen und der gehörigen Sanftmuth entgegenſtehenden That zur Rede. Seine Hitze 
wurde gar ſo lebhaft, daß er den Erzbiſchof bey den Haaren ergrif, zur Erden warf, 
und beinahe mit einem Dolch erſtochen hätte. Denn entfernte er ſich, und zog Bol 
fer zuſammen, da ohnedies wegen Heiligenberg in Heſſen zwiſchen ihm und Mainz 
Streit war. Siegfried machte mit dem Biſchof Henrich 2 zu Worms ein Buͤnd⸗ 
niß, der ſich in die Stadt Fritzlar warf. Conrad gieng darauf los. Der erſte An 
grif mislung, und er wolte ſchon abziehen. Aber elne beſondere Frechhelt der Weibs / 
leute in der Stadt hielt ihn zuruͤck. Sie hatten auf den Mauren die Röcke aufgeho / 
ben, und denen zum Abzuge fich ruͤſtenden Belagerern die Theile des Leibes gewieſen, 
welche die Schamhaftigkeit verdecken heiſt. Dies machte, daß Conrads Wee 0 
Ort ſtuͤrmeten, eroberten und pluͤnderten. Der erhitzte Soldat ſchonte nicht einmal 2 
der heiligen Orte. Unter vielen andern ward Biſchof Henrich Conrads Gefan ener, 


7 


1) Gel. Pr. T. 3 p 42-48. s ) Dav. Blondellus Gen. Frane. T. 2 p. 2 9 285 
k) Duellius. Seß u. a. m. von Falkenſtein Thuͤr. Chr. p. 647. 666. Paul, 

I) Ada Boruſf T. 1 p 424. Da nennt der ni Anni Iſenae. p. 30. Nr 
Papſt ausdrücklich 1243 den Hochmeiſter Conrad D EA A 
und in den marpurgiſchen Beiträgen St. 4. e 6. m) Daher heift er in Urkunden Landgraf von 
§. 8. 15 p. 109. 122. jagt Innoc. 4. III Kal Mart. Thüringen und Pfalzgraf in Sachſen. Map. 1 
Pontif anno primo: Bone memorie frater Her- Beiträge zur Gelehrfamkeit St. 4 p. zu. Dede 
mannus Magifter veſter ac dictus Cour adus ſue · ction von der Balley Heſſen Imniedietaet Pre 
ceſſor eiusdem. Doc. n. 45. We Ri 


Conrad Landgraf von Thuͤringen. 69 
und muſte ſich ſchwer löſen. Der damals gewohnliche Bann war eine Folge dieſer Er⸗ 
oberung n). Es wuͤrde ſolcher aber wenig beim Conrad gefruchtet haben, wenn nicht 
ein beſonderer Zufall fein Innerſtes geruͤhret hätte. Er reiſete einsmals mit Darts 
mann, Herrn von Heldrungen, und Dietrich von Gruͤningen, in Begleitung 

weniger Bedienten, nach feinem Schloſſe Tenneberg. Hier begegnete ihnen eine uns 

zuͤchtige Frauensperſon, die, auf des Landgrafen Frage: wo fie herkaͤme, frey geſtund: 
ſie habe den ganzen Tag im Buſch bey Froſt und Näffe auf ihren ſchandbaren Verdlenſt 
gewartet. Den fandgraf überfiel ein Schaudern. „Armes Menſch, ,, ſagte er zu 
ihr: du giebſt dir mehr Mühe, denen hoͤlliſchen Flammen zuzulaufen, als die meiſten 
ſich geben, ſich eines ewigen Vergnuͤgens wuͤrdig zu machen. „, Das laſter iſt allemal 
durch die Vorhaltung der Tugend beſchaͤmet. Die Unzuͤchtige ſuchte ihr Vergehen durch 
ihre Duͤrftigkeit zu bemaͤnteln, und verſprach mit Thraͤnen Beſſerung, wenn ſie noth⸗ 
duͤrftigen Unterhalt hätte. Der tandgraf fegte ihr einen jährlichen Unterhalt aus, um 
auch allen Vorwand der Uleppigkeit ihr zu benehmen. Vielleicht haͤtte er beſſer gethan, 


Der Zufall blieb ihm fo lebhaft, daß er auch dafür nicht ſchlafen konte. Er ftellte 
Ueberlegungen an. Er unterſuchte ſein eigen Herz. Er fand es nicht in der lauter⸗ 
keit, die eine wahre Tugend fordert. Er fuͤhlte, daß es eben ſo ſtraf bar ſey, als die 
Unzuͤchtige. Sie hatte ihrer Frechheit das Feigenblatt der Duͤrftigkeit umgehangen: 
er aber hatte bey fuͤrſtlichem Ueberfluß nicht einmal einen Vorwand ſeiner Widerſtre⸗ 
bungen guter Rührungen. Eben dieſen Eindruck fand er in den Gemuͤthern des von 
Heldrungen und von Gruͤningen. Alle drey vereinigten ſich zur Beſſerung. Das 
Belſplel des Fuͤrſten iſt in allem fruchtbar. Alle thaten nach der Capelle des heiligen 
Nicolai in Gladbach barfuß und ohne Hemde eine Wallfarth. Nun wolten ſie auch 
zu Nom die Befreiung des Bannes ſuchen. Sie ſetzten den Einfall ins Werk, weil 
fie ihn vor eine Eingebung hielten. Bey der Durchreife in Schwaben empfieng der 
Kalſer den kandgrafen ſehr gnaͤdig. In Rom bezeigte die Geſellſchaft eine groffe Neue, 
ſonderlich uͤber die in Fritzlar vorgefallene Gewaltthaͤtigkeiten. Der Papſt verordnete 
die Buſſe. Der kandgraf ſolte allen Schaden in Fritzlar erſetzen, das ſeinige zu mil 
den Stiftungen anwenden, ein Muͤnſter bauen, und einen geiſtlichen Orden anneh⸗ 
men, und ſodenn ertheilte er ihm und feinen Gefaͤhrten alle Vergebung 0). Dieſer 
erfüllete alle einzelne Stücke der ihm auferlegten Buſſe ſehr genau. Vor allen andern 
entſchloſſen ſich, alle drey in den deutſchen Orden zu treten. Die Vorfahren des 
ndgrafen hatten den Orden ftiften helfen. Sein Vater hatte demſelben ſchon Güte 
eee. ren 93 gethan. 


m) Monach. Erpbesford e. 43. Chron, Er. nald. Ann. Ecel. T. 13. 4d 1232. H. ır. p. 386. 
ford. ap. Scbannat. in Vind. litt. Coll. I. p. 92. 5 

„Hift. Landgr ap. Piſtorium c. 41 p. 1325 t 0) Dusb. Chr. Pr. P. 3. e 36 p. 126. Chr. 

. Eckard ad 8. 1332 p. 423. Godefr. Me nach. Vet. rhitm. Landgr. ap. Kuchenbecker, Anale&t, 
in Ann ad 1233 p. 309. Serarius T. ı. Ser. Rer, Hall, Coll. 6 p. 249. Chr. Riedefelian. Haft. ap. 
Taub, 534 Schannat. Hit Epiſe. Worm. p. 370. Kuchenbecker p. 3. Horn fächfifche Handbibl. 
Paullini I. c. p, 4. Falkenſtein 1. e. p. 680. Ray- 

4 1 nm 


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- A 5 


Th. 5 D. 472. 


wenn er Anſtalten vorgekehret, daß die Ungluͤckliche auch ihre völlige Arbeit bekommen. 


1240. 


70 Geeſchichte von Preuſſen. 

gethan. Hermann von Salza war ehemals an deſſen Hofe geweſen. Ludwig der 
heilige hatte ſich ebenfals nebſt feinen Brüdern Henrich und Conrad mildthaͤtig bes 
wieſen. Nachdem er alſo 1239 im Mop. feine Güter dem deutſchen Orden geſchenkt p) 
gieng er mit Hartmann von Heldrungen und Dietrich von Gruͤningen in den deut⸗ 
ſchen Orden g). i238 bat er das Eliſabethmuͤnſter zu Marpurg, zur Ehre feiner 
Schwägerin, zu bauen angefangen, und 1236 die Heiligſprechung dieſer Eliſabeth e- 
halten 7). 1238 kamen dieſe drey Brüder am Peter Paulfeſt in die Kirche zu Fritz 
lar, enckleideten ſich, lieſſen durch einen Prediger um Vergebung bitten, und durch 
dre Geiſtliche ſich ſodenn dergeſtalt geiſſeln, daß fie davon Merkmale behielten, als ob fie 
unter Nachrichters Händen geweſen. Der tandgraf beſchenkte ſodenn die Kirche zu 
Fritzlar und andere Kirchen, die fie zuvor zerſtöret hatten c). Die groſſen Wohltha⸗ 
ten des ganzen landgraͤflichen Hauſes ſowol, als insbeſondere die Conrad dem deut⸗ 
ſchen Orden wiederfahren laſſen, beſtimmten eben, fo wie deſſen fait ausſchweifende 
Frömmigkeit, die Ritter, nach Hermanns von Salza Tode, dieſen Conrad zum 


— 


1240. 


Hochmeiſter des deutſchen Ordens zu erwaͤhlen. j 
N * e 
8 Der Hochmeiſter Conrad ſchlug feinen Sitz zu Marpurg auf, wo auch ein grofe 


fer Theil feiner Nachfolger fich meiſtens aufgehalten. In Preuffen waren ſehr bedenkliche 
Umſtaͤnde. Der ſchleunige Uebertrit vieler tauſend Landeseinwohner zum Chriſtenthum 
ſchien bedenklich, weil man auf derfelben Treue ſich nicht genugſam verlaſſen, und die 

6 Anzahl derer ins fand gekommenen treuen Deutſchen ihnen nicht die Wage halten kon⸗ 

te. Der Orden zeigte bald, daß es ihm weniger um das Heil der Seelen, als um 

die Oberherrſchaft zu thun geweſen. Man bauete in Preuſſen eine Menge Beftuns 

N gen und Staͤdte, und der Orden bedienete ſich hiebey der armen Einwohner Frohn ⸗ 
dienſte mit einer ſolchen Härte, daß es denenſelben beſſer fehlen, zum Heidenchum zus 
r ruͤck zu treten, als chriſtliche Selaven zu ſeyn. Man brauchte fogar alle Kuͤnſte der 
Spanier, fie dünne zu machen. So wie diefe die Americaner in den Metallgru⸗ 


Preuſſen. 


— — —-„—-—ͤ 


ben hinopferten, ſo erlagen die Preuſſen unter der Saft der Frohndienſte. Ja man 


5) Die Beweiſe ſtehen ſchon oben angebracht. 

7) Ordensdeduct. gegen Seſſen. ©. 21. 

7) Dusb. I. e. Daher war 1236 der von Sel⸗ 
drungen einer der juͤngſten Ritter, und 1238 Dies 
trich von Gruͤningen noch zu jung, Statthalter 
in Liefland zu werden. Mit denſelben giengen 
zugleich 24 von Adel in den deutſchen Orden, bey 
deren Einkleidung, nach Dusburgs Erzählung, 
der hellige Geiſt ſichtbar, wie eine Flamme ge⸗ 
ſtaltet, auf fie gefallen, und der Landgraf Con: 
rad die Gabe erhalten haben ſoll, alle Geheim 
niſſe der Leute zu ergründen, und ſonderlich Un: 

ige gleich beim erſten Anblick zu erkennen. 
ie Keuſchheit war zu Conrads Zeiten am land⸗ 


gräflichen Hofe recht zu Kaufe. Falkenſtein l. e. 
p. 6931 Duisburg bemerkt auch, daß ihm 
oͤſterreichiſche Prinzeßin zur Braut vor 

gen worden, die et aber ausgeſchlagen, aut 
durch den Einfall eines von Adel in ſeinem 
nicht habe abhalten laſſen, in den deutſchen Or⸗ 


den zu treten. Er iſt niemals vermaͤlt geweſen, 
ob gleich ſolches verichiedene neuere Schriftſteler 
er 3 

e 


verſichern wollen. Re 
4 


) Chr. Erford ap. Schannat p. 98. ad 
Reuertentes ad ſtationem in ipfius fratris 
di eorpore non figna verberum ſacerdotum 
earnificum comparuerunt. 


4.3 


DE 


”. 
x D 


Conrad Landgraf von Thüringen. 7¹ 


legte ſelbſt denen, die ſich taufen laſſen wolten, alle Hinderniſſe in den Weg um nur 
einen Vorwand zu haben, ſie auszurotten, oder zu zwingen, durch Ausweichen in an⸗ 
dere benachbarte Lande denen Deutſchen Platz zu machen. Die Klagen der alten fans 
deseinwohner waren allgemein, und droheten ſchon damals einen allgemeinen Aufſtand. 
Mit den Chriſten verfuhr der Orden, mit Beiſeitſetzung aller Billigkeit, blos ſo wie 
es ſeine Staatsvortheile heiſchten. Dem Biſchof Chriſtian von Preuſſen muſte es 


leld werden, daß er den Orden nach Preuſſen bringen helfen, und daß er faſt alles, 


was ihm gehöret, demſelben uͤberlaſſen. Wenn er alſo einige bekehrte, fo ließ er ſich 
von denenſelben einen Eid fehwören, fein Beſtes zu befördern. Dies ſchien dem Or⸗ 
den bedenklich. Er ſahe in Preuſſen zweierley Unterthanen entſtehen, davon ein Theil 
dem Orden, der andere dem Biſchof zugehörte. Dies fehlen ihm unleidlich. In 
Liefland hatte dies den Grund zu ſchweren Itrungen und Spaltungen zwiſchen dem 
Schwerd und nachmals deutſchen Orden und denen Biſchöfen gelegt. In Preuſſen 
wolte man denenſelben zuvorkommen. Man quaͤlte alſo alle, die ſich an den Biſchof 
hielten, weit mehr, als die ſich dem Orden allein durch Eide verbindlich machten. 


Selbſt der Biſchof erfuhr den Haß des Ordens. Chriſtian hatte ſich von einigen vor⸗ 


nehmen Preuſſen, durch das Verſprechen, ſich taufen zu laſſen, ins Netz locken laſ⸗ 
ſen. Man hatte ſeine Gefaͤhrten erſchlagen, und ihn ſelbſt gefangen genommen. Der 


Biſchof verlangte, daß der Orden ihn gegen andere vornehme Preuſſen, die in des 


Ordens Hände gefallen, auswechſeln ſolte. Es ſtund aber denen Marianern das hr 
ſegeld beſſer, als die Auswechſelung des Biſchofs an. Vielmehr eigneten ſie ſich in 
dieſer Gefangenſchaft alles dasjenige zu, was dem Biſchof gehörte. Ein neuer Streit 
betraf die Ernennung der ordentlichen Seelſorger, die ſowol der Biſchof, als der Or⸗ 
den ſich anmaſten. Ueber dies alles fuͤhrte Chriſtian beim Papſt die bitterſten Kla⸗ 
gen 7). Die bisherige Freundſchaft mit dem Herzog Sventepolk von Pommern 
und dem Orden fieng bey der taͤglich anwachſenden Macht des letztern zu wanken an; 
beſonders da der ſtaatskluge Herzog vielleicht Preuſſen ſich lieber ſelbſt, als dem Or 
den gegönnt. Die gedruͤckten kandeseinwohner wandten ſich an ihn, und baten um 
feine Vorſprache. Er ließ ihnen ſolche angedeien. Aber dieſelbe ſchlug, wie er es vors 
ber gemerkt, ohne Nutzen aus. Nun gab er den Preuſſen den Rath, keinen Aufs 


ſtand zu erregen, ſondern ſich beim Papſt zu beſchweren. Ihre Geſandten in Rom 


ließ er durch die feinigen unterftügen. Bey ihrer Zuruͤckkunft brachten fie zugleich die 
nn von der allgemeinen Furcht mit, die ganz Deutſchland vor den Tartarn 
erfullt Dieſe waren eben dieſes Jahr in Polen eingefallen, und hatten ſolches 
verwuͤſt 153 Bey allen dieſen bedenklichen Umſtaͤnden kam Poppo von Oſterna 
als Meiſter nach Preuſſen. Jetzt war keine Zelt, die kaſten der Preuſſen zu mil⸗ 


Fa ee Ruhe nothwendig (bien. Weil man nicht wufte, ob der Tartarn 
Ein⸗ 


N RE + 1 p.48 - 55 . f 
5 Samml. Th. er 698. pommeriſchen Geſchichtſchreiber ſagen: der Orden habe 
- Polen gegen den Herzog n Dies konte auch der Grund des Haſſes des letztern ſeyn. 


1240. 


N r 


— [ 


1241. 


— 


m 2 Geſchichte von Preuſſen. 


Einfälle fich nicht bis in Preuſſen erſtrecken könten, fo fand der Melſter vor nöthig, 
den Veſtungsbau aller. feiner Schlöffer weit ſtaͤrker, als jemals, zu treiben, woben 
freilich die Frohndienſte der armen Unterthanen noch immer laͤſtiger wurden. Der 
Tartar⸗Chan ſchickte wirklich feinen Feldherrn Peta 1241 mit Socoοο Mann aufs neue 
nach Polen ab, ſolches ſo zu verwuͤſten, wie er ſelbſt es mit Ungarn that. Der 
polniſche Oberherr Boleslaus der ſchamhafte verzweifelte an alem, und entfloh aus 


- feinem Reiche, deſſen Unterthanen fich vergeblich den Tartarn widerſetzten. Sie bra⸗ 


chen bis in Schleſien durch. Hier aber machte der Herzog Henrich der Fromme 
zur herzhaften Gegenwehr Anſtalten. Poppo von Oſterna kam ihm zu Huͤlfe, und 
vereinigte ſich mit ihm und ſeinen Bundesgenoſſen bey Liegnitz. Das ganze chriſtli⸗ 
che Heer ward in fünf Haufen getheilet, als bey Wahlſtadt eine groſſe Schlacht mit 
den Tartarn erfolgte. Der erſte Haufen that brav, ward aber bey ſeinem Vordrin⸗ 
gen umzingelt, und faſt ganz zu Grunde gerichtet. Er hatte aus Kreuzfahrern, et⸗ 
was geworbenem Fußvolk und goldbergſchen Bergknappen beſtanden. Denn trafen 
die Tartarn auf zwey andere Haufen, die aus Polacken und Oberſchleſiern beſtun⸗ 
den. Dieſe kamen gleich in Unordnung, weil ſich gleich Anfangs eine unwiderſtehliche 
Furcht ihrer Bruſt bemaͤchtiget. Nun kam alles noch auf die beiden letzten Haufen 
an, welche von Henrich dem Frommen und dem Poppo von Oſterna angeführet 
wurden. Es iſt kaum zu beſchreiben, wie muthig ſolche gefochten. Das Metzeln un⸗ 
ter den Tartarn war erſtaunlich. Ihre Macht fieng wirklich an zu weichen, und ſie 
erhielten ſich nur noch dadurch, daß man die Übel zugerichtete Völker aus dem Treſſen 
herauszog, und ſolchen Abgang mit einem friſchen Haufen erſetzte, der ftärfer, als die 
ganze chriſtliche Macht vor dem Treffen geweſen. Dieſe friſche Tartarn hatten ihre 
Hauptfahne vor ihrer Spitze. Dieſes that mehr, als eine ſehr beſchriene Zauberfah⸗ 
ne, daß die Chriſten allen Muth ſinken liefen. Poppo war unvermögend, der alle 
gemein werdenden Flucht zu ſteuren. Er muſte endlich ſuchen, fein teben als eine 
Beute davon zu tragen, da indeſſen der Herzog Henrich ſein Blut verſpritzte. Die 
Tartarn fuͤlleten nach dem blutigſten Siege zwar zum Siegeszeichen neun Saͤcke mit 
abgeſchnittenen Ohren der Erſchlagenen, fanden ſich jedoch ſo geſchwaͤcht, daß ſie durch 
Mähren den Ruͤckweg ſuchen muſten x). Poppo wird alſo faͤlſchlich unter die Er⸗ 
ſchlagenen gezählet )). Er langte bey dem Hochmeiſter an, und ſtattete ſolchem Bes 


richt von feiner Aufführung ab. 


x) Statt aller Schriftſteller berufe ich mich 
auf Chebefii liegnitziſche Jahrbuͤcher P. 2. e. 10- 
13. p. 47 bis 74 Er 

y) Alle polniſche und ſchleſiſche Geſchicht⸗ 
ſchreiber ſagen, er ſey in dem Treffen geblieben, 
nur von Sommersberg in Ser. Rer. Siles. T. 1. 
Tab Gen. 1. no. 16. p. 316. und T. 3 p. 172. 
ſub *** und 250 ſub “ ausgenommen. Allein fo 
wie ſie ſich darin irren, daß ſie ihn Pompo nen⸗ 


2 


nen, und zum Grosmeiſter oder Hochmeiſter mas 
chen, da er doch damals noch nicht Hochmeiſter 
des deutſchen Ordens geweſen, ſo iſt auch ſein 
Tod hier falſch, ob ſolches gleich alte Schriftftelli E 
geſagt. Daß zwey des Namens Poppo von r. 
na damals im Orden geweſen, kann durch nichts 


bewiefen werden. Es war zwar um die Zeit ein N 


Poppo im Orden, der in Preuſſen vor 1250 ers 
ſchlagen, aber das war ein mecklenburgiſcher 


„ 


—„— ——— —— — 
7 2 ˖·— — —— 


Conrad Landgraf von Thuͤringen. 


** 


40 


Sie reitzten fie, durch Strö, 


me von Chriſtenblut ihre Götter zu verföhnen, und ſich zu raͤchen. Sie ſuchten 


beim Sventepolk Beiſtand, der ſich ihrer um fo viel williger annahm, 
Einbuſſe gegen die Tartarn der Orden leicht zu verjagen ſchien. Auf einmal erfolgte 


ein allgemeiner Aufſtand in ganz Preuſſen. Die meiſten Schlöffer wurden erobert, 
und die Chriſten theils niedergemacht, theils gefangen, theils gezwungen, ſich mit 
der Flucht zu retten. Balga und Elbing bielten ſich faſt allein. Aber Sventepolks 
Beſatzungen in feinen laͤngſt der Weichſel angelegten Veſtungen verhinderten den Or⸗ 


den, dieſen Orten das benöͤthigte zuzuführen. 
ſuͤchlich Pogeſanien, Ermland, Bartenland und Natangen. Die alten Eins 


Die Wut der Preuſſen betraf haupt⸗ 


wohner fehoneten fo wenig der Ritter, als derer Fremden. Ihre ganze Abſicht war, 
ſich ihre alte Religion, ihre alte Unterwürfigkeit, ihr altes and wieder zu verſchaffen. 
Der Orden nahm feine Zuflucht nach Rom. Der Papft ſchickte auf die erſte Nach⸗ 
ticht Wilhelm, Biſchof von Modena, als ſeinen Geſandten an den Herzog Sven⸗ 
tepolk, der ihm fein uͤbles Verfahren zu Gemuͤthe führte. Aller beigebrachten Ent⸗ 
ſchuldigungen ohngeachtet muſte er doch geſtehen, daß er zu weit gegangen. Der Ge⸗ 
fandte ermahnte ihn daher, feinen Fehler dadurch gut zu machen, daß er die Preuſſen 
beſänftigen helfen möchte. Sventepolk verſprach ſolches, und kam nach Elbing, von 


wo er die Preuſſen ermahnete, die Waffen niederzulegen. 


Er gab dem Ordensmar⸗ 


ſchall die Hand darauf, den Aufſtand unter der Bedingung zu ſtillen: wenn der Or⸗ 
den die Meubekehrte bey denen Gerechtigkeiten lieſſe, die man ihnen 1235 zugefagt, weil 
die Preuſſen wenigſtens nicht ſchlechter, als die ins land kommende Fremde behandelt 
werden wolten. Der paͤpſtliche Bothſchafter war nach Thorn abgegangen, um die 


* 


Bein, ein Sohn Johanns 2 Theologi. Viel; 


war diefer in dieſer Schlacht geblieben. Es 

war auch einer von Oſterna im Orden, aber der 
hieß Conrad, und war noch nach der Schlacht 
Landeomthur in Geſterreich. Vom erſten han: 
delt de Beehr in Reb. Mecklenb. Tab. Gen. 2. 


p. und L. 2. e. 3 p. 193., Vom Conrad von 


teena aber Duellius P. 3 p. 41. 54. 97. Der 
ahn, daß unſer Poppo erſchlagen, kann leicht 
den ſeyn. In der allgemeinen Beſtuͤrzung 


entſtan N 
konte das leicht geſchehen. Wie oft rechnet man 


heutiges Tages jemand unter die Todten einer 
Schlacht, die wirklich noch leben. Er war in Ab: 


ſticht der Schlefier ein Ausländer, und der Ruf 


von ſeinem Tode konte ſich deſto länger erhalten. 
Woraus konte man gewiß ſeyn, daß er geblieben? 


Pl. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 


Hier 


Die Erſchlagenen waren nackt ausgezogen, und 
ihnen noch dazu die Ohren abgeſchnitten. Der 
Herzog ward an ſeinen ſechs Zehen des linken 
Fuſſes erkandt. Hatte Poppo auch ein ſolches 


7 


In Preuſſen war ſogar ein allgemeiner Aufſtand der bezwungenen Preuſſen 
vorgefallen. Die heidniſchen Pfaffen gaben die harten Dienſte der Neubekehrten uns 
ter dem Orden dem Abfall vom alten Glauben Schuld. 


1241. 

Krieg mit 
den Preuſſen 
und Pom⸗ 
mern, der 
noch vor Con⸗ 
rads tode bei⸗ 


weil nach der gelegt wird. 


Bedingungen eines Friedens zwiſchen Sventepolk und dem Orden daſelbſt veſtzuſetzen. 


Merkmal? Die Schriftfteller des Ordens muͤſſen 


hier beſſer wiſſen, ob er geblieben, als die Legen: 
da der heil. Hedwig / die ohnedies, wie Thebe⸗ 
fius gezeigt, manche Unrichtigkeiten hat. Seine 
Grabſchrift im St. Vineentkloſter, oder zu St. 
Jacob in Breslau iſt neu, und vielleicht auf die 
Legenda gegruͤndet. Er kann nachmals da begra⸗ 
ben ſeyn, ob er gleich nicht eben in der Schlacht 
geblieben. Ich ſehe aber auch nicht ein, warum 
Schutz f. 35. b. leugnen will, daß er der Schlacht 
beigewohnet habe. 


K 


1242, 


143. 


74 5 i Geſchichte von Preuſſen. 


Hier aber hörte er nichts, als unverſöhnliche Reden gegen den Herzog, den man für 
einen Verraͤcher der Chriſtenheit ſchallt. Dies brachte dieſen Herrn fo auf, daß er 
öffentlich die Partey der Preuſſen ergrif. Beide brachen nach ihrer Vereinigung in 
Pomeſanien und in das Culmer Gebiet. Sie bemaͤchtigten ſich darin aller veſten 
Plaͤtze, bis auf Thorn, Culm und Rheden. Thorn felbſt ward, obwol vergeblich, 
beftürmet. Hingegen befochten die Bundesgenoſſen den ısten Jun. einen Sieg, wo⸗ 
bey der Orden auf 4000 Mann einbuͤßte. Der Biſchof von Modena ließ hierauf _ 
überall gegen die Preuſſen das Kreuz predigen. In der Zeit uͤberrumpelte der alte 
Ordensmarſchall Dietrich von Bernheim mit 4 Bruͤdern und 24 Soldaten das her⸗ 
zogliche Schloß Zartowitz, auf dem so Mann Beſatzung gelegen, und erbeutete dar⸗ 
in das Haupt der heiligen Barbara. Das Heer der Verbundenen belagerte fuͤnf 
Wochen den Platz, worin aber die Ordensbeſatzung maͤnnlichen Widerſtand that. Ein 
Theil der Ordensfeinde brach 1242 über die gefrorne Weichſel ins Culmer Gebiet, 
buͤßte aber in einem Treffen gegen den alten Ordensmarſchall goo Mann und 400 Pfer⸗ 
de ein. Es ward nun die Abrede genommen, daß, wenn der Marſchall die Belagerer 
von Zartowitz angreifen würde, auch die Beſatzung einen Ausfall thun ſolte. Aber 
Sventepolk hob ſchleunig die Belagerung auf. Nun kamen die Kreuzfahrer dem Or⸗ 
den aus Polen und Oeſterreich zu Huͤlfe. Herzog Caſimir aus Cujavien und Her⸗ 
zog Boleslaus fuͤhrten die erſteren an. Vermuthlich hatte Conrad von Oſterna, 
landcomthur von Oeſterreich, vieles dazu beigetragen, daß ſich viele Oeſterreicher 
mit dem Kreuz bezeichnen laſſen. Mit dieſen Völkern ward Nackel belagert. Die 
Beſatzung uͤbergab den Ort, unter der Bedingung eines freien Abzuges, an den Orden. 
Hierauf ward Belgard ebenfals eingenommen, und ganz Pommern mit Feuer und 
Schwerd heimgeſuchet. Dies brachte den Sventepolk auf Friedensgedanken, der auch 
durch den paͤpſtlichen Bothſchafter vermittelt ward. Der Herzog gelobte ſchriftlich und 
eidlich, denen Preuſſen keine Huͤlfe weiter zu leiſten, ſondern vielmehr dem Orden 
gegen dieſelben beizuſtehen. Er uͤbergab, zur Sicherheit ſeiner Zuſage, ſowol Zarto⸗ 
witz, als auch ſeinen Prinzen Meſtwin und einige andere Standesperſonen in die 
Haͤnde des Ordens. Dieſer verſprach dagegen, dem Herzoge ebenfals keine Urſache zu 
klagen zu geben, und keinen Krieg mit den Ungläubigen ohne Rath Sventepolks am 
zufangen. Vermuthlich ſolten weder die pommeriſchen Geiſeln ewig der Freihelt ver 
luſtig gehen, noch Zartowitz beftändig in denen Händen der Marianer verbleiben 2). 
Der Orden hatte auch durch den Tod des erſten preußiſchen Biſchofs Chriſtians um 
die Zeit einen heftigen Gegner verloren. Er hatte die Rechte des Ordens auf die Schen / 0 
kung Conrads und auf Preuſſen auch daher angefochten, weil vor Ankunft der Ma⸗ 
rianer der Papſt das fand durch einen Kreuzzug fuͤr den römifchen Stul unmittelbar er⸗ 
obern wollen. Weil aber dieſer Anſpruch, den der Papft machen konte, die Erobe⸗ 
rung durch den Orden nur hindern wurde: fo trat der neue Papſt Innocentius 4 u * 
_ 4 den * 


2) Preußiſche Samml. B. 3 S. 697 bis 702. Peer. de Dusburg. Chr. Pruſſ. Nes 2 
p. 117-138 a 


X - 


— 


Conrad Landgraf von Thüringen. 75 | 


den ıften Det. alle Rechte des heiligen Peters an den Hochmeiſter Conrad a) und 1243. 
- feinen Orden ab 5). Weil auch der päpftliche Bothſchafter Wilhelm, Biſchof von 
Modena, auf erhaltenen Befehl Innocentius 4, Preuſſen in vier Biſchofthuͤmer 
vertheilt, und die Einrichtung gemacht, daß in jedem biſchoͤflichen Kirchenſprengel zwen 
Drittheil dem Orden, und ein Drittheil dem Biſchof zuſtaͤndig ſeyn ſolte, ſo hat auch 
dieſe Einrichtung der Papſt Innocentius 4, ſo wie nochmals des Herzogs Conrads 
Schenkung, beſtaͤtiget c). In Preuſſen verglich ſich der alte Marſchall mit denen 
Herzogen von Gneſen Przemislav und Dubeslav und ihrer Mutter Hedwig über 
den Waarenzoll derer Kaufmannswaaren, welche durch Polen giengen d). Aber noch 
in dieſem Jahr ſtarb e) der Hochmeiſter Conrad, geborner Landgraf zu Thuͤringen und 
Pfalzgraf von Sachſen, und ward zu Marpurg beerdiget. Er iſt in der Ge ſchichte 
eben fo wegen feiner erſten Hitze gegen die Geiſtlichen, als nachmaliger Demuͤthigung 
Die Keuſchheit, die damalige Modetugend 7), die am Hofe der Landgra⸗ 
fen von Thüringen recht ihren Sitz zu haben ſcheinet 9), machte ihm in feinen Tas 
gen groſſes Anſehen. Sein eheloſer Stand 5) iſt aber mit. Schuld, daß der maͤnn⸗ 
liche Stamm der Landgrafen von Thüringen bald nach ihm abgeſtorben. 
e; 5 . 41. N 
Deer folgende Hochmeiſter Henrich von Hohenlohe 1) iſt von denen meiften Hemich von 
Geſchichtſchreibern ganz weggelaſſen. Er war ein Sohn Gottfrieds, Grafen von Ho ne AR 
henlohe und der Anna, tandgräfin von Leuchtenberg. Seine naͤchſten Anverwand, Deutschland, 
. ten K) waren folgende: - wird im zwie⸗ 
a ſpalt erwaͤhlet. 


Sottfried Graf von Sohenlohe. 
Gemal. Anna Landgr. von Leuchtenberg. 


| enge ̃ — TER —————— EEE 
Gottfried. Conrad. Henrich. Friedrich. 
Stammvater Stifter der Hochmeiſter des Ritter des 
. des heutigen brauneckſchen deutſchen Or⸗ deutſchen Or⸗ 
ar Hauſes. Linie. dens. dens. 


0 7 

echt. Crato. Conrad. Henr. Gottfr. Andreas 
tiſter der ſetzt den 
Stamm 


craft: Gonfried 

- 5 t A1 4 Hochme ö 
deutſchen Ordens. 
x K 2 Unſer 
14 diledte in Domino fili, Conrade, Ie. e) Adds Borufi. T. 2 P. 611. 61a. de Prager 
er Domus ciuidem, annulo noftrö de terra p. 242. 180 
Ada Boruſſ. T. 1 p. de Dreger l. e.. e Folglich weder früher, wie die thuͤringi⸗ 
p. n raden 5 ſchen alten Geſchichtſchreiber ſeinen Tod ins Jahr 
7 1240 


1243. 


76 


gegen den deutſchen Orden. 
ſtaͤtigte dieſe Schenkung, 


Orden einkleiden o). 


Deutſchland 


1240 ſetzen, da der Papſt ihn ausdruͤcklich dies 
Jahr noch namentlich nennt, noch ſpaͤter 1245, 
wie alle preußiſche Geſchichtſchreiber ſagen, wel: 
ches wir im folgenden erweiſen werden. Den 
Tag feines Todes ſetzt Dus burg auſ den 9 Kal. Aug. 
Aber das Chron 
auf 6 Kal. Aug. da heiſt es Frater Cunradus Ma- 
gifter Domus Teutonicae, qui Prineipum Ale- 
manniae confilio ad ipſos concordantes miſſus, 
oceulto Dei iudieio Romae 6. Kal. Aug. diem 
elsuferit extremum. Ich halte aber nicht vor 
wahrſcheinlich, daß er im Jul. zu Rom 1243 ge⸗ 
ſtorben, fonft koͤnte ihn Papſt Innocentius 4 


nicht noch den iſten Oct. als lebend angefuͤhrt ha B 


ben. Er mag wohl im Jul. auſſer Rom geſtor⸗ 
ben, aber fein Tod den ıften Oct. noch nicht in 
Rom bekandt geweſen ſeyn. Denn Innoten⸗ 
tius 4 nennt 3 Kal. Marr. anno Pontif. primo. 


das iſt den asften Febr. 1244, bereits ihn beate me-. 


morie, oder feligen Andenkens, laut einer Ur; 
kunde in den Warp Beitr. St. 4. c. 6. $. 81ß. 
Wegen feines Begraͤbnißorts iſt kein Streit. 

) Wie ſolches aus dem Beifpiel des polniſchen 
Regenten Boles lai das ſchamhaften zu ſehen. 

g) de Falckenſtein Thür. Chr. S. 693 f. 

b) Was ihm einige vor eine Gemalin zugeeig⸗ 
net, zeigt Herr Hoſr. Lentz in Geneal. Unterſu⸗ 
chung P. 2 S. 18g. 


i) Am beſten iſt von ihm gehandelt in den Pr. 


Samml. B. 2. ©. 196. und in Herrn Sanſel; 
mann hohenl. Landeshoheit. 5 

k) Dahin gehörte noch Andreas von Sohen⸗ 
lohe, der auch zu feiner Zeit im deutſchen Dr: 
den geweſen, deſſen Verwandtſchaft ich aber nicht 
eroͤrtern kann. : 

) Pr. Samml B. 2. S. 214 ſetzte fein Geburts⸗ 
jahr auf 1180, aber noch 1219 hieß er und ſein 


Geſchichte von Preuſſen. 

Unſer Gottfried von Hohenlohe muß gegen das Ende des 
geboren ſeyn ). Schon frühzeitig hatte er nebſt feinem Bruder Friedrich einen Hang 
Schon 1219 ſchenkten fie alles ihrige demſelben. Es be⸗ 
die mit Genehmhaltung der aͤltern Bruͤder 
ſewol der Biſchof Otto von Würtzburg !), als auch 
Auch Mergentheim ſoll er damals dem Orden geſchenkt haben n). Beide Bruder 
Henrich und Friedrich giengen denn ins gelobte land 0 1 
Nach feiner Wiederkunft 1223 kam er als Zeuge vor P). Die aͤl⸗ 
tern Bruͤder fuhren fort gegen die Marianer 1224 freigebig zu ſeyn J). Unſer Hen⸗ 

rich ward Landcomthur von Deutfchland , 
entſtanden 7). In den Jahren 1230 5), 1232 7), 1233 4 und 1234 
kommt er in biefer Wuͤrde in den Urkunden vor x). 1235 foll er dem wuͤrzburgiſchen 


Erford, ap. Schannar p. 99. 


Jung Mifeell. D. 3. S. 9 
) Hanf. Beil. No. ar. S. 396. Oetters © 
. 1. S. 204. N 


laten Jahrhunderts 


geſchehen war, 
1220 der Kaiſer Friedrich 2 m), 


und lieſſen ſich in den deutſchen 
woraus vor ihn die Landmeiſterſchaft in 


Turnſe 
zur nobiles pueri. Sanſelmann J. e. N. 13. 
373. N 0 1 
U) Hanſelmann l. c. Beil. No. 13. S. 373% 
Henrich und Friedrich heiſſen hier nobiles pue - 
ri, und der erſte kann alſo damals noch nicht z30 
Jahr alt geweſen ſeyn. se 5 
m) Hanſelmann. l. c. Beil. Mo. 13. S. 373. 
1) Hanſelmann. S. 247. Pr. Samml. B. 2. 
S 201. 219. Marp. Beitr. St. 4. S. 127. Duell. 
©. 15. Es iſt alſo falſch, was von Mergentheim 
in Gebhardi Nachricht vom Stift St. Mat⸗ 
thai in Braunſchw. c. 2. S. 36 ſtehet. . 
o) Zanſelmann S. 247. 358. Pr. Samml. 
. 2. O. 201. FR 
p) de Ludw. Ser. Herbip. p.'ssr. 9 
9) Hanf. Beil. No. 17. S. 392, de udn 
Ser. Herbip p. 553. Sie waren auch Min e 
wenn etwas dem Orden geſchenkt wurde. 4e Bre. 
ger p. 119. Duell P. 3. p. 47. it. P. 1 p. 2. 
r) Er heiſt erſt Comthur von Deut 


— —— — — z. —U —— ᷑T—ñmẽ— 
— - 
7 


— — —-—— — —ak— TE ——T[|- — 
x 


— — — 
N 


Henrich Graf von Hohenlohe. 77 


Zumie‚Geigersoßnet haben „). Auch 1239 geigt er ſch als lanbmeſſer von Deutſch⸗ 1243 


land 2). In dieſer Würde mag er ohne allen Wechſel ſowol reo nach dem To⸗ 
de Hermanns von Salza als bis auf den Tod Conrads von Thuͤringen 1243 ger 
blieben ſeyn a). Zur Wahl eines neuen Hochmeiſters war das Feſt ber helligen 3Kö⸗ 
nige 1244 beſtimmt. Sie ſolte in Venedig, als dem Mittelpunkt des Ordens, geſche⸗ 


ben. Zur höchſten Ordenswürde amen zweene Brüder in Borſchla!. Ludwig Des 


quede, aus Metz gebuͤrtig, von mittelmaͤßigem Adel, ein alter Herr, und Henrich 
von Hohenlohe, von herzoglicher Abkunft, ein Graf von Geburt, der groſſes Ders 


* 


mögen dem Orden zugebracht, und deſſen Bediente, die er zu Rathe ziehen konte, den 


Ruhm weiſer Männer hatten, waren die Mitbuhler. Die Undeutſchen unter den 


Ordenebrüdern richteten ihre Gedanken auf den erſtern. Die Deutſchen waren vor 
den letztern geſinnt und glaubten, daß graue Haare nicht eben den beſten Oberherrn aus⸗ 
machten. Die Prieſterbruͤder machten die Sache noch verwirtter, da ſie ſich ziemlich 
parteliſch auffuͤhreten, aber auch zur Strafe in denen folgenden Wahlen bis auf einen 
nicht zugelaſſen wurden. Als die Stimmen geſammlet wurden, hatte der eine ſo viele 
als der andere. So ward Ludwig von Dequede und Henrich von Hohenlohe im 
Zwieſpalt erwaͤhlt. Jener berief ſich auf eine neue Wahl, aber die Deutſchen wol⸗ 
ten nicht nachgeben. Von ihnen war der Orden geſtiftet. Sie machten den gröften 
Theil im Orden aus. Sie hatten dem Orden die herrlichſten Güter zugebracht, und 
zum Theil mit ihrem Blut erworben. Dieſe Vorſtellungen bewogen den Henrich die 
Hochmeiſterwuͤrde anzunehmen. Vier und dreißig Wochen darauf ſtarb der alte Des 
quede, deſſen Name als Hochmeiſter nirgend vorkommt. Henrich ſahe dies als ein 
Mittel an, die getrenneten Gemüͤther zu vereinigen. Er berief eine anderweitige Or⸗ 
densverſammlung nach Trier. Aber die Undeutſchen widerſprachen dem, was in 


Trier vorfallen ſolte. 
eee ud 


i un 


- . Henrich von der Landmeiſter⸗ 


Cofıngr. 


75. Han- 

ZU c. Beil. No. 30. ©. 404. Da 

hab als ſchrieben; Frater H. 

4 n 

n Lantgravius: Frater Her maunus Pre- 

quondam Lantgrav ig 

2 1 4 8 Hoenlech. 

Ptrater B. de 5 2 de Her- 
bipoli 


lich 


D. 199 f. Es werden zwar gegen die Erzehlung 


Einwuͤrſe gemacht, die mir aber nicht erheblich 
genug ſcheinen. Es heiſt 1): er triſt die Jahrzahl 


der Wahl nicht. Grunow ſagt 1227, da doch 


Conrad erſt den azſten Jul. 1245 geſtorben. Al⸗ 


lein, ſchon ꝛꝛaz war Conrad todt, und Grunow 
geſteht, er habe die Jahrzahl ſo genau nicht ge⸗ 
wuſt. Pr. Samml. B. 2. S. 201. 2) Grunow fa 
ge: es habe ſchon Dusburg den Ludwig einen 
Intruſum genannt, und im ganzen Dusburg 


komme ſolches nicht vor. Vielleicht ift ſolches eine 


von den Stellen, die der Orden mit Fleiß aͤndern 
laſſen. Hartknoch A. u. N. Pr. S. 262. a, 
3) Die Art dieſer Wahl ſtimmt nicht mit der 
Wahlart uͤberein, die Hartknoch diſl. 19. No. 10. 

beeſchreibt 


75 erzehlt ſo die erheblichſten Um⸗ 
ſtaͤnde dieſer Wahl nach den Pr. Samml. T. 2. 


1244. 


1244. 


Neuer krieg 
des ordens mit 
Pommern. 


Geſcchichte von Preuſſen. 
lich den Wilhelm von Urenbach zum Hochmeiſter, der aber kaum in einer Urkunde 
vorkommt und ſchlechten Anhang hatte c), wogegen Henrich von Hohenlohe vom 
Kaiſer ſowol als den meiſten Brüdern, ſonderlich in Preuffen erkandt worden dh. 
| 3 42. 1070 N 
Die Veränderungen mit des Ordens Oberhaupt fehlen dem Sventepolck die ber 
ſte Gelegenheit zu verſchaffen, jetzt in Preuſſen etwas auszurichten. Er brach den 


x 


Frieden, vereinigte feine Macht mit denen abgefallenen Preuſſen, zu denen auch die Sun 


dauer ſtieſſen, und pluͤnderte die culmiſche Landſchaft. Da er nun bey Graudentz 
über den Moraſt Renſen gehen wolte, kam die Ordensbeſatzung aus Culm herben, 
die mit der thornſchen Abrede genommen, ebenfals ins Feld zu rucken. Der alte 
Marſchall Dietrich von Bernheim gab den weiſen Rath, einen Theil der Feinde übers 
ſetzen zu laſſen, und ſo denn den Nachzug anzufallen. So machte es Eugen in neuern 
Zeiten, und ſchlug die groſſe Macht der Tuͤrken. Aber der neue Marſchall Delwin 
oder Berlewin folgte mehr dem, was ihm und andern die im Kriegsrath mit waren, 
der Muth als die Klugheit einflößte. 
verlieren. Er fiel die ganze feindliche Macht an der Oſſa mit einer Hitze an, der fol 
che nicht widerſtehen konte. Aber im Nachſetzen kam er mit 23 der Seinen in einen 


Er wolte nichts von dem Raube der landſchaft 


Hinterhalt von 4000 Feinden. Die Seinen langten zwar zur Huͤlfe an, wurden aber 
g Ei 


beſchreibt. Man muß aber erft erwieſen haben, 
daß Sartknochs beſchriebene Art ſchon 1244 im 
Orden uͤblich geweſen. Es kann ja ſeyn, daß eben 
dieſe zwiſtige Wahl Gelegenheit gegeben, vor das 
kuͤnftige wegen der Art eine ſolche Einrichtung zu 
treffen, daß man vor einem Zwiſt beſſer geſichert 
ſeyn konte. 4) Der Vorwurf der Undeutſchen ge: 
gen Senrichs Jugend wäre falſch. Allein da er 
noch 1219 Puer hieß, ſo muß er 1244 noch nicht 
50 Jahr alt geweſen ſeyn. Bey der Aufnahme 
in den Orden ſahe man ſchon auf einiges Alter 
Sartknoch A. u. N. Pr. P. 2. S. 261. Nur 
der aͤlteſte Bruder beſorgte die Ordensgeſchäaͤſte, 
wenn kein Hochmeiſter war, welches nach der Ent⸗ 
ſetzung des Henrichs von Plauen vom älteften 
Bruder Otto von Lernſtein geſchahe. Faſt alle 
Hochmeiſter waren Greiſe, wie das die folgenden 
Wahlen zeigen. In Betracht deſſen ſchien frei⸗ 
lich der Henrich den Undeutſchen zu jung, be⸗ 
ſonders da man in ſolchen Umſtaͤnden alles zuſam⸗ 
men zu ſuchen pflegt. 5) Man koͤnte Grunows 
Erzehlung von des Senrichs Landmeiſter ſchaft vers 
ſtehen. Aber das widerſpricht Grundws klaren 


Worten, und iſt gar nicht glaublich, daß der gro S 


fe Sermann von Salza in einer ſtrittigen Deutſch⸗ 
meiſterwahl nicht den Ausſchlag geben Finnen. 
6) Grunow 8 ; 
thüͤmer, daß er nemlich den Henrich und feinen 


hätte wirklich in der Erzehlung Ir⸗ 


weit fpätern Vetter Gottfried von Hoh 
verwechſelt. Jedoch das kann geſchehen, g 
daß dasjenige, was er von dieſer Wahl ſagt, un⸗ 
richtig ſeyn muͤſe. 7) Grunow hat viele Er⸗ 
dichtungen Germ Princeps und Erl. Pr. T. 2 
S. 376 und 404. Aber er hat alles erzehlt was 
er gefunden. Er hat nichts ſelbſt erdichtet. Was 
er mehr hat als andere, hat er aus andern ge⸗ 
nommen. Er bediente ſich ſolcher Schriften, die 
bisher vermauert geweſen. Erl. Pr. T. 2. O. 392. 
Beim Ludwig von Dequede will ich mich nie 
aufhatten. Man nennt ihn falſch de QAueden, 


rienwerder zu unterſcheiden. Sartk. A. 
Pr. S. 281. Dusb S. 130. Der Cudw 0 

Dequede iſt nie Landmeiſter in Preuf de 
Liefland geweſen, wie Herr Arndt 
Liv. T. 2 p 54, meinet: auch nicht De 
fer, wie Pr. Samml. B. 2. S. zı5 ſagen 
dern im Streit erwaͤhlter Hocmeifer g 

Von feinem Geſchlecht handeln die Hall 
wöchentlichen Anzeigen vom Jahr 175 N 0. 


830. 7 
e) Chr. Nertelblidt Rer Curl. Faſe. 1 
er Gruber Orig Liv p. 276. werd 
Urkunde unten beleuchten. Br 

d) Dies wird ſich aus dem folgenden zeigen. 


Tr | 
x 


| 


Hauch Of von Soheloe | 
eingefehloffen. Von 400 Soldaten kamen kaum 10 mit dem leben davon. Berle, 1244. 


79 


win blieb ſelbſt auf dem Platze. Die thornſche Beſatzung langte zur Unterſtuͤtzung 
zn ſpaͤt, doch zeitig genug an, um an der Niederlage Ancheil zu nehmen. Sie ſuch⸗ 
te ſich zwar, ſobald fie das bereits vorgegangene Ungluͤck ſahe, zurückzuziehen, wur 


de aber eingeholt und erlegt e). Suentepolk 
ſelbſt. zu den Waffen, legte Rüftungen der Männer an, und machte den 


mmer grif 


berennete Culm. Aber das Frauen 


Suentepolk glaubend, daß die Beſatzung noch zahlreich genug ſey, ſo daß er die Be 
lagerung auf hob 7). Weil er auch die übrigen eulmiſchen Einwohner zu keinem Ab⸗ 


fall bewegen konte, gieng er nach Cujavien, welches er gleichfals verwuͤſtete. 


Er 


kam abermals ins Culmer Gebiet mit 2000 Mann, und ſtellte neue Verheerungen 
an. Endlich uͤberſiel die Beſatzung von Culm die in Sicherheit zerſtreuete Pommern; 


und trieb ſie zuruͤck. 


Wenige kamen davon, weil der Sturm die Meichfelfäpne an 


das gegenſeitige Ufer geworfen hatte. Doch rettete ſich Suentepolk. Weil er nun 
alles bisher verſucht, feinen Sohn Meſtwin zu befreien, fo ward dieſer Prinz auf 


des Raben von Reden Rath dem Hlyoge von 


ich zur Verwahrung zuge⸗ 


Oeſterreich 0 
Der Orden bewarb ſich in Deutſchland, Boͤhmen, Schleſien und Po⸗ 
len um Huͤlfe. Der Hochmeiſter ſchickte den Poppo von Oſterna mit vier Ordens ⸗ 
Brüdern nach Preuſſen ab. Unterwegens zog er in Thüringen, Meiſſen und der 
Mark noch 6 Brüder mit ihrer Mannſchaft an ſich. Der Herzog Friedrich der 
Streitbare von Defterreich ſchickte auch 30 von Adel auf feine Koſten dem Orden zu 
Huͤlfe. Der Ruf vergröfferte die anzulangende Verſtaͤrkung, fo daß Suentepolk zu 


Veſthaltung des geſchloſſenen Friedens ſich erbot g). 


nicht ernſtlich den Frieden zu halten gedenke. 


Allein er zeigte gar bald, daß er 
Er fiel den Caſimir in Cujavien an, und 


gab auf die Vorſtellung des Ordens, ihren Bundesgenoſſen in Ruhe zu laſſen, die tros 
tzige Antwort, daß weder Papſt und Kaifer, noch fonft jemand, ſeine Waffen aufhal⸗ 


ten ſolle. Er erneuerte die Forderung: daß man ihm feinen Prinzen widergeben möch / 


* L, 

e) Der alte Marſchall ſtarb fir Gram. Die 
Gefangenen die dem Sieger nicht folgen konten, 
wurden niedergehauen. Martin Golin muſte fe; 

en, daß feine ſchwangere Schweſter mit ihrem 

e fo ums Leben kam, und hat ſich nachher 
oft gerächet. Um die Leute bey Muth zu erhal; 
ten, ſprengte man Wundererſcheinungen aus, die 

hun ſolten, daß alle Ordenskriegsleute, die im 
a gewiß in den Himmel gekom⸗ 


faſt alle Frauens ihre Männer einge⸗ 


buͤſt, ſo wurden ſie ſo kraͤftiglich getroͤſtet, als die 
Geiſtlichkeit ihnen ihre Bediente zu heirathen an⸗ 
befohlen. Um einen ſchoͤnen halliſchen Juͤngling, 
in den zwey ehrbare Frauenzimmer auf der Straf 
ſe ſich verliebten, entſtand eine Todtfeindſchaft. 


Dies kann aber nicht die Urſache der Vor⸗ 
rechte des Frauenzimmers ſeyn, die ſolches in der 


te 


culmiſchen Handveſte bekommen, da ſolche ſchon 
vorher gegeben war Sonſt ſuchte der Herzog 
durch einige culmiſche Buͤrger ſeine Geiſel zu⸗ 
ruͤckzubekommen. Doch der Comthur von Culm 
Johann Schervens oder Scherffer ließ ſolche 
bey Nachtzeit nach Fartewitz bringen. Dadurch 
ward des Herzogs Abzug beſchleuniget. 

9 Ohnerachtet wohl freilich damals kein neuer 
Friedensſchluß aufgeſetzt worden ſeyn mag, ſo 
glaube ich doch, daß die Nachricht von der ankom— 
menden Huͤlfe den Herzog wenigſtens bewogen, 
Verſprechungen zu thun, die er aber nachher nicht 
gehalten. Aus den Streitigkeiten des Vogts von 
Stargard Caſpar und ſeines Gehuͤlfen Johann 
Keibnitz mit den Huͤlfsvoͤlkern, deren Leo Hiſt. 
Pruſſ. L. 2. f. 83. gebenkt, ſiehet man wohl, daß 
Ae Huͤlfsvoͤlker wirklich angekommen ſeyn 

n. 


IT% 
e 
7 € 


1244. 


1245. 


0 dbl von Preuſſen. 

Man ſchlug ſolches ab, deswegen legte der Herzog das Schloß Banthier » al 
= da feine Beſatzung dem Orden ſehr beſchwerlich fiel. Der Orden wolte einen Br 
weis geben, daß er von des Herzogs fanden keine Eroberungen machen wolle, und übers 
gab aus dieſem Grunde dem Bruder Suentepolks Sambor, der es alſo mit dem Or⸗ 


den gehalten, oder doch parteilos geblieben ſeyn muß, die Veſtung Zartewitz. 3 


hatte aufs neue den Biſchof Wilhelm von Modena an alle Neubekehrte in 

fen, Lithauen und Liefland als feinen Botſchafter bevollmächtiget ; auch davon denen 
Einwohnern im Culmerlande und andern Deutſchen in Preuſſen Nachricht gege 
ben 1). Dieſer ließ jetzt uͤberall gegen Suentepolk das Kreuz predigen. Hingegen - 
ſuchte fich der Herzog durch Anlegung des Schloffes Schwetz zu ſichern. Der Orden 
wolte zwar nebſt dem Herzog Caſimir dieſen Bau hindern. Weil aber wegen hohen 
Waſſers die culmiſche Beſatzung nicht zu rechter Zeit anlangen konte, hatte Suente⸗ 
polk Zeit, den Ort mit einer fo ſtarken Beſatzung zu verſehen, daß alle Bemuhungen, 
denſelben den Pommern zu entreiſſen, fruchtlos ausfiel. Hingegen misgluͤckte auch 
der Anſchlag des Feindes aus Elbing. Der Orden hatte den gröften Theil der Beſa⸗ 
gung herausgezogen. Suentepolk machte fich deſſen zu Nutze, und ruckte vor dieſen 
Ort. Aber auch hier gieng das Frauenzimmer in Mannskleidung auf die Mauer, und 
brachte dadurch dem Herzoge die Meinung bey, daß an der Beſatzung kein Mann feh⸗ 
le. Er zog daher unverrichteter Sache ab. Der Orden fand im Gegentheil vor gut, 
den zwiſchen Culm und Stargard liegenden Potterberg oder 1 mit 3 
ee und einer Beſatzung von 40 Mann zu verſehen A). 


Nr 2 8 


Die Kreuzpredigten zeugten 1245 gute Wirkung. Der Orden befand ſich im 


eig fortges Stande, in des Herzogs Ländern gleiches mit gleichem zu vergelten. Beinahe hätte 
etzt 


man den Herren ſelbſt bey Gelegenheit einer Luft gefangen. Unter feinen Bedienten 
ließ einer bey aller Gelegenheit groſſe Furcht vor dem Ordensrittern blicken. Der Her 
zog machte ſich einmal das Vergnügen, dieſen Mann zu erſchrecken. Auf ſeinen Be⸗ 
fehl ſolte man waͤhrender Tafel das Gerichte ausſprengen, daß das Ordensvolk im Au. 3 
zuge ſey. Der hierzu beſtellte konte aber dieſe Nachricht mit Wahrheit bringen. 
Furchtſame glaubte ſie und entflohe. Die uͤbrigen lachten ihn aus, und büſten davı > 
ihre Freiheit ein. Kaum daß der Herzog ſich noch zuletzt mit der Flucht retten konte. 2 
Poppo von Oſterna hatte alle Sorgfalt angewendet, die Veſtungen mit allen! Be / 
dͤrfniſſen zu verſehen. Er ſchickte durch Conrad genannt Bremer Volker und Lebens 
mittel zu Waſſer nach Elbing, der ſich auch bey Zanthier durch Suentepolks Schif, 
fe, ohnerachtet einer dabey empfangenen Wunde glücklich durchschlug ' woben ei ; 


b) Ob dies die erfte Anlage dieſes Orts zu nen⸗ (e) Von dieſem Kriege handeln Dusburg On ** 
nen, iſt eine noch nicht ausgemachte Sache. Zen 3. c. 40-47, p. 139 · 149. Leo Hiſt. Pruſſ. 
81-82. Waiſſel Pr. Chr. S. 67. Schü. 

9 Die Urkunden ſtehen in AS, Borufl, T. 2. 1 27%. Micrälli Pommerland S. ar, 5 9 
p. 615. 620. Samml, B. 3. ©, 695 f. 


* 


* 
72 


Henrich Graf von Hohenlohe. 81 
feindliche Gefaͤſſe verſenkt wurden. Eben fo gieng es bey Zuruͤckkunft der Schiffe von 
Elbing, die der Bruder Friedrich von Wida anfuͤhrete, bey Schwetz. Ohnerachtet ein 
Ordenskahn auf den Sand zu ſitzen kam, ſo ließ doch der von Wida das darauf be⸗ 
findliche Volk auf das ſeinige bergen. Er ward zwar verwundet, aber der feindliche 
Anführer blieb, und Überhaupt hatten die Pommern von dieſem Angrif keinen Bor 


theil. Es hielt bey dem allen ausnehmend ſchwer, die nöchigen lebensmittel aufzutrei 
ben, da der Feind in Preuſſen und den naͤchſten polniſchen Landſchaften im vorigen 

Jahr nichts übrig gelaſſen. Doch half ein Cracauiſcher von Adel Jan Szandem 
jeski oder Sandomirski und einige andere Polacken dieſem Mangel ab. Sie brach⸗ 


ten an 300 Stuͤck Rindvieh, und eine Menge anderer bebensmittel nach Thorn. Man 
nahm ſie, auf ihr Begehren, vor dieſen groſſen Dienſt in den Orden auf, ohnerachtet 
ſchon bamals ſelten andere, als Maͤnner von deutſcher Abkunft, dazu gelangten. Det 


Bruder Jan oder Brat Jan foll nachmals Bretjen angeleget, und ſolches nach ihm 


benennet worden ſenn. Hierauf vereinigten ſich Poppo von Oſterna, und Herzog Ca⸗ 


ſimir von Cujavien. Es lief die Nachricht ein, daß Suentepolk fein tager bey 


Schwetz genommen, und anden Beveſtigungen dieſes Orts arbeiten ließ. Die ver⸗ 
einigte Macht grif den Feind bey Schwetz an, und brachte ihn mit einem Verluſt, 


der ſich über 1000 Mann belief, in die Flucht. Endlich langten nun auch eine groffe 
Menge Kreuzfahrer an. Der Herzog von Oeſterreich hatte ſeinem Truchſeß Dru⸗ 
ſiger die Anfuͤhrung derer Huͤlfsvölker, die er ſchickte, aufgetragen. Henrich ein 


Herr von Lichtenſtein befand ſich ebenfals unter den angekommenen Fremden. Nun 


ward 9 Tage lang Pommern verwuͤſtet. Suentepolk hatte ſich mit denen abgefal⸗ 


lenen Preuſſen vereiniget, und folgte dem Ordens volk auf dem Fuſſe nach. Weil er 
immer das lager bezog, welches die Ordensmacht verlaſſen, ſo konte er daraus auf die 
Stärke feiner Feinde ſchluͤſen. Er fand ſich mächtiger, und beſchloß einen Angrif. 
Er fiel erſt in das Gepaͤcke, wo man die zuſammengebrachte Beute hatte. Von der 


Bedeckung machte er 30 Mann nieder. Poppo ſchickte hierauf den Druſiger zur Uns 


terſtuͤtzung ab. Henrich von Lichtenſtein fiel wirklich die Pommern in den Ruͤ⸗ 
cken an, und nahm dasjenige ihnen wieder vom Gepoͤcke ab, was ſchon in ihre Hände 
gekommen. Suentepolk ließ hierauf drey Regimenter anrucken, und gab einem groſ⸗ 
fen Theil Befehl, wenn es zum Angrif käme, abzufigen, und die gegenfeitigen Pferde 


Ea mit tanzen todt zu ſtechen, weil ſodenn deren Reuter wegen der ſchweren Ruͤſtung 


nicht weiter fechten könten. Bey dieſen Anſtalten giengen die Polacken gleich durch. 
Es blleb von ihnen nur Herzog Caſimir und fein Faͤhnrich Martin von Crudewitz. 
Der von Lichtenſtein zog fich zum Hauptheer. Drufiger aber entfernte ſich noch vor 


Ausgang des Treffens nach Thorn, und erfüllete daſelbſt alles mit Schrecken. Aber 


auf Lichtenſteins Rath erwartete die Ordensmacht den feindlichen Angrif nicht. Sie 


gieng ſelbſt auf die Feinde los, und trieb solche nach einem Verluſt von 1500 erſchlagenen 


teuten und 1600 Pferden in die Flucht. Die Ordensbruͤder wollen auf ihrer Seite nur 
pP. allg. preuß. Gefch: 4 Th. 1 10 


uam 


1245. 


1245. 


1 


82 8 | Geſchichte von Preuſſen. 


10 erſtochene Pferde und einige leicht verwundete gehabt haben ). Suentepolk fing 


an ſich nach Frieden zu ſehnen. Auch auf Seiten des Ordens ſchien ſolcher nothwen⸗ 
dig, da man auf der lieflaͤndiſchen Seite ebenfals noch blutige Kriege zu führen hats 
te. Der Kalſer Friedrich 2 ſchenkte dies Jahr mit eben ſo viel Recht, womit er 
ſchon Preuſſen verſchenkt hatte, jetzt auch Liefland, Curland und Samaiten dem 
deutſchen Orden. Er erkennt darin den Henrich von Hohenlohe als Hochmeiſter, 
und giebt ihm groffe Lobſpruͤche n). Dieſer wolte ſich derſelben durch Eroberung der 


geſchenkten kande würdig machen. Es war hiezu nöthig, dieſe $änder von der preufs 


ſiſchen, und Preuſſen von der curlaͤndiſchen Seite angreifen zu konnen. Man 
machte hierzu einen Entwurf, den man nur gut ausführen zu konnen glaubte, wenn 
beide kaͤnder unter eines Statthalters Befehlen ſtuͤnden n). Es iſt ſolches bald darauf 


2 ins Werk geſetzt o). Man brachte es auch bey dem Papſt ſo weit, daß beide Lander 


Preuſſen und Liefland, unter einem einzigen Erzbiſchof ſtehen ſolten. Innocentius 4 
machte den bisherigen armachaniſchen Biſchof Albrecht zum Erzbiſchof beider käͤnder, 
und erlaubte ihm, den Sitz zu verlegen, wohin er wolte. Anfänglich hielt er ſich in 
Luͤbeck auf, verlegte aber nachher feinen Sitz nach Riga. Es iſt alſo nicht zu er 
weiſen, daß Culm jemals zum Erzbiſchofthum in Preuſſen gemacht ſeyn ſolte 50. 
Es wolte ſich zwar in dieſem Jahr der Gegner unſers Hochmeiſters Wilhelm von 


2 2 85 einiger Geſchaͤfte noch anmaſſen, konte aber gar nicht aufkommen D. N 


D Statt aller beziehe ich mich auf des Dusb, 
Chr. Pruff. P. 3 e 48-54. p. 149 156. Er hat 
zwar alles bey dem Jahr 1244 erzehlet, da aber 
der Krieg bis 1246 gedauret, fe geben die Uinſtaͤn⸗ 
de, daß dieſes, was wir jetzt angefuͤhret, ins 
Jahr 1245 gehoͤre. Wicraͤlius S 179. Schutz 


S. 27 29 


m) Denn wir finden bald andere Befehlshaber 
in Preuſſen 

1) Dies iſt eine Haupturkunde, wodurch Zen: 
richs von Hohenlohe Hochmeiſterihum ſowol, 
als die Zeit feiner Regierung bewiefen werden kann. 
Sie ſtehet in der Reichsfama T 23. S. 449. Der 
Orden hat ſie ſelbſt ans Licht gebracht. Sie iſt 


es, auf die man ſich im Gelehrt. Pr. T. 4. O. 196 


198 beruft Siehe Pr. Samml. T. 2. S. 198 
und 708. Der Kaiſer ſagt darin: Confidentes 
de prudentia eiusdem Henrici de Hobenloe), 
Magiſtri, quod homo ſit potens opere et ſer 
mone et per ſuam et fratrum ſuorum inftın- 
tiam potenter incipiat et pro conquifitione ter- 
rarum ipfarum viriliter proſeiſuetur nee deſi- 
ſtet invtiliter ab inceptis, ſient plures, multis 
laboribus in eodem negotio fruſtra tentatis 
tum viderentur proficere, defecerunt. 

0) Man iſt bisher wegen der Reiſe der preuſ 
ſiſchen Landmeiſter fehr verlegen, und man wird 


richtung Erzbiſchof beider Länder ſeyn fo 


ten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter. ©: 


Br 


nimmer fertig werden, wenn man 5 ds e er; 
wegt, was um dieſe Zeit, um Preuſſen 1 
Lieffand mehr zu vereinigen, im 9 
gangen. Ich will mich an die Urkunden 
p) Hartk. in der Pr. Kirchenhiſt. S. 161. 

Acta Boraſſ. T. 2. p. 622. meinen zwar, 
der Papſt den Biſchof Heidericum von Cult 
zum Erzbiſchof gemacht. Allein es iſt ſolches um: 
erweislich, und hat ſich auch diefer Heidericus nie 
anders als blos einen Biſchof geſchrieben. Aus 
Zuſammenhaltung der preußifchen und lie 
diſchen Urkunden aber bekommen wir Licht. 

war der ehemalige armachaniſche nachherige lu 9 
beckſche Biſchof Albert, der nach der erſten Ein- 


der nachher ſeinen Sitz nach Riga verlegte. 5 
Poruſf T. 2. p 624. ſtehet die Ehe uns 
de. Sonſt handeln von dieſem Erzbischof die Kits 
kunden in Act Boruſſ. T. 2 p. 623 Grubers O 
Liv. p. 214 277. 278 279. Arndt Leben unde 


Nerreſbladt Rer. Curl. Faſe. „ p.150. R deinale 
Ann. T. 13. p.559. No. 29. p. 570. No.: 
p. 13 No. 64 Lindenbrog Ser. Sept. p 
9) Dies erhellet aus einer merkwe - 
kunde beim Eruler in Orig. Liv. p. x 
aus Herrn Nettelbladis Rer. Cut Pal c. 1. p. 14 


i 


Hauch Gf dan Hebe. 5 


en b f $ 44. ; N 
Well aber vor allen Dingen der Friede mit Sventepolk beendiget werden mu⸗ . 
fe, und dem Herzoge, wegen ſeines erlittenen Verluſts; dem Papſt, der damals beendiget. 
die Ruſſen zum Papſtthum zu bringen ſuchte; dem rden, der das groſſe Werk der 
Eroberung weiter treiben wolte; und denen Kreuzfahrern, welche ben damaligen truͤbſeligen 
Zeiten aus Deutſchland nicht lange abweſend ſeyn konten, am Frieden gleich viel gelegen fo 
arbeitete alles an dieſer heilſamen Sache. Der Papft Innocentius 4 batte den Opiz⸗ 
zo, Abt von Meſſana, den Frieden zu vermitteln, als feinen Bochſchafter abgeſchickt, 
und demſelben in denen Verhaltungebefehlen aufgetragen, daß, wenn er die ftreitigen 
Theile nicht vereinigen konte, er ſolche nach Rom vor Gericht laden ſolte 7). Der 
Hochmeiſter fand fo wenig als Sventepolk für dienlich, dem paͤpſtlichen Stul das 
Richteramt zu uͤberlaſſen. Henrich von Hohenlohe erhob ſich daher ſelbſt 1246 nach 
Preuſſen 5), und da beide Theile zum Frieden nicht abgeneigt, ſo kam derſelbe bald 
zum Stande 7). Man nahm den Herzog von Oeſterreich Friedrich den ſtreitbaren 
zur Mittels perſon an. Pommern gelobte, zu Ausrottung des Hetdenthums in Preuſ⸗ 
ſen beförderlich zu ſeyn, und erhielt, allem Vermuthen nach, die Veſtung Zartewitz 
wieder. Der Herzog ward vom paͤpſtlichen Bothſchafter des Bannes entlediger, in 
welchen ihn der vorige Geſandte Wilhelm, Biſchof von Modena, erfläret hatte. Er 
muſte aber noch feinen Sohn Meſtwin, als Geifel dieſes Friedens, in den Händen 
des Ordens laſſen z). Nun zeigte ſich der Hechmeiſter in Preuſſen als regierender 


1 ůů— 


| | 
| 


* 
genommen. Er nennt ſich da: nos Frater Wil- 


belmus de Vrenlach Ordinis Fratrum Hofpitalis 
bestae Mariae Teutonieae Magiſter Ceneralis - 
Datum Venetiae anno Domini, milleſimo du- 
centeſimo vicefimo tertio nonas Maii in Capitu- 


Jo noſtro generali coram Praeceptoribus noſtris 
Fratre Helmerico, Caſtellano de Srerkenberg, Fra 
tre Hermanuıo Marfchalco ordinis et Fratre Corn- 
nero Commendatore Confluentise, ceterisque 
Confratribus noſtris, ad hoc fpecialiter requifi- 
ts. In cuius rei teſtimonium ſigillum noſtrum 
appendi fecimus huie ſeripto. Urenbach nennt 
ſich hier ausdruͤcklich Hochmeiſter, halt zu Vene 

Capitel, und hat wenige Zeugen. Daß die 
nr falſch, und diefe Urkunde vor 1245 nicht 


aucsgefertiget ſeyn kann, zeigt Herr Gruber dar⸗ 


aus, weil in derſelben der Verſetzung Henrichs, 


Biſchofs der Semgallen, zum VBiſchof von Cur 


and erwähnt iſt, dieſes aber vor 1245, nach den 
rkunden, nicht geſchehen. 
) Dusburg p. 158. Bzonii Ann T. 13. n. 18. 
ıymaldus T ı3 p. 151. 152. no. 91 92. 
Er iſt vielleicht der erſte Hochineiſter, der 


berſonlich nach Preuſſen gekommen. 


geror⸗ 


7) Es iſt Schade, daß die Friedensurkunde nicht 
bekandt iſt, weil man daraus die hochmeiſterliche 
Wuͤrde Henrichs nothwendig wahrnehmen wurde. 

1) Waiſſel S. 73. Pr. Samml. T. 3 p 705. 
*) Man hat Hofnung, daß die Urkunde ganz 
bekandt gemacht werden ſoll. Pr. Samml. T 3. 
p 7% Ein Auszug aus der Grundſprache ſte⸗ 
het im Hartknoch A. u. N. Pr. S. 282. und in 
Seyler Orat. Scculari de 1737. Eine deutſche 
Ueberſetzung aber findet ſich in Pe Samml. T. 2 
p. 30 f. und eine andere in Pr. Samml. T. 3 
p 744. Es giebt dieſe Urkunde einen ſtarken Bes 


Herr. Er gab der Stadt Elbing ihre erſte Sandpefte x), und erlaubte dem Predi⸗ 
90 a 12 N 


weis von Henrichs Hochmeiſterſchaft. Es haͤngt 


an der Urſchrift das groſſe hochmeiſterliche Siegel, 
das von dem Landmeifterfiegel ſehr ver ſchieden iſt. 
Exl. Pr. T. 2 p. 5 [10 . Es haben die Hech⸗ 
meiſter Luderus, Herzog von Braunſchweig, 
1334, und Conrad von Ebrlichs hauſen 1442 dies 
fe Handveſte beſtaͤtiget, und darin den Henrich 
von Hohenlohe ihren Vorfahren in dem Hoch⸗ 
meiſterthum genannt. Hartknoch A. u. N. pr. 
in Add. p. 282. Venator e 3 p. 40 will zwar noch 
Zweifel machen, weil Henrich hier Miniſter hu» 
milis heiſt. Aber Herr Hanſelmann hat darauf 

. g fuͤrtreſ⸗ 


7 


84 SGSoeſchichte von Preuſſen. 

1246. gerorden, daſelbſt eine Kirche und Kloſter zu bauen )). Er mag noch mehrere Re⸗ 
gierungsrechte in Preuſſen ausgeuͤbet haben 2). Vor feiner. Abreiſe aus Preuſſen 
ſchritte man dem Entwurf näher, wodurch ſich kuͤnftig Preuſſen und Liefland beſſer 
unterſtͤͤtzen ſolten. Er nahm den bisherigen kandmeiſter von Preuſſen, Poppo 
von Oſterna, nach Deutſchland zurück, und ernannte den Dietrich von Gruͤnin⸗ 
gen zum Statthalter von allen Ordenslaͤndern an der Oſtſee, folglich in Preuſſen ſo⸗ 

; wol, als Liefland, der nach Liefland abgieng a), und indeffen in Preuffen Unter ⸗ 
melſter verordnete. Der erſte war Henrich von Wida, der zwar vermaͤlt geweſen, 
aber beide Eheleute lieſſen ſich ſcheiden, worauf der Mann in den deutſchen Orden ge⸗ 
treten, die Frau aber eine Nonne geworden war 5). Der Hochmeifter hingegen kam 

2247. nach Deutſchland zuruͤck, und befand ſich 1247 gewiß zu Mergentheim ). 


F. 45. 7 


Der krieg Henrich von Wida hatte eine anſehnliche Macht aus Deutſchland mit nach 
mit Pom Preuſſen gebracht. Einer feiner Vettern führte auch so Helden in dies fand, weh 
een 7 che als det Kern der beſten Kriegsleute gelobt werden d). Mit diefer Macht rückte der 
und wird wie-Untermeiſter in die Landſchaft Pomeſanien vor ein Schloß, das Sventepolk im vor 
der beigelegt. rigen Kriege angelegt, jetzt aber von abgefallenen Preuſſen beſetzt war. Es ward in 

der Chriſtnacht überrumpele, und deswegen Chriſtburg genannt. Alt- Chriſtburg 
heiſt es zum Unterſchied eines andern Schloſſes gleiches Namens, das ſpaͤter ang egt ‘4 
iſt e). Die deutſchen Huͤlfsvölker halfen auch das Culmer Schloß auf eine begue, 
mere Stelle bauen F). Herzog Sventepolk ward wieder eiferſuͤchtig. Im vorigen 
Frieden waren noch einige Punkte auf guͤtliche Unterhandlungen ausgeſetzt. Hiezu kam 


das Verlangen des Herzogs, feinen Sohn in Freiheit zu ſehen, worin der Orden, 5 


fürtreflich geantwortet, und Venators Übrige Zwei⸗ 
fel hat Hariknoch l. e in add. p. 281 gehoben! In 
dieſer Urkunde iſt noch Poppo von Oſterna als 
Landmeiſter in Preuſſen angefuͤhret. 

) Senrich bedienete ſich dabey des hochmeiſter⸗ 
lichen Namens und Siegels, de Dreger le p. 254. 
Hanfelmann l. c. Beilagen No. 268 S. 577. 

2) Hartknoch A. u. Pr. Addend p 282 
2) Dietrich von Gruͤningen, der mit Eon: 
rad, Landgrafen von Thüringen, zugleich in 
den Orden getreten, und ſchon 1240 zum Land⸗ 
meiſter von Liefland beſtimmt war, iſt wirklich 
ſeit dieſem Jahr des Hochmeiſters Statthalter in 
Preuſſen und Liefland geweſen. Dies bezeugen 
die Urkunden von 1246 in Gruber Orig. Livon, 
p. 276. Nerrelbladt Rer. Curl Faſe. 1 p. 148. 
wo falſch das Jahr 1245 angegeben iſt. Arnd l. e. 
p. 40. Im Jahr 1249 in 4e Dreger I. e p. 286. 
120 Ada Boruſſ. T. 2 p. 623. denn 1251 Ray- 
naldi Ann. T. 13 p 605. no. 7. endlich 1254. Ibid. 
T. 13 p. 641. no. 29. 


* 2 sd 5 
5) Er war entweder aus dem Geſchlecht der 
Voͤgte von Plauen, oder von denen von Weide, 
die, wie ich glaube, annoch im Solſteiniſc 
und Mecklenburgiſchen bluͤhen. Er wird 
Vice Magifter Pruſſiae genannt, wie ſolches ı 
ten vorkommen wird. Vielleicht war ihm 
Gemalin untreu worden. Pr: Samml. T. 2 p. 
Man leſe von ihm Dut b. P. 3. e. 36 p. 138. 


c) Es wird feiner namentlich als 
gedacht in einer Urkunde in Han 
p. 78 

d) Dusburg Chr p. 158. 

e) Ibid p. 159. Schnts p. 29. b. 

) Dusburg p. 159 ſchreibt dies einem 8. 
von Antlat zu, andere nennen ihn von An 
Anlardt. Ich weiß nicht, wer ſolches anders gen 
fen ſeyn kann, als der Probſt von Lebus, Fürft 
Magnus von Anhalt, Senrichs ı Sohn, der 
ſich gegen den Orden ſehr freigebig bewieſen. Bit 
mann Hiſt. von Anhalt S. 328. . 


— 
* 


Ir 


U 


\ 


ida auf einer Weichſel⸗ 
inſel mit ihm hatten, ohne Frucht aus. Sventepolk grif daher aufs neue zum Degen. 
Erſt erfolgte ein Einfall in das fand Caſimirs, Cujavien, der noch immer mit dem Or⸗ 
den im Bunde ſtand. Sodenn kam der Herzog nach Pomeſanien, und verelnigte ſich mit 
den Preuſſen, die den Glauben verleugnet hatten. Die Vereinigten ruͤckten vor Alt⸗ 
Chriſtburg, und machten dagegen einen doppelten Angrif 2) Mit dem einen Theil 
ſtuͤrmte der Herzog den Ort, und als die Beſatzung dieſem Angrif zu begegnen ſich be⸗ 
muͤhete, ward indeſſen auf der andern Seite das Schloß erſtiegen, wobey alles Or⸗ 
densvolk niedergehauen ward. Der Papſt hatte von dieſem neuen Kriege kaum Na 

richt erhalten, als er ſchon den Jacob Pantaleon, einen Archidiaconum von Luͤt⸗ 


tich, der nachmals unter dem Namen Urban 6 den päpftlichen Stul beſtieg, als Boch⸗ 


ſchafter in dieſe Gegenden, um das ausgebrochene Kriege feuer zu dämpfen ſchickte Y). 
Henrich von Wida wolte ſich aus Pomeſanien nicht verdrängen laſſen, und legte 
daher ftart Alt⸗Chriſtburg 1248 Neu⸗Chriſtburg an, und belegte es mit einer Bes 


8 ſatzung „deren Frömmigkeit die Geſchichte preifen 1). Der Herzog Sventepolk, dem 


die Johanniterritter beiftanden A), beredete zwar die abgefallene Preuſſen, den Ort 
zu belagern. Da aber ihr Vorderzug geſchlagen, entwichen die uͤbrigen. Svente⸗ 


polk batte ſich bey Zanthier gelagert, und ſchickte ebenfals einige Völker gegen Chriſt⸗ 
urg ab, die aber auch flüchtig werden muſten. Sie brachten in ſein lager folche 


icht, daß ſich die Pommern hoͤchſt uͤbereilt zuruͤck zogen, wobey fie vieles litten J. 
ies noͤthigte den Herzog, einen Frieden zu verlangen, den der paͤpſtliche Bochſchaf⸗ 


ter vermittelte m). Datinnen 1) ward beliebet; 1) daß Sventepolk den gröften Theil 
der Mehrung mit allen Nutzungen haben; 2) den Strich, Veſtung und Stadt Pin 
dem Orden auf ewig zurück geben; 3) von den Ordensunterthanen, auſſer dem Weich⸗ 


ſelbruͤckenzoll/ durch alle feine Lande keine Abgaben fordern; 4) auch vom Bruͤcken zoll 
die Sachen, die den Rittern eigen zuſtuͤnden, als Herrengut befreien; 5) dem Wilde 
auf der Mehrung das Uebertreten in des Ordens Waͤlder nicht verwehren; 6) dem Or⸗ 
den und ihren Unterthanen frey ſtehen ſoll, ſich und ihre Sachen überall und ungehin⸗ 


| Henrich Graf von Hohenlohe. m 7 
ner Sicherheit wegen, nicht willigen wolte. Es fielen Au Zuſammenkuͤnfte, die 
ſowol Henrich von Lichtenſtein, als auch Henrich von 


1247. 


1248. 


dert auf Kaͤhnen uͤber die Weichſel zu fahren; von Zanthier an folte die Weichſel 


: die Grenze beiderſeitiger Staaten ſeyn; 8) beiderſeitige Gefangene werden ohne töfegeld 
freigelaſſen, die aber in den Händen der kehnleute fich befinden, ſollen gegen töfegeld 


9) we⸗ 


Dusb. p 161. 162. Schüz f. 29 b. mn) Der Entwurf des Friedens vom paͤpſtlichen 
2 8 Ray naldi Ann. T. 13 p. 569 no 25, Was Vothſchafter ſtehet in Act. Bor T. 2 p. 713. 
über das Amt dieſes Botſchafters vor Streit ig, ö 0 
ſtehet in der Pr. Samml. T. 1 p. 6 Er war ) Der Friedens ſchluß ſelbſt ſtehet in Act. Bor. 
Archidiaconus von Lüttich, und nachmals von IT. 2 p. 713 und de Dreger p. 270. Senrich 
&aon. Act. Bor T. 2 p. 328. 2 von Wida heiſt darin richtig allemal Vicemagi⸗ 
) Dusb. p 163 und 164. ſter. Man kann aus dem Frieden beiderſeitige 
*) Samml. II. p. 155: 359.363 III p. 748. Forderungen gegen einander und ihrer Bundesge⸗ 
DE . 164. Schütz p. 30. noſſen darin lernen. 


losgelaſſen, und was zu leibeigen gemacht, gegen Erlegung der Gebuͤr befreiet werden; 
Er | 43 


—ů—ů— 


i 248 


Ende des 


krieges mit 
den abgefalle⸗ 


85 S ͤeſichte von Preuſſen. 


9) wegen des Schloſſes Wiſſegard, das jezt der Herzog Caſimir von Cujavien ber 


fest hielt, wolt Sventepolk keinen Anſpruch an den Orden machen; dieſer aber ſeine 


darauf habende Rechte, wenn es die Pommern zuruͤck befämen, dem Caſimir nicht 
abtreten; doch folte dem Orden frey ſtehen, bey der Wahrheit zu bleiben, wenn eis 
Hoher ihn zum Eide triebe; 10) alle verurſachte Schäden werden gegen einander aufs 


gehoben; 11) jeder Theil will des andern Beſtes treulich zu befördern ſuchen, und den 


andern für Schaden warnen; 12) Sventepolk ſagte aller Verbindung, wie die Nas 


men haben, mit den Abgefallenen und Heiden ganzlich ab; 13) alle kuͤnftige Irrungen 


ſolten guͤtlich durch Schiedsleute erörtert werden. Jeder Theil ſolte einen, und die 
zwey gewahlte den dritten wählen: wenn man aber über dieſen dritten ſich nicht einl⸗ 
gen, oder dieſe drey über einen gemeinſchaftlichen Spruch ſich nicht vergleichen konten, 
p folte der Papft Obmann ſeyn; 14) dieſer Friede fol gültig bleiben, wenn gleich Sven⸗ 

epolk mit feinem Bruder Sambor und dem Herzog Caſimir, nebſt dieſes Brüdern 
Przemislav und Boleslav, nicht gutlich auseinander kommen konte; 15) dem Or⸗ 


den bleibt frey, ſich der Polacken anzunehmen, auſſer wenn der Herzog die Streitig · - 


keiten guͤtlich ausmachen wolte; 16) beide Theile ſolten den Frieden beſchwdren; 17) wer 
davon abgienge, ſolte dem andern Theil 2000 Mark erlegen, und doch alles erfüllen, 
was in dieſem Frleden enthalten; 18) Sventepolk ſolte auf das fand Luſania, wor⸗ 


in Pin belegen, Verzicht thun, und dem Orden nichts ſchaden, daß er ihre Verſchrei⸗ 


bung, worin ſolches auf Zeitlebens abgetreten, noch in Händen hätte; 19) der Orden 
ſolte Meſtwin, des Herzogs Prinzen, der ſechs Jahr bey den Marianern als Geis 


ſel geweſen, auf freien Fuß ſetzen; 20) doch ſolte dieſer Prinz geloben und ſchwören, den 


Frieden unverbruͤchlich zu halten; 21) beide Theile ſolten diefen Frieden unterſiegelu, 


und hiebey von Seiten Sventepolks fein Siegelring mit aller Guͤltigkeit gebraucht wer⸗ 


den, da er das runde Petſchaft, womit er ſonſt Sachen, die nach Rom gekommen, 


zu ſiegeln gewohnt, nicht bey der Hand haͤtte. Von dieſem glücklich geſchloſſenen Sri 


den ward der Hochmeifter, der in Deutſchland ſich aufhielt ), ſowol, als deſſe 


Statthalter in Preuſſen und Liefland, Dietrich von Gruͤningen 5), benachrichtiget. 


5. 46. 


mit Nachdruck zu fuͤhren. Henrich von Weida gab 1249 dem Marſchall Befehl, 


Mun befand man ſich im Stande, den Krieg gegen die abgefallenen Preu n 


nen Preuſſen. mit einigen Völkern, wozu die Beſatzungen von Elbing und Balga ſtieſſen, einen 


1249. 


Einfall in Matangen vorzunehmen. Der Feind verlegte demſelben aber mit einer fo 


groſſen Macht den Ruͤckzug, daß der Marſchall mit feinem Volke ſich in den Ort Crucken . 2 
werfen muſte. Hier ward er belagert. Der Untercomchur von Balga, Johann 


von Sinnenberg, rieth, daß man ſich durchſchlagen ſolte. Allen übrigen fehlen dies 


0) Seiner wird als Hochmeiſter dies Jahr gedacht in einer Urkunde beim Herrn Sanſelmann 


I. c. p. 359. - > 
) Von deſſen Thaten in Liefland, Curland und Lithauen kann ich hier nicht handen 


zn 


— 


1 


Henrich Graf von Hohenlohe. 87 
zu verwegen. Man entſchloß ſich, wegen der Uebergabe Unterhandlungen anzuſtellen. 
Sie kamen zum Stande. Der Marſchall Henrich Botel und drey andere Brüder 
wurden Geiſel bey den Preuſſen, welche der übrigen Beſatzung einen freien Abzug 
verſprachen, aber nicht hielten. Sie hieben 54 Brüder mit aller ihrer unterhabenden 
Mannſchaft nieder. Der Unnterbefehlshaber in Balga kam hiebey ebenfals ums le⸗ 
ben. Einer der Ungluͤcklichen ſtarb eines entſetzlichen Todes. Man ſchnitte ihm den 
Nabel aus, nagelte denſelben an einen Eichbaum, und zwang den Ungluͤcklichen mit 
Schlaͤgen, ſo lange um den Baum herumzugehen, bis ſein Eingeweide um den Baum 
gewickelt war. Der Marſchall ward am beben gelaſſen J). Dies Ungluͤck hätte meh ⸗ 
rere Folgen haben konnen, wenn nicht zum Gluͤck Huͤlfe aus Deutſchland angelanget 

wäre 7). Der Marggraf Otto der Fromme von Brandenburg, der Biſchof Hen⸗ 
rich 10 von Merſeburg und Henrich Graf von Schwarzburg langten mit einer 
ziemlichen Macht in Preuſſen an, und verheereten das Sand weit und breit )). Die 
abgefallene Pomefanier, Ermlaͤnder, Natanger und Barten ſahen ihren Unter 
gang vor Augen. Sventepolk, der fie angehetzt, hatte fie verlaffen. Er beftäcigee 
ſogar den im vorigen Jahr geſchloſſenen Frieden. Der paͤpſtliche Bothſchafter bot de 
nen Abgefallenen noch jetzt annehmliche Bedingungen an. Dies beſtimmte fie, durch 
Vermittelung des Jacobs, mit dem Orden Frieden zu ſchluͤſſen. Sie unterwarfen 
ſich den Marianern aufs neue, und erhielten dagegen gute Bedingungen und Rechte. 
Man verſprach ihnen, daß auch die preußifche von Adel in den deutſchen Orden auf 
genommen werden könten. Allen ward das Eigenthum des Ihrigen verſichert, die N 
Erbrechte eingerichtet, die Rechtmäßigkeit ihrer Heiraten und die Freiheit ihrer Kim 
der beſtaͤtiget, und ihnen nach polniſchen Rechten zu leben erlaubet. Nur war der 
Orden zugleich beſorgt, daß andere geiftliche Orden nicht gar zu viele Güter in Preuſ⸗ 
ſen erwerben möchten 1) Hieraus laͤſſet fich ſchluͤſſen, wie hart bisher der Orden mit 
den Preuſſen verfahren ſen. f a 


1249. 


En; 2 1 
Der Orden hatte bisher dem heiligen Ludwig, Könige von Frankreich, fo gute Der hochmei⸗ 


Dien⸗ ſter Henrich 
/ von Hohenlo⸗ 


. Dusb. p. 165. 166. Pr. Samml. T. 2. p. 78. 
Waiſſel p 75., Schurz p. 30 31 Henneberger 
p. 244 Der Marſchall kommt noch 1260 vor. 

r) Maiſſel p. 76. Dub. p. 168. Schütz p. 31. 

de Ludwig. Reliqu. T 4 b. 307. 

Im Duab. ſteht unrichtig Sitarsburg. 
1 Friedensſchluß ſtehet lateiniſch in de 
Dreger S. 287, wo er am allerrichtigften vor⸗ 
kommt. Im Dus b. ©. 463. Im Arco S. 86. 
Eine deutſche Ueberſetzung in Hartknochs Kir⸗ 
cheungeſchichte S. 36. Pr. Samml. T. 1 p. 621. 


Noch einer Meberfegung Hennebergers gedenten 


Pr. Samml. T. 1 p. 771. Siehe auch Gel. Pr. 
B. 4. St. 4. S. 206. Faſt alle dieſe Abdruͤcke 
ſind in der Unterſchriſt ver ſchieden. Aus der be⸗ 


1 
W 


* 


ſten Ausgabe bey von Dreger und Dusburg heiſt 
es: Frater Hermannus Vicemagifter dicte do- 
mus in Pruſſia - fidem dedit - Quia vir re- 
ligioſus frater Leodoricus Magifter dicte domus 
in Pruſſia preſens non erat, ſigillis prefati Vi- 
cemag ſtri det Commendatoris in Balge et Hen- 
riet Morſehalei dicte domus in pruſſa fecimus 
roborari. Wer damals Hochmeiſter geweſen, laͤſt 
ſich aus dieſer Urkunde nicht erſthen Der eigent⸗ 
liche Statthalter von Preuſſen war Dietrich von 
Gruͤnigen, Marſchall Henrich Botel. Wer war 
aber Unterſtatthalter? Er hieß entweder ſchon 


Hermann, oder in der Urkunde hat blos H. ges 


ſtanden, welches Zenrich von Weida heiſſen ſol⸗ 
te, woraus die Abſchreiber Jermann gemacht. 


88 Geſchichte von Preuſſen. 5 


1250. Dienſte geleiſtet &) / daß ſolcher demſelben 1250 erlaubte, an die vier Ecken des boch; 
he gehet mit meifterlichen Kreuzes die franzöſiſchen Lilien zu ſetzen )). Der Hochmeiſter ſchickte 


tode ab. 


1251. 


1252. 


1253. 


den Dietrich von Gruͤningen wegen mancherley Angelegenheiten nach Rom. Son⸗ 
derlich hatten die Streitigkeiten des Ordens mit dem neuen Erzbiſchof von Preuſſen 
und Liefland, Albrecht, dazu Gelegenheit gegeben 2). Dietrich wuſte fich bey dem 
Papft ein groß Vertrauen zu erwecken, und weil er ſich ſonderlich im Deutſchen nett 
und beredt ausdrucken konte, ſchickte ihn der Papſt 1251 mit dem Jacob Pantaleon 
nach Deutſchland, um die dem Könige Conrad 4 geneigte Fuͤrſten auf Wilhelms 
von Holland Seite zu lenken a). In feiner Abweſenheit ftellte Eberhard von Sey; 
ne in Preuſſen des Hochmeiſters Perſon vor, und erneuerte daſelbſt, nebſt ſeinem 
Untermeiſter Ludwig, die berufene culmſche Handveſte 0). Weil nunmehro auch 
daſelbſt die Ruhe wieder hergeſtellet worden, fo errichtete der Biſchof Heidenricus von 
Culm die Domkirche in Culmſee c), und der Biſchof Anshelm von Ermland ver 
glich ſich wegen einiger gemeinſchaftlichen Wieſen, wegen der Schulen, der Hoſpltaͤler 


und der elbingſchen Muͤnze mit dem deutſchen Orden d). Die Marianer wurden 


durch die Bekehrung des lithauiſchen Fuͤrſten Mindowe nicht nur 1252 einen groffen 
Feind los, ſondern erhielten nachher durch denſelben groffe Vortheile e). Wegen Mies 
melburg und dortiger Gegend ſowol, als der memelſchen Minze verglichen fie ſich 
mit dem Biſchof Henrich von Curland, durch Eberhard von Seyne ). Mit 
Pommern ſchien die Freundſchaft dauerhaft zu werden, weil nicht nur Herzog Sam / 
bor 1253, wegen vieler vom Orden erhaltenen Gefälligfeiten, demſelben die Inſel 

Bern zwiſchen der alten und neuen Weichſel ſchenkte g), ſondern auch Herzog Sven 
tepolk ſelbſt verſprach, den vorigen Frieden zu halten. Der Herzog machte ſich an⸗ 
heiſchig, daß, wenn er den Frieden brechen würde, fo wolte er nicht nur die 20 
Mark Strafe erlegen, ſondern auch alles ſein Recht an die Stadt Danzig an den Or / 

den abtreten. Schon damals dachten alſo die Marianer, den Beſitz dieſes Orts zu 
bekommen. Soentepolk verglich ſich zugleich, daß alle in beiverfeitigen ändern ver⸗ 


&) Raynald. T. 13. Ann. p. 598. no. 24. 
) Henneberger p zög. Hartknoch A. u. N. 
Pr. S. 258. Pr. Samml. T. 2 p. 27. Schürz 


* 2. 

5 5 Ada Borufl. T. 2 p. 623. Arnd p. 49. 
Duellius P. 2 p. 10. 
) Raynald. T. 13 Ann. p. 605. no. 7. 

bj Harrknoch \ e. p. 665. Dusb. p. 453. Priv. 
Pruſſ. f. 1. Erl. Pr. T. 2 p. 30 und 753. Er 
heiſt: Frater Eber hardus dictus de Seyne, Prae- 
ceptor domus S. Mariae Teutonicorum per Ale- 
manniam, et Vicegerens Magiftri Generalis per 
Liuoniam et Prufiam. Er war alſo eigentlich 
Deutſchmeiſter. Ob ihn gleich Herzogs Elſ. 
Ehr. S. 204 ausläſſet, fo bemerken ihn doch rich⸗ 
tig als Deutſchmeiſter die marpurgiſchen Bei⸗ 
träge St. 4 S. 173. Wenn er die Stadt Me⸗ 


mel 1250 angelegt hat, fo muß er gleich auf Die⸗ 


trich von Gruͤningen in Liefland gefolgt ſen, 


und der Kudovicus Prouilor Pruſſiae iſt nur 
ra % Pete geweſen. . 3 a 
c) A oruſſ. T. 2 1. VER 
d Dregee.©. 331. Fig ER a6 ( 
e) Davon muß die lieflaͤndiſche Geſchichte 
mehr lehren, worauf ich mich nicht einlaſſen kann. 
Mindowe ward ſogar zum Koͤnige gemacht, und 
der Biſchof Henrich von Culm half ihn kroͤnen 
Arnd p. st. i W a 
F) Ibid. 5 ea We 
g) de Dreger p. 341. Herr von Dreger meint 
zwar, die angezogenen Zeugen wären Johan 
territter geweſen, aber wenigſtens iſt vom 8 
drich von Wildenberg gewiß, daß er im deut 
ſchen Orden wichtige Aemter bekleidet hat. 


= 


a, Poppo von Oſterna. 89 
urſachte Schäden gegen einander aufgehoben ſeyn ſolten. Wuͤrbe aber der Biſchof von 
Cujavien an den Orden Anforderungen machen, fo ſolte ſich der Herzog darein nicht b) 
miſchen. Eben dieſen Frieden beſchwor zugleich der pommeriſche Prinz Meſtwin. 

Nun ward der Krieg gegen die uͤbrigen noch unbezwungene Preuſſen beſchloſſen 1). 

Die Einwohner des Landes Polexia wolten eine gewaltſame Bekehrung nicht abwar⸗ 
ten, und wolten ſich dem Herzog Caſimir von Cujavien unterwerfen. Der 
Papſt willigte darein, woraus nachmals groſſe Streitigkeiten erwachſen find A). 

Es erlebte aber der Hochmeiſter Henrich von Hohenlohe die fernere Eroberung von 
Preuſſen nicht, ſondern ſtarb, und ward zu Mergentheim begraben. Nur iſt uns 
ter den Schriftſtellern über die Zeit feines Todes ein Streit )). 
(ur > §. 48. 0 
Poppo von Oſterna, ein fraͤnkiſcher von Adel, deſſen Stammhaus nachmals Ihm folgt in 
an das Burggrafchum Nuͤrnberg gekommen, war ohne Zweifel ſchon im raten Jahr; er 
hundert geboren m). Er trat in den deutſchen Orden, und kommt ſchon 1239 als Poppo von 

Bruder deſſelben vor. 1240 ward er als kandmeiſter nach Preuſſen geſchickt, von da Oſterna. 

er 1241 gegen die Tartarn nach Schleſien zu Felde gieng, aber in der blutigen Schlacht 

. bey Wahlſtadt noch das beben rettete. 1244 führte er Huͤlfsvölker nach Preuſſen, 

und unterſchrieb 1246 noch als kandmeiſter Urkunden. Selt dieſer Zeit aber überließ 

er dieſes Amt andern 7), bis er, nach des Henrich von Hohenlohe Tode, zum Hoch⸗ 

1 neiſter erwaͤhlet iſt. Vielleicht war er mit po niſchen Herzogen verwandt, und 

- ihm hiedurch der Weg zu dleſer erhabenen Würde erleichtert o). 

W 9. 409. t 1 

| unter ihm ward der gefaßte Entwurf, Samland zu bezwingen, und ſich einen In Preuſ⸗ 

Weg nach Curland zu öfnen, ins Werk geſetzt. Henrich Stange, Comthur 3 die 

Chriſtburg, erhielt im Winter Befehl, auf Samland einen vorläufigen Verſüch zu ana 

wagen. Er brach in die Gegend, wo nachher Lochſtaͤdt erbauet iſt, ein, und legte werden. 
W f alles 


1253. 


Ge ac ie — 
„ 


— 7 2) "Ada Boruſſ. T. 2 p. 724, 


1) Dusb. p. 169. 

Rh) Raynaldus T.13 p. 630. no. 23. Es heiſt 
daſelbſt: non obſtante, quod fratribus domus 
theutonicorum, tota terra Pruſſiae, quem gla- 
dio fibi ſubiugare poterunt, dieitur eſſe ab 
Apoftolica fee, conceffa, cum fponte, non 
coacti gladio, velint ipfi pagani ad fidem Chri- 
ftianam conuolare. 

D Ich weiß wohl, daß einige diefen Todes; 
fall auf das Jahr 1250, andere 1252 ſetzen. Ich 
habe aber lieber das Jahr 1253 gewaͤhlet, weil nach 
den meiſten Nachrichten Conrad, Landgraf von 

in dieſem Jahr geſtorben, und Pop: 
po gewählt ſeyn ſoll, wobey nur der Tod Eon: 


eds und feines Nachſolgers Henrichs verwech⸗ 


P. aug preuß. Geſch. 4 Th. 


ſelt worden. Bey dem Tage ſeines Todes iſt Schutz 
S. 26. das Gel. Pr. B. 4 S. 199 und Duellius 
S. 16 verſchieden. Er mag den ısten Jul. ges 
ſtorben ſeyn, iſt aber in der Hofcapelle zu Mer⸗ 
gentheim an der Tauber in Franken gewiß be⸗ 
graben. Duellius S. 16. Hanſelmann S. 359. 


m) Er dankt 1263 vor hohem Alter ab. 
1) Die Beweiſe haben wir ſchon oben! beige⸗ 
bracht. Vielle icht war ſeine Haͤrte Schuld, daß 


man ihn zweimal aus Preuſſen abrief. 
0) Vielleicht iſt er der, deſſen in Sommers⸗ 


berg Ser. Rer. Sileſ. T. 2 p. 68. gedacht wird. 
Doch kann derſelbe Poppo auch wohl ein geborner 
Herzog von Mecklenburg gewe ſen ſeyn, de Beer 
Rer. Meckl. p. 155. 193. 


M 


— 


——————— 


90 Geſchichte von Preuſſen. 

2053. alles bis an die Stadt Girmau in die Aſche. Hier aber ruͤckten ihm die in die Waf⸗ 
fen gekommene Samlaͤnder in weit uͤberlegener Anzahl unvermuthet entgegen. Er 
gab daher ſeinen Völkern zum Zuruͤckzuge Befehl, und bedeckte mit einigen wenigen den 
Abzug in Perſon. Er ward zwar daruͤber in Stuͤcken gehauen, und ſein Bruder Her⸗ en 
mann Stange kam in der Bemuͤhung, feinen Tod zu rächen, um. Aber die übris 
gen Ordensritter retteten ſich gluͤcklich mit ihren leuten. Dieſe thaͤtige Kriegserklaͤrung 
machte die Samlaͤnder aufmerkſam. Sie ſchickten einen von ihren verſuchteſten Al⸗ 
ten nach Balga, um aus der Beſchaſſenheit des Ordens ihnen zu melden, was ſie ben 
dem Kriege zu hoffen oder zu fürchten hätten. Die Brüder, welche ſich den Endzweck 
der Ankunft dieſes Mannes leicht vor ſtellen konten, machten ihm kein Geheimniß aus 
ihrer ganzen Einrichtung. Das Urcheil des alten Preuſſen fiel daher bey feinen lands 
leuten dahin aus: das Ordens volk überträfe fie nur in zwey Stuͤcken, einmal in eifti⸗ 
ger täglicher und naͤchtlicher Abwartung des Gottesdienſtes, und denn daß ſie zur Noth 3 
ſich mit einem Salat oder rohen Kraͤutern behelfen konten p). Um nun die 
laͤnder ebenfals unter das Joch zu bringen, ließ Innocentius 4 durch den Prediger 
orden überall gegen fie Kreuzpredigten halten /). Nachdem der Orden von Ca 
Schenkungen durch Opitzo, Abt des Kloſters St. Paul von Mezzano, eine A ft 
nehmen laſſen 7), fo ließ er Bretgen, Bartenſtein und Ereugburg anlegen, um 
im Kriege mit den Sammlaͤndern das Bartensund Galinderland zu decken 9. 
Auf ihr Anſuchen befahl Innocentius 4, denen Biſchöfen von Culm, Pomezanien 
und Ermland alles willig beizutragen, wodurch die Herrſchaft des Ordens in Preu 
beſtaͤrkt werden konte, und befonders alle diejenigen mit Kirchenſtrafen zu belegen, wel⸗ 
che ihre Lande angreifen ſolten 7). Weil man auch in Sorgen ſtand, es möchten die f 
Samlaͤnder, dem Ruf zu Folge, ſich mit Tartarn, beidniſchen Lithauern und De 7 
dern Heiden verbinden, und ſolche nach Preuſſen gegen den Orden locken, gab eben 
der Papſt dem Erzbiſchof von Preuſſen und Liefland Befehl, überall gegen die Tar⸗ 
tarn und andere Heiden das Kreuz zu predigen u). Dies ebe auch in Deut ch j 
land, und man machte in Preuſſen alle Anſtalten, denen alle Ehre zu erweiſen, die £ 
dem Orden zu Huͤlfe kommen würden &). Auf eine wohlfeilere Art an W Fr 
Huͤlfsvoͤlker gebrauchen. 8 7 ; 


vi 2 


0. 8 1 
Die auch uber⸗ Der 555 von Boͤhmen Primislaus Ottocarus, unter dem auch die öfter 
jogen werden. — reichi - 


p) Dusb. p. 169-171, Vielleicht aſſen die Sam: 1) Ib. T. 13 p. Cr. no. 28. 8 0 | 
lander keine rohe Kraͤuter. x) Daher ſagt Dlugoſſ. p. 739 15 Be we 
4 Ralle E. 13:00:26 p. G8. tocar ſey theils durch die Kreuzpredigten, Ro 8 


nald. T. 14. p. 12. theils durch den Ehren 
) Ada Bor. T. 1 p. 422. Der Orden hatte den der Orden den Fremden anzurichten pfleg 
Streit mit dem Biſchof Senrich von Culm be; zu einem Zuge nach Preuſſen bewogen. Erk 
kommen, Leo ©. 95. x 1254 nach Preuſſen, und blieb bis 1255 daſelbſt, 


5 und daher haben alle Schriftſteller de . 
) Henneberger p. 42. 62. 82, Zug bey einem dieſer Jahre a Fon e- 
#) Raynaldus P. 13. no. 29 P. 64t. ro ap. Canifium J. 1 p. 47. er m. 


We VE 
N u 


Be Poppo von Oſterna. 91 
kreecciſchen kande und Mähren ſtanden )), kam 1254 mit einer Macht von 60006 
Mann dem Orden zu Huͤlfe. Die ſe Volker waren aus des Königs Landern, aus Sach⸗ 
ſen, Thuͤringen, Meiſſen, Brandenburg, den Rheinlaͤndern, kurz aus ganz 
Deutſchland geſammlet⸗ Der König hatte anſehnliche Fuͤrſten zu Begleiter. Ot⸗ 
to 3, Marggraf von Brandenburg, hatte bey dieſem groſſen Kreuzheer die Feldherrn⸗ 
wuͤrde. Henrich Biſchof von Culm, Anshelm Biſchof von Ermland, und Brus 
no Biſchof von Olmuͤtz befanden ſich unter denen, die das weltliche Schꝛoerd mit 
dem Schwerd des Geiſtes verwechfelten 2). Schon im Winter kam dieſe Macht nach 


— — 


den wären. Biſchof Bruno vermittelte dieſe Kleinigkeit. Der Zug gieng nach Bal⸗ 
ga, wo ein alter Samlaͤnder, Gedune, aus dem Geſchlecht Candym, ein Vater 
des Wiſſegaud von Medenau, ſich eingefunden, der erſt bey Erblickung der völli⸗ 
gen Macht ) ſolche vor ſtark genug hielt, Samland zu erobern. Ottocar gab ihm 
zwar Erlaubniß, fein Wappen auf feinen Gütern aufzuhaͤngen, um dadurch vor den 
deutſchen Völkern geſichert zu ſeyn. Aber es war zu ſpaͤt. Das Heer war bereits 
ins Medenauiſche eingeruͤckt, und hatte alles darinnen in die Aſche gelegt. Geduns 
Haus lag ſchon im Schutt, und feine Verwandte, worunter ſein Bruder Ringil be⸗ 
findlich, waren ſchon niedergehauen. Die Gegend Rudau kam ebenfals nach erober⸗ 
tem Schloß dieſes Namens 1255 in der Chriſten Gewalt. Man hielt darin fo übel 
Haus, daß der dortige Adel ſich gern unterwarf, und Geiſel gab, damit nur nicht das 
ganze Volk vertilget wiirde. So machten es auch die Einwohner von Quedenau, 
Waldau, Caym und Tapiau, die das Chriſtenthum annahmen, ſich dem Orden 
unterwarfen, und zu Beſtaͤtigung ihrer bey debensverluſt nicht zu aͤndernder Treue ih⸗ 
te Söhne als Geiſel auslieferten )). Der König beſchenkte hierauf die Marianer 
reichlich, und rieth, auf einem Berge, wo jetzt Koͤnigsberg erbauet iſt, eine Veſtung 
anzulegen c). Mit dem Anbau dieſes Schloſſes ward wirklich der Anfang gemacht, 
welches dem Könige von Böhmen zu Ehren Königsberg, von den Preuſſen aber 
von einem nahe belegenem Walde Tuwangſte benennet wurde. Burchard von Horn⸗ 
hlauſen iſt zum erſten Befehlshaber dieſer Burg beſtellet c). Dem Biſchof von OL 
Br 4 Ma 


etz 


Elbing, wo die ſächſiſchen und öͤſterreichiſchen Völker ben nahe handgemein gewor _ 


Feen 
Daene 


Es krrren alſo die, welche, wie Schutz 


LITE Zuge angeben. 

ER 84 12 
„ p. 173. Balbinus Epit. Rer. Boh. 
252. Henneberger p. 14. Auch der nachmalige 
Raifer Rudolph von Habsburg war bey Otto⸗ 
cars Völkern. Fugger Geſt. Ehrenſpiegel S. 57. 
Wer Friedrich, Marggraf von Mähren, und 
Tielemann, Landgraf von Thüringen geweſen; 
kann ich nicht fagen. Schürz f. 32. Dlugaff-p. 240. 
und Raynald, T. 14 p. 12. nennen den Biſchof von 

Olmütz einen Biſchof von Prag. d 
) Der Papſt hatte es an Ermahnungen zur 


7 — beſonderen Herzog von Geſter reich p 


müg 


Tapferkeit ze fehlen. laſſen. Raynald T. 14 
„ 12. no. 61. | 
b) Dusburg, Henneberger, Schuͤtz. Alle 
Tauflinge wurden in zwey Hauſen getheilet, da⸗ 
von der eine in der Tauſe vom Koͤnige den Namen 
Przemislai, der andere vom Marggrafen von 
Brandenburg Ottones bekamen. Balbinus Mif- 
cell. Boh Dec. 1. Lib. 7 p. 121. f 
c) Dusb, I. e. Erl. Pr. B. 1 S. 281. Der 
Koͤnig hat das Schloß nicht eben gebauet, ob er 
gleich manches dazu geſchenkt haben mag Balbi- 
nus Epit p. 272. Erl. Pr. T. 2 p. 483. 
d) Duib p. 177. Henneberger p. 168 Erl Pr. 
T. 1 p. 281. II. 453. Das Schloß iſt nachher auf 


ug. 


1255. 


3255, 


die Kriege, wenn alles zugefroren, zu führen pflegte. Weil aber diesmal kein Froſt 


92 Geſchichte von Preuſſen. 5 
müs Brunoni, oder auch dem heiligen Bruno, einem preußiſchen Apoftel zu Chr 
ren, ward — ra e). Hierauf trat das Kreuzheer, nachdem der erſte 
ſamlaͤndiſche Biſchof geweihet worden 7), ohne ſonderlichen Verluſt erlitten zu haben, 
den Ruͤckzug an ). Denen noch unbezwungenen heidniſchen Völkerſchaften in Preuſ⸗ 
fen, denen Nadrauern, Schalaunern und Sudauern war dieſes alles ſehr vers 
daͤchtig. Sie konten es den Samlaͤndern nicht verzeihen, daß fie, ohne das aͤuſſer⸗ 
ſte abgewartet zu haben, ſich ergeben. Sie fielen daher das Samland mit vereinig⸗ 
ten Kraͤften an, und wirthſchafteten auf die grauſamſte Weiſe. Endlich erbaueten ſie 
das Schloß Welau in Nadrauen, und legten zu Beſchuͤtzung ihrer Lande eine ſtarke 
Beſatzung in dieſen Platz. Tyrsko und deſſen Sohn Maydelo wurden Befehlshaber 
des Orts. Jedoch eben hiedurch beſchleunigten fie ihr Ungluͤck. Denn bald darauf 
nahm Tirsko mit feiner Beſatzung das Chriſtenthum und die Oberherrſchaft des Ordens 
an g). Der Ehurfürft Johann 1 von Brandenburg langte zwar im Winter mit 
einer friſchen Macht in Preuſſen, dem Orden zu gut, an, indem man meiſtens nur 


einſiel, fo muſte dieſer Kriegserfahrne Herr, ohne etwas unternehmen zu können, wie / 

der zurück gehen 5). Dies war dfter die Urſache mislungener Züge. Es ſuchte 
der Orden alles wegzuraͤumen, was ihm in andern Streitigkeiten verwickeln köͤn⸗ 

te. Zu dem Ende wurden die Beſitzungen in Preuſſen berichtiget. Biſchof Ernſt 
von Pomeſanien uͤberließ das von ihm gewählte Drittheil dieſer kandſchaft, wo Chriſt 
burg belegen, an den Orden, und nahm dafür dasjenige Drittheil, worin Marien; 
werder befindlich, woſelbſt die biſchöfliche Kirche errichtet werden ſolte #), und beſtä / 
tigte ſolches bald nachher nochmals H. Anshelm Biſchof von Ermeland erwuͤhlte 
von der kandſchaft Ermeland den Drittheil, worin Braunsberg erbauet ward, und 
man einigte ſich Über deſſen J) Grenzen. Alexander 4 beftätigte die Wahl des Ans 
helm und den mit dem Orden darüber getroffenen Vertrag m). Der Hochmeister, 


7 


der in Perſon in Preuſſen angelangt war, verglich ſich mit dem Herzog Caſimir AN 


aN 


N * 
Y Cromerus hat S. 232 und 233 völlig 0 . 
wenn er gegen Aeneam Sylv. behauptet, da eg 
Ottocar durch dieſen Zug ſich keine Rechte uber 
Preuſſen erworben. Denn er ſuchte nur die 


einen andern Platz verlegt, und bald darauf die 
Altſtadt Koͤnigsberg gebauet. Erl. Pr. T. 1. 
p. 205. II. p. 455. und darin die jetzige polniſche 
Kirche angelegt. Erl. Pr T. 2 p. 843. 


e) Henneberger p. 36. Dlugoſſ. T. 1 p. 740. 
Cromerus p. 232 

) Hartknoch Pr. Kirchenhiſt. S 169. Ot⸗ 
tocar hat dies Stift nicht errichtet. Ball in Epit. 
p. 272. ſondern es war ſchon laͤngſt beſtimmt, 
und da man jetzt in Samland Eroberungen mach⸗ 
te, kam es zum Stande. Der erſte Biſchof war 
Senrich, entweder aus dem noch in der Mark 
bluͤhenden adelichen Geſchlecht derer von Brunn, 
davon der Hochwuͤrdige Hochwohgeb. Herr Tho⸗ 


ma; Phil. von der Sagen eine genealogiſch hiſto⸗ 


riſche Beſchreibung 1759 herausgegeben, oder aus 
Brünn in Mähren Leo p. 96. 


Seligkeit dadurch zu erwerben. Balbinus. 
p 272. fügt: die befte Beſchreibung dieſes 
habe er in Sranciſci Chr. geleſen, welche m 
unbekandt iſt. 1 
8) Dusb. p. 178. Er. Pr. V. 4. S. 674. 
©. 33. Venstor S. 44. 97 ER, 
b) Dusburg p. 180. 
i) de Dreger p. 364. . 
4) de Dreger p. 36 ù. 
I) de Dreger p. 365. an d 
m) de Dreger p. 366. N 


| Poppo von Oſterna. „ 
Cujavien. Der Orden trat dieſem die Hälfte von Lubau ab. Caſimir verſprach 1253. 
dagegen alles zu halten, was ſein Vater und Bruder dem Ort geſagt. Die ver⸗ 
133 urſachten Schaͤden ſolten gegen einander aufgehoben ſeyn. Zu Ausmachung kuͤnftiger 
Irrungen verglich man ſich über gewiſſe Schiedsrichter. Der Fiſchfang in der Weich⸗ 
ſel ward zwiſchen beiderſeitigen landen beiden gemein erklaͤrt. Die entlaufene teibeiges 
gene ſolten ausgeliefert werden. Die Weichſel ſolte von keinem Theil geſperret wer⸗ 
den. Kein Theil ſoll gegen den andern heimlich oder öffentlich dem Feinde Huͤlfe lei⸗ 
ſten. Caſimir begab ſich alles Rechts, welches er aus der paͤpſtlichen Schenkung der 
Lunder Polexia und Galentz Hätte. Der Orden aber will feine Berufung nicht fort⸗ 
ſetzen n). Dieſen Vertrag beſtaͤtigte Alexander 4 0. Der Hochmeiſter war noch 
f 1256 perföhnlich in Preuſſen, und entſchied die Streitigkeiten derer Herzoge Suen⸗ 186. 
i tepolf von Pommern und Przemyslaus in Polen über die Veſtung Nadel, indem 
beide Theile ihn zum Schiedsrichter erwaͤhlet hatten p). Mur darüber J) befand ſich 
der Orden betreten, daß der Papſt Alexander 4 dem polniſchen Herzoge Boleslao 
den Auftrag gab, ſeinem Vetter dem Herzog Caſimir beizuſtehen, daß er die Herr⸗ 
ſchaft über die neuen Chriſten, welche ſich freiwillig unterworfen, beibehalten konte. 
Ich weiß nicht, ob ſich jemals der Orden im Ernſt vorſtellen konnen, daß alle Lander, 
welche zur Zeit ſeiner Ankunft nach Preuſſen in dieſen Gegenden Unchriſten geweſen, 
nothwendig deswegen ſeine Unterthanen werden muͤſten. Wenigſtens zeigten die Rit⸗ 
ter, daß es ihnen mehr um ihre Herrſchaft als um das Chriſtenthum zu thun ſen. 
+ . 

Sie ſuchten daher ihre Eroberungen fo ſchleunig fortzuſetzen, als es ihnen nur Der orden ei: 
moglich war, beſonders da noch immer gutherzige Seelen ſich durch Kreuzpredigten bes det 5 er 
wegen lieffen, auf eigene Koſten ihnen anſehnliche Huͤlfe zu leiſten. Denen Biſchöfen . 
von Culm und Curland hatte der Papſt aufgetragen, fuͤr die Ausbreitung des Chris 
ſteenthums aus allen Kräften zu ſorgen r). In Dentſchland, Pommern, Polen, 

Daͤnnemark, Schweden, Norwegen und Schottland predigte man das Kreuz 
gegen die Heiden in Liefland und Preuſſen ). Der Comchur von Königsberg Bur⸗ 
chard von Hornhauſen eroberte das Schloß Capoſtete in dem Wahndorfer Ge⸗ 
biet t) und andere Schlöffer ergaben ſich mit Bedingungen 1). In einem Stuͤck von 
Natangen batte Goducke den vorigen mit den abgefallenen Preuſſen geſchloſſenen 

ede | nicht angenommen. Eben der Comthur gieng demſelben auf den Hals, ließ 
ihn, nebſt feinen zweenen Söhnen und vielen andern beuten niederhauen, und bemächtigte 
a M fich 
rn n) Ada Boruſſ. T. 3. p. 138. In der Urkun⸗ ) Ibid. 


de, die der Hochmeiſter ſelbſt ausgeſtellt, wird t) Dusb. p. 179. Auch noch das Schloß Och⸗ 
auch des Burchards Vicemagiſtri Pruſſiae ger tolite ibid. p. 180. 


——k[—— 


2 —— — 


u) Dusb. p 180. Er nennt fie Unſatrapis, 


& 2 0 Ad Bornfl. T. 3. p. 18. Gundau nnd Angetete Venator S. 44: giebt 
9 de Sommersberg Ser. Rer. Sil. T. 2, p. 68. ihnen den Namen Gatrapen Gundau in Ag⸗ 


9. Rainald T. 14. No. 14. p. 19. noteten. Das letzte mag Angerburg geweſen 
1 Rainald T. 14. p. 19. No. 13. ſeyn, von Werner Poleogr. St. 2. S. 9. a 


1256. 


1257. 


1258. 


muͤhungen Eroberungen und Beute zu machen, brachten freilich auch bey den Ordens⸗ 


Kaiſern erhaltene Freiheiten, ſondern der Papſt Alexander 4 verſchwendete alles, wo⸗ 


94 Geſchichte von Preuſſen. f 
ſich aller Übrigen Menſchen nebſt reicher Beute x). Die heidniſchen Preuſſen bela 
gerten zwar Welau, muſten aber die Belagerung wieder auf heben )). Dieſe Be⸗ 


Brüdern eine ziemliche Veranderung in ihrer Geſinnung zuwege. Da fie ehemals haupt⸗ 
ſaͤchlich mit gottesdienſtlichen Handlungen ſich beſchaͤftigten, fo vergaſſen fie ſolche bey 
ihren weltlichen Bemuͤhungen 2). Es fieng der Ueberfluß unter ihnen zu herrſchen an, 
da ihre Gerechtigkeiten durch allerhand Begnadigungen und Schenkungen ſich haͤuften, 
Der Kaiſer Richard a) beſtaͤtigte ihnen nicht nur 1257 alle von den ehemaligen 


zu der roͤmiſche Stul nur irgend zu vergeben ſich berechtiget hielt Y). Er hofte noch 
immer, daß durch des Ordens Eroberungen der roͤmiſche Stul Vortheile ziehen for 
te c). Zu dem Ende gab er denen, die in Preuſſen fechten wolten, allen Ablaß, 
den die erhalten ſolten, welche im gelobten lande ſtreiten wuͤrden d). Auch die Um 
ſtaͤnde derer Biſchöfe in Preuſſen beſſerten ſich. Caſimir Herzog von Cujavien 5 
ſchenkte dem Stift Culm ein Stuͤck von Litthauen, davor zu Culmſee täglich vor ſel ⸗ 
ne verſtorbene Gemalin Conſtantia eine Seelenmeſſe geleſen werden ſollte e). Der 
Biſchof von Samland verglich ſich mit dem Orden, theils über eine Muͤhle, und der 
känderey Derume und Quedenau 7), theils wegen des Drittheils, welches ihm zu⸗ 
ſtehen ſolte g). Damals ſtand noch Gerhard von Herzberg b) den preußifchen un⸗ 
gelegenheiten vor, und erhielt vom Andrea Biſchof von Plotzko alle Rechte vor den 
Orden, die der Biſchof in der landſchaft Culm haben möchte 1). Allein bald darauf 
1258 gieng eine Aenderung vor. Gerhard von Herzberg k) kommt zwar in dieſem 
Jahr theils als Untermeiſter J), theils als Meiſter „) von Preuſſen noch in den Ur 
kunden vor. Es folgte ihm aber auch in dieſem Jahr Hartmann von Grum * 

11 7. 2 
Am letzten Ort heift der Provilor poruſſiae G. er 


*) Dusb. p. 180. 0 
0 Erl. Pr. B. 4. S. 6 Gerbar d. Er nannte ſich nicht Magiſter, fonden: 
147 0 


75. 
2) Die Jungfrau Maria ſoll ſich darüber ge: nur Vive Magifter Prufl; de D: 
gen Bruder Hermann, genannt Saracen, eis Er iſt der, deſſen Dusburg S tr. 9 


nen Schwaben, beklagt haben, der auf Ma⸗ 
riam ſo viel hielt, daß er ihr zur Ehre alles ver⸗ 
ſchenkte, Gefangene ohne Loͤſegeld weggab, und 
ſich ſogar herumſchlug. 

a) Herrn Gebauer Leben Richards S. 362. 
Ordensdeduct gegen Heſſen Beil. No. 19. 

b) Duellius P. 2. p. 8-14. 

c) Dreger p. 47. 

Pr. Liefr. B. 1. S. 459. 
d) de Dreger p. 403. 
e) Acta Boruſſ. T. 3. p. 141. 
de Dreger p. 399. . 

5 de Dreger > 400. Da kommt vor Ger- 
hard de Herzberg Vicemagifter Pruſſiae. 

5) Vielleicht war er aus dem Geſchlecht derer 
von Herzberg, ich weiß aber, daß er auch wohl 
von Hirſchberg genennt wird. ‘ 

;) Adta Boruſſ. T. 3. p. 262. de Dreger p. 411. 


) um die Zeit muß alfo den Thornern e 
ſeyn, ein Kaufhaus zu bauen Pr. Se uml. 2 
©. 245. Da nennet ihn aber der He 
Conrad von Wallenrod Eberhard v 
berg guten Gedaͤchtniß, etwa an des Ge 
Statt. e 

) So heiß er in einem Vergleich . 
Biſchof von Samland, den die Bi 
helm von Ermeland und Henrich v 
vermittelten Gerhard, von Zerzburg Vice 
tor. Dreger S. 414. und Biſchof 2 ric 
Samland nennt ihn in der Beſtatigung d 
ter, die der Orden gewiſſen Samlaͤnder 
ben, noch Gerbardum de Hirzberg, V 
W 5 1 * N. Arc 

m in dieſem Jahr heiſt er auch fd 
Magiſter von Dreger S. 417. Aber d — 
ihm Hartmann mpach in dieſem Amte. 


F (u. di 
7 
* 


Teer 


EEE ——— En EDDIE ET TT 


RETTET BEE — 


Poppo von Oſtern. 95 
in der Meiſterſchaft dieſes landes 1), ein Mann von hartem Betragen. Die Ritter 


ßeng er an ziemlich ſtrenge zu halten. Sie bekamen unter ihm nur grobes Tuch zu 
tragen, und viel Stockſiſch zu eſſen, welches beides fie nicht mehr gewohnt waren o). 


Um dieſe Zeit ward das Schloß zu Labiau erbauet 2), und von Wislao Biſchof von 
Leslau einige Irrungen zwiſchen dem Orden und dem Biſchof von Plotzko entſchie⸗ 
den J). Man ſorgte nunmehr, die Gemeinfhaft mit Curland und Liefland, die 
bereits eröfnet, beſtaͤndig offen zu erhalten. Die Ritter in Liefland und Preuſſen vergli⸗ 
chen ſich, daß mit beiderſeitigen gemein ſchaftlichen Koſten ein gemeinſchaftliches Schloß 
auf der Grenze im carſauiſchen Gebiet erbauet, und mit gemelnſchaftlicher Beſatzung 
beſetzt werden ſolte. Es ward zu dem Ende wirklich 1259 das St. Georgenſchloß im 
Carſauiſchen gemeinschaftlich angelegt und beſetzt. Als aber die Brüder aus Liefland 
und Preuſſen unter einer ſtarken Bedeckung der Beſatzung der neuen Burg St. Geor⸗ 
gi oder Carſchau 1260 kebensmittel zuführen wolten, lief Nachricht ein, daß 1000 Lit⸗ 


thauer in Curland eingefallen wären, und ſehr grauſam verführen, auch Weib und Kind 


wegſchleppten. Der Ordensmarſthall von Preuſſen Henrich Botel ward von Mas 


cto oder Matte, welches wohl fo viel wie Matthias Heift, Pipius Sohn, einem 


edlen Pomezanier gefragt: was er in Abſicht des Angrifs vor Befehle ſtellen wolte. 
Der Rarfchafl hielt für gut, daß das Ordensvolk die Pferde in einer ziemlichen Ent 
fernung zuruck angebunden laſſen, und zu Fuß den Feind angreiffen ſolte, weil man 
Hofnung habe, daß auf dieſe Art jeder um" fo beſſer Stand halten, und unter Tod 
und Sieg nur wählen wurde. Aber die aus Rewel bey dem Heer befindlichen Daͤ⸗ 
nen w ten dem Befehl nicht gehorſamen, und brauchten den Vorwand, daß fie in 
der ſchweren Ruͤſtung zu Fuß nicht wohl fortkommen konten, und blieben folglich zu⸗ 


ruck. Die Euren baten, daß man ihnen ihre entfuͤhrten Weiber, wenn ſolche vom 
Feinde erlöſet, zuruͤck geben möchte, erhielten aber zur Antwort, daß man mit den⸗ 
ſelben nach Kriegsgebrauch verfahren, und folglich dem zueignen muͤſſe, in deſſen Haͤn⸗ 

e d brachte die Curen zu einem Entſchluß, den man vor⸗ 


te merken können. Als das Ordensvolk die Litthauer angrif, fielen ſolchen 


ie Euren in den Rüden. Es fiengen zwar auch die Neubekehrten Samlaͤnder zu 
wanken an. Aber Sclodo oder Scolde ein Vater des Nalubi, ein edler Samlaͤn⸗ 
der aus dem quedenauifchen Gebiet ſprach feinen Verwandten und Freunden zu, vor 
den der fie aus der Unwiſſenheit geriſſen, und unter dem fie nicht mehr in der 


erſt Einfalt lebten, ſondern in Kleidern und Speiſen weit praͤchtiger gehalten wuͤr⸗ 


170 


den, leib und beben aufzuopfern. Das Heer der Chriſten fochte eine Zeitlang tapfer, 


war aber doch, zuletzt die Flucht zu ergreiffen, genoͤchiget. Burchard von Horn⸗ 


Haufen, der Bisher in Liefland befehliget hatte, und Henrich Botel, Ordenemar⸗ 
e ſthall 


) Im vorigen Jahr war er ſchon in Preuſſen, fen geweſen ſeyn foll, fo muß er nicht eher und 
wo es eben der Hartmann von Grumpach ift, nicht ſpaͤter als 1258 es geworden ſeyn. aa 
der beim de Dreger S. 399. vorfommt, und ) Dasburg P. 3,.c. 7. p. 163. Waiffel p. ga. 
vielleicht Comthur zu Ehriftburg. de Dreger 5) Erl. Pr. T. 2. S 707. Senneb. S. 245. 


S. 401. Wenn er alſo 3 Jahr Meiſter in Preuß 2) Acta Boruſſ. T. 2 P. 261. de Drager paul, 


1258. 


96 Geſchichte von Preuſſen. 

ſchall von Preuſſen, nebſt 150 Ordensrittern und eine erſtaunende Menge anderer De 
densſoldaten blieben auf dem Platz. Der Feind verfolgte feinen Sieg mit groffen Vor⸗ 
theilen, da alles in ſolches Schrecken gerathen, daß 3 bis 4 Feinde wohl 100 Chriſten 
zum weichen bringen und wehl gar erſchlagen konten. Man erzehlt, daß die Litthauer 
acht gefangene Ritter den Götzen geopfert „ denen andern Arme und Beine ige) 
und gevierthellt hätten 7). 


9. . 


Welches in In Preuſſen hatte zwar Hartmann von Grumpach mit dem Stift ulm 10 


Preuſſen eis 


nen algemei⸗ 
nen aufſtand 


verurſachet. 


verglichen s). Aber bald darauf brachte die Nachricht von der Niederlage bey Car⸗ 
ſchau alles in Schrecken. Die Folgen der Niederlage des Ordens Aufferten ſich bald 
darauf in dieſem dande. Die Neubekehrten hielten dieſe Zeit für die bequemſte, ſich 
des harten Jochs aller Drangſale zu entſchuͤtten. Wenigſtens vermutheten ſolches die 
Marianer. Auf einer Zuſammenkunft der Edlen Natanger und Ermlaͤnder mit 
dem Vogt dieſer kandſchaften Volrad dem Wunderbaren auf dem Schloß Lenzenberg 
ſuchte einer von den erſtern dem le lie bey vorfeglich ausgelöſchtem lichte einen vöbtli 
chen Stoß beizubringen. Zum Gluͤck hatte der Ritter einen Harniſch unter ſeinen 
Kleidern. Dieſer und das wieder herbelgeſchafte licht ſicherten fein Leben. Keiner in 


der Verſammlung wolte die That auf ſich kommen laſſen, und erkannten babe 


te Macht der Marianer brachte bey denen Neubekehrten den Muth hervor, einen x 


Strafe des Feuers zu, der des vorgehabten Meuchelmords uͤberwieſen 1 5 ke 
Bey einer andern Zuſammenkunft zu A Era auf der noch weit mehr 


len. Er gieng be aus dem Zimmer beraus, verſchloß gige, und ließ 

Schloß in Brand ſtecken, ſo daß alle dieſe ungluͤcklichen Maͤnner verbrennen . N 
Dieſe unmenſchliche Mordfackel wurde gleichſam das loſungszeichen zu einem faſt allge 

meinen Abfall vom Glauben, und der Oberherrſchaft des Ordens. Die ſehr g chr 


„sl 


ſtand zu machen, welchen zu daͤmpfen 18 Jahr erfordert wurden. Die Samlaͤnder 

waͤhlten ſich den Glande, die Natanger den Monte, die Ermlaͤnder ben G „ 

pe, die Pogeſanier den Auctumo, und der Barthen den Divan zu Feldherren 

Alle diefe Heerführer waren Chriſten geweſen, und hatten nach der Taufe 

men Richard, Henrich, Carl, Nickel und Otto gefuͤhret. Am Abend! 2 2 

thai hatten ſie ihr Bündnis berichtiget 2). Einer genommenen Abrede Ber, 

len fie insgeſamt die Chriſten in ganz Preuſſen auf dem platten lande an. Es wi 

den folche entweder erſchlagen oder in die Sclaverey geſchleppt. Sie ſuchten ſich hau 

ſaͤchlich an der chriſtlichen Religion zu rächen, als ob ſolche an der uͤblen Auffüh ung 

derer, die ſie . Schuld ſey. Die Gorteshäufer, die bellgen * und 8 
N die 


Ai e be h. Bes $ n 5 sage 
5) Dusb. ©. 190. Schütz S ) Sarikn. Kirchenhiſt. S. 161, 


1) Dusb. S. 190. Erl. Pr. 2 8. 41. Schutz f. 4. Bartknochs A. u. N. pr. e 


| Poppo von Oſterna. 2 97 
die Geiſtlichen waren der uͤbelſten Begegnung ausgeſetzt. Die Samlaͤnder ſpotteten 
noch der letztern bey den gröften Martern. Sie erdruͤckten einen Geiſtlichen zwiſchen 
zwey Bretern, damit nicht heiliges Blut verſpruͤtzt wuͤrde x) Zum: Unglück glaubten 
die Ritter Urſache zu haben, ſich uͤber ihren Vorgeſetzten in Preuſſen den Hartmann 
von Grumpach beſchweren zu können. Seine Strenge gegen die Ritter fehlen uns 


ausſtehlich, und es kann ſeyn, daß er ſelbſt eben fo viel Härte gegen die Neubekehrten 
bewieſen. Wenigſtens ward er dem Orden unertraͤglich, als er 1261 zweene, oder 


nach Venators Bericht, ſieben Ritter in Elbing verbrennen ließ, weil ſte mit denen 


im Aufſtand verwickelten Preuſſen es gehalten haben ſolten. Er hatte keine liebe bey 
den Seinen mehr. Sie verklagten ihn wegen der letztern Handlung beim Papſt. Auf 
deſſen Befehl ward er abgeſetzt und nebſt feinen Rathgebern auf Zeitlebens zur Buͤſſung 
feiner Härte eingeſperret )). Man ſuchte zwar den in Preuſſen ausgebrochenen Auf⸗ 
ſtand zu dämpfen. Aber das Gluͤck und die Verzweifelung der Preuſſen waren eben 
ſowol als die Zwiſtigkeiten der Ritter mit dem Grumpach, Schuld, daß man damit 


nicht zum Stande kam, ohnerachtet der Orden aus waͤrtige Huͤlfe erhielt. Nebſt ans 
dern Fuͤrſten 2) und Herren kam ein Herr von Reyder, oder wie ihn andere nennen, 


Reder, nach Preuſſen. Es ward ein Zug gegen die Matanger vorgenommen. 
Auf dem Ruͤckwege ſchlug man da, wo jetzt die Stadt Brandenburg ſtehet, das la⸗ 
ger auf. Ein Theil des Heers muſte einen neuen Einfall in Natangen vornehmen, 
da der andere ſtehen blieb. Die Natanger giengen nun denen ankommenden entge⸗ 
gen, und brachten fie bey Pocarwis zur Schlacht. Die Chriſten thaten zwar Wun⸗ 
der. Stenckel, oder beſſer Stenzel von Bentheim, aus Weſtphalen, jagte, in 
Hofnung, daß wenn er gleich umkaͤme, feine Seele doch, dem Verſprechen des Biſchofs 
zufolge, das Fegfeuer nicht beruͤhren würde, wie ein Decius unter die Feinde, und 
ward erſchlagen. Der Herr von Reyder blieb ſelbſt mit einem anfehnlichen Theile der 
chriſtlichen Volker auf dem Platze. Die im lager zuruͤck gebliebenen richten zwar zum 


Entſatz an, kamen aber zu ſpaͤt, und muſten ſich nachher nur in guter Ordnung zus 


rückziehen. Die Heiden opferten einige Gefangene, die das $008 traf, ihren Götzen. 


Unter andern ward auch ein Burggeſeſſener in Magdeburg Hirzhals auf fein Pferd 


gebunden und verbrannt. Zweimal hatte ihn das koos getroffen, und beidemal hatte 


in Magdeburg viele Freundſchaft genoſſen. Als ihn aber das Loos zum 
ttenmal traf, wolte er ſelbſt feinem Verhängnis nicht länger widerſtehen. Henrich 
Monte und viele andere ſuchten nachher die Chriſten durch die eidliche Ausſage 4) 
zu tröſten : fie hätten bey dem Tode des Hirzhals eine weiſſe Taube aus feinem Mun⸗ 
de fliegen ſehen. Der böfe Feind foll einer Nonne in Deutſchland in einer vertraus 
3 f ten 


* „©. I f. 34. Venator gen nach Preuſſen gekommen, und nach dem 
Ben " 2 Br 4% 5 8 daſelbſt 3 3 — 5 
b S. 183. a usb. S. 193. 194, enneb. S. 33 l. 

= Nach S bs ql auch ein Gaf von Ber; Venator 8 46. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 


ihn 0 rich Monte vom Tode befreiet, der, als er noch chriſtlich geweſen, vom 
d 


1260, 


b 0 
x 
0 
0 


98 Geſchichte von Preuſſen. 


1261. ten Unterredung dieſes Ungluͤck vorhergeſagt, und nach dem Treffen derſelben Bericht 
erſtattet haben, daß alle erſchlagene Chriſten bis auf zweene, welche nicht der Eifer 
vor den Glauben, ſondern die Hofnung, ungeſcheut boͤſes zu thun, nach Preuſſen 
gebracht, ſelig geworden. Durch ſolche Erzehlungen ſuchte man damaliger Zeit die 
Furcht zu mindern, welche nach einer Niederlage in den Gemürhern zuruͤckblieb, und 

sa fie von weitern Huͤlfleiſtungen abſchrecken konte. Ein Graf von Barby kam auch mit 
einem Heer nach Preuſſen, und half Samland durchſtreichen. Auf dem Zuruͤck⸗ 
zuge aber ward er von den Samlaͤndern am Tage Agnes angegriffen, geſchlagen, 

N und blieb nebſt andern in dem Treffen b). Die Preuſſen belagerten darauf das Schloß 
N Heilsberg. Die Belagerten nöthigte der abſcheulichſte Hunger, nachdem fie 280 
Pferde mit Fleiſch und Haut verzehret, das Schloß heimlich zu verlaſſen, und nach 
Elbing zu fliehen, wo ſie zwölf mitgebrachten preußiſchen Geiſel die Augen ausſta⸗ 
- chen, und jo nach ihren Bruͤdern ſchickten. War diefes barbarifche Verfahren beſſer 
als das, was die Preuſſen bewieſen c)? Braunsberg hielt zwar den erſten Angrif 
aus. Weil aber 40 Mann von der Beſatzung bey Einholung der Lebensmittel erſchla⸗ 
gen worden, ſteckten die übrigen Schloß und Stadt an, und flohen nach Elbing, 
{ wohin auch der aus Elbing zu ſpaͤt abgeſchickte Entſatz von 40 Mann, ſich zuruck 
zog d). Da alſo den Preuſſen alles nach Wunſch gieng, belagerten fie die Schlbſſer 
Königsberg, Kreuzburg und Bartenſtein, die fie fo enge einſchloſſen, daß darin 
die erſchrecklichſte Hungersnoch einriß e). 1 
0 §. 83. 
1262. Doch 1262 beſſerten ſich die Umſtaͤnde des Ordens. Helmerich von 
i Das Sam: berg hatte die Verwaltung der Sachen darin als tandmeifter überfomme g 
re Marſchall Dietrich rechtſchaffen unterſtuͤtte )). Die Beſatzung von Reſſe 
gen. zwar das Schloß anſtecken und verlaſſen g). Allein Graf Wilhelm von l ich 
Engelbrecht Graf von der Mark kamen dem Orden mit anſehnlicher Ma 
| fe. Den Abend vor St. Vincent ruckten fie in die Gegend von Königsber 
- Entſaß vor. Den folgenden Tag wolte man die Verſchanzungen der Feinde 
* fen. Es zogen aber ſolche des Nachts ſich zuruͤck, und füchten die Che 
r Hinterhalt zu locken. Zum Glück entdeckte man ihren Anſchlag, und der G 
der Mark brachte ihnen eine Niederlage bey. Ein Theil der Fluͤchtigen war 
das Schloß, welches vormals Calige auch Sclume hieß. Nachdem aber di 
tung von Königsberg zur Hauptmacht der Chriſten geſtoſſen, erſtieg man d 


> 
Linn 
> 4 . 


nach hartnaͤckiger Gegenwehr, und ließ alles, was darinnen ſich befand, nied 


b) Due b. S. 194. derlich in Bartenſtein merkwuͤrdiges vorgenan 
c) Dusb. ©. 195. Schuͤtz f. 35. Senneb. gen, hat Zenneb. S. 29. 63. abe. Schön f 
S. 147. hat ſtatt Creuzburg, Chriſtburg. 

4) Dusb. S. 230. Erl. Pr. Th. 2. S. 13. Sen⸗ I) Dusb. S. 196. 5 
neb. S. 36. ) Ibid p. 196. und Senneb. S. 396. 
e) Dusb. S. 195. Erl Pr. Th. 1. S. 283. Die ) Dusb. S 197. Henneb S. 168. 


Belagerungen daureten drey Jahr, was darin fon: Samiml. Th. 2. O. 89. 1 


Poppo von Oſterna. ö 99 
Ein ſo gluͤcklicher Anfang machte, daß einige edle Samlaͤnder nach und nach in Ko 
. nigsberg anlangten, und das Chriſtenthum ſowol, als die Oberherrſchaft des Ordens wie⸗ 
dier annahmen. Unter denen war auch Sclodo von Quedenau mit feinen Verwand⸗ 
ten, auſſer dem einen Sohn Nalubo, einem hitzigen Kopfe. Sobald aber Anſtalt 
gemacht wurde den Nalubo anzugreifen, erlaubte der Orden, daß ihm fein Bruder 
Wargullo davon Nachricht geben durfte. Nalubi entfernete ſich zwar anfänglich 
in die Gegend von Schacken. Endlich aber entſchloß er ſich ebenfals, ſich zu unter 
werfen und taufen zu laſſen ). Indeſſen aber war Koͤnigsberg von denen umher⸗ 
wohnenden Pre Preuſſen aufs neue eingeſchloſſen / und fie wolten folches durch Hunger zur 
uuodergabe zwingen. Zu la tte man dem Ort alle Zufuhre abgeſchnitten, und 
Aum ſolche auth zu Waſſer zu ſperren, fielen die Preuſſen auf verſchiedene Mittel. 
Bald belegten ſie den Pregelfluß mit Schiffen, die aber von Zeit zu Zeit die Beſa⸗ 
bgBeung des Nachts durchbohreten, und zum fi inken brachten. Bald baueten fie über 
deen Pregel eine Brücke, die auf beiden Seiten beveſtiget und mit Völkern beſetzt wur⸗ 
de, doch eroberte die aufs Aufferfte gebrachte Beſatzung die Bruͤcke mit Sturm, woben 
2 Sachſe Gebhard eine ungewöhnliche Stärke bewies 10. Henrich Monte, der 
1 * Feldherr, zog ſodenn ein Heer zuſammen, und beſtürmte Königsberg. 
Er wagte ſich hieben ſelbſt mit ſolchem Muth, daß er den Bruder Henrich Ulenbuſch 
N verwundete, jedoch aber auch ſelbſt eine Wunde von einem andern davon trug, 
1 ihn abzuziehen nöthigte. Ben denen nachmaligen öfteren Verſuchen gegen Köͤ⸗ 
nigsberg lerneten die Preuſſe n auch der deutſchen Werkzeuge, anzugrelfen und fich zu 
vertheidigen, zu ihrem Schaden kennen ). Es gluͤckte zwar den Preuſſen, die bey 
dem Schloß und der damaligen Nicolai⸗ jetzt polnſchen Kirche angebauete Stadt, dle 
aber jetzt eine Vorſtadt iſt, und der Steindam heist, zu uͤberrumpeln und auszuplün⸗ 
dern, daher auch nach der Zett die Stadt, welche jetzt die Altſtadt heiſt, auf einem 
andern und jetzigen Platz gebauet ward n). Allein dieſes half ihnen nicht vlel. Der 
Oden vohn die Gegenden von Waldau, Quedenau, Wargen, Schacken wie 
der ein. In der Gegend von Pubeten ward der Flecken Dram ent d gsgeplündert. 
eee n ſuchten zwar dem Ordensvolk die Gefangenen und Beute wieder abzuja⸗ 
get Die Tapferkeit Henrichs Ulenbuſch aber und anderer jagte fie blutig zuruͤck. 
1 ſolte es den Flecken Bethen treffen, der allein 80 Mann ins Gewehr ſtellen 
Welt jedoch die königsbergiſche Beſatzung ſich nicht allein getrauete, ſo ward 
andmeiſter in Liefland ein Tag verabredet, an welchem der Ott von beiden 
Selten angegriffen werden ſolte. Die Samlaͤnder ſtelleten ſich vor, daß fie mit der 
„. öhlgebergiichen Beſatzung es allein zu thun hätten, und griffen ſolche mit vieler leb⸗ 
baftigteit an. Da aber ſolche bereits zum weichen gebracht worden, ruckten die Lief⸗ 


heftet 78 N 2 laͤnder 
- ginn Ar 
S. 499. Senneb. S. 388 muß man bey deſung deffen, was in Pr Samınk 
2855 ©, 8. * Gee. ©. 1 D. 3. © 5 fteber, zu Nathe ziehen. 
Ei e Dus b. S 203 Senneb. S. 169. Erl. Pr. 


2. S. 44 841. Hier wird dies ins Jaht 1263 
D Dusb. S. 203 Henneb. I. c. die Stelle Bar 


1262, 


1262. 


die Stadt Thorn mit dem Orden über verſchiedene Sachen. HER 
$. 54. j 7 9 4 
Der hochmei⸗ Der Hochmeiſter Poppo von Oſterna p) befand fich in einem ehr — * 


Be u köwerlichen Alter. Seine Schultern wurden zu ohnmaͤchtig die Hr: der Retz 


Die ganze Gegend ward ausgebrannt. Solche gluͤckliche Umſtaͤnde bewirkten endlich eine 


100 Geschichte von Preuſſen. 
laͤnder mit der ſchweren Reuterey zu rechter Zeit herben, worauf alle Kriegsleute det 
Samlaͤnder niedergehauen wurden. Weib und Kind fuhrte der Orden gefangen weg. 


völlige Unterwerfung und Bekehrung der Samlaͤnder. Nur die von Rinau verſuch⸗ 
ten aufs neue fich in Freiheit zu ſetzen, und wolten Fiſchhauſen uͤberſteigen. Ob aber 
gleich die Beſatzung ſehr ſchwach ſich befand, ſo zogen die Feinde doch, weil ſie ſolches nicht 
wuſten, nach kurzer Bemuͤhung wieder ab. Die königsbergiſche Beſatzung uͤberfel 
fie noch dazu in ihren eigenen Wohnungen, und brachte fie ums leben. Weib, Kind 
und Habſeligkeiten führte man weg. Hierauf war ganz Samland beruhiget, und da 
man während dem Kriege die Schlöffer Tapiau, welches die Preuſſen Sugurbi 
nannten, und Wicklantfort oder Wittlandsort, das nachher von einem daſelbſt 
wohnenden Samlaͤnder dieſes Namens, Lauchſtaͤdt hieß, gebauet hatte, fo konte 
man diefe kandſchaft deſto beſſer für neuem Aufruhr bewahren n). Im Bartenlande 
muſte ein vornehmer chriſtlicher Preuſſe, deſſen Nachkommenſchaft noch lange nachher 
uͤbrig geblieben, Girdau mit Namen, ſein Schloß gleiches Namens nach verfchiedenen 
Anfaͤllen feiner kandsleute aus Mangel der tebensmittel anſtecken, und ſich nach Koͤ⸗ a 
nigsberg ziehen. Die Brüder des Schloſſes Weiſtote Pila am Fluſſe Gobo ſuch⸗ 
ten zwar einige Barten, die in der umliegenden Gegend uͤbel wirthſchafteten, zu ver⸗ 
jagen. Sie fielen aber in einen Hinterhalt, und verloren 6 Bruͤder und viele andere 
Kriegsleute. Das bemeldte Schloß ward fogar berennet, und nach tapferer Gegen ? 
wehr endlich von der Beſatzung angeſteckt und verlaſſen. Die Gegend des Schloſſes 
Wieſſemburg oder Weiſſenburg, welches die Preuſſen Wallewona nannten / im 
Bartenlande am Fluß Gobrio oder Gebene, ward ebenfals von Sudauern und 
Natangern heimgeſucht. Die Beſatzung bemuͤhete ſich, ſolchen die gemachte —4 
wieder abzujagen. Ein Verraͤther fuͤhrete fie bis zu den Fluß Angerap, wo die 
feindliche Macht beiſammen ſich befand. Das Ordensvolk ſctzte ſich zwar auf eine An⸗ 
höhe, und that männlichen Widerſtand. Es war aber zu ſchwach. 20 Brüder mi 
allem übrigen chriſtlichen Kriegsvolk buͤſten alſo ihr leben ein o). Ne verglich 


A* 15 gelob ⸗ 


n) Dusb. S. 304:208 Senneb. S 468 130. lich verließ ſie 1263 * Schloß, und zog ſich 
264. 448. Arndt S. 58 Maſovien. Divan, der Feldherr der Bart 

0) Henneb. © 139 440 Dusb. S. 208: 216. jagte ihr zwar nach, aber e 
Er hat alles zufammen erzehlt, was in dem drei- nicht folgen. Er traf zwar noch die erm n 
jährigen Kriege mit den Warten vorgefallen. Faſt der an, und hieb drey davon nieder, gie 
drey Jahr war dies Schloß von drey Bergfrieden da 5 ſelbſt ſchwer verwundet worden, — der 
ober hoͤlzernen Thuͤrmen beaͤngſtiget. Eins erober⸗ 
te die Beſatung, und wehrte ſich daraus. End⸗ 173 de Dreger S. 459 


— 


f N Poppo von Oſterna. 101 


— 


11 
f - 


KA —ͤ — — REEL — — WEEDT 
0 2 8 8 


gelobte land, Preuſſen, Curland und Liefland waren in den blutigſten Kriegen vers 
wickelt. Die weitlaͤuftigen Güter des Ordens in Waͤlſchland, Deutſchland und 
anderwaͤrts erforderten einen Hochmeiſter, deſſen Augen noch nicht dunkel worden. 
Poppo, deſſen Körper der Staͤrke feines Geiſtes nicht mehr gleich, faßte daher den 


groſſen Entſchluß, die Regierung niederzulegen. Die Brüder fanden feine Gründe 


viel zu richtig, als daß ſie ihm die nothwendige Ruhe nach ſo groſſen Arbeiten auf ſei⸗ 
ne wenige Übrigen Tage misgoͤnnen wolten J). Poppo konte mit fo mehrerer Gelaſ⸗ 
ſenheit fein Ende erwarten, da er den Anno von Sangerhauſen zum Nachfolger ges 
wählt ſahe, deſſen Tuͤchtigkeit ihm völlig bekandt, und dem er bey feiner Regierung ſchon 
die wichtigſten Aemter anvertrauet hatte. Er gieng auf feine Güter 7). Allein das 


Gefilde bey Lignitz in Schleſien, die Wahlſtadt, wo fein Arm die Chriſtenheit 


vor der Wut der Tartarn bedecken helfen, konte er nie vergeſſen. Henrichs des 
Frommen „Herzogs von Niederſchleſien, der mit einem blutigen aber ruhmvollen 
Tode feine Tapferkeit beſiegelt, und an deſſen Seite Poppo gefochten hatte, Söhne, 


wolten ihre Großmutter Hedwig in die Zahl der Heiligen aufnehmen laſſen. Ur⸗ 


ban 4 veranſtaltete deshalb eine Unterſuchung ihres Wandels. Der Hochmeiſter ges 


horete zu denen, welche Augenzeugen daben ſeyn konten. Er reiſete daher nach Schle⸗ 


ſien ), weil die Erhebung dieſer Heiligen herannahete. Hier fühlte er endlich den öl, 
ligen Abgang der beibeskraͤfte. Er ſtarb 7), und feine Gebeine wurden in dem St. 


Jacob nachherigen St. Vincentzkloſter bey den Helden beerdiget, die gegen die Tar⸗ 


tarn ihm zur Seite ihr Blut vergoſſen, und theils unter ſeiner Anfuͤhrung geſtanden 
hatten u). Die neuern Geſchichtſchreiber haben ſeiner Haͤrte, die er gegen die Neu⸗ 
bekehrten in Preuſſen ehemals als tandmeifter bewieſen, zwar den erſten Abfall der 
Preuſſen zugeſchrieben. Sie haben aber theils das, was von dem Hermann von Al⸗ 
en. und Johann von Forberg, feinen Vorgängern in der Verwaltung der preuſ⸗ 
iſchen Angelegenheiten, geſchehen, auf ſeine Rechnung geſetzt, theils nicht erwogen, 
daß die tartariſchen Anfälle den Veſtungsbau zu beſeh leu igen nothwendig gemacht, 
theils aus der acht gelaſſen, daß freilich Suen epolk on Pommern an dieſem af 


n Preuſſen bauptſächiich mit 5 8 geweſen x). 


un? 7 


2 15 Daß ber Hochmeister n ſagen 2 


riftſteller, Senneb. Duell. U. Waiſſ. Schuͤtz 
f. . Dusb. ©. 171. . 

) Senneb. ©. 369. 

D Denn er foll in Schleſien Wurden feyn. 

) Die Zeit feines Todes iſt ungewiß, die 
re St. 5. S. 166 ſagen, den ꝛ2ſten 

ul. 1263 in Preuffen. Henniges Thearr Gen. 
T. 4 P. 3 p. 332. fagt, er fey in Schleſien ge: 

1264. Schutz meinet, er ſey den sten 

ul. 1265 in Deutſchland geſtorben. 

1 Nach Br Grabſchrift beim Tbebefio iu 
Ann. Lign. P. 2 p 62. 

*) Ale aͤltern en loben ihn. Dusb. 


9. 55 
> 171. Schuͤtz f. 35. Wai l. Senneb. ed 
aber S 78 und andere neuere ſchreiben ihm die 
Härte zu, welche doch feine Worfahren bewieſen 
haben. Gelehrt. Pr. de 1725. ©. 40. Pr. Samml. 
Th. 3. S. 697.716 Ichhabeſein : Lebensbeſchreibung 


als einen Anhang zu der 1755 im Heinſtusiſchen 


Verlage herausgegebenen Einleitung in dir Ger 
ſchichte von Schleſien beigebracht, beklage aber, 
daß ſelbige ſehr fehlerhaft abgedruckt worden Es 
iſt darin alles enthalten, was mir unter ſeiner Re⸗ 
gierung von den Ordensſachen in die Augen gefal: 
len Hier aber muß ich mich blos auf das, was 
in Preuſſen geſchehen, einſchraͤnken, und eben ſo 
will ich in denen folgenden hochmeſſterlichen Regie⸗ 
rungen zu Werke gehen. 


1262. 8 


102 Geſchichte von Preuſſen. 
3 112 urn! 2 : 

1262. N A; ss. 

Ihm folgt Hanno y) von Sangerhausen war fein Nachfolger in der Würde eines Hoch; 
Hanno in der meiſters. Die alten Schriftiteller nennen ihn wohl einen Grafen, und einige neuere T 
Regierung. Gaben theils aus dem Wappen, was man ihm zuſchreibt, theils aus dem Umſtande, 

daß die Stadt Sangerhausen einmal dem Haufe Braunſchweig zugehöret, fehläffen 
wollen, daß er ein geborner Herzog von Braunſchweig geweſen By Da aber zu dies 


4 ſen Zeiten Sangerhauſen noch nicht in braunſchweigiſchen Händen geweſen, und 


man ſich auf die Wappen, welche nur von neuern den ehemaligen Hochmeiſtern beige⸗ 
legt ſind, nicht verlaſſen kann, ſo iſt es wohl unerweislich, daß unſer e 


dieſem Hauſe geweſen. Bey dem allen glaube ich, daß er von ſehr vornehmer lbkunft 
hergeſtammet, und von denen ehemaligen Landgrafen von Thuͤringen mütterlicher & 
te, und vielleicht von dem Marggrafen von Meiſſen, väterlicher Seite, 170 —— 
Sangerhauſen war mit einer Erbtochter Caͤcilia durch Heirach an Ludwig d "Bir 
| tigen, Landgrafen von Thuͤringen gekommen a). Man pflegte hierauf die jaͤngern⸗ 
Prinzen mit Sangerhausen abzufinden, die fich wohl Grafen von Sangerhaufen 
| nannten. Des Ludwigs zweiter Sohn Beringer hieß daher Graf von Gange 
hauſen b), von dem es an feinen Sohn Conrad gekommen, der Hohenſtein er⸗ 
bauete, und zwar feines Vaters Schweſter Jutta Nachkommen zu Erben einſetzte, 
doch mag die Stadt Sangerhauſen bey feines Vaters Bruder dem Landgrafen Lud⸗ 
5 wig dem Springer geblieben, und auf deſſen Nachkommen, die es gewiß beſe en, 
gekommen ſeyn. Eine Erbtochter des Landgrafen von Thüringen, und Schweſter des 
Hochmelſters Conrads von Thüringen Jutta iſt erſt mit Dietrich Marggraf von 
Meiſſen, und denn mit Poppo Graf von Henneberg vereheligt geweſen. Sie h 
dem erſtern den Henrich den Erlauchten, den Henrich Biſchof von Muͤnſter, 
noch verfchiedene andere Kinder beiderlen Geſchlechts geboren, welche letztere insgeſar 
jung verſtorben ſenn ſollen c). Es iſt wahr, ich finde unter denenſelben feinen‘ 
aber ich muthmaſſe, daß diefe Jutta, die vielleicht Sangerhauſen zur Mitga 
kommen, wirklich unſers Hanno Mutter geweſen. Meine Muthmaſſung grün 
auf Grunows Erzeblung. Dieſer ſagt; des Hanno Mutter Jutta, die ne 
von den Preuſſen als eine Heilige verehrt worden, habe drey Söhne gehabt, den ö 
no, einen der Biſchof geworden, und einen, der dem erſchlagenen Vater in den G, 
tern gefolget iſt. Jutta fen nachmals zu Kriegszeiten ihrem Sohn Anno, damaligen 
Comthur von Althaus, nach Preuſſen gefolgt, und habe De gewohnt. Hier 
feel fie zwar in den Verdacht eines fehändlichen laſters. Aber die Feuerprobe, die mit 
Berührung eines gluͤenden Dreifuſſes gemacht worden, habe ihre Ehre völlig tet. 


Sie habe ſich ſodenn allen Werken der Andacht gewidmet, und ſonderlich der Kranken 


Wi. 
br 


A gewa 
„) Er nennet ſich in Urkunden ſelbſt bald A» vit p. 1307, Ann. Vet, Landgr. Tbur: ibid. T. t. 
F no, — Sen 1 5 . p- 1367. SE Te > 
2) Venator 50. nneb S. 373. n. N 3 ur 
in Not zum Dusb. ©. 212. b) Ibid. T. . p. 1307. sh u 


a) Hiſt. Landgr. Thur. ap. Piſt. ex edit. Stra · c) Herrn Reinharts Hiſt von Sachſen. 


— 


3 x Hanno von Sangerhaufen. 103 


gewartet. Chriſtus ſelbſt ſoll ihr etlichemal erſchienen ſenn, bis fie endlich 1260 mit 1262. 
Tode abgegangen, und zu Culmſee begraben worden d). Ich weiß es wohl, daß ſie 
andere zur Mutter des Meinecke von Querfurt machen. Wir werden aber den Un⸗ 
grund unten zeigen. Hingegen lebte die thuͤringſche Jutta, Dietrichs von Meiſ⸗ 
fen Gemalin zu einer Zeit, daß fie wohl unſers Anno Mutter ſeyn konnen. Ihr ers 
ſter Gemal ward 1221 mit Gift vergeben. Einer ihrer Söhne folgte in Meiſſen, ein 
anderer iſt Biſchof zu Muͤnſter geworden. Ihrer zweiten Heirath wegen muſte fie 
heimlich aus Meiſſen gehen. Ich will dieſes, was ich von des Anno Herkommen 
geſagt, vor keine Wahrheit ausgeben, ſondern nur als eine Muthmaſſung vortragen, 
die dadurch wahrſcheinlicher wird, daß unter dem Hanno ſowol Henrich der Erlauch⸗ 

g te, als auch ſeine Söhne verſchiedene Zuͤge, dem Orden zu gut, nach Preuſſen gethan. 

Ich will aber gern, ſobald ich eines beſſern belehrt werde, dieſe Meinung fahren laſſen. 

Wäre aber meine Muthmaſſung gegruͤndet, fo muͤſte Hanno 1221 noch minderjährig 

1 geweſen ſeyn. Sodenn trat er in den deutſchen Orden, vermuthlich noch unter des Her⸗ 
mann von Salza Regierung. Unter dem Hochmeiſter Conrad mag fein Stück merk 
lich geftiegen ſeyn. Er ſoll mit Hartmann von Heldrungen und Meinecke von 
Querfurt nach Preuſſen gekommen e), und da zuerſt 1255 Eomthur von Althaus 7) 
geworden ſeyn. Nichts aber iſt gewiſſer, als daß ihn Poppo von Oſterna zu feinem 
Statthalter in Liefland 1288 gemacht g), daß er dieſe Stelle 1260 wieder aufgege⸗ 

ben ), und 1262 Hochmeiſter geworden ). 


§. 56. 


SGSͤleich nach angetretener Regierung kam Hanno nach Preuſſen, denn er findet Er beſorgt die 

5 ſich bald in Urkunden. Ich habe in einer geſchriebenen Ordenschronik geleſen, daß er e e 

N ſchon den aten April 1263, das Kloſter Nicolai des Predigerordens in Neuthorn 8 gfallt. 

auf dem Waſſer Macka, andere ſagen Möcka, erbauen laſſen, und ſolches mit 

der Fiſcheren begnadiget. Schon den ıften Jan. 1263 verglich er ſich in Elbing mit 1263. 

dem Biſchof Henrich von Samland, der ihm ſein Schloß zu Koͤnigsberg abtrat, 

und dagegen eine Genugehuung im Culmerlande vom Orden erhielt K). Seine Ge 

genwart war um ſo nöthiger, da das Gluͤck die abgefallenen Preuſſen ſehr unterftügte, 

Das Schloß Weiſſenburg muſte von der Ordensbeſatzung geräumt werden. Creuz⸗ 

burg gieng ebenfals nach dreijaͤhriger Gegenwehr an die Feinde über. Die Ordensbe— 

ſatzung zog fich war aus dieſem Ort heraus, ward aber von denen nacheilenden Preuſſen 
Naarn de TR ae 50 g.sarmalrO ınelı® einges 


Ine 


— — 


d) Harıkn, Not. ad Dusburg. Chr. p. m. land erſchlagen worden, eben ſo unrichtig iſt es, 


e) Francke Hiſt der Grafſchaft Manne feld. ee are 


| ©. 52 Spangenberg Guerfurter Chr. S. 34, „ Dregerip. 426. Hier ift aber die Urkunde 


f) Harıkn, Not. ad Dusb, p. 212. falſch zum Jahr 1260 gerechnet, und ſchade, daß 
3 2 a * 1 * die Urkunde, welche ©. 229 litt e) erwehnet wor: 
g) Arnd J. e. p. 56. den, nicht abgedruckt iſt. Der Biſchof ſtellte 


0 Ibid. p. 57. Aber eben fo unrichtig es iſt, ſonſt in dieſem Jahr noch eine Urkunde aus. de 
daß Hanno gleich nach feiner Abreiſe von Lief. Dreger. S. 463. 


104 1 Geſchichte von Preuſſen. 

1263. eingehofet, und bis auf zwey Brüder in Stuͤcken gehauen. Bartenſtein, worin 400 Mann 
lagen, hatte ſichauch bis ins zte Jahr gegen 1300 Preuſſen gehalten, die ſich immer ablöſe⸗ 
ten. Die Belagerer beaͤngſtigten den Ort von drelen Seiten. Bey jeder ward ein Werkzeug 
zum Steinſchleudern gebraucht. Sie lockten den Migiledo und den Troppo zwey treue 
Preuſſen von der Beſatzung durch tift in einen Hinterhalt, und erſchlugen dieſelbe. 5 

„Die Beſatzung nahm aber davor ungebuͤhrliche Rache. Sie ließ 30 gefangene Geifel 
an einem vor dem Thor aufgerichteten Galgen aufhängen. Ein Keſſel, worin mann 
Goͤtzenopfer gekocht, ward eines Tages von einem Haufen der Belagerer feierlich zm 
andern getragen. Bey dieſer Gelegenheit that die Beſatzung 180 Mann ſtark einen hitzigen 
Ausfall. Zu gleicher Zeit wurden die Belagerer auch von einigem Ordensvolk von hinten 
angefallen. Dies gluͤckte dergeſtalt, daß auf 1300 Preuſſen auf dem Platze blieben, und 
der Opferkeſſel zugleich erbeutet wurde. Die drey Thuͤrme, die der Feind gebauet und 
beſetzt hatte, wurden erſtiegen und verbrannt. Doch erkaufte der Marſchall dieſen 

54 Vortheil mit feinem Tode, ohne den Ort entſetzen zu können. Es riß 1264 eine groſſe 

Hungersnoth darin ein. Demohnerachtet that man noch tapfern Widerſtand. Man 
machte einmal die Feinde glaubend, als ob ſich die Beſatzung fortgemacht. Da ſich 
nun die Preuſſen den, nach ihrer Meinung, verlaffenen Ort zu beſetzen mäßerten, 
wurden fie blutig zuruͤck gewieſen. Endlich dachte die Beſatzung mit Ernſt auf ihrs 
Rettung. Ein Theil zog ſich mit feinen Habſeligkeiten nach Königsberg, der andere 
nach Elbing. Ein alter blinder Ordensbruder blieb zuruͤck, und beſorgte das lauten 
ſo ordentlich, daß die Preuſſen eine Zeitlang den Abzug der Beſatzung nicht merkten. 
Zuletzt aber kamen ſie nach Bartenſtein, und das Blut des alten Bruders war das 
einzige, was ſie darin habhaft werden konten. Die Sudauer und ihre Huͤlfsvölker 
aus Lithauen batten Welau belagert, und ſich alle Muͤhe gegeben, das Schloß in 
Brand zu bringen. Aber die Beſatzung, und ſonderlich Henrich Taupadel, der mit 

dem Geſchuͤtz gut umzugehen wuſte, und nachmals in den deutſchen Orden trat, mach 

te alle ihre Anſchlaͤge zu Waſſer D. Da auch durch genaue Richtung des bes, 
ſowol ein vornehmer Anführer der Lithauer, als auch einer ihrer beſten Schützen er- 
ſchoſſen worden, hob der Feind die Belagerung auf. Henrich Monte, Anführer der 
Natanger, fiel ins Culmerland, welches er überall verheerete. Der kandmelſter 
Helmerich jagte ihm nach, und brachte ihn im kande Lobau zum Stande. Man ers 


ſtieg die von Strauchwerk errichtete Bruſtwehr der Feinde, und brachte fie in die Flucht. 


Da aber das Ordensvolk ſich zu fehr von der Hauptfahne entfernte, feßten ſich die 
Preuſſen aufs neue, bieben den kandmeiſter Helmerich, den Ordensmarſchall Dies 
trich, 40 Brüder und alles Ordensvolk in Stuͤcken. 3 


— 


5 


57: 2 
konnen nien mit Thraͤnen den ſchlechten Zuſtand des Ordens in Liefland, Curland und Preuf 


Die auftäh⸗ Der Papſt Clemens 4 beklagte in einem Schreiben an den Biſchof von Pome 


5 Dusb, p- 215-218. Erl. Pr. B. 4. S. 675. . . * 2 5 


Hatte son CSangerhaufn. 105 


ſen, und giebt ihm Nachricht von einem aufs neue veranlaßten Kreuzzuge der Chriſten aus 1264. 
Bohmen, Daͤnnemark, Norwegen, Schweden, Friesland, Polen, Pommern und nicht gebäude 
dem bremiſchen Kirchenſprengel nach dieſen Ordenslanden m). Er ſuchte beſonders den der werden. 
König von Boͤhmen Ottocar dadurch zu einem Kreuzzuge zu bewegen, daß er ihm * 
alles das jenige ſchenkte, was er erobern wuͤrde, wofern nur ſolches nicht bereits dem 
deutſchen Orden, oder andern catholiſchen Chriſten gehöre. Wie leicht konte der 
Papſt ſo was verſchenken, was ihm nicht gehoͤrte, demjenigen, der es ſelbſt erobern 
muſte, und ſchon, kraft der Eroberung, ohne paͤpſtliche Gunſt, ein Richt erlangte 1) 2 
Der Anbau der Altſtadt Königsberg kam auf der Stelle, wo fie jetzt ſtehet, wirk⸗ 
lich zum Stande 0). Der Biſchof Henrich von Samland trat dem Orden feinen = 
Ancheil an Wittlandsort gegen andere Genugthuung ab, damit der Orden daſelbſt, e 
zur Sicherheit der Schiffarth, eine Veſtung anlegen konte p). Der Hochmeiſter 
2 beftätigte folches, und verſprach dem Biſchof, daß er von dem in dieſer Ge⸗ 
gend zu ſammlenden Bernſtein ein Dritcheil gegen ein Drittheil derer hiezu gehörigen 
Unkoſten haben ſolte J). Er gebot auch, die Verträge mit dem Biſchof, die der cher 
malige landmeiſter mit demſelben errichtet, heilig zu halten 7). Der Biſchof Ans⸗ 
{m von Ermland beſtätigte die ermlaͤndiſche Domkirche mit 16 Pfruͤnden für fo viel 
mherren 6). Aller dieſer Anſtalten ungeachtet wuchs die Macht der Empoͤrer for 
˖ wol in diefem Jahr, als 1265 immer mehr und mehr an, welcher der neue Landmeiſter 1265. 
Ludwig von Baldersheim zu widerſtehen nicht ſtark genug ſich befand 7). Der \ 
ifter befand ſich wirklich in Deutſchland 1, und gab ſich alle Mühe, vers 
e Höfe, zum Vortheil Preuſſens, zu einem Kteuzzuge zu bewegen. Es ges * 
lung ihm in der That. Albrecht, Herzog von Braunſchweig, und Henrich der pn 
Erlauchte, landgraf von Thuͤringen und Marggraf von Meiſſen, fuͤhrten dem Or⸗ 
den in dieſes land einige Völker zu Huͤlfe. Bey Ankunft dieſer Fremden ſuchte man 
denen Aufrüͤhrern zu Waſſer beizukommen. Sie bemuͤheten ſich zwar die kandung auf alle 
Art zu behindern, und den Schiffen zu ſchaden. Aber Bruder Ulrich von Magde; 
burg „ ein ſehr ſtarker Mann, gieng einmal auf s feindliche Schiffe los, und that ih⸗ 
n guten Abbruch, fo daß so Preuſſen erſaufen muſten x). In dieſer Zeit ward 
0 e gebaut ). Gegen den Winter 7) fanden ſich auch die Brüder Johann und 


TER EEE WEST ERIK — 
4‘ 4 * * 
7 


l 5 Otto 37 
m PR Ann. T. 14 P. 110, no. 44. ) Laut Urkunden in der Ordensdeduct. gegen 
Beſſen. Beil. No. 230. 
. Elle pr. Th. 95 42 und 454. f Y Dusb. 
re p 210. Addit ad. Lamb. Schafnab, 
p N Dr ar P- * ap. Piftor. ex edit. Struuii T. 1 p. 433. 1 


2 
= 


9) Henneb. p. 448. 


oe Profise, ei Comment. Imp. 2) Daher ſtehet in Addit. ad Lamb. Schafn * 
Acad. Scient. Petropol T. 5 225 360. J. e. p. 433. der Zug ſey 1265 geſchehen, da ihn 
9) Pr. Samml. Th. 3 p. 31. a 2 preuß. doch Dus b. auf 1266 ſetzt. Es iſt auch Albrecht, 
a, ©. 150. 162. Landgraf von Thüringen, damals in Preuſſen 
) Dusb. P. 3 C. 119 p- 218. geweſen, und zum Ritter geſchlagen. Hift. Landgr. 


D-alg; preuf. Geh. cb. de 


106 | Geſchichte von Preuſſen. f 
1265. Otto 3, Marggrafen von Brandenburg, in Preuſſen ein. Der letztere hatte 
f auch einen ſeiner Prinzen bey ſich. Es war aber zu bedauren, daß kein Froſt einfallen 
u. wolte, weil man bey den üblen Wegen gegen die moraſtigen Gegenden nichts ausrichten 
1266. konte, ob gleich die Marggrafen bis 1266 in Preuſſen ſich aufhielten. Doch legten 
fie dem Orden zu gut ein Schloß in dieſem lande an, welches fie nach dem Namen ie 
res Sandes das Schloß Brandenburg nannten 3). Zu dieſer truͤbſeligen Zeit buͤßte 
auch der Orden im gelobten lande, da Saphet verloren gieng, über 2006 Mann ein, 
und behielt daſelbſt nun weiter nichts, als fein Haus zu Ptolemais. Clemens 4 
N ſuchte daher nicht nur die Chriſten zu milden Beiſteuren vor den Orden zu bewegen b), 
2267. fondern auch hauptfächlich 1267 den König von Böhmen Ottocar zu einem Hauptzuge 
i gegen die Lithauer und uͤbrige Heiden, unter dem abermaligen Verſprechen, zu er ⸗ 
muntern, daß er alle Eroberungen behalten ſolte, wenn ſolche nicht ſchon dem Deuts 
ſchen Orden zugehören ſolten c). Der König fand ſich auch wirklich in Preuſſen ein. 
Es war aber wegen des ſchlechten Winters abermal wenig auszurichten. Die Kriege 
wurden damals meiſt im Winter durch Streifereien gefuͤhret, wenn ein ſtarker Froſt 
uͤbetall einen Zugang verſtattete d). Der Papſt ſuchte jedoch aufs neue den König Ot⸗ 
1268. tyocar 1268 durch die vorigen Bewegungsgruͤnde zu einem neuen Zuge gegen die Lit! 
zu bewegen e), und Wolymir, Biſchof von Cujavien, beftätigee dem deutſchen 
Orden die von feinem Vorgänger Michael geſchenkte Biſchofszehnten der Orte Neſ⸗ 
ſow und Orlow. N 1 
ö 9. . a n 
mach und Die Gefahr, Preuſſen gänzlich zu verlieren, wuchs bey dem allen zuſehens, 
50 W da ſich auch der Herzog Meſtwin von Hinterpommern zu den Feinden ſchlug. Se 
der beruhiget. verſtorbener Vater Sventepolk batte ihm zwar auf dem Todtenbette den Rath g 
ben, mit dem deutſchen Orden beftändig in gutem Vernehmen zu leben. Man 
aber nicht von den Urſachen hinlaͤnglich unterrichtet, die den Meſtwin bewogen, 1 
den Marianern zu brechen. Vielleicht litte Pommern durch die Durchzuͤge der 8 eut⸗ 
ſchen Kreuzfahrer nach Preuſſen, und bey Gelegenheit des Krieges in dieſem lande 


findlichen Preuſſen und Lithauer geſchlagen, um nicht feine eigene Länder der W * 
derſelben auszufeßen, beſonders weil damals, aller fremden Hülfe unerachtet, den 
Orden in Preuſſen das Gluͤck den Ruͤcken zugewandt hatte; endlich auch Pommern 
eiferfüchtig über eine Geſellſchaft werden muſte, die feine Eroberungen ins une li e 
zu treiben ſuchte, die bereits bis Eſtland ſich der Küften der Oſtſee bemächtiget he 7 
und die immer ohne ſonderliche Koften fremde Huͤlfe erlangte. Kurz Meſtwin fing. 


* 
* a1 1 


Thur. ap. Piſt. T. 1 p. 153. Es war ſolches A: c) Raynald, T. 14 p. 150, e > 
brecht der Unartige. d) Durb. p. 219. . e 

a) Dusburg p. 219. 220. ö f j r 
65 Sail Prcsb. ap. Pit. ad h. a. p. 1046. Raynald. T. 14 p. 168. no. 47. Vet = 
Raynald T. 14 no, 42 p. 140. Duell. P. 2 p. 15. F) de Dreger p. 534i. f . 4 ? e 


1 


f Hanno von Sangerhauſen. 107 
an, die Preuffen, welche die fanbfehaften Eulm und Pomeſanien verwüſteten, zu 
unterſtützen. Er ließ 1s Weichſelkaͤhne, die vor die Drdensfchlöffer mit Nothwendig⸗ 


keiten beladen, aus feinem Schloſſe Neuburg von dem einen Weichſelufer angreifen, 


Daa zugleich das andere gegenſeitige Ufer von Preuſſen beſetzt war. Hiedurch ſahen 
ſich die Schiffer genothiget, alles über Bord zu werfen, um nur ihre Perſonen und 

die Schiffe deſto leichter retten zu können. Dieſes Betragen zu ahnden, chaten die 
Ordens bruder um Petri Pauli einen glüdlichen Streif in die pommeriſche Gegend 

von Dirſchau, und nbthigten dadurch den Herzog „den vorigen Frieden mit den Mas 
rianern zu erneuern g). Dies war vor den Orden um fo noͤthiger, da er noch immer 

von den Preuſſen Einbuſſe litte. Sie legten 1269 das noch nicht ausgebauete Schloß 
Brandenburg in die Aſche. Der erſte Befehlshaber dieſes Schloſſes Friedrich von 
Holdenſtaͤdt war in die Gegend von Creuzburg ins Natangſche eingefallen. Dies 
deerrieth eine Weibeperſon dem ermländifchen Feldherrn Glappo, der ſich der Gele⸗ 
N genheit bedienete, und mit feiner ſchleunig zuſammengezogenen Mannschaft das ſchlecht 
beſeßte Schloß einnahm. Der zurichfehrende Befehlshaber muſte fich nach Königs 
berg ziehen, und von da aus zu Waſſer feine in Brandenburg gelaſſene Mannſchaft, 

F die ſich von einem hölzernen Thurm noch wehrete, abholen. Das Schloß ward alſo 
ver Willkuͤhr des Feindes uͤberlaſſen, der ſelbiges zerſtorte ). Dieſe Nachricht bewog 
einen Marggrafen von Brandenburg, 1270 mit anſehnlichem Volk nach Preuſſen 

zu kommen, und das Schloß Brandenburg, welches die Bruͤder vor nothwendig 
bdeielten, wieder berzuſtellen ). Nach des Peter von Dusburg Erzehlung uͤberkam 
12 Dietrich von Gattersleben die Beſorgung der preußiſchen Angelegenheiten k). 
Es wolte aber dem Orden hieſelbſt noch nicht gluͤcken )). Daher kam 1272 zu Ende 
des Jahres Marggraf Dietrich von Meiſſen mit einer anſehnlichen Macht und vielen 
andern deutſchen Herren nach Preuſſen dem Orden zu Hülfe. Man machte daſelbſt 
alſo vas zu einem Hauptzuge nach Natangen Anſtalten. Die Natanger ſahen das 
Gewitter, das Über fie ausbrechen wolte, von ferne, und ſperreten den Eingang in 
ihr land durch einige Beveſtigungswerke. Doch Dietrich und Guͤnther, Bruͤder und 
Grafen von Regenſtein, die den Vortrap der Chriſten anfuͤhreten, erſtiegen folche, 
ſegtzten aber dabey 150 Mann zu. Hierauf brach die ganze Macht in Natangen ein, 

und rächere ſich durch Verheerung des ganzen kandes, wobey nur 80 Chriſten umka⸗ 

nen. Auf Zureden der Marggrafen lieſſen ſich 24 ſaͤchſiſche von Adel in den Orden 
einklelden, die der Marggraf Dietrich bey feinem Abzuge reichlich beſchenkte m). Zu 
eben der Zeit ſuchte der Papſt Gregorius 10 noch mehrere dadurch aufgumuntern, in 
den deutſchen Orden zu treten, daß er ihnen, ſonderlich die ſich dem Dienſt in Preuſ⸗ 
ſen widmen würden, das Recht ertheilte, ihre Erbſchaften eben ſo gut anzutreten, als 
wenn ſie weltlich wären, und damit nach Ber Gefallen zu ſchalten, nur daß das 


von 


2 
4) Dusb. p. 225. 


9 Dub. p. au 222. 
= * 2 I) Raynald, T. 14 p. 171. no. ar. 


* * i) Dusb. p. 224. Henneb. p. 34. * 


0 Dusb. p. 223. Henneb. p. 34. m) Dusb. p. 225. Raynaldus T. 14. ad h. a, 


1268. 


1269. 


1270. 


127r. 
1272. 


1273. 


1274. 


hens. Die Natanger hatten fich bey dem vorigen Einfall in die dickſten Wälder vers 5 


auch in ſeinem Schlupfwinkel, ward aber von dem Befehlshaber in Chriſtburg Hen⸗ SER, 


now beredete ihn, ein Schloß am friſchen Haf, Brandenburg gegen über, zu uͤber ⸗ 


Vieh weggetrieben. Die Beſatzung erſchlug zwar zwey preußiſche Edelleute Scumo 


108 Geſchichte von Preuſtn. 2 
von die kehnguͤter ausgenommen waren 7). Endlich gluͤckte es dem Orden 1274 aufs 


krochen, und getraueten fich noch nicht ins freie zu kommen. Henrich Monte ſaß 


rich von Schonenberg und deſſen Gehuͤlfen Helwig Goldbach und ihren deuten ent⸗ 
deckt. Des Monte Bedeckung befand ſich eben auf einer Jagd abweſend. Der 
Natanger Feldherr ward alſo uͤbermannet, ergriffen, an den erſten beſten Baum g/ 
knuͤpft, und mit Seltengewehr durchſtochen ). Faſt zu eben der Zeit nahm auch dern 
ermlaͤndiſche Feldherr Glappo ein Ende mit Schrecken. Sein Vertrauter Stei⸗ 


rumpeln, gab aber zugleich dem Befehlshaber in Koͤnigsberg von dieſem Vorhaben 
Nachricht. Dieſer überfiel den Glappo, deſſen Leute niedergehauen wurden. e 
po ward gefangen, und in Königsberg an dem Ort mit dem Strange beſtraft, der 
von ihm der Glappenberg heift. Das ungluͤckliche Ende dieſer beiden Feldherren N 
brachte die Natanger, Ermlaͤnder, Barten und viele andere Preuſſen dahin, daß ſie 
ſich endlich wieder unterwarfen „ welches viele von ihnen bereits im vorigen Jahre ge⸗ 
than p). Die Pogeſanier waren unter denen Abgefallenen faſt die letzten in den 
Waffen. Als man aber ihr fand ebenfals nunmehr mit aller Macht verheerete, und 
ihnen das Schloß Heilsberg, das fie im Beſitz hatten, entriſſen worden, folgten ſie 
gleichfals dem Beiſpiel anderer preußiſchen landſchaften, und an war nun faſt 
ganz Preuſſen beruhiget J). c Win 17 
. i 59. RU 
Es litten alle landſchaften in biefem zweiten Abfall, und faft 4 2 
gen muſten ſich mit den Feinden herumſchlagen. Denen von Balge ward oft das 


und Stutze in dieſer Beſchaͤftigung, fiel aber bey dickem Nebel in einen Hinterhalt, * 
und buͤßte drey Brüder und 40 Mann ein. Bald darauf rächeren ſich ſolche dureh 
Dietrich vom Rhein Fauſt, der den Pobrawo mit 6 andern Beutmachern erſchlu * 
und ihnen das geraubte wieder abjagte. Der Comchur in Chriſtburg Dietrich Ro 
de befochte zwar über die ſtreifenden Pogeſanier einen Vortheil, hingegen eroberten fi „ 
das den chriſtlichen Preuffen zugehörige Schloß Preuſchmark. Als Divan, der Bar⸗ 
ten Feldherr, und Linfo, Anführer der Pogeſanier, ins Culmer Gebiet cis ; 
fen, muſte die Beſatzung aus Chriſtburg und andern Orten ebenfals dahin . hen 

dies band beſchuͤtzen zu helfen. In der Zeit belagerte ein anderer Haufen Pog 
Trompnau unter dem Colte mit Fußvolk, und die Reuterey ſtreifte bis 0 PR 
werder. Die chriſtburgiſche Beſatzung vereinigte ſich aber mit denen, die in Puſi⸗ 
lia und Fiſchhof lagen, ſchlug das feindliche Fußvolk, und hieb den Colte ſelbſt nie / 
der. Denn lagerten va die feindlichen Reuter, die das übrig N N an 


5% wi 5 
n) Dad), P. 2 p. 18. zus » Ibid. p. 228. H 3 
„) Dusb, p. 227. 4) Ibid. P. 258. Henneb. p. nr N nr 1 15. 


Hanno von Sangerhauſen. 109 
ſich gezogen, am Fluß Sergune, der in den Drauſenſee fällt. Ein Theil davon 
gieng in der folgenden Nacht Über den Fluß dem Ordensvolk in den Rüden. Bey 
Tages Anbruch fielen fie ſämtlich die Mannſchaft der Marianer, die abgeſattelt und 
ſich zerſtreuet hatte, unverſehens von zwey Selten an, machten bey Poganſt 12 Rit⸗ 

ter und sco Mann nieder, und jagten die übrigen bis Chriſtburg. Die Stadt und 
die Burg der Preuſſen ward erobert und eingenommen, nur das Ordensſchloß rettete 
die Herzhaſtigkeit eines chriſtlichen Pomeſaniers. 40 Chriſtenkinder wurden auch 
durch Niederſchuͤſſung ihres Waͤchters aus der Sclaverey befreiet. Divan that jedoch 
einen neuen Einfall in die Gegend von Chriſtburg, und dahin, wo nachher Marien⸗ 
burg erbauet worden, welche Gegend Algent hieß. Er ward aber von den Beſatzun⸗ 
gen von Chriſtburg und Elbing an der Guber geſchlagen, und ſein Verwandter 
Dabore mit den meiſten niedergehauen. Divan ſelbſt entkam. Weil die feindlichen 
Strelfereien ohne Ende waren, fo hielt es überdies ſchwer, von Zeit zu Zeit die Bes 
ſatzung zu Chriſtburg von Elbing aus mit Mundbeduͤrfniſſen über den Drauſen und 


beſte thun, welches aber von ihren heidniſch gewordenen Landsleuten, fo oft es aus⸗ 
kam, ſchlecht belohnet ward. Beſonders hatte deswegen ein gewiſſer Zamile groſſe 
Verfolgung auezuſtehen. Auch Marienwerder muſte herhalten. Die Feinde lock⸗ 
ten die Buͤrgerſchaft in einen Hinterhalt zwiſchen der Stadt und der Muͤhle auf eine 
Ebene, erſchlugen Brüder und Buͤrger, bemaͤchtigten ſich der Stadt, und ſteckten fie 
an. Kaum hatte man ſie aus dem Schutt wieder hergeſtellet, ſo kam ein neuer 
f Schwarm von der Pluͤnderung des Culmerlandes zuruͤck. Es verſuchte ſolcher verge⸗ 
bens, das Schloß Belichau an der Oſſa, welches einem bekehrten Pomeſanier, Jo⸗ 

nas, des Sergini Sohn, gehörte, einzunehmen. Bruder Conrad der Schwabe, 
der zur elbingſchen Beſatzung gehörte, wies die Feinde daſelbſt in einem kleinen Tref⸗ 


= 


* 


** 


die Stadt, und legten ſie abermals in die Aſche. Die Buͤrger retteten ſich theils in 
das Schloß und auf einen Thurm, theils wurden ſie niedergehauen oder gefangen. Auf 
beſondern Befehl des Hochmeiſters Hanno legte man auf der Grenze des Culmerlan⸗ 
des und Pomeſaniens ein Schloß an der Oſſa an. Nun wurden zwar die Bauleute 
vom Feinde überfallen und erſchlagen; aber der Hochmeiſter ſchafte neue Arbeitsleute 
berbey, die den Anban des Schloſſes Starkenburg zu Ende brachten. Der Befehls⸗ 
2 baber deſſelben hatte den Vorzug vor andern in dieſer Gegend. Aber er blieb nicht lan⸗ 
ge in Ruhe. Der Feind belagerte, eroberte und aͤſcherte das Schloß ein, wobey viele 
C hriſten and Ritter, ſonderlich Conrad von Blindenburg, in einem Ausfall ums 
fktlamen. Nach verſchiedenen Jahren ward das Schloß auf der Culmer Seite der Oſſa 
— Orden angeſteckt, verlaſſen, und nicht wiederhergeſtellet 7). Die Preuſſen belagers 
ten Culmſee. Als aber der aufgebotene Adel und die dehnleute in einem leichten Tref⸗ 
„ 23 2 fen 
) Dusb. p. 228-244, , 


die Sergune zu Waſſer zu verſorgen. Die gläubigen Pomeſanier muſten hiebey das 


fen mit blutigen Köpfen ab. Aber fie giengen darauf vor Marienwerder „ erſtiegen 


weederhergeſtellet. Das Schloß Spittenberg in Pomeſanien ward freiwillig vom 


u 


110 Geſchichte von Preuſſen. 

274. fen den ftärfften unter ihnen verwundet und gefangen, ward gegen deſſen Auslieferung 
die Belagerung aufgehoben. Die Feinde hatten aber viele Bürger erſchlagen, welche 
ſich eben mit der Erndte beſchäftigten. Die Stadt Reden iſt zweimal erſtiegen. 
Doch that auch Martin Golin aus dieſem Ort dem Feinde ebenfals öfters groſſen 
Abbruch. In Wartenberg erſchlugen die Sudauer an einem Sonntage vieles kand⸗ 
volk, das ſich mit Tanzen beluſtigte. Ein andermal äſcherten die Sudauer den Ort 

gar ein, und ward ſodenn nicht wieder aufgebauet. Die Lithauer zogen 21000 bis 
30000 Mann zuſammen. Ihres Regenten Prinz, Crinota oder Trinote, befehligte 
fie. Ein Theil von ihnen verwuͤſtete Pomeſanien, und verheerete ſonderlich die Ge/ 
gend um Chriſtburg. Der andere fiel in Maſovien. Der dritte that im Eulmer⸗ 
lande entſetzlichen Schaden. Dieſer letztere ſteckte das Schloß Birgelo, nachdem es 
geplündert, in Brand, doch retteten die darin befindlichen Menſchen ihr beben re 
nem Thurm durch muthige Gegenwehr. Noch jetzt find von Birgelo nur noch Ueber ⸗ 
bleibſe Wehlen Bey der Kirchweih der Hoſpltalskirche vor der Stadt Thorn übers 
gelen die 8 Zuſchauer, hieben die erwachſene Mannsperſonen nieder, und 
nahmen Weib und Kind gefangen. Die Sudauer brachen auch mit noch nie bey ih ⸗ 
nen geſehener Macht in dle Lobau, und zerſtbreten ſowol Stadt als Schloß dieſes Na, 
mens. Sie breiteten ſich darauf im Eulmerlande aus, und berenneten viele Städt, 
wohin das kandvolk gefluͤchtet. Sie legten das Siechenhaus und alles, was eng 
Mauren der Stadt Thorn lag, in die Aſche. Auch Culm ward, obwol vergeblich, 
beſtuͤrnt. Nach viertaͤgigem Pluͤndern zogen fie mit ſchwerer Beute beladen ab. Die 
Bürger von Culm giengen einem andern ſtreifenden Haufen entgegen, brachten deſſen 
Anfuͤhrer mit vielen andern um, und befreieten viele Selaven. Seumand fiel jedoch 
abermals mit vielen Sudauern ins Culmerland. Sie theilten ſich anfaͤnglich⸗ Em 
Thell verheerete alles bis Thorn, der andere bis Culm. Beide ſtieſſen bey Birgel 
wieder zuſammen. Die Beſatzung uͤberraſchte zwar die Sudauer des Nachts, doch 
diefe ermunterten ſich, erſchlugen zwey Ritter, einen Halbbruder des Ordens und ver⸗ 
ſchiedene Soldaten. Divan, Feldherr der Barten, belagerte Schönfee, und ſehwor, 
alles nach der Eroberung, was Waffen truͤge, vor dem Thor aufhängen zu laſſen, wo 
man den Ort nicht uͤbergebe. Nun befanden ſich nur drey Ordensritter im Schloſſe. 
Sie lieſſen aber den Übrigen Soldaten Ordenskleidungen anlegen. So erwarteten fie 
den Sturm. Divan blieb in demſelben, indem ihm Arnold Kopf durch den Hals 
geſchoſſen. Sein Tod ſetzte die übrigen in ſolches Schrecken, daß fie die Belagerung 
aufgaben. Scumand, der hierauf eilf Tage lang das Culmerland verwuͤſtete, g 
dachte zwar die Stadt Culm, durch Verrätheren eines polnifchen Edelmanns, zu er⸗ 
obern. Seine Hofnung ſchlug aber fehl, weil der Verraͤther mit feinem Sohne zum 
Sohn feines Bubenſtuͤcks den Strang erhalten. Dagegen erſtieg Scumand die Schüß * 
fer der lehnleute Heimſoth und Zippel, und ließ in beiden die Beſatzung niederma⸗ 
chen, und die Schlöffer ſelbſt anſtecken. Das Landvolk rettete ſich bey ſolchen Anfäl⸗ 
ten meiſt in die Wälder. Henrich Monte und andere Preuſſen lockten „ 


N 2 


| Hanno von Sangerhauſen. W 
well fie die deutſche Sprache ehemals erlernet hatten, öfters ins Garn. In Elbing 1274. 
langten verſchiedene treu gebliebene Pogeſanier an, verhielten ſich jedoch gegen die Ans 
zahl der Aufruͤhrer ſehr ſchwach. Dieſe belagerten nebſt Sudauern und andern preuſ⸗ 
ſiſchen Völkerſchaften Elbing, und wuͤrden wenigſtens die Vorſtadt erobert haben, 
wenn nicht der Anführer dieſer Belagerer Wirtel durch einen Lanzenſtich ums leben ges 
kommen wäre. Sie legten davor das Schloß Oſſeck zwiſchen den Fluͤſſen Rogau 
und Wiſecke und auch das Schloß Weckritz in die Aſche, das auf der andern Seite 
der Rogow angelegt war. Die Pogeſanier, welche unter den Aufruͤhrern ſich am 
längsten hielten, lockten viel elbingſche Burger 1273 in einen Hinterhalt, und fehnits 
ten fie von der Stadt ab. Dieſe zogen ſich in die Mühle Liefardi, und hielten einen 
Anfall muthig aus, muſten ſich jedennoch endlich entſchluͤſſen, 25 Bürger den Feinden 
zu uͤberliefern, um die übrigen zu ſichern. Aber der Feind bewies fich treulos, ſteckte 
die Mühle an, und was nicht darin verbrandte, muſte über die Klinge fpringen. 


455 1 $. 60. 


Es waren in Preuffen nur noch die Sudauer, Nadrauer und Schalauner Der hohmer 
nebſt denen angrenzenden Lithauern, welche alle den vorigen Abfall unterftügt hatten, as mit 
übrig, die der deutſche Orden ſich und der Religion zu unterwerfen vorfegte. Die 
udauer vernahmen die Unterwerfung der übrigen Preuſſen mit äufferftem Misver⸗ 
gnügen. Sie eroberten ſogar das von denen Barten beſetzte Schloß Bartenſtein, 
nd zerſtöreten es wiederum, wodurch fie ſich die Rache des Ordens aufs neue zuzogen H. 
Aber der Hochmeiſter Hanno von Sangerhauſen erlebte es nicht, daß alle preußi⸗ 
ſche londſchaften erobert wurden. Er gieng um dieſe Zeit 1274 mit Tode ab. Ob man 
elch ſolche fo wenig 7), als den Ort des Begraͤbniſſes u), bey dem Widerſpruch der 
Geſchichtſchreiber fo genau zu beſtimmen im Stande ift, fo iſt es doch wahrſcheinlich, 
daß, weil er a Jahr regieret, fein Tod 1274 erfolgt fey. Die Geſchichtſchreiber find 
aber einig, daß er alle lobſpruͤche verdiene. Sie nennen ihn einen weiſen Mann, eis 
ne herrliche Perſon, der wohl und löblich in groſſen Ehren regieret, gute Zucht gehal _ 
ten, und zu des Landes Vermehrung die Preuſſen ſowol als die Ordensbrüͤder im 
Zaum gehalten c). 
. r f f ö 
Die Stadt Heldrungen in Thuͤringen ) hat vormals ihre eigene Herren ger Ihm legt 
er * FE Be: 1 


N 


Kuren I 


U B 1 * 
Dub. p. 259: Henneb. p. 29. p. 85 u. 6. Man ſagt: er habe 1268 das Schloß 
5 3 ang 5 rg ſetzt den Tag feines Todes auf Sehansisbueg erbauen, und von ſich benennen 
#14 Iul n 371. auf 9 Id. Tulü. Schuͤtz laſſen; andere aber ſchreiben die Erbauung dem 
f. 45. und eine geſchriebene Ordens Chr. feken das Dusner zu, und ſagen, es fen ſolches 1245 geſche⸗ 
Jahr feines Todes auf 1275. Dusburg ſagt 1274. hen, von Werner Poleogr. St. 6 p. 8. 10. Ich 
Schütz f. 45 meint, er ſey in Trier ge habe mit Fleiß alles, was den Orden auſſer Preuß 
- en und begraben. Waiſſel aber S. 89. und ſen betroffen, in meiner Geſchichte weggelaffen, weil 
eine geſchriebene Ordens Chr. behaupten, er ſey ich mich hier beſonders um Preuſſen bekuͤmmere. 
u Marpurg in graben. ® ) von Falkenſtein Thür, Chr. B. 2 Th. a. 
) Dusb. p. zus. Heuseb. p. 370. 371. Wailel S. 947. „Se 


112 Geſchichte von Preuſſen. 
1274. babe, welche zum hohen Adel gehöreten 2), bis der letztere Friedrich im Aufne 40 
von Heldrun⸗Isten Jahrhunderts verjagt ward, und nachher ein ungluͤcklich Ende nahm 2). Aus 


sen im hoch pieſem Haufe war Hartmann, der andere Sohn Henrichs, Herrn von Heldrun. 


meiſterthum. gen b). Seine Brüder waren Henrich, Hermann und Otto c). Hart 


eh ſchon 1203 als Zeuge vor d) Er zeigt ſich auch 1225 in Urkunden e). 1227 
war fein Bruder Hermann im gelobten kande geweſen f). 1231 beſchenkten die Brüs 
der von Heldrungen den Lazarusorden g). Wie Hartmann nebſt dem Conrad, 
fandgrafen von Thüringen, und Dietrich von Gruͤningen bekehret, und zu Anneh⸗ 
mung des deutſchen Ordens bewogen fen, iſt bereits im beben Conrads von Thuͤ r 
ringen angeführet worden 5). 1234 und 1235 kommt er als Zeuge in Urkunden vor 1). 
Sein Bruder Hermann war ebenfals in den Orden getreten, und war 1236 und 1237 
ſehr gefchäftig, als die Vereinigung der Schwerdbrüder und der Marianer vor c 
gieng 1). Ohngefehr 1255 mag Hartmann mit dem Hanno von Sangerhau 

und Meinecke von Querfurt nach Preuſſen gekommen ſeyn. Vielleicht hielt er fi 
nachmals in Deutſchland, Waͤlſchland und dem gelobten Lande auf J). Denn * 
finde eher nichts welter von ihm / als bis er 1274 aum Hochmeifter erwäßler worden n). 

00 62. — * * * 

Unter ihm Im gelobten eme waren dle Ehriſten bereits faſt gänzlich vertrieben, > 
wird Ras Hartmann ſahe wohl ein, daß es vergeblich ſeyn dürfte, daſelbſt an Eroberungen 7 5 


—ꝗ .— tr — — 


drauen er⸗ 


obert. 


denken, da man vielmehr befürchten konte, der Orden werde auch dasjenige, u 


daſelbſt noch zuftändig, einbuͤſſen. 


In Europa war gröffere Hofnung, wo 


Rudelph dem Orden alle Freiheiten beſtaͤtigte 2). Beſonders konte ſich der 
vieles in Preuſſen verſprechen, da unſer Hartmann Hochmeiſter geworden. Er ver 
fügte ſich daher nach Deutſchland, theils um Preuſſen näher zu ſeyn, theils von ra 


2) So heiſt z. E. Henrieus ſenior Nobilis de 
Heldrungen in Mencken Ser. Rer. Germ. T. 1. 
p. 626. Man nennt aber unſern Hartmann falſch⸗ 
2 einen Grafen von Heldrungen. Schusz f. 45. 

p. 371. Waiſſel p. yo. 

a) ) Falten tens . e. p. 949. 950. Spangen⸗ 
berg mans feldiſche Chr. S. 356. Sorn Leben 
Friedrichs des Streitbaren S. 777 gol. Luca 
Graſenſaal, S. 282. Mencken I. c T. 2 p. 1568. 
T. 3 p 1326, 

b) 25 Ludoig Rel. T. 5 p. 118. 

c) Tentsel Hiſt. Gorb. Suppl. 2 p. 36. 

d) Loeberi diſſ. de Burggr. Orlamund, p. 59. 
Avemann Beſchreibung der Burggrafen von 
Kirchberg in Append. p. 196. Dielleicht ift 
dieſe Urkunde ſpaͤter ausgeſertiget. 

e) Ordensdeduct. gegen Heſſen. Beil. N. 43. 

7) Meucken I. e. T. 2 p. 1717. 1568. Paulini 
Ann. Iſenac. p. 37. Meliſſantes in Beſchrei⸗ 
bung der Bergſchloſſer S. 16 ſagt, unſer Hart⸗ 


mann ſey 1224 mit dem Kaiſer Seiedrich 2 ins 


x 


geworden. Ich bleibe, fo lange ni Eu e 


8 Land gezogen. Das Jahr iſt u: e m 4 

al ch. 7 
g Tenerel Hiſt. Gorb. Suppl. 2 p. * a. 
) Siehe auch Sagyrturii Hiſt. N > 


i) Rudolpbi Gorba Dirk in Approd 
und 5. 


) Das iſt oben gezeigt. Dieser egen 
von Heldrungen ſoll ſogar eine eigene 
davon aufgeſetzt haben. Arnd S. 36. FEUER * 

) Franke Hiſtorie der Grafſchaft NN eld 
S. 52. Spangenberg Muerf. Chr. D. 348. Da 
5 3 er 15 ich ir bis 1265 in 15 
en ſo hervorgethan, daß er au 1! 
ſter geworden. A 3 5 

m) Dusburg ſagt; er ſey 1274 1 


theil augenſcheinlich zu erweiſen iſt 
Dusburg, als dem ätteften preufifgen © i 
ſchichtſchreiber. 72 Yin 

1) Drdensdeduct, gegen Sehen Do. men, zer 


N > 


Hartmann von Heldrungen. 113 


aus nach und nach anſehnliche Huͤlfe dem Orden in Preuſſen zu verſchaſſen 0). Es 1274. 
war beſchloſſen, daß unter ihm endlich das Heidenthum völlig ausgerottet, und das 
land gaͤnzlich erobert werden ſolte. Der kandmeiſter in Preuſſen, Dietrich von Gat⸗ 
tersleben, kehrte ſchon hiezu Anſtalten vor, als die Sudauer, Nadrauer und Scha⸗ 
launer ihrem Untergange vorzukommen ſuchten. Sie ruͤckten mit anſehnlicher Macht 
vor das unweit Bartenſtein im Kartener Walde dem Orden zuſtehende Schloß Be⸗ 
ſelede. Aber ein tapferes Weib vereitelte ihre Anſchlaͤge. Sie ſprach ihren Söhnen 
und andern Beſatzungsvölkern auf roͤmiſche Art einen Muth ein, daß ſolche in einem 
glücklichen und herzhaften Ausfall über 2000 Mann erſchlugen, und die übrigen, die 
Belagerung aufzugeben, nöthigten p). Der Orden konte alſo nunmehr das vorhin 
zerſtörte Bartenſtein wiederherſtellen J). Da man alſo ſich theils hiedurch, theils 
nach völliger Beruhigung der Pomeſanier, Ermlaͤnder, Natanger, Barten und 
Samlaͤnder den Ruͤcken geſichert 7): fo konte man ſich um fo mehr verſprechen, daß 
der Krieg gegen die Nadrauer vom Gluͤck unterſtuͤtzt werden wuͤrde. Tirsko der 
Befehlshaber in Welau, wolte ſolches nicht abwarten. Er unterwarf ſich nebſt ans 
dern vornehmen Nadrauern dem Orden und dem Cyriſtenthum freiwillig. Hiedurch 
0 1 fich die Nadrauer merklich geſchwaͤcht 5), als der Krieg gegen ſie 1275 angieng. 1278. 
der neue preußiſche Landmeiſter, Conrad von Thierberg der ältere, von dem die d 
Stadt Elbing eine Urkunde von dieſem Jahr aufweiſen kann 7), ſchickte den tapfern 
Vogt von Samland, Dietrich von Liedelau 5), in ihr Gebiet ab, der in der Ger 
gend von Rethowis zwey Schlöffer eroberte, alles umher verwuͤſtete, und mit vielen 
Gefangenen und groſſer Beute ſieghaft wiederkam K). Eben derſelbe gieng 1276 zu 1276. 
Waſſer in das lithauiſche Gebiet, eroberte Otholich, hieb alles, was wehrhaft dar⸗ 
uumen nieder, und nahm die übrigen gefangen y). Eben fo machte es der fandmeifter 
Conrad von Thierberg der altere in dem Schloß Kaminiswicke an der Ars, nach, 
— nach hartnaͤckiger Gegenwehr erobert hatte 2). Weil ſich alſo der Or⸗ 


7 
1 


der haltbaren Plätze bemäͤchtiget, fo muſte das platte land ungemein vieles leiden, 
aß Nadrauen gaͤnzlich verwuͤſtet wurde. Dies bewog einen Theil des Volks, 
ch Annehmung der Taufe und der Ordensherrſchaft ſich Ruhe zu verſchaffen. Wem 


bes nicht anftund, der enttvich in das benachbarte Lithauen, wodurch dieſe voffreis 
nu 0 ft faſt in den Zuſtand einer gänzlichen Eindde gekommen a). Dieſes Gluͤck 
er u. ae Ae en n * 


| a | . der 
RI 1 p. 91. Henneb. p. 37%. fe am Aummelfluß. Es heiſt nur das Hummel 
5 5 1 * Eennel. 8 31 Schutz f. 46. privileg lum. . = 
Nur die Namen des Waldes, der herzhaften Frau 1) Das Haus ſtammt aus dem Altenburg⸗ 
und eines ihrer Söhne werden verſchieden ange ſchen, und hat ſich nachher in Schlefien ausge; 
r | ner 7 — bluͤhet. Schoetrgen Progr. 2. 
chen e . Benseb. bt 1" e Burggr. . 
2 Dusb 5 en N * x) Dub p. 262. Schutz f. 46. 

5) Dusburg. p. 261. Erl. Pr. Th. 4 P. 675. ) Dusb. p. 262. Schurz f. 46. 
deu 5 5 2) Dusb. p. 263. Henneb. p. 105. Schuez f. 46, 
En habe ſolches aus einem treſchenberg⸗ 4) Dusb. p. 264. Schurz f. 46. Sariknoch 

chen Mſerpt. uam, und betraf die Ochlen: A. u. N. Pr. S. 290. ’ 

P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 9 * 


1276, 


we /), woruͤber hernach mit Pommern ſchwere Srrungen erwachſen ſind. 


Auch Scha⸗ 


1 ner los. Oeftere gegen einander vorgenommene Streiferelen gaben dazu U laß g). 


ſchaft des or⸗ 
dens. 


1277. 


das Schloß Ramige am Memelflug, und legte ſolches in die Aſche 1). Es gerlerh 


114 Geſchichte von Preuſſen. 
der Waffen dauerhaft zu machen, ſorgte man vor immer beſſere Anbauung des Preuß 
ſenlandes. Der Biſchof von Pomeſanien Albrecht legte 1276 Stadt und Schloß 
Rieſenburg an 5), und der Landmeiſter Conrad von Thierberg ſorgte vor die Er⸗ 
richtung des Schloſſes und der Stadt Marienburg, die nachher ſogar die Wohnſtadt 
der Hochmeiſter geworden iſt c). In eben dieſem Jahr breitete der Orden auch ſeine 
Beſitzungen weiter in den ländern der Herzoge von Hinterpommern aus. Svent 
polks Bruder, Herzog Ratibor, war ſelbſt in den deutſchen Orden getreten, und 
hatte ſeinen ganzen Antheil kandes dem Orden geſchenkt, auch feinen Bruders Sohn Her⸗ 
jog Meſtwin vermocht, verſchiedenes dem Orden zu ſchenken d). Dieſes beſtaͤtigte 
nicht nur der Kaiſer Rudolph von Habſpurg e), ſondern der Herzog ( 


r von 
Hinterpommern übergab auch dem Orden den anſehnlichen Bezirk der Stadt Me, 


In dem Kriege gegen die Nadrauer brach auch ein Krieg doe n Sichel. a 


Jetzt war es Zeit, auch dieſe Völkerſchaft zu baͤndigen. Sie wohnte an dem Uler des 
Memelſtroms. Dietrich von Liedelow, Vogt auf Samland, erhielt alſo Befehl, 
den Feldzug 1277 zu erdfnen. Dieſes geſchahe durch glückliche Eroberung des Schloſ⸗ 
ſes Ragnit, welches doch die Ruſſen vor Ankunft des Ordens nach neunjähtiger vers 
geblicher Belagerung nicht hatten erobern können J). Sodenn erſtieg das Ordens volk 


> 


zwar in einem Anfall von 400 Schalaunen das Schloß Labiau in feindliche Ge, 
walt k), davor aber ward ganz Schalaunen von dem kandmeiſter ſchwer helmgeſucht, 
Beute gemacht, und auf dem Ruͤckzuge der feindliche Feldherr Slinegot in einen Hin⸗ 
terhalt gelockt und geſchlagen J). Sarect, der Befehlshaber des ſchalauniſchen Schloß 

ſes Sarecka, gedachte den Befehlshaber von Memel ins Garn zu ziehen. Er gaß 
vor, daß er ein Chriſt zu werden kuſt habe. Man mochte ihn aber mit einigen Bob 


— 


auflaure. Dieſem zu Folge ward Sarect mit dem Degen in der Hand an 
feine Volker zerſtreuet, und er ſelbſt nebſt acht andern vornehmen Herren gef 


Bei Erl. Pr. Th. 4 p. 366. Henneb. p. 399. e) Add. Bor. T. 3 p. 282 1 wr A 
sb. p. 262. A. B * * . 1 7 * 
c) Erl. Pr. Th. 2 p. 28. Th. 1 p. 705. 510. * f 8 6 re * 2 
Zabtknoch wendet manches gegen das daſelbſt E) Dusb. p. 264. Sell „Abe. . 
befindliche Privilegium ein, und nachher iſt über 1) Dusb. p. 264. 263. Schurz f. 46. Hanel. 


den Verſtand deſſelben, in Abſicht der Ausbefies P. 389, b 45 7 Arte E 
rung der Nogatbruͤcke, mancher Streit entfian ) Duisb. p. 266. Schutz f. 46. Kline f 46. 
den. Erl. Pr. Th. 3 p. 773. 4) Henneb. p. 24 Dusb. p. 265. Shure f. A6. 
dh Worin ſolches beſtanden, zeigt die Urkunde . 45 Dusb. p.267. Schusz f. 40. Er n R 
in Act. Bor. T. 3 p. 276. Feldherrn Stinegota oder Snohenott. 


u. 


Hartmann von Heldrungen. 115 

j nommen. Auf dem Zuge aber machte ſich Sarect, da das Ordensvolk eben im tiv 1277. 
| fen Schlaf begraben lag, von feinen Feſſeln, womit er an einen Baum gebunden, los, 
| erwiſchte einen Degen, womit er einem Ordensbruder und dreien Soldaten das kleben 
nahm) und noch einem andern den Arm abhieb. Weil aber hiedurch alles munter ges 
weorden, muſte er, aller ſeiner kelbesſtaͤrke unerachtet, der Menge unterliegen, und 
ward in Stücken gehauen 75), fein Schloß aber in die Aſche gelegt. Der landmeiſter 

| Conrad von Thierberg eroberte und zerflörte das Schloß Saſſow x). Alles gieng 

1 alſo dem Orden hierauf nach Wunſch. Drey landesherren der Schalaunen Sur⸗ 
banis, Suisdeta und a 0) ſuhen die Unmöglichkeit, dem Orden ferner zu wis 
derſtehen, und entſchloſſen ſich, mit allen den Ihrigen das Chriſtenthum anzunehmen. 

| Ihrem Beiſplel folgte das gemeine Volk. So war endlich auch dieſe, obgleich durch 

| den Krieg ziemlich verwuͤſtete landſchaft, in den Händen des Ordens ). 

N * Dr. (ug 


mir ; $. 64 

1 Deäooch anſtatt bierdurch zur zur zu kommen, wurden die Marianer in neue Der Pogefa: 
Weltlzufcigteiten verwickelt J. Ein Samlaͤnder Vonſe, Einnehmer in der Ger nir aufftand 
5 gend von Pubeten, wolte dürchaus zwey Weiber zugleich heirachen. Weil nun fol dane dag 
B ches die Ritter durchaus nicht zufaffen wolten, fo zettelte er einen neuen Aufſtand an 7), ungeachtet ge⸗ 
in welchen alle uͤberwundene preußiſche Völkerſchaften, die Pomeſanier allein ausge ſlet. 
nommen, ſich verwickeln lieſſen. Die Pogeſanier unterſtanden ſich jedoch, ganz als 

. lein öffentlich zu den Waffen zu greifen. Sie laureten den Befehls habern von Elbing 


und Chriſtburg auf, jagten ihre Bedeckung in die Flucht, und nahmen die Gebieti⸗ 
ger gefangen. Ein gewiſſer Powida aber befreiete ſolche aus ihren Händen s). Zum 
Nick kam eben damals Dietrich von Liedelow, Vogt von Samland, von feiner 
Reife aus Deutſchland zurück. Er hatte ſich ben denen Samlaͤndern eine zaͤrtliche 
liebe zu erregen gewuſt, und vermochte daher bey ihnen fo viel, daß fie alle Gedanken 
| fahren lieſſen, fich zu den Aufrügrern zu ſchlagen. Die Natanger und Ermlaͤnder 
gien dem Beiſpiel der Samlaͤnder. Weil nun die Nadrauer und Schalauner 
urch die vorigen Kriege on Mannſchaft ſehr geſchwächt worden, fo berußete der ganze 
f and faſt allein auf denen Pogeſaniern. Der landmeiſter gieng zweimal in einem 
Je in ihre kandſhaft, und beheeree ſoche dergeſolt, daß vie Pogeſinier ebenfals 
; br dünne gemacht wurden. Die uͤbrigen Misvergnuͤgten muſten das fand mit dem 
Rücken anſehen, und in der lithauiſchen Veſtung Garthe ihren Zufluchtsort für 
chen ). In dieſe innerlichen Unrußen miſchten ſich die noch unbezwungenen Su 
ha 91 N P 2 


5 f dauer. 

2 m) Dusb. ©. 268. Schütz f. 46. 47. b r) en > davor mit der Todesſtrafe be: 
e Dusb. S. 269. Schüg f. 47. legt. Dusb. O. 271. 

) Sie werden auch Siabantz, Sviedeta, 33 ar 12 — Rn 8 

Sinders und Mindeta genannt. a . \ rg 

9 2 Dietrich Rothe habe 1279 die Pogeſanier ge⸗ 

+?) Dusb. ©. 269. Schüg f. 47. ſchlagen. Aber in dem Jahr war Koth nicht 


J Mislener ſetzt den Aufſtand ins Jahr 1272. mehr Comthur von Chriſtburg. Die Schlacht 
Ich folge dem Duell. P. 1. S. 23. und dem Dusb. muß in den vorigen Abfall fallen. 
S. 269. Ar ) Dusb. S. 271. Senneb. S. 353 


116 Schicht von Preuſſen. 6 
1277. dauer u). Dieſe noch unbezwungene Volkerſchaft zweifelte nicht, daß nun auch 4 
fie die Reihe treffen muͤſſe, vom Orden angefallen zu werden, da fie ohnedies in denen 
vorigen Kriegen bereits öfters ihren Landsleuten gegen die Marianer Beiſtand gelei⸗ 
ſtet x). Sie fielen daher im jetzt gemeldeten Aufſtande der Pogefanier ; mehreren · 
malen das Culmerland an. Weil man die Sudauer unter allen Preuſſen vor die 
ſtaͤrkſten, tapferſten und edelſten hielt )), fo fühlte man ihre Einfälle um fo mehr. 
1278. Sonderlich wirthſchafteten fie 1278 in der Landſchaft Culm durch Raub, Mord und 
Brand ganz erſchrecklich. Der kandeomthur von Culm Berthold von Nordhauſen 
hatte hieran groͤſtentheils Schuld. Dieſer Geizhals, der die Unterthanen bis aufs 
Blut aus ſog, ſcheuete die mindeſten Unkoſten auf Gegenanſtalten zu verwenden. Zu⸗ 
gleich bezeigte er bey aller Gelegenheit ſich feige, dem Feinde zu widerſtehen 2). 
Der tandmeifter ſahe ſich daher endlich gendthiget, ihn abzuſetzen, und ſein gehabtes Amt 
dem tapfern Hermann von Schonenberg aufzutragen, der, ſo oft die Sudauer 
mit einer nicht gar zu überlegenen Macht neue Streifereien wagten, ſolche mit 
Verluſt zuruͤck jagte. Endlich aber fielen 4000 Sudauer, zu denen eine gro 
ge lithauiſcher Völker geftoffen, in das Culmerland 4). Sie belagerten das! j 
Pollowiſt, welches einem tehnsträger zuftändig, zogen aber mit dem Bedinge ab, 
daß man ihnen zweene erfahrne Wegweiſer geben ſolte. Man konte ihnen keine f 
lichere Bedingung zugeſtehen. Denn nun durchſtreiften fie die Gegenden von 
Leippe, Papau, deſſen Vorſtaͤdte ſie anſteckten, Tavernitz, welche Burg eine 
traͤgers fie vergeblich belagerten, und faſt das ganze Culmerland. Sodenn jo 
nach Clements Fähren an der Nogat, das auch einem lehnstraͤger gehörete, je 
erobert und eingeaͤſchert wurde. Hierauf richteten dieſe Feinde bey Graudentz 
rienwerder, Zanthier, Chriſtburg, und uberall wo ſie hinkamen, u ee 3 
an und follen eine ſehr groſſe Anzahl Menſchen in die Sclaverey seföleppt n, 5 
. . 65. 7 ar Be ” 
Der krieg ge⸗ Die Sudauer waren alfo noch zu bezwingen, um die Eroberung pr e na 
gen die Su- vollſtaͤndig zu machen 5). Der landmeiſter Conrad von Thierberg that in 
off sei mit 1500 Pferden einen Zug in die Begend Kimenow. Auſſer der Beute wurde 
rin auf 1000 Gefangene gemacht, und auf dem Ruͤckwege bey dem Walde © 
25 freiwillige Feinde glücklich geſchlagen, wehe nur 6 Bruͤder ihr Rs büͤß 


3; Schug f. 47 — na haben auch die . 
"I Schuͤtz f. 47. waiſſel © 3. EN, erſtiegen. Senneb S. g 
S. 442. Leo S. z. der die Judauer anführte, konte doch die ! 
2) Dusb: S. 272. 273. Senneb. S. 56. Polacken verabredete Verraͤtherey gegen di 


„ Dusb. S 272.273. wo auch die verſchiede Culmfee nicht ausfuͤhren. Henneb. 9.34 

ne Leſearten dieſer Orte ſtehen Leo S. 121 der f D 5. = - 
auch ein Beiſpiel beibringt, wie nemlich ein chriſt⸗ ) usb. p. 274. 
lich Maͤdgen gegen einen Sudauer ihre Keu chheit ch) Ibid, p. 275. 


| Hartmann von Heldrungen. 117 
1 Die Litthauer Hatten ſich 1279 durch Einfälle in die polniſchen Staaten d), einen 
vor fie nicht gar zu glücklichen Krieg e) zugezogen, und konten daher die Sudauer 
1 nicht unterftügen. Der kandmeiſter bediente ſich dieſes Umſtandes, und verwüͤſtete die 
6 ſudauiſche Gegend Meruniske /). Einige Halbbruͤder des Ordens, nemlich Mar⸗ 
| tin Golin, der ſich fehon vorher und auch nachher ſehr berühmt gemacht, und durch 
j fine Tpaten den Mamen Unverzagt ſch erworben g), Conrad Teufel 5), Claus 
1 Stobemeel ), Kudare ein bekehrter Sudauer , und Nakam ein bekehrter Po⸗ 
geſanier, chaten, nebſt andern zur Partey gehörigen, den Feinden erſtaunenden Schar 
1 den H), und als die Sudauer durch einen Einfall in Natangen ſich zu rächen ſuch⸗ 
* ten, wurden ſie mit blutigen Köpfen abgewieſen m). Der Tod aber legte um die Zeit 
1 den landmeiſter Conrad von Thierberg den ältern ins Grab, und da auch der lief⸗ 
1 laͤndiſche landmeiſter Ernſt von Raſtberg um die Zeit geblieben, ſo ward auf einer 
F allgemeinen Drbensverfammlung vor gut gehalten, beiden tänbern einen gemeinſchaft⸗ 
iülcchen landmeiſter vorzuſetzen, damit ſolcher mit vereinigter Macht überall, den Unglaͤu⸗ 
bigen Widerſtand leiſten könte. Conrad von Feuchtwangen ward hiezu beſtimmt, 
4 der auch nach verſchiedentlichen gemachten Schwierigkelten dieſe Wuͤrde annahm 1). 
1 Dieſer gieng nach Liefland ab. Er legte die Stadt Memel bey dem Schloſſe dieſes 
Namens an 0). Der Biſchof von Ermeland verlegte die Stadt Braunsberg an 
5 die jetzige Stelle p). Den Krieg gegen die Sudauer zu führen, vertrauete Conrad 
| von Feuchtwangen dem preußiſchen Ordensmarſchall Conrad von Thierberg dem 
F juͤngern an. Es verheerere ſolcher noch in fpärer. Jahreszeit die ſudauiſche Gegend 
u Dali, waͤre aber auf dem Ruͤckwege in dem See Negothin oder Leventin bey Lö⸗ 
1 ‚Ben gewiß erſoffen, wenn das Eiß, ſtatt des Morgens, den vorigen ſpaͤten Abend aufs 
gegangen waͤre J). Der gemeinſchaftliche kandmeiſter Conrad von Feuchtwangen 
= fanddie daft —— laͤndern Preuſſen und Liefland zugleich vorzuſtehen, zu ſchwer. 
Er legte alſo die kandmeiſterwuͤrde von Preuſſen 1280, und bald darauf auch von 
Liefland nieder, und hatte den Mangold von Sternberg in beiden Ländern zum 
Nachfolger, der zuvor als Comthur zu Königsberg dem Orden wichtige Dienfte ges 
* e neuen e auf Be Art ein Gnuͤgen that 7). 
- EISEN Were * P 3 7 Damit 


ner 


0 . 276. eben menden. 


2 * Haupt der obrigen Von 
2 — und Namen handelt Dus b. S. 246 


) Dueb ©. 277. 
m) bid. p. 278. 
n) Due b S 278. walſſel ©. 91. f 
0) Erl. Pr Th 4. S. 235. Das Schloß was 
ſchon 1250 erbauet. 


p) Henneb S. 36. Die vorige Stadt war 


. S. 188. Erl. Pr. Th. 5. 
5 ee 273 304 Schug f. 54 Reg. 
3 


For ) El Pe. ch. S 67. Dusb. 304. 305 
Ig Da Bar ein Sudauer geweſen, fo muß 
der Ruder er, der im Dusb. 205 vors 
kommt, Er 5 anderer ſeyn. f 


verlaſſen und verbrannt. Dusb. S. 131. Erl Pr. 


Th. 2. S 13. 

7) Dusb. S. 279. Leo S 3 

7) Duc b. S. 278. 279. Wale S 97. Daß 
er Landmeiſter beider Länder geweſen, beweiſen 
Acta Boruſſ T. 3 p 275. Herr Arnd hat ihn 75 
irrig ausgelaſſen in der Reihe der Landmeiſter in 
Lieftand. 


1279 


1280. 


1280. 


1281. 


1282. 


118 Ä Geſchichte! von Peeuffen, 

Damit der Anbau der Stadt Marienburg ſchleuniger von ſtatten gienge, ließ er das 
Schloß Zanthier abbrechen, und das davon erhaltene Holz und Steine zu dem Ort 
verwenden, der nachher der hochmeiſterliche Wohufig geworden s). Auch d Sa: 
Morungen ward jetzt angelegt ). Die Sudauer fielen zwar mit lithauiſe 

fe in Samland. Weil aber der Orden von dieſem Einfall ſchon vorlä a: 
batte; ſo machte man ſo gute Gegenanſtalten, daß auſſer Verheerung atten fans 
des die Feinde nichts auszurichten vermochten u). Weit gluͤcklicher war — 1 2 u 
Befehlshaber in Taziaur, der in einem Einbruch viele feindliche Orte in die Aſche leg ⸗ 
te, und mit vornehmen Gefangenen und reicher Beute beladen glücklich 7 5 
Der Muth dieſes Mannes war ſo auſſerordentlich groß, daß ihm der Landmeiſter 
terſagen muſte, ohne ausdrücklichen Befehl etwas gegen die Feinde zu unternehmen x=). 
R genttz ein anſehnlicher Sudauer/ nahm damals mit allen ſeinen Verwandten 
und jkhöcigen die Taufe an / worin ihm der Befehlshaber zu Balge redlich zur and. 
gieng )). Der kandmeiſter Mangold von Sternberg ſetzte 1281 die Kriege 
die udauier fott. Er brach in die ſudauiſche Gegend Craſime ein) die er icht 
nur verheerete, ſondern auch das Wohnſchloß des ſudauiſchen Feldherrn Scuman 

in die Aſche legte, und viele Gefangene machte. Er buͤſte aber hleben manchen brav 
Mann, und ſonderlich den kuͤhnen Comthur von Tapiau Ulrich Bayer ein, der m 
fünf Wunden, feinem Wunſch gemäß, entleibet wurde 2). Auch Bruder Ludwig 
von Liebenzel gerieth in dieſem Kriege in Scumands Hände. Doch dieſer el 
wuſte die Tapferkeit zu ſchaͤtzen, hielt ihn hoch, und erlaubte ihm auf einem 
bot, ſich an einem vornehmen Sudauer, der feine Ehre angegriffen, durch deſſen 
Tod zu rächen a). Eben dieſer Ordensbruder bekam bald darauf Gelegenheit, ſich 
wieder in Freiheit zu ſetzen. Der mächtige und reiche ſudauiſche Fuͤrſt und Feldherr 
Scumand wurde 1282 noch öfters durch das Ordens volk fo heimgeſucht, daß er an der 
Erhaltung der Freiheit ſeines Landes zu verzweifeln anſieng. Er verſuchte zwar aufs 
neue ſich in der Gegend Craſime veſtzuſetzen. Weil er aber vor dem Ordensvolk keine 
ruhige Stunde hatte, fo hielt er es endlich für das zutraͤglichſte Y), ſich nebſt dem Sei 
nigen dem Orden zu unterwerfen, und ſich taufen zu laſſen. Auch auf der Seite von 
Pommern wurden einige Streitigkeiten des Ordens mit dem Herzoge Dielen, bei 
gelegt, die bey Gelegenheit der groffen Schenkungen des Ratibors und 

auch des Meſtwin ſelbſt entſtanden. Der paͤpſtliche Botſchafter Philip wir Abe 


a , N 5. l 
c Dusb. S. 283. Im Jahr Ra ward der 1) Dusb. S. 280. Schi 6 * 
Anfang zum Bau gemacht. Hartkn. A. u. N. ) Dusb. S. 280. 28. va * 
Pr. S. 405. und hatte ſchon in dem Jahr unter ) Dusb. S. 282. Leo wernagfin ihn ihn 
Conrad von Thierberg ſeinen Comthur. Erl. mit dem Scumand. 2 
Pr. Th. 1. S. 712. 714. Mangold brachte die Sache ) Der Sieg mag ſehr blutig vor a 
zum Eude, welches 1731 geſchehen ſeyn mag. Erl. geweſen ſeyn. Dusb. S. 281. 284. f. 48. 
Pr. Th. 1. S. 705. 707. Pr. Todestempel S. 140. a) Dusb. S. 245. Schuͤtz f. 439. + 2 
2 een S. 266. Neuer Buͤcherſaal Th. 3. “) Dusb. S. 286. 3 48. 49. 
völlige Ende des ſudauiſchen Krieges 
1 Erl Pr. Th. 2. S. 278. | die folgende Regierung. 


Br $. 67. 


Dun von Sternberg geſtorben. 


\ 


Hartmann von Heldrungen. 119 


Mittels perſon. In dieſem Vergleich muſte der Orden mit Abtretung desjenigen Bezirks 1282. 
landes ſich befriedigen, wo man nachher Mewe erbauete. Wir werden aber unten 

fehen, wie der Orden noch weiter in Ae e um an zu gef Print! gefun⸗ 

5 als igm Ar nen iſt * ? 

155 60. 


Der Tod erlaubte dem Hochweiſte Hartmann von Heldrungen ni acht ab bt, — hochmei⸗ 


mann ſtirbt. 


* m 1 des Krieges mit preußiſchen Volkerſchaften zu ſehen, obgleich unter Fi RER 


Regierung ſich daffelde immer mehr und mehr naͤherte. Er ſtarb den igten Au 
1283 d). Wo er aber fin lebensende gefunden, laͤſſet ſich noch nicht mt a: 1283. 
beſtimmen e). Er muß fein beben fehe hoch gebracht haben /). f 


Nach ihm wählte der Orden aufeinee allgemeinen Verſammlung den Burchard von Ihm ſolgt 
Schwenden oder Schwanden zum Hochmeiſter g). Sein Geſchlecht hat mehrere Ritter 1 
im deutſchen Orden. Denn nach dem Burchard von Schwenden fomint unter denen Or ⸗ 
3 auch ein Cuntz von Schwenden vor Y). In neuern Zeiten hat ſich aber Las 

von Schwenden, Frelherr von Hohenlandsberg zu den Zeiten Carls 5, Fer 

Sande 1 und Maximilians 2, durch groſſe Heldenthaten verewiget. Auch bey 
Maximilians 2 Tode war Dietrich von Schwenden am kaiſerlichen Hofe in gutem 
Anſehen. Ich glaube, daß einige dieſes Hauſes ſich in der Mark Brandenburg nie⸗ 
dergelaſſen, und daß die Helden Johann Freiherr von Schwendi !) ſowol, als 
Moritz Chriſtian von Schwendi A), zu feinem Haufe gehören. Ein mehreres bin 
nicht im Stande, weder von dem Geſchlecht noch der Perſon Burchards von 

wenden anzugeben, ehe ſolcher zur Hochmeiſterwuͤrde gekommen. Veelleicht iſt 
er vor feiner Wahl im gelobten Sande geweſen. Daß um dieſe Zeit auch der Groscom⸗ 
. aus Ackers Dietrich in Deutſchland geweſen, erweiſet eine Urkunde 7). 


* 


Be der Reiſe zur Hochmeiſterwahl war der bisherige Befehlshaber in Preuſſen Endlich wird 
Der bisherige breußfſche Marſchall * Sudauen, 


n mi ithin ganz 


1 Sr Die Urkunde des Vergleichs ſtehet in den nürnberg geſtorben, und zu e in 


Act. Boruſf T. 3. p. 274. daraus muß verbeſ Mergentheim begraben. Henneb. S. 372. Weil 


fert werden, was Hartkn. und Dusb. von dieſer 


Sache beigebracht. Dusb. S. 297. f. 
Schutz f. 32. Hartkn. A. u. N. Pr. S. 243. 


usb. S 260 verglichen mit S. 279. Der ı9te D 
— — 14 Kal. Sept. und der St. Bernhards⸗ 


it ein Tag. Henneb S. 372. Er hat al⸗ 


reg 12 Jahr nach Gerſtenberger/ fondern, 


a Jahr regiert. Henneb. S. 392. Wai ſſel 


S. 

> "Einige ſagen: er ware nach Prolomais ge⸗ 
reift, und auf der Ruͤckreiſe zu Venedig geſtorben. 
Venator S. 62. 
371. Schutz ſ. 52. Andere geben vor, er ſey zu 


Waiſſel S. 91. Henneb S. 37 


Heſſe in diſſert. Inaug. Hiſt. polit. publ. iuridico, 
der letzten Meinung beipflichtet, und das Grab; 
mal ſelbſt geſehen haben kann, fo fällt ſolchem auch 
uellius S. 23. bey. 

= N er ſchon 1203 Zeuge geweſen, ſo 


Me; Siehe meine Beben groffer Br 20. 2. 
o. 24 

k) Esendaf Th. 2. Mo. 33. 

I) de Falckenſtein Cod. Dipl. Nordgav. p. 79: . 


1283. 


Be Preuſſen be: 


zwungen. 


einander gehen. Doch gleich darauf fielen die Lithauer uͤber die curiſche Nerung 


120 Geſchichte von Preuſſen. 5 
von Thierberg that in dieſer Zeit einen glücklichen Einfall in das ſudauiſche Gebiet 
Selia. Wadole, Herr der Gegend, kam hiebey ums deben. Das Ordensvolk 
machte reiche Beute. Nur Ludwig von Liebenzel ward dabey fo ſtark verwundet, daß 
er halbtodt im Schnee liegen blieb. Er kam alſo als Gefangener in die Hände eines 
edlen Sudauers Cantengerde, der vor ſeine Heilung Sorge tragen ließ m). Der 
Marſchall hatte ſich bisher fo verdient gemacht, daß ihm nunmehr das erledigte kand⸗ 
meiſteramt in Preuſſen, welches ſchon fein Bruder, gleiches Namens, vor i ‚ger “ 
habt, ertheilt wurde u). Er nahm ſich feiner damit verfnüpften Pflichten nach allem 
Vermoͤgen an. Da durch den letztern Vergleich der Orden von Pommern die Geg: nd 
von Mewe erhalten, fo ließ der Landmeiſter ſchleunig an Erbauung und Beve f 
dieſes Orts arbeiten, weil er ſich nicht darauf verlaſſen konte, ob der Herzog Meſtwi 
dem Vertrage beftändig nachkommen wuͤrde. Um keine Zeit zu verſſumen, ward 
Potterberg eingeriſſen, und aus deſſen Bauſtuͤcken Mewe ſofort ange bauet und d 
ſtiget o). In der Zeit erhielt der dandmeiſter Nachricht, daß ein Schwarm gi 
Samland mit einem Einfall bedrohe. Er paßte ſolchem lange Zeit auf. Endlich aber 
glaubte er; die Lithauer Hätten ihr Vorhaben eingeftellet, und ließ daher ſetne Völker aus 


von Beten und Pubeten, erſchlugen auf 180 Chriſten, und richteten groſſe Ders 
wuͤſtungen an p). Solchen Einfällen kuͤnftig vorzubauen, legte der kandmelſter at 
der Nerung an der See das Schloß Meuhaus an, welches aber nachher auf eine an 
dere Stelle, eine Meile von Koͤnigsberg, verlegt worden J). Ludwig von Lieber 
zel hatte indeſſen den Cantengerde nebſt 1600 Lithauern beredet, das Chriſt ichum 
anzunehmen, und ſich unter des Ordens Schutz zu begeben. Der Landmeiſter u 
dleſer anſehnlichen Geſellſchaft Wohnpläge in Samland an der Oſtſee, in der mitter 
nächtlichen Gegend Preuſſens an, da das alte Sudauen in der mittaͤgliche Gegen 
ſuchen, wo jetzt Oletzko und Lyck zu finden. Sodenn ruckte Conrad von 
mit einem Heer in das alte Sudauen, nahm das Schloß Kimenow mit der Bebins 
gung ein, daß alle Einwohner das Chriſtenthum bekennen, und mit dem Jhrigeı 
ihren tandsleuten nach Samland ziehen ſolten. Aber dieſe Sudauer . ? 
Verſprechen, und entflohen nach Lithauen r). Friedrich Holle, ein leiblicher Br 
r Marquards von Röbelingen, that mit 100 Reutern von der Brandenburger 
atzung auch einen Einfall in die ſudauiſche Gegend Kirſow, hatte aber das Un 
auf dem Ruͤckwege von den Feinden eingeholt, und mit 30 feiner beute niedergehauen 
zu werden s). Da der Orden mit den Sudauern nur noch allein zu thun hatte, und 
alle feine Macht gegen fie anwenden konte, fo wurden ſolche durch immerwaͤhrende Ein 
fälle fo mürbe gemacht, daß Jedetus, Landshauptmann von Kimenow mit 15 
Menſchen ſich taufen ließ, und auch nach Samland mit dem Seinen abgeſchickt wu 


371 


1 Eu p. 286. 90) Ibid. p. 253. 3 — — z 
n) bid. p. 249. a 9 eur 
o) Ibid. p. 277. r) Ibid p. 292. e 


10 Ibid. p. 257. Henneb. p. 3 7. s) Ibid. p. 293. 294. 3 eee. 


Burchard von Schwenden. 121 


de. Surdo aber, lands hauptmann einer andern ſudauiſchen Gegend, zog ſich mit 1283. 
feinem Volk nach Lithauen, weil ſolcher zum Chriſtenthum keine tuft bezeigte, und 
als Heide vor dem Orden in Sudauen nicht ſicher bleiben konte. Dies alles machte 
dieſe landſchaft ziemlich öde 2). Nun ſuchten die Marianer die Ueberreſte der alten 
Einwohner beizubehalten. Dem Adel wurden frele und anſehnliche Güter eingeräumt, 
Davon fie ſtandesmaͤßig leben konten. Die Unterthaͤnigen blieben in der leibeigenſchaft, 
welche in Preuſſen bis daher üblich geweſen. Doch beobachtete der Orden daben die 
l Gerechtigkeit daß man die Unedlen und Knechte, welche ſich zur Zeit des Krieges vor 
den Orden beſonders hervorgethan, mit dem Adel und der Freiheit belohnte. Andere 
* — — und freie deute, die ſich durch Abfall und Widerſetzlichkeit befandt gemacht, bes 
er rasten die Marianer mit der teibeigenfchaft. Doch giebt es noch jetzo adeliche Haͤu⸗ 
ſer in Preuſſen, die aus adelichen Haͤuſern der alten Preuſſen abſtammen. Mit der 
Bezwingung der Sudauer endigte ſich endlich der szjährige Krieg, welcher zwar dem 
Orden viel Blut und Mühe gekoſtet, aber ihn Jedoch) aulegt 2 Gem des ganzen 
a 1 eee bat x). - 
* 68. BEA, 


Es wird meines Erachtens dienlich ſeyn, bier ein und die andere 7 uber Der orden hat 
Men jetzt geendigten Krieg ſowol, als über deſſen Folgen zu machen. Wir haben er ee 
n oben hin und wieder eins und das andere von der Rechtmäßigkeit deſſelben ange auf ee 
— Wir wollen ſolches aber jetzt zufammenfaflen. Die alten Preuſſen kannten erhalten. 
die deutſchen Ritter nicht einmal, und konten alſo nicht denenſelben Urſache zum ge⸗ 
rechten Kriege gegeben haben. Eben ſo wenig konten die Ritter vom erſten Biſchof 
Ehriftian , oder dem maſoviſchen Herzog Conrad berechtiget werden, dieſe beute ans 
zufallen. Der erſte wolte ein Apoſtel fern. Wenn er kein Gehör bey den Heiden 
= fand, ſo hätte er nach dem Befehl deſſen, den er als den oberften Befehlshaber zu pres 
digen vorgab, den Staub von feinen Fuͤſſen abſchuͤtteln und fortgehen, Verfolgungen 
dulden und nicht erregen, die Meubekehrten nicht vom Gehorſam ihrer bisherigen recht / 
muͤßigen Herren entbinden, ſondern noch dazu anhalten ſollen. Er hatte ſelbſt keine 
Rechte gegen die Preuſſen, und zu einem Kriege gegen deſſen Einwohner, und konte 
. alſo auch keinen andern berechtigen, ſeinetwegen mit ihnen Krieg anzufangen. Eben 
ſo wenig konte Herzog Conrad ſolches thun. So weit die Gewisheit der Geſchichtg 
langet, fo findet ſich, daß die Preuſſen ſeit Boleslai 1 von Polen Zeiten, ein Ges 
genſtand der Eroberungsbegierde der Polacken geweſen. Faſt in allen Kriegen blieben 
die Polacken der angreifende, und die Preuffen der ſich vertheidigende Theil. Die 
erſtern verwuͤſteten der letztern Staaten, und preßten ihnen zuweilen einen Tribut ab, 
der zwar allemal ein Beweis ift, daß der, welcher denſelben entrichten muß, ſich zu 
efnmächtig hält, die Beſchwerlichkeiten . Anfälle in die Lange auszuhalten, 
> der 


. ———— 


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2 


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. 


Erin 


e Dub. E. 2 „ Ihid. p. 296. 
2 Ibid p- 3. Der x Ch ee: recht angegangen, e bis 1283. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 T 


283. 


122 Geſchichte von Preuſſen. 
der aber zugleich ein ſicheres Merkmal abgiebt, daß der, welcher den Tribut bekommt, 
ſich von der Hofnung ſehr entfernt haͤlt, ein Volk ſich ganz unterthaͤnig zu machen. 
Blos das Culmer Gebiet mag Polen erobert haben, obgleich die Preuſſen noch ebene ' 
fals ihre Anſpruͤche darauf hatten. Um dieſelbe auszufuͤhren, um ſich des Tributs zu 2 
entladen, um die Polacken auſſer Stand zu fegen, kuͤnftig weitere Verſuche zu Erobe⸗ 
rungen zu machen, bedieneten ſich die Preuſſen der Zeitumſtaͤnde, die ſich nach Bo⸗ 
leslai 3 Tode im polniſchen Staat darboten, und ſuchten durch Einfälle in Maſo⸗ 
vien denen Polacken fühlbar zu machen, wie uͤbel man bisher gegen ſie gehandelt. 
Conrad konte alſo mit Recht von Preuffen nichts an den deutſchen Orden verſchen / 
ken, als hoͤchſtens das Culmerland, ſoviel ihm davon zuſtaͤndig. Er konte ſich deſſel⸗ 
ben als eines Bundesgenoſſen bedienen, aber demſelben nichts geben, was er nicht hat⸗ 
te. Er handelte alſo nach bloſſer Staatskunſt, ohne alle Gerechtigkelt, wenn er 
Preuſſen verſchenkte, was er nicht hatte, und ſo laͤcherlich ſein Verfahren auch im ⸗ 
mer ſcheinet, fo waͤre zu wuͤnſchen, daß man nicht zu unſern Zeiten eben ſolche unbe⸗ 
fugte tändertheifungen noch unbezwungener Staaten als Beiſpiele des Verhaltens des 
Herzogs Conrads anführen Fonte. Auch als bloſſe Bundesgenoſſen Conrads war der 
deutſche Orden nicht berechtiget, Preuſſen zu erobern. Ein Bundesgenoſſe kann 
nicht mehr Recht als derjenige haben, dem zu gefallen der Krieg gefuͤhret wird. Der 
Kaiſer ſchenkte zwar dem deutſchen Orden das Preuſſen, aber er muß ſelbſt gela 
haben, da er die Urſache in Erwegung zog, die er von der Schenkung angab, d 4 
Preuſſen zum Kaiſerthum gehdre. Zu der Zeit, da das Kalſerthum nur noch den 
Schatten des ehemaligen roͤmiſchen Reichs vorſtellete, bruͤſteten ſich deſſen Herren, 
weil fie ſonſt wenig mehr hatten, mit bloſſen Anſpruͤchen, an die das groffe freie Rom 
und die erften mächtigen Kaiſer nicht einmal gedacht )). Der Papſt gehörte aber aut N 
zu denen, die Preuſſen verſchenken wolten. Chriſtus ſagt zwar ausdrücklich: fin 
Reich ſey nicht von dieſer Welt. Demohnerachtet ſucht deſſen anmaßlicher Statthal⸗ 
ter auf Erden fich zum Herrn des ganzen Erdbodens zu machen. Die Dummheit le ⸗ 
te den Grund zu feinem Thron, den der Aberglaube auffuͤhrete, aber keines von beiden 
bat demſelben die Veſtigkeit und nörhige Dauer gegen die Wahrheit, Vernunft und 
geläuterte Religion nicht verſchaffen konnen. Der ſelige Herr von Ludwig hat Recht, 
Ps er die päpftlichen Anſpruͤche und fein Betragen in Abſicht der Staaten der Wet 
or bloffe Poffen erklärer hat. Auch der Papſt konte alſo Preuſſen dem Orden niche 
verſchenken. Das einzige, was den Marianern zu gut kommen konte, um die ger 
waltſame Beſitznehmung von Preuffen einigermaffen zu beſchönen, ift erſtlich ihr Geluͤ⸗ 
de, das Chriſtenthum auszubreiten. Es iſt wahr, daß dieſer Grund nicht die echte 
Probe hält, Allein die Ritter bildeten ſich doch wenigſtens ein, daß ihr Geluͤbde niche 
nur erlaubt, ſondern ſogar verdienſtlich ſey. In den damaligen dunkeln Zeiten muß 
man dieſen Irthum uͤberſehen, und darnach die Marianer richten. Sie glaubs 


* 


ten alſo doch wenigſtens, obwol aus Irthum, rechtmaͤßige Kriege gegen die Pre 
v 3 * * * 5 1 2 2 ; Be 45 5 
9 Erl. Pr. B. 3. S. 647. 5 n ar N > 


Burchard von Schwenden. 123 
zu fuhren, und hielten daher alle Widerſetzlichkeit derſelben für ungerecht. Hierzukam 1283. 
das Gluͤck der Waffen. Das Verhaͤngniß hatte den Umſturz der preußiſchen buͤrger⸗ 
lichen und kirchlichen Einrichtungen beſchloſſen. Die Vorſehung ließ die Eroberung 
Preuſſens durch die Marianer zu, um ihre vortreflichen Abſichten dadurch zu errel⸗ 
chen, welche wir im folgenden ſehen werden. Das Kriegsgluͤck alſo iſt der einzige 
1 Grund, welches dem deutſchen Orden eine unabhängige Regierung. über Preuſſen 
llleferte, ob er gleich dieſes land aus weit rechtmaͤßigern Urſachen nachmals wieder ver⸗ 
Toren hat. Solte aber wohl nicht Deutſchland ſich durch die Eroberung der Maria⸗ 
ner Rechte uͤber Preuſſen erworben haben? Nein! die Gruͤnde, derer man ſich be⸗ 
dienet, halten nicht ſtich. Deutſchland hat vor der Kreuzherren Zeiten Feine Forde⸗ 
rungen an Preuſſen gebabt. Der Kaiſer Friedrich 2 hat ſein angeblich Ge⸗ 
ſchenk auch nie auf einen Anſpruch Deutſchlands, ſondern der Kaiferwärde gründen 
wollen, obgleich ſolcher ebenfals ungegruͤndet iſt. Man kann zwar ſagen: der Hoch⸗ 
meiſter fen ja ein Stand des Reichs. Aber er iſt ſolches nur wegen derer dem Orden 
in Deutſchland zustehenden Beſitzungen. Nicht alles was ein Reichsſtand im Be⸗ 
ſigtz hat, gehört dem deutſchen Staat. Der Regent der ungariſchen Staaten, von 
N 7 Daͤnnemark, Schweden, Rußland, Polen u. ſ. w. ſind 
ſche und zum Theil Reichsſtaͤnde, aber fie beſitzen auſſer Deutſchland Staaten, die 
> eben fo unabhaͤngig, als Deutſchland ſelbſt, find. Man möchte vielleicht ſagen: Preuf⸗ 
fen: doch durch die Huͤlfe deutſcher Reichsſtaͤnde, durch das Blut derer aus Deutſch⸗ 
land dem Orden zu Huͤlfe gekommenen Fremden, erobert und erhalten. Aber auch dar⸗ 
aus wird wohl nichts fruchtbarliches vor Deutſchland zu erzwingen ſeyn. Geſetzt als 
lenfals die hüuͤlfleiſtende deutſche Reichsſtaͤnde hatten durch ihre Hilfe Rechte ſich ers 
werben wollen, geſetzt, fie Hätten ſolche erworben, ſo giengen folche doch dem Reiche 
nichts an, welches nie einen allgemeinen Zug nach Preuſſen gethan. Allein auch 
dieſes iſt falſch. Bey allen Huͤlfszuͤgen hatten die Deutſchen nie die Abſicht, für ſich 
Eroberungen zu machen, ſondern dem Orden beizuſtehen, und ſich dadurch nach dama⸗ 
gen Einſichten die Seligkeit zu verſchaſſen. Wir wollen aus chriſtlicher Lebe hoffen, 
daß ſie die Seligkeit erlangt. Sie haben alſo ihren kohn empfangen. Es iſt nicht 
in Abſicht des erworbenen Rechts zu fragen, weſſen Blut daben vergoffen iſt, ſondern 


+ 


flͤr wen der Krieg geführt ſeyhn. In Ungarn find für das Haus Oeſterreich ganze 
Strbme deutſches Bluts vergoffen, aber es ift alles fuͤr die Prinzen aus dem Hauſe 
Oeſterreich geſcheben, um ihnen ihre Unabhaͤnglichkeit dieſer Krone zu erhalten, nicht 
aber für Deutſchland etwas dadurch zu erwerben. Es bleibt alſo gewiß, daß der 
deutſche Orden unabhängiger Herr Preuſſens durch den szjährigen Krieg geworden. 
AJn Abſicht dieſes langwierigen Krieges ſelbſt wundert es mich weder, daß ſolcher Warum ſich 
53 Jahr gedauret, noch daß endlich die alten Preuſſen doch noch unterliegen muͤſſen. * tes 
Die preußiſchen Landſchaften waren RR und konten viele tauſende aufbringen, zögerr, 
8 . AK 2 die 


70 


283. 


124 | Geſchichte von Preuſſen. Be 


die Eroberung aufhalten. Endlich aber drung der Orden doch durch. Der Preuſſen 


Gewalt auszurichten vermochten, und endlich als ſich der Orden bereits durch ele 
Schloͤſſer und unendliche Fremde, die ſich in ihren Beſitzungen niedergelaſſen, veſtge⸗ 


die alle das Schwerd ausziehen und fuͤhren konten. Sie wurden von Zelt zu Zelt bald 
durch die Pommern, bald durch die Lithauer, ihre Nachbarn, in denen Kelegen ger 
gen den Orden unterſtuͤtzt. Sie waren tapfer, und ihr Muth durch die Kriege mit 
denen Polacken geübt. Erfahrungen hatten fie zu Soldaten gebildet, und ihnen ges 
lehret, ſich eben fo geſchickt zu vertheidigen, als Standhaftigkeit und liſt bey ihren . 
griffen zu vereinigen. Sie hatten alles zu vertheidigen, was ihnen nur ſchaͤtzbar zu nennen. 
Ahr Gottesdienſt ſolte untergehen, da fie von einem beſſern keinen ginfänglichen Unterricht 
batten. Freie unabhängige Supans folten unterthaͤnig werden, und Geſetze von Fein, 
den annehmen. Es brachte der Orden und die Kreuzzuͤge unzehlige Menschen ng. 
die der Mangel zum Aufbruch bewogen, und die Armuth raubbegierig machte, die 
endlich der Orden mit preußiſchen Ländereien und mit erheblichen Vortechten ver fg 0 
te, und fie als feine ſicherſte Stütze anſahe. Die alten Preuſſen hatten wenigſtens 
eben das zu verfechten, was die alten Britten gegen die Sachſen erwehren wollen. 
Hermann von Salza und ſeine Nachfolger muſten ihnen nothwendig fra licher, 
als Wilhelm der Eroberer den Sachſen in England ſeyn. Dies brachte die Preu 
ſen zu einer Art von Verzweiflung, und ſie zeigten durch dieſen langwierigen Krleg, 
was Verzweiflung auszurichten vermag. Die Grauſamkeit, womit die damaligen Chriſten f 
alle Helden behandeln zu duͤrfen meinten, und die fie auch gegen die Neubekehrten, wie * 
ſelbſt der Papſt klaget, kaum zu mildern ſuchten, belebte gleichfals dies Volk, das 
äufferfte zu verſuchen. Der Orden auf ſeiner Seite kam in ein Land, das er nicht 
kannte, was voller Wälder und Suͤmpfe, Fluͤſſe und Seen war, wo man im Sommer 
ſchwerlich mit einem Heer hinkommen, und noch ſchwerer ſolches unterhalten . N 
Er muſte erft die Art in dieſem lande und mit dieſen Völkern Krieg zu führen lernen. 
Die Ordens macht war ſehr getheilt. Es fochten Ritter im gelobten Lande, giefland 
und Preuffen zu gleicher Zeit. Sie konten ſich auf die Treue der Neubekehrten 4 
verlaſſen. Die Kreuzfahrer und Huͤlfsvolker aus Deutſchland dieneten gemeinhin 8 
nur eine kurze Zeit in Preuſſen, und ein ausbleibender Froſt vereitelte oft den g d- 
zug eines ganzen Jahres. Die Fremden, die ſich im Lande niederlieſſen, fochten mehr 
ſich zu vertheidigen, als neue Eroberungen zu machen. Die Kriege muſten mehr durch 
ſtreifende Parteien, als zahlreiche Heere, geführet werden, und die Ritter ſahen die 
Mothwendigkeit ein, ſich eben ſowol gegen Polen und Pommern, als gegen Preuß 
ſen mit Veſtungen zu verſorgen, und ſolche zu beſetzen. Alles dies muſte nothwendig 


innere landes verfaſſung erlaubte den Rittern, eine kandſchaft nach der andern zu m 5 
obern. Die Preuffen hielten zuerſt in dem zweiten Abfall recht zuſammen, wie ſe 
ſchon unter Chriſten und Heiden getheilt ſich befanden, als keiner dem andern kecht 
trauen konte, und die Marianer alſo eben fo viel durch Verraͤtherelen, als offenbare 


fest hatte. Die Deefen muſten alle ihre neue Wabungen acer ſcch fetoft = 


> 


Burchard von Schwenden. 13 
en, und wurden doch nur ſelten von ihren Nachbarn unterſtuͤtzt. Der Orden wuſte 1283. 
hundert Mittel, die alten Einwohner auf ſeine Seite zu ziehen, oder umzubringen, und 
durch Verheerungen die letztern zu zwingen, ihr Vaterland mit dem Ruͤcken anzuſehen, 
und immer tiefer wegzuziehen. Der Papſt und die damals uͤbliche Religions meinun⸗ 
gen verſchaften dem Orden unzehlige Kreuzfahrer, die auf eigene Koſten eine Zeitlang 
dieneten. Der Ritter Verwandtſchaft mit den maͤchtigſten und beſten deutſchen Haͤuſern 
machte, daß jahrlich friſche Hͤlfsvölker anlangten, welche, durch die Ehre angetrie 
ben, die beſten Soldaten abgaben. Andere zog der Vortheil, von der Beute oder dem 
Raube der alten Preuſſen ſich zu bereichern, herbey, und: fie lieſſen ſich gern in ein 
land fuͤhren, wo Aecker und Haͤuſer ohne Kaufſumme zu erhalten waren. Beſonders 
iſt aber zugleich zu merken, daß die chriſtlichen Streiter Gottes Sache zu verfechten 
meinten, und dadurch bey allen Unfällen von Gottes Huͤlfe ſich uͤberzeugt hielten. Man 
erdichtete Wunder, ſolches zu beftärfen. Bald ſolte Chriſtus, bald Maria, bald 
Engel vor den Orden geſtritten haben. Die Einfalt glaubte die Unwahrheit, und die 
Berftändigen widerſprachen nicht, weil das Vorgeben ſolcher Erſcheinungen eben fo 
vorteilhaft in Preuſſen, als zu Zelten des erſten portugiſiſchen Monarchen Als 
phons in Portugall war. In einem übel ausgefallenen Handgemenge ſchrieb man 
den Tod der Erſchlagenen entweder ihren Suͤnden zu, oder man richtete den Muth der 
Miedergefchlagenen durch das Vorgeben auf, daß Engel ſichtbar die Seelen der Er⸗ 
ſchlagenen abgeholet. Man bemuͤhete ſelbſt die Jungfrau Maria in dieſem Geſchaͤft. 
Endlich wenn die Feinde mit elnem bekandten Krieger, den ſie gefangen, beſonders 
hart verfuhren, ſo erfand der Geiſtliche ſofort Troſtgruͤnde in dem Aberglauben. Die 
Seelen der Ermordeten flogen bald wie Engel, bald wie Tauben vom Munde aus in 
den Himmel. Das beſte war, daß niemand jemals eine rechte Seele geſehen hatte, 
um widerſprechen zu können, wenn er ſolches thun dürfen. Endlich ward Preuſſen, 
ſo zu ſugen, zwiſchen zwey Feuer gebracht. Der Orden eröfnete ſich eine Gemeinſchaft 
zwiſchen Preuſſen und Liefland an der Seeſeite, wo er den Ruͤcken immer offen bes 
hielt. Er zog, als er im gelobten Lande etwas erhebliches ausgerichtet, feine meifte 
Macht in dieſe Gegenden. Ein Theil lag den Lithauern in den Haaren, da der an⸗ 
dere die letzteren unbezwungenen Preuſſen anfiel. Keine von dieſen heidniſchen Völker⸗ 
ſchaften konte die andere genugſam mehr unterftügen. So muſte wohl, da der Krieg 
53 Jaht lang immer mit erneuerten Kräften auf Seiten des Ordens gefuͤhret wurde, 
das Preuſſt zuletzt unterliegen. N 5 
. 


h g. 70. 
Die Bezwingung Preuſſens durch den Orden hatte in allen Stuͤcken beträcht mos die ero: 
liche Folgen. Die wenigen übrigen Preuſſen, die das Schwerd verſchonet, und 1 
Lande geblieben, bekamen zwar einige Ländereien nach eigenen Gerechtigkeiten, die man gehabt auf die 
preußiſche Rechte nennt 2), zu beſtzen. Aber fie begielcen einen beftändigen Haß allen Preuß 
gegen die neuen Oberherren, die fie immer als ungerechte Eroberer und als Tyrannen 
— N ** * + 3 Q 3 f N 7 anfüs 


„5 EEE RE ENERGY 
ö k 


; ’ 2) Eil Pr. B. 2 S. 265. 


1283. 


machen, der Oberherrſchaft des Ordens ſowol, als der Deutſchen ſich zu entſchuͤtten. 


Auf die 
fremdlinge. 


126 Geſchichte von Preuſſen. 

anſahen, ſo wle gegen die ins fand gekommene Fremde, die nunmehr das Erbe ihrer 
Vorfahren im Beſitz halten. Bey allen Gelegenheiten lieſſen fie ſolches merken, und 
obgleich alle ihre bisherigen Verſuche fehlgeſchlagen, ſich wieder in Freiheit zu ſchen, 
ſo lieſſen ſie ſich doch nicht ermuͤden, bey der ſchwaͤchſten Hofnung neue Entwuͤpfe zu 


Dies brachte ein Spruͤchwort zuwege: Der Preuß ſeinen Herrn verrieth; welches 
aber nur von dieſen Ungluͤcklichen gelten kann a). Sie verſchlimmerten jedoch dadurch 
ihren Zuſtand, ſo oft es ihnen fehlſchlug, ſolchen zu verbeſſern, und man ſchraͤnkte fie 
von Zeit zu Zeit immer mehr durch öffentliche Geſetze ein. Weil man ihnen nicht trauer 
te, ſo erlaubte man ihnen nicht einmal, ihre alte Sprache unter ſich zu eos 
dieſe Art nach und nach nothwendig untergehen muſte. Weil man ſich aber 
nicht ‚bebienete, ihnen die neue Religion uͤberzeugend zu machen, da fie doch a 
Wahrheiten in der deutſchen Sprache nicht verſtunden, ſo blieben die meijten- — 
lehren des Chriſtenthums höchſt unwiſſend, ſonderlich in denen Gegenden gege Li 
thauen, wo ſich die wenigſten Fremden niederlieſſen. Da man ihnen fo w ahr⸗ 
heiten vorſagte, und noch wenigere begreiflich machte, fo behielten fie unendlich viele 
alte abgöttiſche und aberglaͤubiſche Gebräuche, ſonderlich bis zur Zeit der Kirchenver⸗ 
beſſerung, bey. Denn bey der Duͤrftigkeit, in der fie zu leben gewohnt waren, 1 
neten ſich die damaligen Geiſtlichen eben nicht, unter ihnen zu wohnen, und ihre bes 
ſtellte Seelenſorger hatten fo weitläuftige Gemeinen, daß fie nicht e 
terricht der einzelnen Menſchen beſorgen konten, geſetzt, daß ſie auch Säbigfeie und l 
dazu gehabt Härten b). 

Ganz andere Folgen hatte die Bezwingung des Landes, in Abſicht der Deutfhen. 
Die kamen haufenweiſe aus ganz Deutſchland und allen deſſen Sandfehaften herben, erben, u 
denen ſich noch Niederländer, Engländer, Dänen, Schweden und Polacken ge⸗ 
felleten. Dieſe, ſonderlich die Deutſchen, verdraͤngten die alten Einwohner c) * 
denen Gegenden, wo ſie am ruhigſten leben und ihr Gewerbe am beſten treiben ko ten. 
Culm, Pomeſanien, Pogeſanien, das Ermland und Samland ward am flärke 
ſten bevölkert und angebauet. Tiefer gegen die podlachiſchen und lithauiſchen Gren, 
zen ſehneten ſich die Deutſchen ſo ſonderlich nach Wohnungen nicht, theils aus Furcht fuͤr 
denen Kriegen und Einfällen der Nachbarn, theils weil fie von der See entfernter ihre . 
werbe mit wenigern Einkuͤnften daſelbſt treiben konten. Der Orden ſahe dieſe Fremden 
vor ſeine Hauptſtuͤtze an, und zog fie durch die erheblichſte Gerechtigkeiten ins fand. Der 
culmſche Freiheltsbrief, oder das culmſche Recht war ſchon vortheilhaft. Vielen Or⸗ 
ten ward nach luͤbſchem Recht, andern nach magdeburgiſchem Recht zu leben erlau 
Es zog der Orden ſeine Verwandte her, oder der Krieg brachte Deutſche von Adel 


15 15 

nach Preuſſen, und es find adeliche Geſchlechter aus allen deutſchen badete in 

gekommen. Ihnen theilte der Orden die Ländereien der vertriebenen, u verlaufen 
a) Ads Borufl, T. 2 p.; 15. c Erl. Pr. B. 1 S. Ba Ph 2 
9 Erl. Pr. B. 1 O. 125. dane. T. 1 p. 532. S. 381. B. 5 S. 248. * a3 se 0 


7 Burchard von Schwenden. 5 127 
nen, der ermordeten Preuſſen zu, und gab ihnen die noch darin befindlichen Bauren 1283. 
zu leibeigenen. Daraus iſt der groͤſte Theil des in Preuſſen jetzt befindlichen Sands 
adels entſtanden. Er ſowol als die gröffeen und kleinern Städte wurden fogar bey öf⸗ 
fentlichen Angelegenheiten zu Rathe gezogen, und ſo bald ſolches der Orden nicht mehr 
beobachten wolte, entſtund eine Empörung, die, wie wir kuͤnftig ſehen werden, groſſe 
Veränderungen nach ſich zog. Die Städte wurden meiſtens von Neuankömmlingen 
aus Deutſchland bewohnet, und die meiſten gegen Deutſchland, Maſovien und die 
Seekuͤſte zu angelegt. Hier wurden nun alle Gattungen von damals üblichen Hands 
werkern und Kuͤnſtlern eingefuͤhret, und ein ſolcher Handel errichtet d), daß nicht nur 
viele preußiſche Städte nachmals in die Hanſe traten, ſondern daß ſogar die ganze 
Hanſe den Hochmeiſter des deutſchen Ordens zu ihrem Schutzherrn annahm. Ue⸗ 
berall wurden in den Staͤdten deutſche Sitten und Gebräuche, deutſche Kleidertracht 
und bie deutſche Sprache eingefuͤhret. Weil dies die Sprache der landes herren, die 
Sprache der Kirche, der Gerichtsſtuͤhle geworden, weil dieſe Sprache reicher als die 
‚altpreußifche Sprache, weil in Deutſchland, einem geſittetern lande, weit mehr 
Sachen, als in Preuſſen, bekandt; fo mufte wohl die preußiſche Sprache ins Abs 
nehmen kommen, die man ſogar mit vielem Fleiß zu unterdruͤcken ſuchte. Weil aber 
flaſt jede Stadt deutſche Einwohner aus verſchiedenen deutſchen landſchaften hatte, 
ß ſo darf man ſich wohl nicht verwundern, wenn in Preuſſen faſt alle Mundarten, die 
5 in Deutſchland ſowol das Hoch als Nieder» oder Plattdeutſche aufzeigen kann, ges 
redet werden. Blos tief im lande, wo ſich die Deutſchen wenigſtens nicht fo häufig 
nlederlieſſen, und wo man in mehrerer Umgaͤnglichkeit mit Polacken und Lithauern 
blieb, iſt noch die polniſche und lithauiſche Sprache in Preuſſen uͤblich, ſo. daß je 
bblger Zeit der gröfte Theil des Standes, durchgehends aber der Vornehme und Gelehrte 
deutſch ſpricht, einige Gegenden aber noch polniſch, und andere lithauiſch ſprechen. 


Ich muß jedoch auch ein paar Worte von den Folgen reden, die der Beſitz Preuſ, Auf die rit⸗ 

ſens auf den Orden ſelbſt gehabt. Bisher wartete Muͤhe, Arbeit, Kummer und erh 
Kriege beſchwerden auf die, welche ſich dem deutſchen Orden witmeten. Jetzt nahm 
die Fülle die Stelle des Mangels ein, und ein gutes Wohlleben war mit Ordensbedie⸗ 
nungen verknuͤpft. Der Bernſteinfang gehörte zu den landes herrlichen Vorrechten e), 
» eben fo wie das Muͤnzrecht /). Die Strenge der Sitten verfiel zufehens unter den 
Otdensbruͤdern, und wir werden im kuͤnftigen zeigen, wie aus ſchweifend ſolche gewor⸗ 
den. Bisher führten fie, nach der damaligen Denkensart, Kriege des Herren, wel 
che zu hindern was gottloſes hieß. Vielmehr beſtrebte ſich alles um die Wette, ſie 
nach Möglichkeit zu unterſtuͤtzen. So bald aber dies Werk vollbracht, fo bald der Or⸗ 
den anfıeng, auch nach andern Chriſten guthgierige Hände auszuſtrecken, verſchwand 
N * 5 5 der 


c) Erl. Pr. B. 2 S. 464. Acta Boruſſ. T. 2. ) Erl. Pr. B. 1 p. 1. B. 2 p. 592. B. 3. 

p- 432 und 533. p. 244. Pr. Samml. B. 2 p. 601. B. 3 p. 405. 
R Es waren Silberbergwerke in Preuſſen. Pr. 

0) Pr. Samml. B. a S. 497. Samml. B. 1 p. 1. 8 


— 


— —-—-——ęẽ — äö— 


1283. 


Der orden Das eroberte Preuſſen befreiete die Ritter noch nicht von allen Feinden. Ihr 
fangt feine Ordensgelüͤbde legte ihnen eine unaufk öeliche Beſchaͤftigung auf, das Chriſtenthum aus, 
8 = zubreiten. Litthauen hatte nicht nur alles Beſtreben der Geiſtlichen fruchtlos gemacht, 
und ſtilet ei“ ſondern auch ſich der Ausbreitung des Chriſtenthums und des Ordens in Liefland, Eur 
nen auſſtand. and und Preuſſen mit Gewalt widerſetzt. Die Lithauer hatten den auftuͤhriſchen 


1284. 


Be Geſchichte von Preuſſen. 


der Eifer, fie zu unterfhägen, nach und nach. Ihr Oberhaupt nahm feinen Wohnſitz 
bald darauf in Preuſſen, und ſtellte die Perſon eines der gröſten Regenten in Euros 
pa vor. Man hörte auf, ihn als Geiſtlichen zu betrachten, und fieng an, ihn blos 
als einen Prinzen anzufehen, deſſen Handlungen die Staatskunſt allein ohne die Reli ⸗ 
glon beſtimmt. Selbſt die eigentlichen Seelſorger, die Paͤpſte und Biſchoͤfe, deren 
in Preuſſen vier eingefuͤhret waren, bekamen mit dem Orden groſſe Streitigkeiten, 
woran vielleicht beide Theile Schuld hatten. Die Biſchoͤfe von Culm, Pomeſanien 
und Samland beſtellte man aus Ordensgeiſtlichen. Aber der ermlaͤndiſche ward von 
feinen Domherren gewaͤhlet, ohne auf einen Ordensgeiſtlichen eben zu ſehen. Die 
Biſchdfe gebdreten, fo wie der dandadel und die Städte, zu den bandesſtaͤnden, wel, 
che von dem Orden bey denen öffentlichen kandesangelegenheiten mit zu Rathe g) ge 
zogen wurden. f ö TEE 


Ne Bey 1 
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7. Fang a 


Ordensunterthanen Huͤlfe geleiftet, und den Marianern dadurch groſſen Schaden zu 
gefuͤgt. Sie hatten denen aus Preuſſen geflächteten in ihren Sanden eine fichere Zus 
flucht verſtattet, obgleich dieſe Elende niemals aufhbreten, den Orden zu beunruhiger 
Alles dieſes brachte die Marianer zu dem Entſchluß, die Lithauer in 8 
lande heimzuſuchen. Der kandmeiſter von Preuſſen gieng noch in dieſem Juhr über 
den mit Eiß belegten Memelfluß in Sameiten, eroberte und zerſtoͤrte Biſene, und 
verheerete die ganze umliegende Gegend. Doch hatte der Orden, auſſer denen Ders 
wundeten, einen Verluſt von vier Brüdern und einem Soldaten, unter denen das 
muͤrbe Eiß brach, und die alſo in der Memel ihr Grab funden P). 1284 ward das 
Schloß Garthe, welches einige neuere vor Grodno halten, erobert, zerſtöret, und 
die umliegende Gegend von 1800 Mann Ordensvolk verwuͤſtet, wo auch der Barte, 
welcher vormals die Comthurs von Chriſtburg und Elbing aufgefangen, und endlich 
nach Lithauen geflüchtet, umkam. Der bekehrte ehemalige Sudauer Feldherr Scu⸗ 
mand führte die Chriſten auf dieſem Zuge an, und blieb auch bis an feinen Tod ein 
eifriger Bekenner des Glaubens; ſo wie er ſelbſt noch als Heide eine Hochachtung vor 
das Chriſtenthum dadurch bezeiget hatte, daß er nicht zuließ, daß man aus chriſtlchen 
Kirchen die Bilder raubte. Bey der Gelegenheit dieſes Zuges in Lithauen baten ei⸗ 
nige Barten durch ihre landsleute Numo und Dersko um die Erlaubniß, ins fand * 
zuruͤck zu kommen. Als folchen nun eine völlige Vergeſſenheit des vergangenen, obwol 
gegen den Rath des Vogts Dietrich auf Samland, ercheilt worden, erſchlugen die 
Barten diejenigen Lithauer, bey welchen ſie ſich bisher aufgehalten, und mit denen 7 
1 0 Br fe jr 


g) Pr. Samml. B. 3 p. 539. 60 *) Dusb. p. 298. ER 


2 Bunhard von Schwenden. ng 
jeg ng olen Azbercken vorgenommen. Sie kamen mlt vieler Beute nach 128% 
n zur wei 


Kern Weld und Kinder wurden ihnen wiedergegeben. Sie lieſſen ſich 
rauf in Poge ieh nieder ). Ein Schalauner Girdilo, der das Chriſtenthum 


ger ah 0 redete 5 5% an 1008 = iner anzuvertrauen, 1285. 
a ; die lithau e Gegend des Schloſſe la fat zu thun. 
lber er berrſeth bi gare Mania A! 15 iche niedethl. Sz 
burg we 2 5 erbauet J, auch das Sch Schloß e Die War⸗ } 
ogts von Samland traf ebenfals 1286 eln. Die nicht lange vor⸗ 1286. 


un 1 
debe Se 5 Pie Ju genen, ir 
60 den frtgen aubekehrten einen Abfall ine Mam batte beſchloſſn, die Ni ⸗ 
den Safe du gen, an don St’ den Pen zan We 
ö u M. uſſt i zu erkennen 1). Das W jedoch nachher bey —— 
Schſoſſes Na gnit entdeckt, gleich im Anfange erſtickt, und die Haͤupter der Ver⸗ 
e ö beg 14 5 e 70 88 Ä 
ckelt. 2 3 nttag eines nach P. i Verjagten en Prinzen Peluſa, 
a 00 fe tamm He gab Albre Enten 5 


$ Fönig x 15 5 Se a ind Ki 89 0 0 Golm Un wer; 
Lend d 10 Stobemehl, M 1 Coblentz, Balrhaſar 25 
ne 5 en 25 — Dieſe een dem Schloß Struteria, wo 


n eg en des Landes eine Hochzelt a tete, und ſich nach uͤbernomme⸗ 

f ur ie mit feinen Säften, „dem votnehmſten Kanbesadel, im klefen Schlaf befand. 

» teig anger erſchlugen fan. dem Wirth 70 der vornehmſten Herren J). Braut 

' 5 . it gam, bas abetge Frauenzimmer, Kinder, Geſchmeide Pferde und ande⸗ 

Hal iert erbeülteten ſie und brachten alles nach des Martin Golin Wohnge⸗ 

i ube € Akichre" welches am Hafe gelegen. Von da würden dieſe, ſo wie viele 

Sefanhue, in den ibaitfchen Winkel verſetzt r). Martin Golin erbeutete 

Hi eit Ha telch. beladenen ahn mit Kaufmantewaaren auf dem Bugffuß, den er in 

rita ae Verfaufe, und mit 8 ein eder 25 Mak Siber zu 
ekam 


neee A mot 


= Fr 5 eus. von en ber in un: Jahr der a e Der hochmel⸗ 


Königs, fier nimmt in 


Ehn, 15 
b. Sees. e p feine die Entdeckung auch erſt damals vorge⸗ 
. en , fallen zu ſeyn. 
Hemeb. x p) Von feiner und andern koͤnigsbergſchen 
* vo aa Olle Frömmigkeit handelt Dusb. S. 308 308. 


u „Nachr. Th. 1 p. 88. 

m int, daß zu Dusburgs Zeiten von ) Dusb. nennet fie S. 304 Regulos, kleine 
- benen Verſchwornen noch Verwandte vorhanden Kön ge oder Landesherren. 
-gervefen, weil er ſowol ihre Namen als Straſe 2 e . p. 304. Et Pr. Th. 1 p. 61. Th. 5. 


Dusb. S. 303 f. 
e) Da Ragnit erſt 1 görbautt iſt Dusb. p. 30. 7765 "Dan. . p. 305 
Pi allg. * Geſch 4 Th. N 


1287. 


130 Geſchichte von Preuſſen. 5 
Koͤnigsberg Ihren Hauptfreiheitsbrief ertheilet ). Als aber 1287 in Liefland der 


Preuſſen groß dortige dandmeiſter in einer Schlacht mit den Lithauern, Samogiten und Semgal⸗ 
fe veränderun len „ nebſt 33 Rittern erſchlagen und 16 Ritter gefangen worden, die der Feind theils 


gen vor. 


38. 


nackend auf Pferde band, und mit Knuͤtteln zu Tode pruͤgelte, theils auf hölzernen 
Roſten über dem Feuer langſam todt braten ließ, fo befürchtete man, daß dieſer Uns, 
fall auch in Preuſſen Folgen haben möchte u). Dieſem zuvorzukommen langte der 
Hochmeiſter 1288 perſönlich in Preuſſen an, und hielt daſelbſt wegen des Zuſtandes 
der preußiſchen Angelegenheiten eine allgemeine Ordens verſammlung. Auf derſelben 
nahm man mit denen bisherigen Ordens beamten eine erhebliche Aenderung vor. Une 
ter andern ward Meinhard, Edler Herr von Querfurt, der bisher ber 
Brandenburg geweſen, mit der kandmeiſterwürde in Preuſſen beehret. Der bis⸗ 
herige tandmeifter Conrad von Thierberg x) der jüngere erhielt das Marſchallsamt, 
welches bisher Helwig von Goldbach gehabt. Dieſem gab man das Amt des Com ⸗ 
thurs von Chriſtburg. Das kandcomthuramt in Culm ward mit Hermann von 
Schoͤnenberg beſtellet. Albrecht von Meiſſen blieb Comthur zu Königsberg. Bar 
thold Bruhan, ein Oeſterreicher, ward Comchur zu Balge, und Dietrich von 
Speyer Comthur zu Elbing. Ic) führe ſolches an, weil man daraus lernet, daß 
im Orden manchmal die Bedienten eine höhere Ehrenſtelle mit einer niedern verwech 
ſelt haben. So werden damals die Ordens bediente in einer Urkunde angefuͤhret, 
die der Hochmeiſter Burchard von Schwenden der Stadt Elbing aus fertige 
ließ ). Ich finde hier vor noͤthig, noch von zweien der jetzt benannten Mann 
etwas beſonderes zu gedenken. Von dem landmeiſter Meinhard von Quer⸗ 
furt 2) erzehlen neuere Geſchichtſchreiber a) eine ähnliche Geſchichte von der, die 
wir von Iſenbarts Kindern in unferer Geſchichte vorgetragen, nur daß die Zahl der 
12 Söhne hier in 9 verändert iſt, die alle geiſtlich geworden ſeyn ſollen. Ich will mich 
aber dabey nicht aufhalten, da das Maͤhrlein der fabelhaften Geburt dieſes Mei rds 
von Querfurt bereits durch eine geſchickte Feder widerlegt iſt b). Ich merke nur an, 
daß wenn Meinhard mit Hanno von Sangerhausen und dem Hartmann von 
Heldrungen, wie oben bemerkt iſt, nach Preuſſen gekommen, er anjetzt ſchon ben 
hohen Jahren geweſen fern muͤſſe. Dusburg giebt dieſem Herrn vieles lob. wi 2 
andere, deſſen ich hier beſonders erwehne, iſt der Barthold Bruhan. 1286 war er 
noch ohne öffentliches Amt. 1288 kommt er als Comthur von Balge, bald darauf als 
Comihur von Ragnit, und endlich als Comthur von Königsberg vor. Dusburg 
hat von ihm eine ſonderbare Geſchichte bemerkt. Als er nemlich in den Orden zu 
im Begrif ſtand, habe er eine Probe machen wollen, ob er auch das Geluͤbde der Ke 
zu halten im Stande ſey. Er habe ſich zu dem Ende das fhönfte Maͤdgen in der gangen 
Gegend ausgeſucht, die ſich auch dazu verſtanden, mit ihm ein ganzes Jahr zuſammen 8 
| e 


N 
7 
ur = 


0) Ext. Pr. Th. 2 p. 456 I) Pr. Samml. Th. 2 P 44 

1) Arnd p. 67. 2) Dusb p. 309. W „ 

*) Er war alſo nicht geſtorben, wie es in den a) Henueb. p. 83 u a. RT 
preuß, Liefer. Th. 1 p. 263 geglaubt wird, 6) Pr. Lieſer. Th. 1 p. 266% 0000 


— 


— — — — 
7 — — — 


. 


) Dub. S. zır. 


1236»ꝛ-u;⸗ x UNTERE 


Burchard von Schwenden. — 2 


zu ſchlafeu. So weit iſt noch alles wahrſcheinlich. Aber Dusburgs Erzehlung nach, 1289. 


hat das Maͤdgen einen Eid abgelegt, daß ſie in der ganzen Zeit uͤber nie vom Barthold 
berührt worden. Solte der Eid wahr geweſen ſeyn, fo mag Bruhan einen keibesfeh⸗ 
ler gehabt haben. Denn zur Probe der Enthaltſamkeit war dieſes wirklich zu viel. 
Dusburg feibit fagt: er müͤſſe mit Erlaubniß des Simſons, Davids und Salo⸗ 
mons den Bruhan ihnen noch vorziehen, weil er ſtaͤrker als Simſon, frommer als 
David, und weiſer als Salomon geweſen. Aber mit Dus burgs Erlaubniß kann 
man behaupten, Barthold Bruhan habe ſich ſchwaͤcher als Simſon bewieſen, und ſey 
mit David in Abſicht der Frömmigkeit, und mit Salomon in Abſicht der Weis⸗ 
heit nicht zu vergleichen. Wenigſtens iſt nichts einfaͤltigers, nichts gottloſers, als die 
Probe, die dieſer Mann gemacht, welche den ſtaͤrkſten Beweis von feiner Gemuͤchs⸗ 
und beibesſchwͤche abgeleget c). a 


Aru ten 23. ö 
Der neue Landmeiſter half 1289 einen Vergleich zwiſchen dem Biſchofe von Culm 1289. 
und Plotzko vermicteln d). Er ließ fein erſtes ſeyn, an der Memel das Schloß Er dankt ab, 
erbauen, welches aber nachher von dem nahe belegenen Fluß, Ragnit ge · — rw 


u zu 
nannt worden. Barthold Bruhan ward mit 40 Bruͤdern und 100 andern ausge⸗ wangen im 


er Kriegsleuten zur Beſatzung hinein gelegt. Nicht lange darauf legte er auch am hochmeiſter— 
lueffuß der Memel vor die bekehrten Schalauner ein Schloß an, welches vielleicht ante ſolget. 
nachher, Tilſit genannt ſeyn mag e). Demungeachtet fiel der Grosherzog von Li⸗ 
thauen zur Herbſtzeit mit 8000 Reutern in Samland ein. Das Landvolk aber hatte 
ſich mit den beſten Habſeligkeiten in die veſten Pläge gerettet. Die Feinde muſten ſich 
daben mit Zerſtoͤrung der Haͤuſer und Abbrennung der Saaten begnügen, und nach 14 
Tagen mit weniger Beute wieder abziehen. Sie buͤſten jedoch auch bey 80, oder wie 
andere ſagen, 200 Mann ein, die Henrich von Dobia mit feinen Soldaten nieder⸗ 
hieb 7). Weit wichtiger war aber die Aenderung, die damals im deutſchen Orden 
vorſiel. Der römifche König Rudolph von Habspurg batte den Hochmeiſter in 
) nach Nom verſchickt, um anzuhalten, daß der Papſt Nicolaus 4 end⸗ 
lich die Faiferliche Krönung beftimmen möchte g). Hier erfuhr er den kläglichen Zus 
ſtand des gelobten Landes, wo die Chriſten immer mehr und mehr ins Gedränge ger 
kommen waren. Er reiſete daher zu Waſſer nach Ackers ab. Man weiß nicht, was 
hier bewogen, mit paͤpſtlicher Erlaubniß das Hochmeiſteramt niederzulegen, und 
elbft aus dem deutſchen in den Johanniterorden zu treten. Vielleicht iſt das Vor⸗ 
geben einiger ohne Grund, daß ihm dieſer Schritt nachher leid geworden, und er wie 
5 der um Erſaubniß angeſuchet, den deutſchen Orden nochmals anzunehmen, daher er end⸗ 
uch in groſſer Gewiſſensangſt auf der Inſel Rhodus mit Tode abgegangen 5). Ich 
ſehe wenigſtens den Grund ſolcher 9 nicht ein. Soll hier meine Muth⸗ 
5 2 


maſſung 


usb. S. zun 
9 Raynald ad h a. p. 413. 


h Ada Borufl T. 3. p. 268. 
2 ni , ) Dusb. S. 297. 298. 


6 Dusb. S. 3e. 


zu bleiben, die noch in der Nähe ſich befanden, die Kriege gegen die Muhamedaner 


132 Gesche von Preuſſen. 

maſſung gelten, ſo glaube ich, daß well 1290 die Stadt Ptolemais endlich den Um 
glaͤubigen in die Hände gerathen, und dadurch das bisherige Haupthaus des Ordens 
eingegangen 7), den Hochmelſter ſolches bewogen, lieber bey denen Johanniterrittern 


fortzufegen, da im Gegenthell der deutſche Orden ſeit d 
ſich nicht weiter bekuͤmmert hat, ob er; gleich haupt 
war. Um ſich aber im Gewiſſen von dem Eide „den die 
FJeruſalem gethan, los zumachen, follen ſich dieſelben eines e 
Sie lieſſen faſt bey allen ihren Schlöſſern im freien 
ſelben faſt wie Irrgartens ziehen. Sie nannten » 
recht luſig fie) bezeigten, fo muflen ihre Knechte in, diefes 
ben, die ſodenn von denen Herren wieder e 

ſenburg und andere Orte haben lange Zeit Uleberbleibſel e 
glaube eher, daß dieſes blos als eine Waffenuͤbung bey ihnen anzuſehen, 
denen Beſchuldigungen eines polniſchen Geſchichtſchreibers in Abſicht di 


en um das 3 nd 


efre d. 
e haber 0 


graben 


= 


gebs 00 9 


belpflichten ſolte J). Schuͤtz m) erzehlt das Ende des Hochmeiſters Bu 1 55 in 
Es ſey 1290 in Deutſchland und Waͤlſchland oe d Mann, gegeı 9 
Saracenen aufgebracht, worüber Burchard den e fen 


über Venedig nach Ptolomais abgegangen, ſey aber Nahe 4 
nen Wunden zu Rhodis geſtorben und begraben. 
ein Zeitgenoſſe, gehe vor, wenn er ſagt, daß 
wotden. fin 

Dem Burchard yon Schwende fölgte Conrad von Feuchtwange 
Hochmelſterlichen Wirte. Er war aus Franken gebuͤrtig, und es lebte mi 
gleich fein leiblicher Bruder in dem Orden, der auch, wie wir unten e 
eben dieſer Würde gelanget. Eine Schweſter von ihm war im Kloſter, und 
burg erzehlt, daß ihr durch ein Geſicht eine Niederlage der Drvenstrißee. Mengen 
verkündiget an ſoll n). Unſer Conrad von Feuchtwangen hatte, che er zur hoch i 
meiſterlichen Wuͤrde gelangte, berelts erhebliche Aemter verwaltet. 


ard a e h 11 5 


17 


17 e me Yon 


“m 2 — 7 fi 


1279fatte bat 


a über Be und Preuſſen wol) 2 ge — 


* e - 
ad 1 


170 Dusb. ©. 312 | 
9 El Pr. 2h. 1. 2 . 
h Sanisl, Sarnie Ann. Pol. Libr, f. e, 
m 1137. Crucigeri nulli rei impenſius fg. 
nt, quam malignitati, rapinae, ventri, 
et ſis quae lub ventre ſunt; oblit i interim Hie- 
roſolimae, euius defendendae voto tenebantur. 
Nec eis ea vrbs in memoriam redibat vnquam, 
nifi quando poft eommeſſationes et prandiä, 
animi caufa, per eius figuram terre in(culptam, 
decurrebant Uſu enim illis receptum erat, ybi 
que in Pruſſia in collibus editioribus, prope ar- 
ces nobiliores, figuram quandam labyrintheam 


1x7) n. 


lymam voc 


ſolutos putubant, fi pro 


et Intriestem 17 a Fri u 
bant ; vt Grudenti et 
nune videre eſt. Hane ipſi et ſery 
coram eis, hilaritatis er 52 oft poei 
pulss percurrebant, et &o 


blem a Saracenis oppreflag, 
pereurrerent. 
m) Schutz f. 48. 
u) Dusb. S. 188. 
RR Dusb. S. Pe 3 
rkunde von ihm ausgeſertiget ſeyn von 
den Pr. Samml, Th. 8e 


legte er dieſe Bedienung nieder, dage 3 ad 
ten, wenigſtens befand er ſch 1283 in Biefum A 0 ep) Wiler 
gefunden bis er oßngefäße dade zum Hechmeſte de 
Orden via G e . e e 


er ‚wich nichts vun um, als Bruder 5 von Aale e pi 
3 2 dern Brüdern und 46 Mann Ihnen auf den 
en ieh H. Zu eben der geit lief Nachricht ein, 
in Einfall in Polen gethan. Der Landmeiſter 
dal eg 29 andete Brüder und 1200 Mann, 
ben auf dem Ruͤckzuge zwiſchen zweien Flüſſen Lyck und Narwa in einem Wal⸗ 
auſzulauren. Nachdem das Ordensvolk 8 Tage bey ziemlichem Mangel vergeblich 
deckt gehalten, kam Sesbut mit feinen leuten herben. Es war derſelbe ein 
5 ) Fine Velks, und hatte zu deſſen Untergang dem kandmeiſter ſelbſt die 
füge gegeben. Er wolte ſich daher auch an keine Warnung kehren. Selne 
unden alſo überfallen und 350 Mann niedergehauen. Die übrigen verliefen ſich 
ber eee Hunger umkamen, oder ſich ſelbſt * u)» 
damals lief dieſe erwüt icht ſuwol, als mas die Beſazung zu Ragnit 
otitte ben dem Land meiſter ein, daß derjenige Prinz mit Tode 
t abzünehuien ſich vorgeſeht c). 1291 rucfte am Feſt 
Mariza Reinigung der Lande 10 non Stönigäberg Barthel Bruhan mieviden Da 
rain, ie ER ne Ri arm ads m dern 

* 2 de ) Falckenfleir Cod. Dipl. Nord- er. *) a wegen 55 N 
1 25 e e e Ken tl e a, D er verſch ae Ua, 


p. A 313. ; fen Tod dem Orden fo viel Freude gemacht, den 
‚hide (2 A n Schwarzen, welcher 1299 ſtarb, oder 

42 b (m 3 ich von Schleſien ctfiehet, der 
dies Jahr mis te, WON: und olen an ſich 

zu 


Gegend ne ne Sie wolten eh 


1291. 


1291. 


134 Geſchichte von Preuſſen. 

dern und 1300 Mann vor das Schloß Colayne. Er fand es verlaſſen, daher er ſolches in 
die Aſche legte, und die landſchaft des Zunigedä verheerete, auch 700 Menſchen niederma⸗ 
chen oder gefangen nehmen ließ )). Um Oſtern baueten zwar die Lithauer in der letzten 
tandſchaft eine Veſtung Junigeda, welches auch Barthel Bruhan mit 1000 Mann zu 
verhindern, zu ſchwach fich befand. Er gieng aber vor das Schloß Mederate, aus welchem 
den Chriſten bisher viel Schaden geſchehen, nahm es ein, ließ alles, was darinnen war, 
nledermachen oder gefangen nehmen, und äfcherte das Schloß ein 2). Ben dieſem Krie⸗ 
ge leiſtete Bruder Gerhard im Schloß Marienburg, der ſonſt in brandenburgiſchen 
Dienſten geweſen, und ſehr gute Kriegsruͤſtungen verfertigen konte, erhebliche Dienſte g 
Der kandmeiſter ſelbſt brach mit 100 Brüdern und einem groſſen Heer in die Laͤnderelen 
Geſow oder Gerſow und Paſtow ein. Alles flohe vor ihm mit den beſten Hal 
keiten in die Wälder, fo daß er auſſer Zerftörung der Wohnungen weder an M 
noch Habſeligkeiten einen ſonderlichen Fang that. Auf ſeinem Ruͤckwege zwackten 
Lithauer feinen Nachzug zum öftern, ſonderlich that ſich unter den Feinden jetzt der 
Sesbut hervor, verwundete des Henrich Zutswert Reitpferd, ward aber davor von 
Henrich mit einer lanze durchbohret, der noch in der Todesangft ſich wehrete, un 
dem Zutswert einen Finger abhieb. So ſtarb Sesbut durch eben die Fauſt, in die 


er ehemals verraͤtheriſch feine Mannſchaft geliefert, und fo bezahlte ihm der Orden den 


vormals geleiſteten Dienſt b). Henrich Zutswert Comthur zu Balge gieng um P. 
tri Pauli mit 20 Bruͤdern und 1500 Mann vor das Schloß Sumgedum. Der 1 
fall, den die Beſatzungsſoldaten von Ragnit darauf thun muſten, mislung. Weil 
aber im Kriegsrath noch etwas auszurichten beſchloſſen wurde, ſo brach die Ordens⸗ 


macht in die Gegend des Schloſſes Onkaym, und richtete darin groſſe Verfeerungen 


an. Das Fußvolk von Onkaym wolte den Rittern den Ruͤckweg in einem Walde 
verlegen, denn ihre Reuterey hatte ſich auf den Ruf, daß Junigeda angegriffen wer⸗ 
den ſolte, dahin gezogen. Die Ordensmacht aber gieng um den Wald herum, geif 
in einer Ebene nachher das feindliche Fußvolk an, daß ſich mit Verluſt von 12 Mann 
zuruͤckzog , und nicht weiter zum Vorſchein kam c). In Polen ſtritten ſich damals 
verſchiedene piaſtiſche Prinzen um die Oberherrſchaft des landes. Dieſe Unruhen hats 
ten ſchon ſeit Leſcus des Schwarzen Tode gedauret. Die Lithauer wolten ſich des 
Umſtandes bedienen, und einer ihrer Fuͤrſten Lutuwer ſchickte feinen Sohn Vithenes 
mit einem ſtarken Heer in die Woywodſchaft Breſt. Wladislaus Locticus ſuchte 


gegen dieſen Feind bey dem Orden Huͤlfe. Der landmeiſter eilte mit dem gröſten Theil a 


feiner Macht wirklch herbey, und vereinigte ſich mit Wladislai Völkern. Das ber / 
bundene Heer ruckte den Feinden unter die Augen. Doch gleich im 9 
Schlacht riſſen die Polacken aus, und lieſſen das Ordensvolk im Stich. r tand / 
meiſter ſahe ſich allein dem Feinde nicht gewachſen, und zog alſo ebenfals ee. | 


zu bringen ſuchte, und weil der Orden es mit fir x) Ibid. 1 
nen Feinden gehalten haben mochte, alles beſorgen ) Ibid. p. 321. Schuh 
den. b) Dusb. ©. 711. j N 8 


kann ich nicht entſchei 
* * RT pid. „ 272. 


— 


Conrad don Feuchtwangen. 135 


Ordnung als möglich zuruck. Seine Völker litten bey dem allen zlemlich, ehe ſich ſol⸗ 1292. 
che mit guter Art vom Feinde losgewickelt d). Dies Gluͤck bewog den Vithens, 1292 
einen neuen Einfall in Gros polen vorzunehmen, und beſonders in Lenczicz übel 
bauszuhalten e). Der kandmeiſter wolte zwar mit einem ſtarken Heer in Lithauen 
einbrechen. Allein an der Grenze gab ein Preuſſe demſelben durch eg 
wert Nachricht, daß die Lithauer nicht nur von dieſem Zuge benachrichtiget wa 
ihre Voͤlker ſchon zuſammen gezogen Hätten, und das Ordensvolk ſtehenden Fuſſes je 
warteten, ſondern daß dieſelben auch ein gutes Vernehmen mit vielen Ordensuntertha⸗ 
nen unterhielten „ die auf dem Ruͤckzuge die Ordensmacht anzugreifen beſchloſſen häts 
2 Be fandmeifter ließ daher fogleich Befehl an die vornehmſten Drvensbeamten in 
ſchen Veſtungen ergehen, die Haͤupter der miteinverſtandenen beſtaͤndig in 
25 zu 1 55 Er ſelbſt ſtellte mit dem Heer in beftändiger Schlachtordnung den 
Ruͤckweg an. Weil nun das gemeine Volk von den Einverſtandenen ihre Häupter täge 
lich in Geſtlſchaft d der Ordens bedienten, und das Ordensheer wohlgeruͤſtet zuruͤckkom⸗ 
men ſohen, glaubte es, daß ſein Anſchlag entdeckt ſey, und unterſtand ſich nicht, 
den geringſten Verſuch zu wagen 7). Beinahe wäre auch der Comtzur von Ragnit 
Conrad Stange unglücklich geweſen. Er brach um Jacobi in Lithauen ein. Bey 
Junigeda batte ſich ein zahlreiches feindliches Heer gelagert, welches er nothwendig 
vorben muſte. Da alles den Muth ſchon ſinken ließ, entſchloß ſich der Comthur, end⸗ 
lich mit feinen Leuten durchzuſchlagen, welches ihm auch gluͤckte, weil hier Verzweife⸗ 
155 und Muth uͤber die Menge ſiegte g). 


$. 
Im Winter 1293 brach der 3 e in Lithauen ein. Junigeda 
konte er zwar nicht erobern, aber zwey Vorſtaͤdte davon legte er in die Aſche. Ein Sue 
Ausreiffer aus dem Bartenlande, der zur Beſatzung von Ragnit gehörete, verſprach an die Polen 
zwar, dem lithauiſchen Regenten das Schalaunen Schloß oder Tilſit in die Hände zu hängen, 
e liefern. Die deshalb abgeſchickte lithauiſche Mannſchaft brachte auch den Bruder 
Oſſe ums leben, und kam in aller Stille vor das Thor. Aber Bruder 
88 und Bruder Albrecht von Hagen verrichteten hier, was Manlius in Rom 
gethan, und ſchlugen den Feind gluͤcklich ab, der nach angeſteckter Vorſtadt abziehen 
muſte. Um Jacobi fiel der landmeiſter Junigeda und Piſte an, richtete aber auch 
nichts weiter aus, als daß deren Vorſtaͤdte angezuͤndet wurden ). 1294 wolte der 1293. 
tandmeiſter die kandſchaft Erogel heimſuchen. Man widerrieth ſolches mit triftigen 
Gründen. Das Heer muſte ſich alfo theilen. Die Ragniter Beſatzung uno die 
Samlaͤnder ruckten in die landſchaft Paſtow, die übrigen in die landſchaft Geſow. 
* 100 Mann wurden niedergehauen und gefangen, und . vieler Raub zuſam⸗ 
men⸗ 
3 Ibid. p. 323. Kae, Soldaten und alfo die Krlegsdeſehlsha⸗ 
e) Ibid. p. 325. Sarnic, p. m 1114. Schüre 5 Dach, © 29 aa 
f. 48. Aue dieſen Ordenskriegen lernt man, daß 9 Duc b. S. 326. 
ein jeder Ordensbruder der Anfuͤhrer eines ganzen 7) Dusb. S. 377: 32g. 


1294. 


1295. 


ein neuer Aufſtand in Natangen aus. Die Empdrer hatten den Sabine zu 


6 * u merke von Preuſſen ö 
Otdenstmacht hatte 1 au ber bie gefromme eme ii 

BE a en 0 f von 9 1 NE 6% die m 

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N n ſicht 1 Oiden ünferiverfen m 2 178 in brach 
3 Unwillen zwischen deim Otden und de 19905 von | 
e “og sont il batte endlich in Pole e davon erat 
Mitt bee ſcheint der Orden es gehalten zu haben, und dies reizte den Uni ider 
15 0 linie der piaſtiſchen Herzoge/ die ſich a 5 1 um de Fee 


a ee 
ee eee 


Boleblaus von we vien de 115 in Schloß Ai zum Waffe 
geräumt, von wo fie 720 inn A als Preuſſen Einfälle vornahmen. 0 2 
ſtalungen des Ordens diefes mit der Nachbarſchaft Mi ſtreitende Betragen des K 
einzuſtellen, fiel fruchtlos aus. Der Landmeiſter aßte daher endlich den S schfuf 
dieſen Dorn aus dem Fu a ziehen. Er kuckte daher vor Ag 5 und z to 
ſes Schloß von Grund aus. Der Orden ſetze alith ſeinen leg 1295 geg 

fort, obgleich ihr Gluͤck dies Johr nicht ſonderlich war. Die Bruder 5 | a 
beck, einer von Beringen, Hennemann Kint und einer Namens Lift, winden ei 
ferelen vo A Lithauern erſchlagen. Die Feinde lieſſen es auch nicht an Einfällen n erman 
geln, und trieben theils der Beſatzung von Ragnit Pferde und Vieh weg nt seite ter eg 
ten fie die Vorftäßte von Ragnit und Tilſit in die Aſche: Das übe er, dn 
der Herzog Boleslaus von Mnſovien das Schloß Wiſne mit hauck N 50 if 
wieder herzuſtellen ſich bemühete. Der kandmeiſter zog zwar fein Heer zu 

ſolches mit Gewalt zu hintertreiben. Ehe aber ſolches noch feinen Zug am, 


en Fengender Mieberstigeeh geile, ume dem Gauwing, Ctanto), - | 

4 . und andere bie Häupter waren. Stanto ſchll ſch in Barten 65 
in die Ritter Rudolph Bodmer und Friedrich Liebenzel gefa 

Miß trieb der koͤnigsbergſchen Beſatzung die Pferde weg. Di me nr 

ten die Deutſchen auf dem Lande, und nahmen Weib und Kind gefangen. 

alle gelſtliche Orte und Perſonen bezelgten ſie doch alle Ehrfurcht. 


ten einige Micwiſſende die ganze Sache. Der Comthur von 5 8 2 es 


aus der Gegend rr mit dem Heer in Natangen 


Conrad von Feuchtwangen. | 137 
Nachricht von feinem Anzuge machte, daß die Aufwiegler zu Kreuze krochen. Eben 
damals wolten auch die Samlaͤnder losbrechen, und hatten ſchon den Naudiccam 
einen Sohn Joducaͤ zum Feldherrn erwählt. Ob aber derſelbe gleich ſich nicht öffent, 
lch dieſes Amt anzunehmen weigern durfte, ſo blieb er doch im Herzen dem Orden ge⸗ 
treu. Er war das unter den Samlaͤndern, was Don Franciſeo Toralto Prinz 
von Maſſa zur Zeit der Unruhen des Maſaniello in Neapel geweſen. Er kam in 
14 Tagen nach Königsberg, und entdeckte alle Mitverſchworne und ihre Anſchlaͤge. 
* ließ die Misvergnagten einziehen, und beſtrafte die Häupter mit dem To⸗ 
de. Hledurch ward der Aufſtand gleich anfaͤnglich gluͤcklich gedämpft. Aller Wahr⸗ 
fheinfichfeit nach hatten um denſelben die Lithauer ſowol, als der Herzog von Ma⸗ 
ſovien gute Wiſſenſchaft. Naudicca hingegen ward geadelt und Nur einige Guͤter 
| ei 1 beſeſſen wieder eingeräumt 1). * 


Br 8 . 76. 


1 150 Wie Zeiten 1 — jetzt zuſehens bedenklicher fuͤr den u — Preuß Der hochmei⸗ 

Es ſtarb anjetzt der letzte Herzog von Hinterpommern Meſtwin A), und hate ſter first und 

ine Staaten, die er doch ſchon feinen Vettern in Vorpommern verſchrieben /), es uin . 

die auch die Marggrafen von Brandenburg einen Anſpruch aus allerley Grün- henlohe zum 

machten m), dem polniſchen Oberregenten und Könige Przemyslao nach ſeinem nachfolger. 

e überlaſſen N). Jetzt kam Przemyslaus und nahm davon wirklich Beſitz o). Zu 
eben! der Zeit langte auch der Hochmeiſter Conrad von Feuchtwangen in Preuſſen 
an. Vermuthlich beſprach er ſich mit dem Könige theils der Beſitzungen und Rechte 
egen, die der Orden in Pommern beſaß, theils wegen der Unterſtuͤtzung, welche 
naſoviſche linie den Lithauern in Wiſne geben p). Zugleich machte er zu Forts. 
des Krieges Ko RE nöͤthige Anſtalten. gen, von Abenzel jerftörs, 


1295, 


— — 
—— 


* — 


2 


8 — 


* EEE 


„ap. ©. ER Seel 49. 50. Eben 


in n Go 


. lin, af en Ma⸗ 


as Bobleng und Bathaſar Röder mit ib: 


ren Leuten einen gluͤcklichen Einfall in den Landen 


der Mis vergnuͤgten im Sudauer Lande gethan, 
und nach der 3 712 5 455 2 5 

caporniſchen wo ſie der n Golin 
aus ſeinem Schloß Conowedit ſpeiſen ließ. Sie 
wurden aber von den nacheilenden Sudauern uͤber 


ar 
fie o Drache den 


ließ er in ein ne, und zu 5 ö 


rem Andenken ifk vermuthlich die bekandte vier 


P. aug. preuß. 8 


te 


Bruͤder Säule entftanden, über deren Urfprung 
die Gelehrten fo vielfache Meinungen geäuffert, 
Auſſer des Herrn Rhode Schrift von dieſer Sache 


handelt davon Erl. Pr. Th. 1. D. 39 f. und Th 4. 
S. 3 f Es iſt dieſes wirklich das wahrſcheinlichſte, 


was man von der vier Brüder Säule in der ca: 
porniſchen Heide ſagen kann. 

*) Schüg f. so. 5 

) de Dreger S. 4 
m) Zu denen Gründen, die in ee 
te B. 1. S. 331. angeführt, für noch 
hinzu, daß Meſtwin 2 denen * afen Jo- 
hann, Otto und Conrad alle ſeine Lande 1269 zu 
Lehn aufgetragen, und ſie erſuchet, von Danzig 
Wee zu ae de Dreger S. 546. 347. 

50. 


2296, 


1297. 


dislaus Locticus, zu dem ſich der Orden eben nichts gutes wegen der Str 


und ward zu Drogowitz begraben )). = 


chelmoͤrderiſcher Welſe erſchlagen; vn dem was S. 75 richtig aufs Jahr 97 


Fr | Sefhig von Preuffen. 
te in einem Einfall zwey lithauiſche Schloͤſſer, worunter ſonderlich das zu PR von 
Beträchtlichkeit war 3). 1296 berheerete Siegfried von Reiberg Comthur von Bal⸗ 
ge die Gegend von Garthe, und legte die Vorſtaͤdte dieſes Schloſſes in die Aſche, 

wobey Walther Goloni und Henrich von Wedere ſich bekandt machten y)). Bir 
then that damals einen Einfall in Liefland. Es ſchickte zwar der Comthur von 
nigsberg Berthold, den Comthur von Balge Henrich Zutswert mit einem 
ab, um durch Verheerungen Vithens Länder ihn zum Zuruͤckzuge zu nöͤthigen, 
Zutswert befolgte nicht den ihm gegebenen Auftrag, ſondern belagerte ſtatt deſſen 
Schloß Garthe. Er muſte aber auch dieſe Belagerung nach vielem Verluſt r 
auf heben 5), worauf die Lithauer in das Culmerland fielen, und in der Ges 
nachher das Schloß Golub gebauet worden, fünf chriſtliche Orte aus pluͤnde 
Der Hochmeiſter hatte ſich bereits aus Preuſſen entfernen muͤſſen. Wichtige 
legenheiten nörhigten ihn nach Prag abzureiſen 1). Denn der polniſche König‘ 
myslaus hatte in diefem Jahr bey Rogoſno ein blutiges Ende genommen x). 


über das Schloß Wieſen verfahe, folgte in der königlichen Würde, obgle 
Polacken mit ihm unzufrieden waren. Vielleicht legte der Hoch meiſter ſchon de 
den Grund, zur nachmaligen Erhebung des böhmifchen Königes Wenceslai ir 
Königreich Polen, und zu deſſen Heirath mit der Tochter Przemyslai. Do 

rad von Feuchtwangen erlebte ſolches nicht. Er gieng 1297 zu Prag ut 


Dieſer Tod gab wieder zu merkwuͤrdigen Auftritten in dem deutchen Hrden je 
legenheit. Am Tage Kreuzeserhoͤhung ward zu Venedig in einer allgemeine 
dens verſammlung zur neuen Wahl geſchritten. Es fiel dieſelbe auf Gottftie 
von Hohenlohe aus 2). Er war ein Sohn Craft 1 Grafen von Hohenlohe 
Willeburgis Graͤfin von Werthheim. Den ehemaligen Hochmeiſter Henrich 
von Hohenlohe erkannte er vor feines Grosvaters Bruder a). Dieſer Gra 
fried mag ehemals kandcomthur von Oeſterreich und 3 ri 
1290 kommt er als aa von Dentfhland vor c). i 


9) Ibid. p. 337. I Dig 0) Duell b. 1. p. 26. hot die Mac 


1) Ibid,p 333. ner alten Schrift, und verdienet m 
s) Idid p. 339. a 2 als Grunow, der hier ganz u 

) Dusb. S. 39. Wahl ſey 1292 am Tage Andrea Apoſto 0 
1) Dusb. S. 32. rienburg geſchehen. Es irren daher die! 


*) Die Pola geben zwar vor, er feymen: Beitr St. 4. S. 167. da ſie 


ich davon in dieſer unſerer Geſchichte B. 1. S 331. S. 3 
angebracht, womit Schütz f. 51. zu vergleichen, 3 Sins 1 5 ſchon oben gezeigt. . 
ſagt Senneb. S. 354. ausdruͤcklich, Przemys, 6) Duell. P. 2 p. 1ro. En 
laus ſey in einer Schlacht bey Rogozno geblieben. ch) Herzogs Elf Ehr. Buch 10. S. 20 

) Dusb. S. 312. Schüg f. 5. 94 ſoll es Mon. nich von Se ö 


Gottfried Graf von Hohenlohe. N 139 

Auf der allgemeinen Wahlverſammlung waren allerley neue Geſetze gemacht d). 
Der neue Hochmeifter bemuͤhete ſich aber ſonderlich, die vornehinften Ordenslaͤnder 
a „ Liefland und Curland in guten Stand zu bringen. In Preuſſen ward 


wol der Side Mewe pi als auch der Stadt Preußiſch Holland den erſten Frei⸗ 
heitsbrief ausgefertiget Y). Aber in Liefland ſahe es um fo viel klaͤglicher aus. Der 
Orden war mit dem Erzbiſchof ſowol als der Stadt Riga in Irrungen gekommen, die 

um innerlichen Kriege ausſchlugen. Die Lithauer wurden von den Ordensfeinden 
weder ins land gelockt, oder durch fie ihre Einfälle unter Vithens Anfuͤhrung doch 
ungemein erleichtert. Sie befochten ſogar 1298 über das Ordensvolk einen wichtigen 


tigung zwiſchen Gottfried von Brauneck und Graf Craften von Hohenlohe zum 
Stande gebracht K), gieng auf die erſte Nachricht mit so Brüdern nach Preuſſen 
ab J. Von bier ſchickte er den Berthold Bruhan Comthur von Königsberg mit 
ansehnlicher Macht nach Liefland. Mit dieſer Huͤlfe war man daſelbſt im Stan⸗ 


en belagert hatte, am Tage Petri Pauli anzugreifen, und aufs Haupt zu ſchlagen. 
40000 Ordensfeinde kamen ums leben. Der Erzbiſchof ward gefangen. Ein Sa 
Aunnder hielt ſich ſonderlich fo männlich, daß man feine fhönen Thaten den Geſchichten 
einzuſchreiben vor nörhig hielt y)). Aus Preuſſen muſte Conrad von Lichtenha⸗ 
e von Brandenburg einen Einfall in Lithauen vornehmen. Er legte 
friſche Ordensvölker unter einem Ritter aus Ragnit. Er gieng daher nochmals in des 
Feindes band, muſte ſich aber nach einem leichten Treffen, in dem ſich zwar kein Theil 
des Sieges ruͤhmen konte, der Orden aber viele Verwundete bekommen, zurüͤckziehen ). 
Um den Bruhan aus Liefland zu bringen waren auch die Lithauer in Preuffen eins 
gefallen. Faſt 200 Mann überrumpelten am Michaelstage das Schloß Strasburg, 
worin fie alle Mannſchaft und einen Prieſter niederhieben, das Frauenzimmer und die 
Kinder als feibeigene wegſchleppten, und einer ſogar den Taufſtein auf das ſchaͤndlich⸗ 
ſte entweihete o). Der kandeomehur von Culm, Conrad Sack, gieng aber dieſem 
N Haufen auf dem Fuſſe nach, machte ſie alle nieder, und befreiete dadurch die Gefange⸗ 
nen p). Berthold Bruhan hatte jedoch, um Preuſſen zu decken, Befehl erhal⸗ 
2 dieſes Sand zuruck zu kommen, worauf die Bürger von Riga fo lange im Or⸗ 
j * AR 8.3 dens⸗ 


n 
D Duell. P. 1. p. 26. g H Herr Sanſelmann Hohenlohiſche Landes: 
5 5 1 ur u hoheit Beil. S 426. No. 68, IR) 
ID Waiſſel S. 102. D Dusb. S. 340. Leo S. 120. 
zi Erl. Pr. S. 8. 25. Pr. Liefr. B. 1. S. 9. w) Dusb. S. 340. 


n) Ibid. p. 343. 


} Pr. B. 4. S. 483. . 
5 Arnd S. 70. f. Dusb. S. 340. Duell. e) Ibid. p. 342. Waiſſel S. 103. 150, 
P. 3, S. 6. u 2) Arnd S. 72. 


Sieg, und erſchlugen den dortigen kandmeiſter ). Der Hochmeiſter, der eine Rich ⸗ 


1297. 
Der neue 
landmeiſter 
kommt ſelbſt 
auf kurze zeit 


1 * e), und der vom Hochmeiſter beſtaͤttigte /) landmeiſter hatte for nach Preuſſen. 


1298. 


de, die Macht des Erzbiſchofs, der Stadt Riga und der Lithauer, welche Neumuͤh⸗ 


die Vorſtaͤdte von Junigeda und Piſte in die Aſche. Auf dem Zuruͤckzuge fand er 


1298. 


1299. 


Nichte J). Aber der Papſt Bonifacius 8, dem ein deutſcher Ordensprleſter we 
in den lieflaͤndiſchen Streitigkeiten ſenn. Er berief alſo 299 den Erzbiſchof vo 


golo auf dem Platze geblieben. Ganz Schalaunen ward verwöſtet, und! 


140 Gaiche von Preufen. 
ey mit der Brandfackel in der Hand eee bis der — a 
auf freien Fuß geſetzt war. Der Kaiſer Albrecht beftärigte jetzt dem Orden dle 


ſchlechtere lobſprͤche, als dem Cöleſtin feinem Vorfahr belegt 7), e oft 


den Biſchof von Oeſel, den Hochmeifter, den kandmeiſter von Liefland, u 
thurs aus Liefland nach Rom zu kommen ). Es ſcheint, daß der Hochmeiſter 
angetreten. Denn weder in einer Urkunde Bertholds Bruhans, noch in a 
ſeiner als in een gedacht ). Daſelbſt ward Graudent 
und vom Landmeiſter in Liefland den Luͤbeckern unter andern Handeleft 
liget, ihren Handel bis in Preuſſen zu treiben x). Der kandmeiſter in ] 
hard von Querfurt war mit Tode abgegangen, dem in dieſem Amte Lud 
pen folgte )). Dieſer ſchlug, nach des Leo Bericht, die Lithauer aus 
welche denen Schalaunern Hulfe leiſteten, die ſich gegen den Orden « 
gleich mit Verluſt des Bruder Carl von Salm und anderer, glücklich 00 
nachdem der Schalauner Heerfuͤhrer Stomoy, Stutoy, 3 o u 


ſchaft mit neuen Anbauern beſetzt. Der Landmeiſter hatte aber bey dieſer « 
eine ſolche Wunde bekommen, daß er die folgende Lebenszeit bettlaͤgerig zubr 
fie 2). Bald e erhielt der — von Brandenburg ne N ichtenh 


J) Drdensdeduet. gegen Seſſen. Beil. N, 12. 
) Jeroſchin ſagt vom Coͤleſtin: Tan . 
Do dirre ſelbe gutte Mann, Daß Babitum hatt —— 55 * E 
Da quam ein Wib vor ihn gegan, Und begand Ihn zu ruffen an, 
Daß er ihr gebe feinen Seg'n, Und do er hatte daß geflegn, ö 
Ein Kind ſie uf dem Arme trug, Daß der Naturen ungefug, 
Krumme geſchuff an der Geburth, Daß ward bey deme 1. 8 Be Ir 4 
Den er dahin ſtrich mit der Hand, Wol geſund alda zu der 
Vom Bonifacio aber heißt es: 
Zu dieſem Bonifacio, Sprach zu einer Zeit alſo; 
er vielreine Celeſtin, Der fin Vorfahr war gefin 
An dem Ampte vor der Friſt: Sam ein Fuchs biftu mit eit, 
Kamen in den Ehrenpriß, Un herrſcht wol in Löwen wis 7 
Hernach du vertreibeſt, Un als ein Hund verſtirbeſt 5 I 
Daß auch ſich allſo ebbene, Erfand an feinem Lebene. E Senn 
Doe heiſt kurz: intravit vt vulpes avit vt - 2) Leo S. no. S. 2 
leo, exiit vt canis. 5 Gottfried 2 
5) Rainald T. 14. ad h. a. Ne 35. P- 534 3 aus "Riehauen das erfte Cat 
7) Erl Pr. B. 2. S. 462. oͤrt, und habe in inb 
1) Senneb. S. 4⁴⁸. . 


2) Pub. S. 24. eil pe 5. 4 E. 4. 16 debe l Mach Kale me 
bey i : wie fi 
Der — Sandmeifter heiſt — Eu Schr 3 ; De 


Gottfried Graf von Hohenlohe. 141 
gen Nachricht, daß 600 Lithauer einen Einfall in Natangen vor Härten. Etliche 1299. 
Tage paßte er ihnen vergeblich auf, und glaubte daher, daß der Feind feinen Vorfag 
geändert. Es ließ daher der Comthur feine beute aus einander gehen. Kaum war 
folches sche, 2 rückte der geind wirklich heine ein, ihre role Ver 
wurden 5 8 we; 
. 55 „ N 5 
2 Die Stelle des ee kundmeiſters von Preuſſen berlabete 1300 ein 1300. 
12. Helwich von Goldbach. Unter ihm e Goldoni/ Zune Er kommt 
s von Brandenburg Gegüffe, einer Rotte von 2s Lithauern auf, die in dd“ 
00 Gebiet gefallen, und ein Dorf ausgepluͤndert hatten, und hieb ſie bis Preuſſen. 
drey Mann nieder. Bruder Henrich von Dobin that mit 200 Mann einen gl uͤckli⸗ 
e in das Gebiet des Schloffes Otkaym, wo er 6 Dörfer in die A * | 
Br feindlichen Angriffen ſich zuruͤczog. Die damals ue 

Wenzel von Böhmen und dem polnifchen Prinzen Wladisla 9 5 
a über Polen ausgebrochene Streitigkeiten gaben den Athauern Si . 
ihre Streifereien deſto freier zu treiben. 6000 Mann pluͤnderten das Land in. i 
100 Wagpälfe von ihnen ſetzten über den Fluß Drewentz, und plünderten zwey Dör⸗ 
fer im Eulmerlande. Das Ordensvolk grif aber ſelbige an, erlegte 70 Mann, und 

die übrigen zurück. Dies brachte ein ſolch Schrecken unter diejenigen, welche im 
B Dobrin ſich noch befanden, daß fie übereilt die Flucht nahmen 5). Dieſe hau 
. ſige Kriege des Ordens machten, daß man jetzt anfieng ſchlechtere Münzen auszuptäs 

gen. Zu einer Mark fein Silber, nahm man ein koch Kupfer, welches aber nachher 


weit erglebiger zum Gelde gebraucht ft e). Vor die fernere Anbauung des lan⸗ 
des ward noch immer gefßtgt, und beſonders die Stadt Löbenicht bey Königsberg an⸗ 
gelegt d). Hieran ſchlen dem Orden mehr gelegen zu ſeyn, als an neue Eroberungen im 
8 gelobten Kande zu denken. Ob alſo gleich unter andern auch der deutſche Orden von 
tartariſchen Prinzen berufen wurde, fich im gelobten dande aufs neue veſt zu ſe⸗ 
gen, fo hatte der Orden feine Sorgfalt doch auf ganz andere Gegenſtaͤnde zu lenken e). 
Weit mehreres Vergnuͤgen machte demſelben die Nachricht, daß er den ehemaligen un. 
ruhigen Erzbiſchof von Riga los geworden, und mit dem neuen Iſarmo die ehemalis 
Sem gehoben worden ). In Au, muſte Helwich von Fer die 


* ie! zu erhalten, zu Felde gehen. Baydowe ins al werfen laſſen. Ich glaube aber, 
ein Edler Preuſſe gab ſodenn den Rath, alle Leo und Henneb. haben hier dasjenige beibrins 
üder zu er ſchlagen. Dies habe doch zum Glück gen rn was 1292 und 1295 vorgefallen. 
a e e ickgegangen, habe 2) Dusb. ©. 344. Schutz f. 66. 
den Baydowe mit noch eilf andern fangen und 6) BR ©. 344 345. 42 
an Eichen hängen laſſen. Um ſolches zu rächen c) Erl. Pr. Th. 3. S. 252. 
Er a4 ihre Verwandten den Geiſtlichen die Zaͤh⸗ 4) Erl. Pr. Th. 4. ©. 3 
8 —— — „andern die Köpfe zwiſchen Bre. e) Compilat Chronol. 40 9 ap. pikor ex 
„ datum daß einer von den Geiſt⸗ edit Seruvli T. 1. p. t106. 
0 2 um Des Decems len habe J) Arnd S. 72 f. 


| 142 Goeſchichte von Preuſſen. Ach 
5 1300. tandmeiſterwuͤrde niederlegen, und reifee nach Deutſchland ab, wo er nachher ver 

E: ſtarb g). An ſeine Stelle kam Conrad Sack, ein gefprächiger und beliebter Mann, 

* 3301» der das Schloß Gobub erbauete 5). Auf feinen Befehl nahm ızor Volrad ‚on 

thur von Ragnit das Anerbieten des Edlen Lithauers Draykonis an, ihm das 

Schloß Otkaym in die Hände zu ſpielen. Die Beſatzung darin ward nieder geftofe 

ſen, Weib und Kind gefangen genommen, der Ort ausgebrannt, und Drayko trat 

mit ſeinem Hauſe zum Chriſtenthum uͤber. Wie ſchlechte Fruͤchte trug damals der 

Glauben? Grudramus, ein Mann von kleinem Körper, aber ſehr groſſem Geifte, 

erlegte mit wenigen andern eine Anzahl lithauiſche Parteigänger in der Gegend des 
Schloſſes Chriſtburg, ob er gleich dabey eine tödtliche Wunde davon trug. ur 

feßte er einige bereits gefangene Chriſten in Freiheit, und hatte den Bo a 

die erloͤſeten Weiber über feinem etblaßten Körper zwey Tauben, als Buͤrgen 

ligkeit, wolten geſehen haben. Einer andern Partey Lithauer, die fünf li 

Dorfer ausgepluͤndert, und bey 200 Chriſten theils erſchlagen, theils gefangen hat⸗ 

ten, gieng es nicht beſſer. 6s von ihnen erſchlug die chriſtburgſche Beſatzung. Die 

meiſten übrigen kamen durch Waſſer und Hunger um, ehe fie ihre Grenzen hten. 

Hingegen fahen ſich hierdurch auf 70 Chriſten in Freiheit geſetzt )). An dem Ort, 
welche, dem Curcho zu Ehren, die heilige Stadt von den ehemaligen Preuſſen ge 

nennet worden, ward anjegt die Stadt Heiligenbeil aufgefuͤhret A); Auch bey den 

. Schloſſe Morungen beſchloß der Orden 1302 eine Stadt anzulegen /). Die lieflaͤndiſchen 

Angelegenheiten nöͤthigten den Hochmeiſter, perfönlich nach Preuſſen zu kommen, 

von wo er mit so Ordensbruͤdern nach Liefland abgieng m). Seine Ankunft be 5 

te daſelbſt ziemliche Ruhe n). Seine mitgebrachten Ritter und Kriegsknechte ließ : 


| n dieſem kande zur Bewahrung der Grenzen gegen die Lithauer zurück. Er ſelbſt fam 
R 30. 1903 nach Preuſſen, wo feine Gegenwart höchſt nothwendig ſchien o.. 

| * . | 6 = er x 7 f 

I . 1 ae 

| . — Der Hochmeiſter hatte jetzt wichtige Dinge ſich vorgeſetzt. Er wolte den 


lung zu Elbing fi6 des Ordens, der nach dem Verluſt von Accon nach Venedig gekommen Pr vor 
wichtige dinge da nach Preuſſen verlegen. Die Stadt Marienburg war vor ihm bereits zu 
vorgehen. nung des Oberhaupts fo anſehnlicher Ritter, und des Herrn fo weltlaͤuftiger land 


| 

| ſtimmt. Es war dieſes weislich überlegt, Anderwaͤrts beſaß zwar der Ord 

| tige, aber zerſtreuete Sande. In Italien batte der Orden nach dem Unten 

| i - 0 RE 

8) Dusb. S. 344. N m) Dusb. S. 30. 

b) Dusb. S. 347. Leo S. 122. 2 Ag e 
| F 
| ee Was. Er e bringen 6) Dusb. S. 350. Nicht aber 1302, 1 

| — ins Jahr 1303. oder gar 2319. Folecgr, Prufl, dere ſagen. Ich bleibe billig beim Bub, 


b . I. p. 13. 

* 79 a: Dusb, p. 2. Senneb. S. 329. Sart⸗ damals lebte. q 9 
1 Enochs A. u. N. Pr. S. 413. Erl. Pr. Th. 2. 5p) Darum nennt Dueb g S 350. Venedig 
O. 77. den Ort, wo domus Principalis damals geweſn. 


1 


. ———— —— ͤ ͤ—— 
1 


Orden von Pommerellen und Polen inne 


* 


* 


5 Gottfried Graf von Hohenlohe. 8 N 143 
Hobenſtaufer ſchan das meiſte verloren. In Deutschland aber lagen die Drdeneläns 
der nicht bey einander. Hingegen gehbrete den Marianern ſchon das ganze Preufs 
ſen bis auf Pommerellen, das ganze Curland, Semgallen, Liefland und ein 
anſehnlicher Theil von Sameiten, alles in einem Striche, ohne was bereits der 


hatte. Da aber dieſe Staaten mit Blut 


erworben waren, fo muſte man auch das Schwerd beſtaͤndig gezuckt halten, um ſelbige 

gegen die beidniſchen Ruſſen und Lithauer, und gegen die eiferſüchtigen Daͤnen, 

Schweden und Polen zu erhalten. Des Hochmeiſters eigene beſtändige Gegenwart 
konte den ſo genannten heiligen Kriegen, die die Einrichtung des Ordens erforderte, 
und zu Beſchuͤtzung und Ausbreitung des Chriſtenthums gefuͤhrt werden muſten, mehr 
tebhaftigfeit geben, den Feinden mehr Schrecken, den Unterthanen mehr Muth beis 


ſchwinder und treuer ausgeuͤbet, Gnade unpartheiiſcher ausgetheilet, der fernere Anbau 
des landes ſorgfaͤltiger beobachtet, und uͤberhaupt das Wohl der Unterthanen beffer beos 
bachtet werden könte J). Wenn aber alles dieſes auch im beſten Zuſtande ſich befun⸗ 


j bringen. Vor den Augen des Regenten hofte Gottfried, daß die Gerechtigkeit ges 
I 


den hätte, ſo uͤberlegte der Hochmeiſter noch einen andern Umſtand, der die Gegenwart 
des Hochmeiſters in Preuſſen unentbehrlich machte. Er ſahe ſich als Vater, und 
die Ritter als Söhne an. Auf das ſittliche Betragen der letztern ſolte er genaue Acht 
haben. Die meiſten befanden ſich in dieſen Gegenden, wo unter ihnen Reichthum 
und Ueberfluß zu herrſchen anfieng. Preuſſen brachte ſchon 80000 Mark jährliche 
Einkuͤnfte dem Orden 7). Gottfried wuſte, daß Uleberfluß das menſchliche Herz 
ſchwerer ertragen konte, als Armuth und Ungemaͤchlichkeit. So lange dieſe das Erb⸗ 
theil der Bruͤder geweſen, ſo traten nur ſolche in den Orden, die gemeinhin ein redlich 


Herz, eine ungeheuchelte Gottesfurcht, eine Verlaͤugnung alles Irdiſchen hatten. Jetzt 
waren aber dieſe Falle ſeltener, da mit dieſer Mitgabe jemand an den Orden vertrauet 
wurde. Jetzt konte man die Fälle genau zählen, da die Ritter ſolche glänzende Tu⸗ 


et genden verrichteten, die jedermann in die Augen fielen ). Der Hochmelſter uͤberſa⸗ 
be r) das daraus entſpringende Unglück vorher. Ich beſchuldige nicht alle Glieder dies 


N 4 
2 Senneb. S. 383. Waiſſel S. 103. Seſing 
. Buͤcherſaal B. 8. S. 72. 

7 Tr 1 4 r 
) Bisher hatte Dusburg von der Froͤmmig⸗ 

keit aller Ritter dieſes und jenen Schloſſes etwas 
erzehlen koͤnnen, zu feiner Zeit muſte er ſich bes 
gungen, nur denn und wenn von der Tugend die⸗ 
ſes oder jenen Ritters zu reden. 4 

1) Die ganze Übrige Erzehlung habe ich aus 

! S. 383. genommen, der fie aus 

dem Grunow gezogen. Es iſt wahr, daß Gru⸗ 
now dieſen Gottfried von Hohenlohe mit dem 
vorigen Senrich von Hohenlohe verwechſelt hat, 


aber deswegen iſt das nicht unrichtig, was er vom 
Gottfried erzehlet hat. Zu dem was Senneber / 


ger aus dem Grunow genommen, leſe man auch 
das, was daraus im Neuen Buͤcherſaal B. 8. 
S. 73. 74. beigebracht iſt. Es widerſpricht alles 
dieſes nicht bem, was Dusburg S. 350 angefuͤh⸗ 
ret hat. Deſſen Worte ſind ſolgende: Anno 
Domini MCCCH Godefridus Magiſter Genera- 


lis cum L. fratribus tranſiens Pruſſiam, venit 


ad tertam Livoniae, et relictis ibi fratribus in 
ſubſidium dictae terrae dum ame ſeguenti Fre · 
diret Pruſehiam in Capitulo Elbingenſi officium 
refignavit; licet ſibĩ dum in Teutoniam rever- 
ſus effet; denuo remerare ufurparer. Qua re- 
ſignatione facta, electus fuit ſtatim ibĩdem fra- 
ter HFridus de Wuchtwangen in Magiſtrum Ge- 
ngralem , qui ivit verſus Venerias ad domum 


1303. 


zu beſorgende Ungfiick von dem deutfche Orden durch ſtrengere Geſetze Sgume en, 


ben hatte, und zurecht machen laſſen. Da aber derfelbe auch eine strengere Zucht und) 
ſchörfere Ordnung in Vorſchlag brachte, eneſtanden fcheefe Geſichter, Murren, Wi, 


hatte die ſittlichen Krankheiten der Ritter heilen wollen. Er ſtellete den Brüdern die 
Bewegungegründe ſeiner Handlungen vor. „ Meine Triebfeder, , ſprach et, „bey dieſer 
„Ordnung iſt dieſe: die Seelen meiner Bruͤder ſind auf meine Seele gebunden, und 
„ich muß davon Rechenſchaft ablegen. „F Ewig unvergeßliches Muſter eines Regenten, 
der ſeine Pflichten erkennt. Als dieſes nichts half, wobey ſonderlich der vorige land⸗ 
meiſter von Preuſſen Helwich von Goldbach, der, wie es ſcheint, dies Amt wider 
Willen hatte niederlegen muͤſſen, als der Widergeſinnten Anführer ſich auffuͤhrete, 
ſuchte der Hochmeiſter die Ritter durch Vorſtellungen, die ihre Ehre naͤher anglengen, 
zu gewinnen. Durch fie fen er erwaͤhlt, fie hätten ihm die Treue geſchworen, den Ge⸗ 


prineipalen. Hierzu nehme man das, was er burgs Geſchichte, welches man auch daraus ſehen 
S. 340 faget: Anno Domini MCCxC VII fra- kann, wenn es heiſt, er habe in XIII anno das 
ter Gadofridus de Hobelocb ele&tus fuit in Ma- Amt niedergelegt, da doch Dusburg ſelbſt gt, 
giſtrum Generalem Ordinis Domus Teutonicae es ſey ſolches 1303 geſchehen, folglich im ten T 
et praefuit XIII annis. Nis tamen inter alios feiner Regierung. Es ſcheinen mir daher die 
Mägiftras compuratur, quia in XIllanno refig. Worte von Nee tamen bis reſumpſit p. 340. dd 
navi offichim [ünm es iterum temerarie reſump- ne vorſetzliche unrichtige Einſchaltung zu ſeyn, fe 7 
fir Ich glaube in dieſen zwey Stellen deutliche wie D. 35o. die Worte temerarie uſurparet in Buss 
Spuren zu entdecken, daß Dusburgs Worte vers burgs Urſchrift anders muͤſſen ge haben, 
faͤlſcht worden, welches vielleicht unter dem ATi weil er ſonſt nicht dem. Gotifried iz N 
chael Kuchmeiſter ven S ehen ſeyn jahre beigelegt hätte. aber ä 
Gee, Babe, Till ene Be map: Se, 1 l Fin: Magee e 
13 Jahr, folglich wenigſtens bis 1309 erzehlt, iſt theils feiner zupt hen 
regiert. Er hat ihn mehrmals einen Hochmeiſter Kürze, theils umkeit zuzuſchreibe x 
r r helfen gsi mern. Be I als wan Gere Binde game in > 
cer 9 n. Dies iſt al⸗ n | i einde * 
ſo ohne Streit eine fpätere Einſchaltung in Dus⸗ 3 — 
unge ie x 


Gottfried Graf von Hohenlohe. 145 
biorſam verſichert, zum Folgen ſich verpflichtet. „Haͤlt man mich, e ſagte er endlich 
in der Hitze, „nicht mehr gut genug zum Gehorchen, ſo bin ich auch zu gut das be⸗ 
„ſchwerliche Amt des Hochmeiſters zu fuͤhren. A. B. C. euer Hochmeiſter bin 
„lich nicht meh. „F Aber auch dieſe bittere Vorſtellungen ruͤhrten die meiſten Bruͤder 
nicht. Der Verdruß bemeiſterte ſich des Hochmeiſters, und er verließ das Capitul 
und Preuſſen fehr ungehalten. Die Brüder konten ſich leicht die Folgen vorſtellen, 
die ihr Widerfpruch auf ihre Perſonen haben konte. Sie befuͤrchteten den Zorn deſ⸗ 
ſen, den fie ſchon lange nicht mehr, weil er zu ſtreng über das Wohlanſtaͤndige und 
Gute hielt, geliebt hatten. Nach einigen Ueberlegungen, wie fie Gottfrieds Unwillen 
fruchtlos machen ſolten, fielen fie darauf, feine letzten Worte als eine formliche Nieder 
m gung ſeiues Amts anzunehmen. Sie machten wirklich zur neuen Hochmeiſterwahl 
3 8 t, und) wählten den bisherigen Comthur von Oſterode Siegfried von Feucht⸗ 
BR ingen. Es weigerte fich aber derſelbe, die auf ihn gefallene Wahl anzunehmen. 
Er ſahe wohl ein, daß Gottfried bey abgekuͤhlter Hitze ganz anders feiner Worte Aus 
leger ſeyn würde, und daß feine Worte, welche eine aufgebrachte Leidenſchaft hervorge⸗ 
bracht, nicht fo genau zu nehmen. Es rieth alſo Siegfried, deswegen den Hochmel⸗ 
ſter nicht zu verwerfen, ſondern zu behalten. Er ſtellete ihnen das erſtaunende Aerger⸗ 
nmliß lebhaft vor Augen, das die Brüder ihren Unterthanen, übrigen Rittern, der ers 
baren Welt, und der gerechten ſpaͤten Nachkommenſchaft verurſachten. Weil aber als 
les tauben Ohren geprediget worden, reißte zwar Siegfried nach Venedig, erſuchte 
aber heimlich den Gottfried, die Herrſchaft zu behalten. Dieſer behielt auch wirklich 
ghnach angeſtellten ruhigern Ueberlegungen das Heft, obgleich viele Bruͤder von dieſer 
Zlatan die Regierung des Siegfried zu erkennen anſiengen. Gottfried that feinen Wil⸗ 
Ien nicht nur durch einen Umlauf dem ganzen Orden kund, ſondern iſt auch noch nach— 
2 her wieder ins tand gekommen, wo er ſich perſbnlich nach dem Zuſtande der Schloͤſſer 
erkundigte, und regierte wirklich bis 1309. Siegfried aber glaubte noch nach dem 
Tode de wie wir nachher ſehen werden, kein gegründetes Recht zu haben, bis 
er durch eine anderweitige einſtimmige Wahl die Hochmeiſtetwuͤrde erhielt. Es har 
ben alſo diejenigen ) völlig Recht, die Gottfrieds Regierung bis 1309 ausdehnen. 
n §. 80. — 


Fler ausge⸗ 
a . “ ff * < Tau * fa 3 „ 8 

h Dieher win ich nur rechnen Schüg f 539 Siehe aud Duell P. . S 27. Leo S. o. 
Wa ſſel S 103 und 104. Sariknoch aber und der Pr. Todestempel S. 138. find anderer 
Meinung. 3 i * 

Dub, S s. ) Shit. pr, tes Se 

8 b * 


p. aug. preuß · Geſch. 4 Th. 


yo 


330% 


2304. 


1305. 


2) Dusb. S. 353. 34. 0) Dlugoſſ. S. 907. Pr. € 
PX Ibid, p. 355 357. Schüg f. r. 62. Leo 8 12 und 298. Hlezu 1 92 
„ 122, — 


B. 3. S. 773. 


146 Geſchichte von Preuſſen. i 
ausgerichtet haben, wenn feine Wegwelſer aus Unwiſſenheit die Ordensvölker nicht irre 
gefuͤhrt haͤtten. Denn hiedurch bekam der Feind Nachricht vom Anzuge derſelben und 
verſteckte fich in unzugaͤngliche Oerter. Der Landmeiſter zog ſich gluͤcklich uͤber das ges 
frorne curiſche Haf zuruͤck. Hingegen hatte ein Haufen von so Lithauern im Lubaui⸗ . 
ſchen, wo alles ſicher war, übel gehauſet. Doch büfte derſelbe durch die chriſtburg⸗ 
ſche Beſatzung bey dem Abzuge 1s Mann ein, wobey so Chriſten ihren Händen ents 
kamen 2). Es langte 1304 Werner Graf von Homburg, Adolph von Wintmel 
mit ſeinem Bruder, und die Gebruͤder Dietrich und Arnold von Elner nebſt andern 
Rheinlaͤndiſchen von Adel aus Deutſchland in Preuſſen dem Orden zu Huͤlfe an. 
So verſtaͤrkt muſte Conrad von Lichtenhagen Comthur von Brandenburg bey Gar⸗ 
the in Lithauen einfallen, um die Achtung der Feinde auf dieſe Gegend zu ziehen. 
Als ſolches glücklich bewerkſtelliget, gieng auf Befehl des tandmeifters, Eberhard von 
Virnemburg Comthur von Königsberg, dren Tage darauf mit 2000 Reutern in die 
Gegend Pograuden, und richtete darin groffe Verheerung an. Der Graf von Hom⸗ 
burg und verſchiedene andere Deutſche von Adel lieſſen ſich, im Angeſicht des Schloſſes 
Jedemine, unter der auf einem Berge gepflanzten Ordensfahne zu Ritter ſchlagen. Auf 
den Ruͤckzuge fielen 20 Lithauer einem Hinterhalt des Ordens in die Hände, und 
blieben auf der Stelle. Auf 1000 Feinde muſten bey dieſem Einfall entweder ſterben, 
oder ſich gefangen geben. In den Faſten nahm Eberhard Eomehyr von Königsberg 
die von den Lithauern wieder aufgebauete Veſtung Onkaym durch Verraͤtherey des 
Swirtil, der nachmals zum Cpriftenchum trat, zum andernmal ein, ließ, was wehr ⸗ 
haft, niederhauen, Welb und Kind gefangen wegfuͤhren, und zerſtörte das Schloß 
aus dem Grunde. Die ganze umliegende Gegend ward ausgepluͤndert, doch koſtete 
dieſer Zug auch 30 chriſtliche Kriegsleute. Bruder Henrich von Wolphersdorf wa ⸗ 
re ebenfals beinahe ums leben gekommen, weil er von der ganzen Ordensreuterey über 
ritten wurde a). Der Stadt Marienburg beſtaͤtigte der Landmeiſter ihre Freihel⸗ 
ten 5). Er verſchafte damals dem Orden erheblichen Nutzen. Der Herzog Leſtus 
von Cujavien brauchte Geld. Conrad Sack hatte ſchon im vorigen Jahre etwas ge 
borgt, und ſchloß am Tage Calixti dieſes Jahres folgenden Vertrag: Der Orden giebt 
dem Herzog auf zwen und ein halb Jahr 300 thornſche Mark unter der Bedingung, daß 
dem Orden das Pfandrecht auf das fand Michelgu dafür verſchrieben, und dieses 0 
als eine Almoſe an den Orden verfallen ſeyn folte, wenn ſolches Geld in der benan 
Zelt nicht abgetragen ſeyn würde c). 1305 legte Philip von Bolandia mit ef s 
tern und 200 Soldaten zur Zeit eines lithauiſchen Reichstages drey feindliche O 
die Aſche. Der lithauiſche Regent folgte ihm aber auf dem Abzuge mic 1500 N ann. 


en in Act. Boruſf. T. 3 p 373 und 
end Schwarzburg war damals La 
ur von Culm, der es aber noch 130 


b) Erl Pr. B. 1. S. 709. B. 2. S. 29. un. 


Gottfried Graf von Hohenlohe. 147 


Die Ordensſoldaten waren ſchon unter Anführung eines Ordensritters vorangegangen, 


die ubrigen Ritter hatten den Nachzug. Die letztern wurden uͤberfallen, und Philip - 
von Bolandia nebſt ſeines Brudersſohn, Bernhard von Hohenſtein und Johann 


Mind im erſten Gefecht niedergeſtoſſen. Gleich darauf aber muſte der Feind an ſei⸗ 
nen Abzug denken, weil das vorangeſchickte Heer umkehrete und anruckte. Doch blie⸗ 
ben auſſer einer groſſen Anzahl gemeiner Lithauer ı7 vornehme feindliche Herren auf 
dieſem flüchtigen Abzuge d). Es lief 1306 Nachricht ein, daß die Beſatzung in Gars 
the ſehr gefehtwächt fen, weil der gröſte Theil davon einen Einfall in Polen vorgenom⸗ 
men. Der landmeiſter befehligte deswegen den Bruder Albrecht von Hagen mit 
400 Mann einen Verſuch gegen dieſen Ort zu wagen. Bey ſehr ungeſtuͤmen Wet⸗ 
ter erſtieg wirklich das Ordens volk die Vorſtadt, die der Stadt ſelbſt an Gröffe nichts 
nachgab, und pluͤnderte ſolche. Bald darauf langte Bruder Eberhard von Virnem⸗ 
berg Comthur von Königsberg mit 100 Brüdern und 6000 Reutern vor Garthe an. 
Es hatte aber der lithauiſche Regent eine ſehr ſtarke Beſatzung in den Ort geworfen. 
Der Ordensverſuch llef alſo fruchtlos ab, und Bruder Hermann von Elſterberg 
kam dabey ums leben. Man muſte ſich nach einigen leichten Treffen wieder nach 
Preuſſen zurückziehen. Daſelbſt entſtund der Ruf, daß zu Koͤnigsberg die Ueber 
blelbſel des heiligen Ruperts groſſe Wundercuren an Menſchen und Vieh verrichtete. 
Doch weit erheblicher war die Veränderung, die mit der Landmeiſterſchaft vorgleng. 
Conrad Sack legte ſolche wegen hohen Alters nieder, und brachte ſeine uͤbrigen Ta⸗ 
ge in Ruhe zu Golub zu, wo er nachmals ſtarb, und zu Eulmfee fein Grab fand e). 
Sein Nachfolger, der letzte kandmeiſter in Preuſſen, hieß Henrich von Ploͤtz⸗ 
ke. Dieſer ſchickte denen Brüdern in Liefland 1307 den Ordenstreßler Conrad 
Kettelhut aus Preuſſen gegen die Ruſſen zu, der auch Pleskow erobern und die 
Ruſſen zum Frieden nöthigen half F). Die Lithauer erhielt aber der dandmeiſter in bes 
ftändiger Aufmerkſamkeit. Es waren nach Preuſſen Johann Herr von Sponheim, 
Graf Adolph von Winthimel, Dietrich der ältere und jüngere, auch Arnold und Rut⸗ 
ger Edle von Elner, Jacob von Baumgarten und viele andere Rheinlaͤndiſche 
von Adel dem Orden zu Huͤlfe gekommen. Man wolte zwar einen Hauptzug gegen 
die Lithauer vornehmen, aber der faule Winter hintertrich dieſen Anſchlag. Der bis⸗ 


herige kleine Krieg aber blieb deswegen nicht nach, der blos durch gegenſeitige Streife 


reien geführt ward. Volrad Comthur von Ragnit erhielt Nachricht, daß die Beſa⸗ 
gung von Carſchow gegen die memelſche Ordensvölker ausgezogen. Er befehligte 
daher den Hildebrand von Reberg mit einigen Brüdern und go Mann in das Carſchow⸗ 
ſche einzufallen, der auch glücklich genug war, das fand zu verheeren und 70 Gefangene 
zu machen. Nach Schüͤtzens Erzehlung brach der Landmeiſter in Geſellſchaft des nach 
Preuſſen gekommenen Herzogs Henrich von Niederbayren in dieſes Gebiet, und be⸗ 
lagerte die Hauptſtadt Vielun, und um ſolche deſto beſſer einzuſchlieſſen, ließ er zwey 

Fe Ta 8 Schloͤſ⸗ 
J Dusb. S. 358. In dieſem Jahr ſoll auch Birgelow wieder aufgebauet ſeyn. Henneb. S. 32. 
e) Dusb. S. 347 361. F] Arnd S. 77. 


1305, 


1306, 


130%, 


— — 


148 SGSG.eſdcichte von Preuſſen. | 
1307. Schlöffer Friedburg und Bayern anlegen. Gedimin Grosfuͤrſt von Lithauen ruck 
te zwar zum Entſatz an, und verſuchte vergeblich die Schloͤſſer zu erobern. Er ward 
ſelbſt davor erſchoſſen, worauf die Lithauer abzogen, und Vielun in des Ordens Haͤn⸗ 
de fiel. Die Einwohner dieſer Gegend erkannten die Unmoͤglichkeit, ſolche gegen die 
Ordensmacht laͤnger zu erhalten. Sie verlieſſen daher ihre beiden Veſtungen Schro⸗ 
neyten und Bujerwarte, und zogen ſich tiefer in Lithauen. Der Orden zerftörte 
beide Oerter. Eben der Comthur von Ragnit hatte ſich auch zu andern Zeiten um den Or ⸗ 
den ſehr verdient gemacht. Er harte g) die Vorſtadt von Puteba oder Putenica zu 
zweienmalen verbrannt, und auch ſelbſt dieſes Schloß nachher durch Verraͤtheren eines 
Lithauers Spudo erobert und in die Aſche gelegt. Den Unterbefehlshaber in Rage : 
nit Friedrich von Liebenzel unterſtuͤtzte auch das Gluͤck. In Geſellſchaft des Bruders 5 
Albrechts von Ora, Dietrichs Burggrafen von Altenburg, 19 anderer Bruder und 
60 Soldaten hieb er die in Biſene eben abgeldfere Beſatzung von gs Lithauern auf 
dem Felde Calſheim in Stuͤcken 7). In Preuffen wurde Lauttenburg gebauet ) 
Der Orden brauchte viel Geld, und es ward uͤberall ſchlechter. Man ſieng ſchon an, 
einen Unterſchied zu machen, zwiſchen der guten und ſchlechten Mark Silbers H. Moch 
mehr Verwirrung aber verurſachte die Verſchiedenhelt des Maaſſes und Gewichtes, die 5 
in Preuſſen uͤblig war. Um ſolche zu heben, hielt der kandmeiſter auf Befehl des 
Hochmeifters in Engelsburg eine groſſe Ordensverſammlung, woſelbſt wirklich deem 
ganzen Lande ein gleiches Maaß und Gewicht vorgeſchrieben iſt I). Ohne Streit wur / 
den hier auch die Pommerelliſchen und Danziger Angelegenheiten in Ueberlegung ges 
zogen. Doch wir wollen dieſe Sachen in der folgenden Regierung ausführlich abhan⸗ 
deln. Der memelſche Befehlshaber Laurenz von Teck hatte indeſſen durch Einfälle 
in Samaiten deffen Einwohner fehr gereizt m). Zwey Adeliche dieſes kandes Man⸗ 
1308. flo und Sudargus thaten deswegen 1308 mit sooo Reutern bey der neuen Veftung 
die auf der curiſchen Nerung lag, vorben, einen Einfall in Samland, und pluͤnder / 
ten die Gegenden von Pubeten und Rudau. Sobald ſie aber erfahren, daß dh 
Ordens volker zuſammen gezogen, machten ſich die Feinde ſchleunig davon * 8 
$. 81. Ki: BE g 


* 
* 


Nach Gott⸗ Bey ſo geſtalten Sachen ſchien es nothwendig, die Grenzveſtungen 5 gut m 
frieds tode Stande zu erhalten. Der alte Hochmeifter Gottfried kam zu dieſem Ende noch 2 


nach Preuſſen, um die Schloͤſſer ſelbſt in Augenſchein zu nehmen o). Er war 


9 Dusb S. 362365. Schutz f. 62. 0) Senneb. S. 384. 1 

5) Dusb. S 264. 5) Senneb. L e giebt zwar das Jaht 
i) Henneb ©, 21. Weil aber Dusburg ihm 13 Jahre zur R ng 
k) Erl. Pr. B. 3. S. 252 anſetzt, die faſt herauskommen, wenn wir un 
D Pr. Samml. B. 1. 8. 468. Waiſſel men, daß er 1309 geſtorben, fo möchte 

S. 104. ©. 53. wohl nebſt der Marp Beitr. St. 4. S 
m) Leo S. 13. a . recht haben. Schutz irret nur darin, daß er da 


1) Dusb. S. 365. wos 1303 vorgefallen, in das Jahr 1309 fe 


* — 


u 
7 


Siegfried von Feuchtwangen. i 149 
1 er Marpurg, wo er wenigſtens ſeit 1303 Hof gehalten 7 ' Be 1309. 
graͤbni 
Gleich nach dem Tode dee Herrn geſtand Siegfried von Feuchtwangen auf eir kommt Sieg, 
ner Ordensverſammlung, daß da feine erſte Wahl auf Gottfrieds Abdanckung ſich ges — 
gründet, welche aber bisher zweifelhaft geweſen, ſo könne er ſich anjetzt kein Recht auf zur regierung. 
die Hochmelſterwurde aus dieſem Grunde anmaſſen. Er uͤberlieſſe alſo der Verſamm⸗ 
lung wen ſie durch freie Wahl zu ihrem Oberhaupte ernennen wuͤrde. Dies bewog die 
Waͤhlenden einem ſo uneigennügigen Manne durch eine abermalige Wahl das Hoch⸗ 
meiſteramt aufzutragen welches er aus dieſem neuen Grunde nunmehro wirklich an⸗ 
trat 25 
Das erſte Stück ſeiner Verrichtung beſtand darin, daß er den Hochmeifterfi 16 Er verlegt ſet⸗ 
von Venedig, nach Preuſſen brachte. Schon fein Vorfahr hatte dieſes thun wollen, nen ſit nach 
und bisher hatte ihn blos das, was 1303 vorgefallen, daran gehindert. Seit der Zeit, ne, 
daß Ptolemais in feindlichen Haͤnden, war das Haupthaus des Ordens in Venedig r 
geweſen, ohnerachtet ſich auch ein praͤchtiges Ordensgebaͤude zu Marpurg in Heſſen 
ſowol als zu Mergentheim i in Franken befand, wo ſich auch die Hochmeiſter zu Zeis 
ten aufzuhalten pflegten. Man kann ſolche aber nicht deswegen den Hauptordensſitz 
nennen. Anfetzt fanden aber die unter Gottfrieds Regierung bereits veſtgeſtellte Ur⸗ 
ſuchen um fo mehr ſtatt, in Preuſſen den Hauptſitz aufzuſchlagen, da die Angelegen⸗ 
heiten in Pomerellen des Hochmeiſters Gegenwart noͤthig zu machen ſchienen. Sieg⸗ 
fried bezog alſo das unter der vorigen Regierung bereits ausgebauete Marienburg, 
wenge, auf anderthalb hundert Jahr die Wohnſtadt des Hochmeiſters geblieben 2). 
Dies machte aber die kandmeiſterſtelle in Preuffen unndthig. Es ward jetzt und macht den 
Mn Statthalter des Hochmeiſters in einem Staat unnuͤtz, wo ſich der Hochmeiſter per⸗ ee 
ſoͤnlich auf hielt. Es it alſo dieſe Bedienung feit dieſer Zeit unterdruͤckt, und der land · Be preußi⸗ 
meiſter Henrich von Plögcke legte dieſes Amt nieder. Er uͤbernahm an deſſen Stelle das ſchen comthur. 
Amt eines Groscomthurs, welches nicht, wie die meiſten glauben, damals erſt neuer⸗ 
lich zur Schadloshaltung des von Ploͤtzke erfunden ift ). Nein, es war folches bereits 
bekandt, und es hatten die Meiſter in Accon bisher ihre Gros comthurs gehabt x). 
Auch die Übrige vornehmſten Beamten in Preuſſen bekamen jetzt den Beinamen Ober⸗ 
beamten ), fo daß zugleich ihre Siegel verändert find 2). 


. T3 §. 82. 


70 ar Venedig befand ſich feit 1303 Siege ) So beſchreibt es Zenneb. S. 280. Leo 
fried von Feuchtwangen. f . 122. Waiſſel S. 103. 104. Neuer Buͤcherſaal 


) Senneb. S. 384. Sonſt ſchreibt dem Hoch⸗ B. 8. S. 73. 74. 
meiſter Sotifrieo H rafvon Hohenlohe der bekannte ] Statt aller uͤbrigen berufe ich mich auf Due b. 
Simon Dach in einem Jubelgedicht auf die Stadt S. 366. Erl. Pr. B. 2. DO. 14. 15. 
Tilfie, die Erbauung dieſes Orts, und Herr Wi, ) Dusb. p 361. 
bel nach denen Goͤtting. Gelehrt. Anzeigen vom i Erl Pr. B 2 S.; 
Jahr 1753 No. 31. S. 285. die Eroberung von "7 i 8. 
Sameiten und Pommerellen zu Von dem groß 7) Dub. p. 367. 
fen Sturm, der 1zoß und 1309 in Preuſſen gewe⸗ ) Laut Urkunde in de BE Cod, 
fen, leſe man Pr. Samml. B. 3 ©, 212, 213. Dipl. Nordgav. p. 78 f. 


— 


1309. 


eme geſehe. 


ſte er ſehr behutſam gehen. Das was im Jahr 1303 vorgegangen, lehrete ihn, daß 


150 Geſchichte von Preuſſen. 
Gleich im Anfang feiner Ordensregierung in Preuſſen glaubte er wirklich nörhig 
zu haben, gute Geſetze einzufuͤhren. Mit den eigentlichen Gliedern des Ordens mu⸗ 


eine ſtrengere lebens vorſchrift fie noch mehr erbittern wuͤrde. Er ſchraͤnkte alſo die Verbeſ⸗ 
ſerungen bey den Ordensbruͤdern blos auf den Befehl einiger Gebete an die Jungfrau 
Maria ein, die fie ſtuͤndlich herſagen ſolten, ohnerachtet er wohl wiſſen konte, daß 
Gott das Herz verlange, und durch Erfuͤllung ſeines Willens eben ſowol als durch Gebete 
verehret werden muͤſſe a). Dem Lande hingegen ſchrieb der Orden folgende Geſetze vor. 
1) Kein Jude, Zauberer, Gauckler und Unchriſt ſoll im tande geduldet, noch weniger als 
Bürger und Einwohner in den Städten aufgenommen werden. 2) Das preußiſche 
Geſinde ſoll an Feiertagen zur Kirchen geſchickt, nicht viel preußiſch mit demſelben 
geredet, ſondern ſolches zur deutſchen Sprache gewoͤhnet werden. 3) Kein eingebor⸗ 
ner Preuſſe ſoll zu irgend einem hohen oder niedern Amte befördert, auch vom Han 
del und Gaſtwirthſchaft treiben abgehalten, und blos zum Ackerbau und der Vieh⸗ 
zucht beibehalten werden. 4) Es wird ein Geſindelohn veſtgeſetzt. 5) Jedem Herrn iſt 
erlaubt, ſeinen entlaufenen Knecht aller Orten zu verfolgen, und wo er ihn findet, 
demſelben mit einer Pfrieme durch die Ohren zu ſtechen, und fo mit ſich nach Haufe 
zu führen. 6) Die Herrſchaft, welche ihr Geſinde ohne Verſchulden vor der Zeit 
aus dem Dienſt laͤſſet, foll ſolchem das volle lohn entrichten. 2) Kein Müßiggänger 
und Bettler foll geduldet werden. 8) Alle Waaren ſollen zu Marckt gebracht, und 
aller Vorkauf der Spelſewaaren verboten ſeyn. 9) Alle Handwerker follen ihre Ars 
beit mit einem eigenen Zeichen bemerken, damit es gleich kenntlich, wer böſe oder fal⸗ 
ſche Arbeit verfertiget habe. 10) Alle Strafgefaͤlle, die die Innungen einnehmen, 
ſollen nicht auf Schmauſereien, ſondern zu allerhand Kriegsruͤſtungen und Waffen ans 
gewandt werden. u) Alle an Feſttagen gemachte weltliche Verträge ſind kraftlos. 
12) Handlung treiben und Bier brauen ſolte niemand als den Städten verſtattet wer ⸗ 
den. 13) Niemand fol verlaufen Geſinde und Bauren hegen. 14) Das Ackervleh 
ſoll aus keiner Urſache angehalten, gepfaͤndet oder weggenommen werden können. 
15) Kein Wald ſoll ausgehauen werden, um das Holz zu verkaufen, wofern man 
nicht den ausgeholzten Ort zugleich urbar mache. 16) Jedem ſtehet es frey, wegen 
feines erlittenen Schadens auf dem Lande von jedem Richter auf Schiedsleute und er 
kenntniß verftändiger leute ſich zu berufen. 17) Alle Jahre follen die Schulzen 
Grenzen beſichtigen, und die unkenntlichen und mangelhaften Grenzzeichen erneuten. 
18) Kein Karten, und Würfelfpiel ums Geld foll erlaubt oder in einem Haufe geduld 2 
werden. 19) Der Schulze ſoll vor die Geiſtlichkeit den Zehenden einfordern, und die 
Saͤumigen mit Ernſt oder Pfandſchaft ſtrafen. 20) Die Biſchbfe ſolten alle drey 
Jahr ausziehen, die benachbarten Helden und Unglaͤubigen zu bekehren, den Kir 


4 


Pr 


4) Dusb. S. 361. Es muß ſolches fpät im Jahr gefchehen feyn, denn den gten Sept. 30 Bi.» 
sich von Ploͤtzko noch Landmeiſter in Preuſſen. Pr. Lieſr. B. 1. D. 505 I © 


. 


Siegfried von Feuchtwangen. N 15T 


zuſtand zu unterſuchen, und denſelben im Stande zu erhalten. 21) Die Gefege follen 1309. 
in Städten und Dörfern alle Jahr bekandt gemacht und öffentlich verleſen werden, das 
u mit ſich niemand mit Unwiſſenheit entſchuldigen konne b). Dieſe Gefege würden zu 
Jobben ſeyn, wenn nur nicht in Abſicht der alt preußiſchen Sprache das zweite Geſetz 
Aud ſo auch dieſes durch die Staatskunſt entſchuldiget werden koͤnte, wenn nur 
nicht in Abſicht der alten Einwohner das dritte Geſetz eingefuͤhret waͤre, wodurch alle 
alte Eingeborne von allen Aemtern, von der Handlung und dem Gaſtwirthſchaft trei⸗ 
N ben, ohne Unterſchied auf immer ausgeſchloſſen worden. Iſt aber Siegfried von 
Feuchtwangen auch der Urheber des Geſetzes, daß wer von der Neige getrunken, 
ſolcher bey Todesſtrafe wieder vom vollen anfangen ſolte, fo wird ſolches wohl nicht zum 
Murren Anlaß gegeben haben c). 
| | §. 8s. 
DeSer wichtigſte Gegenſtand, welchen der Hochmeiſter vorfand, betraf Danzig Der orden Ser 
1 und uͤberhaupt Pommerellen. Der Tod Meſtwins des letztern Herzogs von Hinter⸗ kommt gele⸗ 
5 genheit ſich in 
| pommern hatte darin erhebliche Veränderungen veranlaſſet. Denn es machten alle die pommers 
Benachbarte auf deſſen Verlaſſenſchaft Anſpruch. Die Herzoge von Vorpommern ſchen ſtreitig⸗ 
| gruͤndetenſich theils auf die Verwandtſchaft. Die bisherigen Herzoge von Hinterpom⸗ Km zu mis 
u mern haben folche anerkandt, obgleich bis jetzo wohl fo ausgemacht nicht iſt, wer der 
gemeinſchaftliche Stammvater aller Herzoge von Pommern geweſen. Hiezu kam 
noch überdies, daß der letzte Herzog von Hinterpommern Meſtwin durch eine Urs 
kunde 1264 alle feine Staaten feinen Vettern den Herzogen von Vorpommern nach 
| feinem Tode zu uͤberlaſſen verſprochen hatte d). Meflwin wandte ſich hierauf, weil 
er freinde Huͤlfe nothig hatte, an das Chuthaus Brandenburg. Eben dieſes mach⸗ 
1 te auf feine Sande Anſpruch. Es hielte ſich uͤberhaupt zu allen ſlaviſchen und wen⸗ 
„ diſchen Landern bis an die Weichſel ſeit Albrechts des Bär Zeiten berechtiget. Schon 
1 1217 ließ ſich Churfuͤrſt Albrecht 2 von Brandenburg die Rechte auf Pommern 
vom Kaifer Friedrich 2 beſtaͤtigen e). Da alſo die Herzoge von Hinterpommern ſich 
dem Fall näheren, waren die damaligen Marggrafen von Brandenburg auf dieſe 
Reechte und Anſpruͤche ihres Hauſes ſehr aufmerkſam. Zu ihrem Gluͤck hatten ſich zwi⸗ 
den zwey letzten Prinzen in Hinterpommern und Bruͤdern Meſt win und 
ratislaw, ſchwere Irrungen ereignet. Dies gab dem Churhauſe Brandenburg 
nähere Gelegenheit, in die dortigen Angelegenheiten ſich zu miſchen. 1269 übertrug 
Meſtwin 2 denen Marggrafen Johann, Otto und Conrad die tehnsherrliche Hoheit 
aller feiner Sande, und in eben dem Jahr bot eben der Meſtwin dieſen Marggrafen 
an, die Stadt Danzig ſowol als die dazu gehörige Gegend in Beſitz zu nehmen /). 
Der jüngere dieſer Prinzen gieng aber 1272 noch weiter. Er raͤumte wirklich die Stadt 
Danzig dem Marggrafen Conrad von Brandenburg unterpfaͤndlich ein. Meſtwin 
wi. gm glaub⸗ 


) Schutz f. 54 f. Noch genauer und wei, h de Dreger S. 476. 
lau ige in Pr. Samml. B. 2, S. 98 e) Siehe unſere Geſchichte B. 1. S. 285, 
N 1 l. Pr. B. 2. O. itz. 1 J) de Dreger Th. 1. S. 545. 546. 


- 


1309. 


f Meſtwins 1295 erfolgten Tode zu ſetzen und zu erhalten bemuͤhete, ward er ſogar 1269 er 
ſen Anſpruͤche auf Hinterpommern an feinen Sohn Churfürft Woldemar den Groffen 


Tochter der Richſa, und Enkelinnen Przemyslai, und deren Ehemänner, als“ f 
dislaus Locticus welcher Oberherr von Polen geworden, auf Meſtwins Verla nfehaft 


fa und deren Kinder gefallen, nicht aber zu Polen gehören; ohnerachtet fie auch, figar. 


152 Geſchichte von Preuſſen. 

glaubte aber daran nicht gebunden zu ſeyn, und wolte den Ort nach Wratislai Tobe 
zurück haben. Der brandenburgſche Hof wolte darin nicht willfahrrn. Dies, 

den Meſtwin, ſich an Polen zu haͤngen, 1273 durch polniſche Huͤlfe Danzig — 
erobern, auch ſogar dem Regenten Pezemyslao alle feine dande nach feinem Tode durch den 
letzten Willen zu vermachen g). Da ſich der letztere nun in den Beſitz der Erbſchaft nach 


ſchlagen 5). Mit deſſen Schwiegerſohn König Wenzel von Böhmen und Polen ſtand 
das Haus Brandenburg in gutem Vernehmen, und ſcheint derſelbe im Beſitz dieſer ſtritti⸗ 
gen lande geweſen zu ſeyn. Nach des Marggrafen Conrads 1304 erfolgtem Tode kamen deſ⸗ 


von Brandenburg. Als nun Wenzel von Boͤhmen 1305, und deſſen Sohn gleiches Mas 
mens 1306 mit Tode abgegangen, machten auſſer den Herzogen von Vorpommern und 
Marggrafen von Brandenburg ſowol des letztern boͤhmiſchen Wenzels Schweſtern, 


Anſpruch. Jene, Przemyslai Enkelinnen, hielten dafür, daß Pezemyslan ese! 
de theils einer Schwaͤgerſchaft mit denen Herzogen von Hinterpommern, vornem! aber 
deſſen letztem Willen zu verdanken, wodurch ſie als eine ordentliche Erbſchaft a auf ee 


auf Polen ſelbſt ihren Eheherren einen Anſpruch zur Mitgabe zuzubringen fi ſich berechtſ 
get hielten. Wladislaus Locticus aber holte feinen Anſoruch ſehr weit her. Er 
gab vor, daß Hinterpommern von den aͤlteſten Zeiten ſchon ein polnisches Land ges 
weſen, und daß ſich Suentepolk des Meſtwins Vater aus einem bloſſen polniſchen 
Statthalter dieſer kandſchaft unrechtmaͤßiger Weiſe zum Oberherrn derſelben au 0 
fen, und daß folglich nach feinem und feiner Söhne Abſterben Przemyslaus als 
nig von Polen dasjenige wieder bekommen, was dieſem Reiche ehemals zuftä 
weſen, daß folglich nunmehro mit dem polniſchen Reiche auch der Beſi ic von, 
pommern, wovon Pommerellen ein zugehoͤriges Stück fen, ihm, 4 Be 
von Rechts wegen gehören muͤſſe. Es ift unmöglich, zu erweiſen, daß die 
gen hinterpommerſchen Herzoge bloſſe polniſche Beamten, und nicht 45 
de Herren geweſen ſeyn ſolten. Da ſich aber Wladislaus aus jetzt bemeldeten 
den in Beſitz des landes zu ſetzen ſuchte, nachdem der jüngere Wenzel 1306 v 
glaubte der Chutfürſt von Brandenburg Woldemar keine Zelt verlieren zu n 
ſeine Rechte auf Hinterpommern geltend zu machen. Peter Schweng, | ) 
dem Haufe derer von Putkammer „nach den Nachrichten dieſes adelichen Gef 
geweſen, bisheriger Kanzler in Pommern, ließ ſich um fo leichter zum Vo 
er Hofes bewegen, da man ihn in is) durch € | 


g) Garzaͤus S. 86. Cromer B. 9. S. 559. B. 10. S. 566; ü 
de Repub, Polon. p. 158. 3 Pe ee. 


4) Garzaͤus S. 98. Unſere Geſchichte B. 1. ©. zar. «dl age 15 3 0 


55 


. Er = 


. 2 


Siegfried von Feuchtwangen. 153 


1 mung Übel begegnet hatte, und das Churhaus Brandenburg im Begrif ſtand, auch 1309. 

die Anſpruͤche der Enkelinnen Przemyslai durch guͤttliche Unterhandlungen an ſich zu 

| bringen. Es brach alfo die brandenburgfche Macht 1307 in Hinterpommern ein, 

I und der Peter Schwentz erleichterte die Eroberung des ganzen Strichs, bis an die Stadt 

I Danzig. Auch dieſer Ort ward eingenommen, das dortige Schloß aber belagert. 

1 Boguß der Befehlshaber der polniſchen Beſatzung verzweifelte, ſich in die tänge vers 

theidigen zu können, da die Einwohner melſt aus Deutſchen beſtunden, die ſich lieber 

1 der brandenburgſchen Regierung unterwerfen, als in polniſchen Haͤnden bleiben 

j wolten. Der polniſche Befehlshaber ſahe überdies keine Anſtalten eines Entſatzes. 

Die Mund- und Kriegsbeduͤrfniſſe waren ſogar vor feine ſchwache Beſatzung auf keine 

N lange Zeit hinlaͤnglich. Boguß fand Mittel, perf oͤnlich zum Wladislaus zu kom⸗ 

men und demſelben den verzweifelten Zuſtand, worin er ſich befand, vorzuſtellen, zu⸗ 
gleich aber den Rath zu geben, den deutſchen Orden um Huͤlfe anzuſprechen. Der 

pPolniſche Hof genehmigte dieſen Vorſchlag. Boguß mufte zu dem damaligen fand» 

meiſter Henrich von Ploͤtzke abgehen, der ſich gleich willig finden ließ, das Danzi⸗ 

1 ger Schloß zu entſetzen. Man verglich ſich, daß der Orden ein Jahrlang mit Polen 

| a Danzig befegen ſolte. Die Ritter zehreten fo lange auf eigene Ko, 

nachher folte die Krone für ihren Unterhalt ſorgen, welches der Orden in Nechs 

| nung bringen koͤnte. Der tandmeifter befehligte den fandeomthur von Culm Guͤn⸗ 

ö ther von Schwarzburg Volker, Kriegs, und Mundbeduͤrfniſſe in Danzig zu werfen. 

Die vereinigte polniſche und Ordensbeſatzung vertheidigte das Schloß ſo herzhaft, 

| daß die brandenburgſchen Völker die en wieder auf heben, und nachher auch 

0 die rt aufgeben muſten 7). 

E 


9. 

4 Es hatte Wladislaus ohne Streit Ba Staatsfehler begangen, daß er dem Verſchaft ſich 
| deutſchen Orden Gelegenheit an die Hand gab, ſowol die Schwäche der Polacken mehr ae 
j und mehr einzuſehen, als auch ſich in die pommeriſchen Angelegenheiten zu miſchen. rellen, 
Die Marianer hatten ſchon ſeit langen Zeiten darauf ein habfüchtiges Auge geworfen. 
Sie hatten ſich der Streitigkeiten des Suentepolks mit feinen Brüdern Ratibor und 
Sambor ſchon bedienet, denen beiden letztern durch geleiſtete Dienſte ihren Orden an⸗ 
genehm zu machen, und zu Schenkungen alles deſſen zu bewegen, worauf Sambor und 

Ratibor berechtiget zu ſeyn glaubten. Selbſt der Suentepolk hatte bereits dem deut⸗ 
* Orden zugeſagt, daß wenn er den mit den Creuzherren eingegangenen Frieden 
nicht halten wuͤrde, er Danzig denenſelben einzuräumen ſchuldig ſeyn ſolte. Nach 
dieſes thätigen Prinzen Tode lebten Streitigkeiten zwiſchen feinen Prinzen Meſtwin 
und Wratislaw auf. Der letztere, der Danzig hatte, ließ ſich ebenfals bewegen, 
a. Orden, aus m gegen feinen e das Seinige zu ſchenken, und die dadurch 


erlang⸗ 


n 1 


* 1 erzehlen es die bre Geſchichtſchreiber Dlugoſſus, Cromerus u. Br w. Man leſe 
hiebey auch den Schug f. 54. 58. 


V. allg. preuß. Geſch. 4 Th. u 


1309, 


154 Geſchichte von Preuſſen. 1 — 
erlangten Anſpruͤche brauchten die Marianer, vom Meſtwin 2 die völlige Abtretung 
der Gegend von Mewe zu erhalten, welchen Ort der Orden ſogleich mit guten Bes 
ſtungswerken verſehen ließ. Jetzt hatte ſie Wladis lai falſche Staatskunſt in den Mitbe⸗ 
ſitz von Danzig gebracht. Sie glaubten, daß deſſen Rechte auf Pommern wenigſtens 
nicht gegruͤndeter als diejenigen wären, aus welchen fie ſchon manchmal Anſpruͤche dar⸗ 
auf gemacht, und wuͤnſchten nur, vorerſt in dem alleinigen Beſitz der Stadt Dan⸗ 
zig zu kommen. Unter dem Vorwande, die Beſatzung gegen alle neue Anfälle zu vers 
ftärfen, langten immer mehr Ordensvölker in dieſem Ort an. Sie wuſten die Abnei⸗ 
gung der Einwohner gegen die Polacken, und baueten darauf ihren Entwurf, den fie 
1308 ins Werk ſetzten. Sie bemaͤchtigten ſich des polniſchen Befehlshabers und aller 
polniſchen Wachen, unter dem Vorgeben, daß man dem Orden das verſprochene 
nicht gehalten, und man daher den Polacken nicht trauen könne. Sie nötig 
ten den Boguß, eine Urkunde zu unterzeichnen, wodurch ihnen der Platz allein Übers 
laſſen wurde, den fie jedoch zuruͤck zu geben verſprachen, wenn man ihnen alle vorgeſchoſ⸗ 
ſene und noch aufzuwendende Koſten, die die Erhaltung des Orts erforderten, erſett 
haben wuͤrde. Jedermann ſahe leicht ein, daß dieſe Rechnung fuͤr den Oeden nicht zu 
kurz, wohl aber fo hoch gemacht werden wuͤrde, daß es ſchwer fallen muſte, Danzi 
von ihnen abzuldfen. Ihre Anforderung belief ſich auf rooooo Schock böhmiſcher breis 
ter Groſchen. Es iſt zu bedauren, daß man von Seiten des Ordens keine ausführle 
che Nachricht von den ganzen Vorgang dieſer Begebenheiten hat. Man muß faſt ein⸗ 
zig und allein denen polniſchen Geſchichtſchreibern trauen, welche hiebey eine groſſe 
Parteilichkeit verrathen. Ich bin gar nicht in Abrede, daß der deutſche — 7 
erſchöpft habe, was ihnen eine feine Staatskunſt nur immer an die Hand geben konte, 
ſich zu Herren eines landes zu machen, wozu fie keinen gegruͤndeten Anſpruch hatten. 
Ob aber Wladislai Rechte viel ſtaͤrker geweſen, kann ich auch nicht einſehen. Dlu⸗ 
goß und die polniſche ſowol als ihm folgende neuere preußiſche Geſchichtſchreiber be⸗ 
gehen gegen die Zeitrechnung ſowol als gegen alle Glaubwuͤrdigkeit der Geſchichte SE 
Fehler. Schuͤtz gehet hier am behutſamſten, und dem wollen wir folgen, d f 
nedies aus denen Urkunden der Stadt Danzig die beſte Kenntnis haben konte. 
dislaus Locticus gedachte durch guͤtliche Unterhandlungen Danzig wieder in feine 
de zu bekommen. Es ward daher zwiſchen den Polacken und dem Orden zog ein 
terredung zu Krajowicz bey Radzieiow in Cujavien gehalten. Hier ſoll Wla 
dem Orden die bitterſten Vorwuͤrfe feines Undanks und der Verraͤtherey g. 
ben. Meines Erachtens aber hat des Dlugoß Vorſtellungskraft mehr Anth 
Inhalt derer Vorſtellungen, die er dem Wladislaus in den Mund legt, al 
Prinz ſelbſt. Er ſtellt auch die Antwort des Ordens ſehr demuͤthig vor, 
Schuͤtz erzehlet, daß es auch auf Seiten des Landmeiſters an Gegenvorwuͤrfen, w 
der nicht bezahlten vertragmäßigen Unkoſten, nicht ermangelt. Kurz, es zerſchlug 
Zuſammenkunft fruchtlos, da den Polacken die vom Orden gemachte Rech 
100000 Schock breiter Prager Groſchen zu Koch ſchien. Dies erbitterte 


1 
4 
4 


1 Siegfried von Feuchtwangen. 155 
N Der Sandmeifter dachte alfo endlich ernſtlich auf Mittel und Wege, ſelbſt einen Rechts- 1309. 
1 8 grund zubekommen, dasjenige, was er beſetzt hielt, zu behalten, und was noch in pol⸗ 
9 niſchen Händen, an ſich zu bringen. Zu dem Ende trat er mit Przemyslao, Herzog 
4 von Cujavien in Unterhandlungen. Es hatte ſolcher an feinen Vetter Wladis⸗ 
F laum eine Forderung von 4000 Mark Silber, die er in deſſen Dienſte, da er Statthal⸗ 
I ter in Pommerellen geweſen, eingebüft. Dieſe Forderung ſowol als die Scharpau und 


1 die Güter zwiſchen der Nogat und dem friſchen Haf, welche Przemyslai Mutter Sa⸗ 
4 lome aus väterlicher Erbſchaft uͤberkommen, kaufte Henrich von Ploͤtzke noch als 
blandmeiſter demſelben 1309 den ıften May am Tage Philippi und Jacobi zu Thorn 
. ab K). Mir ſcheint es, daß dieſe Salome alſo, wo nicht eine pommeriſche Prin⸗ 
1 zeßin, doch eine Tochter des polniſchen Königs Przemyslai geweſen. Nun wandte ſich 
deer Orden auch an den Churfuͤrſten Woldemar von Brandenburg. Da der Orden bis⸗ 
her gegen denſelben vor den Wladislaum Krieg gefuͤhret, fo ſchloſſen die Ritter mit dem⸗ 
ſelben einen Waffenſtillſtand, und traten mit ihm in Unterhandlungen alle ſeine auf 
Danzig, Dirſchau und Schwetz habende Rechte ſowol als die Rechte feines Vettern 
Marggrafen Johanns und des Herzogs Henrichs von Glogau Anſpruͤche darauf, 
um 10000 Mark Silbers brandenburgſcher Wehrung zu erkaufen, welcher letztere 
einen Anſpruch auf Polen gegen Wladislaum Locticum machte, im Kriege gegen 
dieſen Prinzen aber nicht glücklich geweſen. Auf dieſe Art ſuchte der Orden durch die⸗ 
fen Vergleich, welchen Henrich von Plotzke als kandmeiſter 1309 den gten Sept. zu 
Culm geſchloſſen, ſowol die Rechte des Churhauſes Brandenburgs als die, welche 
Henrich von Glogau als anmaßlicher polniſcher Regent machen konte, an ſich zu 
bringen Y). 


N 


§. 85. 
Nun kam Siegfried von Feuchtwangen perſönlich nach Preuſſen. Er fand und erobert 
den Entwurf des bisherigen fandmeifters ſehr gut gemacht, und ſetzte daher die Unter aſſebe. 
handlungen mit dem Churfuͤrſten Woldemar fort. Endlich kam den letzten May 3 
1310 zu Stolpe der Vergleich zu Stande, wodurch das Haus Brandenburg feine "37% 
Rechte auf die jenſeit Stolpe liegende Gegenden von Danzig, Dirſchau und Schwetz, . 
die es theils durch Faiferliche Belehnungen, theils von dem Könige von Boͤhmen Jo⸗ 
hann aus dem Haufe Luxemburg, der eine Enkelin des Königes Przemyslai gehei⸗ 
rathet hatte, und folglich deswegen auf alles Anſpruch machte, was ſeiner Gemalin 
Grosvater, Vater und Bruder beſeſſen, erhalten, dem Orden gegen 10000 Mark Silber 
brandenburgiſcher Wehrung verkaufte, fo daß sooo Mark gleich bezahlet werden 
ſolten. Die andern sooo Mark behielt der Orden noch auf ein Jahr innen, in wel⸗ 
cher Zeit der Churfürft Woldemar vom Kaifee Henrich 7 aus dem Haufe Luxem⸗ 
burg eine Beftätigung dieſes Kaufs herbelzuſchaffen angelobte m). Hiedurch hatte der 
Orden die Anfprüche auf Pommerellen an ſich gebracht, die dem Churhauſe a 
Uz en⸗ 


* Pr. Liefr. Th. 1. S. 503. D Pr. Lieſr. S. 50% 
Sa m) Act Borufl, T. 3. p. 359. \ 


1311. 


aber mehr Mühe. Die Polacken beſchreiben den Orden hiebey fehr graufam. Es 


gebrauchte Gewalt etwas genutzet, hätte der Orden durch einen erkauften Ver 


156 Gieſchichte von Preuſſen. 
denburg und den Erben Przemyslai darauf zuſtanden. Als nun hierauf 1311 der 
Kalſer wirklich die Beſtaͤtigungsurkunde dieſes Vergleichs ausfertigen laſſen 2), und die 
letzten Sooo Mark an den Churfuͤrſten Woldemar bezahlt waren, verwies ſolcher das 6 
verkaufte Pommerellen an den deutſchen Orden 0). Dieſer machte ſodenn die geh ⸗ 
rigen Anſtalten, das fand den Polacken abzunehmen. Anfänglich that er Wladis⸗ 
lab deshalb guͤtliche Vorſchlaͤge. Zu Brzescz erbot er ſich, die Anſpruͤche dieſes 
Prinzen gleichfals demſelben abzukaufen, und durch andere Wege zu verguͤten. Doch 
dieſe Anerbietungen wurden verworfen p). Blos die Ohnmacht der damaligen Herzo 5 
ge von Vorpommern mochte Schuld ſeyn, daß der Orden gar nicht daran gu 
dachte, auch ihnen ihre Anſpruͤche, die in der That vieles zu fagen hatten, abzuhan 
deln. Er grif nunmehr zu den Waffen, um die Rechte, welche er bereits hatte, 
geltend zu machen. Das Ordensvolk bemaͤchtigte ſich, da es ſchon vom Schloß Dan⸗ 
zig im Beſitz war, der alten Stadt Danzig, und machte alles, was polniſch gef 2 
net, nieder. Man brachte ſodenn die Stadt auf die jetzige Stelle, welche von der % 
Zeit die rechte Stadt Danzig benennet wurde. Hierauf ruckte die Macht der Maria 5 
ner vor die Stadt Dirſchau. Der maſoviſche Prinz Caſimir war Befehlahaber 75 
dieſes Orts. Nachdem ſolcher aufgefordert, verlangte man dleſen jungen Herren im 4 
lager zu ſehen, um zu verſuchen, ſolchen zur guͤtlichen Uebergabe zu bereden. 1 
unerfahrne Prinz kam wirklich an, und ward ſehr gut aufgenommen, und nach Wi, 
den bewirthet. Weil er aber von guͤtlicher Uebergabe des Platzes nichts wiſſen wolte, 

fo ließ man während der Zeit, daß er zu Tiſche ſaß, Dirſchau unverſehens anfa . 
der auf dieſe Art wirklich dem Orden in die Haͤnde kam. Die Stadt Schwetz ko 
er habe vor dieſer Stadt zwey Galgen errichten, und drohen laſſen, jeden pe * 
finnten, der ihm in die Hände fiel, aufknuͤpfen zu laſſen, wenn man den Ort nicht 
ohne Schwerdtſchlag ihm einraͤume. Er habe Wort gehalten, und alle Tage gefangen 
ne Bauren aufhängen laſſen. Der Comthur von Mewe Siegfried von Wei 
feld, oder nach andern der Hochmeifter Siegfried von Feuchtwangen sal 6 
täglich, wenn er zu Pferde geftiegen, ſich mit einer Menge Stricke verſehen, und 
ſchworen, nicht eher zur Tafel zu gehen, bis er ſolche verbraucht, und alle Pe f ck 
die ihm begegnet, erdroſſelt hätte. Da weder dieſe Härte, noch die gegen den 


Andreas Czedrowitz in der Veſtung die Kriegsruͤſtzeuge verderben laſſen. Er 0 
darauf den Ort geſtuͤrmt, und dadurch ſolchen zur Uebergabe gezwungen. 
kam wirklich ganz Pommerellen in die Haͤnde des deutſchen Ordens J. 

derſelbe aber auch noch immer mit den Lithauern ſchwere Kriege zu ee 
Grosherzog Vithen fiel mit ſtarker Macht in Samland und Natangen 


1) Pr. Liefer. Th. 1. S. 628. Cünich R. A. p) Dlugoſſ. S. 938 f. 
P. Spee Cont. vom deutſchen Orden S. 5. 7 Dlugof]. p. 931 f. e Hi, 

0) Dlugoff. Miſt. Pol. L. 9, P. 940. und L.. 3 p. 161. Cromer p. 282. arnic 
Schuͤtz f. 55. : Leo. p. 128. 129. Schur „ 56. 


\ 


Siegfried von Feuchtwangen. — 
richtete darin vielen Schaden an, obgleich auch viele Feinde umkamen, dle ſich zu weit I l. 
vom Heer entferneten. Ihm gieng der Comthur von Königsberg, Friedrich von 
Wildenberg, auf dem Fuſſe nach, und verwuͤſtete die lithauiſche Gegend Pograude 
aus dem Grunde. Bey nahe waͤre hiebey Vithens uͤber der Mahlzeit gefangen. Die 
gemachte Gefangene wurden den Feinden wieder abgenommen. Eben ſo machte es 
| Bruder Otto von Berge, der s Brüder und 400 natangfche Reuter unter ſich hats 
* te, in der Gegend des Schloſſes Garthe, nachdem er zwey Tage zu ſeinem Gluͤck an 
dem Fluſſe Biber irrig geführer worden, weil er ſonſt dem aus Prruſſen zuruͤckkom⸗ 
1 menden Heere in die Haͤnde gefallen waͤre 7). 
ya 9. 86. 1 FR 
Um dieſe Zeit hatte man den Orden ſehr übel bey dem paͤpſtlichen Hofe angeger Klagen gegen 
ben. Clemens 5 ſchickte daher den Erzbiſchof von Bremen Johann und den Al ee 9 
5 brecht von Mailand, Chorherrn von Ravenna, an die Ritter in Preuſſen und 
Leieefland ab, um die gegen fie eingelaufene Klagen zu unterſuchen. Es find ſolche op 
erheblich, daß man wohl ſehen kann, wie die Feinde alles ſehr vergroͤſſert haben. Die 
vornehmſten beſtunden darin: fie hätten verſchiedene Bifchöfe übel behandelt, geſchla⸗ 
gen, gefangen geſetzt und gar verjagt; dem Erzſtift Riga die Hälfte der darunter ges 
biurigen Biſchöfe entzogen, und die übrigen ſehr herunter geſetzt; fie hätten die Doms 
herren aus den meiften Kirchen verjagt, und deren erledigte Stellen mit Perfonen aus 
ihrem Orden beſetzt, aus denen fie nachher die Bifchöfe nahmen, von denen fie ſodenn 
gewiß ſeyn konten, daß ſolche keine andere, als des Hochmeiſters Gerichtbarkeit erken⸗ 
nen würden; fie hätten die Unglaͤubigen zu Kriegen gegen die Chriſten gereitzt, und 
ihnen beigeſtanden, Waffen, Pferde, Kriegsbeduͤrfniſſe und Lebensmittel uͤberlaſſen, 
die Grenzen ihres landes zu verändern erlaubt, ſie gezwungen, laͤnder zu kaufen, aus 
deren Beſitz der Orden ſich nichts machte, oder die er doch wieder zu erobern hofte; die 
Prieſter und Glaͤubige, die ſich in ſolchen Landen niedergelaſſen, haͤtten hiebey alles 6 
Uebel, was die Unbarmherzigkeit des Ordens die Heiden fuͤhlen laſſen, mit ihrem To⸗ 
de oder Knechtſchaft büffen muͤſſen; die Ritter hätten die Geiſtlichen, die dae Evange⸗ 
mim in Semgallen verkuͤndiget, daraus vertrieben; eine Stadt lieber zerſtöret, als 
ihr erlauben wollen, ihren Irthuͤmern zu entſagen; uͤberall in ihrer Nachbarſchaſt die 
erſten Keime der chriſtlichen Religion mit Fleiß erſticket, indem ſie unter der Hand 
die Diener derſelben beunruhiget, oder wohl gar oͤffentlich verfolgt, und zu tödten bes 
fohlen, wenn die grauſamſten Beleidigungen fie von ihrem Eifer nicht zuruͤckhalten koͤn⸗ 
nen; fie wären beſtändig bereit, ſelbſt das Blut ihrer Freunde, wenn ſolche mit ih⸗ 
rem Vorhaben nicht uͤbereinſtimmen wolten, zu vergleſſen; fie hätten auf einem Gaſt⸗ 
mal vielen Edelleuten das leben nehmen laſſen, da ſie ſolche blos eingeladen, um ſich 
der eingeflößten Sicherheit deſto gewiſſer zu misbrauchen. Mehr als 10000 Danzi⸗ 
ger Einwohner wären unter dem Vorwande, daß fie Friedensſtoͤrer, durch ihre Haͤn⸗ 
* Us de 


) Sers f 36. Deb. p. 366 359. 


158 Geſchichte von Preuſſen. 
IzII. de umgekommen, ohne ſelbſt Weib und Kind zu ſchonen; keiner duͤrfe ſich aus dem 
lande begeben, um über fie beim Papſt Klage zu erheben; fie hätten alle Wege ver 
ſperret, und Befehl erthellet, alle Reiſende, die einen Durchgang gefunden, nieder, 
zuhauen, und viele vornehme Perſonen wären wirklich auf die Art ums leben gekom⸗ 
men ). Es iſt unwahrſcheinlich, daß ſich der ganze Orden ſchon zu damaligen Zel⸗ 
ten alle dieſe Dinge ſolte haben zu Schulden kommen laſſen. Die Geiſtlichen wolten 
ſich von der Herrſchaft des Ordens entziehen, wenn ſie nicht aus dem deutſchen Orden 
waren. Sie ſuchten daher alle dieſe Beſchuldigungen forgfältig zufammen, und die 
Polacken, die ſich um Pomerellen gebracht fahen, unterſtuͤtten die Klagen der 
Geistlichen, denen fie noch mehrere hinzufuͤgten. Wenn ſolche aber auch hätten wis 
derleget werden koͤnnen, ſo war es doch uͤberhaupt ſehr bedenklich, daß man eben zu der 
1312, Zeit ſolche vorbrachte, da der Papſt Clemens 5 vor gut befand, 1312 den ganzen 
Tempelherrnorden auszurotten, und das angeſchuldigte Betragen der deutſchen Ritter 
feiner Härte gegen die Tempelherren einen Anſtrich geben konte. van 
. 87. 
Der hochmei⸗ Siegfried von Feuchtwangen konte dieſe Sache nicht zu Ende aaſöbren. Er 
n hatte noch zuletzt eine Ordensverſammlung zu Chriſtburg gehalten, wo er ör neue Or⸗ 
thauiſchen densbruͤder einkleidete, wobey er mehr auf Verdienſte und deutſche Geburt, als vor⸗ 
kriege. nehme Herkunft ſahe, und fie zur Gottesfurcht, Gehorſam und Demuth ermahnete 2). 
Seit zwey Jahren befand er ſich nicht wohl auf. Endlich ſtarb er den aten Merz zu 
Marienburg an der rothen Ruhr, wozu endlich noch ein Schlagfluß gekommen, und 
ward in der Domkirche zu Culmſee begraben ). Es iſt augenſcheinlich eine Fabel 
der Polacken, feiner uͤbelſten Feinde, daß ihn der böfe Feind wegen feiner Gottloſig · 
keit, Rachgierde und Tyrannen in einem Ofen oder in einem Schorſtein zu Pulver 
verbrannt habe. Weil ſich die Polacken an ihm nicht raͤchen koͤnnen, fo ei er 
Teufel gethan haben, dem man in dieſen Zeiten der Finſterniß allerhand Geſchal 
zueignete w). Die Ordensnachrichten wiffen davon nichts; und feine Thaten wa 
ſtens dem Orden ſehr vortheilhaft, wenn man gleich zugeſtehet, daß ſolche in aencdee 
rechtigkeit, nicht ſo wle in Abſicht der Staatsklugheit die ſtrengſte Probe bielten. Sein 
Tod machte dem lithauiſchen Fuͤrſten Vithens Muth, einen neuen Einfall in Ser 
zu wagen. Er kam den Tag vor dem Palmſonntage mit 4000 Mann in Sam 
und Ermland, und verwuͤſtete das platte Land auf alle mögliche Art, und fe 
ohne andere Gefangene, allein 1400 Jungfrauen mit ſich fort. Die Heiden e 
ten und ſchaͤndeten hieben alles, was bey den Chriſten heilig hieß. Selbſt das 
hellige trat Vithens mit Fuͤſſen. Auf dem Ruͤckzuge lagerte er ſich in einer 
Gegend des Bartenlandes, wo er feinen Raub austheilen wolte. Er ſpotte 
in Gegenwart der Gefangenen den Gott der Götter, der den Seinigen nicht & 


) Diugoff p. 946-9 Bootteb. p. 281. 1 BR 
1) lbick Schlita p. 2 bot. p· 370% 9 1) Schiea f 30. 2 x 3 7 


Siegfried von Feuchtwangen, 159 


I Großcomthur Henrich von Ploͤtzke hatte alles aufgeboten. 80, oder wie andere fr 131m. 
1 gen 150 Ordensbruͤder uud über 2000 Mann folgten feiner Fahne. Er gieng dem Bis 
I thens auf dem Fuſſe nach, und grif ihn in der Wuͤſten an. Im erſten Angrif öfies 
1 ben zwar 60 Chriſten auf dem Platz. Aber dieſer Tod erfochte auch einen herrlichen 
1 Sieg. Kaum entkam Vithens mit wenigen der Seinen. Was nicht durchs Schwerd 
1 umkam, ward ins Waſſer gejagt, wo alles erſof, oder in die Wälder zerſtreuet, 
1 wo die Feinde entweder umkamen, oder ihrer Quaal dadurch ein Ende machen 
I muſten, daß fie fich ſelbſt erhiengen. In dem Gefechte hatten die Gefangene ſich uns 
1 ter einander los gebunden, und ohne Unterſchied des Geſchlechts mit dem Gewehr der 
1 Erſchlagenen auf die gemeinſchaftlichen Feinde losſchlagen helfen. Von der erhaltenen 
1 Beute ward vom Orden das Nonnenkloſter zu Thorn erbauet. Bald darauf fiel 
Gebhard von Mansfeld, Comthur von Brandenburg, ein noch junger Held, in 
1 die feindliche Gegend Pograude, der Groscomthur aber in die Gegend Garthe. Er 
hatte Sooo Mann bey ſich, und hofte, den Ort durch Verraͤtherey zu bekommen. Als 
leln er erfuhr, daß der Grosherzog mit der ganzen lithauiſchen Macht ſchon feiner er⸗ 
| warte. Er gieng alfo zwar zurück, rückte jedoch noch in demſelben Jahr mit 150 Bruͤ⸗ 
* dern, 2000 Mann zu Fuß und einem groſſen Heer Reuter in Lithauen ein. Die 
1 Fußvölker ließ man zu Bedeckung der Schiffe und des Gepaͤcks an der Memel ſtehen. 
e Die Reuter aber durchſtreiften die ſichere Gegend Salſenicke, bie fie verheereren, 


1 und auf 700 Gefangene machten x). 

1 107 §. 88. 

1 In der Zeit kam der angeſetzte Wahltag eines neuen Hochmeiſters heran. Die Der neue 
5 S emu war deswegen vom Groscomthur nach Marienburg auf das Feſt 3 
; Johannis beſchieden. Bey der Wahl fielen die Wählenden auf zwey Männer, die von Trier jet 


1 faſt gleichviel Stimmen bekamen. David von Cammerſtein, Comthur von Dans denſelben fort. 
7 dig hatte eine einzige Stimme weniger, als Carl Beffart von Trier. Jener ſuch⸗ 

| te zwar zu behaupten, daß eine mitwählende Perſon von Carls Seite die gehörigen 
1 Eigenſchaften nicht harte. Aber Carl Beffart wuſte feinen Waͤhler fo geſchickt zu vers 
theldigen, daß die auf ihn ausgefallene Wahl vor guͤltig gehalten werden muſte. Doch 
blieb ſeit der Zeit David von Cammerſtein ein geſchworner Feind des Hochmeiſters, 
der um fo gefährlicher genennet werden konte, weil ſelbiger im Orden fo viele Freunde 
5 und Gönner hatte. Ich bin von dem Geſchlecht des neuen Hochmeiſters Carl Befſarts 
i von Trier gar nicht unterrichtet )). Man hat ehemals vorgeben wollen, daß er aus eis 
nem alten römiſchen Geſchlecht abſtamme, welches Caracalla aus Rom verjagt. 
Aber es iſt eine Zeit in Deutſchland geweſen, wo man ſich eine ſonderbare Ehre dar⸗ 
aus machte, aus Rom abzuſtammen. Sein Geſchlecht gehörte unſtreitig zu denen 
damaligen Patriciern in Trier. Auch ſeine vorige Ordensbedienungen ſind mir unbe⸗ 
kandt. Er iſt eben keln alter Herr zur Zeit der Wahl geweſen, und wird beſonders 

. N wegen 
x) Schütz f. 56. Dusb, p. 370. 373. 8 
„Nach ein Zeit habe 4 noch einen Johann Beffart im deutſchen Orden gefunden 


1312. 


1313. 


1314. 


land S. 134 r 149. Au Sins 0 Dingo]) p. 956 Er 


7 


160 Geſchichte von Preuſſen. | 
wegen feiner männlichen Beredtſamkelt und feiner Fertigkeit, mit der er ſich in der 
italiaͤniſchen Sprache nett ausdruͤcken konte, gelobt 2). In ſeiner Regierung a) wech 
ſelte Gluͤck und Unglück bey dem Orden ab. Es hat nicht nur eine grauſame Peſt ge⸗ 
wuͤtet, ſondern es fieng ſich auch eine entſetzliche Hungersnoth an, die in den folgenden 
Jahren mit ſehr wohlfeiler Zeit abwechſelte b). 1313 zog ſich der Heringsfang, der 
bisher an dem preußiſchen Strande vorzuͤglich getrieben worden, in die Nordfee, 
Es hat in der That dadurch das kand den erſtaunenden Nutzen verloren, den jetzt die. 
Holländer aus dieſer Fiſcherey an denen ſchottlaͤndiſchen Kuͤſten ziehen c). Der 
Hochmeiſter ließ eben damals die Veſtung Chriſtmemel erbauen. Es giengen zwar 
verſchiedene Schiffe mit tebensmicteln und Bauſtuͤcken nebſt 4 Bruͤdern und 50 Men 5 
ſchen im Meer unter. Es ward aber dieſer Abgang wieder erſetzt, und zugleich an 
dieſem neuen Ort über die Memel eine Schifbruͤcke angelegt, welche die Lithauer ſehr 
bewunderten. Den Krieg gegen dieſe Feinde ſetzte Henrich von Ploͤtzke fort. Im 
Sommer belagerte ſolcher das Schloß Biſene wegen tapfern Widerſtandes vergebens. 
Auch dem Comthur von Ragnit, Werner, wolte es eben ſo wenig gegen Junigeda 
gluͤcken, nachdem ein Sturm feine zum Kriege ausgeruͤſtete Kaͤhne an das Ufer gewors 
fen. Es war ſonderlich ein Schif von noch nie geſehener Bauart darunter. Die Lis 
thauer ruheten aber nicht eher, bis fie daſſelbe in Brand geſteckt hatten. Im Herbſt 
brach Henrich von Ploͤtzke bis Biſene ein, und ſteckte beide Vorſtaͤdte dieſes Orts in 
Brand d). Die Polacken brachten zwar eben damals gegen den Orden wegen c 
rellen ihre Klagen bey dem paͤpſtlichen Scul an. Es verzog ſich aber die Erörteru 
dieſer Sache verſchiedene Jahre e). 1314 konte Henrich von Ploͤtzke gegen das 
thauiſche Schloß Medenicke nichts erhebliches ausrichten, ohnerachtet er 0 lac 
nach dem neuen Jahr, als auch nach lichtmeß ſolches belagerte. Er ſetzte viel 
Bruͤder Henrich Reuß, Ulrich von Ceeing, Rebot von Iſenburg und a 
brave Männer zu, unter denen ſich auch Michael vn Waldow befand. Im S 
brach er zwar faſt 100 Meilen in des Feindes fand, und verheerete die Landſche 
witz, legte auch das Stättgen Klein Naugarten in die Aſche. Als aber die 
Macht ſich ſehr ſtark zufammenzog, muſte das Ordensvolk feinen Ruͤckweg 
Weil alles verheeret, fo muſten die Ritter die Gefangene, aus Mangel der leb 
tel, woran fie ſelbſt Mangel litten, laufen laſſen. Endlich langten fi fie a 
Ort, wo fie ihren Mundvorrath unter einer Bedeckung zurüͤckgelaſſen. 5 Bei 


| 140 Henneb. p. 281. Schütz f. 56. sy. Dusb. then bekam damals Mauren. pole og 
Spee 5 p. 6. und iſt alſo nicht ſerſt 1 
m. Schon 1312 ſoll Memel Mauren bekommen Haciknoch A. u. N. Pr. S. 4. 2 | 
haben. Erl. Pr. Th. 4 S. 235. Poleogr. St. 2. ) SchürzF. 57. 1 
S. 8. St. S. 6. In eben das Jahr ſetzt Schutz die ch) Ibid. Dusb. p. 375. 4 
Erbauung der Schlöffer Angerburg S. 23, Fried: 4) Dub p. 375- 75. Schürz Ans 


* 


Carl Beffart von Trier. 5 161 

} ſich vieles verlief, manches vor Hunger umkam, und der Reſt ſich mit Pferdefleiſch 
1 und Wurzeln kuͤmmerlich bis an die preußiſche Grenzen behelfen wuſte. Um Ma⸗ 
N ria Himmelfahrt 1315 fielen die Sameiten die Gegend von Ragnit an, jagten das 
Ordensvolk mit Verluſt des Bruders Johann, genannt Poppo, in die Veſtung, 

und verheereten um Tilſit und Ragnit die Saaten. Sodenn kam im September 


zo. 


Ort, und verhinderte wirklich, daß die zur Verſtaͤrkung deſſelben abgeſchickte Völker 


zunehmen, noch, aller Muͤhe unerachtet, in Brand zu bringen. Er hob vielmehr die 
Belagerung auf, da er die Nachricht von einem herzueilenden Entſatz erhielt. Denn 
der Hochmeiſter hatte ſich ſelbſt vor die Spitze der ganzen Ordensmacht geſetzt. Well 
aber die Lithauer ihn nicht abgewartet, ſo gieng er auf Junigeda, verbrannte deſſen 
Vorſtadt, und machte viele Gefangene. Endlich kam er nach Chriſtmemel zuriick, 
und ließ alles wieder herſtellen, was der Feind in der vorigen Belagerung unbrauchbar 
gemacht. Zu Anfang des Jahres 1316 verwuͤſtete Henrich von Plötzke die feindliche 
Gegend Paſſow. Als er von dieſem Zuge nach Königsberg zuruͤck angelanget, fand 
er viele Rheinlaͤnder, die dem Orden zu Huͤlfe gekommen. Die Grafen von Ber⸗ 
gen und Nevenar, Arnold von Elner und andere befanden ſich darunter. Mit de⸗ 
ken Beiftand verheerete er auf einem neuen Zuge die Gegend von Medenick, bey wel⸗ 
cher Gelegenheit der Graf von Bergen unter der Ordensfahne verſchiedene zu Rittern 
ſchlug. Der Comthur von Chriſtmemel, Friedrich von Libenzel, erſchlug zu eben 
der Zeit 80 Mann von der ſich damals ablöfenden Beſatzung von Biſene, und Dietrich 
von Altenburg, Friedrich von Quitzow und ein dritter Ordens bruder von der Ber 
ſatzung in Ragnit uͤberrumpelten noch in dieſem Jahr das Schloß Biſene, als eben 
die Beſatzung zur Ablöſung ausgeruͤckt war, und legten ſolches völlig am Tage Am⸗ 
broſii in die Aſche. Im Sommer gieng der Vogt von Samland, Hugo, mit g00 
Reutern in die Gegend von Medenick, und ſteckte zwey Dörfer an. Man wurde 
noch mehr ausgerichtet haben, wenn der beſtellte Hinterhalt fich nicht zu zeitig blos ges 
geben. Zu Anfange des Jahres 1317 brach Henrich von Ploͤtzke mit groſſer Macht 
in die Gegend Waykin. Zum Gluͤck fiel in einer Nacht ein fo entſetzlich Wetter ein, 
daß ſich die Pferde meiftens lostiſſen, und in die Waͤlder verliefen. Das Ordens volk 
glaubte ohne Pferde nichts ausrichten zu konnen, und gieng zuruͤck. Wäre ſolches 
nicht geſchehen, fo würden die Ordensvölker auf 10000 Lithauer geftoffen, und vers 
muthlich ungluͤcklich geweſen feyn. Im Sommer geſchahe zwar ein neuer Einbruch in 
Lithauen. Henrich von Plöͤtzke theilte fein Heer in vier Haufen in der Gegend von 
Pograude. Den erſten führten Bruder Hartmann und Bruder Friedrich von 
Quitzow an; der andere ſtand unter den Befehlen Friedrichs von Libenzel, Com— 
thurs von Ragnit; den dritten befehligte Albrecht von Haagen, und den Haupt, 
Haufen hatte Henrich von Plöͤtzke unter feiner Anführung, wo ſich auch die Haupt, 
orden fahne befand. Bey dem allen wurde, auſſer einigen Verheerungen, nichts er⸗ 
p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. & hebliches 


222 ²˙¹ ö ER GER Bu TEEN TEE TEE ERÄETTTE TEE 


Vithens ſelbſt mit der ganzen lithauiſchen Macht vor Chriſtmemel, belagerte den 


ſich nicht hinein werfen konten. Aber es gelung ihm weder den Platz mit Sturm ein⸗ 


1314. 


1315. 


1316. 


1317. 


162 Geſchichte von Preuſſen. 
1317. hebliches ausgerichtet. Auf einem neuen Zuge um Matthaͤi muſte man ſich ebenfals 
begnuͤgen, die Vorſtadt von Junigeda anzuſtecken, weil von allen Seiten Entſatz 
berzuellete, der auch den Henrich von Ploͤtzke auf dem Ruͤckzuge beftändig beunruhig⸗ 
te, woben Bruder Dietrich von Pirmont nebſt vielen andern ihr beben einbuͤſſeten TJ. 
N % 89. 8 
ueberdies Auſſer dem lithauiſchen Kriege hatte der Orden auch beftändig auf Polen zu 
. ſehen, wo Wladislaus noch immer e zurück forderte. Um ſich gegen 
Polen bedenk⸗ daſſelbe eine neue Vormauer zu verſchaffen, trat man mit dem piaſtiſchen Herzog Lehr 
licher. co in Unterhandlungen. Es hatte ſolcher das fand Michelau dem Orden dergeſtalt 
verſetzt, daß, wenn er es in dreien Jahren nicht einlöfen würde, folches dem Orden 
eigenthuͤmlich bleiben ſolte. Nach laͤngſt verfloſſenen drey Jahren meldete ſich zwar 
Leſcus, und bot das ihm vorgeſchoſſene Geld an. Weil ſolches dem Vertrage aber 
zuwider, ſo welgerte man ſich, ſolches anzunehmen, und beſtund auf dem Eigenthum 
des landes. Von Seiten des Ordens ward dem kandcomthur von Culm, Henrich 
von Gera, aufgetragen, deshalb mit dem Herzoge von Cujavien Leſcus in Unter ⸗ 
handlungen zu treten, welche theils zu Thorn, theils zu Neſſow vor ſich giengen. 
Endlich kam man zum Vergleich. Der Orden gab dem Herzoge noch fo viel bares 
Geld heraus, daß folder in allem 562 Mark Silbers erhalten. Dafuͤr verkaufte 
Leſcus zu Neſſow den ı6ten Jul. das tand Michelau auf ewig dem Orden O0. De⸗ 
nen Polacken fund dieſer Handel nicht an. Gegen Lithauen konte der Orden auch nichts 
1318. ausrichten. 1318 wurden zwar die Vorſtaͤdte von Junigeda und Piſte im Herbſt von Ed 
Henrich von Ploͤtzke ſamt den vollen Scheuren in die Aſche gelegt. Als aber solcher 
3319. 131g nach Oſtern beide Orte wegnehmen wolte, wurden feine Befehle fo . 


— 


ſtreckt, daß er dem Feinde nichts anhaben konte, auſſer daß man die Vorſtadt v Ei; 
Junigeda wieder anſteckte. Es gelung aber auch der Einfall Davids, Schloßkaupts 
manns von Garthe, nicht ſonderlich. Er nahm zwar in der Gegend von Bohn 
dorf ziemliche Verheerungen vor. Da aber der Comthur von Tapiau s Ulrich 7 
Dreyleben, und deſſen Gehuͤlfe Friedrich von Quitzow feinen Vortrab ange Pr 
55 Mann erſchlagen, und demſelben die gemachte Beute abgenommen, gieng die 
thauiſche Hauptmacht zuruͤck. Weil Graf Wilhelm von Holland feinen Sohn 
g ches Namens dem Orden zu Huͤlfe nach Preuſſen abgeſchickt, ſo glaubte Henrich 
1320. Ploͤtzke vielleicht 1320 glücklicher zu feyn. Er gieng daher im Jul. mit 40 Bruͤ 


aus Samland und Memel in die Gegend Medenick. Sein Vortrab verwüſtete 
alles vor ihm her. Der Feind zog ſich aber zuſammen, machte in den Wäldern Ver⸗ 
haue, und fiel die Hauptmacht mit ſolchem Muth an, daß in einem engen Wege fir 
che aufs Haupt geſchlagen wurde. 29 Bruͤder blieben ſamt dem Henrich von Plögfe 
und dem Kern der Krlegsvoͤlker auf dem Platz. Viele kamen auf der Flucht in feint * 
Allchhe Sewalt, unter denen der Vogt auf Samland, Gerhard Rhode, auf einem ö 
J) Dusb. p. 379-388 t) Ada Borufl, T. 3 p. 377: re 


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Carl Beffart von Trier. 163 


Pferde den Götzen geopfert worden. Der Reſt langte in dem klaͤglichſten Stande in 
Preuſſen an /). Dieſes Ungluͤck ſuchte fi) Polen, fo viel möglich, zu bedienen. 
Schon im vorigen Jahr hatte Wladislaus bey dem Papſt ausgewirkt, daß der 


Erzbiſchof von Gneſen, der Biſchof von Poſen und der Abt von Mogilno den Auf⸗ 


trag erhielten, den Orden in den Bann zu thun, wenn ſolcher Pommerellen nicht her⸗ 
ausgeben wolte. Dieſe lieſſen die Marianer in dieſem Jahr vorladen. Der Hochs 


meiſter aber hielt nicht vor gut, ſich dem Ausſptuch ſolcher Leute zu unterwerfen, wel⸗ 


che lauter Polacken, und folglich parteilſch waren. Er ließ vielmehr durch einen 
Prieſter Siegfried von Papow zu Brzeſt allem widerſprechen, was ſolche vornehmen 
würden. Es erfolgten zwar von ihrer Seite neue Vorladungen, welche ſie an die 
Kirchenthuͤren zu Thorn anſchlagen lieſſen. Weil aber der Orden nicht erſchien, fo 
maßten fie ſich endlich 1321 eines Urtheils an, vermoͤge deſſen nicht nur der Orden ganz 


Pommerellen an Polen abtreten, ſondern auch alle Koſten und Schaͤden dem Wla⸗ 
dislab erfegen ſolte. Well aber der Orden dieſem Ausſpruch wie leicht zu erachten, 


nicht nachkam, fo ward derſelbe in den Kirchenbann erflärer, und aller Gottes dienſt in 


Preuſſen unterſaget ). Zu eben der Zeit wurden noch andere Klagen von Seiten 


des Erzbiſchofs von Riga bey dem Papſt gegen den Orden gefuͤhret, welcher ſogar die 
Lithauer, in Liefland einzubrechen, einlud. Kaum geſchahe ihr Einfall 1322, fo 
ſchickte der Hochmeiſter den Friedrich von Wilden berg Jan der Spitze eines Hee⸗ 
res, bey dem ſich 150 Bruͤder befanden, nach Lithauen in die Gegend Wayken. Man 
verſprach ſich von dieſem Zuge um ſo viel mehr, da Bernhard, Herzog von Schweid⸗ 
nitz, Herr von Fuͤrſtenberg, ein Graf von Geroldseck, die aͤlteſten Söhne der 
Grafen von Juͤlich und Wildenberg, ein Herr von Lichtenberg mit ſeinem Bruder 
nebſt vielen boͤhmiſchen und rheinlaͤndiſchen Völkern dem Orden zu Hülfe angefoms 
men waren. Man verheerete wirklich verſchiedene Gegenden in Lithauen, ſturmete 
auch Piſte. Doch die tapfere Gegenwehr und einfallende Nacht machte dieſen Sturm 
fruchtlos. Weil aber die Beſatzung des Schloſſes am folgenden Morgen einen neuen 


Sturm beſorgte, ſo verlangte ſie Unterhandlungen, die dahin ausſchlugen, daß der 
Ort Geiſel gab, er wolle kuͤnftighin dem Orden unterwuͤrſig ſeyn. Er hielt jedoch 
als bis der Grosherzog von Lithauen ihm wieder beifter 


dies Verſprechen nicht laͤnger, 
hen konte. Als im folgenden Jahr 1323 ein Herr von Cimeberg und ein Herr von 
Egerberg nebſt andern Böhmen und Rheinlaͤndern nach Preuſſen gekommen, ward 


gleich bey eingefallenem Froſt ein Zug nach Lithauen veranſtaltet. Die gar zu grim⸗ 


mige Kälte aber machte, daß man ſich, ohne noch des Feindes Land zu erreichen, wies 
der nach den Standlaͤgern zurückziehen muſte. Nachher aber that der Feind, der 
ſchon im Revelſchen übel hausgehalten, auch in Preuſſen groſſen Schaden. Bald 

8 X 2 nach 


5) Dusb. p. 389 390. das heiſt nicht eben Großcomthur, wie ſolches 

) Dlugofl. p. 976 U. Cromer p. 287 f. von einigen behauptet wird. Friedrich von Wil⸗ 

k) Dusb. p. 392. Da heiſt Fridericus de Wil. denberg war damals erweislich noch nicht Groß⸗ 
denberg gerens vicem Magiltri generalis. Aber comthur. 


1320. 


1321. 


1322. 


1323. 


1323. 


1324. 


Der hochmei⸗ Carl Beffart von Trier war ſchon ein Jahtlang abweſend geweſen my. Die 4 | 


ſter ſtirbt. 


Unrecht; habe ſich verſchworen den Erzbiſchof ums leben zu bringen; fünf Biſth 


164 Geſchichte von Preuſſen. 5 

nach Gregori Tag nahmen die Sameiten die Stadt Memel ein, welche fie mit als 
lem, was brennbar war, anſteckten. Die Beſatzung hatte ſich ins Schloß gerettet. 
In der Gegend von Welau gieng es nicht beſſer, wo die Feinde ſechs Dorfer in die Aſthe 
legten, und den Bruder Friedrich von Quitzow mit 36 Mann erſchlugen. Ein an⸗ 
derer Schwarm Lithauer fiel das land Dobrin um Kreuzes Erhöhung an, welches 
einer Herzogin zum Witthum verſchrieben war, und machte ſolches zur völligen Ein- 
ode. Es gluͤckte blos dem Comthur von Tapiau Henrich mit 8 Brüdern, unter der 
nen 800 Mann ſtunden, zur Zeit der Erndte in Semgallen einige Pferde zu erben ⸗ 
ten. Es waren 1324 Johann und Philip Grafen von Sponheim, Herr von 
Roſenberg und ſein Vetter Hermann, nebſt andern von Adel aus Boͤhmen, Elſas 
und einigen Rheinlaͤndern nach Preuſſen gekommen. Doch der ausbleibende Froſt 
verhinderte, daß man keinen Zug gegen die Feinde unternehmen konte. Hingegen ges 
lung es drey Brüdern und 600 Mann, die Güter des Davids Schloßhauptmanns von 
Garthe, auszupluͤndern, und im May dem Dietrich von Altenburg, Comthur von 
Ragnit, mit 44 Brüdern und 400 Soldaten aus Samland und Natangen von des 
Gedemini neuerbauetem Schloß, welches man vor Vilna hält, die Vorſtadt an, 
zuſtecken D. | | . e ee 


gen des Königs Wladislai, des Erzbiſchofs von Gneſen und des Erzbiſchofs 1 1 
bey dem päpftlichen Stul ſchienen ihm fo bedenklich, daß er vor noͤchig hielt, perſönlich 

ſeinen Orden zu verantworten. Er wuſte, wie langſam, wie bedaͤchtlich der Papſt in 
Sachen von Folgen zu verfahren pflegt. Er fühlte, daß feine leibeskraͤfte ihm kein 
langes leben verſprachen, und doch bedachte er ſich nicht, ſelbſt nach Avignon abzug ⸗ 
hen, weil es das Beſte ſeiner Geſellſchaft erforderte. Weil er aber zugleich feine 8 1 8 
ruͤckkunft nicht zu erleben ſich getrauete, fo empfal er das Land dem nach des Pantaleon 
von Eydingen Tode zum Groscomthur ernannten Werner von Orſeln m) 
ſelbſt reiſete in Begleitung einiger Biſchöfe, Rechtsgelehrten und Ritter nach Ar 
ab, wo damals Johann 22 feine Hofhaltung hatte. Hier hörete er die Klagen 
Erzbiſchofs von Riga, und beantwortete ſolche. Jener brachte an: der Orden ha be 
einen Drittheil von Liefland vom Stift Riga erhalten, um ſolches gegen die $ 
zu ſchuͤtzen und von jedesmaligem Erzbiſchof daruͤber das lehn zu empfangen; er 
ſo wenig das erſte gethan, als ſich um das andere bekuͤmmert. Es verachte ſolch 
geiſtliche Zuchtruthen des Bannes; bemaͤchtige ſich der Kirchenguͤter mit Gewal 


mer mit allen dazu gehörigen Kirchen zerſtort; und die Ritter lieſſen ſich dahin v 
ſentlich heraus: daß ihnen ein Haſenbuſch weit lieber als ein Pfaffenhaus ſey; e 
waͤre der Orden auch mit den Einwohnern von Riga unchriſtlich umgegangen. 


D Dusb. S. 392402. m) Dusb. S. 374. ei 
1) Henneb. ©. 288. äuſſert die Meinung, als wenn der Hochmeiſter damals zugleich abgedankt 
haͤtte, welches aber nicht zu erweiſen. RE 


N verhindert. Well aber dieſe Aus fluͤchte nicht erheblich ſchienen, ward der Orden von 
7 5 5 X 3 N 


Carl Beffart von Trier. | 165 


Hochmeiſter Carl begegnete mit vieler Beredſamkeit und Gruͤndlichkeit diefen Beſchul⸗ 
digungen. Er trug vor: es fen wahr, daß das Stift Riga, weil es ſich nicht ſelbſt 
ſchuͤtzen konne, ein Drittheil von feinen damaligen Beſitzungen dem Orden eingeräus 
met, und ſolcher dafür ſich anheiſchig gemacht, die Beſchuͤtzung der Chriſten gegen 
‚feine Feinde zu übernehmen. Was fen dies aber gegen die weitlaͤuftige Länder, die ſeit 
der Zelt die Ritter mit ihrem Blut erworben? Dieſer Eigenthum und Herrſchaft kön⸗ 
ne von Rechts wegen, niemand als dem Orden zuſtehen. Das Vorgeben einer lehns⸗ 
verbindlichkeit gegen das Stift fey völlig ungegruͤndet, und es könne ſich der Hochmei⸗ 
ſter des halben frey auf alle Urkunden berufen, welche vielmehr das Gegentheil beweiſen 
wuͤrden. Der gegen ſie ausgeſprochene Bann ſey keiner Achtung wehrt geweſen, da 
ſolcher hoͤchſt uͤbereilt, und ohne vorhergegangene Ueberzeugung verkuͤndiget worden. 
Der Orden habe freilich ſich gezwungen geſehen, Guͤter der Kirchen in Beſitz zu neh⸗ 


men, weil der Erzbiſchof, ſolche den Heiden einzuräumen, im Begrif geweſen, die er. 


gegen Bezahlung eines Tributs ſogar um Huͤlfe gegen die Ritter angeſprochen. Man 
‚fen aber bereit, dieſe der Kirchen zu gut beſetzte Guͤter demjenigen ſogleich wieder einzus 
raͤumen, welchem ſie wuͤrden zugeſprochen werden. Man geſtuͤnde getroſt ein, daß 
man ſich der Perſon des Erzbiſchofs zu bemaͤchtigen geſucht, den man als einen Landes- 
und Religionsverraͤther anſehen muͤſſen, da er zu Unterdrückung des deutſchen Ordens 
mit denen Heiden ſich in Buͤndniſſe eingelaſſen. Der Hochmeiſter wuͤſte nicht, daß 
jemand, den Erzbiſchof umzubringen, ſich verſchworen haben ſolte. Geſetzt aber, 
daß auch jemanden einige dahin abzielende Reden entfahren, fo muͤſte zugleich in Er⸗ 
wegung gezogen werden, daß der Erzbiſchof die Ritter zum aͤuſſerſten Zorn gebracht, 
und daß Worte, welche aus dieſer Leidenſchaft rühren, deswegen noch nicht zur Wirk⸗ 


lichkeit gebracht werden. Man habe ſich zwar einiger Biſchofthuͤmer, aber nur ſolcher 


entlediget, zu deren Unterhaltung der Orden, wider ſeinen Willen, ſeine Guͤter herge⸗ 
ben ſollen. Die Gerechtigkeit ſtreite gegen eine ſolche Einrichtung, und Gdtt ſey als 
les zuwider, was der Gerechtigkeit widerſpricht. Die Stadt Riga ſey mit dem Erz⸗ 
biſchof in gleicher Verdammniß, und hätten deſſen Einwohner ſich alſo ſelbſt alles das 
Uebel zuzuſchreiben, was ihnen von Seiten des Ordens begegnet ſey. Zum Beweiſe 
alles deſſen lege er die Urſchrift ſolcher Briefe des Erzbiſchofs und der Stadt Riga dem 
paͤpſtlichen Stul vor, worin beide den lithauiſchen heldniſchen Regenten erſuchen, in 
des Ordens Lander einzubrechen, ihin gewiſſe Zeichen gaben, woran er diejenigen Orte 
erkennen fönte, die ihm gutwillig die Thore öfnen wuͤrden, und endlich diejenigen Mit⸗ 
tel eröfneten, wodurch er alle Ritter erſchlagen koͤnte. Der Erzbiſchof ſahe ſich hier⸗ 
durch ausnehmend beſchaͤmt. Er konte feine Urkunde nicht laͤugnen, und wuſte keine 
andere Entſchuldigung anzubringen, als daß er durch das Verhalten des Ordens zu dies 


fen Schritt gezwungen geweſen ). Ueberdies wären die Lithauer theils Chriſten, 


theils wolten ſie Chriſten werden. Der Orden habe bisher dieſes durch ſein Betragen 


des 
0) Senneb. S. 282, 253. 


324. 


7 


166 Geschichte von Preuſſen. 


1324. des Erzbiſchofs Klage gluͤcklich entbunden; jedoch beſchloſſen, paͤpſtliche Geſandten nach 
Lithauen abzuſchicken, und den dortigen Regenten einzuladen, das Chriſtenthum, zu 
welchem er nach des Erzbiſchofs Vorgeben geneigt waͤre p), anzunehmen. Der Erzbi⸗ 
ſchof von Gneſen beſchwerete ſich, daß der Orden aus feinen fanden denen feinem Hoch/ 
ſtift unterworfenen Biſchöfen weder den Zehenten bezahlen, noch den Peters pfenning, wo⸗ 
zu die polniſchen Länder verpflichtet, entrichten laſſen wolte. Der Hochmeiſter ber 
gegnete aber auch dieſem Zumuthen mit Gruͤndlichkeit. Er zeigte, daß päpftliche Bes 
gnadigungen die Ordensunterthanen in Preuſſen von den Zehenten befreiet. Es ſey ſol⸗ 
cher blos zur Erhaltung der Stifter eingefuͤhret, in Preuſſen aber hätte die Gelſt; 
lichkeit zu ihrem Unterhalt eigene liegende Gründe bekommen, von denen fie jedoch, we ⸗ 
gen derer auch zu ihrem Beſten zu führenden Kriege, das Pflugkorn liefern muͤſten. Folg⸗ 
lich ſey man den Zehenten denen Geiftlichen zu geben nicht ſchuldig. Der Peterspfen 
ning ſey niemals in Preuſſen gegeben. Der paͤpſtliche Hof habe den Orden auch von 
dieſer Abgabe befreiet. Was jedoch diejenigen Unterthanen in Pommerellen beträfe, 
welche unter den Kirchenſprengel des leslauſchen Biſchofthums gehöreten, und bisher 
den Peterspfenning entrichtet, wolte der Orden ſolches nicht hindern. Die Gruͤnde fand 
der paͤpſtliche Stul ebenfals fo wichtig, daß der Orden nicht nur auch von dieſer Ka ⸗ 
ge entbunden wurde, ſondern uͤberdies der Gegentheil in alle verurſachte Koſten verur⸗ 
theilet worden J). Alles dieſes ſcheint 1323 vorgegangen zu fern. Im folgenden Jahr 
1324 reiſete der Hochmeiſter nach fo guter Verrichtung nach Deutſchland zuruͤck. Hier 
aber traf ſeine Vermuthung ein. Er gieng hieſelbſt entweder zu Wien oder zu Trier 
mit Tode ab. Man iſt daher auch nicht eins, an welchem Orte er 128 tn ; 

im 
§. 91. > 0 N 
Werner von Auf einer den öten Jul. zu Marienburg gehaltenen allgemeinen der 
. ſammlung traf die Wahl eines neuen Hochmeiſters den Werner von Orſe „oder 
wie ich ihn in einer Urkunde gefunden, von Orzela ), dem Henneberger das 
s lob beilegt: Er ſey von groſſem Adel, geiſtlichen tebens geweſen, und der fine ) 
der in geiftficher Zucht gehalten. Nach eben dieſem Bericht hatte ihm der verſtorbene 
Hochmeiſter, als er aus Preuſſen abreifete, das band befohlen, und ihm bie Wuͤrde 
eines Groscomthurs beigelegt 2). Zur Zeit feiner Wahl aber befand er ſich nicht ver ⸗ 
ſoͤnlich in Preuſſen, wohin er erſt im folgenden Jahre wieder anlangte 1). Dieſer 
Abweſenheit des neuen Hochmeiſters bedienten ſich noch im Jul. 400 Lithauer, 
memel anzufallen. Es war jedoch die Beſatzung auf guter Hut, und ſchlug den 
fall gluͤcklich ab. Nun langten auch die päpftlichen Botſchafter, welche die 


50 Arnd S. 83. 84. 5 Dusb. ©. 403. f Ban. = 
53 —.— Io Schi f. 68. An beiden O t) Henneb. S. 283. Er irret aber 2 
7) Henneb. un 8. An beiden Or 5 l 
ten heiſt es: Er ſey von n nach Deutſch . die Wahl auf Bartholomaͤl 128, und alfo wien 
land gekommen. Vielleicht hat man e il mit zu fpät anfeget, N 
Avignon, wo der Papſt Hof hielt, verwechſelt. 2) Schutz f. go. n 


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ſchluͤſſen H. 


ren der Lithauer und Ruſſen zur Taufe und catholiſchen Kirche einladen ſolten, in 
Liefland an, und brachten aufs neue zwiſchen denen Ungläubigen und den Chriſten 
einen Waffenſtillſtand zum Stande. Sodenn reiſeten die Botſchafter an den Hof Gedi⸗ 
mini ſelbſt ab. Es zeigte aber dieſer Prinz, wie wenig er zum Chriſtenthum luſt has 


be, durch ſeine Thaten. Er ließ das Herzogthum Maſovien durch den Schloßhaupt / 


mann von Garthe, David, auf das grauſamſte verheeren. Auf Gedimins Befehl 
muſte ein anderer Haufen zu eben der Zeit in die lieflaͤndiſche Sandfehafe Roſiten eins 
brechen. Endlich langten auch die paͤpſtlichen Botſchafter zuruck in Riga an. Sie 
hatten den oberften Staatsbedienten des lithauiſchen Regenten bey ſich, der auf Bes 
fehl ſeines Herrn öffentlich bezeugte: daß mit deſſen Vorbewuſt noch niemals eine Schrift 
zum Vorſchein gekommen, worin ſolcher, die Taufe anzunehmen, ſich anheiſchig ges 
macht. Der Grosherzog von Lithauen ſchwöre vielmehr zu allen feinen Göttern, daß 
er beſtaͤndig in dem Glauben ſeiner Vorfahren verbleiben wuͤrde. Die paͤpſtlichen Bot⸗ 
ſchafter muſten ebenfals geſtehen, daß ſie den Herren ſelbſt in eben der Geſinnung ge⸗ 
funden, und alſo beſchaͤmt an den paͤpſtlichen Hof zuruͤck gehen, da ihr Geſchaͤft, wel 
ches auf den falſchen Bericht des Erzbiſchofs Friedrich von Riga ſich gegründet, einen 
fo ſchlechten Ausgang gewonnen x). Indes bediente ſich 1325 der Orden dieſes Waffen⸗ 
ſtillſtandes mit Lithauen zu mehrerer Anbauung und Beveſtigung von Preuſſen. 
Es wurde vom Comthur zu Königsberg Henrich von Iſenburg, auf Befehl des Hoch- 
meiſters, das Schloß Girdauen und mit Genehmhaltung des Biſchofs Eberhards von 
Ermeland von deſſen Bruder Friedrich und Liebenzel Vogt ſeines Stifts, das 
Schloß Wartenberg und die Stadt Guttſtaͤdt, vom ermlaͤndiſchen Probſt Jordan 
das Schloß Plut bey Meelſack; vom Biſchof Rudolph von Pomeſanien die Stadt 
Biſchofswerder, und vom Otto von Lutersberg, Landcomthur im Culmerland, 
durch Ruͤtger von Wolckenſtein die Stadt Neumarck erbauet. Der ins fand ger 
kommene Hochmeifter erlaubte mic Vergnuͤgen, dieſe Befchäftigungen auch 1326 fort⸗ 
zuſetzen. Dietrich von Altenburg Comthur von Balge legte das Schloß Lüneburg 
und die Stadt Bartenſtein, und der Herzog Luther von Braunſchweig Comthur 
von Chriſtburg das Schloß Lilienburg, oder wie es jetzo heiſſet, Gilgenburg an )). 
So ließ auch um dieſe Zeit der Hochmeifter die Stadt Neuteich, Henrich von Schro⸗ 
tenthal die Stadt deutſch Eulau, Leopold von Wulfachar das Schloß Preuſch⸗ 
marck, Gebhard von Grechin die Stadt Hohenſtein, Leopold von Seefeld die Stadt 
Saalfeld erbauen 2). Auch die Stadt Kneiphof, Koͤnigsberg ward damals erbauet, 
und dieſem Ort in dem folgenden Jahr 1327 die erſte Handveſte vom Hochmeiſter ausgeſtel⸗ 
let a). Endlich ließ auch um dieſe Zeit Hermann von Oettingen, Comthur von El⸗ 
bing und Ordensſpitler, die Stadt Morungen bey Saalfeld mit Mauren ver⸗ 


$. 92. 
x) Dusb. S. 403, 406. Es war ſchon 133 2) Ibid. 
in Liefland ein Ruheſtand beliebt, aber ſchlecht 4) Erl. Pr. Th. 3. S. 461. 462. 
gehalten. f 5) Cont. Dusb. S. 412. Erl. Pr. B. 2. S. 277. 
7) Dusb. S. 407. 408. 410. B. 4. S. 48. 


Werner von Orſel. 167 


1324. 


1325. 


1326. 


1327. 


—— 
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— 


 —, 71 (. 


Tr 


168 Geſchichte von Preuſſen. 


1327. 


der ſich mit 


dem kaiſer und 
Boͤhmen ge⸗ 
gen Polen und 
Lithauen ver⸗ 
bindet. 


j §. 92. N 2 
Des Papſt Johannis 22 unbefugter Anſpruch die durch zwieſpaͤltige Wahl zwwl⸗ 
ſtig gewordene Kaiſerkrone durch ſein Urtheil zu vergeben, hatte ſchon ſeit langer Zeit 
faſt das ganze chriſtliche Europa in zwey Parteien getheilet. Die eine hielt es mit 
dem Papſt, und die andere verfochte die Rechte des Kaiſers Ludwigs 4. Es hatte 
ſolches bis auf Preuffen einen Einſſuß. Wladislaus König von Polen hielt es mit 
dem geiſtlichen Oberhaupt der Chriſtenheit um fo mehr, da Johann König von 
Boͤhmen, der eine Enkelin Przemyslai Königs von Polen geeheligt und mit iht N 
Anſpruͤche auf die Krone Polen bekommen hatte, die Sache des Kaiſers Ludwigs 
verfochte. Der Papſt hatte bie her unftreitig die Klagen Wladislai von Polen v u 
gen Pommerellen mehr als die Verantwortungen des Ordens beguͤnſtiget. Hiezu ka⸗ 
men die Streitigkeiten mit der Geiſtlichkeit, in denen die Marianer ſich vom römi⸗ 
ſchen Stufe keine Hülfe zu getröſten hatten, da hingegen der Kalſer Ludwig eine 
Denkensart aͤuſſerte, welche der gar zu groſſen Gewalt der Geiſtlichkeit Grenzen ſetzen 
wolte. Der Orden konte es mit dem Kaiſer um fo weniger verderben, da er 
Deutſchland erhebliche Reichslande beſaß, und in deren Abſicht die Hoheit des Reichs 
zu verfechten ſich pflichtig erkannte. Der Kaiſer hatte ſchon 1324 zu Franfft rt 
deutſchen Haufe zu Sachſenhauſen, wo er ſowol, als fein Nachfolger Carl 4 
ſtens ſich aufzuhalten pflegten c), wenn fie nach Frankreich kamen, gegen alle 
liche Beeinträchtigungen ſich auf die Ausſpruͤche einer kuͤnftigen Kirchen rſamu 
berufen d). Johann 22 ſuchte ſich zu rächen, und ermahnte die Churfürften 
Ludwig 4 abzusetzen. Aber der Comthur des deutſchen Ordens zu Coblentz 5 
told von Bucheck Hintertrieb 1325 durch die beſten Gründe zu Renſe bey de 
fuͤrſlen dieſe Sache, ob er ſich gleich hiedurch das Erzbiſchofthum Mayntz 5 
te e). Endlich ward es dem Orden ſehr bedenklich, daß Wladislaus von 
eine genaue Freundſchaft mit denen Lithauern eingieng, und ſeinen Sohn 
mit Gedimins Tochter vermälte. Beides waren der Marianer bittere Fein 
fie fiengen an dieſe Freundschaft zu fürchten. Als daher 1326 Wladislaus m 
eines anſehnlichen Haufens Lithauer, der unter der Anfuͤhrung des Davids 
hauptmanns von Garthe ſtand, auf paͤpſtliches Anftiften einen barbariſ 
in die Mark Brandenburg vorgenommen 7), hielt Werner von Orſeln ein 
gemeine Ordensverſammlung g), um in dieſen bedenklichen Zeiten einen wohl 
Anſchlag zu faſſen, wie man ſich verhalten ſolte. 219 Brüder kamen auf die 
ſammlung an, um dem Hochmeiſter mit ihren Rath beizuſtehen. Dieſer ließ 
Prophezeihungen der heiligen Brigitta vorleſen, die fein Vorfahr Carl beim Se 
bisher verwahren laſſen. Man brauchte aber ſolcher Weiffagungen ni dt, 5 


c) Herr von Ohlenſchlager Geſchichte der Kai⸗ e) Alb. Argent. ic, B : . 
ſer des 14ten Jahrhunderts S. 139.- p. 4 Obi bee e 1 5 

4) Ibid. Deil. No 43. Baluzins Vit. Pap. 7) Siehe unfere Geschichte D. . & 6 
Avion. T. 2. No. 75. Lünich, Spie. Ecel. Cont. g) Cont. Dusb. S. 411. Henneb. S. 283. 
2. No, 33. N waiſſel S. 106 e 


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Werner von Orſeln. 169 


gen, in was für bedenklichen Umftänden man ſich befinde. Werner ließ daher auf 
dieſer Verſammlung vor allen Dingen eine neue Verordnung uͤber allerhand Stuͤcke 


verfertigen. Sie betraf theils den Gottesdienſt, theils den Unterſchled und die Vor⸗ 
zaͤge, die die höhern Ordensglieder vor denen nledern genuͤſſen ſolten, um hiedurch ges 
nauern Gehorſam von denen Untern gegen die Befehle der Obern erwarten zu können, 


welches in der That das wichtigſte Stuͤck einer wohleingerichteten Regierung und eines 
ſoſchen Heeres iſt, von dem man ſich was gutes verſprechen ſoll. Auſſerdem gleng dies 
ſe Ordnung noch auf mehrere Stuͤcke. Hierauf ward endlich auch nach reiflicher Ueber⸗ 
legung beſchloſſen, ſich des Kaiſers und feines Sohns des Churfuͤrſten von Branden⸗ 
burg anzunehmen, und dem Buͤndniß Wladislai mit den Lithauern, ein Buͤndniß 


des Ordens mit dem Koͤnige Johann von Boͤhmen entgegen zu ſtellen, der bey ſel⸗ 
nem Anſpruch auf Polen die Freundſchaft des Ordens eben fo nörhig, und der nicht 


nur ſchon ſeine Anſpruͤche auf Pommerellen durch den Churfuͤrſten von Brandenburg 
Woldemar dem Orden verkauft, ſondern von dem man auch noch mehreres zu erlan⸗ 
gen Hofnung habe. Sobald man nun hieruͤber eins geworden, ließ der Orden 1327 
feine Kriegsvolker zu dem Heer des brandenburgſchen Churfuͤrſten Ludwigs des As 
tern ſtoſſen, und half hiedurch den Ruͤckzug der Polacken, Lithauer und Ruſſen 
aus der Mark Brandenburg, wo der heftigſte Ordensfeind, David Schloßhaupt⸗ 
mann von Garthe, feinen Tod geholet, glücklich bewirken b). Ja es muſte der Land⸗ 
meiſter von Deutſchland ſogar den Kaiſer Ludwig 4 auf ſeinem Roͤmerzuge beglei⸗ 
ten, auf welchem ſolcher die kaiſerliche Hoheit auf eine ewig denkwuͤrdige Art gegen 
Johann 22 behauptete 1). Der Orden hatte alſo nunmehr nach abgelaufenem Waf⸗ 
fenſtillſtande den Krieg mit Lithauen ſowol wieder angefangen, als auch zum Kriege 


mit Wladislao von Polen den wirklichen Anfang gemacht. Man muſte daher 


Anſtalten vorkehren, um auf beiden Selten gewachſen zu ſeyn. Weil nun Stadt 
und Schloß Memel bisher von Liefland aus beſetzt und vertheidiget worden, fols 
ches aber wegen der Entfernung mit gar zu groſſen Beſchwerlichkeiten verknuͤpft war, 
ſo ſchloß der Hochmeiſter zu Elbing mit denen lieflaͤndiſchen Brüdern 1328 am 


Tage Urbani einen Vertrag, vermoͤge deſſen Memel mit einer anſehnlichen Gegend 


denen Brüdern in Preuſſen uͤberlaſſen wurde, die auch ſofort davon Beſitz nah- 
men ). Hiedurch aber ſchien die preußiſche Grenze gegen Lithauen genug geſichert 
zu ſeyn. Man brauchte alſo das Schloß Chriſtmemel, welches der vorige Hochmei⸗ 
ſter anlegen laſſen, nicht weiter, und konte deſſen Beſatzung mit gröfferm Nutzen 


anderwaͤrts brauchen. Es ward alſo Chriſtmemel nicht nur verlaffen, ſondern auch 


alle Beveſtigung zerſtört ). 60 Brüder muſten jetzt mit einem ſtarken Heer einen 


Einfall auf die Gegend von Garthe thun. Der Feind hatte ſich auf erhaltene 
. Nach⸗ 


) Eucä Fuͤrſtenſaal S. 75g. 
Nicol. Burgundus de Ludov. Barb. L. 2. p. 99. Unſere Geſchichte B. 1. S. 408 f. 
k) Erl. Pr B. 4. S. 235. 243. Arnd S. 87. 

) Cont. Dusb. ©. 412. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 1 9 


mr 


1328. 


me Geſchichte von Preuſſen. 
1328. Nachricht zuſammengezogen, ward aber doch uͤberliſtet. 400 Mann muſten blos ein⸗ 
fallen, und ſich ſchleunig mit der Beute zuruͤckziehen, da ſich indeſſen die ubrigen rechts 
und links herumzogen. Weil der Feind die 400 Mann nicht einholen konte, und von 
den uͤbrigen keine Erkundigung eingezogen, gieng er nunmehr auseinander. Aber dies 
beförderte die gluͤckliche Ausführung des Anſchlags der Brüder. Sie brachen von al⸗ 
len Seiten in das Gebiet Garthe ein, und verheereten ſolches mit Raub und Brand. 
Garthe muſte ſich ergeben, bey welcher Gelegenheit viele vornehme Lithauer dieſes 
Orts ſich zu Annehmung des Chriſtenthums anheiſchig machten, und in Preuſſen ge⸗ 
tauft wurden. Bald darauf uͤberſielen 30, oder wie Schuͤtz ſagt, 80 Brüder aus 
Ragnit mit ihrer Mannſchaft die Vorſtadt des lithauiſchen Schloſſes Puthenik des 
Nachts im erſten Schlaf; hieben 200 Mann, die kaum daſelbſt angekommen, nebſt al⸗ 


len übrigen Einwohnern nieder, und ſteckten die Vorſtadt in Brand m). 
| $. 93. N } 4 
3 10 Nun wurden von allen Seiten die Ruͤſtungen zum blutigſten Kriege gemacht. 


Polen bricht 1329 langte der König von Böhmen Johann mit den vornehmſten Herren ſeines 

aus. Staats, ein Herzog von Schleſien ein Herr von Falckenberg, die Grafen von 
Lingen, Oettingen, Nivenaͤr, Walrade, Hanau, Wuͤrtenberg, Stowen 
borg, Falckenſtein, die Herrn von Karpen, Gera, Bergen, Rotenſtein, Da , 
me, Cotbus, die Burggrafen von Meiſſen und von Dohna, nebſt vielen andern 
vornehmen Deutſchen und Englaͤndern in Preuſſen an. Der Hochmeiſter Wer⸗ 
ner brachte alſo eine Macht von 200 Brüdern und 18000 Mann ohne den Troß zuſam / 
men, womit er um tichemeffe das lithauiſche Schloß Mederage belagerte, und 100 
öftern Stuͤrmen eroberte. 6000 Menſchen erhielten ſodenn in dieſem Ort die Taufe, 
ob fie gleich bald darauf das Chriſtenthum wieder verlaͤugneten u). Denn als der Hoch ·⸗ 
meifter feine Eroberungen in Lithauen fortzusetzen gedachte, bekam er die Nachricht, 
daß 6000 Polacken in das Culmergebiet gefallen, und Wladislaus mit der 
in der Hand das ganze fand bis an die Oſſa fünf Tage lang durchſtreife. Seine 
Macht war zu groß, als daß die damals ſchwache Beſatzung der veſten Platze die Ber 
beerung des platten landes hätte verhindern konnen. Er befand ſich aber zu ſchwach, 5 
an die Eroberung der veſten Pläge zu denken, wohin ſich alles vom lande hinein fluch ⸗ 
tete. Der Hochmeifter kam uͤberdies mit dem Heer zuruͤck. Die Polacken flopenzw 
ruͤck. Werner folgte ihnen aber im Sommer nach. Der König von Böhmen unters 
ftügte den Orden mit aller Macht. Dieſe Bundesgenoſſen verheereten das land D obrin, 
eroberten deſſen Hauptſtadt, brandten Wladislaw aus, eben ſo gieng es der Stadt Wiſ 
ſerat, nachdem ſolche das Ordensvolk erobert hatte. Ein anderer Haufen Ordensſt 
verheerete bie Gegend von Brzeſt, nahm darauf die veſten Orte Raciasz „Gniewko 
Nadel ein. Der König von Böhmen hatte auch das Gluͤck, daß das ganze Maſo⸗ 
vien, feinem Untergange vorzubeugen, ihn als König von Polen erkannte. Weil 


m) Schutz f. 61. Cont. Dusb. S. 413, 414. 
n) Cont. Dusb. S. 415. Schuͤtz f. 61. 


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Werner von Orſeln. 171 


die deutſchen Ritter dieſes Prinzen Anſpruͤche auf dieſes Reich erkannten, ſo lieſſen fie fich, 
um ſich auch der Anſpruͤche der Krone Polen auf Pommerellen zu entledigen, von ihm 
und ſeiner Gemalin Eliſabeth darauf einen Schenkungsbrief ausfertigen. Johann 
und Eliſabeth bekennen in der Urkunde, daß ſie an den Hochmeiſter Werner von 
Orſeln und feine Bruͤder, Pommern als ein Almoſen, um an ihren guten Werken 
Antheil zu haben, nnd durch ihr Gebet die Gnade und den Beiſtand des Himmels zu 
erlangen, geſchenkt und abgetreten haͤtten. Auch das fand Dobrin, welches durch 
der Ritter Hand den Polacken abgenommen worden, und von Boͤhmen aus vor der 
wirklichen Eroberung des polniſchen Staats nicht wohl zu vertheidigen war, überließ Kö⸗ 
nig Johann dem Orden kaͤuflich vor 4800 Schock Prager Groſchen unter der Bedin⸗ 
gung, daß der Orden davon keine Zehenten erlegen, und Koͤnig Johann mit dem ge⸗ 
meinſchaftlichen Feinde keinen Frieden ſchluͤſſen ſolte, bis dieſer vermeintliche König von 
Cracau vor ſich und feine Erben aller Rechte auf Dobrin ſich begeben hätte o). 1330 
langten ebenfals der Graf von der Mark und der Bruder des Grafen von Julich mit 
vielen leuten aus Deutſchland an. Mit denſelben gieng der Hochmelſter ſamt 100 Bruͤ⸗ 
dern und 3000 Mann zu Pferde in die lithauiſche Landſchaft Wayken. Weil ſich 
aber das landvolk mit den beſten Sachen in veſte Orte gezogen, die man mit Reute⸗ 
rey nicht angreifen konte, ſo fiel nur wenige Beute in die Haͤnde der Ritter. Die 
Ragniter Beſatzung uͤberfiel aber bey Anbruch des Tages die Vorſtadt des Schloſſes 
Gedimin, und ſteckten fie an, woben faſt alle Einwohner, die noch im Schlaf ſich 
befanden, in den Flammen umkamen. Aus Liefland lief die Nachricht ein, daß die 
Stadt Riga ſich endlich an den Eberhard von Monheim, dortigen Landmeiſter, erge⸗ 
ben, und ihre Mauren 30 Ellen lang einreiſſen muͤſſen Pp). Aber im Herbſt dieſes 
Jahres brach ein ſtarkes polniſches Heer in das Culmerland ein. Mit der polni⸗ 
en Reuterey hatten fich viele Soͤldner und gooo Ungarn verbunden, die dem 
Wladislao, der König Carl von Ungarn unter der Anfuͤhrung des Wilhelms Her⸗ 
zogs von Oeſterreich, zu Hilfe geſchickt hatte. Dieſe Macht gieng bey der Muͤhle 


Lubitz durch einen Fuhrt über die Drewentz, war aber nicht im Stande, einen ein, 


digen veſten Platz zu erobern. Als Wladislaus vor Schönſee ruckte, ließ ſogar 
der Befehlshaber Hermann von Oppen, ein Sachſe, die Thore nicht verſchluͤſ⸗ 
fen, und doch trauete ſich der Feind nicht einzubrechen. Auch vor dem Schloſſe 
Leipe oder Lippa konten die Polacken nichts ausrichten, worin Guͤnther von 
Schwarzburg befehligte. Der Mangel der lebensmittel, bey deren Zuſammenbrin⸗ 
gung die Polacken oft Einbuſſe hatten, nöthigte die Feinde, an den Ruͤckzug zu dem 
ken. Der Krieg war auf beiden Seiten mit einer Art tyrannifcher Wut gefuͤhret. 


Weder Alter, noch Geſchlecht, noch Stand, hatte jemanden ſchuͤtzen konnen. Man 


ſchonte weder die geiſtlichen noch geweiheten Orte. Das Kind war in Mutterleibe 
nicht mehr ſicher. Die Keuſchheit fand nirgend fuͤr denen Soldaten eine ſichere Zu⸗ 
aber? Y 2 flucht, 


N +) Shigf. 62. Eont. Dusb, ©. 415: 418. Diugoff. S. 993 f. Cromer S. 291 f. Schutz f. 62 f. 
0 Schüg ebendaſ. Cont. Dusb. S. 418. 419. 
7 i 


* 


1329. 


1330. 


172 Geſchichte von Preuſſen. N = 
1330. flucht, fo wenig man vor deſſen Grig ſich ſicher fand. Man brachte die elenden Pr 
ſonen fogar ums beben, die befleckt worden, und hieb die Ungluͤcklichen nieder, denen 
man bereits alles Vermögen geraubt. Die Anführer erlaubten es, fie befahlen ſogar 
denen Soldaten, allen Ausſchwelfungen weder Ziel noch Maaß zu ſetzen, und keinen 
Rührungen des Mitleidens Gehör zu geben. Ben ſolchen Umjtänden muſte der Orden 
ſowol als Wladislaus ſich nach der Ruhe ſehnen. Dieſer verlangte jemand zu fore 
chen. Siegfried Graf von Schwarzburg Comthur von Graudentz gieng, auf die 
Verſicherung, daß ihm der König die Hand reichen würde, ins kager. Es geſchahen 
Vorſchlaͤge zu einem Waffenſtillſtande, welche von beiden Theilen angenommen wur⸗ 
den. Der Hod,ineifter befand ſich in Graudentz, verfügte ſich ſelbſt zum Könige ins 
lager, und ſchloß den Stillſtand auf folgende Bedingungen. Der Orden gab dem Wla⸗ 
dislao das kand Dobrin zuruͤck, und man einigte ſich, daß auf einer Zuſammenkunft 
alle gegen einander habende Anſpruͤche und Streitigkeiten durch die Könige von Bü 
men und Ungarn als Schiedsleute ausgemacht werden ſolten. Dieſe ſolten ſich verein- 
nigen, den mit Gewalt zu zwingen, der ihre Entſcheidung ſich aus Eigenſinn nicht 
gefallen laſſen wuͤrde. Der Hochmeiſter kannte zwar die Parteilichkeit des Carl Ro⸗ ‚ 
bert Königes von Ungarn, der wider ihn Völker hergegeben: Allein die Perſon des 
Königes von Böhmen Johann muſte denen Polacken wenigſtens eben fo er 
ug fung). „ i 


7 


ö 9. 94. N e 
Der hochmei⸗ Der Hochmeiſter wolte nunmehr dem Lande das erlittene Elend vergeſſen machen 
Rev wird er-Als daher einige Schwermer auch bey ihm um die Erlaubniß anſuchten, die fie hin und 
N wieder in Deutſchland erhalten, im kande Geld ſammlen zu dürfen, um damit zu ex 

Wiedereroberung des gelobten kandes Anſtalten zu machen, ſchlug ſolches Werner 
ab, der wohl voraus fahe, daß ſolche Geldſchneidereien weder dem, der es hergab, noch 
dem, welchem zu gut es geſammlet ward, ſondern blos dem Einſamnnler ſelbſt zu gut 
kaͤme. Man lobte dieſes Verhalten nachher, als der Erfolg erwies, daß der 
meiſter recht gedacht 7). Er dachte uͤberdies auf des landes Sicherheit, und 25 
denen Lithauern in ihrem kande zu thun zu geben, damit fie keinen Einfall in reu 5 
ſen vornehmen könten. Zu dem Ende ließ er bereits den Entwurf zu einem leg 
zuge machen, und das Verzeichniß der Ordensbruͤder entwerfen, welche di 
beiwohnen ſolten. Aber eben dies beförderte ſein Ende. Johann von E 
Sachſe, den aber andere Johann Biendorf, Bienendorf, Bindorf, 
dorf nennen, und zu einem Maͤrker machen 5), wolte gern dieſer Kriegs ve 
mit beiwohnen. Er ſtand aber bey dem Hochmeiſter ſchlecht angeſchrieben. Er 


— 
gen 


bisher ſo grobe Ausſchweifungen begangen, daß Werner ihm abſchlug, mit zu Fe 
i 7 f f Dr + ah e ) 
7) Cont. Dusb. S 4:0; Dlugofl. S. 999 f. dorf, welches ein Ort im Sault def 5e * 
1002. Schutz f. 62:64. thums Magdeburg iſt, woraus der Eont. 


Endor ſo daß B. und F. ausgelaſſen 
79 Senneb. S. 284 5 Siehe Herrn von Dreyhaupts Beſch I 
Ich glaube, es war wirklich einer von Ben: Saalkleiſes. Th. 2. SSS e . 


7 


Werner von Orſeln. 2173 


gehen zu Dürfen. Der gütige Herr entſchuldigte feinen Entſchluß mit dem Mangel der 1330. 
Pferde, die er dem von Bendorf geben muͤſte. Es wuͤrde ſelbiger daher wohl thun, 
wenn er zu Haufe blieb und die Ordensvorſchriften indes beobachte. Hiedurch ſahe ſich 
ſolcher aber der Gelegenheit beraubt, feinen kuͤſten nachzuhaͤngen. Tr gehörte zu des 
1 nen, welche bey einem Einfall alle Keuſchheit aufgaben. Die Enthaltſamkeit, die er 
zu Haufe beobachten muſte, war ihm unertraͤglich. Er ließ ſich durch ſeine Verwandte 
Pferde zuſchicken, und zwar noch mehr, als es ſich vor ihn gehörte. Nun glaubte er die 
Hinderniß gehoben zu haben. Er meldete ſich aufs neue, um in das Verzeichniß derer 
gebracht zu werden, welche dem Fünftigen Zuge beiwohnen ſolten. Aber Werner zelg⸗ 
te ihm jetzt den wahren Grund der bisherigen abſchlaͤgigen Antwort. Er ſetzte vaͤter⸗ 
liche Ermahnungen hinzu, feinen Lebenswandel zu beſſern. Er ließ ihm ſogar die Pfer⸗ 
de wegnehmen und dadurch alle Hofnung abſchneiden, mit zu Felde zu gehen. Dieſe 
Vereitelung der Entwuͤrfe, der Bosheit nachzuhaͤngen, machte den tafterhaften halb 
wahnſinnig. Er fiel aus einer keidenſchaft in die andere. Die Rachſucht bemeiſterte 
fich feiner, und gab ihm den gottloſeſten Anſchlag ein. Er kaufte ſich ein ſehr groß 
Meſſer. Da man ihm eine Scheide dazu geben wolte, ſchlug er ſolches aus, und er⸗ 
klaͤrte ſich, daß er dem Meffer die koſtbarſte Scheide beſtimmt habe, die in ganz Preuſ⸗ 
fen zu finden ſey. Der Verruchte hielt fein Wort. Er führte fein Bubenſtuͤck am 
Abend vor Eliſabeth in der Martinswoche den 18ten Nov. aus. Der Hochmeiſter 
wohnete in der Catharinenkapelle der Veſper bey. Er gieng ganz allein nach geen⸗ 
digtem Gottesdienſte heraus, traf aber gleich an der Thür den Meuchelmoͤrder, wel⸗ 
cher das Meſſer aus dem Ermel zog, und dem Werner ſofort in die Bruſt ſties, ſo 
daß ſelbiger gleich todt zur Erden ſtuͤrtzte. Der Boͤſe wicht ſuchte zu entkommen, des 
Hochmeiſters Hund, den er bey ſich gehabt, fieng aber ein erſtaunendes Bellen an, 
Dies zog beute herbey, und das Blut, welches auf des Moͤrders weiſſen Mantel ge⸗ 
ſpritzt, verrieth den, welcher den Hochverrath begangen. Er ward geſetzt, und Wer⸗ 
ner unter dem Wehklagen des ganzen landes zu Marienwerder im Dom beerdiget 7). 
Dieſem Herrn geben alle Schriftſteller das kob, daß er from, tapfer und Staatsklug 
geweſen. Er war eln liebhaber der Wiſſenſchaften, ſonderlich der Geſchichte, und ihm 
bat der Ordensprieſter Peter von Dusburg die allerältefte Geſchichte von Preuſſen, 

die auf unſere Zeiten gekommen, zugeſchrleben. 5 10 
Aso e I ’ - 9. 95. no = ao x 

Der Sonntag Invocavit 1337 ward zur neuen Hochmelſterwahl zu Mariens 331. 
burg angeſetzet. Sie traf den Luther, einen gebornen Herzog von Braunſchweig ). Luther her, 
Dieſer Herr hieß Luder, Luther, Ludgerus, Lotharius, Lutharius, Ludderus, Braunschweig 
Clotarius, Chlotarius, Hlotarius, welches alles Sefearten eines Namens ) find, wird hochmei⸗ 


* 


TEE FETTE IE A AI 


— — 
25 


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1 


ee e een fraicht ſter. 
Ab eee N 1170 ’ 7 1 N ch 
9 eb. S. 254.255. Schüg f. 64. Cont. Dusb. S. 421. 40. 

„= ne Ag 2285 an 


4 u lee } 1 . g 
— es x) Duell. de Ord, Crueif. P. 1. p. Eid welches Vengtor S. 90. nicht eingeſehen. N 1 


1331. 


174 Geſchichte von Preuſſen. 
nicht aber Ludwig 9) 
wirklicher braunſchweigſcher Prinz geweſen, iſt nicht zu leugnen, da ſolches Urkunden 
bezeugen c). Man iſt aber in Abſicht feines Vaters nicht eins. Die meiften halten 
ihn für einen Sohn Herzog Albrechts des Fetten d). Es hatte dieſer zwar einen Sohn 
Luther e), aber auch einen Bruder dieſes Namens /), welcher letztere wirklich ein 
Marianer geworden 9), und dieſen halte ich vor unſern Hochmelſter, deſſen Vater 
alſo Albrecht der Groſſe Herzog von Braunſchweig geweſen. Schon Otto Herſog 
von Braunſchweig war dem Orden nach Preuſſen zu Hülfe gekommen )). Son; 
derlich leiſtete Albrecht der Groſſe 1265 demſelben Belſtand ). Vielleicht brachte er 
damals feine Söhne Conrad, Otto und Luther mit nach Preuſſen, und wo ſolche 
zum Ritterſchlage noch nicht alt genug, fo mag er ſie da zur Erziehung bis ins nate 
Jahr gelaffen haben. Denn dies thaten die Ritter K). Vielleicht haben ihm aber 
auch die Anſtalten des deutſchen Ordens in Preuſſen fo gefallen, daß er ſolche erſt 
nachher dahin abgeſchickt. Ich glaube zwar nicht, daß ein gewiſſer Ludeco von Braun⸗ 
ſchweig, der ſchon 1276 als Ritter und Zeuge in Urkunden vorkommt J), unſer Lu⸗ 
ther geweſen. Aber dieſer war doch ſchon gewiß nebſt feinen Bruͤdern 1280 im deut 
ſchen Orden nach dem Bericht eines Zeitgenoſſen n), und kommt 1297 bereits als geu 


ge vor 1). Er kann alſo nicht erſt 1299 geboren o), noch ein Sohn Albrechts des 
Fetten geweſen ſeyn. Er hatte ſich im Orden ſchon ſehr verdient gemacht. Iſt er 


gleich nicht der Erbauer der Stadt Neumark p), fo hat er doch gewiß die Stadt 
Gilgenburg, oder wie es erſt hieß, Lilienburg angeleget ), und vielleicht hat ſein 
Freund Dietrich von Altenburg ihm zu Ehren das neu erbauete Schloß Luͤneburg⸗) 
ſo genennet. Der Hochmeiſter Werner hatte ihn erſt zum Ordenstreßler 1 


Rudolph 2), Ludolph a), oder Johann J). Daß er ein 


L 
* 


Y Pr. Samml. B. 1. S. 152. 

2) Sarnic. Annal. Pol. p. 1131. 

a) Deſer. Polon, Elzev. p 352, 
b) Botho Chron Pit. Brunfv. ap. Leibnitz 
T. 3. p. 370. Es iſt auch kein anderer Johann 
von Braunſchweig jemals Hochmeiſter des deut ⸗ 
ſchen Ordens geweſen. Winckelmann braun⸗ 
ſchweigiſcher Stammbaum S. 100. da Hanno 


von Sangerhauſen zu dieſem Kaufe nicht gehö⸗ 


ret. Siehe oben S. 102. 

c) Erl. Pr. Th. 1. S. 827. Pr. Liefr. Th. r. 
© 294. Da heiſt er filius dueis de Brunſw k 

4) Bull. Budaͤus im Leben Albrecht 2 Biſchof 
von Halberſtadt S. 833 Suͤbners Geneal. Tab. 
Tab. 187. Winckelmann I e. S. 100. Haren - 
berg Hiſt Gandersh. Dipl. Tab. 4. p. 407. 
Retmeyer braunſchw. Hiſt. ©. 598 ul. a, m. 
e) Meibomii ſer. T. 3. p 469. 

Y)) Stadboegii Chr. ap. Leibn. T. 3. fer. Rer. 
Brunſw. p. 273. et Botho ap. Leibn. T. 3. p. 356. 

g) Ser. Anonym. Chr. Duc. Brunſw. ap. Ma- 
derum in Antiqu. Brunfw. fagt ausdruͤcklich: 
Filiorum dueis Alberti (Magui) - tres vltimi 


von Lutersberg Pr. Samml. 2. S. 89. 


Conradus, Otto et Luderus Cruciferorum 
dini manciparunt. Dieſer ſchrieb 1280, und 
alſo ein Zeitgenoffe. Raw in feiner Wel 
. S. 05 — — wenn er vol 2 
rad und Luther wären. mesherren, 
und Otto ein Tempelherr . . 
b) Dusb. S. 10g. ee . 
i) Ibid. p. 219. Chr. Sr. Aegidü T. 3. 2 
p. 392 Hartkn. A. u. N. pr. Th. ©. 8 


k) Hartkn, Ibid. p. 261 er 
5 Erl. Pr. Th. 1. S. 714. Ada Bone 
T. 3. p. 288. 8 * 
0 gp. Mader. I. c Br 
u) Erl. Pr. Th. 1. S. 827. Pr. Lieſr. Th. 
n N n 33 
0) Erarb. Conſpect. T. 9 -. 
7) Dus b. nennt den Erbauer Liber: 
terrae Culm. Es hieß aber ſolcher eigentli 


ſel S. 113. * 2 
7) Dusb. S. 40. Senneb. 
r) Dusb. S. 40, ar 


SIERT FE EEE EA 
5 . an Pr 


r 


Luther Herzog von Braunſchweig. 175 

meiſter ernannt ). Nachher aber ward er zum Comthur von Chriſtburg, und folg 
lich zum Ordensdrappirer oder Kämmerer beſtellt r). Von dieſem Amte )) nun ward 
er am Sonntage Invocavit 1331 x) zur Hochmeiſterwuͤrde befördert. Der Hochmeis 
ſter war groß von Perſon, from, andaͤchtig, milde, gerecht, der den Richtern das 
Geſchenke nehmen verbot, und vielmehr umſonſt, ihrer Pflicht gemaͤß, das Recht zu 
handhaben anbefahl. Er hielt feine Brüder zum Gottesdienſt und zu Beobachtung ih- 
rer Ordenspflichten an. Jedoch ließ er es nie an etwas fehlen, was fie nothwendig 
brauchten. Jedermann verknuͤpfte unter ihm den ſchuldigen Gehorſam gegen feine Bes 
fehle mit einer zaͤrtlichen liebe zu ſeiner Perſon )). Man ſorgte daher gleich anfaͤnglich 
vor die kuͤnftige Sicherheit der Hochmeiſter. Es wurde verordnet, daß, fo oft der 
Hochmeiſter öffentlich erſcheinen muͤſte, demſelben jederzeit einige Ritter mit ihrer 
Mannſchaft vortreten, und andere folgen folten. Auſſer diefer lelbwache ſorgte man 
auch, daß auch niemand gegen fein beben einen Anſchlag ausführen konte, der ſich ihm, 


unter dem Vorwande, Sachen anzubringen, naͤherte. Bey Luthers Wahl faſte man f 


den Entſchluß, daß jeder Hochmeiſter ſich einen treuen Ritter ausſuchen konte, der un⸗ 
ter dem Namen ſeines Compans beftändig um feine Perſon ſich aufhalten ſolte. Durch 
ihn ſolte jeder fein Anliegen dem Hochmeiſter vorſtellen, und durch ihn die Antwort 
des Regenten vernehmen. Weil ſich nachmals die Gefchäfte haͤuften, find zwey Com⸗ 
pane von den Hochmelſtern angenommen 2). Unſer Luther machte Servatium Gra⸗ 
fen von Henneberg zum erſten Compan des Hochmeiſters a). Auch wegen des Erzböſe⸗ 
wichts, der den Werner entleibet, wurden hier Ueberlegungen angeſtellet. Es ward in 
einer allgemeinen Ordens ver ſammlung das Verbrechen für ſo ſchwer gehalten, daß man wa 
gen deſſen Beſtrafung nichts veſtſetzen mochte. Vielleicht hatte der von Bendorf auch feine 
Bekannte, die es dahin zu ſpielen wuſten, daß man auf Rath der Biſchöfe und Rechtsge⸗ 
lehrten beſchloß, dieſe höchſt wichtige Sache an den Papſt zu bringen. Der römifche Stul 
erkannte dem Böſewicht keine andere Strafe zu, als daß er im elendeſten Gefaͤngniß bey 
Waſſer und Brod bis an fein Ende verbleiben folte, welche Strafe auch an dieſem 
Elenden vollſtreckt ift )). Vielleicht ſchonte man des Boͤſewichts als eines Unſinnigen, 
oder als eines Gelſtlichen. So wichtig der erſtere Grund, da der Wille von dem 
Verſtande geleitet werden muß, fo unerheblich war der geiſtliche Stand, um die Stra⸗ 
3 ; fe 
9) Leo S. 1444. \ „) So beſchreibt ihn Senneb. S. 285. und 
+) Budaͤus S. 34. Senneb. S. 485. Erl. Waiſſel S. 113. Leo, ein polniſch preußiſcher 


„Th. 3. S. 467. Thornſche Merkwürdig: Schriftſteller, der meift den polniſchen Geſchicht; 
Be Az AR j ger ſchreibern folgt, ſagt von ihm S. 14. Luderus 


5 f homo ſtatura procera - - caeteroqui bonus et 
eee laudabilis fi pacem coluiff:t. Er war friedfers 


i tig genug, aber mit Polen ohne Krieg zu bleiben 
he ee kam >, wie Schu; f." 64 war wider des Orbens Vortheile. 
2 RT 


dern er ward ſolches erſt nach unſers 2) Henneb. S. 286. Leo S. 1 
S. 286. . 141. Sartkn. 
Zuthers Erhebung. Leo S. 141. A. u N. Pr. S. 615. Pr. Samml. B. 1. S. 152 f. 
*) Folglich weder 1321, wie es durch einen a) Ibid. 4 
Druckfehler in Not. ad Count Dusb. p. 423. heiſt 5) Hartkn Senneb. Schuͤtz l. . Waiſſel 
noch 1325, wie Waiſſel S. 113 angiebt. S. 112. 


1331. 


1331: 


Beifpiele ſei⸗ Es ſollen ſolches Beiſplele erwelſen. In der preußiſchen Stadt 
2 gerechtig führte ein Bürger wegen einer Erbſchaft gegen eine Witwe einen Rechtshandel. 


der Witwe und ihrer Jungfer zugeſprochen wurde. Jedoch blieb Huld und 


176 Geſchichte von Preuſſen. 

fe eines Verbrechers zu ee der des Herrn Willen gewuſt und doppelte Streiche 
haͤtte leiden ſollen. Johann von Bendorf, der mit Jacob Clemens, Jean Cha- 
ſtel, Frantz Ravaillac und Frantz Robert Damien einerley Bubenſtuͤck begangen, 
kam alſo weit gelinder als dieſe weg. Solte aber jemand fein ewiges Gefaͤngniß 
bey Waſſer und Brod auch für ärger halten, als mit vier Pferden zerriſſen zu werden, 
fo bleibt doch immer zu bedenken, daß bey ſolchen abſcheulichen Uebelthaten, auch eine 
hart in die Augen fallende Beſtrafung andern zum Abſcheu ene rn Der Hoch⸗ 
n Luther uͤbte ganz anders Gerechtigkeit. 2. 


* 


e 


Ordensrichter war der unzüchrigſte Mann von der Welt. Der Burger wuſte ſoche 
und lieferte ſelbigem fein eigenes Welb in die Arme, um in feiner ungerechten 
einen milden Richter zu haben. Schon damals waͤhrten die Rechtshaͤndel wenigstens 
ſo lange, bis der Richter des Buͤrgerweibes uͤberdruͤßig geworden. Er ſahe die echte 
mäßigfeit der Forderung der Witwen eln, und ſchien geneigt, nunmehr ein uncl 
Recht gemäß zu ſprechen. Seine Unkeuſchheit verleitete ihn jedoch, der, Wicwe e 
Bedingung vorzuſchreiben. Sie ſolte ihre ſchöne Tochter feinen umatmungen übe tlaf 
fen. Weil aber folches der armen Frau zu barbariſch war, ſo verlor fie den Rechts han, 2 
del. Die Verlaſſene klagte dieſe Noth ihren Freunden, und dieſe waren von L r 

Gerechtigkelt fo uͤberzeugt daß ſie ſofort ihm von dem Zufall Nachricht gaben, 
Hochmeifter beleldigen, und des Ordens Herrſchaft ſtinckend machen konte. * 
muſte ein hartes Verbrechen hart beſtrafen. Er wurde durch eine ſcharfe! Unte ſuc 
von der Wahrheit dieſer Frevelthat uͤberzeigt, und fand ſich gemuͤßiget ein ſtreng 
theil zu fällen. Der Richter wurde geſchleift und mit Pferden zerriſſen. Die E Che 
rin auf den Backen gebranntmarkt, unehrlich gemacht und des Landes verwieſen. N Der 
ger geviertheilt, und feine Guͤter eingezogen, davon die Helfte nebſt der ſtreitig 1 


Gemuͤth unſers Hochmeiſters gemaͤſſer, und dieſelbe erſtreckte ſich ſogat bis au die 
wundenen Preuſſen. Bis auf ſeine Zeiten hatten die vorigen Hochmeiſter die S 
ge gegen dieſe Ungluͤckſeligen aufs hoͤchſte getrieben, und doch dadurch nichts we 
gerichtet, als daß dieſelben zu unauf hoͤrlichen Unruhen bewogen wurden. 
zaͤhmte fie durch Gnadenbezeugungen. Er adelte fogar einen gebornen P 
Der Hochmeiſter übte hiedurch zugleich ein Recht aus, welches von ſeiner ober 
gierung abhleng (). Schon zu den Zeiten Burchards von Schwenden ſind 

te unadeliche Preuſſen mit dem Adelſtand begnadiget worden d); gleich na 
dieſes Recht ſehr ſpar ſam in der Ausuͤbung ſich zeigte. Aber Luther 3 


c) Hariknoch A. u. N. Pr. S. 620. bringt Hoe enim privilegium habet bade lic 
eines unbekannten alten Schriftſtellers Worte an: in vfa non habeatun „ n ü 
Magiſter Luderus - - Prutenum nobilitavit. 4) Dusb. S. 297. 0 4 ri 55 1% — 


1 is 
2 


* 


Luther Herzog von Braunſchweig. 17 
Verdienſte der beſten Ordensbruͤder bey angetretener Regierung. Unter andern erhob 1331, 
0 er den Conrad Keſſelhut zum Großcomthur, den Dietrich Burggrafen von Alten⸗ 
1 burg zum oberſten Marſchall, den Johann von Wildenberg zum fandeomehur, den 
* Siegfried von Hoheneck zum Oberfpistler, den Günther Grafen von Schwarze 
burg zum Drappirer, und den Ludolph König, Herrn von Waiſſau, zum Ordens⸗ 
1 treßler e). Auch auf den ganzen Orden gieng feine erſte Sorgfalt. Er erhielt vom 
1 Kaiſer Ludwig 4 die Beſtaͤtigung aller Ordensrechte 7), und vor allen andern bemuͤ⸗ 
hete er ſich, feine Unterthanen gegen Polen zu ſichern. 
5. 97. r 
Der Waffenſtillſtand mit Wladislao gieng zu Ende, und der König machte Sein frieg 
alle Anſtalten zum Kriege. Damit die Deutſchen und Böhmen den Krieg als nicht“. sen 28 
viel bedeutend anſehen, und dem Orden keine Huͤlfe leiſten möchten, wolte er nicht 
ſelbſt zu Felde gehen, ſondern beſtellte feinen Prinzen Caſimir zum oberſten Befehls ⸗ 
haber des Heers. Damit aber derſelbe der Sache deſto gröffern Nachdruck geben koͤn⸗ 
te, machte er ihn zum Statthalter von Grospolen. Das letztere verdroß den Woy⸗ 
woden von Poſen Vincentius Samotuly Nalenc, welcher daher den Hochmeiſter 
in Marienburg beſuchte, ihm der Polen Anſchlaͤge entdeckte, und den erſten Angrif 
nicht zu erwarten rieth. Luther, der bey dem unvermeidlichen Kriege den Aufall 
nicht abwarten wolte, beſchloß, den Krieg in des Feindes Land zu ſpielen. Er gieng 
nach Thorn, um feine Volker zu muſtern, die ſich auf feinen Befehl zuſammen ger 
zogen. Er ernannte den Burggrafen von Altenburg Dietrich, den oberſten Marſchall, 
zum Oberfeldherrn, und den Bruder Otto von Lauterberg zum Unterfeldherrn. Sie 
bekamen Befehl, mit denn Woywoden von Poſen in allen Stuͤcken Rath zu pflegen, 
weil ſelbiger des kandes kundig fen, und den polniſchen Prinz aufzuheben verſprochen 
batte. Der Hochmeister blieb in Thorn, um auf alle Fälle in der Nähe zu ſenn, 
und das nöthige zu beſorgen. Seine Volker giengen an dieſem Orte über die Weich⸗ 
ſel, und Furcht und Schrecken breitete ſich vor ihnen aus. Ob ihnen gleich Brzeſt und 
Jungen Leslau zu überrumpeln nicht moͤglich war, fo konten fie ſich doch bey der 
Belagerung dieſer Plaͤtze nicht auf halten, weil fie den Caſimir aufzuheben gedachten. 
Das Heer eroberte aber Slubcza, das dem Biſchof von Poſen gebörete, und wand⸗ 
te ſich nach Pizdri, wo der Prinz ſich auf hielt. Dieſer hatte aber bereits von dem 
Anzuge der Orvensvölfer Nachricht, und ſich in die tiefſten Waͤlder gerettet. Der 
Soldat, dem ſeine Hofnung fehl geſchlagen, pluͤnderte den Ort aus Rachſucht, ver⸗ 
brannte denſelben aus Erbitterung , und verheerete die ganze Gegend um die Warte 
aus Haß gegen Polen. Er kam endlich mit reicher Beute beladen zu Thorn an. 
Luther, der mit dem Erfolg dieſes Feldzuges ſchon zufrieden ſeyn konte, beſchenkte das 
Heer. Er wuſte aber, daß der Krieg nur erſt angegangen, und ſetzte ſich daher in 
neue 


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* 


72 0 Leo S. 141. F) Ordensdeduct. gegen Seſſen. Beil. No. 14. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Ty. 


= 


1331. 


178 - Geſchichte von Preuſſen. 
neue Krlegsverfaſſung. Er ließ in Deutſchland friſche Voͤlker werben, den König 
Johann von Böhmen, des Ordens Bundesgenoffen, von dem ausgebrochenen Kriege 
benachrichtigen, und ertheilte Befehl, daß aus Liefland und Preuſſen eine gute Macht 
zuſammen ruͤckte. Unter eben den vorigen Feldherrn gieng der zweite Zug von Thorn 
aus durch Cujavien, welches aber geſchont wurde, nach Grospolen. Der Orden 
eroberte die Woywobſchaften Lenczicz und Kaliſch bis auf die einzige Stadt Kaliſch. 
Die boͤhmiſchen Volker blieben über Vermuthen aus, welche, der Abrede gemäß, 
die Stadt Kaliſch mit angreifen ſolten. Des Ordensmacht breitete ſich bis Gneſen 
aus, wo die Polacken den Körper des heiligen Albrechts aus Furcht, daß man ſelbigen 
mitnehmen moͤchte, verſteckt hatten. Allein denen Soldaten war mehr mit andern 
Koſtbarkeiten dieſes Orts gedient. Nun gieng der Zug in die Woywodſchaft Sir ⸗ 
dien, wo auch ziemliche Brandſchatzung eingetrieben wurde. Der Abt des Kloſters 
von Siradien that zwar bey dem Comthur von Elbing, der einen Theil Völker uns 8 
ter ſich hatte, Vorſtellungen, und wolte nichts bezahlen. Aber der Comthur verſtand 
ihn nicht, oder gab ihm doch wenigſtens auf gut deutſch zu erkennen, daß er ihn nicht 
verſtehen wolte. Das Ordens volk gieng jetzt wieder auf Kaliſch los, war aber auch 
jetzt nicht glücklicher. Hingegen wurde Konin in der Woywodſchaft Poſen einge⸗ 
nommen. Um das fernere Einbrechen zu verwehren, warfen die Polacken am See 
Niezamisl Verſchanzungen fieben Meilen lang auf, und verſahen ſolche mit tiefen Ora - 
ben. Man hatte ſolche mit Edelleuten und kandvolk beſetzt. Der Ordensmarſchall 
ſchickte zwar 3000 Reuter die Verſchanzungen anzugreifen. Allein 1 
te anſehnliche Verſtaͤrkung hingeſchickt. Der Sturm darauf war alfo vergeblich. 


gieng dabey ſo hitzig zu, daß man nichts gefangen nahm, ſondern alles niederſties. 5 
Wladislaus ſtand ſeit der Zeit nicht weit vom Ordenslager, aber die Mari 
konten ihn nicht zum Treffen bringen. Bey Konin vermuthete man zwar eine S 
wo der König des Nachts angefallen werden ſolte, aber Wladislaus zog ſich zuruck, 
ließ dem Orden das ganze kager zur Beute, und begnügte ſich, den Ordensvöſtern im 
mer auf dem Fuß nachzugehen, und was ſich zu weit verlief, niederzuhauen. Der Orden 
kam dadurch in gar zu groſſe Sicherheit. Der Marſchall hatte den kandeomthur vor 
Otto von Lauterberg mit dem groͤſten Theil des Heers auf Brzeſt geſchickt, und 
ſchickte den Henrich von Plauen mit einem Haufen voraus. Der Marſchall aber 
fein dager mit ohngefaͤhr 350 Reutern und einigem preußiſchem Fuß volk bey dem Dorf 
Plowcze oder Plewo unweit Radzieiow auf, und blieb ein und eine halbe Melle 
Brzeſt ſtehen. Dieſen Augenblick bediente ſich Samotuly durch neuen Verrath, f 
Gnade feines Königs wieder zu erwerben, da ihn Wladislaus auf feine Seite 
bemuͤhet war. Unter dem Vorwande, Kundſchaft vom Feinde einzuziehen 
Samotuly aus dem lager des Marſchalls in das königliche, und nahm mit de 
Abrede. Den 27ſten Sept. brachten die Vorwachen dem Dietrich von Alten 
Nachricht: daß die königliche Macht in vollem Anzuge ſey. Vincentius wid 
dieſer Nachricht ſo lange, bis Wladislaus unter Beguͤnſtigung eines dicken 


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Luther Herzog von Braunſchweig. 179 


wirklich den Angrif that. Der Soldat muſte daher zu den Waffen greifen und ſech⸗ 
ten, ehe er in Schlachtordnung geſtellt werden konte. Man wehrete ſich tapfer, und 
die Polacken fiengen bereits zu wanken an. Aber eben damals ſetzte ſich Samotuly 
in dem Hintertreffen des Ordens in Bewegung, hieb aber gegen alle Erwartung der 
Ritter auf fie ſelbſt ein, und brachte hiedurch alles in Unordnung, die nothwendig eis 
ne Niederlage der Marianer nach ſich ziehen muſte. Die Polacken machten alles 
nieder, was vorkam. Der Marſchall Dietrich und 6 Ordensbruͤder wurden gefan⸗ 
gen vor den König gebracht. So welt hat die Erzehlung der polniſchen Geſchicht⸗ 
ſchreiber nichts unwahrſcheinliches, und ſtimmt mit dem Bericht des Ordens ziemlich 
überein. Aber nun weichen beiderfeitige Schriftſteller von einander ab. Die polni⸗ 
ſchen ſagen: daß die nach Brzeſt abgeſchickte Volker zwar am Tage der Schlacht den 
ihrigen zu Huͤlfe gekommen, wären aber zu ſpaͤt angelangt, doch zeitig genug, um an 
ihrer Brüder Ungluͤck Theil zu nehmen. Sie wären ebenfals geſchlagen worden. 
Vom Ordensvolk ſey der Verluſt dieſes Tages 20000, oder wie andere gar bes 
haupten, 40000 Mann geweſen, wogegen die Polacken kaum 300 bis soo Mann 
eingebuͤſſet g). Aber Schuͤtz erzehlet den Fortgang dieſes Tages aus der Geſchichte 
Bruder Wigands von Wartenberg, der bald nach dieſer Zeit gelebet, ganz anders. 
Unſere beſer muͤſſen auch dieſen Bericht wiſſen. Nach demſelben hat zwar Otto von 
Lutterberg an der Niederlage des Marſchalls Theil genommen, da er gleich zu An⸗ 
fang der Schlacht zurückgekommen. Aber nach geendigtem Treffen ſey Henrich von 
Plauen nebſt denen Grafen von Schwarzburg und Burgow mit denen Vblkern an⸗ 
gekommen, die Brzeſt ſchon am nächften geweſen. Sie ſammleten die Fluͤchtigen 
und Verlaufenen des Ordensheeres, und griffen die im Nachſetzen zerſtreueten Pola⸗ 
cken muthig an. Der König ließ auf die Nachricht alle Gefangene bis auf den Mars 
ſchall niederhauen, und damals oder in der Schlacht ſelbſt mögen die Comthurs von 
Elbing Hermann von Oettingen, und von Danzig Albrecht umgekommen ſeyn. 
Dietrich von Altenburg erhielt blos die Habſucht des Königs am beben, der ſich auf 
ein erhebliches Löſegeld Rechnung machte. Aber Henrich von Plauen feuerte den 
Muth der Seinigen dadurch an, daß er ihnen das barbariſche Verhalten der Pola⸗ 
cken gegen die Gefangene vorſtellete. Sie fochten daher von Rachſucht und Verzweif⸗ 
lung angeflammt, ſchlugen die Polacken in die Flucht, und befreieten den Marſchall 
aus der Gefangenſchaft. So wie nun nach dieſem Bericht der Verluſt des Ordens 
an dieſem Tage gegen 1000 Mann angegeben wird, ſo ſagt man, daß die Polacken 
im erſten Treffen an 600 Mann eingebuͤßt, und im zweiten Anfall des Henrichs von 
Plauen wenige davon gekommen. Da auch wirklich der Orden ſich bald darauf im 
Stande befand, den Polacken aufs neue die Spitze zu bieten, fo ſiehet man wenig⸗ 
ſtens daraus zur Gnuͤge, daß die Rechnung der polniſchen Schriftſteller vom Verluſt 
beiderſeitiger Heere ſehr uͤbertrieben worden Y). 

| 2 §. 98. 
er Cromerusp. 296 ſ. Leo p. 142 . Sieglers Schauplatz den roten Merz No. 2. 


= f. 65. 66. Waifelp. 4 .. Erl. Pr. B. 4 S. 48. 


1309. 


1331. 
Wird geendi⸗ 
get. 


Krieg mit Polen war das erheblichſte, worauf der Orden zu denken hatte. 


180 GSeſchichte von Preuſſen. 
§. 98. N N 
Luther hatte bereits durch feine weiſe Maasregeln davor geſorgt, daß, wenn 
gleich der Sieg den Polacken guͤnſtig geweſen, ſie ſolchen doch nicht verfolgen konten. x 
Der König Johann von Böhmen war in Polen eingebrochen, und belagerte Po⸗ 
fen. Jetzt bemuͤhete er ſich, das ausgebrochene Kriegsfeuer zu löſchen. Er und 
Carl, Körtig von Ungarn, ſchickten, mit Bewilligung beider kriegenden Theile, Ger 
fandten um das Martinsfeſt ab, einen Frieden zwiſchen Polen und dem Orden zu 
vermitteln. Ihre Mühe war aber vergeblich, da Wladislaus Pommerellen durch ⸗ 
aus zurück verlangte. Luther mufte alſo den Krieg fortſetzen. Auſſer dem Grafen 
von Schwarzburg waren noch mehr deutſche und boͤhmiſche Kriegsvölfer zum Beſten 
des Ordens, unter der Anfuͤhrung des Grafen von Bergen und des Poppo von Ku 
ckeritz, angekommen. Der Hochmeifter entſchloß ſich, abermals in Polen einbrechen 
zu laſſen. Sonnabend nach Eliſabeth giengen feine Völker über die Weichſel. In 
Cujavien verheereten fie alles 14 Tage lang. Gleich zu Anfang des Jahres 1332 rück 
te das Ordensheer vor Brzeſt. Da man den Ort nach dreimonatlicher Belagerung 
durch Hunger zur Uebergabe nicht zwingen koͤnnen, ward am ſtillen Freitage ſolcher ge. 2 
ſtuͤrmt, und damit 4 Tage forgefahren, bis man endlich den aten Oſtertag zur Befper 
zeit den Platz mit dem Degen In der Hand erſtieg. Am Sonntage nach Oſtern w 
Jungenleslau belagert, und bald darauf eingenommen. Nun folgte Gniewkow, 
oder wie es Schuͤtz nennet, Knipgen. Hier befehligte Wladislai Bruders Sohn 
Caſimir. Er uͤbergab den Ort unter der Bedingung: daß er einen frelen Abzug mit 
allen feinen deuten und derſelben Habſeligkeiten haben, und die Veſtungswerke überdies 
ſchleifen ſolte. Ganz Cujavien und Dobrin wurden erobert. Der Orden ſorgte dar 
vor, ſich in feinen Eroberungen veſtzuſetzen. Er ließ verſchiedene Staͤdte entweder nen 
bauen, oder doch beveſtigen. Er legte gute Beſatzungen unter Befehlen gehöriger 
Comthurs hinein. Brzeſt, Konin, Kaliſch, Sirad, Lencziez, Spilen 
Jungenleslau und andere Orte find zu dieſer Zeit beſetzt geweſen. Auch Ste 
pe, worin damals noch brandenburgiſche Beſatzung lag, iſt von dem Orden 
genommen. Denn der dortige Befehlshaber beſchwerete ſich, daß man in Danzig 
fein verlaufenes Gefinde hege, und ließ daher Danziger Buͤrger anhalten. Der Com- 
thur wolte ſolches rächen, ward aber geſchlagen, und daruͤber alles bis an die? bore . 
dieſes Orts verwuͤſtet. Alles, was in Danzig wehrhaft, wurde daher aufgeboten. 
Der Befehlshaber von Stolpe grif zwar dieſe Macht an, ward aber geſchlagen, und die 
Sieger verfolgten die Brandenburger jo eilig, daß fie mit den Fluͤchtigen zug 
Stolpe eindrungen, und auch das unbeſetzte Schloß eroberten. Der Orden 
gleich darauf den Ort an die Herzoge von Pommern abgetreten haben. 


laus hatte alle feine Macht zuſammen gezogen #), und fein Schwiegerſohn Ke 
von Ungarn verftärkte dieſes Heer mit einigen tauſend ungariſchen Völkern. 


i) In dieſem Kriege eroberten die Polacken Cawernick. Senneb. S. 44. und rid 1 


! Luther Herzog von Braunſchweig. 181 
+ mit brach der Konig um Mariaͤ Himmelfahrt durch Maſovien in das culmiſche Ges 
Luther bot ebenfals 
45 die ganze Macht des Ordens auf, und wolte es auf eine Hauptſchlacht ankommen laſ⸗ 
1 ſen. Verſchiedene polnifche Herren misriethen ihrem Könige die lieferung eines Tref⸗ 
K feens, da bey deſſen ungluͤcklichem Ausfall alles verloren gieng, indem einige Vor⸗ 
e nehme in Großpolen abgefallen, und auf Johanns von Böhmen Seite getreten 
waren, der noch immer feinen Anſpruch auf Polen auszuführen dachte, und ſchon eis 
nen groſſen Theil Schleſiens an ſich gebracht. 
daß er lieber durch guͤtliche Unterhandlungen den Feind aus ſeinem Lande bringen, als 
ſich in eine Schlacht einlaſſen muͤſte, von deren gluͤcklichem Ausgange er nicht viel 
mehr Vortheile ziehen konte, da der Feind im Gegentheil bereits zu weit in das Or⸗ 
densgebiet eingeruͤckt war, als daß ſelbiger nicht groſſe Eroberungen machen ſolte, wenn 
das Gluͤck dem Orden nicht guͤnſtig ſich bezeigte. Beide Theile verglichen ſich daher 
über einen Waffenſtillſtand, der bis auf das Dreieinigkeitsfeſt kuͤnftigen Jahres gelten 
ſolte. Alle in dieſem Kriege gemachte Befangene kamen auf freien Fuß, und der Or 
den behielt alle ſeine Eroberungen. Konte Luther wohl mehr durch einen Sieg erlan⸗ 
gen? Wladislaus batte Pommerellen erobern wollen, und verlor noch Cujavien 
und Dobrin 4). Der Hochmeiſter wolte dem Hoͤchſten feine Dankbarkeit für die in 
Biefm Kriege verliehene Huͤlfe bezeigen. Er bauete daher im Kneiphof Königsberg 
eine herrliche Kirche, die er zur Domkirche des ſamlaͤndiſchen Biſchofthums machte, 
welches bisher die Kirche der Altſtadt Königsberg geweſen war ). Er ſchrieb auch 
ein Gedicht von dem leben und der Marter der heiligen Barbara, und erzählte darin, 
wie das Haupt dieſer Heiligen nach Preuſſen gekommen. Es iſt aber zu bedauren, 
daß dieſer Beweis von feiner Staͤrke in feiner Dichckunſt und den ſchoͤnen Wiſſenſchaf⸗ 
ten verloren gegangen m). Denn das iſt eine bloſſe Muthmaſſung „daß der Ordens⸗ 
prieſter Jeroſchin daran mit Hand angelegt u); ob es gleich gewiß iſt, daß dieſer 
Mann, auf Luthers Befehl, um dieſe Zeit 0) die Ueberfegung der lateiniſchen 
Geſchichte von Preuſſen, die Peter von Dusburg geſchrieben, in deutſchen Ver⸗ 
fen angefangen hat. Der Hochmeiſter ſuchte auch des kandes Beſtes auf alle 
mögliche Art zu befördern. Er ließ der Stadt Bartenſtein ihren Hauptfreihelts⸗ 
= 1 P). Vorzüglich zeigte er, wie gern er die öffentliche Ruhe beizubehal⸗ 
3 3 ten 


Kirche, wie es in den PER Beiträgen 
St. 4 ©. 167 heiſt, hat Luther geſtiſtet. 


biet, und richtete bis an die Drewenz groſſe Verwuͤſtungen an. 


x 


VE re 


TER ee 


9 ER p. 1022 ſ. Cromer p. 303. Leo 


Der Hochmeiſter glaubte ebenfals, 


144 N pe 8 Dusb. p. 423. 
Kue f. 66. 67. Budae 


D Erl. Pr. Th 2p. ve, l 286. 309. 
E. n p. 142. Der letzte ſchreibt zwar S. 146 das 
meiſte dem Biſchof von Samland zu, doch ohne 
Grund, und kann ſelbſt Luthers dabey gezeigte 
Verdienſte nicht leugnen. Der Viſchof jorgte, m 
mit des Hochmeiſters Gelde vor die geiſtl 
Gnaden beim 1 ER, Dub. p. 55 
ſchen 


N Doms. Diefe, — ace * mar enburgſche 


m) Hartknoch A. u. N. Pr. Vorrede, Kart: 
knoch Kirchenhiſt. S. 195 f Andere ſagen, er 
habe ſelbſt das Haupt Barbard nach preuſſen 
gebracht. Dusb. S. 130, 

n) Pr. Samml. B. 2 S. 86. 

0 Pr. Samml. B. 2 ©. 84. 85. 

5p) Due b. S. 112. 216. Hareknoch A. u. N, 
Pr. S. 384. Bj. Kirchenhiſt. ©. 181. Einer, ans 
dern Verſchreibung, die unter ihm dies Jahr aus. 
geſertiget iſt, gedenkt Erl. Pr. B. 2 S. 462. * 


1332. 


1333. 


Der 8 Schon vor dem Reglerungsantrit unſers Hochmeiſters hatte der Orden wegen der 
BEN Walen der preußiſchen Biſchoͤfe groſſe Streitigkeiten mit denen Domherren gehabt. 


tode ab. 


1334. 


meiſter, und König Carl von Ungarn, den Polen zum Schiedsrichter vorgeſchlagen, 


182 Geeſchichte von Preuſſen. 
ten wuͤnſchte. Als daher 1333 Wladislaus Locticus mit Tode abgegangen, wuͤſuch⸗ 
te Luther, mit deſſen Sohn und Nachfolger Caſimir im Frieden zu leben. Weil 
jedoch die Unterſuchung beiderſeitiger Anſpruͤche Zeit und Mittelsperſonen erforderte, der 
Waffenſtillſtand aber zu Ende gieng, ſo brach zwar das Ordensvolk in Cujavien ein, 
und nahm das Schloß Pakos mit Bedingungen ein. Es verglichen ſich aber Po⸗ 
len und der Orden wegen Verlaͤngerung des Waffenſtillſtandes bis auf Johannis des 
folgenden Jahres. Indeſſen ſolten Johann, König von Böhmen, den der Hoch; 


die Anforderungen beider Theile auf Pommerellen, Cujavien, Dobrin, Culm 
und Michelau gaͤtlich entſcheiden. Brzeſt ſolte bis zum kuͤnftigen Frieden mit un 
parteiiſcher Beſatzung, entweder des Herzogs von Maſovien Ziemoviti, oder des 
Biſchofs von Wladislaw Matthia belegt, und wenn kein Friede zu hoffen, . fol 
te dieſer Plat dem Orden wieder eingeraͤumet werden J). Die polniſchen Ger 
ſchichtſchreiber behaupten, daß der letztere Punkt dieſes Vertrages vom Hochmeiſter 
unerfuͤllt gelaſſen ſey 7). a 
$. 99. 


Luther hielt forgfältig Über die Ausübung der Rechte, die feinem Orden zuftändig fen 
konten. Nach des Biſchof Rudolphs von Pomeſanien Tode ſchlug der Hochmeifter 
ſeinen Beichtvater Albrecht vor, der auch ohne fernere Streitigkeit dazu gelangte. 
Als aber 1334 Henrich Wagenachs, Biſchof von Ermland, verſtorben, gieng es 
ſo ruhig nicht ab. Der Orden ſchlug den Ordensprieſter Jacob vor, wogegen der mes 
ſte Theil der Domherren den Doctor der Rechtsgelahrtheit Michael waͤhlten. Der 
erfte ſuchte zwar am päpftlichen Hofe feine Sache auszumachen, hatte aber nicht eben 
groſſe Hofnung vor ſich, weil der Papſt dem Orden das Recht nicht geſtatten wolte, 
Biſchofthuͤmer zu vergeben. Nun gieng zwar D. Michael ſchleunig mit Tode bz 
aber Jacob batte davon um fo weniger Nutzen, weil man ihn beſchuldigte, daß er 
deſſen Tod mit Gift befördert habe. Der Papft nahm wenigſtens daher Urſache, Ihm 
ausdruͤcklich alle Rechte auf das Biſchofthum abzuſprechen, woruͤber ſich ſolcher zu To⸗ 
de graͤmte. Der Hochmelſter ertheilte ſodenn, als Stifter, landes und St ur - 
dem Ordenskanzler Hermann das Stift. Aber die Domherren wolten dies Recht 
nicht erkennen, worüber bis an Luthers Tod geſtritten ward g). Auch mit den Lie 
thauern wurden die alten Kriege fortgefegt. Sie hatten zur Zeit des polniſchen rie 
ges feine Ruhe gehalten. Sie hatten Natangen ausgepluͤndert 7), und obgleich der 
Orden, mit Hülfe des Königs von Böhmen, gegen fie zu Felde gegangen 1) ſo 


Urkunde von ihm vor den Abt des Schotten 7) Dlagoſſ p. 1032, Leo p. 1 
Flofers in Wien ſtehet im Duellio P. 2 p. 20. 5) Leo p. 145. 1406. An 5 7 
4) Diugofl. p. 1030, Cromer p. 305. Schü ) Hemneb,p. 330. a 
S ®) Hensel. p. 44 2 


Dietrich Burggraf von Altenburg. 183 


hinderten doch bisher die polniſchen Begebenheiten allen wichtigen Erſolg x). Die 
Lithauer fielen ſogar nachher auch in das Galinderland, und hatten einen Anſchlag ges 
macht, die Einwohner zum Aufſtande zu bringen. Dieſe waren nunmehr jedoch ſchon 
an die Regierung des Ordens gewohnt. Einer von den Preuſſen ſelbſt entdeckte dem 
- Hochmeiſter das Bemühen der Feinde, welches daher leicht hintertrieben werden konte. 
Dieſer Preuſſe iſt es, von dem wir bereits oben bemerkt, daß ihn der Hochmeiſter 
geadelt habe )). Luther konte alſo feine Sorgfalt auf das Beſte feiner Unterthanen 
wenden, welche er durch Begnadigungen bewies. So hat die Stadt Elbing eine 
Beſtaͤtigung ihrer Freiheiten und Gerechtigfeiten von ihm erhalten 2). Damit nun 
kein neuer Krieg mit Polen das Wohl des Landes ftören könte, fo ſetzte Luther die 
guͤtliche Unterhandlungen mit dem Könige Caſimir von Polen ſowol, als denen Kdr 
nigen von Böhmen und Ungarn, welche letztere den Ausſpruch thun ſolten, beftäns 
dig fort. Man war 1335 eins geworden, daß zu Kronweiſſenburg in Ungarn auf 
einer groſſen Friedensverſammlung an einer dauerhaften Ruhe gearbeitet werden ſolte. 
Luther ernannte auch bereits die Abgeſandten, die von ſeiner Seite daſelbſt erſcheinen 
ſolten a). Aber eben die Schwachheit, die ihn verhinderte, ſelbſt zu erſcheinen, ließ 
ihn auch den Ausgang dieſer Sache nicht erleben. Sein hohes Alter hatte ihn gaͤnz⸗ 
lich entkraͤftet. Standhaft fahe er dem Tode entgegen. Da er fein Ende vermerkte, 
ließ er ſich Freitags nach Oſtern in die von ihm neu erbaute Domkirche bringen. Hier 
hoͤrte er noch die Meffe, und gleich darauf ſtarb er mitten unter dem Gebet feiner Uns 
terthanen und Brüder in dieſem Gotteshauſe b), wo er auch Sonntag vor Pfingſten 
in der Chormauer, wohin nachher auch andere Hochmeiſter und preußiſche Herzoge 
begraben find, feine Ruheſtelle fand c). Luther d) macht feinem Haufe Ehre e). 
$. 100, ; 


Am Tage Maria Himmelfahrt, oder den zsten Auguſt 1335 /) ward auf ei, Dietrich 
ner Wahlverſammlung zu Marienburg Dietrich Burggraf von Altenburg zum Hoch, 8 
meiſter erwähler, der alſo weder ein Graf von Oldenburg g), noch ein Burggraf wird hochmei⸗ 


vonſter. 


— 


1334 


Sr r 


— 


——— — ——2 


1335. 


FP 


** 


. 


x) Nach Waiſſel S. 113 hat ein Preuſſe, 
Micke oder Prebille, nebſt andern, 45 Kichauer 
niedergehauen. 

) Sorcknoch A. u. N. Pr. S. 144. Han: 
neb. S. 136 

2) Hartknoch A. u. N. Pr. Addenda ad 
P. 2 p. 282. Er nennt ſich daſelbſt auf eine un⸗ 

gewoͤhnliche Art: Nos Luderus generalis Magi - 
fter et. D. G. natus Dux Brunſy. ; 

a) Cromerus p. 306. Dlugoff. p. 1032. Leo 
p. 146. Müllers Reichstagstheatr. Fr. 5. P. x 

444. Doch iſt unter feiner Regierung der Frie⸗ 


P- 
de nicht zum Schluß gekommen. Hartknoch A. 


u. N. Pr. S. zoo und andere. ? 
0 Leo p. 146. Henneb, p. 286. Budaeus p. 86. 


2 Duell. P. 1 P · E 


c) Leo, Budaeus J. I. e. e. und Henneh. p. 86 
und 209. Obgleich der Dom freilich noch nicht 
ganz fertig war. Duell. b. 1 p. 31. 

d) Sarnicius p. 1138. und Cont. Dusb. p. 424. 
verwechſeln ihn unrichtig mit dem Hochmeiſter Lu⸗ 
dolph Boͤnig. 

e) Am weitläuftigften iſt von ihm gehandelt in 
den hannoͤveriſchen gelehrten Anzeigen vom 
Jahr 1751 St. 4 u. 5. 

f) Leo p. 146. Henneb p. 287. Nicht aber 1329 


Waiſſel, ober 1333 Leuckfeld Antiq. Lefeld p. 62. 


Avemann Beſchreibung der Burggrafen von 
Kirchberg ©. 331. j 

g) Hamelmann Beſchreibung der Grafen von 
Oldenburg S. 125. Huͤbner Gen. Tab. ©. 215. 
Henniges S. 266. Muller Reichstagstheatr. 


2 


1335. 


184 
befördert 7 


Fr. 5. P. 1 p. 44. Dankwarih Beſchreibung 
der holſteiniſchen Lande f. 11. Marp. Beiträge 
St. 4 S. 167. Avemann J. c. p. 331. Venaror, 
Bock u a. Harskn. in not ad Dusb. p. 410. 
hat nicht einmal den Hamel mean recht nachgele⸗ 
ſen, und iſt doch ſeiner Sache ſo gewiß, daß, da 
er in Diſſ. de Republ. Vet. Pruſſ. p. 408. un- 
ſerm Dietrich die Rose rechtmäßig zum Wappen 
angegeben, er doch im A u. N Pr. S. 301. ſtatt 
der Roſe ihm Balken zugeeignet hat 


bj Paul Jovi kirchbe gſche Chronik Mſct. 


Bucelinus Germ. Topo Chrono - Stemmatogr. 
P. 2. Spener Op. Herald P. 2. F. 1. 4. p. Al. 
Sagittarii kirchbergſche Hit. Mſct. Loück/eld 
Antiqu. Ilefeld p. 6. 63. Erl. Pr. Th. 2 p. 422. 
Es hat fie aber Avemann l. c. P. 4. C. 11 p. 331 
widerlegt. * 

i) Bey der Unterſuchung, wer er geweſen, finde 
ich in Urkunden: x) daß er ſich ſelbſt Burggraf 
von Altenburg nennt. Duellius P. 3. p. 67. 
Schürz f. 94 b. u. a. m. 2) der Kaiſer ihm eben 
den Namen giebt. WIäller J. e. P. 1 p. 444 de 
Ludwig Rel. T. 1 p. 338. Luͤnichs Reichs archiv. 
Th. 7. vom deutſchen Orden S. 6. 3) auch alte 
Geſchichtſchreiber ihn fo heiſſen, Schuͤtz, Waiſ⸗ 
ſel, Senneb. Dlugoſſ. 4) und daß er eine Noſe 
im Wappen geführet, Schatz, Waiſſel, Sen⸗ 
neb. Hartknoch, Diff. de Republ. Pruſſ. Ich 
ſuchte alſo ein Altenburg, deren Herren Burg⸗ 
graſen geweſen, und eine Roſe im Wappen fuͤhr⸗ 


ten. Die Schriſtſteller nannten ihn einen Sach⸗ 


ſen. Unter den Orten, die Altenburg hieſſen, 


war wohl der bekannteſte die Stadt Altenburg 
Henricus 1272. 


Albertus 1210. Theodor. 2 
Albert 1250. 
— An — 
Albert 1273. Theodor 1282. Heinrich 1271. 
— 
eint Theodor Jun. Albert 1303. Theodor. 
* | = | Hochmeiſter. 
Albrecht. Eliſabeth, ver⸗ 


= maͤlt an Otto Burggra⸗ 
fen von Leisnie. 


k) Leo p. 146. Henneb. p. 287. Waiſſel p. 116. 


Schurx f. 67. 


Geſchichte von Preuſſen. | 3 


von Kirchberg, altenbergſcher Linie /), ſondern wirklich ein Burggraf von Alten⸗ 

burg geweſen 1). Seine Tugenden, Alter und vorige Aufführung hatten feine Wahl 

da er bereits go Jahr gelebet hatte K.) Sein Haus hatte ſich ſchon um den 
Orden verdient gemacht ). Er ſelbſt war ein Sohn des Burggrafen Wee 


"Pruffia geſta ſunt, tangere nolumus. 


* 


an der Pleiſſe in Sachſen, die jetzo die Haupt⸗ 
ſtadt des Fuͤrſtenthums gleiches Namens iſt, wel 
che ehemals kaiſerliche Burggrafen gehabt. Aus 
Leiberi Catal ap. Mencken T. 3 p. 1823 L. konte 
ich kein Licht bekommen. Nun fand ich in Kr 
fig hiſtoriſcher Bibliothek von Oberſachſen 
Seck. 2 p. 268. daß der um Altenburg ſehr ver 

diente M. Paul Martin Sagittarius eine } 
richt von den Burggrafen von A we 
ben, aber es ſey ſolche noch eine bloſſe Handſchrift. 
Endlich fielen mir des feel. Herrn Rector Schott ⸗ 

gene duo Programm. de Burggr. Alsenb, in die 
Hande, und ich geftehe es, daß ich hieraus 
ſern Dierrich kennen gelernet. Er handelt 
ihm Pr. 1. H. 16. und ſagt p 18. Quse ab ip 


ein, baß er 1) ein Burggraf, 2) von A 
oder Aldenburg Pr. 1. $. 16. geweſen; 
Roſe, wie die uͤbrigen ſeines Hauſes, im 
gefuͤhret Pr. 2 8 25 p 29 Abdruck 
tenburgſchen burggraͤflichen Wapens ft 
Menckii fer. rer. Germ. T. 3 p. 1039. Fig 
dieſer Sammlung erhielt ich aus Albim 
Coniit. Leisnic und Schwarzii Append. 
tiſſ. diplom. ad Hiſt. Com. Lei nic, von 
burggraͤflich altenburgſchen Hauſe noch m 
Licht. Die allerbeſte Nachricht gab mir de 
wig Rel. wo T. 12 p. 512 [. eine Nachricht 
Hauſes ſtehet, die nach der Praͤfation 


den erwleſen zu ſeyn erkenne. 


I) Mencken T. 3. Ser. Rer. Germ 
not. de Ludwig Rel. T. 5 p. 103, 


Dietrich Burggraf von Altenburg. 185 


gefehr 1255 geboren m), und mag ſich ſodenn bald haben einkleiden laſſen. 1307 balf 1335. 
er nebſt der übrigen Beſatzung von Ragnit die lithauiſche in der Veſtung Biſene abs 
5 geldſete Völker überfallen), und faſt ganz zu Grunde richten 0). Unter dem Hochmei⸗ 
fſter Carl Beffart wurde er mit der Befehlshaberſtelle von Ragnit verſehen, welcher 
4 er fo wohl vorſtand, daß nicht nur 1315 die Lithauer die vorgenommene Belagerung 
dieſes Orts aufheben muſten 507 ſondern er uͤberrumpelte auch 1316 nach geſchlagener 
Beſatzung die Veſtung Biſene J). Kurz vor der Hochmeiſterwahl Werners von 
Orſeln gieng Dietrich 1324 mit 44 Rittern und 400 Mann Soldaten vor die neuer⸗ 
baute Stadt Wilna in Lithauen, uͤberrumpelte den Ort, hieb alles nieder, und ſteck⸗ 
te die Stadt in Brand 7). Er ward hierauf unter dem Werner „Comthur zu Bal⸗ 
ge ). Er legte ſodenn das Staͤdtgen Luͤneburg an, zu deſſen Aufbauung er höhere 
Erlaubniß auswirkte, und die gefangene Lithauer brauchte 7). Nach Luthers Wahl 
1337 ward er oberſter Marſchall des Ordens u). Der Burggraf bewies, wle wuͤr⸗ 
dig er des Marſchallſtabes ſey. Der ganze Krieg Luthers mit Polen ward durch ihn 
gefüͤhret. Cr überlegte mit dem Hochmeiſter den Entwurf, und feine Fauſt führte ſol, 
chen aus. In der groſſen Schlacht bey Plewo 1332 wagte er ſich dergeſtalt, daß er 
in feindliche Hände gerieth. Er ward aber aus der Gefangenſchaft wieder befreiet x) 
Seit der Zeit half er die allgemeinen Sandesangelegenheiten, und ſonderlich den Ans 
bau der Stadt Bartenſtein beſorgen )). Endlich wurden ſeine Verdienſte mit der 
Hochmeiſterwuͤrde belohnt, worauf er ſich 1335 gute Ordensgebietiger wählte. Bars 
thel von Lompau ward Großcomthur; Heinrich Duſner Marſchall, Valerian 

von Hitten kandcomthur, Otto von Lawingen Spitler, Otto von Degenfeld Drap⸗ 
pirer, Albrecht von Niederthor Treßler und Henrich von Buolach vielleicht Buͤ⸗ 
low ſein Compan 2). | 


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Der Beſitz des Ordens von denen Ländern Culm, Pommerellen, Cujavien, Zwirhen Bar 
Michelau und Dobrin war auf verſchiedene Art erhalten und bisher von Polen — hama ; 
- n 0 Schri Z 
m) Denn 1335 war er 80 Jahr alt. r) Dusb. S. 111. 410. Der Ort hieß an 
n) de Ludw, Rel. T. 12. p. 543. Seit 1301 Löôwenburg wie Leuckfeld 1. c. noch Limburg, 
mag er in Preuſſen geweſen ſeyn, denn damals wie de Lad. Rel. T. 12. p 543 lagen, ſondern 
unterſchrieb ſich fein Bruder pro fe et fratre fao Küneburg jetzt Leuneburg. Henneb. S. 254. 


Tbeodorico 8 Mencken, J. e. T. 3. p. 1183. Barrknoch A, u. N. Pr. S. 496. 
) Dusb. S. 364. 
2) Ibid p 385. 0 ) Leo S. 19. 
7 Henneb. S. 390. x) Siehe das Leben des vorigen Hochmeiſters. 


r b. ©. 400 Seit zwar da Tho⸗ 
we Se 4 Ah mag Th. ) Geſammlete Nachrichten Th. 1. S. 182. 
geſtanden haben, woraus ſtatt Theodor. Thos Zenneb ©.29. Hartfnoch A. u. N Pr. S. 384. 
mas gemacht iſt. Siehe auch de Ludw. Rel. Daher gehörte die Stadt unter den Convent zu 
T in p 547. Eben einen ſolchen Fehler, wo Dalge weil ſchon Dietrich als Comthur von Bal⸗ 
aus Theodor. Thomas gemacht iſt, bemerkt ge vorher den Anfang zum Bau 1326 gemacht ha⸗ 
man in Dusb. S. 262. 265. 285. ben mag, und ſolchen 133 fortiegen ließ Leuck⸗ 

s) Durb. S. 410. In dieſem Amt kommt er feld 1, e. nennt den Ort fall) Wartenſtein. 
2327 als Zeuge vor. Erl. Pr. Th. 3. S. 467. 2) Leo S. 148. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. A a 


186 Geeſchichte von Preuſſen. 

1335. Schriften ſowol, als mit dem Degen in der Hand angefochten. Beide ſtreitende Par⸗ 
frieden zum teien hatten ſich ſchon mehr als einmal dahin verglichen, daß alle dieſe Streitigkeiten 
ſtande. durch die Könige Johann von Böhmen und Carl von Ungarn entſchieden werden 

ſolten a). Man blieb hiebey, obgleich der Kaiſer Ludwig 4 feinem Sohn dem Chur ⸗ 
fürften von Brandenburg Ludwig dem Altern ebenfals aufgetragen, zwiſchen Polen 
und dem Orden eine Vermittelung zu Übernehmen 6). Wir wiſſen, daß ſchon eine 
Friedens verſammlung zu Kronweiffenburg in Ungarn veranlaffe worden. Aber Lu⸗ 
ther war vor dem Abſchluß des Friedens geſtorben. Unſer Burggraf Dietrich von 
Altenburg brachte dieſe Sache zum Schluß c). Von Seiten des Ordens waren Hen⸗ 
rich Reuß von Plauen tandcomthur von Culm, Marquard von Sparenberg 
Comthur von Thorn und Conrad von Brunnenſtein Comchur von Schwetz zu die 
fen Friedensunterhandlungen abgeſchickt d). Gegen das Feſt aller Heiligen kamen 
ſehr anſehnliche Herrſchaften auf der Friedensverſammlung an. Auſſer denen preußi⸗ 
ſchen Geſandten befanden ſich der König von Polen Caſimir, der König von Böh⸗ 
men Johann, der Koͤnig von Ungarn Carl gegenwaͤrtig. Ein jeder von ihnen 
brachte eine anſehnliche Begleitung mit. Der königlich boͤhmiſche Prinz Carl Marg 
graf von Maͤhren, der Herzog Rudolph von Sachſen Wittenberg, der Herzog 
Boleslaus von Lignitz, der Biſchof von Meiſſen Vitgo, der Biſchof von Olmüg 
Johann, Timon Graf von Colditz, Heinrich Graf von der Lippe, vielleicht Leipe, und 
eine groffe Anzahl ungariſcher benachbarter groffer Herren waren ebenfals gegenwärtig e). 
Der König von Ungarn ſparte keine Koften, alle dieſe Gaͤſte aufs beſte zu bewirthen ). 
Die Anſpruͤche der Polen und des Ordens wurden genau unterſucht, und die von 
den Theilen uͤbergebene Scheiften in genaue Erwegung gezogen ). Endlich erfolgte 
den 26ſten Nov. die Unterzeichnung des Friedensſchluſſes. Polen ſolte Cujavien und 
das Sand Dobrin, der Orden aber Pommerellen, Michelau und das culmiſche 
Gebiet behalten. Die Veſtung Neſſau und Orlow ſolte in den Haͤnden des Ordens 
verbleiben, beide Theile gegen einander Verzicht thun, und beiderſeitige Ueberläufer ber 
gnadiget werden ). Der Herzog Wladislaus von Lenczicz und Dobrin ſagte ſich 
von allen Anſpruͤchen loß, die er wegen der Schäden machen konte, welche der Orden 
in feinem kande bisher verurſachet hatte v7). Der König von Böhmen chat freilich 
bey denen Friedensunterhandlungen alles mögliche vor den Orden. Allein da die Pos 
lacken ihn einer groſſen Parteilichkeit beſchuldigen, ſo ſetzen ſie immer voraus, a 
Rechte Wladislai auf Culm und Pommerellen unftreitig geweſen, en — 


- ze N 
) Siehe die vorige Regierung. 7) Bonfnius de Reb. G- Dec. 2. L. 9 
b) d Ludw. Rel. T. 2. p. 291. 0 p 35 S 
c) Gemeinhin ſchreiben faſt alle Schriftfteller, Diugoff. p. 8 ou N 
> Frieden, obwol falſch, dem Hochmeiſter p- 8 en DUB 5 7 vr; 
uther zu. 5 DI 0 & Bot r 
d) Diugoff p. 1032. 1033. Adta Boruſſ T 3. 8% P. 1035 Cet Act Boruſf T. > 
p. 546. ur 3 eſearten der amen Pr 545 l. haben die hieher gehörige Urkunde. 
will ich mich nicht aufhalten. ) Die Urkunde ſtehet in de Ludw. Re 
e) Dlageſſ. p. 1033. Ada Boruſſ. T. 3. p. 345. P. 604. 29 


—. 


f Dietrich Burggraf von Altenburg. 187 


fich nicht behaupten H. Auſſer dieſer Angelegenheit wurde zwichen Böhmen, Po⸗ a 


l 

| len und Ungarn gegen den Kaifer eine Verbindung geſchloſſen, der aber der Orden 
zicht beitrat. Johann von Böhmen ſagte ſich von Polen, Caſimir aber von 
1 Schleſien loß. Es iſt folglich dieſe Zuſammenkunft ſehr merkwuͤrdig geweſen ). So⸗ 
bald der Friede mit Polen berichtiget, glaubte Dietrich beſtaͤndige Ruhe zu genuͤſſen. 
Er bekam aber 1336 hinlaͤngliche Nachrichten, daß die Polacken allerley Vorwand ſuchen 


|: 

wuͤrden, den Kronweiſſenburger ſchiedsrichterlichen Ausſpruch anzufechten. Als Er 

codiaher Caſimir von ihm die Uebergebung von Cujavien und Dobrin laut dem Aus, g 

1 ſpruch verlangte, fo bezeigte der Hochmelſter, daß er dazu bereit ſen, ſobald nur die 

I polniſchen Stände den Ausſpruch genehmigen würden, um vorzubeugen, daß nach 

Erfüllung deſſen, was er auf feiner Seite herauszugeben bewilliget, die Polacken an 

ihrem Theil die Erfüllung nicht ſchuldig blieben m). 

102. 

1 Weil auch die Lithauer indeſſen die vorigen Näubereien fortſetzten, und ſich des Gegen Lit⸗ 

1 Grenzorts Pullen, welches aber nicht Pillau geweſen, als eines Raubneſtes gegen bauen aber 

1 Preuſſen bedieneten, fo wandte Dietrich alle Mittel an, ſich davon zu befreien. — — a, 

1 Der Marggraf Ludwig von Brandenburg, Berthold Graf von Henneberg, und r 

1 ein Graf von Namur brachten einige Völker dem Orden nach Preuſſen zu Huͤlſe. 

Mit dieſen wurde das Schloß Pullen angegriffen, und nach recht verzweifelter Gegen 

1 wehr zwar erſtiegen; allein die Einwohner, die Beſatzung und ihre Anfuͤhrer hatten 

1 den Ort ſchon überall angeſteckt, und ſich meiftens ſelbſt umgebracht. So wie die 

1 ‚Bürger von Mumantus den Tod weniger als die Herrſchaft der Roͤmer fuͤrchteten, 

1 ſo wolten die Einwohner von Pullen lieber das Leben als ihre Freiheit und ihre Re⸗ 
ligion verlieren. Ob alſo gleich vor der Belagerung die Lithauer groſſe Koſtbarkeiten 
in dieſen veſten Ort gefluͤchtet hatten, fo fraſſen doch die Flammen dieſe Reichthuͤmer, 
und alle Bemuͤhung, das Feuer zu löfchen, hatte kaum den Nutzen, daß das Ordens; 

volk einiges Vieh erbeutete. Der Befehlshaber dieſer Veſtung Marger, der ſich 
bis aufs äuſſerſte und letzte gewehret hatte, hieb endlich feine Ehegenoßin nieder, und 
fiel in fein eigen Schwerdt. Dietrich begnuͤgte ſich nicht mit Zerſtörung dies 
ſes Raubſchloſſes u), ſondern legte auch zu beſſerer Beſchuͤtzung des dem Orden unters 

£ Aa 2 worfe⸗ 


mit zuletzt ſelbſt den Kopf geſpalten. Der Kai⸗ 


k) Diugoff. p. 1032. Pr. Liefr. Th. 1. S. 654. 
fer Ludwig 4 mag dieſen Zug fremder Kriegs voͤl⸗ 


Das gehet uns nicht eigentlich an Raynald 


ad h. a. n. 7. T. 16. p. 4. Ibid. n. 57. p. 16. 
) Dlugeſſ p. 1036. Schürz. f. 68. Raynald 
ad 1336. T. 16. p. 16. 

) Schug f. 68. Dlugoſſ. S. 1037. 1038. 


Die Namen der Anführer der Huͤlfsvoͤlker muß 


man nur errathen. Vielleicht hieß der Graf von 
Tramur Mauſolphus. Garzaͤus S. 1. Der 
Ort wird ſalſch Pillau genannt, in de Ludm. Rel. 
T. 12 p 544. Marger hieb ſelbſt einem nach 
dem andern den Kopf ab, und ein Frauenzimmer, 

das ihm in dieſem Gefchäfte beiſtand, hat über 


100 Mann mit einer Axt entleibet, und ſich da: 


ker wohl hauptſächlich veranlaſſet haben, weil der 
Orden noch immer es mit ihm, ſo wie Polen 
mit ſeinem Todfeinde dem Papſt hielt, und weil 
er beſonders dieſem Hochmeiſter Dietrich von Als 
tenburg einen Gefallen thun wolte, da er die bis⸗ 
herige Reichsburgſchaft Altenburg nebſt dem gan⸗ 
zen Pleiß nerlande feinem Fidam Friedrich Marg⸗ 
grafen von Meiſſen und Landgrafen von Thuͤ⸗ 
ringen verpfändet hatte. Tob. Schmidt Chr. Cy- 
nei P 1 Sc. 2 c 1 p. 210. Schörrgen deBurggr. 
Altenb. rc 2. $. 23. p. 73, worauf dech Die: 
trich einen Anſpruch hatte. 


— — 


188 Geſchichte von Preuſſen. 
u worfenen Lieflandes die Veſtung Marienburg an, konte aber wegen flarfer Bio . 
ſetzung der Unchriſten den Bau nicht gleich vollenden ). Auf der andern Seite ließ 
er die hochmeiſterliche Wohnſtadt Marienburg nach damaliger Art mit Mauren, 
Thuͤrmen und Graben beſſer beveftigen, und darinnen die Haupckirche bauen, in wels 
cher die hochmeiſterliche Gruft angeleget, auch für die Ritter, die zu dieſem Ort ges 
höreten, ein eigener Gottesacker beſtimmt wurde p). Bey dem Schloß ant 
Eylau, ließ der Hochmeiſter eine Stadt anlegen J), und die Stadt Welau 
337. bauen 7). Gegen die Lithauer kamen 1337 abermals fremde Kriegsvölker dem Orden 
zu Hülfe. Der König von Böhmen Johann, der Herzog von Burgund, Hen 
rich 14 Herzog von Niederbayern, ein Schwiegerſohn des böhmifchen Königs Jo, 5 
hann, Herzog Wenzel von Lignitz, ein Pfaltzgraf bey Rhein, ein Graf von Pie 
mont und ein Graf von Hennegau waren deren Anführer g). Der Hochmeiſter 
gieng nunmehr auf die Lithauer los, und ließ dieſem lande die Hitze des Krieges fuß f 
len. Sodenn bauete er die lieflaͤndiſche Veſtung Marienburg aus, und verſorg - 
te folche mit allen Nothwendigkeiten. Es ward noch überdies das ſchon vormals ame 
gelegte Schloß Bayern ausgebauet 2). Der Herzog Henrich 14 von Bayren lel⸗ 
ſtete hiebey alle Hülfe, daher ihm zu Ehren der Ort theils den Namen bekam, theils 
ſolcher das bayriſche Wappen zum Stadtwappen erhielt, theils die Verabredung ger 
nommen wurde, daß dieſer Ort die Hauptſtadt aller lithauiſchen Eroberungen und ei ⸗ 
nes daſelbſt zu errichtenden Erzbiſchofthums werden ſolte, unter dem ganz Athauen in 
geiſtlichen Sachen ſtehen muͤſte. Dieſes bekraͤftigte der Kaifer Ludwig 4 aus den 
Haufe Bayren nicht nur, und that auf alle Anſpruͤche Verzicht, die das bay 
Haus jemals darauf machen könte; ſondern ſchenkte auch dem Orden ganz Lithe 
Es iſt merkwuͤrdig, daß der Kaiſer in dieſer Urkunde unſern Hochmeiſter Die 
Burggrafen von Altenburg feinen lieben Reichsfuͤrſten nennt, und dieſes Ehr 
als etwas dem Hochmeiſter gehöriges braucht u). Damit aber das Einfallen den Lit . 
noch beffer verwehret wuͤrde, ließ Dietrich an den Beemyen Devf Or EEEn werfe 


8. (+7 8 
Polen ſucht Der Hochmeifter, der einige Irrungen des Ordens mit dem Kiofter Olir 


en de legte y), wünſhe den Kronweiſſenburger Ausſpruch erfüler zu fegen, Polen 


e) Schutz f. 68. 1) Die merkwuͤrdige Urkunde ſtehet v. vol 
p) Henneb S. 267. 268. waiſſel S. 116. in Act. Boruſſ. T. 3. p. 549. ſehler 
Pr Todestempel S. 144. Lud. Rel. T. 1. p. 336. und am beſten in 
4) Senneb. ©. 129. X. A Th. 7. vom deutſchen Orden ©. 6. 
1) Erl. Pr B. 4. ©. 676. 680. Geſamml. Hochmeiſter Henrich von Plauen ließ ſie 
3 Nachr. Th. 1. S. 118. dimiren. Vlugoſſ. S. 923. begeht alſo e 


) Schüg f 69. Duell P. 1. S. zi. Dubra: ler, wenn er die Urkunde von 1357 beim d 

Pius nennt auſſer dem Könige von Boͤhmen Jo; anbringt Er hat eine 3 mit einer o 

hann deſſen Sohn Carl, den Herzog von Bayern Der Hochmeiſter heiſt hier: Ven 

Benrich, den Grafen von Hanau Wilhelm, und Theodoricus Burgeravius de Aldei 

den Grafen von Berg Adolph. Dubravius Hiſt. general is Princeps nofter et Iwpert 

Behem, L. 21. p. 174. 8 *) Schutz le Diugeſſ ad 1339. p. 105 
5) Schürz I. c. 2) Pt. W Th. 3. S. 92 su A 


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* 


Dietrich Burggraf von Altenburg. 189 


gegen ſuchte einen Vorwand zum Frledenebruch. Caſimir ſchickte daher einen ver / 1337. 
ſchmitzten Geiſtlichen an den Papſt Benedict 12. Dieſer wuſte nicht nur die Exger ſeiedens anzu 
benhelt des Hochmeiſters gegen den Kaiſer Ludwig 4 lebhaft vorzuftellen, ſondern gab fechten. 
fich auch ſonſt alle mögliche Mühe den paͤpſtlichen Stul zu vermögen, den Kronweiſ⸗ 
ſenburger Ausſpruch vor nichtig zu erklären 2). Dietrich hatte hievon genaue Nach⸗ 
richt a). Er hielt daher eine allgemeine groſſe Ordensverſammlung zu Marienburg 
am Bartholomaͤustage h), und bemuͤhete ſich hauptſächlich, durch die damals in 
Preuſſen anweſende fremde Herrſchaften, ſonderlich durch den König von Böhmen 
n und deſſen Prinzen den Marggrafen von Mähren Carl, Polen zu Erfüllung 
des ſchieds richterlichen Ausſpruchs zu vermögen. Man kam in der That etwas näher. 
Der König Caſimir von Polen raͤumte diejenigen Platze, welche er etwa in Pom⸗ 
merellen noch beſetzt hatte, und verwies das fand an den Orden c). Der König 
Carl von Ungarn und feine Gemalin Eliſabeth des polniſchen Könige Wladislai 
Tochter und Caſimirs Schweſter, leiſteten vor ſich und ihre Erben auf Culm, Mi⸗ 
chelau, Pommerellen, auf die Veſtung Neſſow und die Orte Orlow und Morin, 
dem Kronweiſſenburger Ausſpruch gemaͤß, Verzicht, wenn nach Caſimirs unbe, 
erbtem Todesfall die Krone Polen auf ſie fallen ſolte d). Hingegen uͤbergab der 
Hochmeiſter Dietrich und der deutſche Orden wirklich Brzeſt ſowol als Dobrin dem 
Könige und der Krone Polen durch eine öffencliche Urkunde e). Demunerach tet ars 
beiteten die Polacken noch immer am päpftlichen Hofe gegen den Inhalt dieſes Ausſpruchs. 
Sie bearbeiteten ſich fo ſehr, und liẽſſen es ſich fo viel koſten 7), daß der Papſt endlich 
1338 zwey Bevollmächtigte ernannte, und nach Polen abſchickte, die eine bereits ent⸗ 
ſchiedene Sache nochmals nach der Polacken Willen unterſuchen ſolten. Dieſe lieſſen den 
Hochmeiſter an zwey polniſchen Orten dffenchich vorladen, den aten Febr. des folgenden 
Jahres vor ihrem vermeintlichen Richterſtul in Warſchau zu erſcheinen 9). Dies 
trich ſcheuete zwar nicht das Recht. Aber was hatte der Papſt vor einen Grund ſich 
in dieſe mit beider Theile Bewilligung durch Schiedsrichter entſchiedene Sache zu mi⸗ 
ſchen? Der neee e Richter, da er voraus ſehen konte, wie 
das Urtheil von Polen einſeitig erbetener und gedungener Geiſtlichen lauten würde, 
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1338. 


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. er 2 Raynald. ad 1335 No. 57. T. 16. P · 16. 
1 2 a 1337. p. 1038 f. Schütz f. 60. 
7 2 zeigte daher dem Papſt feine Bereitwil⸗ 


ligkeit an, den Frieden zu halten. Raynald ad 1336. 


No. 62 p. 43. 
) Dies zeigt eine Urkunde beim Duell Th. 3. 
D. 67. Ich merke aus dieſer Urkunde an, daß fo 


darin der Hochmeiſter nennt Bruder D 


Burggraf von Altenburg Hochmeiſter u. ſ w. 


Er benennt darin zwey Compans, nemlich Sen⸗ 
rich Cromihsvelt und Albrecht 


von Aeſten, 


und folglich iſt es wohl falſch, daß vor Winrichs 
von Bniprode Zei 


ten nur allemal ein Compan ges 
weſen. Pr. Samml. B. 1. S. 133. 


e) Dubravius L. 21. Hiſt. Boh. p. 174. 

d) Pr. Samml. Th 2 S. 591, 593 f. da die An⸗ 
merkungen leſenswerth ſind. Unter den Zeugen 
ſind Adolph von Bergen, Wilhelm von Ars⸗ 
berg, Henrich von Schwarzburg und Sieg; 
fried von Wiegenftein, Grafen, und die Frei⸗ 
herrn Arnold von Blancken 
Bergow, und Cuntz von uwielleicht Co⸗ 
lurz. Der Uladko Dux Dobrinonſis iſt der oben 


angeführte Wladislaus. 1 00 
) Sie ſtehet in Pr. Samml. Th. 3. S. 327. 
Y Raynald. ad 139. No. go, p. 109. 

8) Dlageſſ ad h. a; p. 1043. 


„Otto von 


1338. 


Der orden 3 N 5. * 
„ Das Schloß Bayern ſtand in Gefahr verloren zu gehen. Zweene 


Lithauer, 


Streitigkeiten mit dem paͤpſtlichen Stul beipflichtete. Der Karfer hingegen bezeugte 
ſich bey aller Belegenheit, daß ihm des Ordens Beſtes am Herzen liege. Er hatte in 


letztern unſtreitig Preuſſen zu zaͤhlen 1). N 7. 


1900 Goeſchichte von Preuſſen. 
die der Papſt, der Felnd des Kaiſers, abgeſchickt hatte, dem der Orden in 


Ar 


dieſem Jahr, da er mit dem Könige von Böhmen Johann nicht zum beften ſtand, 
mit der Krone Polen ein Buͤndniß geſchloſſen, aber darin ausdruͤcklich den et 
Orden ausgenommen 5). Dieſes Merkmal Faiferlicher Neigung bewog den Hochmeis 
ſter, beim Ludwig 4 um Beiſtand gegen das anmaßliche Richteramt des Papſts ans 
zuhalten 1). Der Kaiſer war eben damals mit den deutſchen 9 | 
Frankfurt im Begrif, Deutſchland feine alte Freiheit zu verſchaffen, und denen 
Anmaſſungen des Papſts mannlichen Widerſtand zu thun A). Dieſerhalb gab er dem 
Hochmeiſter, der wegen feiner deutſchen lande als ein Reichsfuͤrſt und Mitſtand, wegen 
ſeiner mit Blut erworbenen preußiſchen, lieflaͤndiſchen und anderer auswärtigen 
Staaten als ein nur von Gott und dem Degen abhängiger Herr anzuſehen, den Auf⸗ 
trag, in feiner Streit ſache mit Polen, bey Verluſt aller Reichslande und vom Reich er 
haltenen Gerechtigkeiten, ohne kaiſerliche Erlaubniß keinen einzigen Richter zu erkennen. 
Ludwig verſprach zugleich des Ordensſache als ſeine eigene anzuſehen, und im Fall der 
Moth die deutſchen Ritter zu ſchuͤtzen ). Es iſt dabey nicht auſſer Acht zu laſſen, 
daß der Kaiſer zwar, wie es ſich gehötete, in der hieher gehörigen Urkunde un 
Dietrich einen Reichs fürſten nennet m), aber ſehr genau die Länder unterſcheidet, die 
von ihm und dem deutſchen Reich zu tchn giengen, von denen Staaten, die der Orden 
durch Vergieſſung feines Bluts von denen Unglaͤubigen erobert hatte, zu n 


A 


$. 104. 


die auſſerlich das Chriſtenthum angenommen, aber im Herzen als Veraͤchter n 
ſich bezeigten, nahmen die Abrede, den Platz zu verrathen. Der eine ſolte die Li 
thauer zur Belagerung bewegen, und bey dieſer Feinde Annaͤherung ſolte der } 
den Ort anſtecken, und in der Verwirrung das Thor denen Feinden öfnen. De 
ſtere that wirklich dem lithauiſchen Fuͤrſten Gedimin den Vortrag, den ſolcher mit 
Vergnuͤgen annahm. Allein ein Edelknabe deſſelben, der aus gutem deutſchen N del, 


) 4 Lade. Rel, T. 2 p. 292. daft. T. 2. p. 86. Müller I. e. p. 1. 
1) Maller V. T. Theatr. Frid. 5. P. 1. p. 444. Duell. P. 1. p. 32. Lunich. T. 7. von d en 
k) Hier kann ich davon nicht ausführlich reden. Orden S. 8. UT REN = 
ne Ye 


daß der Kaiſer nur von Gott und nicht vom Papſt : 1 
abhenge, in dem deutſchen Kaufe zu Frankfurt de ein Fürſt. « f .d. Pe. © 
bekandt gemacht iſt. Raynald ad 1338. No. 13. 1) Terras a Nobis et Imperio 
P. 63. N 8 tas; et terras ab infidelibus proprü k 
I) Diefe merkwuͤrdige Urkunde ſtehet in Gol- guinis effuſione evicdtas. 


Es iſt merkwuͤrdig, daß die erhebliche Urkunde, m) Daher heiſt er richtig auf f 
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Dietrich Burggraf von Altenburg. 191 
des: Sogleich machte ſolche den im Schloß befindlichen Verraͤther veſt und da er 1338. 
yein Bubenſtuͤck geftanden, empfieng er auf der Mauer den Strang zum lohn. Die 
ankommenden Lithauer erkannten hierauf, daß ihre Rechnung, den Ort durch Verraͤ⸗ 


therey zu bekommen, fehl geſchlagen. Sie wolten aber doch nunmehro nicht ohne 


Verſuch abziehen. Bayern muſte 22 Tage lang einen beftändigen Sturm ausſtehen, 
doch wehrete ſich die Beſatzung aufs beſte. Endlich rückte der Hochmeiſter zum Ent / 
füß an, wobey er von einem Pfalzgrafen beim Rhein unterſtuͤtzt ward. Das Or, 
densvolk fiel die Lithauer muchig an, und ſchlug ſie mit groſſem Verluſt in die Flucht. 
Gedimin ſelbſt empfieng einen Pfeilſchuß bey dieſer Gelegenheit. Dietrich ſchickte 
finen Feldmarſchall Henrich Duſener, den der Pfalzgraf begleitete, denen Flüͤchti⸗ 
gen nach. Man ſetzte die Verfolgung in Sameiten fort, brach ſodenn tief ins land 
ein, und trieb vieles Vieh zuſammen. Indeſſen hatten ſich aber die lithauiſchen Sands 
volker vom erſten Schrecken erholet, und fie fielen von allen Seiten zu, den Marſchall 
von der preußiſchen Grenze abzuſchneiden. Es ſahe wirklich gefährlich aus, da man 
gegen einen Feind, der dreifach uͤberlegen, zu ſtreiten hatte. Doch Duſener ſprach 
denen ſeinen einen Muth zu. Er zeigte, daß ſie keine eigentlichen Soldaten vor ſich 
hätten, ſondern nur furchtſames kandvolk; daß fie vor das Chriſtenthum ſtritten; daß 
es ruͤhmlicher ſey, heldenmuͤthig zu ſterben, als gefangen, heidniſchen Göttern aufge⸗ 
opfert, oder in der lelbeigenſchaft ärger als Hunde gehalten zu werden; daß ihnen ihre 
Muͤhe und Beute ohne einen Beweis der Tapferkeit nichts helfen würde, vielmehr kaͤ⸗ 
me den Feinden das zu ſtatten, was ſie bisher erworben. Dieſe Bewegungsgruͤnde 


machten, daß die Ritter die Feinde gluͤcklich zur Flucht brachten, und der Marſchall 


konte ſich mit ſeiner Beute gluͤcklich nach Preuſſen ziehen. Damit er aber gegen alle 


fernere Anfälle ſich ſichern möchte, fo wurde die Beute unter einer Bedeckung voraus 


geſchickt, und das Kriegs volk folgte mit beftändig geſchloſſenen Gliedern o). Der Hochs 


meiſter beſorgte indeſſen das Wohl feiner känder. Er verglich ſich mit dem Biſchofe 


von Culm wegen der lobauiſchen Grenze p). Er ertheilte 1339 den Elbingern ſon⸗ 1339. 


derlich der Neuſtadt allerhand Begnadigungen J). Er ließ durch feinen Marſchall 


Henrich Duſener, ſowol der Stadt Kneiphof Koͤnigsberg ), als auch der Stadt 
Welau Begnadigungen ertheilen s). 
§. . 108. 


Diem kalſerlichen Auftrag, keinen Richter wegen feiner Reichs / und eroberten nd 1 W 


Sande uber ſich zu erkenen, zu Folge, ſchickte der Hochmeiſter auf die Vorladungen der Polen auf ſei⸗ 
päpftlichen Bevollmächtigten zwar einen Geiftlichen, Jacob nach Warſchau, jedoch ner But. 
nur in der Abſicht, dem unrechtmäßigen Verfahren des Papſts und der Polacken zu 
widerſprechen t). Nichts deſtoweniger fuhren die beſtochenen Bevollmächtigten zu, 
n * at 28 und 
2 Ship f. 6 f. Y Ell. Pr. Th. 3. S. 46. 

5 Men 88 Pr. Samml. s) Geſamml. Nachr S. ur. 

Th 3. O. 599 . wi ® #) Diugof. ad h. a. p. 1044. 


192 Giecchichte von Preuſſen. 
1339. und nach öſſentich verfefenem:päpfttichen Auftrage gieng ihr bermeinefichst Abſchied da ⸗ 


bin, daß der Orden die fände Pommerellen, Cujavien, Dobrin, Michelau und 
Culm an Polen abtreten; wegen der der Krone verurſachten Schäden 194500 Mark 
polniſch erlegen, die Gerichtsunkoſten mit 1600 Mark polniſch bezahlen; und alle im 
vorigen Kriege verheerete polniſche Kirchen und Klöſter auf feine Koſten wieder aufs 
bauen ſolte. Auſſerdem wurden alle Gebietiger, welche unter dem vorigen Hochmeis 
ſter gegen Polen zu Felde gegangen, worunter auch der damalige Marſchall und jetzige 
Hochmeiſter Dietrich ſich befand, mit dem Kirchenbann belegt, und deſſen losſpre⸗ 
chung dem Papſt allein vorbehalten 2). Dietrich ließ ſich aber ein ſo widriges Urthell, 
toben Partellichkeit die Feder gefuͤhret, nicht irren x). Der König von Polen Ca⸗ 
ſimir hatte es bey feinen Ständen dahin gebracht, daß fein Schweſter Sohn „der un 
gariſche Prinz Ludwig, mit Uebergehung der uͤbrigen Vettern aus pig Ge⸗ 
1340. ſchlecht, zu feinem kuͤnftigem Nachfolger angenommen war )). Er verme 1340 
auch feine Ländereien durch Rothreuſſen 2). Weil nun die polniſche Macht biedurch 
anſehnlich gewachſen, und ſeinen Anforderungen an den Orden ein Gewicht geben kon 
te, ſo war Dietrich wegen des ungerechten warſchauiſchen Ausſpruchs in Sorgen. 
Er ließ daher Schwetz beveſtigen a). Er legte zu beſſerer Vereinigung feiner Staa / 
ten bey dem Hochmeiſterwohnſitz Marienburg, auf deſſen Schloß er anſehnliche Kos 
ſten verwendet hatte, uͤber den Nogatfluß eine dauerhafte Bracke an ), und ſorgte 
vor die beſſere Beveſtigung des Danziger Schloffes c). Auch Rieſenburg ward un 
ter ihm von dem pomeſaniſchen Biſchof Berthold mit einem Freiheltsbriefe verſor; 
get d). Weil auch die Stadt Danzig mit der Stadt Elbing wegen des Pfahlgeldes, 


1347. ſo ſetzte fie unſer Hochmeiſter 1341 guͤtlich auseinander e). Caſimir ſuchte ind 


2) Dlugoſſ. hat ſowol das Commiſſoriale, als S. 267. Schutz l. e. Erl. Pr. Th. 3. S. 3 md 
das Urtheil S. 1044 f. Der Bann erfolgte alſo 813 f Hartwich Beſchretbung der Werder S. 23. 
nicht wegen des Peterspfennigs, wie Waiſſel c) Senneb. S 66. Schutz le. 
S. 116 ſagt. n TEr S d) Erl. Pr B 4 S. 3% f. e * 

) Schutz f. 69. Er ſowol als Muller . e. e) Dies zeigt die Urkunde beim Schüg f. ö 
haben falſch das Urtheil gelefen, wenn fie die Ge: und du Mont Corps Dipl I 1. P. 2. 


richtskoſten auf 1700 anſetzen. Was eine Mark , Burggrabium de l * 
2 2 1 0 * N * ’ * | 1 
e geweſen, zeigen die Pr. Samml. B. 5 5 al 1 4 140. 00 0 
4 a fügt der Papſt: quia per re 1 ie 
N Diugof. P. 1055, lem inde ab ipfis Cardinalibus nobis factem in 
x) Ibid. p. 1058. dicto proceflu notabiles ĩnuenimus defectus non 


a) Henneb. p. 431. Schüre. I. e. potuimus decenter, nee de iure confirmatio 
60 Neuer Buͤcherſaal. B. 8 S. 72. Henneb. nem concedere poſtulatam. * 2 


- 


— 


Dietrich Burggꝛaf von Altenburg. 193 


ten, hielten ſich verbunden, den Orden zu vertreten. Sie ſchlugen ſich daher ins 

Mittel, und vermochten die Polacken ſowol als den Orden, daß ſie ſich beiderſeits, 

ß dieſe Streitigkeiten auszumachen, eine Zuſammenkunft zu Thorn belieben lieſſen g). 

u $. 106. 
Mitlerweile berichtete der Sandmeifter von Liefland, Burchard von Dreyle, Der hoch⸗ 

wen, daß die Bauren einen Aufruhr erregt, und alles mit Mord, Raub und Brand 3 

erfuͤllet Härten. Der Hochmeiſter ſchickte dieſerhalb durch den Ordensmarſchall Hen⸗ des Areite mie 

rich Duſener eine anſehnliche Huͤlfe nach Liefland. Dadurch fand ſich der fandmei: Polen. 

ſter maͤchtig genug, im veſten Lande uͤber 12000, und auf der Inſel Oeſel auf 9000 

von denen Aufruͤhrern niederhauen zu koͤnnen /). In Preuſſen muſte auf des Hochs 

meiſters Befehl der Comthur von Culm, Dietrich von Spaca, der Stadt Zinthen 

einen Begnadigungsbrief ausfertigen 7). Indeſſen rückte die Zeit der wegen der pol⸗ 

niſchen Streitigkeit nach Thorn beliebten Zuſammenkunft herbey. Polen, Ungarn 

und Böhmen beſchickten ſolche durch die anſehnlichſten Geſandtſchaften. Der boͤh⸗ 

miſche Prinz Carl, Marggraf von Maͤhren, batte ſich in Perſon nach Thorn ver⸗ 

füge H. Unſer Dietrich aber fand ſich verhindert, perſönlich gegenwaͤrtig zu ſeyn. 

Das hohe Alter und die ausgeſtandene Beſchwerlichkeiten dieſes Greiſes hatten ihn aus⸗ 

gezehret, und zu Marienburg auf das Krankenbette geworfen. Jedermann zweifelte 

an ſeinem Aufkommen. So bald Marggraf Carl dieſe unangenehme Nachricht er⸗ 

halten, brachte er nicht nur den Biſchof von Cujavien dahin, daß ſolcher den Hoch⸗ 

meiſter von dem ohnedies ungerechten Bann wieder loszehlete J), ſondern Carl kam 

perſönlich zu unſerm ſterbenden Hochmeiſter. Dieſer wuſte feine letzten Augenblicke 

nicht nuͤtzlicher anzuwenden, als bis zum Abdruck vor fein fand zu ſorgen. Er ließ 

ſich ankleiden, und empfieng auf dem Bette figend den königlich boͤhmiſchen Prinzen. 

Er dankte ſolchem vor feine und feines Vaters Zuneigung gegen den Orden, und em⸗ 

pfahl feine Bruͤder deren fernerer Vorſorge ſehr beweglich m). Nun war nichts weis 

ter zu thun uͤbrig. Er ſtarb gleich darauf den folgenden Morgen am ısten Jul. und 

fein Körper wurde in der von ihm ſelbſt erbauten St. Annengruft zu Marienburg 

beerdiget 1). Alle Schriftſteller loben dieſen Herrn o). Ich will nur noch von ihm 

bemerken, was einen Beweis ſeiner Aufmerkſamkeit auf die Policey giebet. Zum beſ⸗ 

ſern Behuf der Kuͤnſtler und Handwerker fuͤhrte er Gilden und Bruͤderſchaften ein, und 


2341. 


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befor, 
10 90 Schütz f. 70. o) Schuͤtz fast: am Tage Viti oder den ısten 
8 5 Schutz f. 70. Er nennt den Henrich Dus Jun. ſey er geſtorben, da aber noch den 1zten 
e ſener daſelbſt recht Marſchall, ob ſolcher aber zugleich Jul. in einer Urkunde ſeiner als lebend gedacht 
1 Tomthur von Strasburg geweſen, wie Schuͤtz wird, Poleogr. Pruſſ. Spec. 5 p. g. 9. fo kann er 
* meint, daran zweifle ich. vor dem azten Jul. nicht geſtorben ſeyn. Siehe 
; #) Poleogr. Pruſſ Spec. 5 p. 8 und 9. Dusb, in Praef. und Erl. Pr. B. 2 S. 391. Leo 
V Schüsz f. 70. Walſſel p 116. Heuneb. p. 2857. p. 146. Fennel. p 287. Schürz £,70. Sein Bilds 
) Waiffel p. 116. Henneb. p. 287. niß ſtehet in Sartknochs A. u. N. Pr. S. zor. 
1) Schütz f. 20. Waiſſel p. 116. und Henneb. S. 286. Von ſeinem Siegel redet das 

n) Schütz F. 70. Waiſſel p- 116. Erl. Pr. Th. 2 S. 8. 


pl allg preuß. Geſch. 4 Th. Bo 


1341. beförderte dadurch die Manufacturen feiner Staaten p). Zum gröffern Flor des Hans 


Ihm folgt 
er 5 ige von Weitzau ſowol, als das Wappen, welches man demjenigen beilegt ), von m 


Weizau. 


1342. 


194 Geſchchte von Preuſſen. 


dels war er für gute Münze beſorgt. Die auslaͤndiſche, ſonderlich boͤhmiſche Gros 
ſchen waren nicht mehr von ſonderlichem Schrot, und doch faſt die einzigen im Lande. 
Auf des Hochmeiſters Befehl muſte daher ein thornſcher reicher Buͤrger Bernhard 
Schilling eine anſehnliche Menge inlaͤndiſcher Münze prägen, worauf des Hochmei⸗ 
ſters Namen und des Ordens Wappen zu ſehen war J). Auch die Stadt Elbing ſieng 
jetzt zu muͤnzen an 7). Kurz, da das anfehnliche burggräflih altenburgiſche Haus 
wie ein licht verlöfchen ſolte, fo ſchlug es noch durch dieſen Hochmeiſter die böchſte und 
ſichtbarſte Flamme 6). Er verdienete wohl eine ausführliche bebensbeſchreibung , d 
er auch vor das Aufnehmen der Gelehrſamkeit bemuͤhet geweſen. Er hat vor die Stadt ⸗ 
ſchule von Altſtadt Königsberg eine eigene Verordnung entworfen 1), und auf ſel⸗ 
nen Befehl kam endlich des Jeroſchins preußiſche Geſchichte in deutſchen Berfenwire 
lich zum Stande, deren Ausgabe die Lebhaber der preußiſchen Geſchichte ſehnlie 


wuͤnſchen x). 
a ö K. 107. > . 
Es giebt verſchiedene Geſchlechter derer von König. Der Beiname eines. 


* 
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8 * 
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chem wir jetzt zu reden haben, zeigt, daß er weder aus dem Hauſe derer Könige in 
Halle 2), noch aus dem Hildesheimiſchen geweſen, welche noch jetzt bluͤgen. 
terbeffen nennen ihn doch die Schriftſteller einen Sachſen a). Ludolph König, $ 

von Weitzau „kommt zuerſt als Ordensſchatzmeiſter oder Treßler vor. N N 
meiſter Luther ſoll ihn bereits 1391 dazu ernannt haben ). Er zeigt ſich 123e in 
der Bedienung c), welche er auch unter dem Hochmeiſter Dietrich anfänglich ve 
tet, ohnerachtet der Albrecht von Niederthor vom Leo d) in dieſer Würde ge 

wird. Wenigſtens war noch unſer Ludolph 1337 gewiß Treßler e). Aber 13: 
man ihn bereits in einer andern Bedienung. Er ward Groscomthur f), 
blieb er bis 1341 9), und folglich bis an des Hochmeiſters Dietrichs Tod. Nach 
ſelben folgte gleich im Anfange des Jahres 1342 die neue Wahl zu Marienburg 

che dieſen Ludolph König, Herrn von Weitzau, traf. Von einigen wüb 


> — 1 


pP) Paiffel p 116. 


9) Schütz f. 67. Waiſſel p. 116. Leo p. 154. 
Henneh, p. 46 und 453. Sartknoch A. u N. Pr. 
S. 517, et diſſ. p. 292. Erl. Pr. B. 1. S. 325. 
B. 3 S. 253. Duell. P. 1 p. 31. Braun vom preuſ⸗ 
ſiſchen Muͤnzweſen S. 26. Pr. Samml. B. 2 
S. 1. B. 2 S. 601. B. 3 S. 787. 


) Ich habe in einem treſchenbergſchen Mſct. 
gefunden, daß die Stadt Elbing in dieſem Jahr 
zuerſt aureos denarios geſchlagen, nachdem ſie dar⸗ 
Über einen Freiheitsbrief erhalten. 

5) de Ludw. Rel. T. 12 p. 554. 

7) Halliſche hiſtoriſche Samml. S. 295 f. 


Univerſität B. 1. Beilage No. 1 S. 3. 


S. 301. 


B. 2. Beil. B. S. 78. Henneb. Le. 


1) Herr Arnold Hiſtorie der koͤnigeb 


*) Pr. Samml. Th. 2 S. 84 


f 
) Henneb. S. 288. 9 HA. 


2) Herr von Dreyhaupt Hiſt. des Se 


a) Schütz f. 71. Hari noch l. . 
) Leo p Hon . 
c) Gef. Nachr. B. 1 S. 182. 2 
d) Ibidem. p. 148. * 
e) Duell. P. 3 p. 67. 

7) Geſ. Nachr. D. 54. 
20 Schütz f. 94. . 


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Befehl das an einem unbeque 


Ludolph Koͤnig Herr von Weizau. 195 


Wahl auf das Feſt der Beſchneldung 5), von andern aber auf den britten Tag vor 
dem Feſt der Erſcheinung 5) angeſetzt. Man kann dieſe Meinungen wohl vergleichen, 
wenn man annimmt, daß die Waͤhlenden am neuen Jahrestage zuſammen gekommen, 
aber die Wahl ſelbſt erſt Mitwoch darauf erfolgt ſey K). Nach damaliger Gewonheit 
beſorgte der neue Hochmelſter vor allen Dingen die Beſetzung der Ordensbedienungen. 
Da er ſolche wohl beſetzt fand, fo ernannte er nur den Berengarium von Eybach “) 
zum Groscomthur, welchem aber bald darauf Henrich Bowente in dieſer Würde ges 
folget iſt m). Auſſer dem ſuchten und erhielten viele Städte die Beſtaͤtigungen ihrer 
Gerechtſame. Unter andern ward dem Kloſter Oliva bey Danzig dieſerhalb ein gröͤſ⸗ 
ſerer und kleinerer Begnadigungsbrief ausgeſtellet, und darin dieſem Stift alle Rechte 
beſtaͤtiget, welche ſolches von ihren ehemaligen Herren, denen alten Herzogen von 
Pommern, von denen Koͤnigen von Böhmen, Wenzel dem ältern und juͤngern, 
vom Churfuͤrſten Woldemar von Brandenburg und denen Hochmeiſtern Carl und 
Luther erhalten 2). Auch vor den beſſern Anbau war der Hochmeiſter beſorgt. Es 
fol’ damals mit Anlegung des Schloſſes Inſterburg der Anfang gemacht ſeyn, obs 
gleich andere ſolches ſpaͤter anſetzen o). Auch an den Mauren der rechten Stadt Dan⸗ 
zig ward 1343 gearbeitet, und mag daher auch wohl damals dieſer Ort vom Hochmel⸗ 
ſter einen Begnadigungsbrief 11 haben p). Dagegen ward auf Ludolphs 
rt erbaute Schloß Bayren niedergeriffen J). 
Mit dem werderiſchen Landvolk verglich ſich der Orden uͤber die Frohndienſte der 
erſtern bey dem nogatſchen Bruͤcken / und Dammbau 7), und der Freiheitsbrief 
derſelben, den fie von unſerm Hochmeſſter erhalten zu haben vorgaben, worin ih⸗ 
nen alle dieſe Frohndienſte erlaſſen ſeyn ſollen, iſt wirklich falſch „da ſolcher 1383 
ausgefertiget ſeyn ſoll, in welchem Jahr doch unſer Hochmeiſter laͤngſt verſtorben 
geweſen ). Hingegen hat Ludolph König der Stadt Thorn zu Schoͤnſee eine 
Verſchreibung ausgeſtellet 7). Die preußiſchen Geſchichtſchreiber bemerken, daß in 


dieſem Jahr zu Thorn die erſte Orgel in Preuſſen von 22 Pfeifen gemacht, und faſt 


vor ein Wunder der menſchlichen Kunſt gehalten ſey 4). Ich will aber noch die Nach⸗ 
richt einer Erzehlung Hinzufügen, die allen Glauben uͤberſteigt. Eine in dieſem Jahr 
in Preuſſen wuͤtende anſteckende Seuche habe den Steino von Netten vermocht, zu 


ſeiner Sicherheit aus Marienburg nach Lauenburg zu fluͤchten. Er entfloh aber 


dem Tode nicht, ſondern holte ſolchen vielmehr am letzten Ort. Der Pfleger des Orts 
ließ ihn begraben, aber der Körper des von Netten fand ſich den Morgen nach dem 
f Bb 2 


Begraͤb⸗ 
* 5. p. 287. pP) Pr. Samml. B. 1 S. 41. fo. Schu 
et 55. { f. 71. Senneb. S. 66. Leo S. 149. Si 
0 Aber weder 1343 noch 1339 gieng die Wahl 7) Schug f 71. ; 
vor. Erl. Pr. Th. 2 S. 390. 391. 7) Erl. Pr. B. 3 S. 775. Sartwig von den 
D Leo p. 148. Werdern S. 28. 
m) Gef. Nachr. S. 54. 5) Erl Pr. B. 3 S. 813 f. 


3 
n) Pr. Samml. B. 2. S. is. B. 3. S. 91 ) Gef Nacht. S. 34. Pr. Samml. B. 2. 


nme ee ) Ell. Pr. B. S. 767. Lee S. je. 


42. | 


U 


1342: 


— — — 
* 


1965 Geſchichte von Preuſſen. 

1343. Begräbniß wieder über der Erde. Auch ein abermaliges Begraͤbniß verſchafte hm 
noch nicht in der Erde Ruhe. Endlich ſoll der Hochmelſler einen Comthur nach Lauen⸗ 
burg abgeſchickt haben. Dieſer muſte den Körper mit der Fuchtel ſtrafen, des ſchul⸗ 
digen Gehorſams erinnern, und ihm den Befehl ertheilen, ſich nicht mehr aus dem 
Grabe zu rühren. Alles dieſes wäre fo ernſtlich vorgenommen, daß der keichnam ſeit 
der Zeit zum Vorſchein zu kommen ſich nicht ferner unterſtanden x). Solte der Hoch ⸗ 
meiſter Ludolph zu dieſer Erzehlung Gelegenheit gegeben haben, fo muͤſte ſich die 
Schwäche feines Verſtandes ſchon frühzeitig gezeigt haben, die nachmals ihn anwandel ⸗ 
te. Allein feine noch fortdaurende kluge Handlungen erflären dieſe Nachricht vor das, 
was ſie iſt, vor grobe Unwahrheit, welche zu der Zeit mit Fleiß ausgeſprengt zu ſeyn 
ſcheint, da ſich die Ordensbruͤder an den dem Hochmeiſter ſchuldigen Schere ſelbſt 


bey ihrem leben ß ſonderlich nicht mehr kehreten. ift 
R 4 255 


Mit Polen Die durch den Tod des vorigen Hochmeiſters abgebrochene griedensonterhand 
= er lungen mit Polen hatte unſer Hochmelſter feit der Zeit fortgeſetzt. Der König Caſi⸗ 
friede getrof, mir hatte damals mit den Ruſſen Kriege zu führen, und getrauete ſich nicht länger, 
fen, dem Ausſpruch der Könige von Ungarn Carls, und von Böhmen Johanns, den 

ſolche zu Kronweiſſenburg gethan, ferner zu wlderſprechen, um nicht die Rache des 
er zu reißen. Seine Ausſchweifungen in der Lebe machten, daß er ſich nach Ru / 
he ſehnete, aber zugleich, daß alle Hofnung, einen Leibeserben zu erhalten, ver 
ſchwand. Seiner Schweſter Eliſabeth, oder ihr und des Königs Carl von Ungarn 
Sohn Ludwig muſte in Ungarn ohne Streit folgen; aber man muſte auch alles aus 
dem Wege raͤumen, was demſelben die ruhige Beſitznehmung von Polen, e h 
Fall, daß Caſimir mit Tode abgieng, hindern könte. Es behielt dieſer Ludwig auf 
dieſen Fall doch genug, wenn er gleich die polniſchen Anſpruͤche auf Culm, Pom ⸗ 
merellen und Michelau fahren ließ, welche ihn ohnedies nur in Weiterungen ver⸗ 
wickeln muſten, die um fo gefaͤhrlicher werden konten, weil der paͤpſtliche Stul, auf 
den zu dieſen Zeiten viel ankam, nicht mehr geneigt ſchien, Polen zum Nachthe 
Ordens zu unterſtuͤten. Alles dieſes vermochte den König Caſimir zu Kaliſch 
Tage Kilians 2) mit unſerm Hochmeiſter Ludolph König einen ewigen Fri 75 
ſchluͤſſen, und mit einem körperlichen Eide zu befehwören. Darin trat Caſimir vor 
ſich, alle feine Erben und Erbnehmer, auch die ganze Kron Polen, an den Orden ah, 
alle Anſpruͤche auf Culm, die Veſte Neſſau, die Orte Orlow und Morin, de 
kand Michelau und ganz Pommerellen. Er und feine Gemalin Adelheid 
ſich darauf vor ſich und ihre Erben aller Anſpruͤche, wie ſolche Namen haben ı 
wi fogar alles Gebrauchs des Ehrennamens eines Herzogs von ki: in S 


*) Leo p. 149, Pr. Liefer. B. 1 S. 6 N 2255 N 4 
J Senneb. S. 287 — auf einer I 8 Brzeſt und wladislaw. ö 
=) Am sten Jul. ö 


Ludolph König Herr von Weizau. 197 


ten und Siegeln a). Caſimir gelobte, der Königin von Ungarn Eliſabeth, deren 
Gemal und Erben keinen Anſpruch an die abgetretenen Lande jemals zu verſtatten 5). 
Er machte ſich anheiſchig, auch von den polniſchen geiſtlichen und weltlichen Staͤn⸗ 
den Verzicht auf alle wegen der verurſachten Schaͤden gegen den Orden habende An⸗ 
ſpruͤche zu vermögen c). Er verſprach, des Königs von Ungarn Carls und der Ge⸗ 
malin beſſelben, feiner Schweſter Eliſabeth, Verzicht auf alle dem Orden jetzt uͤber⸗ 
laſſene Lander zu verſchaffen d). Beiderſeits abtruͤnnig gewordene Unterthanen folten 
begnadiget e), und die von beiden Theilen gemachte Gefangene auf freien Fuß geſetzt 
werden 7). Endlich ſtellte der König Caſimir auch die Verſicherung von ſich, daß 
er denen Heiden gegen den Orden nicht Beiſtand leiſten wolle 2) Dagegen überließ 
der Orden alles, was er in Großpolen, Cujavien und Dobrin befeffen hatte, dem 
Könige und der Krone Polen ). Die Woywoden von Poſen, Kaliſch, Brzeſt 
und Wladislaw, die Caſtellaͤne von Poſen, Gneſen, Kaliſch, Lenezicz und Nas 
ckel, und die Staroſten von Poſen und Kaliſch machten ſich auch wirklich anheiſchig, 
über dieſen Frieden heilig zu halten 1). Gleich darauf hielt der König am Tage Mas 
riaͤ Magdalenaͤ einen Reichstag in Jungenleslau, auf welchem der Hochmeiſter 
und deſſen Obermarſchall Henrich Duſener k) ſich ebenfals eingefunden. Hier bes 
ſchwor der Koͤnig und der Hochmeifter den getroffenen Frieden, den auch die andern 
polniſchen Herzoge, als Ziemovit von Wisna, Ziemovit von Czirn, Boleslaus 
von Plotzko, Caſimir von Gniewkow und Wladislaw von Lenczicz, die vornehm⸗ 
ſten Herren in Großpolen und ſieben der vornehmſten Staͤdte, als Cracau, Poſen, 
Sendomir, Sandez, Kaliſch, Leslau und Brzeſt, unterſchrieben und beſiegel⸗ 
ten J). Auch der Erzbiſchof von Gneſen und die Biſchöͤfe von Wladislaw, Poſen 
und Plotzko bezeigten, daß der König eidlich auf Pommerellen, Culm und Miche⸗ 
lau vor ſich und feine Erben Verzicht gethan n). Nur fünf Biſchöfe, der Erzbiſchof 
von Gneſen und die Biſchöfe von Eracau, Leslau, Poſen und Plotzko, wider 
ſprachen dieſem Frieden 1). Demungeachtet hat Polen ſowol als der Orden denſelben 
66 Jahr genau genug beobachtet. Der Koͤnig ward hierauf von dem Hochmeiſter zu 
Thorn fünf Tage lang herrlich bewirthet 0), und dieſes groſſe Gefchäft dadurch geen⸗ 
diget, daß der Hochmeiſter kurz vor Martinsfeſt mit dem Herzoge Ziemovit von Ma⸗ 


a pa die Grenzen beiderſeitiger Staaten berichtigte p). 


8 Bb 3 9. 10g. 
Sa Ada Boruſſ. T. 3 p. 553 und Pr. Sam ) Ada Bor, T. 3 p. 560, 
®. 3 ©. 292, k) er mögen beide, oder nur & 25 
Mar ſchall, nachmalige Hochmeiſter Henrich Du: 
9.3 8 Parat T. 37. u. De eim S 
ch Poe. Samml. B 3 S 299. Guagnini Rer. Pol. T. 2 p. 125. 126, 
4) Pr. Samml. B. 3 S. 3.t. ) Dlagaſſ I. e. 
Pr. Samml. B. 3 O. 302. 62 315 m) Ada Boruff, 3 p. 359. 
i 1 TEN 1h has ) Diugoff, 25 


N 5 o) Henne p. 28 . van 
war £ 7. Henneb, p. 17. p) Pr. Sam. Th. 2 S. 64. 


1343. 


1343. 
Der hoch: 
meiſter wird 


blöd ſinnig, 
und verliert 
dieſe wuͤrde. 


1344. 


1345. 


198 Geſchichte von Preuſſen. 


zu einer Hochmeiſterwahl zu ſchreiten. Aber dadurch zeigte Ludolph am meiſte d 


* 


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Ludolph König batte aber auf der andern Seite noch wichtige Feinde an den 
Lithauern. Zu der Zeit, da noch der Baurenaufſtand in Liefland die dortigen Rit⸗ 
ter beſchaͤftigte, fielen 1344 die Lithauer mit groſſer Macht in Samland, und vers. 
wuͤſteten das platte fand. Es befanden ſich damals König Johann von Böhmen 
und verſchiedene andere Fremde in Preuſſen, die dem Orden Huͤlfe leiſten wolten. 
Mit dieſen gieng der Hochmeiſter den Lithauern nach, die ſich nunmehr auf den Ruß 
feines Anzuges entferneten. Der Feind brach hierauf in Curland und Liefland ein, 
well er wuſte, daß die Macht der Ritter dieſes kandes mit denen Huͤlfsvölkern, die 
fie aus England und Daͤnnemark erhalten, gegen die aufgeſtandene Bauren auf Des 
kl zu Felde ftanden. Der tandmeifter in Liefland erfuchte den Hochmeifter, ihm in 
iefland. beizuſtehen, und dieſes Land mit der preußiſchen Macht zu decken, weil er 
feine Macht gegen die Aufruͤhrer auf Oeſel und den Inſeln nörhig habe. Die frem⸗ 
den Herren in Preuſſen gaben eben den Rath, den Lithauern nach Liefland zu fol⸗ 
gen, und dieſes Land zu retten. Ludolph König hatte zwar eben dieſelbe Abſicht, 
aber in der Wahl der Mittel hatte er ſeine eigene Meinung. Er wolte in Lithauen 
ſelbſt einbrechen, und dadurch den Feind nöthigen, fein eigen Land zu decken. Er 
folgte ſeinem Kopf, fand aber nur eine wuͤſte Gegend, wo aller Schaden, den er noch 
anrichtete, in gar keinen Vergleich mit demjenigen kam, den das wohl angebaute und 
gut bevölkerte Liefland indeſſen lite. Der Eigenſinn des Hochmeiſters brachte die 
Fremden zum Misvergnuͤgen, die ſich ſehr zeitig von feinem Heer entferneten. In 
Liefland maß man des Ludolphs Abſichten nach dem Erfolg des gebrauchten Mittels 
ab. So falſch aber dieſer Schluß war, fo folgte doch eine faſt allgemeine üble Mache 
tede, die ohne Zuruͤckhaltung jo laut vorgetragen wurde, daß fie ſelbſt der Hochmeifter 
erfuhr. Selbſt der erhabenſte Stand kann ſich dafür nicht ſchuͤtzen. Ludolph batte 
von der Ehre zu zärtliche Begriffe, als daß er ſolches gelaſſen anhören konte. Seine 
hitzige Gemuͤthsart ließ ihm nicht Zeit, mit kaltem Blut ruhige Ueberlegungen 
ſtellen. Er ſahe keine Mittel vor ſich, das entſtandene Uebel zu heben, und den € 
den zu erſetzen. Und fein Geiſt konte ſich nicht entſchluͤſſen, das zu vergeſſen, 
nicht zu andern war. Er ward tieffinnig, und fein Uebel vermehrete ſich durch befk 
diges Nachdenken, daß er endlich in Wahnwitz und Raſerey verfiel. Der 1 
fie durch den Ordensmarſchall alles dasjenige beſorgen laſſen, was zum Hochmei 
gehörte. Ludolph aber ward nach dem Schloß Engelsburg in Verwahrung gebracht, 
und ein Edelknabe muſte beſtaͤndig auf ihn Acht geben, well man beforgte, d 
ſelbſt Hand an ſich legen möchte. Es kam auch ſo weit mit dieſes Herrn S 8 
heit, daß er dleſen Edelknaben ſchwer und tödtlich verwundete. Man gab alſo alle 
Hofnung auf, daß feine Schwachheit ſich ändern wuͤrde, und machte daher zu elner 
neuen Wahl die nöthigen Anſtalten. Während denſelben beſſerte es ſich zwar mit dem 
Ludolph König ziemlich, ſo daß 1345 die Wahlverſammlung einen Anſtand nahm, 


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fſagen: er ſey bald darauf geſtorben. 


Henrich Duſener von Arfberg. 199 


er fich im Stande der Beſſerung befand, da er an feiner völligen Geneſung ſelbſt zwel⸗ 1345. - 


felte. Er erklaͤrte ſich, daß er es für eine Wohlthat anſehe, daß er jego erkenne, wie 
dieſe Würde vor ihn zu ſchwer fen. Er wolte gerne fein Amt einem jeden andern übers 
laſſen, und ſich mit einem maͤßigen Unterhalt zu Engelsburg begnuͤgen. Vielleicht 


wuſte er, daß man nur, den Wohlſtand zu beobachten, ihm die Fortſetzung des Hoch⸗ 


meiſteramts anbot, und war ſchon ſo vernuͤnftig, dasjenige zu verlangen, was auch 
wohl ohne fein Geſuch erfolgt waͤre; oder vielleicht hat Schü recht, daß man nur 
blos vorgegeben, daß er freiwillig das Amt aufgegeben. Es ſey nun, wie es wolle, 
fo bekam er hierauf das Amt eines Comthurs von Engelsburg g), wo er bald dar⸗ 
auf 7), entweder 1346 5), oder wie andere ſagen 1348 2), mit Tode abgegangen. 
Sein Körper ward in der St. Annengruft zu Marienburg beerdiget 2). Die Ges 
ſchichtſchreiber haben uns feine Gemuͤthsneigungen verſchieden beſchrieben. Henneber⸗ 
ger ſagt, er ſey ein fromuuer, gottes fuͤrchtiger Herr und liebhaber des Friedens gewe⸗ 
fen x); dahingegen Schuͤtz ihn als einen zornigen, ungeduldigen Mann, voller Zorn 


und melancholiſchem Eifer abbildet y). Der Srieden mit Polen macht feine Regie ⸗ 


rung indeſſen unvergeßlich. 
s $. mo. 


Die Wahl fiel auf Henrich Duſener, der auch Deſener, Deſmer, Tuſ⸗ 


Henrich Du⸗ 


mer 2) geſchrieben wird, von Arf berg, einen pommeriſchen Edelmann a). Ich Fr von Arf⸗ 


halte dafür, daß da noch jetzo ein adeliches Geſchlecht von Teſmar bluͤhet, vielleicht h 
unſer Henrich zu demſelben gehöre. Vielleicht führer jenes auch einen ſchwarz und 
Silber quer durch getheilten Schild, wie ſolches dieſem zugeſchrieben wird )). Schon 
1332 kommt Hermann von Arf berg als Bornſteinherr unter der Regierung des Hoch⸗ 
meiſters Luthers vor c). Wenn der Herr Duſener, der der Stadt Loͤbenicht Koͤ⸗ 
nigsberg einen Gnadenbrief 1413 ausgetheilt d), nicht mit dem Hochmeiſter Henrich 
von Plauen verwechſelt, und die Jahrzahl richtig iſt, ſo muß es ein anderer, als un⸗ 
fer Henrich, von dem wir reden, geweſen ſeyn. Unſer Henrich Duſener ward 1324 
Comthur zu Brandenburg e). Der Hochmeiſter Dietrich von Altenburg machte 
ihn 1335 zum Ordensmarſchall /), wobey er das Amt eines Comthurs von Koͤnigs⸗ 
berg zugleich bekleidete. So zeigt er ſich 1336 in feinen Verſchreibungen, die er der 
Stadt Welau g) und der Altſtadt Königsberg gegeben 5). Er war es auch 13377), 
a 1338 


70 Henneb. p. 288. Schütz f. 71. Leo p. 150. 5) Henneb. p. 290. Haxik A. u. M. Pr. 
7) Leo, Schuͤtz und andere begnügen ſich, zu S. 303. 2 


Pr. Samml. B. 2 S. 514. 
5) Sartknoch A. u. N. Pr. S. 302. 5 
2) So ſoll fein Grabſtein es lehren. Acta Bot · d) Erl. Pr. B. 4 S. 7. 


T I p 124. 2 Geſamml. Nachrichten S. 18% 
u) Ibid. f) Leo p. 148. 
x) Ib p. 287. g) Ert, Pr. B. 4 S. 676. Geſamml Nacht. 
) Ib. p. 71. ©. 182. 

) Leo p. 10 N 40 Erl. Pr. B. 2 S. 402. 

) Iaenichii Melerem, T. 2 p. 215. 1) Duell. P. 3 p. 67. 


erg wird 
ochm 


eiſter. 


200 Geſchichte von Preuſſen. 

1345. 1338 ſchlug er die Lithauer H. Im Jahr 1339 kommen feine Verſchrelbungen vor die 
Stadt Welau J) und die Stadt Kneiphof Königsberg vor m). Nachher ward er 
1341 nach Liefland geſchickt, um den Baurenaufſtand daſelbſt zu ſtillen, bey welcher 
Gelegenheit er Marſchall und Comthur zu Strasburg genannt wird n). Der Hoch 
meiſter Ludolph ließ ihm 1342 die Marſchallswuͤrde o), und in der mag er bey dem N 
Friedens ſchluß mit Polen 1343 in Jungenleslau mit geweſen ſeyn 7). Die Schwach 
heit, in die der Hochmelſter 1344 verfiel, machte, daß man ihm die ganze Sorge de 
Regierung uͤberließ. Er ward, wie ihn Leo nennt, Vicemeifter J), oder wie 
Henneberger ausdruͤckt, Vitzthumb 7), nicht aber damals gleich Hochmeiſter, 1 
kann er ſich alſo auf Siegeln wohl damals nicht Hochmeiſter genannt haben g). Dei 
noch 1345 iſt vom Hochmeiſter Ludolph zu Marienburg eine Urkunde W 
Er mag daher entweder am Tage der Geburt Mariaͤ z), oder am Tage Lucia ger 
wählt ſeyn, wofern nicht etwa der erſte Tag der Anfang der Wahlverſammlung, und 
der andere der Wahltag, oder jener der Wahltag, und dieſer der Tag ſeiner Einfüß / 
rung geweſen uw). . 7, . 


—— 


. N 
er Henrich Teſmer von Arfberg bemuͤhete fich ſchon vor feiner Erhöhung, fi 
fest die kriege des Schadens zu erholen, den die Lithauer in Liefland angerichtet. Er gieng d 
gegen Li- von Memel nach Sameiten, und hielt daſelbſt nach damaliger Art Haus. 
thauen ſort. ſich griffen ihn zwar die Feinde an, wobey er viel Volk einbuͤſte. Als fie ihm 
bey dem Abzuge Schaden zufuͤgen wolten, buͤſten ſie viele Mannſchaft ein. 8 
Henrich befreiete auch viele Lieflaͤnder, die vormals gefangen weggeſchleppt 
und ſchickte ſolche wieder nach Liefland, wodurch er das Zutrauen dieſes landes fid 
der zuwege brachte x). Er ſcheint aber hierauf mit den Lithauern einen Waffenftillftan 
gemacht zu haben )). Denn es kam noch vor Ende diefes Jahres der König von De 
mark Woldemar nebſt feinem Bruder Otto und dem Herzog Erich von S 
Lauenburg und einem ſtarken Heer nach Preuſſen, dem Orden zu Huͤlfe. 
ſelbſt in den deutſchen Orden. Weil man aber keinen Zug nach Lithauen vorne 
te, giengen die Kriegsvölker ohne Verrichtung 1346 wieder zuruͤck. Der 
blieb den Winter durch in Preuſſen, und verkaufte ſogar unſerm Hochme 
Brüder in Liefland alle feine Beſitzungen und Rechte in Eſtland für 1go00 f 
Mark. Hierauf wandte er dieſes Geld zu einem Zuge nach dem gelobten Land 


1346. 


5 Schü f b 10 Leo S. 150. Senneb. S. 239, 

) Geſamml. Nachr. S. 117. 118. B. 2. S. 392. 1 a * 
m) Erl. Pr. B. 3. O. 468. w) Schütz f. 71. — 
n) Schü f. 20. x) Senneb. S. 189. 7 


„) Leo S. 148. l 8 1 
2 Dingeffas S. 1065 Guagnini Th. m ) Obgleich Schug und Leo eine weit 


O. 128. 126. Nachricht von einem Kriege und Sch 
7) Leo S. 150. die 1346 vorgefallen ſeyn ſoll, ſo ſe 
7) Henneb. S. 289. eben die zu ſeyn, die 1349 vorſiel, 
5) Erl. Pr. B. 2. S. 3. 2) de Ludi. Rel. T. 9. p. 108. 17 


7) Geſamml. Nachr. O. 54 Intellig. de 751. No. 30. ©, 848. Se 


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Henrich Duſener von Arfberg. ee. 


Der Hochmeiſter brauchte dagegen die Zeit der Ruhe, Johannisburg, welches ſeit 
feiner erſten Erbauung 1268 zerftört ſeyn mochte, wieder in guten Vertheidligungs ſtand 
zu ſe zen a), und ertheilte feinen Unterthanen allerhand Begnadigungs briefe, worunter der⸗ 
jenige zu zaͤhlen, den die Stadt Thorn wegen des Hoſpitals bekam 5). Auch die 
Stadt Elbing erhielt 1347 eine Handveſte c). Zum Unglück aber ftörten die Lithauer 


dieſe Ruhe, welche bey einem Einfall die Stadt Welau einaͤſcherten d). Der Hoch⸗ 


meiſter ſorgte zwar noch beſtaͤndig vor den fernern Anbau des kandes, und ließ 1348 


die Staͤdtgen Sehſten und Sensburg e) anlegen, und an dem Schloß in Loͤtzen 


das noͤthige wieder herſtellen. Allein ein neuer Einfall der Lithauer ſetzte das gan⸗ 
ze land in Schrecken. Des Gedemini Söhne Olgerdt, Kynſtud und Narimund 
ruckten mit aller ihrer Macht in Preuſſen ein. Donnerſtag vor Invocavit erober⸗ 
ten fie Raſtenburg 7), legten den Ort ganz in die Aſche, und ermordeten alle Eins 
wohner. Das platte land um Gerdauen und Lüneburg. ward verheeret, ohne daß 
der Feind ſich dieſer Orte bemaͤchtigen konte. Reſſel aber ſowol als Ragnit wurden 
eingeaͤſchert. Der Hochmeiſter muſte fie im Anfange ihre Streiferelen fortſetzen Taf 
fen. Endlich aber kam auf feinen Befehl die ganze Ordens macht in Preuſſen und 
Liefland zuſammen. Er ruckte mit derſelben 1349 denen lithauiſchen Prinzen bis an 


den Strebefluß auf den Hals, und lieferte denenſelben um Lichtmeß eine Hauptſchlacht. 


Der Feind that ‚anfänglich unter denen Augen feiner Regenten erſtaunenden Wider⸗ 
ſtand. Ihr Muth ward Verzweifelung, da fie die Ordens macht vor ſich, und den 
Fluß hinter ſich wuſten, und alſo entweder ſiegen oder ſterben muſten, wenn ſie nicht 
in die Gefangenſchaft gerathen wolten. Anfaͤnglich ſahe es wirklich um des Ordens 
Macht mislich aus, welches auch den Hochmeiſter vermochte ein Geluͤbde zu thun, 
der Jungfrau Maria zu Ehren ein Kloſter aufzubauen, wenn er die Lithauer ſchla— 
gen würde. Die Ritter ſtellten ihre unterbrochene Schlachtordnung immer wieder 
ber. Da fie mehr Feld hatten, fo konten fie auch geſchicktere Wendungen machen. 
Endlich ward der Feind in Unordnung gebracht, und es erfolgte eine ſchwere Nieder⸗ 
lage. 10000 Mann lagen von den Lithauern auf dem Schlachtfelde geſtreckt. Sehr 
viele, worunter ſich ſonderlich der Prinz Narimund befand, erſoffen, als ſie mit ih⸗ 
ren Pferden durch den Fluß ſetzen wolten, und die Lithauer rechnen ſelbſt ihren Ver⸗ 
luſt auf 18000. Auch auf Seiten der Brüder konte man dieſes Treffen ſehr blutig nen⸗ 
nen, da auf so Ritter und 4000 Kriegsknechte umkamen. Der Nutzen dieſes Sies 
ges beſtand in Befreiung vieler gefangenen Chriſten und Zurücerhaltung vieler vom 
Feinde in Preuſſen gemachten Beute. Der Marſchall Siegfried von Dannenfeld 
that ſodenn in Lithauen erſtaunenden Schaden mit einem Theil des Ordensheers. 
Mit den ubrigen gieng der Hochmeiſter vor die Stadt Vielun, die ſich ergab. Der 
a) Polco Prof. Spec. 6. p. 8. 10. 8 d) Erl. Pr. B. 4. S. 677. 
bee. Merk. ©. 8 Nachr. ©) Erl. Pr. B. 4. S 194. 
c) Pr. Samml. B. 3 S. 600. F) Erl. Pr. B. 3. S. 656. 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ce mr 


134% 


255 ehh von Pre. 
1349. Ort ward völlig zu Grunde gerichtet, die Einwohner aber nach Samland dere 

woſelbſt ſie ſich taufen lieſſen. Nach p gluͤcklich geendigtem Feldzuge ta e 

feinem kande der Hochmeiſter auf einige eit ie H. A Br 


* a $. 112. ; af e 3 
Der hochmeis Nunmehr fiche der Socmeifter fein Gelübde zu bezahlen. & fertigte zu dem 
fen date ab Ende eine Urkunde zu Erbauung eines Nonnenkloſters in Löͤbenicht aus g). Da 
und fire. auch im vorigen Jahr das Kloſter Olive gänzlich durch die Flammen ve t word. 
fo gab der Hochmeiſter zu deſſen Wiedererbauung ſo ein anſehnliches Geld ber, | 
da auch der Großeomthur Winrich von Kniprode, der Abt von Pelplin und 
Biſchöfe von Cujavien, Ermeland, Culm, Samland und Pomeſanien au 
ihrige mit beigetragen, dieſes Kloſter i in dem einzigen Jahr viel herrlicher ieder her ⸗ 
geſtellt werden konte, als es jemals geweſen ). Seit dieſer Zeit lebte das land Preuß 
350. ſen 1350 in ſtolzer Ruhe, da ſeine Feinde ſo geſchwaͤcht ſich befanden, und in „ 
fluß, da der Hochmeiſter vor eine ſehr gute Münze beſorgt geweſen war 1). Nu 
glaubte der Hochmeifter Henrich Duſener feinen Pflichten ein Gnuͤge gethan 
21 ben, und hielt davor, daß man ihm auch wohl in ſeinen letzten e 
1551. nen konte. Er berief zu dem Ende 1351 eine Ordensverſcmnmlung zi 
erſuchte feine Brüder, ihm zu erlauben, das Heft der Regierung mied 
den Reſt feines lebens in ſtiller Ruhe zu Bretgen hinbringen zu ap 1 
densverſammlung ließ ſich ſolches endlich gefallen. Henrich Duſener legte 
Regierung nieder, und entfernte ſich nach Bretgen, wo er vielleicht noch in ebe 
Fr Jahr mit Tode abgleng, worauf feine Gebeine in Marienburg beerdiget | 


nz. SZ 


Emrich vor Wir find nunmehro bis auf die Geſchichte des Gröffen unter älter 
Kniprode it gekommen. Es war ſolches Winrich von Kniprode ). Er war vor 
fein nosfolger thur von Danzig m), nachher Comthur von Balge, womit die Stelle e 
— von Matangen verknuͤpft war n), endlich 1347 Oroßcomthur 00, ji da er 
herr. vieles zu Wiederaufbauung des Kloſters Olive gerhan 2 bis er en ja 

dankung des Henrichs Duſener von Arfberg zur Sehhitfeenrnet 
de J). So wie er unter allen 2 2 7 in Preuſſen die längſte a 


ae td 


Y Schuͤt ſ. 71. Leo S. 152. a 
S. 290. 237. 238, Erl. Pr. B. 4 S. 26. 677. 
g) Man ſchreibt die Stiftung mehrentheils fer; 
nem Nachſolger zu, daß aber ſchon Henrich den 
Anfang dazu gemacht, zeigen die Geſamml * 
©. 183. Caſſeburg di! de Coenobiis Pru 
b) Leo S. 152. Schutz f. 73 
) Schug f. 73 Henneb. S. 290. Leo S. 153. 
& Schutz f. 73. Leo S 154. be ©. 290. 
Y) Ein anderer Winrich von Kniprode iſt 


* 


bac bralf Baer den d Peel g. 
„Samml. B. 3 S. 441. 0 Oz 


Et de 


Pruſſiam Vimiei a Knipro, 
Liederz enthält einen kurzen dem 
m) Schug f 94. 
). Geſamm 4 5 10 ea 
) Geſamml. RER 8.55. P 
3. ©. 600 
b) Leo S. 1 
4) Schutz f 73. 46 5 


F 
| Winrich von Kniprode. 203 
F 


fuͤhrt 5; fo gedenkt kein einziger Schriftſteller feiner anders als mit denen groͤſſeſten 135l. 
kobſpruͤchen. Dies iſt der Vorzug einer erhabenen Tugend, daß fie ihre Verehrer nicht f 

ur durch die Geſchichte und ihre Thaten auch bey der Nachkommenſchaft lange nach 
dem Tode leben läffer, ſondern fie zwingt ſelbſt die bitterſten Feinde mit Hochachtung 
| und Ehrfurcht den Namen der Tugendhaften zu nennen. Herr Piſansky hat eine 
j ausführliche Beſchreibung von feinem beben geſchrieben, ich bedaure aber, daß ich, als 
} ler Mühe unerachtet, ſolche nicht habe zu Geſicht bekommen können. Unſer Winrich 
titelte eine groſſe und herrliche Perſon vor ). Zugleich hatte er einen durch Wiſſen⸗ 
ſchaften aufgeflärten Verſtand und durch ſtrenge Tugend begraͤnzten Willen. Er ſorg⸗ 
1 te vor ſtrenge Handhabung der Gerechtigkeit, vor die Ausbreitung der Wiſſenſchaften 
g und vor die Beſchuͤtzung feiner Unterthanen und das Wohl feiner Lande auf gleiche Art. 
Sein Spruͤchwort war: daß er wohl einſaͤhe, wie es dem Orden nicht leicht an Geld 
F und Gut fehle, aber er beſorge, daß ſich einmal an Klugheit und treuer leute Rath 
ein Mangel äuffern wuͤrde t). Damit nun ſolches zu feiner Zeit nicht geſchehe, fo 
kehrte er alle Mittel an. Ob er gleich nicht der erſte Stifter der Schulen in Preuſſen ge⸗ 
I wefen, fo mochten doch dieſelben eben nicht im beſten Stande vor feiner Zeit ſich befinden. 
Er vermehrte felbige 1), und ſtiftete unter andern die altftädtifche und kneiphofſche 
Schule ) zu Koͤnigsberg, und brachte auch andere in Aufnehmen. Dies war das erſte 
u Mittel, dem Orden weit und breit lob und Preiß zu verſchaffen, worauf, nach Henne⸗ 
beerrngers Ausſpruch, alle feine Sorgen ſich vereinigten. Er zog nach Marienburg 
I aus deutfchen und waͤlſchen Landen die gelehrteſten Leute feiner Zeit mit freigebiger 
Hand. Dieſe muſten ſeine Ordensbruͤder in natuͤrlichen, göttlichen und menſchlichen 
j Rechten und andern Wiſſenſchaften unterrichten. In eben dieſer hochmeiſterlichen 
EB Wohnftadt fegte er eine Verſammlung von Rechtsgelehrten nieder, bey welcher man in 
allen Rechtshaͤndeln Rath und Urtheile erhalten konte. Ein jeder Richter muſte auf 
f feinen Befehl alle Ausſpruͤche mit Gründen unterſtuͤtzen, die er aus dem Herkommen bes 
1 weifen, aus der Schrift und beſchriebenen Rechten ziehen, oder aus natürlicher Bil— 
ligkeit herleiten muſte. Ohne dieſe Entſcheidungsgründe war kein Spruch Rechtens guͤl⸗ 
tig. Selbſt im Stimmen muſte ein jeder feine Meinung mit Gruͤnden unterſtuͤtzen. 

iedurch ward die Unwiſſenheit aus allen Ueberlegungen und Urtheilsſpruͤchen verdrängt. 
Niemand konte ſich eine Partey von Unvernuͤnftigen machen, oder das Recht beugen. 
Hiedurch brachte er die preußiſchen Gerichtshöfe in eine ſolche Achtung, daß aus ent⸗ 
fernten Staaten ihre Aus ſpruͤche mit Sehnſucht verlangt, und mit Vergnuͤgen befolget 
wurden. Hiedurch ſpornte er die Ritter zu gruͤndlichen Ueberlegungen an, ſo daß in 
einer jeden Ritterverſammlung ſich einige fanden, welche mit Ruhm ſelbſt die Regie⸗ 
rung 95 führen koͤnnen *. Die Ordensbruͤder lebten unter ihm in verſchiedenen 


ee Ce Orten 

0 31 Jahr. - a 125 0 *) Hrn. D. Arnold Hiſt. der Univerſi. Koͤnigs⸗ 

a Ri. h. dr. g berg © ı. 2. Hartknoch Lirchengeſch S. 186. 
2 eh A. u. N. Pr. S. 302. 5 Schutz f 73. Senneb. S. 291. Erl. Pr. 


*) ane Geſamml. Nachr. * 15. B % ©, 555. Es ane ſogar das ee 
10 5 er 


1371. 


204 Geſchichte von Preuſſn. 

Orten vertheilt, 12 Ritterbruͤder und 6 Prieſterbruͤder machten eine e eigene 

lung aus, die man Convent nannte, und hatten allemal einen ee zu it 

Vorſteher 2). So ſorgfältig er für die Gerechtigkeit ſich bewies, eben ſo A 
Zu Kriegszeiten pflegte das Landvolk mit feiner 


te er auch vor die aͤuſſere Sicherheit. 


Habſeligkeit ſich in die Staͤdte fo lange zu begeben, bis ein Ordens heer verſomm. is 


den, welches den einfallenden Feind wieder zuruͤcktreiben konte. Dies ve 


Hochmelſter theils an Erbauung, theils Beveſtigung, theils an guten Kriegsanftal en 


in den Staͤdten zu gedenken. 


bat Inſterburg, Allenſtein, Rein, Barthen, Muͤhlhauſen, Tolckemit, 2 


Seine weiſe Regierung zog zu feiner Zeit eine gt 
Menge Fremder nach Preuſſen, durch die das kand mehr und mehr bevölkert und 
gebauet wurde a). Der Hochmeiſter hat Bartenſtein den Lithauern wieder 
nommen, auch Raſtenburg, Paſſenheim und Schiffenburg wieder unter die 
maͤßigkeit des Ordens gebracht, da ſolche vorher dem ermlaͤndiſchen Stift gehörer 


a 


TFT, 


fit, Welau, Tapiau, theils neu angebauet, theils wieder hergeſtellet, und es öl 


liger Ausbauung der Stadt Kneiphof vieles beigetragen Y). Er verordnete 
Seaͤdten das Scheiben / und Vogelſchuͤſſen vor die jungen Bürger, um fie zu Ver 
gung der Staͤdte in den Waffen zu uͤben, und ſetzte vor die, welche am an we 
ren, anſehnliche Preife aus. Es waͤre aber freilich zu wuͤnſchen, daß 


1 U N 


fern Tagen andere Einrichtungen gemacht würden, da ſich unfer e iberba 


ſowol, als auch die Kriegsgewehre ſehr geändert haben c). Wintich ſchrieb 
Kleiderordnung in dem kande, ſonderlich in den Städten vor, damit fü ch Bu 
durch gar zu groſſem Nachelfer in der Pracht nicht in Armuth ſtuͤrzen möchten d). 
wurden auch noch andere unerheblichere Geſetze gemacht, welche die Policen a N 
wohin die Verordnung gehörte, daß in jedem Haufe, wo ein Todter ſich def 
weiß Tuch öffentlich ausgehaͤnget werden ſolte, wozu vielleicht eine Peſt € 
Der Handel, ſonderlich zur See, ward von ihm fo ſorgfäͤltig, 
lich durch gute Münze, die er zu verarbeiten den Goldſchinteden bey Verluſt de 
verbot 7), und Beſtfetzung einiger Niederlagsorte g) befördert, daß die 90 

ihn zum allgemeinen Schußheren ihres Bündniffes machen wolte, welches 


gegeben e). 


Wer ſich klug zu ſeyn Ste, der taͤuſche die Bruͤ 
der in Preuſſen 

=) Senneb. ©. 291. Leo S. 167. Er hat da 
gezeigt, wie viel Convente dieſer oder jener Ort 
gehabt. Aenmib S. 291 fagt: Seine Bedien⸗ 
ten ließ er nicht lange in Aemtern, ſondern ſetzte 
ſie bald ab, ſonderlich wenn ſie hoch eis gen und uͤber⸗ 
muͤthig werden wolten, er bedachte ſich aber lange und 
wohl, ehe er andere an ihre Stelle ſetzte. Er ſa⸗ 
he hiebey mehr auf Verſtand und Geſchicklichkeit. 
als auf vornehme Geburt. Er ließ den Gebieti⸗ 


gern nicht zu, Neuerungen und Beſchwerungen 


vorzunehmen, weder in Geldabgaben noch in 


Dienfieiftungen, Er hielt viele Capitel. AR Thorn. 


nne 0 


te keine Kriege 58 aber die 19 
ger Ruͤſtung. Er bauete gern 


nicht nach feinem Willen ma 1 2 
ſtig, Alle geiſtliche und welt He 
durch ſeine eigene Hand, und er beſand 


all ſelbſt gegenwaͤrtig „ 5 
a) Weile S , An. vi au f 
) Liedert. Grat. 3 


e) Schuͤn f 73. Erl pes 
4) Waiſſel lc. Henneb. ( 55 
e) Erl. Pr. Th. 3 S 599. 

Schutz l. e. Senneb. S. 
g) Leo nennt a 


Winrich von Kniprode. 205 
ſchlug 5). Sonderlich hielt er ſelbſt auf Gottesfurcht, wozu er feine Bruͤder mit Wor⸗ 1351, 
ten und Werken aufmunterte. Oft ermahnete er fie aufs Fräftigfte einen Gott gefällis 
gen Dienſt zu ihrer Hauptbefchäftigung zu machen, und ihren Glauben durch gute Wer⸗ 
ke und Tugenden thaͤtig zu beweiſen 7). Er ſelbſt hat ſich durch Erbauung von vier 
Kidftern gegen den Hoͤchſten dankbar wegen des Sieges bewiefen, den die Ritter uns 
ter feinem Vorfahr über die Lithauer befochten hatten H, bezeigte ſich als Vater 
der Witwen und Waiſen J), und ſorgte für die Ausbreitung der kehre von Chriſto m). 
Bey dem allen wolte er das Volk von der Geiſtlichkeit nicht ausſaugen laſſen. Als daher der 
Papſt durch feine Abgeordneten anſſerordentliche Abgaben auf die preußiſchen Unterthanen 
legen wolte, verbot er ſolches aufs ſtrengſte, und kehrete ſich aus Ueberzeugung an die Bann⸗ 
ſtralen nicht, die der roͤmiſche Stul gegen ihn blitzen ließ n). Er behauptete auch die 
landes herrlichen Rechte gegen die Biſchöſe mit allem Eifer 0), und erwarb ſich bey der 
ganzen Welt durch feine weiſe Regierung die allergroͤſte Achtung. Der König von 
Frankreich bezeigte ſolches dadurch, daß er dem Hochmeiſter ein in ein golden Kreuz 
gefaſtes Stück des Kreuzes Chriſti verehrete p), und der König Caſimir von Pos 
len kam perſönlich nach Preuſſen, um den Hochmeiſter in feiner Herrlichkeit zu 
ſehen, die ſich durch den bluͤgendſten Zuſtand in Kriegs und Friedenszeiten aͤuſſerte Y. 
Wir muͤſſen jedoch das, was unter feiner Regierung geſchehen, noch etwas ausfuͤhrli⸗ 
cher vortragen, um ſonderlich zu zeigen, was er gegen die auswärtigen Feinde aus⸗ 
gerichtet. f 
2 N i a R 
Gleich beim Antritt feiner Regierung ward Tapiau 7) erbauet, und Welau unter ihm 
wieder hergeſtellet. Am letztern Ort legte er zum Andenken des Sieges über die Li gehen 15 7 7 
thauer vom Jahr 1349 ein Kloſter Martinianerordens an s). Ein gewaltiger Sturm ebener . 
hatte dem bande, ſonderlich an den Schiffen, groſſen Schaden gethan 7), und noch der an. 
mehr Uebel ruͤhrte 1352 aus einer grauſam wuͤtenden Peſt u). Dies bewog den Hoch⸗ 1352. 
meiſter, alles zu thun, um dem kande wieder aufzuhelfen. Er gab daher unter andern 
der Stadt Königsberg eine Verſchreibung über den alten Dom x), und ertheilte 
der Stadt Zinthen einen Gnadenbrief 5). Vorzuͤglich ſuchte er aber das Land vor den 
Einfällen der Lithauer, die ſich ſchon dazu rüfteren, dadurch zu decken, daß er in Geſell⸗ 
ſchaft eines Burggrafen von Nuͤrnberg und Grafen von Dettingen fie ſelbſt heimſuchte. 
Ä 4 Ein 


RER a Ce 3 n 
) Liederr. Orat. | o) Leo paflim, 
1) Ibidem. ' p) Liederss Orat. aus dem Lucas David. 


0 Liedert. Orat Coenobia haud paues opti- 4) Dlugoſſ. S. 1131. Neugebauer S. 209. 
mo ſi non effectu ſaltem affedu fundavit, lar- Eont. Dusb S 435. 

Biene donayit reditibus , quorum praecipua t) Acts Boruff T. 1. p. zrı. 

uerunt Regiomontanum, . eee. — — s) Erl. Pr. Th. 4. ©. 677. 

tanum (HSeiligenbeil er Conizenſe Schuͤz ) Schutz f. 93. 

f.83. Henneb ©. 464. Hariknoch Kirchenhift. h Ib. 


„ e x) Ert pr. B. 2 S. 475. N 
m) Schutz f 74 und 79 Von Werner Poleogr. Prufl, Spee. 3. 


) Henneb. S. 233. Waiſſel S. 124. p. 8. Ej. Geſamml. Nachr. S. 33. 


— — — ſſ: 7 


1352. 


1353. 
1354. 


1355. 


1356, 


2357. 


kel brach. Dieſes Umſtandes bedienete ſich Kinſtud, einen neuen re h 


206 Sefhichte von Preuſſen. 


Ein groſſer Theil ihres landes ward verheeret. Aber ein ſchnell eingefallener ſtarker? 
nöthigte das Ordens volk zu einem höͤchſt eiligen Ruͤcßkzuge, weil das Eiß muͤrbe wurde, 
ohnerachtet man, um geſchwinder fortzukommen, die meifte Beute zurück ließ, Ar 
doch viele Menſchen und Pferde, theils vor Hunger, theils durch Beſchwerlichkeiten ne 
ges, oder im Waſſer um, weil das Eiß wirklich unter ihren Fuͤſſen brach. Dies be 

thauer um Lichtmeß, nach der Gegend des curiſchen Hafes einen Einfall 3 
fen zu thun. Sie theilten ſich in vier Haufen. Der erfte kam bey Scha 

der andere in Powunden, der dritte im Gebiet Kaymen, und der 45 in 15 e. 
gend von Labiau. Die drey erſten thaten auf dem platten kande groffen Schaden, unt 
führten viele Menſchen gebunden auf Schlitten weg. Aber der Comthur von Labi 
Henrich Schindekopf noͤthigte den vierten Haufen zu einem uͤbereilten Ruͤckzuge 4 
Umwege, auf dem folcher doch, theils wegen des mürben Eiſes in Gewaͤſſern, theils 
durch die tapfere Fauſt des Comthurs und ſeiner Soldaten, aufgerieben oder gefangen 
ward 2). In der Faſten 1353 thaten Olgerd und Kinſtud einen neuen Einfall 
bis in die Gegend von Reſſel, woben die Gegend von Raſtenburg a) ſehr a 
ward, und 1500 Menſchen in die Gefangenſchaft geriethen. Es ruckten zwar des B 
ſchofs von Ermeland Vogt Friedrich von Obart und der Comthur Henrich v von. 
nichfeld gegen ſie ins Feld, wurden aber umringt und meiſt niedergehauen. Weil 
Feind jedoch noch mehrere Ordensvolker vermuthete, zog er uͤbereilt zuruͤck, und a 
von den Gefangenen alles nieder, was nicht geſchwinde genug nachfolgen konte. Der * 
Hochmeiſter konte ſolches anfaͤnglich nicht raͤchen, weil ſonderlich 1384 vieler Regen die 4 
Wege unbrauchbar gemacht. Er muſte daher feine veranſtalteten Kriegszuͤge bis 1355 
aufſchieben. Damals aber mufte in Lichtmeſſen Bruder Siegfried von Dan nen⸗ 
feld, Comthur von Ragnit, mit einer geoffen Macht in Lithauen einfallen, und fünf 
Tagereiſen vorrucken. Er vergalt hieben den Feinden reichlich alles unter des Hochmeiſt rs 
Regierung verurſachte Uebel. Im Sommer gieng es in einem neuen Zuge dieſes Com⸗ 
thurs eben ſo. Er wolte zwar im folgenden Winter einen dritten Zug vornehmen. 
Aber mitten in den hiezu gemachten Anſtalten verzehrete ein ungluͤcklich ausgekoꝛ mm nes 
Feuer 1356 ganz Ragnit mit allen Zuruͤſtungen, Kriegs ⸗ und Mundbedüͤͤrfniſſen, B dieb 
Pferden u. ſ. w. Der Hochmeiſter ließ jedoch dieſen Grenzplatz im Sommer nicht 5 
nur auf einem Werder wieder herſtellen, ſondern auch das von den Feinden zerſtörte 
Schalaunen Schloß wieder aus dem Schutt auffuͤhren. Von die ſem Haufe ließ er 
einen groſſen Graben, einer halben Meile lang, gegen die ragnitſche See zu, aufſwer⸗ 
fen. Er befand ſich, um dieſe Bauanſtalten zu beſchleunigen, pers. önlich gegen artig, 
und hatte dabey das Ungluͤck, daß er von einem Geruͤſt fiel, und den rechten Schen⸗ 


und Allenſtein zu belagern. Er konte aber dieſen Platz nicht erobern, ae. 1 
ſi ch mit Ausbrennung von 16 Dörfern und Verheerung des platten bonds be ö mög 7 


2) Schüg f. 74. 4) el Pr. 25 „ S. Eser i 


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zur u u —-—- 


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Winrich von Kniprode 207 
Anfuͤhrung des Siegfried von Dannenfeld in die feindlichen Lander, welche auf eine 
erſtaunende Art weit und breit verheeret wurden. Jedoch buͤſte der Orden etwa 150 


Mann dabey ein, welche bey denen Schlitten und lebensmitteln zurückgelaffen ſich bes 


fanden. Es fuͤhlte ſich der Feind aber fo geſchwaͤcht, daß er einen zweijährigen Waf⸗ 
fenſtillſtand eingieng b). Der Hochmeiſter bedienete ſich deſſelben zum Beſten feines 
Sandes. Er ließ durch den Henrich Schindekopf der Stadt Raſtenburg ihren 
Hauptfrelheitsbrief ertheilen c). Winrich ſelbſt ertheilte 1358" zu Kreuzburg dem 
Thomas von Pokarbin eine Verſchreibung über 1s Hufen d); erfuhr aber ungern den 
1359 erfolgten Tod Siegfrieds von Dannenfeld, welcher bisher als kandmarſchall und 
Comthur von Ragnit denen Lithauern vielen Schaden zugefuͤget. Das kandmar⸗ 
ſchallamt ward darauf dem Henrich Schindekopf, einem Mann von gepruͤfter Tar 
pferkelt, ertheilet, der auch bald nach Antrit feines neuen Amts 1360 zweimal in Li⸗ 
thauen einbrach, aber nichts ſonderliches ausrichten konte, weil der Feind, ihm un⸗ 
ter Augen zu treten, ſich nicht unterſtand, und der Marſchall in einer ſehr wuͤſten Ge 
gend, nicht lange aus Mangel der lebensmittel ſtehen bleiben konte e ). Der Hochmeiſter 
ertheilte den Königsbergern einen Gnadenbrief über das Hoſpital, wozu der alte Dom 
eingerichtet worden /). 5 f N 
Anm S. us. 

Die Lithauer fielen 1361 abermals in Preuſſen, und legten ſowol Loͤtzen g) als 
auch das Schloß Johannisburg 5) in die Aſche. Der Hochmelſter zog aber ſeine 
ganze Macht zuſammen, und gieng denen lithauiſchen Prinzen Olgerd und Kinſtud 
auf den Hals. Der erſte hatte auch einen Sohn bey ſeinem Heer. Da ſolches ſehr 
zahlreich, ſo lieſſen die Feinde es auch auf ein Treffen ankommen. Am Sonntage Judica 
ward die Schlacht geliefert. Sie daurete faſt den ganzen Tag, und erſt gegen Abend 
erklärte ſich das Gluck vor den Orden. Olgerds Prinz ware durch Bruder Conrad 
von Hohberg gefangen, wenn ihm ſeine leute nicht zum Gluͤck auf ein ander Pferd 
geholfen haͤtten. Kynſtud hingegen ward wirklich gefangen eingebracht, nur ſind die 
Schriftſteller über denjenigen nicht eins, durch welchen ſolches geſchehen. Bald heiſt er 
Henrich Pfleger von Eckersberg, bald Henrich von Krumfeld, bald Gerhard 

von Kranichfeld. Ich glaube es ſey Henrich von Kranichfeld geweſen. Der Prinz 
ward nach Marienburg gebracht, und bekam ein gutes Zimmer zur Wohnung, und 
zwey Brüder und etliche Trabanten zu feiner Bewachung. Den Michael von Lauf 
aber brachte Kinſtud dahin, daß er ihm zur Flucht beförderlich wurde. Kinſtud 
entkam nach 6 Wochen zu Pferde, in einen Ordensmantel eingehüllt, gluͤcklich nach 
Maſovien, deſſen Herzog Janußius mit ihm verſchwaͤgert. Hier machte er einen 
e 8 8 N Ent⸗ 


9 Schds f. 74. N) Erl. Pr. O. 3. S. 4s. 


mic: 
PR 5 80 a 55 8 Das daſelzſt an⸗ g) Aucanus J. e. S. 596. Geſamml. Nachr. 
89. 


gegebene Siegel kommt auch vor in D.ellio de 
Ordin Crusif, No. 90. 5) Senneb S. 162. von Werner Poleogr · 
e) Schutz f 7. Pruſl. Spec. 6. p. 10. 11. 5 


1357. 


1358. 


1360. 


1361. 5 
Fortfegung: 


1361. 


1362. 


208 Geſhichte von Preuſſen. 


machte Anſtalten ſich durch einen Einfall in Preuſſen zu rächen. Aber der Hochmei⸗ 


wurf Danzig zu uͤberrumpeln. Der Hochmeiſter hatte den rußiſchen Kaufleuten er⸗ 
laubt, den dortigen Jahrmarckt zu beſuchen. Es kamen aber ſolche in ungewoͤhnlich 
ſtarker Anzahl, und brachten auf ihren Kaͤhnen viele Waffen mit. Dies machte ſie 
verdächtig. Eben da man einige von ihnen einzog, und die Gefahr durch ihre Ausfar 
ge erkannte, auch die Buͤrger in die Waffen brachte, gaben ſich die Einverſtandenen, 
unter denen auch Polacken waren, durch den Zuruf des Worts Krackau die koſung. Der 
in der Nähe befindliche Kinſtud machte ſich atfo auf angekommenen Weichſelkaͤhnen mit 
ſeinem Volk herben, und bekam ſogar im erften derm den Hauscomthur Johann Col⸗ 
lin gefangen, der der Buͤrgerſchaft zu Huͤlſe eilte. Die Feinde fanden jedoch, daß 
fie nicht ſtark genug, und da fie fehr viel Volk eingebuͤſt, begab fich Kinſtud mit ſeinem 
Gefangenen fort. Der Hochmeifter ließ fogleich dem Kinſtud nachſetzen, und Wilhelm 
von Gronsfeld Pfleger zu Lyck erwiſchte ihn, da er ſich auf dem Ruͤckwege mit Jar 
gen beluſtigte, ſchlug ſeine Beſatzung, erlöſete die Gefangenen, und lieferte den Kin⸗ 
ſtud wieder in Marienburg ein. Aber dieſer brachte einen Bedienten Alf oder Alof 
vielleicht Adolph 1) einen getauften Lithauer durch Verſprechungen fo weit, daß fol 
cher ihm am Tage vor Eliſabeth aufs neue zur Flucht behuͤlflich war, die er auch gluͤck⸗ 
lich bewerkſtelligte, da er ſich durchbrach, und an einem Seil herunter gelaffen. Er 


ſter kam ihm zuvor. Er ruͤckte mit der ganzen Macht zu Lande und Waſſer 1362 bis 
auf Kauen. Der Großcomthur Wolfram von Baldersheim befehligte ihm zur 
Seite. Am Sonntage Reminiſcere ward Kauen eingeſchloſſen. Kinſtud und ſei⸗ 
ne Brüder eilten zum Entſatz herbey, wurden aber geſchlagen. Das Ordensvolk ſetz⸗ 
te die Belagerung fort, zog um ganz Kauen Linien, und verſchanzte auch hinter fi 
das lager. Man warf mit den Kriegs werkzeugen an der Memelpforte ein Stuͤck M 
ein, welches aber zugleich 400 Mann Ordensvolk erſchlug, demunerachtet giengen 
die Auſſenwerke mit Sturm uͤber. Am Palmſonntage ward die Hauptmauer geſtuͤrmt. 
Die tapfere Beſatzung aber ſchlug den Sturm männlich ab. Kinſtud fand ſich wie 
der in der Naͤhe ein, um einen Entſatz zu wagen. Er fand aber das chriſtliche tage 
zu gut verſchanzt. Am ſtillen Freitage hielt er um eine Unterredung mit dem Hoch ⸗ 
meiſter an. Winrich geſtattete ihm ſolche. Kinſtud hatte eben nichts ſonderliches 
anzubringen, auſſer den Hochmeiſter zu Aufhebung der Belagerung zu bewegen, bah 
Eroberung des Orts nicht viel Ehre zu erwerben ſey, weil Kinſtud weder die Beſa⸗ 
Kung befehlige, noch wegen des verſchanzten kagers zum Treffen kommen könne. Al he 
aber der Hochmelſter ihm frey ftellte, fich mit wenig beuten in den Ort zu begeben, aber 14 
auch, wenn er eine Schlacht liefern wolte, Winrich die hinter dem lager befindlichen 


— U 5 

) Schutz l. 95. 96. Cont. Dusb. S. 424. Denn nach dem Danziger Jahrmarkt, welc 
Ich glaube, die Verſchiedenheit des Namens, def im Anfang des Aug. no. entkam ei 
fen, der Binftud gefangen, und deſſen, der ihn Tag vor Eliſabeth. Herr Lucanus im alt „ 
ſortgeholfen, rührt daher, weil man vergeſſen, jetzigen Zuſtand Preuſſens macht den Colin S 
daß Kinſtud zweimal gefangen, erſt am Sonn- 596. zum Comthur von Lätzen. Kojalomir 
tag Judica, da rettete er ſich nach 6 Wochen. Lithuan. P. 1. L. 8. p. 34. 


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Winrich von Kniprode. 209 


Schanzen nieder zurelſſen verſprach, gieng Kinſtud beſchaͤmt zuruͤck. Der Hochmeiſter 
ließ am Oſterabend Feuerfaſſende Sachen zuſammen bringen, und ſteckte ſolche mit 
ſolchem Vortheil an, daß Kauen darüber in Brand gerieth. Als die Beſatzung mit 
dem böſchen ſich beſchaͤftigte, ward an etlichen Orten zugleich geſtuͤrmt. Henrich 
Schindekopf Comthur von Ragnit und Burchard von Mansfeld Comthur von 
Oſterode erſtiegen auf ihrer Seite den Platz zuerſt, worauf überall die Einnahme ers 
folgte. Was nicht in den Flammen umkam, muſte jetzt durchs Schwerd fterben. 
Zu den erſten gehörten 1500 Mann und 3000 wurden erſchlagen. Nur Kinſtuds Prinz 


a Wanmdot und 36 Bojaren von dem vornehmſten Adel wurden gefangen genommen; der 


Ort aber in der Oſterwoche geſchleift, worauf das Ordens volk wieder in Preuſſen ans 
langte K). Der Hochmeifter wies dem Wandot, der ſich taufen laſſen, feine Woh⸗ 
nung in einem ſchönen Gebaͤude zu Welau and). 1363 ruͤckte der Hochmeiſter wieder in 
Lithauen ein, da ihm beſonders die Herzoge von Bayern und Pfalzgrafen beim Rhein 
Ruprecht und Wolfgang anſehnliche Huͤlfe zugefuͤhret hatten. Der Comthur von 
Oſterode der den Vorderzug befehligte, berichtete ein, daß er ein feindliches Heer 
verſchanzt angetroffen, das ihm auch 30 Mann abgenommen. Der Hochmeiſter fiel 
die Feinde durch Umwege im Ruͤcken an, und ſchlug ſie mit groſſem Verluſt in die 
Flucht, und verheerete weit und breit das fand. Der Schaden wurde noch gröffer, 
als auch der landmeiſter von Liefland in Lithauen einruͤckte, und man alſo in abges 
theilten Haufen das fand mitnehmen konte. Auch 1364 ward der Krieg auf eben die Art 
in Lithauen fortgeſetzt. Der Hochmeiſter ließ das zerſtörte Schloß Wartenberg, ob⸗ 
gleich auf einer andern Stelle, wieder herftellen. Auf die Nachricht, daß Kinſtud 
eine neue Veſtung Neukauen aufbaue, ſchickte der Hochmeiſter den Comthur von 
Ragnit voraus, um dieſen Bau fo viel möglich zu hindern, bis er mit der Haupt, 
macht nachfäme. Es gluͤckte demſelben, die neue Veſtung blos mit feinen beuten zu 
erobern und zu ſchleifen. Der nachruͤckende Hochmeiſter ruͤckte vor Piſte, forder⸗ 
te den Platz auf, und bewilligte ſolchem, daß wenn in etlichen Tagen kein Entſatz ans 


kame, ſolcher ſich erſt ergeben folte. In der Zeit entfernte ſich aber die Beſatzung mit 
ihren beſten Sachen heimlich, fo daß der Orden den leeren Ort bekam und ſchleifte. 


1362. 


1363. 


1364. 


Henrich Schindekopf der Ordensmarſchall muſte jetzt vor Vielun gehen, welches 
ſchon zum drittenmal wieder aufgebauet worden. Man ſtuͤrmte zwey Tage vergeblich. 


Am dritten Tage ward durch Anſteckung der zuſammengebrachten Feuerfaſſenden Gas 
chen der Ort in Brand geſteckt. Der Befehlshaber ſahe ſich dadurch genöthiget, ſich 
und ſeine ganze Mannſchaft zu Kriegsgefangenen zu ergeben. Der Marſchall ließ den 
Ort ebenfals ſchleifen und die Gefangenen ſchickte er zum Hochmeiſter ab. Allein die 
mitgegebene Bedeckung begieng die Grauſamkeit, die Wehrloſen alle zu ermorden. Der 
Marſchall verlangte die Beſtrafung dieſes ehrloſen Verfahrens. Der Hochmeiſter erkann⸗ 
te ebenfals ſolches vor billig, verſchob aber die Strafe bis er den Zug geendiget, damit die 


9 Schug f 76. 77. 78. f I) Erl. Pr. B. 4. S. 678. ö 
p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. | D d 


Men⸗ 


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1 210 Geſchichte von Preuſſen. 


1364. 


tem). Weil auch damals zwiſchen Polen und der Neumark an einem Grenzvergleich 


zen ebenfals da zuſammen liefen, zu beobachten n). Der König Caſimir ſtattete ſelbſt 


1365. 


feinem Stande gemäffen Achtung aufgenommen und vom Hochmeiſter bewirthet Fee 
in dieſem Jahr den Auguſtinern vor Konitz einen Gnadenbrief P) ausfertigte. 


Feruere fort: 
ſetzung. 


gen den Befehlshaber, und kamen zu Inſterburg an. Der Pfleger dieſes 


7366. 


Menge derer, die daran Theil genommen, auf dem Kriegszuge kein Unheil anrichten kon · 


gearbeitet wurde, ſo ſchickte der Hochmeiſter ſeine Geſandten an den König Caſimir, 
um theils die Sache vermitteln zu helfen, theils die Vortheile des Ordens, deffen Sren⸗ 


bey dem Hochmeiſter 1365 zu Marienburg einen Beſuch ab 0), um deſſen Kriegsan⸗ 
ſtalten und weiſe Landeseinrichtung mit eigenen Augen zu ſehen. Er ward mit aller 


$. 116, ei 4 
Seine Hauptforge blieb immer der lithauiſche Krieg. Denn Olgerd 
und andere verwandte Fürften thaten vier Einfälle in Preuſſen. Erſt hauſeten fie 
im Schalaunerlande ſehr über, Kinſtud eroberte und zerftörte Angerburg Y, und 
verheerete die dortige Gegend. Der Vogt von Samland konte ihn mit feinem Rau n 
nicht einholen, und muſte mit Verheerung eines Strich landes von Lithauen zufrieden ſeyn. 
Olgerd chat im dritten Einfall um Ragnit groſſen Schaden. Den vierten Einfall 
veranlaſſeten zwey lithauiſche Prinzen Korigell und Butow, die zu Wilna mit et⸗ 
lichen Bojaren ſich beredeten, zum Orden uͤberzugehen und Chriſten zu werden. 
Kinſtuds Befehlshaber in Wilna erfuhr davon etwas, und ließ den Butom in Feſ⸗ 

ſeln legen, weil er von den uͤbrigen Einverſtandenen nichts wuſte. Dieſe aber er 


ſchickte fie zum Hochmeiſter nach Marienburg, der fie mit groſſen Feierlichkelten 
Koͤnigsberg durch den Biſchof von Samland taufen ließ. Dies verdroß den 
ſtud fo, daß er davor in Preuſſen einfiel, das wieder aufgebauete Johann 
eroberte und einaͤſcherte, und alles herum verwuͤſtete. Er ließ damals zur R 
nige gefangene Ordens perſonen feinen Götzen zu Ehren verbrennen 7). Aber der $ 
meiſter nahm dagegen 1366 einen Hauptzug in das feindliche Gebiet vor, welch 
19 Tage lang, ſeit Maria Himmelfahrt verwuͤſtete, und mit erheblicher Beu 

lich zuruͤck kam. Auf dieſem Zuge ſties der Comthur von Ragnit mit 50 P 
300 Lithauer. Ihr Anfuͤhrer forderte den Comthur auf, ſich der uͤberleg 
ge zu ergeben. Dieſer wolte aber mit feiner Mannſchaft lieber mit dem De 
Hand ſterben, als Gefahr laufen, als Gefangene den Soͤtzen aufgeopfert zu we 
Er grif mit Verzweiflung den Feind an. Ohnerachtet aber 27 auf der Stelle bliel 
und die uͤbrigen meiſt verwundet worden, ſo brachte er doch die Feinde zur Fluch 
denen 250 geſtreckt lagen ). Der Hochmeiſter ſuchte ſodenn einige Irrungen 


I 


1 f “r * 
„ Schüͤt f. 78.7. d Jaenichii-Melet. Thor. T. 2. P. 59, Ges 
n) Ditmar von Herrnmeiſterthum vom Jahr ſamml. Nachr. ©. 56, 5 
737. S. 35. 40 de Werneri Poleogr. Pruff, Spee. 
0) Cont. Dusb. S. 425, Neugebauer Hiſt. 1) Ibid Spec. 6. p. 10, 1, * 
Polon, L. 3. p. 209. 3) Schäg . . 


99 * r 


— 


Winrich von Kniprode. — 38 
Erzbiſchof von Riga und andern Geiſtlichen in Danzig beizulegen 2), vergaß aber 
nicht 1367 den Krieg mit Lithauen. Es geſchahen vier Einfälle in dies land, doch 
nur bey einem befand ſich der Hochmeiſter gegenwärtig. In den drey übrigen befehlig⸗ 
te der Marſchall Henrich Schindekopf, und that den Feinden vielen Schaden ). 
1368 behielten beide das kand in einer guten Ruhe. Die Lithauer ſowol als der Or 
den wuſten wohl, daß ihre Kriege noch nicht geendiget, und waren von beiden Seiten 
gegen einander ſehr aufmerkſam. Weil die Streifereien hauptſäͤchlich von der Memel 
in beider lande gefpielet worden, fo entſchloß ſich Kinſtud, an dieſem Fluß eine Des 
ſtung anzulegen, wozu er 1369 die noͤthigen Bauſtuͤcke herbeiſchaffen ließ. Der Hoch⸗ 
meiſter ſahe zum voraus, was Preuſſen ſolches Vorhaben für Schaden bringen würs 
de, und faſte den Entſchluß, lieber ſelbſt jenſeit der Memel ein veſtes Schloß aufzu⸗ 
fuͤhren. Er ließ daher in feiner Gegenwart unter nöͤthiger Bedeckung ebenfals alles, 
was zum Bau nöchig, herbeiſchaffen, und kam den Kinſtud zuvor, brauchte auch 
deſſen angefuͤhrte Sachen, womit er in fuͤnf Monaten das Schloß Gotteswerder an⸗ 


legte. Am Pfingſttage ließ er die Ordensfahne auf deſſen hoͤchſte Spitze pflanzen, bes 


ſetzte den Ort mit 20 Rittern, 40 Reutern, und einer hinlaͤnglichen Anzahl Fußvolk, 


woruͤber er den Cuno von Hattenſtein zum Befehlshaber beſtellete. Kinſtud hatte 


doppelte Urſache ſich zu beſchweren, theils daß man ſeine Werkſtuͤcke weggenommen, 
theils in einem fremden Lande eine Veſtung angelegt. Aber man verließ ſich von Sei⸗ 
ten des Ordens mehr auf Macht als Recht, obgleich derſelbe wohl anfuͤhren koͤnnen, 
daß Lithauen ihm geſchenkt, und der Orden berechtiget ſey, ſolches den Heiden zu ent⸗ 
reiſſen, auch daher eine Befugniß habe, alles das ſich zu zueignen, was der Feind her⸗ 
beigeſchaft. Die Lithauer erkannten aber die Guͤltigkeit dieſer Gründe nicht. Kaum 
hatte ſich der Hochmeiſter entfernet, fo langte Olgerd und Kinſtud vor dem Schlofs 
fe Gotteswerder an, ſtuͤrmten ſolches fünf Wochen lang, bemaͤchtigten ſich endlich deſ⸗ 
ſen, nahmen, was nicht erſchlagen worden, gefangen, und beſetzten den Ort mit ih⸗ 
ren Völkern. Der Marſchall Henrich Schindekopf kam alfo zum Entſatz zu ſpaͤt 
an. Er verſaͤumte jedoch keine Zeit, dem Feinde den Platz wieder zu entreiſſen, und 
brauche ſolchen Ernſt, daß er denſelben nach fuͤnftaͤgigem Angrif zur Uebergabe noͤthig⸗ 


te. Die Beſatzung nahm er gefangen, und belegte den Ort mit hinlaͤnglichen Ordens⸗ 


völfern, Nun gieng er mit den Übrigen auf die lithauiſche Veſtung Bayerey los. 
Der Befehlshaber dieſes Platzes erſuchte den in der Naͤhe ſtehenden Kinſtud, denſel⸗ 
ben zu entſetzen, wenn er ihn nicht übergeben ſolte. Der Prinz ließ es aber blos bey 
Drohungen bewenden, daran ſich der kandmarſchall jedoch nicht kehrete, ſondern end⸗ 
lich Feuer in die Bayerey brachte. Kynſtud verlangte bey ſo geſtalten Sachen eine 
Unterredung mit dem Marſchall, und daß ſolcher die Beſatzung lieber gefangen anneh⸗ 
men, als im Feuer umkommen laſſen ſolte. Aber Henrich Schindekopf wolte die 
Abgeſchickten Kinſtuds nicht einmal anhören, um der Beſatzung keine Zeit zu löſchen, 
und dem Prinzen zum Entſatz zu laſſen, ſondern es ſetzte das Ordensvolk feine Bemuͤ⸗ 
r Do 2 hun⸗ 
7) Pr. Samml. Th. 3. S. 219. u) Schüg f. 80. 


1366. 
1367. 


1368. 


1369. 


— — — 


1369. 


$. 
„ Der abgeſtattete Bericht dieſes Geſpräches vermochte den Hochmeiſter zu dee E. 
acht. 


1370. 


2 


212 Geſchichte von Preuſſn. 
hungen beſtaͤndig fort, fo daß das Schloß in Brand gerieth, und die 900 Mann ſiaß⸗ 
ke Beſatzung in den Flammen umkam. Kinſtud ſchmerzte dieſer Verluſt, konte ſol⸗ 
ches aber jetzt nicht rächen. Er hielt eine Unterredung mit dem kandmarſchall, worin 
die Auswechſelung der beiderſeitigen Gefangenen beliebt wurde. Zugleich ließ ſich der 
Prinz heraus: er würde gewiß kuͤnftiges Jahr den Hochmeiſter in Preuſſen beſuchen. 
Der kandmeiſter verſtund, was er damit ſagen wolte, und erwiederte: er a fo em 
pfangen werden, wie es einem fim groſſen Gaſt gebuͤhre x). Ge 
N e 


ſten Maaßregeln. Er hatte zwar ein damals gewoͤhnliches kuſtſtechen 1370 nach Din 
rienburg ausgeſchrieben. Doch jetzt verdraͤngte der Ernſt das Vergnuͤgen. 
muſte Anſtalten machen, dem Feinde wohl zu begegnen. Der Hochmeiſter hatte dies 
Jahr keine auswärtige Huͤlfe bekommen. Er ließ aber deswegen den Muth nicht fin 
ken. Weil er nicht wuſte, in welcher Gegend die Lithauer einbrechen wuͤrden, ober 
fahl er, daß ein Theil ſeines Heers im Culmerlande, der andere bey Morden⸗ 
burg, und der dritte in Samland ſich zufammenziehen ſolte. Jeder Haufen beſtand 
anfänglich ohngefaͤhr aus 6000 Mann. Ueberdies muſte Schindekopf den Tag vor 
Lichtmeß einen Einfall in Lithauen thun. Hier erfuhr er durch die gemachten Gefan⸗ \ 
genen 120 Mann, daß Olgerd und Kinſtud die ſtaͤrkſten Kriegsruͤtungen gemacht. 
Lithauer, Ruſſen und Tartarn machten ihr Heer aus, welches von Pe 0 ꝙ0Q 
Mann y) ſtark angegeben wird. Dieſe fielen Über das gefrorne curiſche rn age 
Faſten in Samland ein, und theilten fich in zwey Haufen. Einer pluͤnderte das be 
ſtreifte bis Ortelsburg und verbrannte dieſen Ort, da der andere indes bey Ruda 1 fte 
blieb, und den erſten wieder an fich zog, als man Nachricht von dem Anzuge des Ordens volks 
erhielt. Denn Schindekopf ruͤckte mit 40000 Mann herbey, da er in der Eil Bin 
ger und Bauren mit bewafnet hatte. Der Hochmeiſter verſprach ebenfals naͤchſtens 
dazu zu ſtoſſen. Doch der Marſchall wartete dieſe Vereinigung nicht ab, well er die 5 
Lithauer mit ihrem Raube nicht gern entwiſchen laſſen wolte. Er zog — fein- 
liche Heer in die Gegend von Rudau. Nach verrichteter Meſſe ließ er fi 
mals uͤbligen Johannistrunk reichen. Den 27ſten Dec. pflegte die Gelſtlich 
ben aus Wein oder Meth und Waſſer zu machen, und die laien zu bereden, daß me 
gegen ein Opfergeld pr aller Zeit des Jahrs trinken, und ſich ſodenn vor aller G 
ſichert halten könte 2). Selbſt Helden find oft ſchwach genug, Gewonheiten i 
herrſchen zu laſſen. Die Lithauer waren eben fo begierig ein Treffen zu lleff 
ihre Menge ſie an einem gluͤcklichen Erfolg nicht zweifeln ließ. Die Schlacht gien 
mit Anbruch des Tages a) an, und bis zu Mittage “ar fe umenfien Da 
ws N. 
* Schütz Ibid, 2) Inc. Tlomaſſus dift. de poeulo 8 
4) Es war der Sonntag, 22 
9), Henneb. ſagt nur 12000 Mann S. 402. ſchen Kirche zu ſingen pflegte: E 


vielleicht redet er nur von einem Haufen, der im dormies Pfalm 44. v. 34 Fr 
Lande pluͤnderte. T. 2. P. . col. t. = var 


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Winrich von Kniprode. 273 
Menge det Feinde hielt der Muth des Ordensvolks das Gleichgewicht. Schindekopf 1370. 
gab bald Befehle, bald Muſter. Er that in dieſer Schlacht ſich immer auf eine erha⸗ 
bene Art hervor. Die gemeine Sage berichtet, daß ein koͤnigsbergſcher Schuhknecht 
Hans, von Sagan gebuͤrtig, die bereits verlorne Ordens fahne ergriffen, und dadurch 
denen, die ſich bereits nach der Flucht umgeſehen, ein neues Herz gemacht. Er ha⸗ 
be nachher ſich vom Hochmeiſter die Gnade ausgebeten, daß jährlich vor Him⸗ 


melfahrt auf dem Schloß von der landes herrſchaft den köͤnigsbergſchen Bürgern ein 


Gaſtmal, das Schmeckbier genannt, gegeben wuͤrde. Ohnerachtet das Schmeckbier 
bekandt, auch des Hans von Sagan Bild nachmals auf dem koͤnigsbergſchen Schloß 
ſtatt eines Wetterhahns gebraucht iſt, ſo bleibt doch noch zweifelhaft, ob die Rudauer 
Schlacht dazu Gelegenheit gegeben. Aber Schindekopfs Verdienſte ſind ohne Zwei⸗ 
fel. Nachmals bemerkte der Matſchall, als er zu Pferde beſtaͤndig die Glieder durchs 
rennete, den Muth anfeurete, die Ordnungen immer wieder herſtellete, und alle Be⸗ 
wegungen des Feindes beobachtete; daß des Feindes linker Fluͤgel, den Olgerd anfuͤh⸗ 


tete, in Unordnung gerathen. Er fiel ſogleich dieſen Haufen mit friſchen Völkern an, 


und brachte ſolchen endlich zum Weichen. Olgerd war nicht ſowol vor ſich ſelbſt, als 
zwey junge Prinzen in Sorgen, die er bey ſich hatte. Seinen Sohn Jagello von 
22 Jahren und Kinſtuds Sohn Vitold von 20 Jahren ließ er alſo gleich, da es um 
feine Volker mislich auszuſehen anfieng, in Sicherheit bringen. Als feine Hauptfah⸗ 


ne verloren gegangen, folgte er gleichfals mit denen Voͤlkern, die nicht weiter zum 


Stande zu bringen. Kinſtud, der den rechten Fluͤgel befehligte, konte jetzt von dem 
Ordensvolk auf der Seite angegriffen werden. Dies zog auch ſeine Niederlage nach 
ſich. Das ſiegende Ordensvolk verfolgte die Fluͤchtigen bis in die ſpaͤte Nacht, und 
raͤchete alles an dieſem Tage vergoſſene Blut durch den Tod derer, die nur vor die Fauſt 
kamen. Die meiſten, die dem Schwerd entrunnen, kamen vor Hunger in den Wild⸗ 


niſſen um, oder brachen durch muͤrbe gewordenes Eiß, und ertrunken. Es litte das 
feindliche Heer, wie leicht zu erachten, eine entſetzliche Niederlage, obgleich Radue⸗ 


wald in einer ungedruckten Geſchichte demſelben den Sieg zuge ſchrieben, und Kojalo⸗ 
wicz Y) behauptet, daß ſich ſeine Landsleute in der beſten Ordnung in einen Wald zu⸗ 
ruͤck gezogen, und mit aller gemachten Beute wohlbehalten zu Hauſe angekommen. 


Er Auch Dlugoſſus c) thut zu wenig, wenn er behauptet, daß nur 1000 Lithauer ge 


blieben, der Orden 100 Gemeine und 20 Ritter eingebuͤſſet, und daß die lithaui⸗ 
ſchen Prinzen ſich in den naͤchſten Wald gezogen, und daſelbſt durch einen Verhau 
geſichert hatten. Ihnen widerſpricht das Zeugniß allee preußiſchen Geſchichtſchreiber, 
ſowol als ein öffentliches Denkmal des Sieges, welches der Orden aufrichten laſſen 


Doch war auch dieſer Tag vor den Orden blutig genug. Er verlor ohne die gemeinen 
Soldaten 200 Ritter, 26 Comthurs d), und den Ordensmarſchall. Der letztere 


Big D d 3 blieb 
5) Hift, Lithuan. P. 1. L. 8. p. 340. Er war aber nicht Großcomthur, ob ich gleich 
ch ad h 2. zzIiugebe, daß er deſſen Stelle damals vertreten ha⸗ 

2 ben mag. Großcomthur war noch Wolfram 


A) Darunter war auch Cuno von Sattenſtein. von Baldersheim. Geſamml. Nachr. S. 36. 


— 


— — 
* 


1370. 


214 a Geſchichte von Preuſſen. 
blieb nicht eigentlich in dem Treffen ſelbſt. Im Nachhauen hörete er einige Trom / 
meln; er jagte auf einen Huͤgel, um mit aufgedecktem Helm zu ſehen, ob ein SE 
fen Feinde oder Freunde ankaͤme. Es waren Lithauer, von denen Wiſſewilt, ein 
Verwandter der Fuͤrſten, ihm eine lanze durch den Mund ſtieß. Schindekopfs Fauft \ 
hieb zwar den Wiſſewilt auf der Stelle nieder. Der Marſchall fühlte aber, daß 
feine Wunde gefährlich. Er wolte ſich nach Königsberg bringen laſſen, ſtarb aber 
unterweges. Auf der Stelle, wo er feinen Geiſt aufgegeben, ward eine jetzt 

ne kleine Kapelle erbauet, wo jetzt das Matths Kahlen Wirthshaus liegt. 

Körper aber ward zu Königsberg in der Maria Magdalenen Kapelle, wo jetzt d 
Muͤnzhaus ſtehet, beerdiget. Auf dem Wahlplatz ließ der Hochmeifter zu R 

und Laptau zur Beerdigung der gebliebenen Chriſten Kirchen erbauen, und in d 
letztern die Schlacht abmalen. Endlich ward zum Andenken dieſes Sieges auf den 

tzauer Felde die rudauiſche ſteinerne Saͤule errichtet, von der man eigene 
bungen hat. Da dieſer Sieg ſehr blutig geweſen, fo konte ſelbiger fogleich ı t ver 
folgt werden. Man hatte damals auch auf Polen zu ſehen, wo nach Caſimirs To- 
de deſſen Schweſter Sohn König Ludwig von Ungarn folgte. Aber 1371 brach der 


1371. 
Hochmeiſter mit Huͤlfe Leopolds von Oeſterreich um Martini mit vier Haufen in 5 
Sameiten ein, und that groſſen Schaden. Hingegen that auch Kinſtud einen Ein⸗ 
fall in Preuſſen, und zerſtorete das Schloß Gogelancken. Der Comthur von Inſte 
burg Wigand von Baldersheim, nahm ebenfals eine Streiferey in L * 
Endlich verglichen ſich beide Theile uͤber einen vierjaͤhrigen — 
die Grenzlaͤnder beider Staaten fo verwuͤſtet waren, daß ſelbſt ein fee 
aller moͤglichen Haͤrte nicht hinlaͤngliche lebensmittel wi 3 ten 
in Streifereien ſich zu erhalten e). f N 
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Die eier Es gehörten verſchiedene preußiſche Städte damals zur Hanf. Der Hochmen 
. x ſter ſahe daher gerne, daß zwiſchen dieſem kande und dem Könige Woldemar 
* been bisher geführte Krieg durch einen Vertrag beigelegt ward /). Hingegen hatte d 


ſters tod fort manche Streitigkeiten mit dem Stift Ermeland. Der bisherige a 
Sareifrock machte auf verſchiedene Orte Anſpruch, die der Hochmeiſter bei 


geſezt. 


nicht zugeſtund, ſondern noch Staͤdte bauete, wohin die Ermlaͤnder ihr E 
Markt führen ſolten. Die Irrungen wurden fo beträchtlich, daß auch der K 
ſter auf einem Landtage auf den Biſchof, der ſich ſehr unnuͤtze machte, e — 
zog, und ihn zu erſtechen drohete. Der Biſchof wandte ſich an den Papſt 

hielt einſeitig drey vortheilhafte Ausſpruͤche. Es ward ſogar der ſter . 
Orden in den Bann erklaͤret, den man aber ſo wenig achtete, ‚als U) 
andern durch, wegen ausgeſprochen worden, me; 5 ließ af an Safe n 


2 Schös . 81, Ausführlich handelt von diem Treffen aus anbau und a ndern 
handlung im Erl. Pr. B. 1. S. 6 61. 
N. Pr. Samml. Th. 3. S. 121. - nend nud! bus 10 n 


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Winrich von Kniprode. 215 
ten aller geiſtlichen Guter einfordern. Die Geiſtlichkeit wandte ſich an den Hochmei⸗ 
ſter, der ſich ihrer auch annahm, und dem paͤpſtlichen Botſchafter das Geforderte zu 
zahlen verbot. Darüber befahl der paͤpſtliche Stul, allen Gottesdienſt in Preuſſen 
zu hemmen. Allein nur der Biſchof von Culm Wigbald befolgte dieſen Auftrag, 
‚worüber er ſich den Haß des ganzen landes zuzog, und ſolches endlich gar räumen mus 
ſte. Der Biſchof von Ermeland bieng ſich darauf an den Kaiſer Carl 4, welchen 


der Papſt aufmunterte, ihm und dem Stift Ermeland Rache zu verſchaffen. Carl 
ſuchte bereits in Deutſchland ein Buͤndniß gegen den Orden zum Stande zu bringen, 


gegen welchen er einen Anſpruch auf das fand Michelau machte, um doch wenig⸗ 
ſtens den Schein eines gerechten Krieges zu haben. Viele deutſche Fuͤrſten rlethen 
daher dem Hochmeiſter, es nicht aufs aͤuſſerſte kommen zu laſſen. Winrich befänfs 
tigte wirklich den habſuͤchtigen Carl mit einer Geldſumme, und ließ ſich 1372 gefallen, 
daß er die Irrungen mit dem Stift beilegen ſolte. Dieſer Prinz ſchien um fo mehr 
in Preuſſen in Achtung zu kommen, da er 1373 den Beſitz der Mark Brandenburg 
erhielt. Sein Geſandter der Biſchof von Breslau ward daher in Preuſſen wohl aufs 
genommen, und mit ihm die ſtreitigen Grenzen zwiſchen dem Orden und dem Stift 
Ermeland in Erwegung gezogen. Endlich kam zwiſchen dem Hochmeiſter Winrich 
von Kniprode und dem Biſchof Henrich Sorenbaum ein dem Orden zutraͤglicher 
Grenzvertrag 1374 zu Stande g). Dieſe innere Ruhe ſchien um fo viel nöthiger, 
weil der Waffenftillftand mit den Lithauern zu Ende gieng. Von Seiten des Or 
dens ſieng 1375 der Comthur von Ragnit Gerike die Streifereien in Sameiten wies 
der an. Die Lithauer wolten ihm zwar auf dem Ruͤckzuge bey einem Moraſt den 
Weg verlegen, aber das Ordensvolk faß von feinen Pferden ab, und kam auf die Art 
im Angeſicht des Feindes uͤber den Moraſt, obgleich der Comthur und 12 Ritter hie⸗ 
bey ums leben kamen. Bald darauf gieng der Ordensmarſchall Gottfried von Lin⸗ 
den mit 10000 Mann in Sameiten, und richtete groſſe Verheerungen an. Im 
Fruͤhling 1376 aber brachen die Lithauer in Preuſſen ein. Sie belagerten zwar Nei⸗ 
denburg und Soldau vergebens, aber das platte fand muſte ungemein herhalten. 
Doch im Herbſt raͤchete ſolches der Orden. Der Comthur von Balge Dietrich von 


Elner gieng den Ruſſen ins land, da der Hochmeister mit der Hauptmacht in Li⸗ 


thauen groſſen Schaden that. Kinſtud hingegen war eben damals in Preuſſen ge 
fallen, theilte ſein Volk in drey Haufen, und ließ durch den einen Inſterburg erobern 
und einaͤſchern, durch den andern die Gegend Narwekitten und Taplacken, und 
durch den dritten die Gegend von Welau verheeren. Zu Ende des Jahres am Ste⸗ 
phanstage muſte dagegen der Comthur von Ragnit Cuno von Hattenſtein, und det 
Pfleger von Inſterburg Wigand von Heldrungen in Lithauen einbrechen, die 
auch 1377 einen Haufen Lithauer ſchlugen, da auf einer andern Seite der Comthur von 
Balge ebenfals Verheerungen anrichtete. Auf dem Zuruͤckzuge aber fiel das Ordens⸗ 
volk in einen Hinterhalt, und verlor 20 Ritter und so Mann. Um den uͤblen Folgen 

N 5 i dieſer 
2) Leo S. 126 f. Pr. Samml. B. 3. S. 219. 1 


1 


1371. 


1372. 


1373. 


1374. 


1375. 


137. 


1277. 


1378. 


1379. 


1380. 


216 Geſchichte von Preuſſen. 


dieſer Begebenheit vorzubeugen, ließ der Hochmeiſter Wartenburg und Rein anfes 
gen, und um den Feind abzuhalten, dieſem Bau Hinderniſſe in den Weg zu legen, mus 
ſten der Marſchall Gottfried von Linden und der Großcomthur Ruͤtger von Elner 
in des Feindes Land brechen. Der Hochmeiſter that ſolches bald darauf ſelbſt, da der 
Herzog Albrecht von Oeſterreich mit 62 Rittern und einer guten Macht in d 
ſen angelangt war. Der Feind ließ ſich im Felde nicht ſehen, ſondern fein land ver 
beeren. Als daher Graf Guͤnther von Hohenſtein und die Grafen und Vettern 
Eberhard und Johann von Katzenellenbogen nach Preuſſen gekommen, muſte der 
Marſchall mit 12000 Mann nochmals nach Lithauen gehen. Trocki wurde zwar vers 
geblich angegriffen, aber Übrigens auf dem platten Lande ganz erbaͤrmlich hausgehalten, 
und ſogar die Stadt Wilda durch hereingebrachtes Feuer guten Thells abgebrandt. 
Olgerd konte fein Land nicht retten. Er bat daher auf etliche Tage einen Waffenſtill⸗ 
ſtand, der ihm auch bewilliget ward. In dieſer Zeit beſprach er ſich mit dem kand⸗ 
marſchall, den die lithauiſchen Prinzen nebſt den vornehmſten Befehls habern aufs be⸗ 
fe bewirtheten. Hiedurch erhielten fie, daß nunmehr das Ordensvolk nicht weiter, 
ſondern zuruͤckgieng. Weil 1378 der Herzog von Lothringen mit 20 Helmen dem Or⸗ 
den zu Huͤlfe gekommen, brach der Comthur von Ragnit, um das Feſt Johannis 
des Taufers, in das feindliche Sand, und that darin vielen Schaden. Vitold, Kin 
ſtuds Sohn hatte indeſſen die zuruͤckgelaſſenen lebensmittel erbeutet, daher das Ordens / 
volk auf dem Ruͤckzuge ſchweren Hunger auszuſtehen hatte. Im Herbſt muſte auh 
der Landmarſchall einen Zug in Lithauen vornehmen, der ebenfals nichts als Bermie 
ſtung zum Begleiter hatte Y). Der Hochmeiſter aber ließ ſich des dandes Wohl ange ⸗ 
legen ſeyn. Er gab der Stadt Elbing einen Gnadenbrief über etliche Dörfer uu 
Dammrecht :), und hlelt ſich eine Zeit lang perfönlich in Raſtenburg auf . Er 
erneuerte auch die Handveſte der rechten Stadt Danzig 4). Der Tod des Kaiſers 
Carl 4 dem Wenzel in Böhmen, Siegmund in Brandenburg, und Johann 
in der Lauſitz folgte, verminderte feine Sorgen. Er unterließ aber auch 
Krieg gegen Lithauen fortzuſetzen. 1379 nahm der Comthur von Balge zu g 
Zeit mit dem kandmeiſter von Liefland einen Einfall in Lithauen, und der E 
von Oſterode Burchard von Mansfeld in Reuſſen vor. Dieſe Lithauer ru 
ſich dadurch, daß ſie den Comthur von Memel Gallus von Teirichwald mit 
Volk am Pfingſttage erſchlugen, und Memel ſelbſt in Brand ſteckten. Aber? 
von Elner Comthur von Balge brachte dieſen Schaden durch Einfälle in Re 
fo, wie der neue Marſchall Cuno von Hattenſtein oder Hatzkenſtein aso 
ein m). In Preuſſen merkte man kaum dieſe Kriege an den Grenzen. 
lau ward Rathhaus und Kirche gebauet n). Der Hochmeiſter gab der 
Danzig eine Handveſte o). Sonderlich ward die Stadt Kneiphof Koͤn 


0 Schi f. l. g. | a 
0 Pr. Samml. B. 3. S. 3). ern Pe. a Ke 
) Erl. Pr. B. 3. S. 657. n) Erl. Pr. Th. 4. S. 656. 669. 


Y) Pr. Samml. B. 1. S. 41. o Pr. Samml. B. 2. S. 


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7 ſelt der Zeit ſie zum Spott ſtatt Kreuzherren, nur die Kreuziger zu nennen pflegte 2). 


N „) Erl. Pr. Th. 3. O. 353. 354. Herr Arnolds der Zeit theils erſchlagen, theils gefänglich wegge⸗ 


Winrich von Kniprode. 217 
fig ausgebauet, wo der Hochmelſter 1381 eine Schule nach dem Mufter derjenigen, die 1381, 
in Elbing befindlich, ſtiftete, und mit geſchickten dehrern in allerhand Wiſſenſchaften 
beſetzte p). Der jetzige Marſchall brach wieder in Lithauen auf der einen, und der 
Sandmeifter von Liefland auf der andern Seite ein, und machten erhebliche Beute. 
Kinſtud und ſein Sohn Vitold fielen dagegen Preuſſen feindlich an, und ſteckten 
durch einen nächtlichen Uleberfall die Stadt Oſterode in Brand. Aber davor hat der 
Landmarſchall 1382 das feindliche Haus Eroglen mit Feuer, und andere kandſchaften mit 7382. 
Raub und Brand heimgeſucht. Es hat uͤberhaupt dieſer Krieg unendlichen Jammer 
auf beiden Seiten verurſachet J). Winrich ließ aus den Geſchichtbuͤchern einen Aus 
zug machen, was dieſer Krieg ſchon dem Orden vor Volk gekoſtet, und bekam eine 
ſehr erhebliche Anzahl Menſchen heraus, die dieſer lithauiſche Krieg unglücklich. ges 
macht 7). Bey dem allen erlebte er deſſen Ende nicht, ſondern ſtarb den aͥſten Jun. 
am Tage Johannis. Sein Körper ward in Marienburg in der hochmeiſterlichen 
Gruft beerdiget. Sein Andenken aber bleibt groß, fo lange Menſchen die wahre 
Gröͤſſe verehren werden s). 0 18 i 


- 6. 19. 7) en 255 
Conrad Zöllner von Rotenſtein hatte bereits um den Orden erhebliche Vers Conrad Zl 
dienſte. Er war Ordensdrappirer und Comthur zu Chriſtburg geweſen. So kommt nan von . 
er als Zeuge in Urkunden 1374 1) und 1378 vor 1). Endlich ward er den zten Oct. x) 3 155 


oder nach andern Nachrichten den sten Oct. y) auf einer Wahlverſammlung zu Ma⸗ meiſterthum. 


rienburg zum Hochmeiſter erwaͤhlet. Auf eben dieſer Verſammlung kam in Vorſchlag, 


die Ordensritter, welche aus denen beſten Geſchlechtern des hohen und niedern Adels 


abſtammten, nicht mehr ſchlechtweg Brüder zu nennen, ſondern ihnen das Ehrenwort 


der Kreuzherren, oder der deutſchen Herren beizulegen. Der neue Hochmeiſter ſtell⸗ 
te ihnen zwar vor, daß fie lieber bey der alten Gewohnheit bleiben möchten. Der Bruͤ⸗ 
dertitel, den ſie alle fuͤhreten, erinnere ſie der Demuth und allgemeinen liebe. Neue 
Ehrennamen könten fie in den Ruf hochmuͤrhiger Herren bringen, und es wuͤrden ſol⸗ 
che der Anfang vieler Spaltungen ſeyn. Allein der wohlmeinente Rath des Hochmel⸗ 


ſters ward uͤberſtimmt, und von dieſer Zeit nannten ſich die deutſchen Ordensritter 


deutſche Herren, auch Kreußherren. Ihr Hochmuth wuchs wirklich ſeit dieſem zufe 
hens, und ward Grenzenlos. Der Ausbruch deſſelben fiel unerträglich, fo daß man 


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Aber 


Hiſt. der koͤnigsbergſchen Univerſitaͤt. Th. 1. O. 3. ſchleppt. 

eil. Mo. 2. O. 4. 6 „ enneb. S. 293. Cont. Dusb. S. 429. 
4) Schug f. 32. de Schutz f. 83. 0 
) Senneb. S. 408. In 85 Jahren hatte .) Leo S. 164. 


dieſer Krieg ſchon 49 Brüder aus niedern, und 3 ) Pr. Semml. Th. 3. S. 9s 


Bruͤder aus hohem Adel, 4000 Buͤrgerliche, ) Cont. Dusb. S. 431. 
11006 Edelleute, good Dienſtvolk, ssoooFrem: 3) Pr. Samml. B. 3. S. 222 
de geſreſſen, und 168000 Mann Landvolk war in 2) Henneb. S. 293 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ee 


1383 


1383. 


Gewalt zu zwingen. Der Herzog Wilhelm von Oeſterreich war mit der Pringep 


* 


218 Geeſcchichte von Preuſſen. 

Auch die polniſchen Angelegenheiten wurden ohnſtreltig auf diefer Ordensverſammlung 
in Ueberlegung gezogen. König Ludwig von Polen und Ungarn gieng eben in 
dieſem Jahr mit Tode ab, und hinterließ nur Töchter. Die aͤlteſte Maria war an 
den damaligen Churfuͤrſten von Brandenburg, des ehemaligen Kaifers Carl 4 zwei⸗ 
ten Prinzen verlobt; und dieſem war bereits wirklich die polniſche Krone verſprochen. 
Da aber die Polacken keine Neigung vor dieſen Prinzen hatten, weil fie in der Mei⸗ 
nung ſtanden, daß er, fo wie ehemals König Ludwig, mehr Liebe zum Königreich 
Ungarn und der Mark Brandenburg, als zu Polen bezeigen möchte, fo wolten 
die Groſſen dieſes Reichs ſich dem Sigis mundo nicht unterwerfen, ſondern beſtimm 
ten König Ludwigs jüngfte Prinzeßin Hedwig unter der Bedingung zu ihrer Regen ⸗ 
tin, wenn ſie denjenigen heirathete, welchen die Polacken ihr zum Gemal beſtimmen 
wuͤrden. Dieſer Entſchluß trennete nicht nur ſelbſt das koͤniglich ungariſche Haus, 
ſondern fegte auch faſt alle Nachbarn in Bewegung. Die piaſtiſchen Prinzen wolten 
ſich fo ſchlechterdings von der Krone, die ihnen ehemals erblich gehöret hatte, nicht au ⸗ m 
fehfäffen laſſen. Sonderlich machte ſich Ziemovit Herzog von Maſau einen anſehn / 
lichen Anhang in Polen, und er ſuchte 1383 diejenigen, welche ihm nicht geneigt, mit 


fin Hedwig verlobt, und ihre &iebe ſchien ihm Buͤrge der kuͤnftigen — 
ne zu ſeyn, obgleich die Polacken von ihm ſich keine Vortheile getröſteten, und daher 
auch keine Zuneigung zu ihm bezeigten. Die damaligen lithauiſchen Prinzen mach⸗ 
ten bey dem, was Polen angieng, Entwuͤrfe, welche aber nur zu 3 
nung unter ſich ſelbſt dieneten. Dem ehemaligen Großherzog Gedimin ſchrelee 
ſieben Söhne zu, unter welchen Olgerd und Kinſtud die bekannteſten ſind. 
der ältefte hatte 12 Söhne, von denen Jagello der erheblichſte zu nennen, weile 
der aͤlteſte, die jeßo lebten, auch den erheblichſten Theil der vaͤterlichen 
Man uͤberredete dieſen Herrn, daß ſein Vetter Kinſtud, der eine Tochter an dn 
maſauiſchen Herzog Janußium verheirathet hatte, die Erhebung des Zien 
von Maſovien gerne ſehe, und zugleich die hoͤchſte Oberherrſchaft in Lithaͤuen = 7 
zu bringen ſuche. Dies bewog den Jagello, den deutſchen Orden um Site zu er ⸗ 
ſuchen. Dieſer mochte dem Herzog von Maſovien die polniſche Krone eben f . 
nig als dem Sigismundo gönnen, da man ihre Nachbarſchaft zu fürchten Ur ac 
te, ſobald ſich ihre Macht vergröfferte, Die Marianer hatten bisher von denen 
zen aus dem Hauſe Oeſterreich viele Freundſchaft genoſſen, und ihre Vorchele ö 
derten, daß ſie dem Herzog Wilhelm mit der Hedwig auch die 0 ne 
gönneten a). Der neue Hochmeiſter ſuchte bey dieſen Umſtaͤnden fein fand in Ruß 

und Wohlſtand zu erhalten. Seit ein paar Jahren war in Preuſſen die g 
Zeit geweſen. Der vorige Hochmeifter hatte alle Vorrathshaͤuſer mit Getr 
ſehen laſſen, und in 3 allein 4000 laſt Getreide 1 


— 
Noa. wien 


2 2 ur augleih alle polniſche Geſchichtthreiber. ad h. a. 
in 


Conrad Zöllner von Rotenſtein. 219 
Weil aber demunerachtet die wohlfeile Zeit forbaurete, fo warb zu Bartenſtein eine 1383. 
Beckerordnung auf einem Landtage veſtgeſetzt c ). Der Hochmeiſter ſtellete verſchiedene 
Grnadenbriefe aus, als einen vor die Thorner d), und einen anderen, der 1384 uͤber den 1384. 
ſchwarz Muͤnchenthurm zu Danzig e) ertheilt wurde /). = 


$. 120. 


Sonderlich aber fafte Conrad Zöllner den Entſchluß, ſich des Jagello gegen Der orden 
den Kinſtud anzunehmen. Der Landmeiſter von Liefland muſte dieſem Prinzen be⸗ ne 5 
buͤlflich ſeyn, Plotzko zu belagern; wogegen Kinſtud, der durch den Comthur von lens mit Li. 
Oſterode von der Verbindung des Ordens mit Jagello Nachricht erhalten, Wilna thauen zu 
felöft eroberte, und dadurch den Jagello und die Ordensvölker zur Auf hebung der Be, biatertreiken. 


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lagerung von Plotzko nörhigte. Als aber Kinſtud, des Jagello Bruder Coributh 
angrif, eroberte Jagello Wilda und belagerte Trock, wo Kinſtuds Prinz Vitold bis⸗ 
her feinen Sitz hatte. Dieſer fluͤchtete nach Grodno, und Trock, kam in des Jagello 
Haͤnde. Kinſtud belagerte aber bald darauf Trock, das Jagello mit dem Meiſter 


aus Liefland entſetzen wolten. Statt aber eine Schlacht zu liefern, lockte Jagello 


den Kinſtud und deſſen Prinzen Vitold durch vorgegebene Friedensunterhandlungen 
ins Garn, ließ beide ins Gefaͤngniß werfen, und den Kinſtud nach wenig Tagen um⸗ 


bringen. Dem Vitold ward jedoch beſſer begegnet, weil ſolcher jederzeit den Jagel⸗ 


lo bey ſeinem Vater Kinſtud zu vertreten geſucht. Es ward des Vitolds Gemalin 


erlaubt, ihn im Gefaͤngniß zu beſuchen. Dieſe befreiete ihren Mann 1385 mit eben 


fo. vieler liebe, als man der Frau des bekannten Hugo Grotius nachruͤhmt. Wis 
told entkam in Frauenzimmerkleidung, und nahm ſeine Zuflucht an den Hof der 
Herzoge von Maſovien. Ziemovit hatte bereits alle Hofnung zur polniſchen Kro⸗ 
ne, ſo wie Sigmund verloren, ſeit der Zeit die Prinzeßin Hedwig in Polen ange⸗ 
langt war. Nun dachten die Polacken dieſes Frauenzimmer zu vermahlen. Sie zo⸗ 
gen aber hiebey nicht der Hedwig Neigung, ſondern blos die Vortheile ihres Staats 
zu Rathe. Der Großfuͤrſt Jagello, der nunmehr völliger Oberherr von Lithauen zu 
ſeyn glaubte, hielt um die Hedwig, oder beſſer zu ſagen, um Polen unter ſehr ans 
nehmlichen Bedingungen an. Er verſprach, alle ſeine Rechte zur Krone als ein Ge⸗ 


ſchenk des polniſchen Reichs anzunehmen, und ſich durch Annehmung des Chriſten⸗ 
thums ſowol als durch Vereinigung der lithauiſchen Staaten mit dem Königreich, ver 


dient zu machen. Dieſe Vorſchloͤge waren für die Polacken viel zu vortheilhaft, als 
daß fie ſich ſolche nicht gefallen laſſen ſolten. Sie lagen der Hedwig nunmehr an, 
dem Jagello ihre Hand zu bleten. Allein ſie war nicht mehr Gebieterin uͤber ihr Herz 
und ihre Neigungen. Ihre liebe zum oͤſterreichiſchen Herzog Wilhelm machte ihr 
den Jagello in ihren Augen abſcheulich. Der deutſche Orden zitterte zum voraus 


vor der Vereinigung des Königreichs Polen mit dem Herzogthum Lithauen, wozu 
4 — 


eg! Se a 
Pr. Samml. Th 1. S. 67. ) Pr. Samml. B. 1. S. 455 
555 2 N Ship f. 


1385« 


285: 


1386, 


220 | Geſchichte von Preuffen. 


baltbaren Stand wieder gefeger worden, hatte es Jagello ſchon wieder zuruck eroberte 
Steine lithauiſchen und rußiſchen Völker giengen ſogar vor das an der li 


ausſöhnete, ſobald ihm solcher einige kändereien in Lithauen abtrat, und noch mehrere - 


mit ſo groſſer Macht ab, daß beide Orte wieder die Oberherrſchaft des Jagt 


noch die gute Eintracht des Ordens mit dem öfterreichifchen Prinzen kam. Jetzt * 
den die Gruͤnde, dem Jagello gegen feine Vettern beizuſtehen. Vielmehr fiel es jetzt dem 
Vitold und dem maſauiſchen Hofe leicht die Kreuzherren zu Vitolds Vortheil einzu⸗ 
nehmen, beſonders da ſolcher ihm vor die Huͤlfe gegen Jagello das ganze Sameiten 5 
abzutreten verſprach. Genug Gruͤnde vor die Marianer in damaligen Zeiten und ms 
ftänden. Sie halfen dem Vitold wirklich Trock erobern. Ehe ſolches aber noch in 


Grenze liegende Ordensſchloß Marienwerder, und beſtuͤrmten ſolches ſechs Wochen 
lang 5). Das übelfte hierbey war vor den Orden, daß ſich Vitold mit dem Jagello 


verſprach 1). Jetzt ſahe ſich Jagello mehr als jemals im Stande, feine Abſichten 
auf Polen durchzutreiben. Die Prinzeßin Hedwig hatte zwar ihren Braͤutigam Wil 
helm 1386 erſucht, zu ihr zu kommen, und durch wirkliche Beilegung alle Bemuͤhun · 
gen des Jagello fruchtlos zu machen. Preußiſche Schriftſteller wollen „ 
überreden, daß fie auch wirklich dem Wilhelm bereits die eheliche Pflicht geleiſtet, aber 
doch durch die beſtochenen Polacken genöthiget fen, endlich den Jagello zu heirathen . 
Aber die polnifchen fagen, daß folches zwar dieſer Verliebten Abſicht geweſen, a 
aber widertrieben. Wilhelm fen zwar nach Cracau gekommen, fey aber von den 
polniſchen Groſſen ſo bewacht worden, daß er mit der Hedwig niemals allein 
können. Endlich fen er des Zwanges uͤberdruͤßig geworden, und habe heimlic 0 
Abreiſe beſchleuniget. Es ſey wie ihm wolle, fo ward wirklich die Hedwig e 3 
den Jagello zu helrathen, der ſich taufen ließ, und den Namen Wladit i 
fein Vetter Vitold den Namen Alexander annahm. Lithauen folte u —— 
len unter einem Oberhaupte ſtehen, und beide vereiniget werden. Dies ſtand 
ſelbſt des Wladislai Brüdern nicht an. Einer derſelben, Andreas, der ſchon 
her die chriſtliche Religion bey den Ruſſen angenommen, erſuchte den Orden 
hintertrelben zu helfen, die auch wirklich zu der Zeit, da Vitold und andere 
des Jagello feinem Beilager und Krönung beiwohneten, in Lithauen einfie 
Luboml eroberten. Selbſt die Stadt Plozko fiel damals von Jagello an d ; 
dream. Wladislaus ſchickte aber den Vitold und feinen eigenen Bruder 


men muſten. Der Hochmeiſter befürchtete ſogar, darüber in einen Krieg n. 
zu gerathen, beſonders da Andreas in feines Bruders Gefangenſchaft gekommen. 
ee Zöllner von Rotenſtein ſchloß daher in Lauenburg mit den Herzogen vo 
mern Wratislao dem jüngern und Bogislao ein Buͤndniß. „Weil Jagell 
herzog von Lithauen, der ſich fuͤr einen König von Polen ausgiebt, dem 
Be von Oeſterreich feine Gemalin und Königreich geraubt, und ws 


50 Schug . 66. BL - 7.7712 
4) Pr. Samml. B. 3. S. 172 \ k) Pr. Samml. B. e 


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Conrad Zöllner von Rotenſtein. 221 


Lithauen biedurch mächtiger gemacht, fo vergleichen ſich beide ſchluͤſende Theile wider 1386. 

Jagello, deſſen Nachkommen, und wider Polen, und alle, die dem Jagello belſte⸗ 

hen wuͤrden. Wuͤrde Jagello oder Polen einen Krieg gegen den Orden anfangen, 

ſo ſolten die Herzoge von Pommern den Kreuzherren auf eigene Koſten und Schaͤden 

mit aller Macht beiſtehen, dafür fie vom Orden 10000 Mark preußiſche Huͤlfsgelder 

erhalten. Zugleich macht der Orden ſich anheiſchig, denen Herzogen von Pommern 

Dobrin und Bromberg, welches ihrem verſtorbenen Bruder Caſimir zugehöret, eins 

zuraͤumen, ſobald ſolches erobert ſeyn würde. Was ſonſt im fand erobert würde, fol 

te demjenigen gehören, welcher die Eroberung macht. Was beide zugleich einnehmen, 

ſolte getheilt werden. Der Orden wuͤrde keinen Frieden mit Jagello und der Krone 

Polen als mit Vorwiſſen der Herzoge treffen, und fo lange dieſer Friede waͤhret, kön⸗ 

nen die Herzoge dem Jagello und der Krone Polen wider jeden Beiſtand leiſten, nur 

nicht gegen den Papſt und Kaiſer /). „, Eben damals machte auch der Hochmelſter 

einen landes ſchluß wegen der Pfennigszinſe m), fo wie er 1387 zu Culm eine hohe 1387. 

Schule ſtiftete n). 

* 121. 


$. 
Der König Wladislaus Jagello kam nachher perſoͤnlich nach Lithauen, wo und micht fich 
er ſich viele Muͤhe gab, die chriſtliche Religion ſeinen Landesleuten einzupredigen und deswegen in 
annehmich zu machen. Der Erfolg war groß und ſchleunig; denn das Beiſpiel des din a 
Königes hat auf ſeine Unterthanen, fo wie feine Macht, erſtaunende Wirkungen. thauiſchen 
Weil er aber bald wieder nach Polen abgehen mufte, fo hielt er vor gut, feinen Brus Prinzen. 
der Skirgello zum Statthalter von Lithauen einzuſetzen. Dem Vitold verdroß dieſes. 
Er gönnete ſich das beſte, und haßte uͤberdies die Perſon des Skirgello. Er ſuchte 
bey dem Orden Hilfe, weil er wohl wuſte, daß ſolcher, ſie zu leiſten, bereitwillig ſeyn 
wuͤrde; und fehlte nicht. Er erhielt Beiſtand, der Vitolds Rachſucht, aber des 
Ordens Vorthell befördern ſolte. Der lithauiſche Prinz merkte es aber, daß ein gu⸗ 
ter Theil von Lithauen der kohn der Ritter ſeyn wuͤrde. Jagello ſuchte ihn überdies 
durch Versprechungen zu beſänftigen, und dies Mittel gelung. Vitold bemächtigte 
ſich ſogar der Grenzſchloͤſer Georgenburg, Marienburg und Neuhaufen, wo man 
feine Volker freundſchaftlich hereingelaſſen hatte. Er fand aber, daß Jagello ſich nicht 
übereifete, feine Verſprechungen zu erfüllen. Dies brachte ihn wieder auf. Er wol⸗ 
te Wilda uͤberrumpeln. Sein Anſchlag kam jedoch zu zeitig aus. Dies vermochte 
ihn, ſich abermals an die Kreuzherren zu wenden, und ihnen die Verguͤtung des letz 
teu Schadens anzubieten, wenn fie ihm Beiſtand leiſten wolten. Da ſolches ihren 
Abſichten gemaͤß, ſo erfolgten gleich Einfaͤlle in die lithauiſchen Staaten, die man 
ſeit 1388 ein paar Jahr fortſetzte o). Eben damals um Lucientag hatte Ehrhard von 388. 
Waldau den Herzog Carl von Geldern, der dem Orden Kriegsvoölker zuführen wol, 


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d Schug f. 6. Bude 3. S. 5 Selefrt Pr. B. 2. S. 416. 
ee ee 7. Duell. P. 1. p. 3. 


n) Arnolds Hiſt. der ntverfträt Komigsberg vn Schüg f. 36. 


222 Geſchichte von Preuſſen. 

1388. te, aufgefangen und nach Falckenberg gefuͤhret. Da ſolches nun dem letzten mit 
Pommern geſchloſſenen Vertrage, ohnedies zuwider, fo ruckte der Großcomthur und ; 

der Ordensmarſchall vor dieſen Ort, und eroberten felbigen mit Sturm. Der - 

wolte aber nicht ſich der Freiheit bedienen, weil er dem von Waldau fein Wort gege⸗ 
ben, dieſer ſich aber jetzt fortgemacht. Das Ordens volk verheerete jedoch die mE 
ſchen Guͤter, bis ihr Eigenthumsherr den Herzog frey zu ſeyn erkannte p). 
1389. 1389 die Sameiten 800 Mann, die an Wiedererbauung der Stadt * arbeite⸗ 
ten, erſchlagen hatten J), fo machte jetzt der Orden zu einem Hauptkriegszug gegen 
1390. Lithauen nebſt dem Vitold alle Anſtalten, der 1390 vor ſich gehen ſolte. Es war bes 
reits der Herzog Henrich von Lancaſtre dem Orden gegen Mariaͤ Himmelfahrt mit zo 
Mann zu Schiffe zu Huͤlfe gekommen 7). Aber der Hochmeiſter erlebte den Ausgang dies 
ſes Zuges nicht. Er war bereits lange Zeit kraͤnklich geweſen, und hatte immer geglaubt, 

daß er ſich zu Chriſtburg beſſer befinden würde, wo er zuvor Comthur geweſen. Er 
wolte jetzt noch das kand bereiſen und die Veſtungen in Augenſchein nehmen. Zu 
Strasburg aber meldeten ſich die Boten des Todes. Der Hochmeiſter ließ ſich 
Der hohmeis von da nach Chriſtburg bringen. Hier aber gieng er am St. Bernhardstage den 
fer ſiebt. z0ſten Aug. s) mit Tode ab, und ward in der St. Annengruft zu Marien 
begraben. Die Schriftſteller geben ihm gutes ob, und ruͤhmen ihm nach, 
um das verwuͤſtete Natangen anzubauen, nicht nur 3000 Mark unter die ne 
bauer austheilen laſſen, ſondern ihnen auch auf drey Jahr die halben 9 rlaſſen 
habe 5 — 


§. 122. nk 


nf > 


Dis zur hoch⸗ Alles kam jetzt auf den Großcomthur Conrad von Wallenrod an. 
2 Geſchlecht iſt zu beruͤhmt in Franken, Preuſſen und Liefland, als daß ich h 
von Wallen⸗ laͤuftig davon reden mag. Auſſer ihm haben ſich nach ihm theils noch Er 
rod ſtatthal⸗ Wallenrod und Johann von Wallenrod, jener als Marſchall, diefer « 
8 ſchof von Riga bekandt gemacht, und bewieſen, daß Conrads von Wallen 
denken noch in feinen Verwandten beliebt bey dem Orden geblieben. Unfer, Co 
hat niemals Tiberius geheiſſen, welches die Urkunden zeigen, ſondern dieſer 
iſt ihm von feinen gehäßigen Feinden gegeben. Der Johann Erzbiſchof von Rig 
Nicolaus von Wallenrod des gedachten Friedrichs Vater waren feine Brübe 
Jugend an hatte er gegen den deutſchen Orden eine ſonderliche Zuneigung 
Er ſchlug deswegen die Vermaͤlung mit einer ſchönen Gräfin von Habsburg E 

er feinen Vorſatz, ſich in dieſen Orden einkleiden zu laſſen, durch er kai. en 


17 


5) Pr. Samml. B. 3. S. 222. Eine in ver: 5) Ibid. p. 223. Das Gelehrt · Pr. 
ſchiedenen Stuͤcken 7 re Erzehlung ſtehet 203 ſagt den asften Aug. 
in Erl. Pr B. 2. S. 676. A re; Eher 

30000 Mar aß er aber eine 
7 Erl. Pr. Th. 3. S. 247, nem Tode ſchwermuͤthig geweſen, wie 
r) Pr. Samml. B. z. S. 223, D. 2. ©. 676. ſtehet, iſt nicht zu ber 


CCC oe I mn men m m 
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TE TRETEN TEE TEN 


Conrad von Wallenrod. 225 
laſſen u). Es ſcheint ſolches unter Winrich von Kniprode Regierung geſchehen zu 
ſeyn, deſſen Maaßregeln er ſich zum Muſter feines Verhaltens ‚gewählt haben mag. 
Ich finde ihn zuerſt 1382 als Comthur in Schlochow x). Seine Tapferkeit brachte 


ihm 1384 den Marſchallsſtab in Preuſſen zuwege )). Da er hiedurch unter die Groß⸗ 


gebietiger des Ordens gekommen, fo hatte er in allen Staats- und Landesangelegenhei⸗ 
ten vieles zu fügen. 1385 ſtiftete er zwiſchen dem ſamlaͤndiſchen Domcapitel und der 
Stadt Königsberg einen Vergleich. 1386 half er die landesordnung wegen der Pfen⸗ 
nigzinſe ſowol als auch das Ordensbuͤndniß mit Pommern zum Stande bringen. 1387 
erhielt er um Mariaͤ Himmelfahrt die Wuͤrde eines Großcomthurs 2), und in die⸗ 
fee Stelle befand er ſich noch 1390, als-Conrad Zöllner von Rotenſtein mit Tode 


abgieng. Hierdurch fiel die ganze Landesregierung bis zur neuen Wahl auf feine Schuß 


tern, und er hatte alſo bis dahin als Statthalter alles zu beſorgen. Das erheblichfte 
betraf den Kriegszug vor Vitold nach Lithauen, wozu bereits alle Anſtalten vorgekeh⸗ 
ret waren. Vitold ſtand bey unſerm Statthalter beſtens angeſchrieben. Man ſagt, 
der letztere ſey des erſtern Taufzeuge geweſen a). Vitold hatte jedoch ſchon unter dem 
vorigen Hochmeiſter des Ordens Huͤlfe geſucht, und war doch nachher auf Jagello Seite 
getreten. Er hatte ſich dadurch verdaͤchtig gemacht. Jetzt ſuchte er aber auf alle Art dem 
Orden ein gröfferes Zutrauen zu verſchaffen. Als er daher abgeredetermaſſen mit feinen Völ⸗ 
kern nach Preuſſen kam, nahm er ſein lager bey Bartenſtein. Er hatte auch eine Prin⸗ 
zeßin mitgebracht, die an den Herzog von Maſau vielleicht Ziemovit vermaͤlt werden 


ſolte. Der Herzog Janußius von Maſau und ſeine Gemalin des Vitolds Schwe⸗ 


ſter, kamen ebenfals nach Preuſſen, und bekamen ihren Aufenthalt in Marienburg. 
Aber die Prinzen Iwan und George, welche Vitold mitgebracht, und dem Orden 
als Geiſel der Erfüllung feiner Zuſagen im Lande laſſen muſte, und die auch wirklich 
zwey Jahr in dieſem Zuſtande geblieben, bekamen ihre Wohnung theils zu Morun⸗ 
gen, theils zu Chriſtburg b). Hierauf eilete man um fo mehr ins Feld, da Ja⸗ 
gello dem Vitold faſt alle Orte abgenommen, die er zu ſeiner Abfindung erhalten. 
Mit drey Heeren brachen die Bundesgenoſſen in Lithauen ein. Eins befehligte Bis 
told, das andere führte der landmeiſter von Liefland an. Die Hauptmacht ſtand uns 
ter Conrads von Wallenrod Befehl, unter dem auch die aus England, Frank⸗ 


reich und Deutſchland angekommene Fremden Dienſte leiſteten. Bey Kauen vereinig⸗ 


ten ſich dieſe Heere. Es eroberte dleſe Macht Trock und verbrandte den Ort. Denn 
zog fie ſich bis vor Wilna. Stkirgello zog ihr entgegen, ward aber mit vielem 
Verluſt geſchlagen. Nun fing man an, die Wilna bedeckende Schlöffer anzugreis 
fen. Das Unterſchloß ward durch heimliche Anhänger Vitolds angeſteckt. Der dar ⸗ 


auf befindliche Bruder des Jagello Korigello wolte den Flammen entfliehen, geriet 


aber 


1) Von 14 Lebensumſtaͤnden handeln aus⸗ ) Geſamml. Nachr. S. 186, 5 

fuͤhrlicher. Erl. Pr. Th. 1 S. 315. Th. 2. S. 67s 2) Ibid. p. 37. 38. \ 

Ada Borülff, T. . p. 37 f. Rhode diſſ. de (Cour. 4) Man hat ſolches aus Praͤtorii Bericht ges 

de Wallenr. due. nommen, Vitold war zu Tapiau getauft. 
4) Pr. Samml. B. 1. S. 489, 60 Pre. Samml. B. 3. ©, 223. 


1390. 


—ññ —ſ— 


1390. 


1391. 


ſter. 


wird gelobt. wurde. Dieſer Herr hat durch gute und böfe Gerüchte gehen muͤſſen. Linde 


ſchwer beſchul gen dieſe Beſchuldigungen theils durch den koͤnigsbergſchen ſeligen Profi 
diger und ver Rohde, theils von dem ehemaligen preußiſchen Tribunalrach Herrn Ernſt! 


theidiget. 


Sete ben e). Auf 300 Kreuzherren hatten ſich hiezu in Marienburg verſammlet, ohner⸗ 
allenro f ar > — 
wird hochmei⸗ 


224 8 Geſchichte von Preuſſen. 5 
aber denen einbrechenden Völkern der Verbundenen in die Haͤnde, und verlor den Kopf. 
14000 Feinde kamen damals ums leben. Nun ſuchte man auch das Oberſchloß zu ero⸗ 
bern. Aber hier that der Befehlshaber alles mögliche, und wehrete ſich verzweifelt. 
Von denen Verbundenen blieb unter andern Alard Graf von Hohenſtein und des Bis 
tolds Bruder Totiroil. Hingegen ward in einem Ausfall des Jagello Bruder Na⸗ 
rimund gefangen, und auf Vitolds Befehl an den Fuͤſſen an einen Baum gehängt 
und mit Pfeilen erſchoſſen. Vitold hat, wie es ſcheint, des Olgerds Linie aufrel 
ben wollen, um Kinſtuds Nachkommen den Beſitz von Lithauen ungezweifelt zu ma · 


chen. Nachdem man jedoch die Belagerung drey Monat lang bis in den Oct. vergeb⸗ 


lich fortgeſetzt, muſte man ſolche aufheben und nach Preuſſen zuruͤck gehen. A r 
auf dem Ruͤckzuge richteten die Verbundenen groſſe Verwuͤſtungen an c). 
von Wallenrod betrug ſich auf dieſem Zuge fo wohl, daß Henrich von La 
der nachmals unter dem Namen Henrich 4 Koͤnig von England geworden, 

mens davon in einem eigenen Dank ſagungsſchreiben gemacht dj. 


§. 123. 
Am Sonntage Judica 1391 ſolte die Wahl eines neuen Hochmeiſters 


achtet der kandmeiſter von Deutſchland mit denen Seinen wegen Ktlegsgefahr nicht 
durchkommen können, ſondern zu Frankfurt hatte ſtill liegen müffen F). Man wu⸗ 

fie zu dem Amt, welches zu beſetzen war, keinen beſſern Mann als Conrad von e 
lenrod ausfindig zu machen, der hierauf auch gewaͤhlt und als Hochmeiſter ge 


der zu ſeinen Zeiten ſchon gelebt, giebt ihm mit kurzen Worten das beſte lob. 
Seine Gebietiger hätten ihn ſehr gefuͤrchtet, weil er durchaus nicht verſtactet 1 
ihnen den armen Unterthanen Gewalt gethan würde. Alle benachbarten Mäd 
ten die gröͤſſeſte Achtung gegen ihn geheget. Er ſey guͤtig und milde gegen die 
Kriegsleute und Städte geweſen g). Lindenbladt iſt alſo der aͤlteſte, der 

gerettet. Doch giebt es noch andere, welche ihn ſehr gehaͤßig ſchildern, ob 


lenrodt ſehr geſchickt gerechtfertiget worden. Man hat an ihm ausfege 
1) Daß er einen fürftlichen Titel geführt, und angefangen ſich vo 
Gnaden zu ſchreiben. Aber daran that dieſer Herr, der fo viel Fünfte 
ter ſich hatte, und ſelbſt ein Reichsfuͤrſt war, um fo weniger untecht, 
Winrich von Kniprode fürftlich gehalten, und da ſchon Luther von Br * 
ſich von Gottes Gnaden geſchrieben. Vielleicht wäre man mit ihm zufrled n ge 


1 * 75 : 5 5 1 41 Heut Di 
e) Schü f. 86. leiicht iſt er an dieſem Tage eingef 

4) Pr. Samml. B. 3. S. 223. Wahl ſchon a tag Judica v 
e) Cont. Dusb. ©. 431. In den Geſamml. J) Pr Sauen. . 5. 224. 


Nachr. S. 38 wird der aßſte Jul. angegeben, viele g) Ibid. 


ww 


* * .. Nr rr 


EEE TU TEE ET TED 


Conrad von Wallenrod. 225 
wenn er ſich von Gottes und des apoſtoliſchen Stuls Gnaden geſchtieben hätte , wie es 


damals die Geiſtlichen zu thun pflegten. Sein angeſchuldigtes Verbrechen beſtehet al⸗ 
fo darin, daß er dem Papſt keine Oberherrſchaft in weltlichen Dingen einräumen wolte. 
2) Die Ritter wolten ſeit der Zeit nicht mehr Bruͤder, ſondern Kreuzherren 
heiſſen. Warum ſetzt man das jetzt als was neues an? Dies war ſchon zu Conrad 
Zollners Zeiten bellebt worden, und das mit Recht. Bereits die Muͤnzen des Die⸗ 
trichs von Altenburg nennen die Ordensbrůder Herren von Preuſſen. Unter ſich wa⸗ 


ren und blieben fie allerdings Brüder einer Geſellſchaft. Aber in Abſicht der Untettha⸗ 
nen kann man es ihnen nicht verdenken, wenn ſie ſich Kreuzherren nannten. Ohne zu 
gedenken, daß die meiſten von Geburt Herren waren, und die wichtigſten Aemter 


in ländern verwalteten, die dem Orden zugehdreten. 3) Er hat Auflagen gemacht 
und das Land ausgeſogen. Das erſte iſt nicht unrecht. Die Landesbeſchuͤtzung und 
die Kriege gegen Liefland hatten bisher den Ordensſchatz erſchöͤpft. Als Staatsmann 
muſte er alles anwenden, um die Vereinigung Polens und Lithauens zu hintertrei⸗ 
ben. Es war nicht mehr uͤblich, daß Fremde blos zum Behuf ihres Seelenheils nach 
Preuſſen kamen, beſonders da der Vorwand, die Lithauer chriſtlich zu machen, auf⸗ 
gehöret hatte. Jetzt muſten die Soͤldner bezahlt werden. Die Unterthanen waren 
pflichtig in auſſerordentlichen Fällen auſſerordentliche dreijährige Kriegsſchatzung zu ers 
legen, ſo ungewohnt es ihnen immer vorkam. Um keinen zu druͤcken, ward Geld von 
liegenden Gruͤnden, fahrender Haabe; auch Kopfgeld auf Menſchen und Vieh und Ae⸗ 
ciſe gegeben. Dies zeigt, daß er gerecht geweſen, und keinen über Gebühr habe druͤ⸗ 
cken wollen. Ueberdies regierte kein Hochmeiſter unumſchraͤnkt. Die Ordensgebieti⸗ 


ger, die Bifchöfe und die vornehmſten Städte wurden bey allen wichtigen Landesange⸗ 


legenheiten zu Rathe gezogen. So wenig ein Engländer alſo zu murren Urfache bat, 


wenn er ſich ſelbſt durch das Parlament Schatzungen auflegt, ſo wenig konten ſich die Un⸗ 
terthanen in Preuſſen beſchweren. Ueberdies iſt nicht zu erweifen, daß dadurch das 


Land ausgeſogen worden. Das land befand ſich damals in den beſten Umſtaͤnden und 
hatte ſehr reiche Einwohner. Da ſelbſt der dandmann aus Reichthum zum Theil übers 


muͤthig ſich bezeigte, wie ſolches kuͤnftig dargethan werden ſoll, fo kann man auf die 


anſehnlichen Mittel der Bürger, des kandadels, der Geiſtlichen ſchluͤſen. Warum 
ſoll dem landes herrn nicht frey ſtehen, von dem Ueberfluß der Unterthanen das hochſt⸗ 


nöͤthige zu den Beduͤrfniſſen des Staats anzuwenden? Daß keute hiebey zum Theil 
beſchwert worden, ruͤhrte daher, weil keine menſchliche Klugheit bey ſolchen Fällen eis 


ne allgemeine Gleichheit in einzeln Faͤllen herausbringen kann. Daß auch der reichſte 
gegen eine auſſerordentliche Abgabe klagte, nimmt mich nicht wunder. Dies ſind ge⸗ 
meinhin die, welche zu allen Zeiten die groͤſte Klage geführt, wenn fie etwas heraus⸗ 


geben ſollen, ohnerachtet fie ſolches am wenigſten Urſache haben. Freilich machten eis 
nige Staͤdte dagegen Rottirungen, aber ſolches war deswegen nicht recht, und zeigt 


von einer mehr gelinden als harten Regierung unſers Hochmeiſters. 4) Doch ſelbſt 


die Geiſtlichen muſten zu dieſer Schatzung das ihrige geben. Iſt dieſes ein fo 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Sf päßlicher 


1391. 


—— — — 


226 Geſchichte von Preuſen. IE 
Gäßficher Zug in Conrads Regierung? Vielleicht enthält er den Grund aller gegen 
ihn gemachten Beſchwerden. Chriſtus gab den Zinsgroſchen, und befahl allen from⸗ 
men Kindern Gottes, unter andern dem Kaiſer zu geben was des Kaiſers iſt. Der 
Orden hatte das Land erobert, und den Geiſtlichen alles gegeben, ſich aber bereits ohne 
dies das Pflugkorn vorbehalten. Der Orden muſte das Land verrheibigen , und ——— 
nur hiebey Koſten vor diejenigen kaͤnder anwenden, die ihm unmittelbar zuſtanden, fe 
dern auch vor die Beſchüͤtzung der geiſtlichen Guͤter. Was war billiger, als daß di 
Geiſtlichen hiezu das nöthige mit beitrugen? Sie wurden hiebey nicht über Cee, 
angegriffen, fondern ein gutes Verhältniß beobachtet. Einige Geiſtliche gaben 6, an⸗ 
dere 10 und fo weiter bis 150 Gulden, nach dem Verhaͤltniß ihrer Einkuͤnfte. Es iſt 
allemal eine unbefugte Klage, wenn die Geiſtlichen ſich daruͤber beſchweren, daß ie 
Abgaben entrichten müffen. Sie folten ſogar andere Unterthanen in freiwilliger jegor 
ſamer Entrichtung derſelben übertreffen, und ihnen mit loͤblichem Beiſpiel vorgehen 
5) Aber der Hochmeiſter hat von dieſen Geldern einen Ehrentiſch Al n, 
das iſt, einigen Fremden ein feierliches Gaſtmal gegeben, und die Tafel mit 
guͤldenen und ſilbernen Geſchirren bedienen laſſen, auch hiebey erlaubt, 
derjenige, der ein Gefäß ausgetrunken, ſolches mitnehmen duͤrfen; folglie 
Abgaben der Unterthanen verpraſſet. Elender Vorwurf. Er hat nur ein 
mal und nicht öfters einen ſolchen Ehrentiſch vor die verdienteften Haͤupter der F 
den gehalten, die bisher dem Sande aus Noͤthen geholfen, und einen zur eren 
gemachten und ihnen zur Ehre gereichenden Aufwand des Ordens 1000 fach 3 
brachten. Bey dem wohlfellen Preiſe aller Sachen und bey der eben damals Är 
ſen geruͤhmten wohlfeilen Zeit kann das Gaſtgebot in Abſicht der Ausgaben fo e 
nichts gerechnet werden. Das erheblichſte mochten die goldenen 1 
ſeyn, die jedennoch dem Lande wohl wenig oder gar nichts koſteten, weil ſolche au 
ſche Beute ſeyn konte. Der Hochmeiſter erlaubte den Gäften, ſolche mitzunehmen. 
Es iſt aber folches zweifelhaft, ob ſolches geſchehen. Die Gaͤſte waren * Maͤnner, 
die ſich eben nicht bereichern wolten, ſondern mit einem Andenken der g 8 
und des Vorzuges an dieſer Ehrentafel geſpeiſet zu haben, fachen Es moch ⸗ 
te ſolches wohl lange nicht fo viel betragen, als die goldenen Ketten, Degen und un ⸗ 
dert andere Sachen, die noch heutiges Tages an wohlverdiente Männer don denen 
Staaten wegen ihres Wohlverhaltens ausgetheilt zu werden vfegen. ie 


$. 124. 15 in 

6) Er hat die Geiſtlichen gehaſſet, und fich ce Reden vi 

ſen, die ſolches bewieſen. Chorherren nannte er Hunde Jungen, 

ſuchte ſo wenig Biſchoͤfe und Moͤnche zu haben, a möglich; fi olch 

enge Schranken zu ſetzen, damit fie niemand irren konten. Gew 
von Wallenrod iſt des Beifalls der Nachkommenſchaft wuͤrdig. Er haſſe 

lichen, ſo wie ſie damals waren. Kein Stand war in dem Wen 


* 


— — 


— 


PPP ðV]ð v Ä ̃ UV! TO RT 


Conrad von Wallenrod. | 227 


ſich befand. Der Verfall derſelben in Haupt und Gliedern iſt zu bekandt. Die ärger 


liche Spaltung, die auf dem paͤpſtlichen Stul herrſchte, wirkte ein eben fo ſehnlich Ver⸗ 
langen nach einer gründlichen allgemeinen Kirchenverbeſſerung, als das zuͤgelloſe leben 
der Geiſtlichen. Nicht ihr Stand, ſondern ihr keben war dem Hochmeiſter verhaßt. 
Ihre Uleppigkeit, Stolz, Verſchwendung, Geis, Ungehorſam fällt gar zu ſehr in die 
Augen. Sie ſchaͤmten ſich ſo wenig, ihre Unzucht öffentlich an den Tag kommen zu 
laſſen, daß fie vielmehr öffentliche Denkmaͤler derſelben ſtifteten, wie davon der 

ker zu Marienwerder nach dem Henneberger zeiget. Wenn Conrad die Chorher⸗ 
ren Hundejungen nennt, ſo zeigt er nur an, daß ſie ſich mit den Jagdhunden mehr 
als mit demjenigen beſchaͤftigten, was ihr Amt forderte. Er wuͤnſchte die Menge des 
ter unnuͤtzen Mönche, deren Erhaltung dem lande laͤſtig fiel, und die in Wahrheit zum 
Beſten deſſelben nichts beitrugen, vermindert zu ſehen. Er wuͤnſchte ſolches bey lhnen 
und den Biſchoͤfen um fo mehr, damit fie niemand irren, und durch den Misbrauch 
des Bannes keinem beſchwerlich ſeyn, ſich und andere getreue Unterthanen nicht vom 
ſchuldigen Gehorſam gegen die rechtmäßige Obrigkeit losreiſſen könten, wie Johann 


Streifrock Biſchof von Ermeland ſolches gethan. Daß er aber die Geiſtlichen ber 


ſchuͤtzt, welche ihre Pflichten treulich erfuͤlet, bewies er am Biſchof Henrich 3 von 
Ermeland. Da die Braunsberger ſich von demſelben losreiſſen wolten, brachte fie 
der Hochmeiſter dahin, daß der Rath mit Stricken um den Hals auf den Knien den 


Biſchef um Gnade bitten, und 2000 ungariſche Gulden Strafe erlegen muſten. Sel⸗ 


ne ganze Abſicht gegen die Geiſtlichen gieng dahin, ihre Sitten zu verbeſſern, die durch⸗ 
aus damals verdorben waren. 7) Er hat den D. Leander Albanum einen ver⸗ 
ruchten Ketzer in groſſen Ehren gehalten und ihn zu ſeinem Vertrauten gemacht. 


Leander lehrete zu damaligen Zeiten unerhoͤrte Sachen, Saͤtze, die den Geiſtlichen ein 


Schaudern verurſachten. Er behauptete, der Mönche und Nonnenſtand, ihre Faul⸗ 
heit und uͤble Aufführung fen GOtt misfaͤllg. Ihnen Klöfter oder Unterhalt verfchafs 
fen, ſey ſündlich und verdammlich, und die Pfaffen und Mönche hielten nicht, wozu 
fie ſich durch ihre Geluͤbde anheiſchig gemacht. Der Verbot der Ehe ſey Gottes Ord⸗ 
nung zuwider. Ein jeder wer Gott fürchte und wohl thue fen GOtt angenehm, und 
Gott mache keinen Unterſchled unter Geiſtlichen und Weltlichen. Meſſen, Faſten, 
Ohrenbeicht, kurz der bloſſe aͤuſſere Gottesdienſt fen nichts wehrt, Menſchenwerk, helfe, 
da Gott das Herz anſiehet, zur Seligkeit nicht. Da man des Leanders Worte und 
Ausdruͤcke nicht hat, ſondern der Inhalt feiner lehren von feinen Feinden angeführt 
wird, ſo ſiehet ein jeder, daß man die Ausdruͤcke, welche dieſe gebraucht nicht ſo 


annehmen muͤſſen, als wenn es Leanders Worte geweſen. Wenn wir derer neuern 
Kirchenverbeſſerer lehren nach denen Beſchuldigungen ihrer Gegner abmeſſen wolten, ſo 
wuͤrden ſie eben fo haͤßliche Säge vorgetragen haben, als man dem Leander Schuld 


giebt. Conrad wolte freilich den Leander nicht gleich verdammen, beſonders da ſeine 


& lehre in Preuſſen groſſen Beifall fand. Er wolte alles prüfen und das gute behalten. 


Er veranſtaltete, daß er mit den 22 2 der hertſchenden Kirche zu Dias 
10 rien⸗ 


139. 


1391. 


Beſhluß. 


oder durch die Gruͤnde feiner. Gegner ſich eines beſſern ſolte belehren laſſen. Leander 


228 Geſchichte von Preuſſen. BE 
rienwerder eine Unterredung halten, und feine Säge entweder gruͤndlich verrheibigen, 


hatte ſolches ſelbſt verlangt / und ſcheuete das dicht nicht. Aber feine Gegner hatten 
keine Gelegenheit, ihn der Ketzeren zu überführen. Der Fuhrmann, der den Lean ⸗ 
der nach Marienwerder auf das Geſpraͤch bringen ſolte, befteiete fie von dieſem ge 
fährlichen Mann. Er führte den Ketzer in eine keimgrube bey der Ziegelſcheune von 
Marienwerder, wo ſolcher jämmerlich erſaufen muſte. Verdient dieſer Leander 
wohl in das Verzeichniß der Martyrer zu kommen? Der Hochmeiſter muſte nunmehr 
alles denen Geiſtlichen uͤberlaſſen, was zur Kirchenzucht nothwendig ſchien. Unſer 
Conrad ließ durch die Biſchdfe Geſetze abfaſſen, die er genehmigte und drüber hielt. 
8) Er ſoll die chriſtliche Religion nichts geachtet, und feine Vernunft 
mit Gewalt unterſtuͤtzt haben. Ich beſorge aber, daß man einen vernünftigen 
Sort wohlgefaͤligen Dienſt, da man den HErrn im Geiſt und in der Wahrheit am 
betet, mit denen damals herrſchenden Meinungen der Geiſtlichkeit verwechſelt habe. 
Grunau giebt ihm das tob, daß er ſich eines guten Gewiſſens befſiſſen, und ke 
Ketzeren geheget habe. Er erlaubte ja, daß die Geiſtlichkeit lebendige und todte! =. 
nach damaliger Gewohnheit beſtraften. Die Todten wurden ausgegraben und untes 
den Gerichtsplaß geſchleppt und da verſcharret. Die lebendigen uͤberwieſenen Anhän⸗ 
ger Leanders ſolten mit dem leben buͤſen. Die Unterlaſſung der Faſten folte da: 
ben Foften, wenige Perſonen ausgenommen, die wegen deibesſchwachheit und Not 
digkeit guter Kraͤfte, durch beſondere Erlaubniß der Gelſtlichkeit, zum Faſten nicht 
verbunden ſeyn ſolten. Die Geiſtlichen beſtimmten die Feſttage, und verboten bey eib FE 
und tebensftrafe unter dem Gottesdienſt alle Schmauſereien und Reifen ſowol als des E „ 
tesdienſtes Verabſaͤumung. Wer ſich weigerte ſich der letzten Sacramente der Kirchen ins ⸗ 
geſamt zu bedienen, ſolte unehrlich, wenn er darüber ſtuͤrbe, begraben, oder w 5 
leben bliebe, angehalten werden, ſechs Sonntage vor den Fahnen nackt zu 
Gotteslaͤſterer, denen man Prieſterſchaͤnder gleich machte, ſolten nicht gelitten we den. 
Ein Verbanneter folte mit einem Juden gleiche Schickſale haben, auch endlich nie — 
mand gelitten werden, der ſich Beiſchlaͤferinnen hielt und nicht ehelich vom J 

getrauet waͤre. \ un) 


g 1 70 FE 

7 N 9. 125. tag bl $ 

Da Conrad von den Geiſtlichen Schatzungen erhoben, und ſegar den 

der geduldet hatte, ſo machte man ihm theils lobenswuͤrdige Handlungen t 

ſchuldige Dinge zu Verbrechen, welches um ſo weniger zu verwundern iſt / da 
Geſchichtſchreiber damaliger Zeit Geiſtliche geweſen. Man beſchuldiget ihn 

ſchwarzes Haar gehabt und ſchröckliches Anſehen gehabt. Was konte de 
rad dafuͤr, daß er kein rothes Haar und weibiſches Geſicht, wie vielleicht 

ger gehabt. 10) Er hat Polacken, Lithauer und Curlaͤnder zu Burg 

Städten aufzunehmen befohlen. Das iſt was erſtaunliches! Ein ond 
der auf das Beſte des ganzen landes ſiehet, verſtehet die Kunſt ſein land zu b 


Conrad von Wallen rod. 229 
and die Nachbarn auf die Art zu ſchwaͤchen. Er ziehet lente ins Sand, die in feinen 1391, 
Kriegen Dienfte lelſten, und durch ihrer Hände Fleiß das Land bereichern koͤnnen. 
Der Unterthan glaubt es ſey unrecht, auch neuen Unterthanen Gelegenheit zu verſchaf⸗ 
fen, dem Staat nuͤtzlich zu werden und ſich was zu erwerben. Wo ſolte der Hochmei⸗ 
ſter mit feinen treuen Anhängern in Polen und Lithauen hin, wenn fie in ihrem Bas 
terlande ſich nicht mehr ſicher wuſten. Die Curlaͤnder waren eben fo gut des Ordens 
Unterthanen als die Preuſſen. Die Deutſchen, die auſſer den Ordensguͤtern zu 
Hauſe waren, konten noch mit wenigerm Recht die Vorzuͤge der Buͤrger verlangen, als 
dieſe. II) Er hat aber Vorſtaͤdte angelegt. Entſetzlich! Der Neid ſiehet ſcheel, 
daß er fo guͤtig geweſen. Man tadelt das, was doch am meiften gelobt zu werden vew 
dient. Conrad verſtand die ſchwere Kunſt aus Dörfern Staͤdte zu machen, und das 
überfläßige fandvolf zur Handarbeit in und an den Städten anzugewöͤhnen, auch hie 
durch den Handel und die Manufacturen zu heben. 12) Aber er iſt plotzlich krank 
geworden, und in ſeiner letzten Krankheit in Raſerey gefallen, ſo daß er ſogar 
um ſich gebiſſen. Geſetzt, dies fer alles gewiß, fo zeigt folches nur, daß er an einer 
hitzigen Krankheit gelegen, und wir werden unten zeigen, daß vielleicht die Aerzte 
ſelbſt, die ihm zu feiner Kühlung alle Mittel verſagten, die Zufälle der Krankheit vers 
mehrt haben. 13) Er ſtarb ungebeicht, ohne Losſprechung ſeiner Suͤnden und 
ohne Geiſtlichen. Aber ſeine Werke folgen ihm nach. Was macht ſich doch man⸗ 
cher vor Begriffe von dem Amt der Schluͤſſel? Sdtt ſiehet das Herz an. Er iſt in 
den Schwachen oft maͤchtiger als alle Geiſtlichen. Man muß ſterben lernen ehe man 
ſtirbt. Geſchahe dieſes alles, weil der Hochmeiſter, wie ſich ein Schriftſteller aus⸗ 
drückt, nicht gut pfaffiſch geweſen ? Liebleſes Urthell! 14) Er ſtarb in hundert tau⸗ 
ſend Teufel Namen. Will ihm Gott gnaͤdig ſeyn, das mag er thun. Wer 
ſo denkt wie der Geſchichtſchreiber, welcher dieſes geſchrieben, der verdient weder Glau⸗ 
ben und Beifall noch Widerlegung. 15) Nach feinem Tode folgten groſſe Ueber⸗ 
ſchwemmungen und ſtarke Stürme. Ich bin müde das Gottloſe und Unvernuͤnf⸗ 
tige in denen Beſchuldigungen unſers Hochmeiſters weitlaͤuftiger zu entdecken. Seine 
Vertheidiger haben es mit mehrerm gethan, und wie ich dafuͤr halte, die Gründe ih⸗ 
rer Vertheidigung hinlaͤnglich erwieſen. Ich will meine leſer lieber auf die Geſchichte 
"feiner Regierung führen. ’ 


§. 126. 

5 Der Krieg gegen Lithauen beſchäftigte unſern Hochmelſter faſt ganz allein. Bald Seine frisge 
nach feiner Wahl that er nebſt dem Vitold einen Zug in diefes Sand, weil man Hof, mit Lithauen 
nung hatte, Wilna mit Verraͤtheren einzubekommen. Allein der Anſchlag ward ent, 3 
deckt, und das Heer der Verbundenen fand die beſten Gegenanſtalten in dem Schloß, geiſtlichkeit. 

5 wodurch das Vorhaben vereitelt worden. Auf dem Ruͤckzuge ließ der Hochmeiſter eis 
nige Schlöffer des Skirgello einnehmen und ſchlelfen. Weil indeſſen in Preuſſen 


| 5 fremde Y Huͤlfe angelanget, ließ der Hochmeiſter noch in eben dem Sommer durch 


A Ed Ff 3 f eini⸗ 
J) Diefe trugen viel dazu bey, daß der aus dem St. Michaelskloſter vor Lüneburg . 


1391. 


7892. 


nen, und denen fremden Kaufleuten daraus Korn, noch theurer als die Kar 


les band, und der Hochmeiſter fand alſo für gut, mit Genehmhaltung der E 


20 Geschichte von Preuſel. 8 


einige Völker einige lithauiſche Gegenden verheeren. Conrad batte die Grenze Bund 
Aufbauung der Schlöffee Memel, Wohnsdorf und Labiau gedeckt, und ſuchte jetzt 
auch in Sameiten veſten Fuß zu faſſen. Er ließ daher bey einem Winterzuge indie 
ſem ande die Schlöſſer Neuwerder, Neuburg und Ritterwerder erbauen. Die 
beiden erſten beſetzte der Orden. Das letztere Schloß raͤumte man dem ld e 
Allein gleich darauf änderten ſich die Auftritte ſehr merklich. Jagello ſuchte den Vi⸗ 
told aufs neue auf ſeine Seite zu ziehen, und es gelung demſelben. Der bisherige 
lithauiſche Statthalter Skirgello ward mit andern laͤndern abgefunden, und die Re, 
gierung von ganz Lithauen vom Könige wirklich dem Vitold anvertrauet. Dieſer F 
hatte einen Vergleich ohne des Hochmeiſters Vorwiſſen angenommen, und begleng uͤber⸗ 
dies den Undank, daß er in Ritterwerder alle Deutſchen und Angehörige des Orden 
veſtmachen, gefänglich wegſchleppen, auch das Schloß in Brand ſtecken ließ. Di 
Befehlshaber der andern beiden Ordens ſchlöͤſſer folgten, ihm zwar auf die erſte > 
ne Nachricht, wurden aber geſchlagen, ihre Schlöffer erobert und geſchleift. Tau 
kann ſich leicht vorſtellen, wie aufgebracht Conrad geweſen, da er zum andern nal ſich 
von Vitold hintergangen ſahe. Er wuͤnſchte daher, ſich rächen zu können, und mach / 
te hiezu alle Anſtalten. Die Brüder des Jagello waren ungemein empfindlich, daß 
Vitold Lithauen erhalten, und ſie unter ihm ſtehen ſolten. Sonderlich wandte ſich 
1392 Suidrigello an die Kreuzherren, und bat ſich ihre Huͤlfe aus. 1 ochmeiſter 
traute jedoch nunmehr denen lithauiſchen Prinzen nicht ſonderlich. Nur er 
daß Suidrigello mit einigen Ordensbruͤdern in Lithauen und Podlachien ein i 
und Verheerungen darin anrichten durften. Conrad ) machte nunmehr ale 7 N 
ten, das ganze Lithauen, wo moͤglich, zu erobern. Geld und Volk muſte zu bi ieſem 
Behuf in Menge herbeigeſchaffet werden. Zum Gluͤck kamen in dieſem Jahr vi iele aus / 
laͤndiſche Schiffe, Korn zu laden, an. Nachdem ſolche allen Vorrath in den 
ten mit den ſchoͤnſten Gelde aufgekauft, und doch dadurch noch nicht genug $ 
halten hatten, ließ der Hochmeiſter die wohlangefuͤllten Vorrathshaͤuſer des O 


ber gethan, uͤberlaſſen. Dieſes kam ihm wohl zu ſtatten. Das land harte 


und Stände eine dreijährige auſſerordentliche Schatzung veſt zu ſtellen, um k 
groſſen Unkoſten beſtreiten zu koͤnnen, welche fein Entwurf erforderte, work 
freilich viele misvergnuͤgt ſich bezeigten, ſonderlich da er auch, wie Billig, d 
lichkeit in Anſchlag brachte. Er ließ inländiſche ſehr fehöne goldene Mür 
um damit die auslaͤndiſchen Söldner bezahlen zu koͤnnen, und andere? 
beſtreiten. Der vorige Koͤnig von Polen Ludwig hatte an den Herzog som 
Bindislaum das Sand Dobrin gegen Abtrerung anderer künden g öberlaf 
Abt Otto von Campen, der in Preuſſen ſich haͤuslich niebetgelaſen bite 4 w. 5 


bracht hatte, erkannt und enthauptet wurde. Pr. Samml. Th. 3. S. 10. 
viertes S. 41 


es Quartal. 
90 Einer Urkunde, die er * des Jahr ausgeftellet, gedenket das Erl. pr. B. 


1 


Conrad von Wallenrod. 231 


kam diefer Wladislaus verkleidet zu unſerm Hochmeiſter, und that ihm den Antrag, 
daß der Orden ihm auf dieſes land Geld vorſchuͤſſen möchte. Conrad, der keine Ges 
legenheit vorbeilaffen wolte, eine neue Vormauer gegen Polen ſich anzuſchaffen, zahl⸗ 
te das verlangte Geld dem Wladislao von Oppeln, und ließ durch feine Mannſchaft 
ſofort als Pfands inhaber von Dobrin Beſitz ergreifen H). Nur machten unſerm Con⸗ 
rad, der ſich dies Jahr auch in Raſtenburg eine Zeitlang aufhielt J), die Geiſtlichen 
viele Arbeit und Verdruß. Der Erzbiſchof von Riga hatte es am ärgften gemacht, 
und ſogar die Ordens feinde Ruſſen und Lithauer eingeladen die Schlöffer einzunehmen, 
und daraus denen Kreuzherren zu ſchaden. Sobald aber ſein Vorhaben bekandt ge⸗ 
worden, machte er ſich aus dem Staube, wogegen feine kaͤndereien von dem Orden eins. 
genommen und beſetzt wurden. Der Erzbiſchof fluͤchtete zum Kaiſer Wenzel, und 


ſuchte deſſen Schutz, ſo wie ſchon vormals der Biſchof von Ermeland bey Carl 4 


Schuß erhalten. Wenceslaus wolte dieſe Gelegenheit nicht verabſaͤumen, das kai⸗ 
ſerliche Anſehen auch in Liefland zu zeigen und zu begründen. Um alſo den Orden, der 


feine Gewalt in Liefland zu erkennen gar nicht ſchuldig, zu zwingen, ließ er alle Or ⸗ 


densguͤter in feinem Königreich einziehen. Der Hochmeiſter ſchickte aber 1393 Geſand⸗ 
ten an den Kaiſer, und zeigte demſelben durch des Erzbiſchofs eigene Briefe an die Or⸗ 
densfeinde, daß die Kreuzherren feine Guͤter zwar in Beſitz genommen, aber ſolche 
nicht dem Stift vorenthalten wolten, ſondern blos zum Beſten der Chriſtenheit ſich ſel⸗ 
biger bemaͤchtigen muͤſſen, damit fie nicht den Ruſſen und Lithauern eingeraͤumet wuͤr⸗ 
den. Dies wirkte ſo viel, daß Wenzel die Ordensguͤter in Boͤhmen und Maͤhren 


dem Orden wieder einzuräumen befahl n). Unſer Hochmeiſter konte bey ſolchen Um⸗ 


ſtaͤnden gegen die Geiſtlichen feiner Zeit keine ſonderliche Achtung haben, deren Leben 
durchaus augenſcheinlich verderbt, und deren Sitten ausnehmend ausſchweifend waren. 
Zu diefer Zeit meldete ſich ein franzoͤſiſcher Gelehrter D. Leander Albanus, der auf 
eine nothwendige Kirchen verbeſſerung drung, bey unſerm Hochmeiſter, und fand 
Gehör. Weil aber die ohnedies misvergnuͤgte Geiſtlichkeit dieſen Mann in das Ver⸗ 
zeichniß der abſcheulichſten Ketzer ſetzte, und wirklich merkliche Spaltungen zu befuͤrch⸗ 
ten waren, befahl der Hochmelſter dem Leander, ſich auf einer preußiſchen Kirchen⸗ 
verſammlung zu ſtellen, und den Grund ſeiner Meinungen anzufuͤhren. Weil aber 
dieſer Mann unverhörter Sache durch die Schuld feines Fuhrmanns erſaufen muſte, 
ehe er noch zu Marienwerder angelangt, verlangte Conrad, daß die geiſtliche Ver⸗ 
ſammlung zu Beibehaltung der Einigkeit des Glaubens und zur Verbeſſerung des tebens 
hellſame Verordnungen abfaſſen ſolte. Es mochten ſolche nun gerathen ſeyn wie ſie 
wolten, ſo hielt der Hochmeiſter doch eifrig darauf, um nur die innere Ruhe zu er⸗ 
halten 1). Er ertheilte auch der Stadt Thorn einen Gnadenbrief zum Vortheil ihres 
Handels o). 


En 9. 127. 
Y pr. Samml. B. 3. S. 224 10 on = Meß 8 redet en 
r 19. U er, die von unſe 

9 Erl. Pr. B. 3. ©. 657. — ee 


Pr. Samml. S. 23. ) Pr. Samml. B. 2. S. 244 


1392. 


1393. 


— — — 
.. 1 


393. 


Sein ehren: 


tiſch, mistun: bringen, die zureichend wäre des Ordens Abfichten auf Lithauen, an welchen 
gener feldzug 


in Lithauen 
und tod. 


1364. 


232 i Geſchichte von Preuſſen. n 
9. 12. M 
Conrad hatte bisher alle Bemühungen angewendet eine Macht aufammen zu 


200 Jahre gearbeitet worden, durchzuſetzen. Seine Abgeſandten an fremden 8 fen 
ſtelleten alles vor, was Religion, Ehre und Nutzen nur erdenken konte, um ſolche zu 
einer anſehnlichen Huͤlfe zu bewegen. Sie berichteten, daß ſie wirklich Ein; 
funden, und daß der Hochmeiſter ſich auf ein ſtarkes Heer Rechnung machen } 
welches theils um Sold, theils aus Ehre, theils aus Religionseifer zufa 5 
men wuͤrde. Conrad verdoppelte daher ſeine Anſtalten in Preuſſen. Er ließ 
ei Mann 1394 ins Feld ziehen, die er aus den Ordens eigenen Landen verſa 
Nach und nach kamen die fremden Huͤlfsvölker an, die ſich endlich auf 46000 
5 vermehrten. Um alles Volk zu gröfferer Tapferkeit zu bewegen, ſolte ein * 
faches Ehrenmal gegeben werden, wozu er die Koſten überfchlagen und Soo 
preußifch beſtimmen ließ. Dem kandmarſchall Engelbrecht Raben ward die eſor ⸗ 
gung darüber aufgetragen. Endlich ruckte die ganze Macht in Lithauen ein, und fam 
bis unter Kauen. Hier ward am Aegidientage der erſte Ehrentiſch gehalten. At 
der Morgenfeite der Memel lagerte ſich der Marſchall Engelbrecht Rabe m 
Ordens eigenen Völkern. An der Abendſeite des Fluſſes war das lager derer frı 
Kriegsvölker. Auf einem Werder des Fluffes aber befand ſich der eigentliche 
tiſch unter einem koſtbaren Zelt vor 12 Perſonen, die man vorher ſorgfältig ausg. 
hatte. Kinodius von Richardsdorf aus Oeſterreich, der 60 geruͤſtete T 
eigener Hand erleget, bekam den erſten Plaz. Den andern Marggraf Fried 
Meiſſen, weil deſſen Geſchlecht den Orden in Nöthen niemals verlaſſen. 
midus ein ſchottlaͤndiſcher Graf bekam die dritte Stelle, weil deſſen Vater 
niederhauen laſſen, um nur feinen König zu retten. Ruprecht Graf von I 
berg folgte, der die ihm angetragene Kalſerwuͤrde aus Demuth ausgeſchlagen. 
kam der Hochmeiſter „der aus liebe zu dem Orden die Ehe mit einer ſchoͤn⸗ 
burgſchen Gräfin ausgeſchlagen. Degenhard, ein Bannerherr aus We 
hatte den Mördern feines Vaters Vergebung wiederfahren laſſen, weil fie ihn dan 
um Marien Willen gebeten, und dies verſchafte ihm die ſechſte Stelle. $ 
drich von Buchwald konte keinem etwas abſchlagen, der ihn um der Ehre d 
ters Georgens willen anſprach, und bekam darauf die ſiebende € 
uͤbrigen fünfe waren eben ſolche Männer, die ganz ungewöhnüiche Tugend 0 
bet. So bald ſie ſich an die Tafel geſetzt, ward das Gezelt weggenommen, und 
konte fie in beiden Lagern fpeifen ſehen. Um 9 Uhr Vormittags gieng die 8 
und daurete bis 2 Nachmittag, und alſo s Stunden. Es wurden 30 Geric 
tragen, und zu jedem neue filberne Teller und Löffel gegeben. Der Tiſch 
allerhand fremden Getraͤnk bedienet, und alle Gefäffe waren von Gold e 
So oft eins geleeret war, muſte es nicht wieder gebraucht, ſondern ein 
tragen werden. Jeder Gaſt hatte die Erlaubniß⸗ das Gefaͤß „ woraus 0 


> 95 
3 2 u d 


2 — 


= - -. 


F SDIENIETEE BET TE TU FT 


r 


. 


Conrad von Wallenrod. 233 
zum Andenken ſich zuzueignen. - Ueber einem jeden ward ein breiter Hut von Gulden 
ſtäͤck gegen die Sonnenhitze gehalten. Ueber der Tafel muſten einige Herolde theils die 
Hülfe ruͤhmen, welche der Orden von je her durch Fuͤrſten, Grafen, Herren und Rit⸗ 
ter erhalten, theils Vitolds undankbares und verraͤtheriſches Verfahren gegen den Or⸗ 
den bekandt machen, theils des ganzen Ordens Hofnung aͤuſſern, die man ſich von der 
Tapferkeit der jetzt verſammleten Kriegsmaͤnner und ihrer Anfuͤhrung mache, theils 
im Namen des Hochmeifters verſichern, daß nach gluͤcklich geendigtem Feldzuge noch 
zwey Ehrentiſche, der eine zu Königsberg, und der andere in dem hochmeiſterlichen 
Wohnſchloß Marienburg für diejenigen gehalten werden ſolte, die ungezwelfelte Pros 


ben eines vorzuͤglichen Heldenmuths ablegen wuͤrden. Zu eben der Zeit ließ der Hoch⸗ 


meiſter die Kriegsleute in beiden Lagern reichlich bewirthen. Hierauf theilte ſich das 
Heer in drey Ordnungen. Die erſte fuͤhrte der Hochmeiſter ſelbſt, die andere der Groß 
eomthur Wilhelm von Helfenſtein, und die dritte der Marſchall Engelhard Rabe. 
Alle drey verheereten das fand. Endlich ſchickte der Hochmeiſter einen Haufen ab, die 


Stadt Wilda zu belagern. Dieſer lagerte ſich dem Schloß gegen über auf dem weiß - 


ſen Sandberge. Da aber die Belagerer es ſich am wenigſten verſahen, ruckte Vi⸗ 
told mit einem aus Polacken, Lithauern, Ruſſen und Tartarn beſtehendem Heer 
zum Entſatz an, und ſchlug das Ordensvolk fo, daß auf 30000 Mann darauf giengen. 
Dies Ungluͤck ruͤhrte den Hochmeiſter aufs aͤuſſerſte. Er machte die Anſtalten zum Abs 
zuge. Aber feine Bemühungen und Gram legten ihn plötzlich aufs Krankenlager. Ein 
hitziges Fieber entfräftete ihn ſchleunig. Seine beibaͤrzte verboten ihm alle Kühlung, 


ſo daß auf fein Verlangen ihm nicht einmal ein Trunk Waſſer gereicht wurde. Die 


Heftigkeit der Krankheit erhitzte feine Einbildungskraft. Mitten im Phantaſiren ſtarb 
er am Jacobstage oder den zsſten Jul. Seine Gebeine kamen in die hochmeiſterli⸗ 


che Gruft nach Marienburg. Die durch ſtetigen Regen ſtark aufgeſchwollene Ges 


waͤſſer und die heftigſten Stuͤrme, wodurch unter andern das alte Tief bey Lochſtaͤdt 


ſich füllete, und ein neues bey Roſichenberg durchbrach, find wohl keine Folgen ſei⸗ 


nes Todes geweſen p). In eben dieſem Jahr erfolgte auch der Tod der heiligen Do⸗ 


r 


rothea in Preuſſen J) zu Marienwerder. 
§. 128. f 


1394. 


Gleich nach dem Ableben des Hochmeiſters Conrad von Wallenrod muſte der Ihm folge 


Großeomehur Wilhelm von Helfenſtein bis zur erfolgten Wahl eines neuen Ober: 


onrad von 
Jungingen, 


herrn die Regierung beſorgen 7). Die Wahlverſammlung gab am Andreastage oder ein friedſamer 
den zoten Nov. die Stimmen dem Conrad von Jungingen . Schon 1382 hatte herr. 


ihn Conrad Zoͤllner von Rotenſtein zu feinem Compan erwäßlet ). Der Conrad 
ws; N von 
Schütz f 30. Ada Borufl T. 1. p. 363. ) Pr. Samml Th 3. S. 22. 


Senneb. ©. 296. 297. Hingegen ſteht in Cont. ) Geſamml. Nachr. S. 58. 


Dusb. S. 451. vermuthlich durch einen Schreib⸗ ) Wegen des Tages iſt kein Streit, nur ſetzen 
ſehler, daß er 1393 geſtorben, dem die Geſamml. einige die Wahl auf 1393, andere gar 1395. 
Nachr. S. 58 und Erl Pr B 2. S 67. folgen. 6) Lee S. 170. 


B. alg. preuß. Geſch. 4 Ty. G3 


* 


1394. 


men, und ſonderlich lobet man ſeine friedfertigen Geſinnungen, beſonders gegen 


Er ſichet bie Der Hochwelſter hatte gleich zu Anfang feiner 9 70 fine 


ruhe zu lande 
rg wat s mehr als eine Seite zu richten. Mit dem unruhigen Erzbifchof von R 


du verſichern. 


Tauſches an, den der Orden mit dem Biſchof von Curland wegen feines 


234 Geeſcchichte von Preuſſen. 

von Wallenrod machte ihn zum Ordenstreßler 2). Die Schriftſteller ve 
ihm die beſten Lobſpruͤche beizulegen, beſonders da ſeine genommenen Maaß 
dem Erfolg gerechtfertiget ſind. Man rühmet ihn als einen gottesfuͤrchtigen 
tern, keuſchen, demüchigen Mann, der anfaͤnglich die Regierungslaſt ungern u 


len. Er erkannte daß die Ordensvortheile ſolches erforderten, und ließ ſich weder 
einige Streifereien der Polacken auch nach geſchloſſenem Frieden, noch durch de 
halten und Spbttereien ſeiner Ordensbruͤder von feinen friedfertigen Geſinnung 
bringen. Er hielt dafuͤr, daß es eher zu verſchmerzen, wenn die Pola cken 
Vieh wegtrieben, als wenn der Orden dadurch aus Rache ſich in einen Krieg! 
ckeln ließ, woruͤber fand und leute verloren gehen koͤnten. Sein kurzweiliger 
muſte zwar ihn auf Anſtiften derer Kriegbegierigen bald deswegen gnädige € Fra 
tißin nennen, und bald vorhalten, daß ſeine geruhige Gemuͤthsart einem Do 
anſtaͤndiger als einem Hochmeiſter ſey. Allein dieſer Zwerg bekam ſamt a 
ihn hiezu vermochten, die Antwort: Der Hochmeiſter ſehe zum voraus, daß 
nem Tode die Kriegbegierigen ihren Wunſch erfuͤllet ſehen würden, und in ſo 
ruhe verwickelt werden duͤrften, daß ſie nicht wiſſen wuͤrden, wie ſie folche be 
ſolten. Auch dem Biſchof von Cujavien Johann Kropidlo, der ihn zu eine 
mit Polen mit allen möglichen Vorſtellungen bereden wolte, gab der Hoch 
Beſcheid: „So oft ſich Geiſtliche in Staatsſachen miſchten, und thäten 
Amts nicht fen, hätten ihre Anſchlaͤge einen uͤblen Ausgang, da ſolche mel 
ihre eigene beſondere Vortheile gebauet wuͤrden. Es klinge von einem Biſch 
die lehre des Friedens predigen ſolte, gar nicht chriſtlich, durch die Kriegsfack 
ſchen ins Elend zu ſtuͤrzen, und durchs Schwerd unſchuldiges Blut zu vergieff 
wuͤrde ſeinem Rath nicht folgen, ſehe aber im Geiſt voraus, daß nach ihm 
Zeit ein mehr als zu blutiger Krieg ansbrechen würde. ,, Bey allen dieſen 
Geſinnungen zeigte er doch gegen Sameiten ſeinen tapfern Muth, und 
den Orden noch auſſerdem erhebliche lande. Zu feinem lobe gereicht aud, 
ters Ordens verſammlungen gehalten, und darin die Bedienten oͤfters ve 
auf gute Münze gehalten x). 8 . 
129. 


Liefland ein offenbarer Krieg aus. Hingegen langte aus Rom die Be 


an Memel y) gemacht. Das wichtigſte betraf die Begebenhelten in Nor 
nig Albrecht von Schweden geborner Herzog von Mecklenburg, batte 
1388 in der Gefangenſchaft der Königin Margaretha von a De 


a #) Pr. Samml. Th. 2. S. 248. 
x) Henneb ©. 298. Sig. 90. Cont. Dusb. S. . 
) Pr. Samml. D. 3. D. 220, 223. 


F ̃ ²⅛—ůurnr ⅛ . mwV.*wdun DEZ ET 


Conrad von Jungingen. 235 
Die getreuen Mecklenburger thaten alles mögliche zu feiner Befreiung. Margare⸗ 
tha ließ ſich endlich 1395 auch behandeln, ihm Freiheit und Reich, unter der Bedin⸗ 
gung eines in drey Jahren zu bezahlenden anfehnlichen köfegeldes, wieder zu geben, wenn 
er Buͤrgen ſchaffen wuͤrde, daß er fein Wort halten wolte. Nun lag man der Hanſe 


an, dieſe Buͤrgſchaft zu leiſten. Unter den Hochmeiſter gehörten Danzig, Thorn, 


Elbing und Reval, welchen er erlaubte, nebſt Lubeck, Stralſund, Greifs⸗ 
walde zu Albrechts Beſten ſich zu entſchluͤſſen, der ſchon ehemals die Inſel Goth⸗ 
land an den Orden verſetzt hatte, ohnerachtet dieſes Eiland von den Schweden wies 
der abgeldſet war. Die ſieben bemeldeten Städte uͤbernahmen wirklich die Buͤrgſchaft, 
wogegen ihnen König Albrecht Stockholm ſelbſt zur Sicherheit einraͤumte, daß er 


ſein Verſprechen erfüllen würde 2). Weil auch Herzog Wratislaus von Pom⸗ 


mern, der bey mancher Gelegenheit ſich gegen den Orden nicht freunzſchaftlich betra⸗ 
tragen, im vorigen Jahr mit Tode abgegangen, ſo ſuchte der Hochmeiſter ſich 
der Freundſchaft Pommerns vor das Fünftige beſſer zu verſichern. Er ſchloß daher 
auf Laͤtare mit dem jungen Herzog Barnim von Pommern zu Tuchel ein Buͤndniß, 


worin ſich der Herzog anheiſchig machte, des Ordensbeſtes nach Möglichkeit zu befoͤr⸗ 


dern, und beſonders denen Kriegsleuten, die nach Preuſſen giengen, durch feine Sans 
de einen ungehinderten Durchzug zu verſchaffen 4). Doch bemuͤhete ſich der Hochmel⸗ 
ſter vielmehr ſeinen Staaten Ruhe zu verſchaffen. Weil ſich nun 1396 einige Seeraͤuber, 
die ſich auf der Inſel Gothland aufhielten, und die Vitalianer hieſſen, auch an ſei⸗ 
nen landesſchiffen vergriffen hatten, und dadurch der Handel der Seeorte aus Preuſſen, 
ſonderlich in der Stadt Danzig ungemein litte, ſo entſchloß ſich der Hochmeiſter, ei⸗ 
ne Kriegsflotte auszuruͤſten, welches die erſte geweſen, die man jemals in Preuſſen in 
die See geſchickt. Nachdem ſolche 1397 auf 4000 Kriegsleute an Bord genommen, lief ſie 
um Oſtern nach der Inſel Gothland, eroberte ſelbige, ſo wie die Stadt Wisby und 
beſetzte ſelbige. Der König Albrecht von Schweden kam zwar ſelbſt nach Preuſſen, 
und verlangte, daß man ihm dieſe Inſel einraͤumen ſolte. Aber der Hochmeiſter ſtell⸗ 


te vor, daß er ſelbige den Seeraͤubern mit ſchweren Koſten abgenommen, daher ſolche 


ihm nothwendig zugehören muͤſte H). Albrecht ſahe ohnedies, daß er feine Verſpre⸗ 
chungen, welche er der Margaretha von Daͤnnemark gethan, nicht halten konte. 


Er verglich ſich daher mit dieſer nordiſchen Semiramis, und trat ihr das Königreich 


Schweden ab, der auch die ſtaͤdte darauf die Stadt Stockholm uͤbergaben c) 
worauf die nordiſchen Kronen den, Daͤnnemark und Norwegen durch die 


bekannte Calmariſche Verbindung vereiniget wurden. Auch die Ruhe in Lifland 
wurde endlich wieder hergeſtellet, und von unſerm Hochmeiſter, der ſich in Danzig 


mals aufhielt, denen von Adel, welche dem Orden in den Streitigkeiten mit dem 
ift Riga getreue Dienſte geleiſtet, erhebliche Vorrechte ertheilet d). Es wuͤnſchte 


aber auch der Hochmeiſter die Irrungen mit der Krone Polen gehoben zu ſehen. Gel 
2 G9 2 bige 


9 
2) Schüg f. 90, de Ludi Rel. T. 9, p. 116. c) Schutz f. 7 
2 Samml at S. 226. — 0 r N 
- 10 de Ludw. Rel, „9 2 195 Schütz f. 92, d) Ibid,, Pr, Samml. Th. 3. ©, 220, 


1394. 
1395. 


1396. 


’ 1397. 


3 — 


1398. 


236 Sefhichte von Pieufe E 
bige machte auf das tand Dobrin ſowol als auf die Schlotterie, welche der Orden befaßt hielt, 

Anſpruͤche, weil ſolche zu dem polniſchen Reiche gehöreten. Die Schlotterie war eine 
Zeitlang ein Raubſchloß geweſen, von welchem der Wladislaus Herzog von ö 
allen Benachbarten groſſen Schaden gethan, bis ſolches endlich in des Ordens rd 
Damit nun folches nicht gar zum Kriege zwiſchen dem Orden und Polen Gelegenhel 
gebe, fo willigte Conrad von Jungingen in die Unterhandlungen, die zwiſchen 
beiden Staaten in Jungen Leslau an Pfingſten gepflogen werden ſolten. Well 

aber Polen Dobrin und die Schlotterie zuruck verlangte, ohne dem Orden das 
darauf vorgeſchoſſene Geld ſamt allen darauf verwendeten Unkoſten herausgeben zu wol 
len, fo konte der Hochmeiſter um fo viel weniger zum Schluß in dleſer Sache kom 
men, da der Nadirſpan noch dieſes Jahr dem Könige Jagello darthat, daß er did — 
kand vom Könige Ludwig gegen ein ander freies fand Tauſchwelſe an ſich gebtach 
Jagello konte aber damals feine Anſpruͤche nicht mit Gewalt durchſetzen, d 
mit ſeinem Vetter Vitold 1398 in neue Streitigkeiten gerathen. Der e 
war fo wenig als die Groſſen in Lithauen damit zufrieden, daß ihr bisher unun 
ner Staat als eine polniſche Landſchaft ſolte behandelt werden, und foſten ben Er 
ſchluß, mit Huͤlfe des Ordens ſich bey der Unabhaͤnglichkeit gegen Polen zu ſe 
Vitold bekam zu Garthe einen Zuſpruch von dem Ordensmarſchall und ander 
densgebietigern, mit denen er ein Buͤndniß verabredete, und worüber um M pad 
mit dem Hochmeiſter gehandelt werden ſolte. Die Groſſen in Lithauen zeigten ihre 
Zufriedenheit darüber, daß Vitold, um ſich das Zutrauen des Ordens . er. 
ſchaffen, demſelben zu Wiederaufbauung dreier Schlöffer behuͤlflich ſeyn wolte, ſtatt de / 
rer, die er ehemals dem Orden zerſtöͤrt hatte. Um Pfingſten wurden wirklich 
Lithauer Hülfe auf dem Gotteswerder an der Memel von einigen Gebietig 
Schlöſſer in vier Wochen gebauet, und mit Beſatzung und allen Nothwendigkel 
fehen. Ueberdies bauete der Marſchall ein Schloß zu Angerap, und ver ( 
von Lyck legte auch daſelbſt wieder eins an. Endlich kamen ſechs Tage nach 
der Hochmeiſter mit feinem Gefolge, die Bifchöfe von Ermeland und Sa 
älteften Ritter und die Buͤrgermeiſter der groſſen Städte auf das Werder zu 
Hier langte auch Vitold mit feiner Gemalin, den vornehimſten lithauiſche 
und einigen Polacken ebenfals an. Es kam ſodenn ein ewiger Friede zu Sta 
rin zugleich die Grenzen beiderſeitiger Staaten, ſonderlich der Ordens be 
Sameiten beſtimmt, Vitolds Bruder Siegmund nebſt andert 
der Orden bisher gehabt, in Freiheit geſetzt, Vitold aber vor ein 

Oberherrn oder König feiner Sande erkannt wurde. Es folgten auf rm m 
Handlungen groffe Gaſtmale, woben die Athauer und der Do ſch aufs 

ſelsweiſe N I 1 


SS 
) RR N . 
8 5 9) 7 

Din ge ere, be eo os f „den 
ppe war Palatinus von garn, we adirſ⸗ 
WERE * 


— 


5 Conrad von Junginge 237 
5 i $. 190, F 1398. 


Auch wegen der Inſel Gothland und der Stadt Wisby verglich ſich der Er macht gu, 
Hochmeiſter mit dem geweſenen König von Schweden Albrecht, fo daß ſolcher alle te geſetze 


fine Rechte darauf dem Orden überließ ). Weil aber die Seeraͤuber noch immer 
fortfuhren, die Schiffenden zu beunruhigen, ſo verglichen ſich die vornehmſten Hanſe⸗ 
ſtaͤdte, gegen ſolche eine Flotte auszuruͤſten, wozu fi auch die preußiſchen verſtun⸗ 
den. Man erſuchte den Hochmeiſter ſowol zur Zutackelung dieſer Flotte, als auch 
wenn ſolche in feine Hafen einlaufen folte, beförderlich zu ſeyn. Conrad von Jun⸗ 
gingen ließ auch wirklich geſchehen, daß die Ordens Seeſtaͤdte, den vom Orden bereits 
eingeführten Pfundzoll zu dieſem Behuf ſelbſt erheben, und fo lange es nöthig auf dies 
FE Seeruͤſtungen verwenden ſolten. Es ſtachen daher wirklich Schiffe in die See, 
welche, weil ſie mit jedermann, nur die Seeraͤuber ausgenommen, Frieden hal⸗ 
ten ſolten, Friedeſchiffe hieſſen, und meiſtens um Gothland kreuzten. Sie hat 
ten aber das Ungluͤck, ein calmarſches Schif, das zu eben der Abſicht ausgelaufen, 
vor einen Seeräuber zu halten, und es fo zu behandeln. Die Königin Margaretha 
beſchwerte fich daruber bey unſerm Hochmeiſter und verlangte, daß, da ſolches an Goth⸗ 
land geſchehen, er ihr zur Genugthuung behuͤlflich ſeyn ſolte. Als daher 1399 die Friede ⸗ 1399. 
fehiffe wirklich Seeraͤuber antrafen, wolten die Luͤbecker aus Furcht, daß ſolches daͤni⸗ 
ſche Unterthanen ſeyn möchten, nicht angreifen, welches aber die Preuſſen thaten, 
die Seeräuber mit dem leben beſtraften, und darüber mit den Luͤbeckern in thaͤtliche 
Streitigkeiten gerlethen. Dem Hochmeiſter war zwar der Eifer gegen die Seeraͤuber 
lieb, aber er wuͤnſchte, daß die Sache wegen des auf Gothland begangenen Frevels 
an dem calmarſchen Schiffe, guͤtlich beigeleget werden möchte, um mit der Margare⸗ 
tha im Frieden zu bleiben /), beſonders da auf der polniſchen Seite die Ruhe nicht dauer⸗ 
haft, weil der König von Polen ſogar den eulmſchen Biſchof Johann auf. feiner 
Reiſe nach Preuſſen gefangen nehmen laſſen. Es ward jedoch dieſer Geiſtliche bald 
wieder in Freiheit geſetzt 1), und kam nach Preuſſen, wo die Geiſeler ſich eingefun⸗ 
den, und groß Aufſehen gemacht hatten K). Auch mit dem Könige Henrich 4 von 
England, der dies Jahr den Thron beſtiegen, unterhielt der Hochmeiſter das beſte 
Vernehmen, der in einem Schreiben an den Orden nicht nur feine Thronbeſteigung ber 
kandt machte, ſondern zugleich die Gefälligkeiten ruͤßmte, die er in Preuſſen genoffen, 
als er als Herzog von Lancaſter ſich daſelbſt aufgehalten ). Die Sache wegen 
des calmariſchen Schiffes ward zwiſchen den Hanſeſtaͤdten und der Königin Marga⸗ 
retha 1400 gluͤcklich vertragen n). Zum Behuf des Handels vergönnete der Hochmeis 1400. 
ſter denen Seeſtaͤdten, geſchworne keute anzunehmen, die alle Waaren, welche vers 
Jickt werden folten, nach ihrer Güte beuetheilen muſten, damit die auswärtigen Kaͤu⸗ 
fer nicht mit ſchlechter Waare hintergangen Ai und dadurch der preußiſche Han⸗ 
r de ö 9 3 del 


* 


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* 2 2 * 


5 de Da Rel. ne 8 . S 1 1 re 
Schuͤtz „93795. . B. 1. O. 124. 1d, p. 223. 
0 Ne. Sem, B. S. mo, m) Schas f e 


7 


—— —-— — — — 


desmißbraͤuchen abzuhelfen. Er verordnete daher: r. Daß die Aemter des landes an 


Sucht Be in Nunmehr ſuchte Conrad von Jungingen auch enbtich d das gehe ge 


Sameiten 
veſt zu ſetzen. 


Kirche kommen. 5. An keinem armen Sünder folte eher das Todesurtheil! 


238 => Geſchichte von Preuſſen. 


del in Verfall kame n). Vor allen andern aber ſuchte er durch heilſame Geſetze ARE 


keinen als einen Ordensbruder vergeben werden ſolten. 2. Daß kein Ritterbruder 
über 1o Pferde, und kein Comthur über 100 Pferde halten ſolte, auſſer denen, d 
Beſtellung des Ackers noͤthig wären. 3. Daß niemand als nur ein rittermäßiger W 
fuͤhren ſolte. 4. An jedem Feſttage ſolte aus jedem Haufe wenigſtens eine Per 


werden, ehe er gebeicht und die Saeramente empfangen haͤtte. 6. Wahrſage 
berer und andere Teufelskuͤnſtler ſolten lebendig verbrandt werden. 7. Die 2 
und Zuͤnfte ſolten jährlich nur einmal zuammenkommen. 8. Jeder folte fein ent 
fen Geſinde aufſuchen und greifen wo er ſolches fände. 9. Geaͤchtete, dle ihre 
nicht ausmachen wolten, ſolten vogelfrey ſehn. 10. Keiner foll an helligen Ort 
fug machen bey leibes / und Geldſtrafe. 11. Schlagen oder gar verwunden an heillgen 
Stätten ſolte die Hand koſten. 12. Die Handwerker ſolten ihre gemachte Arbeit mie 
einem beſondern Zeichen bemerken, damit nicht verfälfchte Waaren verkauft werden 
konten. 13. Wer eine Jungfrau mit oder wider ihren Willen entfuͤhrte, ſolt 
ge Zeit des Landes verwieſen werden. 14. Wo die Jungfrau eingewilliget, N 
ler erblichen Guͤter verluſtig ſeyn. Wer Nothzucht begienge, ſolte die Genoth 
eheligen, oder den Kopf verlieren. 18. Wer feinem Pfarrer den Zehenten 
ſich weigert, ſolte ehrlos ſeyn, und in keinem Gericht gehoret werden o). Jetzt 
Orden im hoͤchſten Wohlſtande. Der Hochmeiſter bediente ſich des Geldes 
terung feiner lande. Der König von Ungarn Sigismund hingegen war 
Geldbeduͤrftig. Der Hochmeiſter bediente ſich ſeines Mangels, und kaufte 
Genehmhaltung des Kaiſers Wenzels feines Bruders das Laͤndgen Dran ıb 
und erweiterte en auf der Seite feine lande P). 7 


§. or. 


chen, was ihm auf Sameiten zuſtand. Schon beinahe vor anderthalb hu 
ren hatte König Mindow, der in dieſem Lande geherrſcht, alle feine S 
den geſchenkt. Der Orden glaubte Überdies an alle finder, worin er das K 
fand, ein Recht zu haben, und zu Dietrichs von Altenburg Zeiten hatte ſoga 
demſelben ganz Lithauen geſchenkt. Seit der gänzlichen Bezwingung d 
niſchen Preuſſen, denen die Lithauer öfters Beiſtand geleiſtet, hat 
ner ihren Anſpruch an Lithauen geltend zu machen geſucht, und deswegen 
ſten Kriege gefuͤhret. Da der Großherzog Jagello zum Koͤnigreich Po . 
und die Macht, die er ererbet, mit der polniſchen vereinigte, fo war d 

Kreuzherren der uͤbelſte Zufall, der ihnen begegnen konte, befonbens‘ 10 9 


) Schi f. | | a 
53 Pr. Samui, W S. 229. * ieee n 


Conrad von Jungingen. 239 


Cheiſtenchum in Lithauen einzuführen ſuchte, und daher der Orden den Vorwand ver 1409, 
lor, ſich des Landes zu bemaͤchtigen. Jetzt konte er nichts zu ſeinem Behuf anfuͤhren, 1 
als daß die Einfuͤhrung des Chriſtenthums ſchlecht von ſtatten gienge, und dem Ja⸗ 
gello mehr um die polniſche Krone als um das Bekehrungsgeſchaͤfte feiner Unterthanen 
zu thun geweſen. Ueberdies machte ſich der Orden theils der Streitigkeiten der Bruͤ⸗ 
der und der Vettern des Jagello, theils des Mißvergnuͤgens zu Nutze, den die Grof 
fen in Lithauen daruͤber bezeigten, daß ihr bisher unabhängiges kand mit Polen vers 
einiget werden ſolte. Dies hatte Gelegenheit gegeben, daß der lithauiſche Prinz 
Vitold ſich der hoͤchſten Oberherrſchaft mit der Kreuzherren Huͤlfe verfichern wolte, 
und dafuͤr ganz Sameiten denenſelben abgetreten, worin ſie ohnedies ſchon in denen 
vorigen Kriegen einige Eroberungen gemacht. Der Hochmeiſter Conrad von Jun⸗ 
gingen hatte durch den letzten Umſtand noch den beſten Grund zum Beſitz vor Sa⸗ 
meiten erhalten, und ſuchte denſelben jetzt geltend zu machen. Da die noch heidniſchen 
Einwohner nicht freiwillig ſich dem Orden unterwerfen und das Chriſtenthum anneh⸗ 
men wolten, ſo veranſtaltete der Hochmeiſter einen Kriegszug gegen ſie. Er hatte 
Huͤlfsvolker unter Anfuͤhrung des Herzogs von Geldern nach Preuſſen bekommen. 
Es ward daher mit Vitold von Lithauen die gehörige Abrede genommen, der auch 
wirklich zu dem Ordensheere ſties, welches der Marſchall Werner von Tettingen an⸗ 
fuͤhrete. Ein anderer Haufen lithauiſcher Völker vereinigte ſich mit dem Gebieter von 
Magnit, der auf der andern Seite in Sameiten einfallen muſte. An beiden Or⸗ 
ten uͤberfiel man die Einwohner, die ſich dieſen Einbruch nicht verſehen hatten. Die 
Eroberung vom ganzen Lande konte alſo nicht ſchwer fallen. Was ſich nicht unterwer⸗ 
fen wolte ward niedergehauen, und die Kinder der Vornehmſten des Landes ſchickte 
man als Geiſel der Treue, derer die des Ordens Oberherrſchaft erkannten, nach 
Preuſſen. In Sameiten legten die Kreuzherren eine Veſtung an, woruͤber einer 
von ihnen zum Landvogt beſtellet, auch Kaͤmmerer und Richter verordnet wurden, 
welche die Gerichtbarkeit in Sameiten nach einer gemachten Vorſchrift und gegebenen 
Geſetzen ausüben ſolten. Gleich zu Anfang des Jahres 1401 langten die vornehmſten 1 
Herren aus Sameiten zu Marienburg an. Ihre Kinder, die fie als Geiſeln in 
i uſſen fanden, waren bereits in Preuſſen getauft worden, und jetzt nahmen auch 
die Väter die Taufe an. Um aber auch die Zuruͤckgebliebenen im Chriſtenthum zu 
Anteerrichten, und auch die Kinder und das Frauenzimmer in den Schooß der Kirche 
aufzunehmen, muſten verſchiedene Prieſter und Mönche mit den lithauiſchen Herren 
nach Sameiten abgehen. Aber in der That war dieſen Neubekehrten des Ordens 
1 Herrſchaft ungewohnt und verhaßt. Sie ſchienen nach Preuſſen gekommen zu ſeyn, 
um zu verſuchen, ob ſie nicht durch Annehmung des Chriſtenthums ihre gegebene Gelſel 
auf freien Fuß bringen konten. Dieſes war ihnen jedoch fehl geſchlagen. Sie wolten aber 
lieber ihre Kinder als ihre Freiheit einbuͤſen. Vitold lag unter der Decke, dem die 
Abtretung von Sameiten leid geworden. Er ließ die Sameiten einladen, ſich wie⸗ 
der unter lithauiſche Herrſchaft zu begeben. Sie waren ſolches zufrieden, und der 
8 . 4 *. . * » « .. * a. * mit 


Se. 


FFP TEE TE HETE TEETETE 
7 ’ 


\ 


Pr 


1401. 


1402. 


Meumark. 


ſchickte wirklich eine wohlbeſetzte Flotte ab, welche Voker um Martini auf dem eh 


— die Hingegen glücke es es dem deutſchen Orden ein ſehr anſehmich land blos — 2 


Darlehns als ein Unterpfand einraͤumte. Dieſer wolte ſein Geld wiederhaben, und 7 


240 Geſchichte von Preuſſen. 
mit dem Vitold genommenen Abrede zufolge, kam es in Sameiten zu einem Pe 
meinen Aufſtand gegen den Orden. Sie bemaͤchtigten ſich der Ordensveflungen und 
legten ſolche in die Aſche. Alle darin befindliche leute wurden gefangen genommen, 
welche ihr leben blos der Beiſorge zu verdanken hatten, daß man ihren Tod an denen 
in Preuſſen befindlichen Geiſeln rächen möchte. Sobald der Hochmeiſter davon Nach / 
richt erhalten, ‚befürchtete er, daß die Geifel Mittel zur Flucht finden möchten, Er 
ließ fie daher, chells ſich ihrer beſſer zu verſichern, theils bey ihren Verwandten ein 
Mitleiden rege zu machen, welches die Natur fordert, in Eifen legen. Zwey dieſer Uns 
glücklichen zogen ſich ſolches fo zu Gemüͤth, daß fie ſich zu Thorn an ihren zu dieſem 
Zweck zerriſſenen Kleidern erhängten J). Auch mit der Königin von Daͤnnemark, 
Schweden und Norwegen bekam der Hochmeiſter allerhand Streitigkeiten. Einb 

ge daͤniſche Kaufleute fanden 1402 in Preuſſen auf einem Dorf bey Graudentz einen 6 
gebrechlichen Menſchen, an dem fie viel Aehnliches mit dem Sohn der kann 
dem bereits 1387 verftorbenen Könige Olao 3 zu fehen glaubten. Ohnerachtet 
dieſer Menſch laͤugnete, daß er Olaus ſey, fo hatte doch die anſcheinende Gleichhelt a 
mehr Gewalt als fein eigenes Geſtaͤndniß. Man nöthigte ihn recht, die Rolle ane 
Betruͤgers zu ſpielen, und das Verzeichniß derer, welche hohe Perſonen vo 

ſollen oder wollen, zu vermehren. Der Ruf von dieſer Begebenheit breitete ſich . 
aus. Margaretha erfuhr ſolches, und hielt bey unſerm Hochmeiſter um die 

ferung dieſes Menſchen an. Der Orden willfahrte ihr, und ſandte ihn nach Calm 

da denn der vorgegangene Betrug ſattſam entdeckt ward 7). Auſſer dieſem aber ı 

te Margaretha wegen Schweden einen Anſpruch auf die Inſel Gothland, und 


land ausſetzte, und ſich davon bis auf die Hauptſtadt Wisby bemaͤchtigte * N 1. 
$. 132. 8 


Geld und Unterhandlungen an ſich zu bringen. Der immer Geld bendthigte S 
mund König von Ungarn und Churfuͤrſt von Brandenburg hatte kaum nuch 
juͤngſten Bruders Johann von Goͤrlitz Tode aus deſſen Verlaſſenſchaft die Neumark 

ererbet, als er ſchon dem Woywoden von Siebenbuͤrgen Stybor ſolche wegen eines 


Sigismund erkannte fein Unvermögen ſolches zu ſchaffen. Man wandte ſich bey die ⸗ 
fen Umftänden an Polen, und fieng Unterhandlungen an, die Neumark dieſem 
Staat zu verfegen. Dies machte den Orden aufmerkſam. Deſſen Staatsvorthelle 
lieſſen durchaus nicht zu, denen Polacken dieſes fand zu gönnen, well dadurch der 
Durchzug derer von Zeit zu Zeit nach Preuſſen ankommenden Kriegsvölker ſehr u 
ſchweret, und Polen in den Stand geſetzt werden konte, mit er kn in 
9) Pr. Sammi.Th.3. S. 228 a 


r) Pe. Samml. B. 3. S. 230. n. e Geſchichte und andere. 
5) de Ladw. Rel. T. 9. p. 195. : ** 


F Conrad von Jungingen. 241 


Anſpruͤche gegen den Orden durchzutreiben. Conrad von Jungingen bot ſich zm 1402. 
Kaͤufer der Neumark an. Weil nun Sigismund hiedurch mehr Geld als durch das pol⸗ 
niſche Darlehn in die Haͤnde zu bekommen hofte, er auch niemals dem Jagello, der 
ihn um die polniſche Krone mit bringen helfen, ſonderlich geneigt, ſo kamen die Un⸗ 
terhandlungen mit dem Orden bald zum Stande. Da bis jetzt die Urkunde ſelbſt, wo⸗ 
durch der Kauf geſchloſſen, noch nicht zum Vorſchein gekommen, ſo ſtreiten ſich die 
neuern Geſchichtſchreiber über den bezahlten Kaufſchilling. Der ſelige Herr von 
Gundling, welcher in dieſer Sache ſich auf Urkunden beruft, und wenigſtens am 
erſten Gelegenheit gehabt, ſolche zu ſehen, ſetzt 63200 ungariſche Gulden als die Kauf⸗ 
ſumme an. Sobald man ſich darüber geeiniget, fo ward durch Stybor, des Sigis⸗ 
munds Bevollmaͤchtigter in dieſer Sache, die Neumark dem deutſchen Orden fo 
uͤberlaſſen, daß Wenzel und Sigmund ſowol als Jobſt von Mähren und aller dies 
fer Herren männlichen leibeserben den Wiederkauf ſich vorbehielten. Stybor uͤber⸗ 
gab daher dem Hochmeiſter im Namen des Sigismunds, nachdem er die Untertha⸗ 
nen von ihren bisherigen Eiden entbunden, und an den Orden als ihre kuͤnftige far 
desherrſchaſt verwieſen, den wirklichen Beſitz des Landes, welcher hierauf dieſem Lande 
alle bisherige Rechte und Begnadigungen beftätigte T). Das Land verpflichtete fich 
hierauf 1403 ſchriftlich, die Oberherrſchaft des Ordens zu erkennen 2). Der Hochmei⸗ 1403. 
ſter ließ dieſes kand durch einen eigenen Landvogt regieren, davon Balduin Stell der 
eerſte geweſen ). Es gluͤckte ihm auch die belagerte Stadt Wisby auf Gothland zu. Entſetzt 
entſetzen. Ein daͤniſch und ſchwediſches Heer hatte dieſen Ort ſeit dem 2sſten Jan. MR; 
ceingeſchloſſen. Aber die Beſatzung darin hatte ſich mit Huͤlfe der Buͤrgerſchaft tapfer 
vertheidiget. Endlich ſchickten die Hanſeſtaͤdte, mit denen unſer Hochmeiſter fich vers 
bunden, auf einer Flotte 1so00 Mann zum Entſatz. Den z2aften Febr. langte ſolcher in 
Gothland an, und ſchlug die Belagerer mit Verluſt ihres tagers, Waffen, ihrer Kriegs⸗ 
ruͤſtungen und Pferde, gluͤcklich in die Flucht, wobey es jedoch auch auf Seiten derer 
zum Entſatz angelangten Kriegsvölker vieles Blut gekoſtet haben mochte )). Ueber⸗ 
haupt that der Hochmeiſter alles um den Handel in bluͤhendem Stande zu erhalten. 
Der Stadt Kneiphof Königsberg ertheilte er uͤber den Ancker einen Gnadenbrief 2), 
und der Stadt Thorn beſtaͤtigte er das Recht, daß die Kauſſute die alte Straſſe auf 
Thorn fahren, und in dieſem Ort Niederlage halten ſolten a). Auch Sameiten Schließt mit 
blieb der Gegenſtand der Bemühungen des Hochmeiſters. Der letztere Aufſtand dieſes En 1 
landes ſolte an deſſen Urheber dem Vitold beſtraft werden, gegen welchen des Jagel⸗ den. 
lo Bruder Suidrigello einen Anſpruch auf Lithauen machte. Der letztere erſuchte 
den Orden, zu ſeinem Beſten einen Einfall in Lithauen zu thun, und fand leicht Ge⸗ 
hör. Der Einbruch geſchahe ſowol auf der preußiſchen als lieflaͤndiſchen Seite. 


o Vitold 
2) Siehe unſere Geſchichte B. 1. S. 578 f. de ) de Lud. Rel. 9. p. 198. et 89. 
idw, Rel. T. 9. p. 501. 2 \ 
e, i TIER N 
x) Geſamml. Nachr B. 1. S. 169. a) Erl. W 2. S. 754. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 


Regi eret ſo⸗ Das Geld, welches der Hochmeiſter gegen die Abtretung von Dobri 
denn in ruhe Schlotterie von Polen bekommen ſolte, ſuchte er nunmehr anderwaͤrts in des 


1405. 


na i Geſchichte von Preuſſen. 


nig ſoͤhnete ſich mit dem Suidrigello aus. Es wurden auch um Punt en 


Vitold getrauete ſich nicht das Feld zu halten. Als aber die Kriegevöllerbes rden? 
wieder zuruͤckgegangen, fiel er in Liefland ein, und richtete darin groſſen e 

Man vergalt aber ſolches vollkommen durch einen neuen Einfall der Kreuzherren in Lis 
thauen, den die Ritter von der preußiſchen und lieflaͤndiſchen Seite W 


Dieſe Art von Kriegen brachte beiden Theilen ein Verlangen zum Frieden bey. 


ſchen dem polniſchen Könige Jagello, dem lithauiſchen Herzog Vitold und 
Orden zu Raciaz Unterhandlungen angeſtellet und glücklich zum Schluß geb 
Der Friede, welchen der Orden mit dem Könige Caſimir geſchloſſen, ward hier 
Grunde gelegt und beftätiger. Polen folte das land Dobrin mit ‘soooo Gu 
gariſch und die Schlotterie mit 3000 Schock Groſchen wieder einzulöfen be 
ſeyn. Sameiten hingegen ſolte unſtreitig dem Orden verbleiben, deſſen Gre 
gleich genau beftimmt wurden. Des Jagello Bruͤder und Vettern fieffen | 


ebenfals damit vergnuͤget, der beſonders den Friedrich von Wenden, 
dere fagen, den Friedrich von Wallenrod, damaligen Comthur ven Chor, 
ſaͤchlich dabey gebraucht hatte. Der König Wladislaus Jagello beſtätigte 5 
— Freitags vor dem ene durch eine beſondere Urkunde Mech: 5 3 


9. 13% 3 


Nutzen zu verwenden. Er ſchloß daher im Herbſt mit dem Ulrich von der Oſte 
Vergleich, wodurch dieſer denen Kreuzherren das Schloß zu Drieſen unterpfo 
raͤumte d). Er ließ fein Korn zu Marienburg aͤbermeſſen, wo 4130 daſt 
raͤthig gefunden ward e). Er ertheilte der Stadt Graudentz den Haupt 
brief /). Er ſorgte auch vor die Beibehaltung des guten Vernehmens mit E 
Einige Einwohner dieſes Reichs hatten an prenßiſche Kaufleuten Forderungen. 
ward aber eins, daß zu Dordrecht auf Oſtern 1405 ſolche unterſucht und vergl 
den ſolten g). Endli ſich der Hochmeiſter auch den Flor der Wiffenfe 
gelegen ſeyn, und bezeigte ſich vergnuͤgt, als von Rom aus die Beftätigung d 
ſchen Academie anlangte 4), welche aber bey denen bald darauf erfolgten 
ten in groſſen Verfall gerieth 7). Vorzuͤglich lag ihm die Erfüllung des le 
dens am Herzen. Als daher das von Polen verſprochene Geld gänzlich 71 
raͤumte er das land Dobrin ſowol als die Schlotterie den Polen wirklich ei 


2 1 * * 5 7 
9 e Be 0 Pe. Sam. G. 1. S. % „ 
c) wid. Pr. Samml. B. 3. ©... ZN: 27 
B. e. S. 678. Pr. Lieſr. S. 656 und 462. Dlıs 0) Pr. Sammi. G. 3. S. 5. ! 1 


off. giebt ſtatt 50600 nur 40000 Dusaten an. 1) Des Hochwuͤrdigen Hrn. ®. ö 
2 d) Pr. Samml. B. 3. D. 23 der Univerſit. Königsberg Th. 1, Ri 
«) Ibid, 9» Sartkvoch A. u. N. Pr. d. 74, N 


\ 


* 


rr 


rr. 


7 


* 


2 * Pr 
1 
1 


r. 


Conrad von Jungingen. 243 


technete ihnen weder die verwandten Baukoſten, noch den darin befindlichen Mundvorrath 
an. Er beſtund aber darauf, daß ſich der König von Polen auch des pommerelliſchen Tis 
tels und Wappens nicht bedienen ſolte, welches der ehemals mit Caſimir geſchloſſene 
Friede mit ſich brachte, fo wie er auch die Beſitznehmung von Sameiten beſorgte K). 
Es war ſolches ungemein nöthig, weil bey aller Gelegenheit der Adel dieſes Landes ein 
Mlsvergnuͤgen über die Oberherrſchaft des Ordens blicken ließ. Der Landvogt von 


Sameiten Martialis von Helfenbach ſuchte vergeblich durch gebrauchte Strenge ſich 


furchtbar zu machen. Er hatte einige Mißvergnuͤgte 1406 einziehen und koͤpfen laſſen. 
Dies machte fie aber noch ſchwieriger. Der Ordenslandvogt ließ daher den ganzen ſa⸗ 


meitiſchen Adel auf das neue Schloß Friedeburg verſammlen, zeigte ſolchem, daß 


die Beſtraften nichts gelitten, als was fie verdient, erbot ſich zugleich uͤbrigens, daß 
er gern allen ihren gegruͤndeten Beſchwerden abhelfen wolte. Aber der Dollmetſcher legte 
dem Adel die Rede des von Helfenbach ganz anders aus, als ob er gegen ſie alle einen 
Verdacht der Verrärheren gefchöpfe, und fie mit denen haͤßlichſten Namen belegt Hätte. 
Dies goß Oel ins Feuer. Der Adel beſtund durchaus darauf, daß diejenigen es mit 
dem leben buͤſſen folten, welche an dem Tode ihrer Mitbruͤder Schuld geweſen. Da 
ſolches der Landvogt als was ungerechtes ablehnete, ſo machte der Dollmetſcher den Adel 
glaubend, er habe ſich verlauten laſſen: er wuͤrde um untreuer Hunde willen kein un⸗ 
ſchuldig Ritterblut vergieſſen. Dies brachte den Adel zu den unehrerbietigſten Antwor⸗ 
ten, woruͤber ſie aber alle in Verhaft gebracht wurden. Doch der Kerkermeiſter, ein 
getaufter Sameite, bewies ſich als ein Verraͤther, ließ die Gefangenen los, ver⸗ 
ſchafte ihnen Mordwerkzeuge, mit welchen ſie, nach des Kerkermeiſters Anleitung, den 
kandvogt mit allen feinen Leuten auf Friedeburg ermordeten. Gleich darauf lief ih⸗ 
nen der gemeine Mann in Sameiten zu. Sie eroberten Tobisſchayne durch Ver⸗ 


i raͤtheren, und legten ſolches in die Aſche. Aber nunmehr kam ihnen der Landmeiſter 


von Liefland über den Hals. Weil fie nun ſolchem die Spitze zu bieten ſich nicht ges 
traueten, fo wandten fie ſich an den Großherzog Vitold, den fie um Hilfe anſpra⸗ 
chen. Der geſchloſſene Frieden war jedoch noch zu neu, als daß dieſer Prinz ſich der 


Auſwiegler annehmen konte. Sie muſten daher, fo viel ihrer dem Orden in die Hände 


fielen, mit dem Halſe bezahlen, das land wurde wieder erobert und die zerftörten Veſtun⸗ 
gen wieder in den Stand geſetzt ). Sobald auf dieſe Art das Land beruhiget m), 


llangten die meiſten Sameiten bey dem Hochmeifter zu Marienburg 1407 an, und 
verſprachen aufs neue Treue und Gehorfam. Sie hatten alle Hofnung aufgegeben, 


durch den Jagello und Vitold jemals unterſtuͤtzt zu werden, welche damals gegen die 
Ruſſen Krieg zu führen, und den Papſt und die Cardinale vergebens erſucht hatten, 
einen Kreuzzug gegen die Ruſſen zu erhalten ). Die Sameiten erſuchten damals den 
1 ER Hoch⸗ 

k) Pr. Samml. B. 3. S. 232. Pr. Liefr. B. Erl. Pr. Th. 2. S. 23. gedenkt, nicht 1488, ſon⸗ 


1. S. 65% dern 1406 ausgeſtellet ſey, und er ſolches ſelbſt in 


) Schuͤt f. Haͤnden habe. 


100. 
m) Der ſelige Herr Kriegsrath von Werner 


RE hat mir berichtet, daß die Urkunde, deren das m) Pr. Samml. B. 3. S. 233. 


140. 


5 1406, 


1407. 


* a E Er 
Er gehet mit Es ſtarb jedoch der Hochmeiſter in vollkommener Ruhe. Seine Zufäll 


tode ab und 
nimmt das 

gluͤck des or⸗ 
dens mit zu 
grabe. 


Großmarſchall treffen ſolte. Sie waren beide von einem Geſchlecht, aber ſehr 
3 g ) Ara” 
3 


— 
N 


244 Geſchichte von Preuſſn. | 
Hochmeiſter ͤber ihre Güter ihnen das culmiſch Recht zu ertheilen / und ihnen auch 
ſönlichen Vorzüge angedeien zu laſſen, die nach demſelben Ritter und Knechte hatten. Com 
rad von Jungingen nahm ſolches in Ueberlegung. Er mochte aber es zu fruhgeltig gehal⸗ 
ten haben, ihnen ihr Verlangen einzugeſtehen, und fie mit feinen alten U ane er 
völlig gleich zu halten, da er wohl einſahe „daß auf die abel A 8 
Staat zu machen 0). Als daher die preußiſchen Staͤnde um Mitfaſten die Kriege 4 
mit den Lithauern und Sameiten nunmehr vor geendiger hielten, und das ſalauiſche 
Korn, welches zu dieſem Behuf zu geben bewilliget, nicht mehr abtragen wolten, 
brachte fie der Hochmeifter durch gruͤndliche und vaͤterliche Vorſtellungen dahin, 
ſolches noch auf drey Jahr bewilligten p). Die Unterthanen hatten ein ſolch Zutt 
zu feiner guten und friedfertigen Geſinnung, daß ſie aus liebe vor ihn alles that 
gleich ſeine Sanftmuth und liebe zur Ruhe den Rittern nicht ſonberlich anſtaͤndig, 
unter vielleicht viele aus eben den Urſachen lieber Krieg wuͤnſchten, aus welchen 
Werner von Orſeln der Johann von Bendorf ins Feld gehen wolte Y). 


§. 134. 


NO | 
biepen 


nen ihm ſchon laͤngſt fein Ende zu drohen, und ich glaube, daß ſolche von der 
bluͤtigkeit hergeruͤhret. Ich ſchluͤſſe ſolches aus dem Umſtand, weil die Aerzte 
Rath gaben, durch nähern und vertrautern Umgang mit Frauenzimmern denen! 
niſſen vorzubeugen. Ich uͤberlaſſe es denen Arzeneiverſtaͤndigen eſern, ſeine K 
heit aus dem vorgeſchlagenen Huͤlfsmittel zu errathen, und ſeine gebrauchten Aerzte 
gen es ſelbſt verantworten, in wie weit ihre Vorſchrift mit der Sittlichkeit beſtehe 
ne. Da den meiſten Kranken das vorgeſchlagene Mittel angenehmer, als alle T 
Pulver und Pillen geweſen waͤre, ſo hatte davon doch Conrad von Jungingen 
re Gedanken. Er hielt ſolches gegen ſein Geluͤbde der Keuſchhelt, und erklär 
daß er lieber zehn Jahre eher aus der Welt gehen, als ſein leben auf fo viel Jaß 
Befleckung feines Gewiſſens verlängern wolle. Er ſchloß vielmehr aus der Vor 
der Aerzte, daß ſie alle ihre Kunſt erſchöpft haben muͤſten / weil fie von ihm we 
langten, was ihm ſitrlich unmöglich. Er ſahe daher feinem Tode mit Stand 
entgegen. Er wolte, wie Antonin, bis auf den letzten Augenblick die Ha 
eines Fuͤrſten beobachten, und vor feines landes Beſtes ſorgen. Ja er gieng 
ter und dehnte feine landes vaͤterliche Sorgfalt auch ſogar auf die kuͤnftigen Zeit 
Die meiſten Mitglieder des Ordens wuͤnſchten Krieg, und Conrad ſahe im Ge 
aus, daß nach ſeinem Tode die Bruͤder ein Haupt wählen wuͤrden, ihre 
ſchen ein Gnuͤge thaͤt. Hauptſaͤchlich zitterte der Hochmeiſter aus liebe zu der 
und des Landes, wenn die kuͤnftige Wahl den Ulrich von Jungingen, d 


o) Pr Samml. B. 3. S. 232. 
p) Ibid. > = 


x 


D Schüg f. 100, - a 1 


= 
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Nass 


N * * 2828 — 
* * u 


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Conrad von Jungingen. 2 45 


chen Geſinnungen. Conrad gelaſſen, nachgebend, friedfertig und fuͤrſichtig, Ulrich 
bitzig, hart, Kriegſuͤchtig und vorſchnell. Conrad ließ daher, fobald er fein lebens⸗ 
ende vermerkte, den Großcomthur Conrad von Lichtenſtein und den Schatzmeiſter 
Henrich aus dem Geſchlecht derer Voͤgte von Plauen, Männer von feiner Denkens⸗ 
art zu ſich fordern. Er erſuchte fie, alles mögliche anzuwenden, damit Ulrich von 
Jungingen nicht das Heft in die Hände bekaͤme, weil er voraus fähe, daß ſolcher 
mit Polen in einen Krieg verwickelt werden möchte, der dem Orden aͤuſſerſt nachthel⸗ 
lig werden konte. Sie verſprachen auch wirklich dem ſterbenden Herren feinem Rath 
zu folgen. Darauf entſchliefer Mittwochs nach Oſtern, und ward zu Marienburg 
beigeſetzt r). Er nahm aber zugleich alles Gluͤck feines Ordens mit ſich ins Grab. 
Nach und nach ſtieg der Orden zu einer erſtaunenden Höhe, und erreichte unter unſerm 
Conrad den höchſten Gipfel. Er beſaß ohne der zerſtreuten Ordens lande in den ans 
dern Landern zu gedenken, in einem Strich die Neumark „ganz Preuſſen, womit 
ein erheblicher Theil von Pommern verbunden worden, Sameiten, Curland und 
Semgallen, Liefland und Eſtland. Unſer Hochmeiſter hatte auffer der Neumark, 
und Sameiten auch den Beſitz der Inſel Gothland dem Orden verſchaft, und hieben 


werben konnen. In der ganzen Welt war er geehrt, von feinen Nachbarn gefuͤrchtet, 
von ſeinen Unterthanen kindlich geliebet. Die Hanſe ſuchte ſeinen Schutz, und weder 


die Vereinigung Polens mit Lithauen unter dem Jagello, noch die groſſe Calma⸗ 


rer Vereinigung unter der groſſen Margaretha konte ihm bey ſeinen weiſen Anſchlaͤgen 
ſchaden. Preuſſen und der Orden in dieſem Lande befand ſich unter ihm im groͤſten 


E Wohlſtand. Daſelbſt hatte der Hochmeiſter unter fich 4 Biſchöfe, 4 Grofigebietiger, 


28 Comthurs, 46 Hauscomthurs, 38 Convente, gı Spittelherren, 6s Kellermeiter, 


= 37 Pfleger, 18 Voͤgte, 39 Fiſchmeiſter, 93 Mühlmeifter, zs Karweitsherren, 35 Or⸗ 


densdomherren, 25 Pfarrer des Ordens, 162 Chorherren Priefter, unter ſich „ welches 
alles erhebliche Aemter waren, 3162 Ritterbruͤder, 6200 Dienſtknechte und Hofgefins 


den zufaͤlligen Gefallen, und auſſerordentlichen Schatzungen, beliefen ſich über gooooo rhei⸗ 
niſcher Gulden ). Auch der Unterthan war bemittelt. Da Preuſſen ſtarken Handel 
zu lande und zur See trieb, da perſchiedene Städte zur Hanſe gehöreten, und mit 
denen maͤchtigſten Gliedern dieſes Buͤndniſſes gleich geachtet wurden, fo muß der Ueber⸗ 
fluß ſich auf Bürger und Landmann durch die Pracht des Ordens, Geſchaͤftigkeit der 
Kaufleute und Arbeitſamkeit der Handwerksleute erſtreckt haben. Man braucht daran 
SE: | Hh 3 nicht 


er, 


9 Schüs f. i00. Dieſer fest den Tag feir Jahr 1404 angegeben wird: beides iſt aus Zuſam⸗ 
nes Todes auf Mittwoch nach Oſtern, oder wie menhaltung der Urkunden irrig. Geſamml. Nachr. 


es in Cont. Dusb. S. 432. heiſt: Feria 4. poſt S. 122. 
Feſtam Pafchae , nur daß in der letzten Stelle f 5 
das Jahr 14087 ſo wie vom Waiſſel S. 135, das 5) Schutz f. too, 


in einer zwolfjaͤhrigen Regierung mehr durch Geld und Vertraͤge gewonnen, als ver⸗ 
ſchiedene feiner Vorfahren durch die allerblutigften Kriege in weit längerer Zeit haben ers 


de wurden beſtaͤndig ernaͤhret. Es befanden ſich in Preuſſen ss Staͤdte, 48 Schlöſ⸗ 
ſer, 18368 Dörfer, 640 Pfarrdörfer, 2000 Freihöfe. Die ordentlichen Einkünfte auffer 


140. 


1407. 


$. 
Pin von So fe auch Conrad von b die Wahl Ulrichs von © 
ungingen 
d hochmei 
Br As rathen, ſo hatte derſelbe doch viele Freunde. 1388 war er des Marſchalls Co 


geſetze. 


1408. 


uͤber ellf Tonnen Geldes habe. Man zweifelte an dem Bericht des Ordens 


Pr. Samml. B. 1. ©. 267 f. 


246 Geſchichte von Preuſſen. 
nicht zu zweifeln. Die Geſchichte hat uns die uͤbermuͤthigſten Streiche der Bauren N 
von Lichtenau deswegen aufbehalten, daß man davon auf ihren Ueberfluß ſchlüſſen 
ſoll t). Ein kandmann in Nickelswalde machte das groͤſte Aufſehen. Als verſchiedene 
Fremde an des Hochmeiſters Tafel den Wohlſtand des Landes auch auf dem Lande ruͤnm 
ten, und ſogar bemerkt zu haben meldeten, daß fie ſelbſt bey den Bauren Geſchmeide 
wahrgenommen, fo ward bey der Gelegenheit erzehlt, daß ein Mann in Nickelswalde 


ſters, und wolte ſolches ſelbſt fehen. Die hohe Geſellſchaft entſchloß ſich, bey dieſem 
Mann eine Mahlzeit zu halten, der allein fünf taft Butter auf das marien 

Schloß als eine Abgabe zu entrichten hatte. Ueber dieſer Mahlzeit frug ihn 9985 
meiſter um den von ihm geprieſenen Reichthum. Der klandmann, der wirklich 
Ackerbau, Viehzucht und Kargheit ſoviel zuſammen gebracht, als man angegeben, und 
der wohl wuſte, daß verläugnet Gut nach damaliger Gewohnheit an die Landesherr 
ſchaft verfiel, zeigte endlich feinen Gaͤſten auf ihr Begehren 12 Tonnen, die unter den 
Baͤncken ſtunden, worauf ſolche geſeſſen. Eilf waren wirklich mit Pfenningen, Schl ⸗ 
lingen und Groſchen gefuͤllet, und die zwoͤlfte befand fich ſchon über die Helfte gefuͤlet. 
Die Dersounberung der Fremden wuchs ſowel daruͤber als auch daß der gnädige Con⸗ 
rad von Jungingen auf der Stelle befahl die zwölfte Tonne aus des Ordens Schaß 
mit eben den Muͤnzſorten voll zu machen, damit der Orden ſich eines Unterthanen ruh ⸗ 
men konte, der eine kaſt Geldes im Vermoͤgen hätte 1). Doch. alles Gluͤck. aller dis 
ſer het verſchwand mit dieſem 0 ut: 


den die meiſten vor feinen Bruder x), einige vor feinen Vetter y) =. 


weſen 2). Sodenn kommt er 1404 als Drdensmarfchallvor a), und in eben d 
zeigen ihn die Urkunden noch 1406 b). Als nun nach Conrads von Jungi 
de Sonntags nach dem Johannis des Zäufers Tage zur Wahl geſch itte 
fielen die Stimmen auf dieſen Ulrich von Jungingen, welcher feinem Bi 
ungleich, und beſonders hitzig war c). Weil aber den meiſten Rittern die 
de Geſinnung des vorigen Herren nicht angeſtanden, fo fielen fie eben desw 
Ulrich, weil fie Conrad vor ihm gewarnet hatte. Gleich nach feiner W 
te er des Landes Freiheiten d), wie denn ſonderlich der Neuenmark ine 
ſtaͤtigungeurkunde ausgefertiget wurde e). Bald darauf löſete 1408 i 
2) Ich mag ihre grobe und boshafte go 4) Erl. Pr. Th. 3. S. . 5 2 fe 
nicht erzehlen. Man kann ſolche im Schuͤtz 3) Geſamml. Nachr. S. 122 f. 


f. 98 f. und Senneb. S. 257: nachleſen. 
1) Schutz . 97. Henneb. O. 36. ſonderlich .. er 7 as . 8 


x) Cont. Dusb. S. 432. d) Erl. Pr. B 3. S. 47% 
) Schutz f. 100, e) Behrberg Beſchrei 
4) Geſamml. er. S. 13 nigsberg in der mam, 2 


EEE TEE LE TEE 


Ulrich von Jungingen. 247 


Oſten das an den Orden verſetzte Schloß Drieſen vor 7000 Schock Groſchen wieder 


an ſich, und uͤberließ es dem Könige Jagello von Polen /). Auch die Inſel Goth⸗ 


land ward der Königin Margaretha endlich gegen Bezahlung von 9000 Moblen abge⸗ 


treten g). Drey Wochen nach Michael am Andreastage hielt der Hochmeiſter eine Or⸗ 


densverſammlung zu Marienburg. Auf dieſer Verſammlung ward durch eine fans 
desordnung veſtgeſetzt: x. Daß niemand gegen die Obrigkeit Verbindungen machen. 
2. Oder beim Landtage und vor dem Gericht ſtaͤrker als in Geſellſchaft von zehn Perſo⸗ 
nen, 3. auch nicht gewafnet erſcheinen ſoll. 4. Daß man denen zum Tode verurthell⸗ 
ten auf ihr Begehren die Beichte geſtatten. 5. Jeden Unterthan zum Gottesdienſt 
halten, aber dem Aberglauben und Zauberey ſteuren. 6. Am Sonntage keinen 
Markt halten. 7. Keine Waaren auf dem Kirchhof oder in der Kirche fell haben ſoll. 
8. Kein Kauf, oder Tauſchvergleich Über Erbe oder llegende Gruͤnde, der den Abend 
geſchloſſen, ſoll güftig ſeyn, wenn er nicht des Morgens beſtaͤtiget worden. 9. Jeder⸗ 
mann ſoll bey feinem erkieſten Richter bleiben. 10. Wolle und andere dergleichen Sa⸗ 
chen kaufen und verkaufen dürfen. 11. Die Fiſcherelen follen in den Ordensſeen denen⸗ 


jenigen gelaſſen werden, die dazu berechtiget. 12. Das lohn vor die Erndteleute ward 


beſtimmt. 13. Verurſachter Schaden durch Schoppen gewuͤrdiget, und der Wehrt 
von dem beſchworen werden, dem der Schaden geſchehen. 14. Goldſchmidsarbeiten 


= find mit einem Zeichen, deſſen der fie gearbeitet, zu bemerken. 15. Das Welnmaaß 
ſoll beſtimmt bleiben. 16. Wer eine Frau oder Jungfrau wider ihren Willen entfuͤhrt, 


deſſen jetzige Güter ſollen von der Herrſchaft eingezogen werden, und feine Erbſchaften 
an die nächften Verwandten fallen. 17. Eben fo ſoll es gehalten werden mit einer 
Jungfrau die wider ihrer Eltern Willen ſich gutwillig entführen laͤſſet. 18. Hat aber 


eeilner redlich um fie geworben und die naͤchſten Freunde find nur zuwider geweſen, fie 


aber hat vor Zeugen darein gewilliget, fo ſollen fie ohne Schaden bleiben. 19. Jeder 


Helfer bey der Entfuͤhrung ſoll eben fo beſtraft werden, wo er ſich nicht ſelbſt ſiebende 
losſchwören kann. 20. Er ſoll auch ſowol als der Hauptthaͤter geaͤchtet und zu ewigen 
eiten des Landes verwieſen ſeyn. 21. Wer ſie im Lande ergreift foll nicht vor das bes 


raft werden was er ihnen zu leide thut. 22. Der entfuͤhrten Frauen oder Jungfrauen 


Gut oder Anfall ſoll an ihre nächften Erben kommen. 23. Käme die Entfuͤhrte nach 
einiger Zelt wieder, fo follen ihre nächften Freunde ihr nicht mehr als die Leibesnah⸗ 


. sing reichen, fo lange ihr Mann lebt. 24. Stuͤrbe der Mann, ſo ſoll ſie von dem 


ihrigen nur die Helfte haben. 25. Ihre Kinder follen auch kein Recht an der Eltern 
noch an der Freunde Anfall haben, ſondern ewig des Landes entbehren. 26. 
üimmt eine Witwe oder unmuͤndige Jungfrau, deren Eltern abgeſtorben, einen Mann, 


ſo ſoll ſie ſolches mit Rath zweier der naͤchſten Freunde thun. 27. Wolten ſolche es 


nicht zugeben, ſo ſoll fie ihren Willen ſolchen deuten offenbaren, die zeugen können 
55 ſie den wolle zur Ehe haben, als denn ſoll ihr nichts zur Laſt geleget werden Y). 
9. 186. 
$ itag vor Nativitatis Ma Lindenbladt hat den von der Oſten falſch Broſt genann x 
5 1 Pr. Samml. 8. ©. 8 Nachr. S. 123, 0 9 
* Pe. amm. B. 3. S. 233. b) Pr. Samui Th. 3. ©, 24% 


1408. 


1408. 


Seine ſtrei⸗ 
tigkeiten mit 
Polen und 
Lithauen. 


zwar noch in Kauen guͤtlich, und verſprachen auf beiden Theilen, den geſe 


1109. 


ſchickte zwar der König eine Geſandtſchaft, deren Haupt der Erzbiſchof von 


248 SGieſhichte von Preuffet. 


U 


8. . $ 136. re N 4 

- SHiefelbft zog man beſonders die polniſchen Angelegenheiten in Ueberlegung. 

Daß Jagello Drieſen an ſich gebracht, welches eigentlich zur Neumark ge ; 

ſchien dem Orden bedenklich, und alle Umftände machten glaubend, daß Jagel 

Vitold Sameiten nie ruhig in des Ordens Händen laſſen würden, Dies gab 

genheit daß die meiſten auriethen Gewalt zu brauchen. Man beſchloß die V 
Memel wieder aufzubauen. Ulrich von Jungingen und Jagello beſp 


Frieden zu beobachten. Als man aber 1409 nach Pfingſten den Anfang zur W 
bauung der Stadt Memel machte, hinderten ſolches die Sameiten durch Einfall 
der Orden wolte gute Nachricht haben, daß ſolches auf des Jagello und Vite 
ſtiften geſchehen, welche beide verſprochen hätten, fie dem Orden nicht zu laſſen 
machte den Hochmeifter aufmerkſam. Er ließ daher 20 Schiffe mit Korn, die 
Memel ankamen, wegnehmen, weil er gewiß glaubte, daß dieſes vor die S amei 
abgeſchickt worden. Auch in Ragnit nahm man lithauiſchen Kaufleuten Waa 
Vitold fiel ſodenn in Sameiten, eroberte ſolches mit Huͤlfe der misvergnüg 
wohner, und verjagte ſonderlich den Michael Kuchmeiſter von Sternber 
Hochmeiſter ſchickte daher an den Jagello Geſandten, welche des Vitolds 
bruch vorſtellen und eine entſcheidende Erklaͤrung verlangen muſten, ob Pole 
beizuſtehen willens, und was ſich alſo der Orden zu Polen zu verfehen habe 
König verſchob aber die Antwort, welches des Ordens Botſchafter dahin brad 
fie öffentlich zu verſtehen gaben: Dem Orden wuͤrde man bey fo bewandten 
die Schuld eines ausbrechenden Krieges nicht beimeſſen koͤnnen. Den 1 


war, von Krone an den Hochmeiſter ab, um denſelben zu einer nochmaligen 
Zuſammenkunft einzuladen. Da aber Ulrich bierein nicht willigen wolt 
ſolches als einen bloſſen Auſſchub anfahe, den man, um Zeit zu den Kriet 
zu gewinnen, auf die Bahn gebracht, fo gab endlich der Erzbiſchof förmlich 
rung von ſich: daß wenn der Orden Lithauen angriſſe, die Polacken 6 
Ander fallen wuͤrden. Dies ſahe Ulrich vor eine Kriegsankuͤndigung 
daher ſofort gegen Polen feindlich verfahren. Im Auguſt fielen drey 
Staat an. Das eine eroberte Dobrin und Schlotterie. Die Comtf 
chel und Schlochau brachen auf der pommerelliſchen Seite in Polen 
thur von Brandenburg in Maſovien ein. Weil von den Herzogen von A 
Johannes bey aller Gelegenheit ſich gegen den Orden widrig bewleſen, 

nur deſſen Beſitzungen verwuͤſtet, hingegen des Herzogs Ziemoviti far 


wel folper allzeit, mit dem Orden in gutem Vernehmen geſtanden . Der 


0 Senfieb. SEE hier die Geſchichtt vein Stegfeied won Weiffef 
. aufknüpfen laſſen, welche die polniſchen Geſchichtſch 
r anfuͤhre n. N r l 


Ulrich von Jungingen. 249 


machte Überall ſchleunige Eroberungen. Der Herzog von Oels Conrad kam mit feis 
nem Sohn gleiches Namens auf die erſte Nachricht, um das ausgebrochene Krieges 
feuer zu dämpfen. Bey Schwetz ward wirklich bis auf den zoften Jun. kuͤnftigen 
Jahres ein Waffenſtillſtand auf den Fuß des Friedens, den der Orden ehemals mit 
Caſimir geſchloſſen, zwiſchen beiden Theilen beliebet. In der Zeit ſolten der Hochmei⸗ 


einſchicken, und was der mit feinen Raͤthen ausſprechen würde, dabey ſolten es beide 
Theile laſſen. Bis dahin ſolte ein jeder behalten, was er jetzt im Beſitz habe. Der 


dieſen Vergleich brechen wuͤrde. Der Hochmeiſter, der unter andern in Raſten⸗ 
burg ſich aufhielt, um überall alle noͤthigen Anſtalten zu machen, ließ ſogleich an dem 
Aufſatz feiner Beſchwerden wider Polen und Lithauen und ſeiner Rechte beſonders auf 
Sameiten arbeiten, ſo wie ſolches Jagello ebenfals that. Beide Theile ſchickten 
wirklich vieſe Staatsſchriften an den König Wenceslaum ab, der auch zu Prag 
um Mitfaſten 1410 den Ausſpruch that: daß Jagello auf ewig Sameiten dem Or 
den abtreten, der Orden aber das land Dobrin und alle im vorigen Jahr eroberte Plaͤ⸗ 
tze in dem jetzigen Zuſtand wiedergeben, Polen das zur Neumark gehörige Drieſen 
abtreten, den Titel von Pommern fahren laſſen und denen Ungläubigen auf keinerley 
Art beiſtehen oder gewärtigen folte, daß alle chriſtliche Mächte dem Orden beiſtehen 
würden. Vitold hatte zwar ebenfals Geſandten und Staatsſchriften eingeſchickt. 
Wenceslaus aber entſchlug ſich alles Ausſpruchs der Streitigkeiten zwiſchen Vitold 
und dem Orden. Kaum aber vernahmen die polniſchen Geſandten dieſen Spruch, 
als ſolche ſich ſogleich dawider ſetzten und abreiſen wolten. Dies brachte Wenceslaum 
zu dem Eifer, daß er ſich öffentlich erklaͤrte, wofern Polen den Degen zucke, ſo wuͤr⸗ 
de er und fein Bruder der König Sigmund von Ungarn dem Orden mit aller Macht 
beiſtehen. Hiedurch wurden zwar die polniſchen Geſandten etwas geſchmeidiger. Aber 
fie wolten ſich doch nicht dazu verſtehen, den Ausſpruch Wenzels zu genehmigen. Dies 
bewog ſolchen, noch eine anderweitige Verſammlung auf Pfingſten zu beſtimmen. Des 
Ordens Geſandten bey dieſem Ausfpruch waren der Comthur von Elbing Werner 
von Tettingen und der Comthur von Thorn Albrecht von Schwartzburg. Beide 
waren aus Ungarn gekommen, wo ſie mit König Sigismund ein ewiges Buͤndniß 
wider Polen auf den Fuß geſchloſſen, daß wenn Polen den Orden angrif, Ungarn 
mit aller Macht in Polen da einbrechen ſolte, wo es am bequemſten konte. Auf der 
zu Pfingſten beſtimmten Verſammlung erſchienen zwar die koniglich böhmifchen Raͤthe 
fo wie die Geſandten des Ordens, aber da keine polniſchen Bevollmaͤchtigten erfchies 
nen, ſo ſchlug dieſe Verſammlung unfruchtbar aus. Der Orden wolte zwar auch ver⸗ 
ſchiedene Schreiben des Papſts und der Cardinale durch einen Anwald dem Könige 
Jagello überreichen laſſen. Allein dieſer Prinz weigerte fich ſolche anzunehmen, well 


F 


SFC . EA me VE en 


* 


* 


den Theilen gemacht. Von allen Seiten kam ein Heer zuſammen, und es ruckten 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ji Ruſ⸗ 


ſter ſowol als der König ihre Beſchwerden an den König Wenceslaum von Böhmen 


König von Böhmen ward berechtiget, gegen denjenigen die Waffen zu ergreiſſen, der 


er bereits den Krieg beſchloſſen hatte. Hiezu wurden die groͤſten Anſtalten von bei⸗ 


1409. 


14 


die 40000 an den König Sigmund von Ungarn be e / wofür ſelbiger 


. u.. 5 
er Sfeist n Jagello tckte kei wukich mit einer Macht von weit Seren 6 N 
der ungtici: in Preuſſen ein, wo feine beute ganz unmenschlich hauſeten 1). Er eroberte — 


chen tannen⸗ 
bergſchen 
ſchlacht. 


250 Geſchichte von Prat 

Ruſſen, Walachen, Sameiten und Lithauer auch aus Schleſien, ungen 
und Böhmen als Söldner herbey, ſich mit den Polacken zu vereinigen. 

Orden zog ebenfals aus Böhmen, Schleſien, Deutſchland und Leſand a ein 
anſehnliches Heer zuſammen, daß ſich mit denen preußiſchen Völkern vereinigte. Kr 
nig Sigmund von Ungarn that noch den letzten Verſuch dem Kriege vorzubeugen. 
Er ſchlug eine Friedensverſammlung auf den Tag Johannis des Taͤufers vor. Beide 
Theile lieſſen ſich ſolche belieben. Allein dem Jagello war es kein Ernſt. Daher er 
die Verſammlung weder ſelbſt beſuchen noch beſchicken wolte. Es kam nun alſo alles 
auf den Ausſchlag der Waffen an K). Ullrich ließ 20000 ungariſche Goldgulden auf 


4 in Polen einzubrechen h. RE 6 


brandte die Stadt Gilgenburg, und nach drey Tagen ruckte er noch zwey Meilen wei⸗ 
ter in die Ebene zwiſchen den Dörfern Gruͤnenwalde und Tannenberg in dem 5 
ſchluß, gleich auf Marienburg ſelbſt Ioszugeh en. Aber er aͤnderte ſeinen tſchluf 
als er Nachricht bekam, daß ihit Ulrich von Jungingen, der unterdeſſen dem Comthut 
von Schwetz Henrich von Plauen befahl, das fand gegen Pommern uw 

cken p), mit 83000 Mann 2 entgegen eilte. Dieſe waren in sr Regimenter ) 
getheilet. Daß nunmehro ein einziger Tag das Gluͤck zweier mächtiger Staaten ent / 
ſcheiden ſolte, wuſten beide hoͤchſte Haͤupter. Jagello betete aus Furcht zur Un; 
da indes Vitold die Schlachtordnung einrichtete. Ulrich von Jungingen abe 
te vor Anfang des Treffens zwey Schwerdter an den König, davon das eine 
getaucht, um ihm zum letzten mal die Wahl zu laſſen, welches von beiden er a 
und ob er lieber Krieg oder Frieden haben wolte. Jagello nahm beide S 2 
mit der witzigen Antwort an: daß er ſolche als ein Zeichen betrachte, 


. 
” 
ur 
** 


k) Pr. Samml. B. 3. S. 234 f. 377. Erl. 5) Aber andere fagen, aue u Och 


Pr. B. z. S 657. Schüg f. 10 * ter mit Blut gefarbt geweſen, und vom 
D) Pr. Samml. B. 3. S. 3 ſter eins dem Jagello, das andere de 
m) Man hat ſie uͤber 150000 5 hätzt Ert Pr. zue Beſchimpfung zugeſchickt, weil 

B. 4. S. 392. Angrif ſo lange gezaudert haͤtten 
1) Kojalowiez Hiſt. Lith. P. 2. Lib. 2. p. 85. ſchen Geſchichtſchreiber haben auch wir 
o) Schutz f. 102. erſcheinungen angeführt, die alle glue 
?) Diugoff od h a, deutungen vor die Polacken geweſen 


9) Erl. Pr. B. 4 S. 393. Serburt de Sul: ohnerachtet die Herzoge von po: 
ſtin vergroͤſſert dieſe Macht bis auf 140000 pe und Stettin, nebſt denen 
Mann * lenburg dem Wladielao gegen 5 

7) Diugoff. hat ſowol der polniſchen als Or: zugeſagt. de Behr in Reb 
densregimenter, Fahnen und Anführer ſorgfaltig Dlugel ad hu ſo fochte 
beſchrieben. Ihre Beſchreibung kann man da⸗ von Pommern Stettin eben 


4 oder im Erl. Pr. Th. 4. O. 3937 415. nach · Conrad von Oels an dießen 
leſen. 


Ulrich von Jungingen. 25t 


800 boͤhmiſche Pferde aus dem polniſchen kager bey dem Hochmeiſter an. Dieſer 
aber hielt fie vor Verraͤther und jagte fie wieder zuruͤck, daher ſolche zu Ende des Tref⸗ 
fens feinen leuten viel Schaden gethan. Ein anderer Haufen Böhmen 300 Mann 
ſtark, der auch übergehen wolte, ließ ſich daher um fo leichter zur Ruͤckkehr ins köͤnig⸗ 
liche lager bewegen. Endlich erfolgte den ısten Jul. die fehr merkwuͤrdige Schlacht. 
Der Orden grif zuerſt den Feind an, und ruͤckte daher von einer vorher beſetzten Höhe 
mit ſeinen Stuͤcken ſchwerem Geſchuͤtz in die Ebene. Des Ordens linker Fluͤ⸗ 
gel ließ ſich mit dem feindlichen rechten, wo Lithauer, Ruſſen und Tartarn foch⸗ 
ten, zuerſt ein, worauf das Treffen nach und nach allgemein wurde. Das Ordens⸗ 
volk hatte ſchon die königliche Hauptfahne erobert. Ihr linker Fluͤgel brachte auch den 
feindlichen rechten in Unordnung, obgleich Vitold alles that, um feine leute immer 
wieder zum Stande zu bringen. Endlich ſchickte der Hochmeiſter noch etliche Geſchwa⸗ 


der von ſeinem rechten auf den linken Fluͤgel, wodurch hieſelbſt der feindliche rechte Fluͤ⸗ 


gel wirklich zum weichen gebracht worden. Hiedurch aber war des Ordens rechter Fluͤ⸗ 
gel zu ſehr geſchwaͤcht und der Feind ward ihm gar zu uͤberlegen. Die königliche Haupt⸗ 
fahne ward zurück erobert, und doch brach noch ein Haufen des Ordens durch die pols 


niſche Reuterey durch. Hier befand ſich Jagello mitten unter feiner lelbwache, und 


ließ ſich von derſelben halten, damit er im Treffen kein Ungluͤck nehmen ſolte. Kaum 
erblickte ſolchen Diepold von Köckeritz, ein Lauſitzer, als er auf ihn zujagte, und ihn 
niedergehauen hätte, wenn nicht Sbigneus Olesnicki ſolchem zu vorgekommen, und 
den von Köckeritz todt vom Pferde geſtuͤrtzt haͤtte. Jetzt fielen die Böhmen, die der 
Hochmelſter fo ſchimpflich abgewieſen, mit völligen friſchen Kräften die Ordensvölker an. 
Vitold hatte von ſeinen leichten Reutern auch etliche Schwadronen wieder geſammlet und 
ich an die Polacken angeſchloſſen. Er befehligte jetzt wirklich das ganze Heer. Seine 
eichten Völker ſchwaͤrmten um das Ordens heer herum, fo daß nun das Ordensheer vorwärts, 
ruͤckwaͤrts und auf beiden Seiten zu fechten hatte. Der Feind konte feinen Verluſt wegen 
feiner Menge beſtaͤndig mit friſchen Völkern erſetzen; und doch wehrte ſich der Hoch; 
meiſter mit feinen leuten vortreflich. Zwey Theile feines Heeres lagen ſchon auf der 
Wahlſtatt geſtreckt. Man gab ihm den Rath, diesmal dem Gluͤck nachzugeben, und 
feine noch übrige Mannſchaft zur Beſetzung der Veſtungen aufzubehalten. Aber er 
wolte, da der Kern feiner Leute bereits geblieben, durchaus fein Leben nicht ſchonen. 


1 N Er führte ſeinen letzten Haufen an, ward aber uͤbermannet. Nun zog ſich endlich das 


geſchlagene Ordensheer zuruͤck. Der Feind verfolgte folches bis in das lager. Die 
Pluͤnderung deſſelben verſchafte doch noch einigen Gelegenheit, dem Schwerdt oder der 
Gefangenſchaft zu entfliehen. Ob man aber im Lager Fackeln und Ketten erbeutet, 


um damit die polniſchen Orte anzuſtecken und die Einwohner zu feſſeln, welches die 


polniſchen Geſchichtſchreiber angeben, iſt fo ausgemacht nicht; hingegen glaublicher, 
daß Jagello die vollen Fäffer im tager entzwey ſchlagen laſſen, damit feine Völker, wie 


damit bereits der Anfang gemacht worden, ſich nicht alle im Trunk uͤbernehmen und 
überfallen werden möchten. Unter denen vielen Gefangenen befanden ſich Caſimir 
5 2 


Herzog 


1419, 


| 
| 


1410, 


ab, und ſoll überhaupt uͤber deſſen Tod vieles Mitleiden bewieſen haben, welches aber 


Plauen 
nimmt ſi 
ſorgfaͤltig der 
Landes noth 
an. 


Hentich von f Dieſe tannenbergſche Niederlage wuͤrde den Verluſt von ganz ee 1 


Herren dieſes Geſchlechts Henrichs hieffen, und ehemals, eben wie jetzo, durch 


252 Geſchichte von Preuſſen. . 
Herzog von Pommern, Conrad Herzog von Oels, Wenzel Burggraf von Dohna 
und Georg Pannerherr von Ketzersdorf. An Gemeinen zehlet man bald 18000 bald 
gar 40000 Mann. Unter den Todten befanden ſich der Hochmeifter Ulrich von Jun⸗ 
gingen. Der Marſchall Friedrich von Wallenrod ſetzte ebenfals fein beben daben zu. 
Es blieben noch mehrere Ordensgebletiger und 600 Ritter. Vom Regiment der Dan⸗ 
ziger waren kaum 300 zuruͤck gekommen. So gleng es mit den meiſten übrigen. Man 
rechnet von dem gebliebenen Ordensvolk bald 30000, bald 40000, bald soooo Mann. 
Ueberhaupt mag biefer Tag von beiden Theilen wohl 100000 Menſchen das leben geko ⸗ 
ſtet haben, obgleich von polniſcher Seite der Adel ſich ziemlich geſchont hatte, wel! 
nur wenige daben geblieben. Des Hochmeiſters Körper ward wenige Tage nach der 
Schlacht erkandt. Der Tartarn Hauptmann Baydardin, dem einige 2) auch def 
ſen Entleibung zuſchreiben, fand ſelbigen an der Stirn und Bruſt mit toͤdtlichen N 8 
den bezeichnet. Er löſete ſoſchem den Theil vom Kinn ab, woſelbſt der Bart befit 
lich, welches der König nebſt den erbeuteten Siegeszeichen in der Warſchauer Hau 
kirche aufhängen ließ. Den Körper ſchickte er aber zur Beerdigung nach Marienbu 


dem lande wenig half 1). ae . 
u 


138. = ; 


gezogen haben, wenn ſich der Comthur von Schwetz Henrich von Plauen nicht — 
den Riß geſtellet. Da um dieſe Zeit viele Perſonen eines Hauſes ſich im deutfche 
Orden einen Namen gemacht, fo muͤſſen wir ſolche wohl unterfcheiden &). da 
len ſich von einander unterſchieden, die aber nicht immer fortgeſetzt, ſondern al 
der von Aufang gebraucht find, ſo ſind die Perſonen dieſes Hauſes dadurch be 
der Abſtammung ſehr ſchwer zu erkennen. Nur eine Linie des Geſchlechts de 
ren des Vogtlandes haben den Beinamen der Reuſſen gefuhrt, von welch 
lebenden Grafen dieſes Haufes abſtammen. Der Orden hat in dem ısten Jaß 
zwey Hochmeiſter aus dieſem Haufe gehabt. Jetzt kommt Henrich von 9 
Regierung, und in der Folge werden wir auch einen Henrich Reuß von P 
dem Hochmeiſtermantel geſchmuͤckt ſehen. Folgende Stammvaͤter, die der ert 
Rath Buͤchner aus Urkunden gezogen, wird von beiden mehr licht geben. 2 Si 


Funde * ö 


7) Waiſſel S 134 giebt davon ſolche Umſtaͤn⸗ 
de an, die von der ehemaligen Geſchichte des 


Barthold Bruhans entlehnet zu ſeyn ſcheinen. 


1) Von dieſer Schlacht ſtehet eine eigene Ab: 
handlung im Erl Pr Th. 4 S 391. Des Koͤnigs 
Jagello Brief, worin er ſolche beſchreibt, ſteht in 
Bellini Epit Rer Boh. L. 4. e 4 p 422. Auch 
In ka war in dem Treffen geweſen. ibid. p. 424. 


*) Ich berufe mich auf die 
Samml. St. 1. S. 35 f. weſelbſt 
hier von ſeinen Thaten beigebra 
bewie ſen iſt, ſo daß man daſelbſt d 
len nachſehen kann. Man nehme 
Huüͤlſe was in den Pr Samml. Th. 
und S. 755 f Th 2. S. 690 f 
und in Pr. Liefr. B. 1. S. 1 
bracht iſt. Er 


Hemich von Plauen. 23553 


1 Henrich der Reiche, deſſen Gemalin zum Vornamen Henrich Gelegenheit gegeben. 1410. 
Dent Tentich z Amel 3, sen 4 
I Stifter der Linie Stifter der Linie Stifter der Linie Stiſter der Linie 
| zu Weida, ſtarb zu Plauen. zu Graͤtz, ſtarb zu Gera, ſtarb 
1 aus T \ aus 1556, 
| Henrich Ritter, ſt. 1314. „ Denrich Sen. ASemeich Jun, 
0 “mei Hofrichter Henrich der Böhme, Doric Henrich 
zu Altenburg * Reuß. Ritter. 
EC > 
I Bed 4 Henrich Ritter, ſt. 131 Benrich fi. 1379. 
1 Henr. 1 Sen. Henr. Jun, Soch⸗ Henr. der Strenge, 
i 1 me ſter ſt 1360. 
1 en 2, Henr. Henrich = jüngere 
j re une ſt. 1424. 
mmen ges von Dans e — 
1 hen . zig. . 8 ‚eng der mittlere, 
E 157% a . fl. 1410. ft. 1438. . 
ö Henr Reuß Hochmeiſter Senrich 
in Preuſſen. ſt. 1498. 
g — 
1 Henr. Ritter Hen rich 
a 1527. ſt 1535. 
1 N — . SERTER LER 
1 . f Hen. Sen. Senr Jun. 
1 f 5 Stifter der heutigen Stiſter der heutigen 
1 * altern Linie. juͤngern Linie. 
E Henrich von Plauen des Henrichs 4 von Plauen Sohn war vermuthlich zu 
Conrad von Wallenrods Zeiten bereits im deutſchen Orden, und ſcheint ſich deſſen 


Betragen zum Muſter feiner Denfensart angenommen zu haben. Unter Conrad von 
Jungingen war er Ordensſchatzmeiſter, und unter Ulrich von Jungingen Com hur zu 
Schwetz. Als der letzte Hochmeiſter in das Treffen gieng, trug er dieſem Comthur die 
Bewahrung der Grenzen in Pommerellen auf, und wies das fand an ihn fo lange er 
im Felde bliebe. Bruder Hermolaus brachte die erſte Nachricht der Niederlage des 
Ordens nach Marienburg, und ſetzte dadurch alles ins Aufferfte Schrecken. Die Bes 
fagung war nicht viel Über so Mann und von Kriegs und Mundbeduͤrfniſſen gänzlich 
entbloͤſt. Zwey Tage vor dem groſſen Tage bey Tannenberg batte zwar Michael Kuch⸗ 
meiſter von Sternberg in Pommerellen einige Vortheile über einen Haufen Pola⸗ 
cken befochten, aber dieſes kam nach der Schlacht bey Gruͤnenwald in keine Berrach⸗ 
tung. Alles im ganzen Lande dachte mehr ſich dem Sieger zu unterwerfen, als ſich zu 
wehren. Einige entfernten ſich, ausmärsige Huͤlfe zu ſuchen, andere aus Verzwei⸗ 
fung oder Eigennuß. Der einzige Henrich von Plauen ſchien zur Erhaltung des 
Ordens geboren zu ſeyn. Seiner Herzhaftigkeit und Weisheit ſind die Marianer allein 
ſchuldig, daß ihr Regiment in Freue ig bereits damals ein Ende genommen. 
sy 3 Er 


— 


1410. 


zugleich vollenden würde. Henrichs Sorge gieng alſo darauf dieſen Ort vorzuͤglich zu ſichern. 


254 Geſchichte von Preuſſen. | a: 


Er glaubte, daß Jagello gerade vor den hochmeiſterlichen Woßnfig im erſten Schrecken s 
rucken und mit der Eroberung dieſes Platzes die Eroberung des ganzen kandes anfangen und 


Sogleich ſorgte er, daß von allen Orten Mund⸗ und Kriegsvorrath, fo viel in der Ge⸗ 
ſchwindigkelt aufzutrelben, nach Marienburg gefuͤhrt würde. Er wolte ſich ſelbſt in 
den Ort werfen und ihn vertheidigen, bis Jagello anderwaͤrts fo viel zu thun n 
daß er die kuſt, den Ort einzunehmen, ſich vergehen lieſſe. Der Comthur ließ ſofort 
zu Danzig noch 20000 Goldgulden Huͤlfsgelder an den König Sigmund von Ungarn 
auszahlen, um ſeinem Vertrage gemaͤß in Polen einzubrechen. Allein den Sig / 
mund Geld genommen, fo war es ihm doch kein Ernſt ſolches zu verdienen. E 
digte Polen den Krieg an, ließ dieſem Reich aber zugleich unter der Sand w 
daß man fich eben nichts fonderliches vor ihm zu befürchten habe. Es 2 
fen alſo gewiß verloren gegangen, wenn Henrich von Plauen nicht alles e 
than. Er zog ſofort von Soͤldnern, eigenen Soldaten, die er bisher Gefeflg j 
von verlaufenen Flüchtlingen 3000 bis 40o0o Mann zuſammen. Hiezu ftieffen 
400 Danziger, fo daß er in allem noch nicht S000 Mann beifammen hatte. Mi 
nenſelben warf er ſich drey Tage nach der ungluͤcklichen Schlacht, in Marienburg, 
dem veſten Entſchluß, zu ſterben oder Marienburg gegen die ungeheure Mach 
Sieger zu ſichern. Er verdiente alſo noch mit mehrerem Recht den Dank des 
Ordens, als der roͤmiſche Feldherr, der nach der ungluͤcklichſten 8 ſich 
Rom zuruͤck zog, da er an der Niederlage keine Schuld gehabt. Diejenigen B 
die damals in Marienburg durch ſeinen Muth ſich aufgerichtet ſahen, erfanı 
Verdienſte und trugen ihm daher bis zur kuͤnftigen Hochmeiſterwahl die Stat 
wurde deſſelben an, welche er auch aus dringender Noth übernahm. Michage 
meiſter von Sternberg, der jederzeit gegen Henrichs Sluͤck eiferſüchtig ſich be 
befand ſich damals nicht zu Marienburg. Ich muß bemerken, daß die 
ſten leute die meiſten Mißgonner haben. Auch die beſten Handlungen des 
ters wurden ihm nachher zu Beſchuldigungen gemacht, wenn ſich nur d 
Schein davon angeben ließ. Wir wollen ſolche nach und nach anbringen 
Ungrund zeigen. Dies iſt der wahre Vorzug der Geſchichte, daß fie nach ve 
Jahrhunderten die Ehre der Unſchuldigen ohne Furcht rettet, und die Velen 
ſterhaften Regenten an den Tag 1 Der Statthalter ſuchte vor allen a ö 
ler troſtloſen Furcht vorzubeugen. Er ließ daher den Bruder Hermol au 
chen, der aus der Schlacht entwichen war, obgleich fein Schwur es e 
ohne den Hochmeiſter nicht aus dem Gefecht ſich zu entfernen. Pub 
dieſerhalb den Kopf ab, und weil der Verurtheilte Mittel fand, durch Hulfı 
che, vielleicht auch durch Nachſehen des Statthalters, zu entkommen, ſo lie 
den richterlichen Ausſpruch, weil damals noch nicht üblich ſeyn mochte, 
am Bilde des entflohenen Verbrechers zu vollſtrecken, an des He 
liehen. Des Pferdes Kopf ward andern zum Beifpiel auf ein 


— 
1 
ur 


Henrich von Plauen. 255 


wmitkliche Annäherung der Sieger verdoppelte die Anſtalten zur Gegenwehr des Statt 1 40 
ü halters in Marienburg. jet 

I 8 e i 

I Jagello begieng den Fehler des Hannibal, da er gegen den Rath der Krlegsverſtäͤn / Der einig be⸗ 
digen nach dem groſſen Siege feinem Heer drey Tage ſtille zu liegen erlaubte, und dle lagert Mas 
[ preußifche Hauptſtadt im erſten Schrecken zu erobern verfäumte, Kein veſter Platz zwi rienburg. 

1 ſchen Gilgenburg und Marienburg wuͤrde ihn, wie ſolches die Folge erwies, aufgehalten, 

1 ſondern ihm gewiß die Schluͤſſel entgegen gebracht haben. Marienburg aber verdient x 
1 mehr lob als Rom, weil der König ſeinen Fehler zeitiger zu verbeſſern ſuchte, als der cars f 
fſhaginenſiſche Feldherr. Hohenſtein, Morungen, Saalfeld, Preuſchmarck, 

a Chriſtburg warteten wirklich Feine Belagerung ab. Die ſiegenden Polacken, Li⸗ 
fthauer, Ruſſen und Tartarn ruckten den asſten Jul. vor Marienburg. An eben 

1 dem Tage unterzeichnete der König eln allgemeines Ausſchreiben, worin er das ganze fand 

Pr ſich ihm als Sieger zu unterwerfen einladete. Alle Hofnung, die Belagerung abzuwen⸗ 
den, war vergebens, denn vergebens hatte der Statthalter den König erſuchen laſſen, 
der Stadt zu ſchonen. Daher ließ Henrich die Brücke über die Nogat in Brand ſte⸗ 
cen, und ſonſt alles um die Stadt herum einaͤſchern, was dem Feinde Vortheil ſchaf⸗ 

1 fen koͤnte. Die Volker des Ordens befanden ſich zu ſchwach, die ziemlich weillaͤuftige 

1 Stadt genugſam zu beſchuͤtzen, welche auch von dem Feinde mit dem Degen in der 
Hand erobert wurde. Henrich zog aber die Beſatzung in das Schloß, und hinderte 


die nachhauenden Polacken zugleich, durch ein koch in der Mauer einzudringen, wel⸗ 
ches ſogleich wieder zugemacht wurde. Das Schloß hatte drey Stockwerk uͤber einan⸗ 
der. Im unterſten war des Statthalters Vetter Henrich, auch aus dem Geſchlecht des 


0 ker Voͤgte von Plauen, mit oo Mann. Im andern hatte Bruder Gilmach von 
* Zepfen über 2000 Mann die Anfuͤhrung. Unſer Henrich hatte die übrige Mauns 
ſchaft von der Beſatzung im oberſten Stockwerk unter ſeinen beſondern Befehl. Das 
15 Schloß hatte nun zwar nothwendige Mundbeduͤrfniſſe, aber es fehlte ſchweres Geſchuͤtz, 
4 welches gröftencheils bey Tannenberg verloren gegangen. Jagello fing an das 


15 


| 


Schloß zu belagern. Er befahl, daß der Ort an drey Seiten angegriffen werden fol 
te. Oberhalb des Fluſſes kamen die Polacken, unterhalb die Litha ner, und in der 
Mitte gegen Mittag Ruſſen und Tartarn zu ſtehen. Zum Ungluͤck war die Nogat 

ſo ſeichte, daß man an vielen Orten durchreiten konte. Das feindliche Geſchuͤtz ward 
aufgeführt, und einiges ſogar in die Stadtkirche gebracht, folglich das Schloß mie Ger 
walt von allen Seiten angegriffen. Nunmehr kam alles auf die Erhaltung dieſes einzi⸗ 
gen Platzes an, weil ſich der Feind uͤbrigens im ganzen Lande faſt ohne allen Wider⸗ 
ſtand ausbreitete. Der König wolte den Orden vertilgen, und bot den Unterthanen 
viele Freiheiten an, wenn fie ſich ihm unterwerfen würden. Der Biſchof von Erme⸗ 
land war der erfte, der ſich an Polen hieng, und fein Stift dem König in die Hände 
lieferte. Ihm folgten die übrigen Biſchöfe, der Adel und faſt alle Staͤdte mit ihren 
Schloͤſſer. Die fo genannten groſſen Städte handelten hiebey faſt am unverantwort⸗ 
BR 55 lichſten 


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1410. 


256 Geeſchichte von Preuſſen. 
lichten. Elbing vetjagte feinen Comthur Werner von Tettingen nach Marien 
burg, und lieferte alle Koſtbarkeiten des Ordens in die Hände des Königs. Thorn 
nahm durch Verraͤtherey einiger Rathsglteder polniſche Beſatzung ein. Sie und El⸗ 
bing fuͤhrten Mund» und Kriegsbedäͤrfniſſe in das Lager des Königs. Danzig machte 
es eben fo, obgleich dieſer Ort anfänglich ihren Comthur gebeten, ihn nicht zu ve 
Bogislaus 7 und Caſimir Herzoge von Pommern ſchloſſen, ſo wie mit Mecklenburg, 
mit Polen Friede und Freundſchaft. Jagello teilte ſchon das fand, als wenn es ihm ge⸗/ 
Hörte, nebſt deſſen Schägen aus. Der Orden hatte nur noch in den Schlöffern zu Raden, } 
Danzig, Schlochau, Schwetz, Brandenburg, Balge und Memel Befas 
Das Danziger Schloß aber hatte ſich auch bereits erklaren muͤſſen, fi zu er 
ſobald das Schloß Marienburg dem Könige uͤbergeben wäre. Eben fo m 
die übrigen Schlöffer. Dieſes alles bewog Henrich um fo viel mehr dieſes 
Kleinod dem Orden zu erhalten. Er that öfters Ausfälle, wobey die Pola 
Volk einbuͤſten, und als einmal die Feinde die Ordensvolker nach geſchehenen 
bis zur Schloßmauer verfolgten, welche den Einfall drohete, ſo ließ der S 
ein Stuͤck auf die andringenden Feinde werfen. Faſt drey ganze Regimenter 
darunter begraben. Die Beſatzung von Balge ſchlug zwar den Feind aus der E 
fau, und König Siegmund verſprach abermals Marienburg zu entſetzen. 2 
die Umftände des Ordens blieben verzwelfelt, beſonders da der Feind das arme 0 
mit der Brandfackel in der Hand durchſtreifte. Henrich ſuchte daher Fried 
langen. Er begab ſich nach erhaltenen ſicherm Geleit nebſt ſeinem Vetter und 
andern zum Könige ins lager, und that Friedensvorſchlaͤge. Die polniſchen 
ſchreiber verfichern: er habe dem Könige Pommerellen, Culm und Mich 
allem angeboten, was ſonſt der Orden von Polen erobert härte. Jagello h 
den Antrag Staatsrath. Aber die meiften Stimmen ſpanneten die Seiten 
und riethen, den Orden auszurotten. Man gab dem Statthalter die hochm Schi 


wort: er ſolte Marienburg ſamt ganz Preuffen dem Könige übergeben, 


nebſt feinem ganzen Orden der freien Gewalt des Jagello uͤberlaſſen. Henr 
ſich dazu nicht verſtehen. Gott, der den Orden gezuͤchtiget hatte, kön 
zuͤrnen, meinte der Statthalter, auf deſſen Huͤlfe wolte er ſich verlaſſen. 
erkannte mit Schaden wie einen gar zu harten Frieden zu verlangen ſelbſt de 
ſchaͤdlich werde. Die polniſchen Geſchichtſchreiber geſtehen, daß ſeie dieſer 
König kein Gluͤck mehr gehabt. Kaum war der Statthalter im Schloß wie 
langet, als er die Anſtalten zur Gegenwehr verdoppelte. Er that kurz d 
ſehr gluͤcklichen Ausfall, hieb ein Regiment faſt ganz nieder, machte viel 
brauchbar, und kam mit verſchledenen Gefangenen glücklich zuruck. Bald 
ſchlug ein einfallendes Stuͤck Mauer eine anſehnliche Zahl Polacken. Di 
wurden durch Ungeziefer und Fliegen ſehr geplagt. Der Statthalter gab 
he auswärtige Huͤlfe zu erhalten. Er gab einem alten Ordensgeiſtlichen 
blonen, um ſolches Geld unter die Comthurs von Schwetz, Danzig 


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Henrich von Plauen. r 
hau zu vertheilen, wofuͤr Söldner in Deutſchland geworben werden ſolten. Er er⸗ 
ſuchte den Sigmund von Ungarn um Beſchleunigung einiger Huͤlfe, der auch ſolche 
derſprach. Henrich ließ dies Verſprechen ausblaſen. Sigmund machte wirklich el⸗ 
nige Krlegsanſtalten. Im lager der Polacken erſcholl bereits wirklich das Gerüchte, 


daß die Ungarn in Polen eingefallen. Henrich entdeckte die Anfchläge einiger boͤhmi ⸗ 


ſchen Soͤldner, welche die Veſtung verrathen wolten, und hintertrieb ihre Anſchlaͤge. 
Da der groſſe Saal des Schloſſes, worinnen die Ordensverſammlungen gewoͤhnlich 
gehalten wurden, nur auf einem einzigen Pfeiler ruhete, fo hieng ein Verraͤther feinen 
Hut zum Fenſter als eln Ziel des polniſchen Geſchuͤtzes auf, damit man den Pfeiler zu 
einer Zeit nicht verfehlen möchte, wenn der Statthalter mit feinen Brüdern eben bei⸗ 
ſammen wären. Zum Gluͤck verfehlten die polniſchen Kugeln den Hut und Pfeiler. 
Vorzüglich konte er ſich auf die Treue des landmeiſters von Liefland, Conrad von 
Vittinghof, ſichere Rechnung machen. Dieſer kam mit einer ziemlichen Macht nach 
Preuſſen, und richte bis gegen die Stadt Holland vor. Jagello ſchickte demſelben 
zwar den Vitold mit einer groſſen Macht entgegen, um ihn aufzuheben. Eben bier 
ſes aber machte dem Könige den groſſen Sieg fruchtlos. Der Landmelſter beſprach 
ſich perſönlich mit dem Vitold und brachte ihn auf des Ordens Seite. Er machte 
ihm Hofnung Sameiten wieder zu bekommen, und ſtellte ihm vor: daß er Urſach 
hätte jetzt auf feines Volks Nutzen bedacht zu ſeyn, worauf doch die ſiegenden Pola⸗ 
cken nach Eroberung der Hauptſtadt nicht acht geben wuͤrden. Vitold faſte gegen 
das Gluͤck der Polacken eine Eiferſucht, und gab dem fandmeifter alles an die Hand, 
wie man den Jagello zu Aufhebung der Belagerung noͤthigen könne. Dieſer Abrede 
gemäß ſuchte und erhielt der landmeiſter vom Könige die Erlaubniß durchs königliche 
lager nach dem marienburgſchen Schloß zu gehen, um, wie er vorgab, den Statt, 
halter zur Ulebergabe zu bereden. Hierauf berichtete der kandmeiſter dem Henrich, 
was er mit Vitold verabredet. Der Statthalter verwarf daher alle Aufforderungen 
zur Uebergabe. Er bat die Beſatzung, bey der ſich endlich ein Mangel an Mundbe⸗ 
buͤrfniſſen Aufferte, nur noch 18 Tage auszuhalten. Er theilte unter dieſelbe etliche 
1000 Ducaten aus, und feurete fie durch Verheiſſungen zur ausdaurenden Gegenwehr 


an. Die Polacken empfunden ſolche bey aller Gelegenheit. Vitold gieng, der ge⸗ 


nommenen Abrede gemaͤß, mit ſeinen Völkern nach Hauſe. Ihm folgten die Herzo⸗ 
ge von Maſovien. Stybor fiel mit ungariſchen Völkern in Oberſchleſien, und 
des Jagello Bundesgenoſſen verlangten Huͤlfe. Man bekam Nachricht, daß in 
Deutſchland angeworbene Völker im Anzuge wären. Die Polacken hatte der ſtand⸗ 
hafte Widerſtand des Statchalters ermuͤdet. 


$. 139. 


1410. 


10 1 Alles dies bewog den König die Belagerung den 19ten Herbſtmonats nach 8 wö/ Muß fich wies 
chentlicher Einſchlͤſſung aufzuheben. In Stum, welches durch die Söhne des Bas 0 nach Pos 
ton Guͤnzels von Wisbach in Jagello Haͤnde gekommen, verſtaͤrkte er die polniſche . 

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V. allg. preuß. Geſch. 4 Th. ; £ . Beſa⸗ 


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41⁰. 


bung belegt. Drauf fegten die Polacken, obwol mit vieler Mühe, über die 


258 Geſchichte von Preuſſen. 

Beſatzung anſehnlich. Dieſe Beſatzung hat auch dem Orden durch Ausfälle * a 
Schaden zugefügt, und einsmals nach geſchlagener Bedeckung roooo Gulden 

für die Krlegsvölker erbeutet. Von Stum ruckten die Polacken auf Marien⸗ 
werder. Jagello ward von dem pomeſaniſchen Biſchofe und aller „ ef 
uͤbrigem Volk eingeholet, und erſucht die Stadt mit der Pluͤnderung zu r 
Der König bewilligte ſolches, und kam nur vor feine Perſon nach Marienwer 
Won hier ward der Beſatzung in Stum lebensmittel zugeführt. Das Heer ruͤckte 
die Gegend von Rhaden. Das Schloß dieſes Orts war ſeit der tannenbe 
Schlacht durch einen beſondern Haufen belagert gehalten. Mit demſelben v 
ſich der König und ließ den Ort vergebens auffordern. Es erfolgte ein all 
Sturm. Nach fuͤnfſtuͤndiger guter Gegenwehr gieng das Schloß uͤber, alles 
auf 15 Ritter, wurde niedergehauen, der Ort geplündert und mit polniſcher 


ſel, und giengen aus einander. Jagello kam vor ſeine Perſon nach Thorn 
mit groſſer Pracht empfangen, und im Schloß herrlich bewirthet wurde. Er; 
thornſchen Frauenzimmer auf deſſen Verlangen die Verſicherung, fie mit 9 
zu versorgen da die vorigen bey Tannenberg geblieben. Endlich zog er ſich l 
ſau nach Jungen Leslau und folglich nach Polen. Hier bekam er aber eine 
te Botſchaft nach der andern. Der Statthalter machte alle Anſtalten die p v0 
Beſatzungen aus den veſten Platzen in Preuſſen zu bringen. Danzig u 
Die Burger von Tauchel uͤbergaben die Stadt ſeinen Händen, worauf his. 
lacken beſetzte Schloß vom Michael Kuchmeiſter von Sternberg, e 
markt belagert wurde. Oſterode, Neidenburg und Soldau wurden a 
Jagello beſetzte die Grenzorte, da er wohl ſahe, daß nun auch Stre 
len vorgenommen werden folten, und erhielt mit vielen Thraͤnen, daß fich ei 
niſche Fahnen, die Grenzveſtung Krone zu bedecken und Tauchel 9 
men zogen. Ueberhaupt beſchreibt Dlugoß den König ſehr weichlich, und la 
Thraͤnen verguͤſſen. Die Ordens volker vor Tauchel ſuchten den ofen 
Michael Kuchmeiſters Anfuͤhrung dieſer ihrer Einbildung nach zuſamm 
nebſt Krone zu uͤberrumpeln, wurden aber geſchlagen und erlitten eine ha 
lage von beinahe 2000 Mann. Michael Kuchmeifter von Sternberg 
nebſt verſchiedenen andern gefangen, der noch länger als die übrigen Rit 
genſchaft behalten wurde. Doch pralen die Polacken vergebens, daß 
dem bey Tannenberg gleich geweſen. Der Erfolg zeiget ſolches. Der 
Ordensvoölker zog ſich wieder in das kager vor das tauchelſche Schloß. 
ſchen Beſatzung wuſte man die Meinung beizubringen, daß der Orden gefice 
ſelbige bewogen das Schloß zu übergeben. Es ward ſolches gut befeßt. 
Eglofſtein Biſchof von Würzburg und Johann der letzte paſtſche 4 
Muͤnſterberg legten die Huͤlfsvölker hinein, welche die dem Orden zuge 
ſchickte zwar Jagello ein Heer ab, den Ort wieder zu erobern, allein folk 


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N Henrich von Plauen. 259 
ſtarker Gegenwehr geſchlagen, und muſte ſich zurück ziehen, wobey ihm die Nacht und ein 
dicker Nebel des folgenden Morgens wohl zu ſtatten kam. Die Polacken waren; über 
den mislungenen Anſchlag fo misvergnuͤgt, daß fie von der Beſatzung in Tauchel als 
ler derer Soldaten Kriegsruͤſtung verlangten, welche in der Schlacht bey Krone feld⸗ 
fluͤchtig geworden. Allein dieſe leugneten daß ſie geflohen, weil unter Flucht und klu⸗ 
gem Zuruͤckziehen ein Unterſchied zu machen; fie erboten ſich an unparteiiſchen Höfen 
ihre Ehre durch einen Zweikampf zu beweiſen. Ich führe ſolches an, um Kriegsge⸗ 
wohnhelten damaliger Zeit dadurch bekandt zu machen. Unter dieſen Kriegs verrichtun⸗ 
gen machte man die noͤthigen Anſtalten zur Hochmeiſterwahl. 

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Bey der Wahlverſammlung fanden ſich auſſer denen preußiſchen Gebietern die Sands 


141 


Henrich von 


meiſter von Deutſchland und Liefland ein. Sonntags vor dem Martinsfeſt ſolte Plauen wird 
die Wahl geſchehen. Drey Perſonen hatten ſich in dieſen bedenklichen Zeiten um den 8 


Orden am verdienteften gemacht. Henrich von Plauen Comthur von Schwetz und 


Scatthalter, deſſen Verdienſte unleugbar. Michael Kuchmeiſter von Sternberg 


Pfleger in Neumarkt, der kurz vor der Tannenberger Schlacht die Polacken geſchla⸗ 
gen, der nachher die Grenzen vor den polniſchen Streifereien geſichert, und fein fes 
ben und Freiheit bey Krone in die Schanze geſchlagen hatte. Henrich ein Vetter 
des Hochmeiſters aus ſeinem Hauſe Comthur von Danzig, der nach der tannenberg⸗ 
ſchen Niederlage in Marienburg groſſe Thaten verrichtet. Auf dieſe drey ſahen alle 
übrigen Wähler. Ihre Verdienſte erhoben fie noch höher als die Geburt, fo anſehn⸗ 
lich dieſe immer ſeyn mochte. Kein einziger von den Übrigen machte ſich die geringſte 


Hoffnung zur Hochmeiſterwuͤrde, fo lange dieſe verdienſtvollen drey Männer noch zu 


belohnen waren. Aber wen von dieſen ſolte man wählen? Vielleicht machten ſich 
alle drey Rechnung auf die Ehre Hochmeiſter zu werden. Jeder mochte ſeinen An⸗ 
hang haben. Jetzt war nicht Zeit einen einzigen zu beleidigen. Dies befurchte man 
aber bey einer ordentlichen Wahl. Bey dieſen auſſerordentlichen Zeiten fiel man auf 
eine auſſerordentliche Wahl. Die ganze Verſammlung uͤberließ denen drey Perſonen 
die Benennung eines Hochmeiſters. Der Michael Kuchmeifter von Sternberg for 
wol als des Statthalters Vetter uͤberlieſſen dem Statthalter den völligen Ausſpruch, 
wer regieren ſolte. Deſſen Weisheit wuſte, was vor Tugenden vorjetzt erfordert 
wurden. Seine Erfahrung kannte diejenigen, welche Verdienſte beſaſſen. Seine 
Gerechtigkeit und Treue waren Buͤrgen, daß er auf keinen Ungeſchickten fallen wuͤr⸗ 


de. Der Orden brauchte einen Mann von auſſerordentlicher Treue und von aus neh⸗ 
menden Gaben. Geſetzt, daß die letzteren bey einigen zu finden, wer konte vor ihre 
Treue ſtehen? Der Statthalter erkannte feine Ergebenheit für den Orden am ber 


ſten. Seine Thaten hatten fie aller Welt bekandt gemacht. Nun war er beſchwo⸗ 
ren, auf fein Gewiſſen zu wählen. Es war jetzt nichts leichtes Regente werden, da 


das Ungluͤck den Orden auf das äuſſerſte verfolgte. Jetzt ward die Regierung eine wahr 
te Buͤrde. Faſt alle Platze befanden ſich in feindlichen Händen. Die ungeheure 
Kk 2 


Macht 


1410. 


260 Sefichte von Preuffe “ 
Macht konte jedem bange machen. Die beſten Ordensvoͤlker hatte das Schwerd gu 
freſſen. Die Schäge und das Vermögen des Ordens war dem Raube der Polacken, 
Lithauer, Ruſſen und Tartarn zugefallen. Bey ſolchen Zeiten wurde ein Helden 
much erfordert, ein ſolches verworrenes, gerrüttetes Sand zu regieren, worin die Schuld 
alles Ungluͤcks immer einer auf den andern zu woͤlzen ſuchte. Nicht ſich, ſondern ſel⸗ 
nen Bruͤdern und dem kande zu gut fielen des Statthalters Gedanken auf ſich ſelbſt. 
Nachdem er alſo den folgenden Tag auf fein Befragen von allen zur Wahl gehörigen 
vernommen, daß fie daben blieben, und den zum Herrn annehmen wolten, dem ber 
Statthalter den Hochmeiſtermantel umgeben würde, fo ſchwung er dieſes Zeichen der Regie 
rungsbuͤrde um feine eigene Schultern, und erklärte ſich alſo ſelbſt zum Hochmeiſter y). 
Er ſahe voraus, daß dleſes Verwunderung und Neid erwecken würde, Er gab d 
feine Gruͤnde zu feinem Betragen an den Tag. Seine Mitwähler hätten die We 
feinem Gewiſſen uͤberlaſſen. Dieſes hätte ihm nicht erlaubt, es beffer zu treffen. Er 
kenne zwar feine Treue für das fand, aber für andere hatte er keine Buͤrgen. — 4 


) Ueber dieſe Selbſtwahl iſt ein Streit ent⸗ 


ſtanden. Der felige Herr Köhler und der um die 


preußiſche Geſchichte Hochverdiente Danziger 
Profeſſor Herr Handw haben ſolche geleugnet, 
und behaupten wollen, daß Senrich durch ordent⸗ 
liche Wahl zu dieſem Amt gekommen Aber die 
Aallifihen Hiſt. Sammt. haben ſich zu zeigen ber 
muͤhet, daß die Selbſtwahl nicht zu leugnen. 
Die Pr. Liefr. haben zwar die Halliſchen Samm⸗ 
lungen zu widerlegen geſucht, und in der That 
Gelehrſamkeit und Beleſenheit gewieſen. Allein 
da ich mich als den Verfaſſer der Lebensbeſchreibun⸗ 
gen der Hochmeiſter, die in den Halliſchen Samm⸗ 
lungen ſtehen, oͤffentlich bekennen muß, ſo halte 
ich davor, daß die Gruͤnde noch nicht hinlänzlich 
find, die allermeiſten Ordensgeſchichtſchreiber eis 
ner Unwahrheit zu beſchuldigen. Hier iſt nicht der 
Ort, die geneigten Lefer mit gelehrten Streitigkeiten 
aufzuhalten. Ich beg nuͤge mich daher folgendes 


mit wenigen Worten anzufuͤhren: 2. Bey Geiſtli⸗ 


chen iſt eine dreifache Art der Wahl erlaubt, nem⸗ 
lich per ſerutinſum, per inſpirationem, per 
compromiſſum. Die Zeitumftände forderten jetzt 
die letztere Art zu wählen. Der Streit zwiſchen 
den Perſonen von hohem und niedern Adel lagen 
unter der Aſche Dem letztern gab man Schuld, 
daß die Feinde geſiegt und fo groſſe Eroberungen 
gemacht, und unter den Waͤhlenden wolte man es 
nicht eben zu ſonderlichem Wortwechſel uͤber die 
Verdienſte eines jeden um den Orden kommen laß⸗ 
ſen. Man entſchloß ſich alſo zum Compromiß 
auf drey Perſonen, die wieder auf einen, nem; 
lich den Statthalter compromittirten. 2. Wenn 
die Schriftſteller ſagen: man habe die Wahl dreien 
Gliedern von hohem Adel übertragen, fo kann fol 


ſtoſtimmen. 5 Wenn man ſagt: Man 


ches ſehr woht von dem Adel der Seele verſtanden 
werden, der ſich durch vorzügliche Thaten gezeigt, 
und in der That hatten dieſe drey Herrn die 
lichſte Verdienſte. Zwiſchen dem el Kuch 
meifter von Sternberg, mit dem es der miel 
Adel hielt, und dem Statthalter und ſeinem 
ter war über dieſe Wahl eine Feindschaft entſtan ir 
den, die nachher ausbrach. 3 Michael bean 
ſich wirklich bey der Wahl, denn das fagen di 
Schriftſteller. Er muß alſo wohl aus der Gefan 
genſchaft erledigt geweſen ſeyn, und dies kal 
nige Tage vor der Wahl, und vielleicht der 
wegen geſchehen ſeyn, weil Jagello vie 0 
Eiſerſucht zwiſchen ihm und dem Statthalter 

kannt und von ſolcher Nutzen zu ſchoͤpfen 

4 Es iſt wohl zu bemerken, daß damals üi 3 
den uͤblich war, daß die Ritter jedes ein 
Landes die Befehlshaber aus ihrem Mittel m = 
feten. Die Landmeiſter in Lieflandund Deutch? 
land wurden nur aus Rittern gewählt, f 
Liefland oder Deutſchland Comthureien 
und ich glaube, daß keiner, der nicht zu 
gentlichen Rittern in Preuſſen gehörte, 
fähig geweſen gewählt zu werden. Die 
ſter hatten vielleicht keine, wenigftens 


Henrichs nachmaliger Entſetzung aus dieſ 
wahl keine Beſchuldigungen gegen ihn 
ſo zeigt ſolches ba daß jedermann ei 
per compromiſſum geſchehen, vor 
halten, und mit Beſtand Rechtens 
einwenden koͤnnen. Aber freilich 
Gelegenheit zu groſſen Verändern: 
her erfolgten. a 


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| Henrich von Plauen. 261 
naturlich, daß ſich die Bruͤder daruͤber verwundernd anſahen. Doch leiſtete jeder oh⸗ 1410, 
ne Widerrede die Huldigung mit einem Handſchlag. | 1 


d. 140. 


Die Beſetzung der Hochmeiſterſtelle hatte die gluͤcklichſten Folgen. Die Städte Der hochmel⸗ 
unterworfen ſich Haufenweiſe, und es veränderten die Einwohner die bereits angenom⸗ — Peg 
mene polniſche Tracht mit ihrer ehemaligen Kleidung 2). Einige Veſtungen waren len friede. 
nur noch mit polniſcher Beſatzung belaͤſtiget. Der Hochmeiſter ſuchte ſolche zu ber 
freien. Doch hiezu ward Geld erfordert. Vom 1sten Jul. bis zum ıften Nov. hats 
te ſchon der Orden taͤglich 14000 Ducaten Beſoldungen auszahlen muͤſſen. Die Schäge 
waren leer, und der Henrich wolte jetzt die ausgeſogenen Unterthanen nicht mit Scha⸗ 
zungen belegen. Er fiel daher auf andere Mittel. Um was zu erſparen, unterzog 
Henrich ſich der Beſchaͤftigung der meiften Ordensbedienungen, die er erſt nach und 
nach beſetzte, um das Geld, daß dieſe Bediente zogen, anderwaͤrts nuͤtzlich zu 
brauchen. Man ſiehet daraus ſeine Faͤhigkeiten, Arbeitſamkeit und Liebe vor das 
Land, obgleich ſolches Klagen bey denen verurſachte, welche gern Bedienungen gehabt 
hätten. Dies langte noch nicht hin. Henrich verkaufte daher die Ordensguͤter in 
Böhmen als Commotau u. f. w. die entlegen lagen, und ſchon einmal dem Orden 
eingezogen waren, wiederkaͤuflich dem Koͤnige Wenzel. Sie hatten ſonſt 4000 Du⸗ 
caten eingetragen. Jetzt gab Wenzel 11000 Ducaten vor dieſe Guͤter. Die Dans 
ziger hatten ſich bisher viel zu Schulden kommen laſſen. Jetzt waren ſie wieder zum 
Orden getreten, und erboten ſich, um ihrer Strafe zu entgehen, zu einem anſehnlichen 
Darlehn. Als fie daher mit entbloͤſten Haͤuptern um Gnade baten, ward ihnen die 
auferlegte Geldbuſſe erlaſſen. Conrad Letzkau, Buͤrgermeiſter dieſes Orts, ward 
nach Deutſchland geſchickt, Huͤlfe und Soldner aufzutreiben. Es ſchlich ſich derſel⸗ 
be in Betlerkleidern durch die von Polacken beſetzte Orte, und durch die fänder der 
polniſchen Bundesgenoſſen, und richtete ſein Gewerbe aus. Der Hochmeiſter erhielt 
fremde Soldner, belagerte Stum, und nach ſechs Wochen ſahe ſich die Beſatzung durch 
Feuer zur Ulebergabe gezwungen. Morungen ward erobert. Das Schloß zu Rha⸗ 
den war ſchon 6 Wochen belagert. Weil man aber in Thorn mit einigen ein Ver⸗ 
ſtaͤndniß unterhalten, fo riethen die Ordensgetreue dem Henrich, ſich der Stadt zu 
nähern. Dies that der Hochmeifter, Die thornſchen Obern baten zwar ſofort vom 
* Könige ſich einen Entſatz aus, der ihnen auch verſprochen, und verabredet wurde, 
daß man Schiffe bereit halten ſolte, Polacken uͤber die Weichſel zu führen. Die 
Stadtobrigkeit in Danzig zeigte auch ihre ſchlechte Geſinnung. Sie gab von des 
Hochmeiſters Zuge nach Thorn dem Könige Nachricht. Henrich aber beſchleunigte 
glücklich feinen Zug, und kam dem Könige zuvor. Die thornſche Stadtobrigkeit ließ 
daher dem Jagello melden, daß ſich die Stadt nur 24 Stunden halten könte. Der 
König fahe die Unmoͤglichkeit ein, weil die Schiffe zum Ueberſetzen nicht vorhanden, 
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etwas verlaͤngert, aber Jagello zog immer mehr Volker in die Nähe, ver 


262 Geſchichte von Preuſſen. 
und haͤtte die thornſchen Abgeordneten beinahe deswegen veſt nehmen laſſen. Henrich 
nahm wirklich von Thorn Beſig. Die Polacken Hatten indeſſen das Staͤdtgen Rhaden 
eingeaͤſchert, und in Pommerellen graͤulich ausgehalten. Um Thorn hatten ſie 
eben fo gehauſet, wo fie aber blutig zurück gejagt wurden. Henrich wuͤnſchte daher 
dem Sande Ruhe zu verſchaffen. Der Erzbiſchof Johann von Riga, die Biſchdfe 
Johann von Wuͤrzburg und Johann von Rieſenburg, die Grafen Wilhelm von 
Henneberg, Leonhard von Caſtel, Henrich regierender Herr von Plauen, 
Hochmeiſters alter Vetter, Gorme und Wenzel von der Tanne, Johann von 
pornen, Apel Vitzdom von Thüringen, Albrecht von Eglofſtein, Er 
Gleichen, Peter von Schellendorf, Gemeicke von Burſeins und andere 
ſich alle Mühe, einen Waffenſtillſtand zu bewirken. Unſer Henrich hatte a 
auf Rath der Ordensgebietiger ſich mit Polen zu Thorn darüber verglichen. < 
Hochmeiſter war den sten Dec. deswegen perſönlich mit Jagello zu Raciacsz! 
men gekommen. Allein die polniſchen harten Anforderungen machten, daß mat 
nicht einigen konte, und zum Frieden wenig Hofnung vor ſich ſahe. Henrich! 
te daher ſolches Sonntag nach Lucia durch ein öffentliches Ausſchrelben der 
Welt kund, und bat um Beiſtand gegen Polen. Um des Jagello Macht 
len, ſchickte der Hochmeiſter 40000 Ducaten dem Kaifer Sigmund, deſſen Bo 
lich wirklich in Polen einbrachen. Der Landmeiſter von Liefland, der mit einigen‘ 
in Preuſſen ſtand, hatte zwar von den Polacken einige Einbuſſe erlitten, abe 
ſtrichene Jahrszeit war Urſache, daß dies keine Folgen hatte. Endlich vergl 
ſich zu Thorn mit dem Feinde Über einen Waffenſtillſtand bis zum Feſt der 
nung des folgenden Jahres. In der Zeit hatte Henrich alle Sorge auf die 
fahrt des landes gewandt. Er brachte einen Handels vergleich zwiſchen Lo 
Preuſſen zum Stande, der ſchon a) unter feinem Vorfahr Ulrich von L 
entworfen worden. Unſer Henrich ſchuͤtzte die Wahl des Johann Reit 
Biſchof von Pomezanien, obgleich der Papſt einen Grafen von Schal 
ſchieben wolte. Gleich zu Anfang des Jahrs 1411 ward zwar der Waffenſti 


mit dem lithauiſchen Heer, und machte Mine, den Krieg mit Belagerung 
Thorn wieder anzufangen. Zum Gluͤck langten durch Conrad Letzkau 
gen auch mehr Soldner vor den Orden in Preuſſen an. Die Herzoge 
mern Wolgaſt, Sachſen Lauenburg, Braunſchweig Lüneburg, 
ſchof von Camin und Friedrich Burggraf von Nuͤrnberg, Statthalter 
hatten die Werbungen erlaubt. Die Ausgaben mehreten ſich aber hiedurch erſtar 
Man macht daher dem Hochmeiſter zur Ungebuͤhr neue Beſchuldigungen dara 
er bey ſolchen Umſtänden einige Gnadengelder eingezogen und Nothmuͤnzen pr 


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) Schon 1409 deu aten Det. war dieſer Vergleich gemacht, und ward er nur jetzt 
a4ften Dec. von unſerm Henrich beſtaͤtiget. Conrad Joͤllner von Rot 
1386 zu dieſem Vergleich den Grund gelegt. Be 


h Henrich von Plauen. 263 
1 fen, und die Muͤnzſorten auf einen ſchlechtern Fuß als bisher auszuſtuͤcken wuſte 4). 1411. 
Da das meiſte dieſes Geldes in die Haͤnde der Fremden und auſſer Landes gekommen, fo 5 
beugte der Hochmeiſter dadurch einer gröͤſſern Noth vor, die aus der ſchlechten Münze 
u einem lande zuftoffen koͤnnen, wenn fie durchgehends im Lande geblieben wäre, Die 
ꝙ9ledachten Völker langten eben bey Thorn an, da Jagello den Ort angreifen wolte. 
1 Der König änderte daher feinen Entſchluß, und verzweifelte, von Preuſſen etwas weis 
u ter zu erobern. Vitold hofte bey beſchleunigtem Frieden Sameiten vor ſich zu bes 
b kommen, und drohete daher mit ſeinen Lithauern davon zu gehen, wenn Jagello 
nuch Friede machte. Die Nachbarn, ſonderlich in der Mark Brandenburg, wo 
der Statthalter des Kaiſers Sigmunds Vortheile kannte, ſchlenen jetzt eher als im 
vorigen Jahre im Stande zu ſeyn, den Orden zu unterſtuͤten. Viele deutſche geifts 
und weltliche landesherrn gaben ſich Mühe das Kriegs feuer zu loͤſchen. Der Papſt ber 
kannte ſeinen Fehler, und ſchickte einen Botſchafter ab, Frieden zu vermitteln. Alles 
dieſes beförderte den Frieden. Auf einer Inſel bey Thorn wurde daran gearbeitet; 
und indeſſen der Waffenſtillſtand verlängert. Die brombergſche Beſatzung brach zwar 
denſelben und nahm bey Papau dem Orden Pferde ab; aber Henrich nahm die Ent⸗ 
ſchuldigung, daß der brambergſche Befehlshaber von der Verlängerung des Waffen 
ſtillſtandes noch keine Nachricht gehabt, an, und brachte endlich den zoſten Jan. den 
Frieden gluͤcklich zum Stande. Vermoͤge dieſes Friedens ſchluſſes, in den der König 
die Herzoge Vitold von Lithauen, Ziemovit und Johann von Maſovien, Bo⸗ 
guslaum von Pommern Stolpe einſchloß, ſolten: 1. Alle Feindſeligkeiten zwichen 
beiden Theilen aufhören. 2. Alle Gefangene ohne töfegelver auf freien Fuß geſtellet. 
3. Alle eroberte Platze zuruͤckgegeben werden, und die Beſatzungen mit ihrer Habſelig⸗ 
keit freien Abzug haben. 4. Nur Sameiten ſolte Vitold und Jagello fo lange fie 
lebten, behalten, welches nach ihrem Tode aber an den Orden zuruͤck fallen ſolte. 
5. Ziemovit von Maſau bekommt das an den Orden verſetzte daͤndgen Zaver unent⸗ 
geltlich zuruͤck. 6. Dobrin ſoll Polen ſo wie 2. Culm, Michelau, Orlow und 
Neſſau dem Orden, fo wie alles das verbleiben, was die Marianer bisher im Beſitz 
gehabt. 8. Der Streit wegen Drieſen und Zantok ſoll durch Schiedsrichter ent⸗ 
ſchieden werden, und wenn ſich ſolche nicht vergleichen konten, ſolte der Papſt dar⸗ 
uͤber den Ausſpruch thun. 9. Eben ſo ſolte es wegen allen ſtrittigen Grenzen zwiſchen 
Polen, Lithauen und Pommern einer Seits, und dem Orden anderer Seits, ges 
halten werden. 10. Auf eben den Fuß werden die Streitigkeiten uͤber die Inſeln, 
Fiſchfang und Schiffahrt auf der Weichſel und Drewentz entſchieden. 1. Den pol⸗ 
niſchen Erz und Biſchoͤfen behält man ihre Rechte auf diejenigen Orte vor, die zwar 
unter der Herrſchaft des Ordens ſtehen, aber zum Kirchenſprengel polniſcher Bifchöfe 
gehören. 12. Alle bisher veruͤbte Gewalt von beiden Theilen iſt vergeſſen. 13. Der 
Handel wieder hergeſtellet, und 14. beſtaͤndige Freundſchaft bellebet. 18. Alle Streb 
185 | tigken 


50 Auſſer dem, was in den Salliſchen Hiſt. Samml. S. 96. No. f. davon gefa 5 man 
auch emed Samml, Th. 2. ©. 19 und Erl. Pr. Th. 1. S. 5 f. geſagt iſt, ſehe mas 


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1411. 


Er ſucht die Nunmehr theilte Henrich von Plauen Belohnungen und Sus 
widerſpenſti⸗ bisher jeder verdient hatte. Er ließ den Körper feines Vorfahren Ulri 
gen untertha⸗ gingen von Oſterode nach Marienburg bringen und in der ho if 


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horſam zu 


46 4 Geſchichte von Preussen. 


tigkeiten der friedſchlüͤſſenden Theile ſolten kuͤnftig durch 12 Schiebsleute entſchieden wer / 
den, und der Papſt ſolte ihr Obmann ſey, welche 16. Streitigkeiten uber Erbe nach den 
Rechten des Orts, worin ſolche Erbe gelegen, und 17. kehnsſtreitigkeiten nach behnrecht aus 
machen ſolten 18. ſowol Jagello und Vitold, als auch 19. der Orden in Preuffer . 
und Liefland wollen allen Fleiß anwenden den Unglauben zu erſticken, und das 0 
ſtenthum auszubreiten. Daher ſollen 20 beide Theile denen ihnen angrenzenden Une 
bigen Nachricht von dieſem Frieden geben, und ſich beide beiſtehen, wenn fol 
die catholifche Religion im guten annehmen wolten. ar. In Kriegszügen und 
lungen der gemachten Eroberungen gegen die Ungläubigen bleibt es bey den des 
mals gemachten Verträgen. 22. Alle Ueberläufer werden begnadiget, gegen d 
ſchof von Ermeland aber foll rechtlich verfahren werden. 23. Der Kaiſer € 
von Ungarn ſoll, wenn er will, in dieſen Frieden eingeſchloſſen ſeyn. 
gens verbleiben beiden fehläffenden Theilen alle ihre habende Rechte. 25. Polen 
Athauen folle fo wenig als der Orden ihren gegenfeitigen Feinden belſtehen . 
König Jagello fuͤgte aber noch einige Aenderungen zu dieſem Friedensſchluß. 1 
Hochmeifter folte in drey Tagezeiten, nemlich auf Johann, Michael und % 
zuſammen 100000 Schock breiter Prager Groſchen als ein Löſegeld für die 
nen, welche in polniſchen Haͤnden ſich befaͤnden, auszahlen; und die vo 
derſelben verbuͤrgten ſich auf den Fall der nicht Bezahlung zum Einlager. 
nig verſtattete dagegen, daß der Herzog Ziemovit von Maſow fein Land 
auch für 4000 Schock ablöſen ſolte. Unter dieſen Bedingungen ward in! 
Frieden von beiden Theilen angenommen, verſiegelt, beſchworen und zu V 
deſſelben ſogar eine geſegnete Hoftie zwiſchen dem Könige und dem Hoch 
theilt d). Henrich war mit anſehnlichen Gefolge deswegen perſ önlich in da 
ger des Köͤniges gekommen, wo er wohl bewirthet wurde. Von beiden Te 
den anſehnliche Geſchenke gegen einander ausgetheilet. Hier ließ der Hochn 
Streit eines deutſchen Söldners gegen einen polniſchen Edelmann durch eln 
nes Kriegsrecht erörtern und entſcheiden, und langte ſodenn zuruck in Thorn < 
eben der Zeit ward auch zwiſchen dem Jagello und dem Kaifer Sign 
monatlicher Waffenſtillſtand getroffen, der aber gebrochen ſeyn ſolte, ſobald Polen 
dem Orden Krieg anſieng; wuͤrde aber der Orden den Frieden mit Polen 5 


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ſolte Sigmund demſelben keine Huͤlfe leiſten e). 2 
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beerdigen. Ueber die Gebeine der übrigen bey Tannenberg Erſchlag 


9 Es ficht des Friedensinfrument-in den Pr. Left. B. 1. S. f... ER 

d) Schütz f. 406: Pr. Samml. Th. 3. D. 348. * 2 e 4 
) Pr Samml. Th. 3. S. 350, de Somqerib. Ser. Rer. Sil. T. 2, Doc. p. %% * * 
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Henrich von Plauen. 2383 So 
Capelle anlegen, wo täglich von verſchiedenen Geiſtlichen Seelenmeſſen geleſen wuͤrden. 1411. 
Nun ſorgte er auch für die Bevölkerung des Sande, Er erlaubte, daß die Witwen bringen und 
derer, die bey Tannenberg geblieben, aus denen Söldnern ſich Männer ausſuchen das land zu 
duͤrften. Beſonders bediente er ſich der Gewiſſensfreiheit deute ins Land zu ziehen, da beſſern. 


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er ohnedies den Religionszwang verabſcheuete. Er ertheilte alfo denen Wiclefiten die 
Erlaubniß, in Preuſſen ſich niederzulaſſen. Wilhelm Graf von Katzenellenbogen 
hatte unter den Rittern zuerſt deren Lehren beigepflichtet. Ihm ſolgten viele, ſonder⸗ 
lich aus dem hohen Adel. Henrich glaubte, daß bey der Verſchiedenheit der Reli⸗ 
gions meinungen jemand doch ein treuer Bürger und ehrlicher Mann ſeyn konte, und 
beſeßte viele Bedienungen mit Perſonen aus hohem Adel, wenn ſolche gleich für Wi⸗ 
elefiten ausgeſchrien wurden. Er ſelbſt ſcheuete ſich nicht, öffentlich zu geſtehen, daß 
damals auf dem paͤpſtlichen Stul der Antichriſt herrſche, well drey Paͤpſte zu gleicher 
Zeit die Chriſtenheit beunruhigten. Henrich erkannte auch den eingeriſſenen Auffers 
ſten Verfall der damaligen Geiſtlichen, die, ſtatt mit ihrer anvertrauten Gemeine ſich 
zu beſchaͤftigen, ſich der Jagd befleißigten Er nannte ſolche Art deute Hundejungens. 
Er befahl weislich: daß man Ootteswort lauter und allein, ohne menſchliche Zuſätze und 
ohne beſondere Meinungen der Kirchenvaͤter, lehren ſolte. Er ſcheuete den Teufel ſelbſt 
bey ſeinem Rechtthun nicht, ob er gleich wohl wuſte, daß die Geiſtlichen deswegen ihn 


ſelbſt vor einen Wiclefiten halten und mit den ſchwaͤrzten Farben abmalen würden, da 


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er Ohrenbeichte, Faſten und andere Kirchengebraͤuche vor nichts verdienſtliches halten, 
und in der Abſicht gebrauchen wolte. Er erlaubte aus eben der Urſache denen Geiſtli⸗ 


chen aus den Klöftern zu gehen und zu heirathen, welche die Gabe der Enthaltſamkeit 


nicht hatten, da ihr Geluͤbde ohnedies der Einrichtung GOttes und des Staats zu 
wider. Er uͤberließ ihnen hierin nach ihrem Gewiſſen zu handeln, beſonders da der 


entvolkerte Staat hiedurch groſſen Vortheil hatte. Aber aus allen dieſen Stücken mach⸗ 


te man gegen ihn Beſchuldigungen, ohnerachtet er ſelbſt allen Unordnungen vorbeugte, 
und denen entlaufenen Geiſtlichen, die keine ordentliche kebensart anſiengen, befahl 
entweder wieder in ihre Klöfter zurück zu gehen, oder das Land zu räumen. Es hatte 


alſo ein gewiſſes Maͤdgen keine Urſache ſich die Augen auszuſtechen, die einen Ordens⸗ 


ritter verliebt gemacht hatten. Jagello wolte jedoch weder die Gefangenen losgeben, 
noch die Beſatzungen aus den Ordensplaͤtzen ziehen, bis die im Frieden verſprochene 
Gelder bezahlt wären. Damit auch der Hochmeifter dieſe Zahlung nicht aus der Ur- 
ſache der Ungerechtigkeit des polniſchen Krieges verweigern, oder die in Preuſſen aus 
den Kirchen ſogar geraubte Schäge in Abrechnung bringen möchte, fo ließ der König 
durch den Papſt Johann 23 gegen anſehnliche Geſchenke den geendigten Krieg vor recht, 
mäßig erklären, und das geraubte Kirchengut ſich zufprechen. Doch Henrich ſuch⸗ 
te keinen Vorwand, ſich von der Verbindlichkeit des Friedens loszumachen, ob ihn 
gleich ſchmerzte, daß er durch Verringerung der Muͤnze und Erhöhung der Landesabga⸗ 
ben, die den Polacken verſprochene Summen aufbringen muſte. Er konte daher 


freilich gegen die nicht wohl zu ſprechen ſeyn, die theils an dem bisher erlittenen Un⸗ 
P. allg preuß. Geſch. 4 Th. 2 stüd 


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bloſſe Sage, daß Schwilut im Tgurm verfaulen, und fie den Tod ohne allen 9 


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266 Geſchichte von Preuſſen. f 
gluͤck durch ihre Untreue, Verraͤtherey und Zaghaftigkeit Schuld geweſen, theils neue * 
Streiche vorhatten. Er beſtrafte ſolches ernſtlich, ohne daß man ihn deswegen eben i 
einer gar zu groſſen Strenge beſchuldigen kann. Nicolaus von Renitz, Eberhar 

von Königsegg, Johann von Dolen und einer von Schwilut. J) hatten Dinge 
vorgenommen, die weder mit der Treue eines Unterthanen Überhaupt, und noch wer 
niger mit den Pflichten ihrer vornehmen Geburt beſtehen konten. Sie wurden des 
halb theils enthauptet, theils geviertheilt. Doch geſchahe ſolches, die Ehre ihrer ade 
lichen Verwandten zu ſchonen, in den Gefängniffen in aller Stille, und es war eine 


handel ausſtehen muͤſſen. So beſtrafte der Hochmeiſter die Boshelt an den 
chern, und ſchonte den guten Namen derer unſchuldigen Verwandten. Der 
diſche Biſchof Henrich Heilsberg von Vogelſang Hatte ſich der Verrärheren 
nes heimlichen Verſtaͤndniſſes mit den heidniſchen Lithauern ſchuldig gemacht. 

te, ohnerachtet er der anſehnlichſte fandesprälat geweſen, nicht nur nach der tant 
bergſchen Schlacht keinen Widerſtand dersiefen, ſondern ſogar fein Stift 
lige Kirchengeräthe Vitold in die Hände geliefert. Da nun die Sachen 
fen, als er es ſich eingebildet, er auch wohl erkannte, daß jetzt ſeine Han 
terſucht werden folten, fo rettete er ſich mit der Flucht in Kaufmannskleide 
aus dem Sande und dachte mit des Kaiſers Sigmunds Huͤlfe wieder zum ( 
langen. Aber der Hochmeiſter konte ſolches unmöglich zugeben. Er ſetzte 
rich Graf von Schwarzburg zum Stiftsverweſer, und den Lucas von s 
zum Stiftsvogt, welche die Stiftseinkuͤnfte dem Orden zu gut erheben muf 
kam auch die Reihe an die groffen Staͤdte. Als Landesherr ſetzte er einige 
der der thornſchen Stadtobrigkeit ab, und bey dieſem auſſerordentlichen g 
wiſſenhaftere an deren Stelle g). Dies konte nicht einmal eine Strafe der a 
glieder, ſondern nur eine Sicherung vor den Landesherrn aufs kuͤnftige heiffe 
Danziger Rachsperſonen bezeigten ſich gegen ihren dandesherrn ſehr widrig. 
hatte er alle Rechte des Orts ihnen beſtaͤtiget und ſchuͤtzte fie daben. Der 
das Recht den dritten Theil des darin verarbelteten Bernſteins vor e 
Der Rath behielte die Krahngerechtigkeit und Gefälle, obgleich der Com 
zig das letztere zu den Landesherrlichen Rechten ziehen wolte. Der Ho 


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175 
Dahin gehoͤrte auch wohl Johann von Sol- g) Der Orden behauptete lang 
len, wo dieſer mit dem von Dolen nicht eine Pers meiſters Tode: es fey was une 
fon geweſen. Der Orden hat lange nach dem To: Landesherr Leute in Aemtern laſ 
de des Hochmeiſters das Verfahren gerechtfertiget man nicht trauen koͤnte. Die neu 
und ſagt: man ſchweige von ihren Verbrechen, um waren ſo beſcheidene Leute, d ie 


nicht ihre Verwandte zu beſchimpfen. fo bald Henrichs Nachfolger fole 


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Henrich von Plauen. 267 


Maßrung zu lelden fich befürchtete. Und doch lehnte ſich die dortige Obrigkeit gegen 
ihren landesherrn auf. Benedict Pfennig ein Rathsglied des Orts hatte ſich um 
den Orden ſehr verdient gemacht. Er hatte der Stadt, aber auch dem Orden geſchwo⸗ 
ten. Wenn nun in der Stadt, ſonderlich zu Rathhaus, Anſchlaͤge gegen den Orden 
geſchmiedet wurden, berichtete ſolcher nach Gewiſſen dem Comthur alles was vorgieng, zog 
ſich aber dadurch den Haß der übrigen Rathsglieder zu, die lieber Herren von Dan⸗ 
zig allein geweſen wären. Pfennig hatte in Danzig die Münze zu beſorgen, und 
weil er ſie nach dem damals nothwendigen Fuß ausprägte, wolten die Danziger 
ſolches nicht leiden. Seine eigene Gehuͤlfen machten gegen ihn eine Verſchwoörung, 
überfielen ihn ſogar auf dem Rathhaus, und warfen ihn zum Fenſter heraus, ſo daß 
er zwar am beben blieb, aber Arm und Bein brach. Man entſetzte ihn des Raths. 
Der Comthur berichtete ſolches dem Hochmeiſter und verlangte Strafe. Henrich 


kam aber ſelbſt nach Danzig, und ſtillte, weil Conrad Letzkau noch Verdienſte um 


den Orden hatte, alle Unruhe, und vermittelte, daß Rath und Comthur ſich wieder 
in der Kirche die Hände gaben. Aber die Danziger giengen weiter. Sie unterſtan⸗ 
den ſich unter des Rathsſiegel dem Comthur von Derſchau, den einige einen Edlen 
Herrn von Querfurt, andere Sigmund von Ammenſtein nennen, einen Fehde⸗ 
brief zuzuſchicken, und alſo den Landfrieden zu brechen. Lindenbladt hat die naͤhern 


Urſachen angeführt. Die Stadt Danzig weigerte ſich den Schoß zu bezahlen, den 


zu Polens Befriedigung das ganze tand, die Geiſtlichkeit ſelbſt nicht ausgenommen, 
bezahlen muſte. Sie verſchloß das Thor gegen das Schloß, und ließ ſich verlauten, 
die andern Hanfeftädte zu Huͤlfe zu rufen, wenn man zu Zwangs mitteln ſchreiten wuͤr⸗ 
de. Der Hochmeifter ließ daher alle Danziger, wo man ſie antraf, anhalten. Hier⸗ 


auf legte ſich die Stadt zum Ziel, verglich ſich mit dem Comthur, der die Kette ge⸗ 


gen die Stadt niederließ, und dagegen die Stadt das Thor gegen das Schloß wieder 
öfnete. Nach zwey Tagen kam das Geruͤcht in die Stadt, daß der Comthur von Ders 


5 ſchau 0 Danziger Kaufleute angehalten. Daruͤber kuͤndigte der Rath ſolchem den Krieg 


an. Den Fehdebrief ſchickte der Comthur von Derſchau an den Danziger Com⸗ 
thur des Hochmeiſters Vetter. Hiezu kam, daß die Danziger einen entſetzten Or⸗ 


bensbedienten, dem das Land verboten war, Luͤdecke Polſat oder Paulfach einen 


Elſaſſer in ihrer Stadt mit groſſer Vertraulichkeit unterhielten. Der Comthur ließ 
dieſer Vergehungen wegen den Rath aufs Schloß berufen, und die Rathsglieder Con⸗ 
rad von Letzkau, Arnold Hecht und Balthaſar Groß veſtmachen und in der Stil⸗ 
le ihnen die Köpfe abſchlagen. Die Danziger, welche von dem letzten Umſtand nicht 
benachrichtiget, thaten um die Befreiung ihrer Rathsglieder bey dem Hochmeiſter Ans 


ſuchung. Dieſer wolte auch die Sachen unterſuchen, und befahl indeß die Gefangenen 


auf freien Fuß zu ſetzen. Allein jetzt erfuhr er, was geſchehen, und geſchehene Dinge 
ſind nicht zu andern. Der Comthur brachte verſchiedenes zu ſeiner Vertheidigung zwar 


bey. Aber der Hochmeiſter bezeigte zur . daß er mit feinem Betragen nicht als 
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268 Geſchichte von Preuſſen. 


1411. lerdings zufrieden ſey b). Indem dieſes vorgieng, hatte Johann 23 mit dem Rs 
nige Ladislao von Neapel ſchwere Streitigkeiten. Der Papſt ließ daher gegen den⸗ 
ſelben auch in Preuſſen das Creuz predigen. Der Hochmeiſter ließ ſolches geſchehen, 
da er den Papſt noͤthig brauchte. Die Könige von Frankreich und England ven 
mochten denſelben, den Orden in ſeinen Schutz zu nehmen, und den Jagello zu ew 
mahnen, den Frieden zu halten. ie 

9. 142. N 5 

Der hechmei⸗ Der Orden war auſſer Stand mehr als die Helfte des verſprochenen Geldes 

ſter ſucht durch mit größter Noth aufzubringen. Denn auſſer der ausgeſtandenen Kriegsnoch drückte 

ui or und Mißwachs und Maͤuſefraas das land dergeſtalt, daß man denen Unterthanen, ſtatt 

bungen Polen ihnen etwas abzufordern, mit Geld, Brod „Korn und Saamen unter die Arn 

von der gewalt greifen muſte. Weil der Hochmeiſter nun beſorgte, daß Polen einen Vorwand von 

abzuhalten. der nicht bezahlten Summe zum neuen Kriege hernehmen möchte, ſo nahm der Hoch 

meiſter 100 Gleven als Schuͤtzen in feinen Sold, womit er die Grenzveſtungen be⸗ 
feste. Ein jeder Gleve war ein Kriegsbefehlshaber, der noch andere deute war 
542. und befehligte. Henrich behielt dieſe Beſatzungen bis um Faſten 1412 bey. Allein 
da auch dieſe nicht richtig bezahlt werden konten, ſo hielten ſie ſehr übel baus, und 
verſetzten endlich die Schlöffer Lieben, Rhein und Ortelsburg ſogar an den Gen 
zog von Maſovien, die nachmals der Orden um 34000 ungariſche Gulden wieder 
einlöfen nrufte. In viefem Jahr langten aber theils von Roſtock, theils durch den 
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158 
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Sund Kriegsleute zu Waſſer an, die dem lande auf ihre eigene Koſten, 
freien Unterhalt verlangten, dienen wolten. Der Kaiſer und die Churfuͤrſten erbo ⸗ 
ten ſich, die noch uͤbrige Streitigkeiten mit Polen gaͤtlich aus einander zu ſezen, und 
die paͤpſtlichen Botſchafter lieſſen in Preuſſen und Polen ebenfals Vorſtellungen thun, 
den geſchloſſenen Frteden zu halten. Der Hochmeiſter war damals in der aͤuſſerſten 
Verlegenheit. Der Kaiſer und Polen ſchienen bey dem Ungluͤck des Ordens blos i 
se eigene Vortheile zu Rathe zu ziehen, und der Henrich harte Nachricht erhalten, 7 
daß beide ſich vereiniget, unter dem Schein der nicht bezahlten ſchuldigen Gelder, den Or⸗ 
den anzugreifen und zu vertilgen, das fand zu thellen, wobey Polen, Culm, om 
merellen und Michelau voraus haben ſolte. In der That mahnete Siegmund den 
Orden wegen ruͤckſtaͤndiger Summen. Aus Schleſien langten Mahnbriefe von de 
nen Söldnern an, die im letzten Kriege gedient hatten. Einzelne Schlöffer, als Alt 
haus, waren in die Hände einzelner Adelichen gerathen, die ſolche nicht anders als ge⸗ 
gen groſſe Gelder ausliefern wolten. Alles dieſes vermochte den Hochmeiſter mit 
ganzen Landes Einwilligung, eine neue Schatzung dem lande auf liegende Gruͤnde, 
die Speiſen, und alle aus · und eingehende Waaren anzukuͤndigen. Weder ( eiſtlit N 
N 4 et noch 
5) Das Berragen des Comthurs von Danzig ſich ſelbſt diese Harte zußeg. Selbſt die Er ur 
ic unftreisig zu hart geweſen, aber man kann es ſe wie fie im Schug von dem 
unſerm Hochmeiſter nicht zur Laſt legen, der da⸗ Sache beſchrieben iſt, laͤſſet keinen 
mit ebenfals nicht zufrieden war, ohnerachtet der daß die Stadt Danzig zu weit geg 
Nath in Danzig durch fein widriges Betragen 2 er 


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dem Kriege auf der einen Selte in Polen einbrechen ſolten, wenn er auf der andern 
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. Henrich von Plauen. 269 
noch ſelbſt die Ritter waren davon ausgenommen. Sie muſten ihr Geſchmeide eben 


ſowol als die Kirchen ihre noch uͤbrige filberne und güfdene Gefaͤſſe hergeben, wofür dage⸗ 


gen zinnerne angeſchaft wurden. Niemand widerſetzte ſich dieſer nochwendigen Eins 
richtung als die einzige Stadt Danzig. Sie ſchickte einige Abgeordnete an den 
Comthur, dieſe Schatzung abzuſchlagen, weil die Waaten, die über See giengen, in 
der Gewalt des Windes und Waſſers wären, und die Stadt wegen ihres ſtarken Hans 
dels das meifte ſodenn beitragen muͤſte. Der Comthur ließ dieſe Abgeordneten anhal⸗ 
ten. Darüber kam es in der Stadt zum Aufruhr. Man umzingelte das Schloß 
und nöthigte dadurch den Comthur die Abgeordneten in Freiheit zu ſetzen, doch bedung 
ſich der Comthur aus, daß die Stadt einige aus ihrem Mittel an den Hochmeiſter ſchicken 
lte. 18 Perſonen wurden um Catharinentag auf einen kandtag nach Braunsberg 
geſchickt, nachdem ſie den Hochmeiſter in Marienburg geſprochen. Man fand ihr 
Anſuchen fo übel gegruͤndet, daß fie veſtgenommen und der Stadt auferlegt wurde, 
theils die Schatzung ſich gefallen zu laſſen, theils wegen des Aufruhrs 18000 Mark 
Strafgelder zu bezahlen, wenn die 18 Glieder in Freiheit kommen ſolten. Doch ließ 
der Hochmeifter der Stadt Zeit, dieſe Strafgelder nach ihrer Bequemlichkeit aufzu⸗ 
bringen. Allein dieſes ſowol als die folgenden betruͤbten Umſtaͤnde im Orden befreiete 
Danzig endlich von der Bezahlung. Da Elbing ſich ganz anders betrug, und den 
Hochmeiſter, der dieſes Jahr daſelbſt perſ önlich ſich huldigen ließ, auf dem Rathhauſe 
mit gebuͤhrender Achtung bewirthete, fo erwies auch Henrich ſich gegen dieſe Stadt als 
ein milder dandesherr. Er erlaubte ihr alle aus ihrem Gebiet entwichene und verlaufene 
Einwohner auf zuſuchen, damit ihre Dörfer wieder beſetzt und bebauet würden. : Auch 
der Stadt Marienburg erließ er wegen erlittenen Brandſchaden den dritten Theil de⸗ 
rer von ihr gemachten Schulden. Bey dem allem langte das Geld noch nicht hin, die 
Anforderungen, die von allen Theilen gemacht worden, zu befriedigen. Die Bew 
bindung des Sigmunds und Jagello war zwar geheim genug gemacht, well Gigs 


mund ſich derſelben ſchaͤmete, und befuͤrchtete, daß man ihn gar deswegen abſetzen 


wuͤrde. Aber Henrich muſte doch alles thun, um dieſe gefaſten Anſchlaͤge zu verei⸗ 
teln. Man hatte dem Kaiſer verſprochen, daß wenn die Gelder, welche man ihm 


ziugeſagt, nicht richtig einliefen, fo ſolte die Neuemark und Drieſen dem Kaifer eins 


‚geräumt werden. Doch Henrich, der aͤuſſerlich ſich zum Kriege ruͤſtete, arbeitete 
heimlich an den Mitteln, die Ruhe zu erhalten. Er ſchickte Geſandten an Sigis⸗ 
mund, die es endlich durch Geſchenke dahin brachten, daß ſich folcher der Vermitte⸗ 
lung aller Irrungen mit Polen unterzog, wozu ein vieles beitrug, daß der Hochmei⸗ 
ſter ſich in ſtarke Ruͤſtungen ſetzte, und fein ſehnlich Verlangen zum Frieden eben das 


durch beförderte. Er ſchickte 17,000 Gulden Rheiniſch an feinen Vetter nach Deutſch⸗ 
land. Um das Geld ſicher durchzubr ingen, ward es zuſammen geſchlagen. Hievor 


wurden 5000 Kriegs knechte geworben, auf die preußiſchen Grenzen verlegt, und von 
dem lande unterhalten. Der Hochmeiſter ließ ausſprengen, daß dieſe bey vor fallen⸗ 


Seite 


1 * 


1412. 


5 5 1412. 


Seine miß⸗ Nun konte der Hochmeiſter öffentlicher zu Werk gehen. Er, der 


8 alles allein veranſtaltet, und daruͤber viel Nachrede auszuſtehen hatte 


zufrieden. 


1413. 


270 Geſchichte von Preuſſen. 


Seite einbräche. Es ſey uͤberdem eine anſehnliche Huͤlfe von deutſchen Fuͤrſten zu vet 
muthen, um die er angehalten. Oeffentlich redete man mit Fleiß in Preuſſen von 
nichts als Krieg, da Henrich heimlich mit feinen Vertrauteſten beſtaͤndig vor den Frie⸗ 
den beſorgt ſich bewies. Er ließ den mit Jagello geſchloſſenen Frieden von Papſt be⸗ 
ftätigen. Er brachte es auch endlich dahin, daß Sigmund zum edsrii 
ter angenommen wurde. In Ofen ſolte eine Verſammlung deshalb gehalten werden. 
Der Hochmeiſter ſchickte Johann von Wallenrod, Henrich den aͤlteſten von Plauen, 
Michael Kuchmeiſter Oberſten Marſchall, Werner von Tettingen Comthur 
Elbing, der auf diefer Reiſe zu Kaſchau verſtorben, den Comthur von Chriſtburg 
von Wellin, den Comthur von Thorn Eberhard Wellinfels, den D. Johann 
Abzieher, den Domberrn zu Frauenburg Caſpar Schwenflug, den offene 
Schreiber Johann ſeinen Kanzler, den Peter von Stein, Dietrich von Legendorf 
Hermann von Kulingen, und drey Buͤrgermeiſter von Thorn, Elbing und 2 
zig nebſt vielen andern nach Ofen. Acht Tage vor Pfingſten giengen ſolche al 
die Verſammlung um Johannis gehalten werden ſolte. Indeſſen ließ der Hochn 
in Preuffen Bet, und Faſttage halten, um den Segen der Vorſicht zu dieſen Unten 
handlungen zu erbitten. Weil aber der Kaiſer anderwärts zu thun, auch durch verzd⸗ 
gerte Unterhandlungen von dem Orden noch vieles ziehen zu können glaubte, fo kan 
man nicht zum Schluß, ſondern Sigmund ernannte einige Raͤthe, die den 
zu beſorgen, fortfahren ſolten. Er brauchte jetzt 40000 Schock boͤhmiſche 
ſchen. Weil nun Henrich Geld an Polen zu bezahlen ſchuldig, that Si 
Antrag, dieſes Geld mit des Jagello Bewilligung an ihn zu bezahlen. Miche 
meiſter von Sternberg muſte in Polen es endlich dahin bringen, daß H 
Geld an Sigmund bezahlen, Jagello ſolches auf Abſchlag annehmen, und 
dem letzteren ein Theil der Grafſchaft Zips verſetzt werden ſolte. N 


§. 143. 5 


nach Zuruͤckkunft feiner Geſandten aus Ungarn einen geheimen Rath 
Landedelleuten und aus den Städten, die er vereidete. Jetzt wurden die 
lungen mit Polen fortgeſetzt. 1413 langte gleich zu Anfang des Jahres 
cher Geſandter in Preuſſen an, der auch wohl aufgenommen wurde, u 
nach Lithauen und Polen abgieng. Doch Vitold und Jagello wufte 
durch höhere Geſchenke zu gewinnen, fo daß er in allen Stuͤcken dem Ort 
ſprach, und hiedurch verurſachte, daß Henrich ſich mit ſchweren Koſten e 
munds perfönlichen Ausſpruch berufen muſte. Die Streitigkeiten betrafe 
Grenzberichtigungen, theils beſtund der Hochmeiſter darauf, daß die ge 
ſten und Herrn, die nicht im Orden wären, das Löſegeld aus eigene 
muͤſten. Wenn der Kaifer und andere als der kandmeiſter von Lieflgt 


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Henrich von Plauen. 271 
wolten, dieſe Einwendung fahren zu laſſen, weil fie ihm fonft nicht beiſtehen würden, 
fo erklaͤrte er ſich, daß er hoffe GOtt werde fein Gluͤck ſtaͤrken und feine Rechte unters 
ſtuͤhen. Sonderlich ſtellte er ſich immer, als wenn er die Grenzirrungen mit Dos 
bein, Maſovien und Stolpe mit Gewalt beendigen wolte, allein auf Rath der Ger 
bieter blieb man bey dem Wege der Unterhandlungen. Weil alſo vor der Hand kein 
Krieg zu befürchten, fo dankte Henrich die fremden Soldner, die bis Lauterburg ges 
kommen, ab. Niemals waͤre die Sache vor den Orden ſo wohl abgelaufen, wenn er 
nicht ſolche heimlich gehalten, und feine wahren Abſichten zu verbergen gewuſt. Aus 
dem Grunde zog er in dieſer Sache nur ſeine Verwandten, Vertrauteſten und Freunde 
zu Rathe, und fuhr gut dabey. Um die Zeit ward das Chriſtenthum in Lithauen wei⸗ 
ter ausgebreitet. Weil dem deutſchen Orden vom Kaiſer Ludwig 4 nebſt ganz Li⸗ 
thauen das Schloß Baiern geſchenkt worden, und darin ein Erzbiſchofthum uͤber ganz 
Lithauen errichtet werden ſolte, ſo ließ Henrich dieſe Begnadigung durch einen offe⸗ 


nen Schreiber bezeugen. Nun ſuchte er auch die Wohlverdienten zu belohnen. Er 


gab den Samlaͤndern die Freiheit der freien Holzung. Er erhob ſeiner Schwe⸗ 
ſterſohn den Wilhelm von Katzenellenbogen ſtatt des abgeſetzten Yfedom ven Weis 
tzau zum Comthur von Schlochau, und glaubte, daß Wilhelm auch als ein Wis 
elefite ein ehrlicher Mann ſey konne. Er ließ die Kapelle zu Tannenberg weihen, 
und mit nöthigen Gerächfchaften und Geiſtlichen verſorgen. Sein Kanzler erhielt das 
Recht vor ſich und die uͤbrigen Kanzeleibedienten kuͤnftig vor alle ſchriftliche Ausferti⸗ 


gungen einige Gebuͤhren zu fordern. Er kleidete etliche ſeines Geſchlechts in den Orden 


ein und gab ihnen Bedienungen darinnen. Er reiſete oft mit geſetzmaͤßigem anſehnli⸗ 
chem Gefolge, das um fo noͤthiger war, weil viele Mißvergnuͤgte ſich im Orden bes 
fanden, im lande herum, um alles zu des kandes Beſten zu beſorgen. Eben 

hielt er gelehrte, aufgeweckte, geſchickte leute an feinem Hofe, die die Dummheit vor 
Zauberer und Teufelsbanner ausſchrie. Dem Vater des Jacob Raſchaus gab er ein 


Dorf von 1000 Mark preußiſch an Werth vor feine gute geleiſtete Dienſte. Doch 


eben die Begnadigungen des Hochmeiſters gaben zu einem ſchweren Zwieſpalt unter den 
Ordensbedienten Gelegenheit. Einige Ulebelgeſinnte legten alles aufs uͤbelſte aus, und 
gaben für, daß der Hochmeiſter keine liebe zum Lande habe. Nicht alle vom niedern 
Adel wurden mit Bedienungen, wie fie es wuͤnſchten, verſorgt, und fie verdienten 


es nicht alle. Henrich wuſte, wie es einige alte Bruͤder vorher gemacht, und wie 


ſchlecht ſich viele im vorigen Kriege gegen Polen betragen. Er ſetzte daher lieber jun 

ge leute in die Aemter, von deren guten Geſinnungen er uͤberzeigt war. Weil ſolche 

melſtens Männer aus hohem Adel, Wiclefiten und Niederdeutſche waren, fo ſtand fol 
ches dem niedern Adel, der meiſt gut roͤmiſch geſinnt und aus Oberdeutſchland ge⸗ 
buͤrtig, nicht an. Es entſtunden alfo zwey Parteien, und nach englaͤndiſcher Art be⸗ 
legten ſich beide mit Schimpfwörtern. Die Freunde und treuen Anhänger des Hochs 
meiſters nannte man Rabenneſter, weil fie vermuthlich ſich in die hoͤchſten Aemter 
einzuniſten ſuchten. Dagegen hieſſen die Mißvergnuͤgten Wachtelbuben, weil fie 
auch 


1413. 


272 Geſchichte von Preuſſen. 
1413. auch ben den unſchuldigſten Handlungen des Hochmeiſters anſchlugen und lam mach⸗ 
ten. Dieſe hieſſen Verraͤther des kandesherrn, und jenen gab man Schuld, daß fie 
nur ſich, nicht aber das gute fand meinten. Henrich ſolte das Opfer ſeyn, und mu⸗ 
ſte, weil er den Rabenneſtern beipflichtete, von den Wachtelbuben viele üble Nach⸗ 
reden ausſtehen. Sein Ruhm, feine Erhöhung, verurſachte Eiferſucht. Michael 
Kuchmeiſter von Sternberg ſchlug ſich hauptſäͤchlich zum niedern Adel, ohnerachtet der 
Hochmeiſter ihn zum Comthur von Bretgen und Ordensmarſchall gemacht, und in den 
wichtigſten Verſchickungen gebraucht hatte. Er ſchmiedete aber die Pfeile, die andere 
auf den Hochmeiſter verſchuͤſſen ſolten. Es brach endlich eine Verſchwörung gegen 
den Hochmeiſter aus, an der lange heimlich gearbeitet war. Die Misvergnuͤgten bes 
maͤntelten ihre eigene Vortheile mit dem Deckmantel der Sorge fuͤr die Religion und 
für die Abſchaffung der Abgaben. Sie zogen dadurch die Geiftlichen und die Unter 
thanen meiſtens auf ihre Seite, und es iſt kein Wunder, daß die Wachtelbuben 
uͤber die Rabenneſter das Uebergewicht bekommen. Die harten Strafen, womit 
einige Unruhige von Adel im Anfang dieſer Empörung belegt worden, entzuͤndete das 
Feuer nur noch mehr. In aller Stille beſchwereten ſich die Mißvergnuͤgten über den 
Henrich durch den kandmeiſter von Deutſchland bey Kaiſer Sigmund und beim 
Papſt. Der entſetzte Biſchof von Ermeland muſte an beiden Höfen alles einfͤdeln. 
Bey beiden fehlen alles wahr zu ſeyn, was man nur uͤbles vom Hochmeiſter ſagte, da 
man ihn für einen Wiclefiten ausgab, und weil er die Rechte eines unn 
nen Fuͤrſten im weltlichen maͤnnlich vercheldiget hatte. Im bande ſelbſt ſuchten die En, 
verſtandenen alle Mittel hervor, den Herren und deſſen am Ruder ſitzende Bediente 
verhaßt zu machen. Sie erkauften einen Schmid in Chriſtburg, welcher han 
muſte, daß er im zerftörten Schloſſe Chriſtburg viele Teufel geſehen, die ihm 
getragen hätten, dem Henrich die böſe kebensart der vornehmſten Gebleter, und z 
gleich den bevorſtehenden Untergang des Landes zu entdecken. Der Hochmeifter erkann 
te die Tuͤcke des Boͤſewichts, die Lügen des Betruͤgers, und ließ den Schmid in die 
Nogat werfen und erſaͤufen, der ſelbſt geſtand, daß ihm der Teufel gefagt: er habe 
den Tod verdient. Doch hiedurch wurden die Mißvergnügten noch mehr gereltzt, alle 
ſchuldige Ehrfurcht beiſeite zu ſezen. Sie unterſtanden ſich bey denen Befehlen Hen, 
richs in ſeiner Gegenwart Einwendungen zu machen. Henrich fuͤhrte ihnen zwar 
Unterſchied zwiſchen Herren und Unterthanen zu Gemuͤthe. Aber dies beſchleunig 
das Vorhaben der Uebelgeſinnten. Fig 


$. 144. 109 
Er wird ab⸗ Es hatten ſich einige Gebieter zum Gehör dringen wollen. Allein ba $ 
teſetzt. lange Urſache gehabt, ihnen nicht zu trauen, fo fanden fie verſchloſſene und 
Wache beſetzte Thuͤren. Das hatte fie vollends erbittert. 73 Convente 
ſchon gegen den Hochmeiſter verſchworen. Sie führten die Verſchwörung 
faßten den Entſchluß, denjenigen, der ihnen nach der tannenbergſchen & 
lein das fand erhalten, abzuſetzen, weil fie von dem Papſt auf ihr Anſuchen 


* 4 N m — 17 


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Henrich von Plauen. 27 
wort bekommen: es auf ihr Gewiſſen zu nehmen; der aͤlteſte Bruder ſolte die Sache 
beſorgen. Dleſes war Otto von Lernſtein. Er uͤberfiel mit dem Großſchaffner von 
Scharfau, mit den Comthurs von Elbing, Balge und Brandenburg, und mit 
den Bögten von Ermeland und Samland zur Nachtzeit, unter dem Vorwand wich⸗ 
tige Dinge zu berachſchlagen, den Hochmeiſter zu Schaacken, und kuͤndigten ihm die 


Geſangenſchaft an. Der Hochmeiſter berief ſich auf eine allgemeine Ordensverſamm⸗ 


lung, die er auf den uten Oct. nach Marienburg verſammlen wolte. Weil die 
Miß vergnuͤgten ſchon zum voraus der meiften Stimmen gewiß, ſo lieſſen ſie ſich fols 


ches zwar gefallen, fuͤhrten aber indeſſen ihren Herrn als einen Gefangenen nach Ta⸗ 


piau, wo niemand mit ihm zu ſprechen Erlaubniß hatte. Den kiten Oct. kam die 
Verſammlung zuſammen. Die Mißvergnuͤgten hatten hier augenſcheinlich die Ober⸗ 
hand. Man hatte bereits die Abſetzung des Hochmeiſters beſchloſſen, die hier ausge⸗ 
fuͤhret wurde. Die Urſachen, welche man angab, waren: 1. Er habe die oberſten 
Gebieter, die doch feinen Rath ausmachten, nicht zu Rathe gezogen, 2. vielmehr ges 
gen ihr Gutachten vieles gethan. 3. Das Land mit vielen Abgaben beſchweret. 4. Alle 
Nachrichten, die den Frieden betroffen, unterdruͤckt, und nur die bekandt gemacht, 
die vom Kriege handelten. 5. Das Ordensgeld, ohne der Gebieter Vorwiſſen, auf 
Geſandtſchaften an Fuͤrſten und Herren verwandt, und ſolchen die Sachen anders vor⸗ 
ſtellen laſſen, als fie ſich wirklich befunden. 6. Zu viele Koſten denen Gebietern auf 


ſeine und der Seinen Verpflegung verurſachet. 7. Den Krieg mit Polen fortſetzen 


wollen. 8. Ohne Vorwiſſen der Gebieter, Praͤlaten und Landesraͤthe, fremde Völker 
ins land gezogen. 9. Vor feinen Gebietern und Raͤthen die Thuͤren verſchluͤſſen und 
bewachen laffen, und fie mit der Antwort abgewieſen: er habe zu gebieten, und er wol⸗ 
le ſchon ſelbſt rathen. 10. Er habe die Münzen verringert. 11. Er habe auf gegebe⸗ 
nen Rath keine Unterſuchungen gegen diejenigen angeſtellet, die andere um das Ihrige 
8 „ und wohl gar anderer Blut vergoſſen; 12. Eigenmaͤchtig den Biſchof von 

land entſetzt, und das Stift dem von Schwarzburg gegeben. 13. Demjenigen 
habe er gefolgt, was ihm einige geringere Gebieter gerathen, und ſich ſolches von den 
Obergebietern nicht ausreden laſſen. 14. Er habe des Ordensablaß eigenmaͤchtig pre⸗ 
digen, und zugleich denen, gegen die bekandtgemachte Vergebung, die ſich im vorigen 
Kriege nicht wohl verhalten, ſolches vorwerfen laſſen. 15. Mit Sternſehern und 
Wahrſagern habe er Rath gehalten, und auf ihr Gutachten Krieg anfangen wollen. 
16. Jetzt muͤſſe man mit vieler Mühe theils die Huͤlfsvoͤlker abſchreiben, die er beru⸗ 
fen, oder um die bereits angekommenen los zu werden, ihnen Sold, Zehrung zur 


Ruͤckreiſe und Erſetzung des erlittenen Schadens mit ſchweren Koften übernehmen. 


. Es wuͤrden zu feiner Zeit noch mehrere Beſchwerden gegen ihn bekandt werden. 
Vielleicht verſtehet Lindenbladt hier dasjenige, was nach ihm Grunow anfuͤhret, 
daß er denen Städten, denen er guͤnſtig geweſen, ihre Freiheiten gelaſſen, die andern aber 


beunruhiget; daß er nie gefaſtet noch gebeichtet, die Priefter Hundebuben geſcholten und 


55 4 predigen verboten, wenigſtens hätten ſie bey feiner Ungnade ſich an den bloſſen Text 
b ain peanß. Seth. C. e db 


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274 Gehe o von Heuffn * 


ber bearbeitet, feinem Geſchlecht Vortheile zu verſchaffen, ſolches zu e 


$. 
Michael Kuch⸗ Sie fee Sonntags nach dem heiligen drey Köngefeſt b 


meiſter von 
Sternberg 


wird hochmei⸗ zu der Zeit, da ich ſolches ſchreibe, in der Perſon des Herrn Go 


ſter. 


Beteiligen Scheiſt Gatten wöſſn; den Papſt vor den Wucht aueh g daß W. 
geiſt / und weltlicher Perſonen, fremder und einheimiſcher vergoſſen ; den Orden u 
Treuen gemeinet, und demjenigen nachgetrachtet, was ihm Heuchler, Schmeicht 
Verraͤther angerathen. Unſer Hochmeiſter ſahe, daß hier Anklaͤger und Richter inerlex 
Perſonen waͤren, und daß er als ein Gefangener doch nichts ausrichten wurde. Er war 
füft in den nemlichen Umſtänden, in denen ſich Carl Stuard von England befan 
Dies bewog ihn einzugeſtehen, was wahr ſey, zugleich aber zu bezeugen, da 
mals geglaubt, daß man ihm daraus Verbrechen würde machen konnen. Wenn ma a 
das Hochmeiſteramt lieſſe, ſo wolte er ihrem Willen ein Gnuͤgen thun. Er 


ewigen Namen demſelben zu verſchaffen. Allein auch dieſes half nichts. R 
war bereits gefaßt. Man nahm ihm die Schluͤſſel zu Kammern, Kasten und 
fo wie die Siegel ab. Das Hochmeiſterthum ward für erledigt gehalten, n 
Comthur von Elbing Hermann Gans indeſſen zum Statthalter ernannt. Zu 
ward auch des Hochmeiſters Vetter der Comthur von Danzig veſtgemacht ut 
Danzig ſeit dem genau bewachet. Vielleicht hat ſelbſt der Hochmeiſter mit 1 
men auf dem dortigen Schloß bis zur neuen Wahl gefangen bleiben muͤſſen. 
dere Freunde des bisherigen Hochmeiſters kamen um ihre Aemter. Sonderlich 
Henrich Graf von Schwarzburg das Biſchofthum Ermeland, welches dem, 
treuen Vogelſang wieder eingeräumt wurde. Bey fo bewandten erg 
die vom vorigen Hochmeiſter ernannten Rathsherrn von Thorn am zucräglid 
Bedienungen ſelbſt niederzulegen. Nunmehr wurden die Anftalten zur neuen 
gemacht. 1 4 5 ar ua 


145. 
Kuchmeiſter von Sternberg, deſſen Haus noch jetzt in Preuſſen bluͤhet, u 


ſters von Sternberg Ehre erworben hatte, die groͤßte Hofnung /). Der N 
te um den Orden unſtreitige Verdienſte. Er war ehemals Comthur von Raft 
1409 Vogt in Sameiten I), nachher Pfleger der Stadt Neumarkt, niche 
einige glauben, des fandes Neumark geweſen. Er ſchlug einen Thell we 
cken vor der Schlacht ben Tannenberg m). Nach dieſem ungluͤcklichen N 
gerte er das Schloß von Tauchel, ward aber von den Polacken bey Kron 
gen und gefangen, aber bald darauf in Freiheit geſetzt. Er konte alſoder! 90 
wahl beiwohnen, und befand ſich unter denen, welchen man die Wahl ſelb 
Er trug aber den gaͤnzlichen Ausſchlag dem Gutduͤnken des damaligen Ste 
der ſich wider fein Bermuchen ſelbſt wählte. Ob er nun wel e 
5 ae 
) Ven mehreren Perſonen dieſes Hauſts in ) eil pr 15 > © sn 150 2 
neuern Zeiten handelt Ditmar vom Herrnmei⸗ ) Schuͤtz f. ; 
6 de 177. Th. a. No. 2. m) Pr. Sam. T0. * E n 


1410. 


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Michael Kuchmeiſter von Sternberg. 275 
Marſchallamt und die Comthurey Bretgen bekleidete, auch in Geſandtſchaften nach 
Ungarn und Polen vom Hochmeiſter gebraucht wurde, ſo beklagte er ſich doch haupt⸗ 
fächlich daruͤber, daß Henrich ihm niemals recht trauete, zu Rathe zog, und ſeinen 
Anſchlaͤgen nicht folgte. Dlugoß ſchreibt ihm alſo hauptſuͤchlich dasjenige zu, was ges 
gen den Henrich vorgenommen wurde. So ſtritten ſich Pompejus und Ehfar um 


die Oberherrſchaft des Staats. Henrich muſte endlich erliegen, da er die melſten 


aus niederm Adel, ſonderlich die Oberdeutſchen, die damals am ſtaͤrkſten im Orden 
waren, gegen ſich hatte, die noch überdies die herrſchende Kirche zu beſchuͤtzen vorga⸗ 
ben. Am Walhltage ſelbſt noͤchigte man den abgeſetzten Hochmeiſter zum Schein die 
Hochmeiſterwuͤrde niederzulegen. Die verſammleten Gebieter aus Deutſchland, Lief⸗ 
land und Preuſſen ſchickten Sonntags nach Heiligen drey König 1414 zwey Comthurs 
an Henrich von Plauen ab, um ihn zur neuen Wahl einzuladen. Man erzehlte dar⸗ 
auf die Gebrechen, warum man ihn entlaſſen. Henrich ſahe jetzt kein ander Mittel, 
mehrerer Gewalt zu entgehen, als ſein Amt niederzulegen. Den Dienſtag darauf er⸗ 
folgte ſodenn nach den Ordensvorſchriften die Wahl des Michael Kuchmeiſters von 


Sternberg. Henrich muſte ſelbigem, gleich andern, den Eid der Treue und des 


Gehorſams ablegen. Der bisherige Hochmeiſter ward zum Comthur in Engelsburg, 
und der bisherige Comthur von Danzig, deſſen Platz Rudolph Eilenſtein erhalten, 
ward zum Pfleger in Lochſtaͤdt ernannt. Auf beide aber ließ der neue Hochmeiſter 
genau acht geben. Dem Pfleger von Lochſtaͤdt fiel alles, was mit ihm, ſeinen Freun⸗ 
den und dem jetzigen Comthur von Engelsburg vorgegangen, ganz unleidlich. Er 
entflohe, mit einem Knecht, verkleidet nach Polen, und aus Rachſucht ſuchte er den 
König zu bewegen, dem entſetzten Herren das Heft der Regierung wieder zu verſchaf⸗ 
fen. Man kann ſich von ſelbſt einbilden, daß ſich der Koͤnig dagegen manches wird 
ausbedungen, und feine Vortheile bedacht haben. Nunmehr fing Polen an, mie 
etlichen Gebietern, die noch im Beſitz ihrer Veſtungen waren, und denen man ſolche 
abzunehmen ſich nicht getrauet, ſowol als mit dem Comthur von Engelsburg ſelbſt 
ſchriftlich uͤber die Mittel Unterhandlungen zu pflegen, welche hiezu dienen ſolten. Der 
letztere ſolte auch nach Polen fliehen, allem was mit ihm vorgegangen, widerſprechen, 
ſich mit polniſcher Huͤlfe wieder des landes bemächtigen, und vor die Hülfe einige 


Platze dem Könige abtreten. Doch Michael Kuchmeiſter bekam durch den Johann 


Kropidlo, der ſolches dem Comthur zu Thorn bekandt machte, die erſte Nachricht 
von dieſen Unterhandlungen. Einige aufgefangene Briefe entdeckten den ganzen Han⸗ 
del, der dem geweſenen Hochmelſter eine weit härtere Verſtrickung zuzog. Er ward 


von Engelsburg, von da er ſich wegen der Gicht nicht zu gefegter Zeit hatte ent⸗ 


fernen können, gefänglich über Königsberg nach Brandenburg gebracht, und das 
ſelbſt ſehr genau bewacht. Auch die uͤbrigen Freunde der vorigen Regierung hatten 
ſich fo verdaͤchtig gemacht, daß wenn einer nur fein Schloß verließ, ſogleich die Freun⸗ 


SB Michaels Beſitz davon nahmen, und den vorigen nicht wieder einlieſſen. Doch 


dieſes hinderte den gefaſten Anſchlag der Polacken, ſo wenig als die Freunde des Hoch 
n M m 2 meiſters 


1413. 


1414. 


1414. 


276 Geeſchichte von Preuſſen. 

meiſters, in Deutſchland alles zu feiner Befreiung anzuwenden. Der damalige regle⸗ 
rende Herr von Plauen ſchickte einen Schmaͤhbrief nach Preuſſen, worin er ſonder⸗ 
lich die Beſchuldigungen abzulehnen ſuchte, als wenn der ehemalige Hochmelſter fein 
Haus auf Koſten des Ordens zu bereichern geſucht, und erklaͤrte diejenigen, welche ſol⸗ 
ches vorgegeben, vor Böſewichter, denen um fo weniger zu glauben, da ſie an ihrem 
Herrn meineidig geworden, der nicht das Amt, wie man vorgab, niedergelegt, ſon⸗ 
dern mit Gewalt davon verdrungen ſey. Er wolte von der ganzen unparteliſchen Welt 
darüber ein Urtheil ſprechen laſſen. Michael ſuchte ſich fo viel möglich veſtzuſetzen. 
Alle Pläge und Bedienungen, die Henrichs Freunde gehabt, beſetzte er mit Perſonen 
von feinem Anhange. Um das Land auf feine Seite zu ziehen, ward von ihm einge 
gangen, daß kuͤnftig vom Hochmeiſter nichts von Wichtigkeit vorgenommen werden 
ſolte, wenn ſolches nicht vorher durch einen groſſen Rath von fanden und Städten 
beliebt wäre, Dieſer ſolte auſſer des Ordens oberſten Gebietern, aus denen Prälaten, 
einem Ausſchuß des kandadels, und denn den Städten Thorn, Elbing, Danzig, 
Königsberg und Culm beſtehen, davon jede zwey Rathsglieder zum Landes Nalh 
abſchicken konten. Er verſprach auch auf dieſer Tagefahrt den Staͤdten, daß ſol⸗ 
che ſelbſt die lehrer ifrer Schulen dem Hochmeiſter vorftellen ſolten, die derſelbe nach⸗ 
her beſtaͤtigen wuͤrde. Dem polniſchen Einfall ſuchte Michael zwar dadurch vorzu⸗ 
beugen, daß er den Marggrafen Wilhelm von Meiſſen zum Schiedsrichter in Bow 
ſchlag brachte. Demunerachtet rückten wirklich Jagello und Vitold mit zweien He 
ren in Preuſſen ein. Unter ihren Kriegsvölkern befanden ſich auch Meißner, — 
men und ſonderlich viel Schleſier. Herzog Conrad der Weiſſe von Oels, 7 
Conrad von Kanth genannt, Herzog Bernhard von Oppeln und die jungen 0 
ſchen Prinzen führten ſolche an. Jagello eroberte Neidenburg, Alen um und 
Hohenſtein, wo er die Muͤhlen und Backöfen wieder herſtellen ließ, die auf Mi, 
chaels Befehl abgebrandt waren. Guttſtaͤdt wurde beſetzt. Um Heilsberg fielen 


verſchiedene kleine Treffen für, die aber nichts entſchieden. Das platte kand ward 


uberall, ſonderlich um Rieſenburg, ſehr mitgenommen. Es war beſchloſſen Culm 
und Thorn zu belagern. Doch Michaels Klugheit zog die Feinde vor 4 
welches vorzuͤglich beveſtiget, gut beſetzt, und mit allen Beduͤrfniſſen verpflegt war. 
Er ließ mit Fleiß einen Brief des Comthurs dieſes Orts an den Hochmeiſter von . 
lacken auffangen, worin ſich der Befehlshaber von Strasburg über — > 
Nothwendigkeiten beklagte. Der König glaubte dieſer mit Fleiß ausg 
richt, und belagerte Strasburg. Aber die ſtarke Beſatzung wehrete ſich a ö 
Der Hochmeiſter wuſte dem feindlichen Heer die Zufuhr abzuſchneiden. othe 
Ruhr war bey den Polacken eine Folge des Mangels an Mundbeduͤrfniſſen. Die L, 
thauer wurden der Sache uͤberdruͤßig, und Vitold ſonderte ſich von den Polacken N 
ab. Die beſte Jahrszeit war verſtrichen. Endlich vermittelte ein angekommener 
paͤpſtlicher Botſchafter einen zweijährigen Waffenſtillſtand. Das was mit dem vori⸗ 
gen 8 vorgegangen, ſolte auf der Coſtnitzer de 


4 Michael Kuchmeiſter von Sternberg. 277 
werden, wohln auch der regierende Herr von Plauen ſich wendete, und feine Klagen 1414. 
1 anzubringen ſuchte. Denn im kande war dleſe Sache nicht auszumachen, wo ſich alles, 
entweder vor den Henrich oder Michael, parteliſch zeigte „. f 

1 §. 146. . 5 

1 Das land ſieng nunmehr an ſchwuͤrig zu werden, daß die Händel mit dem ehema / Der hochmei⸗ 
& _- figen Hochmeiſter den polniſchen Krieg nach ſich gezogen. Die vom hohen Adel; wo, ſeer ar ſich 
u aber auch andere aus Niederdeutſchland, ſonderlich die Wiclefiten oder Hußiten Be 
1 gehöreten, nannten ſich öffentlich das guͤldene Vließ, und wolten unſtreitig dadurch 

ſo viel ſagen, daß fie die beſte Sache vertheidigten, und alles Recht auf ihrer Seite 
hatten. Die herrſchende Parten aber nannte ſich das guͤldene Schif, und gaben das 

5 durch zu verſtehen, daß fie mit dem guͤldenen Vließ doch machen konnten, was ſie 
wolte. In der That drung das guͤldene Schif durch. Die Oberdeutſchen bemaͤch⸗ 

1 tigten fich meiſtens aller Ordensbedienungen 0). Da, um ein Beiſpiel zu geben, der 
damalige Comthur von Elbing Hermann Gans vielleicht ein Edler Herr von Put⸗ 
llt zum guͤldenen Vließ gehören mochte, fo trug Michael das Oberſpitleramt dem 


Hermann Jonas Comehur von Chriſtburg auf. Denn fo kommt derſelbe 1415 in 1415. 

celner Verſchreibung an die Nonnen in Thorn in dieſer Bedienung vor, die doch ſonſt 

allemal der Comthur von Elbing bekleidete 7). Die Oberdeutſchen erklaͤrten ſich 

0 Öffentlich: Hier kann niemand Gebieter ſeyn, er fen denn Bayr Schwab oder Fraͤn⸗ 

c-elein. Doch dieſe Zwiſtigkelten zogen in der Folge dem Orden den Verluſt von halb 

1 Preuſſen zu 4). Das guͤldene Vließ behauptete, der neue Hochmeiſter und fein Ca⸗ 

* pitul habe an dem vorigen Hochmeiſter verraͤtheriſch gehandelt, daß fie einen ſolchen 

Mann bis in den Tod verunehreren: hingegen behauptete das guͤldene Schif, ihm und 

10 feinen Mitverraͤthern ſey Recht geſchehen. Das ganze fand ward hierdurch gegen einander 

1 aufgebracht und böͤsordeniſch )). In Marienburg wurde eine Verraͤtherey entdeckt, 

da man das Geſchütz und das Pulver zu verderben vorhatte ). Michael berief zu dem 

Ende 1416 auf den Neuſahrstag eine Ordens verſammlung nach Braunsberg, und miſch⸗ 1416. 

te auf derſelben hauptſaͤchlich die Rellgion in die Staatsangelegenheiten. Weil das 
guͤldene Vließ ſonderlich aus Männern beſtand, die den Hußiten beipflichteten: fo 

wurde hier die evangeliſche lehre als eine ſolche verworfen, wodurch dem Laſter Thuͤr 

und Thor geöfnet, und Parteien erregt wuͤrden. Daher verbot der Hochmeiſter alle 

wiclefitiſche und hußitiſche Bücher und Predigten. Bey Strafe 30 guter Mark ſol⸗ 
a “N! 7 a { M m 3 te 


* n) Schutz f. 109. Erl. Pr. S. 370. Diu- 5p) Erl. Pr. B. 4. S. 4. r. Thornſche 
golf. ad h a. Der einzige Cont. Dusb. fegt dies Denkw. S. 4. Cont. Gelehrt. Pr. 2. Quart. 
en Krieg ins Jahr 1416. Ser S. 189. Geſamml. Nachr ©, 125. 
) Pr. Samml. B. 3. S. 195 f. ) Daher heiſt es im Spruͤchwort: 
0 Wir haben einander wohl gehuͤtt, i 
Daß wir nun find des Landes quitt, 
Das haben wir zu danken 
Den Bayren, Schwaben, ranken. 
7) pr. Samml. Th. 3. S. 196. D Neuer Buͤcherſaal B. 3. S. 75. 


278 GSeeſchichte von Preuſſen. f 
1416. te niemand denjenigen, der in dieſer Ketzerey ſtuͤrbe, auf den ordentlichen Kir 8 
ſondern auf den Kiechhof der Preuſſen begraben laſſen, und niemand ſolte feiner bei ⸗ 
che das Geleit geben. Ein jeder ſolte in feinem letzten Willen feine Religion anzugee 
ben pflichtig ſeyn. Die Geiſtlichen ſchrieben Bußtäge aus, verboten alles 
fpiel, und gaben dadurch der andern Partey nur zur Verſpottung Anlaß. i 
lich ließ Michael alle Geſchichtbuͤcher von Preuſſen vor Geld aufkaufen, un 
Nachkommen den rechten Verlauf der Sachen vorkger Zeiten zu entziehen. N 
diente ſich des Vorwands, das Ketzeriſche darin zu vertilgen, und unter dieſem 
wand find die beſten Geſchichtſchreiber, die von Preuſſen handeln, der Welt th 
riſſen, theils verſtuͤmmelt worden. Zum Gluͤck wurden einige durch Freunde des g 
nen Vlieſſes vermauert, die ſich nachher zum Theil wieder gefunden haben. D ri 
de, der daraus der Nachwelt erwachſen, iſt leicht zu begreiffen, und es ſetzte 
das Betragen gegen den vorigen Hochmeiſter in keinen geringen Verdacht. N 
bey der Gelegenheit uns das in den Ordensgeſchichten ausgemertzt, was mit den 
benheiten damaliger Zeit eine Aehnlichkeit hatte. Die Seſchichte derer hemaligen 
Hochmeiſter aus dem Haufe Hohenlohe find damals ausgelaffen oder verſtuͤmmelt wor ⸗ 
den. Alles was dem Orden kelnen guten Ruf bringen konte, wurde unterdruͤckt, und 
die Thaten des vorigen Hochmeiſters, und auch vielleicht die wahren Umftände feine * 
Wahl theils aus dem Gedaͤchtniß zu bringen, theils anders vorzutragen Muͤhe ange ⸗ 
wandt, als ſich ſolche wirklich befanden. Ein übel abg meſſener Schritt ziehet; * 
Fehltritt nach ſich, und wer Urſache hat an der Rechtmäßigkeit feines Verfahr 
zweifeln, ſchaͤmet ſich vor dem gerechten Urtheil der Nachwelt, wenn er gleich ff 
Bortheile hinreiſſen läffet, das Urtheil feiner Zeitgenoſſen zu verachten F). 
ſuchte feine Freunde immer mehr durch Wohlthaten an ſich zu ziehen 1), und lie 
einige Münzen beffer als die vorigen auspraͤgen, jedoch auch die kleinern Sorten 
fo leicht ſchlagen, als die vorigen geweſen. Es entſtand daher ein Unterſchei 
leichter und ſchwerer Muͤnze in Preuffen A). Ben dem allen befand ſich in 
ſen alles in der gröffeften Unordnung. Der Rath in Danzig hielt es groͤſtent 
der neuen Herrſchaft; dagegen der Buͤrger es mit dem guͤldenen Vließ ge 
haben ſcheint. Darüber entſtand ein Aufruhr, den Michael, der perfür 
eilete, nicht ſtillen konte. Allein er ſtrafte nachher die Empoͤrer als der 
vorbey theils am leben, theils mit der Verbannung, und die verjagten Raths 
muſten wieder aufgenommen werden. Seit der Zeit ſolten ſich die Zuͤnfte 
verſammlen, als bis es der Rath erlauben würde. So wurden die Bürge 
Zeit noch auf mehrere Art eingeſchraͤnkt y). W 


F. 1 3 
Michael muß Das gröfte Uebel war, daß auch der äuſſere Frieden nicht gar zu 1 
abdanken. Der Waffenſtillſtand mit Polen gieng zu Ende. Donnerſtag vor Galli! 


1) Pr. Samml. Th. 3. 5 Erl. Pr. B. 3 S. a. * 2 * 
1) Geſamml. Nachr. S. 126. = — f. b e NN 


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Michael Kuchmeiſter von Sternberg. 279 


men. Hier forderte der Hochmeiſter vor ſich und feine Gebieter bey allen Beſitzungen 
gelaſſen zu werden, vor alle Gefangene die Freihelt. Er begehrte auch die Erſetzungen 
aller Schäden, welche dem Orden feit dem thornſchen Frieden und Sigmunds Um 
terhandlungen von Polen verurſacht worden. Die Polacken rechneten ebenfals ihren 
Schaden, und den ihre Bundesgenoſſen feit der Zeit erlitten ſowol als die Unkoſten, 
die fie auf Veſtungen und Soldner verwenden muͤſſen, ſehr hoch. Sie verlangten zu⸗ 
gleich fo viel Geld und Land als dem Könige bald nach der tannenbergſchen Schlacht 


angeboten war. Der Hochmeiſter wandte aber dagegen ein, daß er durch den jetzt gegen» 


waͤrtigen von Dohna den in Stolpe, Maſau und Cujavien zugefügten Schaden nach 
Erkenntniß einiger Schiedsritter zu erſetzen verfprochen, welche der König bereits an⸗ 
genommen habe. Weil jedoch die polniſchen Geſandten ſich hiezu nicht einlaſſen kon⸗ 
ten, ſo zerſchlugen ſich die Unterhandlungen. Ein polniſches Heer naͤherte ſich den 
preußifchen Grenzen. Michael wuſte, daß dieſes bey der Uneinigkeit, die im Lande 
herrſche, von uͤblen Folgen ſeyn konte, und ſchickte dem Könige Geſandten entgegen, 


durch die er ſich zur Genugthuung aller verurſachten Schaden erbot. Allein Jagello 


behielt die Geſandten bey ſich bis er die Grenzen von Preuſſen erreicht hatte. Der 
Einbruch geſchahe mit der Fackel in der Hand. Michael ſchickte zwar neue Geſandten 
an den König, und erbot fich zu einer Unterredung und Unterhandlungen. Doch es 
wurden ſelbige nicht angehöret. Die polniſchen Kriegsvölfer breiteten ſich bis gegen 
Braunsberg und Elbing aus, obwohl der Hochmelſter ſchon zu Abtretung einigen 


Landes, und einiger Summen ſich erbot. Ganzer ſechs Wochen durch wurde alles von 
ihnen verwuͤſtet. Endlich ward eine Zuſammenkunft gehalten, aber auf derſelben nichts 


weiter ausgerichtet, als daß man einen neuen Waffenſtillſtand auf etliche Jahre 
ſchloß 2). Die damals im lande wuͤtende Peſt mochte wohl hauptfächlich den König 
zu demſelben genoͤthiget haben 3). Ob alſo gleich hiedurch die aͤuſſere Ruhe wieder her⸗ 
geſtellet war, ſo blieben doch noch im Lande die innerlichen Zwiſtigkeiten, da das guͤl⸗ 
dene Vließ ſich noch beftändig über die Gewalt, welche dem vorigen Hochmeiſter bes 
wieſen worden, beſchwerete, das guͤldene Schif aber ſolche vertheidigte. Walther 
Kerskorp oder Keſtorf Vogt der Neuenmark ließ ſogar in einer Urkunde von 1417 den 
vorigen Hochmeiſter Henrich gar aus der Reihe der Hochmeiſter aus, welches von 
der Verbitterung beider Parteien zeiget b)). Ob nun gleich das guͤldene Vließ im 
lande den ſchwaͤchſten Anhang hatte, fo dachte es doch noch durch die Coſtnitzer 
Kirchenverſammlung 1418 mit ſeinen Beſchwerden durchzudringen. Das guͤldene 
Schif hielt daſelbſt ebenfals feine Gefandten, unter welchen ſich beſonders der bisheri⸗ 


ge Comchur von Balga Ulrich Zengel befand, welcher 1419 als Comthur nach Thorn 


befördert wurde c). Michael blieb indeſſen immer bey der Regierung g/ und beſorgte 
3420 in denen Streitigkeiten mit Polen des ir rot in Bred« 
| lau, 


45 Schuͤtz f . 99 Geſamml. Nachr. S. 159. 
4) Pr. Samml. Th. 3. ) Geſamml. Nachr. 2. 152. 


beiderſeitige Geſandten auf der Memel zu Vielun wegen deſſen Verlängerung zuſam⸗ 1416. 


1417. 


1418, 


1419. 


1420. 


1423. 


280 Geſchichte von Preuſſen. 8 


lau, womit Polen aber nicht zufrieden war d), und andere kandesſachen e). Allein 
ſeit dieſer Zeit ſieng ſich Michaels Gluͤck zu ändern an, und das guͤldene Vließ bekam 
beſonders auf der Kirchenverſammlung zu Eoſtnitz ziemlich Beifall. Die Hanſe beviens 
te ſich der mislichen Umſtaͤnde, in welche der Hochmeifter gerleth, zu ihrem groſſen Vor⸗ 
theil. Sie ſchickte 1421 Geſandten nach Preuſſen, die dem Hochmeiſter das Verſprechen 
abtrotzten, daß der Pfundzoll, den bereits vier Hochmeiſter zu des Ordens Beſtem erho, 
ben hatten, herunter geſetzt werden ſolte. Sie mutheten ihm ſogar an, das bisher gehos 
bene Geld ganz oder zum Theil wieder zuruͤck zu geben. Michael muſte der Harfe 
verſprechen, das, was auf ihken Zufammenkünften beſchloſſen würde, in Preuſſen 
und Liefland gelten zu laſſen, und beſonders zu genehmigen, was die Hanſe zum Nach⸗ 
theil derer Kaufleute, die ſich aus England, Schottland und Holland im Ordens, 
lande befinden, verordnen wuͤrde. Man erkennet hieraus theils die Macht und den 
Uebermuth der Hanſe überhaupt und beſonders auch derer in Preuſſen zur Hanſe ge 
hörigen Städte, theils die bedenklichen Umſtaͤnde des Hochmeiſters, welcher faſt a 
einzugehen ſich bemuͤßiget ſahe, was man von ihm verlangte F). Auch Polen hatt 
Anſtalten gemacht einen Krieg mit Preuſſen anzufangen, welches aber der Churft 
Friedrich 1 von Brandenburg vor dieſes Jahr noch hintertrieb g). Und doch konte 
Michael dadurch nicht bey der Hochmeiſterwuͤrde erhalten. Seit des Henrichs Ent ⸗ 
ſetzung fiel das Anſehen der Landesherren auf ausnehmende Art. Die Oedensgebieter 
thaten alles was fie wolten ungeſtraft, und das guͤldene Schif ward denen Unter 
thanen ausnehmend beſchwerlich, die ſich nicht einmal unterſtehen duͤrfen zu Ela 
gen, weil ſie ſich ſonſt ihren unvermeidlichen Untergang zuzogen. Beim Hochmel⸗ 
ſter, der ſich als ein Geſchoͤpfe des guͤldenen Schiffes betrachten muſte, war gegen 
die Argften Gewaltthaͤtigkeiten kein Gehör zu finden, oder doch wenigſtens keine Abaͤn⸗ 
derung zu erhalten, und wer von den Unterthanen dem Papſt oder Kaifer feine Nolh 
vorſtellen wolte, zog ſich den gewiſſen Untergang zu 5). Das guͤldene Vließ h 
hiedurch Gelegenheit genug, alles dieſes als Folgen der Entſetzung Henrichs 
ren. Es übergab ſolches 1422 gegen den Michael fo wichtige Klagen, daß der Sec 
ſich nicht entbrechen konte, ſolche in Ueberlegung zu ziehen. Es ward daher in der! 
eine Ordensverſammlung gehalten, und von beiden ſtreitenden Parthelen zu end 
Beruhigung vor das beſte gehalten, daß zu Henrichs Genugthuung Michael £ 
meiſterwuͤrde aufgeben ſolte. Dieſer ſahe wohl ein, daß er nur durch eine Ab 
der Abſetzung entgehen konte, er legte alſo in feinem hohen Alter das Amt nieder, was 
er bey juͤngern Jahren fo eifrig geſucht, weil es nicht anders ſeyn konte, und nahm ſel⸗ 
nen Aufenthalt zu Schwetz ). „ 


d) Dlugoſſe ad h. a. p. 414. 422. b) Vieles was nachher die Unterthanen zu 
e) Erl. Pr. B. 3 S 470. Paleogr. Pruſſ. St. Beſchönigung ihres Abfalls anführen, gehört im 
2. O. 20 St. S. 5. 17. Geſamml. Nachr. S. 126. dieſes Michgels Regierungszeiten. 
28 2 85 RL Senneb. D. 303. Schutz ß 
of. ad h. a, P. 438. } „ 1 * . f 
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Paul Bellizer von Rusdorf. 281 


8 9. 148. 8 
Gleich nach Michaels Abdankung ward zur Wahl eines neuen Landesherren ger 


1422. 
Worauf Paus 


ſchritten. Anfaͤnglich entitunden ſchwere Streitigkeiten zwiſchen denen vom hohen Adel, Beller von 
Meugläubigen und Niederdeutſchen, oder den Rabenneſtern und goldenem Vließ Nuedorf ge: 


einerſeits, und dem goldenen Schif, den Wachtelbuben, oder denen aus dem niedern 
Adel ſonderlich aus Oberdeutſchland, die meiftens zu der herrſchenden Kirche gehdre⸗ 


ten, anderer Seits. Beide wolten gern einen Hochmeiſter von ihrem Anhange ha⸗ 
ben, und ſpareten hiebey keine Mühe. Endlich aber wurde denenjenigen, welche bisher 


am wenigſten parteiifch ſich bewieſen, das Wahlgefchäfte überlaffen, welche Dienſtag nach 
Reminiſcere den Paul Bellizer von Rusdorf Comthur von Chriſtburg zum Hochs 
meiſter waͤhlten. Da Chriſtburg ſchon in ſeinem Schutt lag, ſo mag er blos den Na⸗ 
men von dieſem ehemaligen Schloß geführet, aber anderwaͤrts, vielleicht in Raſtenburg, 
gewohnet haben. Alle Schriftſteller find über die löblichen Eigenſchaften dieſes Herrn einig. 
Sein friedliebendes Semüch ver ſchafte ihm die Landesregierung, in der er fich fo ſehr der 


Ruhe befleißigte, daß ihm die Polacken ſogar den heiligen Geiſt zu nennen pflegten. 


Sonderlich ſuchte er gleich anfaͤnglich die innere Ruhe zu verſichern. Er brachte es dahin, 
daß von nun an die parteiifche Benennungen von Rabenneſtern und Wachtelbuben, 


vom goldenen Vließ und goldenen Schif aufböreten; obgleich der Parteigeiſt ſelbſt 


dadurch noch nicht gehoben war, ſondern endlich dem Orden betruͤbte Folgen veranlaß⸗ 
te. Er ſuchte beide Parteien durch Wohlthun ſich verbindlich zu machen. Den ehe⸗ 
maligen Hochmeiſter Henrich von Plauen ließ er von Brandenburg, wo er bisher 
in enger und ſchlechter Gefangenſchaft geſeſſen, nach Lochſtaͤdt abfuͤhren, aber darin 
weit beſſer und leidlicher als bisher halten. Allein dieſer brachte bereits einen enckraͤf⸗ 
teten Koͤrper in dieſen Ort. Schon ehemals war er mit der Gicht beſchweret geweſen. 
Die bisher ausgeſtandene Aergerniß und ſeine Gefangenſchaft muſte nothwendig ſeine 
Krankheit vermehrt haben. Er ſtarb alſo noch in dieſem Jahr ohngefuͤhr ein halb Jahr 
nach Pauls Erwaͤhlung J). Er hatte um den Orden unſtreitige Verdienſte, ſcheint 
aber zu hochmuͤthig auf die Vorzuͤge einer vornehmen Geburt, und zu ſtreng gegen alle 


diejenigen geweſen zu ſeyn, die im vorigen Kriege ihre Schuldigkeit gegen ihre Landes⸗ 


obrigkeit nicht bewieſen hatten. Er wolte durchaus in der Regierung weder durch 
Papſt, Kaifer, Ordenscapitul, noch vielweniger durch die landesunterthanen, die auf 
ihre Rechte und Freiheiten zur Unzeit pochten, ſich ſelbſt einſchraͤnken. Dies alles brach⸗ 
te fein Unglück zur Reife. Er laͤſſet ſich ziemlich geſchickt mit dem Chriſtian 2 König 
von Daͤnnemark in Vergleichung ſtellen. Sein Körpeg iſt nach einigen n) zu Ma⸗ 
rienburg in der hochmeiſterlichen Gruft, oder nach andern Nachrichten zu Marien⸗ 
werder beerdiget worden n). Auch der vorige Hochmeiſter Michael Kuchmeiſter von 

a : Stern⸗ 
1) Schug f. uz. Pr. Samml. Th 3 S. 376. 208. Senneb. S. 393. 

l; Pr Samml. Th. 3. S 376 


m) Erl. Pr Th. 1. S. 134. Waiſſel S. 139. 
n) Leo S. 217. Ada Boruſſ. T. 1. p. 225. 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Nu 


waͤhlt wird. 


1422, 


Nach dem 


polniſchen 


kriege wird er 
von den ſtaͤn⸗ 


den einge⸗ 
ſchraͤnkt. 


1423. 


bleiben, als den Fortgang innerer Spaltungen zu verhindern. 


Hauptkirche in die Aſche. Paul fiel alſo auf ein anderes Mittel. Er zog 4 0 


282 Gieſcchichte von Preuſſen. 

Sternberg bekam Merkmale der edlen Geſinnung unſers Pauls. Er ernannte ihn 
zum Comthur von Danzig, wo ſich ſelbiger nahe bey der Stadt ein Landſchloß bauen 
ließ, und die übrige bebenszeit daſelbſt ruhig zubringen konte. Doch bey der beſten 
Geſinnung des neuen Hochmeiſters war es ihm doch unmöglich fo wenig ohne RER 


9. 149. 2 er“ 

Polen hatte ſeit dem thornſchen Frieden bey aller Gelegenheit fine Habfucht 

nach mehreren Eroberungen blicken laſſen. Die innern Zwiſtigkeiten im Orden ver 
mehrten deſſen Hofnung. Jagello wolte ſich aufs neue der Umſtaͤnde bedienen, die 
bey Michaels Abdankung vorgegangen. Er brachte ein ſtarkes Heer aus ſelnem lan · 
de, aus Lithauen, Reußland und von Tartarn zuſammen, und brach wirklich in 
Preuſſen ein. Seine Kriegsvölker verwuͤſteten alles, wo fie, hinkamen, = 
Hauptmacht belagerte Culm. Der Hochmeiſter ſchickte zwar 8ooo Mann in 
um durch deſſen Verheerung den Jagello zu Aufhebung der Belagerung zu 
Aber dieſer Anſchlag ſchlug fehl. Die Polacken eroberten den Platz, und le 


ze Macht zuſammen, wozu auch diejenigen ſtieſſen, welche in Polen geweſen. Der 
Hochmeiſter verlegte hierauf ſelbige fo vortheilhaft, daß den Polacken, die in E 
das Hauptlager hatten, alle Zufuhr abgeſchnitten wurde. Der König fehten hieburd 
ſelbſt eingeſchloſſen zu ſeyn, und feine Völker litten an allen Beduͤrfniſſen um fo m ö 
Mangel, da fie das umherliegende land faſt gänzlich verheeret hatten. Dies nötige 
den Jagello an einen Vergleich zu denken, den Paul bey dem Antritt feiner Regie 
rung ebenfals nörhig hatte. Er hofte zwar auf deutſche Huͤlfe. Da 5 
nicht zeitig genug eintraf, ward im lager bey dem See Melno verabredet, 
Orden der Krone Polen, Neſſau und Diebow mit ihren Bezirken ſowol, < 
halbe Weichſel nebſt dem halben Faͤhrgelde in Thorn abtreten folte, woben J 
les Übrigen ſich begab, was es nach dem Ausſpruch der paͤpſtlichen Botſcha 
dern konte. Der Orden aber verſprach, daß der thornſche Friede ſowol als di 8 
ſpruͤche des Sigismundi, in fo fern fie dieſem Vergleich zuwider, ungültig 
ten. Während dieſen Unterhandlungen kamen die deutſchen Hüͤlfsvölker ut 
Erzbiſchof Dietrich von Coͤln, dem Pfalzgrafen Ludwig, und dem Herzoge vo 
ren Henrich um Simonis und Juda zwar herbey. Es war diefes aber bl 
zu befbrderlich, daß die Polacken ihre Anforderungen nicht höher trieben, 
die fremden Voͤlker bis in das naͤchſte Jahr 1423 um lichtmeß im lande blieben 
ſodenn abgefuͤhtet wurden. Denn obwol anfänglich gegen dieſen Vergleich noch mam 
che Einwendungen gemacht wurden, well hiezu der Bundesgenoſſe des Ordens Si⸗ 
gismundus nicht mitgewirkt, fo ward doch um Mitfaſten dieſer Einwurf auf 
ner Zuſammenkunft gehoben, auf der Ungarn dem Friedens ſchluß, der an 
Melno geſchloſſen, beitrat, und dem Orden ſolchen u a anriet 


Paul Bellizer von Rusdorf. 5 283 


Churfͤrſt Friedrich 1 von Brandenburg wuſte auch genugſame Entſchuldigungen ans 
zubringen, warum er im vorigen Jahr, ſeinem Verſprechen zu Folge, den deutſchen 
Orden nicht feindlich uͤberzogen habe. Hierauf verglich ſich der Orden um Himmel⸗ 
fahrt uͤber die ſtrittigen Grenzen zwiſchen Sameiten, Lithauen und Sudauen; und 
zu eben einer ſolchen Grenzberichtigung zwiſchen Preuſſen und Maſovien ward in 
Soldau eine Zuſammenkunft zwiſchen Ziemovit dem Herzoge von Maſau und Paul 
von Rus dorf beliebet 0). Alles ſchien jetzt um fo mehr beruhiget zu ſeyn, da auch 
2424 der ehemalige Hochmeiſter Michael Kuchmelſter von Sternberg mit Tode abs 
gieng, deſſen Koͤrper zu Marienburg in der hochmeiſterlichen Gruft beigeſetzt wur⸗ 
de p). Man kann dieſem Herrn weder Tapferkeit, noch Klugheit, noch andere Ver⸗ 
dienſte abſprechen. Aber ſeine luſt zur Hochmeiſterſtelle hatte in Preuſſen einmal eis 
ne Fackel angeſteckt, die ein verzehrend Feuer entzuͤndete, welches nicht fo leicht zu lo⸗ 


ſchen war. Es hatte zwar feinen Zweck erreicht, aber daruͤber gieng das Anſehen der 


Hochmeiſter gröſtentheils zu Grunde. Sonderlich hatte er denen Landſtaͤnden faſt eine 


völlige Mitregierung eingeraͤumet, und da feine Nachfolger folche wieder dem Lande und 


den Städten zu entreiſſen gedachten, kam darüber der Orden in die betruͤbteſten Umſtaͤn⸗ 
de. Paul von Rusdorf hielt anfänglich denen Ständen, was fein Vorfahr einmal de⸗ 
nenſelben verwilliget, und vermehrte dadurch ſowol als durch anderweitige Begnadl⸗ 
gungen die von ihm gefaßte gute Meinung. Er verordnete 1425 denen Schiffern auf 
der Weichſel und dem Hafe, wenn ſie wegen widrigen Windes anlegen muͤſten, drey 
Tage lang freies Brennholz zu fällen, davor aber dem Orden in andern Fällen mit ih⸗ 
ren Gefaͤſſen zu Dienſten zu ſtehen. Denen Seeplaͤtzen uͤberließ er die Entſcheldung 
aller Seeſtreitigkeiten. Er verbot allen Vorkauf, und wolte denen englaͤndiſchen Kauf⸗ 
leuten durchaus auf ihr Anhalten die Freiheit im Handel nicht verſtatten, die feine ns 
terthanen hatten, ob er fie gleich bey alle den Rechten zu ſchuͤtzen verſprach, die frem⸗ 
den Kaufleuten nur immer zuſtehen konten J). Er gab dem Dorf Lyck eine Hands 
veſte 7), und auf einer Tagefahrt zu Elbing ertheilte er denen Staͤdten Danzig und 


Thorn das Muͤnzrecht auf einige Zeit, weil der Orden keinen genugſamen Verlag zur 
Mauͤnze hatte 6). Doch alles dieſes ſtaͤrkte den Muth der Stände, ſonderlich der groſ⸗ 


fen Staͤdte „ und die Eiferſucht der Ordensgebieter, welche in der Folge groſſe Veraͤn⸗ 
derungen nach ſich gezogen. Das Jahr 1426 iſt wegen des harten Froſtes bekandt, 
da man 1), ſo wie ſchon ehedem 1423 geſchehen u) war, von Danzig uͤber die mit 


Eiß belegte Oſtſee bis nach Luͤbeck reifen konte. Der Hochmeiſter hielt ſich ſeit diefer - 


Zeit meiſtens in Raſtenburg auf x), um denen lithauiſchen und polniſchen Gren- 


zen deſto näher zu ſeyn, oder weil er an dieſem Ort, wo er ehemals ebenfals Comthur 


N n 2 gewe⸗ 


) Schuͤtz f. 113. Cont. Dusb. S. 440. „) Geſamml. Nachr. S. 116, 
Pr Liefr. S. 659. Geſamml. Nachr. S. 59 f. 9) Erl. Pr. B. 2. O. 728. 
Dlugoſſ. ad h. a. t) Schuͤtz f. 114. 
5) Schuͤz f. uz. u) de Ludw, Rel. T. 9. p. 125. 
70 Schutz f 4. *) Erl. Pr. Th. 3. S. 657. 


1423. 


1424 


1425. 


1426. 


1426. 


1427. 


2428, 


2429 


Und noch 
mehr in dem entſtandenen Kriegen. Die völlige Vereinigung dieſer beiden Länder war noch i 


ſiſchen Handel als andere Fremde zu erhalten, well die preußiſchen groſſen Handels / 


284 Geſchichte von Preuſſen. e 
geweſen, ein beſonderes Belieben fand y). Doch beſorgte er die Saribebängetäpghgetheh 
nach allem Vermögen. Zwiſchen dem nordiſchen Könige Erich gebornen Herzogen 
von Pommern und der Hanſe war damals ein heftiger Krieg ausgebrochen. Beide 
Theile ſchickten Geſandten an den Hochmeiſter 1427. Die Hanſe verlangte ſeinen Beis 
ſtand in dieſem Kriege fonderlich durch die zu ihrem Buͤndniß gehörige unter des Ordens 
Herrſchaft ſtehende Städte. Erich hingegen wuͤnſchte feine Vermittelung. Paul nahm 
anfänglich das letztere an, weil es aber dem Könige kein rechter Ernſt, fo erlaubte er 
denen Seeſtaͤdten zu Bedeckung ihrer Kauffahrer Kriegsſchiffe auszuruͤſten, und Ben 
Hanſe beizuſtehen. Weil 1428 die preußifche Flotte zu ſpaͤt in die See gelaufen, als 

bereits die hamburgſche Kriegsſchiffe geſchlagen, fo verloren auch die Preuſſen e 
Seetreffen, und die meiſten ihrer Kauffahrer wurden von den ſiegenden auf ⸗ 
gebracht. Dieſe Ungfäcksfälle verurſachten zwiſchen denen zur Hanſe gehörigen Staͤdten 
ein Mistrauen. Die preußiſchen Städte verglichen ſich mit dem Könige Erich und 
erhielten die völlige Freiheit, mit ihren Waaren ungehindert durch den Sund gehen 
zu duͤrfen. Die Englaͤnder ſuchten abermals vergebens mehrere Freiheiten im preuſ⸗ 


ſtaͤdte ſolches bey dem Hochmeiſter auf allen Tagefahrten, die wegen des — 
Krieges gehalten wurden, zu hintertreiben wuſten 2). Vor ſeine Unterthanen war 
alſo der Hochmeiſter ſehr vaͤterlich geſinnt, wie ſolches viele Begnadigungen, auch vom 4 
Jahr 1429 darthun. Am meiſten aber kann man ſolches aus denen landes ſatzungen be 
weiſen, die er mit Zuziehung der Praͤlaten, dem Landadel und Staͤdten 1430 auf bet 
Tagefahrt am Sonntag Oculi zu Elbing ſich gefallen ließ. Nach denſe 5 
te er, daß der vom vorigen Hochmeiſter Michael ſchon nachgegebene groſſe landes te 
nunmehr wirklich eingerichtet werden ſolte. Auſſer dem Hochmelſter ſolten darin | 
densgebieter, 6 kandesgeiſtliche, 6 vom kandadel, und 6 aus denen Scaͤdten Sit und . 
Stimme in allen Dingen haben, die bie Nestern und Münze betreffen, und ſolte 
dieſer groſſe kdandesrath ſich jährlich verſammlen. Dieſer ſolte auch d 8 
thun, ſo oft uͤber die Begnadigungen und Rechte der Unterthanen Sundern , 
ſtuͤnden. Sonderlich ſolten ohne deſſen Bewilligung keine neue Auflagen gemacht z 
den, bey welchem letzten Punkt ſich jedoch der Hochmeiſter ausbedung⸗ daß alle feine R 
bey Kräften bleiben ſolten, die der Orden aus paͤpſtlicher, kaiſerlicher oder andern B 
Wang ebe. Dieſes war eine Art eines Parlaments in Preuſſen, 
Ordensregierung elnzuſchraͤnken erdacht worden, und welches hauptfächlich 
der Orden ſich davon wieder zu entlebigen ſuchte, zu innerlichen — 


$ 30 1 
Es zeigte ſich feine Gewalt gleich in denen uͤber Lithauen mit der Krone Bi 


) Erl pr. Th. 3. S. 657. | Shi F 1 l 
2e eee 


1 


Paul Bellizer von Rusdorf. 285 
1 der Gegenſtand der polniſchen Staatsabſichten geweſen. Vitold hingegen ſuchte ſein 1430. 
1 Vaterland in feiner Unabhängigkeit zu erhalten. Der Kaifer Sigmund unterſtützte kriege, welcher 
( ſelbigen ſowol als der deutſche Orden in dieſem Vorſatz. Der erſte beſchloß ihn zum Lithauen zu 
1 Könige von Lithauen zu machen, und feine Geſandten waren bereits mit den Merk Fe 
ꝛeichen der königlichen Würde bis Frankfurt an der Oder gekommen. Allein dies de. 
1 ſuchten die Polacken aus allen Kräften zu verhindern. Sie verlegten den Faiferlichen 
1 Geſandten die Wege durchzukommen, und Vitold aͤrgerte ſich über dieſen Zufall zu 
1 Tode. Nun glaubten die Polacken gewonnen zu haben, und Lithauen von nun an 
als eine Provinz des polnifchen Reichs behandeln zu können. Allein die Prinzen aus 
groß herzoglich lithauiſchem Blut dachten anders. Des Jagello Bruder Suidrigello 
der in der Taufe Boleslaus genannt worden, glaubte, daß nach Vitolds Tode Li⸗ 
thauen an ihn gefallen waͤre. Der Adel dieſes Landes leiſtete ihm die Huldigung, um 
ſich blos der polniſchen Herrſchaft zu entſchuͤtten. Das ganze Betragen des Jagello 
beweiſt, daß er ſelbſt die Freiheit ſeines Vaterlandes geliebet, aber ſolche denen Vor⸗ 
theilen feines eigenen Hauſes aufgeopfert. Er wuͤnſchte, daß die Polacken feinem aͤl⸗ 
teſten Prinzen Wladislao die kuͤnftige Thronfolge verſichern möchten, und ſahe ein, 
daß blos die Vereinigung Lithauens mit der Krone der ſtaͤrkſte Bewegungsgrund ſeyn 
wuͤrde. Er misbilligte zu dem Ende das Verfahren des Suidrigello, und machte 
Anſtalten Lithauen dieſem Prinzen wieder zu entreiffen. Der neue Großfuͤrſt hinge⸗ 
gen ſchloß mit dem deutſchen Orden ein Buͤndniß, welcher ſich theils der Uebermacht 
Polens widerſetzen, theils an Wiedererhaltung des kandes Sameiten denken mufte H). 
Der Krieg zwiſchen Jagello und Suidrigello brach ſonderlich 1431 recht aus, und die- 1437. 
ſer wäre ſchon damals von feinem Bruder unterdruͤcket, wenn der Orden nicht, ihm 
kuft zu machen, mit zwey verſchledenen Heeren in Polen eingebrochen. Die Com⸗ 
thurs von Thorn und Oſterode ruͤckten in das land Dobrin, wo fie über dem Schutt 
der eroberten Hauptſtadt den Johann von Zegenberg und andere mit dem Ritter⸗ 
ſchlage beehrten. Der kandmarſchall von Preuſſen ſowol als der kandmarſchall von 
Liefland brachen mit der Hauptmacht in Cujavien ein. Auf beiden Seiten ſchien 
es als wenn der Krieg blos zu völliger Verderbung der Staaten gefuͤhrt wuͤrde. In 
Cu javien machte der Orden groſſe Eroberungen. Doch mitten in denſelben lief die 905 
Nachricht ein, daß Jagello mit dem Suidrigello einen zweijährigen Waffenſtillſtand 
getroffen. Die Ordens volker zogen fich auf dieſe Nachricht aus Polen nach. Preuß 
ſen uͤberall zuruck. Der Marſchall von Liefland und der Comthur von Tauchel ſuch⸗ 
ten hiebey in der Gegend von Nackel noch einige Beute zu machen, erlitten aber eine 
ſchwere Niederlage. Der Comchur von Tauchel blieb auf der Stelle, und der 
Marſchall von Liefland ward nebſt vielen andern gefangen, und der Orden verlor hie⸗ 
bey an goo Pferde. Der Hochmeiſter muſte alſo um fo mehr auf feiner Hut fiyn, N 
und an gute Ruͤſtung zum Kriege denken, ob er gleich die Regierungsgeſchaͤfte des 
f Nn 3 ö gen 


ä 5) Schü f. us. Cone Dusd. S. 44 f. 


— 


Fr 


— 
* 


1431. 
1432, 


9 
rer 


286 


alle ihre Rechte beftätigte. 


c) Wir wollen ſolche hier bekandt möge da 
„ fo viel ich weiß, noch nie gedruckt ift: Wir 
ruder Pawel von Rubosdorff, Homeiſter des 
Ordens, Bruder des Hoſpitals Sunte Marien, 
des deutſchen Huſes von Jeruſalem, thun kund 
und bekennen allen, den deſſe Schriffte werd vor⸗ 
gebracht, das ſind der Ziet der allerdurchlauchſte 
Fuͤrſte, unſer allerdurchlauchſte Herre, Koͤmi⸗ 
ſcher, Sungeriſcher und Boͤhmiſcher Herre 
König, von ſunderlichen Gnaden, uns und un; 
ſern Orden hatt gegeben, und vereignet das Land 
der Treuen Mark benumbt, und die Mechtig⸗ 
lich an unſern Orden gewyſet hat, zu ewigen Zy⸗ 
ten, mit allen eren Zubehoͤrungen, und inwoh⸗ 
nern gelich als fine gnade dy gehabt hat, vnd die 
Brife darewer von ſiner Koͤnigl. Maytt. gegeven 
das klar upwiſen. So haben uns Manne und 
Staͤtte der innerweſenden muͤtiglichen angelegen, 
das wir ſamnliche Articulos, die von ben Erwer⸗ 
digen ſeliges geböchtnis Bruder Conrad von Fun: 
gingen uf die Ziet Homeiſter als die fulve Nue⸗ 
mark erſt an Unſern orden qvam, eingeruhen to 
vernuͤven, mit etlicken andern vorgegebenen Stuͤ⸗ 
cken etc, Des ſo haben wir angeſehen ere ſo lieb: 
liche guͤnſtige Zuneigung und recht werdige treuwe 
die ſie zu unſern Orden haben, und mit riffen 
Wohlbedachten unſer gebitiger Rahte ſyen wir en 
das gerne gewolgig und buͤgeren wißentlich zu ſien 
allen, die dießen Briff ſehen, hoͤren oder leſen, 
das wir den vorgedachten unſern Lieben und ger 
treuwen Riddern, Knechten, Bürgermeifter, 
Rahtmannen, Buͤrgern vnd gebuwern und gemei⸗ 
nen, ſo wol uf den Lande alze in den Staͤtten der⸗ 
ſulven Nueven Wargkt ſy fin geiſtlich odder 
weltlich Aepte, Aeptißynnen und Thumherrn 
welcherley weſens oder wirdigkeit, die ſien, mil⸗ 
diglich und Kraft dieſes Briffes beſtettiget und 


buvoren alle ihre Previlegia, gerechtigkeiten und, 


Freyheiten die ehnen in vorzeiten verlehnet ſind 
und gegeben von Kayſern, Kayſer Kindern, Fuͤr⸗ 
ſten und Fuͤrſtinnen rechter Herrſchaft des oben⸗ 
benumbten Landes, darzu auch alle Lebliche und 
redliche Gewohnheiten von alters gehalten das 
ſelbſt in Lande, Sunderlichen Wir die Manſchaft 
des obgenumbten Landes mit einen ſulchen, Ob 
Wir oder Unſers ordens Voigt daſelbſt zu unſern 
dienſten oder geſcheffte Heyſcheten oder ließen hei: 
ſchen fo ſcal Unſers ordens Voigt derſelben Teu⸗ 
mark Ein yren geſinde und Pferden redelicke noth⸗ 


Geſchichte von Preuſſen. x 


gen nicht verabfäumte, wie ſolches dle Urkunde c) beweiſet, wodurch er der Neumark 
Denn 1432 hatten die Lithauer zum Theil den Großher⸗ 
r oe cen, Sage hatte. fie zu Mi Untreue walk unden 


einen 


durfft geben uf der alte auß ihren Käufern vnd 
widder darin, vnd verbaß vor allen ſchaden fi 

als man von olders vormals gethan he 
da Gott vor ſy, der Manſchafft ſemlich 
nedderlage und ſulcher großer — N 
ordens Voigt daſelbſt das zu 
nicht vermochte ußzurichten, ) 
unſern Nachkomlingen ſulchen ſchaden 
ten, geſcheg es auch, das Bruder oder 
Lehnen von ihren Eltern beerbet weren it 
hant, wo ſich die teilten oder von n 
das fol en kagen uns und unfern N 

an verſambter Hand von igkeit 
lick ſyn, alſe Wir das gefunden N n 
weft iſt. Verduͤrben auch j ts der { 
mark ſyne olden Briffe und 

rens halben oder auch ſuͤſt jemanden w 
ten wuͤrden, ſemliche alleſamen w 
Handtfeſte, die en alſo abegingen, 
ihre Lehn liehen, ahne gifft und gabe 
ſchaft gerne, vernuͤben, wen wir un 
vnd wahrheit unterwyſet werden, wie 
gelutet haben, v. auch in der wyſywle fi 
ter und Beſitzungen von olders gehatt he 
die Ziet, alſe ſyn Vernuͤrung fon bügere 
thun wir unfern lieben getreuwen der X 
die Gnade, das Unſers Voigts Schre 
Lande von Handtfeſten, Briven uf Leher 
guͤter nicht mehr nehmen füllen v; m 
Zwelff boͤhmiſche Großen oder zwe Mar 
gen und vor enen Brif obyr frauwen 
nicht mehr ſullen nehmen, den Seche 
Mark Vinckenogen, Sundelich un 
ger, unſer lieben getrewen, der Ri 
Neuwemark Bethe und der Stätte d 
die ſie bisher gethan haben, und noch 
und Zukuͤnfftigen Zeiten begnaden wi 
getreuwen die Staͤtte Derſelben 5 
einen ſulchen, wen ſy von uns oder u 
dens Ambts Luden geheiſcht werde 

dan mit reiſige gezuge fulgen, den 
mit ihren reiſigen gezuge wir oder 1 
Ambtman gleich unſern Lieben 9 
Manſchafft buwſen Unſern | 2 
ter und Koſt wollen gewen, 4 
lich das wir oder unſer orden en vor k 
ſtein füllen, was aber die Stätte ve 
gezuge haben, den ſollen rs kater, A 
geben vnd verſorgen, alle 


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Paul Bellizer von Rusdorf. 287 


einen andern lithauiſchen Prinzen, der mit Vitold Geſchwiſter Kind war den Si⸗ 


gismund Starodubsky zum Regenten vorgeſchlagen, welcher ſich anheiſchig gemacht, 
Lithauen als ein der Krone Polen unterwuͤrſiges land zu befigen. Suidrigello 
wandte ſich an feine Bundesgenoſſen, und die Kreuzherren hielten wirklich vor noͤthig, 
dieſen Prinzen zu unterſtuͤten. Paul von Rusdorf konte aber wenig ohne den groſ⸗ 


ſen landesrath beſchluͤſen, und dieſer war eben nicht geneigt , ſich des Suidrigello we⸗ 


gen einen neuen Krieg mit Polen zuzuziehen. Mit vieler Mühe erhielt der Hochmei⸗ 
ſter auf einem Landtage zu Elbing, der auf Pauli Bekehrung gehalten wurde, eini⸗ 
ge Beihuͤlfe. Es ward beſchloſſen, der Hochmeifter und feine Gebieter in Preuſſen, 
Liefland und Deutſchland ſolten auf ihre eigene Koſten 2000 Spieffe ins Feld ſtel⸗ 
len, das Land wolte 1000 Spieſſe unterhalten. Dies ift von Soͤldnern zu verſtehen, 
weil uͤbrigens der Hochmeiſter und das Land die Ordens ⸗ und kandesmacht aufzubrin⸗ 
gen ſich erboten. Die Zieſe auf Speiſe und Trank, die Paul begehrte, konte er 
nicht erhalten. Auf einem andern Landtage muſte der Hochmeiſter ſich noch mehr 
einſchraͤnken laſſen. Es ward ihm ein geheimer Staatsrath zur Seite geſetzt, in wel⸗ 
chen von dem lande vier Mitglieder aufgenommen wurden, Polt von Eulenburg, 


Johann von Bayſen, Hans von Legendorf und Nicolaus Gerlach kamen als 


Belſitzer in dieſen geheimen Siaatsrath, und man beſchloß, es ſolte der Orden, auſſer 
dieſen geheimen Staateräthen nichts mehr von Wichtigkeit beſchluͤſſen, am wenigſten Krieg 


und Buͤndniſſe kuͤnftig eingehen; keine Auflagen ſolten ohne Einwilligung des Landes 
gemacht, keine anſehnliche Perſon, auch nicht einmal wegen Hochverrath, anders als 
nach dem gewohnlichen Rechtslauf behandelt werden; jeder Unterthan ſolte über Gewalt 


und Unrecht, die ihm von dem Hochmeiſter oder dem Orden zugefügt, auf dem landtage kla⸗ 
gen können, der jährlich den Sonntag vor Philippi Jacobi zu Elbing gehalten wer⸗ 
den ſolte, und auf dem der Orden die Regierung des Landes nicht anders als mit der 
Stände Einwilligung verwalten ſolte. Paul von Rusdorf ward durch viefe jaͤhr⸗ 
liche Verſammlung und feinen geheimen Staatsrath faſt auf gleiche Art als Maximi⸗ 
lian 1 in Deutſchland durch die jährliche Verſammlung und das Reichsregiment eins 
geſchraͤnkt. Der Hochmeiſter gab ihnen in der That zu gutwillig nach, und als ‚feine 
Nachfolger ſich von denen angelegten Banden los zu machen ſuchten, verloren fie fand 
und leute. Oleich auf denen folgenden kandtaͤgen 1433 zeigte ſich ſolches klaͤrlich, da 
* eis Gurk 0 AU 


e und Articnl und einen jeglichen beſunder vor 


ich geloben wir Bruder Pawel Homeiſter Vor⸗ 


N gedacht Unſern lieben getrewen Mannen und 


Staͤdten und inwohnern der Neuwen Mark vor 
uns, unſere Nachkommelingen und unſer gantzen 


} Orden Staͤdte, feſte, heil und unverruͤckt zu hal: 
ten zu ewig Zeiten, Und das zu groſſer ſichrickei⸗ 


ten haben wir Unſers ordens groͤſte Inſiegel mit 
rechter wiſſenſchafft laſſen anhangen dieſem Brive, 
der gegeben iſt uf unſerm Hufe Marienburgck am 


Sontage nach des H. Chriſt Tage in dem Jahre 


unſers Herrn 1431. Gezugen ſyn die Ehrſahme 


geiſtliche Unſers ordens lieben Bruder und gebieti⸗ 


ger Johann Moͤel groß Cumptur, Hynrich holt 


oberſte Marſchalck, Conrad Velder⸗ heim obriſte 
Spittaler, vnd zum Elbinge Marten Remp⸗ 
nather, oberſter Trappir vnd zu Chriſtburg 
Cumptur, Senrich von Plawen treſeler Joſt 


Strulbergck zu der Balge, Joſt Soenpicher 


zum Tuchel, Walther Kyrskorpff zu Danzig, 
Cumpture, Herr Wiclas Unſer Capelan, Ruther 
von Schenewort, wetzel von fliderheim Un⸗ 
ſere Cumpan, lucas und martinus Unſere 
Schreiber und andere viel geloͤbige x. 


1433. 


1433. 


wirklich nach Ende des zweijährigen Waffenſtillſtandes wieder aus. Da Jagello mit 
aller ſeiner Macht auf den Suidrigello losgieng, um den Sigismund in Lithauen zu 


Sconderlich muſten fie einen Wagen mit geraubtem Kirchenſilber von hohem Werth im 


liches ausrichten, weil die Einwohner und Schifleute nach Rach des Hauscomthurs in 


— 


88 Geſchichte von Preuſſen. 
der Orden in dem bevorſtehenden Kriege es auf die Unterthanen ankommen laſſen mu⸗ 
ſte, was ſolche dazu beifteuren wolten, da denn flatt der angeſuchten Zieſe ein Kopf⸗ 
geld bewilliget ward d). Der Hochmeiſter hatte bey Labiau einen Zoll angelegt, wel, 
cher bereits zu groſſen Klagen Anlaß gab e). Indeſſen brach der Krieg mit Polen 


unterſtuͤtzen, fo hatte er gegen den Orden die Hußiten in die Waffen gebracht. Die ⸗ 
fe fielen mit aller Macht unter des Czepko Anfuͤgrung durch die Lauſitz in die New 
mark, wo ihnen nichts widerftehen konte. Hierauf kamen fie in Pommerellen. Vor 
Konitz muſten fie abziehen, und ihr Nachtrab litte durch einen Ausfall Schaden. 


Stich laſſen. Auch vor Derſchau wuͤrden ſie nichts ausgerichtet haben, wenn der 
Wind das Feuer der angeſteckten Vorſtadt nicht in die Stadt getrieben U Die 
den Flammen entgehen wolten fielen den Boͤhmen in die Haͤnde. Hierauf ruͤckten 
die Hußiten vor Danzig, konten aber auffer Abbrennung der Vorſtädte nichts erheb⸗ 


den Mäuren gute Gegenanſtalten machten. Die Hußiten pluͤnderten ſodenn 

und kamen bis an die Oſtſee, aus der verſchiedene von ihnen Waſſer ſchöpften, 
ſolches zum Andenken nach Böhmen zurück zu nehmen. Auf dem Ruckwege je 
das mit Ordensvolk beſetzte Schloß Jesnitz an. Der Ort hielt ſich zu ſcwaß 
Widerſtand zu thun, und wolte Unterhandlungen pflegen. Als aber hiezu kaum Per⸗ 
fonen ins böhmifche kager gekommen, und man alſo in dem Ort ſich keiner Gewalt 
verſahe, erſtiegen die Hußiten den Ort, und legten ihn, nachdem alles mit Mord 
und Raub veroͤdet, in die Aſche. Indeſſen kam doch im Lager vor Jesnitz zwiſchen 
den Böhmen und Polacken einerſeits, und dem Orden andererfeits von Kreuzeserhb⸗ 
hung bis auf Andreastag ein Waffenſtillſtand zum Stande. An dem letzten Tage 
ſolte zu Breſt entweder über einen Frieden oder dauerhafteren Waffenſtillſtand gehan 
delt werden. Man konte ſich aber zu Breſt blos uͤber eine anderweitige Zuſummen / 
kunft zu Lenczicz vergleichen. Der Orden ſchickte eine Geſandtſchaft dahin, die auff 
Ordensperſonen ſchon aus zweien vom kandadel und zwey Buͤrgermeiſtern beſſand 
Well man über einen Frieden ſich hier nicht einigen konte, fo ward zwiſchen Polen 


beliebet. Jeder ſolte behalten was er im Beſitz hatte. Die kandesgrenzen ſolten 
bleiben, wie ſie vor dem Kriege geweſen. Kein Theil ſolte in der Zeit den Dege 
zucken, und keine Macht die ſchluͤſſenden Theile von dieſer Verbindlichkeit los zahlen 
konnen. Endlich ſolten die Unterthanen demjenigen Oberherren alle Hilfe rfagen, 
welcher dieſen Waffenſtillſtand brechen würde 7. * ; 


NU 


d) Schutz f. 118: 121. e) Not. ad "Dich Chr. De 2 
f) Schuͤtz f. 111. 122, Cont. Dusb. S. 446 60. Privil. Pruſſ. f. õ ſ. 


Paul Beller von Rusdorf. | 289 


1 $. 151 1433 
I Der Waffenſtillſtand ſcheint von Seiten des Ordens zur Mek geſchloſſen zu Der orden 
ſeyn. Die Mitregierung der Landſtaͤnde und ihr Verlangen nach Ruhe, hatten da W 
1 ran den meiſten Antheil. Polen allein hatte Vortheile. Denn es war bereits ein > 
fſtarkes Heer Soldner zum Beſten des Ordens aus Meiſſen, Lauſitz, Schleſien und 
I andern deutſchen Landſchaften angekommen, die aber jetzt zu nichts gebraucht werden 
"  Eonten, ob ſie gleich viel Unkoſten verurſachten. Man nahm blos dem von Manteu⸗ 
1 fel Poltzin durch fie wieder ab, wovon er ſich vorher bemaͤchtiget hatte g). Gleich 
nach dem Waffenſtillſtand ſtarb 1434 Jagello. Er hatte feinem aͤlteſten Sohn Wla⸗ 1434. 
1 dislaus die polniſche Wahlſtimmen bereits durch Abtretung vieler Rechte der Regen⸗ 
1 ten erkauft, ſo wie ſeine eigene Krone dem lithauiſchen Großherzogthum den Ver⸗ 
1 kauf der Unabhaͤngigkeit zugezogen hatte. Nach des Jagello Tode entſtunden in Po⸗ 
len Unruhen, welche gewiß dem Orden Vortheile verſchaft Hätten, wenn folcher durch 
den Waffenſtillſtand ſich nicht bereits die Hände gebunden. Doch bedienete ſich der 
1 Hochmeiſter derſelben die Johanniterritter zu beſtrafen, welche den Polacken beigeſtan⸗ 
1 den, und dem deutſchen Orden aus Zantoc vielen Schaden zugefuͤgt hatten. Paul 
dog denen Johanniterrittern Quartſchen und andere Guͤter ein, gab ſie aber doch 
* auf Vermittelung des Kaifers und anderer Fuͤrſten durch einen Vergleich in Ma⸗ 
* rienburg wieder zuruck 5). Der Kaiſer bezeigte uͤber den geſchloſſenen Stillſtand den 
* Auſſerſten Unwillen, und erklärte ſelbigen nicht nur für ungültig, ſondern verlangte 
ausdruͤcklich, daß der deutſche Orden dem Suidrigello Beiſtand leiſten ſolte, fü wie 
er und andere Benachbarte thun würden. Denn Suidrigello ruͤſtete ſich wirklich zu 
10 einem neuen Kriege. Aber der Hochmeiſter und die Landſtaͤnde verlangten vielmehr die 
Beibehaltung der Ruhe, und ſchickten erſt den Comthur von Rheden Johann Pom⸗ 
mersheim, nachher chen denſelben, und den Henrich von Plauen Comchur von El, 
bing, endlich den Comthur von Chriſtburg Canitz, den Sigmund von Wapels vom 
tandadel und den culmſchen Buͤrgermeiſter Stertz an den Kaifer ab, um ſolchem die 
nothwendigen Urſachen anzuzeigen, die den geſchloſſenen Waffenſtillſtand angerathen. 
Der Kaiſer blieb aber beftändig auf feinem Kopf ). Hingegen wolte ſich auch der fans 
desrath in Preuſſen, zu keinem neuen Kriege verſtehen, vielmehr machte man auf dem kands 
tage zu Elbing am Sonntage Septulagefimä verfihiedene Landesgeſetze. Man ber 
ſchloß 1. daß der Gottesdienſt und die Feſttage beobachtet. 2. In der Kirche und auf 
dem Kirchhofe nichts verkauft. 3. Keim Wucher getrieben, Meineid gethan, oder 
Maaß, Gewicht und Speife und Getraͤnk verfaͤlſcht. 4. Keine Ungerechtigkeit ers 
— ſondern 5. jeder bey feinen Rechten gelaſſen. 6. Die Kaufleute der Schulden 

gene W 5 Die e in Handelsſachen mit den Kaufleuten gleich 
8 an ö 11 behan 


e dt E i. ert N | 
2 Cont. Dusb. S. 44 n | \ 
Bee > Dent e Kronkfurt z 1737. S. so. 


p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. O o 


1434. 


290 Geſchichte von Preuſſen. 

behandelt werden ſolte. 8. Die Herrſchaft ſoll den Kaufleuten keinen Eintrag thun. 
9. Vielmehr ſich alles Handels enthalten. 10. Wenn die Getreldeausfuhren verboten wor⸗ 
den, ſoll ſolches alle angehen, und allen zugleich die Ausfuhre wieder erlaubt werden. 
ar. Die Kaufleute ſollen alle erlaubte Straſſen fahren duͤrfen. 1e. Kein Ordensge⸗ 
bieter ſoll jemand verhindern das Getreide zu Markt zu fuͤhren. 13. Der Orden ſoll 
keinem Gaſtwirth oder Handwerksmann, auſſer in Städten zu wohnen erlauben. 14. Al 
le Stadtobrigkeiten follen auf ordentliche Art gewaͤhlt, und keiner von dem tandesherrn 
geſetzt werden. 15. Landeskinder ſolten vor den Fremden in des Ordens Bedienungen 
einen Vorzug haben. 16. Es ſoll niemand zur Verantwortung gezogen werden, wer 
vor dle Unterthanen zu ihrem Beſten das Wort führer. 12. Das culmiſche Maaß 
ſoll durchs ganze kand gelten. 18. Fremde Pferde ſollen nur einen halben Tag und 
eine Nacht in des Ordens Haͤuſern geduldet werden. Der Orden hat zwar den Bor 
kauf derſelben, darf ſolche aber nicht wieder verkaufen. 19. Keine Rechts händel follen 
von den ordentlichen Gerichten vor die kandesherrſchaft gezogen werden. 20. Niemand 
foll gegen feine Gläubiger geſchuͤtzt werden. 21. Die Strafgelder follen nicht zu hoch 
angeſetzt werden. 22. Was auf dem Landtage beſchloſſen, ſoll nicht anders als mis 
Genehmigung der Stände vom Hochmeiſter und feinen Gebietern geandert u werden. 
23. Die Städte dürfen die Bauren nicht höher richten, als um einen halben guten Vier / 
dung, wer mehr an fie zu fordern, muß an gehörigen Ort gegen fie klagen, und er 
Hält unverzuͤgliche Gerechtigkeitspflege. 24. Keine teibeigene darf man irgendwo am 
nehmen, wenn fie nicht mit gutem Willen ihrer Herrſchaft weggezogen. 25. Der 
Hochmeiſter und Praͤlaten ſollen die ausgekauften adelichen Guͤter wieder an andere vet 
geben. 26. Jeder ſoll vor dem geiſtlichen oder weltlichen Richter klagen, wo der Der 
klagte hingehoͤret, und die geiſtlichen Gerichte haben vor den weltlichen nichts voraus. 
27. Niemand ſoll an Sonn- oder Feſttagen zu Frohndienſten angehalten werden. 
28. Es ſoll ein allgemein Landgericht jährlich zu bequemer Zeit gehalten 

29. Niemand ſoll ohne vorhergegangenen gewöhnlichen Rechtslauf an leib oder € 
geſtraft werden. 30. Fleiſcher follen nicht auf den Markten Vieh be unt 
kein Geiſeler Vieh in den Städten kaufen oder verkaufen ein ganzes Jahr durch. au. 
ner foll im lande herum reifen, um den Vorkauf auszuuͤben, ſondern alles auf dem 
Markte gekauft werden A). Der Orden hat in den folgenden Zeiten dieſe zeſetze nicht 
gen au beobachtet, und dies vermehrte die Klagen des Landes gegen denſelben. 
mals fieng bereits die Hanſe an, ſich ihrem Verfall zu nähern, ſonderlich da 
derlaͤndiſchen Städte unter ihren Landesherrn aus dem Haufe Bur 

del zum Abbruch anderer Hanfeftädte zu heben, auch England ſich mehr au 
del zu legen anſieng. Die Hanſe ſuchte ſich damals durch den deut en zu 
helfen, und von dieſer Zeit an erſuchte ſie den Hochmeiſter Paul von 
Geſandtſchaften ſich ihrer gegen Daͤnnemark, Norwegen, Schweben, England, 
Holland, Seeland und Flandern anzunehmen. Ich debe duc abe eit 


k) Schüg ſ. 123. Pr. Liefr. S. 668 f. N 00 Fe? — 
b 32 
8 


Paul Bellizer von Rusdorf. 291 


1 Staatsfehler begangen, daß er ſich in dieſes Geſchaͤfte gezogen, welches ihm auswaͤrts 1434. 
ir eben keine Freunde verſchaffen konte, da ſich die Hanſe oft der landſtaͤdte gegen deren recht / 
| mäßige Oberherren angenommen, und allen Handel in Europa als ein ihr zuſtehen⸗ 
des Eigenthum anſehen wolte. Well aber damals die gröſſern preußiſchen Städte, 

welche zur Hanſe gehöreten, im groſſen Landesrath viel zu ſprechen hatten, fo ward 
das Anſuchen der Hanſe angenommen, und Paul von Rusdorf fertigte ihr zugefallen 

eine Geſandtſchaft nach England und in die Niederlande ab. Die Hanſe nahm ſo⸗ 

gar den Hochmeiſter zu ihrem Schutzherren an, der ſeit der Zeit in die allgemeine Ge⸗ 
ſchaͤfte dieſer Bundesgenoſſen groſſen Einfluß hatte, bis er ſich hernach in den groſſen 

Krieg ver ſahe, wodurch er auffer Stand kam, ſich ſelbſt, geſchweige andern, 

zu helfen 1). b an i 


7 §. 182. : 
Damals beruhete das Vernehmen mit Polen auf dem mit dem vorigen Könige Ewiger frie⸗ 
Jagello gefehfoffenen zoöffjährigen Waffenſtillſtand. Es wurden 1435 mit dem neuen 5 Polen 
Könige Wladislao, des Jagello Sohn, manche Unterhandlungen, den Stillſtand in einen es 
Frieden zu verwandeln, gepflogen. Weil aber Polen darauf beftund die halbe Fluͤſſe 
Drewen, Weichſel, Netze und Warthe, fo weit ſolche an das Ordensgebiet flof 
fen, zu haben, fe daß ihnen die freie Schiffahrt bis in die Mittelmark und die Oder 
zuſtuͤnde; fo konte ſich der Orden hiezu anfaͤnglich nicht verſtehen, beſonders well der 
Kaiſer Sigismund damals die Guͤltigkeit des Waffenſtillſtandes aus dem Grunde 
anſochte, weil ohne ihn der Orden denſelben nicht treffen können. Viele Gebieter 
und Ritter waren wirklich nicht abgeneigt, lieber einen neuen Krieg zu wagen, als 
der Polacken Forderungen einzugehen. Der Hochmeister wolte wenigſtens ſich in Nils 
ſtung ſetzen, um ſeinen Vorſtellungen in den Unterhandlungen einiges Gewicht zu ver 
ſchaffen. Aber ſeit Henrichs von Plauen Entſetzung hatte der Orden denen Stäns 
den, und ſonderlich denen Städten zu viele Gewalt eingeräumt. Die letztern weiger⸗ 
ten ſich ſchlechterdings zu denen Kriegsruͤſtungen die Hand zu bieten, weil im Waffen 
ſtillſtand beliebet worden, daß die Unterthanen desjenigen Theils, der denſelben bre⸗ 
chen wuͤrde, keinen Beiſtand leiſten ſolten. Sonderlich war Johann Stertz, Buͤr⸗ 
germeiſter von Culm biebey ſehr gefhäftig. Er ward beſchuldigt, daß er überall ſich 
verlauten ließ: „der Orden könte wohl Frieden haben, wenn er nur friedfertiger geſinnt; 
der Widerwillen des Kaiſers gegen den Waffenſtillſtand könte deſſen Guͤltigkeit nicht 
heben; die Ordensbefehle wegen der Kriegsruͤſtungen wären ohne Vorbewuſt der fand+ 
fande gegeben, gleich als ob der Orden land und Staͤdte nicht mehr haben wolte; es 
wliaͤre beſſer künftig nichts in öffentlichen Angelegenheiten als mit eintraͤchtiger Bewilligung 
der landſtaͤnde zu thun. „ Der Hochmeiſter ſahe die Folgen dieſer Reden eines angeſehe⸗ 
nen Mannes wohl ein, und was ſolche vor einen Einfluß auf den gemeinen Mann 
haben könten. Er ließ daher den Stertz ah einziehen. Es nahmen ſich aber 
N 0 2 - feiner 


. D Schuͤtz f. 124. 125. 126. de Behr Res Meckl. p. 620 ſ. Willebrand Hanſeſche Chronic. 
Th. 1. ad h. a. 


2 S en ai 


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1435 


1436. 


292 Geſchichte von Preuſſen. 5 
feiner die übrigen Städte fo angelegentlich an, daß Paul vor gut befand, den Sefan 
genen wieder in Freiheit zu ſetzen, um mehrere Zwietracht zu verhindern. Das Be⸗ 
tragen der Städte noͤthigte auch wirklich den Orden zu einem Frieden naͤher zu treten, 
da ohnedies der Kaifer in Böhmen immer fo viel zu thun fand, daß auf ee 
gegen Polen keine Rechnung zu machen. Zu dem Ende ſchloß der 
dem leslauiſchen Biſchof einen vorläufigen Vergleich. Dieſer Praͤlat 3 a 
Danzig auf dem Biſchofsberge ein eigen Haus gehabt. Weil unter Mi 
gierung in damaligen Unruhen mit Polen ihm als einem polniſchen Reichs ſtande nicht 
zu trauen, befahl Michael den Danzigern dieſes Haus zu zerſtören. Es befolgten 
die Bürger deſſen Befehl. Hieraus entſtand ein ſchwerer Streit mit dem Biſchof, der 
die Sache beſonders auf der Baſeler Kirchenverſammlung ſtark betrieb. Damit aber 
dieſe Angelegenheit keinen Einfluß in den Frieden mit Polen haben ſolte, fo. verglich 
ſich der Hochmeiſter mit dem Biſchof dahin, daß der letztere für fein Haus 1200 ums 
gariſche Gulden und ein Stück breslauiſches kacken bekommen ſolte. Nun verlangte 
twar der Orden, daß die Stadt Danzig, weil fie des Biſchofs Haus Par 
auch die Verguͤtung zu thun übernehmen muͤſte. Weil aber dieſe Stadt erwies, 
ſolches auf hochmeiſterlichen Befehl geſchehen, ſo muſte der Orden ſelbſt dieſe If de 
nehmen. Die Ulnterhandlungen mit der Krone Polen wurden indeſſen fortgeſetzt. End ⸗ 
lich kamen dieſelben 1436 zu Breſt zum Schluß, ſo daß zwiſchen Polen und — 4 
ein fo genannter ewiger Frieden getroffen wurde. Unter andern wurde darin veſtgeſetzt. 
1. Daß kuͤnftig zu ewigen Zeiten kein Theil gegen den andern feindlich handeln, > fons 
dern ſich vielmehr in feinen beſtimmten Grenzen ruhig verhalten folte, 2. 
le Unterthanen haben die Freiheit ungehindert aus des einen lande in des a an,, 
ben. 3. Auch ſoll kein Kaufmann des einen Theils im Lande des andern um irgend 
einer Urſache oder Schuld angehalten oder verhindert werden. 4. Wurde ein d „ * 
gener Fuhrmann den Zoll verfahren, ſo ſoll blos der Fuhrmann an feinem Eigent n 
geftraft werden, ohne daß man ſich an deſſen geladenen Waaren halten töne. 
beiden Seiten ſolten keine neue Zölle angelegt, ſondern die neuerlich e 
mehr abgeſchaft werden. 6. Den Ordens Kaufleuten ſoll durch am Dan, € 
thauen und zugehörigen fanden mit ihren Waaren zu lande und Waſſer elne un 
te Fahrt verſtattet werden, wohin fie wollen, ohne fie ihre Waaren hie od 1 
verkaufen zwingen zu konnen, wenn fie nur die alten Zölle berichtigen. 5 0 des Or⸗ 
dens Buͤndniß mit dem Suidrigello ſoll aufgehoben ſeyn. 8. Den polniſchen! 
fen und Geiſtlichen ihre Rechte in den Ordenslanden verbleiben, auch it 
was ſie in denen vorigen zwey Jahren nicht erhalten, vom Orden künftige S 
zahlt werden. 10. Das dem Biſchof von Leslau in Danzig abgerifiene 8 
ihm mit Gelde verguͤtet. un. Die Neumark verbleibt dem Orden, hingeg 
fer Meſſau und 1. die halbe Fähre der Weichſel bey Thorn an Polen u 
fenig verbleibt dem Orden. 14. Alle die zur andern Parten in dieſen res 
ten, werden begnadiget. 15. Die Grenzen beſtimmt. 16. um ale in tige € Strel⸗ 


— * 


Paul Bellizer von Rusdorf. 293 


tigkeiten zu heben, ſollen alle zwey Jahr gewiſſe Schiedsleute zuſammen kommen, dar 1435. 
von die polniſchen der Orden, die preußiſchen der König erwaͤhlen ſoll. 17. Jeder neue - 
König: oder Hochmeiſter foll inner halb einem Jahr nach Antrit feiner Regierung, und jedes 
Theiles Raͤthe alle 10 Jahr in Gegenwart der Geſandten des andern Theils dieſen Frie 
den beſchwören und beſtaͤtigen. 18. Die Unterthanen ſolten ihrem Herrn nicht Bei⸗ 
ſtand leiſten, der dieſen Frieden brechen wolte. Dieſer Friede kam den letzten Tag 
im Jahr zur Richtigkeit. Der König Wladislaus, der Großfuͤrſt von Lithauen 
Sigismund und der Hochmeiſter beſchworen ihn fuͤr ſich und ihre Nachkommen. Die 
Unterthanen ſtellten ebenfals ihre Genehmigungsurkunden aus, welche uͤberdies bey 
dieſem Friedensſchluß durch ihre Abgeordnete mitgewirkt hatten n). 

n 

Gleich nach dieſem Frieden giengen 1437 die innern Streitigkeiten wieder an. 1437. 
Die Städte beſchwereten ſich bey dem Hochmeiſter hauptſaͤchlich uͤber zwey Stuͤcke. Es Der orden 
war bisher die Ausfuhre des Getreides verboten geweſen. Ehe das Verbot aufgeho⸗ r 
ben, hatte der Hochmeiſter einigen aus beſondern Gnaden die Ausfuhre erlaubt. Dar- dig machen. 
uͤber beſchwereten ſich die Kaufleute, obgleich der Hochmeiſter ſich auf die Gewohnheit 

deer vorigen Zeiten ſowol, als darauf berief, daß in den Freiheitsbriefen der Städte davon 

nichts beſonderes ſtuͤnde. Zugleich rückte er denen Städten vor, wie wenig Huͤlfe fie 

dem Orden in den vorigen Kriegen geleiſtet. Eben ſo wenig konten die Unterthanen 

mit ihren Klagen uͤber die neuangelegten Zölle etwas ausrichten, da der Hochmei⸗ 

ſjter ſich damit entſchuldigte, daß der Zoll zur lahmen Hand zur koſtbaren Erhaltung 
des Dammes, und der zu Marienburg zu Erhaltung der koſtbaren Nogatbruͤcke 

nothwendig ſey. Er wolte zwar den Städten die Zölle ſelbſt zu erheben einräumen, 

wenn ſelbige dagegen den Damm und die Bruͤcke erhalten wolten. Weil dieſe aber ſich 

hiezu nicht verſtehen wolten, ſo blieben die gemeldten Zölle nicht nur, ſondern wurden 

uͤberdies noch erhöhet 1). Auch mit denen Meiſtern in Liefland und Deutſchland 

hatte der Hochmeiſter Verdruß. Jener wolte den ewigen Frieden nicht annehmen, 

ſondern ſetzte den Krieg mit Liefland vor den Suidrigello, obgleich zu groſſem Scha⸗ 

den von Liefland, fort 0), Eben fo widerſprach der Deutſchmeiſter dem Frleden,— 

weil der kaiſerliche Hof davon nichts wiſſen wolte. Es gieng zwar der Kaiſer Gigs 

F. Tode ab, und ſein Schwiegerſohn Erzherzog Albrecht folgte 1438 ihm in 1438. 

Ungarn ſowol als in der Regierung des deutſchen Reichs. Aber mit der Nachfol⸗ 

ge in Boͤhmen gieng es nicht ſo ruhig zu. Der verſtorbene Sigmund hatte ihm zwar 

dieſe Krone gleichfals zu verſichern geſucht. Dem ungeachtet erfolgte unter denen böh⸗ 

miſchen Staͤnden Uneinigkeit. Die meiſten unterwarfen ſich dem Albrecht. Viele 

Hußiten, die mit dem Vergleich, der ihrer lehre wegen mit der Baſeler Kirchenver⸗ 

hr: ſammlung geſchloſſen, nicht zufrieden, oder dem Albrecht deswegen nicht gewogen, 

an cn O o 3 weil 

Schütz f. 127. 407. 408. Leo S. 250, Privil. pruſſ. N 

9 Schutz f. 1. 9 Schuͤtz f. 123 


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EN FETTE ET FE 


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294 Geſchichte von Preuſſen. et 


1438. weil er unter der vorigen Regierung alles zu Unterdruͤckung ihrer Partey angewendet 
hatte, verlangten ein ander Oberhaupt. Sie fielen zuletzt auf des Königs von Polen 
Bruder Caſimir, der auch mit polniſcher Huͤlfe in Schleſien einzubrechen ſuchte. 
Albrecht wünfchte daher daß die Polacken auf der preußiſchen Seite etwas zu thun 
bekaͤmen, und ſuchte den deutſchen Orden, des ewigen Friedens unerachtet, zu Er⸗ 
greifung der Waffen gegen Polen zu bewegen. Sein Geſandter Martin von Bas 
ranow muſte dem Landes rath vorſtellen: Polen ſuchte durch fin Betragen nicht nur 
dem Unglauben Thür und Thor zu öfnen, ſondern auch die Krone Böhmen den Deuts 
ſchen zu entziehen. Weil nun der Orden ein Glied des deutſchen Reichs „von Deuts 
ſchen geſtiftet, und in allen feinen Nöthen Huͤlfe erhalten, auch eigentlich zu Beſchů / 
tzung des Glaubens errichtet, fo wären das alles hinlaͤngliche Urſachen, ſich in eine Gar 
che zu miſchen, die dem Glauben und dem deutſchen Reiche ſo nahe anglengen. Al⸗ 
brecht verſprach dagegen dem Orden gegen Polen beizuſtehen, und die Freiheiten der 
Marianer maͤchtig zu ſchuͤtzen. Der ewige Friede ſey nichtig, weil er ohne Wiſſen, 
ja gar wider Willen des vorigen Kaifers geſchloſſen, und darin verfprochen worden, daß 
der Orden auch denſelben halten wolte, wenn Polen gegen Deutſchland zu Felde gienge. 
Dies konte leicht Deutſchland aufbringen alle Ordenslande einzuziehen, welches for 
denn den Kreuzberren um fo mehr Schaden bringen wuͤrde, weit Polen keinen Frleden 
hielt, und die Kreuzherren hernach Feiner Huͤlfe ſich zu getröſten hätten Doch dies al / 
les half nichts. Der Orden beſtand in ſeiner Antwort darauf: daß er ohne Friedensbruch 
und Meineid ſich in diefe Händel nicht miſchen koͤnte. Seine Macht fey in den vorigen 
Kriegen ganz erſchoͤpft, und ein Mangel an allen Mundbeduͤrfniſſen vorhanden. Der 
geſchloſſene ewige Friede muͤſſe aber um fo mehr bey Kräften bleiben, well die ufferfte 
Noth ſolchen erfordert, und der Orden von niemand Huͤlfe und Rettung erlangen kon · 
te. Eben der vorige Kaiſer ſey an dem meiſten Ungluͤck des Ordens Schuld, da er Dem 
ſelben viel verſprochen, wenig gehalten, und ihn immer ſtecken laſſen. Der 1 
ſey mit theuren Eiden beſtaͤtiget, die man halten muͤſſe, und die Chriſtenhelt Habe 
mehr Vortheile davon, daß der Orden feine auſſer Deutſchland liegende tänder in Rus 
he behielt, als bey entſtandenem Kriege verlöre, weil ſodenn nach dieſer uͤberſtiegenen 
Vormauer der Chriſtenheit die Unglaͤubigen ungehindert ſelbſt in Deutschland einbre, 
chen konten. Eben diefe Vorſtellungen machten dem Kaiſer des Ordensgeſandten, wel 
che nach Breslau an den Albrecht abgeſchickt wurden. Allein der kalſerliche Hof 
ſchickte abermals den Marggrafen und brandenburgiſchen Churprinzen Johann d 
Goldmacher nebſt einem Rechtslehrer und Domherrn von Worms nach Preuffen, 
die nebſt denen Briefen des Kaiſers auch von ſechs Churfuͤrſten Briefe dem Order 
brachten, und alles mögliche vorſtelleten, den Orden zu bewegen, den Frieden zu brech 
da ſolcher gegen das Reich, Kirche, Papſt und alle Rechte liefe. Aber der Bi 
Ermeland muſte dieſer Geſandtſchaft im Namen des Hochmeifters eben die vorlgen Gründe 
anführen. Der Marggraf ftellete zwar vor, der Orden ſey ein Neichsglied, und muͤſſe ber 
denken, daß er kuͤnftig auch von den Deutſchen verlaffen werden möchte, olen nach 


Paul Bellizer von Rusdorf. 295 


feiner Gewohnheit auch dieſen Frieden brechen und Preuſſen angreifen wurde. Allein 1438. 
des Marggrafen Johanns Worte halfen weniger als ſeines Bruders Marggraf Ar 
brechts Schwerd. Dieſer fochte vor den Kaiſer in Schleſien ſo gluͤcklich, daß Ca⸗ 

ſimir mit denen Polacken und denen ihm geneigten Böhmen nichts ausrichten kon⸗ 

te, bis der Kaiſer 1439 in Ungarn mit Tode abgieng. Seine Gemalin brachte erſt 1439. 
nach feinem Tode den Prinzen Ladis laum zur Welt. Dies hatte den Erfolg, daß 

die Böhmen ihr Reich zu regieren gewiſſen Statthaltern, dem von Neuhaus, und 

dem von Podiebrad bis zu Ladislai vogtbaren Jahren anvertrauten, von denen 
Georg von Podiebrad bald die kandesregierung allein an ſich zog. Die Deutſchen 

wählten den ſchlaͤfrigen Friedrich, einen Vetter des vorigen Kaiſers, zum Oberhaupt 

des Reichs. Ungarn aber war mit ſich ſelbſt uneins. Einige Groſſe dieſes Reichs 

krönten zwar ſchon den Ladislaum in Mutterleibe, und blieben nach feiner Geburt auf 

feiner Seite. Die meiften aber hielten dafür, daß die Regierung eines Kindes dem 
ungariſchen Reich mehr Schaden als Vortheil bringen wuͤrde. Sie fielen daher auf 

den polniſchen König Wladislaum, der feine polniſche Macht mit der ungariſchen 
vereinigen könne, und damit die ungariſchen Lande ſonderlich gegen die Tuͤrken am 

beſten zu beſchuͤtzen im Stande ſey. Ihm trugen fie daher wirklich die ungariſche 
Krone an, der ſelbige, obwol zu feinem nachmaligen gröͤſten Unglück, auch annahm 7). 


9. 184. 


In Preuſſen bedienten ſich die Staͤnde ihres einmal erlangten Anſehens immer In Preuſſen 
mehr die Gewalt des Ordens, die bisher oͤfters ſchwer gemißbraucht worden, noch entſtehen 
mehr einzuſchraͤnken. Der Orden im Gegentheil ſuchte das Anſehen der Stände zu 3 
unterdruͤcken, und bediente ſich dabey der haͤrteſten Mittel. Hieraus muſte zuletzt ſchen dem or⸗ 
nothwendig, da kein Theil nachgab, jeder zu weit gieng, und feine Rechte, die er den und uns 
hatte, oder zu haben vermeinte, nicht nur mit Gewalt zu handhaben, ſondern auch Pe 
zu vermehren geſinnet war, ein innerlicher Krieg ausbrechen. Die Städte machten 
hiezu den Anfang, und verlangten vom Hochmeiſter bey ihren Rechten, der Verſiche⸗ 
rung gemäß, gelaſſen zu werden, die Paul bey Uebernehmung der Regierung gethan. 

Da aber der Pfundzoll und andere unter feiner Regierung angelegte Zölle mit ihren 
Rechten ſtritten, ſo verlangten fie, daß ſolche abgeſtellet wuͤrden. Der Hochmeiſter 
antwortete, daß die Freiheiten, die fie anführten, blos aus der culmſchen Handveſte 
herruͤhrten, die nur den Ländern zwiſchen der Drewenz, Weichſel und Oſſa gege⸗ 
ben waͤren. Er wiſſe ſeine Rechte eben ſowol, und hoffe daß der Pfundzoll bleiben 
wuͤrde. Die Abgeordneten brachten dieſe Antwort an die Staͤdte zuruͤck, welche von 
nun an zuſammen zu halten beſchloſſen, um ſich derer Beſchwerden zu entladen. Auſ⸗ 
ſer dem Pfundzoll beſchwereten fie ſich, daß das Landgericht blos von Ordensperſonen, oh⸗ 
ne die Stände, beſetzt fen), auch, der Abrede gemaͤß, nicht ein jährlicher landtag 
zu Einrichtung der Regierung und Abſtellung der Landesgebrechen gehalten würde, wels 
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1439. 


1440. 


296 GOSiſchichte von Preuſſen. 


chen der Hochmeiſter zu halten Feine kuſt habe; daß des Ordens Bediente Handlung trie 
be, und Paul ſich verlauten laſſen, daß ſolches wohl angienge, und in den 

briefen der Städte der Handel den Städten nie Ausſchlüſſungs weiſe eingeräume ſey;z 
daß der Orden denen Gewerken Siegel erlaubt, unter denen ſie Mitglieder aufgenom⸗ 
men, die das Buͤrgerrecht nicht erlangt; endlich daß denen Fremden aller Handel auf 
dem lande ſowol als auf Wochenmaͤrkten nachgelaſſen würde, und daß der Hochmeiſter 
dieſe Stücke abzuändern völlig verweigert habe. Die Danziger verlangten vom Hoch; 
meiſter beſonders Vorſchriften an den damaligen Großherzog in Lithauen Caſimir, den 
Bruder des polniſchen Königes Wladislai, der keinen aus Preuffen ins Land laſſen 
wolte, damit die bisher in Preuſſen wuͤtente Peſt nicht auch nach Lithauen geſchleppt 
wuͤrde, um die Freiheit, daß den Preuſſen, ſonderlich Danzigern, dem 3 
den gemaͤß, da die Peſt in Preuſſen nachgelaſſen, nach Lithauen zu reifen, unver 

wehrt bliebe. Da fie aber dergleichen Vorſpruch nicht erlangen konten, ſo machte die ⸗ 
ſes bey ihnen gegen den Hochmeiſter noch mehr Erbitterung J). Auſſer dem entſtand 
eine Zwiſtigkelt zwiſchen den Ordensgliedern in Liefland und dem Hochmeiſter. Der 
bisherige Landmeiſter Francke von Kerſchdorf, den unſer Hochmeifter gegen den Wil⸗ 
len der dortigen Ritter eingeſetzt, war mit Tode abgegangen. Seine groſſen Schäße 
hatte Walther von Kerſchdorf nach Preuſſen gebracht. Die lieflaͤndiſchen Ritter 
forderten ſolche als in Liefland erworben zurück, erhielten aber nicht was fie ſuchten. 
Sie wählten ſich daher eigenmaͤchtig einen neuen Landmeiſter ohne des 3 1 
Vorwiſſen, der doch bisher bey Beſetzung dieſer Stelle das meiſte zu ſagen ge 
Die lieflaͤndiſchen Ritter entſchuldigten ihr Betragen damit, daß der Krieg in L 
land eine ſchleunige Beſetzung der Regentenſtelle nothwendig gemacht. Man ve 
ſich endlich, daß dieſe Sache, ſo wie einige Irrungen mit dem Deutſchmeiſter uf 
ner kuͤnftigen groffen Ordensverſammlung zu Marienburg eroͤrtert und entfehlet 
werden ſolten 7). Endlich kam das in der preußifchen Gefehichte unvergeßliche Jahr 
1440 herbey. Sonnabend nach dem Neuenjahrstag kamen die Abgeordnete der Städte 
zum Hochmeiſter nach Elbing. Hier trugen fie demſelben ihr Verlangen vor; 1. über 
das gemeine Gericht und jährliche Verſammlung. 2. über die neuerlichen Zölle. 3. l 
die Mühlen, weil man nicht mehr als die bisher gewöhnliche Mete geben, wi 
Zwangmuͤhlen dulden wolte. 4. Daß jeder Meel und andere Waaren ndert 
Markt fuͤhren duͤrfte. 5. Daß dem Orden der Handel verwehrt wurde. Paul ant ⸗ 
wortete, 1. daß die jährliche Verſammlung der Peft wegen bisher nicht gehalten wer 
den können, und das gemeine Gericht zu ſchweren Streitigkelten Anlaß ge 
2. Daß die Zoͤlle gar nicht gegen die Rechte der Staͤnde liefen. 3. Daß er Be 
ge erwarte, wie die Mühlen Angelegenheiten beigelegt und die Mühlen K N 
halten werden könten, nichts als was ſich gebuͤhre zu fordern, und wurde 
ſeyn, dieſe Sache mit Vorwiſſen der Prälaten beizulegen. . Pfundmehl tür 
nem 1 Markt zu fahren n aber das g konte man nicht erlauben 


7) Schutz f. 134 7) Schuͤtz f. 134. 


Paul Bellzer von Rusdorf. 297 i 


fahren, weil man ja die Muͤhlen mit ſchweren Koſten erhalten muͤſte, und daher die 
Baͤcker in den Staͤdten um ihre Nahrung kaͤmen. 5. Der Handel des Ordens ſey 
nicht den zehnten Theil ſo erheblich mehr wie ehemals, da ſonſt die Gebieter einen 


oder wohl gar zweene Schäffer gehalten, davon ein Schäffer. mehr Handlung getrieben, 


als jetzt alle mit einander. 6. Wenn man ſich beſchwere, daß man beute zwinge ihr 
Getreide in die Ordenshaͤuſer und nicht in die Staͤdte zu fuͤhren, ſo ſey dem Hochmeiſter 
ſolches nicht bekandt, und erbiete er ſich, ſolches aufs kuͤnftige abzuſtellen, wenn es er⸗ 


wieſen werden konte. Allein die Abgeordneten der Städte verlangten eine entſchelden⸗ 
de Antwort: ob er das fand bey denen Freiheiten laſſen wolle, die es bey Antritt feiner 


Regierung gehabt, da land und Staͤdte ihm unter dieſem Beding die Huldigung geleis 
ſtet, und ob er den Pfundzoll und andere neue Zölle nebſt andern Beſchwerden abthun 


wolle, oder nicht. Der Hochmeiſter fand ſich darüber aͤuſſerſt betreten. Er blieb bey ſei⸗ 


ner vorigen Antwort und zeigte, daß ohne die Zölle die allgemeine Ausgaben nicht bes 
ſtritten werden koͤnten, ohne fonft ſchwere Auflagen zu machen, die dem lande nicht 
gefallen wuͤrden. Es ſey die Abaͤnderung dieſer Sache von der Beſchaffenheit, daß er 
ſolche ohne Belrath anderer nicht verſprechen konte. Wenn ſie nach Eid und Pflicht 
handeln wolten, fo konten fie ihm nicht einmal rathen den Pfundzoll abzuſchaffen. Die 
Abgeordneten ſagten, daß ſie daruͤber zu Hauſe Bericht abſtatten wuͤrden, und ver⸗ 
langten, daß der Hochmeiſter einen allgemeinen Landtag anſetzen möchte. Paul vers 
ſprach ſolchen nach Oſtern auszuſchreiben. Dies fiel den Mißvergnuͤgten zu lange, und 


dieſelben beſchloſſen, wenn nicht eher ein kandtag zuſammen kaͤme, ſo wolten fie ſich 
wegen einer Zuſammenkunft einigen. So hohe Urſache nun die Ordensglieder auch 


immer hatten, bey dieſen Ausſichten in der genaueſten Einigkeit zu bleiben, war 


doch niemals unter ihnen mehr Streit und Zaͤnkereien, als jetzo. Der Hochmei⸗ 
ſter lebte nicht nur mit denen Landmeiſtern in Liefland und Deutſchland in ſchwe⸗ 


rem Miß vernehmen, ſondern in Preuſſen ſelbſt war das Reich mit ſich ſelbſt uneins, 


und muſte daher untergehen. Die oberdeutſchen Ritter, welche den gröften Haus 


fen ausmachten, beſtunden durchaus darauf, die Miederdeutſchen von allen Bedienun⸗ 
gen auszuſchluͤſſen. In allen Rittereonventen lieſſen ſie ſich ſolches nicht nur deutlich 
genug merken, ſondern ſprachen davon ſogar öffentlich als von einer ſchon berechtigten 


@ Sache, oder ſchrleben an die Thuͤren den bekannteu Spruch: Hier kann niemand Ges 


bieter ſeyn; er ſey denn Schwab, Bayer oder Fraͤnckelein. Eben dieſe hatte ſchon 
bisher ſeit Henrichs von Plauen Zeiten alle Ehrfurcht gegen ihre Obern bey Seite ge⸗ 
fest} und Paul von Rusdorf konte keine beſſere Begegnung erwarten. Sie hatten 


bey aller Gelegenheit das Land und die Unterthanen gedruckt, und dadurch den Haß gegen 


die Ordens herrſchaft vermehrt. Dies letztere hatte gemacht, daß der Landadel und 


Städte uͤber den Orden groſſe Klagen führten, und die ganz verfallene Zucht der Ritter 
verſchloß, alle Wege zur Huͤlfe. Seit Ulrichs von Jungingen Zeiten war alles in Preuſ⸗ 


fen in einer Gehrung. Die groſſen Staͤdte, der landadel und die Prälaten ſuchten ſich 
einer Mitregierung zu bemaͤchtigen, und es gelung ihnen zum gröften Verdruß der Or 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Pp dens⸗ 


1440. 


298 Geſchichte von Preuſſen. 
1440. densgebieter, die bun Staͤdten und andern Staͤnden, um ſie zur Mitrirkung gegen 
Henrich von Plauen zu vermögen, vieles einraͤumeten, aber wenig zu halten gedach⸗ 
ten. Weil nun der Orden ſich der Staͤnde Mitregierung zu entſchuͤtten ſuchte, 2 . 
dadurch zu groſſen Klagen neue Gelegenheit gab, ſo hielt der Hochmeiſter 5 
das zutraͤglichſte, den gelindeſten Weg zu gehen. Aber die Gebieter und Mae hen 
ten ganz andere Maaßregeln ſich vorgeſetzt. Sie verlangten von ihrem 
gewaltthaͤige Mittel. Darüber kam es zu Marienburg zu ſolchen Striigeien, 
die endlich zu Thätigfeiten ausbrachen. Da der Hochmeifter alt und ſchwach, fo Pr 
fen die Ritter ſich merken, daß fie feinem Tode mit Verlangen entgegen ſehen, ER; 
fich der Mitregierung der Stände zu entledigen. Man fegte die ſchuldige 0 
fer gegen den Paul bey Seite, daß dieſer Herr vor feine Perſon ſich nie me 
ſicher hielt. Das was mit Henrich von Plauen und Michael Kuchmeſßer 
Sternberg geſchehen, lehrte ihn auf ſeiner Hut zu ſeyn. Ehe ſich feine Gebiet 
Ritter es verſahen, ließ er ſich heimlich auf einem Schlitten nach dem 
den ı6ten Jan. abfuͤhren, um ſich durch die Stände ſonderlich Staͤdte gegen fi 
gehorſamen Ritter zu ſichern. Er ließ den Stadtrath zu ſich fordern. Aber ı 
Henrich von Plauen Zeiten geſchehen, und die ungewohnliche heimliche 2 
Hochmeiſters, deren Urſache die Stadt nicht wuſte, verurſachte in Danzig 
wohl ungegründete Furcht. Die Bürger kamen gewafnet zuſammen, und 
ſich, daß ſie die Rathsperſonen der Gefahr aufs Schloß zu gehen nicht ausfegen, 
Sie ſchlugen die heilige Geift+ Kirche vor, wo der Hochmeifter mit den Rath 
ſich beſprechen ſolte. Die Noth vermochte den Hochmeiſter nachzugeben. Er ji 
klagte feine Noth, verſprach auch den Ständen, und ſonderlich den Stoͤdten 
Geſuch beförderlich zu ſeyn, um nur durch ihren Beiftand ſich für denen Order 
ſichern zu konnen. Nun ſchrieb er auf den Tag Priſcaͤ einen landtag nach 
aus. Die groſſen Städte ſchickten ihre Abgeordneten dahin, die ſich unter eine 
nau zuſammen zu halten verbanden. Weil aber die uͤbrigen Landſtaͤnde nicht 8 
nug gehabt hier ſich einzufinden, fo ward die Eröfnung des Landtages bis auf 2 
niſcere verſchoben. In der Zeit hatte ſich der lerm unter den Ordensgliedern 
und die Convente von Königsberg, Balga und Brandenburg hatten ihren 


$. 135 
Die klagen Die Uneinigfeiten zwiſchen dem Hochmeiſter und feinen Minen Be de 
des landes vers unter ſich machte auf dem angegangenen kandtage die Landſtaͤnde 
urſachcen end: Klagen auszuſchuͤtten. Es iſt freilich nicht zu leugnen, daß 8 
— zn n en, nach Preuſſen berufene neue Anbauer befondere Beten 
orden. niſſe gehabt, welche eine gelehrte Feder 7) fo hoch als möglich zu t 
Allein die Bern hatten fie ſeit der tannenbergſchen Schlacht e 


7) Schutz f. 11 136. ) Pr. Samml. Th. 3. S. 539.1 567, I. 


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Paul Belltzer von Rusdorf. 2099 


dieſe waten det vornehmſte Gegenftand der Irrungen zwiſchen dem Orden und den 


Ständen. Es iſt gar nicht zu leugnen, daß man daben von beiden Seiten zu weit ge⸗ 
gangen. Die Klagen der Stände kamen theils auf allgemeine Beſchwerden über die 
Drdensregierung, theils auf viele GSewaltthaͤtigkeiten, die in einzelnen Fällen bewieſen ſeyn 
ſolten, theils auf das unregelmäßige üppige Leben der Ordensperſonen an. Nament⸗ 
lich beſchwerte man ſich: 1. daß ohne Willen der Stände und gegen deren Freiheiten 
der Zoll zur lahmen Hand errichtet. 2. Ohne der Staͤnde Vorwiſſen Buͤndniſſe mit 
auswaͤrtigen, als Daͤnnemark, dem Herzoge von Stolpe, und dem Großherzoge 
von Lithauen Suidrigello geſchloſſen. 3. Henrich von Plauen der Hochmeiſter 


und fein Vetter der Comthur von Danzig ohne des tandes Vorwiſſen entſetzt ſeyn, und 
dadurch das Land in unnöthige Kriege verwickelt worden. Eben dies fey 4. die Folge 


des Buͤndniſſes mit Lithauen geweſen, in das der Orden ſich, dem geſchloſſenen Fries 


den zuwider, eingelaſſen. 8. Anjegt ſey der Orden in zwey Parteien getheilt, und 


das band ſey verlegen, ob es ſich zu des Hochmeiſters oder der Gegenparten ſchlagen 
ſolte. 6. Die Gebieter wolten die wohlbefugte Landeszuſammenkuͤnfte als ſtrafbare 
Zuſammenrottirungen hintertreiben. 7. Mänz und Maaß fen gegen das culmiſche 
Recht verringert und verkuͤrzt, und die verſprochene Beſſerung unterblieben. 8. Der 
Pfundzoll fer unbefugt vom Orden erhoben, und nach dem, der Hanſe geſchehenen Ver⸗ 
ſprechen, noch nicht aufgehoben. 9. Der Orden will gegen des jetzigen Hochmeiſters 
Verſprechen den beuten nicht Freiheit laſſen zu mahlen wo ſie wollen, und das Mehl 
zu verkaufen. 10. Gegen die culmiſche Freiheit maſſe ſich der Orden der Erbſchaft 
derer an, die keine maͤnnliche Erben haben, und verwehret denen, die keine leibeserben 
haben, ihre Güter zu veraͤuſſern, als ob er leibeigene leute unter ſich habe. 1. Der 


Hochmeiſter Henrich von Plauen habe den alten Rath in Thorn abgeſetzt, und einen 


neuen eigenmächtig geſetzt, ohne es auf eine Wahl ankommen zu laſſen. 12. Den 
Elbingern würde ſowol die Fiſcherey im Elbing, Drauſen und Hafe, als auch die 


Beſetzung des Thors und der Stadtmauer gegen dem Schloß uͤber, gegen alles Recht 


ſtreitig gemacht. 13. Der Hochmeiſter Henrich von Plauen habe zwey Ritter blos 
aus Haß ohne Urtheil und Recht köpfen, und 14. den dritten im Thurm verfaulen 


laſſen. 15. Der Comthur von Elbing Henrich Gold Habe den Rüdiger Clericke 


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21. Ein Hauscomthur zu Mewe habe polniſche reiſende Kaufleute umgebracht und ge, 
ar BR, | Pp 2 f 


einen Geiſtlichen, der etliche Ritter nach Rom habe vorladen laſſen, in Fiſchhauſen 
mit liſt aufheben und enthaupten laſſen. 16. Eben derſelbe habe einen Faͤhnrich, der 
ſeinen Sold gefordert, aus dem Bette aufheben und erſaͤufen laſſen. 17. Der Com⸗ 
thur von Grebin in Curland babe 16 Geiſtliche, die ihr Recht in Rom ſuchen wol⸗ 
len, unter dem Eife erſäufen laſſen. 18. Der Hochmeiſter Henrich von Plauen das 
be den Johann von Hollen auffangen und ohne Recht enthaupten laſſen. 19. Hans 

icht und der Schultz in Meudenburg wären umgebracht, weil fie gegen den dor⸗ 
tigen Vogt beim Hochmeiſter geklaget. 20. Soft Treberger Treßler auf Marien⸗ 
burg habe den Nickel von Pfeilsdorf einen Ritter ohne Urtheil umbringen laſſen. 


pluͤn⸗ 


1 


1440. 


1440. 


300 Geſchichte von Preuſſen. 

pluͤndert, welches zum polniſchen Kriege ebenfals Gelegenheit gegeben. 22. Wil⸗ 
helm von Stein Comthur von Thorn habe einen Zimmermann umbringen laſſem, 
um deſto ſicherer mit deſſen Weibe in Unzucht leben zu konnen. 23. Jacob Zahn 
koͤnne von dem Orden das nicht bekommen, was fein Vater bey Anlegung des Schloſſes 
Cuͤſtrin in der Neumark verdienet; man habe ihm vielmehr, da er ſolches gefordert, 
noch feine übrigen Guͤter eingezogen. 24. Der Comthur von Danzig habe Danziger 
Rathsherren zu Zeiten des Hochmeiſters Henrichs von Plauen vertaͤtheriſch ermorden 
laſſen. 25. Da dieſer Ermordeten Witwen deswegen bey den Ständen geklagt, wäre 
ihnen ſogar auch ihr Vermögen eingezogen. 26. Die Gerechtigkeit werde nicht unpar / 
teiifch bey den Rittern verwaltet. 27. Die Unterthanen dürften ihr Recht nicht welter 
verfolgen, als es den Rittern beliebte, und pochten dieſelben gegen das culmſche Recht, 
daß fie Herren des Landes und des Rechts waͤren. 28. Der gerichtliche Beiſtand win 

de mit Geld oder Gefaͤngniß beſtraft, der die ihm anvertraute Sache nicht fo führt, 
als es die Gebieter haben wollen. 29. Zu Dorfſchulzen würden die gewählt, welche 
die meiſten Frohndienſte herben ſchaften, und die Schoppen müßten ihr Urtheil fo abfaß 
fen, als es dem Schultz beliebet. 30. Wenn Parteien fich verglichen, fo miſchte ſich 
der Orden drein, und ſtrafte beide Theile als ſolche, die durch den Vergleich ihre Schuld 
bekandt. zr. Wenn der beleidigte Theil gleich dem Beleidlger verziehen und nicht geklaget, 

fo würde doch der Beleidiger geſtraft, und was der Beleidigte ſonſt zur Genugehuung 


erhalten ſolte, nehme der Orden. 32. Wenn die Bauren Hafer nach f 
liefern muͤſten, dürften fie nicht den bringen, den ſie gebauet, ſondern muͤſten ihn theuer 
von des Ordens Bedienten kaufen, wobey ſie bey der Lieferung am Maaß ſowol als 
Gelde einbuͤſſeten. 33. Wer beim Hochmeiſter uͤber Gewalt und Unrecht der Gebleter 
klage und gleich die beſte Abfertigung erhielt, wuͤrde mit Gefaͤngniß beſtraft , des lan ⸗ 5 
des verwieſen, ihm auch wohl feine Habſeligkeit eingezogen. 34. Jaͤhrlich wuͤrden 
neue Frohndienſte und Lieferungen erdacht und damit das Land beſchweret. 35. Die 
Gebieter veränderten allerley Maaß und Gewicht nach ihrem Gefallen, und die Zünfte 
muͤſten ſich von ihnen Vorſchriften machen laſſen. 36. Alle Ordens bedienten 
Handlung, bedienten ſich dabey ungebuͤhrlicher Frohndienſte, und übten den Vorkan 
aus. 37. Die Gebieter kauften ſonderlich den Winter durch Korn und kn w 
feil auf, und verkauften beides im Fruͤhjahr den Unterthanen weit theurer. N 
Frühjahr duͤrfte kein Schif mit Waaren beladen eher in die See ſtechen, bis 25 = 4 
dens Waaren verſchift wären. 39. Die Gebieter gaben ihren Unterbeamten nicht mehr 
ihren Unterhalt, ſondern fie muͤſten ſich ſelbſt ernähren, folglich die Unterthanen fehl 
den. 40. Gebieter und ihre Unterbeamten trieben theils in den Conventen, theils 
auſſer denſelben ein aͤrgerliches unzuͤchtiges leben. Schwelgen, Praſſen, Uebermurg 
und Unzucht wuͤrde nicht mehr geſtraft, und kein vereheligt oder unvereheligt frauen - 
zimmer allerley Standes, ſey mehr vor der Verführung und Nochzucht ficher | 
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u) Schüg f. 136 138. In einer geſchriebe⸗ rungsrath Schröter in 5 
nen Ordenschronick, die der ſelige Herr Regie find die Klagen gegen den Orden 00 


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Paul Bellizer von Rusdorf. 301 
Wenn man dleſe Klagen unterſucht, ſo waren ſie zum Theil alt, abgethan und: übers 
trieben, zum Theil aber ſehr erheblich. Das was damals die preußiſchen Staͤnde 
gethan ſtehet mit dem was im folgenden Jahrhundert die Niederlaͤnder gegen Spa⸗ 
nien vorgenommen, in ziemlicher Vergleichung. Aller dieſer Klagen wegen beſchloſſen 
die landſtaͤnde auf Judica zu Marienwerder zuſammen zu kommen, und einen förims 


— 


culmiſche Handveſte beſaget, daß eine ſilberne 
Muͤnze im Lande ſoll gebraucht und gegeben werden. 
Nun iſt eine kupferne im Gange. 2. item Ei: 
ne flamiſche Elle ſoll im Lande gebraucht wer⸗ 
den. 3. Der Hochmeiſter hat das Land um eine 
groſſe Schatzung geſchatzet, die Schatzung iſt ger 
geben, die Muͤnze zu beſſern. Die Muͤnze aber 
iſt nicht gebeſſert worden. 4. Die flamiſche El⸗ 
le damit man das Land mißt, iſt kurzer gemacht, 
alſo daß aus 4 Huben s Huben gemacht, dadurch 
die Ordensherrn mehr Zinſen gemacht. 5. Der 
nenjenigen aus der Mannſchaft die Fiſcherey ha⸗ 


ben, mit dem Klebgarn fuͤr ein klein Gezeug in 


kurzem gewandelt, und ein groß Gezeug gemacht. 
6. item Ein Pfundzoll iſt unter die Landesfreiheit 
aufgeſetzt. . Das Volk im preußiſchen Kin: 


terlande, die Schalaunen genannt, ſollen vom 


Hochmeiſter jahrlich Wartgeld und Korn haben, 
von wegen ihrer Wacht gegen Lithauen. Nun 


fordert der Hochmeiſter das Korn und Wartgeld 


ab. 8. item. Der Hochmeiſter Paul Rußdorf 
hat den Einwohnern zugeſagt, fie möchten mah⸗ 
len, und das Mehl verkaufen wo ſie wolten, dieſes 
die Ordensherrn nicht halte. 9. item Da die Rit⸗ 


terſchaft und Staͤdte wider magdeburgiſches 


Recht beſchweret werden. Denn die Ordensherrn 


wollen erben was ohne Erben abſtirbt, und Schwe⸗ 


ſter und Brüder, ausſchluͤſen. 10. Die Ritter⸗ 


ſchaft, ſo unbeerbet, will man nicht laſſen, ihre 


Guͤter zu verkaufen, oder permutiren, wollen ſie 
vor eigne Leute haben. 11. Die Guͤter ſo die Her: 
ren des Ordens ihren Dienern verlehnen; wenn. 


genommen. 16. Die Elbinger ſollen in allen 
des Ordens Landen Zollfrey ſeyn. Nun wird 
Zoll in Danzig von ihnen genommen. 17. Der 
Hochmeiſter von Plauen hat einen Ritter Nickl 

Reims und einen Eberhart von Bönigebirt 
ohne Urtheil laſſen enthaupten. 18. Der Hoch⸗ 
meiſter von Plauen hat einen Edelmann, genannt 
Svelut, im Thurm laſſen verfaulen. 19. Der 
Comthur von Elbingen Heinrich Saldt hat ei⸗ 
nen frommen Mann Rüdger Clerinck zu Fiſch⸗ 
hauſen bey Nacht aufheben und ertrinken laſſen; 
darum daß er etliche gen Rom hat citirt. 20. Der 
Voygt von Grebin Gofwin Aſchenberg, 
einer des Ordens, hat 24 Perſonen laſſen zum 
Tode richten; darum daß fie wolten den Ordens⸗ 
herren vor dem Papſt verklagen. 21. Der ehge⸗ 
nannte Hochmeiſter hat einen Ritter Johann 
von Dolen in dem Hoſe zum Einſiedel bey 
Brauneberg laſſen enthaupten. 22. Hans Ha⸗ 
ſelicht und der Schultheiß zu Neidenburg find 
an ihrem Leib und Gut, von dem Orden beſchaͤ⸗ 
diget, darum daß ſie Recht wider den Orden ſu⸗ 
chen wolten. 23 Jobſt Treberger Treſeler zu 
Marienburg hat einen Ritter Niklas Pfile dorf⸗ 
fer ohne Urtheil laſſen enthaupten. 24. Der 
Haus Commendator von der Mewe hat in eis 
nem Friede Stande viel Kaufleut mit Weib und 
Kind, fo von Pofen aus Polen waren, laſſen 
tödten, ihr Haab und Gut genommen, als fie 
vom Jahrmarkt von Danzig heimgezogen, dar⸗ 
um der König von Polen das Land uͤberzogen, 
und darin viel Leute beſchaͤdiget. 25. Henrich 


die Diener dieſelben Erbguͤter verkallfen oder fier/” den Plauen als er Comthur zu Danzig war, hat 


ben, da unterwindet ſich der Orden des Geldes, 
llaſſen es nicht an die Erben kommen, ob ſie gleich 


darein verwilliget. 12. Der Hochmeiſter von 


Plauen hat den Raht zu Thorn wider alle Bil⸗ 
ligkeit abgeſetzt, einen andern Raht wider der Stadt 


Freiheit verordnet. 13. Den Eldingern iſt ihre 


Freiheit, im Elbing, Br auſen und friſchen af 


zu fiſchen genommen. 14. Der Orden hat ſich eines 


Theils der Stadtmauer, eines Thurms und Thores 
zum 
15 


Elbing, wider der Stadt Freiheit unterwunden. 
Be ie Stadt Elbing hat das Thor gegen 
den Schloß ſtets geſchloſſen, dies Recht iſt ihnen 


* 


er zu Tiſche geladen Herr Conrad von Letzkaw 
Burgmeifter, Arnold Hecht und Bartel Bros 
ßen Rathmaͤnner zu Danzig, wie fie in gutem 
Vertrauen zu ihm kommen, ſie vom Leben zum 
Tode bringen laſſen. Da man ihn um die Raht⸗ 
mann fragte, wolte der Comter nicht antworten. 
Alsdenn der Hochmeiſter erſucht ward, wurden 
die drey todten Leichnahme herfuͤr gebracht. 27. 
Wilhelm von Stein Comter zu Thorn hat eis 
nen frommen Mann daſelbſt zu Thorn laſſen 
umbringen. Darum daß er mit ſeiner Haus⸗ 
frauen möchte feinen Willen vollfuͤhren. 


lichen Bund mit einander zu machen. Johann von Bayſen der zum Gehelmenrath 


Pp 3 


144% 


302 Geſchichte von Preuſſen. | 
1440. des Hochmeiſters gehörte, beſchloß, lieber feine Gehelmerathsbedienung niederzulegen 
i als aus dem Bunde zu bleiben, wenn beides nicht mit einander beſtehen konte. Die 

Einverſtandenen lieſſen von ihrem Vorhaben den Hochmeiſter durch Abgeordnete be / 

nachrichtigen, und zugleich wiſſen, daß fie ihn bey feiner Macht gegen die Gebieter ſchů⸗ 

ten wolten. Dadurch bewogen fie den Paul von Rusdorf zu einer zu ſchluͤſſenden 

Verbindung feine Einwilligung zu ertheilen. Nach mehreren Unterhandlungen der Ein ⸗ 

verſtandenen kamen viele vom Landadel, gröffern und kleinern Städten am veſtgeſetzten 

Tage Reminiſcere zu Marienwerder zuſammen, und ward das verabredete Bünd⸗ 

niß wirklich aufgefegt und verſiegelt. Der Inhalt deſſelben gieng dahin. Die Bun⸗ 

desgenoſſen verſprachen dem Hochmeiſter und Orden, fo wie den Praͤlaten zu thun, was 
jeder pflichtig; davor foll man aber auch jeden bey feinen Rechten und Freiheiten laſſen, 
die alten Beſchwerden abthun und keine neuen verhaͤngen, ſondern der 

jeden dagegen ſchirmen. Wem Gewalt geſchicht, der foll es dem Hochmeiſter klagen, und * 

wenn der nicht helfe, die Sache bey dem Landrechtstag vorbringen, der zu er 

de jährlich gehalten werden ſolte. Würde auch hier die Gewalt nicht abgeſchaft, fol 
man es den Bundesgenoſſen wiſſen laſſen, welche gegen den Gewaltthaͤter zuſammen hal 
ten, und das unrechtmäßig vergoſſene Blut oder anderes Unrecht rächen ſolten. Der 

Großcomthur, welcher die Vollziehung dieſes Bundes zu widerrathen anlangte, ward 

mit der Antwort abgefertiget: daß er zu fpät angekommen. Durch dieſes Buͤndniß 

Über deſſen Rechtmaͤßigkeit ich nicht urtheilen mag, welches aber die Ordensperfonen 

denen Unterthanen faft abgedrungen, ſuchten die Stände den Orden im Zaum zu hal⸗ ? 

ten. Sie maßten ſich aber zugleich die Unterſuchung der Uscheile ihrer landes her 
ren an. Dies legte den Grund zu groffen Thaͤtigkeiten zwiſchen dem Orden und den 

Bundesgenoſſen, da bereits eine Zeitlang zwiſchen beiden eine bittere geimpft fan 

gefunden x). 


$. 156. / 2 72 


Ueble folgen Der Hochmeiſter ließ ſich nebſt 39 Gebietern und wordensbedlenten theils aus Kung 
des bundes. heit, theils um ſich ſelbſt gegen feine Widerwaͤrtigen zu ſchuͤtzen, den Bund 
Die meiſten aber ſahen ſolchen als einen öffentlichen Aufruhr an, der einen völligen 
Abfall zum Endzweck habe. Sie machten dem Hochmeiſter Vor daß er ſeinen 
Unterthanen, die der Orden mit dem Schwer gewonnen, ſo vielen Willen . 2 

daß fie ihm zu Kopf gewachſen. In der That waren ihre eigene Uebelthaten daran 

am meiſten Schuld, ihre Zwiſtigkeiten unter ſich ſelbſt und ſonderlich ihr Betragen ge 

gen die Hochmeiſter ſeit Henrich von Plauen Zeiten hatten denen Ständen Gelegen 
heit und Muth gemacht, einen Schritt nach dem andern zu wagen. Die Hau 
kam darauf an: ob die Unterthanen mit dem Schwerd erworben; und u 
dungenen blos leidentlichen Gehorſam verpflichtet ſeyn, oder ob ſich die nterthanen alle 
des culmiſchen Rechts zu erfreuen hätten. Es iſt unſtreitig das nd em 


x) Schütz f 39 141. 


Paul Bellizer von Rus dorf. 303 


Schwerd erworben, und nachher unter die neue Anbauer ſowol als alte Einwohner vom 


Orden ausgetheilet worden. Da aber der Orden die culmſche Handveſte einmal geges 
ben, ſo haͤtte er ſolche heilig halten ſollen. Zwar wandten die Ritter ein, daß dieſer 


Freiheitsbrief blos dem Strich landes zwiſchen der Weichſel, Oſſa und Drewenz 


ertheilet worden. Allein ſein Gebrauch war nach und nach auch auf andere Gegenden 
ausgedehnet worden. Die Einwohner von Pommerellen und der Meumark konte 
man nicht mit allen preußiſchen landen vollig gleich halten. Sie waren auf andere Art 


an den Orden gekommen, der auch ihre Rechte und Freiheiten, die ſie von ihren vorl⸗ 
gen Herren gehabt, beſtaͤtiget hatte. Uleberdies hatte der Orden faſt allen Städten Bes 


gnadigungsbriefe gegeben, welche man nicht haͤtte durchlöchern ſollen. Jetzt beriefen 
ſich alle Bundesgenoſſen hauptſaͤchlich auf die culmiſche Handveſte, welche in Preuſ⸗ 
fen alſo eben fo vielen Streit verurſachet hat, als in England der groffe Gnadenbrief 
des Königs Johann 1. Der geſchloſſene Bund theilte alfo das ganze fand in zwey 
Parteien. Was in England Cavaliers oder Torys heißt, oder geheiſſen, waren in 
Preuſſen die, welche den Bund als eine Empoͤrung anfahen, und die Miß vergnuͤg⸗ 
ten oder Bundesgenoſſen waren in Preuſſen das, was die Englaͤnder Rundhuͤte 


oder Whigs nannten. Die meiſten Glieder des Ordens gehörten zur erſten Parten, 


und beſchloſſen, kein Mittel unverſucht zu laſſen, das Buͤndniß zu entkraͤften, und 
die Mißvergnuͤgten wieder zum Gehorſam zu bringen. Der Hochmeiſter mochte bitten 


und befehlen was er wolte, fo druckten fie jetzt, da man billig Gelindigkeit hätte brau⸗ 
chen, und die Bundesgenoſſen nach und nach zu trennen ſich Muͤhe geben ſollen, die 


Unterthanen Überhaupt, und ſonderlich die Bundesgenoſſen ſtaͤrker als vorher. Unter 
andern wurden 17 von Adel, die dem Bunde beigetreten, aufgehoben, und ihre Wohn⸗ 
haͤuſer zum Theil in Brand geſteckt, ohne daß man die eigentlichen Thaͤter erfahren kon 
te. Die Mißvergnuͤgten verbanden ſich hiedurch nur deſto genauer, und da ſie ſich 


auf ihren Bund verlieſſen, begegneten fie dem Gegentheil ebenfals mit Gewalt. Nach 
vlelem Verlangen erhielten fie endlich, daß der Hochmeiſter einen Lan gerichtstag veſtſetzte. 


2 Biſchöfe, 2 Domherrn, 2 Comthurs, 2 Kreuzherren, 2 von Adel aus dem culmi⸗ 
ſchen Gebiet, 1 aus dem oſterodiſchen, 1 aus dem rieſenburgſchen, 1 aus dem ers 
melaͤndiſchen, 1 aus dem elbingfchen, 1 aus dem balgiſchen, x aus dem balgiſchen, 
1 aus dem brandenburgſchen und endlich maus dem ſamlaͤndiſchen Bezirk, 2 aus 
dem pommerelliſchen und die Abgeordneten der Städte Culm, Thorn, Elbing, 
Danzig, Altſtadt Königsberg, Braunsberg und Königsberg Kneiphof waren 
deſſen Beiſitzer. Hier wurden viele Klagen angebracht. Johann von Bayſen klag⸗ 
te gegen den Biſchof von Ermeland wegen eines Sees. Der Hochmeiſter verſprach 
ihm, da er ſchon wirklich von dieſem Rechtstag, auf die Bundesgenoſſen ſich berief, an⸗ 


ſtatt des verlangten Sees doppelte Erſtattung anderwärts. Als aber der von Bay⸗ 


ſen auf ſeinem Kopf blieb, ſo ward ihm der See wirklich zuerkannt. Dieſer gute Er⸗ 


folg zog unzählige Klagen anderer nach ſich über erlittene Gewalt an Ehre, Gut, Leib 
und leben, ohne einen Unterſchied unter alten und neuen Haͤndeln zu machen. Die 


is 


1440. 


1440, 


304 Geſhihe von Preuſſen. 8 


Deifiger des tüldgerchm trenneten ſich. Einige wolten nur die A TE 
welche gegen noch lebende Menſchen, und die unter dem jetzigen Hochmeiſter ver⸗ 
anlaſſet worden. Weil aber die andern noch viel welter giengen, ward Wee 
ze landgerichtstag darüber in groſſem dermen und Verbitterung zerriſſen. 

ten ſich die Städte auch in die Angelegenheiten des Ordens. Der mei 1 
mit den Conventen in Koͤnigsberg, Balge und Brandenburg zerfallen. Dieſe bes 
fuͤrchteten einen gewaltſamen Ueberzug, und beſchloſſen, ſich auf den Fall na 
nigsberg zu ziehen, welche Stadt ihnen Sicherheit zuſagte, und wirklich Volk a u 

Die Städte beſchickten wirklich ihrentwegen den Hochmeiſter, um ihm die Gewa 
zurathen und zu guͤtlicher Unterſuchung zu beſtimmen. Paul leugnete, aß er 
mals Gewalt brauchen wollen. Er ſey vielmehr geneigt, auch gegen die, w 
was verbrochen, mehr Gnade als Recht zu zeigen. Auf Anſuchen der dte 
ſprach er uͤberdies denen Conventen ein völlig ſicher Geleit, ohnerachtet die ( St a 
allem was fie anbrachten, zugleich Drohungen hinzufuͤgten. Dieſer und an „ 
chen wegen ſetzte der Hochmeiſter einen dandtag zu Elbing auf Himmelfahrt an. Hier 
verlangten die Städte durchaus die Abſchaffung des Pfund» und andern Silk, 
ſolche ihren Freiheiten zuwider, indem ſolche nicht von je her angelegt geweſen. 
half keine Vorſtellung, daß der Hochmeiſter anfuͤhrte, daß er und ſein Orden zu die b 
fen Zöllen berechtiget, daß er dieſes fein Recht durch unparteiiſche vereidete 3 N 
Orden und Lande unterſuchen laſſen wolte, daß er Gefahr lief, von den Meifter 
Deutſchland und Liefland abgeſetzt zu werden, wenn er dieſes Recht ohne 
wiſſen ſich nehmen ließ, die er die Zölle blos zum Landes Beſten in offentlichen 
legenheiten verwenden wolle, und zu deren Erhebung Land und Städte mitgez 1 
den ſolten. Auch der Vorſchlag, daß die Zölle blos von Fremden folten erhoben werden, N 
ward nicht angenommen. Kurz der Hochmeiſter muſte die Zölle völlig N 
verſprechen. Die Zwiſtigkeiten zwiſchen dem Hochmeiſter und den drey Ordens con 
ten von Königsberg, Balge und Brandenburg, welche über Abſetzung alte a, un 
Ernennung neuer Ordensbedienten entſtanden, wurden hier auf Anſuchen kand und 
Städte durch Vermittelung des Biſchofs von Ermeland und des Marſchalls 6 Fe 

von Erlichshauſen gluͤcklich gehoben, und zugleich veſtgeſetzt, daß alle fünfeige un 
gen dieſer Art durch den Marſchall und die Comthurs von Chriſtburg, € 7 
Balge entſchieden werden ſolten. Allein die Irrungen mit denen I 
Deutſchland und Liefland, an deren Beilegung bereits im vorigen Safe | 
furt am Mayn gearbeitet worden, konten nicht fo glücklich ausgemacht w 
men zwar der Hochmeiſter ſowol als der Deutſchmeiſter Eberhard von Sm 
tandmeifter von Liefland Henrich Finck von Auersberg mit ihren Comth 
deswegen zu Danzig zuſammen. Aber alle Vorſchlaͤge zum Vergleich w 
bens. Der Hochmeiſter wolte ſie nicht in dieſen Wuͤrden erkennen W 
nen Vorbewuſt gewaͤhlt worden; ſie hingegen hatten den 8 nf 
nung aus der Urſache entſetzt, weil er die Ordensgeſetze verletzt, w ö 


r vr El A a I nt a 
* a > 
‘ . 1. 


Paul Bellizer von Rusdorf. 305 


der Meiſter von Deutſchland und Liefland unter Werner von Orſeln gemacht wa⸗ 1440. 
ren, und weil die Regierung in Preuſſen ſchlecht verwaltet wuͤrde ). 
. ö §. 15 \ 955 
N Paul Bellizer von Rusdorf war alſo auf allen Seiten ein geplagter Mann. Det hochmel⸗ 
Die Bundesgenoſſen verlangten, da fie die Abſchaffung der Zölle erhalten, nun auch ſier dankt ab 
von ihm ihre Übrigen Beſchwerden abzuthun, und fie würden ſolches auch erhalten ba- wm. 
ben, wenn es auf ihn allein angekommen wäre. Allein die Widerſetzung der Ordens⸗ 
gebieter verhinderte ihn daran. Bey dem allen ward er in Deutſchland und Lief⸗ 
land nicht erkannt. Die Ritter in Preuſſen thaten was fie wolten, und eben dies 
galt auch von den Bundesgenoſſen. Des Hochmeiſters gar zu friedfiebendes Gemuͤth 
fdͤuſſerte ſich bey aller Gelegenheit bis zur Furchtſamkeit, und dieſe machte ihm die 
Reegierungsgeſchaͤfte immer eu weil dle Widerſpenſtigen ſolche ER N 
und auf allen Seiten misbrauchten. Paul verzehrte ſich bey dieſen Umſtaͤnden 
5 ſelbſt, und feine Geſundheit litte um fo mehr, da er bereits ein hohes Alter erreicht 
batte. Er beſchloß daher endlich durch Niederlegung feines Amts ſich Ruhe zu ver⸗ 
ſchafſen. Er ſchrieb auf den ten Dec. eine Ordens verſammlung nach Marien⸗ 
burg aus. Hier legte er an dieſem Nicolaitage ſein Amt nieder. Doch iſt wohl 
nicht zu leugnen, daß feine Widerfacher mehr als einmal von feiner Entſetzung geſpro⸗ 
chen haben moͤgen, und dies ihn auch zu der Abdankung bewogen, daher denn auch ei⸗ 
nige vorgegeben, daß er ſeiner Wuͤrde entſetzt worden. Er muß bey der Gelegenheit 
| viel Aergerniß gehabt haben. Denn etliche Tage darauf rührte ihn der Schlag. Und 
doch wolte er ſich fo lange nach Koͤnigsberg begeben, bis alles in Raſtenburg vor ihn 
eingerichtet ſey, wohin er ſich zu wenden, und feine Tage daſelbſt zu beſchlieſſen, ſei⸗ 
ne Meinung war, daher auch bereits verſchiedene Wagen mit ſeinem Geraͤthe dahin 
abgegangen. Als er aber feine Reiſe antrat, ſtarb er den ꝛ9ſten Dec. zu Elbing, und 
ward in der hochmelſterlichen Gruft zu Marienburg beerdiget. Er wird beftändig 
ein Belſpiel bleiben, daß ein gar zu nachgebendes Gemuͤth keiner ſtandhaften Entſchluͤ⸗ 
ſungen fähig fen, und ſich ſelbſt ungluͤcklich mache. Seine friedliebende Geſinnung 
gegen das goldene Vließ und goldene Schif bahneten ihm den Weg zur Hochmei⸗ 
ſterwuͤrde. Aber er konte fich in derſelben weder bey feinen Ordensbruͤdern, noch bey 
denen Unterthanen genugſame Ehrfurcht verſchaffen. Sein Nachgeben vermehrte im⸗ 
mer die Forderungen, die man gegen ihn durchzutreiben vermeinte, ſo wie die Frechheit 
derer, welche fich gegen ihn und die Unterthanen feiner Gelindigkeit misbrauchten. Da 
er weder gegen die Bundesgenoſſen noch die Gewaltbrauchenden Ordensbruͤder Strenge 
genung bewies, fo wurden beide Theile halsſtarrig, und die dadurch vermehrte Ver⸗ 
bittterung, die durch fein Betragen immer Nahrung erhielt, zwung ihn nicht nur zur 
Niederlegung feines Amtes, und brachte ihn ins Grab, ſondern war auch an denen 
nachmaligen Unruhen vorzuͤglich Schuld 2). e en 


) Schutz f 142144 N 2) Schuͤtz f. 142 144. 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. A9 


§. 158. 


1440. 

n Schon ſeit 1438 batten einige Ordensbeamten den vorigen Hochmeſſter Paul 
Ertichehaufen Bellizer von Rusdorf abzufegen, und den Conrad von Erlichshauſen an ſeine Sr 
wird en. fe zu wählen ſich unterfangen. Weil aber jener noch unter den Mari 


yfundzoll. 


1441. 


1442. 


306 Geſchichte von Preuſſen. 


a) Geſamml. Nachr. S. 47. Senneb S. 129. 306. wo auch angefüßet‘ , m wie 


158. Te 


ſtarken Anhang hatte, und ſonderlich die Stände es gröͤſtentheils mit ihm an 
fo ſuchte vielmehr Conrad von Erlichshauſen die Convente von Königsberg, Bal⸗ 
ge und Brandenburg ſowol als auch die Meifter in Deutſchland und Siefland r mit 
em Paul zu vertragen. Es gelung ihm aber nur einen Vergleich mit denen dreien 
Conventen zu vermitteln, welche hauptſaͤchlich darüber misvergnuͤgt ſich bezeigten, 
Paul verſchiedene Ordensbeamten ſchuͤtzte, und andere dagegen ihrer Aemter 
te. Weil es ihm aber unmoglich fiel, den Paul auch mit denen landmeiſtern v 
Deutſchland und Liefland wieder zu verſöhnen, und andere Dinge dazu gekommen, 
6 dankte endlich der alte von Rusdorf ab.  EomMd-von Erlichshauſen aus gutem 
aͤnkiſchen Adel, war ehemals theils Comthur von Ragnit, theils hatte er die Mor 
ſchalls theils die Sroßcomthurswuͤrde bekleidet. Die Nachricht von der Erlebt edigung e 
hochmeiſterlichen Sitzes, zog die Meiſter von Deutſchland und Liefland, welche 
ſchon auf ihrer Zuruͤckreiſe von Danzig begriffen waren, nach Preuffen such. € 
wurden Anſtalten zu einer neuen Wahl vergekehret. Mittwoch vor Oſtern 14. r kam 
folche endlich zum Stande, und traf eben dieſen Conrad von Erlichshau en 
Mann von unſtraͤflichen Sitten und bekannten Tugenden, und bey den Rittern 
als kand und Städten beliebt 2). Er ſolte Sonntag nach Oſtern zu Marie 
auf einem ausgeſchriebenen Landtage gehuldiget werden. Die Bunbesgenefen 
che ihren Bund vom Kaiſer beftätigen laſſen, weigerten ſich aber den Huld 
ſo abzulegen, als derſelbe vorgeſchrieben, und bereits ſeit vielen, Jahren 0 
worden. Sie verlangten, ihre Pflicht in ſolchen Worten abzulegen „ als 
Winrich von Kniprode Zeiten geſchehen. Endlich aber einigte man ſich doch über 
die Ausdruͤcke des Eides, welchen die Unterthanen abſchworen, und dagegen v on dem 
Hochmeiſter die Verſicherung ihrer Freiheiten erhielten. Die Bund genoß 0 
langten zwar ſogleich eine Aenderung ihrer Beſchwerden, aber der neue Hoch 
verwies fie auf den Fünftigen landtag, der zu Elbing im Merz 1442 9 
de. Der Hochmeiſter beſtund hier darauf, daß er den Pfundzoll kr | 
ſte, weil die kandesherrlichen Einkünfte ſo gefallen, daß er opne Bl, bi 
chen Angelegenheiten nicht beſtreiten koͤnte. Er berief fich überdies < 
habende Befugniß. Das Staatsrecht war in dieſen Zeiten aus den n 
des allgemeinen Naturrechts nicht hinlaͤnglich ausgearbeitet. Da die S 
Culm, Elbing, Danzig, Koͤnigsberg, welche bauptſächlich ſich de 
derſetzten, keinen andern Grund wuſten, als daß eine Zeit geweſen, 


Preuſſen nicht erhoben worden; fo hätte ſich der Woche mit u Be 


ſteller über die Zeit feiner Wahl find, Schutz f. 145. 


Conrad von Erlichshauſen. 307 
unumfehränften landes herren decken können, der berechtigt iſt, von feinen Unterthanen 


ſo viel zu erheben, als zur Beſtreltung der allgemeinen Koſten nothwendig, wenn er 


ſich durch beſondere Vertraͤge hierin nicht die Haͤnde gebunden. Das letztere konten 
die Städte nicht erweiſen, da ſogar die culmiſche Handveſte nur einem kleinen Bezirk 


ertheilet worden. Aber des Hochmeiſters Raͤthe ſuchten einen andern Weg, die Ger 


rechtſame des Ordens, Zölle anlegen zu koͤnnen, begreiflich zu machen. Sie brachten 
eine Urkunde vom ı6ten Merz des Jahres 1226 zum Vorſchein, wo Kaiſer Friedrich 2 
dem Orden das Recht ertheilet hatte. Da die Macht des Ordens zu ſchwach ſich bey 
den Rechten eines unumſchraͤnkten Herren zu ſchuͤtzen, ſo wolte man das Anſehen des 
Kaiſers zu Huͤlfe nehmen. Der Orden ſetzte fich auch in Beſitz des Pfundzolles, eines 
Zolles zu Labiau und zu Dollſtaͤdt. Er befreiete aus Staatsklugheit Thorn und 
Culm davon, theils weil ſolche im Bezirk lagen, den die culmiſche Handveſte ans 
gieng, theils um die gröffern Städte zu trennen, da die kleinern, fo wie das übrige 


Land, die Gerechtigkeit und Nothwendigkeit der Zölle erkannten. Aber Thorn und 


Culm lieſſen ſich von den übrigen nicht abſondern, die thells hier, theils nachher zu 
Marienburg und an mehreren Orten immer auf die gänzliche Abſtellung der Zölle 
drungen. Einige Buͤrger in Elbing und Danzig ſprengten uͤberdies Geruͤchte aus: 


als ob der Orden die Urkunde von 1226, wo nicht ſelbſt gemacht, doch nach feinem 
Willkuͤhr Aenderungen darin vorgenommen habe, und daß der Orden Danzig habe 


mit Gewalt uͤberfallen wollen. Der Orden erwies den Ungrund beider Geruͤchte. 
Und doch waren die Staͤdte unbiegſam. Der Hochmeiſter zeigte, daß er eben ſo viel 


Rechte als England, Burgund, Daͤnnemark und Luͤbeck habe neue Zölle anzule⸗ 


gen, und Auflagen zu machen. Er gab dadurch zu verſtehen, daß der wahre Grund 
ſeines Betragens in denen Rechten eines Landesherrn zu ſuchen. Doch auch dies hatte 
keine Wirkung. Die hochmeiſterlichen Raͤthe, die ſchon einmal einen falſchen Tritt ges 
than, daß ſie ſich ohne Noth auf Faiferliche Begnadigung berufen hatten, lieſſen Culm, 
Thorn, Elbing, Königsberg und Danzig vor die Gerichte des Kaiſers 1443 vors 
laden, um ihnen dort die Gerechtigkeiten des Ordens darzuthun. Dies gereichte nach⸗ 
mals dem ganzen Orden zum Verderben. Die Bundes genoſſen ſahen nachmals diefes als 


einen Weg an, mit ihren Herren bey auswaͤrtigen Gerichten, bey den Gerichten Frie⸗ 


drichs 3 ſtreiten zu Fönnen. Damals ſchien der Orden davon Nutzen zu haben. Die 
Staͤdte, die noch nicht ihren Vortheil, oder beffer zu ſagen, die Mittel recht kannten, 


diae fie bey einem Rechtshandel vor kaiſerlichen Gerichten brauchen müften, um ſich Vor⸗ 
tltzeile zu verſchaffen, gaben nach. Sie bewilligten den Pfundzoll unter folgenden Bes 


dingungen. Einer von den Rittern und ein Mitglied der Stadtobrigkeit ſolte ſolchen 
erheben. Zwey Drittheil ſolte der Hochmeifter davon ziehen, und ein Drittheil ſolte 
den Städten davon zu Beſtreitung der öffentlichen Angelegenheiten ihrer Städte vers 
bleiben. Der Hochmeiſter verſprach uͤberdies ohne dringende Noth und Rath der kand⸗ 


ſtaͤnde keine weitere Zölle anzulegen. Die Folge der Geſchichte wird beweiſen, daß 


die Städte hiebey mehr gewonnen als verloren, da fie jetzt in den Stand geſetzt wur⸗ 
77 g Qq 2 brd den, 


1442. 


1443. 


308: Geſchichte von Preuſſen. 


1443. den, ohne beſondere Anlagen auf ihre Buͤrger zu machen, anſehnliche Summen in 
s Durchtreibung ihrer Anſpruͤche anzuwenden. Denn es blieb nur der gemachte Bund 
wenige Zeit unangefochten. Polen war wirklich mit Schuld, daß der lerm nachher 
darüber gröſſer wurde, als er vorher geweſen. Wir muͤſſen daher den polni 
Staat nicht aus dem Geſicht verlieren. Der König Wladislaus, der die 
1444 Krone zugleich mit der ungariſchen getragen, blieb 1444 in dem unglücklichen T 
bey Varna. Die Polacken ſetzten hierauf deſſen Bruder Caſimir damaligen Groß / 
fürften von Lithauen auf den Thron, wodurch denn Lithauen, welches bisher doch 
noch immer eigene Regenten gehabt, jetzt völlig mit Polen vereiniget wurde. Er 
2445. ließ ſich zwar nach feiner 1445 erfolgten Wahl erſt lange bitten, ehe er die angebotene 
Krone annahm. Allein es war ihm hiebey eben fo ums Herz, als da er er 
bitten ließ die Helfte von Preuffen anzunehmen. Aus der Vereinigung E 
und Polens konten vernünftige vor den deutſchen Orden in Preuſſen bey der 
ruug in dieſem lande, ſchon damals nichts gutes weiſſagen. Es brauchte aß de 
Einſiedler, der in diefem Jahre denen Marianern fo viel Unglück nz haben 
foll, hiezu eben keiner uͤbernatüͤrlichen Eingebung 50. 10 1 IG 
9. 189. Ati 
Er regietet Der Bund war den Kreußzherren ein Dorn, den fie FE gern a 
die untertha / Sie ſteckten ſich 1446 hinter die Geiſtlichkeit. Es bemuͤheten ſich die landes präͤlaten die 
zw — Bundesgenoſſen zu uͤberfuͤhren, daß ihre Vereinigung allen Rechten, und daher dem 
den bund, 5 Gewiffen zuwider ſey, weshalb ſie als Seelſorger verlangten, daß dieſer Bund aufg ⸗ 
lange er lebt, hoben wuͤrde. Der Biſchof von Heilsberg oder Ermeland trieb ſolches aber mit ſe 
Be vieler Heftigkeit, und ließ ſich öffentlich verlauten, daß der Bund mit der ene; 
1446. eines gehorfamen ehrlichen Mannes nicht beftehen könte. Die Bundesgenoſſen nah 
men ſolches hoch auf, weil nach ihrer Meinung das Buͤndniß keinen Aufſtand 
Endzweck hätte, ſondern blos gemacht ſey, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt jed 
mann zu ſchuͤtzen. Sie verlangten vom Hochmeiſter zu wiſſen, ob ſolcher! 
daß der Bund gegen Pflicht und Ehre ſtreite. Conrad ſahe zwar die gefa 
gen dieſes Bundes ein, hatte ſich aber vorgeſetzt gegen die Bundesgenoſſen behucfa 
zu Werk zu gehen. Er ſchlug denen Bundesgenoſſen daher vor, daß fie ihre Verbin ⸗ 
dung aufheben möchten, wogegen er ſich anheiſchig mache, ihnen unter der Gewähr 
leitung der Meiſter von Deutſchland und Liefland auch aller Ordensgebieter 0 
lich genugſame Verſicherungen ihrer Rechte und Freiheiten auszuſtellen. U 
Bundesgenoſſen waren zu mistrauiſch, und glaubten, daß der Bund das einzige 
tel fen, fie vor Gewalt zu ſichern. Sie klagten ſogar uͤber den Biſchof von Er 
daß derſelbe ſeinen Unterthanen zu laͤſtig wuͤrde. Der Hochmelſter und einige 
ter hielten alſo vor das Beſte, die Unterthanen glimpflich zu regleren, und 
huͤten ihnen keine Gelegenheit zu fernern Klagen zu geben, ſo wuͤrde der Eifer vor 
den Bund mit der Zeit erkalten, und andere Wan ae Selegenfeit eben, daß 


5) Schuͤtz f. 146152. F 


De a en EHE u A — I A a 2 


Conrad von Chrlichshauſen. 309 
ſich die Bundesgenoſſen, und mit ihnen der Bund von felbften trennete. Dies war 1445. 
in Wahrheit das weiſeſte Mittel, mehreren Unruhen vorzubeugen. Kein Buͤndniß iſt 
ewig, weil ſie alle von Menſchen gemacht ſind, die ihre beſondere Vortheile dem allge⸗ 
meinen gar zu leicht vorziehen, und dadurch zur Trennung Gelegenheit geben. Dies 
ſolte man nach des Hochmeiſters Meinung abwarten, nicht aber durch Hitze die Ge⸗ 
muͤther derer Verbundenen erbittern, und ſie dadurch zu mehrerer Zuſammenhal⸗ 
tung vermögen. Aber die meiften Ordensglieder hatten ganz entgegen ſtehende Maaß⸗ 
regeln ſich vorgeſetzt. Sie verlangten, daß man die Treunung des Bundes mit 
Gewalt bewirken, den Haͤuptern als Meutmachern die Koͤpfe abſchlagen, und de⸗ 
nen uͤbrigen durch alle Haͤrte den Bund leid machen muͤſte. Conrad erkannte aber, 
daß dieſes viel zu ſpaͤt, und der Bund bereits zu mächtig fey. Er blieb alſo Zeitlebens 
bey ſeinen Grundregeln, denen Bundesgenoſſen des Bundes wegen nicht ſchwer zu fallen. 
Er erkannte ſogar feinen Fehler, daß er das deutſche Reich, dem der Orden, in Abl⸗ 
ſicht der preußiſchen lande, gar nicht verpflichtet, in die preußiſchen Angelegenhei⸗ 
ten ziehen wollen. Als daher einige Unterthanen in Preuſſen ſich uͤber den Mangel 
der Gerechtigkeitspflege 1447 bey denen heimlichen weſtphaͤliſchen Gerichten zu beſchwe / 1447. 
ren anfingen, und dieſe wirkliche Vorladungen an preußiſche Stadtobrigkeiten und an⸗ 
dere Perſonen ergehen lieſſen, zeigte der Hochmelſter, daß er, da er und ſein Orden 
ohnedies geiſtlich, keinen fremden weltlichen Richter in der Welt über ſich oder feine 
Unterthanen zu erkennen ſchuldig. Man konte dieſe heimliche weſtphaͤliſche Gerichte 
ihrem Urſprung nach mit der heiligen Inquiſition in Portugal und Spanien verglei⸗ 
chen, die aber zugleich mit der venetianiſchen Staats inquiſition und mit der rußiſchen 
vieles gemein hatte. Nach und nach erweiterten dieſe heimlichen Gerichte ſowol die 
Gerichtspflege, als die Fälle, in welchen fie zu ſprechen hatten. Rach entſtandener 
landes hoheit wurden dieſe heimlichen weſtphaͤliſchen Gerichte ſelbſt denen deutſchen 
Landesherren unerträglich, die ſchon um dieſe Zeiten die erheblichſten Klagen gegen dies 
ſelben ausſchuͤtteten. Unſer Hochmeiſter forgte daher davor, daß der Papſt 1448 die 1448. 
Ordensunterthanen von allen Anmaſſungen der heimlichen weſtphaͤliſchen Gerichte frey 
zu ſeyn erklaͤrte. Conrad nahm ſich überdies der Handlung feiner Unterthanen nach 
Möglichkeit an. Er ließ ſowol an den nordiſchen König Chriſtoph, als an den ges 
weſenen König Erich, der durch ſeine leute von Gothland aus Seeraͤubereien treiben 
ließ, dieſerwegen ernſthafte Schreiben ergehen. Doch andere Zufälle endigten dieſe 
Ulnſicherheit der Schiffart. König Chriſtoph gieng mit Tode ab. Die Daͤnen . 
waͤhlten den oldenburgſchen Grafen Chriſtian 11449 zum Könige, und die meiften 1449. 
Schweden machten Carl Cnutſon zu ihrem Herren. Erich aber entflohe nach 
Pommern, und ſtarb zu Ruͤgenwalde in aͤuſſerſter Duͤrftigkeit. Auch gegen die 
NMiederlaͤnder nahm ſich der Hochmeifter der Sicherheit der preußiſchen Flaggen an, 
und erlaubte ſolchen nicht anders die Handlung nach ſeinen Staaten, als bis ſie noch 
cinen beſondern Pfundzoll, Ber von dem oben bewilligten verſchieden, zu erlegen, ſich 
im vorigen Jahr anheiſchig gemacht. Nur die Verſchiedenheit der Geſinnungen der 
0 Qq 3 Ordens⸗ 


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310 | Geſchichte von Preuſſen. 


1445. Ordensperſonen in Abſicht des 3 Bundes verurſachte unfem Conrad dy ö 
gröffeften Kummer c). a 
160. TEEN +, 
Conrad von Es vermehrte ſich ſolcher re auf feinem legten Kronkenlager Hen, 1 
5 neberger d) behauptet, daß er Steinſchmerzen gehabt, daß die Aerzte ihm als ein Ge, 
neſungsmittel den Beiſchlaf verordnet, daß er ihnen aber zur Antwort ertheiler: das 
gebe Gott nicht, daß den Leib, den Chriſtus gewaſchen, eine Hure wieder beſude / N 
le; wiſſet ihr nicht, daß die Hurer und Ehebrecher Gott richten wird. Beſſer den 
Stein, denn ewig leiden der Höllen Pein. Wenn Henneberger dieſen Conrad ven 10 
Erlichshauſen nicht mit dem Conrad von Jungingen verwechſelt hat e), ſo 20 
die Aerzte zu damaligen Zeiten bey Steinſchmerzen, uͤber die Geneſungemittel eine all 
gemeine Meinung, diefer Conrad von Erlichshauſen aber ein eben fo zaͤrtlich Gewiſ⸗ 
fin als Conrad von Jungingen gehabt haben. Henneberger berichtet ferner, daß 
unſer Hochmeifter als Hochmeiſter einen Fiſtelſchaden bekommen, den er zum Nach 2 
theil ſeiner Geſundheit heilen laſſen; daß er kein Abendbrod gegeſſen, aber deſto beffer 9 
gefruͤhſtuͤckt, daß ihn endlich aus Gram über die Streitigkeiten im Lande der Schlag 
geruͤhret habe. Dem ungeachtet wolte er die gewöhnlichen landestelſen doch nicht 
verabſaͤumen. Zu Graudenz ruͤhrte ihn der Schlag noch ſtaͤrker. Kau „ 
te man ihn mit groͤſter Mühe bereden, zu fernerer Reiſe fich ſtatt des * 
nes Wagens zu bedienen. Es war damals etwas unmaͤnnliches zu fahren. Erſt im 
vorigen Jahrhundert iſt das Fahren der Mannsperſonen gewoͤhnlich geworden. 7 As 
der Hochmeiſter nach Althaus gekommen, hielt er ſich ſchon für ſtark genug, 
zu beſteigen. Er ritte, obwol mit groſſer Beſchwerlichkeit nach Thorn 7 
zuruͤck nach Stum. Aber hier verlieſſen ihn feine Kräfte, fo daß man 
nach Marienburg fuͤhren muſte. Er ſowol als die Ordensgebieter 7 2 0 
die Gefahr feines debens, und nach Gewohnheit fragten ihn die letztern, word 2 in € 
Abſicht feiner Nachfolgerwahl ihnen vor einen Rath ertheilen wolle. aten 
nahm hier Gelegenheit feine Beſorgniß Über den kuͤnftigen kauf der W 
beiten zu aͤuſſern. Er habe, ſagte er, nicht viel Freude in ſeiner Regierung ge 
es wäre feine Krankheit gar nicht zu bewundern. Er ſehe ſolche Unmſtaͤnd 
er ſich eher, wenn ſolches ohne Sünde zu thun möglich, den Tod als ein le Steben 
wuͤnſche. Der Orden brauche nach feinem Tode einen Mann u ers Ver 5 
ſtand beſaͤſſe, und dem auch Folge geleiſtet wuͤrde. Auf ferneres — 
diente zu ſagen, wen er in Vorſchlag Grächte, wobey man die Ve 
te, daß man feinem Rach Folge leiſten wolle, ſagte der ſterbende H 
ſehe voraus, daß vorzuͤglich zwey die erledigte Wuͤrde zu erhalten ſichen vuͤrden 
welchen beiden er aber nicht rathen könte. Fiele die Wahl auf H . 5 
Plauen, ſo ſey nichts geriflers als ein allgemeiner Aufſtand der U 


6) Schutz f 152 160, ) Henneb. 6. 306. 
e) ſiehe oben S. 244. ei / 


Conrad von Grlichehaufen. 31TT 


gen, und er bitte Gott, daß nicht noch was aͤrgeres daraus entſtuͤnde. Solte die 1449. 
Wahl feinen Bruders Sohn Ludwig von Erlichshauſen treffen, fo haͤtten fie einen 
Fuͤrſten, der nicht fähig ſey die Sachen gehörig einzuſehen, und gehörige Huͤlfsmittel 
ausfindig zu machen. Es wuͤrde derſelbe folglich genöͤthiget ſeyn, alles zu thun, was = 
die Gebieter vor gut hielten. Nach feinem Rath folten fie den Wilhelm von Eppin⸗ 
gen Comthur von Oſterode zum Hochmeiſter machen. Dieſes ſey ein ſanftmuͤthiger 
friedliebender Mann, der das Land lieb habe, und ihm treulich vorſtehen wuͤrde. Aber 
bey dem allen ſehe er wohl, daß dieſer fein wohlineinender Rach ganz unnuͤtz ſen. Er 
habe gute Nachrichten, daß die meiſten Gebieter in einer auf dem Schloß zu Mewe 
gehaltenen Verſammlung bereits eins geworden, daß derjenige, welcher von ihnen zur Pe 
Hochmeiſterwuͤrde gelangete, auch den gemachten Bund zu trennen ſuchen müfte, 
geſetzt daß man darüber das fand verlieren ſolte. Er bitte Gott, daß er ſolches 
verhuͤte; aber er ſehe aus allen Umſtaͤnden, daß dem Orden eine lang anhaltende Pla⸗ 
ge, die man durch vielfache Suͤnde verdienet, bevorſtuͤnde. Der Gottesdienſt wäre vers 
achtet, der Uebermuth habe uͤberhand genommen, jeder thue was ihm geluͤſte. Er wuͤn⸗ 
ſtche, daß er lieber in einem Cartheuſerkloſter erzogen wäre, ſo waͤre ihm jetzt viel beſſer. 
Err bitte GOtt, den Jammer zu wenden, der dieſem ande bevorſtuͤnde, welches die Vor⸗ 
fahren mit vieler Mühe und Arbeit, mit Gottes Huͤlfe und dem Blut manches tar 
pfern Mannes den Heiden abgenommen. Man habe alles anzuwenden, daß ſolches 
nicht durch Uebermuth aus Gottes Verhaͤngniß wieder verloren gehe. Gott möge 
ſich erbarmen. ,, Hier erſtickten der Jammer und Seufzer feine übrigen Worte. Er 
Fonte die Gebieter vor Wehmuth nicht mehr ſehen, ſondern wandte fein Geſicht von 
ihnen ab. Die Gebieter nahmen ſodenn von ihm den letzten Abſchied, und entferne⸗ 
ten ſich mit entgegenſtehenden Gedanken. Einige waren von des ſterbenden Conrads 
letzten Vorſtellungen gerührt, andere aber fehrieben ſolche einer Kleinmuͤthigkeit zu, die 
eer durch feine ganze Regierung in Abſicht des Bundes bewieſen, da er demſelben ſich 
nie mit gehoͤrigem Ernſt zu widerſetzen, oder die Vorzuͤge des Ordens gegen die Uns 4 
terthanen gehörig zu vertreten getrauet habe. Indeſſen ſtarb der Hochmeiſter am Leon⸗ u 
hardstage. Seine Gebeine kamen in die hochmeifterliche Annengruft nach Marien? 
burg. Er iſt aber auch der letzte Hochmeiſter geweſen, der in derſelben fein Grab 
gefunden.). f ö 
7 161. 


Die Schriftſteller find in der Zeit der Wahl dieſes Hochmeiſters ſehr uneins. Ludwig von 
Bald ſoll ſoſche am Jage Thomaͤ, bald den zten Adventſonntag, bald den sten. Ae 
Febr. 1450, und bald den zıften Merz oder Sonntag fir Judica geſchehen ſeyn. ae — 
Ich halte davor, daß man den bisherigen Comthur von Mewe, des vorigen Hoch, 1480. 
meiſters Bruders Sohn anfaͤnglich zum Statthalter ernannt, daß ſodenn am sten 
Febr. eine zwiſtige Wahl zum Hochmeiſter erfolgt ſey, und den zıften Merz erſt der 
a ganze 


ER FE FR FT * r 


* 


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2.3 - 


ei 


8 N Schutz f. 161. Aenneb. S. 306. Ich veruuthe daß er noch 1449 den öten Nov. geſtorben. 
obgleich Henneb. das Jahr 1450 angiebt. | 


vereinigen. Aus dem, was der vorige Hochmeiſter auf feinem Todtenbette gefagt, 


ſchafter nach Preuſſen abzufertigen. Es ſtellte derſelbe vor, daß der Go 


3¹⁶ 5 Geſchichte von Preuſſen. 


ganze Orden in der Perſon dieſes Ludwigs von Erlichshauſen einige FEN 
Denn Henneberger berichtet ausbruͤcklich, daß man anfänglich über die Perſon des 
neuen Hochmeiſters ſich nicht habe einigen koͤnnen, da einige, dem Rath des verftoche 
nen $andesheren zu Folge, den Wilhelm von Eppingen Comthür; von 

andere den Henrich Reuß von Plauen zu der Hochmeiſterwuͤrde beſtimmt, bis 4 
lich der letztere die Wählenden bewogen, fich uͤber den Ludwig von Erlichshauſen zu 


läſſet ſich ſchlͤſen, daß Henrich Reuß von Plauen das Haupt der Parten geweſen, 
die auf die Trennung des Bundes gedrungen, und daß er lieber die Hochmeiſterwürde 
als dieſen ſeinen Entwurf verfehlen wollen, endlich daß er vermuthlich einen groſſen Eins j 
fluß in denen öffentlichen Staatsangelegenheiten vermuther; wenn Ludwig von Er⸗ 
lichshauſen Hochmeiſter wuͤrde. Kurz die Wahl dieſes Herrn erfolgte wirklich. Die 
Bundesgenoſſen beſchloſſen indeſſen auf verſchiedenen Verſammlungen die Huldigung 
nicht anders als mit denen Worten zu leiſten, womit ſie ſich dem vorigen Herrn vers 
pflichtet, zugleich aber um die Beſtaͤtigung ihres Bundes anzuhalten, und einen jähe 
lichen Rechtstag zu erhalten. Aber daruͤber waren die Meinungen im Orden ge 
Die meiſten, ſonderlich der zur Hochmeiſterwahl ins fand gekommene Deutſchmeiſter, wol⸗ 
ten vom Bunde durchaus nichts wiſſen, und dieſer verſprach die Gerecheſame des ens 
bey Papſt und Kaiſer zu verfechten, wenn nur indeffen der Hochmeiſter alles am 
te, den Ungehorſam der Bundesgenoſſen zu brechen. Auf dem landtage zu E 
nach Miſericordias entſtand daher heftiger Streit, da die Bundesgenoſſen vor ba 
Huldigung ihre Beſchwerden erörtert, und ihren Bund beſtaͤtiget wiſſen wolten, der 
Hochmeiſter aber durchaus darauf beſtand, daß hier, wie ihm auch einige . 
Marienburg verſprochen, von nichts als der Huldigung gehandelt werden ſolte a 
fes letztere ward endlich verglichen, aber wegen der Beſchwerden war ein 
fo ſchwerer zu hoffen, da der Biſchof von Ermeland ſich verlauten ließ, daß un 
nicht bey dem Hochmelſter, fondern allein beim Papſt belangen konte. Sie 
genoffen hingegen blieben dabey, daß fie es im ande mit ihm ausmachen w e 
Gelde, teib und Gut, und ſolte es auch Haͤlſe koſten. Der Papſt wurde! 0 
allen benachrichtiget, beſonders daß man auch von Seiten des Ordens eine 
ret hätte, Klagen an den roͤmiſchen Hof zu bringen. Dies bewog ihn, eir 


Preuſſen im Verfall, die Rechte der Kirche geſchmäͤlert, die Regierung 
tet, zwiſchen Herrn und Unterthanen Zwiftigkeiten entſtanden, und gegen el 
ſchworungen gemacht, und gegen alle Rechte Neuerungen veſtgeſetzt n 9 
Botſchafter unterſuchen, und die Ungehorſamen ſogar durch den Bann zu 
halten. Die Unterthanen wolten vom Hochmeiſter vertreten ſeyn. Lud 
ein: daß es eine Todfünde ſey, jemand gegen den Papſt vertreten. Die 


wolten von keiner Verfpwörung etwas wiſſen, weil ihr Bund mit Pe — Lon / 
N 2 Rai = Be 


0 Schutz f. 167, Zunch. S. 307. ' Ber En 
RE 


Ludwig von Erlichshauſen. 3¹⁸ 


2 koads Vorwiſſen gemacht fen, welcher nicht gegen den Landesherren, ſondern gegen Ge- 1 450. 
walt zum Stande gekommen; der Biſchof von Ermeland ſey Stifter vieles Unheils. 
Auch konte es dem Orden keine Ehre bringen, wenn man die wahren Bewegungsgruͤn⸗ 
1 de des Bundes öffentlich der Welt vor Augen legen muͤſte. Der Hochmeifter ward 
4. darüber ſehr empfindlich. Er ließ ſich verlauten: Fein redlicher Mann habe noch je 
5 mals ihren ungetreuen Bund gegen den rechtmäßigen Landes herrn gebilliget, welches er 
1 auch in Ewigkeit nicht thun wuͤrde. Der Orden habe ebenfals nicht nur groſſe Urſa⸗ 
6 che über die Bundesgenoſſen zu klagen, ſondern auch ihre Widerſpenſtigkeit mit Ernſt 
4 zu beſtrafen; ſie ſolten der paͤpſtlichen Botſchaft in allem gehorſamen, damit ſie nicht 
* in den Kirchenbann kaͤmen. Dieſe ernſtliche Vorſtellung bewog die Staͤdte, Ma⸗ Ko 
rienburg, Neuſtadt⸗Thorn und Konitz aus dem Bunde zu treten. Die übrigen 

m aber verbunden ſich 1457 deſto genauer zu Elbing, und uͤbergaben dem paͤpſtlichen Bot 1451. 
ö ſchafter ſowol einen Beweis ihrer Froͤmmigkeit und guten Werke, als auch eine Ent⸗ 

ſchuldigung ihres Bundes. Das erſte hielt der Botſchafter fuͤr ihre Schuldigkeit; aber 

das ſey ihnen nicht erlaubt, daß ſie die Geiſtlichen an ihre gemachte Ordnungen binden 

wolten. Er verlangte alſo, daß die Bundesgenoſſen ihm völlige Gewalt uͤberlaſſen 

möchten, ihren Bund nach Befinden zu beftätigen oder aufzuheben. Johann von 

Bayſen zeigte aber an, es möchten bey der Unterſuchung dieſes Buͤndniſſes viele Dinge an 

den Tag kommen, die dem Papſt nicht lieb zu hoͤren wären, und dem Orden keine 

Ehre braͤchten, und es ſey beſſer, mit dem Orden ſelbſt uͤber diejenigen Stuͤcke des 

Buͤndniſſes Unterhandlungen anzuftellen, uͤber welche der Orden ſich beſchweren zu kön ⸗ 

nen Urſache zu haben glaube. Der Hochmeiſter nahm dieſen Vorſchlag um ſo lieber 
an, da der paͤpſtliche Botſchafter ſich viele Gewalt heraus zu nehmen, und fich in dle 
innere Landes angelegenheiten zu miſchen anfieng. Da alſo der paͤpſtliche Geſandte 

wohl erkannte, daß er nichts weiter auszurichten vermochte, gieng er zuruͤck 5). 


. 162. 


Der Orden ſuchte nun wenigſtens zum Schein denen Bundesgenoſſen Gerechtig / Die Pe pP 
keit zu verſchaffen. Der Hochmeiſter fegte auf den roten May, folglich Über 14 Tas über den bund 
ge einen Rechtstag zu Elbing an, damit ein jeder daſelbſt die Beſchwerden vorbrin⸗ 8 : 
gen mochte, die man feit dem Negierungsantritt Ludwigs zu haben vermeine. Die — Wes 
Bundesgenoſſen aber wolten ſich vor dieſem Gericht nicht einlaſſen, well ſolches 1. zj 
kurz angeſetzt, 2. nicht wie man verſprochen beſetzt fen, und 3. nur die Klagen, die 
man ſeit Ludwigs Regierungszeit habe, vorgetragen werden ſolten. Weil nun aus die⸗ 
ſeen Ürfachen keine Klagen vorgebracht wurden, fo nahmen der Hochmeiſter und übrigen 
Beiſitzer des Rechtstages ſolches fo auf, als ob niemand Klagen habe, und folglich der 
GSBrund des Bundes gehoben ſey. Sie hoben daher den Rechtstag auf. Bald darauf 
kamen von den Churfuͤrſten des Reichs an die Bundesgenoſſen Schreiben, worin fie von 
€ dem 


. Kr S 


* 


) Schuͤtz f. 161164. 
Y. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Rr 


145I. 


314 Geſchichte von Preuſſen. 
dem widertechtlichen Bunde abzuſtehen, ermahnet wurden. Der Kaiſer befahl ihnen 


re Verſicherungen ihrer Gerechtſame ertheilen, davon er ihnen einen Entwurf übers 


ſolches bey harter deibesſtrafe und Geldbuſſe. Am heftigſten ſchrieb der Papſt Nico 
Jaus 5. Er verwies dem Hochmeiſter, daß er den paͤpſtlichen Botſchafter nicht kraͤf⸗ 
tiger unterſtuͤtzt, und daß er gegen die ungehorſamen Unterthanen, die ärger als Hei 
den ſich aufführeten, nicht mehrere Strenge bewieſen, und ſich dadurch verdächtig ges 
macht habe, als ob er mit der Verſchwoͤrung feiner Unterthanen, fo wie feine Vorfah · 
ren, zufrieden waͤre. Er ſolte alſo, wo er nicht als ein Abtruͤnniger und öffentlicher 5 
Feind der Kirche angeſehen ſeyn wolte, den päpftlichen Befehlen künftig mit mehrerem Ernſt 
nachleben. Eben dieſer Papſt befahl dem Biſchof von Ermeland, denen Bundes genoß 
fen alle kraftige Mittel der Kirchen entgegen zu ſtellen, und gegen die Ungehorſamen den 
Bann zu verkuͤndigen. Alles dieſes bewog die Bundesgenoſſen, auf einer neuen Ders 
ſammlung den Hochmeifter um Rath zu fragen. Ludwig rieth ihnen den Bund auf⸗ 
zuheben, weil jedermann ſolchen als widerrechtlich halte, und ſich durch fernern Unger 
horſam die Strafe des Papſts und des Kaiſers nicht zuzuziehen. Er wolle ihnen ande, 


gab, nach welchem „alles, was bisher geſchehen, von beiden Theilen auf ewig vergeſſen 
ſeyn ſolte, und alle Gewalt aufs kuͤnftige fo verboten ward, daß der Hochmelſter den 
klagenden Theil Recht ſchaffen, und der Beklagte, wenn er aus dem Lande entn 
in keinen Ordenshauſe jemals geduldet werden ſolte. Er verſprach jährlich einen Ge 
richtstag vor jeden zu halten, der was zu klagen habe; haͤtte einer von Adel ſich ge 
gen einen Unterbeamten oder Ritter zu beſchweren, ſo ſoll der Comthur der Gege 
nebſt dem landrichter mit Zuziehung des kandſchreibers Klage und Antwort ſchriftlich 
aufnehmen, und verſiegelt dem KHochmeifter zuſchicken, und den Beſcheld gewaͤrtigen 
Hätte einer von Adel gegen einen Comthur oder andern Gebieter ef, fur 
de der Hochmeifter einen andern Gebieter ernennen, der mit Zuziehung des L ) 
ters Klage und Antwort ſchriftlich aufnehmen, und dem Hochmeiſter zur gericht 
Erkenntniß unterſiegelt zuſchicken ſoll. Klage einer von Adel gegen einen der 
Praͤlaten unterworfen, fo wird der Official nebſt dem Landrichter die Sache u 
chen, und die Klage und Antwort ſchriftlich verſiegelt dem Biſchofe zuſchicken. 
re der Kläger ein Bürger, fo ſoll zur Unterſuchung dem Ordensgebleter oder 
ſtatt des Sandrichters der Buͤrgermeiſter, unter den der Kläger gehöret, 
ſeyn. Jaͤhrlich wird man auf einem Rechtstage, dem der Hochmeiſter, J 
Gebieter beiwohnen ſollen, alle eingeſchickte Sachen rechtlich entſcheiden. 6 
das Urtheil dem Klaͤger nicht anſtehen, ſo ſolte die Sache an einen Richter 
werden, über den ſich der Orden und Praͤlaten eines Theils, und Land und 
andern Theils auf der nächften Tagefart vereinigen wolten. Was nun derſelbe 
chen würde, dabey ſolte es unwandelbar verbleiben., Allein des Hochme 
ſchlaͤge wurden nicht angenommen. Die vereinigten hielten davor, daß ihr 
nen Aufſtand und Empörung zum Grunde habe, nicht gegen ihre Herren, fi . 
gen Gewale gefchloffen, und daher dem Vertheidigungsrecht, welches in der Nat u 
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tragen, ihre Zwiſtigkeiten guͤtlich beizulegen oder rechtlich zu entſcheiden, wenn ſie vorher 
ER Ne 4 b f 


Ludwig von Erlichshauſen. ö 315 


gründet, völlig gemäß, auch daher denen Rechten eben fo wenig zuwider ſey, als bass 
jenige, welches ehemals die ſchwediſchen Stände gegen den Koͤnig Albrecht aus dem 
mecklenburgſchen Haufe geſchloſſen, und welches vom Papſt und Kaiſer genehmiget wor⸗ 
den. Den Bundesgenoſſen war jedennoch nicht wohl zu Muth, da der Orden auſſer⸗ 
halb an allen Höfen den Bund als aufruͤhriſch vorſtellte, und im Lande einige Glieder 
des Bundes durch Gaben und Verheiſſungen von dem Orden zu trennen ſich bemuͤhete, 
und auch bey einigen ſeinen Zweck erreichte. Dies brachte die Einigunge verwandte 
dahin, daß fie 1452 einige aus ihren Mitteln an den Hochmeiſter abfertigten. Dieſe 
begehrten einen Rechtstag zu Abthuung ihrer Beſchwerden, welches aber der Hochmei⸗ 
ſter abſchlug, weil niemand auf dem vorigen Rechtstage was zu klagen begehret, gegen 


welchen aber die Bundesgenoſſen ihre Einwendungen vortrugen, und zugleich ſich be⸗ 


klagten, daß man ihre Einigung als eine Empörung ſogar von den Kanzeln vorſtellen 
ließ, da fie doch ſoſchen ſchon 12 Jahr zu Handhabung des hochmeiſterlichen Anſehens 
und zum landes Beſten beibehalten, wie folches aus der Geſchichte des Paul von Rus⸗ 
dorf zu erſehen. Sie ruͤhmten zugleich ihre treue Dienſte, die fie dem Orden bey al⸗ 
len Gelegenheiten auch ſogar in unnöthigen Kriegen bewieſen. Daher ihr Bund nicht 
als eine auf Empörung abzielende Verſchwöͤrung angeſehen werden koͤnte. Sie erſuch⸗ 
ten ſogar den Hochmeiſter zu feinem eigenen Beſten ihre bey dem Bunde hegende gute 


Meinungen und deſſen Rechtmäßigkeit verfechten zu helfen. Der Hochmeiſter gab ihnen 


damals keine entſcheldende Antwort, weil er zu wenig Gebieter bey ſich hatte, eine 


Könige zu Dibow, und ward wohl aufgenommen. Den Sonntag darauf hatte der 
Hochmeiſter den König und beffen Gefolge auf dem Schloſſe zu Thorn zu Gaſt. In⸗ 


deſſen lief abermals ein kaiſerlicher Befehl an die Bundesgenoſſen ein, den Bund zu 
trennen. Endlich gab der Hochmeiſter denſelben feine Antwort: Er ſuche ihr wahres 


Beſtes. Davor konne er nicht, daß fie dem paͤpſtlichen Botſchafter weder Erkenntniß 
noch Vermittelung in den Streitigkeiten mit dem Orden eingeſtehen wolten. Statt 


ſich zu vergleichen, waͤre man noch in mehrere Welterung gekommen, da kein Theil 


den Vorſchlaͤgen des andern trauen, Gehör geben und nachgeben wolle. Ein aus⸗ 
waͤrtiger unparteliſcher Richter koͤnne ſolche am leichteſten heben, und die Widerſpen⸗ 
ſtigen zu Befolgung des Urtheils anhalten; da ſie ihrem Bunde gemaͤß blos einen ge⸗ 
rechten Richter über ihre Klagen verlangen zu wollen, fuͤrgeben, fo fen dies der kuͤrzeſte 
Weg alle Irrungen beizulegen. Der Orden und die Bundesgenoſſen ſolten ſich uͤber den 
Papſt, oder Kaiſer, oder einen Churfuͤrſten, oder Geiſtlichen oder weltlichen Reichsfuͤrſten, 
oder fonft einen gewiſſenhaften Prälaten in Preuſſen oder Liefland vereinigen, und durch 


den als einen willkuͤhrlichen Richter einen Ausſpruch thun laſſen, und folchen befolgen. 


Im letztern Fall konte man dem Praͤlaten von belden Theilen in gleicher Anzahl gute Maͤn⸗ 
ner zugeſellen, oder man wolte zweien aus dem landadel und zweien Ordens perſonen aufs 


ihrer 


1451. 


1452. 


Reiſe nach Pommern thun muſte, und eine Unterredung mit dem Könige von Pos 
len Caſimir im Werk war. Am Tage Jacobi beſprach ſich der Hochmeiſter mit dem 


316 Geſchichte von Preuſſen. 


1452. 


Die ſache 
kommt vor 
den kaiſer. 


aber in der That beide auf die Gerechtigkeit ſeines Ausſpruchs wenig dene, 
da es mehr als zu bekandt iſt, wie es an dem Hofe dieſes Kalſers in Abfipebe 


ihrer Eide erlaffen wären, und wenn ſich folche nicht einigen konten, folte Papſt oder Kal⸗ 
fer, oder ein anderer Reichsfürft Obmann fen. Doch auch dieſe Vorfehläge verwarfen die 
Bundesgenoſſen, weil man fie bereits bey Papſt und Kaifer, auch dem ganzen Reich verhaßt 
gemacht, auch innerhalb im lande ſich nicht leicht jemand finden wuͤrde, welcher ohne Furcht 
vor dem Orden ſich der Sache unterziehen möchte, wozu noch kame, daß fie zu den vorge⸗ 
ſchlagenen Obmaͤntiern eben kein Zutrauen haben könen. Sie von ihrem Thel wolten den 
König Caſimir von Polen zum Schiedsrichter nebſt deſſen Rächen vorſchlagen, der Or⸗ 
den könte auf feinem Theil demſelben zugeſellen, wen er wolte. Weil aber der Orden aus 
ſihr wichtigen Urfachen die Polacken nicht gerne ins Spiel ziehen wolte, und folglich deſ 
fen Schiedsrichteramt gänzlich ausſchlug, ſo blieben die Bundesgenoſſen daben, daß 
ſie nun nichts weiter thun koͤnten, als daß fie die Rechtmäßigkeit ihres Bundes dem 
Kaiſer durch Geſandten vorſtellen laſſen muͤſten. Sie ernannten ſolche auch wirklich. 
Doch ihre Abreiſe verzog ſich noch eine Zeitlang, in welcher die Verbitterung von bein 
den Thellen zunahm. Die Bundesgenoſſen wurden von den Rittern vor leibeigene 
Knechte ausgeſchrien, deren Bund alſo nichts als eine Empdrung zum Grunde Habe. 
Jene raͤcheten ſich dadurch, daß fie die Ritter als lauter Tyrannen vorſtelleten. Bein 
de droheten ſich bereits mit der aͤuſſerſten Gewalt, gegen die man ſchon auf beiden Ser 
ten Zuruͤſtungen machte. Der Hochmeiſter verbot aber nicht nur alle üble Nachreden 
und Zuruͤſtungen, ſondern verlangte auch von den men 1 


$. 163. 2 


Endlich verglichen ſich beide Theile uͤber einen Schiedsrichter, wozu (eben d, 
fer erwaͤhlten. Aeneas Sylvius 4), der ſich damals am kaiſerlichen Hofe befand, 
ſowol als die kaiſerlichen Urkunden ſelbſt, bezeugen aus druͤcklich, daß Friedrich z nicht 
als ein ordentlicher Oberherr, ſondern als Schiedsrichter die Sache unterſuchen ſolte. 
Die Ausdruͤcke der Parteien ſowol als der kaiſerlichen Schriften, worin man 
eln dem Reiche unterworfenes land vorſtellet, waren Ausdruͤcke, die auch von andern X: 
Reichen gebraucht wurden. Ueberhaupt bedienete man ſich damals noch nicht ſo win 
ler Behutſamkeit als jetzo, alle Ausdruͤcke zu vermeiden, die ſich ein Staat 
theil der Unabhaͤnglichkeit des andern bedienen konte. Der Orden ließ ſich d 

richterlichen Ausſpruch des Kaiſers gefallen, weil derſelbe ſchon gegen den Bun 
genommen war, und der Orden in Deutſchland viele Freunde hatte, . 
grauete, daß ſich Polen darein miſchen wuͤrde. Die Bundesgenoſſen w 
auch zufrieden, den ſchiedsrichterlichen Ausſpruch des Kalſers ſich gefallen zu 
derſelbe bereits auf ihr Begehren 1441 ihren Bund beſtaͤtigt hatte ). "Sie b. 


pflege hergieng, und was vor bittere Wee ſelbſt das ganze 1 


"Si f. Y Pr. Samınl. Th. 2. S. 156. 
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„ K — FE WETTE - —— 
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daher ſelbiges auch vor nöͤthig hielt, auf ein beſſer eingerichtetes Reichsgericht zu drin⸗ 
gen. Daß man den Kaiſer blos durch willkuͤrliche Wahl zum Schiedsrichter beliebet, 
und er durchaus kein Oberherr beider fireitenden Parteien geweſen, haben ſchon vor 


mir laͤngſtens ſowol der felige Canzler der Halliſchen Friedrichs hohen Schule Herr 


von Ludwig m), als auch der geſchickte Herr D. Ohlius 1) genugſam bewieſen. 
Die Geſandten beider Theile kamen wirklich zum Kaiſer. Die Bundesgenoſſen ſuchten 
ihren Bund zu vertheidigen, und einen Rechtstag gegen den Orden wegen aller Be⸗ 
ſchwerden; der Orden aber blos die Vernichtung des Bundes. Der Kalſer aber that 
in der Wahrheit nichts, und beſchiede die ſtreitenden Theile auf Johannis des folgen⸗ 
den Jahres. Er entſchuldigte ſich bey allen Gelegenheiten mit feinen vielen Geſchäͤf, 
ten. Indeſſen beſtäͤtigte er doch die Freiheiten der preußiſchen Stände o), und gab 
dem Biſchof von Leslau das Recht von den Freiheitsbrifen der Zur beglaubte 


Abſchriften zu nehmen p). Er befahl dem Biſchof zu Camin die Preuſſen gegen die 


heimlichen Fehmgerichte zu ſchuͤtzen J. Er verbot während dem Rechtshandel alle 
Neuerungen und Beleidigungen beiden ſtreitenden Theilen. Er verſtattete den Bun⸗ 
desgenoſſen ſich mit einander zu berathſchlagen, Vollmaͤchtigte abzuordnen und Schatzun⸗ 
gen aufzulegen, um die Koſten des Rechts handels beſtreiten zu koͤnnen 7). Auſſer der la⸗ 
dung des Kalſers au den Hochmelſter, welche die Bundesgenoſſen 1453 ausgebracht 5), 


bedienten ſich auch einzelne Perſonen jetzt der Gelegenheit, ihr Recht gegen den Orden zu ſu⸗ 


chen. Jacob Kaſchube forderte zum Beifpiel die Erſetzung des Dorfs, welches Hen⸗ 
rich von Plauen feinem Vater gegeben hatte, nachher aber von dem Nachfolger dleſes 
Hochmeiſters wieder eingezogen war, und erhielt darüber ebenfals eine Faiferliche la⸗ 
dung ?), Die Bundesgenoſſen beſchwereten ſich indeſſen bey dem Hochmeiſter, bey dem 
fie Entſchuldigungen anbrachten, warum fie ihm die erhaltenen kaiserlichen Begnadi⸗ 
gungsbrlefe nicht erthellen konten, daß man von Seiten des Ordens dieſe Begnadigun⸗ 
gen und Beſtaͤtigungen des Kaifers vor unterſchoben oder verfaͤlſcht ausſchrie; ihnen weh⸗ 
ren wolte Auflagen auf die Bundesgenoſſen zu Fortſetzung ihrer e eee 


E zu machen; ſie bey aller Gelegenheit ihrer Eide erinnere, die fie doch beobachteten, da 


doch auch der Hochmeiſter ihnen angelobt, ſie zu ſchuͤtzen, und ihre Beſchwerden ab⸗ 
zuthun; endlich, daß die Ordensbediente die Bundesgenoſſen überall als Ehren, und 


2 Pflichtvergeſſene Aufwiegler und Empoͤrer ausſchrien. Der Hochmeiſter beantwor⸗ 
tete ſolches: er wolle ſie zu Mittheilung der kaiſerlichen Urkunden nicht zwingen, und 
wiſſe nicht, daß man ſolche vor unterſchoben oder verfälfcht ausgegeben. Er könne fe 


nen aber freilich das Recht, Auflagen zu machen, welches allein einem Landesherrn zus 


. ſtuͤnde, nicht einräumen, beſonders da ſolches eine Neuerung ſey, die doch der Kaifer 


Überhaupt, fo lange der Rechtshandel dauret, verboten. Man könne es ihm nicht 
3 AL € 2 5 Tae ihrer Pflicht und Treue zu br ez da dles der 


. 6 N 308 f ir 
1 gente nen von JRR No. 2. J) Pr. Samml. Th. 2. S. 373 
19085 Pr. Th. 5 “ . r) Pr, Samml. Th. 2. S. — 655. 
Pr. Samml. 3. 2. 5 un s) It. 2. p. 683. 


5 Ibid. 3. P. 7 24. 9 pr. Heſr. S. 768. 


Ludwig von Erlichshauſen. 317 


1452. 


1453- 


1453. 


es abſchlug, da Caſimir fein Schiedsrichteramt anbot. Endlich reiferen die © 


a lich die Gefangenen freigelaſſen wurden. Maltitz hatte ſich damit 155 vol 


arg Bit an Peeuffen. 


gelindefte Weg ſey, diejenigen, welche ſich wehl merken lieſſen, daß fie an Neuerun ⸗ 
gen tuft hatten, davon abzubringen. Er habe bisher noch immer feiner Zuſage ein 
Gnöuͤgen geleiftet, und wolle das noch kuͤnftig thun. Die ausgeſtoſſene Schmaͤhung 


billige er nicht, und wolle, den andern zum Beiſpiel, denjenigen hart beſtrafen, dem ſol⸗ 


ches erwieſen werden würde. Zugleich ſchlug er abermals ein Mittel zu gůtlicher Vereini · 
gung vor. Jeder Theil folte vier redliche unverbächtige Männer wählen, die fich über 
die Mittel alle Irrungen beizulegen, ohne Ruͤckenhalt und vertraulich beſprechen, auch 
vereidet werden ſolten, daß wenn der Vergleich nicht erfolge, Zeitlebens keinem Men⸗ 
ſchen etwas von dem entdecken ſolten, was ihnen von der andern Parten anvertrauet 
worden. Allein die Vereinigten ſchlugen dies Mittel aus, und damit alle ihre An, 
ſchlaͤge künftig deſto geheimer und geſchwinder giengen, fo ſetzten ſie 2 
Rath von 20 Perſonen, 10 aus dem Adel und 10 aus den Städten nieder, die at 
ihre Abſicht völlig erfuͤleten. Nun waͤhlten beide Theile die Geſandten an den 

denen beide auch die gehörigen Vollmachten ausfertigen lieſſen u). Die, — 
Orden abſchickte, konten ſich auf die Vorſprache des Herzog Ludwigs von Bayren, 
Antons Biſchof von Bamberg, und der Marggrafen Johann und Alb n 
Brandenburg verlaſſen. Man bemuͤhete ſich auch an andern deutſchen Ge die 
Sache des Ordens aufs beſte vorzuſtellen. Die Einigungsverwandte hingegen 
ten ſchon damals an den König von Polen; und baten ſich deſſen Beiſtand aus, w 
man gegen fie Gewalt brauchen wolte. Caſimir ſagte ihnen folches zum sten 
druß des Ordens zu, der ihm dagegen alle Vorſtellungen machen ließ, aber 


ten beider Theile nach Neuſtadt in Oeſterreich unter ausdruͤcklichem Geleitsbi 1 
des Kalſers x) und des boͤhmiſchen Königes Ladislai ab. Die Ordensgeſandten fp 4 i 
chen unterweges verſchiedene Fuͤrſten, ſonderlich den Churfuͤrſten Bribrich 2 vn on 
Brandenburg um Beiftand an, wenn die Vereinigten, die fich auf — Bei 
ſtand zu verlaffen ſchienen, dem Ausſpruch des Kaiſers kein Gnuͤge thun wolten, 1 
verfuͤgten ſich ſodenn zum Kaiſer. Aber den Geſandten des Bundes e f 
theils das Ungluͤck, daß fie unweit Bruͤn von dem von Maltitz uͤberfallen, e 
toͤdtet, andere gefangen, und ihrer Schriften beraubt wurden. Dies 
handel, der nun am kaiſerlichen Hofe feinen Aufang genommen, eine g 
niß, und die Bundesgenoſſen erhielten einmal uͤber das andere einen Aufſc 


len, daß er kaiſerliche Unterthanen überfallen, mit denen Böhmen n 
fen. Aber Georg Podiebrad unterſchied ſehr rechtmäßig, daß der $ 
Richteramt als Oberherr, ſondern als blos willkuͤrlich angenommener E 00 
fͤhre. Endlich kam es zum weitläuftigen gerichtlichen Verfahren beider Pa 
von keinem Theil etwas geſparet wurde, was zur Befchönigung m Sac 
heit, Dee der er nur ausdenken oder 1 konte. a 


5) Pr. Samml. Th. 2, S. 519. . e pr. Sunn. 26. . E 4 ö . 


m mem 


— 


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* 


10 
1 


Ludwig von Erlichshauſen. 319 


Leſern mit Einſchaltungen der Gerichtshandlungen und Schriften nur eckelhaft werden, 
und berufe mich daher fuͤr die, welche ſolche wiſſen wollen, auf die unten angeführten 


Schriftſteller )). Alles kam auf zwey Hauptſtuͤcke an, 1. auf die Klagen der Bus 


desgenoſſen über den Orden, 2. auf die Frage, ob der Bund rechtmäßig fen, und 
beſtehen konne. Da wir oben die Beſchuldigungen, welche man dem Orden gemacht, 


beigebracht, fo iſt es billig, daß wir auch das hören, was der Orden zur Verant⸗ 


wortung geſagt. x. Den Zoll zur lahmen Hand entſchuldigt der Orden mit feinen 
Berechtigungen, die er von Päpften und Kaiſern erhalten, und der Nothwendig⸗ 
keit. 2. Die Buͤndniſſe mit Auswärtigen hiengen blos von den Einſichten des Landes⸗ 
herrn ab, und der mit dem Suidrigello ſey auf Verlangen des Kaiſer Sigmunds 
geſchloſſen. 3. Die Entſetzung des Hochmeiſters Henrich von Plauen und feines 


Vetters des Comthurs von Danzig, und 4. der darauf erfolgte Bruch des mit Polen 
geſchloſſenen Friedens übergehen die Ordensgeſandten mit Stillſchweigen. 5. Der 
Hochmeiſter Paul von Rusdorf habe ohne Einwilligung feiner Gebieter und der tan 
despraͤlaten keine Erlaubniß zum Bunde geben koͤnnen. 6. Ihre Muͤnze fey gut, von 
den Städten wohl 16 Jahr ſelbſt geſchlagen, und den Münzen der Benachbarten vers 


tnißmaͤßig eingerichtet. Die Flaͤmiſche Elle aber ſchon vor go Jahren mit Ber 


willigung der Landeseinwohner verkuͤrzt. 7. Zum Pfundzoll wäre der Orden als tan 


desherr und wegen ſeiner habenden Freiheiten berechtiget, und von den Unterthanen et⸗ 
liche Jahre auf unbefugte Art darin geirret. 8. Da man den Orden beſchuldiget, daß 
da bisher den Schalaunern vor die Bewahrung der Landesgrenzen im groſſen lithaui⸗ 
ſchen Kriege Korn und Wartgeld verheiſſen worden, fo hätte dieſes nach Endigung 
des Krieges nicht mehr erhoben werden ſollen; ſo antwortet der Orden, daß man noch 
wirklich zu Bewahrung der Grenzen zwey Schlöffer Ragnit und Tilſit mit Volk und 
tebensmitteln verſehen muͤſſe, und daher halte der Bund die Lieferung des Korn und 


Wartgeldes widerrechtlich vor. 9. Die Muͤhlbeſchwerden wurden nicht beantwortet. 
10. Mit denen Lehnen verführe der Orden nach uͤblichem Lehnrecht, und fie belehnten 


lauter landeskinder, welche in ihren Dienften waͤren, mit denen: erdfneten Lehnen, 
welches daher wohl keine Urſache zum Bunde ſeyn könne. 1. Der Hochmeiſter Hen⸗ 
rich von Plauen habe bey der Veränderung des thornſchen Raths als Landesherr ger 
handelt. 12. Denen Elbingern ſey nichts, was ihren Freiheiten und Rechten nach⸗ 


theilig geſchehen. 13. Die unter dem Hochmeiſter Henrich von Plauen Hingerichtete 


von Adel haͤtten ſolches verſchuldet, ob man gleich zum Beſten ihrer Haͤuſer ihre Ver⸗ 


brechen nicht entdecken wolle. Zu dem haͤtten dieſe Ungluͤcklichen Kinder und Vers 


wandte, welche keine Urſachen zu klagen zu haben glaubten. 14. Der Ruͤdiger Cle⸗ 
rick ſey ins Waſſer geworfen, nicht weil er kadungen nach Rom ausgebracht, ſondern 


weil ſchon drey Urtheile gegen ihn mit Anrufung des weltlichen Arms vorhanden gewe⸗ 


fen, und man dieſen Umtreiber anders nicht habhaft werden konnen. Die andern, wel⸗ 


ehe ebenfals ertrenckt worden, find in dem Kriege des Ordens gegen den Erzbiſchof von 


. * 88 Riga 
) Schüg f. 171 193. Pr. Samml. B. 2. S. 464 f. und 889 f. 


= 


1453. 


4453. 


* 


3²⁰ Geſchichte von Preuſſen. 
Riga von Lieflaͤndern ins Waſſer geworfen, dieſe Sache gehe Preuſſen alſo nichts 
an, und ſey gar zu alt, und von Perſonen verrichtet, die laͤngſt mit Tode abgegangen, 
welches auch 15. von den Comthur von Mewe gilt, der polniſche Kaufleute erſchlaß 
gen und beraubet. 16. Die Ratheperſonen von Danzig, die der Comthur Henrich 
von Plauen binrichten laſſen, hatten ſolches dadurch verdlenet, daß fie dem Comthur 
von Derſchau, einem von Querfurt unter dem Rathsſiegel einen Abſagsbrief zuger 
ſchickt. 17. Wilhelm von Stein ſey nie uͤberfuͤhrt worden, daß er Schuld an des 
Zimmermanns Tode geweſen, um deſto freier mit deſſen Weibe leben zu koͤnnen, und doch 
waͤre er, aus bloſſem Verdacht gegen ihn, von dem Hochmeiſter mit einem ewigen Gefaͤng⸗ 
niß nach den Ordens regeln beſtraft worden, worin er auch geſtorben. Ueberhaupt 18 waͤ⸗ 
ren alle Beſchwerden, die man als Urſachen des Bundes angaͤbe, entweder nach bereits 
gemachten Bunde oder lange vorher vorgefallen. Die Beſchuldigungen giengen alle 
gegen den Orden, und doch wären biſchöfliche Unterthanen ebenfals in den Bund ge 
treten. Endlich 19 hätten zwar die Bundesgenoſſen zwey Briefe wider des Pauls von 
Rusdorf Regierung bekandt gemacht, die aber von feinen Feinden geſchrleben wären, 
und Sachen enthielten, die dieſer Hochmeiſter nicht ſowol wider das land, als wider den 
Orden vorgenommen, und alſo könte man auch hierin keinen Behuf oder Urfache zum 
Bunde finden. Eben dieſer Bund und deffen Rechtmaͤßigkeit war das andere Haupt 
ſtuͤck des Streits unter beiden Theilen. Der Orden fochte ſolchen auf manche Art 
an, und die Bundesgenoſſen ſuchten denſelben auf viele Wege zu vertheldigen. Ver⸗ 
gebens verſuchte der Kaiſer anfänglich einen guͤtlichen Veralcich. Die Bundesgenoſſen 
hatten dem Kalſer vor die Beſtaͤtigung des Bundes 4500 Gulden zugeſagt 2), und 
glaubten, daß die ihre Frucht tragen muͤſten. Der Orden mochte vielleicht auc 
reichlich geſaͤet haben, und verſprach ſich eine gute Erndte. Endlich merkten die Ab⸗ 
geordnete des Bundes, daß der Spruch für fie nicht wohl klingen möchte, und mel 
neten, der Kaiſer folle nur daruͤber erkennen, ob fie ihre Klagen und die Urſachen zum 
Bunde bewieſen hätten, nicht aber über den Bund ſelbſt, ob er bey Kräften ben 
ſolte, oder nicht einen Spruch thun ſolte. Sie blieben alſo an dem Urtheils Tage 
aus. Demungeachtet erfolgte daſſelbe in Gegenwart der Faiferlichen Gerichteperfonen 
und der Abgeordneten von verſchiedenen Churfuͤrſten und geiſtlichen und weltlichen Für 
ſten vor den Orden. Der Bund ward darin vor nichtig erklaͤret. Der Kal me 
ſich darin a) ausdruͤͤcklich einen verwilligten Richter, daß es alſo hieraus gewiß ſt, 
daß er nur Schiedsrichter geweſen, und nicht als Oberherr geſprochen. Zum 0 
Ungluͤck aber legten die Bundesgeſandten einen feierlichen Widerſpruch ö) gege 
Ausſpruch ein. Man beſchuldigte den Kaiſer einer Parteilichkeit, da er Egurf 
und Fuͤrſten zu der Unterſuchung gezogen, über die die Parteien doch nücht einig 
den, daß er in der Hauptſache den Bund betreffend erkannt, welches ihm d 
aufgetragen, und er doch als bloſſer erwaͤhlter Richter nur über das ſprechen fol 


vg 


— _ ine 
* 


5) Pr. Sammi. Th. 3. S. 245. 


x) Pr. Samml. Th. 3. S. 242. „) Pr. Samml. Th. 2. S. 466 RE 8 = 
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Ludwig von Erlichshauſen. 321 
ihm aufgetragen worden. Endlich weil er ein Urtheil abfaſſe, ehe fie noch alle Beweis 
ſe beigebracht. Sie verlangten, daß er von nun an fich alles Richteramts enthalten 
ſolte. Sie hatten mit einem ſchwachen Herren zu thun. Als man das Siegel von 
der Urkunde abreiffen wolte, worin er den Bund beſtaͤtiget, fo verbot er ſolches, weil 
ſeine Urkunden bey Kraͤften bleiben muͤſten. Man kann nicht begreifen, wie dieſes 
mit feinem Ulrtheil beſtehen konte c). f 

0 | $. 164. 


1453. 


Doch ber Faiferliche Spruch hatte vor den Oden die betrͤbteſte Folhen. Der Der bund 


kluge Aeneas Sylvius, der auch zu den Raͤthen des Kaiſers gehörte, aͤuſſerte bereits ee e 


feiner damaligen Meinung der Bund immer wäre, ſich an Polen hängen möchten. 
Schon waͤhrendem Rechts handel giengen die Kriegsruͤſtungen von beiden Theilen an. 
Der Hochmeiſter ließ die Schloͤſſer mit Mannſchaft und lebensmitteln verſorgen, well 
er vernommen, daß die Bundesgenoſſen zu Graudenz ſich gewafnet verſammlen wol⸗ 
len, und berichtete denen Bundesgenoſſen, daß er ſolches blos zur Vertheldigung vor 
noͤthig gefunden. Dieſe aber ſahen ſolches vor eine vom Kalſer verbotene Neuerung 


an, und baten um ſo mehr um Abſtellung aller Krlegsruͤſtungen, da die gewafnete 


Verſammlung eine falſche Erdichtung fey. Weil aber ihnen von auſſen von verſchle⸗ 


denen mit Krieg gedrohet wurde, ſo ſetzten ſie ſich gleichfals, obgleich in aller Stille, 


in die beſte Verfaſſung, die um fo viel vermehrt wurde, da fie von Zeit zu Zeit die 
Nachricht erhielten, daß ihre Sache am Faiferlichen Hofe keinen guten Ausgang ha⸗ 
ben wuͤrde. Ihre Verbitterung wuchs durch den wirklich geſchehenen kalſerlichen 
Spruch, und die Ritter brachten fie völlig zur Verzweiflung. Der Orden ſprengte 
aus, daß er nunmehro befugt ſey, alle Freiheiten und Rechte denen Ständen zu neh⸗ 
men, von ihnen 600000 Gulden Strafe und die verurſachte Unkoſten zu fordern, und 
300 Perſonen von den Bundesgenoſſen nach Gefallen auszuſuchen, und am leben zu 
ſtrafen. Alles dies bewog die Bundesgenoſſen ſchon den aten Febr. 1454 dem Hoch⸗ 


meiſter und dem Orden allen Gehorſam aufzukuͤndigen, und weil fie einen blutigen 


Krieg voraus ſahen, ſich den Schutz eines mächtigen Königes zu verſichern. Es was 
ren unter ihnen hiebey die Könige von Daͤnnemark, Böhmen und Polen im Vor⸗ 
ſchlage. Weil man aber dem Chriſtian 1 von Daͤnnemark nicht recht trauete, und 
ihn vor einen Freund des Ordens hielt, auch von ihm nicht genugſame Unterſtuͤtzung 
vermuthete, da er in offenbarem Kriege mit dem ſchwediſchen Reich und Carl Cnut⸗ 
fon begriffen, auch den König von Böhmen und Ungarn Ladislaum zu einem fo 
wichtigen Werke zu jung hielt, ſo entſchloß ſich der Bund den König Caſimir von 
Polen zum Herren anzunehmen. Der Einwurf, daß im letzt geſchloſſenen ewigen 
Frieden unter andern ausgemacht worden, daß weder Polen noch der Orden aufrüßs 
riſche Unterthanen unterſtuͤtzen ſolle, wurde wenig geachtet, weil man wohl 0 
* da 


Y Schuͤt ſ. 194 
p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ss 


vor deſſen Bekanntmachung die Beiforge, daß ſich die Vereinigten, fo unbillig nach an Polen. 


1454. 


1454. 


322 Geſchichte von Preuſſen. BE 

daß der Vortheil, den man den Polacken anbot, mehr Eindruck als die Vertruͤge ma⸗ 
chen wuͤrde. Es ſind nur wenig Beiſpiele vorhanden, daß Regenten durch ihre Ber 
tragſchluͤſſe ſich abhalten laſſen, ein ihnen angebotenes Land auszuſchlagen. Aus allen 
Umſtaͤnden erhellet uͤberdies, daß man mit Polen dieſerhalb bereits mehr als zu ei 
geweſen, und daß man nur des Wohlſtandes wegen noch einige Feierlichkeiten Bi 2 
fügen muſte. Es wurden deswegen von des Bundes wegen Geſandten nach Polen 
geſchickt, die zum Schein den Auftrag bekamen, daß wenn Caſimir ihr Geſuch abs 
ſchluͤge, fie ſodenn ſolches dem Ladislao von Böhmen antragen ſolten. Daß die 
Bundesgenoſſen aber bereits ihrer Huͤlfe gewiß ſeyn mochten, erſiehet man daraus, daß 
fie an eben dem Tage, den 6ten Febr. da der Hochmeiſter zu Marienburg ihre 
Kriegserklaͤrung erhielt, bereits mit den Feindſeligkeiten den Anfang machten. Das 
thornſche Schloß ward nicht, wie Schuͤtz ſagt, durch Sift, ſondern durch offenbare 
Gewalt zur Ulebergabe gezwungen d). Den ꝛten giengen die Feindseligkeiten an, und 
den sten ergaben die Ritter das Schloß mit allem was darinnen war. Sie bedungen 
ſich einen freien Abzug nach Deutſchland und denen Einwohnern der Stadt, die auf 
dem Schloß befindlich, die Erhaltung ihres lebens. Den Tag vorher hatte nach dr 
ner Handſchrift der Hochmeiſter den Obermarſchall von Koͤnigsberg, den Comthur 
von Danzig, den Comthur von Graudenz, den Pfleger und Kellermeiſter von Pa⸗ 
paw, den Großſchäffer und einen weltlichen Grafen von Gruͤningen abgeſchickt, um 
den Bundesgenoſſen neue Vergleichsvorſchlaͤge zu thun. Sie wurden aber insgeſumt 
in Papaw gefangen und nach Thorn gebracht. In dieſer Stadt wurde auf dem 
hoͤchſten Thurm ein Feuer gemacht. Dies war die allgemeine Loſung der Bundesger 
noſſen in allen Orten, auf welches den gten Febr. die Einwohner von Bergelow, 
Papa, und nachher die von Graudenz, Althaus, Strasburg, Schwetz, Die 
we, Sobbowitz die Ordensſchlöſſer dieſer Orte angriſſen, und fie unter des ö 
Gewalt brachten. Schoͤneck trat zum Bunde, die Neuſtadt Thorn unterwarf fih 
der Altſtadt Thorn. Der Hauscomthur von Danzig übergab das Schloß geg 
freien Abzug der Gefunden nach Deutſchland, und Unterhaltung der kranken Brüde 
an die Stadt, und auf feinen Rath wurde das Schloß zerſtoret. Das Schloß Gre⸗ 
bin ergab ſich ohne, und Elbing den zaten Febr. nach kurzer Gegenwehr. De 
ıgten kuͤndigten die ermlaͤndiſchen Unterthanen ihrem Biſchof den Gehorſam auf. 
Braunsberger pluͤnderten der Domherrn Häufer, das Schloß Balga ward zer 
Wormdit eingenommen, und das Schloß in Königsberg muſte ſich unter der Bebingu 
ergeben, daß die Ritter bis auf das Frühjahr unangefochten in Lochſtaͤdt bleiben ſolten. 
In 4 Wochen waren 36 Schloͤſſer in des Bundes Gewalt. Die Bundesgenoſſen ke 

ten ſich aber nicht einigen, was mit den Schlöffern anzufangen. Der Adel wolte ſie 
beibehalten und befegen, die Städte drungen auf ihre Zerſtoͤrung. Viele find heben 
untergegangen, andere aber erhalten worden. Die Ritter. hatten fich einen ſo geſch win 


) Die ſchroͤterſche Handſchrift, deren. Verfaſſer ein Thorner, erzehlt bavon de 
Umſtaͤnde. = 4 


Laubwig von Erlichshauſen. — 


den allgemeinen und hitzigen Angrif nicht versehen. Alles flohe daher auf die Schlöſ⸗ 


ſer Marienburg, Stum und Conitz, welches faſt die einzigen Orte, ſonderlich im 
weſtlichen Theil des Landes waren, die ſich noch in ihrer Gewalt befanden. Der 
Bund gab auch allen auf der See befindlichen Preuſſen von dem, was im lande vor⸗ 
gefallen zu ihrer Warnung Nachricht, und erſuchte den König von Daͤnnemark, fol 


che in ihrer Fahrt nicht zu behindern. Nun ſolte auch Marienburg belagert werden. 
Die Danziger ſchloſſen den Ort auf der einen, und die uͤbrigen Bundesgenoſſen auf 


der andern Seite der Nogat ein. Endlich erfuhr man was Polen beſchloſſen. Nach⸗ 
dem die Geſandten des Bundes ihren Vortrag gethan, ſuchte der Ordenstreßler, wel⸗ 
cher ſich eben in Cracau befand, um dem Könige zu feiner neuen Gemalin Eliſabeth, 
einer Schweſter des Könige Ladislai, Gluͤck zu wuͤnſchen, dem Caſimir abzurathen, 
Rebellen gegen den ewigen Frieden in Schutz zu nehmen, konte aber nichts weiter er⸗ 
halten, als daß der König ſich zu bedenken ſchien, und zum Schein, dem Bunde den 


Rath gab, ſich mit feinen Herren auszuſoͤhnen. Da aber die Bundesgeſandten noch 
weiter um den Schutz des Koͤnigs anhielten, und Miene machten, als ob ſie ſonſt ſich 


an Ladislaum wenden muͤſten, nahm Caſimir endlich die Bundesgenoſſen auf Bes 
dingungen, die ſie ſelbſt vorſchlugen, zu ſeinen Unterthanen an, und erklaͤrte ſel⸗ 


ne Urſachen, die ihn dazu bewogen, in einer öffentlichen Schrift. Die Tyranney des 


Ordens, welche er auf den Bericht der Bundesgenoſſen vor bekandt annahm, Härte 
ihn bewogen eines landes wieder ſich zu bemaͤchtigen, welches ehemals zu Polen gehoͤ⸗ 
tet, und wovon die Kreuzherren ungerechte Beſitzer geweſen. Wer aber hatte ihn zum 
Richter über das Betragen des Ordens gemacht? oder wie konte Polen alle ſchon oft 
widerlegte Anſpruͤche auf ein kand wieder mit Recht hervorſuchen, welche doch durch 


die heiligſten Friedensſchluͤſſe abgethan waren? Der Vortheil der Polen und das 


Gluͤck der Bundesgenoſſen thaten alſo in der That das meiſte zu der Entſchluͤſſung Ca⸗ 
ſimirs. Keine Zeit war bequemer Preuſſen mit Polen zu verknuͤpfen. In Un⸗ 
garn und Böhmen herrſchte Caſimirs Schwager. Friedrich 3 konte in Deutſch⸗ 
land weder ſich noch denen Ständen des Reichs helfen, und das Reich wurde unter 
ihm einer Mördergrube ahnlich. Chriſtian von Daͤnnemark und Carl Cnutſon 
von Schweden hatten nähere Händel unter ſich auszumachen. Rusland ſtand noch 
unter der Gewalt der Tartarn, und dieſe ſowol als die Tuͤrken hatten nach der Eros 


beerung von Conſtantinopel viele Zeit nöthig, um ſich in dem griechiſchen Kaiſer⸗ 


thum recht veſt zu ſetzen. Der Papſt konte mit nichts als Schriften ſchrecken. Der 
Orden ſelbſt war unter ſich uneins, von ſeinen Unterthanen verlaſſen und bekriegt. Es 
war ſchon lange abgekommen, ohne Sold dem Orden zu dienen, um Ehre und Sellg⸗ 


keit zu erwerben. Es ward Geld erfordert deutſche Huͤlfe zu erhalten, die bey dem 


allen bey denen innerlichen Kriegen der deutſchen Reichsſtaͤnde nur ſchwach ſeyn konte. 
Polen war mit Lithauen und verſchiedenen rußiſchen Provinzen verknuͤpft, und kon⸗ 
te ſich die gröſte Rechnung machen, Preuſſen durch feine eigene Einwohner, welche 
als Verzweifelte vor Freihelt, Gut, teib und leben ſtritten, zu erobern. Sie ſuchten 

2 Nr t S862 N gleich 


1454. 


324 Geſchichte von Preuſſen. 
1454. gleich anfänglich, die nöthigen Summen zu Fortſetzung des Krieges auszumachen. SIE 
beſtimmten hiezu alles was dem Orden gehörte, alle deſſen Einkuͤnfte, was er in Schlößß 
fern verlaſſen, was er auf der See auf Schiffen hatte e). Selbſt das 
in den Ordenskirchen ward in die Muͤnzen geſchickt. Der Orden ließ zwar ben dem Papſt 
und Kalſer, fo wie bey andern deutſchen Höfen durch den kandcomthur von Sachſen 
Friedrich von Polenz /), uͤber den Aufſtand und den König Caſimir die bitterſte 
Klage führen. Er ließ auf dem Reichstage zu Regensburg ſich um deutſche Huͤlſe 
erwerben, die dagegen die polniſchen Geſandten bey dem Papſt, dem Reichstag vnd 
dem König Ladislao abzuwenden ſich bemuͤheten. Deutſchland that wirklich vor 
den Orden wenig oder nichts. Es ſchickte Geſandten an Caſimir und Ladislaum, den 
erſten von den preußiſchen Sachen abzuziehen, den andern aber um Huͤlfe vor den Or⸗ 
den anzuſprechen. Allein Geſandtſchaften waren hier nicht hinreichend, weder denen 
Polacken es leid zu machen, ein ſchönes ihnen angebotenes land anzunehmen, noch 
Ladislaum zur Huͤlfe gegen feinen Schwager zu bewegen, ob ſich gleich der Orden in 
deſſen Schutz begeben. Ihr Anbringen an Caſimir lief eben ſo fruchtlos ab, als das 
Anbringen einer boͤhmiſchen Geſandtſchaft an eben dieſen König. Der Orden erſuch ⸗ 
te zwar Herzog Wilhelm von Sachſen fein Beſtes auf dem deutſchen Reichstage zu 
Frankfurt zu unterſtuͤtzen. Allein die Unruhen in Deutſchland hinderten auch hier 
die Huͤlfe ſowol vor den Orden als gegen die Tuͤrken, obgleich Aeneas Sylvius zwey 
Heere in Vorſchlag brachte, davon das eine aus Sachſen und Böhmen „ 
ſen, das andere aus andern Reichslanden gegen die Tuͤrken abgehen ſolte es 
Orden un alſo ſich ſelbſt fo gut als möglich helfen. 


g. 165. 


AN Er ſchlug in einem Ausfall die Danziger, welche auf der einen Seite J 
gewinnet eine burg eingeſchloſſen hielten, und ließ denen Einwohnern des groſſen Werders bey teib⸗ 
ſchlacht bey und kebensſtrafe anbefehlen, ihre Habſeligkeiten nach Marienburg zu flüchten, m 
un. ſelbſt die Ufer der Weichſel zu befegen, damit niemand darüber kommen konte, auch 

befonders die Danziger feindlich zu behandeln. Denn dieſe wolten wieder vor e 
rienburg ziehen. Weil fie aber Nachricht erhalten, daß der Deutfchmeifter mit g 

fer Macht auf zweien Wegen durch die Neumark im Anzuge, und ſie ſelbſt eine Be, 
lagerung ihrer Stadt befuͤrchteten, fo behielten fie ihre Mannſchaft beiſammen, beve / 
ſtigten Danzig aufs beſte, und belegten Schlochau mit einer Beſatzung. Nunmehr 
kamen königlich polnifche Geſandten in Preuſſen an, die den Bundesgenoſſen vor 
den König den Eid der Treue abnahmen. Der König Caſimir langte endlich 
ſon nebſt ſeiner Frau Mutter und Gemalin in Thorn an, und er verfuͤgte ſich ſod 
nach Elbing, wo ſich auſſer denen bisherigen Bundesgenoſſen ihm auch die 
von ana e . und Wen nebſt denen ermlaͤndiſchen Seifesu 


0 Schütz f. 10 a /) Geſamml. Nachr. S. 76. ee d 
\g) Muller Reichs. = Friedrich 5. Vorſtell. 2, S. 434. 472. und 5 5 N. * 


8 — — —. 


* 


RR 


a) 


— — 
vn my» 2 


Ludwig von Erlichshauſen. 325 
nen und denen Capituls zu Frauenburg und Guttſtadt unterwarfen. Der Biſchof 
von Ermeland Franz Kuhſchmalz aber war auf feiner Ruͤckreiſe von Wien zu Bres⸗ 
lau mit Tode abgegangen. Dieſer Praͤlat, der eine groſſe Feindſchaft auf die Bundesgenoſ⸗ 
fen, ſonderlich auf die von Bayſen gehabt, war am meiſten Schuld, daß die Verbitte⸗ 
rung endlich die Gewalt geboren. Denn ſo wle die Stadt Danzig unter denen Staͤdten vor 
den Bund am eifrigften ſich bezeigte, fo waren Johann von Bayſen und andere Perſo⸗ 
nen dieſes Hauſes unter dem Landadel die heftigſten Feinde des Ordens: da im Gegenthell 
Henrich Reuß von Plauen unter den Ordensperſonen und der Biſchof von Ermeland, 
Franz Kuhſchmalz unter den Praͤlaten auf den Bund am meiſten erbittert fich bewieſen. 
Zu Elbing beſprach ſich Caſimir mit den Bundesgenoſſen wegen der preußiſchen Angeles 
genheiten. In Conitz lag der Comthur von Schlochau, zu dem ſich Henrich Reuß 
von Plauen bisheriger Comthur von Elbing verfuͤgt hatte. Es lagen ſchon Söldner 
der Bundes genoſſen, meiſtens Böhmen für dieſem Ort, welche die Geſandten, die 
nach Polen geſchickt waren, angenommen hatten. Der König nahm über ſich dies 
ſelben mit feinen Völkern zu verſtaͤrken, Conitz einzunehmen, und dem Deutſchmei⸗ 
ſter alſo den Weg nach Preuſſen zu verfperren. Die Danziger erboten ſich das groſ⸗ 
fe Werder zuruͤck zu erobern. Der König beſtaͤtigte nicht nur davor der Stadt Dans 
zig ihre Freiheiten, ſondern war auch gegen ſie ſehr freigebig, doch ſo, daß es ihm 
nichts koſtete. Er gab ihr viele Güter, die unmittelbar bisher dem Orden zugehöree 


batten. Und doch waren die Danziger nicht zufrieden, da der König ihnen anlag, 
vor die Soldaten vor Conitz Geld herzugeben. Hingegen ſchickten fie Kriegs volker zu 


dem Heer von Boͤhmen und Polacken, welches Marienburg wieder einſchloß, ſo 
wie die polniſchen Völker ebenfals Stum belagerten. Der König hielt ſodenn einen 
landtag zu Graudenz um feine Getreuen, oder beffer zu ſagen, ihr Geld naͤher ken⸗ 
nen zu lernen. Er legte ihnen daſelbſt des Hochmeiſters Schreiben an ihn für, in wel⸗ 
chem ſolcher ſich beſchwerete, daß man ſogar feine Geſandten todtſchluͤge, aufhienge, und 


etrtraͤnkte, und den König nochmals um Veſthaltung des ewigen Friedens erſuchte. Auch 
das Schreiben des Hochmeiſters an den Henrich Reuß von Plauen nach Conitz, wo⸗ 


rin er denſelben zur tapfern Gegenwehr aufgemuntert, ward den Bundesgenoſſen vor⸗ 
gelegt, und vornehmlich ihnen vom Könige aufgetragen Geld vor die Soldner aufzu⸗ 


. bringen. Da man ſich von koͤniglicher Seite ftellte, als ob man denenſelben verſchie⸗ 
dene Orte in Preuſſen verpfaͤnden wolte, fo bequemten ſich die Bundesgenoſſen 5), 


Ss 3 | unter 


b) Um theils die Bundesgenoffen theils ihr damaliges Verhaͤltniß unter fich kennen zu lernen, ſo 
will ich das Verzeichniß deſſen aus dem Schuͤtz f. 204 f. anführen, was jeder aufbringen ſollen. 


Culmiſches Gebiet. Lebau 200 Mark Deſſen Meuſtadt 200 Mark 
Cum Joo Mark Leſſen 53 Wormdit 600 
Thorn 0 2000 Gelub 50 Heilsberg 600 
Graudenz 400 Schönfee 50 Roͤſſel 600 
Reden 100 C.ulmſee so. Guttſtadt 200 
Strasburg 300 Biſchofthum Seilsberg. Seeburg 200 
Neumark 


400 ¼ Braunsberg 2000 Mark Biſchofsſtein so 


1454: 


1454. 


326 Geſchichte von Preuſſen. 


unter ſich ſelbſt Geld zu Bezahlung der Soldner aufzubringen. Den Staͤdten Thorn, 
Culm, Elbing, Königsberg und Danzig wurden überdies die Landeseinkuͤnfte vers 
ſetzt. Auſſer dem Landesſtatthalter Johann von Bayſen ward auch dem Könige vom 
Lande eine geheime Rathsverſammlung erwaͤhlt, Übrigens aber faſt von nichts anders 
als von den Mitteln Geld aufzubringen gehandelt. Da der Theil Preuſſens, welcher 
durch dieſen Aufftand an die polniſchen Könige gekommen, nicht eigentlich der Gegen⸗ 
ſtand meiner Geſchichte iſt, fo brauche ich mich Über die Bedingungen, unter welchen fol 
ches geſchehen, nicht weitlaͤuftiger heraus zu laſſen. Die Bundesgenoſſen hatten ſich 
blos dem jedesmaligen polniſchen Monarchen, nicht aber der Krone 3 
fen, und ſich ihre eigene Verfaſſung, Vorrechte und Freiheiten ausbedungen. 
faͤnglich ſtand man ihnen alles zu, ob man gleich frühzeitig die Sprache gegen ‘fie — 
rete, daß Preuſſen ehemals zu Polen gehoͤrt habe. In den folgenden Zeiten hat das 
heutige polniſche Preuſſen mancherley Beſchwerden gefuͤhrt, daß man nach und nach 
feine Verfaſſung, Vorrechte und Freiheiten zu durchloͤchern, und es als eine andere 
polniſche Provinz zu behandeln geſucht. Indeſſen hatten die Polacken Stum durch 
Hunger zur Uebergabe gezwungen. 80 Mann von der Beſatzung hatten ſich nach Ma⸗ 
rienburg gewendet. Von hier that die Beſatzung einen Ausfall ward aber ſich zurück 
zu ziehen gendthiget. Die Danziger ſuchten die Nogatbruͤcke iu Brand zu bringen, 
und dadurch theils die Ausfälle, theils die Zufuhre aus dem groſſen Werder zu verhin⸗ 
dern. Aber wegen der herzhaften Gegenwehr der Beſatzung geſchahe eben kein be 
trächtlicher Schade. Nach und nach langten aus Deutſchland die Soldner des I 


Meelſack 100 Mark Hela 50 Mark Freiſtadt 38 Mark 
Allenſtein 200 Buͤtow Biſchofswerder zo 
Frauenburg 100 Bönigabergifches Gebiet. Roſenberg . 
Elbingiſches Gebiet. Koͤnigsberg 4000 Mark a 
Eibing 2000 Mark Kneiphof 3000 
Deſſen Neuſtadt 200 Loͤbenicht 400 
Holland 400 Welau 300 
Morungen 100 Gerdauen 50 
Tolckemit 100 Allenberg 100 
Muͤhlhauſen 50 Friedland 400 
Liebſtadt 50 Dringfort 30 
Paſſenheim 360 Domnau 50 
Pommerellen. Schippenbeil 200 
Danzig 10000 Mark Raſtenburg 400 
Dirſchau 100 Seinsburg 30 
Stargard 400 Bartenſtein 690 
Mewe 200 Landsberg 300 
Neuenburg 200 Zinthen 400 
Schwetz 100 Heiligenbeil 200 
Tauchel 100 a? 888 100 
Schoͤneck 50 Fiſch 
Lauenburg 100 Rifenbuegifches Gebiet. 
Putzke 100 Rieſenburg 200 Mark 
Lebe 50 Marienwerder 200 


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Ludwig von Erlichshauſen. 327 


dens an. Henrich Reuß von Plauen des Comthurs von Elbing Vetter, der die 
Regierung führte, kam mit 1000 Pferden zuerſt in Preuſſen an, und hatte ſich in 
Conitz geworfen, ehe ſolches noch belagert war. Im Anfang des Septembers ruck⸗ 
ten aus Deutſchland unter den Obriſten Balthaſar und Rudolph Herzogen von 
Sagan und Bernd von Sonnenburg 8000 Söldner durch die Neumark unweit 
Conitz auf die dramburgſche Heide. Gegen dieſelben bot der König feine Mannſchaft 
aus Grospolen auf, und kam mit 12000 Reutern ohne das Fußvolk in der Ger 
gend von Eonitz an. Je ungeübter fein Volk in den Waffen war, je übler wirth⸗ 
ſchaftete folches auf feinem Zuge. sooo Mann waren zur Bedeckung in Gros; 
polen noch zurück geblieben. Die Polacken glaubten ihrer Menge wegen die anruͤ⸗ 
ckenden Deutſchen mit Peitſchen vertreiben zu konnen, und Caſimir beſchloß wider 
den Rath verſchiedener Kriegs verſtaͤndigen den Angrif des Entſatzes. Er zog die Dans 
ziger Soldaten, die vor Marienburg gelegen, an ſich, welche aber bey dem Abzu⸗ 
ge und Uebergange uͤber die Weichſel von der ausfallenden Beſatzung von Marien⸗ 


burg angegriffen wurden, und erſt nach einem harten Gefechte uͤber den Fluß kommen 


konten. Den rzten Sept. ruckten die deutſchen Ordensvolker naͤher heran. Den 


zgten erfolgte endlich eine Schlacht. Das polniſche Heer war über 40000 Mann 


ſtark, und in zwey Treffen getheilt. Im Hintertreffen befand ſich der König. Daz 
erſte aber ward von polniſchen Herren angeführt, Dieſe griffen die Deutſchen zwi⸗ 
ſchen Suͤmpfen an, wo ſich dieſe nicht recht ausbreiten konten, und thaten im erſten 
Anfall vielen Schaden. Herzog Balthaſar von Sagan blieb vor der Spitze ſeiner 
deute, und Bernd von Sonnenburg war bereits dem Feinde in die Hände gekom- 
men, erlöſete ſich aber dadurch, daß er denjenigen erlegte, der ſich feiner bemaͤchtiget 
hatte. Indeſſen aber hatten die Huͤlfsvolker einen Haufen um die Suͤmpfe herum ger 
ſchickt, der den Polacken in die Seite fiel, Dies hatte allen erwünſchten Erfolg. 
Das Vordertreffen der Feinde hatte vor ſich und zur Seite Feinde. Ihre Feldherrn vers 


loren das kalte Blut und die Gegenwart des Geiſtes. Sie zitterten vor der Gefahr, 


und dies machte alles unter den Polacken verwirrt. Die Unordnung riß ein. Die 
Furcht ſieng ſich an bey dem Hintertreffen auszubreiten, und fie wurde dadurch ver⸗ 
mehrt, daß Henrich Reuß von Plauen mit ſeinen Reutern aus Conitz fiel, und 


den Hinterzug angrif. Hier war angreifen und ſiegen vor den Orden eine Handlung. 
Der König ſuchte zwar die Zerſtreueten wieder zum ſtehen zu bewegen, aber niemand 
hörte ſeine Stimme. Caſimir ſchaͤmte ſich zu fliehen und wäre beinahe gefangen worden. 


Sein Gefolge riß ihn faſt mit Gewalt zur Flucht. So erzehlen es polniſche Geſchichtſchrei⸗ 
ber. Nun glaubte das Vordertreffen, daß alles verloren. Es befuͤrchtete jetzt auch den Feind 
im Ruͤcken, und verzweifelte an allem. Es wolte denen überall andringenden Deutſchen 


entweichen, und gerierh in die Moraͤſte und Suͤmpfe. Hier entkamen wenige dem Nach⸗ 


bauen der Deutſchen, deren Kräfte der Sieg vermehrte. Der Feind ward ſtark vers 

folgt, und fein ganzes lager erbeutet. 4000 Ruͤſtwagen mit lebensmitteln und Kriegs⸗ 
geraͤthe, und das meifte, was die Polacken theils mitgebracht, theils geraubet, kam in die 
N 5 Haͤnde 


1454. 


N 


328 ESieſhichte von Preuſſen. f 
1454. Hände der Sieger. Der polniſche Unterkanzler kam hler ums beben. i 
ſtreiten ſich die Schriftſteller über die Anzahl der Gebliebenen. Einige ſagen, daß au 
belden Seiten wohl 30000 Mann getödtet worden, von denen freilich die Polacken for 
derlich auf der Flucht am meiſten eingebuͤſſet. Andere verringern den Verluſt d 
lacken auf 3000, und noch andere gar auf 60 Mann. Die Sieger bekamen 
Oefangene, weil man gar zu erbittert gefochten. Auch die letztern follen es 
gehabt haben. Man brachte fie nach Marienburg, und hielt fie in den ® 
ſo uͤbel, daß viele ſtarben, die nicht einmal begraben, ſondern in die Nogat f 
wurden. Der König hatte ſich nach diefer Niederlage zu Neſſau an der 
gelagert. Die Bundesgenoſſen befuͤrchteten, daß er ohne fie Frieden machen ı 
und baten ihn, ſich ihrer ſtandhaft anzunehmen, welches Caſimir verſprach. 
Orden bediente ſich des Sieges fo viel er konte. Er verſprach allen, dle ſich 
wuͤrden, Verzeihung und Beſtaͤtigung der Freiheiten. Stum übergab Remſe 
Brixen ohne Schwerdſchlag. Georg von Berg machte es mit Preuſck 
fo. Oſterode, Saalfeld, deutſch Eulau, Neumark, Marienwe⸗ 
ſenburg, Schönberg, Biſchofswerder und Leſſen, nebſt dem Biſhef | 
land traten auf des Ordens Seite. Dirſchau und Mewe ergaben fich auf? 
gen eines freien Abzuges vor die Beſatzung an die Volker, welche bey de i 
batten. Dieſe ſtreiften bis vor die Thore von Danzig, muſten aber ſich w 
veſten Plaͤtze ziehen, weil im Nov. Caſimir mit einem bis 60000 Mann ve be 
Heer aufs neue vorruͤckte. Er nahm Rieſenburg und Biſchofswerder ein, 
1455. lagerte Leſſen. Butow und Lauenburg wurden 1455dem Herzoge Erich von 
mern eingeraͤumt, und die Danziger brachen die Junge Stadt, damit der Orden ir 
derſelben ſich nicht veſtſetzen, und dem uͤbrigen Danzig daraus ſchaden ne, 
Hochmeiſter ſuchte vergebens den König durch eine Geſandtſchaft zu bewegen, bat 
feinem ehemaligen Herrn wieder zuzuſtellen. Doch nöthigte der wee 
tel und die Kälte den König, die Belagerung von Leſſen den raten Jan. 
und nach Polen zuruͤck zu gehen, ſobald er die veften Plaͤtze mit Beſatzungen 
dern Nothwendigkeiten verfehen hatte 1). N 
166. * 
Der krieg Hiedurch war aber der Krieg ſelbſt nicht gehoben. Der Ho 
an tik or: Deutſchmeiſter und Hans Graf von Hohenſtein Herr von Heldrungen r 
er. der mit 1400 Pferden für Danzig, wurden aber mit 600 Mann Verluſt zum 
aber die Neu zwungen. Noch erheblicher aber war der derm den die Ordens Soldner e 
mark verkauft. drungen auf den verſprochenen Sold, da doch die Ordenseinkuͤnfte mei 
den Händen, und die Caſſen erſchöͤpft. Der Orden wuſte keinen 
ſchaſſen, als daß er ihnen verſprach, entweder auf St. Georgii die Za 
fen, oder ihnen alle Ordensſtaͤdte, Schloͤſſer und lande in Preuſſen u nd de 
die fie beſaſſen, zu verpfänden. Der Bund hingegen machte ebenfa 


1) Schuͤtz f. 202 213. 


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mr e LEO SED ZELLEN ERZEUGEN ]⅛ . TE, 


Ludwig von Erlichshauſen. 0 329 


Gelde Anſtalten, und machte auf einem Bundstage zu Elbing eine ſtarke Auflage. Ob 
nun wol Kneiphof Königsberg ſolche annahm, fo wolte doch die Altſtadt Königsberg 
und Loͤbenicht die Schatzung nicht erlegen. Die Buͤrger machten vielmehr einen Auf⸗ 
ſtand, unterwarfen ſich dem Orden, und ſiengen an dem Kneiphof feindlich zu bes 
gegnen. Henrich Reuß von Plauen geweſener Comthur von Elbing ward ſogleich 
nach Königsberg abgefertiget. Im Hinzuge konte er zwar vor Braunsberg nichts 
ausrichten, aber Heiligenbeil und Mehlſack ergaben ſich an ihn. Sobald er anges 
kommen, ward der Kneiphof belagert. Der Ort wehrte ſich ausnehmend, und die 
Bundesgenoſſen, ſonderlich Danzig, thaten alles, um ihn zu entſetzen. Der Orden 
hatte zwar auch Seeruͤſtungen gegen die Bundesgenoſſen veranſtaltet, konte aber zu 
Waſſer nicht viel gegen die Danziger ausrichten. Hingegen erfuhr der Comthur Hen⸗ 
rich Reuß von Plauen daß Remſel von Brixen mit einem Haufen vor preußiſch 
Eulau gegangen. Der Ort wurde zwar geſtuͤrmt, aber der Sturm abgeſchlagen. 
Den folgenden Tag kam der von Plauen an, und ſchlug die Feinde aufs Haupt. 
Jedoch buͤſte der Orden auf dem Hafe ein, und es mislung auch des Hochmeiſters 
Verſuch durch Schreiben die Gewerke von Danzig, fo wie die Jungſtaͤdter an ſich zu 
ziehen. Aber die Stadt Kneiphof muſte ſich endlich unter Bedingungen an den Or⸗ 
den ergeben, wobey die darin befindlichen Danziger freien Abzug erhielten. Die 
Domherren von Frauenburg hatten ſich ebenfals mit dem Orden ausgeföhnet, und 
demſelben ihre Schlöffer, ſonderlich Allenſtein uͤberlaſſen. Davor aber wurden die 
Domherren von der Kriegsmacht des Bundes ſchwer uͤberzogen. Damit auch die aus 


5 Liefland erwartete Huͤlfe zur See nicht anfangen konte, verſenkten die Danziger das 


Tief bey Balga. Des Ordens Söldner in Marienburg ſuchten abermals vergeb⸗ 
lich die Innungen von Danzig ſchriftlich zum Uebertrit an den Orden zu bewegen. 
Vielmehr ruͤckte Caſimir im Sept. mit 150000 Mann in Preuſſen ein, und rückte 
vor Leſſen. Doch dieſer kleine Ort wehrte ſich fo gut, daß der König endlich aus 
Mangel genugſamen Geſchuͤtzes und der Lebensmittel, die Belagerung wieder aufheben, 


und in die Gegend von Graudenz ziehen muſte. In der Zeit hatten die Bundesge- 
noſſen die Stadt Preußiſch Eulau erobert und ausgepluͤndert, konten aber des Schloſ⸗ 


ſes ſich nicht bemächtigen. In Danzig wurde eine Verrätheren entdeckt und beſtraft. 
In der That waren die Bürger dieſer Stadt der ſtarken Ausgaben uͤberdruͤßig, und 
auf den Rath höchft misvergnuͤgt. Ueberdies klagten die königlichen und Bundes Soͤld⸗ 
ner Über die Nichtbezahlung ihres Soldes, bis fie von den Danzigern zufrieden geſtel⸗ 
let, dieſen aber dafür vom Könige anſehnliche Aemter verſetzet wurden. Der Verſuch 
des Ordens auf Welau, Friedland, Schippenbeil und Lebau lief vergebens ab. 
Mehlſack wurde vom Bunde eingenommen, ausgebrandt und verlaſſen. Vor Neu⸗ 
denburg konte das Ordensvolk nichts ausrichten. Aber Allenſtein, Röfel, Wars 
tenberg, Ortelsburg, Rhein, Hohenſtein, Deutſch Eulau, Rieſenburg und 
andere benachbarte Staͤdtgen und Schlöffer in dieſen Gegenden, unterwarfen ſich dem 
Orden freiwillig. Der von Plauen uͤberfiel 600 maſoviſche Reuter, die ſich vor 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Ch. Tt Rhein 


1455. 


1455- 


ſchoſſen. 1454 übernahm er bey ausbrechendem Kriege den Schutz dleſes Landes, er; 


Orden nicht nur deſſen Staͤdte in Preuſſen, ſondern auch in der Neumark verfchrew 
ben. Churfuͤrſt Friedrich 2 erkannte die Uebel, die daraus vor den Orden nothwen⸗ 


mehrere Summen. Sie fielen ganz natuͤrlich auf den Verkauf der Neumark. 


330 Geſchichte von Preuſſen. 

Rhein gelagert hatten, und ſchlug ſie aufs Haupt, ſo daß bisher der Orden mehr 
Gluck als die mit den Polacken verbundene abgefallene Preuſſen hatten ). Es 
wuͤnſchte indeffen der Orden noch immer durch guͤtlichen Vergleich aus dieſen mislichen Um 
ſtänden zu kommen. Der Kaiſer hatte insbeſondere auf Anhalten des Ordens den 
Churfuͤrſten von Brandenburg erſucht ſich ins Mittel zu ſchlagen, welches diefer Herr 
um fo viel lieber that, da theils die Nachbarſchaft, theils die Neumark ihn fehr aufs, 
merkſam gemacht. Schon 1444 hatte er dem Orden auf die Neumark Geld vorge 


laubte ſeinem Adel in dem Kriege vor den Orden ſich brauchen zu laſſen, und 


denen in Deutſchland vor die Marianer geworbenen Soldaten, den Durchzug durch 
feine tande: Doch eben dieſe Söldner lieſſen ſich bey ausbleibendem Solde von dem 


dig entſtehen muͤſten, und die Kreuzherren brauchten in ihren groſſen Nöthen noch 


das übrige erhalten zu koͤnnen, und thaten deswegen dem Churfuͤrſten Vorſchlä 
Vielleicht ſuchten fie hiedurch ihn in ihren Krieg mit Polen und Pommern 


ten. Der Churfuͤrſt bedachte ſich keinen Augenblick dieſes Zeitpunkts ſich zu bed 
um die Neumark mit feinen übrigen Staaten wieder zu vereinigen, hieb 
Vor mauer vor feine uͤbrigen Laͤnder bey den damaligen polniſchen Unruhen 


und zu verhuͤten, daß das Pfandrecht der Ordens Söldner nicht gar Gelegenheit g be, 
daß dieſe Provinz in andere Hände fallen möchte. Er ließ ſich alfo mit dem Orden 
in Unterhandlungen ein, die in dieſem Jahr 1455 um fo leichter zum Schluß kamen, 
weil die Ordens Soldner ſchon in den Verdacht kamen, als wenn ſie ihr Ur 
gegen anſehnliche Summen Polen in die Haͤnde ſpielen wolten. Um nun denen ©: 
nern wenigſtens einen Theil der Forderungen abtragen zu konnen, und noch baar € 

in den Händen zu behalten, trat Ludwig von Erlichshauſen nebſt ſeinem Orden 
Neumark ſamt Drieſen und Schiefelbein mit allen Zubehoͤrungen an den Churfl 
ſten Friedrich 2 und feine Nachfolger Fäuflich ab. Der Orden behielt ſich babe 
Wiederkauf gegen Erlegung 100000 guter rheiniſcher Gulden vor, und bedung 
ungehinderten Durchzug ſeiner deute und Soldaten durch des Spice 

aus. Dieſer nahm alfo ſofort Befig von der Neumark, worin nun 


folgender Reihe auf einander gefolget waren. Einer von Techwitz, B 
Arnd von dem Bade, oder wie ee. auch ſonſt heiſt Arnold von 
brecht von der Dive, Hoyer von Manders, Sander oder Alexan 
Marwitz, Walther Kesdorf oder Kerskorp/ Lamprecht von Wedel 
ſtoph Eglinger m). Dieſem letzten räumte der Ehurfürft den Haf G 


D Schutz f. 213: 233. 
) Michael Kuchmeiſter von Sternberg iſt alſo nie Landvogt der 
wir doch B. 2. dieſer Geſchichte ©. 220. ſolches behauptet haben. 


Ludwig von Erlichshauſen. a 331 
das Städtlein Morin nebſt dem Hofe zu Königsberg auf Lebenszeit wegen feiner gu⸗ 1455. 
ten Dienſte ein, die er dem Churfuͤrſten bey dieſem Vergleich geleiſtet. Ueberdies 
ſchloß Friedrich 2 mit dem Orden ein Buͤndniß, ſich zwar in den jetzigen Krieg mit 
Polen nicht zu miſchen, kuͤnftig aber ſolten ſich beide Theile getreulich beiſtehen, wenn 
die Unterthanen eines oder des andern Theils neue Unruhen oder Aufſtand machen wuͤr⸗ 
den. In den jetzigen Krieg konte ſich der Churfuͤrſt um fo weniger miſchen, da er ber 
reits die Muͤhwaltung über ſich genommen, den König Caſimir von Polen zu guͤt⸗ 
lichen Unterhandlungen zu bewegen. Er uͤbereilte ſich zwar damit nicht, ſo lange der 
Orden durch den Sieg bey Conitz Hofnung hatte, ſich ſelbſt helfen zu koͤnnen: da 
aber dieſelbe vorbey, fo unterzog ſich Friedrich 2 des Amts eines Friedensſtifters 1). 


Br $. 167. 


Err ſchrieb zu dem Ende an den König Caſimir, daß er im Begrif ſtehe nach Die branden⸗ 
g Preuſſen zu reiſen, und ſich der Vermittelung zu unterziehen, damit die Chriſten burgiſchen un⸗ 

mit vereinigter Macht den Tuͤrken deſto beſſer widerſtehen konten. Des Königs Antı u 

wort war ganz unbeſtimmt, und deſſen Statthalter in Preuſſen verſicherte denen Bun ⸗ fruchtlos. 

desgenoſſen, an die der Churfuͤrſt auch geſchtieben: daß der König zu keinem Vergleich 

geneigt ſey. Friedrich 2 aber brachte es doch dahin, daß zu Bromberg den raten 

Sept. eine Verſammlung zu den Unterhandlungen angeſtellet wurde. Caſimir 

kam mit 1000 Reiſigen, und Friedrich 2 mit 300 an. Dieſer ſchlug vor, daß einer 

von beiden kriegenden Theilen die Anſpruͤche des andern auf die ſtrittigen Lande abkau⸗ 

fen oder auf andere Art verguͤten ſolte. Er ſtellte dabey feine Unparteilichkeit vor, da 

er in Polen erzogen, und daſelbſt alle Freundſchaft genoſſen, auch jetzt durch die Neu⸗ 

mark ein Nachbar von Polen geworden. Auf die Vorwürfe, die der König dem Orden 

machte, antwortete der Churfuͤrſt, daß er alles, was bisher geſchehen, nicht unterſu⸗ 

chen, ſondern vors kuͤnftige Ruhe ſchaffen wolte. Caſimir dankte ihm für feine Muͤhwal⸗ 

tung, und verſprach feine Vermittelung auf einer nach Neuburg veſtgeſetzten Zuſam⸗ 

menkunft anzunehmen. Jedoch es war demſelben kein Ernſt. Der Churfuͤrſt war von 

Bromberg kaum abgereiſet, als die königliche Raͤthe öffentlich ſich erklaͤrten: Preuſ⸗ 

ſen niemals wieder abzutreten. Auch der Zuſammenkunft zu Neuburg berichtete der 
Cuburfuͤrſt, daß der Orden ſich erboten, es auf den Aus ſpruch des Papſts, oder des Kai⸗ 

ſirs, oder des Könige von Böhmen und Ungarn, ankommen zu laſſen, ob der Orden 
ober Polen zu denen ſtrittigen Landen ein beſſeres Recht habe. Doch Polen verwarf 

dieſen Vorſchlag, und aͤuſſerte vielmehr, daß es ſolches auf die Entſcheidung einer alls 

gemeinen Kirchenverſammlung ankommen laſſen wolte, aber nur unter der Bedin⸗ 

gung, daß der König unterdeſſen das behalten ſolte, was er im Beſitz hätte. Der Orden 

wolte ſich aber hlerein um fo weniger einlaſſen, well an eine Kirchenverſammlung kaum 

mehr zu denken, und indeſſen fi Caſimir in Preuſſen völlig veſtſetzen könte. Der 

Ehurfürft that den Vorſchlag: der Orden ug wenn Caſimir das fand fahren Taf 
va t 2 ſen 


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5 9 Unſere Sefhichte D. 2. ©. 197. 214 4 220, 


1455. 


1456. 


332 Geſchichte von Preuffen, 
ſen wolte, und die bereits verwandten Kriegs koſten ſich nicht höher als das bond beige 
möchten, dem Könige alles mit Gelde erſetzen. Caſimir wandte dagegen ein, daß 
das Chriſtenblut nicht feil fern muͤſte, und wenn der Orden das Land wieder erhie 
wäre nichts als Mord und Rachſucht zu befürchten. Friedrich 2 glaubte den 
mir dadurch zu gewinnen, daß er ihm zu Gemuͤthe fuͤhrte, der Orden Er 
Ungläubigen zum Beſten der Chriſtenheit geſtiftet; man ſolte ihm alſo doch feinen ohn ⸗ 
ſitz in einem lande gönnen, wo er bisher geweſen. Caſimir antwortete aber A 
der Or den ſchon feir200 Jahren wenig anders als Chriſtenblut vergoffen, und vie im 
nen Polacken in ihren Kriegen gegen die Ungläubigen alle moͤgliche Hindermiffe i j 
Weg gelegt, obwol dieſelben die eigentlichen Beförderer des Ordens geweſen. 
Unterhandlung zerſchlug ſich durch die letzte Erklarung der königlichen Naͤthe: 
da der Orden keinen Waffenſtillſtand eingehen, und ſeine Streitigkeiten dem A 
einer Kirchenverſammlung nicht unterwerfen wolte, jeder Theil es auf den 
der Waffen ankommen laſſen muͤſte 0). Es glaubten die Polacken damals 
rem Heer von 150000 Mann mehr ausrichten zu koͤnnen, als blos damit 
das noch dazu vergeblich zu belagern. 1456 kam der König gar nicht ins 
Felde ward auch in der That wenig erhebliches von beiden Seiten unternor 
Rhein fiel ein leichtes Treffen vor, worin das Ordensvolk viel einbuͤſte. 
zwar erſtiegen; aber der Orden konte das Schloß nicht erobern, und brand 
Staͤdtgen aus. Die Danziger verſenkten das alte koͤnigsbergſche Tief, 
ten in Samland manche Beute. Sie wurden aber, als ſie einen zweiten 
Verſuch machen wolten, mit blutigen Koͤpfen abgewieſen. Der Orden kom 
cherley Umſtaͤnden nichts ſonderliches ausrichten. Er hatte zwar durch 
ſten Friedrich 2 von Brandenburg den Kaifer bewogen, die Aögefalk 
Reichsacht zu erflären. Allein er bewies durch dieſen Schritt in der That 
Schwäche, und erbitterte die Bundesgenoſſen noch mehr, daß er fie einer 
Macht Preiß geben wolte, die niemals fie zu ächten berechtiget. Faſt niemar 
te dieſe Reichsacht Schaden, als denen Urhebern. Der Kaiſer begieng dad 
Fehler, der der ſchwachen Denkensart dieſes Prinzen und feiner Raͤthe zu 
iſt, daß man keute in die Reichsacht erklaͤrte, denen das ganze Reich mi 
hatte. Weil nun gegen dieſen Prinzen unzählige Beſchwerden in Deutſt 
aͤuſſetten, fo entſtunden ſelbſt in Deutſchland gegen ihn groffe Bewegunge 
nen er mit genauer Noth ſeine Krone behaupten konte. Es kehrte ſich 
niemand an die kaiſerliche Acht. Der Orden nahm zwar davon G gend 
viele Schreiben an die Bürger und Gemeinen derer Staͤdte, die zum B 
ſolche zu bewegen, jetzt ſich um ſo mehr dem Orden wieder zu W N 
und Reiche acht, wofern fie in den naͤchſten 60 Tagen ſolches nicht bbäten, 
kung zeigen würden; fie möchten ſich lieber der Begnadigung bedienen 
der Orden jetzt . als die Deftäcigung und Veſthaltung rn Fi 


) Schug f. 223. 227. 228. Unſere Geſchichte B. 2 f. 221 223. 


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den Sinn gekommen p). 


Ludwig von Erlichshauſen. | 333 
Ob aber gleich die Buͤrger ſonderlich in Thorn und Danzig über ihre Rathsglieder 
ſchwuͤrig, theils wegen der groſſen Abgaben, theils weil man ſie ohne ihr Vorbewuſt 
dem Könige von Polen in die Hände geſpielet, ſich bezeigten, und an bel⸗ 
den Orten ein Aufruhr entſtand, ſo wurde doch an beiden Orten die Ruhe wiederher⸗ 
geſtellt, und die Meutmacher auf das haͤrteſte beſtrafet. Der Hochmeiſter, der ge⸗ 
weſene Comthur von Elbing Henrich Reuß von Plauen und der Herzog Balthaſar 
von Sagan ſuchten zwar durch immer erneuerte Schreiben unter den Bundesgenoſſen 
Trennungen zu verurſachen, auch ſonderlich durch die Geiſtlichkeit ihren ehemaligen Un⸗ 
terthanen die vorigen Pflichten auf dem Predigeftul ſowol als in der Beichte ins Ger 
wiſſen zuruͤck zu rufen, allein die Haͤupter des Bundes, welche von der Ordensherr⸗ 
ſchaft zu viel beſorgeten, machten durch gute Gegenanſtalten alle dieſe Bemühungen 
fruchtlos. Man ſuchte vielmehr den Orden ſehr gehaͤßig zu machen, und gab vor, daß 
alle feine glatten Verſprechungen und Zuſagen feine genugſame Sicherheit vor ihre Frei; 
heiten gewehreten. Es war ein Geruͤcht entſtanden, daß die Ordensperſonen ſich öf⸗ 


fentlich haͤtten verlauten laſſen: wenn ihre Haut das Pergament, ihr Blut die 


Dinte, und ihr Herz das Siegel waͤren, und alles dieſes bey denen Verſprechun⸗ 
gen des Ordens gebraucht worden, fo möchten und koͤnten ſie doch ihre Ver⸗ 
ſicherungen nicht halten. Doch der Orden leugnete, daß ihm jemals dergleichen in 


168. 


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Den gröften Schaden litte der Orden durch die Soldner, die ihm den Sieg bey Des ordens 
Conitz verſchaft, und denen der Orden bald darauf verſchiedene Schlöffer wegen ihres 7 5 > 


geforderten Soldes, worunter felbft das Schloß Marienburg geweſen, zum Unter ſchiedene orte 


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pfande einräumen muͤſſen. Die ihnen verſchriebene Pläge der Neumark waren ihnen an Polen. 


bey der Gelegenheit abgelöfet worden, da dies and an Churbrandenburg verkauft iſt. 
Aber die Schlöffer in Preuſſen hatten ſie noch in Beſitz. Weil nun die Bezahlung 


von Seiten des Ordens nicht erfolgte, ſo boten ſie denen Polacken gegen Berichtigung 


ihrer Forderungen alle die Orte an, die man ihnen elngeraͤumet. Die deutſchen Soͤld⸗ 
ner erkannten die Unbilligkeit dieſes Anſchlages, daß da der Orden die Soͤldner ange 
nommen, feine Platze gegen Polen zu ſchuͤtzen, ſolche jetzt, weil es denen Marias 
nern unmöglich fiel, zu verſprochener Zeit Geld zu ſchaffen, diejenigen Orte, die Pos 
len noch niemals gehabt, und unter denen ſogar die Hauptveſtung Marienburg, an 


Päolen zu verkaufen. Die Deutſchen wolten daher mit dieſer Sache nichts zu thun 


haben. Aber die boͤhmiſchen Söldner ſetzten die Unterhandlungen beſtaͤndig fort. Ders 
geblich bot der Orden ihnen einen Theil ihrer Forderungen, mit dem Verſprechen auch 
das übrige zu bezahlen, an. Zerwonka und andere boͤhmiſche Kriegsbefehlshaber 
brachten den ſchaͤndlichen Vergleich mit Polen und dem Bunde zur Richtigkeit, ob es 
gleich auf dieſer Seite auch ſehr ſchwer hielt, die verglichene Summen aufzubringen, 


und die wirkliche Uebergabe dadurch von Zeit zu Zeit gehemmet wurde. Sobald aber 


Tt 3 die 
) Schuͤs f. 260. . ö 


1456. 


1457. 


334 Geſchichte von Preuſſen. 
die Böhmen die erſten Gelder auf die verglichene Summen erhalten, waren fie ums 
gemein auf ihrer Hut. Sie verjagten aus allen dieſen Orten die Ordensbruͤder mit 
Gewalt, entwafneten ſonderlich die Stadt Marienburg, und hielten den Hochmei⸗ 
ſter auf dem Schloß in einer Art von Gefangenſchaft. Niemand durfte mit ihm ſpre⸗ 
chen. Seine ganze Bedienung beſtand in einem Kammer Edelknaben, einem Koch, 
und einem Diener. Mit genauer Noth konte man noch verhindern, daß des Hoch⸗ 
meiſters Zimmer des Nachts nicht erbrochen und gepluͤndert wurde. Endlich langte 
Caſimir mit einem Heer 1457 perſ önlich in Preuſſen an, der ſelbſt von denen ver⸗ 
kauften Schlöffern Beſitz nehmen wolte. Am Montage der Pfingſtwoche taͤumten die 
Soldner das marienburgſche Schloß, von dem der König den folgenden Tag Beſi 
nahm. Der Hochmeiſter muſte alles im Stich laſſen. Man ließ ihm nicht einmal 
gegen alle geſchehene Zuſage die Bilder der heiligen Maria und Barbara, das groſſe 
Kreuz, andere Heiligthuͤmer und Kirchengeraͤtche. Ihm ſelbſt hatte man anfaͤnglich 
die Zuſage gethan, daß man ihn frey nach Preußiſch Mark oder Stum, oder eis 
nem andern Ort, wo es ihm beliebte, abziehen, und ihm dahin ein ſicheres Geleit ge⸗ 
ben wolte. Aber bey der Raͤumung des Platzes muſte er mit den Ordeneſoldnern nach 
Dirſchau abgehen. Hier verlangte er ein ſicher Geleit bis Conitz. Aber man wolte 
ihn nach Schwetz abfuͤhren, und einem polniſchen Geleite uͤberlaſſen. Ludwig von 
Erlichshauſen konte ſich dazu nicht verſtehen. Kurz der Hochmelſter entkam mit vie 
ler Mühe den Händen der Polacken. Da die Söldner ſchon die Ordensorte dem Kö⸗ 
nige überlaffen, fo muſte man es ihnen noch zur Tugend anrechnen, daß ſie nicht auch 
den kandesherrn verhandelt haben. Ich glaube nicht, daß jemand dieſe unredliche That 
der Soldner Recht ſprechen wird, da fie ausdrücklich verſprochen, die ihnen eingeraͤun - 
ten Pläge, wenn fie ſolche ja verkaufen wolten, vorzüglich dem Orden zu überlaffen, 
Hiedurch gewann der König und der Bund mehr, als bisher durch Gewalt erlangt 
werden konnen. Marienburg, Deutſch Eulau, Dirſchau, Mewe, 
merſtein, Conitz und andere Orte kamen auf dieſe Art in polniſche Haͤnde ). Seit 

dieſer Zeit iſt der Wohnſitz der Hochmeiſter auf das königsbergſche Sach dee 
und daſelbſt geblieben, bis der Orden endlich ganz Preuſſen verloren. Die 

ſchen Soldner zogen jetzt aus dem lande heraus, aber die Deutſchen hielten noch red | 
lich bey dem Orden, der feines erlittenen Ungluͤcks ungeachtet noch nicht alle Hofnung 
aufgab, dasjenige, was er durch Aufſtand, und der böhmifchen Söldner Verkauf 
eingebuͤſt, entweder mit Gewalt, oder Unterhandlungen, oder durch andere Wege! 

der bekommen konte. Aber an freiwillige Unterwerfung war um fo weniger 

ken, da unter denen zu Marienburg gefundenen Ordensſchriften unter andern e 
Auffag ſich befunden haben foll, darin Vorſchlaͤge enthalten, daß der Orden kuͤnftig, 
wenn er das Sand wieder bekommen ſolte, die Unterthanen noch welt härter, « 

ae bis. 

) Der Orden hatte zwar ſolches vorhergeſehen, Verſammleten gaben BEN, 5 


und 1456 auf dem Churfuͤrſtentage zu Tuͤrnberg ſammlung zu Frankfurt 1457 folte | 
Geld und Volk Huͤlſe begehret. Die daſelbſt Allein da war ſchon alles als u hr. Ache 


Ludwig von Erlichshauſen. 335 
dem Aufſtand halten, und ihre Freiheiten zu Grunde gehen laſſen wolte. Dies konte 1457. 

eben keine ſonderliche Empfehlung vor die Marianer ſeyn, die ſonderlich bey der Dans 
ziger Stadtobrigkeit ſehr verhaßt waren, welche vieles zu Abfindung der böhmifchen 
Söldner hergegeben, und dafür das Dirſchauer Gebiet von dem Koͤnige erhielten. 
Allein mit dem Könige Chriſtian 1 von Daͤnnemark fiel Danzig ſowol als Caſimir und 
die preußiſchen Bundesgenoſſen in offenbaren Krieg. Die Schweden hatten endlich 
den Carl Cnutſon verjagt, und ſich dem Chriſtian unterworfen. Carl nahm ſeine 
Zuflucht nach Danzig, ward da geſchuͤtzt, und die Danziger lieffen ſich deſſen Wle⸗ 
dereinſetzung angelegen ſeyn. Sie thaten auf dem Hafe dem Orden manchen Schaden, 
und ſahen alle deſſen Hafen als geſperret an, daher ſie auch ſowol luͤbeckſche als auch 
niederlaͤndiſche Schiffe als gute Beute anſahen, die nach Memel, Balge oder nach 
einem andern Ort des Ordens in Preuſſen und Liefland etwas hinbringen wolten 7). 
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Bloeßn dem allen blieb das Gluͤck der Polacken und der Bundesgenoſſen ſehr mäf Der orden 
ſig. Meme unterwarf ſich dem Orden freiwillig. Caſimir belagerte dieſen Platz 8 

zwar mit feiner ganzen Macht, konte ihn aber nicht erobern, weil feine Soldaten wi⸗ waffenſtill⸗ 


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der den Willen ihrer Befehlshaber Haufenwelſe davon glengen, weswegen auch Jo⸗ ſtand. 


hann von Kottwitz das leben laſſen muſte. Bey Schippenbeil ſchlug Henrich 
Reuß von Plauen den polniſchen Feldherrn Otto von Machwitz, und bekam ihn 
ſelbſt gefangen. Die Stadt Marienburg fiel durch gutes Verſtaͤndniß des dortigen 
Buͤrgermeiſters Barthel Blumen dem Orden in die Hände, ohne daß ſelbiger ſich 
des dortigen Schloffes, wegen hartnaͤckiger Gegenwehr der polniſchen Beſatzung, bemaͤch⸗ 
tigen konte. Dem Bernd von Sonnenburg oder Schönberg, der dem Orden Dien⸗ 


ſte leiſtete, wolte es zwar im groſſen Werder gegen den Lubesewsky nicht gluͤcken, deſſen 


leute nebſt den Danzigern ſogar Neuteich auspluͤnderten. Hingegen gieng Culm durch 


Verraͤtheren an den Orden uͤber, und Eulau ward von deſſen Volk uͤberrumpelt da eben 


die Beſatzung auf Fütterung fortgegangen. 1458 wurde der Krieg erſt durch gegenſei⸗ 
tige Streifereien geführt, die beiden Theilen Schaden, keinem aber ſonderlichen Vor⸗ 
theil brachten. Unter andern wurden im kaͤndgen Dobrin auf 40 Dörfer. ausgepfüns 


dert. Henrich Reuß von Plauen geweſener Comthur von Elbing belagerte We⸗ 
lau vergeblich. Eben derſelbe kam nebſt dem Hochmeiſter vor das Schloß Marien⸗ 


burg aber auch hier wolte es dem Orden nicht gluͤcken. Caſimir kam indeſſen am 
Tage der Apoſteltheilung mit 20000 Polacken und 600 Tartarn nach Preuſſen, ev 


oberte das Schloß Papau mit Sturm, welches darüber gepluͤndert, ausgebrandt und 


endttch geſchleift wurde. Hierauf wolte er Culm belagern, änderte aber feinen Vor⸗ 
ſitz ſchlug den Befehlshaber von Culm Bernd von Sonnenburg, der ihm in den 
Nachzug fallen wolte, und ruͤckte vor die Stadt Marienburg. Jndeſſen gieng Neu⸗ 
burg, worin der Orden ein Verſtaͤndniß mit den Buͤrgern unterhalten, an die Dias 


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5 Schi . 86 r. 


1458. 


1459. 


hen. In der Zelt hatte man fich groſſe Mühe gegeben, einen Frieden oder 1 ö 4 


Chriſtian 1 durchaus den Orden mit einſchluͤſſen und haben wolte, daß ſich die 


ſen Entſchluß, und brachten es dahin, daß durch die meiften Stimme 


ſen wurde. Aus der Friedensverſammlung zu Culm ward ebenfals nichts, 
gleich als Unterhaͤndler des Ordens der Pfalzgraf beim Rhein, der Herzog von 


336 Geſchichte von Preuſſen. 3 
rianer uͤber, welche den königlichen und Bundesvolkern, die 40000 Mann ſtark vor 
der Stadt Marienburg lagen, die Zufuhren erſchwereten. Weil nun der König 
den Ort durch Sturm nicht verderben wolte, fo tiffen nach zwey Monaten d! 

und Krankheiten in feinem lager ein. Seine Volker giengen Haufenweiſe davon. 
Dies nöthigte den Caſimir die Belagerung aufzuheben, und ſich nach Thorn zu zie 


einen Waffenſtillſtand zum Stande zu bringen. Die Luͤbecker thaten alles mögliche 
Daͤnnemark mit Polen und dem Bunde zu vertragen. Es ward dieſerhalb zu Stock, 
holm eine Unterhandlung angeſtellet, die ſich aber daruͤber fruchtlos zerſchlagen, 


fallenen Unterthanen in Preuſſen denen Kreuzherren wieder unterwerfen ſolten. x 
beck ſchickte hierauf Geſandten nach Preuſſen, die ſich theils zu Danzig, theils 
dem Hochmelſter zu Fiſchhauſen viele Muͤhe gaben. Endlich brachten fie zu 9 
zig zwiſchen Polen und den Bundesgenoſſen einerfeits, und Daͤnnemark and 
einen Waffenſtillſtand vom Tage Pantaleonis bis Bartholomaͤi des folgend 
res zu Wege. Auch zwiſchen Polen und dem Orden wurden manche 
lungen gepflogen. Durch den Tod des Königs Ladislai von Böhmen und Ur 
hatte deffen Schwager der König von Polen Caſimir Urſache, auf dasjenie 
hen, was in beiden Staaten vorgieng. Die Verwandtſchaft machte ihn 
in dieſer Erbſchaft nicht leer auszugehen, obgleich ſolches zuletzt doch erfolgte 
in Böhmen Georg Podiebrad und in Ungarn Matthias Corvinus 
niades den Thron beſtieg. Caſimir hielt damals vor nöthig mit dem Orden 
zu haben, und es ward nach feinem Abzuge von Marienburg zu Thorn ein W 
ſtllſtand vom Tage Dionyſii auf 20 Monate geſchloſſen. In der Zeit folter 
Schiedsrichter von jedem Theile zu Culm an einem Frledensſchluß arbelten, und 
ſich ſolche nicht einigen konten, ſolte der Ausſpruch dem Herzog Albrecht von 
reich als Obmann uͤberlaſſen ſeyn. Die Stadt Marienburg ſolte indeſſen de 
Iſerne einem Böhmen anvertrauet werden, der folche demjenigen Theil a u 
folte, welchem fie zugeſprochen werden würde. Caſimir zog 1459 auch ie pr u. 
ſchen Angelegenheiten auf dem Reichstage zu Peterkau in Ueberlegung. Viele pol⸗ 
niſche Reichsſtaͤnde riechen zwar zum Frieden mit dem Orden, weil man 9 
habe, daß die Marianer hiezu geneigt, und ſich erboten, dem Könige vor 
herigen Kriegskoſten gegen Abtretung alles was er in Preuſſen beſaß, 
den, ferner jährlich 20000 Sulden zu bezahlen, Preuſſen von Pole 
nehmen, und der Krone in jedem Kriege mit zwey Fahnen Huͤlfe zu 
die eben angekommenen Sendeboten der Frußiſhen Bundesgenoſſen hir 


des Krieges, die Beibehaltung Preuſſens, und ein Huͤlfgeld zu dem Kriege 


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Ludwig von Erlichshaufe. 337 
ſen und det Marggraf von Brandenburg daſelbſt bereits eingefunden hatten. Die 149. 
polniſchen und Bundesgeſandten wolten von Nieſſowitz nicht nach Culm abreiſen, 


weil fie daſelbſt nicht genugſame Sicherheit und Unterhaltungsmittel zu haben glaubten. 


Dahingegen wolte der Orden den einmal beliebten Verſammlungsort durchaus nicht ge⸗ 
ändert wiſſen. Aus dem Frieden ward alſo nichts, ohnerachtet der Papſt Pius 2 


ſich ſehr darum bewarb, well er gern zu Mantua die ganze Chriſtenheit zu einem Tuͤr⸗ 


kenkriege bewegen wolte, und daher den Kirchenbann, den Nicolaus s und Calix⸗ 
tus 3 gegen die preußiſchen Bundesgenoſſen und ihre Helfer ausgeſprochen hatte, fo 
lange die Friedensunterhandlungen daureten, verſchob, auch den Erzbiſchof von Cre⸗ 
ta Jeronimum zu Beförderung des Friedens nach Polen und Preuſſen abſchickre ). 


Selbſt der Waffenftillftand ward von beiden Theilen nicht genau beobachtet. Auf 


des Ordens Seite ſchob man die Schuld auf die Söldner, die man nicht im Zaum hal⸗ 


ten koͤnte. Sonderlich beſchwerte fi) König Chriſtian 1 von Daͤnnemark, daß 


man den Carl Enutfon zu Putzig, welches ihm die Danziger uͤberlaſſen, bulde. 
Sowol der Orden als auch die preußiſchen Vereinigten ſchoben die Schuld des nicht 
gehaltenen Waffenſtillſtandes bey auswärtigen Mächten auf den Gegentheil. Chris 
ſtian 1 batte ſchon etliche Danziger Schiffe im Sunde anhalten laſſen. Allein die er⸗ 
waͤhlten Schiedsrichter Adolph Herzog von Schleswig und Graf von Holſtein, bey 
dem ſich auch der Biſchof von Ratzeburg befand, nebſt der Stadt Luͤbeck von könig 
licher Seite, und die Staͤdte Stralſund und Wismar von Seiten Polens und der 
preußiſchen Bundesgenoſſen brachten es dahin, daß der Waffenſtillſtand zwiſchen 


Daͤnnemark und Polen noch auf vier Jahr verlängert wurde 7), 


g. 170. 

Nunmehr war der Orden von der Seefeite, da er die daͤniſche Huͤlfe entbehren Der krieg ge⸗ 
muſte, von aller Huͤlfe abgeſchnitten. Der polniſche Befehlshaber des Schloſſes zu het wieder an. 
Marienburg Stybor von Ponitz hatte zwar wegen ausbleibenden Soldes nicht üble 
luſt dieſen Ort den Marianern zu verkaufen, aber man hatte feinen Vorſatz zu bald 
erfahren, ihn feiner Stelle entſetzt, und zwey andern polnifchen Herren das Schloß ans 


vertrauet. Nach Margarethentog gieng der Krieg von neuem an. Penrichs von 


Plauen Anſchlag auf Morungen ſchlug fehl. Die Danziger konten vor dem Schloß 
Keuſchau nichts ausrichten, zerſtörten aber die Ordensſchlöſſer Sebowitz und Gre⸗ 
bin. Die Einwohner von Paſſenheim ſtellten ſich, als ob fie ſich an den Orden er⸗ 
geben wolten. Als aber Georg von Loben Befehlshaber in Wartenberg zur Bes 
ſitznehmung heranruckte, verlor er ſeine Freiheit und faſt alles Volk, was er bey ſich 
hatte. Der Anſchlag der Ordens Söldner in Mewe auf Stargard misrieth. Le⸗ 
Amber ergab ſich freiwillig. Die Danziger beſorgten eben das vor N 


AV, pr a 3. ©. 174. Der Bann ward aber nicht 1450, fündern 1459 nicht 3 


9 8350 f 268 280. 
v. al. preuß. Befch. Ty. un 


1459. 


1460. 


meiſter verſuchte gleichfals vergebens lebensmittel in die Stadt zu ſchaffen, und verlot 


ſonen heraus. Aber der Feind ließ ſolche Ungluͤckliche nicht durch, und man 


338 Geibicht von Preuſſen. 

und beſezten den Ort mit ihrem Volk, ohnerachtet ſolches an Pommern Überfaffn 
war. Der übrige Theil des Jahres ward mit dem kleinen Kriege zugebracht, und 
endlich vom polniſchen Statthalter in Preuſſen ein Waffenſtillſtand auf zwey Mo 
nate gemacht, in den aber die Städte nicht willigen. Bisher hatte der Orden aus 
Lithauen und ſonderlich aus Maſovien viele Zufuhre gehabt; aber auf Anhalten der 
Danziger wurde ſolches 1460 vom Caſimir verboten, und nicht erlaubt, daß die Her⸗ 
zoge von Maſau mit denen Marianern einen Waffenſtillſtand machen durften. Der 
Krieg gleng wieder an. Die Thorner griffen nebſt denen aus Diebow dazu geſtoſſe⸗ 
nen Polacken das Schloß Leſſen vergeblich an. Hingegen belagerten die Polacken 
ſamt den Bundesgenoſſen die Stadt Marienburg. Die Zufuhre, die man von 
Meme aus in dieſen Ort ſchaffen wolte, ward meiftens aufgefangen, und der Hoch⸗ 


noch überdies ben Stum einige feiner Wagen. Dies zog eine groffe Hungersnot in N 
Marienburg nach ſich, daß man ſogar aus Malz Brod backen muſte. 1 
zwar ſich des unnuͤtzen Volks in der Stadt zu entledigen, und jagte auf hur 


fie wieder in Marienburg aufnehmen. Der Hochmeiſter ſuchte die 2 
der Feinde auf eine andere Seite zu ziehen, belagerte die Stadt Welau, die ſich auch 
nach harter Gegenwehr, weil kein Entſatz zu hoffen, ergeben muſte. Allein dadurch 
konte er die Stadt Marienburg nicht retten. Vom Schloß hatte man ſich unter 
der Erde bis nach der Stadtkirche durchgegraben. Dies nöthigte den Ort an eine Ueber 
gabe zu denken, welche am Tage Dominici zum Stande kam. Der Buͤrgermeiſler 
Blume, der die Stadt vorher dem Orden in die Hände gefpielet, ward gevierthellet. 
Es iſt ſchwer uber die Rechtmaͤßigkeit dieſer Strafe ein Urthell zu fällen, Die Bun 
desgenoſſen fahen den Blume vor einen Verrärher, der Orden vor einen getreuen a/ 
trioten an. Der letztere ließ vielmehr die Danziger, die theils vor Marienburg) 
theils zu Waſſer denen Marianern den groͤſten Schaden zugefügt, 1 
ſcheulichſten landes verraͤther abmalen, wogegen die Danziger den Hochmeiſter 
ne vornehmſten Ordensglieder vor Verraͤther ihrer ſelbſt ausſchrien. In be 
Kriegen hält es ſchwer, daß ein angefehener Ort oder beträchelicher Mann u nig“ 
ſtens auf einer Seite verftoffen folte. Die wackerſten Männer beſteigen, won \ ; 
ger gegen Bürger die Waffen ergreifen, öfters die Henckerbuͤhne und die b ; 
nähern ſich ihrem Verderben. Religions / und bürgerliche Kriege bleiben a 
abſcheulichſten, weil in beiden die kluͤgſten Menſchen ihren eigenen Einfid win 
welche von leuten, die eben fo viel Einficht haben wollen, e Der 
den ſchlug in einem leichten Treffen bey dem Dorf Pruſt die Danziger, ö 

uͤbler dran waren, als der Herzog Erich von Pommern, Lauenburg und 
dem Orden einraͤumte. Lauenburg war bisher mit Danjigeen Gef 
das Ordensvolk den Ort belagerte, kam Erich in Perfon- mie 9 n in den 
Ort, den die Marianer * Er befam darin die ie Din, ieß die Dan 


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Ludwig von Erlichs hausen. 339 


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i ziger Beſatzung abziehen, und uͤbergab Lauenburg und Butow dem Orden, theils um 
einen ländern einmal Ruhe zu verſchaffen, thells weil die Kreuzherren 1s pommeriſche 
5 von Adel gefangen, und der Herzog ſolche nicht anders loͤſen konte. Auch Worm⸗ 
dit ward vom Orden uͤberrumpelt und vom Ordens volk aus Holland und Liebſtadt, 
die damals ſchon dem Orden gehoͤrten, ausgepluͤndert. Die Feinde brannten zwar 
dem Orden die Mühle bey Mewe ab, buͤſten aber in einem leichten Treffen bey Hei⸗ 
ligenbeil ein. Die Kreuzherren uͤberrumpelten das Staͤdtgen Putzig und pluͤnderten 
ſolches. Das Schloß gieng an ſie mit der Bedingung eines freien Abzuges uͤber. Hin⸗ 
gegen verlor das Ordensvolk in einem leichten Treffen gegen die polniſche Beſatzung 
von Olive. Aber Bartenſtein und faſt der ganze öftliche Theil von Preuſſen vers 
ließ den Bund, und unterwarf ſich denen Kreuzherren. Golub gieng mit Berrächer 
rey an ſie uͤber, obgleich das Schloß in den Haͤnden der Feinde blieb. Dieſe uͤber⸗ 
1 rumpelten zwar die Stadt Marienwerder, die ſie pluͤnderten und anſteckten; aber 
die Ordensbeſatzung hatte ſich in die Domkirche gezogen, und ſich ſo gut daraus gewehret, 
daß die Schwezerbeſatzung, die ſich der Stadt bemaͤchtiget, mit groſſem Verluſt 
wieder den Ort zu rammen ſich gezwungen ſahe. Bernd von Sonnenburg erſtieg 
zwar auch das Schloß Schwetz durch ein heimlich Gemach, konte ſich aber darin nicht 
erhalten, ſondern muſte es unter Bedingungen wieder räumen. Auch der Anſchlag, 
den die Ordens Söldner auf Danzig gemacht, ſchlug fehl. Die dazwiſchen vorge⸗ 
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05 nommene Streifereien waren zwar beiden Theilen ſchaͤdlich, aber von keiner Betraͤcht⸗ 
lichkeit 1). a 
§. am. 

Eben mit ſolchen Neckereien ſieng ſich das Jahr 146· an. Guttſtaͤdt unterwarf 146r. 
fich feinem ermlaͤndiſchen Biſchof Paul von Lehndorf wieder, der auch von den pol- Wird fort, 
1 niſchen Söldnern Heilsberg gegen Bezahlung des ruͤckſtaͤndigen Soldes, fo wie die geieht. 
1 Domherrn von Frauenburg die Stadt Allenſtein von des Ordens Söldnern an ſich 
1 gehandelt. Seeburg ward auch dem Orden entriſſen. Henrich von Plauen, der 

im deutſchen Orden ſich befand, belagerte Morungen und zwang den Ort durch Hun⸗ 

ger ſich mit Bedingungen zu ergeben. Die Streifereien ſowol zu kande als auf dem 

Hafe und auf der See giengen indeß Immer fort, bis im Auguſt der König Caſimir 

nach Preuſſen kam. Er belagerte Conitz vergeblich, aber Friedland ergab ſich auf 

die Bedingung eines freien Abzuges. Die Polacken ftreiften ſodenn in Pommern, 

well Herzog Erich ſich mit dem Orden verglichen. Aber des Herzogs Gemalin So⸗ 

phia, welche perſönlich den König beſuchte, verſöͤhnete durch ihr artiges Betragen 

den Monarchen mit ihrem Gemal. Die Polacken verheereten auch das Gebiet von 

Nackel, welches ſich in des Ordens Schutz begeben. Caſimir gieng aber ſodenn nach 
Polen zurück, weil feine Frau Mutter mit Tode abgegangen. Hierauf verjagten bie 
ö Bürger von Braunsberg ihre polniſche Beſatzung, und unterwarfen ſich dem Biſchofe 
1 von Ermeland. Der Fan e Schalsky ſuchte zwar den 15 5 

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0 Schug f ar: 288. 


Dachtzeit zu uͤbertumpeln, verlor aber durch die Gegenwehr der Bürger faſt alle feine 


Well ihnen aber die Beſezung des Orts, welcher zwey Schlöffer hatte, zu Eofik 


lung verſchiedener Mächte ward alſo Caſimir und Georg in Glogau aus e 


ea: Geſchichte von Preuſſen. 


teute, und wäre beinahe ſelbſt gefangen. Friedland im öſtlichen Preuſſen ward dem 
Orden verrathen. Schippenbeil muſte ſich durch Hunger an den Orden ergeben. Bey 
Frauenburg aber buͤſten die ermlaͤndiſchen Stiftsunterthanen ein, welches ſie dem 
Schalsky abnehmen wolten. Der Anſchlag, Danzig durch Verraͤtherey einzuneh⸗ 
men, ſchlug fehl. Die polniſchen Soldner erſtiegen Leſſen. Des Ordens Söldner 
batten durch Verrath zwar bereits die Stadt Strasburg erobert, wurden aber durch 
die Beſatzung des Schloſſes wieder herausgejagt. Auf der Weichſel fielen öfters die 
Ordens Beſatzungen die Danziger Schiffe an, konten aber nicht viel erhebliches aus⸗ 
richten. Stargard aber kam durch nächtlichen Ueberfall in des Ordens Gewalt. Der 
Ort ward geplündert und eingeriſſen. Die Bundes genoſſen waren über den Fortgang 
des Ordens Gluͤcks, und wegen der wenigen Huͤlfe, die ihnen bis her Polen geleiſtet, in 3 
groſſen Sorgen, die fie deutlich genug dem Könige vorftellen lieſſen. Auch mit dem 
Biſchof von Ermeland Paul von Lehndorf, wurden zu Elbing Unterhandlungen 
angeſtellet. Es hatte derſelbe dem Papſt bey der Antretung des Stifts verſproch 

eine genaue Parteiloſigkeit im Kriege zwiſchen Polen und dem Orden zu be 
Der König war ihm nicht zuwider, und mit dem Hochmeiſter hatte er einen 9 
ſtlllſtand bis Maria Reinigung geſchloſſen. Jetzt beklagte man ſich über ihn, daß 
es unter der Hand mit dem Orden hielt, und ſonderlich denen königlichen Beſatzungen 
verſchiedene Orte entreiſſen, und ſonſt Schaden thun laſſen. Er entſchuldigte ſich aber . 
ſonderlich damit, daß man ihm viele Stiftsorte von Seiten des Königs, und der B indes ⸗ 
genoſſen vorenthalten, und feine Unterthanen den Krieg nicht langer ausſtehen könten, 
da fie doch noch kein Ende deſſelben vor ſich fühen. In der That wurde folder neh 
immer fortgeſetzt. 1462 ward verſchiedener Streifereien zu geſchweigen, vom Orden 
ble Stadt Strasburg erobeff, auch das Schloß durch Hunger zur Uebergabe I 
gen. Ohnerachtet der Bund bey dem Könige einen Entſat verlangt, auch dem 
von Dunin zu dem Ende Kriegsvölker zugeſchickt worden, fo hatte ſich dieſ 
nicht den Entſatz zu wagen getrauet. Die Thorner aber hatten Schwet 


und die Danziger die Beſetzung derſelben nicht übernehmen wolten, ließ 
Thorn eins der Schlöffer in Schwetz niederreiſſen. Die Danziger est 
auch die lieflaͤndiſchen Hafen vor geſperrt und feindlich, daruber jedoch die 
länder nicht zufrieden ſich bezeigten. Golub fiel den Polacken in die Ha 
Glogau waren Unterhandlungen angeſtellet, Polen ſowol mit dem Orden als 
George Podiebrad auszuſoͤhnen. Bisher hatte Cafimir einige Hofnung | 
durch Huͤlfe der eatholiſchen Unterthanen des Königreichs Böhmen feine - 
Ladislao in Böhmen auf dem Throne zu folgen. Allein Georg Podieb 
zu gut beveſtiget, und da er fich in Rom anftellete, als wenn er im Herz 
tholiſch als hußitiſch ſey, ſelbſt den Papſt vor ſich eingenommen. Unt 


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Ludwig von Erlichshauſen. 341 


Der Hochmeiſter hatte ſich nicht vorher wegen Mangel der Zeit mit denen Meiſtern von 1462. 
Deutſchland und Liefland beſprechen können, und verlangte eine anderweitige Ver⸗ 
ſammlung, welches aber Caſimir ausſchlug. Der Krieg ward daher anfänglich meiſt 
durch Streifereien in Polen und Preuſſen fortgeſetzt, bis Caſimir mit einem Heer 
ſich in Preuſſen eingefunden, worauf ſchon wichtigere Dinge vorfielen. Das vom 
Hochmeiſter und dem Biſchof von Ermeland belagerte Frauenburg ward durch die 
Polacken entſetzt, und zur Zeit dieſer Belagerung Fiſchhauſen von den Danzigern 
gepluͤndert und eingeaͤſchert. Zwiſchen Polen und Daͤnnemark kam ein neuer Waf⸗ 
fenſtillſtand zur Richtigkeit. Das erheblichſte aber was in dieſem Jahr vorſiel, war 
ohne Streit das Treffen im Putzker Winkel den rzten Sept. Des Ordens vor 
nehmſte Anführer der Soldner 1 von Reineck, Caſpar von Noſtitz, Caſpar von 
Wernsdorf, und Fritz von Hoheneſt giengen mit 1000 ſchweren und 600 leichten 
Pferden, 400 Fußknechten, und 1300 Bauren zu denen ſich aus Pommern und Caſ⸗ 
ſuben viel loſes Geſindel geſellet, auf den Feind los, der etliche 100 Mann weniger 
zählte. Das Ordensvolk glaubte ſchon des Sieges gewiß zu ſeyn, und hatte daher vle⸗ 
le Bäume fo weit umgefäget, daß ſolche auf die Fliehenden ſtuͤrzen und ſolche erſchlagen 
ſolten. Es ruckte in einer Schlachtordnung, die wie ein halber Mond geſtaltet, auf 
die Feinde an, die man alfo auf beiden Seiten uͤberfluͤgelte. Die Reuter hielten ſich 
wohl, und hatten die Polacken ziemlich im Gedraͤnge. Allein die Verzwelfelung feu⸗ 
rete diejenigen an, welche keinen Weg zur Flucht vor ſich ſahen. Das Fußvolk des 
Ordens ward von dem Gegentheiligen, die in der Wagenburg fochten, in Unord⸗ 
nung gebracht und geſchlagen. Hierauf folgte auch die Flucht der Reuter, beſon⸗ 
ders da Fritz von Reineck auf dem Platz geblieben. Alle Nachrichten ſagen, daß 
Caſpar von Noſtitz zu fruͤhzeitig ſich zuruͤckgezogen, und bey feiner laͤngern Gegen, 
wehr vielleicht noch der Orden geſiegt haben wurde. Die umgefägten Bäume thaten 
ſonderlich den ſchweren Reutern den gröften Schaden, und die, welche dem Feinde 
keeine guͤldene Bruͤcke bauen oder gar keinen Weg zur Flucht laſſen wolten, litten 
ſelbſt eine wichtige Niederlage. Es iſt aber ungezweifelt, daß dieſes Treffen mit 
vielen Schlachten und Niederlagen des Ordens in keine Vergleichung zu ſtellen. Die 
polniſchen Geſchichtſchreiber machen dieſe Sache viel zu groß, wenn fie ſolches thun. 
Golub fiel den Polacken hierauf wieder in die Haͤnde. Auch der Anſchlag des Dis 
ſchofs von Ermeland, Wormdit durch Verraͤtherey in feine Hände zu bekommen, 
ward verrathen, und mit deſſen groͤſtem Schaden hintertrieben. Indeſſen war der 
Erzbiſchof Jeronimus von Creta in Polen angelangt, um den Frieden zu vermit / 
teln. Er kam von da 1463 nach Koͤnigsberg zum Hochmeiſter. Er brachte es da / 1463. 
hin, daß auf Philippi und Jacobi oder den ıften May eine Frledensverſamm⸗ 
lung zu Brzeſk gehalten werden ſolte. Der Orden ſchickte einen von Henneberg und 
einen Domherrn von Frauenburg dahin ab. In ihrem Gefolge langte der päpftliche 
Botſchafter an. Dieſer bekam aber ſofott ſchwere Streitigkeiten. Die Polacken 
wolten ſich von den Bundesgenoſſen nicht trennen laſſen, da doch der ee 
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1463. faͤnglich die Bundesgeſandten als Verbannete gar nicht zu den Unterhandlungen laſſen, 


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Verschiedene Es iſt kein Wunder daß bey fo een Sechen die Marianer ſch 'ach d 
friedensunter Ende eines n geſehnet, der ſie Wee völlig aſböyft ba, und in dem 


Schutz f. 288 » 307. 9) Ibid. p. 307 - zu 


342 Geſchichte von Preuſſen. 


und nachher ihrentwegen keinen Gottesdienſt in dem Ort verſtatten wolte. Die Po⸗ 
lacken kehrten ſich aber wenig daran, und ſtellten vielmehr wegen erhaltener Borcheile 
gegen die Stadt Heiligenbeil ein feierliches Dankfeſt an. Dies brachte den Botſchaf⸗ 
ter ungemein auf. Weil Caſimir ſich damals in Lithauen befand, ſo wolte der Botſchaf⸗ 
ter vor deſſen Zuruͤckkunft nichts weiter thun, und ſolche in Cracau abwarten. Allein die 
polniſchen Geſandten, die ihn im Verdacht hielten, als ob er vor den Orden partellſch, 
wolten ihn nicht nach Cracau laſſen. Es zerſchlugen ſich daher dieſe Unterhandlungen 
noch ehe fie angegangen. Der Botſchafter gieng nach Breslau, wo er die Pom⸗ 
mern und Preuſſen, die des Jubilaͤi wegen dahin gekommen, auf des Ordens Sel⸗ 
te mit Vorſtellungen und Drohungen zu bringen ſuchte. Er verbot ſogar denen Frauens 
alle eheliche Beiwohnung, bis die Männer ſich dem Orden unterworfen. Ein eigenes 
Mittel des Papſts Anſehen zu erhalten! Der König konte auch die Aufhebung des 
Bannes gegen die Preuſſen von ihm nicht erhalten, warum er durch Geſandten an⸗ 
halten ließ. Hingegen ſchloſſen die Danziger und Elbinger mit dem Orden an eben 
dem iſten May einen Vertrag, daß auf dem Hafe und den landfluͤſſen, die Fiſcher N 
von beiden Theilen in ihrem Gewerbe nicht geftörer werden ſolten. Mit den 
war damals König Chriſtian 1 ſchlecht zufrieden, die noch immer unter der Hand es mit 
feinem Feinde Carl Cnutſon hielten, daher zwiſchen beiden Theilen der Stillſtand 
ſchlecht beobachtet wurde x). Der Vortheil, den die Polacken gegen Heiligenbeil 
gehabt, beſtand in der Einaͤſcherung des Orts, ohne dat fie ſich darin veſtſetzen, oder 
die Thuͤrme dem Ordens volk abnehmen konten. Aber dem Orden gelung es eben fo 
wenig, Danzig durch eine neue Verraͤtherey in ihre Gewalt zu bekommen. Viel ⸗ 
mehr belagerten die Feinde Mewe, und machten alle Anſtalten, dieſen Ort, der 2 
nen bisher die Fahrt auf der Weichſel ſehr unſicher gemacht, auszuhungern. 
Anſtalten des Ordens, den Platz theils zu lande, theils mit Schiffen, — EE 
in die Weichſel laufen ſolten, zu entſetzen, waren vergeblich, und buͤſten, ſonderlich die 
letztern, viel Volk und Schiffe ein. Einige elbingſche und polniſche Parteigänger 
überfielen auch zu St. Albrecht zwiſchen Lochftädt und Fiſchhauſen zur geit der Kirch / 
weyh diejenigen, welche die Andacht dahin gefuͤhret. Beinahe wäre der Hochmeister 
ſelbſt denenſelben in die Haͤnde gefallen, da er der Kirchwenh perſönlich bei 
len. Die Stadt Holland fiel zwar dem Henrich Reuß von Plauen in 
er konte ſich jedoch darin nicht behaupten, weil die Beſatzung des Schloſſes 
niſche Volker aus dem kager vor Mewe verſtaͤrkt wurde. Die 

trieben auch dem Orden einen groſſen Vorrath von Vieh weg, und verkauften 

in Danzig , fo daß der Orden alſo in dieſem ang überall Einbuffe hatte N. Br 


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Ludwig von Erlichshauſen. 343 


der Gefahr ſtunden auch dasjenige in Preuffen zu verlieren, was ihnen darin noch 1483. 
zugehörte. Die Polacken waren nie fo einig geweſen als jetzo, und verdoppelten die handlungen 
Anſtalten zu Fortſetzung des Krieges, da auf des Ordens Seite keine Huͤlfe abzuſehen. find verge⸗ 
Auf der Kreuzherren Anſuchen that der in Breslau befindliche päpftliche Botſchafter bens. 
ſowol, als auch die Stadt Luͤbeck dem Caſimir zu neuen Friedensunterhandlungen 
Vorſchlaͤge. Der Koͤnig beſprach ſich auf dem Rechtstage zu Peterkow deswegen mit 
den preußiſchen Bundesgenoſſen. Dieſe bezeigten zur Vermittelung des paͤpſtlichen 
Bolſchafters, den ſie vor parteiifch hielten, keine kuſt, lieſſen ſich aber die Vermitte⸗ 
lung der Hanſe gefallen. Indeß ward ſowol dem paͤpſtlichen Botſchafter, als auch 
den Luͤbeckern geantwortet, daß man von polniſcher Seite einer guͤtlichen Auskunft 
ſich nicht wiverfegen wolle. Nur verwarf der König den Vorſchlag des Ordens, daß die 
polnifchen Geſandten ſich zu Elbing, des Ordensgeſandten zu Braunsberg oder Heis 
ligenbeil ſich aufhalten, und die Unterhandlungen ſelbſt zu Tolkemit vorgenommen 
werden ſolten. Polen ſchlug vielmehr Bromberg vor feine, und Culm vor die Ges 
ſandten des Ordens, Thorn aber zu dem Unterhandlungsort vor. Es wurden von 
beiden Theilen die nöthigen Geleitsbriefe ausgefertiget und 1464 die Friedensverſamm⸗ 1464. 
lung eröfnet. Die Stadt Lubeck, Roſtock, Wismar, Luͤneburg, Riga und 
Doͤrpt unterzogen ſich des Mitleramts. Man war ſchon ziemlich weit gekom men. 
Dem Könige ſolte Pommerellen und die Gebiete von Eulm, Michelow und Elbing 
verblelben. Weil aber Caſimir noch das marienburgſche Gebiet behalten wolte, 
auch verlangte, daß der Hochmeiſter fein lehnmann werden ſolte, und ſich nicht ans 
heiſchig machen wolte, die Ordensbeſatzungen auf ein Jahr lang ihren Sold zu bezah⸗ 
fen, und endlich der paͤpſtliche Botſchafter nach Luͤbeck kam, und ſich auch in die Fries 
densunterhandlungen miſchen wolte, ſo zerſchlugen ſich ſelbige fruchtlos. Eben ſo war 
eine andere Friedensverſammlung zu Thorn ebenfals ohne erwuͤnſchten Erfolg, welche 
der Biſchof und die Stadt Luͤbeck ſamt andern auf Johannis des Taͤufers Tag ange⸗ 
ſtellet hatten. Von beiden Theilen waren anſehnliche Geſandten hingekommen. Der 
Orden hatte den Biſchof von Oeſel, den Großeomthur Henrich Reuß von Plauen 
und andere Gebieter dazu abgeſchickt. Die Polacken gaben hier an: „1. Ihre Vor⸗ 
fahren hätten mit Polen zugleich auch Culm, Michelau und Pommerellen bevöl⸗ 
keert. Deswegen habe auch jeder darin befindlicher Ort feinen polniſchen Namen. 
„Daher ſtuͤnden dieſe lande unter dem Kirchenſprengel polniſcher Biſchöfe. Daher bes 
zahlten fie den Zehenten und den Peterspfennig fo wie andere polniſche Unterthanen. 
2. Das jenſelts der Weichſel gelegene Preuſſen wäre theils in den aͤlteſten Zeiten Pos 
len unterwuͤrſig und zinsbar geweſen, theils habe der jetzige König es denen Soͤldnern 
vor 400000 Schock breiter boͤhmiſcher Groſchen abgekauft. 3. Der Orden habe das 
alte Eigenthum der Polacken ihnen mit Gewalt entriſſen. 4. Zu den Zeiten Wla⸗ 
dislai Loctici haben des Papſts Johann 22 Bevollmaͤchtigte ſolche der Krone zuge⸗ 
ſprochen, und den Orden noch uͤberdies in 30000 Mark polniſcher Strafe verdammt. 
Statt ſolchem Urtheil ein Gnuͤge zu leiſten, habe der Orden Verheerungen in Polen 
ra zu 


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——— 


1464. 


zu einer Zeit arigerldhtet,; da der König gegen die Tartarn zu Felde geweſen. Die 
fer habe nach feiner Wiederkunft aus dem Feldzuge die Sache dem Papſt Benedict ia 
überlaffen, der durch Bevollmächtigte dem Orden 194500 Mark polniſch Strafe zu ⸗ 
erkannt, und ihm uͤberdies auferlegt, an den König 1600 Mark zu entrichten. Dem 
allen ungeachtet habe ſich der Orden daran nicht gekehret, ſondern das land der Kro⸗ 
ne Polen vorenthalten, und darin ſolche Tyranney veruͤbet, daß ſolches ſich gend 
thiget geſehen, ſich wieder zu feinem ehemaligen Herrn zu wenden. 5. Eben die 
unmenſchliche Begegnung, welche der Orden denen Unterthanen bewieſen, haben den 
Bund mit des Hochmeiſters Paul von Rußdorf und des Kaiſer Albrechts = 
nehmhaltung erzwungen, und zuletzt genoͤthiget, von dem Gericht des Kaifers ſich 
an den König in Polen zu wenden. „ Die Ordensgeſandten ſuchten die polnis 
ſchen Gründe fo zu enckraͤften. 1. Die Art der Bevölkerung aller tänder ſey 
unzuverlaͤßig. Es fen kein Merkmal der polniſchen Herrſchaft, daß kai 
kein deutſch konten, Orten polniſche Namen geben. Die Einthellung in Kirchen 
ſprengel und in Staaten fen himmelweit unterſchieden, und von der einen nicht auf die 
andere zu ſchluͤſen. Der Schluß von geiſtlichen Zehenten auf die weltliche O 
ſchaſt ſey ungegruͤndet. Culm und Michelau duͤrften den Peterspfennig ide 
ien, und daß Pommerellen ſolchen entrichtet, fey durchaus kein Merkmal, ac 
Polen gehöͤret, da viele andere Staaten und tänder ſolchen bezahlen, die nie 
olen gehöret. Pommerellen habe der Orden 1310 und zu denen Marg 
ldemer und Johann von Brandenburg mit des Kaifers Henrich 7 Ger 
gung vor baares Geld abgekauft, folglich von denen rechtmäßigen Herren auf 
Art an ſich gebracht, da ſchon 123. Kaiſer Friedrich 2 das Pommerellen denen Marg 
grafen von Brandenburg beſtaͤtiget hat. Culm und Michelau habe der Orden nicht 
durch Gewalt der Waffen bezwungen, ſondern Herzog Conrad von Maſau habe zu 
der Zeit, da Polen keinen allgemeinen Oberherrn gehabt, aus dringender Moth 
ſich gegen die heidniſchen Preuſſen zu ſichern, dieſe Lander mit allen oberhe rlid 
Rechten, die auch von Kaiſern und Päpften vielfach beftäriger worden, dem £ D ' 
Eigentum uͤberlaſſen, worin auch deſſen Gemalin und Kinder geroilliger. Es 
ber klar, daß auch Culm und Michelau rechtmäßig an den Orden Yefomm 
2. Das übrige Preuſſen hätte der a den Ungläubigen mit dem ee 
fremder Huͤlfe erobert, und durch kaiſerliche und paͤpſtliche Urkunden ſey ar 
der Orden fich darüber folche Rechte und Freiheiten erworben, als nur 
ein unumſchraͤnkter Fuͤrſt oder König über feine lande haben konne. 
laus Locticus, der die Unmoͤglichkeit erkannte, Pommerellen mit dem 
zu behaupten, wuſte zwar Mittel den Papſt Johann 22 zu bewegen die 
tande dem Ausfpruch einiger Geiſtlichen aufzutragen. Da aber felbige ft 
geweſen, die gegen den Orden gefochten, die ihr Gericht in Polen eröfnere 


7 


Orden die Mittel zur Vertheidigung abgeſchnitten, ſo habe der Orden dieſe 


Richter verworfen, und ſich gegen ihren Ausſpruch nach Rom 3. 


Ludwig von Erlichshauſen. 345 
Zelt ſtarb Wladislaus Locticus. Sein Sohn Caſimir fiel zwar dem Orden ins 
Land, als ſolcher eben in Geſellſchaft des Königs von Böhmen Johannis gegen die 
Feinde zu Felde lag. Aber nach dieſer Zuruͤckkunſt ließ Caſimir ſich gefallen, daß 
Johann von Böhmen und Carl von Ungarn die Sache entſcheiden ſolten. Jhr 
Ausſpruch vermochte: daß der Orden Pommerellen und die Gebiete Culm und 
' Michelau, Polen aber das land Dobrin und Cujavien behalten folte, Der Papſt 
Benedict 12, der von dieſem Ausſpruch nicht benachrichtiget worden, uͤberließ den 
Ausſpruch der vorigen polniſchen Anfprüche zweien geringen Perſonen, denen det 
Orden billig widerſprach, da der Papſt ſelbſt geſtand, daß man auf unrechtmaͤßige Art 
die Bevollmächtigung dieſer Perfonen erhalten. Der Orden berief ſich alſo gegen ige 
ren Ausſpruch mit Recht auf den Papſt und König Caſimir fand für das beſte, mit 
dem Orden ſich durch den ewigen Frieden zu ſetzen, und dem Orden Pommerellen, 
Culm und Michelau auf ewig zu überlaffen, und ſich des Tituls und Wappens auf 
Pommerellen auf ewig und eidlich zu begeben. Es wurden gleich darauf die Grenzen 
bezogen und veſtgeſtellt. Die maſoviſchen Fuͤrſten, die polniſchen Groſſen ſowol 
als viele Städte beſchwgren den Frleden gleichfals, und verſprachen dem Orden gegen 
den König beizuſtehen, wenn er den Frieden brechen ſolte. Jagello habe eben den⸗ 
ſelben beſtaͤtiget. Da hierauf zwlſchen ihm und dem Orden eln Krieg entſtanden, und 
Jagello den tannenbergſchen Sieg befochten, verglich man ſich zu Thorn 1412, daß 
Polen auf Pommerellen, Culm und Michelau keinen Anſpruch haben, noch den 
Ordens Feinden mit Rach oder That belſtehen ſolte. Bey neu ausgebrochenen Unru⸗ 
hen that Sigmund von Ungarn 1412 mit beider Theile Bewilligung zu Ofen einen 
Ausſpruch, der dem ewigen Frleden vollkommen gemaͤß; und da abermals ein Krieg 
entſtanden, ward mit beider Theile Bewilligung vom Sigismundo zu Breslau 1420 
ausgeſprochen, daß der thornſche Friede von 1411 bey Kräften bleiben ſolte. Des 
Jagello Sohn und Nachfolger Wladislaus verglich ſich nach dem Einfall der Huſ⸗ 
ſiten in Preuſſen durch einen ewigen Frieden abermals, daß der Orden Pommerel⸗ 
len, Culm und Michelau ewig behalten, Polen ſich aller Anſpruͤche darauf begeben, 
aalle dahin einſchlagende Urkunden aber dem Orden ausliefern ſolten. Das letztere fen von 
Ptäolen nicht gehalten, da doch von zehn zu zehn Jahren dieſer Friede von beiden Thei⸗ 
len, fo wie von jedem neuen Könige und neuem Hochmeiſter beſtaͤtigt und beſchworen 
worden, und ſelbſt der jetzige König Caſimir feinen Eid darüber abgeleget, womit 
4 aber ſein jetziges Betragen ſchlecht uͤbereinſtimme. In eben dem Frieden haͤtten alle 
polniſche Stände in einem beſondern Artikel verſprochen: dem Orden auf deflen Erfor⸗ 
dern beſzuſtehen, wenn ihr Monarch den Frieden brechen ſolte. Sie hätten aber jetzt 
ihrem Geluͤbde ſchlecht nachgelebt, als der Hochmeiſter ihren Beiſtand nach dem Fries 
densbruch des Königs verlanget habe. 4. Die Klagen der Bundesgenoſſen uͤber un⸗ 
menſchliche Tyrannen waͤren ungegruͤndet. Jetzt wüfte man keine beſondere Faͤlle ei⸗ 
ner Tyrannen anzugeben, und was davon ehemals angebracht wäre, könte um fo 
weniger gelten, da der Orden, wie des Kalſers Urtheilsſpruch klaͤrlich darthaͤte, ſich 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. æ x gerecht; 


1464. 


346 Geſchichte von Preuſſen. 


gerechtfertiget, daß alles, was geſchehen, billig und mit Recht geſchehen fen. . Am 
wenigſten konte man ſich polniſcher Seits auf den von den Söldnern des Ordens vorgenom⸗ 
menen Verkauf des Landes beziehen. Denn denen fen das land verfeßt, und erlaubt wor⸗ 
den, ſolches zu verkaufen, wenn der Orden ſie nicht befriedigen koͤnte. Man 50 
aber bereits zu Stum anſehnliche Summen zur Befriedigung ihnen vorgewieſen, und 

das uͤbrige in Liefland bereits beiſammen gehabt; nur haͤtten einige Verkuͤufer das vor⸗ 
raͤthige Geld mit Fuͤſſen getreten, und auf das übrige keine Stunde warten wollen. 
Zu dem ſey die Verſchreibung allen Häuptern der Söldner geſchehen; es habe aber nut 
einer unter ihnen, der nicht einmal einer der erheblichſten zu nennen, ſich des Verkaufs 


angemaſſet. Endlich Verkauf an den Hauptfeind des Ordens, dem = 2 


gedienet, geſchehen, wel es jedermann als ein unbilllges Verfahren erkennen mi 

wegen auch der König von Böhmen bereits etliche dieſer Verkaͤufer deswegen ihre: 2 52 
entſetzen, ehrlos machen, und zum ewigen Gefaͤngniß verdammen laſſen. Da nun bie 
von beiden Theilen aher Rechtsgruͤnde zu Streitigkeiten Gelegenheit gaben, fo 
erklärten die Unterhändler: daß fie Mitler aber keine Richter wären. Sie verlangten 
vom Orden zu wiſſen, ob er zufrieden, daß beide Theile das behalten ſolten, was jer 


der im Beſitz habe. Polen wolle nach dem, wozu ſich die polniſchen Geſandten ers 


boten, ihnen nichts in Preuſſen laſſen, und alles was vom Könige etwa zu hoffen, be⸗ 
ſtuͤnde darin, daß er den Marianern ein Stuͤck Land an den Grenzen der ER 
gen einräumen möchte, wo fie wider die Heiden, ihrer Einrichtung gemäß, fechten 
Fönten. Endlich verlangten die Polacken Culm, Michelau und Pommerellen og 
ne Widerrede zu behalten, und wegen des übrigen wolten fie ſich in Unterhandlungen 
einlaſſen. Der Orden hingegen beſtund darauf, daß man ihm ganz Preuſſen nebſt 
Marienburg und Elbing vorläufig laſſen ſolte, wegen Pommerellen und Culm 
wolte er ſich die Unterhandlungen gefallen laſſen. Die Polacken erwiederten; man 
muͤſte ihnen, ehe die Unterhandlungen angiengen, die ganze pommerſche Seite und 
Mrrienburg nebſt den Städten Danzig, Thorn und Elbing mit deren Hua 
rungen abtreten. Der Orden folte ganz Samland und die Gebiete Br 
und Balge behalten, wegen der übrigen wolten fie ſodenn erſt ihre Gedanken erbf⸗ 
nen. Henrich Reuß von Plauen fahe ein, daß auf die Weiſe nicht nur Thor 
ſondern auch das ganze culmiſche und michelauiſche Gebiet, nicht nur Marien, 
burg, ſondern das ganze Werder nebſt Stum, folglich der beſte Theil des dandes 
in polniſche Hände käme, welches er bey dem Orden nicht verantworten könte. Us 
les, wozu er ſich blos aus liebe zum Frieden verſtehen konte, beſtuͤnde darin: 
von beiden Theilen alle verurſachte Schaden und Koſten gegen einander aufgeho 
den; dem Könige ſolte Thorn nebſt dem ganzen culmifchen und michelauiſchen lan, 
de abgetreten werden. Der Orden wolte vom Könige zu behn gehen, und entweder 
jährlich eine Geldſumme bezahlen, oder in denen Kriegen eine Volkhuͤlfe dem Kon 
zuführen; dahingegen muͤſte alles übrige dem Orden verbleiben. Der letzte En 
der Polacken aber war davon ſehr weit entfernt. Sie verlangten ganz P 


Ludwig von Erlichshauſen. 347 


len, die ganze Nehrung, ein Schloß und eine Stadt ausgenommen, die ſie in Pom⸗ 1464. 
merellen dem Orden laſſen wolten; das ganze Culmiſche und Michelauiſche muͤſte 
nebſt Thorn dem Könige verbleiben. Danzig und Elbing muͤſte ebenfals ohne weis 
tere Widerrede Caſimir gehören, über das elbingſche Gebiet aber konten noch Unter⸗ 
handlungen gepflogen werden, doch was der Stadt jetzt gehöre, muͤſte bey der Stadt 
verbleiben. Ueber Neudenburg, Paſſenheim und Holland wolte man ſich verglei⸗ 
chen. Marienburg, Stum, Beenhof aber ſolten mit ihren Zubehörungen auf 
20 oder 30 Jahr dem Könige eingeräumt werden, und in der Zeit ſolte man fich ent 
weder guͤtlich vergleichen, oder durch Schiedsrichter entſcheiden laſſen, wem ſolche zus 
gehören ſolten. Weil ſich aber die Ordensgeſandten auſſer Stande befanden, auf dies 
Anſinnen der Polacken ohne den Hochmelſter, den Orden und die Söldner zu Rath 
zu ziehen, einzulaſſen, ſo zerſchlug ſich auch dieſe Friedensunterhandlung, und der 
Krieg ward fortgeſetzt 2). 5 N 5 ö 


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Der Orden war jedoch bey Fortſetzung des Krieges eben nicht glücklich. Mewe Der krieg ges 
ergab ſich endlich auf Bedingungen. Die darin befindlichen Kreuzherren, worunter het zu ende. 
Ulrich von Eiſenhofen geweſener Comthur zu Mewe, Henrich von Richtenberg 
geweſener Fiſchmeiſter zu Putzig, Conrad Pfirsfeld geweſener Comthur zu Dan⸗ 
zig, Stanislaus von Dohna, Nicolaus von Weiſſenbach, Fritz von Hohen⸗ 
neſt, und Stephan Schönaich ſich befanden, erhielten nebſt ihren Sachen einen 
freien Abzug. Der polniſche neue Befehlshaber von Mewe gieng aber mit den Eins 
wohnern ſo barbariſch um, daß ihn auch der Koͤnig deswegen abſetzen muſte. Bernd 
von Sonnenburg oder Schönberg, dem der Orden Culm, Strasburg und Alts 
haus wegen ſeiner Jorderungen verpfaͤndet hatte, verglich ſich mit dem Könige: die 
erwehnten Orte bis zum Ausgang des Krleges im Beſitz zu behalten, in der Zeit ſey ihin 
von polniſcher Seite ein völliger Waffenſtillſtand verſtattet, fo daß er aber aller Ger 
meinſchaft mit dem Orden ſich enthalten ſolten; nach Beendigung des Krieges ſolte er dem 
Könige die in Händen habenden Plaͤtze ausliefern, wogegen ihm Caſimir feine For⸗ 
derung nach billiger Erkenntniß bezahlen wuͤrde. Auch der Biſchof von Ermeland 
ſchloß vor ſich und fein Stift erſt einen Waffenſtillſtand, und nachher einen Frieden, 

wodurch er ſich und fein Stift dem Könige unterwarf. Die Danziger belagerten for 
denn Putzig. König Chriſtian, dem jetzt Carl Cnutſon aufs neue den ſchwedi⸗ 
ſchen Thron ſtreitig machte, ſuchte die Ruhe mit Polen und dem Bunde beizubehal⸗ 
ten. Die Bundesgenoſſen konten zwar Memel durch Verraͤtherey nicht erobern, tha⸗ 
ten aber ſonſt durch Streifereten den: Orden Schaden. Des Königs Soldner bela⸗ 
gerten Neuburg. Das erſte mal ſchlug zwar die Beſatzung die Belagerer mit groß 
ſem Verluſt weg. Aber eine weill ftärfere Anzahl Feinde belagerten den Ort zum ans 
dernmal und ſchlugen den Orbens Entſatz in die Flucht. Putzig ergab ſich endlich den 
Feinden, und Balthaſar von Dohna und N Toͤſt bekamen nebſt ihrem Volk 
bi, wi x 2 a einen 


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Schutz f. 310. 311. 313 : 318. 


1464. 


5 1465. 


fe vom Könige, um ſodenn ebenfals gegen den Orden feindlich zu handeln. Der don 


348 Geſcchichte von Preuſſen. 5 
einen freien Abzug. Die ermlaͤndiſchen Unterthanen warteten nur auf eine Volkhuͤl⸗ 


Plauen in Preußi Mank ſtand mit dem königlichen Statthalter in Preuſſen in 
Friedensunterhandlungen. Während der Zeit hatte er bald auf Thorn, bald auf die 
elbingſche Neuſtadt, bald auf Dirſchau Anſchlaͤge gefaßt, die aber alle fehl ſchlu / 
gen. Jedoch that die Beſatzung von Stargard denen Dirſchauern bald darauf groß 
fen Schaden. Eben das Ordens volk in Stargard ſchlug einen Theil Volks der Danziger 
das 1465 die Belagerer von Neuburg verſtaͤrken ſolten. Die Polacken waren wegen 
des groſſen Widerſtandes der Belagerung überdrüßig, und wolten ſolche ſchon aufgeben. 
Die Danziger thaten aber alles mögliche dieſelbe fortzuſetzen, und den Ort durch Hunger 
zu zwingen. Dieſer verurſachte, da alle Hofnung zum Entſatz verſchwunden, daß die 
Beſatzung den Ort endlich uͤbergab, und freien Abzug erhielt. Davor 323 
von Plauen und Georg von Loben das kleine Werder, und warfen. ſich 
Stargard. Den ıften May wurden zwiſchen dem Orden und dem königlichen S 

halter auf der Nehrung Friedensunterhandlungen gepflogen. Der letztere that d 
Vorſchlag, daß der Orden zwar in Preuſſen bleiben, aber aller Negierung ſich beger 
ben, und fo wie an den meiften Orten in Deutſchland landſaͤßig ſeyn, 1 
Einzöglinge von Preuſſen in den Orden aufnehmen folte, damit die von 
erworbene Gelder nicht aus dem lande kommen möchten. Aber der 
dieſen Vorſchlag ohne Einwilligung der Meiſter aus Deutſchland und Liefland 
eingehen. Ulm aber ſich mit denen reiflich berathen zu konnen, verlangte er einen 
fenſtillſtand auf ein Jahr. Aber dies konte er nicht erlangen, weil * befuͤr 
daß der Orden in der Zeit ſich auswärtige Huͤlfe eule moͤchte. nt 
lungen wurden nachher ſchriftlich fortgeſetzt. Aber man konte nicht bes. Une. 8 
che Orte der König oder der Orden behalten ſolte. Der Krieg ward alſo durch € 
fereien fortgeſetzt, in denen der Orden ſowol gegen die Polacken und Bu roffen, < 
auch gegen den Herzog Henrich von Stolpe wenig Vorchell hatte. Die v 
gard ſuchten Dirſchau bald durch kiſt, bald durch Gewalt in ihre Hue 
aber beides mislung. Nachdem die Beſatzung von Stargard, die auf g 
gegangene Beſatzung von Mewe geſchlagen, ruͤckten ſie vor Mewe ſelbſt. 1 
ward aber entſetzt. Bald darauf ward Stargard ſelbſt belagert. Die 7 
nahm mit Liſt drey königliche Beſehlshaber gefangen, und ſchickten fie nat 
Aber ein Ausfall misrieth, und die Belagerung ward fortgeſetzt. In 
entſtund ein Aufſtand wegen des langen und koſtbaren Krieges. Aber & 
Plauen ließ 70 Bürger und 26 von Adel gefangen nehmen. Sechs Raͤdelsf nu / 
ſten das beben laſſen. Die uͤbrigen wurden in die Schlöffer vertheilt, wo ſe i 8 geſtor · 
ben, theils ſich mit erheblichen Geldbuſſen die Freiheit erkaufen muſten. In € St argarl „ 2 
wohin ſich einige Verſtaͤrkung geworfen, that man dem Feinde durch - fl em * 
chen Schaden, und das Ordensvolk ſuchte den Belagerern die tebenemitcel f f 
lich ſchwer zu machen. Allein die Belagerung gieng fort, und der 5 Dr den 1 5 0 n 


Ludwig von Erlichshauſen. 349 


Jahr 1466 noch weniger Gluͤc. Der Biſchof von Ermeland und fein Stift mach⸗ 1466. 
ten jetzt ein Buͤndniß mit den Ordensfeinden, und raͤumten ſolchen Neudenburg, 
Paſſenheim und Wormdit ein. Michael Tader Schöneich genannt, Befehls 
haber zu Keuſchau, ſchloß mit den Feinden einen Waffenſtillſtand. 700 Reuter, 
die aus Liefland nach Preuſſen gehen wolten, wurden meiſt von den Sameiten er⸗ 
ſchlagen, und 40 Schiffe mit Kriegs, und Mundbeduͤrfniſſen, die aus Liefland nach 
Preuſſen gehen ſolten, ſtrandeten an der curiſchen Kuͤſte. Der Anſchlag, das be⸗ 
jagerte Stargard mit Haͤlfe einiger Verraͤther im lager zu entſetzen, ſchlug fehl. 
Meelſack ward von den Polacken eingenommen und gepluͤndert, und Henrich Reuß 
von Plauen verlor ſowol vor dieſem Ort, den er wieder erobern wolte, als auch vor 
Holland viele Mannſchaft. Der Orden konte ſich keines Orts bemaͤchtigen, und mu⸗ 
fie ſich begnuͤgen Verwuͤſtungen anzurichten. Es gieng aber ſeinen landen nicht be ſſer, 
welche vom Feinde öfters verheeret und gepluͤndert wurden. Die Ordensbeſatzung in 
Stargard verließ endlich aus Mangel der Lebensmittel den Platz, und zog ſich bey 
Nachtzeit nach Conitz. Martin von Zitzwitz bemaͤchtigte ſich zwar des Schloſſes 
Schlochau, worin er gefangen lag, verlor ſolches aber etliche Tage darauf, als er eben 
auf Beute ausgegangen. Caſimir naͤherte ſich über Bromberg dem lande Preuſſen 
mit einem friſchen Heer, an welches ſich Friedland und Hammerſtein ergaben. Nun 
ward Conitz von den Polacken belagert, worin ſich das Ordensvolk tapfer wehrte, 
und durch Ausfälle viel Schaden that. Die Belagerer wurden durch Tartarn und 
Eithauer ſehr verſtaͤrkt, die den vierten Theil des Orts nebſt vielem Vorrath abbrandten. 
Caſpar von Noſtitz muſte alſo zuletzt den Ort unter der Bedingung eines frelen Abzu⸗ 
ges übergeben. Lauenburg und Buͤtow hatte der Orden an Pommern vor 8000 
Gulden verkauft. Die Polacken belagerten Zanthir, welches das Ordensvolk nach 
langer herzhafter Gegenwehr endlich verließ. So war faſt ganz Pommerellen in feind 
liche Hände gerathen, und der Orden ſtand in Gefahr, auch das übrige Preuſſen zu 
verlieren, wenn er nicht durch einen baldigen Frieden ſich endlich noch in einem Theil 
des bandes erhalten hätte a). 5 £ 


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Schon ins ızte Jahr hatte der Orden einen koſtbaten Krieg gegen den gröften Alles ſehnet 
T.hueil feiner Unterthanen und das mächtige polniſche Reich gefuͤhret. Die Schläfrig: Il nach frie⸗ 
N keit des Kaiſers und die vielen Kriege in Deutſchland verurſachten, daß das deut; 8 
che Reich dem Orden keine Huͤlſe leiſtete. Alle Kriegsvölker, die die Marianer aus 
Deutſchland gezogen, hatte er vor feine eigene Koſten werben muͤſſen. Die Quellen 
der Einnahmen waren verſtopft, und da ſchon ein Theil der Söldner aus Mangel der 
Bezahlung, die ihm anvertrauten Orte Polen verkauft hatte, fo muſte der Orden bes 
fürchten, daß die übrigen es eben fo machen mochten. Da Be es meiſt im 
mer mit Polen hielt, da Nane ee da Chriſtian von Daͤnnemark 
- deu Im M WERE 24 ſich 


9 Von dießm zsjßßeigen Kriege hat Dionyſtus Konau eine eigene Abhandlung geſchrieben. 
Schuͤt f. 312. 313. 318 326. 


1466, 


350 Geſchichte von Preuſſen. 


ſich nach der Ruhe mit Polen ſehnete, und Carl Cnutſon es öffentlich mit den Fein⸗ 
den des Ordens hielt, fo war der Hochmeiſter von allen Seiten mu Feinden eingeſchloſ⸗ 
fen, von aller Huͤlfe abgeſchnitten, und es hielt fogar ſchwer die nöchigen Kriegs ⸗ und 
Mundbeduͤrfniſſe herbey zu ſchaffen. Was der Orden noch beſaß war ausgepluͤndert 
und verheeret, oder doch bey den ſchweren Abgaben, die der lange Krieg nothwendig 
gemacht, ſchwuͤrig, und ſehnete ſich nach Ruhe. Der Orden muſte alſo entweder als 
les was er noch beſaß, mit ſchwacher, oder beſſer zu ſagen, ohne alle Hofnung eines 
glücklichen Erfolgs aufs Spiel ſetzen, oder ſich einen Frieden unter denen | 
gefallen laſſen, unter welchen man ihnen ſolchen eingeſtehen wolte. Zum Gluͤck wa⸗ 
ren die Bundesgenoſſen, die ſich an Polen ergeben, des Krieges eben fo muͤde und un⸗ 
gemein ſchwuͤrig. Sie erklaͤrten fich darüber zu Peterkau ohne Ruͤckenhalt, daß fie 
in dieſem Kriege nicht nur verarmet, und durch den König ſchlecht unterftüger wären, 
ſondern daß die Polacken ihnen die Bedingungen der Unterwerfung ſchlecht gehalt: 
ihre Pläge mit auswärtigen Völkern und Befehlshaber beſetzt, ihr Statthalter habe 
nicht das gehörige Anſehen, ihre Rechte würden verfürze, und die Gerechtigkeitspflege 
nicht beobachtet. Kurz, da fie den Krieg angefangen, der Leibeigenſchaft zu ent⸗ 
gehen, fo wären fie in tiefere Knechtſchaft verſunken, als die fie jemals gefühlt. 
Sie erſuchten den König ſelbſt nach Marienburg zu kommen, und entweder durch eis 
nen mächtigen Kriegszug oder einen Frieden den Krieg zu beendigen / und ihren Klagen 
abzuhelfen. Da die Bundesgenoſſen ſchon genugſam bewieſen, wozu fie eine harte 
Regierung verleiten können, ſo muſte Caſimir befuͤrchten, daß ſie eben ſo bald ſich feir 
ner Herrſchaft entziehen konten, als fie ſich ſolcher unterworfen hatten, wenn er das 
Land nicht durch einen Frieden beruhigte. Die Polacken waren in der That des Geld⸗ 
gebens ſowol als der Ordensſtreifereien uͤberdrußig, und ſehneten ſich nach dem En⸗ 

de eines Krieges, der ihnen das, was ſie in 13 Jahren mehr durch die Bundesge ‘ 
als durch eigene Kräfte erworben, verſicherte. Der Papſt beſonders gab fi 7 
ſerhalb alle erſinnliche Mühe. Er wolte nicht gern den ganzen deutſchen Orden von 
treiben laſſen, und ſolchen durch einen Frieden retten, da ihm durch Fortſetzung de 
Krieges kaum mehr zu helfen. Ueberdies war der paͤpſtliche Stul mit dem Koͤnige von 
Böhmen Georg Podiebrad in groffe Weiterungen gerathen. Da dieſer Prinz ſich 
anfänglich angeftellet, als wenn er den Vergleich der Hußiten mit der Bafler 
chenverſammlung verlaffen, ſich völlig in allen Stuͤcken zu der roͤmiſchen Kirche und 
allen deren lehren wenden, und feine Unterthanen ebenfals dazu anhalten wolte, o be 
wies er nachher vielmehr, daß er bey den verglichenen Punkten der Hußlten bleiben, 
und ihre Lehrſätze durchaus nicht als Ketzereien angeſehen wiſſen wolte. Der Poyſff 
Paul 2 erklärte ihn dieſerhalb vor einen Ketzer, und ſuchte ihn des Throus zu berg 
ben, damit die Hußiten Ketzeren endlich unterdruͤckt werden möchte. Er bot die 
boͤhmiſche Krone faſt allen Nachbarn dieſes Reichs an. Er hoffete) beſonders durch 
den König Caſimir von Polen feine Abſicht zu erreichen, wenn er vorherd demselben 
in Preuſſen Ruge verſchafft. Dieſerhalb ſchickte er den Biſchof Rudolph on La. 


et it 


2 


Ludwig von Erlichshauſen. 351 


vant als feinen Botſchafter ab, um dies groſſe Gefchäfte zu beendigen. Von Bres⸗ 1466. 
lau aus meldete ſich ſolcher beim Caſi mir ſowol als dem Hochmeiſter, und fand, daß 
man von allen Seiten nicht abgeneigt „Friedensunterhandlungen anzufangen. Man 
verglich ſich, daß Caſimir zu Thorn, der Hochmeiſter zu Culm ſich perfönlich ein, 
finden, und zu Culmſee die Friedensgeſandten ſich verſammlen ſolten. Von beiden 
Theilen fertigte man die ſichern Geleitsbriefe aus. Dienſtag nach Mariaͤ Geburt kam 
der König mit anſehnlichem Gefolge zu Thorn an, und bezeigte dem Biſchof von La ⸗ 
vant als Mitler feine Geneigtheit zum Frieden. Weil aber am Mitwoch der Hoch⸗ 
meiſter noch nicht angekommen, fo wolte zwar der König alle Unterhandlungen bereits 
abbrechen. Jedoch zeigte der Mitler, daß der Hochmeiſter feine Ankunft blos deswe⸗ 
gen verſchoben, weil er nicht wiffen konnen, ob der paͤpſtliche Botſchafter wegen der 
von den Boͤhmen vorgenommenen Belagerung der Stadt Namslau zu beſtimmter 
Zeit ankommen wuͤrde. Er ſey durch Bernd von Sonnenburg benachrichtiget, daß 
bu dieß Woche der Hochmeiſter gewiß in Culm ankommen werde H. 
uns. 

Hierauf ließ Caſimir dem Mitler alle Gruͤnde ſeiner Anſpruͤche auf ganz Preuſ Es wird da; 
fen vorlegen. Rudolph reiſete ſodenn nach Culm. Donnerſtags vor Matthaͤi — gearbei⸗ 
kam er in Geſellſchaft des Bernd von Sonnenburg nach Thorn zurück, und zeigte, 
daß der Orden zum Frieden nicht abgeneigt. Der von Sonnenburg erſuchte aber den 
König die Unterhandlungen von Culmſee nach Schwetz oder einem andern Ort zu ver⸗ 
legen, weil Culmſee ganz verheeret, und darin weder Bequemlichkeit noch nothduͤrf⸗ 
tiger Unterhalt zu haben. Caſimir ſchlug Neſſau vor, welches der Orden ſich gefals 

len ließ. Hier fanden ſich die Friedensboten ein. Der Hochmeiſter fertigte dahin den 
lieflaͤndiſchen Marſchall Gerhard Molingrad, den Befehlshaber von Eulau Ul⸗ 
rich Kinsberg, den D. Johann Winckler, Nicolaum Dechant der hohen Doms 
kirche zu Samland, George von Schlieben, den von Bich hochmeiſterlichen Ram 
merherrn oder Compan, und die Buͤrgermeiſter Johann Volmer aus der Altſtadt 
Koͤnigsberg und Michael Cromer aus dem Kneiphof dahin ab. Der Mitler ſuch⸗ 
te kluͤglich zu vermeiden, daß hier nicht über gegenſeitige Anſpruͤche und Rechte, fon» 
dern blos uͤber guͤtliche Auskunft gehandelt würde. Caſimirs Geſandten erklaͤrten hier⸗ 
auf, daß man dem Orden etwas in Preuſſen laſſen wolle, wenn er ſich der koͤniglichen 
Gnade überließ. Ganz Samland, aber ohne die drey Städte Königsberg ſolte er 
behalten. Die Ordensgeſandten giengen ſodenn nach Culm zum Hochmeiſter ab, um 
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von dieſem Antrag demſelben Nachricht zu geben, Caſimirs Geſandten kamen auch 
nach Thorn, um weitere Verhaltungsbefehle zu erwarten. Der Mitler ftellte Don⸗ 
nerſtag nach Matthaͤi dem Könige vor, daß in denen vorigen Friedensunterhandlun⸗ 
gen, die der Biſchof und die Stadt Lübeck gepſſogen, und die auch auf der Nehrung 

gehal⸗ 


) Schutz f. 327. 328. item 323 32. 


1466, 


352 Geſchichte von Preuſſen. 


gehalten, dem Orden ſchon weit mehr gelaffen werden ſollen. Er erſuche daher den 
König, dem Orden das zu laſſen, was er im Beſitz habe, und dem Hochmeiſter zu er⸗ 
lauben, dem Könige perſoͤnlich aufzuwarten. Caſimir zeigte, daß od er wol ſeit vo / 
rigen Unterhandlungen mehr Koſten verwandt, und mehrere Eroberungen gemacht, und 
alſo jetzt ſolches hoch anrechnen konne, fo wolte er doch des paͤpſtlichen Mitleramts wer 
gen dem Orden auſſer Samland laſſen die drey königsbergiſchen Städte und dortige 
Schloß und Gebiet, ferner die Schloͤſſer und Staͤdte Inſterburg, Norkitten, 
Wohndorf, Allenburg, Angerburg, Laukiſchke, Domnau, Loͤtzen, Dring ⸗ 
fort und das ganze brandenburgiſche Gebiet doch dergeſtalt, daß der Orden ſolches alles 
von ihm zu Sehn nehme. Der Mitler beſprach fich dieſerhalb mit dem Hochmelſter u 
Eulm. Am Michaelstage kam er nach Thorn zuruͤck, und berichtete, daß der I 
den zwar gegen die zugemuthete behnbarkeit manches und beſonders eingewandt, daß er 
ohne Mittel dem römifchen Stul unterworfen fen, und das deutſche Reich ihm fol 

ches ſehr verdenken wuͤrde; auf des Mitlers Vorſtellen aber, daß mehrere dem p 
lichen Stul ohne Mittel unterworfen, die doch zugleich in den Pflichten anderer Mach 
te ſtunden, und daß des Ordens jetzige Umſtaͤnde die Annehmung polniſcher Lehn 
pflicht bey der ganzen Welt entſchuldtgen muͤſten, habe ſich der Orden endlich dazu ver 
ſtanden. Aber da unter denen Orten, die man den Marianern . 
rechtſchaffen Schloß befindlich, ſo verlange der Orden alles zu behalten, was er und 
feine Soldner im Beſitz hätten, und überdies die Orte 1 0 
und Holland, die zu Niederpreuſſen gehörten, endlich auch den hochm cher 
MWohnfig Marienburg. Alles dieſes wolle er vom Könige zu sehn nehmen. = 
Mitler bat uͤberdies, daß die Unterhandlungen wegen vieler Un chkeit 
Thorn verlegt wuͤrden. Den letzten Punkt ſtand Caſimir fo fort ein. Von der 
Wiedergabe Marienburgs wolte er aber um fo weniger etwas wiſſen, da ſolches 12 
viel Koſten und Mühe gemacht, und es billig wäre, daß der Oberlehnsherr des Or 
dens auch die Hauptveſtung im Lande behielt. Er wolle aber zu dem, we 3 er dem Or / 
den angeboten, noch das balgiſche und raſtenburgſche Gebiet hinzufuͤgen. 

fe Antwort beſprach ſich der Mitler wieder mit denen indeſſen nach Thorn gekon 
Ordens Friedensbotſchaftern. Am Tage Franciſci brachte er des Hochmeiſters Erl 
rung zuruck: daß er von dem, was der Orden noch wirklich im Beſitz habe, mi IH b⸗ 
treten konne, und wenn ja der König Marienburg behielt, fo verlange doch der Oy 
den die Bilder Maria und Barbaraͤ und das groffe Kreuz zuruͤck, welches 
Söldnern dem Könige nicht mit verkauft ſey. Hieruͤber wolte nun der K 
terhandlungen abbrechen, und alles dem Gluͤck der Waffen überlaffen. Der Mile 
aber zeigte daß die Ordensbotſchafter nicht über ihre Verhaltungsbefehle hatten en 
können. Er wolle mit des Königs Erlaubniß an den Hochmeiſter fehrei ben, oder pe = 
fönfic) in Geſellſchaft einer Perſon, die ihm Caſimir zugeben folte, zu dem i 
Culm abreiſen, um zu verſuchen wie weit er es daſelbſt bringen köntee 


* 
er 


„ 


Ludwig von Erlichshauſen. 353 


tere ward angenommen. Am Tage Dionyſü brachte er den letzten Entſchluß des Or⸗ 
dens nach Thorn. Der König ſolte ganz Pommerellen, das eulmiſche und miche⸗ 
lauiſche Gebiet, Marienburg mit feiner Zubehörung, die Stadt Elbing mit ihrer 
Freiheit, und was vom Waldamt dahin gehörig; dem Orden aber alles übrige verblel⸗ 
ben; da der Orden noch Stum, Bretgen und Neumark im Beſitz habe, fo konten 
dieſe Orte mit Holland, Paſſenheim und Neudenburg, die die königlichen Volker 
beſetzt, vertauſcht werden; wenn der König dieſen Antrag annehme, fo wolte der 
Hochmeiſter mit ſeinen Gebietern, um den Frieden zu vollziehen, zum Koͤnige nach 
Thorn kommen; im entgegenſtehenden Fall muͤſten ſie unverrichteter Sache wieder zu⸗ 
ruͤck gehen. Auf des päpftlichen Botſchafters Sitten nahm endlich der König dieſe 
Bedingungen an. Der Mitler gab hiervon dem Hochmeiſter Nachricht, der ſich for 
fort in Geſellſchaft einiger anſehnlichen Ordensgebieter nach Thorn verfügte, und von vor⸗ 
nehmen polniſchen Herren eingeholet wurde. Hier brachte der Friedens vermitler die noch 
übrigen Friedenspunkte endlich zum gluͤcklichen Ende. Den ıgten Oct. kam der paͤpſt⸗ 
liche Botſchafter, der König, der Hochmeiſter, mit ihrem Gefolge auf der thorn⸗ 


ſchen Gilde zufammen. Nach denen Hoflichkeitsbezeigungen ward der in lateiniſcher 


Sprache verfaßte Friedensvertrag, der vom Mitler, Koͤnig und Hochmeiſter und de⸗ 
ren vornehmſten Nächen unterſiegelt worden, erſt in deutſcher, darauf in polnifcher 


Sprache öffentlich verleſen, und ſodenn in des Mitlers Hände vom Könige, Hochmeis 


ſter, und beider Theile vornehmſten Raͤthen beſchworen. Alles verfügte fich ſodenn in 


die Marienkirche, wo der Ambroſianiſche Lobgeſang angeſtimmet, und vom paͤpſtll⸗ 


chen Botſchafter das Hochamt gehalten wurde. Der König gab ſodenn ein prächtig 
Gaſtmal. Die beim Abzuge dem paͤpſtlichen Botſchafter angebotene königliche Ges 


ſchenke verbat derſelbe. Der Hochmeiſter aber Ludwig von Erlichshauſen, Henrich 


Reuß von Plauen oberſter Spitler, der Marſchall von Liefland Gerhard Molin⸗ 
grad, der Comthur von Oſterode Wilhelm von Eppingen, der Befehlshaber von 


E.ulau Ulrich von Kinsberg, der Befehlshaber von Culm Bernd von Sonnen⸗ 
burg oder Schönberg, der Georg von Schlieben, und des Hochmeiſters Kam⸗ 


merherren oder Compane wurden alle vom Könige mit Pelzen, Gelde und Pferden bes 
ſchenkt, ihnen in Thorn freie Zehrung ausgemacht, und dem Hochmeiſter noch vor feis 
ner Abreiſe ein Geſchenk von 1000 Mark Gulden verſprochen, um ſolche zur Bezahlung 
der Söldner anzuwenden. Caſimir befreiete ihn auf 25 Jahr von der dem Frieden gemaͤſ⸗ 
fen Pflicht den Polacken Huͤlfsvoölker zuzuſchicken, es wäre denn daß ein Krieg gegen die 
Tuͤrken entſtuͤnde. Der Hochmeiſter hingegen erließ denen Polacken, die in ſeinen 
landen Beſitzungen hatten, auf as Jahr alle Gelvabgaben und Dienſtleiſtungen. Bei⸗ 
de Theile ſchickten ſodenn, dem Frieden gemäß, Geſandten nach Rom, um die Bes 


ſtaͤtigung des ohnedies gültigen Friedens anzuhalten, und vor den Rudolph Biſchof 


von Lavant einen Cardinalshut zu erbitten c). 
e) Dlageſſ T. 2. p. 374. Schüg f. 328. 330. 


p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. | Y9 


In Sat de 
friedens. 


54 Geſchichte von Preuffen. 


$. m6. 

In dem Friedensvertrage ward ausgemacht. 1. Polen ſolte das . — us 
des michelauiſche Gebiet, imgleichen ganz Pommerellen ſamt der Nehrung nach feinen 
alten Grenzen haben, nur daß dem Orden auf der Nehrung die Dörfer Schwente 
und Neudorf ſamt dem Mittelhofe mit aller Gerichtbarfeit und Nutzungen, und 
das Tief mit dem Störfange und dem alten Zoll, die Jagd allein ausgenommen, und 
daß kein Schloß oder Veſtung aufgebauet, und kein neuer Zoll ins Tief angelegt wer 
den darf, zugehdren ſolte. 2. Polen bekommt die Schlöffer und Staͤdte, Ma⸗ 
rienburg, Stum, Chriſtburg, alt und neu Elbing und Tolckemit mit ihrem 
Gebiet, und Waldamt, und 6 Dörfer, die bisher zu Holland gehöret. 3. Auf 
alles was jetzt an Polen kommt, leiter der Orden Verzicht. 4. Der Orden behält, 
doch als ein polniſches tehn, alles übrige in Preuſſen mit allen algen und weltlis 
chen Rechten, und den Biſchofthuͤmern Pomeſanien und Samland. 3. Der 
Hochmeiſter und alle feine Nachfolger werden polniſche Reichsfuͤrſten, und die abzu / 
ſchickenden Gebieter polniſche Reichsraͤche, und fo jederzeit geehret und bey allen dar 
mit verbundenen Rechten geſchuͤtzet. 6. Jeder neue Hochmeiſter foll 6 Monate nach 
feiner Wahl perſ önlich vor ſich, feine Gebierer und alles was dem Orden in Preuſſen 
zuſtehet, dem Könige und der Krone Polen fhwören allen dieſen Friedenspunkten treu ⸗ 
lich nachzukommen, und ſich von feiner Macht davon abwendig machen, oder davon 
loszaͤhlen zu laſſen. 7. Der Hochmeiſter bekommt allemal die Stelle zur linken Hand 
des Königs. 8. Der Orden bleibt wegen Preuſſen mit der Krone Polen auf ewig 
vereiniget, erkennet auſſer der geiſtlichen Gewalt des Papſts keinen andern als den Kö 
nig von Polen vor fein Oberhaupt, und leiſtet demſelben gegen alle Feinde Huͤlfe, und 
verſpricht, ohne deſſen Vorbewuſt mit keiner chriſtlichen Macht Krieg anzufangen, 
9. Das Biſchofthum Culm wird kuͤnftig unter das Erzſtift Gneſen gehören. 10. Der 
Orden leiſtet auf das ganze Stift Ermeland Verzicht, welches Fünftig bey 
bleibet. 11. Vincenz Kielbaſſa ſoll auf Zeitlebens die Stifter Culm und 
nien haben, nach feinem Tode aber das letzte Stift von dem Orden vergeben werd 
12. Alle geiſtliche und weltliche Beſitzungen werden, dieſem Frieden gemäß, ı ige 
richtet, alle Gefangene in Freiheit geſetzt, beiden Theilen alle Straſſen ungehindert zu 
reiſen erlaubt, von keinem Theile neue Zölle angelegt. 13. In den Orden m 
Polacken aufgenommen, doch daß wenigſtens die Helſte Ordensglieder De 
ben. Bey Vergebung der Aemter wird man die Polacken nicht ausſchlt 
Orden ſoll zwar die Wahl eines Hochmeiſters behalten, kann aber t ee 
ohne Vorbewuſt des Königes abſetzen. 14. Kein Thell darf ſich von z 0. in der 
Welt von dieſen Friedens verbindungen los zahlen laſſen, oder wenn ſolches ge 
einer ſolchen tos zahlung bedienen. 15. Beide Theile follen ſich beifiehen ; de 
derer Orte zu erhalten, die ihnen in dieſem Frieden ausgemacht ſind. 16. u 
hannis werden die Orte, welche ein Theil dem andern einzuräumen fhuldig, ge 
eine völlige Verzeihung und * beliebet, alle in dem Kr 


Ludwig von Erlichshauſen. 355 
Einziehung der Guͤter wird aufgehoben, und jedem Ueberlaͤufer und Vertriebenen zu 
5 dem Seinigen zuruͤck zu kehren erlaubt. Sind ſolches Adeliche ſo bekommen ſie ihre 
1 Güter wieder, geſetzt daß fie ſchon verkauft wären, Buͤrgerliche bekommen diejenigen 
0 Guͤter, welche Zeit dieſer Friedensunterhandlungen veraͤuſſert; wenn aber ſchon zuvor 
wass verkauft worden, fo wird man ihnen die erhaltene Kaufſumme einhaͤndigen. 
17. Die Stände von Polen und Preuſſen beſchweren dieſen Frieden, und verzeihen 
5 ſich alles deffen was demſelben zuwider. 18. Beide Theile, werden den Papſt durch 
Geſandten bitten dieſen ohnedies guͤltigen Frieden zu genehmigen, und diejenigen mit 
N Kirchenſtrafen zu belegen, welche demſelben zuwider handeln wolten d). 
3 . am. 
1 Diuͤurch dieſen Friedensſchluß ward endlich der ızjährige Krieg beigelegt. Der Anmerkungen 
1 Orden bedurfte denſelben freilich vorzüglich, obgleich auch Polen ſchwere Koſten und über dieſen 
vieles Blut anwenden muͤſſen, ſolchen zu erhalten. In der That hat der Krieg ſelbſt frieden. 
zwar nur bis ins Izte Jahr gedauret. Man iſt aber gewohnt ihn den Izjaͤhrigen zu 
nennen, well die Ruͤſtungen ſich bereits 1453 angefangen. Von denen aufgegangenen 
Koſten und vergoſſenem Blut in dieſem Kriege hat man eigene Berechnungen hinterlaſ⸗ 
ſen e). Der König ſeufzete bey Erblickung eines ſolchen Verzelchniſſes und ſagte: 
Ach Gott, iſt auch das fand fo viel wehrt zu achten, daß darum fo viel Chriſten Blue 


geſtuͤrzt, und fo viel Geld geſplittert worden., Ein guter Baumeiſter überfchlägt die 


d) Dlugoſſ. T. 2. p. 388 f. Leo S. 31. 
e) Auſſer der die Schutz f. 331. beigebracht, 
finde ich eine andere in einer thornſchen Hand- 
ſchrift folgenden Inhalts: In dem Kriege, wel⸗ 
cher 1 Jahr, 37 Wochen gewehret, hat der Kör 
nig aus Polen gooco fremder Mann ohne die 
Polacken aus den polniſchen Staͤdten gehabt, 
dieſe wurden alle erſchlagen. Der Hochmeiſter 
hat fremdes Volk gehabt, zıooo Mann ohne 
die Bauren, deren eine groſſe Anzahl geweſen, 
davon ſind 69250 Mann erſchlagen, und bey dem 
Leben ſind 1750 Mann geblieben. Die Danziger 
hatten 15006 Mann, davon ſind 14839 erſchla⸗ 

gen, und 161 Mann bey dem Leben geblieben. 
Noch an Bürgern und Bauren 1992 Mann gewe⸗ 


ſen ohne die Vorlaͤnder. Die Thorner hielten 
zoo Mann ohne Bürger und Bauren, davon 


Fog erſchlagen wurden, und 2291 Mann leben: 
dig verblieben. Die Elbinger hielten vor ih⸗ 
re Stadt 1800 Mann ohne Bürger und Bauren; 

on den wurden 1681 Mann erſchlagen, und 

119 Mann ſind beim Leben geblieben. Die klei⸗ 
nen Staͤdte des Landes, und die Bauren hielten 
90000 Mann, davon ihrer wenig verblieben find. 
Der König, der Hochmeiſter, die Städte des Landes 
haben alſo fremdes Volk gehabt, 270800 Mann oh⸗ 
ne Bürger und Banren, ohne die Polacken die der 


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Krieg viel Volk und Geld gekoſtet. 


Koſten 


Koͤnig gehabt, auch hat das Land 1982 Bauren, davon 
find auf allen Theilen 269451 Mann erſchlagen und 
todt geblieben, und 4321 Mann ſind lebendig verblie⸗ 
ben. Dem Koͤnige von Polen hat dieſer Krieg ge⸗ 
ſtanden, und iſt ihm aufgangen 96 mal hundert tau⸗ 
fend Gulden ungariſch. Den Kreuzberren iſt im 
Kriege 57 mal hundert tauſend Gulden, blieben viel 
ſchuldig, noch ohne das was ſie auf ihr Gewehr hat⸗ 
ten verſchrieben, aufgegangen. Dem Lande und 
den kleinen Städten find zooooo Mark preuſ⸗ 
ſiſch, ohne ihre Erbzinſe, der Herrſchaft aufgan⸗ 
gen. Den Danzigern iſt 700000 Mark preuſ⸗ 
ſiſch, und 223 Mark loͤthiges Silber aufgangen. 
Den Thornern find 100008 und 12000 Mark 
preußiſch aufgangen. Den Elbingern find 
85000 Mark und 30 Mark loͤthig Silber aufgan⸗ 
gen. Vor dem Kriege ſind in Preuſſen 21000 
Doͤrfer geweſen, davon find 17987 Dörfer vers 
brandt, und 3013 find unverbrandt geblieben. 119 
Kirchen ſind gepluͤndert worden und wuͤſte ver⸗ 
blieben., Ich kann vor dieſe Ausrechnung nicht 
Buͤrge ſeyn. Aber das ſiehet man wohl, daß dev 
Es iſt daher 
auch ſehr begreiflich, daß gleich nach dem Kriege 
bey geſegneter Erndte und vieler freien Zufuhre 
aus Polen ſehr wohlfeile Zeit bey der wenigen 
Mannſchaft, die im Laude übrig, ſeyn muͤſſen. 


1466. 


356 Geſchichte von Preuſſen. 

Koſten vor dem Anfang feines Baues, und rechnet lieber zu viel als zu wenig. Ya 
deffen ſiehet man, daß die Polacken ſowol als die von den Bundes genoſſen ſehr übel 
gerathen, welche die Fortſetzung des Krieges bis zu gänzlicher Vertreibung des Ordens 
aus ganz Preuffen gewuͤnſcht. Es iſt aber freilich nicht zu leugnen, daß der Friede, fo 
hart er immer ſeyn konte, eine wirkliche Wohlthat vor den Orden geweſen, der bey länger 
ter Fortſetzung des Krieges nichts in Preuſſen übrig behalten haben würde. Dies iſt 
der Friede, durch den der weſtliche Theil von Preuſſen an Polen gekommen, und mo 
durch alſo zuerſt der Unterfcheid des weſtlichen Preuſſens oder polniſchen Preuſſens 
und des öftlichen Preuſſens, welches die Kreuzherren damals noch behielten, entſtan⸗ 
den. Die Schickſale jenes Antheils ſeit dem es bey Polen geweſen, gehen uns in 
unſerer Geſchichte nichts mehr an. Seit dem Sog und Lengnich deſſen Geſchichte 
beſchrieben, iſt es auch nicht noͤthig, daß ein anderer ſolches übernimmt. Aber mit 
der fernern Geſchichte des weſtlichen Preuſſens muͤſſen wir fortfahren. Der Orden, 
deſſen Hochmeiſter feit dieſem nicht mehr zu Marienburg ſondern zu Koͤnigsberg woß 
nete, verlor durch dieſen Frieden auch ſelbſt Über dieſen Theil die bisher gehabte höchſte und 
von keiner auswärtigen Macht eingeſchraͤnkte Oberherrſchaft. Er ward ein lehnstrͤͤger 
von Polen, und hatte durch einen hoͤchſt nöthigen und heilig beſchwornen Frieden die 
lehns pflicht übernommen. Er würde dieſen Theil auch beftändig haben behalten kön · 
nen, wenn er die Bedingungen dieſes Friedens ohne Argeliſt und Gefaͤhrde treulich be⸗ 


- ftändig beobachtet Härte. Der ızjährige Krieg mag auf polniſcher Seite gerecht oder 


ungerecht geweſen ſeyn, fo iſt doch nur GOtt und der Degen der Richter der Völker. 
Der Friede aber iſt unter den Maͤchten das Ende des Haders und der Krieg unter 
Staaten ein rechtmäßiges Erwerbungsmittel. Da das Schickſal einmal den Orden ge 
nöthiget hatte die polniſche kehnspflicht anzunehmen, fo war derſelbe ſchuldig, den 
Frieden treulich zu halten, und ſich ſo aufzufuͤhren, als es einem geſchwornen Lehn 
mann eignet und gebuͤhret. Er hätte den Frieden entweder nie eingehen oder befl 
dig demſelben gemäß ſich verhalten muͤſſen. Wir werden aber im folgenden ſehen, 

der Orden fich dieſen Frieden zur Zeit der Noth gefallen laſſen, ohne den? zu 
ben, ſolchen zu beobachten. Er wurde hierdurch aber feines eigenen Ungluͤcks Schmid. 
Er ließ ſich durch auswärtige verleiten, von feinen Verbindlichkeiten, die er im dieſem 
Frieden uͤbernommen, ſich loszumachen, und verlor daruͤber den Reſt von 

Georg Podiebrad hatte ſchon damals gern den Orden an dieſem Friedens ſchluß ver 
bindert, um dem Könige Caſimir zu thun zu ſchaffen, der vom Papſt noch immer 
ſich gegen Georg Podiebrad zu erklaͤren, und deſſen Königreich anzunehmen, ange 
mahnet wurde. In folgenden Zeiten ſuchte das Oberhaupt des deutſchen Reichs 
Orden von feiner Treue gegen Polen abwendig zu machen, da ſowol Deutfchlant 
als der Orden vortheilhaftig zu ſeyn glaubte, zu behaupten, daß Preuſſen zum Deuts 


ſchen Reich gehbre, ob ſolches gleich durch nichts dargethan werden konte. € r. are | 


meiſter hatte zwar als Reichs fůrſt feine Stimme, auf den deutſchen Reichs tagen aber nicht 
ſowol wegen Preuſſen als wegen der deutſchen Ordenslande. Unter dem Kalſer Sig 


. Ludwig von Erlichshauſen. 357 
mund wurden preußiſche Städte in das Verzelchniß derer mit hineingebracht, welche 1466. 
| ihm Huͤlfe leiſten ſolten. Allein Sigmund brachte alles in dies Verzeichniß, was 
| ihm auch nur bittwelſe beiſtehen wolte, oder von denen er auch nur zur Huͤlfsleiſtung 
5 einigen Anfchein der Hofnung vor ſich ſahe; und da im folgenden die erfte Reichsma⸗ 

E tricul allemal bey denen folgenden zum Grunde gelegt iſt, ſo ergiebt ſich daher, daß es zu 

| denen Gebrechen unſerer Reichsanſchlaͤge gehöre, daß in ſelbigen einige preußiſche Staͤd⸗ 

te gebracht werden. Der Orden geſtand bey denen Friedensunterhandlungen mit Polen, 
daß er Preuſſen theils durch Schenkung des Herzogs Conrads von Maſau erworben, 
ttzhells durch Waffen erobert habe, und die kaiſerlichen ſowol als paͤpſtlichen Urkunden 

{ beſagen, daß er Preuſſen mit ſolchen Rechten beſitzen foll, als nur irgend ein Mo⸗ 

E narch feine Staaten beſitzt. In dem Frieden mit Polen wird keines Rechts des 
deutſchen Reichs auf Preuſſen, wohl aber der päpftlichen geiſtlichen Rechte über den 
Orden gedacht. Daß Kaiſer Friedrich 3 als bloſſer Schiedsrichter in den Streitigkeiten 

des Ordens mit deſſen Unterthanen geſprochen, iſt ſchon oben dargethan. Es hatte al⸗ 

ſo auch der Orden jetzt durch den mit Polen geſchloſſenen Frieden die polniſchen Mo⸗ 
narchen wegen Preuffen zu lehnsherren annehmen konnen, ohne daß Deutſchland 
berechtiget war, dem Punkt des Friedens zu widerſprechen. Es iſt auch wirklich an⸗ 
faͤnglich von Seiten Deutſchlands nicht einmal daran gedacht, einen dahin abzielen⸗ 

den Widerſpruch zu aͤuſſern: beſonders da es durch den ganzen 1zjährigen Krieg fich des 
Ordens mit keiner wirklichen Huͤlfe angenommen, wie ſolches doch deſſen Schuldigkeit 
erfordert hätte, wenn es Preuſſen als ein Stuͤck des deutſchen Staatskörpers anfes 

hen wollen. Ich habe dieſes nothwendig erinnern muͤſſen, um dadurch in der Folge 
deſto Flärer zeigen zu konnen, wie unrecht in den folgenden Zeiten der Orden von der 
Verbindlichkeit dieſes geſchloſſenen Friedens ſich loszumachen geſucht, und wie deſſen 
lehnsfehler mit Einziehung des lehns auf gerechte Art von Polen beſtraft ſey. 


5 $. 178. 

Der Papft ermangelte nicht zur Beſtaͤtigung des Friedens ſowol als zur fosfpre Ludwig von 
chung derer polniſchen Preuſſen von Kirchenbann Hofnung zu machen. Beides iſt auch gan 
in ber folgenden Zeit erfolger. Die im Frieden vorgenommene Theilung von Preuffen 0 * 
machte aber noch viele einzelne Unterhandlungen beider Theile nothwendig. Der land⸗ 
meiſter in Liefland band ſich in Einftellung der Feindseligkeiten nicht gar zu genau an 
den gemachten Frieden. Der polniſche Befehls haber zu Frauenburg Schalsky Hat 
te einen neuen Zoll zu Frauenburg angelegt, dagegen der Orden ebenfals einen Zoll vor 
die Waaren einforderte, die nach Lithauen giengen. Beide Theile ſuchten dieſe und andere 
Sachen auf einer Tagefart zu Elbing 1467 beizulegen. Der Hochmeiſter ſchickte den 1467. 

Comthur von Holland Henrich Reuß von Plauen, und einige andere Ordensperſo⸗ 

nen ſowol als die Bürgermeifter der dreien Städte Königsberg dahin ab. Beide Theis 

le befahlen, durch verſtaͤndige Männer, die in ganz Preuſſen befindlichen Münzen uns 


C A EEE TE NE 
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1467. 


358 Geſchichte von Preuſſen. 

terſuchen zu laſſen, da ſolche nun nicht eben zu ſchlecht befunden wurden, vetglichen ſich 
beide Theile, daß ſowol die hochmelſterlichen Münzen, als die, welche von . 
Thorn und Elbing geſchlagen wären, im ganzen Preuffen gangbat ſeyn, und von bel 
den Thellen von Zeit zu Zeit probiet werden ſolten. Die Ordensgeſandten leugneten, 
daß der Zoll auf die Waaren nach Rusland und Lithauen neu, und folglich dem Fries 
den zuwider waͤre. Da man Klage führte, daß der Comthur von Memel den Frieden 
nicht halten wolte, und die Liefländer ſchon dagegen gehandelt, ſo verſprach der Orden den 
von Memel zu Veſthaltung des Friedens auch mit des Königs Huͤlfe zu zwingen. Er 
wolte durch den König auch entfcheiden laſſen, ob das, was durch 1 - 
weggenommen, als gute Prifen anzuſehen wäre, oder nicht. Hingegen verlangte 

der Orden, daß die Danziger die gefangene Kriegsknechte in Freiheit ſetzen, und die 
aus ihrer Stadt verbannete wieder, dem Frieden gemäß, der allgemeinen Verzeihung 
genuͤſſen laſſen ſolten. Das erſte ward bewilliget, das andere aber 

weil niemand aus der Stadt verwieſen, als folche, die wider die Verbindung der Hanſe 
und ihre Stadtgeſetze gehandelt und Aufruhr erregen wollen, woruͤber einigen ſogar 
das leben abgeſprochen ſey, und 22 Perſonen auf ewig der Stadt verwieſen worden. 
Da nun dieſe Leute nicht des Krieges wegen, fondern ihrer Verbrechen m. periwie 
fen, fo koͤnte ihnen der gemachte Frieden auch nicht zu gut kommen. 
ſich auch, wie es gehalten werden ſolte, wenn Unterthanen beider Pi. gegen einan / 
der Klage und Wiederklage zu führen hätten. Der Hochmeiſter kam alſo in allen 
Stuͤcken dem geſchloſſenen Frieden aufs genaueſte nach, er war auch viel zu neu, und 
der Orden in gar zu ſchlechten Umſtaͤnden, als daß er ſich haͤtte merken laſſen di 

daß er davon abgehen wollen. Allein Ludwig von Erlichshauſen muſte fich die 

fe Veranderung feiner Umſtaͤnde nothwendig zu Herzen nehmen. Beim 

antrit war er unumſchränkter Herr des ganzen Preuſſens, und regierte von 

burg aus über reiche und mächtige Staaten. Unter ihm empören ſich die 
nen, und greiffen ihm an Ehre und Gut. Polen macht nichtige mußt udn 3 
Degen geltend. Ludwigs elgene Söldner verkaufen feinen Wohnſiß de N 
den, er entkommt nur kuͤmmerlich nach Mewe, und muß ſich auf . 
von da durch elnen Fiſcher uͤber das Haf bis nach Königsberg bringen Ion 
das Wohnſchloß des ehemaligen Marſchalls bezog. Alle auswärtige Staaten ve 
ihn. Er liegt unter, und muß noch zuletzt einen Frieden als eine Wohlthat 
wodurch ihm das ganze weſtliche Teil von Preuſſen entzogen, und wegen de 
reſts des landes die Verbindlichkeit eines polniſchen lehnsmanns aufgel 
Dieſe groſſe Veränderung lange zu uͤberleben, war er nicht unempfindl 
ſtarb den 4ten April Sonnabend nach Oſtern. So wie der hoch i 
fich geändert, fo war auch die Gruft der Hochmeiſter nicht — zu 805 
Marienburg, ſondern in der Domkirche zu Koͤnigsberg, und die € 
Ludwigs von Erlichshauſen haben ſolche zum hochmeiſterlichen 2 } 
eingeweihet. Er hatte auf feinemstägigen Krankenlager * ni 5 8 f 5 ne 
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Ludwig von Erlichshauſen. 359 


erhalten, die er durch ein höflich Schreiben erwiederte worin er ſich beklagte, daß er 
nicht eine laͤngere Zeit der königlichen Gnade genuͤſſen koͤnne, und feinen Orden dem 
Schutz des Königes empfahl. Man beſchreibt ihn als einen artigen höflichen Herren, 
* ziemlich Latein . aber auch zu verliebt, und dem Trunk zu urn geweſen 0. 


9. 179. 


1467. 


5 Nach Ludwigs Tode ward in der 3 dem Henrich Reuß von Nach langer 
Plauen die Statchalterfchaft des Hochmeiſters bis zur neuen Wahl aufgetragen. Sei ⸗wiſchenregle⸗ 


ne Verwandtſchaft iſt bereits oben beigebracht. Er muß ſich im Orden bald in groffes 


rung iſt Hen⸗ 
rich Reuß von 


Anſehen zu ſetzen gewuſt haben. Denn er ward nicht nur als Ordensſpitler und Com : Plauen kurze 
thur von Elbing einer derer Obergebieter, ſondern nach Conrad von Erlichshauſen zeit bechmel 


Tode rechnete man ihn unter die Mitwerber des Hochmeiſteramts. Er erhielt wirklich 


bey der damaligen Wahl 1449 verſchiedene Stimmen, und hatte hauprjächlich diejeni⸗ 


gen auf ſeiner Seite, welche auf der Abſchaffung des Bundes beſtunden, daher auch 
ſchon Conrad von Erlichshauſen einen unausbleiblichen Krieg in ſeiner Regierung 
vorher ſagte. Weil aber Wilhelm von Eppingen damals auch viele Stimmen harte; 
ſo ſtimmte er ſelbſt auf den Ludwig von Exlichshauſen, und half deſſen Wahl zum 
Stande bringen. Bey dem galt er fo zu ſagen alles, und wenn man richtig urtheilet, 
fo iſt die ganze vorige Regierung durch ihn geführer worden. Er beftund auf der Tren⸗ 
nung des Bundes. Er verfochte 1453 die Sache feines Ordens am kaiſerlichen Hofe 
mit Eifer. Er verlor aber daruͤber 1454 fein Schloß Elbing. Er fuͤhrte hauptſäch⸗ 
lich den Krieg. Ihm ſchrieb man vorzüglich die unvorſichtige Rede zu, daß der Orden 
die landes freiheiten nicht halten konte, wenn ſolche gleich fo ausgefertigt wären, daß dabey 
feine Haut das Pergament, fein Blut die Dinte, ſein Herz das Siegel geweſen. Er 
eroberte Königsberg und viele Orte vor den Orden. Er war bey den Friedensunter⸗ 
handlungen ſowol da Lubeck, als da der Papſt das Mitleramt führte. Er half den 
ewigen Frieden berichtigen und beſchwoͤren. Bald nach geſchloſſenem Frieden kam er 
in lebensgefahr. Er war auf einer Reiſe in Elbing eingekehret, wo ſich eine Menge 


Volks vor dem Hauſe einfand, in dem er abgetreten. Alles bezeigte eine Begierde, 


ihn zu ſehen, weil er bey Spannung ſeines Armbruſts ein Auge verloren haben folte. 


5 Henrich zeigte ſich an der Thür und rief dem neugierigen Volk zu: Hier ſehet ihr mich, 


ahr an der Jungfrau Maria untreu geworden ſeyd. Einige von euch werden ſich 
„andere aber ärgern, daß ich noch am Leben fey. Ich weiß gewiß, daß bey 
riſti Zukunft zum Weltgericht Johann und Gabriel von Bayſen als die Anfüͤh⸗ 
ber der Derrächer erſcheinen werden 9). „ Ueber dieſe Rede entſtand ein Auflauf, den 
der Biſchof von Ermeland und der Stadtrath kaum ſtillen konte. Henrich aber ene, 
fernete ſich noch denſelben Abend aus der Stadt 5). Er war noch kurz vor dem To⸗ 
e 1 5 e ef der Re * Klang ung beobachtete dabey des 
‚ach 1 8 Ordens 


5 Sh { 5. : ss. Pippi hin a „ T. A p. 401. 402. bam. * 55 
une e a. Y) Leo S. 317.. 


1467. 


360 Geſchichte von Preuſſen. i 

Ordens Beſte. Er hatte ſeinen Wohnſitz nach dem ewigen Frieden unter Ludwigs 
Regierung bald zu Brandenburg, bald zu Holland. Da ihm die Statthalterſchaft 
aufgetragen worden, uͤbereilte man ſich nicht mit der Hochmeiſterwahl. Zwey Jahr 
bflieb dieſe Würde unbeſezt. Man giebt dem Orden Schuld, daß ſolches deswegen ger 
ſchehen, weil der Orden ſchon damals nicht gern ihr Oberhaupt den kehnseid an Po⸗ 
len habe ablegen laſſen, und deswegen lieber ſich keinen Hochmeiſter habe wählen 
wollen. Es kann aber auch wol noch eine andere Urſache zu der langen Zwiſchenregle⸗ 


rung Gelegenheit gegeben haben 1). Der Orden befand ſich in einer entſetzlichen Schul / 


denlaſt, und vielleicht ſuchte man die hochmeifterlichen Einkuͤnfte zu Tilgung derſelben 
mit anzuwenden. Der Statthalter lleß ſich wenigſtens die erſte Abſicht nicht merken. 
Er reiſete im Anfang des Maymonats zum Könige nach Peterkau und hatte auſſer 
andern den geweſenen Vogt zu Stum Conrad von Lichtenhayn in feinem Gefolge. 
Et brachte dem Caſimir die beſiegelte Annehmung des ewigen Friedens von allen Or⸗ 
densperſonen und tandftänden feines Antheils mit. Der König ließ ſodenn in feiner 
Gegenwart dieſen Frieden von allen den polniſchen Ständen beſchwören, welche in 
Thorn nicht zugegen geweſen K). Bald nach feiner Zuruͤckkunft in Preuſſen veifere 
der Statthalter mit andern ſeines Ordens und Staͤnde auf die Tagefart nach f 
welche Montags nach Petri Kettenfeier gehalten wurden. Hier verglichen ſich beit 8 
Theile Preuſſens, wie es mit denen zu halten, die während dem Kriege ihre Schul, 
den, Dienſt / und Erbgelder oder Zinſe nicht abgetragen, oder abzutragen auſſer Stand 
geſetzt worden; imgleichen mit denen, die ihre Käufer und Aecker verlaſſen muͤſſen, 
welche daher wuͤſte geworden, um den Verarmten wieder aufzuhelfen, und das fand 


wieder anzubauen. Weil auch die Verbitterung der Unterthanen gegen einander, des 


geſchloſſenen Friedens unerachtet, ſich noch nicht heben laſſen, ſo wurden Strafen auf 
diejenigen geſetzt, die bey öffentlichen und beſondern Zuſammenkuͤnften ihre Zunge e nicht 
zaͤhmen konten, und ſonderlich über den ewigen Frieden ſich misvergnuͤgt bezeigen, oder 
die Unterthanen des andern Theils vor Verraͤther und Meineidige ſchelten würden ). 
Der erfolgte Tod des Biſchofs von Ermeland Pauls von Legendorf, gab zu neuen 
ſchweren Haͤndeln in Preuſſen Gelegenheit. Die Domherrn wählten ihren Dechant 
Nicolaum Tungen an deſſen Stelle, und der König wolte haben, daß der Bischof 

von Culm Vincentius Kielbaſſa Biſchof in Ermeland werden ſolte m). Ordens / 
ſtatthalter wolte abwarten, was daraus entſtehen wuͤrde, und beſprach 


) Schuͤtz f. 135. bald gröbere, bald feinere Schrift wäre. Die ert 

k) Dlugoff. ad h. a. ſte, antwortet der Sohn, iſt das Geſetz ſelbſt, dis 

) Schütz f. 335 Um Beiſpiele anzufuͤhren, andere enthält die Griffe, die man ſich bedienen 
fo ließ Werner Teucherwitz zwey Bettelmoͤnche kann, dem Geſetze eine andere Auslegung 
aus Elbing ſamt ihrem Fuhrmann erſäufen, weil chen. Hierauf ſchnit N in Abweſenheit 
er ein Gelübde gethan, die erſten, welche aus des Sohns die kleine weg; weil 
den Vertaͤthern in feine Hände fielen, ſo zu behan- Rechtsgriffe ohnedies bekandt gem a 
deln. Ein gemeiner Mann frug feinen von hohen da dadurch der Orden den halben Theil des Lande 
Schulen gekommenen Sohn, warum bey dem ro- verloren Leo S. 3i 9. 
miſchen Geſetzbuch, das er mitgebracht hatte, m) Dlugoſſ. S. 41 


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Henrich Reuß von Plauen. 30 
ſchaft des Comthuts von Ragnit kurz vor den Faſten 1468 mit dem Könige zu Bil 
na, Über die Angelegenhelten Preuſſens. Hier warnete er den Caſimir vor die 


Danziger, welche nach aufgewieſenen Btiefſchaften nicht abgeneigt ſchienen, von 


Polen a6jufallen und ſich dem Herzog von Burgund zu unterwerfen. Es kann 
aber wohl ſeyn, daß der Statthalter die Sache zu groß gemacht, weil er vielleicht die⸗ 
jenigen zu einem neuen Abfall faͤhig hielt, welche bereits einmal ſich ihren Oberherren 
zu entziehen gewuſt hatten. Er konte den Abfall beſonders denen Danzigern nicht ver⸗ 

Dieſe aber rechtfertigen ſich bey dem Könige, daß fie nie daran gedacht, von 
Polen abzufallen m). Der König kam dies Jahr ſelbſt nach Danzig, und von da 
nach Marienburg. Am letzten Ort beſuchte ihn der Statthalter mit dem Ordens⸗ 
marſchall und andern Gebietern. Er erhielt in allem ſeinem Anſuchen geneigtes Gehör. 
Der König ließ dem Orden 5000 Gulden auszahlen, und raͤumte auch, dem Frieden 


gemaͤß, die Stadt Neudenburg wo bisher noch immer polniſche Beſatzung geſtan⸗ 


den / dem Orden ein. Caſimir gab zugleich feine Verwunderung zu verſtehen, daß 
noch keine Hochmeiſterwahl erfolget ſey, muſte aber ſich mit der Antwort befrledigen 
laſſen, daß die noch nicht erfolgte Ankunft der Meiſter aus Deutſchland und Liefland, 
die daben zugegen ſeyn muͤſſen, daran Schuld ſey, vor welche der Statthalter ein pol⸗ 
niſch ſicheres Geleit ſich auebat und erhielt. Caſimir frug auch den Statthalter um 
Rath, ob er ſich dem päpftlichen Anfinnen u folge in die böhmifchen Angelegenheiten 
gegen den Georg Podiebrad miſchen ſolte. Henrich Reuß von Plauen war der 


Meinung, daß der König ſolches wol thun koͤnte, wenn er nur Böhmen ohne einen 
Krieg an fich bringen könte, ſonſt aber ſey es bedenklich, die Macht Polens nach 
kaum geſchloſſenem Frieden mit Preuſſen auf das Spiel zu ſetzen. Der Statthalter 


ſuhe aber wohl ein, daß ſich Georg Podiebrad ohne Blutvergieſſen nicht vertreiben 


laſſen wuͤrde. Zu Elbing beſorgte der Statthalter den an Mariaͤ Reinigung beliebten 
Rechtstag, da von feiner Seite zwölf, und von polniſcher Seite auch zwölf Bel⸗ 


ſitzer die Streitigkeiten beiderſeitiger Unterthanen abzuthun ſuchten o). Weil nun Ca⸗ 
ſimir Böhmens wegen nicht gern ſich in Krieg verwickeln wolte, und die vom Popſt 
und einigen Boͤhmen ihm angetragene Krone anzunehmen zauderte, hatte der Papſt 
ſolche / obwol vergebens, dem Churfuͤrſten Friedrich 2 von Brandenburg angebo⸗ 
ten. Doch auch dieſer verwarf des Papſts Anerbieten. Der Kaiſer Friedrich 3 war 


zwar nicht abgeneigt König von Böhmen zu werden. Doch der Papſt erkannte, daß 


er en Werk nicht gewachſen. Er wiegelte daher endlich den König von Ungarn 
hiam auf, ſeinem Schwiegervater die Krone zu entreiffen. Georg erwaͤhrte 

— 7 deſſelben maͤnnlich, und wuſte beſonders den König Caſimir von Polen das 
durch auffer dem Spiel zu erhalten, daß er ihm 1469 Hofnung machte, ſich deſſen aͤl⸗ 
teſten Prinzen Wladislaum zum Nachfolger waͤhlen zu laſſen. Damit nun weder 
der Kaiſer noch Matthias den deutſchen Orden an ſich ziehen möchte, ſo 9 Ca⸗ 
imir 


) Dlugoſſ S 40. D Plugoſſ S. 423. 44 


p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 33 


1469. 


1469. 


Henrich Neffe Gleich nach des vorigen Hochmeiſters Tode ward t die S S ka chalterſ⸗ 8 
> gen rich Refle von Reichenberg oder beſſer Richtenberg a e 8 
hochmeiſter. 


tehnseid in die Hände des Biſchofs von Cracau den ıften Dec. und erhielt 


362 8 Geſchichte von Preuſſen. 

mir e Geſandten, die boch Preuſſen geſchickt wurden, ſoſches e 
N BD In der That war polniſch Preuſſen ziemlich ſchwieug, en 

g darin machte, und fonderlich durch eine eigene Gr e 

ee von Bayſen der Statchalterſchaft entſezte. Der Sdatthalter des 
thums ließ zwar bey den königlichen Gefandten in geheim um Milderung und Abänder 
rung einiger Stucke des ewigen Friedens anhalten. Es konten ſolche aber ſich darauf 
nicht einlaſſen. Vielmehr erſuchten dieſelbe das Wahlgeſchaͤfte endlich zum Stande 
zu bringen. Es erfolgte die Wahl auch endlich zu Königsberg in einer groſſe 
verſammlung in Gegenwart einiger Gebieter, die der 5 
hatte, am Freitage den zoften Oct. Der bisherige Statthalter Henr ich 
Plauen ward zum Hochmeiſter gewählt. Allein feine Regierung endiges ich fege 
nig. Der neue Hochmeiſter reiſete, da er das hiezu noͤthige Geld durch 
auf die Unterthanen aufbringen muſte, zu Ende des Jahres zum Könige n 
terkau Er hatte den Comthur von Brandenburg Giech und einen Kammer, 
herrn Martin Giebſattel in feinem Gefolge. Henrich ſchwor hier dem Könige den 


nen Platz zur linken Hand des Könige, Er wohnte deſſen geheimen 
welchem aber mit Fleiß keine Dinge von Wichtigkeit in Ueberlegung 1 
dem Hochmeiſter nicht trauete. Auf der Ruͤckreiſe ruͤhrte ihn den arten Der 
der Schlag an der Tafel. Er aM ſprachlos zur Erden. Man b enn ne 
Morungen wo er den aten Jan. 1470 mit Tode abgieng. Sein Kbrper ward den 
sten Jan. in Königsberg beerdiget J). Weil man feinem Betragen den Verluſt zw 
ſchrieb, den der aͤhrige Krieg nach ſich gezogen, ſo wurde anfaͤnglich, n es 
doch ſonſt üblich geweſen, bey feinem Grabe fein Bildniß nicht zum Denkmal aufgeſtel⸗ 
let, bis nachher Martin Truchſeß von Wetzhauſen ſolches chun laſſen, well verſchle / 
dene üble Nachreden entſtunden. Er iſt unſtreitig der aͤrmſte Hochmeiſter gewe 
da die eine Hälfte des landes verloren gegangen, die andere Hälfte ſaſt vollig! 1 
lag, die Ordensſchaͤtze geleeret, und dagegen erſtaunende vorhanden 
Seine Hitze und Herzhaftigkeit erhob ſeine Perſon, war aber dem Orden a 
In eben demſelben Jahr ſtarb auch der bekannte Bernd von Sonnenburg 
Schönberg zu Eulm in ziemlicher Duͤrftigkeit s), Georg König von Böhmen und 
der unruhige Carl Cnutſon König von Schweden giengen roh Tode ab. 


$. 180. 


er Pfleger zu Raſtenburg. Im ızjährigerr Kriege hatte er aufs 
ſteramt zu Putzke, und nachher ward er Ordensſpitler zu Ae 
1 . — * 0 N 
P) Dlugsff. S. 446. r) Senneb. S. 200 25 2 
9) Diugofl © 2 48. 454 Diugoſſ. S. 4 925 . 


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7 * - x wi 2 1 x 0 


Henrich Refle von Richtenberg⸗ 363 
kommt er als Großcomthur vor, da er denn 1470 Statthalter warb 7). Er beſorgte 
ſodenn die gehörigen Anſtalten zur Hochmeiſter Wahl, die ihn ſelbſt traf Henneber⸗ 
ger ſetzt ſolche zwar auf den Tag Dorotheaͤ oder den 6ten Febr. u). Wenn man aber 
bedenkt, daß dieſer Zeitpunkt ſeit dem Tode des vorigen zu kurz geweſen, um die aus⸗ 
waͤrtigen Meifter abzuwarten, fo kann man wohl annehmen, baß er den öten Febr. 
zum Statthalter, und wie Dlugoß ſagt, erſt am Michaelstage zu Königsberg or⸗ 
dentlich und eintraͤchtig zum Hochmeiſter gewaͤhlt ſey x). Bald nach feiner, Wahl ſoll 
er zum Könige abgereiſet ſeyn. Er kam aber erſt den 1ꝛten Nov. zu Peterkau an, 


und leiſtete den zꝛ0ſten Nov. den lehnseid. Er war durch 700 Pferde eingeholet und 


überhaupt herrlich bewirthet )). Nur beſchwerten fich feine deute, daß in der Zelt, 


da ihm der König alle Ehre angethan, die Polacken ihm die beſten Zeuge von ſeinen 


Pferden diebiſch entwendet haͤtten 2). Er hielt auf dem Schloß zu Koͤnigsberg einen 
allgemeinen landtag, wo er einige groſſe Veraͤnderungen im Orden und deſſen Bedle⸗ 
nungen zum Beſten des Landes vornahm a). Sein aufrichtiges Betragen gegen den 
König brachte ihm 1471 guten Vortheil. Caſimir hatte Geſandten nach Preuſſen ge⸗ 
ſchickt, welche ihn in Koͤnigsberg beſuchten, und einen Vergleich zwiſchen ihm und 


denen Söldnern des Ordens zum Stande brachten, die vom vorigen Kriege her noch 


nicht befriediget waren ). Polen ward in groſſe Weiterungen verwickelt. Denn da 


die Boͤhmen den aͤlteſten polniſchen Prinzen Wladislaum zum Könige waͤhleten, 


glaubte Matthias von Ungarn, dem ſchon vorher der Papſt und einige böhmifche 


Misvergnuͤgte das Reich übertragen hatten, berechtiget zu ſeyn, ſich dem Wladislag 


mit offenbarer Gewalt widerſetzen zu können. Caſimir nahm an dieſem Kriege Theil, 
da er feinen Sohn unterſtuͤtzte. Aber auch Preuſſen blieb nicht ohne Unruhe. Der 
neue Papſt Sixtus 4 batte dem Andrea Oporowsky, der kein Einzögling von 
Preuſſen war, das Biſchofthum Ermeland auf des Koͤnigs Verlangen ertheilet, und 
dem Nicolao von Tungen ein ander ſchlechtes Stift geben wollen, ohnerachtet der 
von Tungen vom Paul 2 in dem Biſchofthum Ermeland ſchon beſtaͤtiget worden. 
Da Tungen wuſte, daß die polniſch preußiſchen Stände das Stift weder dem 
Kielbaſſa nach dem Oporowsky noch irgend einem Polacken gönneten, weil ſolches 


gegen ihre Freiheiten lief, fo ſieng er 1472 an, ſich mit Gewalt der Städte im Stift 


Ermeland zu bemaͤchtigen, wogegen die königlichen Völker den Oporowsky zu ſchuͤ⸗ 
ßen ſuchten. Darüber entſtand im polniſchen Preuſſen der ſo genannte Pfaffenkrieg. 
Da man ſchon damals befürchtete, daß ſich der von Tungen um churbrandenburg⸗ 
ſche oder ungariſche Huͤlfe bewerben möchte, fo hielt der Hochmeiſter ſowol als die 
polniſch preußiſchen Stände vor das beſte, durch guͤtliche Unterhandlungen den term 
zu ſtllen. Die letztern ſtifteten wirklich einen Waffenſtillſtand. Weil aber Opo⸗ 
sky dadurch keinen Vortheil hatte, fo war Caſimir damit nicht zufrieden. Er 
n vob 
59 De Sate S. 130. ) Senneb. S. 207. 
„BI Senne S. 201. a) Erl. Pr. Th. 1. S. 283. 
: 2 Sasel Fe b) Dlugofl. S. 463. 


1470. 


1472. 


1474. 


1475. 


1476. 


— 


364 Geſhchte von Preiffen. — 
e ee an, wogegen der Hochmeiſter nicht undeutlich ſich mer, 
ken ließ „ daß wenn eine polniſche Macht in das Biſchofchun einruͤckte, er feine 
Macht vor den Tungen zu Verhuͤtung des fernern Eindringens fremder Vblker und 
neuer Verheerungen ſtoſſen laſſen müfte. Dieſe Sache befchäftigte auch 1473 die Auf 
merkſamkeit beider Theile von Preuſſen, beſonders da Tungen ſich noch mehrerer Or; 
te bemaͤchtigte. Der König verlangte, daß ihm der Orden gegen denſelben Beiſtand 
leiſten ſolte. Aber der Hochmeiften ließ auf der Tagefahrt zu Marienburg 14a durch 
den Comthur von Oſterode Martin Truchſes und andere Geſandten allen Krieg wi 
derrachen, da ſich Preuſſen von dem vorigen noch nicht erholet, wenigſtens würde 
vom Orden vor den König keine Huͤlfe geleiſtet werden, weil Caſimir den Orden auf 
25 Jahr von allem Beiſtand gegen chriſtliche Mächte losgeſprochen. Die polniſchen 
Geſandten machten zwar die Einwendung, daß ſolche Befreiung nur von einer Huͤlſe 
auſſerhalb Preuſſen zu verſtehen. Zu dem fen ja von beiden Theilen im letztern Fries 
den aller Beiſtand verſprochen wenn ſich jemand unterſtüͤnde, eines Platzes zu bemůͤch 
tigen. Dies ſey von dem Tungen geſchehen. Da nun der polniſche Theil dem 
Orden vormals im gleichen Fall gegen den Muſſeck beigeſtanden, ſo erwarte der 
König geßt des Ordens Beiftand gegen ben Tungen. Martin Truchſes aber ang 
wortete: er wolle ſich nicht unterfangen ein Ausleger des Friedens zu ſeyn. och 
fen noch nicht ausgemacht, daß Tungen mit ungerechter Gewalt verfahren, da ihn 
ja viele kbnigliche Unterthanen beigeftanden: Da ſeine Sachen ein Stift angehe, ſo 
gehöre ſelbige nach Rom, und der Hochmeiſter als eine geiſtliche Perſon wuͤrde abwar / 
ten, was der Papſt an ihm gelangen ließ, da ſelbiger in dieſer Sache ohnedies ſchon 
mit dem Hochmeiſter in Unterhandlung ſtuͤnde. Es nehme den J ſehr Wun / 
der, daß man ſich nicht bey Zelten in dieſer Sache vertrauter gegen ihn herausgelaſſen, 
da ſolche vielleicht leichter auszumachen geweſen, als jetzt, da es damit ſchon fo weit ge / 
kommen. Kurz die Ordensgeſandten lieſſen ſich deutlich genug merken, daß der On 
den gegen Tungen ſich nicht würde brauchen laſſen, noch auch allen Handel und Wow 
del zwiſchen feinem Antheil und dem Stift Ermeland verbieten wolte. d er König 
kam zwar ſelbſt nach hingelegtem Kriege mit Matthia von Ungarn nach Pr R 
konte aber ſelbſt von feinem Antheil von Preuſſen keinen Entſchluß gegen den Sur 
gen erhalten. Man wolte daſelbſt nicht einmal den Handel mit dem 2 
meland verbieten, damit ſich ſolcher nicht aus dem polniſchen Preuf 
des Hochmeiſters ziehen möchte. Unſer Henri 
zog Georgs von Bayren mit einer königlich 
Dungen im Beſitz des Stifts. Der polniſche König Caſimir gedachte jet 
aus feinen Willen durchzuſetzen, und kom um alles gegen den Tungen ar fi bein n, 
derſ önlich 1476 nach Preuſſen Kaum war ſolcher zu Thorn angelangt / als » 


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| Henrich Refle von Richtenberg. 365 


kampf, der ſolches gegen den Orden behaupten wolte. Als ſodenn Caſimir nach Ma⸗ 
rienburg gekommen, langte der Hochmeiſter in Perſon mit anſehnlichem Gefolge dar 


ſelbſt an, und ward ſehr auſehnlich aufgenommen. Der König hielt ihm vor, daß 


er vom Könige von Ungarn Geſandten angenommen, und mit demſelben heimliche 
Unterhandlungen gepflogen. Allein Henrich von Richtenberg antwortete, daß ihn 
zwar Matthiaͤ Ge ſandten zum Friedensbruch zu bewegen geſucht. Er habe aber ihre 
Vorſchlaͤge völlig abgeſchlagen. Der König verlangte ſodenn Beiftand gegen Tungen. 
Der Hochmeiſter ver ſprach ſich hierüber mit feinen Gebietern zu beſprechen, und in 14 
Tagen deren Entſchluß dem Caſimir bekandt zu machen. Endlich beſchwerten ſich auch 
polniſch preußifche Unterthanen, daß der Orden vielen derſelben ihr Recht vorenthal⸗ 
te, und ihre Güter noch nicht, laut dem vorigen Frieden wiedergegeben. Der Hochs 
meiſter ſagte, daß er davon gar nicht unterrichtet ſey, weil er ſich dergleichen Klagen auf 
dleſer Verſammlung nicht verſehen habe. Weil jedoch der König darauf beſtand, daß 
der Orden dieſen Klagen abhelfen ſolte, fo ward verabredet, daß kuͤnftige Michael zu 
Holland ein Rechtstag gehalten, vom Könige beſchickt, und daſelbſt einem jeden Ges 
rechtigkeit von dem Hochmeiſter wiederfahren ſolte. Nach der Abreiſe des Hoch⸗ 
meiſters aus Marienburg bielt derſelbe eine Ordensverſammlung zu Heiligenbeil, 
worauf Otto von Machwitz Woywode von Danzig, und Stanislaus Kurozwa⸗ 
Fi als königlich polniſche Geſandten erſchienen. Hier ſchworen der Biſchof von Sams 
land, die Gebieter und 28 Perſonen aus der Landſchaft dem Könige, dem ewigen 
Frieden gemäß fich zu verhalten. Nach reifen Berachſchlagungen entſchuldigte fich 
der Orden, Huͤlfe gegen Tungen zu leiſten, weil dieſe Sache vom Papſt abhienge, 
bey dem der Orden nicht anſtoſſen wolte. Tungen aber habe das Stift vomrömifchen 
Hofe erhalten, wie der Hochmeiſter aus Urkunden erſehen habe. Die polniſchen Ge 
ſandten wandten zwar ein: Tungen habe wider des Königs Willen das Stift vom 


Papſt Paul 2 erhalten, der aber bereits todt ſey. Der jetzige Papſt Sixtus bins 
gegen habe das Biſchofthum den Oporowsky gegeben, und der Orden wurde verſtoſ⸗ 


fen, wenn er nicht Hülfe gegen Tungen leiſte. Jedoch ſchob der Orden dieſe Gar 
che auf die Entſcheidung in Rom, vor welcher er ſich in nichts einlaſſen koͤnte. Die 
Geſandten verlangten wenigſtens, daß aller Handel mit dem Biſchofchum von Seiten 
des Ordens geſperret würde. Aber auch dieſes ſchlug der Orden ab, weil im vorigen 
Frieden der freie Handel zwiſchen beiden Theilen von Preuſſen ausdrücklich bedungen 
ware. Die polniſchen Geſandten wandten zwar ein, daß die Ermlaͤnder dieſer 
Woyhlthat ſich dadurch unwuͤrdig gemacht, weil fie ſich des Königs Feinde unterworfen 
haͤtten. Allein der Hochmeifter blieb bey feiner friedfertigen Geſinnung, und rieth 
auf einer andern Tagefahrt zu Elbing die Beibehaltung der Ruhe, da fein tand keinen 
Krieg ausſtehen könne, und doch das meiſte leiden wuͤrde, da faſt uͤberall das Stift 
an feine lande graͤnze. Ein Verbot des Handels wäre ſchon eine Kriegserklaͤrung ſelbſt. 
Man muͤſſe den König bitten, ſich in die Zeit zu ſchicken, und durch den Papſt dem Tun⸗ 


gen aufzugeben / r Zungen habe ſich ſchon oft um die kd⸗ 
* ur S dk i n 1 3 1 n i 


102348 nigliche 


1476. 


1476. 


366 Geſchichte von Preuffen. 

nigliche Gnade beworben, und aus Noth gedrungen, ſich an den König von Ungarn 
hängen muͤſſen. Der Orden wolle zwar den Tungen nicht verantworten, aber 
auch nicht gern gegen den Papſt handeln, der den Tungen zum Biſchofe ernannt has 
be. Kurz, der Hochmeiſter zeigte genugſam, daß er dem Tungen ehe beiſtehen, als 
denſelben bekriegen wolte, da er nicht nur das Biſchofthum von dem Papſt erhalten, fons 
dern als ein Einzögling noch mehr Recht dazu als Oporowsky habe c) Da aber 
Caſimir auf feinem Willen den Tungen auszuſchluͤſſen beſtand, gab der Hochmeiſter 
den Vorſtellungen des Matthias von Ungarn mehr Gehör. Als zu Ofen dieſer 
Prinz aufs neue Beilager hielt, fo erſchienen die Ordensgeſandten daben, mit denen 
der König von Ungarn ein Buͤndniß gegen Polen ſchloß, und damit der Orden im 
Stande ſey, Söldner anzuwerben, zahlte Matthias zu dieſem Zweck 14000 Ducas 
ten auf das Rathhaus in Breslau d). OR Se 


181. ö ue 


| 5 
Der hochmei: Doch erlebte der Hochmelſter den Ausbruch des Krieges nicht. Er hatte ſchon 
ſter ſtirbt und ange ſich mit der Schwindſucht geſchleppet, und mit denen Anordnungen zum Krier 


wird gelobt. 


1477. 


ge ſo beſchͤͤftiget, daß er daruͤber in ein Fieber verfiel. Auf dem Todtenbette rief 
er zulezt: Zu den Waffen! zu den Waffen! die Pfaffen haben mich vors 
Gericht gefordert. Ob er SOttes Gericht gemeint, wie einige dazu ſetzen, iſt ſo 
ausgemacht nicht. Er verſtund damit vermuthlich entweder das päpftliche oder könlg⸗ 
lich polniſche Gericht, und unter denen Pfaffen ſowol den ſchon längft verſtorbenen 
Biſchof von Samland Dietrich von Cuba, als auch den Andreas Op b 
nen Anhang. Er ſtarb ſodenn 1477, und ward in der Domkirche zu Königsberg beerdigt. 
Er verdient die gröſten lobſpruͤche. Er ſuchte ſich, fo viel moglich, beliebt zu machen, und 
ließ ſich in die königsbergſche Schuͤtzen Bruͤderſchaft aufnehmen. Er hielt den Frieden 
genau und ſuchte ſolchen beizubehalten, bis ihn der Pfaffenkrieg zu andern Maaßregeln brach 
te. Er machte auf dem landtage zu Königsberg die beſten Einrichtungen. Er liebte die 
Gerechtigkeit, und handhabte ſolche genau ſeinen Unterthanen. Wer ſich über die Or⸗ 
densperſonen beklagte, erhielt Genugthuung. Er ſtrafte den Ordensbruder mit ernſthe 
ten Worten in Gegenwart des Klägers. Wer zu viel Strafe genommen, ſolche 
entweder ſofort wieder herausgeben, oder in des Ordens Zuchthaus gehen. Aber bey 
Boshaften verdiente er dadurch keine kobſpruͤche. Sie gaben ihm den Beinamen Lehr ⸗ 
taſche. Viele Gebieter und Pfleger, deren Ungerechtigkeiten er nicht durch die & 
ger ſehen wolte, wurden ihm feind und feiner Regierung uͤberdruͤßig. r 
ſchon viele Koftbarkeiten in Faͤſſern, worin man Ahle zu verſchicken pflegte, zum kan 
de heraus, und hatten den Vorſatz, mit den übrigen ſelbſt durchzugehen. In Pony 
mern aber wurden die Faͤſſer eröfnet und der Betrug entdeckt. Henrich von Rich 
tenberg hielt deswegen einen Landtag zu Koͤnigsberg, und befrug jeden beſonders, we 
a ie ee ne nd ee vide 


©) Schüg f. 28 360. Dlageſſ ad h. a e ee 
d) Plugoſf S. s51. Der Hechmeiſter hofte vielleicht durch dies Buͤndniß ſich von 
chen. Er bediente ſich in dieſem Jahr des Ausdrucks Majeſtats Infiegels. Erl. Pr. Th. 4.6 1 


Fr rn 


3 


2 


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1 


Henrich Refle von Richtenberg. 357 
wider fein Verbot die Koſtbarkeiten und Gelder weggeſchickt. Niemand wolte ſolches 
auf ſich kommen laſſen. Der Hochmeiſter ließ darüber den Comthur von Balge, von 
Li htenhayn, s andere Comthurs und 8 Pfleger gefänglich einziehen, die endlich ger 
ſtunden, daß ſie unrecht zuſammengebrachtes Gut haben wegſchaffen und ſodenn folgen 
wollen. Der Hochmeiſter zog die Gelder alſo ein, und wandte fie zu Einloſung der 
Städte und Dörfer an, die an die Soldner noch verſetzt waren. Die Schuldigen 


wurden beſtraft. Drey Comthurs wurden zur ewigen Gefangenſchaft in Tapiau vers 


urtheilet, die übrigen muſten ihre Bedienungen niederlegen, und bloſſe Conventsbruͤder 
werden, oder das Sand meiden. Solcher Mis vergnuͤgten hatte ſich beſonders der Bis 
ſchof von Samland Dietrich von Cuba bedienen wollen. Dieſer nicht ungeſchickte 
Mann, der an dem Hofe Pauls 2 und Sixtus 4 Bedienungen bekleidet hatte, war 
vom Papſt nach des ſamlaͤndiſchen Biſchofs Nicolai von Schoͤneck, Schlotter⸗ 
kopf genannt, Tode, wider des Hochmeiſters Willen und gegen des Capituls Ges 
rechtſame zum Biſchof von Samland ernannt, und mit groſſem Ablaß verſehen. Er 
fonte aus feiner Aufnahme in Preuſſen gleich merken, daß feine Perſon nicht angenehm. 
Dem aber ungeachtet bediente er ſich ſeines Ablaſſes in Königsberg, ſo daß er erſtau⸗ 
nende Summen von dem keichtglaͤubigen Volk zuſammen brachte. Der Hochmeiſter 


machte auf die Hälfte deſſelben Anſpruch, um damit den Orden aus den Schulden zu 
retten, da das Geld im lande geſammlet, und der Dietrich als ein Ordensbruder uns 


ter ihm ſtunde, und vor das Beſte des Ordens alles aufopfern muſte. Durch dieſen 
Antrag grif der Hochmeiſter dem geitzigen Biſchof an die Seele. Nach ſeiner Mei⸗ 
nung ſtand er nicht unter dem Hochmeiſter, ſondern unmittelbar unter dem Papſt, und 


das eingenommene Geld habe er nicht vor das verarmte fand, ſondern vor feine Kirche 


eingenommen. Er handelte auch wirklich ſeit dem mit ſeinen Geiſtlichen nach Gefal⸗ 
len, und entſetzte viele, um deren Stellen mit feinen Geſchoͤpfen zu beſetzen. Ja er 
gieng ſogar damit um, den Hochmeiſter ſelbſt, durch den Papſt unter dem Vorwand, 
daß er des Ordens Regeln nicht beobachte, von der Regierung ins Gefaͤngniß zu brin⸗ 
gen, und machte ſich bey denen, dem Hochmeiſter feindſeligen Ordensbeamten einen 
Anhang, denen er die eintrͤͤchtlichſten Bedienungen verſprach. Er ſoll ſich ſogar ſelbſt 


die Hochmeiſterwuͤrde in den Kopf geſetzt haben, weil in Rom, nach feiner Mei⸗ 


nung, vor Geld alles zu erhalten wäre. Um ſolches zuſammen zu bringen brachte er 
von feinen Kirchen, theils an Gelde, theils koſtbarem Kirchengeraͤthe, theils durch Vor⸗ 
ſtellungen, theils mit Gewalt, an 20120 Mark Silber zuſammen, da er das heilige 
Kirchengeräche an zwey Bürger in Königsberg und Danzig verſetzt hatte. Der Hoc» 


meiſter bekam aber noch bey Zeiten von feinem Vorhaben Nachricht, das der Biſchof 


nicht mehr heimlich genug hielt. Er lleß daher den unruhigen Mann mit Rath feiner 
vertrauten Gebieter 1474 Montag nach Judica uͤber der Tafel veflinachen und nach 


Tapiau abführen. Es ift falſch, daß er daſelbſt mit dem Kopf in ein Faß voll Aſche 


geſtoſſen, und auf die Weiſe darin erſtickt fen. Dieſe perſiſche Strafe war wol in 
Preuſſen nicht uͤblich. Der Biſchof ward vielmehr anfänglich ſehr leidlich gehalten, 


und 


1477: 


1477. 


368 ö Geſhichte von Preuſſen. 
und ihm ſogar der Zutrit einiger deute gelaſſen. Hierunter befand ſich ein a 
den der Biſchof auf feine Seite zu ziehen, mit deſſen Huͤlfe aus dem Gefuͤngniß zu ent⸗ 
kommen, und ſodenn feinen Vorſatz in Rom auszuführen gedachte. Doch eben: dies 
fer fein Vertrauter wurde fein Verräther. Der Hochmeifter hielt mit ſeinen vertrau'⸗ 
ten Gebietern Rath, was hiebey anzufangen. Die meiften erkannten, daß bey dem, 
was ſchon vorgegangen, kein ſicherer Vergleich mehr zu hoffen waͤre. le meiſten 
ſtimmten darauf, daß man ſich ſeiner entledigen muͤſte. Der Bi 2 
ein weit ärger Gefaͤngniß gebracht, daſelbſt angeſchmiedet, und fo e 
gern. Dieſe Todesſtrafe hielt man vor Standesperfonen am zuttäͤglichſten „um ihret 
Ehre zu ſchonen, damit niemand ſich ruͤhmen koͤnte, gewaltſame Hand an ſie gelegt 
zu haben. Nur zwey vertraute Perſonen wuſten um feine Umftände, die ſich anſtel⸗ 
fen muſten, als wenn fie ihm feine ordentlichen Speiſen deswegen allein reichen mis 
ſten, weil er keine Perſonen um ſich leiden könte. Mach ſeinem Ableben ward er in 
biſchoͤflicher Tracht in der ordentlichen Biſchofs Gruft mit gehörigen 

erdiget. Sixtus 4 kam bey der Nachricht von dem Tode des Biſchofs faſt 
Verflucht, ſagte er, iſt der Orden, wo der daye uͤber den Seiſtlichen herrſcht/ 
daher das ſchwarze Kreuz des deutſchen Ordens vertilget werden. Allein der 9 

ließ ſich befänftigen. Sieben Perſonen ſchworen getroſt, daß der Biſthof e 

lichen Todes geſtorben, ob man nachher gleich im Lande dieſe beute als Mei 

abſcheuete. Der Orden erkaufte ſich Freunde am roͤmiſchen Hofe, und der 

ward vergeſſen. Aber daruͤber ſoll der Hochmeiſter auf ſeinem Todtenbette 

biſſe gefuͤhlt haben, weil ihn die Pfaffen vor GOttes Gericht gefordert. Er habe al 
fo ſich in Ruͤſtung ſetzen wollen, ob er ſich der Pfaffen erwehren konte. Ich 

die ganze Begebenheit, fo wie fie von denen Geſchichtſchreibern überliefert worden, 
ſchon nicht alles deswegen gleich richtig, was ſie durch das allgemeine Gerede ver 
nommen. Dietrich von Cuba ſtarb im harten Gefaͤngniß. Aber ob er Hungers 
geſtorben, und ob die ſieben Perſonen alſo meineidig geweſen, die in Rom feinen na / 
tuͤrlichen Tod dargethan, laͤſſet ſich noch zweifeln, ehe ſolche Todesart beſſer als durch 
das allgemeine Gericht dargethan werden kann e). Ich will aber noch eine andere 
Merkwuͤrdigkeit beruͤhren, die in der Regierung unſers Hochmeiſters 1 
1zjährigen Kriege hatte Erasmus 7) von Reitzenſtein ohngefͤhr 1458 einen 

ſchuß in den Kopf bekommen. Es war gefaͤhrlich den Pfell herauszuſchneiden. 
tzenſtein trug ihn daher 14 Jahr im Haupt, bis ſolcher zur Zeit, da er Or 
ſchall war, ſich ſo geſenkt, daß er ihm zum Gaumen herausgefallen. Der dall 
widmete ſolchen der St. Albrechtskirche, wo er von 1472 bis 1665 geblieben, 
mals aber zum beſtaͤndigen Andenken in die churfuͤrſtliche Bücher und Kunftr Kam 
mer gekommen, und da noch zu ſehen g). Es iſt dies mit dem ahnlich was 


) Schüg f. 38. Senneb. S. 201. 349. Leo S. 323. Erl. Pr. Ne 11 f. A 
Boruſſ. T. 1. p. 211. ET 
Leo S. 324. nennt ihn ſalſch Echard von Reitzenſtein Comthur von Königsberg. 
g) Leo S. 324. Erl. Pr. Th. 1. ©, 763. Adda Boruſſ. T. 1. p. 206. 


Martin Trüchfes‘ von Wehhaufer, 1 
in unſeter Geſchichte vom Epuefärften von Brandenburg Otto mit dem Pfeil er / 1477. 


iebfe Haben. a 


322 9. 182. i 
Der Tod Henrichs Refle von Richtenberg erfolgte zu einer ſehr bedenklichen Der neue 
Zeit. Da der König im vorigen Jahr ſich in allen Stücken dem Orden widrig bewie⸗ hochmeiſter 
ſen, alle Klagen gegen denſelben angenommen, und dem Hochmeiſter in keinem Stick Tuche 00 
Gehör geben wollen, fo hatte der Orden bereits den Thorner Frieden vor gebrochen gehal· Weghauſen 
ten, und ſich auf ſeinem Theil ebenfals davon entbunden zu ſeyn geglaubt. Nun folgte nicht wird 5 = 
uur ein Bündniß mit dem ermländiſchen Biſchof Nievlao Tungen, sondern auch el bee. 


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ne genaue Vereinigung mit dem Könige Matthia von Ungarn, den der Orden zum 
Schutzherrn annahm, und durch vertraute Perſonen, die ſich in verſtellter Kleidung durch 
Polen ſchlichen, über alle kuͤnftige Vorfallenheiten mit Matthia Abrede nahm. Die 
Woywoden von Marienburg und Eulm und das Buͤrgermeiſteramt in Danzig waren 
der polniſchen Regierung ganz uͤberdrüßig / und es ſchlen, daß bey ausbrechendem Krie⸗ 
ge durch fie das polniſche Preuſſen zu feinem ehemaligen Herren zuruͤckkehren würde. 
Einige aufgefangene Briefe des Ordens entdeckten dem Könige, was er zu befürchten 
hätte, Er ſuchte daher das polniſche Preuſſen auf feiner Seite zu erhalten, und 
das Ordens land auf dem Fall auf feine Seite zu ziehen, wenn es zum Ktiege käme. 
Indeſſen rückte die Zeit zur Hochmeiſterwahl herbey, wozu ſich auch Gebieter aus 


5 Deutſchland einfanden, und in Danzig gut aufgenommen wurden. Die Danziger 


hatten durch ſie den Orden vom Buͤndniß mit Ungarn abzumahnen geſucht. Die Wahl 
erfolgte den gten Aug. zu Königsberg in einer Ordensverſammlung, und traf den 
kurzlich aus Rom zuruͤckgekommenen Comthur von Oſterode Martin Truchſes von 
Wetzhauſen einen Fraͤnkiſchen von Adel, der fehon unter der vorigen Regierung in 


i Staatsangelegenheiten ſtark gebraucht worden. Gleich nach angetretener Hochmeiſter⸗ 


wuͤrde dankte er den Danzigern fuͤr die gute Aufnahme der deutſchen Ordensgebieter 
die zur Wahl gekommen, und zeigete, daß der verſtorbene Hochmeiſter ſowol als Tun⸗ 
gen freilich mit Ungarn ein Buͤndniß gemacht. Aber der Orden ſey durch das ſchlech⸗ 
te Betragen des Königs zu Marienburg dazu bewogen. Er könne aus deſſen Verhal⸗ 
ten gegen den Tungen, der doch als ermlaͤndiſcher Biſchof den Polacken naͤher an⸗ 
gienge/ als der Orden, auf Caſimirs Geſinnung gegen den Orden einen Schluß mas 
chen, und ſelbſt das polniſche Preuſſen wuͤrde von Polen in Abſicht feiner verſpro⸗ 
chenen Freiheiten fo gekraͤnkt, daß ſolches ebenfals wohl nöthig haͤtte, feine Maaßre⸗ 


geln darnach zu nehmen. Der Hochmeifter ward zwar zu Ablegung des lehneides nach 


Peterkau erfordert. Weil er aber 1478 daſelbſt nicht erſchien, hielt Caſimir zu Brzes⸗ 


ke in Cujavien mit den polniſch preußiſchen Ständen eine Zuſammenkunft. Der 


Martin erfuhr, daß man ihn ebenfals hin berufen werde, und reifete daher von Ku 


nigsberg nach Ragnit ab, um bey feiner Berufung nicht gegenwärtig zu ſeyn. Der 


König beſchwerete ſich daher zu Brzeske über ihn, cheils daß er nicht, dem Frieden ges 


x 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Ty. 


maß, 6 Monat nach feiner Wahl den Eid abgelegt, un mit Ungarn ſich verbuns 
a a 


1478. 


1478: 


370 Geſchichte von Preuſſen. 
den, theils dem Tungen beiſtuͤnde, und Ermeland an ſich zu ziehen ſuche, thells von 
denen Söldnern, die Culm, Strasburg und Althaus im Beſitz hatten, biefe Die 
te an ſich zu handeln Mine mache. Zugleich erklaͤrte der König lieber fein leben 
einzubuͤſſen, als Preuſſen jemals wieder fahren zu laſſen, wie man doch ausgeſprengt 
babe. Man beſchloß eine Geſandtſchaft von Seiten Polens und des polniſchen 
Preuſſen an den Hochmeiſter abzuſchicken, ihn zur Eidesleiſtung zu ermahnen, und 
im Namen des Königs ſich zu erbieten, unterſuchen zu laſſen, ob der König oder der 
Orden den Frieden uͤbertreten habe. Nach des Königs Abreiſe wurde die beſchloſſene 
Geſandtſchaft zu Graudenz ausgemacht, die nach Königsberg kam, und verlangte, 
daß der Hochmelſter den Eid ablegen und Frieden halten ſolte, fo wie Polen Frieden 
balten wolte. Wolte Sort, ſagte der Hochmeiſter, daß Polen vor so Jahren Fri ⸗ 
den gehalten hätte, Jetzt Fönne er ohne die Gebieter aus Deutſchland, Lie und 
Waͤlſchland ſich zu nichts erklaͤren. Der Papſt allein muͤſte zwiſchen ihm und Po⸗ 
len Richter ſenn. Hierbey blieb Martin aller Vorſtellungen unerachtet. Er ſowol 


als Tungen ruͤſteten ſich nunmehr zum Kriege, und erwarteten die 7 0 


gariſche Hufe. Martin löſete wirklich von Johann von Schönberg, des 
Bruder die Schlöſſer Strasburg, Culm und Althaus an ſich, und zog ein 
welches jedoch meiſt aus ungeuͤbtem kandvolk beſtand, bey Oſterode zuſammen. H 
gegen brach ein aus Polen angekommenes Heer wirklich in das Stift ( 
verbannete Marienwerder bis auf den Dom, nahm Wormdit, Frauenbt 
Mehlſack ein, und chat ſowol im Stift, als auch in den Ordenslanden berraͤcht 
Schaden. Die Feindſeligkeiten wurden alſo wirklich angefangen, und doch konte d 
Hochmeiſter ben ausgebliebener ungariſcher Huͤlfe mit feinen Völkern keine Schlacht 
wagen. Er verlegte ſolche daher in die veſten Plaͤtze. Churbrandenburg reitelte 
wirklich die weit ausſehenden Anſchlaͤge Matthiaͤ und des Ordens am meiſten. Zu 
ſchen dem Orden und Ungarn muß verabredet worden ſeyn, daß wenn der Hochmeiſter ſich 
von ganz Preuſſen wieder bemaͤchtiget, und ſich von den Verbindungen gegen Polen 
losgemacht, ſolcher auch darauf denken könte, die Neumar wieder an ſich zu br ngen. 
Johann von Sagan, der mit Brandenburg wegen der glogauiſchen Exbfhaftzer 
fallen, ſolte durch die Mark zu dringen, und Völker nach Preuſſen zu bringen für 
chen. Man hielt dieſen Vorſchlag um fo leichter ins Werk zu fegen, weil man auh 
Pommern gegen Brandenburg in die Waffen gebracht. Aber Thurfürſt Albred 
der Held vereitelte das Vorhaben. Er bemaͤchtigte ſich etlicher pommeriſcher E 
orte, und schlug den Herzog Hans von Sagan zwischen Croſſen und Freyſt 
Bisher hatte Matthias ſich gegen Polen geſtellet als ob er blos durch feine Bermit 
telung den preußiſchen Bundesgenoſſen beiſichen wolle, da er doch den Hans von! 
gan nach feiner Niederlage mit 1500 bis 2000 Huſaren unter Seleni Anführung » 
ſtaͤrken laſſen. Doch auch dieſe vereinigte Macht konte kaum einige Verheerung 
der Mark anrichten, ohne durchbrechen zu können. Dies machte daß Me 
jest arſtellte als ob er mit feiner ganzen Macht auf des Papſts Verlangen 


* 


Martin Truchſes von Wetzhauſen. 371 


ſiſchen Bundesgenoſſen beiſtehen muͤſſe. Hiedurch erhielt er, daß Polen ſich anhei⸗ 
ſchig machte, mit Preuſſen bis auf Mariaͤ Reinigung einen Waſſenſtillſtand einzuges 
hen, und feine Volker bis auf die Beſatzungen der eroberten Plaͤtze des Stifts abzu⸗ 
führen: In der Zeit wurde auch zu Elbing am Tage der 11odo Jungfrauen an einer 
Ausſöhnung gearbeitet, und bey den Unterhandlungen die Stifs / und Ordensangelegen⸗ 
heiten ſorgfaͤltig abgeſondert, damit der Orden ſich nicht als den Schutzherren des Stifts 
anſehen mochte. Mit den Unterhandlungen kam man aber nicht zum Stande. Tun⸗ 
gen ſolte durchaus das land räumen, und die Ordensgeſandten erboten ſich kuͤnftig den 
ewigen Frieden zu halten, nur daß dem Hochmeiſter der lehnseid erlaffen wuͤrde, wel⸗ 
ches aber die Geſandten vom polnifchen Theil durchaus abſchlugen, ohnerachtet der Hoch⸗ 
meiſter ſich ſoll haben verlauten laſſen, daß er ehe in ſeinem eigenen Blut erſaufen, 
als den lehnseid ablegen wolte. Man verglich ſich zwar wegen einer neuen Friedens⸗ 
zuſammenkunft, die auch mit dem Eintrit des Jahres 1479 zu Elbing gehalten ward. 
Weil aber Polen und Ungarn gäaͤtlich ihre Streitigkeiten unter paͤpſtlicher Vermit⸗ 
telung zu Olmuͤtz auf lichtmeß erbrtern wolten, auch die preußiſchen Bundesgenoſſen 
dahin beſchieden waren, ſo ward alles bis dahin ausgeſetzt. Weil aber die Unterhand⸗ 
lungen zu Olmuͤtz zu keinem gedeilichen Ende gelangten, fo gleng der Krieg nach licht 
meß wieder an. Die Polacken eroberten das ganze Stift bis auf Heilsberg, wel⸗ 
ches fie belagerten, und Matthias ward durch einen Tuͤrkenkrieg von aller Huͤlfslei⸗ 


* ſtung abgehalten, und alles was er thun konte beſtand darin, feinen preußiſchen Bun⸗ 


desgenoſſen einen neuen Waffenſtillſtand auszuwirken. Polen verband ſich mit Bran ⸗ 
denburg noch genauer, da der König Caſimir feine Prinzeßin Sophia mit des 


Churfuͤrſten Prinzen dem Marggrafen Friedrich vermahlen ließ. Tungen, der durch 


den Hochmeiſter gluͤcklich entſetzt worden, ſowol als der Hochmeiſter fanden ihre Unter⸗ 
thanen zu Fortſetzung des Krieges gar nicht geneigt. Tungen kam daher nach Koͤ⸗ 
nigsberg, und beredete ſich mit dem Hochmeiſter, perfönlich zum Könige Caſimir 
abzugehen, aber ſolchem durchaus nicht zu fehrwdren. Zu Sierad ſolte ihre Sachen 
vorgenommen werden, wohin auch ungariſche Geſandten kommen ſolten. Die letzten 


blieben aus. Tungen und der Hochmeiſter kamen unter ſicherm Geleit an. Der 


König war zu Peterkau. Der ermlaͤndiſche Biſchof und Martin Truchſes von 


Wetzhauſen reiſeten zu ihm. Der letzte hatte den Großcomthur Hans von Tiefen, 


den Eomthur von Oſterode Stephan Streitberg, den Comthur Johann von Leſ⸗ 
fen, den erwaͤhlten Biſchof von Pomezanien D. Fabian, die Kreugherren Matth. Ze⸗ 
beburger, Kilian Guttenberger, Friedrich Gebeſattel, Adrian des Hochmeiſter 


Sleſheimſchreiber, ferner den Carl von Eglofsſtein, Daniel von Kunnheim, landrich⸗ 


ter von Brandenburg, Ambroſius von Perband, Nicolaus Kauther, Johann 
Proyck, Donat Weithner, vom landadel, endlich George Malſchack, Paul Hor 
und Nicolaus Keuſchel von Städten in feinem Gefolge. Der ermlaͤndiſche Biſchof 
wählte den kuͤrzeſten Weg. Auf den ihm gegebenen Rath unterwarf er ſich völlig der Gnade 

des Köͤniges, und erhielt von ihm das 1 Ermeland, weshalb er den a 
E aa 2 reue 


1478. 


1479 


1479. 


2 Cefihichte von Preuſen. 


des landes zurück zu erhalten. Doch eben damals ließ ihn Matthias im Stich, und 


ten alle Vorſtellungen um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Er blieb aber de 


4 


Treue ablegte. Der Hochmeiſter aber wolte von keiner Unterwerfung etwäs hören, 
ohnerachtet ihn der von Tungen ſchleunig verlaffen, und glaubte noch immer, daß ihm 
Ungarn behuͤlflich ſeyn wuͤrde, die unumſchraͤnkte Gewalt ſowol als den verlornen Theil 


verglich ſich zu Olmuͤtz mit Wladislao von Böhmen aus dem Grunde, fo daß die 
fer Böhmen und die Lauſttz, Matthias aber auf Zeit lebens Schlefien und Müh 
ren behielt. Caſimir ward es muͤde zu Peterkau die Unterhandlungen fortzufegen, 
und gteng nach Neuſtadt unweit Cracow ab. Weil nun dahin auch un e Ge· 
ſandten kamen, fo reiſete der Hochmeiſter ebenfals nach Neuſtadt Zehn Tage ward 
mit ihm über einen Frieden gehandelt, da er ſich durchaus zur Eidesleiſtung nicht verſte ⸗ 
hen wolte, weil er ſolches bey GOtt und Menſchen verſchworen. Seine 0 


daß da Polen auf feiner Seite den letzten Frieden nicht gehalten fo könne er ar 
ner Seite auch nicht weiter daran gebunden ſeyn. Er ſuchte das erſtere durch eine ü er 
gebene Schrift erweislich zu machen. Der König ließ darauf antwotten, und die un 
gariſchen Geſandten hielten des Hochmeiſters Gründe nicht vor erheblich genug den 
Frieden nicht zu halten. Da aber dieſes noch keinen Eingang fand, ward ihm von 
Seiten des Königs Matthiaͤ kurz und gut alle Hofnung auf eine ungariſche Hilfe. 
abgeſchnitten. Dies fruchtete. Martin der vorher ſich verlauten laſſen; er wolte 
ſich eher lebendig ſchinden und in Stuͤcken hauen laſſen als ſchwören, beguemte ſich 
nach vielen Unterhandlungen den gten Oct. nebſt feinem Gefolge den kehnseld abzule⸗ 
gen. Die polniſchen Stände, die den Frieden noch nicht beſchworen, thaten 
jest gleichfals. Der Hochmeiſter rar Strasburg, Culm und Althaus de 
ge gegen 8000 Gulden wieder ab. Der im Pfaffenfriege verurſachte Scha n fü 
dutch 4 königliche und 4 Ordensraͤthe, wozu beide noch einen Obmann wahlen ; 
den gefchäge und vergütet werden. Alles vorhergegangene ward in Vergeſſenhelt 
ſtellet, und der Hochmeiſter und fein Gefolge vom Könige beſchenkt. Nach dem 
troffenen Vergleich wurden auch die Buͤndniß Urkunden die Ungarn und der Or 
einander ausgeſtellet, zu Breslau in die Haͤnde des Biſchofs von Breslau 
wart eines polniſchen offenen Schreibers uͤberliefert, und von demſelben fi ich zer⸗ 
riffen, obne daß ſolche von polniſcher Seite geleſen worden, damit nicht durch dn 
Inhalt dieſes Buͤndniſſes und der darin enthaltenen Ausdrucke eine neue Selegenheit zu 
Verbitterung und Unwillen erwachfen möchte. Auf dieſe Weiſe endigte ſich d andere 
Verſuch des Ordens ſich von Polen loszureiſſen. Da Henrich Reuß von ö 
feinen Eid lange unter dem Vorwand zu leiſten fich geweigert, daß er nicht t 
Hochmeiſter, ſondern nur deſſen Statthalter fen, fo entwarf Henrich von 
berg einen Entwurf bey Gelegenheit des Pfaffenkrieges mit ungariſcher & 
dies zu bewuͤrken, weil Polen nicht alle Bedingungen des vorigen Irie 
Aber Martin Truchſes von Wetzhauſen ward von Matthia verlaſſen 
den Eid ablegen b). i ee e 
b) Dlageſſ. ad h. a. Schutz f. 361 + 366. 


Martin e. von 1 | 373 


ik Fuchs 8. . 
1 an Set dee Zei regierte der Somit in biaſtee Habe Er ten burg en; 
10 den Großcomthur Hans von Tieffen und andere Gebirter 1486 wegen verschiedener her ruhig bis. 
1 Irrungen mit dem polniſchen Preuſſen eine Tagefart zu Holland, und klagte, daß an ſeinen tod. 
1 die Danziger gegen den ewigen Frieden dem Orden zu Schaden ein Bernſteindreher 1480. 

+ Gewerk in ihrer Stadt angerichtet, das den Bernſtein verarbeite, den man von Die 


ben an ſich gebracht, welche den Bernſtein dem Hochmelſter und Biſchof von Sam⸗ 
land geſtohlen. Auch Elbing hege Bernſtein Diebe. Das letzte leugneten beide 
Städte; Danzig babe, ſo wie das Kloſter Olive, auch auf ihrem Gebiet Bernſtein, 
und könte zum Beſten feiner Stadt, dem Frieden unbeſchadet, eben ſowol ein Bern ⸗ 
ſtein Gewerk errichten, als in Pommern und Lubeck dergleichen befindlich. Das 
polniſche Preuſſen beſchwerete ſich vielmehr über den Orden, daß feine Münzen 
ſchlecht / daß der Orden von den Schifbruͤchigen Gitern den zten Pfenning Bergelohn 
nehme, im Tief einen neuen Zoll angelegt, und elbingſches Bier in Königsberg vers 
boten. Der Oroßcomthut antwortete darauf: die Munze ſey eben nicht ſchlechter als 
einige, die von den polniſch preußiſchen Staͤdten geprägt worden, und das Sil⸗ ht 
ber in gar zu hohem Preiſe. Die Strandgebieren oder Bergelohn fen längſt berge; 
bracht, billig, und ſogar den Ungluͤcklichen vortheilhaft, weil ſonſt die Strandleute 
ſie um das ihrige vollends bringen, und fie nicht vor ihre Perfonen einmal betgen, ſon⸗ 
dern lieber in den Fluthen umkommen faffen würden. Der Zoll zu Balge waͤre der 
Fremden wegen angelegt, welche lieber Königsberg nicht beſuchen, ſondern "vielmehr es 
votbey fuhren, als die dortigen Abgaben entrichten wolten. Der Orden verbiete nicht 
überhaupt die Ernführe alles fremden Bieres, ſondern wolte nur verhindern, daß fol 
ches nicht in fo groffer Menge eingefuhrt werde, daß daruͤber die Ordensſtaͤdte in ihrer 
Nahrung völlig gehemmet wuͤrden. Der Großcomthur verlangte von denen Danzi⸗ 
ern — die Bezahlung der 1 telbrenten vor den ehemaligen Hauscom⸗ 
1 8 zig, den von Puſterr Kein Theil t konte abet von dem andern ſes⸗ 
ER 1481 baureten fo dieſe Beſchwerden gegen einander immer fort. last. 
er zu . derſelben zu Elbing angeſtellte Tagefahrt 1482 fiel nicht glücklich 1482. 
aus, ohne achtet der Hochmeiſter mit feinen vornehinften Gebletern und denen Biſchd⸗ 
fen von Samland und Po nien ſowol als auch königliche Geſandten als Mit⸗ 
ler ſolche beſüchten. eh be W Ent ſcheidung derſelben dem Könige zu uberlaſ⸗ 
fen. Der Hochmeiſter wolte deshalb den Caſimit 1483 perſönlich in Lithauen beſu / 1483. 
chen. Dieſer erklätte zwar daß ihm deſſen Beſuch allemal lieb ſeyn wurde. Da er 
aber weder polniſche noch preußifche Raͤthe bey ſich hatte, fo schickte er eine Geſundt, 
ſchaft nach Preuſſen, die eine S zu Chriſtdurg veranlaßten. Der Hoch ⸗ 
meier beſchickte fie 0 den nd Baan & Stephan von Streitberg, durch den 
brandenbu ’ Kuhnheim und andere. So wie hier 
der £ f 2 We Gewerks in Danzig beſtand, ſo 
verlangte r — 25 ee die Abſchaffung des Zolls m Bee / Worin der Or⸗ 
8 Aaa 3 N den 


DEE ET TEE r 


1483. 
ern 


1485. 


1486. 
1487. 
1488. 


1489. 


Sein nach⸗ Doch fein Nachfolger wird in den Geſchichten noch ne Aeg 5 


mee andern Rath zu ſchaffen wuſte. Beides ward auch hier zu Entſcheidung des Kö⸗ 
niges ausgeſetzt. Der Hochmeiſter erwartete ſolche. Indeſſen hielt er ſich 1484 eine 


Geſchichte von Preuſſen. 


den nicht willigen konte, da ſolcher mit Bewilligung ſeiner Unterthanen zu Bezahlung 
der Forderungen, die der Herzog von Sagan machte, angelegt war, und man kei⸗ 


Zeitlang zu Raſtenburg auf, und war auf alles aufmerkſam, was vorgleng⸗ Das 
hin rechne ich die Unterhandlungen Polens mit dem Herzog Erich von y 
welche 1485 zu Lauenburg angeſtellet wurden, da Polen Lauenburg und Bit 
zurüͤckhaben wolte, für die beſſere Unterhaltung der Stiefmutter Bogislai, die ſich 
Danzig aufhielt, Vorſtellungen that, und Genugthuung deswegen verlangte, daß 
ein Danziger Buͤrger von einem marggraͤflich brandenburgiſchen von Adel, einem 
von Bornſtaͤdt, in Pommern beraubet worden. Die anwachſende Macht der! 
fen machte den Hochmeiſter wegen Liefland beſorgt. In den Krieg, der 1486 zwiſchen 
dem Könige Matthia von Ungarn und dem Kaiſer Friedrich 3 gefuhrt wurde, wolte er 
ſich nicht miſchen, ohnerachtet 1487 ſogar das deutſche Reich dem Kaiſer Huͤlfe 5 
te, obwol ſchlecht leiſtete. Polen hatte damals alle feine Sorgen gegen die Tür 
gerichtet, gegen welche 1488 der König Caſimir in Preuſſen Hoͤlfe verlangte. Doch 
der Hochmeiſter erlebte keinen neuen Feldzug. Der Tod legte ihn den Abend vor 
heiligen Dreikönige 1489 ins Grab, welches er im Dom zu Koͤnigsberg fand. Man 
lobt dieſen Herrn bey aller Gelegenheit und ſelbſt polniſche „ 
ihm Gerechtigkeit wiederfahren, wenn ſie gleich darauf nicht wohl zu ſprechen ſind, 
daß er ſich der Pflicht gegen Polen entziehen, und nach vieler Muͤhe erſt zur & 
empfängniß bringen laſſen wollen. Man ruͤhmt ſeine Tapferkeit und u’ 
Felde hatte er bey mancher Gelegenheit einen loͤwenmaͤßigen Muth bewieſen, 
zu Haufe alle Strenge eines Ordensmannes zu beobachten pflegte 7). 
9. 184. udn eee 
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fe dene ches Hans ven Tiefen ein Schweiger. von Stburt, ind der tee | 
von Tiefen. In Preuſſen haste er vorher verfchiebene Aemter bekleidet. Et ift Berweſer 


cken, denn 1475 Comthur von Memel, 1477 Großcomthur geweſen. 
de half er 1479 den Pfaffenkrieg beilegen, und 1480 war er der vornehmſte Di 

ſandte auf der Tagefahrt zu Holland. Nachher aber hat er das Amt eines obri 
Spitlers und Comthurs von Brandenburg bekleidet, bis ihm die Stimmen 
Wähler 1489 zum Hochmeiſter machten. Einige fegen dieſe Wahl auf Pfine ſten, an 
dere auf den Aegidientag, und noch andere auf Kreuzeserhoͤhung. Er war b n mi 1 
lerer Sröffe, krauſen, dicken, eisgrauen Haaren. Auch in feinem Alter feine 
Augen nicht dunkel, und auf feinen Wangen erblickte man noch die Röthe eines Man⸗ 
nes, der in feinen beſten Jahren iſt. Dies war um ſo mehr zu k andern da er fih 

n gad au he Ert get, und fin Bemondesen ah eln mie ale, 


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0 Senneb. S. 203, Schütz f. 367 : 380; 


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Hufe muſte zu Beſtreitung dieſer Reife eine halbe Mark erlegen. Er eilete mit der 


| Band von Tefen. 355 
da er landesherr geworden. Die Pflichten feines Ordens hielt er unverbruͤchlich. Er 
ſchlief nie in einem Bette, und trug kein leinen Hemde auf feinem leibe. Beſtaͤndig 
bezeigte er gegen Gott eine ungeheuchelte Gottesfurcht. Die Befehle der Obern ers 


füllete er genau, freundlich bewles er ſich gegen feines gleichen, und huldreich und 


gnaͤdig gegen die, welche das Schickſal unter ihn geſetzt. Schon als Befehlshaber in 
Schaden zeigte ſich feine Vaterliebe. Da ein Kämmerer die Frohnleute uͤbermaͤſ⸗ 
fig: hart hielt, und fie dadurch zur Verzweiflung brachte, daß er auch darüber ſchwer 
verwundet worden, ſo wolte unſer Hans von Tiefen ihn noch uͤberdies aufs empfind⸗ 
lichſte ſtrafen, wenn er den deshalb entwichenen Bauer nicht aufſuchen, und ſein Er⸗ 
be wieder zu beziehen, vermocht haͤtte. Man ruͤhmt, daß er ſittſam und friedliebend 
geweſen, alle Kleiderpracht vermieden, aber die Kirche reichlich begabet und prächtig 


gezieret habe. Nach ſeiner Wahl bezeigte er fich gegen die Unterthanen eben fo vaͤter⸗ 


lich, als er ſich vorher liebreich gegen fie aufgefuhret. Er beſtrafte denjenigen aufs 
bärtefte,; der unſchuldige leute in Verdacht und Strafe des Bernſtein Diebſtahls ges 


bracht. Dieſem Böfewiche wurden die Augen ausgeſtochen, und die Sehnen zerſchnit⸗ 


ten, bis er auf die Art ſtarb. Als er Königsberg einsmals vom Haberberge aber⸗ 
ſahe, bemerkte einer von ſeinen Hofleuten, daß er ſchwer ſeufzete. Da ſolcher nach 
der Urſache fragte, antwortete der Hochmeiſter: Sein Kummer ruͤhre von der Vor⸗ 
ſtellung her, daß durch ſeiner Vorfahren Verhalten von vielen groſſen Städten nur 
dieſe einzige dem Orden uͤbrig geblieben, und ſo viel Schulden uͤber dieſes gemacht wor⸗ 
den, daß feine naͤchſten Vorfahren dieſelbe nicht tilgen können, und feine ganze bebens⸗ 


>. zeit eben ſo wenig dazu hinreichen wuͤrde. Der Hofmann erfand auf der Stelle einen 


Vorſchlag zu Tilgung der Schulden. Man ſolte nach ſeiner Meinung die Unterthanen 


mit ſchweren Schatzungen belegen, welche ſich ſo wohl aufgeholfen, daß in allen Staͤn⸗ 


den uͤbermaͤßiger Staat gemacht wuͤrde. Doch der Hochmeiſter ſagte: es ſolte ihn 
Gott dafuͤr behuͤten, daß er dem Unterthan das nehmen ſolte, was ihm Gott gege⸗ 
ben. Er wuͤnſchte vielmehr einem jeden weit groͤſſeren Reichthum als er jetzo habe, 
und ſtatt der wollenen Kleidung ſeidene Kleider, auf denen Gold, Suber, Perlen und 
andere Koſtbarkeiten zu ſehen. Dies ſen feine wahre Ehre, über reiche leute zu herr⸗ 


ſchen. Er hatte ſeit der Zeit, daß er im Orden geweſen, vieles erlebet, und ſein gu⸗ 


tes Herz ihm den Ausruf bey allen Vorfallenheiten fo gewöhnlich gemacht: Ach Gott 


von Himmel, oder wie Leo ſagt: Ach himmliſcher Vater, daß ihn diejenigen mit die⸗ 


ſem Ausdruck als einen Beinamen belegten, denen ſeine Frömmigkeit einem Aergerniß 
war. Gleich nach feiner Wahl machte er die Anſtalten zu Erfüllung der Friedens ver⸗ 
bindlichkeit. Er iſt ſeit Ludwig von Erlichshauſen der einzige Hochmeiſter, welcher 


gegen den lehnseid ſich durch nichts geſetzt, und ſolche durch nichts abzuaͤndern oder 


aufzuhalten geſucht. Nur das gieng ihm nahe, deß er bey Gelegenheit der nothwen⸗ 
digen Reiſe zum Koͤnige eine Auflage auf ſeine Unterthanen machen muſte. Eine jede 


Erfüts 


1489. 


1489. 


er führt bis Seine Hegierig: — bes tand anch und bine Shdel lden bie Naß 
an feinen tod he feiner Unterthanen, obgleich damals ſich ſehr wichtige Begebenheiten ereigneten. 


eine ruhige re⸗ 
gierung. 


1490. 


1491. 


1492. 


4493. 


1494. 


376 Geſchichte von Preuſſen. 


Erfüllung der behnspflicht, fo daß er sonne Rage erh 00 eee 
der zuruͤck Kaen * an ei f ra, > ala 5 
hau * S nu a 1005 ale E 


Nach dem Tode des ermlaͤndiſchen Biſchofs Tungen, hatte das Capitul ſchleunig den 
Lucas Weiſſelrod von Allen gewählt. Beinahe wäre ein teuer Pfaffenkrieg angegangen; 

da der König dieſes Stift einem n Noch mehreren 
erm verurſachte der 1490 erfolgte Tod des Kbnigs Matthiaͤ von Ungarn, — 
verſchiedene Mitwerber ſuchten. Die erheblichſten darunter waren der bo ) 
nig Wladislaus und Caſimirs anderer Sohn jenes Bruder Johann 

deswegen in einen blutigen Krieg ſich verwickelt ſahen. Dieſer 5 
jenem weichen. Der König Caſimir hielt während dieſen Zwiſtigkeiten, die unter 
Perſonen feines Hauſes ausgebrochen, vor rathſam, das gute Vernehmen mit dem 
Orden beizubehalten, und hatte deshalb eine Geſandtſchaft an den Hochmeiſter abgefers 
tiget. Dieſer erſuchte auch durch eine Geſandtſchaft den König um dle Erörterung derer 
Streitigkeiten, welche uͤber die Auslegung des ewigen Friedens entſtanden waren, und 
theils die Gerichtsbarkeit, theils das Strandrecht betrafen. Cafimir, ernannte auch 
Geſandten, welche deswegen nach Preuſſen kamen. Weil aber die Preuß 
fen zu denen Angelegenheiten dieſer ande die Polacken mitzuziehen Bedenken hatten, 
fo blieb die Sache unerörtert. Die polniſchen Preuſſen führten 1492 beim Könige 
ſchwere Klagen, und meinten auf der Tagefahrt zu Graudenz.,, Sie 

ſelbſt Beſtes bedenken, wie ſie den Hochmuth und Schmach der Polacken zerſtöreten, 
und eine Gewalt mit der andern hintertrieben. Sie haͤtten es zuvor von den Ordens 
herren nicht dulden wollen noch konnen, und wolten es nun von ihres gleichen, 

die geringer wären denn fie, viel weniger leiden. Denn man fehe und en. 
wohl: Je mehr man klage, je mehr nehme bie Gewalt uͤberhand. Wer weiß, N 
hieraus noch erfolget wäre, wenn Caſimir nicht eben damals mit Tode ab 8 
dem ſein anderer Sohn Johann Albrecht durch die Wahl der 17 
Throne folgte. Ein entſtanden Geruͤcht als ob der Biſchof von rect e e 
Staͤdte Danzig und Elbing ſich mit dem Orden verbunden, franzoͤſiſche und eng⸗ 
laͤndiſche Huͤlfe erhalten, und Danzig ſich ſogar ſchon auf drey Jahr mit undbe 
duͤrfniſſen verſehen, diejenigen aber ausziehen heiſſen, welche ſolches nicht bewerte 

gen konten, machte 1493 den neuen König ziemlich geneigt, dem ſich en i 
polniſchen Preuffen die Gelegenheiten zu neuen Klagen abzuſchnelden. Es war l 
der That aber an dieſem Geruͤchte . Vielmehr waren die Danzi iger zie ch 


mals der Orden ſchuldig . und unſer Hochmeiſter hatte in | dan 2 


*) Senneb. S. 203. Schütz f. 380 f. Leo ©. 334, 


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Hans von Tiefen. 377 
gern, daß 1495 der neue König perfönlich nach Preuſſen kam, und darin alles völlig 
beruhigte. Der Hochmeiſter hielt ſich 1496 eine Zeitlang zu Raſtenburg auf, und 
beſorgte auch ſonſt ruͤhmlichſt die Regierung. Als daher Hans von Liebenthal Pie 
ger zum Gruͤnenhof einem Maſt⸗ und Segelloſen Schif allen Beiſtand verſagte, vers 
wies ihm ſolches Hans von Tiefen, und befahl denen Nothleidenden beizuſtehen, die 
auch hiedurch gerettet wurden. Ein entſetzlicher Sturm, der vom Tage der Heiligen 
Dreikdnige 1497 vier Tage anhielt, eröfnete das neue Tief zu Königsberg, welches 
bis jetzo die ordentliche Fahrt aus der Oſtſee in das friſche Haf machet. Doch ward 
dies Jahr durch den Tod unſers Hochmeiſters noch merkwuͤrdiger. Der Koͤnig von 
Polen Johann Albrecht wolte den Hospodar von der Wallachey Stephan Bog⸗ 
dan vertreiben, und deſſen kand mit ſeinen Staaten vereinigen, und verlangte von un⸗ 
ſerm Hochmeiſter zu dieſem Zuge, dem ewigen Frieden gemäß, Beiſtand. Hans 
von Tiefen, der allemal bereit war feine Pflichten auf das genaueſte zu erfüllen. bes 
ſchloß in eigener Perſon 400 Reuter und 100 Wagenpferde dem Könige zuzuführen. 


Die dazu noͤthigen Koſten wurden durch eine Bermögenfteuer erhoben, da jeder von eis 


ner Mark drey Pfennige bezahlen muſte. Man bemuͤhete ſich zwar ihn zu bewegen 


feiner eigenen Perſon wahrzunehmen, fein hohes Alter zu ſchonen, und die Anfuͤhrung 
dieſer Huͤlfsvölker einem andern zu uͤbertragen. Hans von Tiefen aber gab zur Ant⸗ 


wort: „der geringſte meiner Brüder iſt in meinen Augen von gröfferm Wehrt als ich. 


Wo die meinen bleiben da will ich ebenfals mich nicht ausſchluͤſſen.,, Er brach daher 
wirklich auf, holte ſich aber auf dieſem Zuge den Tod. Er ſtarb zu reußiſch Lem⸗ 
berg an der rothen Ruhr. Man ift nicht eins, ob ſolches vor oder nach dem ungluͤck⸗ 
lichen Zuge geſchehen, da die Polacken in dem Bockenwalde den 24ften Oct. und 
nachher am Fluß Prut bey Zarnowitz groſſe Einbuſſe erlitten hatten. Der Körper 


des verſtorbenen Hochmeiſters ward von Lemberg nach Königsberg abgeführt, und 
im Dom in der hochmeiſterlichen Gruft beerdiget. Das ganze fand betraurete ihn als 


ſeinen Vater. Ich muß aber noch einiger merkwuͤrdigen Umſtaͤnde erwehnen, die in 
feine Regierung fallen. Um die Streitigkeiten zu heben, welche unter denen Ordens⸗ 
bruͤdern aus Ober und Niederdeutſchland ſeit ſehr langen Zeiten her zu vielem Uns 
glück Gelegenheit gegeben, fo verglich ſich Hans von Tiefen mit dem lobenswuͤrdigen 
Herrmeiſter in Liefland Walther von Plettenberg dahin, daß in Preuſſen lauter 
Oberdeutſche, in Liefland aber lauter Niederdeutſche eingekleidet, und mit Aemtern 
verſehen werden ſolten. Es war aber um fo viel nörhiger vor die innere Eintracht der 
Ritter zu ſorgen, da eben damals die groſſen rußiſchen Einfälle in Liefland angiengen, 
in denen ſich Walther von Plettenberg durch Klugheit, Muth und Glück einen ewi⸗ 
gen Namen gemacht. Eben dieſer Hochmeiſter errichtete folgende Geſetze. 1. Daß 
an Wochenmärften des Sommers bis 8, und des Winters bis 10 Uhr, fo lange eine 


deshalb aufzurichtende Fahne nicht abgenommen iſt, blos Bürger und das Landvolk zu ih⸗ 


rer Beduͤrfniß kaufen, nachher aber der Markt erft Fremden und jedermann offen ſtehen 
fol. 2. Kein preußiſches Geſinde foll in den Städten in Dienft genommen werden, 


p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. B bb oder 


1495. 
1496. 


1497: 


1497. 


378 Geſchichte von Preuſſen. 
oder ein Handwerk lernen. 3. Kein Geſinde ſoll über 14 Tage auffer Dienſt liegen, 
und wenn es von zwey Herrn den Miethspfennig genommen, zu dem erſten Mieth⸗ 
herrn ziehen, drey Mark Strafe geben, oder ein Jahr umſonſt dienen. 4. Der 
Hochmeiſter wird den Städten befehlen Acht zu geben, daß kein Handwerker die leute 
uͤbertheure. 5. Nach aller Heiligen iſt die Fiſcherey jedem erlaubt. 6. Das Tief 
ſoll auf eine halbe Meile nicht mit Netzen beſteckt werden, damit die Fiſche ins Haf 
kommen können. 7. Die Stadtraͤthe follen die geſchwornen Meſſer warnen, jeden 
recht zu meſſen. 8. Acht Tage nach Martini und nicht länger wird dem Bier nach 
dem Einkauf der Gate und Hopfen der Preiß geſetzt. 9. Wer dieſe Geſetze bricht 
wird unausbleiblich geſtraft. 10. Der Hochmeiſter wird verbieten, daß bey Verlust 
der Güter die rechte Straſſe aus Sameiten und Lithauen gefahren werde. 11. Ein 
Bauer kann in ſeinem, aber in keinem andern Dorf vor ſein eigen Geld auſſer zur 
Nochdurft der Herrſchaft auffaufen. Kein Bauer ſoll von dem Bürger Geld zum Bors 
kauf voraus nehmen. Buͤrger aus Königsberg konnen ins Ordens land Gelder ver 
leihen, aber Bürger aus kleinen Staͤdten follen ſolches den Bauren nicht thun. 12. 
Gewandſchneider aus Königsberg darf die Wochenmaͤrkte, wohl aber Jahrmärkte in 
den kleinen Städten beſuchen. 13. Auf dem Dorf ſoll kein Gewandſchnelder gelitten 
werden. 14. Die Kramer von Königsberg können viermal des Jahres und Dion 
tag in der Faſtwoche die Wochenmaͤrkte der kleinen Städte beſuchen. 15. ! 
follen keine Hauſirer gelitten werden. 16. Gewandſchneider und Kramer follen 
gehends culmiſch Maaß und Gewicht haben. 17. Die keinwandelle ſoll fein e 
breit länger ſeyn als vor Alters. 18. Hopfen wird im geſtempelten Scheffel verk ft 
19. Jeder mag auf dem Lande brauen zu feiner Nothdurft, und Wirthsh⸗ ufer 
verlegen. 20. Ein Bauer kann fuhrwerken feinem Herrn unbeſchadet. zr. Wer fi 
ne Höfe mit Sameiten oder Lithauern beſetzt hat, darf nicht aus na: 5 N 
Lithauen andere beute holen. 22. Kein Tagelöhner, auſſer auf dem Schloß, und 
in den Schlöffern fol Koſt bekommen. 23. Ein Tagelöhner ſoll ſo wohlfeil 89 5 
werden, als man kann. 24. Gaͤrtner bekommen Koſt und täglich zwey Schillinge, 
und ſollen dreſchen um den raten Scheffel. 25. Wer keine Gartner hat, mag D 
ſcher, aber ohne Koſt miethen. 26. Wer Bauren hat foll ihnen recht thun. denn 
ein Bauer emlauft, ſo ſoll er nirgend geherberget, noch auf den Fehren üb 
werden, und fein Herr ſoll ihn hängen laſſen konnen. 27. Jeder ſoll feine 
boten mit lohn und Koſt recht thun, entlauft aber doch der Dienfibote und 
der bekommen, ſo ſoll ihm in der nächften Stadt der Henger mit einem P 
gel mit dem Ohr an die Staupe nageln, und ihm ein Meſſer in die Hand 
mit er ſich ſelbſt losſchneiden konne. 28. Kein Handwerker Geſell oder Arb 
nen Arbeittag, und ſonderlich den Montag zum Feiertage machen. AR f 
in der Stadt zweierley Nahrung treiben J. 


D Schuͤtz f. 381 396, Senneb. S. 204. Statuta bes Hechmeiſters ir 5 2 Ten « 
ii — — — Kehle, . ee Der der nahn 
meiſter dur orſtellungen und Anſuchen um Huͤlfe beim deutſchen zet 
Muller Reichst. Theatr, Max 1, Vorſt. 3. ©, 145, Bu 


| Friedrich Herzog von Sachſen. 379 


ik 

1 2 §. 186. 1 498. 

N Nach Beerdigung des vorigen Hochmelſters machte der Ordens Statthalter Wil geisprich per; 
1 helm von Eiſenberg, oder wie ihn andere nennen, Graf von Iſenburg, 1498 alle zog von Sach⸗ 
1 Anſtalten zu einer anderweitigen Wahl. Gleich Anfangs war die Ordenswahlverſamm⸗ Da 
10 lung nicht einerley Sinnes. Ein Theil wolte die Ruhe beibehalten, und ſolche durch 2 
3 Unterbrechung der lehnspflicht nicht geſtoͤrt haben. Ihre Stimmen fielen auf den da⸗ 

maligen Statthalter. Dieſer aber trat der andern Parten bey, der die Fortdauer der 


1 lehns verbindung mit Polen unertraͤglich, und der Verluſt des halben Theils Preuſ⸗ 
* ſens unleidlich ſchien. Die Anhänger dieſer Parten entwarfen einen eigenen Plan das 
polniſche Preuſſen wieder an ſich zu bringen, und dem Hochmeiſter die Unabhaͤng⸗ 
lichkeit von Polen zu verſchaffen. Nach dieſem Entwurf ſolte ein deutſcher Prinz 
aus einem maͤchtigen Hauſe erwaͤhlt werden, der durch ſeine Hausmacht der Sache des 
Ordens ein Gewicht geben koͤnte, und zugleich folte ſich der Orden an Deutſchland haͤn⸗ 
gen, um mit deſſen Huͤlfe fein Vorhaben auszuführen. Dieſe Parten bekam auch 
wirklich die Oberhand. Sie fiel in der Wahl auf Anrathen verſchiedener Reichsfuͤr⸗ 
ſten auf den ſaͤchſiſchen Prinzen Friedrich, einen Sohn des Stlfters der albertini⸗ 
ſchen linie. Dieſer Friedrich war am Tage Criſpini und Criſpiniani 1574 geboren. 
Weil er von Jugend auf mehr Luft zu denen Wiſſenſchaften als den Waffen bezeigte, 
ſo ward er dem geiſtlichen Stande gewidmet, und nachdem er 1491 auf dem Relchsta⸗ 
ge zu Nürnberg ſich dem Faiferlichen Hofe bekandt gemacht, lag er theils zu Leipzig, 
theils zu Siena in Italien den Wiſſenſchaften ob. 1495 beſuchte er den Reichstag zu 
Worms. Nachher hielt er ſich am churmainziſchen Hofe auf. Vor ſeiner Wahl 
foll er im Dom zu Cöln und daſelbſt Sacriſta geweſen fern. Verſchiedene Umſtaͤn⸗ 
de bewogen den Orden beſonders dieſen Prinzen zu waͤhlen, ob er gleich zur Zeit ſeiner 
Wahl den deutſchen Orden nicht angenommen hatte. Er war unſtreitig aus einem 
maͤchtigen Hauſe, das mit andern deutſchen Haͤuſern, ſonderlich mit Brandenburg 
und Heſſen im beſten Vernehmen ſtand. Friedrichs Vater Albrecht batte ſich 
durch feine Tapferkeit nicht nur einen beſondern Beinamen, ſondern auch dadurch 
veoerzuͤgliche Gunſt beim kaiſerlichen Hofe erworben. Seine Berdienfte um Maximi⸗ 
lian 1 machten Hofnung daß derſelbe des Friedrichs ſich beſonders gegen Polen an⸗ 
nehmen würde. Da eine Schweſter des Königs von Polen mit Friedrichs Bruder 
Herzog Georg vermaͤlt worden, fo glaubte der Orden daß der königlich polniſche Hof 
aus dieſer Betrachtung fo genau auf die Erfuͤllung des ewigen Friedens nicht beſtehen 
würde, obgleich die Fälle ſehr ſelten zu nennen, daß Monarchen ihre Vortheile der 
Werwandtſchaft aufopfern. Man verheelte dem Friedrich bey der Bekanntmachung 
ſeiner Wahl die Bedingung nicht, daß er durchaus Polen nicht huldigen, ſondern den 
abgeriſſenen Theil wieder herbey ſchaffen ſolte. Dieſe Bedingung aber fehlen bedenk⸗ 
lich, und Friedrich ſchien anfänglich ſelbſt die Schwaͤgerſchaft feines Herrn Bruders 
von einem Amt abzuſchröcken, in dem er mit Polen nicht Freund bleiben konte. Und 
doch wolte er auch die angetragene 2 - gern fahren laſſen. Er befrug daher 

5 bb 2 


* = N. „ . 


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2499: 


Er will Po niß nach Cracau erfordert, allein der Orden wolte ihm ſolches zu thun durchaus nicht 


len durchaus 


nicht huldigen. geſtatten. Sie wuͤnſchten vielmehr, daß er fogleich den Krieg den Polacken ankuͤndi⸗ 


1500. 


2501, 


2502. 


1503. 


die Hochmeliſterwuͤrde uͤberlaſſen m). e 


380 Geſchichte von Preuſſen. 

auf dem deutſchen Reichstage zu Freyburg die Stände um Rath, weil das ganze 
Preuſſen dem deutſchen Orden von Reich wäre verliehen, aber unbefugter Weiſe dem⸗ 
ſelben entzogen worden. Die Reichs ſtaͤnde verſicherten ihn ihres Beiſtandes zu Aus⸗ 
fuͤhrung des Entwurfs, den der Orden gemacht. Dies muthigte ihn an, das ihm 
aufgetragene Amt anzunehmen. Er gieng alſo in Geſellſchaft feines Bruders Georgs 
nebſt vielen andern Grafen, Herren und Rittern soo bis 800 Pferde ſtark nach 
Preuſſen ab. Den zoften Sept. kam er nach Danzig, und von da langte er den 
Abend vor Michaelis zu Koͤnigsberg an. Am Michaelstage ward er daſelbſt in 
Geſellſchaft Nicolai von Altmanhauſen in den Orden eingekleddet, und ihm ſodenn 


9. 187. g 
Friedrich ward zwar 1499 vom Könige Johann Albrecht zur kehnsempfäng / 


gen möchte. Er hatte aber hiezu ebenfals keine kuſt, und ſuchte vielmehr beim Kalſen 
und andern Reichsfüͤrſten 1800 um ihre gütliche Vermittelung, damit Polen fich der 
Oberherrſchaft über die Kreuzherren friedlich begeben möchte. Als daher der König 
perfönfich in Thorn 1501 angekommen, und ihm aufs neue angelegen, ſich in 
Weiterungen zu verwickeln, wuſte der Hochmeiſter manche Entſchuldigungen beizubein 
gen, da ihm Kalſer Maximilian 1 die Eidesleiſtung unterſaget, und 
verſprochen hatte. Es langte auch wirklich eine kaiſerliche Geſandtſchaft in 
an. Als aber ſolche kaum ihr Gewerbe beim Koͤnige angebracht, legte ſolchen der Y 5 
ins Grab. An feine Stelle ward deſſen Bruder Alexander zum Könige 

Der Orden füchte hauptſächlich das polniſche Preuſſen durch Hülfe des deutſchen 
Reichs an ſich zu bringen. Seit dem Abfall deſſelben hatte Deutſchland nicht nut die 8 
beſten preußiſchen Staͤdte in das Verzeichniß derer gebracht, die zu den Reichsanfagen 
etwas beitragen, ſondern ſolche auch auf die deutſchen Keichegäge erfordert, obgle 

ſelben niemals erſchienen waren. Jetzt nahm die Reichskammer Klagen gegen Stadt 
e an, und weil ſich dieſer Ort in biefen auswärtigen unbefugten gar 
nicht einlaffen wolte, ward er 1502 ſogar in die Reichsacht erklaͤret. Der Orden 
bofte, daß dieſes der Stadt in ihrem Handel fo viel Unbequemlichkeit wür 
be, daß fich folche naͤher zum Ziel legen wurde. Allein Danzig ließ ſich de 
nicht ein, und füchte ſich durch polniſche Vorſtellungen der Anmaſſungen des 
ſchen Reichs und deſſen Gerichte zu entſthuͤtten. Der Hochmeſter beſefd (np ö 
ſtenburg und erwartete den Ausgang der Streitigkeiten mit Polen. Die Schein / 
heiligen, welche 1303: in Preuſſen ſich einfanden und Kittelbrüͤder hieſſen, kamen daher * 
zur Unzeit an. Man war ohnedies der vielen Orden uͤberdruͤßig, und ihr > 
machte zwar Yuffehen, veißte aber wenig zur Nachfolge. Alles war 5 rr 


m) Senneb. S. 205. 206. Mich. Bojemus Vita 1 Animoſi a 
e Reichst. Theatr. Max. 1 Vorſtell. 3. ©, 5 = nö 35 


Friedrich Herzog von Sachſen. 381 


tung, wie die Sache mit Polen laufen würde. Kaum erhielt der Hochmeiſter Nach» 
richt, daß 1504 der König Alexander Preuſſen beſuche, als er unter dem Vorwand 
wichtiger Geſchaͤfte nach Deutſchland abreißte. Des Kaiſers und einiger Reichsfuͤr 
ſten Geſandten ſuchten zwar feine Abweſenheit mit der Nothwendigkeit zu entſchuldi⸗ 
gen, aber der König ſahe zu deutlich, daß die ganze Reiſe hauptfächlich vorgenommen 
wap, die Gegenwart des Königs und die Eidesleiſtung zu vermeiden, und ſich nach 
Beiſtand umzuthun. Er beſchwerte ſich deswegen beim Papſt Julio 2, der auch 1580s 
den Hochmeiſter wirklich zu Ablegung der kehnspflicht anmahnete. Doch auch dieſes 
half nichts. Friedrich ſuchte vielmehr, fo wie bisher beſtaͤndig geſchehen, alſo beſon⸗ 
ders jetzt auf dem Reichstage zu Cöln Huͤlfe beim deutſchen Reich, und ließ daſelbſt 
eine Staatsſchrift wegen der Gründe uͤberreichen, warum der Orden an den 1466 den 
zgten Oct. geſchloſſenen Frieden nicht gebunden ſey. Nachdem darin eine Geſchicht⸗ 


maͤßige Erzehlung von dem ganzen Vorgange der Sachen in Preuſſen von Ankunft 


des Ordens bis zum letzten Friedens ſchluß beigebracht worden, glaubte der Orden ers 
weislich machen zu können, daß der Frieden mit Gewalt erzwungen, und viele Stuͤ⸗ 
cke darinnen wider GOtt und Recht, wider die freie Einſetzung des Ordens, und wis 
der die Freiheit der roͤmiſchen Kirche zu Schwaͤchung des deutſchen Reichs gemacht, 
und daher unguͤltig waͤren. 1. Habe Polen durch den Frieden nicht nur ganz Pom⸗ 
merellen, das Culmiſche und Michelauiſche dem Orden ohne Recht abgedrungen, 
ſondern auch Marienburg, Chriſtburg und Elbing an ſich geriffen, welche von je 
her zum eigentlichen alten Preuſſen und Pomezanien gehort, das der Orden mit 
Blut den Heiden abgenommen, und worauf Polen nicht den Schein eines rechtlichen 


Anſpruchs jemals haben koͤnnen. 2. Der Orden ſey dem Papſt ohne Mittel unter / 
worfen, und den Marianern verboten, ohne paͤpſtliche Bewilligung Preuſſen zu 
entfremden, oder anderer Hertſchaft zu unterwerfen, und doch ſey ſolches in dem Frie⸗ 


den geſchehen. 3. Die Veraͤuſſerung iſt ohne des deutſchen Reichs Willen, das doch 
des Hochmeiſters Oberherr iſt, und ohne Einwilligung der Meiſter aus Deutſchland, 


Wauͤlſchland und Liefland geſchehen, die doch nothwendig Härten einwilligen ꝛnuͤſſen. Auch 


der deutſche Adel hat nicht ſeine Einwilligung gegeben, da doch Preuſſen dem Orden, 
als des deutſchen Adels Hoſpital, vom deutſchen Adel erworben iſt. Im Frieden 
ſtuͤnde aber, daß der Orden auſſer dem Papſt blos Polen für feinen Oberherrn erfens 


nen. Es habe ſich zwar im 1öten Artikel der Orden aller Ordens ⸗Beynadigungen und 


Freiheiten verziehen mit Vorwiſſen und Willen der Meiſter von Deutſchland und Lief ⸗ 
land, aber er hat ſolches doch ohne ſonderliche Zufaffung des Papſts nicht thun können, 


« und der ganze Frieden iſt blos aus Noth geſchloſſen, und aus Furcht eingegangen, dar 


mit der Orden nicht das ganze Land einbuͤſſe. 3. Der Orden ſteht nur unter dem 
Papſt, und es ſey gegen GOtt, Recht und Vernunft, daß nach dem Frieden der Abs 


nig von Polen mit St. Peter gleich ſeyn, und der Orden halb unter dem Papſt, halb 


unter Polen ſtehen ſollen. 4. Nach poͤpſtlichen Begnadigungen ſoll der Hochmeiſter 
keinem Fuͤrſten mit Eiden verwand ſeyn, und nach dem Frieden ſoll er doch dem Koͤni⸗ 
5 Ne i Bbb 3 | ge 


1504. 


1505. 


1505. 


382 Geſchichte von Preuſſen. 
ge ſchwören. 5. Der Orden iſt von Deutſchen und vor Deutſche allein eingeſetzt, 
und laut dem Frieden muͤſſen die Helfte Polacken in den Orden eingenommen und mit 
Aemtern verſehen werden, dadurch leicht geſchehen kann, daß die Deutſchen im Or⸗ 
den ganz ausgiengen, weil der deutſche Adel ſchwerlich in einen Orden treten würde, 

in dem Fremde was zu ſagen haͤtten. Ohne den Schaden zu betrachten, den der deut⸗ 
ſche Adel davon habe, fo fen zu bedenken, daß es ſehr unſchicklich fen, daß deutſche 
tehngüter der verſtorbenen Ritter, die dem Orden zu fallen, in polniſche Hände kom⸗ 
men ſolten. 7. Im Frieden iſt verſprochen, daß auch alles kand, was der Orden 
kuͤnftig von den Heiden erobern würde, den Polacken unterwuͤrſig ſeyn ſolte , da 
ſolch Land doch billig dem roͤmiſchen Stul allein zuſtehe. 8. Der Orden hat im 
Frieden verſprochen, dem polniſchen Reich ewig gegen alle feine Feinde belzuſtehen. 
Da aber der Orden in den entſetzlichſten Schulden ſtecke, ſo muͤſte er den ubrigen Theil 
von Preuſſen vollends verkaufen, wenn er dieſem Verſprechen nachkommen wolte. 
Ueberdies konte Polen gegen chriſtliche Fuͤrſten, und ſonderlich gegen das deutſche 
Reich Krieg bekommen, gegen die der Orden unmöglich zu Felde gehen kann, und es kön ⸗ 
ne daher ſehr geſaͤhrlich ſeyn, einen ſolchen Frieden zu beſchworen. 9. Nach dem Fries 
den iſt veſtgeſetzt, daß weder Papſt, noch Kirchenverſammlung, noch irgend eine am 
dere Macht dieſen Frieden mit Gultigkeit anfechten, oder einen Thell davon entbinden 
foll, da es doch mit dem Chriſtenthum ftreite, zu glaͤuben, daß dem Papſt oder Kir, 
chenverſammlung die Hände fo gebunden werden können. 10. Die Polacken wollen 
dieſen höchft unbilligen Frieden beobachtet wiſſen, da fie doch vorher ſechs andere bill. 

ge und gerechte ewige Frieden nicht gehalten haben. Der Orden erbiete ſich daher: 
zu. durch den Papſt, Kaiſer, die Cardinale, oder andere chrlſtliche Fuͤrſten erkennen 
zu laffen, ob die Polacken den Lehnseid, vermöge dieſes unguͤltigen Friedens, zu for 
dern berechtiget., Der Kaiſer ließ ſich durch diefe Vorſtellung bewegen, die Cartir 
nalsverſammlung zu erſuchen, ſich bey dieſen Sachen mehr des Ordens als der Pola⸗ 
cken anzunehmen, und erhielt dadurch ſo viel, daß Polen durch den Papſt den Hoch ⸗ 
meiſter zu Ablegung des kehneides nicht bringen konte. In der That aber waren des 
Ordens Gründe gegen den Frieden ſchlecht. Denn 1. iſt der Krieg ein Erwerbungs⸗ 
mittel unter Völkern, und nach dem Frieden iſt fo wenig weiter erlaubt ſowol über die 
Gruͤnde der gemachten Rechtsanſpruͤche, als über die Zwangsmittel, wodurch der Fries 
den erzwungen, da der Krieg ein erlaubtes Zwangmittel iſt, zu ſtreiten. 2. Der paͤpſt⸗ 
liche Geſandte hatte den Frieden vermittelt, daher auch der Friede gültig iſt, in f 
weit von geiftlichen Perſonen, als vom Biſchof von Culm darin gehandelt iſt. 3 Me 
hatte mit dem Hochmeiſter in Preuſſen, und nicht mit den Meiſtern in Deutſch 
und Liefland zu chun. Deutſchlands Einwilligung war eben fo unndchig als 
Adels von Deutſchland, deſſen Krankenhaus ſich der Orden nennet „da dieſer 
den blos Preuſſen, und nicht die deutſchen Ordenslande angieng. 4. Es be 
mit GOtt, Recht und Vernunft ganz wohl, daß der Orden im Geiſtlichen dem P. 
und im Weltlichen Polen unterwuͤrſig ſeyn ſolte, wie ſolches Rudolph Big 


| Friedrich Herzog von Sachſen. 2383 
1 Lavant ſelbſt erkannte. 5. Ohne zu unterſuchen, ob die Päpfte, die ohnedies kuͤnftige 1505. 
Zeitumſtaͤnde nicht wiſſen konten, dem Hochmeiſter verbieten konten ſich gegen keinen 
mit Eiden zu verpflichten, fo hatte durch den paͤpſtlichen Bevollmaͤchtigten der Papſt 
dieſen Umſtand geändert. 6. Nicht der deutſche Adel, ſondern die im Orden befind⸗ 
lichen Perſonen machen den Orden aus, und ſchon laͤngſt vorher hatte der Orden ſchon 
freiwillig Polacken, Preuſſen und andere ohne Bedenklichkeit in den Orden aufge⸗ 
nommen. Die Bedienungen, die die Polacken bekommen ſolten, giengen nur Preuſ⸗ 
ſen, nicht Deutſchland an, und da die Helfte Ordensglieder Deutſche blieben, ſo 
konte durch die das verwaltet werden, was dem Orden etwa von Lehnguͤtern in 
Deutſchland zufiel. 7. Es iſt irrig, daß dem Papſt der Helden land gehöre, und 
daher alles was denen abgenommen wird, dem paͤpſtlichen Stul nothwendig, und kei⸗ 
nem andern unterwuͤrſig ſeyn muͤſſe. 8. Der vom Orden verſprochene Beiftand muſte 
nach Möglichkeit gelelſtet werden. Aller Schulden unerachtet hatte ſchon Hans von 
Tiefen ſolchen möglich zu machen gewuſt. Und da der Orden wegen Preuſſen nie⸗ 
mals dem deutſchen Reich unterworfen geweſen, ſo konte er, wenn kein Mittel ſol⸗ 
ches zu verhindern ausfindig zu machen, allerdings feinem lehnsherrn von Preuſſen 
Huͤlfe auch gegen Deutſchland leiſten. Er konte dadurch ein Feind des Reichs wer⸗ 
den, ohnerachtet in ſolchen Umftänden wegen der deutſchen Ordensguͤter in Deutſch⸗ 
land vom Deutſchmeiſter dem Reich Beiftand hatte geleifter werden muͤſſen; und warum 
ſolten die Ritter in Preuſſen ſich nicht zur Huͤlfe vor Polen gebrauchen laſſen, da 
die, welche unter Spanien ſtunden, ebenfals zum Beiſtand dieſer Krone gegen alle 
Feinde verpflichtet waren? Bey andern chriſtlichen Mächten fält dies ohnehin weg, und 
der Orden hatte ja ſchon vorher gegen Pommern und Polen den Degen geführt. 9. Papſt, 
Kirchenverſammlung u. ſ. w. kann ohnedies keinen Frieden aufheben, der gültig, und 
wenn ſolcher unguͤltig, braucht man nicht erſt deſſen Aufhebung abzuwarten. 10. Die Po⸗ 
lacken beklagten ſich, daß der Orden an dem Bruch derer vorigen Frieden Schuld gewe⸗ 
ſen, und die vorigen widerrechtlichen Handlungen des einen Theils machen die nachfolgen⸗ 
den des andern Theils nicht gültiger. 1. Polen brauchte keinen Richter über ſich zu erken⸗ 
nen, da es den einmal geſchloſſenen Frieden und deſſen klaren Buchſtaben vor ſich hatte 1). 


§. 188. 


Zaum gröften Gluͤck vor den Orden befand ſich König Alexander von Polen mit Er macht ge; 
andern Geſchaͤften zu ſehr beladen. Er ließ Unterhandlungen mit denen Geſandten des 3 ent, 
Herzogs Bogislaus von Pommern, mit dem Döring Ramel und George Kleift pfle ee 125 
gen. Sie betrafen theils die verlaufenen Bauren, theils die Straſſenraͤubereien derer 
Gebrüder Matern, deren ſich Claus Puttkammer durch Vorbitten annahm, theils 

das Lauenburgſche und Buͤtowſche. Die letztern Orte blieben jedoch, beſonders in 
Abſicht der Vermaͤlung Bogislai mit einer polniſchen Prinzeßin bey Pommern. 
Weit erheblicher war der Krieg Alexanders mit Rußland, welcher ebenfals Polen 

8 1 N RER: verhin ⸗ 


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Schief 46 f 40. 


1505. 
1506, 


1507. 


ſoll ſich mit einem Harniſch, als mit einem Blechpanzer und Koller, 


384 Geſchichte von Preuſſen. : 
verhinderte gegen den Orden Strenge zu brauchen. Es befochten zwar die Polacken 
über die Ruſſen 1506 einige Vorcheile. Aber König Alexander gieng gleich darauf 
zu Grabe. Nach ihm ward von den Polacken, deſſen jüngiter Bruder Sigisn 

zum Könige erwählt, welcher einer von denen begluͤckteſten Monarchen der Polacken 
geweſen. Friedrich ſahe voraus, daß dieſer Prinz auf den kehnseid fo gut als feine 
Vorgänger dringen wuͤrde, und hatte doch keine kuſt, ſich in Krieg einzulaſſen. Viel 
mehr zeigte er feine kiebe zum Frieden bey aller Gelegenheit. Da ihm einsmals der 
Biſchof von Ermeland die gehörigen Ehrenbenennungen eines Reichsfuͤrſten nicht geben 
wolte, ſuchte man den Hochmeifter zu bereden, einige Gebieter ihm ins Land zu ſchicken, 
und Rache darin nehmen zu laſſen. Mein, ſagte Friedrich, ich will nicht Schuld an 
dem Bruch des Friedens ſeyn, den deſſen Unterthanen genuͤſſen. Bey dem allen 
war von der polniſchen Seite nichts als Krieg zu vermuthen. Unſer Hochmeiſter ſtellte 
eine Ordensverſammlung dieſer Angelegenheit wegen 1507 zu Memel an, wo ſich auch 
Walther von Plettenberg der lieflaͤndiſche kandmeiſter eingefunden. Man beſchloß 
hier zwar alles zum Kriege fertig zu machen, aber ſolchen doch nicht eben anzufangen. 
Der Hochmeiſter folte, um einen Vorwand zu haben, nicht huldigen zu duͤrfen, nach 
Deutſchland abreifen, und vor Beendigung dieſer Angelegenheit nicht zuruͤckkommen. 
Indeſſen ſolte das Land durch Starthalter regiert werden. Ehe aber der Hochmeiſter 
wirklich das Land verließ, machte er noch die hellſamſten Geſetze, und verglich ſich mit 
dem Biſchof von Ermeland dahin, daß ſolche auch in ſeinem Stift gelten ſolten. Da 
ſolche die letzten ſind, die der Orden in Preuſſen gegeben, ſo will ich ihren Inhalt, 
wie ſolche theils Leo, theils der ſelige Herr Kriegsrath von Werner uns aufbehalten, 
anführen. 1. Beſtimmte man, wie es mit dem Handel, 2. mit den Zuſammenkuͤnften 
der Zünfte, und 3. mit rathhaͤuslichen und Gerichtsverſammlungen an Sonn / und Feier 
tagen zu halten. 4. Welche Spiele und wie hoch zu ſolelen erlaubt ſey. 5. Wie es 
mit Hochzeiten und Kindelbier, 6. mit der Schöppenfoft, 7. wie oft und wie die 
Handwerksverſammlungen zu halten. 8. Der gute Montag wird verboten. 9. Der 
Handwerksgeſell muß ein Vierteljahr bey feinem Meifter bleiben, wenn ihn ſolcher ber 
halten will. 10. Eine Meile um die Städte foll kein Handwerker auf Dörfern woh⸗ 
nen. 11. Die Handwerker ſollen keinen uͤberſetzen. 12. Jeder Beſitzer eines Hauses 


z 


KHandbrichfe verforgen, und keiner das Bürgerrecht erhalten, der ſich damit ne 
ſotget hat. 13. Wer das Buͤrgerrecht haben will muß dem Orden und Math ſchwö⸗ 
ren. 14. Gegen feine Herrſchaft ſoll kein Buͤndniß gemacht, und Zwietra 1 em 


werden. 15. Zu keiner Sache foll die ganze Buͤrgerſchaft vom Rath zufammen g. 5 
dert werden. 16. Die Bürger ſollen keine Kauf: oder Bierpreiſe zu ſetzen M 
17. Die Fischerey und der Heringfang wird nach den Geſetzen getrieben. ig De 
Landesbauer gehort dem, dem er zuerſt zugehöret hat. 19. Kommt ein Bau r au wo 
halb des Landes herein, fo kann er ſich in ein Dorf fegen, wo er will, Wer aber aus 
einem Stift herkommt, als Ermeland und Culm, foll ſich in ein Stiftsdorf f 


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| Friedrich Herzog von Sachſen. 385 
aber kommt er aus einem Ordensort, (wohin man das übrige polniſche Preuſſen zu 
rechnen ſcheint), ſo laͤßt ſich ſolcher im Ordensdorf nieder. 20. Der fandmann fol 
den Ackerbau und nicht Handlung treiben. 21. Das Geſinde ſoll ihr Jahr aus dies 
nen, und denn kann Herrſchaft oder Geſinde den Dienſt aufkuͤndigen. 22. Wo der 
Dienſtbote ſich zuerſt hin vermiethet, zu der Herrſchaft muß er ziehen. 23. Dienſt⸗ 
leute können zwar auch in der Erndte oder Heuſchlag heirathen, muͤſſen aber ſelbſt, oder 
durch einen andern, die Arbeit verrichten laſſen. 24. Dienſtboten muͤſſen länger nicht 
als 14 Tage ohne Herrſchaft, auſſer bey Eltern und Verwandten bleiben, ſonſt werden 
ſie in die Kette geſpannet, oder muͤſſen ein Jahr umſonſt dienen. Wer ein Geſinde 
auffer der Zeit miethet, muß ſolchem ein ganzes Jahrlohn geben. 25. Das Geſin⸗ 
de kann man miethen ohne ihm Ausſaat zu verſprechen. Wenn ſie Erlaubniß von 
der Herrſchaft haben auszugehen, muͤſſen fie nicht über die erlaubte Zeit ausbleiben. 
26. Kein Ladiggänger wird auf Dörfern gelitten. 27. Polacken und Lithauer ſollen 
kein Feuer oder anderes Gewehr tragen. 28. Kein Meiſter ſoll einen Geſellen annehmen, 
der von dem vorigen auffer der gewoͤnlichen Zeit wandert. 29. Ein Geiſtlicher ſoll den 
talen vor feinen weltlichen Richter belangen. 30. Der Schultze mahnt den Zehenten 
vor den Geiſtlichen, pfaͤndt den Saͤumigen, und uͤberglebt das Pfand dem Geiſtlichen, 
der ſich in einer gewiſſen Zeit an dem Pfande halten kann. zr. Wie es mit denen zu hal⸗ 
ten, die wuͤſte Hufen annehmen. 32. Die Kirchenvorſteher legen in Gegenwart des lehn⸗ 
herrn und Pfarrers ihre Rechnungen ab. 23. Die Herrſchaft ſoll ihr preußiſch und li⸗ 
thauiſch Seſinde mehr im Chriſtenthum unterweiſen laſſen. 34. Zauberer und Got⸗ 
teslaͤſterer werden überall angehalten und beſtraft. 35. Keiner ſoll alte Kleider als neue 
aufpugen, und kein Schneider auf den Kauf Kleider machen. 36. Wer andere ver⸗ 
wundet oder ermordet wird Überall angehalten. 37. Acht Tage nach Martini wird 
der Preiß des Bieres beſtimmt. 38. Die Fiſcher ſollen dem Tief nicht zu nahe kom⸗ 
men, damit der Fiſch ins Haf kommen könne. 39. Die Verpachtung der Fiſcherey 
im friſchen und curiſchen Haf dauret, der Armuth zum Beſten, nur bis auf Aller⸗ 
Heiligen. 40. Jeder entlaufene Dienſtbote ſoll auch an den Fehren angehalten und 
feinem Herrn ausgeliefert werden. 41. Kelner nimmt einen Bauer an, der nicht Be⸗ 
weiſe vorbringt / daß er mit gutem Wiſſen feines vorigen Herrn weggezogen. 42. Nies 
mand ſoll einem vom Orden, dem Rath, oder andern beeidigten oder würdigen Perſo⸗ 
nen, geiſt oder weltlichen Leuten, Frauen und Jungfrauen was uͤbles oder nachtheiliges 
nochreden. 43. Wenn ein geſunder Menſch bettelt, ſoll aus ihm ein Ragniter, (das iſt 
ein Veſtungsgefangener zu Ragnit), gemacht werden. 44. Wegen Mordes, Rau⸗ 


bes und Brandes darf kein unbekannter Fremder anders als im Wirthshauſe, und 


nicht laͤnger ohne erhebliche Urſache als einen Tag beherberget werden. 44. In kleinen 
Städten haben die Bürger auf den Worhenmärften den Vorkauf. 45. Die öffentlis 
chen Meſſer ſollen in Gegenwart des oberſten Burggrafen ſchwören, und denn jedem 


recht meſſen. 46. Der Hopfen wird nach dem gezeichneten Hopfen Scheffel gemefs 


fen. 47. Ungewönliche Käufe, oder die im trunkenen Muth geſchloſſen, find unguͤl⸗ 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Cee tig. 


1507. 


1507. 


Er ſtirbt in 
—n Marſchall in Holland, gab man 1508 Schuld, daß er diejenigen hege, die im 


150 


1509. 


1510, 


als wider die Gültigkeit des ewigen. Friedens vorbrachten, wolte der 


3885 Geſchichte von Preuſſen. 
tig. 48. Wenn ein Bauer nicht viel Pferde oder Vieh hat, darf er keines davon im 
letzten Willen vermachen, damit die Guͤter nicht verwuͤſtet werden. 49. Aus Samei⸗ 
ten, Lithauen und Maſovien muß niemand unrechte Straffen fahren. so. Auf 
dem bande muß nichts verkauft, ſondern in die Staͤdte zu Markt gebracht werben. „ 
Nachher uͤbertrug der Hochmeister die Verwaltung der Landesregierung den obriſten Dis 


densbedienten, und reißte zu ſeinen Herren Bruͤdern nach Deutschland ab o). 
§. 189. 
Seit dieſem 00 die Streitigkeit mit Polen zu. Dem Oben fnbefih tem 


ee 


ſchen Antheil Pluͤnderungen vorgenommen der aber ſolches nicht auf fich kommen laſſen 
wolte, und man ſuchte den Koͤnig Sigismund zu bewegen, ſeine Rechte gegen den 
Orden nicht durch Bitten und Botſchaft, ſondern mit dem Schwerd zu verfolgen, 
weil 1509 in den Ordensſchlöſſern bereits Kriegsruͤſtungen gemacht wurden. Der 
Hochmeiſter brachte beim Kalſer eine kadung auf den Reichstag nach Worms gegen 
die Staͤdte Danzig, Elbing und Thorn aus, welche ſich durch Abfall ihren recht 
mäßigen Herrn entzogen hätten. Sigmund aber verbot, ihnen durchaus vor keinen aus / 
waͤrtigen Richter ſich einzulaſſen, und verſprach fie zu vertreten. Weil nun der Hoch 
meiſter ſich beftändig in feinen Streitigkeiten mit Polen auf den Ausſpruch unpan 
tellſcher Richter berief, fo erhielt der Kalſer Maximilian durch Geſandte beim Kön 

ge von Polen, daß 1810 zu Beilegung der Irrungen eine Verſammlung zu 

geſtellet wurde. Auſſer den Geſandten des Königs von Polen und des Hochmeiſters k 
fanden ſich auch Bevollmächtigte des Kaifers , des Könige von Ungarn und vieler 
Chur und Fuͤrſten des Reichs ein. Des Hochmeiſters Geſandte verlangten die Aufhe 
bung, die polniſchen die Beibehaltung des ewigen Friedens. Auſſer was beide Their 

le zu Unterſtuͤtzung ihrer alten Gerechtfame und Anſpruͤche auf Preuſſen ſowol ui 


” 


eingeſtehen: „1. daß er ſelbſt oder durch feine Brüder und Vettern ſich zu Er il 
des Friedens anheiſchig gemacht, als in fo fern ſolches mit feinem Gewiſſen überein. 
komme. 2. Daß er die polniſchen Unterthanen beſchaͤdigen laſſen. 3. Daß Or 
den gegen deſſen Einſetzung in Preuſſen muͤßig ſey, und nicht gegen die * 
ſechte, da er nach allem Vermögen den Orden in Liefland, mit dem er ein leib en, 
gegen die Ruſſen geſtaͤrkt habe, und 4. daß die polniſchen Preuſſen eee An 
weſen, den Gehorſam ihren Oberherrn aufzukuͤndigen. Da aber die Verſammlung z 
Poſen, auf welcher der Biſchof von Pomezanien Job von Seiten des Ordens 
Wort fuͤhrte, und dahin der paͤpſtliche Geſandte zu ſpaͤt ankam, blos die Streitigfi 

ten vermitteln ſolte, hier aber kein Theil nachgeben, Polen auch die V rbindlichkeiten 
des ewigen Friedens weder auf 20 noch auf 10 Jaht ausfegen wolte, fo‘ ward zwar 

ſchloſſen, die Ausſöhnung beider Theile auf einer anderweitigen Zuſammen 


o) Schüg f gu: 431. Benneb. S. 206, 


5 


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* 


* 


Friedrich Herzog von Sachsen. 387 


ſuchen. Aber der Hochmeiſter erlebte ſolches nicht. Er war kurz vor der Unterhand⸗ 


lung zu Poſen zum Nachfolger des Erzbiſchofs Ernſts von Magdeburg feines Vet⸗ 
ters, erwähle worden. Nicht nur die preußiſchen Geſchicheſchreiber, ſondern auch 
die Ehrenbenennung eines Coadiutoris des Hochſtifts Magdeburg, womit er zu 
Poſen belegt wird, beweifen dieſen Umſtand augenſcheinlich, ob es mich gleich wun⸗ 
dert, daß die beſten Geſchichtſchreiber, die vom Erzſtift Magdeburg gehandelt, fol 
ches nicht erwehnen. Der Hochmeiſter Friedrich hatte ſich meiſtens ſeit der Zeit, daß 
er aus Preuſſen gegangen, zu Rochlitz aufgehalten. Hier gieng er Sonnabends 
nach Lucia mit Tode ab. Er ſtarb an der Waſſerſucht. Da er faſt zwey Jahr bett⸗ 
lägerig geweſen, und in feiner Krankheit eins mals zwey ganzer Tage hinter einander ges 
blutet, fo iſt dieſes alles hinreichend zu zeigen, daß er nicht, wie einige vorgeben wol⸗ 
len, an beigebrachtem Gift geſtorben. Er iſt der einzige Hochmeiſter, der ſeit dem 


ewigen Frieden den Eid an Polen nicht abgelegt, und doch theils durch feine Abwe⸗ 


ſenheit, theils durch Unterhandlungen die polniſchen Monarchen immer hingehalten, 
keine Gewalt zu brauchen. Seine Verwandtſchaft mit denenſelben und ihre Kriege 
gegen Rußland verhinderten aber ebenfals die Polacken mit Gewalt auf den lehnseid 


zu dringen. Friedrich iſt auch nicht in Preuſſen begraben, ſondern fand im Dom 


zu Meiſſen bey feinen Verwandten feine Ruheſtaͤtte. Unter feiner Regierung, in wel⸗ 
cher er verdienſtvolle deute ohne Abſicht des Adelſtandes hervorzog, ſoll ein Stuͤck Bern⸗ 
ſtein in Preuſſen gefunden ſeyn, worin man einen geſchriebenen Zettel mit der Nach⸗ 
richt gefunden, daß 1332 unter dem Hochmeiſter Luther von Braunſchweig, Bruder 
Hermegaſtus von Arfberg Bernſtein Pfleger zu Lochſtaͤdt dieſes Stuͤck aus denen 
ſamlaͤndiſchen Sandbergen bekommen, und zur Nachricht mit dieſer Schrift wieder 
in die See geworfen habe. Unter ihm fieng man in Preuffen an in Faſtentagen Milch 
und Eyer zu eſſen. Man war des ſclaviſchen Zwanges uͤberdruͤßig, und eben der 
Druck und die Sclaverey des roͤmiſchen Jochs, welche die Chriſten uͤberdruͤßig gewor⸗ 
den, waren beffere Vorboten einer Kirchenverdeſſerung als die Fabel, daß unter Fries 


IIS. 


drichs Regierung in Preuſſen auf dem Acker des Johann Gablenz ſtatt des geſaͤten 


Weitzens Knoblauch gewachſen P). 
5 $. 190. 
Die Woche für lichtmeſſe ısıı verſammleten fich die Ordensgebleter zu Koͤnigs⸗ 


1sır. 


rr 


berg, um eine neue Wahl vorzunehmen. Die Meinungen wegen desjenigen, den. Marggraf 
man zum Hochmeiſter waͤhlen wolte, waren getheilt. Einige glaubten zutraͤglicher zu 3 
ſeyn einen Ritter aus ihrem Mittel als eine fürftliche Perſon zu wahlen. Die letzteren wird bochmei⸗ 
befolgten ſelten die Vorſchriften genau, und verurſachten bey ihrem Stande erhebliche ſter. 
Koſten, da bey den jetzigen Zeiten auf weit andere Art die Einkuͤnfte anzuwenden, 

als daß man damit eine anſehnliche Hofhaltung unterhalten muͤſſe. Die meiſten ſtimm⸗ 

ten aber für einen Prinzen aus anſehnlichem Haufe, der ihnen am kaiſerlichen und ars 

dern deutſchen Höfen Beiſtand verſchaffen konte, da der Orden allein vor ſich ohne 

5 Cee 2 fremde 


0 ) Schutz fı 451 + 4e Leo S. 336.347. Senneb. D. 206. Bejemi Vita Alberti Animofi. p. 103. 


388 SGSieſchichte von Preuſſen. 
u. fremde Hͤͤlfe viel zu ſchwach ſey, feinen einmal veſt geſetzten Entwurf sch von Polen 

loszumachen, und das polnifche Preuſſen zuruck zu erobern, auszuführen und durchzutrei⸗ 
ben. Der Kaiſer Maximilian und der Churfuͤrſt von Brandenburg Jvachim 1 hat 
ten den Marggrafen von Brandenburg Albrecht aus der altfraͤnkiſchen kinte in Bor 
fihlag gebracht. Er war ein Enkel Churfürſt Albrechts von randenburg ein 
Sohn Marggraf Friedrich des altern und Sophia einer Tochter des Caſimirs und 
Schweſter des damaligen polniſchen Königs Sigmunds. Eben dieſer letzte Umſtand 
beförderte feine Wahl am meiſten, weil der Orden glaubte, durch die Verwandtſchaft 
des Hochmeiſters ihre Entwuͤrfe in der Güte durchzutreiben. 1490 den ırten Mag 
hatte Albrecht zuerſt in Anſpach die Welt erblickt. Er widmete ſich dem geiſtlichen Stan 

de und Erzbiſchof Hermann von Eöln aus dem Haufe der kandgrafen zu Heſſen, bat 

te ſich mit feiner Erziehung beſchaͤftiget, und ihm eine Domherrnſtelle im hohen Stift 
Eöln verſchaft. Er hatte ſich aber auch ſowol am Hofe des Kaifers bekandt gemacht, 
als auch bereits einigen Feldzuͤgen, ſonderlich 1408 und 1409 gegen die 

in Italien und der Belagerung von Padua beigewohnt. Dieſes ſowol als feine per 
foͤnlichen Eigenſchaften befoͤrderten feine Wahl. Der Kaiſer und das Reich hielt ſeh 
bige fuͤr den Orden ſehr vortheilhaft, und der erſte half den Marggrafen Fri 

Altern bewegen, einzuwilligen, daß fein Sohn Albrecht den deutſchen 3 
Hochmelſterwuͤrde, aller bedenklichen Zeitumſtaͤnde unerachtet, annehmen möchte, als 
Graf Wilhelm von Zfenburg Ordensmarſchall, und andere Abgeordneten 

davon nach Anſpach brachten. Weil nun Albrecht bisher noch nicht zum 

Orden gehort hatte, fo gieng er nach Mergentheim ab, wo er erſt in Beben 
gekleidet, und ihm ſodenn die Wahlurkunde überreicht ward. Da ber Orden 
deutſche Huͤlfe feinen Entwurf gegen Polen ausführen wolte, fo beſprach ſich 
brecht nach angenommener Wurde vorzüglich mit dem Kaifer, welcher ſich der Un 
fände ebenfals bedienen wolte, um Preuſſen zu Deutſchland zu ziehen, und daher 

15. 1512 auch auf den deutſchen Reichstaͤgen zu Cöln und Trier in Vorſchlag brachte, 

Preuſſen zu einem eigenen Kreife zu machen, der aber niemals zur Wirklichkeit 
fo wenig als der Orden feinen Zweck erreichte, ohnerachtet Albrecht alles Kier! 
than, was in feinen Kräften ſtand. Sein Herr Bruder Eafimir reiſete aum 


ger des Königs nach Polen, wo auf dem Rechtstage zu Peterkau man zwar anfän 5 
lich in Vorſchlag brachte, daß Albrecht nicht eher nach Preuſſen durdgulfkn, . 


er den lehnseld abgelegt hätte, nachmals aber mit Marggraf Cafimir ſich 
glich, daß der neue Hochmeiſter ſicher von Preuſſen Beſitz nehmen, fi n 
laut dem Frieden den Eid ablegen ſolte. Polen verſprach künftig nicht auf 
dringen, daß Polacken in den Orden aufgenommen wurden. Es wolte der König 
ſogar den Kreuzherrn ein Stück kandes in Podolien einräumen, um, ihrem Oelübde 
gemäß, Gelegenheit zu haben gegen Unglaͤubige zu fechten, und es wolte der König fr 
ſogar jährlich dem Orden zu dieſen heiligen Kriegen ein Huͤlfsgeld vom 2000 I 
gariſchen Gulden auszahlen laſen. Caſimir, der das nicht N konte, wa 
N 8 4 


Marggraf Abrecht von Brandenburg. 389 


Am Namen feines’ Bruders Albrechts und des Ordens geſucht, nahm das an, was er 1512. 
erhalten konte. Der König befahl ſodenn in ganz Preuſſen dem Hochmeiſter mit der 
Achtung zu begegnen, die ſeinem Schweſterſohn gebuͤhre. Auſſer dem Marggrafen 
Caſimir war von Seiten des Hochmeiſters auch der pomeſaniſche Biſchof Job von 
Dobeneck in Polen geweſen. Beide kamen zum Hochmeiſter, der ſich in vorneh⸗ 
mer Begleitung mit 400 Pferden uͤber Berlin den Grenzen Preuſſens naͤherte. In 
Danzig ſowol als Marienburg war ſchon alles zu feiner Bewirthung bereitet. Es 
gefiel ihm aber über Poſen, Thorn, Rieſenburg und Holland nach Königsberg 
zu kommen, wo er bey ſehr ſtuͤrmiſchem Regenwetter mit ſeinem Gefolge in ſchwarzer 
Tracht, weil er eben wegen feiner Frau Mutter in der Trauer ſich befand, den ꝛaſten 
Nov. am Tage Cecilia ſeinen öffentlichen Einzug hielt, und die Regierung antrat J. 


§. 191. 

Dem Willen ſeiner Ordensbruͤder zufolge gab er ſich alle Mühe dasjenige aus zu · Er will durch⸗ 
fuͤhren, was man bey feiner Wahl votzuͤglich von ihm verlangt hatte. Eine gute Wirth . dem 
ſchaft war die Seele der Regierung. Weil nun diejenigen, welche den Bernſtein er — eld 
ſammlen duͤrfen, und gegen deſſen Einlieferung ein gleiches Maaß Salz empfingen, ablegen. 
vieles an Fremde uͤberlaſſen, und alſo den Orden bevortheilet, fo beſtellte er gleich ges 
wiſſe vereldete Aufſeher über diejenigen, welche den Bernſtein ſammleten. Auf die 
Nachricht, daß ſich bey Ragnit aus Sameiten Mordbrenner eingefunden, gieng er 
ſelbſt mit einiger Mannſchaft dahin ab, konte aber die Boͤſewichter, die ſich in die 
Suͤmpfe gezogen, nicht bekommen. Nun verlangte König Sigmund vom Hochmei⸗ 
fſter Albrecht dem nachzukommen, was man in Peterkau bellebt hatte, dieſer aber 
weigerte ſich deſſen, da Caſimir dieſe Vorſchlaͤge anzunehmen, nicht bevollmaͤchelgt 
geweſen, und entſchloß fich dem Ordensentwurf gemaͤß, den Eid niemals abzulegen. 

Sowol des Könige Vorſtellungen, als auch der Rath Marggraf Caſimirs und des “ 
Churfürften Joachims 1, die der König erſucht hatte, den Hochmeiſter, den er als 
Verwandter liebe, von ſeinem Ungluͤck, das er ſich zuziehe, abzuhalten, waten ver⸗ 
gebens, da der Hochmeiſter dasjenige thun muſte, was der Orden verlangte. Als 
brecht berief ſich, als Sigmund ihm unter Bedrohung der gewaltſamſten Mittel 18tz 1513. 
Pfingſten zur Zeit der Eidesleiſtung angeſetzt, darauf, daß er ohne des Papſts, ohne des 2 
Reichs und der landmeiſter in deutſchen und waͤlſchen Landen Vor wiſſen ſich dazu 
nicht verſtehen koͤnte, deren Meinung einzuholen er bereits Geſandten abgeſchickt habe. 
Der Papft Leo 10 verlangte von dem Könige die Entſcheidung feiner Streitigkeiten 
ihm oder einer lateraniſchen Kirchenverſaenmlung zu uͤberlaſſen. Durch ein anderwei⸗ 
tiges Schreiben begehrte er ſolches um fo mehr von Polen, weil dem Kaifer, dem 
9— — ad ganz Deutſchland da daran gelegen, daß dem Orden nicht zu nahe ron, 


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a 2 Da Hen M. Friedrich Samuel Bock von aus echten Quellen geliefert, fo will ich ſolche 
ie Leben die ſes letzten Hochmeiſters und erſten ſtatt aller Beweiſe anführen. Vom Antrlt feiner 
Herzogen Albrechts eine eigene Lebensbeſchreibung 9 handelt Herr Bock S. 60 bis 87. 


1533. 


300 Geeſchichte von Preuſſen. 


Als aber polniſche Geſandten dem Papſt vorſtellten, daß der Hochmeiſter — ben 
Marggraf Caſimir fich bereits zu Peterkau verglichen, Albrecht aber den Vergleich nicht 
halten wolte ſo verlangte Leo 10 vom Hochmeiſter dem Vergleich nachzukommen, und 
dem Orden befahl er, den Hochmeiſter daran nicht zu hindern, ſondern ſolchen viel 
mehr dazu anzuhalten. Doch alles dies war vergeblich. Der Orden blieb bey ſeinem 
Entwurf, und wandte beim Papſt, Kaifer, Reichsfuͤrſten und andern Staaten al⸗ 
les mögliche an, die Abſchaffung des ewigen Friedens zu bewirken. Zu dem Ende ſuch⸗ 
te man ſich in Bereitſchaft zu ſetzen, wenn Polen Gewalt brauchen möchte. Man er⸗ 
kannte, daß Geld unentbehrlich fey. Man ergrif alſo alle Mittel ſich damit zu vers 
ſorgen. Zu dem Ende ſetzte der Hochmeiſter und der Orden in Preuſſen ſich mit dem 
kandmeiſter von Liefland Walther von Plettenberg in Unterhandlungen. Dieſe 
tandmeiſter ftunden bisher unter dem Hochmelſter. Von ihm wurden fie beftätigt, 
muſten ihm den Eid der Treue ablegen, und jaͤhrlich gewiſſe Gelder bezahlen. Unſer 
Albrecht verſprach gegen Erlegung einer Tonne Goldes das bisherige landmelſterthum 
Liefland von allen Verbindlichkeiten gegen das Hochmeiſterthum loszuzählen. Der 
von Plettenberg nahm dieſe Bedingung mit Freuden an, zahlte das Geld, verſprach 
überdies den Hochmeiſter gegen Polen zu unterſtuͤtzen, und ward ſeit der Zeit ein freier 
Fuͤrſt, der nunmehro als Heermeiſter in Aefland nicht mehr dem Hochmeiſter uns 
terworfen war. So wie der Jacobsorden in Spanien denen Rittern ſeines Ordens, 
welche in Portugall befindlich, alle Verbindlichkeiten erlaſſen muͤſſen, eben ſo thellte 
ſich nun der deutſche Orden in denjenigen Theil, der dem Hochmeiſter und denjenigen, 
der dem Heermeiſter in Liefland unterwuͤrſeg war. Das erlangte Geld wolte Al 
brecht zu denen Kriegskoſten gegen Polen verwenden. Zum Glück hatte. 
mund einen ſchweren Krieg mit Rußland zu führen, welcher 1514 den Ausbruch der 
Gewalt gegen den Orden hinderte, und den König geneigt machte, aller ley 
zum guͤtlichen Vergleich anzuhören, die ſonderlich der Biſchof von Pomezanien, und 
ısı5 die polniſch preußiſchen Geſandten in Cracau vortrugen. Sie beſtunden das 
rin, daß da der Orden wegen Preuſſen durchaus keinen Eid an Polen ablegen wol 
te, weil er ſich des landes wegen bereits andern verpflichtet hielt, fo ſolte der König 
demſelben entweder ganz Podolien, oder alles dasjenige, was der Orden mit 
und polniſcher Huͤlfe den Ruſſen abnehmen würde, zu lehn geben, oder er ſolte 
verpflichten, vor eben das Geld, was von Polen den Tartarn bezahlt wird, dem 
Könige Kriegedienfte zu leiſten, und deswegen den Eid ablegen, ſo daß, was 
den in ſolchen Kriegen den Unglaͤubigen abnehme, ihm verbleibe, und was mit 
ſcher Hilfe erobert wurde, zwiſchen dem Orden und Polen getheilt Ban 
Wo dieſes aber nicht anſtaͤndig, möchte ſich der König die rechtliche du 
len laſſen, die der Orden über die Gultigkeit des ewigen Friedens verlangt. 
ſtellte ſich, als ob er dieſer Sache halber, ſich nur mit dem Kalſer, 4 ee 
der dem Könige von Böhmen und Ungarn Wladislab und mit 
jungen Ludwig beſprechen wolte. Er reiſete nach PER | 


| 
{ 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 391 


Wladislao und Ludwig nach Wien. Hier erklärte ſich der Sigmund zwar öf⸗ 
fentlich, daß er uͤber die Guͤltigkeit des ewigen Friedens ſich die Entſcheidung des Papſts, 
Kaiſers und der Koͤnige von Frankreich und Ungarn gefallen laſſen wolte. In der 
That aber wuſte er den Maximilian auf feine Seite zu bringen. Auf dieſer merk 
wuͤrdigen Verſammlung zu Wien verſprach man dem Haufe Oeſterreich die Erbfolge 
in Böhmen und Ungarn, wenn Ludwig, dem man kein langes beben zutrauete, 


ohne Erben verſtorben ſeyn wuͤrde. Davor verſprach Maximilian dem Orden keinen 


Beiſtand zu leiſten, ſondern vielmehr ſolchen zu Beobachtung des ewigen Friedens anzu ⸗ 
halten, und die geächtere preußiſche Städte der Acht zu entbinden. Des Hochmeiſters 
Geſandten, die ſich auch in Wien eingefunden, erhielten keinen fernern Troſt, als daß 
die Sache noch fünf Jahr ausgeſetzt bleiben ſolte, obwol bereits der Kaiſer den Als 
brecht anmahnete, dem peterkauiſchen Vergleich nach, ſich dem ewigen Frieden 
gemäß zu betragen. Allein der Orden wolte ſolches durchaus nicht thun, und der 
König die Guͤltigkeit des ewigen Friedens eben fo wenig, nach dem vom polniſchen 
Preuſſen 1516 gegebenen Rath, der Entſcheidung auswaͤrtiger Mächte uͤberlaſſen. Es 


miuſte vielmehr ſich ſchon 1517 im polniſchen Preuſſen auf königlichen Befehl alles 


in Kriegsruͤſtung ſezen. Der Hochmeiſter ſahe, daß ſolches hauptſäͤchlich ihn angien⸗ 
ge, da er den koͤniglichen Geſandten den Erzbiſchof von Gneſen unverrichteter Sache 
wieder abgehen ließ, und unter der Hand nicht ungern ſahe, daß aus den Ordenslan⸗ 
den verſchiedene leute, worunter auch Hypolitus von Wedel ſich befand, das pol 
niſche Preuſſen, ſonderlich Ermeland beſchaͤdigten, und in dem Ordensland⸗ Schutz 
erhielten, ohnerachtet der Hochmeifter manche Entſchuldigungen deshalb vorbrachte. 
Auf des Marſchalls Dietrichs von Wuͤrtzburg und Georgs von Schlieben Bow 
ſchlag ward zwar zu Königsberg unter der Vermittelung des jetzigen Großeomthurs 
George Truchſes, des alten Großcomthurs Simon von Drahe, des Botho von 


Eilenburgs, und Georgs von Schlieben zwiſchen dem Biſchof und feinen Beſchaͤdi⸗ 


gern an einem Vergleich gearbeitet, es kam aber ſolcher nicht zu Stande. Albrecht 
ſahe alſo den gewiſſen Ausbruch des Krieges vor Augen, und ſetzte ſich in die beſte Ruͤ⸗ 
ſtung. Der Biſchof von Samland Guͤnther von Buͤnau hatte ihm hiezu zum Theil 
Mittel verſchaft. Diefer Praͤlat war mit des Hochmeifters Handlungen gar nicht zus 
frieden, und wolte daher mit ſeinem zuſammengebrachten Vermoͤgen aus dem lande 


gehen. Der Hochmeifter ließ aber deſſen Schaͤtze in Danzig anhalten und einziehen, 


und da Günther ſich entfernete, fo kam hernach das Stift an Georg von Polenz 7). 
Der Hochmeiſter hatte bereits eine groffe Menge Kriegsbeduͤrfniſſe an Geſchuͤtz, Puls 
ver, Spaten, Hacken u. ſ w. auf der Veſtung Balge zuſammenbringen laſſen. Jetzt 
gieng er perſ önlich nach Deutſchland ab, um die benöthigten Kriegsvöͤlker aufzubrin⸗ 

1 gen. 


1) Als ſolcher eingeweihet wurde, kam Al- nicht fortſetzen. Doch Albrecht kam daruͤber in 
brecht in Begleitung einiger rußiſchen Geland: Hitze, und nöthigte fie mit den Worten dazu: 


ten in die Kirche Da die letztern zur griechi Sie ſollen vollends ihr Brod verdienen, oder 
ſchen Kirche gehöreten, wolten die Geiſtlichen OOttes Marter ſoll m ſchaͤnden. 


die e. in deren Gegenwart 


55 


1516, 
1517. 


392 Geſchichte von Preuſſen. 
gen. Verſchledene Reichsfuͤrſten, ſonderlich Marggraf Caſin mir ſetzten ſich ſich wirklich 
in Ruͤſtung, und es wurden in verſchiedenen Gegenden Deutſchlands Volker in Sold 
genommen. Der Churfuͤrſt Joachim ı und die regierenden Marggrafen in Fran⸗ 
ken machten ſonderlich Zuruͤſtungen, unter dem Vorwand, Nürnberg zu bekriegen. 
Das polniſche Preuſſen ſuchte daher ſorgfaͤltig alles zu vermeiden, was als Feindſe⸗ 
ligkeit ausgelegt werden könte. Es beſuchte zwar ısıg Marggraf Caſimir den König 
Sigmund zu Cracau bey Gelegenheit deffen Beilagers mit der maylaͤndiſchen Prin ⸗ 
zeßin Bonna. Aber der König verlangte vom Albrecht eine Antwort, warum er 
nicht den Eid ablegen wolte, warum er dle landbeſchaͤdiger in feinem lande dulde, den 
freien Handel aus feinen fanden in des Königs Staaten nicht verftatte, und in Deutſch 
land Verbindungen mache und Werbungen anſtelle. Der Hochmeiſter beantwortete 
ſolches damit: Er könne nicht zweien Herren, dem Kaiſer und dem Koͤnige dienen; 
er wuͤſte nichts von Landbeſchaͤdigern, fondern ſchuͤtze nur die, welche von des Königs 
Unterthanen keine Gerechtigkeit erhalten konten; er habe nur die Ausfuhre der Mund 
beduͤrfniſſe unterſaget, um einer Theurung vorzubeugen; wegen feiner 

brauche er ſich nicht zu verantworten, und leugne er nicht, daß er ſich mit feinen ver 
wandten Fuͤrſten fo geſetzt, daß er auf ihren Beiſtand ſichere Rechnung machen könne. 
Dieſe Antwort vermochte den Koͤnig allen Handel ſeinen Unterthanen mit des Ordens · 
landen zu verbieten, worauf von Seiten des Hochmeiſters ein gleiches Verbot erfolgte. 
In der That hatte der Hochmelſter wegen des bevorſtehenden Krieges bereits alle Maaß ⸗ 
regeln genommen. Auf ſeiner deutſchen Reiſe war zu Berlin eine groſſe 

lung angeſtellet, welche die Geſandten des Heermelſters aus Liefland und die vornehm 
ſten Gebieter aus ng chland und Preuffen beſuchten. Auſſer denen fanden ſich 
Oeſandten von Könige Ehriſtian 2 aus Dänemark, der Churfürft Friedrich von 
Sachſen, der Herzog Georg von Sachſen und die Marggrafen von. 
Caſimir und Wilhelm am churfuͤrſtlichen Hofe ein. Unſer Hochmeiſter 3 
200 Pferde zu feiner Begleitung. Hier hielten die Ordensperſonen zum letzten mal 
Rath, und beſchloſſen, den ewigen Frieden, es koſte was es wolle, nicht zu n, 
ſondern die in Deutſchland geworbene Mannſchaft nach Preuffen zu ziehen. Aber 
nun frug es ſich, wo man vor dieſe Völker, die ſich auf 12000 Mann beliefen, einen 
freien Durchzug durch das Brandenburgiſche, wo fie ſich verſammlen ſolten, bekom 
men möchte. Der Orden trat deswegen mit dem Cpurfürften Joachim 1 in Unter „ 
handlungen. Es wolte ſich ſolcher zwar nicht öffentlich vor den Orden erklären, um 
nicht feine Staaten den Verwuͤſtungen der benachbarten Polacken auszufegen. 7 
er verſprach doch endlich, daß wenn der Orden das Recht des Wiederkaufs fahren le 
fen wolte, welches ſich der Orden damals vorbehalten, als er die Neumark an Chur ⸗ 
fuͤrſt Friedrich 2 verkaufte, fo wolte er den Söldnern der Marianer den frelen 
Durchzug durch ſeine Staaten verſtatten, und eben dieſes bey andern bew 5 
Haͤupter der Marianer erkannten leicht, daß fie ohnedies nie an den Wied 
landes denken konten, das fie ſchwerlich zuruͤck erhalten wuͤrden, und daß t 


— r Kerr 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 393 
ihren Kriegsvölkern fo lange feinen Durchzug verftatten könte, als der Orden nur 1518. 
noch den Schein eines Rechts auf die Neumark zu haben ſich ruͤhmen konte. Die vor⸗ 
nehmſten Gebieter giengen alſo nebſt dem Hochmeiſter des Churfuͤrſten Vorſchlag 
willig ein, und dieſer brachte es beim Könige Chriſtian 2 von Daͤnnemark hingegen 
dahin, daß ſolcher dem Orden zu Huͤlfe einige Volker nach Deutſchland uͤberſetzen 


laſſen wolte, die ſich mit dem Ordensheer vereinigen, und ſo ins polniſche Preuſſen 


einbrechen ſolten. Albrecht langte alſo in Preuſſen wieder an, und verdoppelte alle 
Kriegsanſtalten. Es beſchloß Polen auf dem Reichstage zu Peterkau 1519 wirklich 1519. 
den Krieg gegen den Orden, wofern der Hochmeiſter ſolchem durch den kehnseid nicht 
vorkommen wuͤrde. Der Hochmeiſter wolte zwar den Krieg durch das in Deutſch⸗ 
land geworbene Heer in des Feindes Land ſpielen, welches durch die Mark feinen Zug 
nahm, und Meſeritz nebſt der umliegenden Gegend ſchon heimſuchte. Allein alles 
vereinigte ſich fo zu ſagen gegen ihn. Kaiſer Maximilian gieng mit Tode ab, und 
Marggraf Caſimir bekam viel zu thun, die Wahl Carls 5 als deſſen Geſandter beſor⸗ 
gen zu helfen. Dies Wahlgeſchaͤfte zog die meiſten deutſchen Fuͤrſten auf einen andern 
Gegenſtand. Albrechts Völker konten wegen guter Gegenanſtalten weder durch Po⸗ 
fen noch durch Caſſuben in Pomerellen durchdringen. Der Herzog Bogislaus von 
Pommern ein Schwager des Königs Sigmunds, legte ihnen ebenfals alle mögliche 
Hinderniſſe in den Weg. 3000 Mann nahmen bey dieſen Umſtaͤnden daͤniſche Dien⸗ 
ſte gegen die Schweden an, und giengen zu Waſſer dahin ab, und die uͤbrigen zer⸗ 
ſtreueten ſich, um theils im hildesheimiſchen und trieriſchen Kriege ſich brauchen zu 
laſſen, theils die neue Kaiferwahl und deren Folgen abzuwarten. Weil auch Sig⸗ 
mund in Erfahrung gebracht, daß der Hochmelſter mit feinem ſtaͤrkſten Feinde dem Czaar 
in Unterhandlungen ſtuͤnde, fo verſaͤumte er keinen Augenblick die ſchon untetbrochene Ru⸗ 
he mit Güte oder Gewalt wiederherzuſtellen. Er beſchrieb alſo einen Reichstag nach Thorn, 
wohin er ſich mit 20000 Mann perſ onlich einfand, und dem Hochmeiſter aufgab, ſich 
dahin unausbleiblich zur lehnsempfaͤngniß elnzufinden. Der Orden hatte dieſe Auftrits 
te ſchon zu gut voraus geſehen, als daß ſolche unerwartet gekommen. Es war alſo gar 
nicht daran zu denken, daß der Hochmeiſter erſcheinen konte. Da ſolcher alſo den Krleg 
angehen ſahe, hatte er um des Himmels Segen zu erbitten, nicht nur eine Wahlfahrt nach 
dem heiligen Lande gethan, fondern wohnte auch perſ onlich einem feierlichen Umgang in 
Königsberg bey. Es ift aber derſelbe der letzte geweſen, den man daſelbſt geſehen. Sig⸗ 
mund fand ſich alſo bemuͤßiget, feinem Schweſterſohn, den er vor feine Perſon, wie aus 


einem Schreiben an Marggraf Georg erhellet, lieb hatte, des Ordens wegen, der ihn 


im lehnsfehler zu beharren antrieb, den 28ſten Dec. den Krieg aukuͤndigen zu laſſen 7). 


. 192. 
Gleich den folgenden Tag fiengen die Streiferelen in dem Rie ſenburgiſchen an. Führt darüser 
Den zoſten Dee. nahmen die Polacken Soldau ein, welches Hans Colwitz faſt we den 
ohne alle Gegenwehr verlaffen hatte. Andere Schlöffer und Flecken fielen ſodenn den krieg Er 
Polacken in die Hände. Der Hochmeiſter eröfnere den Feldzug mit einer wichtigen 
) Bock L e. p 88 - 99. Schüs f. 442 461. Bege⸗ 
PD: allg preuß. Geſch. 4 Th. D dd 


1519, Begebenheit. Er verlangte von der Stadt Braunsberg einen Durchzug zum Könige 
nach Thorn. Die Einwohner waren daruͤber nicht eins, obwol der Hochmeiſter ſchon 
einen Anhang wuſte, worunter ſich auch der Buͤrgermelſter Philip Taſchner befand. 
i Albrecht brach indeſſen mit zoo Pferden von Balge auf, und kam uͤber Heiligenbeil 
3520. den ıflen Jan. 1520 bey neblichtem Wetter durch das offene Muͤhlenthor eben in die 
Stadt, als ſich die ganze Buͤrgerſchaft in der Kirche befand. Er berennete die Kir 
che und forderte die Huldigung, welche man ſofort leiſtete. Um den Buͤrgermeiſter 
aus allem Verdacht zu bringen, gab er ihm mit dem Blechhandſchuhe einen Backen _ 
ſtreich und ſagte: kuͤnftig follte er die Stadt beſſer verwahren. Fabian von Mau ⸗ 
len uͤbergab auch das Schloß ohne Widerſtand, auf welches Peter Burggraf von 
Dohna mit 100 Mann zur Beſatzung gelegt ward, und der Hochmelſter kam den zten 
Jan. vor Elbing an, welches ſich aber nicht ergeben wolte. Indeſſen hatten die von 
allen Seiten eindringenden Polacken, Schönberg, Eilau, Raſtenburg, Roſen⸗ 
burg, Gilgenburg und Liebemühl eingenommen. Zwiſchen dieſem Ort und Of 
rode kam es zum Nachtheil des Ordens zu einem leichten Treffen. Morungen und 
Hohenſtein gieng an die Feinde Über. Der Hochmeiſter, der den letzten Ort ent 
ſetzen wolte, ward mit einem Handrohr verwundet, und muſte ſich nach old 
hen. Von hier ließ er viel Geſchuͤtz nach Braunsberg bringen, und von Br, be 
ſchickte er 130 Bürger nach Holland, die Beſatzung zu verftärfen. Er ſelbſt gieng nach 
Koͤnigsberg. Die Polacken nahmen Oſterode ein, und berenneten mit 800 
Mann Holland. Weil fie aber aus Mangel des groben Geſchützes ſich wegzoger 
that die 2000 Mann ſtarke Beſatzung einen Ausfall, grif zur Nachtzeit den Feind an, 
erſchlug 2000 Mann, und brachte die Übrigen zur Flucht. Der Hochmeifter befahl 
davor Gott zu danken, beſonders da das königliche Heer zum Thell aus Heiden, 
tarn und Unchriſten beſtand, die weder der Kirchen, noch der Sacramenten, vet er 
der Schwangern, noch der Saͤuglinge ſchoneten. Mehlſack ergab ſich den Mat ia 
nern, deſſen Burggraf Michael Pfaffe nach Braunsberg gefuͤhrt und enthauptet 
wurde. Von Braunsberg aus ward Frauenburg, und von Preuſchmark aus 
Chriſtburg in Brand geſteckt, wogegen die Polacken Müuͤhlhauſen einäfherten, und 
weil fie das pomeſaniſche Stift bis auf Marienwerder und Rieſenburg eingenom 
men, belagerten fie den erſten Ort, jedoch wegen Mangel des groben Geſchüges, on⸗ 
fänglich ohne Wirkung. Hingegen kam Mehlſack in ihre Gewalt, von da fe vor 
Zinten ruckten. Hier verloren fie aber viele Mannſchaft. Weil indeſſen die Bin 
ger von Mehlſack dem Hochmeiſter das Geſchuͤtz zugeſchickt, welches folcher darin 
gehabt, fo muſten 8 Rachsperſonen die Köpfe hergeben. Kaum war das polni⸗ 2 
ſche Heer auf Bartenſtein losgegangen, fo ſpielte die Buͤrgerſchaft ven Mehlſack 
dem Hochmeiſter den Ort wieder in die Haͤnde, da die Beſatzung bis uf ihre 
Anführer auf Fuͤtterung ausgezogen. Die ſichere Beſatzung ward bey ihrer Zu ⸗ 
ruͤckkunft niedergehauen, die polniſchen Kriegsbefehlshaber verloren die Köpfe u: 
Mehlſock wal pics act zu Sefhägen, abgebrandt. Nachdem Davienmzerder 


E | 
5. 2 Geſchichte von Preuffen. 


— An; 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 395 


endlich aus dem angekommenen ſchweren Geſchütz befehoffen wurde, ergab ſich der Ort, 
und die Domherren huldigten dem Könige. Dies bewog auch den pomeſaniſchen Bis 
ſchof Job von Dobeneck zum Könige nach Thorn zu ſchicken, und demſelben zu hul⸗ 
digen. Die Danziger verſenkten das balgiſche Tief. Die Marianer aber nahmen 
Wormdit ein, erlegten soo Polacken in einem Treffen, und da aus Liefland unter 
4 Rittern Helfsuölker 

fielen 70 Pferde von da in das Stift Ermeland ein, mo fie übel Haus hielten. Der 
Papſt, der König von Ungarn, der Erzbiſchof van Maynz Marggraf Albrecht, der 
Churfuͤrſt von Brandenburg Joachim, der Churfuͤrſt von der Pfalz, und der Her⸗ 
zog Georg von Sachſen hatten zwar an den König Seſandten geſchickt, bey welchem 
Herzog Friedrich von Liegnitz perfönlich anlangte, um Frieden zu vermitteln. Weil 
aber der Koͤnig auf dem Eide beſtand, von dem der Hochmeiſter nichts wiſſen wolte, 
fo fiel ihre Bemuͤhung vergeblich aus. Vielmehr gieng der Krieg fort. goeo Mann 
hatten Holland lange vergeblich und mit vielem Verluſt belagert. Als aber das ſchwe⸗ 
re Geſchuͤtz, das vor Marienwerder gebraucht worden, ankam, den Belagerten das 
Waſſer abgeſchnitten worden, die Belagerer Stadt und Schloß ſtuͤrmeten, und ſich auch 
eines Thurms bemächtigten, ergab ſich der Ort. 150 Reuter wurden eidlich verpflich⸗ 
tet ſich zu ſtellen und losgelaſſen; da fie aber ſolches nicht gehalten, ließ der König die, 
welche man davon wieder gefangen bekam, hinrichten, und der Anführer derſelben Grie⸗ 
ſing ward deswegen in Marienburg zu Tode gemartert. Hierauf ruͤckte das polni⸗ 
ſche Heer vor Braunsberg, pluͤnderte die Neuſtadt, aber die rechte Stadt belager⸗ 
te es bis in den Oct. wegen guter Gegenwehr vergeblich. Die Danziger wolten zwar 


auch das andere Tief bey Balge verſenken, konten ſolches aber wegen ſtarker Gegen⸗ 


verfaſſung nicht bewerkſtelligen, und hatten hiebey ſchwere Einbuſſe. Bald darauf 
aber nahmen die Danziger vor Memel einige Schiffe weg, und brandten den Ort halb 
aus. Die Polacken bemaͤchtigten ſich des Schloſſes Brandenburg, und ruckten bis 
eine Meile von Koͤnigsberg. Sie hatten 7000 Reuter und sooo Fußknechte, und 
wolten eine tandung auf Samland vornehmen, unterlieſſen ſolches aber wegen gemach⸗ 
ter guter Gegenanſtalten. Der Feind kam alſo dem in Königsberg befindlichen Hoch⸗ 
meiſter ſehr nahe. Dies gab denen Bemühungen des Biſchofs von Ermeland einiges 
Gewicht, den Krieg beendiget zu ſehen. Der Hochmeiſter erlaubte land und Staͤd⸗ 
ten feines Antheils vor ihn vom Könige ein ſicheres Geleit und Milderung einiger Stuͤ⸗ 
cke des ewigen Friedens zu erbitten. Der König verſprach: fo bald der Hochmeiſter 
geſchworen, wolte er ſich wegen einiger Milderung gewierig erflären; vom Auszuge 
des Hochmelſters aus Königsberg an gerechnet, verſtatte er einen s4tägigen Waffen⸗ 
ſtillſtand, doch daß die polniſchen Voͤlker in der Zeit ihre Unterhaltungsmittel zuſam⸗ 
men bringen konten, dagegen ſolte der Orden ſich ruhig verhalten, und In dieſer Zeit 
keine Kriegsbeduͤrfniſſe von einem Ort zum andern ſchaffen. Der Hochmeiſter beſprach 


ſich ſodenn mit dem unweit Königsberg liegenden polniſchen Feldherrn unter einem 


Zelt, und reiſete nach Thorn mit 40 Reutern in weiſſen tartariſchen Maͤnteln und 30 
Dod 2 Wa⸗ 


r angekommen, die ſich zum Theil in Bartenſtein geworfen, ſo 


1520, 


3520, 


396 Geſchichte von Preuſſen. | 
Wagen ab. Er hatte den Michael von Dörn Hauscomthur von K 
Georg Truchſes Spitler zum Heiligen Heiſt in Königsberg, den Sang 2 
titz Pfleger zu Neudenburg, den Cuntz Truchſes Georg, von Schlieben, und die 
Bürgermeifter von Altſtadt Königsberg und Kneiphof in feinem Gefolge. So 
bald Albrecht Gehör erhielt, ward ihm fein Plaz zur linken Hand des Königs ange, 
wieſen. Henrich von Miltitz verlangte einige Verlängerung des Wa 
die auch bewilliget ward. Sodenn ernannten beide Theile Unterhaͤndler, die aber kein 
Mittel zum Frieden aus finden konten, da man auf des Ordensſeite den ewigen Frieden 
abgeſchaft, von polniſcher Seite aber durchaus beibehalten wiſſen wolte. Der Hoch⸗ 
meiſter erhielt fodenn ein beſonder Gehör beim Könige, fo daß jeder nur zwey Herten 
bey ſich hatte. Auf Albrechts Seite war Job von Dobeneck Biſchof von Pomeſa⸗ 
nien und Henrich Miltitz. Der Biſchof ſtellte vor; der König als des Hochmelſters 
naher Verwandter wuͤrde ja nicht verlangen, daß ein Marggraf von Brandenburg we⸗ 
niger ausrichte als Herzog Friedrich von Sachſen, der nie geſchworen, und ſich durch 
den ewigen Frieden ſehr beſchwert gefunden. Albrecht habe mit den Ruſſen ſich zwar 
eingelaſſen, aber nur deſto ſchleuniger einen allgemeinen Heerzug gegen die Ungläubigen 
zum Stande zu bringen, und muͤſſe ſein fuͤrſtliches Wort halten. An den Beſchis 
gungen vor dem Kriege habe er keine Schuld. Er habe dem Orden geſchworen nichts 
zu veräuffern , ſondern das abgeriſſene wieder herbey zu ſchaffen. Er bat noch um 5 
Tage Verlaͤngerung des Stillſtandes, um ſich mit den ſeinen zu berathen, denn er 
wolte eher zu Fuß mit dem Stabe in der Hand aus Preuſſen gehen, als ohne 
des Ordens Vorwiſſen feinen Eid brechen. Der König hingegen, wolte weder vom 
ewigen Frieden abgehen, noch eine Verlängerung des Waffenſtillſtandes eingeſtehen, 
bezeigte auch feinen Unwillen über das Buͤndniß mit Rußland, und wolte es eben 
nicht unterſuchen, in wie weit der Hochmeiſter in Abſicht der landbeſchaͤder Schuld ha⸗ 
be oder nicht. Auch der Biſchof von Rieſenburg konte keine geneigte Antwort erg 
ten, da er zu wiffen verlangte, was man vor Vortheile verfpräche, wenn der 
meiſter den Eid ablegte, auch verlangte daß das polniſche Heer abgefuͤhret pe 
te. Albrecht verlangte endlich ſich in nähere Friedensuncerhandlungen einzufaffen, und 8 
erbot ſich zum Eide, wenn einige Stuͤcke des ewigen Friedens gemildert würden. Mun 2 
ſetzte wirklich einige Friedenspunkte von Seiten des Koͤniges auf. Es erhielt ab zB 
render Zeit der Hochmeiſter Nachricht daß die Polacken den Stillſtand g . 2 
Natangen übel Haus gehalten, und das Tief bey Balge nun völlig ve n. 
Er war auch benachtichtiget, daß König Chriſtian 2 von Daͤnnemark ihm az 
Huͤlfsvölker ſonderlich gegen die Danziger zugeſchickt haͤtte. Dies 
te ihn die Unterhandlungen abzubrechen, die polniſchen Vorſchlaͤge n 
unter polniſchem Geleit, aber ohne beſondern Abſchied vom Könige, we 
ruͤck in feine lande zu kehren. Von da aus ſchickte er die Antwort auf t 
Vorſchlaͤge dem Könige zu. Wir wollen beide zuſammen dem geneigten 
damit er ſolche ſogleich überfehen koͤnne. I. N Er. N 


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— evorfegen 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 22 


„Taten, Bedienten und Städte ſchwören laut dem ewigen Frieden. 2. Auch bie Abwe⸗ 


ſenden, ſonderlich der Herzog von Braunſchweig Erich, der Biſchof von Samland 
Georg von Polenz, der von Heydeck und andere ſollen zu Ablegung des Eides zum 
Könige kommen. Antwort auf 1. und 2. Ja, wenn man wegen des übrigen eis 
nig ſeyn wird, und der König ſamt der Krone ſich auch gegen den Hochmeifter und Orden 
verpflichten wolte. 3. Alsdenn gehet das polniſche Heer zuruͤk. Brandenburg, 
Heiligenbeil und Zinten bekommt der Orden zuruͤck, der aber Braunsberg raͤumt 
und das darin befindliche Geſchuͤtz und Kriegsbeduͤrfniſſe dem Könige uͤberliefert. Ant⸗ 


wort. Polen muß dem Orden alles, nichts ausgenommen, was in dieſem Kriege 


erobert iſt, mit lebensmitteln, Geſchuͤtz und Kriegsbeduͤrfniſſen wiedergeben. Auch 
alles was der Orden in Braunsberg hat bekommt er zuruͤck, es uͤbergiebt aber der 
Orden Braunsberg, und muß der, welcher den Ort uͤbernimmt, ſich mit dem Or⸗ 
den über die aufge wandten Bau / und andere Koſten vergleichen. 4. Wegen der Krieges 


koſten ſolten beide Theile Schiedsrichter und einen Obmann wählen, und was denn 


ausgeſprochen wird, werden beide Theile befolgen. Antwort. Gut, wenn zuvor 
alles Eroberte und Beſetzte dem Orden zurückgegeben iſt, und wenn es nicht lleber 
dem Könige gefällig, daß die Kriegsſchaden gegen einander aufgehoben, und alle Ges 
fangene auf freien Fuß geſtellet wuͤrden. 5. Bis zu dieſer Entſcheidung und bis der 
Papſt den ewigen Frieden beſtaͤtiget, wogegen der Orden ſich auf keine Art ſetzen oder 
ſolches verhindern ſoll, bleiben alle uͤbrige Eroberungen, welche nicht ſchon abzutreten 


verſprochen ſind, in polniſchen Haͤnden. Antwort. Man wolte ſich der paͤpſtlichen 


Beſtaͤtigung nicht widerſetzen, wenn Polen ganz Preuſſen dieſſeits der Weichſel 
gegen Preuſſen belegen, dem Orden völlig abtrit, und die auf der andern Seite 
der Weichſel belegene Lande zwar das Eigenthum Polen behält, aber ſolche dem 
Orden zu kehn giebt, weswegen denn die Marianer die Lehnsverbindlichkeiren beobach⸗ 
ten werden, uͤber welche man ſich vereinigen wird. 6. Weil etliche Artikul des ewi⸗ 
gen Friedens dem Orden zu beſchwerlich fallen, fo will der König den von der Hülfe, 


die der Hochmeiſter zu lelſten ſchuldig, und denn von den in den Orden aufzunehmenden 


Polacken ſo mildern, als es ohne Abbruch des polniſchen Rechts und des ewigen 


Friedens geſchehen kann. Antwort. Man wird am beſten thun, wenn man beide Ar⸗ 


tikul gänzlich aus dem ewigen Frieden weglaͤſt. 7. Alles was bis her im Kriege vorgefal⸗ 
len, wird in Vergeſſenheit geſtellet. Antwort. Das iſt billig. 8. Das Buͤndniß 


des Ordens mit Rusland hoͤrt auf, und der Orden wird weder Rusland noch ſonſt 
jemanden gegen Polen Beiſtand lelſten, auch niemals zum Nachtheil Polens mit je 


manden ſich verbinden. Antwort. Gut, wenn Polen eben daſſelbe gegen den Or⸗ 


den beobachtet, nur daß dem Hochmeiſter erlaubt wird zwiſchen Polen und Rus ⸗ 
land Unterhandlungen anzuſtellen. 9. Der Orden muß kuͤnftig keinem Feinde Po⸗ 
lens auf keine mögliche Art Huͤlfe leiſten. Antwort. Aber auch Polen muß ſolches 
gegen den Orden beobachten. 10. Der Orden wird auf keine Art gegen koͤnigliche 

Unterchanen feindlich handeln. Antwort. Polen gegen den Orden auch nicht. 11. Al⸗ 
4 3 5 le 


Ddd 3 


1520. 


398 Geſchichte von Preuſſen. 


le Verbrecher, die in des Ordens kanden Zuflucht haben, ſollen darin lechlich 
verfolgt und nicht geduldet werden, welches man im königlichen Antheil auch bes 
obachten wird. Antwort. So iſt man damit zufrieden. 12. Kein Theil ſoll des 
andern ungetreue und feindfelig geſinnte Unterthanen hegen. Antwort. Gut, kein 
Theil der Feind iſt, oder geweſen iſt, ſoll ſolche Perſonen dulden. 13. Der Orden 
ſoll alle königliche Unterthanen, und der König des Ordens Unterthanen, die zu ihm 
uͤbertreten, nicht aufnehmen, und wenn ſolches geſchehen, nach erhaltener Begnadi⸗ 
gung zuruͤck liefern. Antwort. Dies muß alſo beide Theile gleich angehen. 14. Mies, 
mand ſoll wegen eines andern Schuld angefochten, noch ſelbſt oder feine Güter ange / 
halten werden. Antwort. Gut! doch daß jedem Recht wiederfahre. 18. Wuͤrde 
der Orden den ewigen Frieden nicht halten, oder feindlich gegen Polen handeln, ſo 
follen deſſen Unterthanen fo lange aller Pflichten gegen den Orden entbunden ſeyn, bis 
der Orden dem ewigen Frieden wieder ein Gnuͤge thue. Antwort. Aber in Abſicht 
der polniſchen Unterthanen muß das auch gelten. 16. Alle 10 Jahr muͤſſen alle Bes 
diente und obrigkeitlichen Perſonen den ewigen Frieden beſchweren. Antwort. Die 
polniſchen ebenfals. 17. Kein Theil ſoll aus feinen Lande Streiferelen in das ande⸗ 
re zulaſſen, ſondern die ſolches gethan dem Theil uͤberliefern, dem fie Schaden zuge⸗ 
fügt, und wer ſich deſſen wegert, verfällt in die Strafe des Uebelthaͤters, und aller 
Schaden wird aus deſſen Gütern erſetzt. Antwort. Es muß von beiden Theilen auch 
gehalten werden. 18. Grenz ⸗ und andere Streitigkeiten zwiſchen dem Otden und Li⸗ 
thauen ſollen durch Ordensgeſandte guͤtlich erörtert werden, wenn der König ſich in 
Lithauen aufhalten wird. Antwort. Es muͤſſen nicht nur die Grenzen mit Lithauen, 
ſondern auch mit Maſovien und andern polniſchen Landſchaften auf die Art nach dem 
Inhalt der vorigen Vertraͤge berichtiget werden. 19. Den Zoll bey Kukerneß im 
Fluß Gilgen ſchaft der Orden ab und erhößet feinen Zoll. Antwort. Obgleich der 
Zoll auf Bitten der Kaufleute zum gemeinen Beſten errichtet iſt, ſo will ihn doch der 
Orden abſchaffen, wenn Polen ebenfals alle neue Zölle abſchaft. 20. Weder 

den noch das polniſche Preuſſen üben das Muͤnzrecht anders als mit beiderſeltiger 
Bewilligung und Rath aus. Antwort. Hierauf kann ſich der Orden noch n ute 
verſtehen. Nach geſchloſſenem Frieden kann dieſe Sache wohl ausgemacht werden, 

21. Beiderſeitige Untertanen ſollen alle Wege und Straſſen ungehindert fahren dürfen 
Antwort. Gut. 22. Alle Jahr ſollen beider Theile Unterthanen entweder zu Ma⸗ 
rienburg oder zu Elbing auf gelegene Zeit zuſammen kommen, alle Zwiſtigkeiten ums 
ter ihnen beizulegen, doch den Rechten jeder Stadt ohne Schaden; konte man ſich aber 
nicht vergleichen, ſo ſoll der Ausſpruch dem Könige uͤberlaſſen werden. Antwort. 
Der Orden laͤßt ſich ſolches gefallen, nur daß die Zuſammenkunft ein Jahr um das an / 
dere gehalten wird. 23. Wegen derer, die ſich Polen in dem Kriege freiwillig un 
terworfen, und derer Gefangenen ſollen künftig Unterhandlungen gepflogen werden. 
wort. Ja, aber ein Jahr um das andere. Ueber dieſe Antworten zerſchlugen ſich alle Un 
terfanblungen, weil darin der Orden ſich dadurch dem Könige wan eee 


At. 


2 . en 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 399 


fich fo betrug, als ab.er bereits einen groſſen Theil von Polen in feiner Gewalt haͤtte. 1520. 
Der Krieg ward alfo fortgefege. Sigmund gab ſowol dem Papſt Leo 10 als dem 

Kaiſer Carl 5 davon Nachricht, und der letztere befahl dem Orden vergebens, dem 

ewigen Frieden Gnuͤge zu leiſten 5). 


$. 19. 
Die Polacken ſetzten die Belagerung von Braunsberg fort. Da aber der Fertſetzung 
Ort waͤhrend dem Waffenſtillſtand mit Mund» und Kriegsbeduͤrfniſſen reichlich verfe, des krieges 

hen worden, und ſich tapfer wehrete, muſten endlich die Feinde die Belagerung bey Par 
ſpaͤter Jahrszelt wieder aufheben. Albrecht nahm Wormdit ein, und das Schloß 
ergab ſich ohne Schwerdſtreich. Er konte aber vor Heilsberg nichts ausrichten, ob 
er gleich faſt alle feine Kriegsvölker ſowol als die angekommenen Dänen davor ges 
brauchte auch mit feinem ſchweren Geſchuͤtz groſſen Schaden that, weil die fehr ſtarke 
. Beſatzung keinen Sturm rathſam machte. Dieſe Belagerung hielt ihn überdies ab 
15 die Völker zu unterſtützen, die Wilhelm Graf von Iſenburg, der im deutſchen 
Orden ſich befand, und Wolf Graf von Schönberg in Deutſchland vor den Orden 
1 zuſammen gebracht. Unter ihrer Anfuͤhrung rückten 13000 Mann in zwey Haufen her⸗ 
* bey, davon der eine 8000, der andere 5000 ſtark war. Sie kamen durch dle Lauſitz 
in die Neumark. Von Frankfurt an der Oder ſchickte Wolf von Schönberg dem 
Könige die Kriegsankuͤndigung zu, und feine Kriegs volker eroberten das Schloß Mes 
ſeritz mit Sturm, worin alles niedergehauen und die ganze Gegend verwuͤſtet wurde. 
Weil ein ſtarkes koͤnigliches Heer ihnen das weitere Vordringen auf dieſer Seite nach 
Poſen zu verwehrte, fo giengen dieſe Kriege volker durch die Neumark auf Pommes 
rellen los, in der Abſicht ſich von Danzig zu bemaͤchtigen. Der Ort war aber be⸗ 
reits vom Könige gewarnt, und hatte alle Gegenanſtalten vorgekehret. Conitz, 
Stargard, Dirſchau ergaben ſich den anruͤckenden deutſchen Ordens Söldnern. 
Sie ruͤckten ſodenn vor Danzig auf den Biſchofsberg und forderten den Ort auf. 
Weil aber bereits zur Gegenwehr Anſtalten gemacht worden, auch 3000. Poladfen ſich 
laͤngſt der Weichſel im groſſen Werder mit nörhigem Geſchuͤtz gelagert hatten, und 
dadurch theils das Ueberſetzen der deutſchen Völker wehreten, theils den Hochmeiſter 
denenſelben zu Huͤlfe zu kommen verhinderten, fo erfolgte abſchlaͤgige Antwort. Die 
beiden Feldherrn bemuͤheten ſich zwar nochmals die Einwohner zu bewegen, ſich ihrer 
ehemaligen Herrſchaft wieder zu unterwerfen; man benahm ihnen aber durch die Abge⸗ 
ordneten der Stadt hiezu alle Hofnung. Wilhelm Graf von Iſenburg ſagte ſolchen 
zwar: er daͤchten mit den Danzigern die gebratenen Gaͤnſe gewiß zu verzehren; allein 
die Abgeordneten erwiederten, daß fie auch Zugemüͤſe bereitet, worauf die Kriegsvöl⸗ 
ker nach Belieben ihre Gaͤſte ſeyn koͤnten. Der gemeine Soldat der deutſchen Völ⸗ 
ker ward mit dem Beiſtand und Zahlung des Hochmeiſters getroͤſtet, und ihm bey Er⸗ 
oberung der Stadt, die man ihm als leicht vorftellte, zu groſſer Beute Hofnung gemacht, 

und man ſieng an Danzig zu beſchüſſen, und dle Radaune durchzuſtechen. Die Belage⸗ 

n ter 


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— 


putz f. 461 471. Runau vom leinen Kriege. Bock J. e. p. 99 114. | 


1520. 


1521. 


400 Geſchichte von Preuſſen. 
rer nahmen ſich aber dadurch ſelbſt das Waſſer. Sie hatten zu wenig. ſchwer Geſchüß, 
ihr beſter Buͤchſenmeiſter ward erſchoſſen, und in die Stadt kam friſches 2 
an. Dies nöthigte die Feldherrn ſich nach dem Kloſter Olive zurück zu ziehen, und 

den Hochmeifter um Geſchuͤtz und andere Kriegsbeduͤrfniſſe, um Geld und feine perſbn⸗ 
liche Ankunft zu bitten. Die Einwohner von Putzig unterwarfen ſich zwar, wohin dle 
Deutſchen von Olive abzogen. Allein die gemeinen Soldaten ſiengen ſich ſchon zu verlau⸗ 
fen an, und va der Hochmeiſter weder mit Volk, Geld noch andern Beduͤrfniſſen zu Hul / 
fe kommen konte, und die kebensmittel ebenfals nicht mehr aufzutreiben waren, zer 
ſtreuete ſich der ganze Kriegshaufen durch Pommern, und wurde melſtens von denen 
Polacken, Pommern und Caſſuben aufgerieben. Dirſchau, Stargard, Eos 
nitz fielen hierauf wieder in der Polacken Haͤnde. Der Hochmelſter nahm dagegen 
Johannisburg ein, welches die Maſuren ihm abgenommen. Er hieb bey R 
an 700 Tartarn nieder. Es kam 1821 Guttſtaͤdt in feine Hände, worin die 
cken meiſt niedergeſtoſſen und groſſe Beute gemacht wurde. Doch fiel die 1 
der, als man fie nach Koͤnigsberg abführen wolte, dem Feinde in die Hände, und 
Paſſenheim ward auch von den Polacken eingenommen. Dem ug 
wegen guter Gegenwehr der Entwurf Elbing zu uͤberrumpeln und mit € N 
nehmen fehl. Er lagerte ſich ſodenn bey Tolkemit und that von da über das 4 
fälle in die Danziger Nehrung. Danzig ruͤſtete dagegen einige Schiffe aus, ber 
Tolckemit beſchoſſen, und ein Ordensſchif nach ſcharfem Gefecht, worin auch ein 
tuͤrlcher Sohn des Herzog Erichs von Braunſchweig das Leben einbüſte, wegnah⸗ 
men. Gleich darauf aber kam das fand zur Ruhe. Der Kaifer hatte Georg Pan 
nerherrn vor Roggendorf und Mellemburg und den Sebaſtian Sperantius & om ⸗ 
probſt zu Brixen, der König von Ungarn Ludwig aber den Marggrafen Geor 
Brandenburg, den Herzog Friedrich von Liegnitz, und Ambrofium Sarka 
Obechaza Freiherrn von Dimat und Graf von Halladohn als Geſandte auf des Hoch 
meiſters Anſuchen, dem in dieſem Kriege allein in Preuſſen über so Diner die 
Aſche gelegt waren, nach Thorn geſchickt. Sie brachten den ten olgend 
Vertrag zum Stande. „1. Der König gehe auf paͤpſtlich, kalſerlich und 
ſches Anhalten zwiſchen ihm und den Herzogen Stanislao und Janußio von 
. einer Seits, und den Hochmeiſter anderer Seits von toten April einen n 


Erzherzog Ferdinand und den König von Ungarn i werden. 
licher Seite wird Matthias Cardinal von Salzburg und Georg pri 
und auf ungarifcher Seite der Cardinal Thomas Erzbiſchof von Gran u 

Biſchof von Fuͤnf kirchen zu dieſer Entſcheidung mitgezogen. einer von kai 
licher Seite, fo ſolte der Kaiſer, oder deſſen Bruder mit Zuziehung 50 Hoch N 
einen andern n und wenn einer auf ungariſcher N mit Tode abe 


— 


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FF EEE ZELLE ] A. ]˙ m TEE TEE ET 


Morggraf Albrecht von Brandenburg. 40¹ 


ſolte der König von Ungarn mit Bewilligung des Königs von Polen an deſſen Stelle 
einen andern ernennen. 3. Die Söldner und Kriegsvöffer beider Theile werden ins 
nerhalb 4 Wochen von Oſtern an zu rechnen abgeführt. "Des Hochmeiſters Dienfts 
leute werden von Königsberg, Balge, Braunsberg u. ſ w. gleich nach der Reh⸗ 
rung übergefegt, gehen denn zu Lande bis an die Muͤnde, wo fie auf Danziger Schif⸗ 
fen uͤber die Weichſel geſetzt werden. Hierauf gehet ihr Zug, ohne ſich irgend wo 
anders als im freien Felde zu lagern, nach Pommern, ſie werden aber vor Geld vou 
den koͤniglichen Unterthanen mit Schiffen und lebensmitteln verſorgt, und alle Schäͤ⸗ 
den, die fie anrichten, ſollen nach Erkenntniß obiger Schiedsrichter erſtattet werden. 
4. Eben die Schiedsrichter werden erkennen, wie es ſowol mit denen in dieſem Kriege 
eroberten Orten als mit der Erſetzung der Kriegskoſten zu halten fen. 5. Die Gefan⸗ 
genen werden von beiden Theilen ohne Entgeld in Freiheit geſetzt. 6. Der Papſt 
wird denen beiden bemeldten Cardinaͤlen befehlen zum Frieden mit zu wirken, und den⸗ 
ſelben im Namen des Papſts auf ewig zu beſtaͤtigen. 7. Alle dieſe Punkte genehmigen 
der König von Polen ſowol als des Hochmeiſters Geſandten Job Biſchof von Pome⸗ 
ſanien, Henrich von Miltitz Pfleger zu Neudenburg, Georg von Kuhnheim 
vnd Hans Federau. Bald darauf ſchickten beide Theile Geſandten nach Graudenz, 
die ſich daſelbſt auf Jacobi noch Überdies folgender geſtalt verglichen. r. Die Oberherren 
beider Theile ſolten ſelbſt ausmachen, ob denen, welche im Kriege von ihrem Regenten 
abgefallen, oder die ſchuldigen Dienſte nicht geleiſtet, ſolches an ihren Ehren ſchaden ſolte 
oder nicht. 2. Wenn Unterthanen eines Theils unter dem andern Güter beſitzen, von 
denen fie waͤhrendem Kriege die Dienftpflichten verabſaumet haben, follen fie dieſe Güter 
wieder ſelbſt oder durch andere befigen, und ihre Dienſtpflichten verrichten, geſetzt, daß 
ſolche Guͤter ſchon wegen verabfäumter Dienfte an andere vergeben wären, doch daß fie 
ſich mit der Herrſchaft wegen der verabſaͤumten Dienſtpflichten vergleichen, oder in den 
Hauptfriedensunterhandlungen daruͤber geſprochen werde. Wer aber von ſeinen Herrn 
abgefallen, ſoll die Guter nicht ſelbſt beſetzen, ſondern durch andere verwalten, und 
durch ſie die Dienſtpflicht verrichten laſſen, bis zur Hauptunterhandlung, wofern ſie 
ſich nicht anders mit ihren Herrn vertragen konnen. 3. Die Dörfer, Güter und alle 
Zubehbrungen bleiben bey denen Hauptorten, wozu fie ſonſt gehöret, die letztern mögen 


im Kriege erobert ſeyn oder nicht. 4. Die Bauren muͤſſen wieder demjenigen gefolgert 


werden, welchem fie vor dem Kriege zugehöret. 5. Kein Theil wird Plackereien gegen 
den andern dulden, ſondern beſtrafen helfen. 


„ 9 i 


1521. 


Gegen Braunsberg und einige andere wenig beträchtliche Orte hatte der Hoch / Der hecmeis 
meifter in dem Kriege das ganze Stift Rieſenburg mit allen deſſen Orten, Gilgen⸗ fe ſehnet ſich 


burg, Hohenſtein, Liebemuͤhl, Preußiſch Eulau, Holland, r . 
i⸗ 


u) Schutz a7ı 480. Bock I. e. p. 114 120. a 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Eee 


dem frie⸗ 


1521. 


3522, 


1523. 


rungen eingebuͤßt. Alles bis an die Wohnſtaͤdte Königsberg lag von ( 
geleiſtet, und Albrecht erkannte daß er viel zu ſchwach ſey ſich in längerm 


auf dieſem Rechtstage nicht, und der Hochmeiſter ſahe keinen Vortheil 5 5 


Staatskörper damals, da ſolches am noͤthigſten ſchien, zu einer Huͤlfe zu bri N 
Albrecht ſich dadurch in feinen übrigen Maaßregeln die Hände gebunden ge 
wenn Preuſſen in naͤhere Verbindung mit Deutſchland kaͤme. Allein eben 
ten, die Albrecht von Staats, und Religionsangelegenheiten auf diefer R 


Hofes ſowol dem Orden als Polen bisher geſchmeichelt, und ſich vor keine P 0 


— 


402 Geſchichte von Preuſſn. ö 
Hauen eee Johannisburg und Paſſenheim 4 


heeret und verwuͤtet. Die Caſſen waren erſchöpft. De utſchland hat 


Polen allein zu erhalten. Er überlegte dies alles mit feinen Ordensg 
Hochmeifter entſchloß ſich perfönlich nach Deutſchland zu geben, 1 
heblichen Beiftand für das kuͤnftige oder einen annehmlichen Frieden zu 
ernannte daher 1522 den Georg von Polenz Bischof von Sa e 
comthur von Königsberg in feiner Abweſenheit das land zu regieren. fl 
te in Geſellſchaft feines Bruders Marggraf Wilhelms und des Friedrich 0 
deck nach Deutſchland , cheils an verſchiedene anſehnliche Höfe, thells auft 

tag nach Nürnberg K). Den letztern hatte nach des Kaifers Abreife ı aus 
land das Reichsregiment ausgeſchrieben. Ueberall ſtellte Albrecht feine Ange 
ten vor, fand aber überall leidige Tröfter. Seit dem Anfang der Kirchenverb 
Luthers erkannten viele feine lehren vor gegruͤndet. Dieſe muſten auf ihre ei 
haltung denken, da diejenigen, welche bey der roͤmiſchen Kirche beharreten, ; 
vollſtreckt haben wolten, welche gegen Luther und feine Anhänger zu Worms a 
ſprochen war. Die polniſch preußifchen Staaten erſchienen, wie leicht zu en 


der Entwurf Preuſſen zu einem deutſchen Reichskreiſe zu machen, in Erfuüͤl 
me, da faſt alle Hofnung verſchwand, den ohnedies ſchwer zu bewegenden del 


Nuͤrnberg bekam, brachten ihm unendliche Vortheile. So wie ihm die Re 
fieng gar zu weit ausſehend und verdächtig zu werden, ſo erkannte er ſolches 
Beiſtand des Papſts. Leo 10 hatte nach der ganz eigenen Staats kunſt d 


tig erklaͤren wollen. Der Papſt ſieng zu fallen an, welches ihn um ſo behut fa 
te. Der Hochmeiſter hörte den Oſiander in Nuͤrnberg die kehren der 
beſſerung vortragen, und fieng an die alten kehrſätze in Zweifel zu ziehen. 
ſuchte den 28ſten Merz 1523 den deutſchen Orden ſeinen biößerigen Zerfum 
und Spalatinus überreichte zu Nuͤrnberg dem Hochmeiſter des Lut 
worin folcher auf deſſen Fragen von der Gewalt des Papſts fo antwortet 5 die 
che nie auf den Papſt gegründet fen. Der Hochmeiſter ſieng daher an ſeine Maaß regeln 
zu aͤndern. Durch Krieg war nichts zu thun. Auf Papſt und Reich konte man nicht 
bauen. Auch durch Huͤlfe Chriſtians 2 etwas zu gewinnen Kt f rot, efe 


5) Hier ſoll Albrecht ſtark geſpielet und 600 Goldgulden verloren, auch ra N 
ſammenkuͤnſte angeſtellet haben. 


Nur 
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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 403 


war mit ſeinen ſchwediſchen ſowol als daͤniſchen Unterthanen in ſolche Weiterungen ger 


kommen, daß er nöthig zu haben glaubte, aus ſeinem Reich zu entfliehen. Dies hatte ers 


ſtaunende Folgen. Schweden wählte ſich den Guſtav Waſa Erichſon zum Könige, 


und Daͤnnemark feste dem bisherigen Herzog von Holſtein, Friedrich die Krone auf. 
Chriſtian 2 füchte zwar in Deutſchland fo viel Volker in Dienfte zu nehmen als möge 
lich. Das Haus Brandenburg unterfhügte ihn. Man ſagte, daß unſer Albrecht 
die höchſte Anfuͤhrung aller Völker bekommen, und wenn er erſt Chriſtians Staa⸗ 


ten erobert, ſodenn auch Mecklenburg, Pommern und endlich Polen angreiffen 


folte. Allein dies war ſehr weit ausſehend. Zum Gluͤck fingen auch die Ritter und 


Einwohner in Preuſſen an neue Einſichten in Glaubensſachen zu bekommen. Pe⸗ 
trus Amandus ein bisheriger Antonitermönd; und ſehr hitziger Mann predigte zuerſt 
in Koͤnigsberg gegen das Papſtehum, und eiferte mit Unvernunft. D. Brismann 
ward von Luthern hingeſchickt, und beſtritte die roͤmiſche Kirche mit Gründen. Die 
Kirchen verbeſſerung bekam Liebhaber und Bekenner. Bris mann bekehrte den Biſchof 
von Samland Georg von Polenz, der 1524 feine Geiſtlichkeit anwies, durch Lu⸗ 
thers Schriften ſich unterrichten zu laſſen. Er iſt der allererſte Biſchof, welcher die 
roͤmiſche Kirche verlaſſen. Er heirathete die Catharina Truchſes von Wetzhauſen, 
und als ſolche nach 36 Jahren verſtorben, die Anna Freifrau von Heideck. Sein 
Beifpiel machte Nachfolger. Friedrich Truchſes von Waldburg, der im deutſchen 
Orden war, nahm die Anna von Falfenhayn zur Ehe. Andere Ritter folgten 
Haufenweiſe, und was der Biſchof that, machten Mönche und Nonnen nach. Die 
es nicht thaten erklaͤrte Georg von Polenz vor Knechte der Sünden, und Amandus 
meinte, da die Mönche lange mit den Laien gegeſſen, fo fen es billig, daß dieſe auch 
bey jenen anfiengen zu Gaſte zu gehen. Dies ſchlug gegen die, welche bey der alten 
Kirche blieben, zu einer Art von Verfolgung und zu einem gewiſſen Bilderſturm aus. 
Der Poͤbel hatte aber daran den groͤſten Antheil. Der Biſchof bediente ſich der dama⸗ 
ligen Zeitumſtaͤnde, die Kirchenverbeſſerung allgemein zu machen, und verfuhr darin mit 
mehrerer Ordnung und Gelaſſenheit. Er konte hiebey um ſo mehr thun, da er als 


Statthalter alles Anſehen hatte. Der Hochmeiſter überlegte indeſſen in Deutſchland 


zu Eöln mit einem feiner Brüder und den Herzogen von Braunſchweig, wie weit 
man es mit Beiſtand des Chriſtians 2 von Daͤnnemark bringen konte. Als aber dies 
ſer Prinz die Volker, welche ſich in der Mark Brandenburg zu feinem Vortheil zus 
ſammen gezogen, und ſchon bis Perleberg gekommen waren, weder mit Geld unter⸗ 
ſtuͤtzte, noch ſich perſönlich, der Abrede gemäß, einfand, giengen ſolche aus einander. 
Dies war das letzte Mittel geweſen, wodurch Albrecht feinen Entzweck mit Gewalt 
gegen Polen zu erreichen gehoft hatte. Da aber ſolches ebenfals fehlgeſchlagen, fo 
mufte er an einen andern Weg denken, feine Sache mit Polen auszumachen. Luther 
ſowol als Melanchton batten ihm bereits einen beſondern Vorſchlag gethan. Der 
Hoch meiſter befrug den Luther, was er von der Einrichtung feines Ordens hielte. 
iefer zeigte feine Meinung, daß der Wen Ritterorden auf übel zuſammenhaͤngen⸗ 
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1523. 


7524. 


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10 


404 GSeeſchichte von Preuffen. 
1524. den und ungereimten Grunden beruhe. Er gieng noch weiter. Er rieth dem Al⸗ 
brecht den Orden fahren zu laſſen, ſich zu vermälen, nach Preuffen zurück zu gehen, 
und alles anzuwenden, daß er dies Land als ein weltlich Fuͤrſtenthum oder Herzogthum 
beibehlelte. Philippus Melanchton war eben der Meinung. Der Hochmelſter 
hielt aber nicht vor gut feine Gedanken Über dieſen Rath zu aͤuſſern. Sein bloſſes für 
cheln zeigte nur fo viel an, daß er darüber ſich noch nicht heraus laſſen konte. In 
der That aber hatte er ſich bereits entſchloſſen, den Orden fahren zu laſſen, den er wi⸗ 
der ſein Gewiſſen hielt. Er wolte aber doch vorher das Ende der Unterhandlungen mit 
Polen abwarten. Mit vieler Mühe brachte es der Hochmelſter dahin, daß auf Drei⸗ 
Fonigtag des folgenden Jahres zu Presburg eine Zuſammenkunft beliebt wurde, um, 
dem letztern Vergleich zu Folge, die Streitigkeiten Polens und des Ordens su ent; 
ſcheiden. Auf Albrechts Befehl waren in Preuſſen diejenigen Maͤnner ausge 
welche dieſer Untet handlung beiwohnen ſolten. Es wurden Ehrhard von Queiß 
maliger Biſchof von Pomezanien und Friedrich Freiherr von Heydeck be 
des Ordens, Henrich von Kittlitz und Georg von Kuhnheim von Seiten des fand» 
adels, und Nicolaus Reichau nebſt Criſpin Schönenberg von Seiten der Sta 1 
zu Bevollmächtigten ernannt. Sie begaben ſich wirklich auf die Reife nach 
1525. Sie waren 1525 bereits zu Olmuͤtz in Mähren angekommen, als fie zu ifrer Bestie, 
zung erfuhren, daß König Sigmund dieſe Verſammlung abgeſchrieben. Der Hoch ⸗ 
meiſter war ſehr betreten. Er befuͤrchtete ſich ohnedies von der presburgſchen Ders 
ſammlung mancherley, da vermuthlich der Cardinal Laurentius Campegius, der 
paͤpſtliche Botſchafter in Ungarn, ſich daſelbſt eingefunden haben wurde. Dieſer hatte 
vom Papſt Befehl den Biſchof von Samland Georg von Polenz entweder vom fur 
terthum abzuziehen oder abzuſetzen. Er ſchrieb daher an den Hochmeiſter in dieſer Sa / 
che. Dieſer gab ihm aber zur Antwort: „er wiſſe nicht, was in ſeiner Abweſenheit in 
Preuſſen vorgegangen. Was daſelbſt gegen Mönche, Kirchen und Bilder zur a 
gebuͤhr geſchehen, ſey von den Regenten beſtraft. Seine kuͤnftige Gegenwart wi 
allen Unordnungen abhelſen. Es ſey ihm unbewuſt, daß ſich unter ſeinem Hofſtaat 
Ser befänden, Ueber das verborgene aber zu richten ſtehe GOtt allein zu. Das 6 
de des geſetzten Waffenſtillſtandes kam herbeh. Albrecht beſchwerte ſich durch ſeinen 
Geſandten Johann Eufpinian beim Könige von Ungarn Ludwig uͤber die Verzoͤge⸗ 
rung des Königs von Polen. Die paͤpſtlichen, kaiſerlichen und ungariſche Gefande 
ten konten vom Sigismundo bey dem allen die Verlängerung des Waffenftillfte 
5 * bewirken. Es machte ſolcher Anſtalten den Krieg forufeten Hehe) gu sat 1 
$. 19s. 15 * APR 
es kommt Der Hochmeiſter muſte eilen den Frieden zum Stande zu an „ eh 0 
9 des Waffenſtillſtandes abgelaufen, weil er zu Fortſetzung des Kt eges ſich auf 
„ e & vor Oi; 8 bielt ſich bey Fr; Vawandeiß K. Schleſ 


E echte f PR 491. * S. 120 128. 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. u, oh 


dem Marggraf Georg Herzogen von Jaͤgerndorf und bey Friedrich 2 Herzogen von 


Liegnitz auf. Dahin ließ er feine Geſandten aus Olmuͤtz zuruͤck kommen. Die 


Zeit war viel zu kurz eine Zuſammenkunft der gewählten Schiedsrichter aufs neue zu 


Stande zu bringen. Dies vermochte den Hochmeiſter ſowol als die Geſandten vom 
Orden und vom kande den Marggraf Georg und den Herzog Friedrich zu erſuchen, 
ſich als Unterhaͤndler zum Könige zu verfuͤgen. Der Hochmeifter erbot ſich zum lehns⸗ 
eide, wenn er durch ihre Vermittelung die Abänderung einiger unerträglich ſcheinender 
Stuͤcke des ewigen Friedens erhalten konte. Bemeldte Prinzen nahmen das Gefchäft 
wirklich uͤber ſich, und reiſeten nach Cracau ab. Der Hochmeiſter und die Geſandten 
vom Orden und lande verfügten ſich nach Beuthen in Oberſchleſien, um den Verfolg 
der Unterhandlungen in der Nähe abzuwarten. Am Sonntag Oculi langten die Mit⸗ 
telspetſonen zu Beuthen mit der Nachricht an, daß der König durchaus in nichts von dem 
ewigen Frieden abgehen wolte. Er habe aber einen andern Vorſchlag gethan, des Jn⸗ 
balts: Der Hochmeiſter folte Preuſſen vor ſich und feine leibeserben vom Könige zu 
tehn empfangen, und deſſen Brüder die Marggrafen Caſimir, George und Hans 
die Micbelehnſchaft auf den Fuß erhalten, wie fie ſich ſelbſt darüber vereinigen wuͤr⸗ 


den. Auf den Fall wollte der König alle im letzten Kriege gemachten Eroberungen wie⸗ 


der heraus geben; dagegen ſolte der Hochmelſter das im Biſchofthum Ermeland erober⸗ 
te ebenfals zuruck geben, und davor vom Biſchofe auf Zeitlebens ein Jahrgeld von 
3000 Mark zu genieſſen haben. Den Ordens⸗ und Landesgeſandten kam dieſer Antrag 
unerwartet und bedenklich für, und verlangten eine Verlaͤngerung des Waffenftillftans 
des, um ſolchen an den Orden und die Staͤnde von Preuſſen gelangen zu laſſen. Die 


Unterhaͤndler hielten aber nicht vor gut, ſich der Beſchimpfung auszuſetzen, als wenn 


man die ihnen gegebene Vollmacht nicht vor zureichend anſaͤhe; ſie wuͤſten gewiß, daß 
auſſer dem Kriege, dem ewigen Frieden nach allem ſeinem Inhalt und dem letzten Vor⸗ 
ſchlage des Königes, kein Blertes zu hoffen uͤbrig ſey; Polen habe jetzt auf Sooo 


Mann unter den Waffen, die zu dem Kriege gegen die Tartarn gebraucht werden ſol⸗ 


ten, hiervon dürften nur sooo nach Preuſſen abgehen, fo wären ſolche hinlaͤnglich den 
Ueberreſt zu erobern, die ungariſchen Geſandten haͤtten alles; angewendet die Ders 
laͤngerung des Waffenſtillſtandes auf zwey Jahr zu erhalten, ohne in ihrem Geſuch 
glücklich zu ſeyn; Polen ſchiene vielmehr mit Begierde dem völligen Ablauf des Waf⸗ 


fenſtillſtandes entgegen zu ſehen. Hierauf erſuchten die preußiſchen Geſandten von land 


und Städten den Hochmeiſter feine Meinung hierüber zu erflären. Albrecht verwieß 
ſie deshalb an die Ordensgeſandten, den Biſchof von Pomezanien und Friedrich von 
Heydeck, mit welchen er dieſe Sache bereits, ſeinen Pflichten gemaͤß, in Ueberlegung 


gezogen haͤtte. Dieſe erklaͤrten den landesgeſandten des Hochmelſters Entſchluß dahin: 
Da die Ruhe dem lande unentbehrlich, der ewige Friede aber dem Hochmeiſter, dem 


Orden und den Unterthanen ganz unleidlich, fo fen das beſte, des Königs Vorſchlag wer 
gen der Vererbung des Landes anzunehmen, und nur alles anzuwenden, daß auſſer de⸗ 


nen Orten, die vor dieſem Kriege dem Albrecht gehört, ſolchem noch einige * 


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« 


1525. 


1525. 


406 Geſchichte von Preuſſen. a 
Platze eingeräumt werden möchten. Die Abgeordnete vom bene n © übten 
ſtellten fü ch voller Bewunderung, daß die vom Orden abgeordnete dem Hochme ſter eis 
nen ſolchen Rath gegeben. Sie 5 ſehr behutſam zu Werk gehen. Sie ſtellten 
alſo vor, daß die Stände in Preuſſen des Königs Vorſchlag nicht ein tal vermuthen 
und folglich ihnen darüber keine Verhaltungsbeſehle geben konnen; ‚fie befuͤrch ten, daß 
die Ordensglieder in Deutſchland damit nicht zufrieden ſeyn wuͤrden, woraus dem 
tande allerhand Nachtheil erwachſen könte. Die Ordensgeſandten ſtellten aber dageget 
vor, daß, da die Ordensglleder aus Deutſchland fie gänzlich verlaſſen, und von ie 
nen kein Beiſtand zu erhalten, fo muͤſſe man jetzt blos das Wohl des landes allen ubri⸗ 
gen Betrachtungen vorziehen. Die Geſandten vom lande und Staͤdten lieſſen ſich ſol⸗ 
ches endlich gefallen, wenn der Hochmeiſter ihnen perſönlich feine Meinung eröfnet 
ben wuͤrde, ob auf den Fall, daß der königliche Vorſchlag angenommen wuͤrde, Po 
das land gegen den Orden vertreten, der neue Landesherr denen Ständen alle R 
und Freiheiten beſtaͤtigen, und gleich nach empfangener Belehnung zu U 
der kandesregierung ſofort nach Preuſſen abrelſen, das land durch einheimiſche Nr 
the regieren, und die Einrichtung der Erbfolge mit den Ständen in Ueberlegung zie 
hen wolte. Der Hochmelſter beantwortete ſolches damit: Die auswaͤrtigen landmei 
ſter hätten ſich bereits feinem Gehorſam entzogen, und von ihm laut Brief und Sie 
gel unabhängig gemacht, es ſey alſo von denenſelben kein Beiſtand zu hoffen. Die 
Ehre der Stände ſey dadurch gedeckt, daß man bey Annehmung des königlichen Vor 
ſchlages nichts als der Unterthanen Beſtes zum Entzweck gehabt. Er ſowol als die Kro⸗ 
ne Polen würden ſich den Schutz des Landes gegen alle, die ſolches anfeindeten, emp 
len ſeyn laſſen. Er wolle die Freiheiten der Stände beſtaͤtigen, und gerne Bee 
digung der Sachen nach Preuſſen kommen. In feiner Regierung wolle er ſich lauter 
gewiſſenhafter Rͤͤthe bedienen, ohne jedoch ſich blos auf Einhelmiſche einſchränken u 
laſſen, und in Abſicht der Erbfolge komme es dem königlichen Vorſchlage gemäß, auf 
den kuͤnftigen Vertrag an. Hierauf wurde vom Hochmeiſter und Geſandten von Orden 
und Ständen denen beiden fürftlichen Mittels perſonen Vollmacht ertheilt, den Vergleich 
mit Polen vollig zu berichtigen. Es reiſeten ſolche nach Cracau ab, und lie ſen von 
dem Erfolg ihrer Unterhandlung durch Peter von Koͤnigsfeld zu Beuthen folgende 
Nachricht ertheilen: Der König konne, feinem der Krone gelelſteten Eide gemäß, 
nichts an kand und leuten von demjenigen abtreten, was vor dem letzten. zu Po⸗ 
len und polniſch Preuſſen gehört habe. Er wolle aber alles, was er erobert, zurück 
geben, und gegen Wiederabtretung deſſen, was in des Albrechts Hände geſal⸗ 
len, ihm ein Jahrgeld von 4000 rheiniſchen Gulden verſchreiben. ‚gu me — } 
ſey vor jetzt der König und die Krone Polen nicht zu bewegen, jedoch ſey zu h N 
daß man kuͤnftig von der Gnade des Königs noch manchen Vortheil zu gewärtl 
be. Nunmehro rieth alles einmüͤthig, das angefangene Werk zubeendigen, 
meiſter und die Geſandten vom Orden und Ständen begaben ſich Freytags nach La 
nach Cracau, und brachten nach verſchiedenen eng mieni⸗ 


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Marggraf Abrecht von Brandenburg. ö 407 


trag zum Stande, durch welchen der öftliche Theil von Preuſſen eine ganz neue Ger 
ſtalt gewann 2). Da ſolcher bisher unter der Regierung eines geiftlichen Ritteror⸗ 
dens geſtanden, ſo ward er anjetzo durch dieſen Vertrag ein erbliches Herzogthum vor 
Prinzen aus dem Haufe Brandenburg. Der bisherige Hochmeiſter Albrecht vers 
Anderte nach feiner erlangten Erkenntniß die Religion, und trat vom Papſtthum der 
lutheriſchen Kirchenverbeſſerung bey. Nach eben dieſen erlangten Einſichten hielte er 
die Eiurichtung des deutſchen Ordens vor unerlaubt und dem Willen GOttes zuwider, 
er entſagte daher der Hochmeiſterwuͤrde und dem ganzen Orden, und verwechſelte den 
hochmeifterlichen Mantel mit einem fuͤrſtlichen. Die Vererbung des nunmehro bran⸗ 


1525. 


denburgiſchen Preuſſens geſchahe mit Rath und Vorwiſſen ſowol derer, die von den 


preußiſchen Staͤnden, als auch insbeſondere derer, die von dem Orden in Preuſſen 
mit gehöriger Vollmacht verſehen waren. Da der Orden ein vor allemal den ewigen 
Frieden nicht beibehalten, der König aber davon durchaus nicht abgehen wolte, fo 
blleb zu Vermeidung des hoͤchſt unglücklichen Krieges nichts mehr übrig, als die neuen 
Vorſchlaͤge des Koͤniges zu Vererbung des Landes anzunehmen, indem der letztere 
Krieg bereits den Verluſt eines groſſen Stuͤck Landes nach ſich gezogen, und der Ders 
luſt des uͤbrigen um ſo viel mehr zu befuͤchten war, da theils die Erfahrung gelehret, 
wie geringe des bisherigen Hochmeiſters Kräfte gegen die polniſche Uebermacht, und 
wie unerheblich derjenige Beiſtand geweſen, den derſelbe bisher ſowol von Deutſch⸗ 
land als den auswaͤrtigen Ordensbruͤdern erhalten. Die Unabhaͤngigkeit, worin 
ſich die auswärtigen kandmeiſter zu ſetzen gewuſt, vereitelten alle Hofnung, kuͤnf⸗ 
tig einen Beiſtand von ihnen zu erhalten. Die vorzunehmende Staatsveraͤnderung 
blieb alfo das einzige Mittel, Preuſſen vor allem Uebel zu ſichern, wofuͤr man ſich zu 
fürchten alle Urſache hatte. Da alſo der damals gemachte Vertrag von fo groffer Er⸗ 
heblichkeit iſt, fo will ich ſolchen, ſo wie ihn uns Schuͤtz überliefert hat, hier einruͤcken. 


§. 196. 
Im Namen der heiligen Dreifaltigkeit Amen. Von Gottes Gnaden Wir 


Inhalt des 


Georg Marggraffe zu Brandenburg, in Schleſien, zu Rottenbar, Jegern⸗ — 
dorff, in Preuſſen, zu Stettin, Pommern, der Caſſuben und Wenden Her 2 


Bog, Burggraffe zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Rügen, und wir Friedrich von den⸗ 
ſelben Gnaden Hertzog in Schleſien, zur Lignitz, Brieg, und Ober ter Haupt, 
mann in Niederſchleſien, bekennen und thun kund allen und jeden, ſo dieſen Vortrag 


ſehen, hören, oder leſen, daß wir aus nach geſchriebener Urſachen, fo uns als chriſt⸗ 


liche Fuͤrſten hierzu beweget, nachfolgende Unterhandlung und Vertrag, zwiſchen 
dem Durchl. Großmäaͤchtigſten Herrn, Herrn Sigismundum Könige zu Polen, 
Großfuͤrſten zu Littawen, in Reuſſen und Preuſſen Herrn und Erbling, irer 
Mai. Erben und nachkommende Könige der ſelben Kronen an einem, und dem Hochs 


muͤrdigſten Hochgebornen Fuͤrſten und Herrn, Herrn Albrechten/ Marggraffen zu 


ENT Bram 
2 Schüs f. 491: 494 


1525. 


Coriſtlich, ziemlich vnd billich angeſehen, zwiſchen Hochgedachter Kön. M 


408 GSGieſchichte von Preuſſen. f 
Brandenburg, Hohmeiſter deutſches Ordens in Pieuſſen, S. L. Nitteri 
Orden, Landschaft und Städten anders Theils, begriffen und aufgerichtet, zu 
forderlichſten, diewell wir vermerckt, daß urſpruͤnglich alle zwieſpaltigkeit „ Krieg ur 
unwillen zwiſchen Hochgedacht Königlicher Maleſtet, dem Herrn Hohmeiſter und f 
nen fanden ſich aus deme erböret und dargefloſſen, daß kein rechter regierender erölicher 
Fürfte der Sande Preuffen geweſen, ſondern dieſelbe durch viel Herren und 3 r 
regieret ſeind, daraus ſich auch die kande gegen einander in Kriege erböret i d bege⸗ 
ben, viel Chriſtlichs Bluts vergoſſen, Land und Leute beſchedigt, Widtwen u 
ſen gemacht, auch das genanter Herr Hohmeiſter, unſer freundlicher lieber 
Ohm und Schwager, bey zeiten ſeiner regierung, als ſeine L. das bohmeiſterampt ge 
tragen, ſich vieler Muͤhe und Arbeit bishero unternommen, und alſo pe 
ftänden der Chriſtenheit, als Bäpftlicher Heiligkeit, Kay. May. dem N 
Roͤmiſchen Reich und dem deutſchen Adel fleißige manchfeltige anregung a, — 5 
meinung, ſie dahin zu bewegen, dadurch dieſelbe langwierige groſſe irrungen, inhalt des 
ewigen friedens, fo etwa von Koͤn. Durchl. König Caſimirn, ꝛc. Hochldblicher ge 
dechtnis, zu Thorn begriffen, und auf neheſt vierjärigen Compromis durch Kay. 
May. und Kön. Durchl. zu Vngarn geſchickte, in beyweſen Bäpftlicher helligkeit de 
gaten, Bey den zu Thorn aufgerichtet, beygelegt und vertragen hetten werden muͤgen, 
Welchs doch aus merklichen zufallenden Kriegen und andern groſſen beweglichen ur ⸗ 
chen, damit Kay. May. und Kon. Durchl. zu Ungarn beladen, bishero 
und verhindert, Und ſo wir dann vermercket, das ſolch aufgericht guͤtlichs compromiß a 
in kurtzen Tagen ſich geendet wuͤrde haben, und wo alſo die ſache 1 
were zu beſorgen, das Kön. May. die lobliche Krone Polen, vnd der e 
vnd das fand Preuſſen auff ein newes wiederumb zu welterem Krlege vnd 
gieſſung, gemeiner Chriftenheit zu nachteil, hetten kommen muͤgen, damit nun 
alles beygeleget, und hinfuͤrder in zukünftiger Zeit verhuͤtet, vnd ein ewiger Chriſtll⸗ 
ei frieden, zwiſchen Hochgedachter Koͤn. May. irer May. Erben und mien 
nigen der Krone Polen, dem Herrn Hohmeiſter, feinen kanden vnd 0 
gerichtet, und beyderſeits möcht erhalten werden, auch in anſehung, bieweil 
May. zu Vngern, Boͤhem ꝛc. vnſers Gnedigſten Herrn, als des Be. en Com 
promiſſes Scheidesrichter, ietzund zu dieſer Zeit der Ehrwirdige Vater Herr S ati - 
lius Probſt zu Veſperin, als geſchickter Orator, die hochgedachte Königl. May. 
Polen, und unſern lieben Bruder, Ohmen vnd Schwagern Marggraff? Albrecht 
ſich in unſer vnterhandlung zu begeben, vnd hierinne gnediglich und 
gen vnd zu befinden laſſen, erbeten und anc ſucht, haben wir als beyden bewll⸗ 
ligte vnterhendler, aus oben erzehlten vrſachen, nachfolgende Artickel, die wir fuͤ 


dem Herrn Hohmeiſter beredet, vnd wie hernach geſchrieben, volnzogen. ET 
ften, ſollen alle zweyſpaͤltigkeit, auff nachfolgenden vertrag, fo ſich in bi a 
zwiſchen Königl. May. dem Herrn Hohmeiſter, dem Fuͤrſten aus ne ' 


PN . A w 


m. 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 409 


Biſchoff von Heilsberg, vnd dem von Culmenſee, vnd allen andern, auch derſelben 
Vnterthanen, begeben, gentzlich hingelegt, vnd keinen Theil in argem nicht gedacht 
werden. Zum andern, ſollen von beiden teilen die Flecken, Schloͤſſer vnd Städte 
ſampt ihren ein und zubehörungen, fo in dieſem Kriege ein part dem andern eingenom⸗ 
men, mit dem groſſen Geſchuͤtze, vnd wie ſolches im erften einnemen der Schlöffer bes 
funden, abgetreten werden, desgleichen ſollen die Hackenbuͤchſen, wie ſolche bei den 
itzigen Amptleuten vorhanden geweſen, auch hinwiederumb vberantwortet werden, 
So aber nichts vom groſſen Geſchuͤtze mangeln wuͤrde, ſollen die Amptleute darumb 


bey eyden gefragt werden, das fie bey ihren eyden anfagen, was fie alldo befunden ha- 


ben, Was aber das Geſchuͤtz belangt, das auff Holland, welches gebrochen worden 
gefunden, ſol ohne verminderung Marggraffe Albrechten wiederumb zun handen ge⸗ 
antwortet werden. Zum dritten, ſollen alle vnd jegliche des Adels, Buͤrger oder 
Bawren, aller geluͤbd oder pflicht, damit fie ſich in itzigen Kriege, ober. find derſelben 


eit von irer Herrſchafft geworffen vnd verbunden, los vnd ledig gezehlet werden. Zum 


vierden, was den verſeumeten Dienſt betrifft, ſollen von Kon. May. vnd dem Her⸗ 
togen in Preuſſen ſolches denienigen aus gnaden nachgelaſſen, vnd die Güter wieder⸗ 
gegeben werden, doch die fo gericht vnd ihren tohn, vmb ihre mißhandlung entpfan⸗ 
gen, derſelben Kindern ſollen die vnbeweglichen Guͤtere von beiden Theilen wider gege⸗ 
ben werden, vnd dieſelbe mißhandlung ihres Vatern den Kindern an iren ehren nicht 


ſchaden, noch zu ihr keinem nachtheil bey menniglich gelangen. Zum fuͤnfften fol Kon. 


May. denen von Mewmarck, vnd Marggraff Albrecht denen von Gilgenburg vnd 


Hohenſtein, vnd allen andern Städten, Geiſtlichen und Weltlichen, Edel vnd Vn⸗ 


edel, beider theile Vnterthanen, die, das fie aus furcht abgefallen, verkleſen vnd vers 
geben, ſolches in vngnaden nimmer gedencken, noch iemanden an inen zu rechen ge⸗ 


ſtatten, ſondern aus gnedigem Willen, vnter ihrer May. vnd der Hertzog vnter ſel⸗ 


nen Brieffen vnd ſiegel ein vrtel geben, das ſolches inen vnd iren kindern zu keinen 
Vnehren oder nachtheil gelangen ſolle. Zum ſechſten, was der geiſtlichen Güter vnd 
Jurisdiction belanget, ſol der Hertzog in Preuſſen auff der Geiſtlichen anſuchen hier⸗ 
zu einen ieglichen verhelffen, fo viel Chriſtlich, billich vnd recht iſt, vnd die Guͤtere, 


Renten vnd zinſere, ſo vnter dem Hertzogen in Preuſſen, dem Stifft Heilsberg 
oder deſſelben Geiſtlichen zuſtendig, ſollen widerumb allenthalben eingereumet, vnd zus 


geſtellet werden, Wo aber der Hertzog oder fein Adel, Pfarherrn oder andere in geiſt⸗ 


liche lehen ſetzen wolten, die die leute Chriſtlichen verſorgten, die fol der Herr Bir 


ſchoff ferner zu inveſtieren, wie für alters, ſchuldig fein. Zum ſiebenden, möchten 
auch die Herren Bifchöffe beſtendiglich anzeigen, das ſich die Geiſtlichkeit, fo in des 
Hertzogs in Preuſſen Lande geſeſſen, vnchriſtlich vnd wider die ordnung vnd auſſatzung 
der gemeinen heiligen chriſtlichen Kirchen verhielten, ſol der Hertzog aus Preuſſen 
neben dem Herrn Biſchoffen verholfen fein, das dieſelben zu gebührlicher ſtraffe gebracht 
werden. Zum achten „ wo irgend ein Bawer oder Buͤrger zwey Jahr fuͤr neheſt ge⸗ 
haltenem Kriege , vnd bis anhero feinem Herrn entworden, vnd one feinen Willen 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Ty. Fff ent⸗ 


1525. 


1525. 


vber ge ſamptlehen, inhalt des vertrags, volnziehen. Zum eilfften, wo die gedachten 


4¹⁰ GSioeſcchichte von Preuſſen. 

entlauffen, dieſelben ſollen, wo fie gefordert, irem Herrn one mittel wider geantwortet 
werden, vnd hinfuͤrder kein teil dem andern den ſeinen fuͤrhalten. Welcher aber im 
Kriege mit gewalt von beyden theilen weggetrieben, dieſelben ſollen beyderſeits an ihre 
Herrſchafft geweiſet werden durch ein offen mandat vnd befehlsbrieff. Zum neunden, 


ſol marggraffe Albrecht Kon. May. vnd der Krone zu Polen einen eyd thun, als ſei⸗ 


nen natürlichen Erbherrn, vnd ſich hinfuͤrder gegen ihre Kön. May. in allem, wie 


ſich einem belehneten Füͤrſten gegen feinem Erbherrn von Rechte zu halten gebuͤhret, 


gehorſamlich erzeigen. Es ſol auch Marggraffe George von ſeinet vnd ſeiner Brüder 
wegen den fahn angreifen, desgleichen ſollen ſich Marggraff Caſimir vnd Marggraff 
Hans durch ihre Brieffe vnd Sigel in Jahres friſt zu ſolchem Vertrage bekennen. 
Zum zehenden, ſoll Kon. May. zu entgegen Marggraffe Albrechten die Vntergeſchrie 
bene Lande, Städte, Schloͤſſer vnd Flecken, nemlichen die dren Städte vnd Schlos 
Königsberg., Lochſtet, Wargen, Gyrmaw, Pubeten, Rudaw, Schafen, 
Caymen, Eremiten, Waldaw, Tapiaw, Taplauken, Narbeten, Inſter⸗ 


biaw, Lawkiſchken, Thylſe, Rangnet, Roſitten, Wyntberg f 
Brandenburg, Creutzburg, Fridland, Dommenaw, Barthen, a 101 
ge, Heiligenbeil, Zinten, Landsberg, Preuſcheilaw, a 
ſten, Saynsbutg, Rein, Raſtenburg, Licke, Johansburg, Ho 

ſtadt, Moͤlhauſen, Morungen, Paſſenheim, Ortelsburg, 75 
henſtein, Neidenburg, Soldaw, Gilgenburg, Schippenbeil, deudſch 
law, Preuſchmarck, Liebemuel, Salfeld, Rifemburg, Marienwerder, Ty⸗ 
renberg, Laptow, Schönberg, Powunden, Jorgenburg, Roſenburg, Gar, 
denſee, Newhaus, Freyenſtad, Salaw, Fiſchhauſen vnd a 
als einem Hertzogen in Preuſſen zu rechtem Erblehen verleihen, vnd folcher verle⸗ 
hung einen Lehnbrieff von einem Brudern auff den andern, vnd derſelben Erben, als 


vier Fuͤrſten, Albrecht, George, Caſi imir, vnd Johann Marggraffen zu Brat 
denburg, vnd derſelben keibslehnserben alle ohne deibslehnserben abgiengen, alsdan 
vnd nicht ehe follen die obgeſchriebene ande Preuſſen, an Kön. Maleſtet vnd die Ero 
ne zu Polen erblichen gelangen vnd fallen, Wo aber Töchter verblieben, dieſelbigen 
ſollen mit einem Fürſtlichen Heyratgeld, von Kön. Mai. angerichtet vnd ve for. R 
den. Zum zwelfften, fol Kön. Mal. Marggraffe Albrechten, feine, € Leb N 
alle Einwoner der obbeſchriebenen lande Preuſſen, bei allen Item Privilegien 
ſem vertrag vnd Kön. Mai. Obrigkeit nicht entgegen, behalten, vnd ſonf i 
rechter Gewalt fehligen und handhaben. Zum Dreyzehenden, ſollen ſich die 
tigen Geſchickten des Ordens, vnd beyde von fand vnd Staͤdten der obgeſchrie el 
de Preuſſen, fuͤr ſich, ire Erben vnd nachkömlinge bewilligen vnd erſcht 
fie ſich, ire Erben vnd nachkommen, nach toͤdlichem Abgang der obge 
Zürften, vnd derſelben belbslehnserben, an die Kön. Mal. ond die 2 


burg, Allenburg, Wonſtraw, Gyrdawen, Angerburg, Norde 9, f 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. Au 
vnd derſelben Erben, mit gebuͤrlicher pflicht vnd vnterthenigkeit, als iren natürlichen 
Erbherren vnd keinen andern halten ſollen, vnd wollen, doch alſo, das die Kon. Mai. 
die obgeſchriebene lande Preuſſen, mit einem, der die deudſche Zungen kann, vnd 
in demſelben Fuͤrſtenthumb wol beſeſſen alle Empter zu regieren, vorſorgen ſol, vnd 


wie Kön. Mal. ihre Nähte verordenen wird, das die von der Ritterſchafft und Staͤd⸗ 


ten, Geiſtl. vnd Weltlich, alle Stende des kandes zu Preuſſen dem Hertzogen aus 
Preuſſen Huldigung thun ſollen, das alsdann aus jeglichem Gebiete, von fanden vnd 
Staͤdten irer zween, von wegen der Eyde, alle auch, wie die jetzigen ſich allhier ver⸗ 
ſchrieben, vnd zu ſolchem vertrage durch ite Brieffe vnd Sigel bekennen ſollen, vnd 
wann die Fuͤrſten aus Preuſſen Huldigung thun, das ſie alsdann bei demſelben ihrem 
gethanem Eide auch geloben ſolchen vertrag zu halten. Zum vierzehenden ſol der Fuͤrſt 
aus Preuſſen die neheſt ſtell vnd Seßion in Raͤhten, Landtagen vnd gemeinen Ver⸗ 
ſamlungen bei der Kön. Mai. haben. Zum funffzehenden, ſol der Fürſt in Preuſſen, 
ſeine Erben vnd nachkommende regierende Fuͤrſten, von gedachten Fuͤrſtenthumb vnd 
oben geſchriebenem Lande zu Preuſſen nichts verkauffen, ſondern wo er darzu aus ob⸗ 
ligender noth verurſachet, ſol er daſſelb der Koͤn. Mai zu Polen, als feinem Erbherrn 
ein Jar zuvor anbieten, vnd ſo es ire Koͤn. Mai. nicht kauffen wolte, alsdan mag der 
Hertzog daſſelbige, doch vnſchedlich Kon. Maj. Regalien, lehnſchafften vnd Dienſten, 
verkauffen. Würde auch der Hertzog aus Preuſſen aus anliegender noth bendthiget, 
fein Schlöffee oder Städte zuverſetzen oder zuverpfenden, dieſelben fol er feinen lehns⸗ 
leuten zuverſetzen oder zuverpfenden macht haben, damit dieſelben Lande vnzerriſſen bey 
einander, wie ietzund bleiben. Zum ſechtzehenden, den Dienſt betreffende, dieweil 
das land Preuſſen in mercklichen verderb kommen, hat Koͤn. Mal. Marggraffen Als 


brechten aus Gnaden zugeſagt, ſechs Jarlang freyheit zugeben, Wo aber Kön. Mal. 


vnd die Crone zu Polen ſampt den landen Preuſſen von iemanden, wes wirden oder 


Standes dieſelbigen weren, von wegen dieſes Vertrags vnd der belehnung halben an⸗ 


gefochten, fo fol der Hertzog in Preuſſen vnd feine Nachkommen, mit feinem eiges 
nem leibe ſampt allen ſeinen Vnterthanen, nach ſeinem hoͤchſten Vermuͤgen, auch in⸗ 
wendig von ſechs Jahren der freyheit ſchuldig fein, Koͤn. Mal darzu zu rathen vnd 
belffen, Dergleichen hochgedachte Kon. May. vnd die Crone zu Polen wiederumb gegen 


dem Hertzogen in Preuſſen vnd denſelbigen Landen in dieſem Fall auch thun fol. Wo 


aber begebe, das Kön. Mal. oder die Crone zu Polen auſſerhalb dieſes vrrtrags 
von den Bngleubigen oder ſonſt bedranget, vnd in eigener Perſon mit allen S. Mai. 
Pnterthanen ins feld züge, fo fol der Hertzog aus Preuſſen, vnd feine Nachkommen, 
perpflichtet fein, Kön. Mal. mit hundert geruͤſteten Pferden bis an die Grenge des 
landes Preuſſen nachzuziehen, Bd fo der Hertzog aus Preuſſen von Kon. Mal. 
weiter dann vber die Grentze gefordert, ſo ſollen dieſelben hundert Pferde, wie andere 
Kön. Mal. Reiſige Kriegsſeute beſoldet werden. Were es auch ſache, das Kön. Mai. 


on den Hertzogen zu Preuſſen begerete, zu feiner Kön. Mal. obliegender notdurſſt 


mehr dann hundert Pferde aufzubringen , 7 2 was die anzal vber hundert Pfer⸗ 
| Fff⸗ | de 


% 
7 4 


1528, 


4¹ Geſchichte von Preuſſen. 


125 de betrifft, von Hauſe aus, wie angezeigt, verſoldet werden, Wo es aber in des Her · 
bogen von Preuſſen vermuͤgen nicht wehre, mehr den hundert Pferde aufzubringen, 
ſo ſol in Kön. Mai. derhalben weiter nicht bedrangen. Zum ſibenzehenden, Was 
die Jurisdiction zwiſchen Kön. Mal. vnd dem Hertzogen in Preuſſen anlangt, ſol es 
dermaſſen gehalten werden, wo hochgedachte Kon. Mai. zu gemeltem Hertzogen in 
Preuſſen, oder hinwider der Hertzog zu ihrer Kön. Mai. in ſachen iter beyder Perſo⸗ ; 
nen betteffend, zu fprechen hetten, So fol die Kön. Mai. darzu ire Nöte zu Ma⸗ 
rienburg oder Elbing niederſetzen, fie der eyde, damit fie iter Mai. 2 
zehlen, vnd wieberumb zu dem Gerichte, wie gebuͤrlich vereydigen, vnd N 
gedachten Nähten der Kön. Mal. vnd dem Hertzogen geſprochen vnd zuerkand, daben 
ſol es bleiben vnd vnwiderſprechlich gehalten werden. Zum achtzehenden, Wo aber er 22 
ner des Hertzogen genoß in Preuſſen Geiſtlichs oder Weltlichs Fürft es den hoch⸗ 
gedachten Hertzogen zu Preuſſen vmb icht was anzuſprechen vermeinete, 
Mai. ſechſe irer Nähte, vnd der Hertzog auch feiner Nähte ſechſe, zum 
ob angezeigt, verpflichten vnd beeyden, vnd was auch alſo von denſelben 3 r 
Fand vnd geſprochen, dabey follen beyde parte beruhen, vnd hieran 2 a 
zug ein genuͤgen haben. Zum neunzehenden, hatt aber einer der nicht 8 1 
zum Hertzogen in Preuſſen einigerley klage, die fol er für feinen iche D 
thun, welche ihm der Fuͤrſte niederſetzen, vnd zum gerichte verpflichten fol, 2 
aber begebe, das ſich iemand in ſolchen gerichten, in fellen des Hertzogen in P 
Perſon belangende, verkuͤrtzet oder beſchweret befünde, fo mag er ſich an die 
fo Königliche Mai. vnd der Hertzog alle Jar auff Franeiſei, fo es die not 
dert, zu Marienburg zuſammenſchicken ſollen, beruffen, dieſelben bann 
darüber zu erkennen, vnd was alda erfand, das die Appellation von deme d 
tufft hat, frevelich vnd vnbillich geſchehen, ſo ſol derſelbe theil dem Gerichte ge 
Preußiſch verfallen, vnd dem andern theil die erpens vnd Gerichtskoſten zu entr 
ſchuldig fein, vnd ſich des vorigen ergangenen Spruches halten. Zum zu ima 
Wo fich aber klage begeben, der Sande Preuſſen Einwoner vnd derſelben © 
derſeits belangend, fol ein ieder für dem Gericht, do die Guͤter gelegen, 
klagte heuslich geſeſſen, angeklagt, vnd fuͤr kein frembd Gericht gezogen we 
ein vnd zwantzigſten, follen keines theils Vnterthanen noch derſelben Güte re/ 
fie an den ſtellen, dahin fie ſamt ihren Guͤtern gehörig, des rechten bekomm. 
in frembden Gerichten nicht arreſtiret, noch auffgehalten werden. 
zwantzigſten, follen hinfuͤrder alle Einwoner der lande Preuſſen bon 
einander auff dem lande vnd Waſſer, ungehindert handeln, vnd wandeln, 
ſtraſſen ziehen vnd faren, vnd ein leder disfals bey ſeinen Privilegien ble ben 
wo Merckte auff den Dörffern wider Recht vnd alte Gewonheit aufgerichtet | 
fuͤrder allenthalb abgeſtellet, vnd in die Städte dahin fie gehörig, gelegt we 
drey vnd zwantzigſten, Sol das tieff bey der Balge, am Habe, ‚ont we 
fe fein, auch das Heupt auff der Weſſile vnd alle Ströme, fue Einw 


= u emo me em. ee 
3 * 


nimmermehr thun vnd handeln follen noch wollen. Inſonderheit mit dieſen anhangen⸗ 
g . f 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 413 


des zu Preuſſen darauff zu ſchiffen vnd zu wandeln, frey fin, auch die fremden 
Kauffleute in keine Stad weder gen Koͤnigsberg, Elbing, Braunsberg vnd Dan⸗ 


Big, noch anders wohin zu fahren gezwungen werden, ſondern frey ungehindert, wo 


inen hin geliebet, ſegeln, vnd ſchiffen, doch alten Zöllen vud Privilegien vnſchedlich. 
Zum vier vnd zwantzigſten, ſollen keine newe zölle, niderlagen noch andere beſchwere 
im lande Preuſſen, wider alte gewonheit vnd Privilegien, von keinem theile auffge⸗ 
richtet werden, ſondern bey den alten zöllen bleiben, weren aber indert von einem thel⸗ 
le, finder Königs Caſimir vertrage, zölle auffgerichtet, die ſollen auch beyderſeits ab 
geſtellet werden. Wo ſichs aber mit der Zeit begebe, das Königliche Maleſtet, des⸗ 
gleichen der Hertzog in Preuſſen, auff anſuchen beyder ihrer Vnterthanen verurſachet, 
irgends newe Zölle oder niderlagen iren kanden zum beſten auffzurichten, So fol Köͤ⸗ 
nigliche Maieſtet den Hertzogen in Preuſſen an eine gelegene ſtelle fordern, vnd alſo 
von beyden theilen macht haben, ſich darumb mit einander zu vertragen, Wo aber die 


Fuhr - oder Schiffleute ſolche zölle verführen, ſollen inen nicht die Guͤtere entwand, 


ſondern allein Schiffe, Wagen und Pferde genommen werden. Zum fuͤnff vnd zwan⸗ 
bigſten, was die Guͤtere derer ſo Schiffbruͤchig werden, antrifft, fol es mit denſelben 


nach alter hergebrachten Gewonhelt, diewell es in Seeland, Holland vnd Braband 


dermaſſen vblich, auch gehalten werden, doch das der Schiffmann ferner vngeſcha⸗ 
Get bleibe. Zum ſechſ vndzwantzigſten fol ſich ein leder theil wider das ander nunmehr 
vnd hinfuͤrder, Straſſenreuber, Diebe vnd andere Landbeſchediger zu haufen vnd zu 
fördern enthalten, ſondern welches eins theils abgeſagter feind iſt, fol auch von dem 
andern theil für feinen abgeſagten feind vnd beſchediger gehalten werden. Zum fiben 
vnd zwantzigſten, fol ein ieder theil macht haben, one verhinderung feinen feinden vnd 
beſchedigern zu eilen, inen in des andern theils kande nachzufolgen, vnd in welches Ges 
richte fie begriffen, in dieſelbig ſollen fie geantwortet vnd irem Verdienſt nach gerecht, 
fertigt werden. Zum acht vnd zwantzigſten, es fol ſich der Hertzog in Preuſſen, des 
gleichen die von Elbingen, Dantzig vnd Thorn aller Muͤntze zu ſchlagen enthalten, 
doch das die Kon. Mai. derenthalb zwiſchen hier vnd Pfingſten vber ein Jahr des Der 


trags einen Tag anſetze, ſich ſolcher Muͤntze klerlichen zuvereinigen. Zum neun vnd 


zwantzigſten, fol der Fuͤrſt in Preuſſen ſich aller Privilegien vnd Gerechtigkeiten, fie 


ſeind von Bapſten, Keiſern, Fuͤrſten oder Königen zu Polen ausgegangen, verzeihen, 


nun vnd hinfurt denſelben ewiglich renunciren, vnd der Kön. Mai. zun handen ftellen, 
So aber etwas in denſelben Privilegien begrieffen, das dieſem vertrage nicht entgegen, 
ſondern dem Hertzogen in Preuſſen vnd dem Sande von wegen der Grentzen vnd ande⸗ 
ter freyheiten vnd Gerechtigkeiten von noͤten, des lautes fol ire Kon. Mal. vnter ih⸗ 
ten Brleffen vnd Sigel auff ein newes widerumb begaben. Zum dreißigſten, ſol ſich 
die Crone zu Polen, vnd das Land Preuſſen, fuͤr ſich vnd ihre nachkommen gentlich 
verſchrelben, das fie dieſen auffgerichteten vertrag, in allen feinen ſtuͤcken, Puncten 
vnd Artickeln, getrewlichen, ewiglichen vnd vnwlderſprechlichen halten, vnd dawider 


Ff 3 den 


— 


1325. 


1525. 


414 -  Öefchichte von Preuſſen. 

den punet, Wo ſich Todtes felle begeben, das Gott nach ſeinem Willen friſte, das 
fich das and Preuſſen, dem ietzigen vnd nachkommenden Hertzogen zugehörig, an 
Kön. Mai. vnd die Crone zu Polen vnd nirgend anders wohin halten ſollen. Zum letz 
ten, Wo auch iemand, wes Wirden oder Standes dieſelben weren, die dieſen vertrag 
anfechten wolten, fo follen die dren Marggraffen die in dieſem Vertrag gezogen, mit 
allen denen die fie darzu vermuͤgen, neben dem Hertzogen aus Preuſſen, ſolchs Kön. 
Mai. zu Polen verantworten helffen. Solchen obgeſchriebenen entſcheid vnd chriſtli⸗ 
chen vertrag haben Hochgedachte Kön. Mai. dergleichen der hertzog in Preuſſen „in 
allen feinen begriffenen ſtuͤcken, puncten vnd Artikeln bey iren Königlichen vnd Füͤrſt⸗ 
lichen Wirden, Chriſtlichen guten glauben, ewiglich, getrewlich vnd vnverbruͤchlich, 
für ſich, ire Erben, nachkommende Könige zu Polen, vnd Hertzoge zu Preuſſen u 
halten gelobt vnd zugeſagt. Zu gröffer vnd mehrer ſicherheit hat Hochgedachte Kön. 
Mai. desgleichen der Hertzog in Preuſſen ſolchen vertrag mit eigener Hand unten 
ſchrieben, auch ire Ingeſigel neben die vnſerigen wiſſentlich hieran hengen laſſen, vnd 
ſolchs vertrags find zweene Scheidebrieffe bende eines lautes begriffen vnd gemacht, vnd 
iederm Theil einer vberantwortet; Geſchehen vnd gegeben zu Crackow am Palmabend, 
der iſt der achte tag Aprilis geweſen, nach Chriſti vnſers lieben Herrn 17 tau 
ſent, fuͤnffhundert, vnd im fuͤnff vnd zwantzigſten Jare a). e M 


9. 297. uu, ” 


len Stuͤcken nachzukommen. Den ıoten April erfolgte endlich die groſſe e 
keit der Belehnung über das neue Herzogthum. Der Konig erhob ſich mit dene 
fen Gefolge auf das cracauiſche Rathhaus, legte daſelbſt prieſterlichen ſuck a 
und ſetzte die beſte Krone aufs Haupt. Schwerdt, Sceprer und Reichsapfe 

voraus getragen, denen folgte der königliche Prinz Sigismund Auguſt „ 

der König ſelbſt in Begleitung und Gefolg aller geiſtlichen und weltlichen G — 
Reichs. Sigmund ſetzte ſich auf einen zubereiteten Thron, und deſſen ö 
men ihre Stellen ein. Hierauf erſchlenen die Geſandten Albrechts, die auf Knien u 
die Belehnung baten. Der König ließ durch den Kanzler antworten: daß aus Betrach 
tung der Ungluͤcksfaͤlle, die die unaufhöͤrlichen Kriege zwiſchen Polen und dem Orden 
nach ſich gezogen hatten, und aus perfönlicher Liebe gegen Albrecht, Sigismund 
Schweſterſohn, der König demſelben dasjenige Preuſſen, was anjetzt der Orden im 
Beſitz habe, als ein erbliches Fuͤrſtenthum zu behn reiche, und ihn alfo zu Ableg 
der lehnspflicht gelangen laſſen wolle. Nachdem Albrechts Geſandten vor d ieſe kb. 
liche Entſchluͤſſung die Dankſagung abgeſtattet, brachten fie dem Hertoge don die 
Dachricht. Albrecht kam hierauf zu Pferde zwiſchen Merggraf Georg und dem e ? 

gog Friedrich bis an die Schrancken des königlichen Throns, 9 b. „ iher⸗ 


a) Schüg f. 491 + 497. 


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Biſchof von Pomeſanien Ehrhard von Queuß folgte nachmals dieſem Beiſpiel. 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 0 als 


te ſich dem Throne zu Fuß, und danckte nach einer Rniebeugung dem Könige vor deſ⸗ 
fen gnaͤdige Entſchluͤſſung, und erbot ſich zum kehnseide. Sigmund ließ ſich ſodenn 
durch feinen Truchſes ein Panler von weiſſem Damaſt reichen, in welchem ein ſchwar⸗ 
zer Adler, auf deſſen Bruſt der Anfangsbuchſtabe des königlichen Namens S. zu 
ſehen, geſtickt war. Dieſes übergab er als das Wappen des neuen Herzogthums Preuſ⸗ 
fen und mit demſelben das Herzogthum ſelbſt mit eigenen Händen dem Fuͤrſten. Al⸗ 
brecht und ſein Bruder Marggraf George ergriffen ſolches, und uͤbernahmen hiedurch 
das dadurch ausgedruckte fand. Der Erzbiſchof von Gneſen und der Biſchof von Era» 
cau hielten ein Evangeliumbuch in dem Schoos des Koͤnigs, auf welches der neue Herzog 
den behnseid mit folgenden Worten ablegte! Ich Albrecht Fuͤrſt in Preuſſen, Marg⸗ 
graffe zu Brandenburg ꝛc. verheiſſe und ſchwere GOtt dem Allmechtigen, das ich 
von ietzo an ewiglich will fein getreu, vnterthaͤnig, gehuldigt vnd gehorſam, mit ſamt 
allen vnd leglichen meinen Bnterfaffen, Geiftlichen vnd Weltlichen, dem Durchlauch⸗ 


tigſten, Großmaͤchtigſten vnd Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herrn, Sigismundo Köni⸗ 


gen zu Polen 2c. vnd feinen Nachkömlingen, und der ganzen Krone Polen, gleicher 
welſe als es ſich behöret vnd beziemet, einem belehnten fridſamen Fuͤrſten, nach der 
Welſe vnd in ſolchen Dingen, wie diefelben verordnet fein, als mir Gott helfe vnd 
das heilige Evangelium. Albrecht kniete nach Ablegung des Eides wieder nieder 
und buͤckte ſich vor dem Könige, der ihn hierauf zum Ritter ſchlug nnd ihm mit 


eigner Hand eine guͤldene Kette umbhieng. Es erfolgte ſodenn der Ritterſchlag 


vor mehrere Perſonen, worauf der neue Herzog in Begleitung der anweſenden Fuͤrſten 
und vieler polniſchen Herrn ſich nach feiner Wohnung zurück begab. Nach der Tafel 
beſchenkte Sigmund den neuen Herzog mit drey ſilbernen uͤberguͤldeten Köpfen, einem 


Kleide von guͤldenem Geſtuͤck, 3 Zimmer Zobeln und 1000 ungariſchen Gulden, die 
beiden Prinzen, welche den Frieden vermittelt, bekamen ebenfals jeder soo ungariſche 


Gulden, ein guͤſden Kleid und 3 Zimmer Zobeln zum Geſchenk. Den uten April beſtäͤ⸗ 
tigte der neue Herzog Albrecht und ſein Bruder Marggraf Georg vor ſich und im 
Namen ihrer abweſenden Bruͤder und ihrer kuͤnftigen Nachkommen, dem neuen Herzog⸗ 


ihum Preuſſen alle feine Gerechtigkeiten und Freiheiten in einer eigenen Urkunde. 


Nunmehro kam der landesherr den 9ten May nach Königsberg zuruck, und ward 
mit allen Freudensbezeugungen daſelbſt empfangen. Er ſchrieb auf den Freitag nach 
Himmelfart Chriſti einen tandtag aus, welchem auch polnifche Bevollmaͤchtigte beis 
wohnten. Hier benachrichtigte der Herzog die Stände von allem was bisher gefchehen, 
und erhielt durch den Biſchof von Samland Georg von Polenz den Gluͤckwunſch der 
Stände. Hier uͤbergaben ihm die polniſchen Bevollmächtigten vor den Augen der 
Stände die koͤnigliche Belehnungsurkunde über das Herzogthum Preuſſen. Hter übers 
gab der Biſchof von Samland Georg von Polenz alle Weltlichkeit feines Stifts de 
nen Händen des neuen Herzogs über, und behielt ſich gegen einen ftandesmäßigen 
Unterhalt nur die geiſtliche Geſchaͤfte als das Weſentliche feines Amtes bey. Der 


End⸗ 


1525. 


polen ift we Som Pol als Preuſſen fanden bey dieſer groſſen Sa 


416 Sefsihte von n Preuffet 


. Endlich überlegte man alle die Veränderung in Regierungs / und W m 
25 die groffe Staatsveränderung nothwendig gemacht. a 


$. 198. 


reif * i 


So lange der Orden Preuſſen beſeſſen, hatte Polen mit demſelben die wenig 


sortheifhaft. ſte de ce in Rufeiesen können. Seine Begierde fich auszubreiten war ohne Schranken, und 


das Geluͤbde das Chriſtenthum mit den Degen in der Hand zu pflanzen, hatte ihm theils den 
Beſitz einiger lithauiſchen Gegenden, thells einen Anſpruch auf ganz Lithauen verſchaft. 
Seit der Bereinigung Lithauens mit Polen, war die Trennung dieſer betden Staaten 
der Hauptgegenſtand aller Ordensbemuͤhung geweſen, wozu noch uͤberdies 9 
rung einiger polnifchen tänder kam, auf die entweder Polen Anſpruch machte, oder die 
wirklich zu Polen gehört hatten. Weder die ſchwerſten Niederlagen, die der 
litten, noch die eingegangenen Friedensſchluͤſſe konten die Marianer zu Ruhe 23 
Sie miſchten fich beftändig in die polniſchen Angelegenheiten, und ſuchten ſolche zu benu⸗ 
Sen. Endlich erfolgte der groſſe Abfall derer gedruckten Ordensunterthanen aus S 
Marianer. Denn fo wie vormals das Verlangen das Chriſtenthum auszubreiten, 
den Adel in den Orden gefuͤhret, ſo hatten gute Herzen, die aus ihren Bemühungen auf 
die lauterkeit ihrer Sitten ſchloſſen, ſich daraus einiges Verdienſt gemacht, we 
ihre Guter mit ihnen theilten. Allein die Tugenden der Ritter nahmen nicht mit 
Einkuͤnften zu. Die Ueppigkelt ſchlich ſich ein, und der deutſche Adel ſuhe 
eine Frelſtaͤtte an, ſich eines Thells ihrer Kinder zu entladen, und jedennoch 
bequemes beben zu verſchaffen. In dieſer Abſicht war der Orden als ein H Hof 
deutſchen Adels anzuſehen. Seit der Zeit war alſo nicht mehr ein Religie 
Bewegungsgrund ſich einkleiden zu laſſen. Die neuen Ritter glaubten, daß 
ſie gezwungen dem Eheſtande zu entſagen, ſie ſich durch allerhand Aus ſchwelffu 
wegen rächen konten. Ein jeder ergab ſich feiner Neigung. Diejenigen, we 
öffentlichen Bedienungen gekommen, hielten alle unter ihnen ſtehende U 
vor feibeigene , die mit dem Schwerd errungen waren, und für Schle 
res Ehr ⸗ und Geldgeitzes; ohnerachtet viele Unterthanen die herrlichſten Fr 
erhalten hatten. Das Uebel vollkommen zu machen ſchlich ſich die Zwietr. 
Zuſammenkuͤnfte. Der hohe Adel wolte wegen ſeiner vornehmen Abkunft, 
wegen der gröffern Anzahl, Vorzüge haben, und dieſer Streit der Raber 
Wachtelbuben lehrte die Ordensritter alle Achtung gegen die Hochmeiſter 
Gebieter bey Seite ſetzen, er floßte Ungehorſam und Rebellion in die & 
ter und hieraus erfolgte Nachfolge auf die Unterthanen. Da die Ob 
Ritter aus Niederdeutſchland von allen Bedienungen und andern Vortheller 
fen ſich bemuͤheten, fo gab dieſer neue Streit nicht nur zu einer Tremmung im 
Ordensperſonen Gelegenheit, fondern brachte auch die aͤuſſerſt gedruckte U 
Verzweiflung, die einen Aufſtand erregten, und ſich an Polen gangen 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 417 
benjaͤhriger erfolgter Krieg, nöthigte zwar den Orden den ewigen Frieden einzugehen, 1525. 


der den Polacken erhebliche Vortheile verſchafte, aber nicht verſicherte. Der Orden 
war uber den Verluſt des einen Theils Preuſſen und über die Abhaͤnglichkeit von Po⸗ 
len, die durch den Frieden veſtgeſetzet wurde, Aufferft empfindlich. Er bemuͤhete ſich 
bald öffentlich bald heimlich, bald durch Liſt, bald gerade zu, theils durch Vorſtellun⸗ 


gen und Bitten, theile durch Gewalt, theils vor ſich, thells durch andere Mächte: 


von den Verbindlichkeiten des ewigen Friedens loszukommen. Er verband ſich immer 
naher und naͤher mit Deutſchland, waͤhlte ſich Prinzen aus anſehnlichen Haͤuſern zu 
Oberhaͤuptern, und die letzten Hochmeiſter hatten ſich verpflichten muͤſſen, Friedebruͤ⸗ 
chig zu werden, den ſchuldigen Eid Polen nicht zu leiſten, ſondern vielmehr ihren rechts 
mäßigen lehnsherrn mit öffentlicher Gewalt und Krieg zu Abänderung des Friedens zu 


zwingen. Es war ein Grundgeſetz von ihnen errichtet, ſich dem ewigen Frieden durch⸗ 


aus zu widerſetzen. So lange alſo der Orden einen Fuß in Preuſſen behielt, ſo lan⸗ 
ge durfte Polen auf den ruhigen Beſitz derer durch den ewigen Frieden erhaltenen Vor⸗ 
theile, gar keine Rechnung machen. Der Papſt und der Kaiſer wurden beſtaͤndig 
vom Orden auf ſo lang verehret, als er ſich ihrer gegen Polen bedienen wolte, obgleich 
die Marianer weder aus dem einen, noch aus dem andern ein beſtaͤndiges wahres Ober⸗ 
haupt machten, und demſelben zu gehorſamen, geſonnen waren. Eine Gefellfchaft von 
Rittern konte nie ausſterben und kaum geſchwaͤcht werden, da ſich ſtatt der abgehenden 
Glieder aus Deutſchland beſtaͤndig neue einfanden, die insgeſamt den Haß gegen 
Polen als eine Mitgabe mitbrachten. Nichts konte alſo vortheilhafter fuͤr Polen 
ſeyn, als die Gelegenheit, die der Orden ſelbſt darbot, ihn wegen feiner lehnsfehler 
mit der Einziehung des lehns zu beſtrafen, und dem Orden das ganze land zu nehmen. 
Der König ertheilte Preuſſen feinen Schweſterſoͤhnen aus Zuneigung, und konte vers 
ſichert ſeyn, daß fie und ihre Erben die Bedingungen der koͤniglichen Gnade genau er⸗ 
füllen wuͤrden. Polen behielt damals ſogar eine Ausſicht, daß nach Abgang derer 
ſämtlichen Mitbelehnten ganz Preuſſen mit Polen vereiniget werden konte. Dieſer 
Fall war wenigſtens moͤglich, da ſolches hingegen, ſo lange der Orden veſten Fuß in 
Preuſſen hatte, nicht einmal möglich geweſen wäre. Niemand konte wenigſtens das 


mals dasjenige voraus ſehen, was die alles reglerende Vorſicht in kuͤnftigen Zeiten bes 


ſtimmen wuͤrde. 


f 6. 99. 
Es war der Theil dieſes kandes, welcher noch zuletzt in den Ordens haͤnden gewe / Auch Preuf 
ſen, Sandwärts mit lauter polniſchen Provinzen umgeben geweſen. Die bisherigen Kriege ſen halte von 


zwiſchen dem Orden und Polen hatten den eingewurtzelten Nationalhaß vergröͤſſert, bei⸗ Diet ein; 
derſeitige Unterthanen zu Erbfeinden gemacht, und dieſe Geſinnung aͤuſſerte ſich ſogar 
auch alsdenn im Handel und Umgang, wenn zwiſchen beiden Staaten die Waffen ru, vortheile zu 
beten. Da aber jetzt Polen und Preuſſen eine lang anhaltende Ruhe hoffen konten, edel, 


ſo legte ſich allmaͤhlig der gegenfeitige Haß und es entſtand nach und nach eine nachbar⸗ 
liche Freundſchaft, welche beiden zutraͤglich ſeyn muſte. Im Handel und in allen 
p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 899 Ge⸗ 


derung die er— 
heblichſten 


418 Geſchichte von Preuſſen. 
1525. Gewerden zeigte ſich dieſe glückliche Folge des nunmehr geſchloſſenen Vertrags. 
in Abſicht der aͤuſſern Sicherheit, war beiden Staaten dadurch wohl gerathen. Pouf 
ſen wurde von der Seeſeite eine Vormauer von Polen, und die weitläuftigen polni⸗ 
ſchen Staaten ſicherten Preuſſen auf der landſeite vor allem feindlichen Einbruch, fons 
derlich der Ungläubigen. Der gemeine Bürger und Unterthan, der kandadel, die Das 
mals in Preuſſen befindlichen Ordensglieder und der neue Regente hatten, fo wie das 
geſamte Haus Brandenburg, theils im ganzen, theils einzeln betrachtet, anfehnlis 
chen Nutzen. Faſt alle dieſe erkannten ſchon damals die Warheit der Kirchenverbeſſe⸗ 
rung. Unter dem deutſchen Orden wuͤrde es unmöglich geweſen ſeyn, das unertrüͤg 
liche Joch des Papſtthums abzuſchuͤtteln, und GOtt nach ſolchen Einſichten zu dienen, die 
die Offenbahrung vorgeſchrieben. Die alles aufzehrende Geiſtlichkeit hatte in Preuſſen 
um ſo mehr alles Mark des Landes an ſich ziehen können, weil bisher alle Arten von 
obrigkeitlichen Perſonen aus dem deutſchen Orden gewaͤhlt waren, die der Hunger 
nach Preuſſen gebracht, um ſich bafelbft auszufuttern. Ein jeder Ritter ſuchte den 
Fleiß der Unterthanen blos zu ſeinem eigenen Nutzen anzuwenden. Er 
ſo wenig nach ſeinen Beduͤrfniſſen, ja nicht einmal nach ſelnem Ueberfluß ein, fondern 
ſuchte Schaͤtze zu ſammlen, die er an feine übrigen hungrigen Verwandten 
land abſchickte. Preuſſen war auf die Weiſe nicht allein des deutſchen Adels Sich / und 
Armenhaus, ſondern auch zugleich deſſen Vorrathskammer. Da bis her die gewöͤhlten Hoch/ 
meiſter fich oft, fo wie ihre Staatsentwuͤrfe, veränderten, fo war das gute fand er 
nem Schif gleich, welches Wechfelsweife von den heftigſten Winden beſtuͤrmet, hin 
und her geworfen, und endlich in die Beſorgniß geſetzt wurde, zu ſcheitern, obne je 
mals einen ruhigen Hafen zu erreichen. Zu allem Ungluͤck ſuß der Hoͤchmelſter nicht 
allein am Ruder, ſondern es hatten die Ordensgebieter von verſchledenen ung 
ebenfals daran Antheil, die unter einander ſelbſt uneins waren, und — 
allgemeine Elend langwieriger und empfindlicher machten. Die en ı 
ven ſchon längſt als Kreugiger der Bauren und Bürger bekannt. Jener el n 
Preuſſen nicht gluͤckſeliger als der eingeborne Americaner unter ſpg 
ſthaft. Die ewigen harten Frohndienſte erſchöpften feine Kräfte bey unzu 
Unterhalt, da ſich im Gegentheil die Marianer ohne Muͤhe bereicherten, n. 
kandes Reichthum wucherten, und dem Buͤrger den Handel, folglich die 0 
ſte Quelle feines Unterhalts entzogen. Der Landadel faß unbekannt und vera 
ſeinen Gütern. Man behielt ihn nur deswegen bey, um fein Blut in den Order 
gen zu verſpruͤtzen. Die verdienteſten Männer unter ihnen fahen bey Erthe 
fentlicher Bedienungen und obrigkeitlicher Aemter, Ausländer vorziehen 
Ordensritter, die oft weder Erfahrung noch Verdienſte hatten, uber 
Man kann ſich den alten Zuſtand der Staaten, die unter viel kleine % 
let waren, nicht beſſer vorſtellen, als wenn man den Zuſtand Pr 
des vererbung in Erwegung ziehet. Ein jeder Comchur ſtellte einen 
vor, der gegen den allgemeinen landesherrn und die algemeinen rde 


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— ee FREE EEE r AA ZEUGE ELDER 8 —— ae rr e 


Marggraf Albrecht von Brundenbur. 419 


nach ſeinen Gutbefinden folgſam ſich bezeigte. Die damals im lande ſich beſindende 2 


Ordensperſonen befanden ſich in einem Irrgarten, aus welchem ſie blos durch die er⸗ 
wehnte Staats veraͤnderung herausgebracht werden konten. Das Betragen ihrer Vor⸗ 
fahren hatte ſie bey Nachbarn und Unterthanen verhaßt gemacht, und ſie in die ent⸗ 
ſetzliche Nothwendigkeit geſetzt, entweder zur Strafe des tehnsfehlers das ganze land zu 
raͤumen, oder einen mißlichen Krieg bey erſchoͤpften Caſſen, nach der Einbuſſe des hal⸗ 
ben bandes zu führen. In dem ſogenannten kleinen Kriege Marggraf Albrechts hat 
ten die Ordensglieder in Preuſſen bereits einen wichtigen Theil von dem ihnen noch zus 
gehörigen Ancheil Landes verloren. Der Biſchof von Pomezanien war um ſein ganz 
Stift gekommen, und hatte ſich blos durch die Unterwerfung unter Polen erhalten 
koͤnnen. Soldau, Gilgenburg, Hohenſtein, Liebemühl, preußiſch Eulau, 
Holland, Morungen, Heiligenbeil, Brandenburg, Johannisburg, Paſſen⸗ 
heim mit allen ihren Gebieten befanden ſich ſchon in den Haͤnden der Polacken. Alle 
Gebieter und Conventsritter dieſer Orte waren folglich bey fernerer Widerſetzlichkeit um 
ihren Unterhalt gekommen, und alle uͤbrigen muſten bey fernerer Fortſetzung des Krie⸗ 
ges eben dieſes beſorgen, oder bey puͤnktlicher Annehmung des ewigen Friedens die Helf⸗ 
te von allen Bedienungen in die Haͤnde der polniſchen Edelleute übergeben, die vers 
möge dieſes Friedens ein Recht zur Aufnahme in den Orden hatten. Der landmeiſter 


von Liefland batte ſich bereits von aller Abhaͤngigkeit des Ordens in Liefland los 
gemacht, und feine damaligen Kriege mit Rußland verhinderten ihn ohnedies den 


Rittern in Preuſſen erhebliche Huͤlfe zu leiſten. Marggraf Albrecht geſtund in den 
letzten Friedensunterhandlungen mit Polen, daß nach Ausweiſe Brief und Siegels, 


auch der tandmeifter von Deutſchland ſich von dem Hochmeiſterthum unabhängig ger 


macht. Wenigſtens genoſſen die Ordensglieder in Preuſſen „ von denen in Deutſch⸗ 


land viel zu wenig Beiſtand, als daß fie ſich ferner in ihren bisherigen Ordens zuſtande 


zu bleiben Hofnung machen konten. Der Papſt wurde nicht mehr als entſcheidender Rich⸗ 
ter der Staaten erkannt, feine Bannſtrahlen hatten die vorige Wirkung verloren, und 
feine Staats kunſt lehrte den roͤmiſchen Scul bey aller Gelegenheit ſich der guten Ge⸗ 


ſinnung der maͤchtigern Parten zu verſichern. Wer weiß was König, Sigmund in 
Abſicht der Kirchen verbeſſerung vor einen Schrit gethan hatte, wenn Leo 10 unbehuts 


ſam geweſen, mehrern Eifer vor den Orden zu bezeigen. Am allerwenigſten konten 
ſich die Ordensglieder in Preuſſen auf die Huͤlfe Deutſchlands verlaſſen. Dieſer 
unbewegliche Staatskörper wuͤnſchte zwar ſich durch Preuſſen zu vergröffern, wolte 
und konte aber hiezu keine andere Mittel, als leere Worte und troſtleſe G⸗ ſandtſchaf⸗ 


ten brauchen. Sein Oberhaupt Carl 5 hielt ſich an dem entgegen ſtehenden Ende von 


Europa in Spanien auf. Das ihn vorſtellende Reichsregiment war mit ſich ſelbſt 
uneins. Die beſondern Vortheile der einzeln Reichsglieder hinderten die Vorthelle des 


ganzen Staatskbrpers. Das harte Wormſer Ediet vereinigte diejenigen, welche vor 


die Kirchenverbeſſerung geneigt waren, auf ihre eigene Sicherheit mehr als auf auswaͤrtige 
Angelegenheiten zu denken, und flammete die roͤmiſchen Reichsglieder an, ihre Ei 


Gg 2 


I 


1525. 


1525. 


420 Geſchichte von Preuſſen. J 

te zur Unterdruͤckung des Lutherthums in Deutſchland beiſamen zu behalten. Frie⸗ 
drich 1 von Daͤnnemark und Guſtav von Schweden waren des Chriſtians 
des 2ten wegen weit geneigter Polen als dem Orden, der bisher Chriſtians Partey 
gehalten, beizustehen, und Carls; Abſichten, die er mit dem Orden vor hatte, zu 
unterſtutzen. Ludwig ohne Haut König von Ungarn und Böhmen muſte alle feis 
ne Macht gegen die Tuͤrken ſparen, ob ſolche gleich hiezu nicht hinlaͤnglich war. Die 
Vortheiſe, die man ſich von einem Buͤndniß des Ordens mit Rusland verſprechen fon 
te, waren ſehr mäßig. Es war fogar gefährlich vor den Orden, die zur griechiſchen 
Kirche gehörigen Ruſſen um Beiſtand gegen Polen zu erfuchen, da die Czagren oh⸗ 
nedies die Eroberung une im Sinne hatten. Die entfernten Kronen Frank 
reich, England und Schotland brauchten alle ihre Sorgfalt den weit ausſehenden 
Abſichten Carls 5 eher hinderlich als beförderlich zu fallen. Kurz die Ordensglleber 
in Preuſſen waren von der ganzen Welt verlaſſen. Hiezu kam bey ihnen noch die Ne 
ligion in Betrachtung. Die meiften erkannten die Wahrheit der Kirche 

und glaubten verpflichtet zu ſeyn, einen Orden zu verlaſſen, deſſen Regeln nach ihren 
Einſichten dem Gewiſſen zuwider liefen. Ohne dieſe Veränderung wiirde man ſie als 


ſtrafbar angeſehen und ihre Einſichten ihnen zum Verbrechen angerechnet haben. Wer 


Härte ohne die Staate veraͤnderung vor ihren fernern ſtandesmaͤßigen Unterhalt ſorgen wol · 
len ? jetzt verlleſſen die meiſten den Wr Stand, in welchem nur ſehr wenige ohne Um 
ordnungen bisher gelebet hatten. Sie hielten davor, Schrift und Natur fordere von ih⸗ 
nen ſich zu verehligen, und fie waͤhlten ſich wirklich nach ihrer Neigung Gehuͤlfen. Der 
neue Herzog ſorgte theils durch Landes aͤmter, theils durch Ländereien vor ihren nöthigen 
Unterhalt. Insbeſondere wurden diejenigen reichlich belohnt, welche die naͤchſten Werk 
zeuge der Veränderung geweſen. Friedrich von Heydeck bekam das Städtgen Zohan 
nisburg. Nur ſehr wenige Ritter in Preuſſen waren mit dem, was vorgieng, un⸗ 
zufrieden. Wenn man aber denen Vorwuͤrfe macht, die die Staats veränderung mit 
Vergnuͤgen befoͤrdern helfen, als ob fie dadurch ihrer Neigung und ihren Vortheilen 
gemäß gehandelt; fo iſt ſolches ebenfals auch denen zur Saft zu legen, welchen dle Der 
änderung misfiel. Zu den letztern gehörte Erich Herzog von Braunſchweig, der ſich 
anfänglich weigerte die Veſte Memel dem neuen Herzoge zu übergeben. Da er aber 


alle Widerſetzlichkeit fruchtlos zu ſeyn erkannte, ſo trat er in vollem Harniſch und mit * 


entbloſtem Schwerd vor den Eingang des Schloffes und ſtellte dem ankomme 
Herzoge vor, daß Albrecht nicht wohl an Erich gethan hatte. Er gab biedurch ge 
nugſam zu verſtehen, wie empfindlich er fen, daß fine Hofnung in Preuſſen zu g 
Ehrenaͤmtern zu gelangen, und wol vielleicht entweder nach 1 ae oder 
deſſen Religions veraͤnderung, das Hochmeiſterthum zu erlangen, 1 geſchlag 
dem allen gab es nur wenige Ordensperſonen, die es lieber geſehen, wenn es beim 
ten geblieben waͤre. Albrecht brauchte keine Art von Gewalt bee, n 

danken zu beilage, vielmehr 0 ſeine Freigebigkeit lber perfcht ne 


REF T 


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— 7 * * . 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 421 


auf andere Art. Herzog Erich wurde zufrieden geftellt, und die bey der römifchen 1525. 
Kirche gebliebenen Domherrn bekamen das Amt Salau zu ihrem Unterhalt. 


$. 200, 


Ben dem allen ift nicht zu leugnen, daß allerdings der geweſene Hochmeiſter Ar Vorzuͤglich 
brecht, deſſn Herrn Brüder Caſimir, Georg und Johann, und in der Zeitfolge, den haba. 
auch die Churlinie von Brandenburg von dieſer Veränderung den erheblichſten Nu 
Sen gezogen. Albrecht, der bey feinen neuen Neligionseinfichten nimmermehr auf dle 
Belbehaltung der Regierung von Preuſſen ſich Rechnung machen konte, wenn der Or⸗ 
den das Land behalten hätte, ziehet von dem oft wiederholten Lehnsfehler ſeines Ordens 
und dem daraus bey Polen erwachſenen Widerwillen Vorteile, die den Neid erre⸗ 
gen. Koͤnig Sigmund erſetzt ihm als ſeinem Schweſterſohn aus Gnaden reichlich, 
was er ihm als Hochmeiſter nehmen muͤſſen. Da der König dem Eidbruͤchigen Orden 
das fand entzog, fo machte er den Albrecht, ſobald fich ſolcher von den Marianern 
losgeſagt, zum Herzoge von Preuſſen, und erlaubte ihm die Regierung auf ſeine 
Söhne zu vererben. Sein Beiſpiel war auch vor die deutſchen Er; und Biſchbfe 
reizend, nur hatte keiner damals das Herz zu folgen. Luther ſtellte zwar ſolches 
dem Cardinal Albrecht von Mainz und Magdeburg vor, und dieſer groſſe Praͤlat 
Hätte ſich gerne die Religions veränderung gefallen laſſen, wenn er die Vererbuhg eins 
ſeiner Hochſtifter erhalten können. Er hatte aber nicht Muth genug, entweder der 
Vorſicht die Erfüllung feiner Hofnung zu uͤberlaſſen, oder auch allenfals um des Evan, 
gelli willen alle feine in Händen habende Vortheile aufzuopfern. Der neue Herzog Als 
brecht von Preuſſen war muthiger und fuhr daben beſſer. Konig Sigmund erſtreck⸗ 
te aber feine Onade auch noch auf mehrere feiner Schweſterſöͤhne, da er den Marggra⸗ 
fen Caſimir, George und Johann die Mitbelehnung ertheilete. Dieſe Prinzen hat⸗ 
ten ſich überdies um dem polniſchen Reich die Ruhe auf der preußiſchen Selte zu 
verſichern, alle Mühe gegeben, und ſich hiedurch gewiſſe Verdienſte erworben. Vor⸗ 
zuͤglich war dem Marggrafen Georg zuzuſchreiben, daß die ganze Sache nach dem 
Willen des Königes geendiget worden. Wenn er nicht den ganzen Entwurf zu dem 
Vertrage zuerſt gemacht, jo hat er ſolchen doch denen preuß ſchen Geſandten vom 

Orden und ‚Ständen annehmlich zu machen gewuſt, und durch fein Mitleramt zu 
Stande bringen helfen. Dies wenigſtens wurde in der Zeltfolge dadurch belohnt, daß 
die Regierung von Preuſſen in die Haͤnde ſeines Sohns Georg Friedrichs gekommen. 
Der damalige Churfuͤrſt von Brandenburg Joachim ı erhielt zwar nicht gleich im 
Anfange dieſer groſſen Staatsveraͤnderung Vortheile. Er gehörte nicht zu Sigmunds 

Schweſterſöhnen, und ich glaube, daß wenn er auch darunter gehört hätte, fein Ei⸗ 
fer vor die roͤmiſch catholiſche Kirche ihm nicht erlaubet haben würde, an einer Sa 
che Theil zu nehmen, bey welcher der roͤmiſche Stul nothwendig Einbuſſe haben m 
ſte. Wir werden aber in dem folgenden ſehen, daß Jbachim 2 nach angenommener 
Kirchen verbeſſerung durch die Heirath mit 8 Königs Sigmund Prinzeßin Hedwig, 
9 f a 8993 5 ſich 


1525. 


Der orden 


hat keinen 
grund der 


402 Geſchichte von Preuſſen. 


ſich den Weg gebahnt, zur Micbelehnung auf Preuſſen zu gelangen, wodurch denn 


endlich geſchehen, daß dieſes Herzogthum an ſeine Nachkommen gefallen, und mit an⸗ 
deren brandenburgiſchen Staaten vereiniget iſt. So wie nun ſeit der Zelt di 

ſiſche Macht anſehnlich vermehrt worden, und dem gröften Ehurfürften Friedri 
Wilhelm es gelungen, ſich in Preuſſen unumſchraͤnckt zu machen, fo. hat nachher 
dieſes fand dem Churhauſe Brandenburg die groͤſte Ehre ande da Se es 
endlich zu einem Königreich erhoben hat. 38915 


- 


$. 208 EEE = 


Kein irdiſches Gut auf Erden iſt vor alle Menſchen zufänglic. Wos dem einen 
zum Vortheil gereicht, hält der andere für feinen Schaden; wenigſtens plaget der Neid 


rechtmaßigkeit mit dieſen Gedanken ofte denjenigen, der das jenige verliert, was er mit Recht nicht 


die ſer verande⸗ 
rung zu wider⸗ 


ſprechen. 


mehr behalten können. Vor der Erhebung Preuſſens in ein Herzogthum ſtellte der 
deutſche Orden einen Stamm vor, der ſich in drey Aeſte ausgebreitet. In? 

fen war die Hauptkrone dieſes Baumes gewachſen, und der lieflaͤndiſche ſowol als 
deutſche Aſt waren anfänglich nur Nebenzweige des preuß ſchen. Aber kurz vor dieſer 
Veranderung hatte Walther von Plettenberg den lieflaͤndiſchen Aſt vom Hauptſtamm 
losgeriſſen, und zu einem eigenen Baum gepflanzt. Dietrich von Cleen ſcheint mit dem 
deutſchen Aſt es eben ſo gemacht zu haben. Jetzt aber, da auf den preußiſchen wil⸗ p 
den Hauptſtamm ein tragbares Reuß gepfropfet worden, machte der deutſche Aſt auf 
die Nahrungsfäfte und Fruͤchte des preußiſchen Anſpruch. Wir wollen deſſen Anſprü⸗ 
che hören und unterſuchen. Die Marianer in Deutſchland ſcheumen gegen den letz 
ten Hochmeiſter in Preuſſen, Marggraf Albrecht, daß er gegen EX, Religion 
und ſeinen Eid gehandelt, da er das Papſtthum verlaſſen, dem Mari = 
ſaget, und als ein weltlicher Herzog zum Nachtheil des Ordens Preuſſen an ſich! ge⸗ 
bracht habe. Es find hieben vier verſchiedene Fragen zu erörtern. „u. Ob Marge 
graf Albrecht bey der Religionsveränderung unrecht gehabt. 2. Ob er dem Orden 
und der Hochmeiſterwuͤrde mit Recht entſagen können. 3. Ob Preuſſen dem Deuts 
ſchen Orden mit Unrecht entzogen worden, und 4. Ob Marggraf Albrecht widertecht 
lich die herzogliche Würde von Preuſſen angenommen. Bey der erften Frage ke | 
es auf Wahrheiten an, die laͤngſt ſchrift und vernunftinäfig veſtgeſetzet worden. 
jeder muß Gott, wenn er nicht fündigen will, nach feinen Einſichten dienen und all 
Gewiſſenszwang iſt hiebey unerlaubt. Da die einmal angenommenen kehrſo N 
Kirche nicht einem jeden Menſchen als wahr einfeichten, fo muß nach gena 
fung, einem jeden die Freiheit verbleiben, ſich ein Glaubensbekenntniß zu wählen, wel 
ches er nach feinen Einfichten mit der Wahrheit übereinftimmend hält. Ob jemand 
aber blos nach Wiſſen und Erkenntniß, oder aus unzulaͤnglichen weltlichen 2 lbſie 

und Vortheilen, die Religion verändert, kann eigentlich nur derjenige‘ 
En und Nieren prüfet „der ans h bringen wird, was im Du 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 423 


Gottes iſt, ſo gebuͤhret auch dem Höchften allein die Rache, und darf ſich kein 1525. 


Menſch die Beſtrafung einer Religionsveränderung um fo weniger anmaſſen, da ihm 
nicht einmal die Erkenntniß über die Rechtmaͤßigkelt derſelben zuſtehet. Wenn man 
dieſe Säge auf unſern Marggraf Albrecht anwendet, fo iſts unſtreitig, daß weder 
dem Papſt noch dem deutſchen Orden, ſondern blos GOtt und feinem eigenen Gewiſſen, 
die Beurtheilung zuzuſchreiben, ob er das Papſtthum mit den Lehren der Kirchenver · 
beſſerung rechtmäßig verwechſelt habe oder nicht. Die Entſcheidung der andern Frage, 
ob er die Hochmeiſterwuͤrde und den ganzen Orden der Marianer habe mit Recht auf 
geben können, iſt ebenfals keinen Schwierigkelten unterworfen. Ich weiß nicht, daß 
irgend wo ein Hochmelſter ſich anheiſchig machen muͤſſen, dieſe Wuͤrde Zeltlebens zu 
behalten. Wir haben vielmehr Beifpiele genug geſehen, daß Hochmeiſter bald freiwll⸗ 
lig, bald gezwungen, abgedankt haben. Selbſt die Verlaſſung des ganzen Ordens iſt 
nicht ohne Beiſpiele. Ich will in Abſicht des letztern mich blos auf Burchard von 
Schwenden berufen. Dieſer wurde aus einem Marianer⸗ ein Johanniterritter, 
und der Papſt ſelbſt hatte dagegen nichts einzuwenden, ſo ungerne der deutſche Orden 
dieſe Veränderung ſahe. Geſetzt aber, er hätte ſich durch hundert Eide anheiſchig ge⸗ 
macht, Zeitlebens Hochmeiſter und im deutſchen Orden zu bleiben, fo war er doch in 
feinem Gewiſſen verbunden, aller dieſer Eide ungeachtet, Amt und Orden zu verlaß⸗ 
fen, ſobald er deren innere Einrichtung dem wahren Gottesdienſt zuwider zu ſeyn er⸗ 
kannte. Alle andere Pflichten muͤſſen weichen, oder beffer zu ſagen, hoͤren auf Pflich⸗ 
ten zu ſeyn, ſobald fie, unſern Einſichten nach, mit den Pflichten gegen Gott nicht 
beſtehen können. Davor hielt aber Marggraf Albrecht, fo wie den ganzen Orden 
überhaupt, als auch die weſentlichen Pflichten deſſelben insbeſondere, die auf den ches 
loſen Stand und auf die Fortpflanzung des Glaubens mit Schwerd und Waffen gieng. 
Kann man alſo mit Recht gegen feine Religionsveränderung nichts einwenden, fo bleibt 
auch die Verlaſſung feines Amts und Ordens unſtraͤflich. Da er den Papſt, Gewiſ⸗ 
ſens halber, ſo wenig als den ganzen Orden vor Richter in Glaubens ſachen erkennen 
konte, fo blieb er auch niemand als GOtt im Himmel und ſeinem Gewiſſen auf der 
Welt die Rechenſchaft ſchuldig, warum er Amt und Orden verlaſſen habe. Hiebey iſt 
wohl zu merken, daß Marggraf Albrecht von demſelben Augenblick an, da er Reli⸗ 
gion und Orden verändert, keine beſondere Pflichten zum Vortheile der Marianer 


behalten, und daß er vielmehr Sewiſſens halber alles anwenden müffen, denen einzeln 
Gliedern deſſelben alle Gelegenheit zu verſchaffen, ebenfals zur Erkenntniß der von ihm 


eingefehenen Wahrheit zu kommen. In Abſicht der dritten Frage, ob Preuſſen dem 
deutſchen Orden mit Recht entzogen worden, iſt mancherley zu bedenken. Der Op 
den hatte durch den ewigen Frieden Verbindlichkeiten übernommen, die er nicht gehalten, 
Er hatte feine Hochmeiſter verpflichtet durch Papſt und Kaifer, durch tift und Gewalt, 
ſich dem Eide, den er Polen zu leiſten ſchuldig, los zu machen. Er hatte wirklich ge⸗ 
gen feinen Oberherrn die Waffen ergriffen, und ſich folglich der Beſtrafung ausgeſetzt, 
die eine ſolche Anführung verdienete. Da Polen auf nichts weiter drang, als daß 

3 der 


— 


1525. 


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44. Gecchichte von Preuffen. a 
der Orden feine Herrſchaft verlieren ſolte; da in Abſicht der Perſonen und der Outer der 

damals lebenden Ordensglieder in Preuſſen nichts haͤrteres verhängt wurde, fo kön⸗ 
nen die Verbrecher die Entziehung des Landes noch als eine Begnadigung anſehen. & 
Einwurf, daß das Spiel noch nicht geendiget, und Polen das Land noch nich vill 
in feiner Gewalt gehabt, iſt unerheblich. Das ganze ſogenannte Oberland war ſchn 
in polniſcher Gewalt, Natangen und Samland zum Theil verheerer, zum Thel! 
erſchoͤpft; alle Hofnung einer auswärtigen Huͤlfe verſchwunden, und folglich nichts als 
die Furcht übrig geblieben, daß ein einziger Feldzug, nicht nur die Oberherrſ f 
ganz Preuffen, ſondern auch das Eigenchum der Güter, fo wie Freiheit und 
der Einwohner in polniſche Gewalt bringen wuͤrde. Die Landesvererbung 
mit Vorbewuſt, Rath und Einwilligung derer Perfonen, welchen der Orden in 
ſen die Vollmacht ertheilt hatte, den Frieden mit Polen zu Stande zu bring 

Biſchof von Pomeſanien und Friedrich von Heydeck, machten in der That 
Schwierigkeiten gegen die Staats veraͤnderung, als die Abgeordneten von 
Städten. Die meiſten in Preuſſen befindlichen Ordensperſonen bezelgt' 
Beendigung dieſer Sache, die mit ihren Gefinnungen in Abſicht der 
wohl uͤberein kam, eine vollkommene Zufriedenheit. Und in allen Geſel 
nicht beſondere Geſetze das Gegentheil erfordern, kommt es in Abfaſſung 
auf den Willen der meiften Glieder an. Scelbſt diejenigen, welche lieber 
Religion und im Orden beharren wolten, wurden zufrieden geſtellt, und 

in Preuſſen ihren Unterhalt, theils ihre anderweitige Abfindung, mit der 
hin zu wenden, wohin es ihnen beliebte. Der Hauptſtamm des Ordens in Pre 
ſich alſo bey dieſer Veränderung uͤber kein Unrecht beſchweren, und hat 
nicht gethan. Der lieflaͤndiſche bereits abgeriſſene Nebenaſt des deutſc 
war weder berechtiget Gegeneinwendungen zu machen, noch ließ ſich ſolch 
Der Nebenaſt in Deutſchland iſt es allein, der uͤber Unrecht zu klagen 
haben glaubt. Wenn man aber erweget, daß diefer deutſche Aſt ſich da 
ebenfals von den Hauptſtamm losgeriſſen, ſo geht dem erſtern das, was 
tern geſchehen, gar nicht weiter an. Daß ſolches aber bereits w 
weiſe ich mit folgenden Worten Marggraf Albrechts: daß feine ; 
Zweifel fegen, daß wir von Landen vnd Städten wiſſen, was 
troſt ime widerfaren, vnd noch viel weniger fünftig zu hoffen g 
auch S. F. G. gegen beyden Meiſtern verſchreiben vnd obligiere 
mit ſie ſich dann ganz und gar aus dem Gehorſam gezogen, auch 
vom Römiſchen Reich empfangen, vnd zum Teil noch empfaher 
mit fie ſich aus ietzt erholten vrſachen gantz vnd gar exempt 
den Landen vnd Staͤdten gleich ſowol zu vnehren als dem 
gereichet, wo es auch von noͤten, mit Brieff vnd Siegeln zu 
aus dann glaubhafftig zu vermuten geweſen, das ſich S. F. 


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— * 
* 


3 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 425 
hat verſehen duͤrffen. Geſetzt aber, daß die völlige dos reiſſung dleſes deutſchen Aſts 


damals noch nicht gänzlich zu Stande gekommen, fo war doch die Einwilligung deſſel⸗ 


ben in die groſſe Staats veränderung aus dreien Urſachen unndthig. Einmal konte oder 
wolte derſelbe dem preußiſchen Hauptſtamm nicht zulängliche Huͤlfe gegen Polen lei⸗ 
ſten. Die ſich ſelbſt uͤberlaſſene Ritter in Preuſſen, waren den Schifbruͤchigen gleich, 
welche ein jedes Rettungsmittel nothwendig ergreifen muͤſſen, ohne diejenigen, welche 
am Lande in Sicherheit ohne alle Huͤlfsleiſtung zu fehen, um deren Einwilligung befra⸗ 
gen zu duͤrfen. Zweitens, fo ſahen Hochmeiſter und Ritter in Preuſſen wohl ein, 
daß wenn fie ihre Widerſetzlichkelt in Polen aufs aͤuſſerſte trieben und darüber von land 


und beuten verjagt wuͤrden, die Ritter in Deutſchland ihnen den erlittenen Verluſt 


nie erſetzen würden, So wie die in Preuſſen eingekleidete Ordensglieder ſich allein 
auf preußiſche Verſorgung Rechnung machen konten, ſo waren alle Ordenseinkuͤnfte in 
Deutſchland ein vorzuͤgliches Eigenthum dererjenigen, welche in Deutſchland einge⸗ 
kleidet wurden. Nimmermehr wuͤrden die letztern ſich von denen aus Preuſſen ver⸗ 
triebenen, haben verdrengen laſſen. Und endlich drittens, fo hat der Orden in Deutſch⸗ 
land durch dieſe Veränderung keinen Schaden, wohl aber Vortheil gehabt. Denn 
geſetzt, Preuſſen wäre ein Ordensland geblieben, fo hatten die zum deutſchen Aſt ge⸗ 
hörige Glieder gar keine Anſpruͤche auf preußiſche Gebieterſtellen, fo wenig als auf ins 
gends einige Unterhaltung aus den preußiſchen Einkuͤnften. Nach dieſer Staatsver⸗ 
aͤnderung hingegen durften vom Deutſchmeiſter keine ſogenannte Reſponsgelder nach 
Preuſſen geſchickt werden. Das Deutſchmeiſterthum konte, wie ſolches auch wirk⸗ 
lich geſchehen, mit der Hochmeiſterwuͤrde vereiniget werden. Da Marggraf Albrecht 
die Hochmeiſterwuͤrde niedergelegt, fo entſagte er hierdurch zugleich dem Sitz und 
Stimmrecht auf deutſchen Reichstaͤgen und der Reichsfuͤrſtenwuͤrde, in ſofern ſolche 
ihm als Hochmeiſter zugehört hatte. Alle dieſe erheblichen Vorzuͤge wären nimmermehr 
mit dem deutſchen Ordensaſt verknuͤpft worden, wenn der preußiſche Stamm in ri 
nem ehemaligen Weſen geblieben wäre. Was endlich die vierte Frage betrifft, ob 
Marggraf Albrecht mit Recht oder Unrecht ſich und ſeinem Hauſe die Erblichkeit der 
preußiſchen Regierung erworben, fo geht eigentlich dieſelbe dem deutſchen Orden gar 
10 an. Sobald er nach Einſicht und Gewiſſen Papftchum und Orden verlaſſen, 
ſobald hatte er auch keine beſondern Pflichten gegen den Orden mehr auf ſich. Seit 
dieſer Zeit war er als ein bloſſer Marggraf von Brandenburg anzuſehen, der freilich 
klͤͤglich feine eigene Vorthelle beſorgte, in fo fern ſolches mit Recht geſchehen konte. 
Der König von Polen, feiner Mutter Bruder, dieſer Oberherr von Preuſſen, hatte 
ein vor allemal beſchloſſen, entweder puͤnktlich beim ewigen Frieden, wider die Grund⸗ 
regeln des deutſchen Ordens zu verbleiben, oder den ganzen Zuſtand von Preuſſen zu 
verändern. Da die Widerfegfichfeit des Ordens gegen den ewigen Frieden, das letz⸗ 
tere unentbehrlich machte, ſo kam es auf ihn allein an, wem nun Preuſſen zuſtehen 
ſolte. Verwandtſchaft und Zuneigung hatten nebſt der Staatsklugheit gleichen An⸗ 
thell an dem endlichen Entſchluß feine Schweſterſöhne mit dieſem lande zu belehnen. 
P. allg preuß. Geſch. 4 Th. 56 Wa⸗ 


1525. 


426 Cech von Preuſſen. 

1525. Warum fiehet der 8 feel „daß der König fo guͤtig geweſen? 
Albrecht aus der gnaͤdigen Hand feines Vetters die Regierung uber“ 
zog nicht annehmen ſollen, die er Gewiſſens halber als Hochıneifter 1 75 
konte? Da Albrecht keine beſondern Pflichten mehr gegen den Orden auf 
fo konte feine neue Religion ihn doch nicht von denen Pflichten 9 5 

Wohl derer preußiſchen Einwohner betrafen. Dieſen konte er mehr Gnuͤge fe 
gegangenen Veränderung thun, und Preuſſen ift unter feiner bergoglicjen | 8 
in Ruhe geblieben, welche unter der fernern Ordens regierung beftändig. wäre unterb 
worden. Das land ſieng unter ihm an Sewiſſensfreiheit und unparteiifche Reck 
ge zu genieſſen, und hoͤrte auf denen Pluͤnderungen vieler Gebieter ausge 
welche der Mangel bisher in dies Krank, und Armenhaus des deutſchen Ad 
führt, und die, wenn fie geſund und fett worden, fü viel zurück legten, daß fie 
ihre auswärtigen Anverwandten davon mäften konten. Das Wohl des Staa 10 

böchſte Geſetz, dieſes erforderte vor Marggraf Albrecht die herzogliche Wurde 1 
Vererbung des landes, und folglich hat kein Prinz in der Welt rechtm iger nd 
mehrerem Nutzen ſowol als Einwilligung des Oberherrn und der Unterthan, N 
erworben, als das Haus Brandenburg zum Beſitz von e bekomme 
ſowol unbefugte als ohnmaͤchtige Anſpruͤche der Ordensglleder in tſchland 

fe Geſellſchaft mehr dem Hohngelaͤchter der Welt abs, als daß ſie 8 
ziehen könte; die Zeiten find ohnedies vorben, in welchen der Aber 
baut, und die Sterblichen an teib und Seele zu Sclaven der Geiſtlichkelt 
$. 20 . e 
Eben fe wer Dies gilt hauptſächlich auch von dem römischen Stul. Ich bre 
nig ſtehet dem keſern nicht zu ſagen, daß der Papſt weder dem erſten Herzoge Marg, 
parſt. noch feinen Nachfolgern die Vortheile gegönnt, welche aus dieſer Verl 
ſtanden. Einer weltlichen Oberherrſchaft über Preuſſen hatte er ſchon fe 


gen Frieden um fo viel leichter entſagt, da biefelbe ihm niemals techtm 
hatte, und von den Eroberer Preuſſens ihm niemals eingeſtanden 


der Papſt bey dieſer Veranderung über fo viele tauſende nebſt allen daran 3 
Nutzungen verloren. Wie gerne wuͤrde der Papſt dem Hauſe Branden b 
85 v von Preuſſen gegönnt haben, wenn daſſelbe nebſt dem Lande nur in 
hätte bleiben wollen? Es wuͤrde ihm gar nicht ſchwer gefallen ſeyn das 
in Preuſſen zu vergeſſen, welches bereits einer ſtiner Vorf; un ern 

Er gab ſolches wirklich dadurch zu verſtehen, da er in den folgende Zeiten i 
ſchriftlich auf die Kirchenverſammlung nach Trident einladete „und ihm 
rennamen eines Herzogs von Preuſſen einraͤumete. Nur das fallt de 
unausſtehlich, daß durch dieſe Veränderung die ſchon angegangene 
in Preufjen glücklich beendiget worden, und daß dieſes land jederzeit u 


mE TE 


* 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 427 
rung wahrer Beſchuͤtzer des Glaubens geſtanden. Aus dieſem Grunde ſuchte der 
Papſt anfänglich durch Polen Preuſſen wieder in fein Netz zu ziehen, und da der ge⸗ 
wiſſenhafte Sigmund ſich zu ſeinem Werkzeuge nicht brauchen laſſen wolte, weil in den 
Vertraͤgen mit dem Marggrafen der Religion nicht gedacht worden, ſo iſt der Papſt 
ſeit dieſer Zeit einem beſtaͤndig nagendem Verdruß ausgeſetzt. Zum Gluͤck erkannte 
Preuſſen aus Schrift und Vernunft, daß der Papſt kein Recht habe über ihre Ges 
wiſſen zu herrſchen, kein Recht ihnen Glaubenslehren vorzuſchreiben, kein Recht ihre 
Kirche nach ſeinem Vorthell einzurichten, folglich auch kein Recht habe, gegen das, 
was zu Marggraf Albrechts Zelten geſchehen, die mindeſte Einwendung zu machen. 


di 1 meine 1,908 


1525. 


Es iſt bereits dargethan b), daß der Orden anfänglich ein unabhängiges Recht oder dem deut⸗ 


auf Preuſſen ſich erworben, dem deutſchen Staatskörper hingegen vor dem etvigen — 
Frieden keine Gattung von Oberherrſchaft über dieſes Land zugeſtanden habe. Weder Pr 


des Kaifers Friedrichs 2 Schenkungsbrief; noch weil die Hochmeiſter als deutſche 
Reichsfürften auf den deutſchen Reichstaͤgen Sitz und Stimme gehabt; noch weil vier 
le Deutſche zu Eroberung Preuſſens ihr Blut vergoſſen, find hinlaͤngliche Gründe, 


dem deutſchen Reich ein Recht auf Preuſſen zu verſchaffen. Ich verſtehe hier das 


elgentliche jenſeit der Weichſel gelegene fand. Denn was Pommerellen betrift, 
ſo iſt die Oberherrſchaft Deutſchlands daruͤber vor dem ewigen Frieden wol nicht zu 
laͤugnen. Es gehörte ſolches zum wendiſchen Staatskörper, der anfänglich feine uns 
abhängige Regenten gehabt, und durch die Schenkung des letzten wendiſchen Königs 
Przibezlai an den erſten Churfuͤrſten von Brandenburg Albrecht den Baͤr gekommen. 
Dieſer unterwarf aber alles, was er als Erbe Przibezlai beſas, oder worauf er in Ab⸗ 
ſicht dieſer Erbſchaft Anſpruͤche machte, dem deutſchen Reich. Deswegen hat Kal⸗ 
fer Friedrich 2 das Churhaus Brandenburg mit ganz Pommern und dem dazu ges 
Hörigen Pommerellen bellehen. Deswegen beftätigte Kaifer Henrich 7 den Ders 
trag, wodurch der deutſche Orden Pommerellen vom Churhauſe Brandenburg an 


ſich gekauft hatte. Allein auch darauf hatte Deutſchland dadurch feine Rechte verlo⸗ 


ren, daß es den Orden gegen Polens Anſpruͤche, und gegen den Aufſtand der Unter, 
thanen nicht ſchuͤtzte. Der Mangel der deutſchen Huͤlfe war unſtreitig Schuld, daß 
der Orden Pommerellen durch den ewigen Frieden abgeben muſte. Dieſes gieng aber 


das jenfelt der Weichſel liegende Preuſſen nichts an. Daher der Orden ſich ſeit dem 


ewigen Frieden zwar jederzeit vor ein anſehnlich Glied des deutſchen Reichs ausgab, 
aber auch zu der Zeit, da er ſich von Polen los zu machen ſuchte, niemals ſich 
deutlich heraus ließ, daß er wegen Preuſſen ein Glied des deutſchen Reichs ſey. 


Dies machte alle Vorſchlaͤge, die Preuſſen in die Matrieularelnrichtung, Krels⸗ 


verfaſſung und unter die Gerichtsbarkeit des Kammergerichts zu ziehen, fruchtlos. 
Nicht eher, als bis Preuſſen gänzlich dem Orden entzogen war, ſuchte der ge 
LE | Hh 


5 
b) Seite 55. 125. 


en reich ein 
cht auf 
euſſen zu. 


428 1 Geſchichte von Preuſſen. 
1525. Aſt des Ordens feinen unbefugten Anſpruch auf Preuſſen damit zu beſchönigen 
Marggraf Albrecht den letzten Vertrag mit Polen ohne Genehmigung des de 
Raeichs nicht machen konnen, weil Preuſſen als ein Stuck des deutſchen I 
zuſehen ſey. Es kam demſelben gar nicht ſauer an, ein fand unbefugter Weiſe Deutſch 
land zu unterwerfen, worauf er ſelbſt kein Recht hatte, und daß er vielleicht mit deut 
ſcher Hilfe noch wol unter ſich bringen konte. Der mächtige Carl 5 war dama 
Kaiſer, deſſen weit ausſehende Entwürfe Anlaß gaben, ſich in eine Sache zu miſchen, 
die ihm in der That nichts angieng. Nicht leicht wuͤrde ein anderer Prinz, der wen 
ger Ehrgeltz beſeſſen, der preußiſchen Angelegenheiten ſich angenommen haben, da de 
deutſche Aſt des Ordens keine andere Gründe für Deutſchland anführen können, al 
deren Nichtigkeit bereits von uns dargethan worden. Die Ritter in chland 
wuſten hiebey viele deutſche Reichsglieder dadurch in ihre Vortheile zu ziehen, daß fie 
Preuſſen noch immer als das geweſene Hofpital, oder das Siechen und Armenhe⸗ f 
des deutſchen Adels angaben, und deſſen Berlufl dem deutſchen hohen und niedern 
Adel ſehr nachtheilig ſeyn muͤſſe. Rechtsgruͤnde aber, die blos von unſern Vortheilen 
hergenommen werden, find zwar angenehm, aber deswegen nicht geſetzmaͤßig. Zu 
dem hat der deutſche Adel mehrern Vortheil, daß Preuſſen an das Churhaus B 
denburg gekommen, als da ſolches noch dem deutſchen Orden zuſtaͤndig war. De 
laut dem Vergleich des Hans von Tieffen mit dem Heermeifter von Liefland N 
Oberdeutſche in Preuſſen eingekleidet wurden, fo können unter denen brandenbur 
giſchen Regenten auch Adeliche aus Niederdeutfchland durch Verdienſte ſich dos Ei 
vglingsrecht verſchaffen, und alle Vortheile der Eingebornen genieſſen. Sonder 
baben Maͤrker, Pommern, Schleſier und Sachſen in Preuſſen ihr G. 
macht. Dadurch, daß die brandenburgiſche Macht auch durch Preuſſen v m N 
worden, iſt dies Haus in den Stand geſetzt, ein zahlreiches Heer auf den Beinen zu 
erhalten, bey welchem eine groſſe Anzahl vom deutſchen hohen und nedern Adel Ehre, 
7 Gluͤck und Unterhalt gefunden. Auch das deutſche Reich hat hiedurch den Vorzug wie ⸗ 
der bekommen, daß einer feiner anſehnlichſten Zürften, dem das Wohl des deutſcher 
Vaterlandes am Herzen lieget, nicht nur Beſitzer, ſondern auch in neuern Zeiten 
abhängiger Herr von Preuſſen geworden if. Die Ehre Deutſchlands iſt de 
erhoben, daß auch Preuſſen zu denjenigen kaͤndern gehöret, welches oberſte Regenten 
aus deutſchem Blut hat. Deutſchland ſelbſt hat auch in neuern Zeiten ſowol d 
Nichtigkeit feiner Anſprüͤche auf Preuſſen, als auch die Rechtmäßigkeit des branden / 
burgiſchen Beſitzes eingeſehen und anerkannt. Es läßt zwar geſchehen, daß die in 
Deutſchland befindliche Marianer ſich noch immerhin mit ihren nichtigen Anforde 
chen auf Preuſſen pralen. Es erkennet aber zugleich ſowol das Reichsoberhaupt, als 
auch der ganze deutſche Staatskörper das Churhaus Brandenburg vor den techtmäf 
ſigen Beſitzer und unabhaͤngigen Oberherrn von Preuſſen. Wir eilen nach dieſen Be⸗ 
trachtungen wieder auf die Fortſetung unſerer Geſchichte. die 


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Marggraf Albrecht von Beandenburg. 429 


s $. 204. * 1525. 
So bald der neue Herzog Albrecht laut dem mit Sigismundo geſchloſſenen Der neue 
Vertrage, als kuͤnftiger erblicher Fuͤrſt die Huldigung eingenommen, erfolgten in dem pn en 
Herzogthum allerhand nörhige Veränderungen. An ſtatt derer bisherigen Grosgebie rung und 4 
ter des Ordens ernannte er vier neue Reglmentsraͤche vom preußiſchen Adel, die be kirche neus 
reits in anfehnlichen landes ͤmtern geſeſſen, und welche künftig die wirklichen geheimen drums 
Staatstaͤthe in dieſem kande ſeyn ſolten. Der Obermarſchall, der oberſte Landhofmei⸗ 


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ſter, der Oberburggraf und der Kanzler folten dieſe erhabene Geſellſchaft ausmachen. 
Hieraus iſt die noch jetzt bluͤhende Regierung Preuſſens entſtanden. Die Ordens com ⸗ 
thureien wurden in Aemter verwandelt, und die bisherigen Comthurs durch die nach⸗ 
maligen Amtshauptleute und die Vicecomthurs durch die Amtsverweſer vorgeſtellet. 
Vor allen andern forgte der Herzog vor unparteiiſche Rechtspflege durch Beſtellung wohl 


eingerichteter Gerichte und allerhand gute Geſetze, als worauf er ſeine Hauptſorge in 


vielen folgenden Jahren wandte. Auſſer der Gerichtbarkeit der Stadtobrigkeit wur⸗ 
den hin und wieder Landgerichte angelegt, in denen die Rechtspflege einiger zuſammen⸗ 
gezogenen Aemter beſorgt werden ſolte. Zu Raſtenburg, Saalfeld, Branden⸗ 


burg, Bartenſtein, Morungen, Hohenſtein, Rieſenburg u. ſ w. kamen ſolche 


landgerichte zum Stande. In Königsberg ward vor den Adel ein Hofgericht beſtel⸗ 
let, welches eine lange Zeit das höchfte Gericht in Preuſſen geweſen. Auch in Kits 
chenſachen erfolgten die nothwendigen Einrichtungen. Vor des Herzogs Ankunft hats 


ten ſchon die meiſten Einwohner im lande die Kirchenverbeſſerung angenommen. Nach 


des unruhigen Amands Entlaſſung waren Poliander, Brismann und Speratus 
die Hauptwerkzeuge geweſen, das Evangelium lauter und rein zu verkuͤndigen. Der 
Biſchof von Samland, Georg von Polenz, hatte bey dieſer feligen Veränderung 
die unſtreitigſten Verdienſte. Er verfuhr hieben fo uneigennuͤtzig, daß er die Welt⸗ 
lichkeit feines Stifts dem weltlichen Regenten Marggraf Albrecht uͤbertrug, und ſei⸗ 
nem Beifpiel folgte nachher der Biſchof von Pomeſanien Erhard von Queuß. Sie 
behielten bey der biſchoͤflichen Würde nur die oberſte Seelenpflege und die geiſtliche Ger 
richts barkeit in ihren Stiftsſprengeln bey. Die letztere wurde durch zwey geiftliche Ges 
richte verwaltet, deren jedem ein biſchöflicher Official vorſtand. Die preußiſche Kirche 
bat alſo gleich der englaͤndiſchen, daͤniſchen, ſchwediſchen das Amt und die Vorzuͤge 


der Bifchdfe eine geraume Zeit beybehalten. Wenn zuweilen die Stelle eines Biſchofs 


nicht gleich beſetzt werden konte, fo ſtellte deſſen Perſon im Conſiſtorio bis zur Wleder⸗ 
beſetzung ein Praͤſident vor. Wir werden aber unten hören, daß man endlich die Bis 
ſchöfe eingehen laſſen, und ihre Einkuͤnfte zur Ausbreitung der Wiſſenſchaften und an⸗ 
dern guten Stiftungen angewendet habe. Der Herzog ließ gleich anfaͤnglich eine Kir⸗ 
chenordnung bekandt machen. Diejenigen, welche bey der alten roͤmiſchen Kirche vers 
bleiben wolten, durften ſich ber keinen Gewiſſenszwang beſchweren. Man ließ dle 
Kloſterleute nach und nach ausſterben, und die catholiſchen Domherren bekamen in 


dem Amte Salau ihren Unterhalt auf Zeitlebens. In den folgenden Jahren ließ er 


Hb N alle 


430 SGSechichte von Preuſſn. 
1525. alle einzelne Kirchen bereiſen und unterſuchen, vor die Preuſſen den abe de N 

di chen kehre in die alt preußifche Sprache, die aber 1 10 Ee = 
Mann bekandt war, uͤberſetzen, und da die erfte Ueberſezung boch 115 hen, noch 
eine andere verfertigen. Den Vortrag der geiſtlichen muſten gewiſſe Kae en in bie 
preußiſche Sprache uͤberſetzen, und Albrecht zog auch polnifche wongelſche! | 25 
Preuſſen. So behutſam jedoch der Herzog in allen Stuͤcken zu Werke gieng, fo ware 
die vorgegangenen Veränderungen doch su ſchleunig und zu erheblich, „als daß alle Unord 
nungen hätten verhuͤtet werden können. Der neue Herzog war nach den erſten e art 
fenen Einrichtungen nad) Deutſchland abgereiſet. Dieſe Abweſenhelt des dandesh dern 
zog in Preuſſen einen Baurenkrieg nach ſich. Es iſt nicht in leugnen, daß die cu a 
ſiſche Bauren von denen Gutsherren ſehr hart gehalten waren. Der Wa 
die evangeliſche Freihelt auch die leibliche Dienſtbarkeit aufhebe, batte bereits i im vo 
rigen Jahr den Baurenkrieg in Deutſchland erreget. Eben dieſer Schwindel, gei ne 
füllete nunmehr auch die Gemüͤther der preußifchen Bauern, ſie raſeten gegen die Per ⸗ 
ſonen und Güter der adelichen Herrſchaften mit eben der Wut, als ſolches in e ch M 


land geſchehen war. Blos der Weisheit der Stadtobrigkeiten war es zuzuſchreiben, 
daß nicht auch die Bürger der Städte ebenfals von dieſer Peſt angeſteckt wur n. Be 
ſonders gab fich die koͤnigsbergiſche Stadtobrigkelt alle Muͤhe, durch verm nf 5 Den 
ſtellungen der Unruhe Einhalt zu thun. Noch mehr aber fruchtete die Zur vi 24 
Herzogs. Er befahl allen in Waffen befindlichen Bauren, ſich zu verſammlen, Fi 


dieſelben unverſehens mit feinen Kriegsvölkern ein, noͤthigte fie, die Waffen ni 
legen, die Anſtifter und Raͤthelsfuͤhrer auszuliefern, und ſodenn a 
hen. Die Häupter und Anſtifter dieſes Aufſtandes wurden theils am lebe 
mit Veſtungsbau, theils an Gelde geſtraft. Es ſetzte aber der Herjog auch 
ten Begegnung gegen dieſe Elenden einige Grenzen c). 


. 205. ! 5 


Sorgt vor Die Herſtellung der innerlichen Ruhe des Landes war um o viel noch wend 
die 9 85 da die Kreuzherren in Deutſchland an der Störung der aͤuſſern Ruhe arbeit re n. D 
Run trich von Cleen, der denſelben in Deutſchland vorſtand, hatte ſich durche e S 

über Albrechts Staatsveränderung als eine rechtswidrige Handlung beſchweret 
1526. Deutſchland gegen den Herzog aufzubringen geſucht. Dieſer beantwortete e ) 1 
ſolche durch die wichtigſten Grunde, und zeigte, daß Menſchenliebe und £ the 7 g/ 
keit die vornehmſten Triebfedern ſeines Betragens geweſen. Der Orden! wo 35 
doch durch Schriften nicht beruhigen laſſen. Der alte Deutſchmeiſter D etrich von 
Cleen dankte auf der Ordensverſammlung zu Mergentheim um ee ab, wo uf 
den Tag nach Thomä der Comthur zu Frankfurt Walther von Croonb g zum Hau 
der Marianer erwaͤhlet, und in feiner Perſon das Hochmeiſterthum mit | 1 e 
nes Deutſchmeſtes vereiniget ae Weil nun der Orden den K 


c) Bock S. 148: 201. a fe eat 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 431 


feine Hauptſtͤtze anfahe, fo ſuchte ſich dagegen Herzog Albrecht mit denen Mächten, 
welche gegen den Kalſer ebenfals beſorgt waren, näher zu verbinden. Als Hochmeis 
ſter hatte er die Parten des nordiſchen Königs Chriſtians 2 gehalten. Als Herzog 
hingegen unterhielt er nicht nur mit dem ſchwediſchen Guſtav, ſondern auch mit dem 
daͤniſchen Friedrich eine genaue Freundſchaft. Er ließ ſich ſogar des letzteren Prin⸗ 
zeßin Anna Dorothea ehelich beilegen, und ladete unter andern den groſſen Luther 
auf feine Hochzeit. Doch den wichtigſten Beiſtand muſte Albrecht bey Polen ſuchen. 
Als daher König Siegmund in Danzig angekommen, reiſete unſer Herzog in Ber 
gleitung von 200 Pferden dahin zum Könige ab. Er erſchien in einem ſchwarz fans 
meten mit Gold beſetzten Kleide. Noch mehr Aufſehen machten aber die Bifchöfe von 
Rieſenburg und Camin, welchen letztern der Herzog von Pommern nach Danzig 
mitgebracht hatte. Dieſe beiden Praͤlaten hatten die Kirchenverbeſſerung angenommen, 
und erſchienen in Danzig in Gegenwart verſchiedener poluiſchen Biſchöfe in rohem 
Scharlach. Bey diefer Anweſenhelt in Danzig ſoll unſer Marggraf dem Könige in 
Polen einen rothgefaͤrbten und mit Eifen beſchlagenen Kaſten übergeben haben. In 
demſelben waren verſchiedene Briefſchaften, und unter andern eine Urkunde mit einem 
goldenen Siegel, in welchem das Recht des Ordens auf Preuſſen enthalten. Die, 
fen Kaſten hat man nachgehends in die Herberge des damaligen Krongroskanzlers ges 
bracht „ wo derſelbige aber nachher in Verwahrung genommen, hat man nicht erfah⸗ 
ren. Da inzwiſchen Lucas David berichtet, daß in dieſem Jahr des Ordens Schriften 
und Privilegia von der Krone Polen dem Reiche uͤberliefert wären, fo duͤnket mich ges 
wiß genug zu ſeyn, daß dieſe Briefſchaften dem Orden find ausgehaͤndiget worden. 
Dieſer Umſtand benimmt uns die Verwunderung, die ſonſt uͤber den Mangel der al⸗ 
ten preußiſchen Urkunden in uns könte erwecket werden. Am Michaelistage ſchloß 
der Marggraf mit dem Chin fuͤrſten Johann von Sachſen zu Beſchirmung des Glau⸗ 
bens und was dem anhaͤngig ein fruͤhzeitiges Buͤndniß. Er gieng noch in dieſem Jahr 
mit ſeiner neuen Gemalin nach Polen ab, und beſprach ſich daſelbſt mit dem Könige 
Siegmund über verſchiedene Angelegenheiten. Die polniſchen Unterthanen hatten 
ſich über die Erhebung des Zolls zu Labiau und uͤber die Anlegung eines neuen Zolls 
zu Kukerneß beſchweret. Es waren auch Berathſchlagungen uͤber das Muͤnzweſen ans 
zustellen, in welchem der Herzog mit dem polniſchen Preuſſen gerne gemeinſchaftlich 
ſich einigen wolte. Zu dieſem Ende wurden 1827 mit den polniſch preußiſchen Staͤn⸗ 
den verſchledene Unter handlungen gepflogen. Der Herzog wuͤnſchte auch, mit dem 
ſchofthum Ermland ſowol, als dem ganzen polniſchen Preuſſen ein gemeinſchaft⸗ 
lich Geſetzzuch oder kandesordnung einfuͤhren zu können, welches aber die polniſch 
preußiſchen Städte verhinderten. Hingegen verglich ſich der Herzog zu Bartenſtein 
1528 mit dem Stift Ermland über eine gemeinſchaftliche Landesordnung. Er ſetzte 
die Berathſchlagung Über das Muͤnzweſen fort, legte die Streitigkeiten wegen des la 
biauiſchen Zolles bey, und ſchafte den Zoll zu Kukerneß ab. Dem ohnerachtet fehl⸗ 
te es doch nicht an nachbarlichen Streitigkeiten. Die e fuhrten uͤber die 
thorn⸗ 


1 


1526. 


1527. 


1528. 


> Geſchichte von Preuffen. * = 

1528. thornſchen Zinngieſſer Klagen, und der Herzog bekam mit der Stadt Danzig Gren 
irrungen wegen des Waldes und der Wieſen bey dem Dorf Scheute auf der Ne 
rung, mit Polen aber über die Frage, ob es erlaubt fen, von den Urtheile uͤchen 
des Herzogs ſich nach Polen zu wenden. Der engländifihe Schweiß, eine K 
heit, die ſich damals in Preuſſen einſchlich, und viele tauſend Menſchen 
verurſachte dieſem Prinzen andere Sorgen, und vor allen andern hatte er auf bie de 
wegungen des deutſchen Ordens zu ſehen. Es drohete derſelbe mit Ken Kriegs 
anſtalten, die er theils in Liefland, theils anderswo machte. Der Herzog 
daß ein Buͤndniß verſchiedener Reichsfuͤrſten „welches im vorigen Jahr z zu Breslı 
gemacht ſeyn ſolte, auch gegen ihn abzielen könte, und verſprach alſo den hr 
ten in Deutſchland, gegen dieſe Bundesgenoffen Huͤlfe zu leiſten. Zum Gluͤck 
den dieſe packiſche Unruhen gleich anfaͤnglich unterdruͤckt. Albrecht ſchickte den 
mann von Memel als feinen Geſandten nach Deutſchland ab, um denen Vorſpl 
lungen des Ordens zu begegnen, und bezeigte ſich zu einer Tuͤrkenhuͤlfe m 0 
die Marianer, gegen welche er nunmehr auf guter Hut blieb. Er ert 
gen dem von Kunheim Befehl, in Tapiau einen Graumonch, den die K 

2529. durch Preuffen nach Liefland 1529 abgeſchickt, in Verhaft zu nehmen. a 
mit dem polniſchen Preuſſen noch immer über ein nachbarliches Einverfk 
Münz und Zollſachen und einer gemeinſchaftlichen kandesordnung. Wegen 
fer Dinge ſowol, als den Grenzſtreitigkeiten auf der Nehrung wurden die Ü 

1530. jungen 1530 fortgeſetzt. Die Freundſchaft und Ergebenheit des Herzogs gegen d 
nig von Polen bewieß er dadurch, daß er nebſt ſeiner Gemalin und earn e Bruder 8 
Wilhelm der Kröͤnungsfeierlichkeit Sigiemundi Auguſti zum RE 
Polen beiwohnete. 


206. . 


. 

. Das beſte Vernehmen mit Polen war um fo viel nöthiger, da auf dem m 

hei der dama: wuͤrdigen Reichstage zu Augſpurg verſchiedenes vorgleng, was unſern Herzog nähe 

ligen unruden betraf. Hieſelbſt hatte nicht nur der Kalſer ſich das Recht angemaſſet, 

n Marggrafen mit der Krone Polen hauptſaͤchlich aus dem Grunde vo 
erklaͤren, weil ſolcher, ſeinen Urtheilen nach, der Religion, dem Papſt, 
ſchem Reich, deutſchem Orden und deutſchem Adel nachthellig ſey, ſond 
he auch mit vielen Feierlichkeiten den Walther von Cronberg mit dem land 
fen, gleich als ob er daſelbſt etwas zu befehlen hätt. So ſchmer lich 3 
dem Herzoge fiel, fo angenehm war ihm hingegen das in Augſpurg übe 
bensbekaͤnntniß, welches er hierauf auch in feinem lande annahm. Vie 
weltliche Perſonen waren damit nicht einſtimmig. Seit dem vorigen Johr 
aus Deutſchland und en eine Art von Wiebertäufern eingefun 
liebling des Herzogs Friedrich von Heydeck auf alle mögliche Art beſ 

153% Herzog, welcher 1531 das groffe Hoſpital zum hell. Gelſt in Kon meg t. 

te zwar die Vereinigung in der lehre aller feiner e zu bewirken. E 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 433 


wegen zu Naſtenburg ein Religionsgefpräc) zwifchen feinen beſten Gottesgelehrten und 
den Wiedertaͤufern anftellen. Allein beide Theile blieben bey ihren vorgefaßten Mei⸗ 
nungen, daher die Wiedertaͤufer nachmals theils verwieſen, theils bemuͤßiget wurden, 
das Land zu raͤumen. Hingegen ſchuͤtzte der Herzog ſeine uͤbrige Unterthanen bey ih⸗ 
ren Rechten mit gehoͤrigem Nachdruck. Die Stadt Danzig hatte denenſelben bey 
dem Einkauf des polniſchen Getreides einen Eid abfordern wollen, daß ſolches blos 
zu ihrer Nothdurft und nicht zum Seehandel gebraucht werden ſolte. Dies bewog den 
Herzog, alle Danziger Schiffe ſo lange in Beſchlag zu nehmen, bis dieſe Irrungen 
beigelegt worden. Wegen der preußiſchen Münze, die nach einem Vergleich von 1529 
mit der polniſchen von gleichem Gehalt ſeyn ſolte, gab es auch allerhand Streitigfeis 
ten. Es kamen ſolche jedoch mit denjenigen in keinen Vergleich, die der Herzog mit 
dem Orden hatte. Walther von Cronberg ſtellte eine ordentliche Klage wider ihn 
beim Kammergericht an. Albrecht konte ſich bey dieſem unbefugten Richter in keinen 
Rechtshandel einlaſſen. Nichts deſtoweniger unterſtund ſich ſolches 1832, unſern Hoch» 


meiſter unter freiem Himmel in die Reichsacht zu erklaren. Der Koͤnig Siegmund 


ließ jedoch auf dem regenſpurgiſchen Reichstage die Nichtigkeit dieſer Handlung gegen 
einen Herrn, der wegen Preuſſen in keiner Verbindung mit Deutſchland ſtund, dar⸗ 
thun. Der polniſche Geſandte zeigte, daß ſchon Maximilian 1 erkannt, daß der 
Orden mit Recht auf deutſche Huͤlfe Feine Rechnung machen koͤnne. Polen drohete ſo⸗ 
gar, denjenigen vor ſeinen Feind zu halten, welcher gegen den Herzog etwas zu unter⸗ 
nehmen gedenke. Denen deutſchen Prinzen von der roͤmiſchen Kirche ſchien es alſo 
um ſo weniger Zeit zu ſeyn, die Proteſtanten zu reitzen, da man ihrer Huͤlfe gegen 
die Tuͤrken benöthiget war. Es kam vielmehr der erſte Religionsfriede in Deutſch⸗ 
land zum Stande, deſſen ſich der Herzog Albrecht bedienete, um feinem Schwieger⸗ 
vater Friedrich von Daͤnnemark einige Huͤlfe gegen diejenigen zuzuſchicken, welche 
ſich noch immer vor den bereits gefangenen Chriſtian 2 bearbeiteten. Der 1533 er⸗ 
folgte Tod König Friedrichs und die darauf in Norden erfolgten Unruhen machten 
den Herzog noch aufmerkſamer. Die daͤniſchen Biſchbfe ſuchten dem Chriſtian; den 
Weg zur Krone zu verſperren, und die Stadt Luͤbeck ſieng mit Daͤnnemark einen 
Krieg an, um unter dem Vorwande, ſich des gefangenen Chriſtians 2 anzunehmen, 
ihre eigene Vorthelle zu beforgen. Es gieng ein Gerücht, als ob der Orden mit Luͤ⸗ 
beck im Buͤndniß ſtuͤnde, ſich mit deren Huͤlfe Preuſſen bemächtigen, und ſodenn 
der Stadt Luͤbeck zum Handel der ganzen Dftfee verhelfen wolle. Es war ſolches 
wahrſcheinlich, da das Kammergericht in Deutſchland allerhand Einwendungen gegen 
den Religionsfrieden machte, und Walther von Cronberg die Vollziehung der Reichs⸗ 
acht an Preuſſen mit vielem Eifer verlangte. Dieſer Angelegenheiten wegen unter⸗ 
hielt der Herzog mit Polen das beſte Vernehmen. Dem ohnerachtet forgte er zugleich 
vor feine Rechte und vor des Landes Wohlfarth. Er begehrte das Stimmrecht auf 
den polniſchen Königswahltaͤgen. Er verlangte von Polen, daß ſeinen Unterthanen 
nicht erlaubet wuͤrde, ſich von feinen Urthellsſpruͤchen an Polen zu wenden. Er vers 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Iii langte, 


1 


1532. 


1533. 


153. 


1534. 


3535. 


44 Geſchichte von Preuſſen. 

longte, daß in Polen keinem ein Aufenthalt und ſicher Geleit verſtattet würde, der 
ſich ihm verdächtig gemacht; doch dieſe Forderungen waren geſchwinder gemacht, als be 
williget. Es ward jedoch an einer Grenzberichtigung mit Maſovien gearbeitet. Als 
brecht beſchaͤftigte ſich aber noch ernſtlicher, um fein kand nicht nur mit guten Polis 
keianſtalten zu verſehen, ſondern auch eine Verbeſſerung des culmiſchen Rechts nach 
den jetzigen Zeitumſtaͤnden zu Stande zu bringen. Ueber den letztern Punkt ſtellte er 
mit den polniſchen Preuſſen 1534 mancherley Berathſchlagungen an. Man ſuchte 
zwar das gute Vernehmen mit dem polniſchen Preuſſen durch das falſche Gerücht zu 
unterbrechen, als ob Albrecht gegen die Stadt Elbing einen Anſchlag gefaßt, und ſich 
derſelben bemächtigen wollen, allein Albrecht batte fo wenig hieran gedacht, daß er 
ſowol in Muͤnzangelegenheiten, als auch in Abſicht der nordiſchen Unruhen und der 
deshalb vor Preuſſen zu nehmenden Maas regeln mit dem polniſchen Preuſſen g= 
meinſchaftliche Sache machte, und zu Nürnberg unter die ſchmalkaldiſchen Bundes / 
genoffen ſich aufnehmen ließ. In Daͤnnemark wurden die Unterthanen in der noch 
fortdaurenden Zwiſchenregierung theils durch die Grafenfehde und die Lübecker, theils 
durch den Seeraͤuber Clemens fo mitgenommen, daß die Juͤtlaͤnder zuerſt ſich ent 
ſchloſſen, dem Chriſtian 3 die Krone des daͤniſchen Reichs anzubieten. 
ſrach ſich dieſer daͤniſchen Angelegenheiten wegen gleich zu Anfang des Jahres 180 
mit dem Könige Sigismundo zu Wilna. Die Furcht, daß der deutſche Orden 
bey Gelegenhelt der daͤniſchen Unruhen ein Abſehen auf Preuſſen habe, machte, daß 
der Herzog ſowol dieſerwegen, als auch wegen der Muͤnzangelegenheiten mit nn 
niſchen Preuſſen zu Rathe gieng. Er ſchickte so Mann nach Balge zur? N 
ab, wenn etwa der Orden einen Anſchlag auf das Tief machen folte, u 0 
Biſchof von Samland, die Beſatzung zu bekoͤſtigen. Andreas von Ripp und de 
Oberburggraf von Kannacher muſten nach Hamburg abgehen, um mit Ehrifians 
die nöihigen Maasregeln zu Überlegen. Zu des letztern Beiſtand ſchickte der Herzeg 
12 Schiffe unter dem Oberbefehl des Johann von Pein, Hauptmanns von Inſter⸗ 
burg, in die See, nachdem Albrecht die darauf befindliche Mannſchaft am Strande 
gemuſtert hatte. Auf einem Landtage bewilligte man dem Fuͤrſten eine halde Acelſe, f 
und von jedem Dienftpferde drey Mark zu Bewahrung des ſamlaͤndiſchen Gebiets und 
anderer Grenzorte. Ein ſolcher Eifer des Herzogs vermochte den König von S chw 
den, ihn zum Schiedsrichter in ſeinen Streitigkeiten mit Danzig zu ernennen. In 
der That Härten ſich die Wolken in Norden immer mehr und mehr auf. Der Sieg 
des Königs von Schweden bey Helſingburg und der groſſe Sieg, den Chriſtian 3 
bey Aſſens in Fuͤhnen befochten, richteten die Sachen der Luͤbecker und bert He 
fershelſer meiſtens zu Grunde, wobey ſich immer mehrere Staͤdte Chriſtians 3 € 
pter unterwarfen. Des Herzog Albrechts von Preuſſen Beyſorge ſieng ſich 
ſo zu vermindern an, beſonders da er ſich vors kuͤnftige auf den Beiſtand der Chu 
Brandenburg mehrere Rechnung machen konte. Der Churfuͤrſt Joge hin 11, dieſer 
eifrige Vertheidiger des RE gieng zu Grabe. Er backe feine Söhne Yon 


re cim 


2 3 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 435 


chim 2 und Johann von Cuͤſtrin zu Nachfolgern, von welchen der letztere ſich bald 
öffentlich zur Kirchenverbeſſerung wandte. Beim Churfuͤrſten Joachim 2 zeigte ſich 
gleichfals hiezu groſſe Hofnung, welche unſer Herzog durch feine Vorſtellungen vermehrte. 
Wenigſtens konte Preuſſen auf die Huͤlfe Joachims 2 bey kuͤnftigem Angrif Rechnung 
machen, da derſelbe mit der polniſchen Prinzeßin Hedwig ſich vermaͤlte, und mit 
dem koͤniglich polniſchen Haufe dadurch in eine ſolche Vertraulichkeit gerleth, die nach⸗ 
her zur Mirbelehnung des Churhauſes über das preuß iſche lehn den Grund legte. Der 
Herzog wohnte dem Beilager des Churfuͤrſten zu Cracau nebſt feiner Gemalin perſöhn⸗ 
lich bey, und nahm damals mit dem Churfuͤrſten wegen der daͤniſchen Angelegenheiten 
noͤchige Abrede. Es fieng ſich der Churfuͤrſt von der Pfalz Friedrich 2 an, in dieſe 
Angelegenheiten zu miſchen, um wo moͤglich feinem Schwiegervater Chriſtian 2 oder ſich 
ſelbſt die verlorne Krone wieder zu ſchaffen. Weil nun 1836 Walther von Cronberg ein 
unbefugtes Schreiben vom Kammergericht an die preußiſchen Stände und Einwohner 
ausgebracht, wodurch felbige geachtet wurden, weil fie gegen die kaiſerlichen Befehle 
dem Herzoge Albrecht bishero treu geblieben waren, fo mufte man beſorgen, daß der 
deutſche Orden zu Vollſtreckung dieſer unbefugten Acht ſich des Pfalzgrafen Frie⸗ 
drichs bedienen möchte. Der Herzog ſetzte daher alle gute Gegenanſtalten im Lande fort. 
Er bewieß in einer Schutzſchrift aufs neue die Rechtmaͤßigkeit des Erbvertrags; mit 
Polen uͤberlegte er die gegen den Pfalzgrafen und den Orden zu nehmende Maaß regeln, ſo⸗ 


wol, als die Muͤnzſachen mit den polniſchen Preuſſen. Er übernahm das ihm auf⸗ 


getragene Mitleramt zwiſchen Schweden und Danzig. Er hatte aber endlich das Ver⸗ 
gnuͤgen zu ſehen, daß durch Churbrandenburg ſowol der Graf Chriſtoph von Olden⸗ 
burg, als auch Herzog Albrecht von Mecklenburg mit dem Könige Chriſtian 3 vers 
tragen, Coppenhagen an den letztern übergeben, ein Waffenſtillſtand getroffen, und 
auf diefe Weiſe der Grafenfehde in Daͤnnemark ein Ende gemacht wurde. Hiedurch 
erholte ſich Preuſſen von der bisher gehabten Furcht, und der Herzog war im Stande 
bey feinem Schwager Könige Chriſtian 3 1537 einen Beſuch nebſt feiner Gemalin in 
Coppenhagen abzulegen, auch in den folgenden Jahren mit mehrerer Ruhe an aller⸗ 
len gut en landes einrichtungen zu arbeiten. Da der Herzog dem ſchmalkaldiſchen Bun 
de beigetreten, fo muſte ihm der dagegen in Deutſchland 1538 zum Stande gekomme⸗ 


de heilige Bund derer Catholiſchen freilich einen Verdacht erwecken. Es war jedoch 


zum Gluck durch Churpfalz und Churbrandenburg 1539 wenigſtens dem Ausbruch 
der Thaͤtlichkeiten durch einen guͤtigen Vergleich vorgebeugt, worauf der Churfuͤrſt 
Joachim 2 ſelbſt ſich öffentlich vor die Kirchenverbeſſerung erklaͤrte, und felbige in ſei⸗ 
nem lande einfuͤhrte. Die Fortdauer der Grenzirrungen mit Danzig, und die, wel 
che 1540 mit Polen ſich ereigneten, hatten auch nicht viel zu bedeuten. 

$. 207. ; 


Der Herzog bediente fi ber damoligen Ruhe feinen Unterthanen den groffen 


Ji 2 Preuſ⸗ 


1535. 


1536. 


1537« 


1538. 


153% 


1540. 


Ex regiert 
Gnadenbrlef auszuſtellen, welcher die magdeburgiſchen und lehngüter im Herzogehum ruhig. 


1540. 


Aar. 


befahl deswegen dem Hauptmann zu Ragnit von allem was auf der Grenze von Sa⸗ 


436 SGSecchichte von Preuſſen. 

Preuſſen betraf. Er gab auch dem polnifchen Preuſſen den Rath, an eine wo 
meine kandesordnung zu denken. Er erwarb ſich dadurch immer mehreres Zutrauen, 
fo, daß er ſich auf die Treue der Seinigen und Freundſchaft der Nachbarn völlig J 

nung machen konte. Es zeigte ſich ſolches bey denen neuen Beſorgniſſen gegen den 
deutſchen Orden. Man glaubte damals Pfalzgraf Friedrich werde aufs neue mit 
Huͤlfe der Marianer Daͤnnemark beunruhigen; die Kreuzherrn in Liefland wir 
den indeſſen gegen Preuſſen etwas vornehmen, bis der Deutſchmeiſter nach Bezwin 
gung Daͤnnemarks mit Eroberung Preuſſens zu Werke gehen konte. Der Herzog 


meiten und Liefland vorgehe, Kundſchaft einzuziehen; dem Hauptmann von Mes 
mel wurde befohlen, am Strande genugſame Wachen auszustellen. Auf einem Sands 
tage wurde zu des landes Sicherheit beſchloſſen, daß alle Dienſtpflichtige Unterthanen 
zu Ergreifung der Waffen ſich bereit halten ſolten. Der König Sigmund rieth ſelbſt 
dem polniſchen Preuſſen, in Abſicht der äuſſern Sicherheit , eben fo wie in Münze 
chen immer geſchahe, mit dem Herzoge gemeinfehaftliche Rathſchlaͤge zu falſen. Doch 
damals waren alle Zuruͤſtungen unnöthig, weil durch einen Vergleich der 

mit dem Könige Chriſtian 3 von Daͤnnemark die Ruhe noch ein Jahr erde 
de. Weil der Kaiſer perfönlich nach Deutſchland zu kommen, und in Rege 
einen Reichstag zu halten geſonnen war, konte man ſich leicht einbilden, daß bey 
Gelegenheit die Marianer alles in Bewegung zu bringen ſuchen wuͤrden. Be 4 
zog uͤberlegte daher durch Hans von Ereutzen mit dem Könige von Polen, wie man 
ſich Hieben verhalten wolle und beide beſchloſſen zu Vertheidigung Preuſſens gegen den 
Orden 1441 Geſandten auf den Reichstag nach Regenſpurg zu ſchicken. Adri 
fenberg brachte wirklich ein vom Kaiſer unterſchtlebenes ſicheres Gelelt nach 
ſen, darin dem Herzog ſelbſt oder durch Geſandten zu erſcheinen frey geftellet w 
Albrecht ſchickte den Chriſtoph von Creutzen dahin ab, und ertheilte en fol ⸗ 
gende Anweiſung. „Er ſolte zuförberft den Herzog bey dem Kaifer entschuldigen, wa ⸗/ 
rum er nicht in eigener Perſon erſchienen waͤre, weil ſeine Ehre und Glimpf 
ches nicht geſtatten wollen. Solte es zum Wortwechſel kommen, und ihm be die 
Sache eingewendet werden, daß Herzog Albrecht den Vertrag mit Polen nicht batte 
eingehen, ſondern lieber alles verlaffen, und ſich der Ordenslaͤnder begeben ſollen, fo 
konte darauf geantwortet werden, wie die Wohlfahrt des Landes ein ganz anderes er 
fordert hätte. Wolte man ihm vorruͤcken, wie der Fuͤrſt, als er mit einigen 
herrn in Deutſchland zuſammen geweſen, verſprochen, Preuſſen nicht in 
liches Fuͤrſtenthum zu verwandeln, ſo koͤnte hingegen zur ar be 
werden: es wäre der Herzog hierum zwar angeredet worden, er Hätte aber 
geantwortet, wie er ſeine Abguͤnſtige hievon muͤſte reden laſſen, er 510 
als ein Ehriſt fuͤrſtlich halten; welches auch geſchehen, und konte Brief un 
nicht anders aufgeleget werden. Endlich hätte er in dieſer ganzen Sache n 
gethan, als 5 er die deutſchen Ordens herrn auch wider ihren e gehe 


1 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. | 437 


der Unterthänigfeit erlaſſen muͤſſen. Wenn der König in Polen in der Unterrichtung 


feines Abgeſandten geſetzt: der vermeinte Orden, der ſich ein Vertheidiger der Chriſten⸗ 
heit nennt, haͤtte mehr wider dieſelbe geſtritten, davon waͤren noch bey Zelten des Her⸗ 


zogs felber einige Zeugniſſe anzufuͤhren. Denn da der Orden nur im verwichenen Jahr 


wider die Tuͤrken hundert Pferde zu ſchicken, vom römifchen Könige erſuchet worden, 
ſo waͤre dieſe Huͤlfe zu ſiebenmalen ausgeſchlagen worden. Und als vor einigen Jah⸗ 
ren der König in Polen mit den Moſcowitern geſtritten, fo Härte der Orden und der 
Gebietiger in Liefland, dieſe nicht allein mit Geſchuͤtz verſtaͤrket, ſondern ihnen auch durch 
Liefland den Durchzug verftatter.,, Creutzen muſte mit dem polniſchen Geſandten 
Stanislao Maciefei, mit dem brandenburgiſchen Geſandten Euſtach von Schlie⸗ 
ben mit den ſaͤchſiſchen und heßiſchen Geſandten und mit dem daͤniſchen Wolf Ot⸗ 
tenhofer gemeinſchaftliche Sache machen. Sie erſuchten insgeſamt den Kaiſer die 
unbefugte Achtserflärung aufzuheben; fie ſtellten vor: „wie der Orden in Preuſſen 
nichts mehr zu thun Hätte, da nunmehr keine Heiden dieſe landſchaft bewohneten, und 
wie es den mehreſten Reichsfuͤrſten, auch Oeſterreich und Schleſien ſelbſt zum Nach⸗ 
theil Hätte ausſchlagen müffen, wenn das Misverftändnig mit Polen länger forgeſetzt 
wäre, indem man von dieſem Freiſtaat des Handels wegen hoͤchſt wichtige Vortheile ger 
noſſen.,, Doch alle Bemuͤhung war vergebens den deutſchen Orden mit feinem Ges 
ſuch abzuweiſen. Es wurde von Earl blos die Sache auf weitere Zeiten verſcho⸗ 
ben. Ein Geruͤcht, als ob der Kaifer damit umgienge, den Orden der Kreuzherren 
und der Johanniter zuſammen zu ſchmelzen, und durch dieſe vereinigte Macht ſeine 
Entwuͤrfe gegen Daͤnnemark und Preuſſen auszuführen, machte, daß der Herzog 
Alorecht ſich immer veſter an Polen ſchloß, um durch ſelbiges vertreten zu werden. 
Zu dieſem Ende wurden von ihm der Biſchof von Samland und der Hauptmann von 
Neudenburg nach Wilda abgeſchickt, um die Grenzſtreitigkeiten zwiſchen Preuſſen 
und Lithauen beizulegen. Der König Sigmund wolte zwar unſerm Herzoge den 
Muͤnzhammer damals legen. Albrecht ſetzte aber fein Muͤnzrecht, das ihm laut dem 
mit Polen geſchloſſenen Frieden zuftändig war, beftändig fort. Das polnifche 
Preuſſen unterftügte fein Geſuch, daß keine Rechtspändel nach Polen aus Preuſſen 
geſchleppt wuͤrden, er ſelbſt beſorgte indeſſen alles, was er nur vor ſeine Unterthanen 
vor vortheilhaftig hlelt. Er befahl, daß der Preiß der Becker und Brauer ſich nach 
dem Einkauf des Getreides richten ſolte. Er verordnete, daß Zigeuner, Juden und 
Muüßiggänger im Lande nicht geduldet wuͤrden. Er ſtiftete da, wo ſonſt die koͤnigs⸗ 
bergiſche Domſchule geſtanden, zum Beſten der Jugend ein ſo genanntes Particular 


auf den Fuß der elbingſchen Schulen und begabte ſolches mit reichlichen Einkuͤnften. 


Hieſelbſt ſolte die Jugend in allen Stücken vorbereitet werden, mit Nutzen hohe Schu⸗ 
len zu beſuchen, fo wie er ſchon vorher in verſchiedenen Städten niedere Schulen ers 
richten laſſen, in welchen die Grundſaͤtze der lateiniſchen Sprache und der chrifts 
lichen lehre vorgetragen wurden. Mitten unter den Befchäftigungen vor das Wohl 
und Sicherheit der Unterthanen, war 99115 in Gefahr gerathen auf eine . 

7 3 t 


1548, 


1341. 


1542. 


1543. 


ſchmettert und andere verwundet wurden, da der Herzog kurz vorher wegen 


den Ahasverus von Brand, der bey den deutſchen Fuͤrſten feine Gerechtſame ges 


438 5 Geschichte von Preuſſen. 
Art fein eben einzubuͤſſen. Den igten Merz dieſes Jahres entzündeten ſch den 
halbe Tonnen Pulver in einem Gewölbe des Schloffes, ſprengten die darüber befindlis 
che geheime Raths ſtube und einen Theil des Gebäudes, wodurch drey 3 
Briefe aus der geheimen Raths ſtube herausgegangen war. Albrecht von 1 
und Jacob 1 von England ſind alſo in gleicher Gefahr geweſen durch —— 
tuft geſprengt zu werden. Man muß aber zu Preuſſens Ehre den Unterſcheid ans 
merken, daß hieſelbſt keine Verſchworung, ſondern ein bloſſes Berſehen daran Schuld 
geweſen. Worin aber dieſes Verſehen eigentlich beſtanden, bat man noch nicht ausfindig 
machen können. Albrecht trug zwar ſeine Seele immer in ſeinen Haͤnden, es lehrte 

ihn aber dieſer Zufall ſich in beſtändiger Bereitſchaft zu halten aus der Welt — 
Er ſetzte daher bereits ſeinen letzten Willen auf und bemuͤhete ſich feine noch übrigen Tage 
ganz feinen Pflichten zu widmen. Er beſchickte 1842 den Reichstag zu Nuͤrnberg durch 


gen den deutſchen Orden öffentlich betreiben muſte. Er unterhielt aber zugleich den 
Hieronymum Schurſtab in Nuͤrnberg, um von allem unterrichtet zu werden, was 
daſelbſt vorgieng. Weil die Tuͤrkengefahr ſich vermehrte, ſo ward in Preuſſen eine 
Tuͤrkenſteuer bewilliget, um ſich in einige Verfaſſung ſetzen zu konnen. Der Her⸗ 
jog verlangte von Polen die Abſchaffung der neuerlichen Zölle in Lithauen und sorgte, 5 
daß weder die Grenzirrung auf der Nehrung mit Danzig, noch die Mu 

ten des landes Sicherheit ſtoͤhren konten. Er blieb immer gegen Liefland auf feiner 
Hut. Er ertheilte dem Lande den kleinen Gnadenbrief, nach welchem die 
ge für Fremden den Vorzug haben, die acht Hauptaͤmter verwalten, und die eröfne⸗ 
ten Gnadenlehn erhalten folten. Gleich darauf ward die sogenannte Regimen 81 
bekandt gemacht, welche als ein Grundgeſetz anzuſehen, wie es im geiftlichen ur 
lichen Regiment gehalten worden ſolte. Wilhelm Truchs von Wetzhauſen, 
ter von Dona, Jacob von Diebes und Eck von Reppichau, bewieſen in po 
Preuſſen die Güte dieſes Gefeges, deſſen Beftätigung 1543 bey Polen geſucht 
Um die ſtrittigen Grenzen bey Soldau, Gilgenburg, Schoͤnberg und deut 
lau auf einer, und Strasburg, Bretgen und Lautenburg auf der andern Se 
zu berichtigen, wurden vom Herzoge der Obermarſchall, ien 0 = 
ftenburg Wolf von Heydeck und anderer abgeſchickt. Albrecht ſelbſt w 
Beilager des jungen Königes von Polen Sigismundi Auguſti in Craca 
ihm gleich Polen in feinem Anſuchen zuwider, daß feine Rechtshaͤndel von 
nicht nach Polen gebracht werden möchten, und beſprach ſich bey dieſer Geleger 
mals mit dem Könige Sigismundo wegen der daͤniſchen und Ordens 
Auf des Herzogs Befehl muſte der Hauptmann zu Memel Ertan 
einziehen, was auf dem lieflaͤndiſchen Landtage beſchloſſen wäre. In M 
ſtaͤdt, Schaacken, Fiſchhauſen, Tilſit und Ragnit wurden die Beſatzu 
und auf alle Schiffe die aus der See kamen, genaue Achtung gegeben. 


W gm 2 Beau 


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— 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 439 


gurg die Daͤnnemark für den Pfalzgrafen Friedrichen hatte, machten ſolche Anftals 
ten nothwendig, obgleich die Gefahr vor den Tuͤrken vorüber gegangen und folglich 
die Türfenfteuer in Preuſſen aufborte. Ueberdies hatte der Orden in Deutſchland 
ſtatt des verftorbenen Walther von Cronberg den landcomthur von Heſſen Wolf⸗ 


= gang Schutzbahr, Milchling genannt, zum Hoch, und Deutſchmeiſter erwaͤhlt, 


I 


welcher mit neuem Eifer, die Anfprüche des Ordens auf Preuſſen betrieb. Es erhielt 
derſelbe 1544 auf den Reichstage zu Speyer die Belehnung des Kaiſers, der ſich ihm 
auch Preuſſen zuzuſprechen und die preußiſchen Unterthanen von ihrem rechtmäßigen 


Her zoge an ihn zu verweiſen die Gewalt herausnahm. Das beſte vor Preuſſen, was 


auf dieſem ſpeierſchen Reichstage vorgieng, war der Vergleich, den endlich Carl 5 mit 
Daͤnnemark ſchloß, durch welchen alle bisherige Anfchläge des Pfalzgrafen Frie⸗ 
drichs vereitelt, Chriſtian 3 auf dem Throne beveſtiget, und beſorget worden, daß 
Chriſtian 2 in feinem Verhaft gut gehalten werden ſolte. 


r 5. 208. 


Damals führte der Herzog Albrecht den ihm wuͤrdigen Entwurf aus, in Preuſ⸗ 
fen zu Königsberg eine eigene hohe Schule zum Stande zu bringen. Es waren bes 
reits im vorlgen Jahr zu Errichtung dieſes Muſenſitzes Anſtalten vorgekehrt und ſo weit fott⸗ 
geſetzet, daß den ızten Auguſt dieſes Jahres ſolcher mit den gewöhnlichen Feierlichkel⸗ 


ten eingeweihet werden konte. George Sabin ein Mann von ſeltenen Eigenſchaften, 


gab als der erſte Rector demſelben eine groffe Zierde. Der Herzog munterte lehrer 
und Zuhörer von Zeit zu Zeit durch Ehre, Einkuͤnfte und gute Geſetze auf. Der Koͤ⸗ 
nig von Polen hat nachmals 1560 dieſe hohe Schule beftätiget, und derſelben die Frei⸗ 
heiten und Vorrechte des cracauiſchen Muſenſitzes, und unter andern auch den polni⸗ 


i ſchen Adel ertheilet. Nach des Herzogs Verlangen wurden feit der Zeit wirklich ſol— 


che Männer im Lande gezogen, die zu allen Aemtern die nörhige Geſchicklichkeit beſaſ⸗ 
fen. Der Herzog beſuchte darauf 1545 nebſt feiner Gemalin den König von Polen zu 
Wilda. Er ſelbſt wurde von feinem Vetter Marggraf Albrecht dem Krieger Caſi⸗ 
mirs Sohn, in Geſellſchaft des Herzogs von Liegnitz beſucht. Weil unfer Herzog das 
mals keine Prinzen hatte, ſo gab ſich der Marggraf, da bereits Caſimir, Georg 
und Hans, welche die Mitbelehnung über Preuſſen erhalten, geſtorben, viele Muͤ⸗ 
he, durch eine polniſche Belehnung ſich der kuͤnftigen Erbfolge zu verſichern, konte 
aber ſeinen Zweck nicht erreichen. Unſer Herzog ſchickte hingegen den Albrecht von 
Finck, den Jacob von Auerswald und den von Reppichau zur Grenzberichtigung 
mit Lithauen ab. Vorzuͤglich aber verwandte er alle Sorgfalt zur Sicherheit des Lan⸗ 
des gegen den Orden. Denn nach dem Bericht des Hauptmanns von Memel machte 


man in Liefland bedenkliche Kriegszuruͤſtungen. Da auch in Deutſchland die ſchmal⸗ 


kaldiſchen Bundesgenoſſen mit einem Krieg vom Kaifer bedrohet wurden, fo gab ſol⸗ 
ches Gelegenheit daß unſer Herzog uͤber Poſen nach Nuͤrnberg reiſete, und mit den 


Haͤuptern vertrauliche Abrede nahm. Kaum war er über Wittenberg, Frankfurt 
8 a und 


7 
1 ’ 


* 


1543. 


m 


1544. 


Fortſetzung. 


1545. 


1546. 


1547. 


1548: 


ſonderlich die deutſchen Angelegenheiten zu überlegen. Daſelbſt gieng der ſchmalkal / 


im ganzen lande Muſterungen, ließ die Schloͤſſer beveſtigen und auf Bir jahr 


440 Geſchichte von Preuſſen. 


und Poſen wieder zur gekommen, ſo reiſete er 1546 zum Könige von Polen nach Cra · 
cau und Wilda, um mit demſelben ſowol die lithauiſchen Grenzirrungen, als auch 


diſche Krieg wirklich an. Der Herzog gehörte zu den ſchmalkaldiſchen Bundesgenoſſen 
und Sachſen verlangte dieſerhalb die bundesmaͤßige Huͤlfe. Albrecht fand aber vor 
gut mit dem Könige von Polen gemeinſchaftlich die Aufhebung der unbefugten Reichs / 
acht zu betreiben, well der Kaifer verſprochen, daß feine und königlich polniſche Ber 
vollmaͤchtigte uͤber die Guͤltigkeit dieſer Reichsacht erkennen ſolten. Von Seiten des 
Königs reiſete in dieſer Sache Achatius Czeemen wirklich nach Deutſchland ab, 
und Ahasverus von Brand des Herzogs Geſandter bekam den Befehl mit dem 
polniſchen gemeinſchaftlich zu arbeiten. Doch das Geraͤuſch der Waffen verhinderten 
die Unter handlungen und das Gluͤck des Kalſers, welches ihm 1547 die ſchmalkaldi⸗ 
ſchen Bundesgenoſſen uͤberwinden half, ſetzten Preuſſen in die groͤſte Furcht, daß 
nach Bezwingung Sachſens die kaiſerlichen Völker nun vor den Wolfgang Schuz⸗ 
bar fich bearbeiten möchten. Das vorliegende polniſche Preuſſen feste eng 
in Vertheidigungsſtand. Der Herzog, dem feine erſte Gemalin mit Tode abgien 
ermangelte gleichfals nicht zu feiner Sicherheit alle Anſtalten vorzukehren. Um 

der Treue der Einwohner verſichert zu halten, befahl er, daß alle von Adel, die ach N 
nicht den Lehns / und Huldigungseid abgelegt, ſich hiezu nach Königeberg einfinden 
ſolten; daß kuͤnftig zu Ablegung dieſer Pflicht ein jeder neuer tehnsbeſitzer gehalten . 
ſeyn ſolte; und daß in denen Städten von denen jungen Buͤrgern jährlich der Eid der 
Treue abgelegt werden ſolte. Albrecht ſuchte beſonders bey Polen Beiſtand. 6 
verus von Brand und Hans Rauter muſten in dieſer Angelegenheit 1848 den pr 
niſchen Reichstag zu Peterkau beſuchen. Ohnerachtet aber die geiſtlichen iſ 
Relichsſtaͤnde dem evangelifchen Preuſſen Huͤlfe zu leiſten nicht ſonderlich aun 
ward doch der Entſchluß gefaſt, bey ſich ereignendem Nothfall einen allgemeinen Aufge / 
bot vorzunehmen, welchen der junge König in Polen in eigener Perſon anführen fol 
te. Man konte ſich auch auf Churbrandenburgs Huͤlfe Rechnung machen . 
Joachim ſchon damals Unterhandlungen wegen der Mitbelehnung über Preuſſen ar 
geſtellet. Wolf von Creutzen Hauptmann zu Tapiau und Ahasverus von 
muſten hierauf die Befchleunigung der Zuruͤſtung im polniſchen Saag 
Der Herzog erſuchte die Stadt Danzig einige Schiffe auszuruͤſten. ſelbſt 
len nöthigen Bedürfniffen beſorgen. Die Hauptleute von Ragnit und 2 
den befehliget, ſich in der Stille aller Perſonen zu bemaͤchtigen, die der 
Preuſſen nach Liefland abſchicken möchte. In Mecklenburg und bey and 
fürften bewarb man ſich um Beiſtand, und der König von Polen ließ di 
Geſandten Stanislaum Laſci auf dem Reichstage zu Regenſpurg, theils un 
bebung der unbefugten Acht, theils um die Vermittelung des deutſchen 9 
ſuchung thun. Es kam zwiſchen demſelben und dem deutſchen Orden zum Se 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 441 


ſel, bis endlich einige Staͤnde zur Erörterung dieſer Sache abgeordnet wurden. Weil 
die Abgeordneten aber nichts auszuſprechen ſich getraueten, ſondern alles dem Willen 
und der Entſcheidung des Kalſers uͤberlieſſen, ohnerachtet ſich der Churfuͤrſt von Bran⸗ 
denburg vor den Herzog ſehr bearbeitete, ſo blieb noch alles in den vorigen Umſtaͤnden. 
Zum Gluck war Preuſſen entfernet. So ſehr ſich auch Wolfgang Schuzbar um 
den Kalſer verdient gemacht, fo hatte doch Carl; keine Luſt ihm zu gefallen, mit Pos 
len anzubinden und das geſamte Haus Brandenburg gegen ſich aufzubringen, deſſen 
Glleder ſich bisher gleichfals um den Kalſer verdient gemacht. Die kaiſerlichen Ent 
wuͤrfe in Staats und Rellglonsſachen nöͤthigten ihn, feine Macht in Deutſchland 
beiſammen zu behalten, wo ſich Magdeburg feinem Willen noch öffentlich widerſetzte, 


und woſelbſt die meiſten Reichsfuͤrſten genugſam merken lieſſen, daß ſie ſich dem 


Betragen des Kaiſers nur aus Zwang nicht widerſetzten. Preuſſen hatte von denen 
deutſchen Unruhen vielmehr noch einigen Vortheil, da verſchiedene boͤhmiſche Glieder 


nach dieſem Lande kamen, und mit Bewilligung des Herzogs ſich darin niederlieſſen. Es 


iſt nur zu bedauren, daß die uͤbrigen Einwohner ihnen nicht liebreich genug begegneten, 
und fie nach einigen Jahren noͤthigten ſich heimlich aus Preuſſen wieder zu entfernen. 


9. 209. 


1543. 


Der Tod legte damals den groffen König von Polen Sigmund ins Grab, deſ⸗ Der Herzog 


fen Freundſchaft und Zuneigung der Herzog Albrecht bis in feinen Tod genoß. Die, bleibt mit Si⸗ 


fer begleitete deswegen auch den verblichenen königlichen Körper zur Gruft, und theilte rg en 


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5 . 


den Franciſcanern bey dieſer Gelegenheit, vor die gottesdienſtliche Bemuͤhung reichli⸗ 
che Geſchenke mit. Doch ein ſcherzhafter Einfall, daß die Mönche dieſes Geld ber 
merken, und an den Papſt als einen Beweiß uͤberſchicken würden, wie freigebig ſich 
der Herzog gegen das Fegfeuer bewieſe, machten, daß Albrecht feiner Freigebigkeit 
Grenzen ſetzte. Nach Sigismundi Tode trat deſſen Sohn Sigismundus Augu⸗ 
ſtus die polniſche Regierung an, welchem die Polacken ſchon bey feines Vaters deb⸗ 
zelten die koͤnigliche Krone aufgeſetzt hatten. Herzog Albrecht unterhielt mit dieſem 
Prinzen eben das gute Vernehmen, welches bisher fo glücklich zwiſchen Preuſſen und 
Polen beſtanden. Nur ſtritten ſich beide Staaten ob irgend unter einem Vorwande 
Rechtshaͤndel aus Preuſſen an polniſche Richter und Gerichte gebracht werden konten? 
Der Herzog leugnete ſolches, weil ihm das Land mit allen denen Hoheiten und Rechten 
zu zehn gegeben worden, welche ehemals dem deutſchen Orden zuſtaͤndig geweſen. Er 
konte ſich alſo niemals entſchlieſſen der Crone Polen etwas einzuräumen, was ihr nicht 
gehörte, und wodurch die Handhabung der Gerechtigkeit unnoͤthiger Weiſe verzögert 
wuͤrde. Polen hingegen wolte ſich eben ſo wenig ſeines Anſpruchs begeben, welchen 
man aus der oberſten Lehnsherrlichkeit her zu leiten ſich bemuͤhete. Albrecht bekam 
damals von feinem Vetter Marggraf Albrecht dem Krieger in Begleitung des Land⸗ 
grafen Chriſtophs von Leuchtenberg einen Beſuch. Sein Vetter ſetzte feine Bemuͤ⸗ 
bungen, die Belehnung über Preuſſen zu erhalten, fort, weil der Herzog Feine Soͤh⸗ 
P. aug. preuß. Geſch. 4 Th. Ke ne 


vernehmen. 


1550. 


155. 


1552. 


3555 


442 Gieſchichte von Preuſen. f 


kuͤnftigem Fall ſich in Preuſſen habe huldigen laſſen, obwohl, der in Preuſſen wütens 
den Peſt ohnerachtet, noch in dieſem Jahr der Herzog an eine neue Bermälung dachte. 
Er ließ durch Albrecht Truchs um die Anna Maria, Herzogs Erichs des alte 


ne hatte, der ſeine Gaͤſte nach Polen mit genommen und in ihrer Begleitung nach 
Preuſſen zuruck kam. Albrecht der Krieger hielt ſich noch zu Ausgang des r 
1549 in Koͤnigsberg auf. Es kann wohl ſeyn, daß er, wie Rentſch behauptet, auf 


von Braunſchweig Lüneburg Prinzeßin, anwerben, mit welcher er 1880, wirklie 
Beilager hielt. Die Marggrafen Wilhelm und Johann von Cuͤſtrin, der Graf Pop⸗ 
po von Henneberg und die Herzoge Johann Albrecht von Mecklenburg / Johann 
Wilhelm von Sachſen wohnten dem Beilager bey. Die hohe Geſellſchaft beluſtigte 
ſich auſſer andern Dingen mit einem Ritterſpiel. Der neuen Gemalin war das Amt 
Neuhauſen zum teibgeding ausgeſetzt. Nunmehr wolte der Herzog dem neuen Koni · 
ge von Polen Sigismundo Auguſto perſönlich die kehnspflicht leiſten. Er reiſete 
dieſer Abſicht wirklich aus Königsberg ab. Weil ihn aber zu Soldau eine Kran 
überfallen, ernannte er den Botho von Eulenburg, den Wilmannsdorf, den Do, 
etor Jonas und Wolf Koderitz als Geſandte, welche den gten December ſamt 
Geſandten derer Marggrafen von Brandenburg in Franken von dem Könige die Er 
neuerung des behns erhielten. 155 ſchickte Albrecht den Hauptmann zu Tapiau und ſeinen 
Rath den preußiſchen Geſchichtſchreiber Lucas David zur Berichtigung der Grenzen 
mit Lithauen ab. Er ſelbſt beſprach ſich mit dem Monarchen perfönlich zu Wildg. 
Er beſuchte eben denſelben 1552 in Danzig, wo er allemal durch Trompetenſchall das 
Zeichen geben ließ, wenn der evangehfche Gottesdienſt feinen Anfang nahm. Der. 

gieng durch des Herzogs lande nach Lithauen, kam aber in Königsberg in kebensgefahr. 
Als man nemlich bey ſeinem Einzuge ihm zu Ehren das ſchwere Geſchuͤt löſete, zer, 
ſchmetterte eine Stuͤckkugel den Edelknaben Wiesniowic an des Königs Seite, der 
von deſſen Mark und Blut beſpritzt wurde. Das bey dem Könige befindliche Gefolge « 
ſchrack wegen der Gefahr des Königes, doch Siegmund Auguſt blieb geruhig, un 
bat vielmehr um die Begnadigung des unvorſichtigen Menſchen, der ein fcharf gelat 
Geſchuͤtz bey dem Einzuge des Königs abgefeuret hatte. Faſf alle bisherige Fure 
des Kaifers Macht und des deutſchen Ordens Anſpruͤche war verſchwunden, de 
Interim und andere Gewaltthaͤrigkeiten des Kaiſers ihm in Deutſchland neue 
zugezogen, unter welchen Marggraf Albrecht der Krieger dem Orden in Der 
ziemlich ſchwer fiel, und dadurch Rache wegen unſers Herzogs nahm. Dies 
den paſſauiſchen Vertrag nach fich gejogen. Well aber Marggraf Albrecht 
ger feine beſondere Vortheile in dieſem Vertrage nicht beſtäͤtiget fand, und de 
allem Verſprechen ohnerachtet durch das Kammergericht ſolche vereiteln ließ, ſo 
Marggraf aufs neue zu den Waffen, und wolte fich feines erlittenen Schadens an 
nen Widerfachern erholen. Unſer Herzog ſuchte 1533 eine Heirat zwi ſchen einer pr 
Prinzeßin und einem Sohn des Johann Friedrichs des altern, gebornen Ezurfuürſten de 
Sachſen, zum Stande zu bringen. Albrecht oer Krieger aber machte mit @ n 


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Marggraf Albrecht von Brandenbutg. 443 


gern von Braunſchweig Calenberg, der mit feinem Vetter Henrich dem jaͤngern von 
Braunſchweig Wolfenbüttel allerhand Irrungen hatte, gemeinſchaftliche Sache. Al⸗ 


brecht der Krieger gieng durch Sachſen ins Brauuſchweigiſche, verlor aber die Schlacht 


bey Sievertshauſen. Er ſowol als Erich ſuchten unter andern bey unſerm Herzoge Huͤl⸗ 


fe, da Albrecht der Krieger ſein Bruders Sohn, Erich aber ſein Schwager war. 


Weil jedoch der König von Polen, deſſen neue Hochzeit in Cracau der Herzog beſucht 


hatte, ihm auf Anſuchen des Kaiſers zu erkennen gegeben, wie er auſſer ſeinem Lande 


keinem einigen mit einem Krlegesheer Beiftand leiſten möchte, ohne allein der Krone 
Polen, wie es auch in den Vertragen zugeſtanden worden; fo muſte unſer Marggraf 


dieſesmal ſolches Anſuchen des Herzogs von Braunſchweig abſchlagen. Alles, was 


der Herzog thun konte, beſtand darin, daß er den von Packmor mit Geldern nach 
Deutſchland abſchickte, um vor dieſe Prinzen einige Kriegs volker zu werben, welches 
auch im Hannöoͤveriſchen und Mecklenburgiſchen geſchahe. Doch ein neues uns 
gluͤckliches Treffen bey Braunſchweig ſchlug die Sache diefer Prinzen darnieder, und 
brachte ſonderlich Albrechten den Krieger ins aͤuſſerſte Ungluͤck. Seine Feinde, uns 
ter denen ſich auch ſonderlich der Hochmeiſter des deutſchen Ordens gefchäftig bewies, 
nahmen ihm alle feine fraͤnkiſchen kande ab, brachten die Reichsacht gegen ihn aus, 
und noͤthigten denſelben, feine lande mit dem Ruͤcken anzuſehen. Alle Prinzen des 
Hauſes Brandenburg bemuͤheten ſich zwar 1554 um die Verbeſſerung der Umſtaͤnde 
Albrechts des Kriegers, es fiel ſolches aber vergeblich aus. Unſer Herzog reiſete 1555 
durch Danzig und Pommern nach Wismar, woſelbſt ſeine Tochter Anna Sophia 


mit dem Herzoge von Mecklenburg Johann Albrecht vermaͤlt wurde. Er verglich das _ 


ſelbſt auch dieſen neuen Schwiegerſohn mit deſſen Bruder Herzog Ulrich, und kam for 
denn über Roſtock, Stettin und Danzig nach Preuſſen zuruck. Der in Deutſch⸗ 
land getroffene Religlonsfriede verſprach dem Herzog Albrecht zwar vors kuͤnftige Ru⸗ 
he in Abſicht des Ordens in Deutſchland, er wurde aber dagegen feit dieſer Zeit in 
andere Verdrieslichkeiten verwickelt. | 


210, 


1553. 


1554. 
258. 


$. 
Sein Bruder Marggraf Wilhelm, welcher Erzbiſchof von Riga in Liefland Er unter 


ſtoph von Mecklenburg hierzu an, der ſich in dieſem Jahr wirklich in Riga einfand. 


Niemals war dem Orden in Liefland die Eintracht noͤthiger geweſen, und niemals was 


ren mehrere Mishelligkeiten in Liefland zu finden. Oßhuerachtet der damalige Heermel⸗ 
ſter Henrich von Gahlen alle feine Kräfte gegen Schweden und Rußland brauch 
te, ſo fing er doch mit dem Hochſtift Riga wegen diefer Nachfolgerwahl Streitigkel⸗ 
ten an. Der König von Polen und die Herzoge Johann Albrecht von Mecklen⸗ 


burg und Albrecht von Preuſſen ſuchten den Orden zufrieden zu ſprechen. Sie 
wiederholten dieſe Vorſtellung 1556, nachdem ſich Herzog Albrecht zu Warſchau mit 


dem Könige unterredet hatte. Allein der Orden beſtund auf einer neuen Verſammlung 
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geworden, ſolte nach einem zu Wolmar geſchloſſenem Vergleiche keinen ausländiſch ge u zur drus 
bornen Fuͤrſten zum Nachfolger haben. Dem ohnerachtet nahm er den Herzog Chris a 


1556. 


1556, 


1557- 


1558. 


3559. 


Geeſchichte von Preuſſen. 
zu Wolmar auf ſeinem Willen, und da ſolcher aus aufgefangenen Briefen erſehen, 
daß Wilhelm in Preuſſen um Hülfe angeſucht, brauchte man Gewalt, und fegte 
ſowol den Erzbiſchof als deſſen Nachfolger gefangen. Dieſerhalb entſchloß ſich der Kö⸗ 
nig von Polen auf dem Reichstage zu Warſchau, ein ſtarkes Heer nach Lieflar 
abgehen zu laſſen. Der Herzog Albrecht ließ ebenfals in Deutſchland Volker wer⸗ 
ben, und das geſamte Haus Brandenburg entſchloß ſich, 4000 Mann zu Marggraf 
Wilhelms Beſten ins Feld zu ſtellen. Herzog Albrecht ließ in Preuſſen die junge 
Mannſchaft bewafnen, Königsberg mit Kriegsbeduͤrfniſſen verſehen, andere Schlöf 


fer mehr beveftigen, und alle Wege nach Liefland ſperren. Er ſchickte den Erhard von 
Kuhnheim nach Polen, um die nöchigen Abreden mit dem Könige zu nehmen. In 
den Aemtern Ragnit und Tilſit ſtunden 2500 Mann bereit aufzubrechen, und © 
Olive langten 1000 Mann mecklenburgiſcher Völker an. Der Herzog ließ 1s: 
Schiffe in der See ausruͤſten, welche Thomas von Eldingen befehligte. Er wolte 
mit 450 Mann, die bey Ragnit ſtunden, zum Könige von Polen ſtoſſen. Lief 
land hatte dagegen ebenfals eine Macht nahe bey Memel zuſammen gezogen, getrau 
te ſich aber nicht, den Ausbruch des Krieges mit Polen und Preuſſen 5 
Der König von Daͤnnemark hatte die Vermittelung der lieflaͤndiſchen Angelegenhel / 
ten über ſich genommen. Der Orden erbot ſich gegen die daͤniſchen Gefandten, beide 
gefangene Fuͤrſten mit allen ihrigen auf freien Fuß zu ſtellen, ihnen vier Aemter ; \ 
Unterhalt einzuräumen, und das Erzſtift Riga fo lange durch andere verwalten u 

fen, bis dieſer Streit entweder durch rechtliche Mittel, oder durch guͤtliche Unterhan 
lungen beigelegt wäre. Weil aber der Erzbiſchof und fein Nachfolger dieſen Antrag 
ohne Vorwiſſen ihrer Bundesgenoſſen anzunehmen Bedenken trugen, und ein polt 
ſches Heer fich indeſſen den lieflaͤndiſchen Grenzen näßerte, fo bewog ſolches 
den, zu Paßwalda in Lithauen neue Unterhandlungen vorzunehmen. Hier fan 
ſich auſſer den Geſandten der ſtreitenden Theile polniſche, daͤniſche und pr 
Bevollmaͤchtigte ein, welche endlich folgenden Vergleich zum Stande bracht 
Marggraf Wilhelm als Erzbiſchof beſtaͤtiget, ihm alle Stiftsguͤter übergeben, 
dem Adel gehuldiget, und der wolmariſche Schluß gänzlich aufgehoben werden 
Es erfolgte auch hierauf eine foͤrmliche Wahl Chriſtophs Herzogs zu M 
zum erzbifchöflichen Nachfolger. Nach ſo gluͤcklich erfolgtem Vertrage konte 
Albrecht feine Kriegsvölker wieder abdanken. Es hatte ſelbiger auch 1888 das 
gnuͤgen, daß nach Albrecht des Kriegers Tode und des Kaiſers Carl 5 Abdan 
der Marggraf Georg Friedrich, der Sohn des Marggrafen Georgs des 5 
durch einen getroffenen Vergleich alle in Franken verlorne Lande zurück erhielt, 
fuͤrſt Joachim 2 ſuchte daher 1559 die preußiſche Mitbelehnung um ſo v 
da die fraͤnkiſche binie immer ſchwaͤcher wurde. Da Rußland mit 13000 
das Erzſtift Riga eingefallen, alles verwuͤſtet, und bis an die lithauiſch 
gedrungen, fo verurſachte ſolches neue Sorgen. Der Erzbiſchof Wilheh 
der damalige Heermeiſter von Liefland Gotthard Kettler ſuchten in Polen 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 445 


ſen Belſtand. Siegmund Auguſt König von Polen ſchloß wirklich zu Wilna zu 
Beſchuͤtzung Lieflands ein Buͤndniß, welches um ſo viel nöchiger, da Deutſchland 
jetzt Liefland eben ſowol huͤlflos ließ, als es ehemals Preuſſen huͤlflos gelaffen. Der 
Herzog von Preuſſen verſprach, feine Macht mit den polniſchen Völkern zu vereini⸗ 
gen, und ſchoß dem Gotthard Kettler soooo Gulden vor. Zum Unterpfande dieſer 
Summe war ihm die curländifche Vogtey Grebin 1560 verſchrieben, worin er durch 


feinen Oberhofprediger Johann Funk auch in Kirchenſachen alles in Ordnung bringen 


ließ. Er erlaubte denen mecklenburgiſchen Kriegsvölkern, die Herzog Chriſtoph 
nach Liefland abſchickte, einen freien Durchzug durch Preuſſen. Allein alles dieſes 
reichte noch gegen das maͤchtige Rußland nicht zu, beſonders da auch Schweden und 
Daͤn nemark mehr auf ihre eigene Vortheile, als Lieflands Erhaltung bedacht waren. 
Dies noͤthigte den Gotthard Kettler, 1561 mit Polen zu Wilna einen Vergleich 
zu treffen, dadurch er ganz Liefland jenſeit der Düna der Krone Polen überließ, ſich 
aber das Herzogthum Curland und Semgallen als ein polniſches tehn vorbehielt. 
Preuſſens Beiſpiel wirkte hiebey unftreitig auf den Orden in Liefland, und Gotthard 
Kettler machte es faſt eben ſo, als Herzog Albrecht es gemacht, da er faſt in gleichen 
Umftänden geweſen. König Erich von Schweden fand hiedurch feinen Entwurf, den 
er in Abſicht Lieflands gemacht, verruͤckt. Es wurden deswegen gegen ihn zur See 
allerhand Kriegsanſtalten gemacht, aber zu gleicher Zeit widerſetzte ſich der Herzog dem 
polniſchen Verbot, kein ſpaniſches Salz einzufuͤhren, und gab ſich ſowol wegen end⸗ 
licher Aufhebung der Reichsacht, als völliger Beruhigung der preußiſchen Kirche alle 
erfinnliche Mühe. . 14 
§. 2m. 

Wegen der lehre der Rechtfertigung theilte ſich damals Preuſſen in die Partey 

des Andreas Oſianders und die Partey der Rechtglaͤublgen, welche vornemlich den 


land berufen, der ihn mit Gnade uͤberhaͤufte, und mit einem beſondern Zutrauen ber 
gnadigte, weil er durch deſſen Predigt die erſte Kenntniß der evangeliſchen Warhelt ers 
langt hatte. Nicht eher als nach Luthers Tode unterſtund er ſich, ſeine Meinungen 
von der Rechtfertigung öffentlich vorzutragen, und mit einem Ungeſtuͤm gegen alle ſei⸗ 


ne Widerſacher zu behaupten, welcher ins poͤbelhafte ausartete, und beſonders einem 


Kirchenlehrer ſehr uͤbel anſtehet. Er behauptete: „das Ebenbild Gottes ſey das koͤr⸗ 
perliche Ebenbild des Sohnes Gottes, oder des Menſch gewordenen Wortes, Sub⸗ 
ſtanz und Weſen: denn der ſichtbare Chriſtus ſey ein Bildniß des unſichtbaren GOttes, 


nach deſſen Ebenbild der Menſch geſchaffen iſt. , Hiernaͤchſt bemuͤhete er ſich, darzu⸗ 


thun, „daß wenn gleich Adam nicht geſuͤndiget hätte, dennoch der Sohn Gottes wäre 
Menſch worden, wiewol er alsdenn nicht am Creutz geſtorben wäre. Imgleichen daß 


der Sohn Gottes nur nach feiner Menſchheit ein Ebenbild des Vaters ſey, und nicht 


nach ſeiner Gottheit, und daß vor Chriſti Menſchwerdung das Ebenbild Gottes nicht 
auf der Welt geweſen ſen. Die Meinung Oſianders in einer vertheilten academiſchen 
an EITHER Schrift 


den 


1559. 


1500. 


1561. 


Der ſtreit, 
Oſiander 
6 6 a e erreget, wird 

Joachim Miörlin zum Anführer hatten. Oſiander war von unſerm Herzoge ins beigeleget. 


1561, 


Menſchen Herz ſamt GOtt dem Vater und dem heiligen Geiſt komme, und dieſe wer 


gen am erſten die Aufhebung der Reichsacht nach ſich ziehen könten. 


EZ 


446 Sẽeſcdhchte von Preuſſen. 
Schrift gieng dahin: „ſolte der Menſch gerechtfertiget werden, fo wurden ihm erſt 
Sünden vergeben, hernach ergreife derſelbe im Glauben JEſum Chriſtum, er des 


ſentliche Gerechtigkeit Chriſti, die er mit dem Vater und dem heiligen Gelſt gemein 
hat, ſey eigentlich diejenige Gerechtigkeit, dadurch der Menſch für GOtt gerecht wird. „ 
Hieraus machte er die Folge, „Chriſtus fen unſere Gerechtigkeit allein nach der Gore 
heit; „ imgleichen, „daß die Berechtigkeit Chriſti uns zugerechnet werde, wenn ſie 
ſchon weſentlich in uns woher. „ Nach Doctor Zeltners Worten hot die eigentliche 
Meinung Oſianders darin beſtanden, „daß er mit Vorbeigehung des fo theuren Artl⸗ 
kuls von der Rechtfertigung des Suͤnders vor Gott, fo ferne fie durch die geſchenkte 
und zugerechnete Gerechtigkeit JEſu Ehrifti im Glauben geſchiehet, blos auf die 
ligung und neue Lebensgerechtigkeit des verneuerten Herzens gedrungen, und ſolche aus 
der einwohnenden weſentlichen Gerechtigkeit des dreieinigen GOttes, deſſen Frucht und 
Werk fie fen, hergeführet. , In und auſſerhalb Preuſſen kam darüber alles unter den 
Gottesgelehrten in Bewegung. Oſiander beſiegte fine Gegner durch den Arm des 
Herzogs, und ſchafte diejenigen weg, deren Widerſtand ihm unerträglich war. ek 
feinem 1552 erfolgtem Tode wurde dleſe Streitigkeit noch fortgeſetzt. 8 h 
hann Funk, der ehemals des Churfürften Joachims 2 lehrer geweſen, und 
des Herzogs Albrecht Oberhofprediger geworden, unterſtuͤtzte eine Zeitlang 0 
welche Oſianders Meinung angenommen. Weder kirchliche W 
gemachte Kirchenordnungen konten anfaͤnglich die unterbrochene Ruhe wieder 
bis zuletzt der Herzog des terms uͤberdruͤßig geworden, und den Funk beſtimmte, 
mit den lehren der Kirche wieder zu vereinigen, und feine bisherige Meinungen 1 zu m 
derrufen, nachdem die übrigen Oſiandriſten ſchon vorhero theils widerrufen, heile 
das fand räumen muͤſſen. Der Papft Pius 4 ließ in dieſem Jahr durch 
ſandten Johann Franz Canobius dem Herzoge die tridentiniſche Kirchenverfe 
lung anmelden. Der Bothſchafter brachte zugleich Briefe des Papſts, des Kön 
Polen und des Cardinals Hoſius mit ſich, welche insgeſamt die Kirchen ve 
betrafen. Der Papſt legte unſerm Prinzen den Ehrennahmen eines Herzogs 
erkannte alſo feinen rechtmäßigen Befig von Preuſſen. Es erfolgte aber auf 
ſuchen, daß der Herzog zu der Kirchenverſammlung mitwirken ſolte, eine 
Antwort, ohnerachtet der Bothſchafter zu verſtehen gab, daß die päpfliche V 


te ſich, daß er bey dem angenommenen augſpurgiſchen Glaubensbekäͤnnt 
ſchriftmaͤßigen Kirchenverbeſſerung beharren wolle. Er erkenne des Papſts 
Religionsſachen nicht, lieſſe ſich aber eine freie allgemeine Kirchenverſamn 
wohl gefallen, wenn ſolche vom Kalſer zuſammen berufen wäre, 
bezeigte jedoch der Herzog ſowol an ſeinem Hofe, als anderwaͤrts auf fei 
nach Lithauen viele Höflichkeit, Nur bedauerte er, daß die 


worunter ſich auch der Cardinal Hoſius befand, denen — 0 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 447 


Trennungen bitter genug vorwerfen könten. Weil Gottes Wort aber die eigentliche 
Vorſchrift des Glaubens enthielt, fo ließ er auf feine Koſten vor feine Unterthanen, 
die nur der polniſchen Sprache kundig waren, die Ueberſetzung der Biebel in die pol⸗ 
niſche Sprache beſorgen. Es verließ diefe Ueberſetzung 1562 zu Wittenberg die 
Preſſe, wodurch denn die Kenntniß von SOttes Wort in Preuſſen immer welter auss 
gebreitet wurde. 

212. 


1561. 


1562. 


Der Herzog verabſaͤumte aber hieben die Staatsangelegenheiten nicht. Weil der Der nußkrieg 
Herzog von Mecklenburg, Johann Albrecht durch feine Vermittelung am kaiſerll ' des Erichs hat 
chen Hofe einige Hofnung ſchoͤpfen ließ, daß die Aufhebung der Reichsacht wohl zum Bonn 25 


Stande gebracht werden konte, fo ließ Albrecht durch den Wenzel von Schack de 
König von Polen um feine Mitwirkung in dieſer Sache erſuchen, und erhielt ns 
gen alle Verſicherung. Er ſchickte den damals nach Preuſſen gekommenen Paul 
Scalich, der ſich vor ſeinen Verwandten ausgegeben, nach Liefland, um ihn ach 
bey Marggraf Wilhelm bekandt zu machen. Mit dem Herzoge von Finnland Jo⸗ 
hann, der damals die polniſche Prinzeßin Catharina heirathete, errichtete er eine 
vertraute Freundſchaft und uͤberſchickte demſelben durch den Friedrich von Aulak zur 
Beſtaͤtigung und zum Andenken der gemachten Bruͤderſchaft, einen koͤſtlichen Ring. 
Nach dem 1563 erfolgten Tode feines Bruders Erzbiſchofs von Riga, ſchickte er den 
Achatium Grafen von Dona und den Wenzel von Schack nach Riga ab, um nach 
dem letzten Willen Marggraf Wilhelms, deſſen Erbſchaft vor unſern Herzog in Bes 
fig zu nehmen. Er bekam von feinem Schwiegerſohn dem Herzoge von Mecklenburg, 
der ſich wegen Aufhebung der Reichsacht noch immer Muͤhe gab, zu Koͤnigsberg el⸗ 
nen Beſuch. Es ſcheint daß der kaiſerliche Hof die Rechte des Herzogs einzuſehen an⸗ 
gefangen, denn der Orden ſuchte bereits anderwaͤrts Huͤlfe. Jetzt ſolten ihm die Ruſ⸗ 
fen Liefland wieder verſchaffen, die er doch bisher immer vor Unchriſten ausgeſchrien. 
Aber auch dieſes war vergebens. Der Herzog muſte ſich aber auch vielen Bemuͤhun⸗ 
gen unterziehen, welche ihm der unbeſonnene Nußkrieg feines Schwagers Herzogs Er ichs 
des juͤngern von Braunſchweig Calenberg verurſachte. Dieſer letztere Prinz warb 
auf gut Gluͤck ein Heer an, um ſolches einem jeden zu uͤberlaſſen, der es kaufen wolte. 
Bald gab er vor, daß feine Völker zum Beſten Schwedens gegen Daͤnnemarks am 


| geworben wären. Bald hieß es, daß folche der Krone Polen gegen Rußland beiſte⸗ 


hen folcen. Erich wolte gerne einen Helden vorſtellen und das Blut feiner Soldaten 


ſolte ihm dieſe Ehre erkaufen. Er wolte feine Soldaten verkaufen, um mit dem geld⸗ 


ſten Gelde ſich ſeiner Schulden zu erwehren. Viele ſtanden in der Meinung, daß 
Erich feine Macht gegen feinen eigenen Schwager Herzog Albrecht von Preuſſen zus 
ſammen gebracht. Andere glaubten, daß fein Zug eigentlich gegen den Herzog Mas 

um, welchem fein Bruder König Friedrich 2 von Daͤnnemark feinen Antheil von 
Left nd überlaffen hatte, gerichtet wäre. Gegen dieſen Magnum batte Herzog Erich 
— EIER, Haß gefaßt. Die Gelegenheit dazu giebt Leuthinger ſo an: „Ma⸗ 
gnus 


1 


1563. 


1563, 


448 SGSieſcchichte von Preuſſen. BE 
gnus gen einmals nach Königsberg in Preuffen gekommen, ohne dem — 25 
Herzog Albrecht davon Nachricht zu geben. Sobald aber dieſer jenes Ankunft 
nommen, lleß er ihn zu ſich auf das Schloß einladen, und gab ein herrliches G i 
bot. Man trunk vielleicht zu viel. Nach der Tafel ward getanzt. Magnus bat 


bemerkt, daß Albrechts Gemalln Herzog Erichs 2 Schweſter, eine Buͤrgerhaub 
trug, und fiel auf den Einfall, ihr ſolche im Tanz abzureiſſen. Er that A 
und wolte feine ungeziemende Handlung mit einem Spaß entſchuldigen. Allein die 
Herzogin entfernte ſich aus dem Tanzſaal, und war über dieſen groben Scherz höchſt 
mißvergnuͤgt. Sie ſoll ſolches ihrem Bruder berichtet, und dieſer den Encſchluß 
gefaßt haben, die feiner Schweſter begegnete Beſchimpfung am Magno zu re 
Da nun Schweden mit Daͤnnemark in offenbarem Kriege ſtund; der Czaar 3 
Baſilowitz 2 aber mit dem Herzog Magno in ſo gutem Vernehmen lebte, de 
nachmals denſelben fogar zum Könige von Liefland machte, fo ſcheinen em ter 
Urſachen der Zuruͤſtungen Erichs übereinzuftimmen, auſſer daß Herzog { 
Preuſſen deren Gegenſtand geweſen ſeyn fol. Obwol das letzte gemeinhin Ma 
wird, fo ſcheint ſolches doch noch nicht erwieſen zu feyn. Die Eroberung dae 
ohnedies ein völlig laͤcherliches Vorhaben geweſen, weil Erich hleben, auſſer de 
ſiſchen Macht, ganz Polen gegen ſich hatte. Geſetzt auch, daß die eren un 
einige preußiſche Staͤnde mit ihm in Verſtaͤndniß geſtanden, oder der deutſche 4 
den ihn unterftügen wollen. Seine Kriegsvölker gaben uberall, ſonderlich in Mun 
ſterſchen, zu groffen Klagen Gelegenheit. Er bot wirklich dem Könige von $ Jen 
die Volker an, erhielt aber die Antwort, daß man ſolche nicht nöͤchig 881 
dieſelben entweder entlaſſen, oder einem andern zuführen könte. Exich tre 
Zug endlich an. Er gleng durch Mecklenburg, durch die Mark Brandenburg und 
Pommern bis nach Preuſſen. Der Herzog Albrecht war von vielen Orten vor 
ihm gewarnet. Der König von Polen konte ſich aber nichts uͤbles vers 
Erich nochmals demſelben feine Völker in Sold anbot, und um Exlaubniß e 
ſich perſöhnlich mit ihm zu unterreden. Der Herzog Albrecht ließ indeſſen 
Fälle in Preuſſen alles in Bereitſchaft ſetzen, und erſuchte den König, der S 
zig aufzugeben, ihren Hafen wohl zu beveſtigen. Herzog Erich war inzwiſch 
Pommerellen angelanget, und hatte ſich nahe ben Danzig vor dem Kloſter 
gelagert. Der König in Polen ſchrieb den iſten Sept. aus Wilna an d elb. 
verlangte Nachricht, wie er gegen die polniſchen und preußiſchen kande 
Sein Heer beſtand aus 12000 zu Fuß, und 2000 zu Pferde, ohne das 
Volk, welches in groſſer Anzahl ſich bey ihm eingefunden. Von der 
forderte er die noͤthigen lebensmittel, wie auch Tuͤcher zur Bekleidung | 1 
nebſt zween Reitpferden, weil feine durch den beſchwerlichen Zug unbt 
den. Die Danziger ſchlugen inzwiſchen dem Herzoge den Durchgang 
ab, und ſchickten ihre Abgeordneten an ihn, welche bey Lauenburg z 
gelaſſen wurden. Sie baten ſich aus, ihnen von dem Könige in Pol 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 449 


che Einladung zur Hälfe wider Moſeau zu zeigen, und den Zug nicht eher fortzuſe⸗ 
tzen, bis fie von Ihro Majeſtaͤt die noͤthige Unterweiſung, wie fie ſich gegen ihn zu 


verhalten, eingeholet hätten. Er bewilligte das letztere und erinnerte nur die Ge⸗ 


ſandten, ſich willig zu finden, das, was er verlanget haͤtte, einzuliefern. Anſtatt 
aber, daß die Einwilligung von dem Könige in Polen hätte erfolgen ſollen; fo ließ der 
letztere den Herzog erinnern, feine Volker von feinen Grenzen abzufuͤhren und die Uns 
terthanen von dem plötzlichen Schrecken zu befreien. Den Danzigern aber wurde anbe⸗ 
foßlen die Zugänge zu ſperren, und wider Erich Widerſtand zu gebrauchen, dafern 


er etwas mit Gewalt ſuchte. Inzwiſchen wurden in Culm, Marienburg und Dan⸗ 


zig alle noͤchige Anſtalten zu einer muthigen Gegenwehr gemacht, und inſonderheit Heils⸗ 
berg bey dieſer Gelegenheit beveſtiget. Der König in Polen konte ſich noch nicht vor⸗ 
ſtellen, daß Erich als ein Feind dieſen Feldzug vorgenommen; indem ihm weder von 


Polen noch Preuſſen einiges Unrecht zugefuͤget worden. Inzwiſchen verſicherte er, 
wie er ſich der Länder unſers Herzogs als feiner eigenen annehmen wolte, dafern Erich 


dieſelbe feindfelig betreten würde. Indeſſen war doch dieſe ungewöhnliche Ankunft mit 


einem fo groſſen Kriegesheer noch immer nicht ohne Verdacht. Der König ſchickte den 


zten Sept. eine Geſandtſchaft an den Herjog Erich, und ſchlug ihm den Beſuch ab, 
weil er nach Warſchau auf den Reichstag verreiſen muͤſte, da er ihm fonft ſowol ſei⸗ 
ner Perſon als des ganzen braunſchweigiſchen Hauſes wegen ſehr angenehm ſeyn 
wuͤrde. Den Einwohnern Danzigs, welche durch die Annäherung fremder Vol⸗ 
ker ziemlich erſchreckt waren, gab der König die Verſicherung, daß er mit einem Theil 
der lieflaͤndiſchen Krlegesmacht bald anruͤcken, und dem Herzog Erich den Weg 
weiſen würde. Dleſer aber rückte näher an die Weichſel, und ſobald unſer Marg⸗ 
graf hievon Nachricht erhielte , fo ſchien er auch zugleich einen Beweiß zu haben, 
daß Erich ih und fein Herzogthum gemeinet. Unſer Prinz befand ſich eben auf der 
Jagd, wovon er ein groſſer Liebhaber war, als dieſe Zeitung elnlief. Er wechſelte als 
ſobald das Feuerrohr mit dem Kriegesſchwerd, und eilete mit aller nur moͤglichen Ge⸗ 
schwindigkeit nach Königsberg, weil die Verzögerung allein bey dieſer Sache gefaͤhr⸗ 
lich geweſen wäre. Es waren noch nicht acht Tage verfloſſen, fo ftellte er 3ooo Reu⸗ 
ter und eine groſſe Menge Fußvolks dem Herzog Erich bey der Weichſel entgegen, 


mattere ſich aber auch dergeſtalt ab, daß in vielen Nächten kein Schlaf in feine Aus 


gen kam. Marienwerder und Holland waren die Sammelplaͤtze der Kriegesvöͤl⸗ 
ker. Doch wurden zuvor Wolf von Kreutzen, und Andreas Packmor, an den 
Herzog Erich geſchickt, ihn um feine wahre Abſichten zu befragen, welche preußiſche 
Geſandtſchaft ſich mit der polniſchen, bey welcher Georg von Bayſen war, verel⸗ 
nigte. Erich hatte ſich bey Dirſchau gelagert, und gab denen Abgeſandten zur Ant⸗ 
wort: wie er Hülfevöffer vor den König in Polen wider die Moſcowiter anführe, 
Er kaͤme als ein Freund und wolte den Durchzug durch Preuſſen haben. Dieſe um 
gewiſſe Antwort konte unſern Durchlauchtigen Marggrafen nicht ſicher machen, er ließ 
feine Soldaten immer naͤher zuſammen zieten, und hatte nunmehro [don 5000 art 


p. allg. preuß · Geſch. 4 Th. 111 


1563: 


1563. 


in Polen war fo großmuͤthig, daß er dem Herzog Erich eine jährliche Befok 


oder drey tauſend von feinen Soldaten in Beſoldung zu nehmen, wie er | 


450 Geſchichte von Preuſſen. 

bey ſich. Der junge Prinz Albrecht Friedrich, begleitete feinen vor Alter 
mer abgematteten Herrn Vater. Beide Krieges heere lagen jo nahe bey einander, d . 
ſie ſich ganz genau ſehen konten, indem nur die Weichſel zwiſchen ihnen die Scheidung 
machte. Weil nun die Nuͤſſe eben um dieſe Zeit reif waren, und die 
hiemit die Zeit kuͤrzten, fo wurde dieſer Feldzug der Nußkrieg genannt. Der König 


2000 Thalern darbot, wenn er im Frieden abziehen, und nicht zum d 
ſens und Polen etwas vornehmen wuͤrde; welches unſers Herzogs Gemalin 

Vorbitte bey dem Könige ausgewirket hatte. Erich wolte dieſen Antrag nie t 
men, worüber ſich der König nicht wenig verwundern muſte, zumal als Et 
anſehnliche Vermehrung dieſer Summe forderte, da man ſich doch nicht in Po 
wuſt war, ihm das geringſte ſchuldig zu ſeyn. Der König war auch ſchon genei 


Schreiben an unſern Herzog vom rzten Sept. aus Wilna anzeiget, nur 
denn dieſe Mannſchaft zu Waſſer nach Liefland uͤberſchiffet werden, und w 
Schweden und Moſcowiter ihr Gluͤck verſuchen. Dieſer ſolte auch das fi 
Wartgeld gereichet werden, damit fie nach verſtrichener Winterzeit zur 
nehmung bey der Hand wäre. Die Großmuth des Königes uͤberwand endlich d * 
zog Erich, und weil er uͤberdem mehrere Schwierigkeiten fand, als er ſich oil 

geſtellet hatte, und feine Soldaten hiernachft auf die Auszahlung des Soldes d ung n, 

da es ihnen am Geld zu mangeln anfieng, fo ſahe er ſich genoͤthiget abzuzle 
dem die Stadt Danzig zur Befoͤrderung ſeines baldigen Abzuges „ ihm e 
von 12000 Species Thalern uͤberliefert hatte, deren Bezahlung ſie lange ı 
ſucht hat. So viel iſt gewiß, daß der Stadt Danzig dieſer Kriegszug fe 
lich geweſen, wie denn auch die abziehende Soldaten an vielen Orden in P. 
len Fußſtapfen ihrer Mordbrennerey nach ſich lieſſen, daher der König 1 
in einem Briefe unſern Herzog verſichert, wie es ihm gereue, daß er m 
gelinde und guͤtig umgegangen. Erich ließ indeſſen bey ſeinem Abzuge G 
ſich, und der Koͤnig erkundigte ſich bey unſerm Herzoge, wem er dieſelbe; 
deſſen verlor ſich das Gerücht von den entworfenen Unruhen Erichs nicht 
Monat Der. breitete fich eine Zeitung aus, daß derſelbe mit einigen de 
ſten zum Könige von Polen gehen wolte. Worauf dieſer den uten Dec. 
fern Herzog ſchrieb, daß derſelbe ihm nicht erlauben möchte, ohne könig 
fein land zu ziehen, weil es wider die Ehre des Königs in Polen liefe, 
Gewohnheit wäre; ſolte dem Erich aber, oder denen die er bey ſich hatte, 
etwas begegnen, fo ihm nicht gefiele, fo möchte er ſolches ſich ſelber zu 
Mie vergnuͤgen des Königs von Polen gegen Herzog Erich zog ihm 
kern diejenige Begegnung in der Mark Brandenburg zu, welche 
Bande unſeter Geſchichte bereits beſchrieben haben. Denn Churfuͤrſt 


muͤhete fich inen ca dem ‚Könige von Boer Sn nundo Aus 


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von gleicher Beſchaffenheit aufgelegt ſey. 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 45¹ 
lem gefällig zu ſeyn, um die preußiſche Micbelehnung zu erhalten, woruͤber ſich auch 
bereits der König ſchriftlich zum Beſten des Churfürften erklaͤret hatte, und woruͤber 
1564 mit dem Herzoge von Preuſſen und deſſen Ständen Unterhandlungen gepflogen 
worden. Es breitete ſich in dem durch Peſt ſehr veroͤdeten Preuſſen aufs neue 
ein Gerücht aus, als ob Erich mit einem neuen Zuge ſchwanger gehe, well der König 


ihm die 2000 Thaler nicht ferner auszahlen ließ. Die Zahlung war unterblieben, 
weil Erich die vom Könige vorgelegte Erklarung nicht unterzeichnen wolte. Der Her⸗ 


zog verlangte vielmehr vom Koͤnige eine Anweiſung, wider welchen Feind er einige 
Huͤlfsvölker anführen ſolte; ihm die auf den vorigen Feldzug verwandte Unkoſten zu 
erſtatten; die jährliche Beſoldung zu vermehren, und die Verſicherung zu geben, daß 
ſolche ohne weiteres Anſuchen ausgezahlet werden ſolte. Dleſe Forderungen, welche 


wider alles Recht liefen, wurden lächerlich, da fie von einem Herrn geſchahen, der ige 
nen kein Gewicht geben konte. Dle Danziger forderten vielmehr von dem Herzoge 
die Wiederbezahlung der vorgeſchoſſenen 12000 Thaler, die fie ihm auf fein Verlangen 


zu ſchenken, keine Neigung hatten. Bey dem allen praͤgte der erſte unuͤberlegte Feld⸗ 
zug dieſes Prinzen in den Gemuͤthern eine Furcht ein, daß er zu mehreren Handlungen 


$. 213. 


Aber auch die Furcht vor Schweden machte allerhand Vorkehrungen zur Si⸗ Scalich vers 


cherheit des Landes nothwendig. Ueber den Beſitz von Liefland waren die Kronen gehen 


Polen und Schweden zerfallen. Man muthmaßte, daß das letztere Reich eine lan, 
dung in Preuſſen verſuchen würde. Der Herzog Albrecht bemuͤhete ſich daher 1565 
mit Polen gemeinſchaftlich vor die Beſchuͤtzung der Küften Sorge zu tragen. Zum 
Gluͤck muſte Schweden feine gröͤſte Macht damals gegen Daͤnnemark richten, und 
dies ficherte Preuſſen. Dem Chutfuͤrſten Joachim 2 gelung es damals auch die 
Einwilligung unſeres Herzogs und ſeiner Staͤnde zu der Mitbelehnung zu erhalten. 
Blos die Streitigkeiten zwiſchen den alten und neuen Raͤthen des Herzogs verhinderten, 
daß dieſe Sache nicht bereits damals vollig zu Ende gebracht werden konte. Wir haben 


bereits angemerkt, daß ein gewiſſer Paul Scalich ſich in Preuſſen eingefunden. Er 


war aus Zagrabien in Croatien gebuͤrtig, feine Mutter hatte ihn von einem Schul⸗ 
halter geboren. Dieſer beſaß viele Fähigkeiten und eine ziemliche Kentniß faſt in allen 
Thellen der Wiſſenſchaften. Sein einnehmendes Weſen machte ihn bey leuten von 
Stande gefällig, und er war eine Zeitlang des Kaiſers Ferdinands 1 Hofcapellan ges 
weſen. Er lernete gute Tage kennen und Ehre ſchaͤtzen, und machte Entwuͤrfe ſich bei⸗ 
des auf eine dauerhafte Art zu erwerben. Zum Ungluͤck hatte er ein bofes Herz voller 


unendlicher Ehrſucht und er hielt die aͤrgſten Betruͤgereien vor erlaubt, die feine Ent⸗ 


wuͤrfe befordern könten. Et änderte die Religion aus unlautern Abſichten, und vers 
lor feine Bedienung. Kaum war er nach Preuſſen gekommen, ſo gab er ſich vor einen 


Abkömmling derer de la Scala, vor einen Erben aller ihrer Guͤter und vor einen Ver⸗ 
* 5 u 


11 2 wandten 


aͤndel. 
1565. 


wichtis 


1565, 


452 GSeſchichte von Preuſſen. 
wandten des Herzogs Albrechts aus, der der Warheit der Religion wegen alles 
verlaſſen habe. Er unterſtuͤtzte fein Vorgeben durch warſcheinliche Urkunden, welche 


aber am kaiserlichen Hofe erſchlichen waren. Albrecht fieng bald die Sgenſchaften, 


die Gelehrſamkeit und den vorgewandten Religionseifer diefes Mannes zu ſchatzen an, 
er ſuchte ihn als einen nothleidenden Verwandten zu heben, fand ihn brauchbar und 


uͤberhaͤufte ihn mit Ehre und Gütern. Jene wandte Scalich zur Verachtung anderer 


verdienſtvollen Hofleute, die Einkuͤnfte aber zu groſſem Aufwande und wolluͤſtiger le⸗ 
bensart an. Die ausſchweifende Freigebigkeit des Herzogs gegen ihn, wurde durch 
eine vertraute Neigung vergeſellſchaftet, welcher ſich Scalich dazu bediente, daß er 
die bisherigen Beamten verunglimpfte, und feinem Herrn ein Mistrauen gegen fie eins 
floßte. Der war unglücklich, der ihm misfiel, oder feinen Entwürfen ſich widerſetz⸗ 
te. Albrecht Truchs von Wetzhauſen bekam einen koſtbaren Rechts handel blos 
deswegen auf den Hals, weil er an feiner vornehmen Herkunft zweifelte, und ohner⸗ 
achtet die buͤndigſten Beweiſe beigebracht wurden, konten fie doch gegen den vermein⸗ 
ten Marggraf von Verona, Fuͤrſten von Scala und Hor-⸗Grafen von Hun nichts 
aus tichten. Er brachte den Oberburggraf Chriſtoph von Kreutzen, den Kanzler von 
Kreutzen, den Marſchall Joachim von Borck in Ungnade und von ihren Aemtern, 
Auf feinen Empfehl bediente ſich der Herzog feines Hofpredigers Magifter Funck, des 
Hans Schnell, des Johann Steinbachs, des Matthias Horſt und des Lorenz 
Kirchhof als vereiderer Raͤthe, welche das land in erſtaunende Schulden fhürgten; den 
Hans Jacob Erbtruchſen zu Waldburg groͤblich beleidigten; die kandraͤche Elias 
und Friedrich Gebruͤdere von Kanitz, die Kaſtenherrn Chriſtoph Rauter und 
Pfersfelder um ißre Bedienungen und in kebensgefahr brachten, das ganze kneip⸗ 
hofiſche Gericht ins Gefaͤngniß zogen, auch endlich mit einer groſſen Veraͤnderung 
im Sande ſchwanger giengen. Der herzogliche aufgerichtete letzte Wille ward von Ta 
piau durch den Balthaſar Gans und den Kirchhof abgeholet und vernichtet, Der 
letzte machte zu einem neuen letzten Willen einen Aufſatz, wodurch dem Her zoge 0 
Albrecht von Mecklenburg, wegen der Minderjahrigkeit des Albrecht Friedrichs bis zu 
erreichte Alter von 18 Jahren die vormundſchaftliche Regierung von Preuſſen übergeben, 
und die Orte Marienwerder, Memel, Groͤbbin und Georgenburg auf kehnrecht vers 
ſchrieben wurden, die ihm ſogleich eingeraͤumet werden ſolten. Sie thaten ſogar Vor / 


fihfäge die brandenburgiſchen kande in Franken ſowol als Preuſſen dem Herzoge ven 


Mecklenburg in die Hände zu ſpielen. Paul von Wobſer wurde angenommen ve 
Reuter nach Preuſſen zu führen unter dem Vorwande dem Herzoge von Curland 


gen, viele Gewalt ansuͤbeten. Dem Woebſer verfehrieb man vor Werb ö 
200000 Thaler. Da nun lauter Ausländer ſich des Herzens Albrechts a d der 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 453 


1 um eine Aenderung ihres und des landes Zuſtandes gegen die neuen Raͤthe anbielten- 1563. 
1 Der verſchmizte Scalich merkte zuerſt das ſich Über die neuen Raͤthe aufthuͤrmende 
Ungewitter, und entgieng demſelben glücklich, da er 1566 mit feinen Beiſchlaͤferinnen 1566, 
1 unter dem Vorwande ſich entfernete, daß er als herzoglicher Geſandter vor den jungen 
Prinzen Albrecht Friedrich um eine franzöfifche Prinzeßin anhalten ſolte. Er brauch⸗ 
1 te eben kein Zauberer zu ſeyn, worunter ihn viele rechnen wollen, um das voraus zu 
1 ſehen, was erfolgte. Die ſchwierigen kandesſtaͤnde, ſonderlich der Adel, die entſetzten 
N Bedienten, die Landfluͤchtigen Perſonen brachten es durch ihre groffen Klagen bey dem 
1 Könige Sigismundo Auguſto fo weit, daß derſelbe Bevollmaͤchtigte zur Unterſu⸗ 
1 chung dieſer Sache nach Preuſſen ſchickte, welche auch mit einem anſehnlichem Ges 
folge in Koͤnigsberg eintrafen. Die bey ihnen angebrachte Klagen betrafen nicht ſo⸗ 
wol den Herzog ſelbſt. Man gab ihm vielmehr das Zeugniß, daß dieſer Grelß bisher 
in feiner Regierung ſich fo verhalten, daß ihm das ganze land dafür den groͤſten Dank 
ſchuldig ſen. Man klagte nur, daß die neuen Raͤthe ſich des hohen Alters und der 
ſchwaͤchlichen Geſundheit dieſes Herrn zum groͤſten Verderben des landes gemisbrauchet 
hatten. Albrecht ſahe ſich endlich bemüßiger, die angeſchuldigten Perſonen zur Ver⸗ 
antwortung zu ſtellen. Funck, Schnell und Horſt verloren, einem Bluturtheil nach, 
den 28ſten Oct. auf öffentlichem Markt die Köpfe. Steinbach wurde des Landes vers 
wieſen; Scalich in Preuſſen und Polen vogelfrey erklaͤret, und die ihm geſchenkt⸗ 
Stadt Kreuzburg und andere Güter eingezogen. Er hat ſich nachmals wieder zum 
Papſtthum gewandt. Die alten durch Scalichs Liſt ihrer Aemter beraubten Raͤ⸗ 
the, wurden wiederum ihren vorigen Bedienungen vorgeſetzt, und dagegen die neuern, 
fo ſich unrechtmäßiger Weiſe eingeſchlichen, von denſelben verwiefen. Viele Beſchwer⸗ 
den wurden abgeſtellet, das erſtere Teſtament unſers Herzogs beſtaͤtiget, die Aenderun⸗ 
gen mit deſſen Einwilligung widerruffen, beide Teſtamente von dem Herzoge in Mech 
lenburg abgefordert, und ſamt den Verſchenkungen, welche unfer Fuͤrſt nach dem 
Kriegeszuge wider den Herzog Erich von Braunſchweig verliehen, und die mehren⸗ 
theils durch Scaligs und feiner Gehuͤlfen liſtige Streiche erſchlichen waren, vor nich⸗ 
tig erklaͤret und aufgehoben. Der Herzog verglich ſich 1567 mit ſeinen landes ſtaͤnden 1567. 
uͤber verſchiedene zur geiſt und weltlichen Regierung gehörige Sachen. Die Bedienun⸗ 
gen ſolten kuͤnftig mit Einzoͤglingen beſetzt, und zwey Bifchöffe im lande behalten wer⸗ 
den. Zur völligen Beruhigung der preußiſchen Kirche hielt man vor gut in dieſem 
lande ein eigenes ſymboliſches Buch, welches alle Prediger annehmen und beſchwören 
ſolten, zu verfertigen. Man ließ zu dem Ende aus Braunſchweig die beiden Got, 
tesgelahrten D. Joachim Mörlin und M. Martin Chemnitz nach Preuſſen kom⸗ 
men, welche mit Zuziehung des D. George Venedigers und anderer preußiſchen 
Kirchenlehrer die ſogenannte repetitionem corporis doctrinae prutenici auffegs 
ten, welches nichts anders als eine Wiederholung deſſen iſt, was das augſpurgi⸗ 
che Glaubensbekenntniß und deſſen Vertheidigung, die ſchmalkaldiſchen Artikel und 
die Schriften Lutheri enthalten. Dieſe repetitio corporis prutenici blieb u. 
08 e \ 11 3 ö it 


| 


F: . e FE ET 


2 


1567. 


Albrechts 
tod und be⸗ 
graͤbniß. 


1568. 


454 Geſchichte von Preuſſen. i 


Zeit das vornehmſte ſymboliſche Buch der preußiſchen lutheriſchen Kirche, obgleich 
in andern Ländern ſolches niemals davor angenommen worden. Nach fo glücklich ers 
folgter Beilegung der inneren preußiſchen Angelegenheiten machte Paul Wobſer dem 
Herzoge, von Deutſchland aus, Verdruß. Wobſer verklagte den Albrecht beim deut 
ſchen Kammergericht, und beſtund auf der Erſetzung der Unkoſten, die er bey Anwer⸗ 
bung der 1000 Reuter im vorigen Jahr verwendet haben wolte. Es unterſtund ſich 
dieſes Gericht, den preußiſchen Landesherrn vor ſich zu laden. Aber ſowol Marggraf 
Albrecht, als auch der König von Polen lieſſen dem Kammergericht öffentlich durch 
Abgeordnete darthun, daß ſolchem keine Gerichtbarkeit uͤber Preuſſen zuſtehe, ſondern 
daß Wobſer vielmehr dieſer unbefugten Klage wegen vor feinem ordentlichen kandes⸗ 
herrn dem Herzoge von Pommern belanget werden ſolte. N er 


§. 214. A 5 

Die Verdruͤelichkeiten, welche Oſiander, Herzog Erich von Pommern, Sca⸗ 
lichs Anhang und Wobſer dem Herzoge in feinen letzten tebensjahren zugezogen, hat, 
ten ſowol als die Beſchwerlichkelten des hohen Alters demſelben ſchon öfters den Wunſch 
ausgepreſſet: er begehre aufgeldfet und bey Chriſto zu ſeyn. In der Hofnung der Er⸗ 
füllung dieſes Wunſches hatte er ſchon den ızten Februar dleſes Jaßres feinen lezten 
Willen aufs neue uͤberſehen, beftätiget und mit einigen Vermaͤchtniſſen vermehret. Et 
bedachte darin die hohe Schule zu Königsberg, die beiden Bifchöfe und ihre Domkirchen, 
das groſſe Armenhaus und verſchiedene andere. Beiläufig will ich nur erinnern, daß 
durch des Herzogs letzten Willen die leibeigenſchaft in allen Kammergütern g ben 
fen, obgleich der Adel auf feinen Gütern die teibeigenjchaft noch beibehalten hat. Nun⸗ 
mehr näherte fi) das Ende unfers Herzogs. Schon 1562 hatte er ſich durch vieles Rel⸗ 
ten ein kleines Geſchwuͤr am linken Beine zugezogen. Dieſer Schade ward durch den 
Beiſtand ungeſchickter leute verſch limmert, und da Buſt und Steinſchmerzen ſich zugleich 
einfanden, fo hielten dieſe ſchmerzhaften Umſtaͤnde den Herzog öfters zu vielen Wochen 
nach einander bettlaͤgerig. 1563 kam noch ein Zufall auf der linken Seite dazu, der 
dem Schlage einigermaſſen gleich kam, und der, fo wie das ganze Land, alſo a 5 e 
ſonders den König von Polen vor fein leben beſorgt machte. Seine dauerhafte Nas 
tur erhielt ſich aber noch, ohnerachtet er bereits bey hohen Jahren war, und ab matten 
de leibesüͤbungen fortfegte. Er liebte die Jagd, gieng wol den ganzen Tag zu Fuß im 
Schnee herum, und genoß bey feiner Wiederkunft nicht einmal was warmes. Das 
jenige, was 1566 wegen der fenlichifchen Haͤndel vorgieng, ſtöͤrete beſonders feine nö⸗ 
thige Gemuͤthsruhe. Faſt durch das ganze Jahr 1567 war er bettlaͤgerig und fo kroſt⸗ 
los, daß er ſich alles, auch ſogar die Speifen reichen laſſen muſte, Das Rede 
fiel ihin beſonders ſchwer, und er ſprach ſehr unvernehmlich. Wegen anſteckende 
Krankheiten, die damals herum giengen, reiſete er im Herbſt zu Waſſer nach 
piau, fo wie feine Gemalin ſich bald zu Neuhauſen, bald zu Labiau aufplele. 
in den Merzmonat 1568 befanden ſich beide fürſtliche Perſonen leidlich. Damals a 
meldeten ſich bey beiden loͤdtliche Zufälle, welche ſich täglich verſchlummerten. 


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7 Zu 


—— 1 To — 


des Nachts geträumer, bles dem Rach feiner mitgebrachten kandesſeute gefolget, und 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 455 


Herzog ließ ſich durch die gröften Schmerzen nicht abhalten, beſtaͤndig vor das Heil feis 
ner Seele zu ſorgen, bis ihn endlich der Tod den zoften 4) Merz früh um 6 Uhr auflö⸗ 
fete, nachdem er über 77 Jahr gelebet hatte. Diejenigen, welche ben feinem Ende ges 
genwäͤrtig geweſen, D. David Voit fein Beichtvater, Achatius und Abraham, 
Burggrafen zu Dohna, Bernhard Ludolf von Schulenburg, Wilhelm Tuſel, 
Cleophas von Canitz und alle 5 des Herzogs, D. Mathias Stojus, 
zwey junge Herren von Adel, Caſpar von Ripp und Ludwig von Rauter, wie auch 
zweene andere Bediente Chriſtoph und Caſimir und uͤberdem noch einige andere Pers 
ſonen find hinlaͤngliche Zeugen, daß er in dem Lehrbegrif der Kirchenverbeſſerung Lu⸗ 
theri wirklich geſtorben, und widerlegen dadurch die fügen des verlaufenen Scalichs, 
als ob er ſich auf feinem Todtenbette wieder zur roͤmiſchen Kirche gewandt. An eben 
dieſem z0ſten Merz Abends kurz vor 10 Uhr erfolgte auch das bebensende der zwoten 
Gemalin unſeres Albrechts. Caſpar von Lehndorf muſte dieſen doppelten Verluſt 
dem jungen Prinzen Marggraf Albrecht Friedrich mit guter Art beibringen Des 
Herzogs Albrechts Geſicht wurde hierauf in Gips abgedruckt, und nachmals in Mars 
mor ausgehauen. Sein erblaßter Körper wurde von den Aerzten eroͤfnet, und den 


zzſten Merz in einen zinnernen Sarg geleget. Den bten April ward die feiche von 


Tapiau nach Königsberg geführet, und fo lange im Thor unter ein Zelt geſetzt, bis 
der teichenzug angeordnet wurde. Sodenn ward der Sarg mit fuͤrſtlichem Gefolge, 
worunter ſich auch polniſche Geſandten fanden, und mit andern Feierlichkeiten nach 
der Stadt gefuͤhret. Am Schloß ward der Sarg der verblichenen Gemalin angeſchloſ⸗ 
fen, und zuſammen in der Schloßkirche vor dem Altar niedergeſetzt. Den sten May wur⸗ 
den beide fürftliche leichen nach der Domkirche in den Kneiphof abgefahren, und mit allen ges 
wohnlichen Feierlichkeiten daſelbſt hinter dem Altar in dem groffen Fuͤrſtengewöͤlbe beigeſetzt. 


1568. 


„ 215. 
Die bebensumſtaͤnde Herzog Albrechts waren fo befchaffen, daß er ſich nothwen⸗ Seine teibes: 


dig dadurch Feinde und Freunde machen muſte. Dasjenige, was unter ihm mit dem 
deutſchen Orden ſowol als mit dem Papſtthum in Preuſſen vorgefallen, war freilich 
nicht allen anſtaͤndig. Sowol die Ordens als auch die meiſten römiſch⸗ catholiſchen Ge⸗ 
ſchichtſchreiber haben ihn fo übel abzumahlen geſucht, als moͤglich. Zum Gluck aber 


ſo handgreifliche Unwarbeiten eingemifcht, daß fie ſich dadurch ſelbſt aller Glaubwuͤrdig⸗ 


keit beraubet haben. Man kann alſo auf die Urcheir des Guͤnthers von Buͤnau, 
Biſchofs von Samland, des Paul Pohl und anderer poͤpſtlich geſinneten Zeitbeſchrei⸗ 


ber, die zu feiner Zeit gelebt, ſich eben fo wenig, als auf die Urtheile des Jeſliten 


Ludwig Maymburgs, des Anton Varillas, des Johann Leo und am wenigſten 
auf die neuern Geſchichtſchreiber des deutſchen Ordens verlaſſen. Nach der Erzählung 
dieſer Männer fol Marggraf Albrecht geſchiehlt und einen ſchwaͤchlichen Körper gehabt 
haben. Er ſoll mondſüchtig geweſen ſenn, am Tage das vollbracht haben, was ihm 


. in 
90 Her Lengnich preußifche Geſchichte T. 2 p. 357. giebt den aıften Merz an. 


und gemuͤths⸗ 
eigenſchaften. 


1568. 


+. 


456 GSieeſcchichte von Preuſſen. 

in keinem Reglerungsgeſchaͤft fo forgfältig, als in Erhöhung und Zuſammenbringung 
feiner Einkünfte geweſen ſeyn. Man beſchuldiget ihn, daß er an feiner Religion und 
dem deutſchen Orden nicht getreu gehandelt, und man will die Veränderung, die er 
mit beiden unternommen, feinem Eigennutz zuschreiben. Insbeſondere ſchämt ſich Va⸗ 
rilas nicht, bey Gelegenheit feiner Vermaͤlung, die grödfte Unwiſſenheit in der Geſchich / 
te zu verrathen. Ganz anders beſchreiben ihn aber Luther, Leuthinger, Johann 
von Sleiden, Thuan, Rentſch, Seckendorf und Herr Lengnich. Ich 2 1 
mit Fleiß lauter auswaͤrtige an, damit die guten Urthelle derer, die in P 

lebt, und vom Herzoge Wohlthaten genoſſen, nicht parteiifch ſcheinen. Nach dere 
ſchreibung ſahe er gut aus, war groß, wohl gebaut und von auſſerordentlicher beibes / 
ſtaͤrke, fo daß er die allerftärkften leicht zu Boden werfen konte. Er war ein Liebha⸗ 
ber der Jagd, und fein Körper fo dauerhaft, daß er bis wenige Jahre vor eye Tu 
de wenig von Krankheiten wuſte. Er war ſelbſt ein gelehrter Herr, und der 
Beförderer der Wiſſenſchaften, ſonderlich der Sternkunde. Viele in und 
feinem lande befindliche Schulen, die Buͤcherſammlung auf dem königlichen Sa 
fe zu Königsberg, und ſelbſt die dortige hohe Schule haben ihm ihr Daſeyn zu 
danken. Er ließ durch Erasmum Reinholdum mit groſſen Koſten gleich ur 
bekandten Alphons 10 von Eaftilien die Tabulas Prutenicas verfertigen. 
beförderte gelehrte Leute, und zeigte ſich gegen fie freigebig. Seine Staatskunſt = 
band er immer mit feinen Einſichten in der Religion. Er brachte dadurch feinem Haus 
fe ein Sand, feinen Unterthanen Ruhe und Polen Vortheile zuwege. Er ward ein 
ehnträger von Polen, blieb aber am polniſchen Hofe ein treuer Vertreter, nicht nur 
feiner eigenen, ſondern auch der polniſch preußiſchen Freiheiten mit Nachbtuck. Wer 
einmal ſich in ſeiner Gnade veſtgeſetzt, war vor Verlaͤumdungen ſicher, es hielt — 
ſchwer, diejenigen aus feiner Gunſt zu bringen, die ſich ſolcher mlsbrauchten. 3 

der, Funk, und Scalich, ſelbſt Friedrich von Heydeck haben ſolches erwieſen. Er 

liebte feine Verwandte, und unterſtützte aus dieſem Grunde ſowol Albrecht 9 82. 
ger, als auch Wilhelm in Liefland. Dies war ebenfals ein Grund, den 

zu erheben. Die liebe vor feinen Schwiegerfohn den Herzog Johann Albrecht von 
Mecklenburg und fine Verwandſchaft mit Daͤnnemark und Polen daten in fin 
Regierungsgeſchaͤfte einen Einfluß. Seine Tapferkeit zeigte er gegen ‚gun 


den lieflaͤndiſchen Orden und gegen den Herzog Erich von Braunschweig. Es iſt = 


nicht zu leugnen, daß er vor die fandeseinkünfte viele Sorge trug. Er batte ſolches 


aber auch ungemein noͤthig, und brach ſich vielmehr ſelbſt ab, um nur die ntertha · 


- 


nen nicht zu drücken, Der Orden hatte das Land verſchuldet, und bie Kriege der Ma⸗ 
rianer, ſonderlich auch der zweijährige, ſolches ſehr verwuͤſtet. Die titter 
ſchmiedeten ſowol in Deutſchland als Liefland viele Anschläge, gegen welche der Her⸗ 
zog ſich immer in guter Verfaſſung halten muſte, die vieles koſteten. Er muſte das 
her nothwendig auf die Vermehrung und Beibehaltung der landeseinkünfte beba ht fe 


Die Mittel aber, wodurch er Geld zuſammen brachte, waren ſo lobenswerch, als Fr 18 die 


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Marggraf Albrecht von Brandenburg. 457 
Art, wie er ſolches anwandte. Er ſchraͤnkte feine Ausgaben bey Hofe ein. Er ſchaf⸗ 
te die uͤberfluͤßigen Pferde ab, zog einige Hoftiſche, inſonderheit der Knechte und Ber 
dienten, ein, und ſchafte das lange Sitzen bey Tafel ab. Er legte hiernaͤchſt Schaͤ⸗ 
fereien, Waſſer ⸗ und Schneidemuͤhlen an. Er unterſagte den Gebrauch der Handmuͤh⸗ 
len, und verbot, in den Mühlen über der Grenze mahlen zu laſſen. Er verhuͤtete 
die Unterſchleife bey Abtragung des Pfundzolles zu Pillau. Er brachte im Taplacki⸗ 
ſchen Salzſiedereien in Stand, und ließ Salzſieder aus Halle nach Preuſſen kom 
men. Die Erz ⸗ und Eiſenwerke ſuchte er zu verbeſſern. Getreide und Oel ließ er auf 
feinen Schiffen nach Liſſabon führen, und andere nöthige Waaren nach Preuſſen 
bringen. Er zog einige nahe gelegene Aemter zuſammen, um die Ausgaben zu vermin⸗ 
dern. Alle neue Abgaben bewilligten die Staͤnde, weil ſie ſolches vor noͤthig erkann⸗ 
ten. Es war weder ſelbſt dem Landmann oder ſonſt jemand uͤberlaͤſtig, noch litte er 
ſolches von feinen Bedienten, weil er Sirachs Worte vor wahr hielt: Wer fein Haus 
mit anderer leute Gut bauet, der ſammlet ſich Steine zum Grabe. Endlich wandte 
er ſeine Einkuͤnfte zum beſten Gebrauch an. Was nicht zu nothduͤrftiger Erhaltung 
der kandesficherheit und feines Hauſes noͤchig war, kam dem Lande zu gut. Er vers 
wendete vieles auf Gelehrte und gelehrte Einrichtungen. Er brachte diejenigen Orte, 


welche der vorige Krieg verwuͤſtet, wieder in guten Stand, und erwies denenjenigen 


Staͤdten, welche unter ſeiner Regierung Feuersbruͤnſte erlitten, zu ihrer Wiederher⸗ 
ſtellung feine Freigebigkeit. Ee legte die Stadt Margraboga an, die von ihm ihren 
Namen erhalten. Er bauete die Oft» und Suͤdſeite des Koͤnigsbergiſchen Schloſſes, 
fo wie das Schloß zu Brandenburg. Die oſtrokolniſche Saule ift gleichfals ein von 
unſerm Herzoge aufgerichtetes Gebäude. Am meiſten verwandte er auf die Ausbrei⸗ 
tung der Erkaͤnntniß feiner Unterthanen in Religionsfachen. Er war ſelbſt ein fleißiger 
Bibelleſer, und ſchlug alle Stellen in den Predigten nach, die aus der Schrift ange⸗ 
fuͤhret wurden. Er beförderte den Abdruck der Offenbarung in polniſcher Sprache 
mit erheblichen Koſten. Er ließ geiſtreiche Schriften, die ihm zur Erbauung diene⸗ 
ten, zum Beweiſe feines daraus geſchoͤpften Nutzens, in prächtige ſilberne Platten ein, 
binden, woraus die ſogenannte Silberbibliothek entſtanden iſt. Die Gottesgelehrten 
hatten ſich beſonders feiner. Freigebigkeit zu rühmen. Er hatte jederzeit einige derſelben 
um ſich, und Preuſſen war zu ſeiner Zeit der Zufluchtsort aller dererjenigen, die des 
Evangelli wegen vertrieben waren. Wer auf die Art feine Einkuͤnfte beſſert, und auf 
ſolche Weiſe dieſelben anwendet, verdienet meines Erachtens keinen Tadel. In den 
oſtandriſtiſchen und ſcalichiſchen Streitigkeiten faͤlt die meiſte Schuld auf diejenigen, 
welche ſich des guten Zutrauens des Herzogs und ſeines hohen Alters misbrauchten. 


| Das befte moraliſche Gemälde von unſerm Prinzen hat Herr D. Lengnich mit folgen, 


den Worten gemacht. „Er war ein liebhaber der Religion, ein Beförderer der Wiſ⸗ 
ſenſchaften, und Beobachter der veſtgeſetzten Regimentsverfaſſung: denn die Aenderun⸗ 
gen, ſo er in den letzten Jahren vornahm, waten mehr der gewohnlichen Schwachheit 
eines hohen Alters und denen argliſtigen, Ehr / und Gewinnſuͤchtigen leuten, als feiner 
P. allg preuß. Geſch. 4 T9. M m m eigenen 


1568. 


1568. 


* 


Seine gema⸗ Ehe wir die Geſchichte des Herzog Albrechts beſchlieſſen, muͤſſen wir ve n fine. 
innen und Gemalinnen und Kindern ſprechen. Denn gleich nach der Veränderung der Re 


458 Ecſccichte von Preuſſen. 

eigenen Gemͤthsneigung zuzuschreiben; durch feinen Tod verloren dle königlich p. 

ſchen Staͤnde einen beftändigen Freund, wohl geſinneten 17 ER ace 

ter der gemeinen Freiheiten am polnifchen Hofe. . e * 


9. 216. ar ER * 1 x 


und des Ordens trat er in den Stand der Ehe, und vermaͤlte ih. h 1 


I. Mit Anna Dorothea. Ihr Vater war Friedrich I König von Dännemark, 
und ihre Frau Mutter deſſen erſte Gemalin Anna, des Efurfürften Johannis 
des Groſſen von Brandenburg Tochter. Beide Vermoͤlte waren 

verwandt. Die Anna Dorothea war geboren 1505 d). Die X 
ſchahe am Johannistage 1526 e) zu Königsberg in Preuſſen. e 
das lob einer Beförderin det Wiſſenſchaften, ſonderlich derer Studenten 
hohen Schule zu Königsberg, und wahren Mutter der Armen erworben. 
begleitete ihren Gemal 1530 nach Polen, 1535 nach Cracau, 1537 nach 
nemark und 1545 nach Wilda, und hat zuweilen in Abweſenhelt des He 
der Regierung vorgeftahden , wie ſolches ſonderlich 1530 und 2 
verſtarb den kiten April 7) am Oſtermontage 1547, und ward ben : 
April in der königsbergſchen Domkirche im aͤuſſerſten dee 
Kinder waren 
1. Anna Sophia, geboren den rıten Jun. 1527, verlobt 1858 

Wismar den 24ften Febr. 1555an den Herzog Johann Alb; 
lenburg, und geſtorben den öten Febr. 1591. Die preußiſche 
hatten ihr ſchon 1546 eine Fraͤuleinſteuer von 30000 Gulden verſprochen, 

fie auch bey der Vermaͤlung erhielt. EN Bar 


2. Friedrich Albrecht, geboren den sten December 1529, . 1 


nigen Tagen. 


3. Catharina. 

4. Lucia Dorothea. 

5. Albrecht und 

6. Emerentia find alleſamt 5) jung verſtorben. 


) Suͤbner in feinen Tabb. Tom. 2. Tab 36. ) Auch das Jahr der 
nennet fie blos Dorotheam, und ſetzt ihre Ge ibid. faͤlſchlich auf 1525. 
burtszeit auf das Jahr 1504 an. Die meiſten 7) Nicht den roten, EA. 
Schriftſteller nennen fie aber Annam Dore, kiſcher Schriftſteller, Tage. 
theam, und in ihrer Grabſchrift heiſt es, fie ha: 3) Nicht aber e die 
be 42 Jahr, 8 Monat und 10 Tage gelebt. Sie haupter, 

muß alſo unſtreitig zu Ende des Auguſts 1505 ger ) Eins dieſer Kinder u r 
boren ſeyn. boren, vermuthlich war fol a En 


D a: li, 


Marggraf Albrecht von Brandenburg. 459 


1 II. Die andere Gemalin des Herzog Albrechts des ältern von Preuſſen war Arts 1563. 
na Maria, eine Tochter des Herzogs Erichs 1, oder des altern, Herzogs von 

Braunſchweig und Luͤneburg zu Calenberg. Die Verlobung geſchahe bereits 
durch den Albrecht Truchſes und den Landvogt und Hauptmann von Bran⸗ 
denburg 1549, die hiezu den 16ten Oct. abgeſchickt worden, weil der Herzog 
den 24ſten Dec. ſelbſt geſchrieben, daß ſolches bereits geſchehen ). Den 2aften 
Febr. 1550 wurde ihr das Amt Neuhauſen zum keibgeding verſchrieben. Das 
Beilager war am Sontage Eſtomihi den ryten Merz 1550 zu Königsberg. Sie 
wird ebenfals wegen der Beſtaͤndigkeit in den rechtglaͤubigen lehren, liebe zu den 
ß Wiſſenſchaften, Freigebigkeit gegen die Armen, und ſonderlich deswegen gelobt, 
1 daß ſie demuͤthig geweſen, und viel vom Gebet gehalten. Zum Beweis des er⸗ 
1 1 ſtern führt man an, daß fie fich einer ſolchen Haube bedienet, als wohl buͤrgerli⸗ 
* ches Frauenzimmer zu tragen gewohnt geweſen, und da ihr einsmal Herzog Ma⸗ 
y gnus von Liefland ſolche vom Kopfe reiffen wollen, habe ſolches den Kriegszug ih⸗ 
6 tes Bruders Erichs des juͤngern nach ſich gezogen. Es iſt bekandt, daß fie vor 
1 ihren Prinzen ein eigenes Buch, unter dem Namen eines Fuͤrſtenſpiegels, ge⸗ 
1 f ſchrieben, darin fie in 100 Artikuln gezeigt: wie ſich ein chriſtlicher Fuͤrſt und 
1 Herr in ſeinem Amt und Stand gegen Gott und die Welt die Zeit ſeines Lebens 
1 verhalten ſoll. 1567 entfernte fie ſich wegen der Krankheiten, die in Koͤnigs⸗ 
5 berg viele Menſchen wegraften, nach Neuhauſen und Labiau, ſtarb aber zu 
Königsberg 16 Stunden nach ihrem Gemal den zoften Merz 1568, und ward 

den sten May mit demſelben zu gleicher Zeit und an einem Orte beerdiget K). 
[ Sie hat ihrem Gemal folgende Kinder zur Welt gebracht: 


5 

3 1. Eliſabeth, geboren den zoften May 1581. Sie war, ich weiß nicht durch 

. welchen Zufall, blind geworden, und ſtarb unvermäle den zoften Febr. 1596, 

1 und ihr leichnam wurde den azſten Merz beerdiger H. | 
2 Albrecht Friedrich, von dem wir ſogleich mit mehrerem handeln wollen. 

ö ei $. 21. 


Herzog Albrecht, der feines Sohnes wegen der ältere genennet wurde, hinter, Herzog M 
ließ nur einen einzigen Prinzen Albrecht Friedrich von ſeiner andern Gemalin der 5 1 


braun ſchweigiſchen Prinzeßin Anna Maria. Dieſer Prinz kam den 29ſten April und erzie, 
1553 zur Welt ). Seine Eltern ſorgten aufs befte vor feine Erziehung. Der Herr hung. 
M mm 2 Vater 


N 
che in dieſem Jahr verſtorben ift. Chytraͤus giebt anderwaͤrts der Emerentia gedacht. Kentſch 
0 ee. an — Gemalin habe drey Prinzen giebt folgende Töchter an: Anna Sophia, Ca⸗ 
und eine Prinzeßin geboren; es widerſpricht ihm tharina und Lucia Dorothea. 
aber die Grabſchrift der Herzogin, nach welcher 7) Folglich nicht erſt den roten Febr. 1550, wie 
1 > fie zwey Prinzen und vier Prinzeßinnen gehabt. Rentſch ſaget. 
5 Herr Bock neunet die Töchter, die vor dem Her⸗ 4 Bock l ec. p 469 f. 
. zoge verſtorben, Lucia, Lucia Dorothea, Ca-. ) Erl. Pr. T. 3 p. 232. ? 
j sharing und Anna Dorothea, da er doch ſonſt w) Herr Hock J. e. p 33% 
t 5 


1568. 


460 Geſchichte von Preuſſen. 


Vater that alles mögliche, ihm eine ſtandesmaͤßige Erziehung zu verſchaffen. Kaum 

hatte Albrecht Friedrich reden gelernet, ſo ward ihm Jacob von Schwerin zum 

Oberhofmeiſter verordnet, den Albrecht der ältere und feine erſte Gemalin auf ihre 
Koſten von Kindheit an erziehen und ſtudiren laſſen. D. Simon ward ihm zum leib⸗ 
arzt und Unterhofmeiſter, M. Chriſtoph aber zum Lehrmeiſter verordnet. Auf des 
Jacob von Schwerin Anhalten ſchrleb 1562 der alte Herzog eigenhändig eine: Unter 

weifung an meinen lieben Sohn Albrecht Friedrich, gebornen Herzog in Preuſſen u. ſ w. 

als ein Teſtament, feinen Glauben zu Gott, und fein teben, Thun und taffen, beis 

des im Regiment und fonften chriſtlich, fuͤrſtlich und beſtaͤndig darnach zu führen, aus 

vaͤterlicher Treue fürgefehrieben. Ich will die Vorrede aus dieſer Schrift, und ſodenn 

die Aufſchriften derer Capltul herſetzen, welche in der Unterweiſung abgehandelt ſind. 

Die erſtere iſt fo geſtellet: „Von Gottes Gnaden ich Albrecht der ältere, Marggraf 

zu Brandenburg, in Preuſſen, zu Stettin, Pommern, der Caſſuben und 

Wenden u. f. w. Herzog u. ew. Burggraf zu Nürnberg und Fuͤrſt zu Rügen u. ſ w. 

werde aus vaͤterlicher Treue und Liebe und aus hohen angebrachten Urſachen veru 

dir, dem auch Hochgebornen Fuͤrſten und Herrn Albrecht Friedrichen gleiches Titels 

u. ſ w. meinem geliebteſten Sohne und Erben eine Unterweiſung und lehre als ein Te 

ſtament meines Glaubens zu Gott aus väterlicher Treue Deiner lebden Thun und 

affen, beide im Regiment und ſunſt dich chriſtlich, fürftlich und beſtaͤndiglich darnach 

zu richten habeſt, fuͤr / und zuzuſchreiben. Und wuͤnſche dir meinem freundlichen lieben 

Sohne Gottes Gnade und Friede durch unſern Herrn IEſum Ehriſtum mit freundli⸗ 
cher vaͤterlicher Erbietung, was ich auch aus vaͤterlicher Verwandtnis und. Zuneis 

gung mehr Ehre, Liebes und Gutes vermag zuvorn, Und fage D. L. biemit vaͤterlicher 


und herzlicher Vermahnung freundlich zu wiſſen, daß, nachdem der allmaͤchtige, ewige, 


guͤtige GOtt in meinem hohen Alter dich meinen Sohn von der Hochg brnen Fin 

fin und Frauen, Frauen Anna Maria, gebohrnen Herzogen von Braunſchweig 
und Lüneburg u. ſ. w. Marggräfin zu Brandenburg u. ſ. w. meiner lieben Gemalin 

und D. k. freundliche Frau Mutter auf dieſe Welt hat laſſen gebohren werden, ich mir 
dies am höchſten hab laſſen benörpen ſeyn, und angelegen, daß ich dich lieſſe auferzie 
hen, alſo, daß du nicht allein nach menſchlicher Geſtalt und von meinem Gebluͤte mein 
Sohn erkennet und gehalten wuͤrdeſt, ſondern vielmehr in allen fuͤrſtlichen Tugenden, 
der ich doch Feine aus mir, ſondern alles von GOtt habe, mir deinem Vater ch ff ch 
nicht allein nachfoigen, ſondern auch mich (welches ich denn auch von He wuͤnſche) 


weit an denſelben allen uͤbertreffen möchteſt. Habe derhalben dir, alsbald A 8 2; 


den und etzlichermaſſen, was man mit D. L. geredet, zu verſtehen gelerner, mit ſunder / 
lichen väterlichen Bor betracht zum Zucht / und Hofmeiſter zugeordnet den en 
Jacob von Schwerin, welchen ich fund meine vorige Herzliebſte ie. enoeften 
gebohrne aus königlichem Stamme zu Daͤnnemark u. f. w. Marggraͤſin zu X 
burg, zu Stettin, Pommern, der Eaffuben, in Preuffen und W 
zogin, Burggräſin zu Muͤrnberg und Zürftin zu Ruͤgen u. f w. Frauen Dorotheen 


0 * „ 
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Herzog Albrecht Friedrich 461 
in Gott ſeelig ruhende mit ſunderm Fleiß von Kind auf erziehen, und den chriſtlichen 
Glauben ſamt andern guten Kuͤnſten ftudiren haben laſſen, in welchen er ſich auch (als 
von feiner Kindheit an und noch dieſe Zelt) zu aller Zucht und Erbarkeit und Tugend 
geneigt, fleißig und nicht ohne ſondere Frucht ſich geuͤbet und erzeiget hat. Darum wir 
auch deſto mehr bewogen, feine Perſon, die wir dir auch befohlen wollen haben, dir 
zuzuordnen. Dieſem habe ich auch zu mehrerer Aufſicht willen den Achtbaren und 
Hochgelahrten D. Simonem u. ſ. w. der mit und neben deinem Hofmeiſter als ein 
deibarzt und Zurather in der lehre ordiniret und zugeordnet, und ihnen beiden dir zu 
lehrmeiſter, ſo viel deine kindliche Jugend belanget, zugegeben den wohlgelehrten M. 
Chriſtophorum und andere Diener mehr, die deinem beibe dienen ſollen, und des 
Hofmeiſters Befehl dienen und gehorſamen. Durch welcher Unterricht, Fuͤrbild, leh⸗ 
re und Wandel du von Tage zu Tage beffer werden mögeft u. f. w. Zweifle auch nicht, 
denn daß dieſelben ihrem Amt und Befehl bey dir alſo nachkommen, und deinen Fleiß 
mit allem, das zu D. L. Beſſerung gehöret, anwenden werden, daß weder mich noch 
dich, noch allen unſern lieben und getreuen Landſchaften und Unterthanen, die du mit 
der Zeit nach mir mit Regierung fuͤrgehen ſolſt, gereuen ſolle, daß ich dir in deiner 
Kindheit und Jugend ſolche Verordnung gethan. Nachdem aber wohlgedachter D. $. 
Hofmeiſter aus ſunderlicher guter Wohlmeinung und herzlicher treuet Liebe, die er zu 
D. L. und unſerm lieben Lande und keute (denen er auch eingeleibet, welche du nach mir, 
wie gemeldt und melde, und es GoOtt alſo gefällt, mit chriſtlicher Regierung fuͤrſtehen 
ſolſt) träge, mich mehrmals bittentlich angelanget, daß ich zu deiner Beſſerung, weil 
ich nun viel Erfahrung, beide in Glaubens ſachen und wirklicher Regierung, nicht oh⸗ 
ne ſondere und dieſelben mancherley ſchwere Mühe, Arbeit und Bekuͤmmerniß ge 


macht, etwas ſtellen wolte, darnach du dich in deinem Leben und Regierung als nach 


einer Richtſchnur zu richten, und du beide gegen GOtt und gegen dir ſelbſt und gegen 
andere D. f. Feinde und Freunde in Friedens ſachen oder Kriegszeit in lieb oder leid u. ſ. w. 


verhalten folft u. w. So ich denn aus heiliger göttlicher Schrift vernehme, wie die 


heiligen Altvaͤter und Regenten im Volke GOttes, als Iſaac, Jacob, Joſeph, Mo, 
ſe und ſonderlich der königliche Prophet David, ihre Kinder und dem Volk, ehe denn 
fie aus dieſer Welt von ihnen ſchieden, aufs allertreulichſte, wie fie in der Furcht GOt⸗ 
tts wandeln ſolten, unterrichtet, und darauf geſegnet haben, als die da gewiß waren, 
wenn dieſelben ihre Kinder und Volk ihrer Väter u. ſ w. Meinung und lehre folgen 
würden, ſo würde auch der Herr ihr GOtt mit Gnaden bey ihnen ſeyn, und ſolchen 
Seegen, den fie ihnen gewuͤnſchet, wahrhaftiglich ins Werk ſtellen u. ſ w. aus wel⸗ 
chem Grunde denn der aller weiſeſte Prophet und König Salomo ſpricht: durch den Se⸗ 
gen der Frommen wird eine Stadt erhalten, aber durch den Mund der Gottloſen wird 
ſie zerbrochen Prov. II. Solchem Exempel nach haben viel heilige leute und Regen⸗ 


ten mit rechtem Eifer nachgefolget, und ich ſelbſt habe dergleichen bey den unſern geſe⸗ 


hen, welche aber, leider GOtt erbarm, es zum Theil Übel angewendet. Denn als 


das licht des heil. Evangelit wiederum herfuͤrbrach, dadurch ich und andere aus dem 


Mmm 3 Finſter⸗ 


1568. 


\ 1568, Finſterniß und Graͤuel des Papſtthums geriffen, und zur wahren Ertönntriß ße 


462 Geſchichte von Preuſſen. N 


und mein ſelbſt gebracht bin, (für welche Wohlehat ich billig dem ewigen Gott unſtetb⸗ 
lichen lob, Ehre und Dank fage) Haben etliche hochgelahrte fuͤrſtliche Perſonen ihnen 
nichts mehr angelegen ſeyn laſſen, denn daß ihre Kinder, auf welche die Regierung ih⸗ 
rer land und getreuen deut und Unterthanen mit der Zeit kommen wuͤrde, dermaſſen in 
aller Gottſeligkelt gelehret und unterwieſen würden, daß ihnen beide in wahrer Erfännts 
niß Gottes und feiner Wahrheit, auch an Zucht und Verſtand ſich ſelbſt und ihre Uns 
terthanen weislich in Gottesfurcht zu regieren, nichts mangeln, alſo daß auch Hofnu 
geweſen, daß dieſelben der ganzen Chriſtenheit heilſamer Spiegel ſeyn ſolten. Solche 4 
Hofnung aber hat bey eines Theils welt gefehlet. Denn diewell fie der treußerzigen 
Wohlmelnung ihrer Eltern nicht geachtet, find fie zum Theil dahin gerathen, daß fie 
beide ihnen ſelbſt, hernach auch ihren armen Unterthanen, Landen und Leuten (die ſſe 
noͤchſt GOtt zum hoͤchſten lieben, ſchuͤtzen und für Schaden warnen follen) die ſchäd⸗ 
lichſte Feinde worden find; eines Theils aber auch in ſolch gar gottlos heldniſches Wer 
fen und beben gerathen, daß fie, unangeſehen aller Gottſeligkeit, die fie gelernet, auch 
aller gutherzigen Lehre, Unterrichtung und Vermahnung, fo ihnen ifre lebte Elten 
mit eigenen Haͤnden fuͤrgeſchrieben, (die ſie ja billig hoch ſolten geachtet haben) ſich gam 
und gar von der erkannten und bekannten Wahrheit GOttes zu den teuflſchen duͤgen des 
Antichriſt abgewendet, alle Zucht und Ehrbarkeit aus dem Herzen hinweg geworfen, al 
fo, daß fie auch ihre leiblichen Eltern, von denen fie aus Gottes Gnaden $eib und 
Seele, Land und leute ererbet, von ihren Poſſeßtonen mit tyranniſcher Gewalt ver 
trieben, ihre eigene vertraute Ehegatte (die doch von chriſtlichen fürftlichen Eltern ge⸗ 
boren, und in aller Zucht und Ehrbarkeit ihrem Herren beizuwohnen begehrte) bübl 
ſcher Weiſe übergeben, und an fremde Buben wider Gottes Gebot, wider ihre eigene 
Geluͤbde und gegebene Treue, wider alle chriſtliche Zucht und fuͤrſtliche Ehr mit 
groſſem Aergerniß vieler ſchwachen Gewiſſen gehenget haben u. f w. Demnace habe 
ich allerley Bedenken gehabt, ob ihme D. L. Hofmeifter zu wilfahren oder nicht, und 
was die Urſachen ſolcher meiner Cunctation geweſen, haft du aus hier oben | 
leichtlich abzunehmen, welches dir denn zu gelegener Zeit dein Hofmeiſter e 
der Händel verftändige wohl welter erklaren werden. Als ich aber zu dir, 
Sohn, der Zuverſicht billig nicht bin, auch aus vaͤterlicher liebe und W. 
nicht ſoll ſeyn, daß du mich in meiner Hofnung und meine treue Untert 
mit der Zeit auch dein und dir von Gott bendthen ſeyn werden) fie zu aller 
Tugend in Friede und Ruhe zu ſchuͤtzen u. ſ. w. ihre Zuverſicht, die fie zu g 
haben, ſo ſchaͤndlich berauben ſolſt, als wohl etzliche unſerer Zeit und vor 2 
gottſeligen Eltern gethan haben; und ich endlich betrachtet, daß ſolcher Br 
lich, daß die Väter und ſonderlich die Regenten ihre Kinder, fo nach iht 
giment fuͤhren ſolten, mit hoͤchſter Treue auch für ſich ſelbſt zu unterrichten, 
aber, wenn ſie nun ſchier von ihnen ſcheiden wolten) beide im Volke Gottes 
den vermünftigen Heiden von etzlichen 1000 Jahren her geweſen iſt, wie deſſe 


= ˙ mm m Wen > ww mo ww. 


— — —— — 


— —— ——— 
— 


Herzog Albrecht Friedrich | 463 
Schrift und der beſten heidniſchen lehrer Bucher vollgezeichnet find, hab ich mich des, 
daß etzliche, ob fie ſchon wohl weis lich und gottſelig unterwieſen, dennoch übel gerathen 
find, nicht wollen abſchrecken laſſen, ſondern D. L. Hofmeifters Vermahnung als von 


Gott an mich gelanget, (der ihn ohne Zweifel zum Mittel gebraucht), gern und 
famt mir in dieſem meinem hohen Alter neben andern mir obliegenden Geſchaͤften mög 


lich feyn mag, Folge zu thun, fuͤr die Hand genommen, damit ich, der ich mich für, 


Gott einen Chriſten und chriſtlichen Fuͤrſten, (wie ſchwach es auch gehen mag, zu 
ſeyn bezeige und hoffe, es ſollen alle chriſtliebende Nachkommen noch hie auf Erden und 
hernach jener Tag, an dem alle Ding werden offenbar ſeyn, mir des beſten Ding Zeug⸗ 
niß geben, ob es gleich jetzt etzliche verderbte Leute nicht dafür achten), nicht gering 
fleißiger in Erziehung und Unterrichtung meines Sohnes, der nach Verleihung GOt⸗ 
tes nach mir regieren ſoll, erfunden werden, denn etwa die Heiden, (daß ich der hei⸗ 
ligen Vater geſchweige, denen ich mich nicht kann vergleichen, ob ich gleich mit ihnen 
Gemeinſchaft im Reiche GOttes habe), erfunden worden find. Und derhalben in, 
Goctes Namen, der mir auch ſeine Gnade, Geiſt und Verſtand dazu verleihen wolle, 
dich recht zu unterrichten und dir ein ſolch Gemürh geben, mir mit rechtem Eifer zu ges. 
horſamen, mich fuͤrnehme, dich zu lehren, wie du nicht allein ein Fuͤrſt und Herr, ſon⸗ 
dern das zum hoͤchſten von Noͤthen iſt, zu chriſtlicher Regierung ein chriſtlichet Fuͤrſt 
und Herr ſeyn mögeſt. Denn ein Fuͤrſt und Herr biſtu, durch Gottes Verleihung 
von mir und deiner Mutter gezeuget, welches dir doch nicht mehr denn in dieſem leben 
frommen mag, ja welches dir vielmehr mag ſchaͤdlich ſeyn, wenn du des Standes nicht 
recht gebraucheſt, welches ohne Gottes furcht, (die allein recht und wahrhaftig bey den 
Chriſten gefunden wird), nicht geſchehen kann. Darum, damit du nicht allein ein 
Herr von mir gezeuget werdeſt zur vergaͤnglichen Regierung, ſondern auch derſelben 
recht gebrauchen koͤnteſt, geleitet durch GOttes Geiſt und Weisheit, und alſo auch 
ein Erb und Herr im ewigen Reich GOttes, das nimmermehr aufhoͤret, mit Chriſto 
dem Erzhirten und allen Auserwaͤhlten ewig ſeyn moͤchteſt; habe ich dich, als du nicht 
acht Tage alt wareſt, durch die heilige Taufe, welche ift das Bad der Wleder⸗ 
geburt, dem Herrn JEſu Chriſto laſſen einleiben, daß du alſo auch ein Chriſt und ein 
Erbe Gottes werdeſt, welches, wie weit es ſich erſtreckt, an feinem Ort weiter ſoll 
erklaͤret werden. Denn fetzo zeige ich nur die Urſachen an, um welcher willen 
ich dich zum Chriſtenchum gebracht habe, nemlich darum, diewell dir Gott das leib⸗ 
liche Weſen und Leben von mir und deiner lieben Mutter, als Mittel von Gott dazu 
geordnet, gegeben, habe ich mich ſchuldig erkannt, dahin zu helfen, damit dir ſolches 
leben im rechten Glauben, liebe und Furcht Gottes, Gott zu Ehren, dir ſelbſt und 
unſern armen lieben Unterthanen und andern zu Nutz und chriſtlichem lob gottſelig fuͤh⸗ 
ren und gebrauchen moͤgeſt; und ich alſo, fo viel an mir immer mehr gelegen, auf alles 

vethuͤte, daß D. L. von der he Gottſeligkeit und chriſtlicher fuͤrſtlicher Ehr⸗ 
e nicht ane ſondern * Fleiß lerne, in was Glauben und 


Erkennt 


ni 


1568. 


464 Geſchichte von Preuſſen. . 
1568. Erkenntniß Gottes ich durch GOttes Gnade und Erleuchtung des heiligen Geiſtes durchs 
a Evangelium geſtanden und verharret, auch meine Seele in ſolchem Glauben SOttes 
gnäbigen Händen befohlen, daß du auch in ſolchem Glauben, wie denn D. L. durch 
Gottes Wort reichlich darin gelehret und auferzogen wird, ſtandhaftig areſt 
und in deiner Regierung mir in meinem getreuen Unterricht und Rath in alle Wege 
nachfolgeſt, und niemanden dich auf andere Wege abführen läffeft, damit du alſo n 
wahrer Erkenntniß Gottes und reiner gottſeligen lehre in chriſtlichem a je. 
und Wandel, dein Regiment zur Ehre GOttes und zur Erbauung der Gemeine ur 
Kurche Chriſti, iu Mutz und Frommen unſer land und beut, mit mancher Frucht, 
tob und Preiß führen mögeft, denn von mir, da ich doch mit hoͤchſtem Fleiß mich im⸗ 
mer bemuͤhet, bishero hat geſchehen konnen, zu welchem ich denn dir von Gott f 
de, Glück, Verſtand, Weisheit und Kraft wuͤnſche, durch JeEſum Chriſtum 
fern Herrn und Heiland, der wolle dir ja die Gnade thun, um feines Namens E 
willen, daß du, wie ichs mit dir treulich und vaͤterlich von Herzen meine, 
wie einem gehorſamen Sohne gebuͤhret, mit dieb und Freud zu Herzen nehmeſt, d 
mehr die vaͤterlichen Lehren, denn deinem Eigenſinn oder anderer böſen beute R 
Verführung folgeſt, damit alſo der Segen Gottes auf dir bleibe, welchen G 
Kindern im vierten Gebot verheiſſet, die Vater und Mutter ehren, und dag er 
Fluch und Ungnade abgewendet werde, welchen GOtt durch Moſen im sten Buch am 
28ſten Capitel den ungehorſamen draͤuet. Vermahne dich demnach, (mein liebe 
Sohn): aus vaͤterlicher leb und Treue als meinen liebſten und noch einigen Sohn, 
daß du ja wolleſt mit hoͤchſtem Fleiß zu Herzen fuͤhren, wie treulich ich es mit dir m 
und zu was gutem es dir gelangen wird, zeitlich und ewiglich, wenn du meinem Rat o fo 
Wolleſt dero halben nimmermehr vergeſſen dieſer meiner lehre. Denn wo du ſol ches in 
geffen ſtellen wolteſt, wiewol etzliche andere ihre Eltern, die es auch chriſtlich und gu 
ihnen gemeinet, verachtet haben, verachten, fo ſolſt du wiſſen, daß Gott, de 
Richter und Nächer iſt, uͤber die fo Vater und Mutter Gebot verachten, dich 
ſtrafen wurde, wie dir dieſes dein Hof, und auch kehrmeiſter viel greiflicher 
ſtrecklicher Exempel beide in göttlicher Schrift und ſonſten mit der Zeit zeigen 
tragen werden. So will ich dergleichen auch nach Gelegenheit in dleſer melt 
richtung etliche mit einführen. Darum zu Vermeidung GHOttes Zorn, 
licher Straf und ewiges Verderben, folge du mein Sohn: (daß ich des en 
Königes Wort Prov. am zten gebrauche), und gehorche der Zucht deines s 
merke auf, daß du lerneſt und klug werdeſt, daß dein Herz mein We t at TR 
Halt mein Gebot fo wirſt du leben. Nimm an Weisheit, nimm an X et 
gif nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes, verfaffe fie nicht 
dich behuͤten. Denn der Weisheit Anfang ift, wenn man gern hoͤret 
lieber hat denn alle Güter. Achte fie hoch, fo wird fie dich erhöhen, 
Ehren machen, wo du ſie herzeſt. Sie wird dein Haupt ſchön ſchmuͤcken, 5 


ang 
A 
4 ur. 


10 
2 


Herzog Albrecht Friedrich. 465 
dich zieren mit einer ſchonen Krone. Alſo hat der heilige David feinen Sohn Sa⸗ 
lomo vermahnet, welches Namen du deutſch fuͤhreſt, denn Salomo heiſſet Frie⸗ 
denreich. Darum fo folge du mein Sohn auch meiner lehre, auf daß du wahrhaftig 
erfunden werdeſt, daß du geruͤhmet wirſt, nemlich Friedereich, nicht daß du allein 


hier auf Erden in gutem Frieden leben moͤgeſt; (Welches eine herrliche Gabe Gottes 
iſt, doch nicht allezeit ſeyn kann, dieweil GOtt um unſerer Sünden willen, auch bis ⸗ 


weilen um andrer Urſach willen Krieg ſchicket): ſondern daß du moͤgeſt reich ſeyn am 


Fried mit GOtt, alſo daß du nimmermehr, es fey in Friedens ⸗ oder Kriegszeiten zulaͤſ⸗ 
ſeſt, das dein Herz oder dein Gewiſſen bettuͤben und unfriedſam machen mag. Zu 


ſolchem helfe dir und mir GOtt der Vater, Sohn und der Heilige Geiſt, wahrer eis 
niger GOtt, von Ewigkeit zu Ewigkeit hochgelobet, Amen. Prov. 1. Mein Kind ges 
horche der Zucht deines Vaters, und verlaſſe nicht das Gebot deiner Mutter, denn ſol⸗ 


ches iſt ein ſchöner Schmuck deinem Haupt und eine Kette an deinem Halſe. Prov. 
13. Ein weiſer Sohn laͤſſet ſich den Vater zuͤchtigen, aber ein Spotter gehorchet der 
Strafe nicht., Die Aufſchriften der Capitel dieſer Unterweiſung find: 1. Wer res 


gieren ſoll, der muß dle Weisheit von GOtt haben, zu ſolcher kommt man allein, 


wenn man Sott fuͤrchtet. 2. Die Furcht Gottes kommt aus rechter Erkenntniß 
Gottes und ſein ſelbſt; nach welcher Erkenntniß die Heiden getrachtet, habens aber 


nicht erlanget. 3. Dieweil GOtt will daß wir ihn erkennen und fürchten ſollen, offen⸗ 
baret er ſich ſelbſt durch fein Wort. 4. Wer Sdtt fürchten will und zu Verſtande 
kommen, der muß Gottes Wort lieb haben, verſtehen und bewahren, daß er ſeinen 
Glauben und leben darnach richte. 5. Welches das rechte Wort Gottes fen, und 


woraus man erkennet, daß die Schrift GOttes Wort iſt. 6. Daß Gdtrt die Schrift 


wider alle tif und Verfolgung des Teufels erhalten hat. 7. Das was die Schrift 
ſaget, das geſchehen ſolte, alſo erfuͤllet iſt. 8. Exempel zur Beweiſung der Gewißheit 
der heiligen Schrift, und daß fie wahrhaftig GOrtes Wort ſey. 9. Beſchluß des Ars 
tikuls von der Gewißheit der Schrift, mit Vermahnung dieſelbe hoch zu halten. 10. Es 
iſt ein einiger wahrer GOtt, der ſich zu erkennen giebt im Wort; von dem ſoll man 
auch anders nicht halten, denn wie er im Wort ſelber von ſich zeuget. 11. Warnung, 
daß man nicht unter dem Namen Gottes Wort auf der Vernunft Grunde gezogen wer⸗ 


de, wird erklaͤret mit dieſer Zeit etlichen Erempeln. 12. Daß nur ein einiger rechter 


Gdct ſey. 13. Sprüche der Schrift, welche uns GOttes Natur und Eigenſchaft, 
alſo davon zu reden, bezeugen. 14. Daß Gottes Weſen uns unbegreiflich, und was 


Oott laut bisher geſetzter Schrift ſey. 15. Daß der einige ewige Gott iſt drey in 


Perſonen Vater, Sohn und Heiliger Geiſt. 16. Was durchs Wort Perſon verſtan⸗ 
den werde, und wie die drey Perſonen zu unterſcheiden ſeyn. 17. Zeugniß von den 
drelen Perſonen. 18 Von der Erſchaffung der Welt. 19. Was ſonderlich bey der 
Erſchoffung der Menſchen zu betrachten fen m), 

Y Bock Le p. 51 

P. allg. preuß. Gesch. Th. Nun 


$. 218. 


11368 


1568. 
Fortſetzung. 


nen Förften und Herrn, Herrn, Albrechten Friedrichen, Marggraf zu 


466 Seſhichte von Preuſſen. | 
. 218. : El t 5 A, 
Um aber auch ein Beifie von denen Regeln zu geben, die ibm fine, Frau 
Mutter vorgeſchrieben, fo will ich aus dem Fuͤrſtenſpiegel etwas berſetzen, ohne mich 
an die Rechtſchreibung zu binden, welche die Herzogin nach damaliger Art gebrauchet. 
Die Vorrede diefes Fuͤrſtenſpiegels iſt mit folgenden Worten abgefaſſet. „Von Ode 
tes Gnaden wir Anna Maria, geborne Herzogin zu Braunſchweig und 
Marggräfin zu Brandenburg und Herzogin in Preuffen ꝛc. Entbieten und win 
aus ganzen chriſtlichen und muͤtterlichen Herzen, dem Durchlauchtigſten, 


burg und Herzog zu Preuſſen unferm geliebten einzigen Sohn, Gottes nade, 
Huͤlff, Kraft und Beiſtand, zur Seelen und keibesgeſundheit. Auch wahrer = 
ſtandhaftiger Erfetineniß feines göttlichen und allein ſeligmachenden Wortes, zu GOtt 
Ehre, Glorie und Herrlichkeit, Nutz, Frommen, und Auferbauung der 
chriſtlichen Kirchen, auch gluͤckſeligen und friedſamen Regiment und durch JE 
ſtum unſerm einzigen Troſt und Heiland Amen. Hochgeborner Fuͤrſt, v 
Herr Sohn, nachdem der allmaͤchtige ewige GOtt Euch Uns aus Gnaden 
denn alle Kinder eine Gab Gottes find, als in dem hundert und acht unt 
Pfalmen geſchrieben ſtehet, und zu einem einzigen Erben, dieſes löblichen 3 
Preuſſen, verordnet hat, als hat der Durchlauchtigſte Hochgeborne Fuͤrſt 
Herr Albrecht der Aeltere und Marggraf zu Brandenburg und Herzog 
und Unfer vielgeliebter Herr Gemal, Euer allergeliebteſter Herr und Vater 
lehre des heiligen Pauli zu denen Epheſern am öten: Ihr Vaͤter ziehet eure 
auf in der Zucht und Vermahnung zu dem Herrn ꝛc. auch nach höchſter 
und natuͤrlicher Anmuthung, dahin gedenken, daß E. L. von Jugend auf 
und wohl, zu Gottes tob und Preiſe, Ehre, aller Zucht und Erbarkeit, n 
lichen und gottſeligen erzogen werden, auch zu ſolchem chriſtlichen Vorhaben 
ner gelehrte, und gottſelige Hofmeiſter, Doctores, Prediger, Magiſtros, 
tes, Kaͤmmerer und nicht ohne geringe, die man doch nicht anſehen ſoll, 
verordnet, und erhalten, wie ſolche denn noch, wie billig, erhalten werden. 
als wir an ihren Perſonen gaͤnzlichen nichts zweifeln, Ehren, Pflichten n 
nach, euch beſtens in göttlicher und menſchlicher kehre, treulichen werben 
welchen E. L. auch nach dem Willen Gottes des Allmaͤchelgen als E. L. aus d 
gehöret und gelernet haben, folgen und nachkommen ſollen, auch nach d N 
heiligen Pauli an obgemeldten Ort, wie E. L. denn nun zum Theile aus 
den, welchem dob und Dank dafür geſagt, haben angefangen, derſell 
verleihe auch ferner fine Gnade, auf daß wir, und das ganze Fuͤrſten 
und alles Gluͤck an E. L. fehen und erleben mögen ze. Ueber ſeſches chriftliche 
ken und Vorhaben Unſers Hochgemeldten und Vielgellebten Herrn Gemal = 
allerliebſten Herrn Vaters, haben auch wir, aus chriſtlichem und muͤtterlichem en, € 
Ernſt und Eifer nach der Gabe und Maaſſe, von Gott dem wee i us gegeben 


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Herzog Albrecht Friedrich. 467 
und verliehen, auch das Unſere darthun wollen, damit E. L. ja Eures Herrn Vaters 
und Eurer Frau Mutter vaͤterliches und muͤttetliches Herz erkennen ſollen, wie wir 
denn an E. L. nicht zweifeln wollen ꝛc. haben auch derwegen hundert Artikel allein aus 
Grund heiliger göttlicher Schrift, zuſammen gezogen und vorgeſchrieben, darinnen al⸗ 
les dasjenige, ſo einem chriſtlichen Fuͤrſten und Herrn von Nöchen, iſt zu wiſſen und 
zu thun, wahrhaftig gnugſam und gruͤndlich verfaſſet und begriffen iſt, alſo, daß nichts 
in geiftlichen oder politiſchen Handeln, koͤnne oder möchte vorfallen, das nicht, durch 


ſolche, wo jenem chriſtlicher Weiſe nach gegangen wird, möchte erhöret, geſchlicht und 


entrichtet werden. Gelanget demnach unſer muͤtterliches Geſinnen an E L. wolte ſol⸗ 
che muͤtterliche Wohlmeinung beherzigen, und ſolche hundert Artikel wohl. faſſen, und 
Gott dem Allmaͤchtigen um Gnade, Verſtand und Weisheit anruffen und bitten, wie 
auch Salomon gethan hat, als E. L. in dem Artikel welter finden und leſen werden. 
Der wird E. L. auch, nach feiner göttlichen Zuſagung durch JIEſum Chriſtum unſern 


einzigen Troſt und Heiland erhören und gnädiglich gewähren, dem wir E. L. und das 


ganze löbliche Haus Preuſſen hiermit wollen befohlen haben, Datum Königsberg 


in Preuſſen, auf dem fuͤrſtlichen Schloß. Anno 1863. Zum Beweiſe wie die Abs 
handlung ſelbſt gerathen, will ich nur den erften und letzten Artikul anbringen. „Der 
erſte Artikul. Erſtlich ſollen ſich chriftliche Fuͤrſten, Herren und — um die 


Zahl der ganzen Gemein menſchlichen Seſchlechts urkunden. Denn das ganze menſch⸗ 
liche Geſchlecht iſt von einem Menſchen her, wie im erſten Buch Moſe am andern 
Capitel, und zum Römern am fünften zu verſtehen. Darum hat auch GOtt im 
Anfang den Menſchen nicht geſchaffen, wie andere Thier, nemlich paar und paar, ſon⸗ 
dern nur einen Menſchen und aus demſelbigen ein Weib, und daher folgends das 


ganze menſchliche Geſchlecht, daß wir uns alfo alle mit einander, wes Standes, Wuͤr⸗ 


de, Dignität und Herrlichkeit wir find oder werden mögen, zu einem Geſchlecht ers 
kennen muͤſſen, ſolten derwegen Fuͤrſten und Herrn wohl zuſehen, und ſich fuͤr die 
Heuchler und Schmeichler, welche ſie nicht in die Zahl der Menſchen, ſondern der 


Götter ſetzen wollen, hüten, fonft wo fie das thun, werden fie geſtraft, wie der Koͤ⸗ 
nig Herodes, der ſich auch die Heuchler zu hoch erheben ließ, und ihnen nicht wehret 
noch einredet. Als wir leſen in den Geſchichten der Apoſtel am raten Capitel, alſo 
aber auf einem beſtimmten Tag that Herodes das koͤnigliche Kleid an, ſetzte ſich auf 


einem Richtſtuhl, und that eine Rede zu ihnen, das Volk aber rief zu, das iſt GO 


tes Stimme, und nicht eines Menſchen, alsbald ſchlug ihn der Engel des Herrn dar⸗ 
um, daß er die Ehre nicht GOtt gab, und ward gefreſſen von den Würmern und gab 
feinen Geiſt auf. Und von dem groffen Alexander lieſet man, daß er, da er ſterben 
ſolte, geſprochen hat: Wo ſind nun die ſo mich vor einen Gott hielten? Und ob ſie 
wohl die heilige Schrift Götter nennet als wir leſen im gaften Pfalm: Ich habe wohl 


geſagt ihr ſeyd Götter und allzumal Kinder des Hoͤchſten, fo werden fie doch mit ſolchem 
hohen Titel nicht von dem menſchlichen Geſchlecht abgeſondert, ſondern allein ihres Amts 


| ir geaon Daß Götter Thun und Amt ift: die Böſen zu ſprafen, und die Guten be⸗ 


Nun 2 lohnen, 


1568. 


1568, 


468 Geſchichte von Preuſſen. 


lohnen, ſchützen und ſchirmen, dieweil denn auf ſolches Regenten dieſer Welt ſchauen N 
ſollen, hat fie Gott mit einem ſolchen herrlichen und hohen Titel gezleret und begabet, 
welcher ihnen nicht allein ihre Dignitaͤt und Herrlichkeit, vielmehr ihr Amt, 
darinnen fie GOtt, vermöge dieſes Worts, ich habe geſagt ihr ſend Götter, geſeht 
hat, fuͤrhalten und einbilden foll, und damit fie ſich folches hohen Titels nicht uber ⸗ 
heben, hat der heilige Geiſt mit ſonderlichem Flelß bald im folgenden Vers, nach den 
obgeſetzten ihnen fein ihr ſterbliches Weſen beſchrieben, damit fie ja ſollen wiſſen, daß 
fie Menſchen ſeyn, mit folchen Worten: Aber ihr werdet ſterben wie Menſchen, 
wie ein Tyrann zu Grunde gehen. Der hunderte und letzte Artikel. Und wenn es v 
jenen dahin kommt, daß ſie ja Gott aus dieſem Jammerthal haben und 5 
ſollen fie mit höchſtem Fleiß, Ernſt und Eifer, das Regiment ihren Söhnen Erblin⸗ 
gen befehlen, und ſich GOtt dem Allmaͤchtigen mit Gedult, Demuth und Andacht 
geben, ſagt, wie wir leſen im erſten Buch der Könige am andern u 
Als nun die Zeit herbey kam, daß David ſterben folte, gebot er feinem Sohn Sa 
lomo, und ſprach, ich gehe hin den Weg aller Welt, fofen getroſt und ſey ein Mann, 
und warte auf die Huͤlfe des HErrn deines GOttes, daß du wandelſt in feinen T 
gen, und halteſt feine Gebot, Rechte, Zeugniſſe, wie geſchrieben ſtehet im Ge 
Moſe, auf daß du klug ſeyſt in allem das du thuſt, und wo du dich 5 
daß der Hert fein Wort erwecke, das er über mich geredet hat und geſagt, verden her 
ne Kinder ihre Wege behuͤten, daß ſie von mir treulich und vom ganzen Herzen! ind bi 
ganzer Seelen lernen, fo foll dir nie gebrechen ein Mann auf dem Stul Iſre 
Beſchluß. Dies find alſo geliebter Herr Sohn die hundert Artikel, wie im Anfa 
meldet und verheiſſen, daraus E. L. leichtlichen doch gruͤndlichen u haft 
dasjenige was E. L. zum geiſtlichen und weltlichen Haͤndeln zu wiſſen von 2 f 
ſeyn, genug zu erlernen haben, bitten und begehren demnach und sm 83 
zuroren, aus chriſtlichem und muͤtterlichem Herzen Ernſt und Eifer E. Lr che 
beherzigen, auch nimmermehr ſolche aus dem Herzen laſſen, ſondern allezelt u 
len Sachen denſelbigen meiſterlich nachdenken, gemein machen, und wu 
und Wahrheit nachkommen, wie dann E. L. für GOrt und der Welt ſchuldig fin 
die Ehre geben und jedermaͤnniglich zur Gerechtigkeit helfen, ſo werden E. L. 
land und beute Gluͤck und Sieg haben und erhalten, wie auch zuvor in ace n. 5 
gedacht und aus Grund heiliger göttlicher Schrift erwieſen, darzu euch, er 
leut, SOtt der ewige Vater, feine nad gnaͤdiglich und vaͤterlich wolle ver 
ben, auch darinnen zu feiner Glorie und Herrlichkeit beſtaͤndiglich bis aus 
ten, durch Jeſum Chriſtum, welchem ſey Lob, Ehre und Preiß von 
Ewigkeit, Amen. „ Der Herr Vater war beſorgt, daß Albrecht Friede ch. 
tig die polniſche und lateiniſche Sprache erlernen ſolte. Er befahl Be 
Oct 1565, daß beſtaͤndig einige Knaben um ihn feyn ſolten, weiche nicht vi 
wohl aber polniſch verſtuͤnden. Die ihm aufwartende Junker ſolten mit ihm y 
und lateiniſch ſprechen, ohne daß er daben das deutjchevergäffe, ee 


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Herzog Albrecht Friedrich. i 469 
October 1567 ſelbſt an den jungen Prinzen, bezeigte uͤber deſſen Wachsthum in der 


polniſchen Sprache fein Wohlgefallen, und ermahnte ihn, das latein nicht zu verab⸗ 


ſaͤumen, ſondern ſich mit den Wiſſenſchaften ſo bekandt zu machen, daß er dem lande 


ſowol als der hohen Schule nuͤtzlich würde. Damals war ſchon fein Oberhofmeifter 


Caſpar von Lehndorf, der von dem alten Herrn befehliget wurde, den Prinzen an⸗ 
zuhalten, wechſelsweiſe bald deutſch, bald polniſch, bald lateiniſch an den Herrn 
Vater und ohne nach Linien zu ſchreiben o). Selbſt auf dem Todtenbette gab Albrecht 
der ältere ſeinem Prinzen noch die kraͤftigſten Ermahnungen P). 


§. 2109. 


1 568. 


Unmittelbar nach dem Tode Herzog Albrechts hatte Caſpar von Lehndorf die Er trit die 


Beſchaͤftigung, theils den Verluſt beider Eltern dem nunmehro in der Regierung folgenden 


regierung an, 


und laßt ſich 


Herzog Albrecht Friedrich auf die beſte Art vorzubringen, theils vor die Ruhe und Sir belehnen. 


cherheit im ande die nöchigen Anſtalten vorzukehren J). Das erſtere war wegen der 
Uebe des Prinzen gegen feine Eltern, das letztere aber beſonders wegen feiner Jugend 
nörhig, da er damals kaum 1s Jahr alt war. Er hätte eigentlich bis zu feinem ıgten 
Jahre einen Obervormund haben ſollen, weil aber der neue Landes herr bereits viele Klug⸗ 
heit blicken ließ, und die tandesregierung mit alten und erfahrnen Staatsmaͤnnern bes 
fest war, auch die Zeit feines vogtbaren Alters ſich näherte, fo ward er, nach des Herrn Bar 
ters letztem Willen, an Führung der Regierung, mit Beihuͤlfe der Oberräthe, ohne einen 
oberſten Vormund zu haben, nicht gehindert r). Der Kaiſer Maximilian 2 erbot ſich 
zwar, die Vermittelung des Streits zwiſchen Preuſſen und dem deutſchen Orden zu übers 
nehmen. Dem ohnerachtet aber ließ der Hochmeiſter an die Danziger, und vermuthlich 
auch an andere preußiſche Orte Ermahnungsfchreiben gleich nach der Nachricht von Als 
brechts Tode ergehen, daß fie ſich ihm unterwerfen folten, da ihm 1566 die Belehnung und 
Verſicherung aller Huͤlfe zu Wiedererlangung Preuſſens ertheilet worden. Zum Gluͤck 
fand er nirgends Gehör ). Der neue Herzog hatte kaum feinen Eltern die letzte Pflicht 
geleiſtet, fo machte er die nörhigen Anſtalten, dem Könige von Polen die gehörige 


lehnspflicht zu leiſten. Er gab ſeinem damaligen einzigen tehnsvetter davon die gehöri⸗ 


ge Nachricht, und uͤberlegte mit dem Churfuͤrſten von Brandenburg Joachim 2 
die nöchigen Mittel, um die Mitbelehnung auch der Churlinie zu verſchaffen. Alles 
war bereits gehörig eingeleitet. Der König hatte ſchon fein Wort von ſich gegeben. Der 


preußiſche Geſandte Jacob Truchſes, Freiherr von Waldburg, unterſtuͤtzte das 
Verlangen des Churfuͤrſten im Namen des Herzogs und der preußifchen Stände ſo⸗ 
wol als des Marggrafen Georg Friedrichs aus Franken. Die Freigebigkeit des Chur⸗ 

> fürften hatte bereits verſchledene Groſſen in Polen gewonnen. Joachim 2 ſchickte al 


"fo 1569 den Levin von der Schulenburg, den Abdias Praͤtorius und Caſpar von 
l 5 Nun 3 Flans 
D Bock l. e. p. iy legg- 5 Herr Lengnich preußiſche Geſchichte uns 


p) Lenthinger p. m. 468. ter Sigismund Auguft S. 357. 
1 Bock p. 470. s) Ibid. 


1569. 


1569. 


ren Macht und Anſehen, als auch wegen der Nachbarſchaft der Krone Polen erſpries · 


— 


ben. Hierauf bekam der Herzog vom Krongrosmarſchall die preußiſche 


dem völligen Abgang der brandenburgiſch fränfifchen tinie als ein eröfnetes Reichs, 


zuraumen. Sonderlich unterſtuͤtzte folches der Woywod von Poſen Lucas ( 


ob er gleich wegen der vermeinten Anſpruͤche des Ordens die Unterhandlungen n d 


knieten die fraͤnkiſchen, und hinter denen dle churfuͤrſtlichen Gefandren. 


470 SGSleſchichte von Preuſſen. Br 
Flans auf den polnifchen Reichstag nach Lublin. We fand ſich die Geſandt⸗ 


ſchaft des Georg Friedrichs, als auch der neue Herzog Albrecht Friedrich 2 
Nur wenige Polacken glaubten, daß es für Polen vortheilhaft fen, Preuſſen nach 


lehn einzuziehen. Der groͤſte Theil war geneigt, der Churlinie die Metbelehnung eins 
und zeigte, wie eine nähere Verbindung mit der Chur Brandenburg ſowol wegen de 


lich fen. Es ward auch endlich wirklich beſchloſſen, dem Churfuͤrſten Joachim 2 und 
feinen Nachkommen die Mitbelehnung zu ertheilen. Den igten Jul. gieng die . 
liche Belehnung über Preuſſen vor ſich. So bald der König ſeinen Sitz eee, 
men, nahmen auſſer vielen polniſchen Groſſen auch der Faiferliche Sefandte ( 
von Proskau und der pommeriſche Henning von Waldau ihre Platze ein. 
kaiſerliche Geſandte hatte ſchon den ıgten Febr. auf dieſem lublinſchen Reichstage! 

getragen: daß, weil der Deurſchmeiſter, auch verſchiedene Chur» und Fürften . 
Unterlaß beim kaiſerlichen Hofe wegen der preußiſchen tande anhielten, fo möchte Po 
len auf Mittel denken, den Orden zu befriedigen, welche der Kaiſer durch e 
mittelung befördern wolte. Der König berief ſich aber auf den Beſitz von 


Sodenn langten der preußifche Landhofmeiſter Hans Jacob Truchſes 0 
burg, der Kanzler Hans von Kreutzen und Dr. Jonas als des Herzogs s 
te bey dem Könige an. Der letztere bat, als fie niedergekniet, um die Be 


und dankte nachher vor die durch den Unterkanzler ertheilte gewierige Antwort. * 


auf gieng der Zug des Herzogs zur kehnsempfaͤngniß unter Trompetenſchall 0 
Vor ihm ritten feine Hoffunker. Er ſelbſt ritte einen weiſſen Hengſt mit ſchw 
metem Zeuge und Satteldecke, ſo daß das Beſchlaͤge ſilbern und übergälpet 

Begleitung feiner Hofleute. Ihm folgten die drey Geſandten Marggraf Gert 
drichs, denn die drey Geſandten des Churfürften Joachims 2, und endl 
zoglichen Regimentsraͤthe und andere Hofleute. Vor dem tehnftul. fieg d 
ſchaft ab. Der Herzog kniete auf die erſte Stufe des Throns nieder. Mebe 
linken nahmen die drey preußiſchen Raͤthe kniend ihre Stelle. Hinter d 


that die Anrede im Namen des Herzogs. David Hoſemann that im 
Friedrichs und Abdias Praͤtorius im Namen des Churfuͤrſten um die 
Anſuchung. Der Unterkanzler beantwortete ſolches dadurch: daß der King 
Verträge geneigt ſey, dem Herzog Albrecht Friedrich das lehn und dem & 
drich die Mitbelehnung zu ertheilen; er habe auch aus ſonderbarer E 
ſchloſſen, dem Churfuͤrſten Joachim 2 die Mitbelehnung zu erthellen, 
felben aus dem von den preußiſchen Ständen abgelegten Eide, kein Recht 


m = wo me - 


Eu 


Herzog Albrecht Friedrich. 47I 
Sie war von weiſſem Damaſt, wie eine Nitterfahne, mit zwey Zipfeln, darin der 
ſchwarze preußiſche Adler, der auf der Bruſt die Buchſtaben 8. A. hatte, befindlich, 
und welche mit damaſten Blumen, guͤldenen Zirkeln, worin Granataͤpfel u. ſ. w. ge⸗ 
zieret war. So bald der Herzog Albrecht Friedrich die Fahne ergriffen, faßten die 
fraͤnkiſche Geſandten den vorderſten und die churfuͤrſtliche Geſandten den hinterſten Zis 
pfel derſelben an. Der Herzog gieng jetzt die Stiegen völlig hinauf, kniete unmittel⸗ 
bar vor dem Könige nieder, der das Evangeliumbuch auf ſeinem Schooß liegen hatte, 
und leiſtete den dehnseid. Nachdem ſolches geſchehen, ſchlug ihn der König mit dem 
Reichsſchwerd zum Ritter, und hieng ihm eine guͤldene Panzerkette vor ohngefehr 400 
Ducaten mit eigener Hand um. Sodenn ſetzte er ſich dem Könige zur linken Hand, 
bis der Ritterſchlag verſchiedener anderer Standesperſonen geſchehen. Er kniete hier⸗ 
auf vor feine Raͤthe und die übrige Geſandten, da denn vom Jonas, Hoſemann und 
Praͤtorio die Dankſagungen vor die geſchehene Belehnung und Mitbelehnung erfolgten. 
Endlich verfuͤgten ſich der Herzog, die Geſandten und das ganze Gefolge nach der Woh⸗ 
nung des Herzogs. Achatz von Dohna trug die Fahne, welche den ganzen Tag dfs 
fentlich bey Trompetenſchall zu fehen war. Als der König vom Rathhauſe, vor dem 
die Belehnung geſchehen, nach dem Schloſſe zuruͤck gieng, begleiteten ihn der Herzog, 
die mitbelehnten Geſandten und die fuͤrſtlichen Raͤthe von ihrem Wohnhauſe bis dahin, 
kamen aber bald zuruͤck, und der Tag ward ſodenn mit vieler Freude bey einem herrli⸗ 
chen Gaſtmal, welches der Herzog aus richtete, beſchloſſen. An eben dem Tage ward 


nicht nur die Lehnsurkunde ausgefertiget, ſondern der König verſtattete auch dem Her⸗ 
zogthum Preuſſen die freie Uebung der Religion, nach der Vorſchrift des augſpurgi⸗ 


ſchen Glaubensbekaͤnntniſſes. Der Herzog nahm ſolches an, damit die papſtlich ges 
ſinneten Pplacken niemals Gelegenheit finden ſolten, ſich zum Nachtheil der evangelis 
ſchen Kirche in Preuſſen zu bearbeiten. Es fertigte auch der König dem Herzoge eine 
Urkunde aus, daß nur in gewiſſen Faͤllen, die in dieſer Urkunde ausgedrückt worden, 


von den fürftlich preußiſchen Gerichten eine Berufung an den König ftatt finden ſolte. 
Der Churfuͤrſt Joachim 2 von Brandenburg hatte hiebey das meiſte gewonnen, und 


zwar hauptfächlich durch die Mitwirkung des Herzogs und der Stände von Preuſſen. 


Er ſtellte deswegen in feinen fanden ein eigen Dankfeſt an, welches von uns bereits 


anderwaͤrts beſchrieben worden 7). 
23 5 9. 220. 


1569. 


Der Herzog und feine Staats bedienten führten nach des Prinzen Zuruͤckkunft ei, Er bekommt 
ne loͤbliche Reglerung. Man bemuͤhete ſich vorzüglich, Recht und Gerechtigkeit 3 
handhaben, und zu dem Ende erſuchte der Herzog 1570 die polniſch preußiſche Landſtaͤn brandenburg; 
de, das culmiſche Recht, welches der Albrecht Friedrich aufs neue hatte durchſehen ſchen länder in 


laſſen ‚ und wovon er eine Abſchrift mitſchickte, zu uͤberſehen, ihr Gutduͤnken zu n 
nen, : 


— 


3) Siehe den dritten Band dieſer Geſchichte S. 177 f. Erl. pr. T. 4 p. 640 l. Herr Lengnich 
preußiſche Geſchichte unter Sigis mund Auguſt p. 397. Privil. Pruſſ. p. 90. gt. f 


170; 


1571. 


in Geſhichte von Preuffi. 


lehnung der deutſchen brandenburgiſchen Staaten nicht zugelaffen worde 


nen, und ſich in den ſtrittlgen Punkten mit ihm zu vereinigen, oder eintgen 9 
aufzutragen, die ſolches durchgiengen, wo es noͤthig, verbeſſerten, und dem 
ihr Bedenken eröfneren. Allein man entſchuldigte ſich damals mit andern Geſe 
und verſchob dieſe Angelegenheit auf eine andere Zelt 1). Beide Theile von 
nahmen aber an dem zwiſchen Schweden und Daͤnnemark zu Stettin g 
Frieden vielen Antheil, weil dadurch die Oſtſee beruhiget wurde x), D 0g 
ließ 1571 feine erſten Muͤnzen prägen 5), und war nicht zufrieden, daß 100 Se be 
kandten Joachim Mörlins Tode das Biſchofthum Samland mit dem dazu in Bor 
ſchlag gebrachten Tilemann Heſhuſius wieder beſetzt würde 2). Der erfolgte 
fall des Churfürften Joachims 2 von Brandenburg gab zu mehreren Bere 
gungen Anlaß, welche zum gröften Vortheil des Herzogs ausſchlugen. 

der neue Churfürft Johann Georg die Mitbelehnung über Preuſſen und ei 
tung des polniſchen Hofes erhtelt, daß weil der Churfuͤrſt ſchon mit feinem . { 
ter die gefamte Hand erhalten, ſolcher weiter nicht verpflichtet werden könne a 0 f „% 
muͤhete ſich auch Albrecht Friedrich um die kuͤnftige Erbfolge in denen deutſchen bran 
denburgiſchen Staaten. Als der neue Churfürft Johann N 7 d 
von ſeinen Unterthanen einnahm, wurde unſer Herzog auf dem Fall ö 
wenn der neue Churfuͤrſt und Marggraf Georg Friedrich, ohne keiben 
fen, mit Tode abgehen folte b). Mehrere Schwuͤrigkeiten zeigten ſich aber, 
haus Brandenburg in Prag die Reichsbelehnung ſuchte. Die Streitig 
Albrechts des aͤttern mit dem deutſchen Orden und die daraus erfolgte un 
erklaͤrung dleſes Prinzen hatten bisher verhindert, daß die preuß ſche dine 


vieler Mühe aber, die von Zeit zu Zeit das geſammte Haus Brandenbt 8 
verwendet, wurde endlich vom Kalſer Maximilian 2 bey Gelegenheit der jetz 

denburgiſchen Belehnung den ꝛ5ſtin May eine Erklaͤrung ausgewirkt 
brecht Friedrich, wofern nach aller jetzt lebenden Matggrafen tödtlle 
keine maͤnnliche Leibes lehnserben mehr vorhanden ſeyn wuͤrden, alsd 
nicht zu ihren verlaſſenen Reichslehnen fund Regalien die geſamte Hand 
folge geſtattet werden ſolle. Nun buͤßte zwar der Herzog bey dieſt 

fo weit etwas ein, daß die Lehnsfolge auch derer fraͤnkiſchen bra 
ande nicht eher, als nach Abgang aller in Deutſchland befindlichen Unten 
ſes auf ihn kommen ſolte. Er erhielt aber doch dagegen die Aufße 
wenigſtens der Sache nach. Denn wie konte Maximilian 2 de Guß 
zoge anders die Verſicherung der kuͤnftigen Erbfolge in den deutſche aten e 
men, als daß er zugleich die bisherige Reichsacht vor nichtig erklärte, 
Geaͤchtete auch ſogar aller Anſpruͤche verluſtig gehet? Es iſt * fiir de 


u) Herr Lengnich l. e. p. 40. 2) Ibid p 77. $o. 
*) Ibid. p. 397. a) Unſere Gesche B. wu 
9) Acta Bor. T. ıp 76 b) Ibid. p. 29. 


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Herzog Albrecht Friedrich. 473 
weiter von der Reichsacht gegen Preuſſen gedacht worden, und nimmt es mich Wuns 
der, daß in der Reichsachts ſache gegen Preuſſen die Geſchichtſchreiber dieſe Erklärung 
Maximilians 2 nicht beobachtet haben. Es wäre wohl zu wünfchen, daß dieſe merk⸗ 
wuͤrdige Erklaͤrung ihrem ganzen Inhalte nach bekandt gemacht wuͤrde, weil daraus er⸗ 
hellen muß, ob und wie weit der kaiſerliche Hof ſich vorbehalten habe, den unbefugten 
Anſpruch des Ordens auf Preuſſen zu unterſtuͤtzen. Aus dem folgenden Betragen 
der Kaiſer läͤſſet ſich ſchlieſſen, daß ſolche nur noch blos guͤtliche Vermittelung die ſer halb 
anwenden wollen c). Nunmehro wurde Herzog Albrecht Friedrich auch zu allen uͤbri⸗ 
gen brandenburgiſchen Hausangelegenheiten gezogen. Als daher der Churfuͤrſt Jo⸗ 
hann Georg eine Erbverbruͤderung mit Pommern errichtete, wurde derſelbe ebenfals 

in diefe Erbverbruͤderung mit eingezogen d). Da auch unſer Herzog 1572 das ıgre Jahr 
ſeines Alters erreichte, ſo unterzog er ſich nunmehr der völligen Reglerung in Preuſſen, 
in welcher bisher feine ſchwachen Arme die preußiſchen Re zimentsraͤche unterftügen muͤſ⸗ 
fen. Er ließ ſich von den preußiſchen Unterthanen den Huldigungseid leiſten, und reis 
fete in eben dieſer Abſicht in May mit 150 Pferden in die zu Preuffen gehörige lithaui⸗ 
ſche Orte ab, und langte den 28ſten Jun. nach dieſem geendigten Gefchäfte wieder in 
Koͤnigsberg an e). In Abſicht der Beſetzung des ſamlaͤndiſchen Biſchofihums gieng 
feine Meinung dahin, daß, nach dem Muſter der deutſchen evangeliſchen Kirche, kein 
Biſchof weiter zu beſtellen noͤthig ſey, ſondern deſſen Verrichtungen durch einen Conſi⸗ 
ſtorialpraͤſidenten ausgeuͤbet werden konten. Doch die Preuſſen waren einmal der 
Bifchofe gewohnt, ob fie gleich nicht eben der Meinung der hohen Kirche in England 
beipflichteten, welche die Bifchdfe als ein Merkmal der rechtglaͤubigen chriſtlichen Reli⸗ 
gion anſiehet 7). Jetzt dachte der Herzog auch mit Ernſt an feine Vermaͤlung. Daß 
ſchon bey debzeiten feines Herrn Vaters Scalich nach Frankreich abgeſchickt worden, 


um eine franzöfifche Prinzeßin vor ihn anzuhalten, beruhet blos auf dem Vorgeben 


dieſes Menſchen, der durch fein ganzes leben viele Unrichtigkeiten vorgegeben. Der 
Herzog ſtand zwar mit dem königlichen franzoͤſiſchen Hofe in gutem Vernehmen, und 
ſchenkte demſelben ſogar einen Zwergen, der an des vorigen Herzogs Hofe unterhalten 
worden. Aber in Abſicht feiner Vermaͤlung hatte er andere Gedanken. Er ſchickte viel 


mehr den Jacob Truchſes von Waldburg und den Balthaſar Gans von Puttlitz 


nach Eleve, um die Prinzeßin Maria Eleonora anzuwerben, und gab dieſen Ger 


ſandten auf, den berufenen Scalich uͤberall deswegen rechtlich zu verfolgen, weil der⸗ 
ſelbe die unverſchaͤmte fügen ausgebreitet, als ob Herzog Albrecht der Aeltere ſich vor 
feinem Tode wieder zum Papſte zum gewendet habe g). 


$. 226 


 Bünic Keidjtariv. Pars pecial. Con . 0) Ada Bor, T. 2 p. 9. 


Vertſ 1. S. 40. f f) Adds Borufl, T. 1 p. 8 
I unſere Geſchichte B. 3 S. 223. g) Ibid. p. 2. 
p. allg preuß. Geſch. Th. Oo o 


574 


1572. 


474 Geſchchte von Preuſſen. 


1572. 


Kommt bey 
der polniſchen 
wahl in vor⸗ 
ſchlag. 


$. 221. el 


Die wichtigſte Veränderung gieng damals in Polen vor, woſelbſt mit 

mundo Auguſto den zten Jul. der männliche Jagelloniſche Stamm zu Kni 

erloſch y). Der Herzog hatte eben an dieſem Orte Geſandte, welche ihm ſolches bes 
richteten, zu gleicher Zeit aber auch Nachricht gaben, daß man ſie von den Reichsrath⸗ 
ſchlaͤgen unter dem Vorwande ausgeſchloſſen, weil der Herzog in Preuſſen auf den 
Reichszuſammenkuͤnften niemals Sitz genommen. Da ihn nun auch im Zwiſchenreich 
die polniſchen Groſſen zu keiner Berathſchlagung eingeladen, ohnerachtet ihm doch nach 
den alten Verträgen in Reichsverſammlungen die erſte und naͤchſte Stelle nach dem 
Könige gebuͤhrete, fo ließ er deswegen überall gehörige Vorſtellungen thun. Es ge f 
ſchahe folches auch bey den polniſch preußiſchen Ständen, die er um ihre 
erſuchte, daß er zum kuͤnftigen Wahltage berufen würde. Dieſe erkannten auch — 
die Gerechtigkeit erfordere, den Herzog in dem Genuß feiner Vorrechte zu laſſen. Sie 
verſprachen, ſich dieſerhalb alle Muͤhe zu geben, ſeine Sache den polniſchen Srofen ; 


zu empfehlen, und feinen auf dem kuͤnftigen Wahltage ſich einfindenden Geſandten al / 


len Beiſtand zu leiſten 1). Er befand ſich wirklich unter denen, auf welche man bey 
der kuͤnftigen Wahl eines Königs von Polen feine Aufmerkſamkeit richten konte. In 
einer damals herausgekommenen Schrift, worin die Frage aufgeworfen wurde: wer 
wohl zum Könige zu erwaͤhlen fen? ward von dem Herzoge alfo geurthellet. Der Her⸗ 
zog von Preuſſen hade einen Vater gehabt, welcher Königs Sigismundi Schweſter⸗ 
ſohn geweſen, feine Mutter ſen eine Herzogin von Braunſchweig, deren Verter dan, 
rich der jüngere mit einer königlich polniſchen Prinzeßin vermäft geweſen. 

der Ältere behaupte noch nach feinem Tode den Namen eines ehrlichen Herrn, der de 
Könige von Polen Treu und Glauben gehalten, die Polacken geliebt, mit Weisheit 
tegieret, den Unterthanen nicht beſchwerlich gefallen, mit den Nachbarn verträglich ge 
kebt, und ungemein beredt geweſen. Sein Sohn der jetzige Herzog feh in den Tugen / 
den ſeines Vaters erzogen und unterwieſen, der polniſchen Sprache und der Welefar 
chen wohl erfahren, in der ritterlichen Kunſt geſchickt, bey Ausuͤbung der — 
keit achtſam, von guter Urtheilungskraft und in allen Verrichtungen unverdroſſen. Er 

fey ein guter Reuter, Fechter, Schuͤtze, der lateiniſchen Sprache kundig. ha 
das allerbeſte, volkreichſte und fruchtbarſte Theil von Preuſſen. Durch feine‘ 
wurde Preuſſen ſogleich mit Polen vereiniget. Da er vor die noch ledige Jagel 
Prinzeßin zu jung, fo koͤnte man ihn mit einer kaiſerlichen Prinzeßtn, oder ein 


Churfuͤrſten Auguſts von Sachſen vermoͤlen, und dadurch zugleich zur v erf 

nung mit dem deutſchen Reich den Weg bahnen. Schon in der Hitze rien 
richte er ſich nach dem Rath und Willen der Seinigen in Preuſſen, und daraus er 
wachſe die Hofnung, daß er auch als König von Polen den Nath der * 


) Herr Lengnich Geſchichte von Preuſſen unter Sigiem. Aug. S. fig, 
) Dlugoff. T. 2p 1733 Kerr 822 „ Geſchichte vom Tode 
ſti bis auf den Tod Stephani S 


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er 2 * 9 


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| Herzog Albrecht Friedrich. 475 
Reichs beobachten wuͤrde. Durch feine Wahl wuͤrde man ſich der Freundſchaft des 
ganzen Churhauſes Brandenburg und verſchiedener deutſchen Reichs ſtände, ſonder⸗ 
lich Braunſchweig, Mecklenburg, Pommern, imgleichen des Königs von Daͤn⸗ 
nemark verſichern. Die gegen ihn zu machenden Einwendungen waͤren unerheblich. 


Er ſey zwar bereits ein lehnstraͤger von Polen, würde aber deswegen der piaſtiſchen 


Partey deſto angenehmer ſeyn. Man bemerke zwar, daß er wenig rede, dies ſey 
aber eben kein Merkmal des Unverſtandes. Einige wuͤrden ihm vorwerfen, daß ſein 
Vater als ein Geiſtlicher nicht hätte heirathen konnen; man muͤſſe aber bedenken, daß 
ſolches nach feinen Religionseinſichten, und zu einer Zeit geſchehen, da er bereits den 


geiſtlichen Stand aufgegeben, und die Polacken haͤtten ſich ja bereits unter einem Re⸗ 


genten wohl befunden, der aus dem Kloſter auf den Föniglichen Thron berufen ſey, und 
ſein Geſchlecht fortgepflanzet habe. Der Einwurf gegen ihn, daß er in der Reichsacht 
ſich befinde, fände nicht mehr ſtatt, und die Irrungen mit dem Orden wären um fo 
weniger beträchtlich, wenn die Kreuzherren in feiner Perſon zugleich ein gekroͤntes Haupt 
verehren müften K). Der Herzog ſelbſt dachte vor feine Perſon bey der polniſchen 
Königewahl keine neuen Vortheile zu ſuchen. Er wolte aber die ihm zuſtehende Rech⸗ 
te beobachtet wiſſen. Er ſchickte deshalb 1573den Achatium Burggrafen von Dohna, 


den Wenzel Schach von Wittenau, den Andreas von Wilmsdorf, und den D. 


Eberhard Rogge auf den polniſchen Wahltag nach Warſchau. Dieſe muſten den 
7ten April um die Erlaubniß der Wahl beizuwohnen und mit zu ſtimmen anhalten, 
und zugleich erflären, daß wenn man auf polniſcher Seite dieſe herzoglichen Rechte 
ferner zu ſchmaͤlern ſich erkuͤhnte, ſo ſehe ſich der Herzog bemuͤßiget, einen andern lehns⸗ 
herrn zu erwählen. Die polniſchen Stände fertigten aber die preußiſchen Geſand⸗ 
ten den Sten May mit eben den Aus fluͤchten ab, welche fie ſchon ehemals gegen das 
gleiche Geſuch Herzog Albrechts des Aeltern gebraucht, und erboten ſich die preußis 
ſche Forderung zur andern Zeit und bey mehrerer Muffe nochmals zu erwegen, und 
den Entſchluß, dem Herzoge entweder durch Briefe, oder durch gewiſſe Botſchafter, 
wiſſen zu laſſen. In der den 16ten May erfolgten Wahl fielen die meiften Stimmen 


auf den Prinzen von Anjou Henrich, deſſen Partey in der Gegend von Danzig 


durch den Oberſten Ernſt von Weyher Soldaten anwerben ließ. Es ſetzte ſolches 
den Herzog zwar in einige Beiſorge, die ſich aber legte, als die neugeworbenen Volker 


noch in dieſem Jahr abgedankt wurden /). 
Be 9. 222. 


Indeſſen giengen mit dem Herzoge in Preuſſen merkwuͤrdige Veränderungen 


1572. 


1578. 


Der herzog 
vermaͤlt ſich 


vor. Seine nach Cleve abgeſchickte Geſandten hatten nicht nur das Jawort zur Ver und ee 


ihrem Herrn Vater zuſtehenden lande mit Ausſchlieſſung ihrer Schweſtern auf dem Fall 
N Oo o 2 ver⸗ 


0 Ada Boruſſ. T. 1 p. 57. D) Engelbuf, I. e. P. 32. 36. 74 


maͤlung Albrecht Friedrichs mit der cleviſchen Prinzeßin Maria Eleonora erhalten, biödſinnig. 
ſondern es war auch in dem Ehevertrage dieſer Prinzeßin die künftige Erbfolge aller 


1573. 


ſchenzeit begegnete dem Herzog ein ſonderbares Ungluͤck. Er war den 1 


ſen den Herzog zu keinen gemäßigten Ueberlegungen kommen. Sein nicht vo 


vor noͤthig den Hofprediger zu Rathe zu ziehen, ob des Herzogs Willen z zu ei 


te ſich nur eine ſtille Tieffinnigkeit. Den gten April ſchien er etwas 


426 Ä Geſchichte von Preuſſen. 
verſichert worden, wenn die männliche Nachkommenſchaft der Herzoge von ele 


gehen ſolte. Des Herzogs Geſandten langten wohl beſchenkt den arſten 9 
Verſicherung an, daß die fuͤrſtliche Braut bald nachfolgen würde, Aber in die g Die 


I uſen gereiſet, um der Hochzeit des dortigen Hauptmanns mit der Toe 
Ses Chriſtophs von Kreutzen beizuwohnen. Unter andern R 
de eine Mummerey veranſtaltet, und der Herzog war ſelbſt unter den 12 verkleideten 
Perſonen, hatte aber eben das Ungluͤck, was dem franzöfifchen Könige Carl 6 bey 
einer Mummerey zuſtieß. Er mochte ſich in der kuſt und beim Trunk zu ſehr erh 
haben, und fiel ungluͤcklicher Weiſe, als er ſich ſchon ins Schlafzimmer begeben, auf 
die Gedanken, ein Maͤdgen zu ſich kommen zu laſſen, das er durch einen Edelk aben 
ruffen laſſen wolte. Dieſer glaubte, daß die ihm aufgetragene Sache gar nicht zu 
nem Dienſt gehöre, ſondern vielmehr befchimpfend ſey. Nacht, Wein und ie 


4 


Befehl brachte das Blut noch mehr in Wallung, und er beſtund ſchlechterdings 
nem erſten Willen. Der Edelknabe meldete ſolches dem Marſchall, und da 4 
fer den Herrn zu keiner Veränderung feines Verlangens bewegen konte, b 


Man konte die Antwort eines Geiſtlichen zum voraus wiſſen, welcher wir 
te, daß der Herzog einen Ehebruch begehen wolte, indem er bereits eine bei 
habe. Weil der Marſchall vorſtellte, daß alle Gegenreden den Herzog nur 
erhitzten, fiel der Hofprediger auf den vor fein Amt ſich nicht ſchickenden Einfa 
dem Prinzen ein Traͤnklein gegen die Geilheit gegeben werden muͤſte. D. 2 
Biſchof von Pomeſanien ließ ſich diefen Rath, zu dem man ihn mit gejoi 
fals gefallen. Der D. Valerius verſchrieb das kraͤftige Traͤnckleln, 105 
Apotheck zubereiten, und man fand Mittel dem Herzoge ſolches dene g 

mag dies Handwerk nicht recht verſtanden haben, und ich glaube aus Menſche 
daß er ſelbſt keine eigene Erfahrung davon gehabt. Dies war wenigstens ke 
Prinzen tugendhaft zu machen, ob es gleich den Ausbruch ſelner Vergehu 0 
Das Traͤncklein ſchlug nicht nur das wallende Blut nieder, ſondern n 
enthalten, wodurch das kochende Blut in den Adern zu erftarren ie 
diefer Zeit an zeigte ſich beim Herzog Albrecht Friedrich eine tiefe Sch 
che durch mancherley Dinge vermehret wurde, zu einem Bloͤdſinn 
weilen ſo arg wurde, daß der Herzog, den beſtaͤndig bey ſich ee Wo 
achtet, Fenſter einſchlug, und ſich ſonſt ſehr übel gebehrdete. Dieſe übten 
men aber erft nachher, und waren nicht zu allen Zeiten gleich ſtark. An at 


den, da zwey Geſandten ihm von feiner Braut einen Kranz brachten, 
preußiſch Holland und drey andere Städte zum lelbgeding verſchriebe. 
ihr den 19ten Jul. so Pferde bis Berlin entgegen. Es . aber 


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* 


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Herzog Albrecht Friedrich. | 477 
weil ſie unter Wegens die Maſſern bekommen, aufgeſchoben werden. Sie langte end» 
lich den 9ten Oct. in der Stadt Brandenburg, und den ꝛ0ten in der Stadt Ks 
nigsberg nebſt ihrem Herrn Vater an. Ohnerachtet fie von dem Zufall ihres Braͤu⸗ 
tigams bereits benachrichtiget worden, entſchloß fie ſich doch großmuͤthig Gluͤck und Un⸗ 
gluͤck mit demjenigen zu theilen, der in geſunden Tagen um ſie angeworben. Obgleich 
der sıte Oct. bereits zur Trauung angeſetzt war, fo unterblieb ſolches doch dieſen Tag, 
weil der Herzog ſich gegen den Willen feines Schwiegervaters im Zimmer trauen laſ⸗ 
fen wolte. Dieſer Umſtand mag zu dem Gerücht Gelegenheit gegeben haben, daß er 
erſt damals ſchwermuͤthig geworden, weil er feine Braut nicht fo ſchöͤn gefunden, als 
er es ſich vorgeſtellt. Den 14ten Oct. aber gieng die Zuſammengebung kurz und gut 
vor ſich, und die deswegen angeſtellten kLuſtbarkeiten wurden in den folgenden Tagen 
gehalten. Sie koſteten aber denen preußiſchen Männern ihre langen Baͤrte. Denn 
den ısten Oct. ließ der Herzog von Cleve allen, die zur Tafel gekommen waren, und 
unter andern den Buͤrgermeiſtern von Danzig und Thorn ihre Baͤrte abfehneiden. 
Den zoften Oct. reiſeten die kaiſerlichen und andere Geſandten und der Graf von 
Stollberg wieder ab, und der Herzog von Juͤlich gieng den 26ſten Det. wieder 
nach feinen fanden ab. Dagegen langte den 9ten Nov. der Marggraf Georg Fries 
drich von Brandenburg in Königsberg an, wohin ihn der traurige Zufall des 
Herzogs gebracht, und um deſſen Geneſung den ızten in den Kirchen zu beten angefangen 


wurde. Der Marggraf erkundigte ſich nach den Umſtaͤnden dieſer Krankheit und wos 


her ſelbige ruͤhre, er brachte aber nur ſo viel mit Gewißheit heraus, daß der Prinz 
vorhin ein feiner vernuͤnftiger Herr geweſen, und man die eigentliche naͤchſte Gelegen⸗ 
heit zu feiner geſchwinden Gemuͤthsveraͤnderung mit keiner Gewißheit angeben könne. 


Nach des Marggrafen Abrelſe ließ er den Georg von Wambach zuruͤck, um von 


Seiten des mit belehnten Marggraſen die preußiſchen Angelegenheiten zu beſorgen. 
Es wurde in der That täglich ſchlechter mit dem Herzoge, welches theils von dem vie⸗ 
len Verdruß, den man ihm machte, theils von der öfteren Abwechſelung geſchickter 
und ungeſchickter Aerzte, möglicher und ſchaͤdlicher Geneſungsmittel herruͤhrete. Wider 
feinen Willen waren Heshuſius und Wigand nach Preuſſen beruſſen, und obgleich 


Albrecht Friedrich den erſten weder ſehen noch leiden konte, ſo hatte man ihm doch 
das Biſchofthum Samland aufgetragen, ohnerachtet manche Warnungen vor ſeinen 


unruhigen und unbuͤgſamen Geiſt aus Deutſchland eingelaufen. Heshuſius war ein 
Zelote, der 1574 beſonders durch die Verbannung des Friedrichs von Aulak groſſen 
derm machte, blos weil Aulak vor Calvins Anhaͤnger gehalten wurde. Er mifchte 


ſich auch in die Mittel, die man zur Geneſung des Herzogs brauchen wolte. Eine 


Weibe perſon erbot ſich den Herrn durch baden geſund zu machen, wozu fie die Kräuter 
aus der Aerzte Hände fordern wolte. Weil fie aber zu viele Gattungen von Kraͤutern 
begehrte, und der Biſchof fie vor eine Hexe hielte, ward fie abgewieſen. Der lelb⸗ 
arzt D. Stojus ſchlug vernünftiger Weiſe die Entfernung folcher Perſonen vor, dle 


| der Prinz nicht leiden koͤnte. Weil aber der Hofprediger ſich darunter befand, ver⸗ 


Oo o 3 folgte 


1573. 


1574. 


1574. 


ſte ſich aber mic denen Geiſtlichen herum ſchlagen, die jeden vor einen Teufelsbanner 
hielten, deſſen Geneſungs mittel fie nicht einfahen. Sie belaͤſtigten bald die Stände, 


nem den verlornen Verſtand wieder zu verſchaffen, und die innere Beſchaffenheit des 
Körpers zu ändern. Das Betragen der Geiſtlichkeit ſowol, als die Verſchledenhelt 


der Herzog ſie nicht leiden konte. Die Herrſchaft wurde ſchlecht bedient, und unter 


478 Geſhichte von Preuſſen. 


folgte man den Arzt als einen Prieſterfeind. Und doch konten ſich ſeine Amtebrlder N 
ͤber kein beſſeres Mittel einigen. Dannhauſer ein Ritter und Arzt aus Cuͤſtrin 
ſolte dem Biſchof erſt zeigen, womit er helfen wolte, und ob ſolches mit der ſchwarzen 
Kunſt geſchehe, gab aber zur Antwort, er fen nicht verpflichtet dem Biſchof ſeine Kunſt 
zu lehren. Man brauchte bald einhelmiſche, bald fremde, bald waͤlſche, bald andere, 
bald zuſammen, bald einzeln, und niemand konte des Herzogs Uebel heben. Ein ge⸗ 
wiſſer Niederlaͤnder Johannes Fortunatus brachte es noch am weiteſten. Er mu⸗ 


bald die Regimentsraͤthe, bald den Hof ſelbſt mit Bitſchriften, ja ſich zu huͤten, daß 
der Herr nicht durch Zauberen geheiler würde, als ob es in Teufels Macht ſtuͤnde eis 


der Aerzte war ſchon hinreichend die Krankheit des Prinzen zu vermehten. Es kamen 
aber noch andere Sachen dazu. Verſchiedene von Adel bezeigten ſich ſo übel, daß 


denen, die man dem kranken Fuͤrſten zur Geſellſchaft und Wache zugeordnet, befanden 
ſich mit Fleiß Perſonen, vor denen er einen Abſcheu hatte. Sogar der ihm widrige 
Hofprediger gehörte darunter. Venediger wuͤrde fich dazu eher geſchickt haben, wenn 
ja ein Geiſtlicher darunter ſeyn ſolte. Doch dieſer Mann ſtarb, und man ſagte aus 
Gram, daß er zu dem übel gerathenen Trank gegen die Geilheit feinen Rath erchellet. 
Bey allen dieſen Umſtaͤnden muſte natürlicher Weiſe es mit dem Herzog immer ſchlech⸗ 
ter werden. Schon in der Woche vor Faſtnacht erklaͤrte feine Gemalin, daß er ſich 
keiner Regierungsgeſchaͤfte mehr annehmen konte. Aber wem ſolte ſoſche übertragen wer⸗ 
den? Hieruͤber waren die Meinungen getheilt. Die Herzogin und der clepſche Ge 
fandte glaubten, daß keiner hiezu näher als die Gemalin des kranken Herrn ſeh. Die 
Regimentsraͤthe hielten dafür, daß da fie die faft der Reglerung laut dem 

len Albrechts des Aeltern zu der Zelt hätten tragen helfen, da Albrecht Friedrich 
noch nicht muͤndig geweſen, anjetzt ebenfals durch fie die Regierung ohne alen Vor, 
mund beſorgt werden konte, da fie doch unter einander ſelbſt nicht einig, und die € 

de nicht allerdings mit ihnen zufrieden waren. Der von Wambach des 5 
Georg Friedrich von Anſpach Geſandter hatte viele von den Ständen auf feiner Sei _ 
te, wenn er ſich vor feinen Herrn als den naͤchſten Mitbelehnten bearbeite. Des Her 
zogs Schweſter die Gemalin Johann Albrechts von Mecklenburg wol 
naͤchſte Blutsfreundin, ſich und ihren Gemal nicht ausſchluͤſſen laſſen. Zule t mel / 
deten ſich auch polniſche Abgeordneten, daß fie im Namen des Könige: ſich einfind 
und die Regierung einrichten wolten. Sie blieben aber wegen der Vers e 1 
aus, die ſich in Polen zugetragen zn). 1: e 


n) Ada Boruſſ T. 2. p. 89 - 120. 726. Ich will mit Fleiß weder alle Aer jene: . n 2 ien 
ohne Nutzen gebraucht, noch alles Lerms der Geiſtlichen Erwaͤhnung thun, der mals er 
reget worden. * 


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22 — 


5 Herzog Albrecht Friedrich. 40 


223. 


I * 12 574. 
Der gewählte König Henrich hatte ſich zwar aus Frankreich in Polen einge ⸗Streitigkei⸗ 


funden. Er hatte ſich aber auf die erhaltene Nachricht von Tode ſeines Bruders ten in Polen 
des franzöfifchen Königs Carls 9 heimlich wieder weggemacht, und die Polacken das und Preuſſen. 


durch ſo aufgebracht, daß ſie ihm eine Zeit zur Wiederkehr anſetzten, und da er ſelbige 
nicht beobach tet, den Thron vor erledigt erklärten, und 1575 eine neue Wahl vorneh 
men wolten. Aus Preuſſen wurde Melchior von Diebes als Geſandter auf den 
Wahltag abgeſchickt, der ſich beſchweren muſte, daß man ſeinem Herrn das Sitz und 
Stimmrecht wider die errichteten Vertraͤge verwelgere, und dagegen einen feierlichen 
Widerſpruch einlegte. Erzherzog Ernſt von Oeſterreich, an deſſen Stelle nachmals 
der Kaiſer Maximilian 2 felbft trat, und der Woywode von Siebenbuͤrgen Ste⸗ 
phan Bathory waren die vornehmſten Kronenwerber. Die Wahl fiel alſo zwiſtig 
aus, fo daß die meiſten Groſſen den Kaiſer, der gröfte Theil des Adels aber den Woy⸗ 


woden ernenneten. Es war ſehr natürlich, daß Preuſſen die Partey des erſtern ers 


grif, da derſelbe verſprochen auf dieſem Fall die Mittel ausfindig zu machen, wie die 
Streitigkeiten mit dem deutſchen Orden am beſten zu heben waͤren; obgleich Preuſ⸗ 
fen die Anſpruͤche der Marianer nie vor gegruͤndet erkannt ). In Preuſſen ſelbſt 
wurden Veränderungen mit den vornehmſten Landesbeamten getroffen; und Johann 
Wigand zum Biſchof von Pomeſanien beſtellt. Der ſamlaͤndiſche Biſchof Hes⸗ 
huſius aber ſetzte feine Streitigkeiten theils mit denen Aerzten, die er vor Hexenmei⸗ 
ſter ausgab, theils mit Friedrich von Aulack fort, den er vor einen Calviniſten 
hielt. Der letztere vergieng ſich 1576 darin, daß er. feine Sache nicht vor den ordent⸗ 
lichen landesgerichten ausmachen wolte, ſondern ſich auf Pares berief; Heshuſius 
aber theils durch feine Strenge gegen etliche Prediger, die er in lehre oder leben nicht 
richtig hielt, theils dadurch daß er ſich anfaͤnglich ſogar weigerte, die neugeborne Prin⸗ 
zeßin Anna zu taufen, weil Stephan Bathory und der Herzog von Juͤlich zu 
Taufzeugen erbeten waren, die zur roͤmiſchen Kirche gehoͤreten. Weil aber Wir 
gand die Taufe zu verrichten ſich erboten, verloren ſich bey dem Heshuſio die Bedenk, 
ſichkeiten o). Der Woywode von Siebenbürgen hatte von der Schlaͤfrigkeit des 


Koaiſers Nutzen gezogen, und fi in Polen veſtgeſetzt. Er ſchickte den Albrecht 
Krzikowski nach Königsberg, um den Herzog zur Krönung, oder wo er wegen 
Kurze der Zeit hiezu nicht kommen koͤnte, zur baldigen kehnsempfahung einzuladen. 


Dieſer uͤberreichte dem Herzoge das Schreiben zu eigenen Haͤnden. Damals aber hielt 
man noch nicht vor gut den Stephan als König von Polen zu erkennen. Der pol⸗ 
niſche Geſandte wolte das Antwortſchreiben nicht annehmen, weil die Aufſchrift nur an 
den Woywoden von Siebenbürgen gerichtet war. Die Regimentsräthe, welche die 


Stadt Holland von dem von Zeemen eingelöſet hatten, ſchickten aber den von Birk 
han damit zum Stephano nach Cracau. Hier ward ſolcher auf einem Prachtpferde 
nach Hofe geholet. In dem Schreiben beklagte der Herzog die Spaltungen der en 


eee A, Braff Tier 


en 


1575. 


1576. 


1576. 


3577. 


480 Geſchichte von Preuſſen. 


ſchen Reichsſtaͤnde, und daß die Groſſen feinen Ermahnungen nicht geſolget. Er e fuͤh⸗ 
rete an: „daß es dem Fürften von Siebenbürgen nicht unbekannt ſeyn könte, wie 
vermöge den erſten Vertragen ihm die Stelle und das Vorrecht des erſten Nach 
toris auf allen Reichsverſammlungen und vornehmlich bey der Köͤnigswahl . 
warum er auch fleißige, obwol vergebliche Anſuchung, hätte thun laſſen. 

feinem billigen Begehren Gehör gegeben, und er denen gemeinen Wahl e beweh 
nen können, würden vielleicht feine heilſamen Vorſtellungen etwas mehreres zu 
tung der Gemuͤthseinigkeit beigetragen haben. Da es aber zur Trennung gekommen, Mr 
er zweifelhaft, was für einen Ausgang die Sache nehmen möchte, und was er, 
dem feine Geſandten von allen Rathſchlaͤgen ausgeſchloſſen worden, „ weiter 
hoffen ſolte. Das einzige was noch übrig zu ſeyn ſchien, ſen die Anruffung Goes, da 
er die zwiſtigen Gemücher der Reichsſtaͤnde zu einer wahrhaftigen und beſtaͤndigen 
nigkeit bringen wolle. Wenn ſolches geſchehen, wuͤrde er die dem ‚Könige-und dn 
Reich gebuͤhrende Pflicht mit aller Willfaͤhrigkeit leiſten, und ſich alſo ver alten 
weder der König noch die Reichs ſtaͤnde etwas daran auszuſetzen finden ſolten., + 
in dieſem Schreiben aber Stephanus nur noch Fuͤrſt von Siebenbürgen g 
wurde, fo muſte Birckhan zu Fuß vom Schloß wieder zurück gehen pP 
aber beobachtete wirklich alles was es verſprochen, und da ſich nach und nuch 
les vor Stephanum erklärte, nahm auch das Herzogthum endlich deſſen Parten 
war in der That ſolches bey damaligen Umſtaͤnden in Preuſſen nörhig, da 
ter denen, die am Ruder ſaſſen, noch mehr aber unter den Geiftlichen fü 
Streitigkeiten aͤuſſerten, und ſonderlich 1577 ſehr lebhaft betrieben wude 
den Biſchöfe wurden die Häupter zweier Parteien in Erklaͤrung der zwo Ne 
Chriſto und deren Vereinigung in einer Perſon, und ob man ſagen konne, Chr 
be als GOttmenſch in abſtracto oder in concreto die göttlichen Siehe 
nicht möglich; ohne einen wichtigen Theil der Gottesgelahreheit einzuſehen, dieſe 
tigkeit zu beurtheilen. Und doch nahm jederman daran Antheil. In dem 
Weibergezaͤnk auf den Straſſen legten ſich die Streitenden die abſcheulichſte 
wörter bey und zwar mit dem Zuſatz in abſtracto oder in concreto, o 
ſicht derer Ehrentitel, die man bey dieſer Gelegenheit brauchte, beides wahr 
Dies iſt eine unzertrennliche Folge aller Religionsſtreitigkeiten, daß fi) « 
und Ungelahrte darin miſchen, weil jeder denkt, daß der Grund ſeines 
davon abhängt, auch dieſe oder jene Meinung anzunehmen, zu verfechte 
verabſcheuen gelehrt wird, der einer entgegen ſtehenden Meinung beipfl 
chenlehrer bringen ihr Gllänt auf die Kanzel und ftöhren dadurch d 
Zuhörer, die oft die Hälfe ſich zu brechen geneigt werden, um den $ 
te zu verfechten, die ſie nicht verſtehen. Anfaͤnglich ſiegte Wigands 7 ; 
huſius wurde nebſt verſchiedenen feines Anhanges entſetzt, weil fie be 
man nicht nur in conereto ſagen könne, Chriſtus der Gdttmenſch bee 5 


b Ada Boruſſ. T. 2. p. 819 L Herr Lengnich J. c. p. 181 - 183. 


Herzog Albrecht Friedrich. 481 
0 genſchaften, ſondern daß man auch in abſtracto behaupten könne: der menſchlichen 157% 
0 Natur Chriſti waren alle göttliche Eigenſchaften zuzuſchreiben. Allein hiedurch waren 
ie die Gemuͤther noch nicht vereiniget. Die Unordnungen muften um ſo mehr im Lande 
5 zunehmen, da die Landesregierung in den Händen eines blödſinnigen Herrn und einiger 
1 tandesbeamten ſich befand. Es war daher um ſo nöthiger einen regierungsfaͤgigen 
ir Prinzen zum kandesregenten zu verordnen J). Ya 
9. 224. Et 
= Der nächfte tehnsverter des Herzogs Albrecht Friedrichs Marggraf Georg Marggraf 
1 Friedrich hatte ſich darum bereits alle Mühe gegeben. Der neue König kam perſbn, Georg Frie⸗ 
1 lich nach dem polniſchen Preuſſen, welches ſich ihm bis auf die Stadt Danzig un ae 
* terwarf. Dieſer Ort ward vom Koͤnige mit Gewalt angegriffen. In der Zeit aber Preuſſen. 


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fanden ſich bey Stephano verſchiedene Geſandten deutſcher Fuͤrſten zu Marienburg 
ein. Churſachſen hatte den Abraham von Bock und D. Andreas Pauli; der 
Churfuͤrſt von Brandenburg, den Georg von Bruneberg Verweſer zu Eroffen 
und Comthur zu Lago und den Chriſtoph Maienburg feinen Rath; der Erzbiſchof 
von Magdeburg den Otto von Ramin; der Marggraf von Anſpach den Wilhelm 
Herrn zu Heydeck, den Hans Paul von Schomberg Hauptmann zum Haf, den 
Georg von Wambach und D. Caſpar Brantner; der Herzog von Wuͤrtenberg, 
den Albrecht Grafen zu Löwenſtein und der tandgraf von Heſſen den Burchard 
von Calenberg und D. Nicolaus Theophilus; Pommern aber den Teſſen Kleiſt 
Hauptmann zu Stettin und Belgard und D. Joachim Ecger an den König ge⸗ 
ſchickt. Dieſe Geſandten halfen endlich Danzig mit dem Könige ausſöhnen. Ihr 
Hauptgeſchaͤfte beſtand aber darin, den König zu bewegen, den Marggraf Georg 
Friedrich zum Regenten in Preuſſen zu beſtellen. Stephan hatte feine Geneigtheit 
hiezu bereits durch eine Geſandtſchaft an den Marggrafen bezeiget. Der König ers 
kannte deſſen Recht. Er gab den azften Oct. eine Verordnung: daß da Albrecht 
Friedrich feiner Krankheit wegen der Regi rung nicht vorſtehen könte, Georg Fries 


drich aber die naͤchſte Anwartſchaft habe, und fein naͤchſter Vetter fen, Stephanus 


dem letztern aus Gewogenhelt und wegen der Vorſp rache vornehmer Chur und Fuͤrſten 
die vormundſchaftliche Regierung mit dem Herzogstitel übergeben wolle; Georg Frie⸗ 
drich foll dagegen dem Könige den vorgeſchriebenen Eid leiſten, und ſodenn in Preuß 
ſen die Huldigung einnehmen, wenn er nach feinen andern Landen verreiſe, die preußi⸗ 


ſche Regierung durch Eingeborne verwalten, die Landesaͤmter mit Eingebornen beſtel⸗ 


len, dem blöden Herrn einen ſtandesmaͤßigen Unterhalt geben, wenn er geſund ges 

worden, oder Söhne von regierungsfaͤhigem Alter habe, ſolchen die Regierung wieder 

abtreten, und des Herzegs Gemalin ihre Mitgift und Morgengabe laſſen. Der König 

wolte den preußiſchen Ständen dieſes bekandt machen, und wenn der Marggraf ber 

5 f = 4 > lies 

0 J, Bon, T, 3.p. en (. erl. pr. B. 2. S. 214. Hartkn. preuß. Kirchenhiſt. Lib. 2. 
c. I. p. 458 x g j 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. P p y 


197. liehen worden, durch Abgeordnete ihn in Befig ſetzen faffen. Georg von 


25278. 


und benachrichtigte ihn von der tage der Sachen. Den gten Febr. langte der Mary 


Den zıften May erfolgte die Huldigung der] Staͤdte und Einwo 


* 


482 Geſchichte von Preuſſen. Mi 5 


kam ſodenn in Geſellſchaft verſchiedener fremden als kaiſerlich, wuͤrzburgiſcher, 
ſcher und anderer Geſandten nebſt königlichen Bevollmächtigten den 24ften Del. nag 
Königsberg, wo die koͤnigliche Erklarung bekandt gemacht wurde. Es war ſolches 
weder der Herzogin noch denen am Ruder figenden Perſonen gefällig. - Man. 9 ie 
einen Landtag, worauf man beſchloß, Vorſtellungen gegen die Vormund f 
Friedrichs zu machen. Allein Jacob Truchſes von Waldburg und * 
Dohna hielten es ſchon, wie viele andere mit dem Marggrafen. Sie reiſeten, fo 

die polniſchen Bevollmächtigten und Georg von Wambach im Anfang a 
1578 nach Warſchau ab, Georg Friedrich brach ebenfals dahin den zten Jan. von 
Anſpach mit 20 Wagen und 100 Reutern auf. Er beſprach ſich unterwegens mit 
dem Churfuͤrſten von Brandenburg. Es kam ihm Achatius von Dohna encgegen, 


graf bey Warſchau an, und ward durch 1000 Polacken eingeholet. Opel 
der Kronmarſchall bewillkommte ihn, und erſuchte ihn zugleich den Faſt u 
keiten beizuwohnen. Den nien Febr. ward er auf einem königlichen Schlitten zum 
Könige, und feine Gemalin zur Königin abgeholet, und beide prächtig bewirthet. Die 
ee wegen der Lehnsempfangung wurden bis zum 27ffen Febr. 
An dieſem Tage erfolgte folche mit groſſen Feierlichkeiten unter freiem Himmel 7 
Stadt bey dem Barfuͤſſerkloſter, wo der Platz mit rothem Tuch Say u wenn. 
König ein Thron aufgerichtet war. Der König bergab dem Marggraf als Vormund 
des blöden Herzogs Albrecht Friedrichs ſowol als auch als Herzogen fell ö 
fahne von Preuſſen, welche die Geſandten des Churfuͤrſten und des Ef 
— zum Zeichen der Mitbelehnung an den aͤuſſerſten Enden 
Das Pferd was hiebey der Marggraf geritten, wurde vom polniſchen Me 
855 Gulden wieder abgelöſet. Gleich darauf wurde der Marggraf durch ei 
heit feiner Gemalin von der Abreiſe nach Preuſſen aufgehalten. Die 8 
te ſolche zweimal auf ihrem lager. Sie ſtarb aber den gten Men © 
Merz kam bereits Georg von Wambach in Koͤnigsberg an, dem d 
Marggraf folgte. Er ließ feine Gemalin den a3ften in dem koͤnigsber 
beerdigen. Er uͤbernahm den a5ften Merz die banned 
ſchreiben, und er ſchrieb den rſten April einen landtag aus, der den un 
fang nahm. Der neue Regent ließ zum Beweiſe ſeiner erhaltenen 
kehnsfahne im Moſcowitergemach auf dem Schloß zum Fenſter aus ſiecken und 
Den zıften ſchickte er von ſelnem mitgebrachten Gefolge 100 dn ac 0 8 
sid. Den 2zſten langten die koͤniglichen Bevollmächtigten z 300 Pferde ſtatk, 
den Marggrafen im Namen des Königs in den Beſitz der Sandestegieni 


Vor dem Moſcowitergemach war eine mit Tapeten behangene 


auf welcher der Marggraf mit feinen Raͤthen und den 1 2 hafı 


> - \ 


Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 483 


1 fand. Die tehnsfahne ſahe man aus dem Fenſter dieſes Gemachs fliegen. Denen in 1578; 
1 groſſer Anzahl ſich eingeſtellten geſchahe durch den preußiſchen Kanzler Wenzel Schach 

1 von Wittenau der Antrag wegen der Huldigung, worauf folgender Eid nachgefpros 

5 chen wurde: „Ich ſchwöre GOtt, dem Marggrafen George Friedrich von Anſpach, 

1 Fuͤrſten zu Jaͤgerndorf, Herzog in Preuſſen, als Euratori und Gubernatori, wer 
j gen des Herzogs Albrecht Friedrichs Ungelegeuheit, welcher da S. 8 Gn. einen maͤnn⸗ 
1 lichen lehns Erben bekaͤme, und zu volkomlichen Jahren kaͤme, das fand zu regieren, 
1 das fand wieder abſtehet; da aber ſolches nicht geſchehe, daß alsdenn gemeldter Georg 
N Friedrich als vor einen rechten Erben des Landes zu halten; da auch S. F. Gn. ohne 
1 männliche keibs tehns Erben abgingen, das Gott lange verhuͤte, aledenn und nicht 
eher dem Marggrafen Hanſen von Brandenburg, Cburfuͤrſten, und wo der auch 
dergeſtalt abginge, alsdenn dem Könige, von Polen Stephano u. ſ w. Den 26ſten 
May reiſeten die polniſchen Geſandten, nach praͤchtiger und koſtbarer Bewirthung, 
mit guldenen Ketten beſchenkt, wiederum ab. Der Marggraf nahm den 6ten Jun. 
die Huldigung von Samland in Fiſchhauſen an, obgleich der Adel gegen deſſen vor⸗ 
mune ſchaftliche Regierung noch Einwendungen machte. Hierauf folgte eben dieſe 
Handlung in Bartenſtein, Friedland, Welau, Tilſit, Memel, Heiligenbeil, 
Balge, Holland, Marienwerder und in dem ganzen Strich bis Raſtenburg. Am 
letzteren Ort waren kurz vor des Marggrafen Ankunft auch der bloͤde Herr in einer 
Saͤnfte nebſt ſeiner Gemalin geweſen. Die letztere bezeigte ſich nicht allerdings zufrie⸗ 
den, daß die Landesregierung an den Marggrafen gekommen, und machte daher mit 
denen Misvergnüͤgten von Adel, die jetzt nicht wehr nach ihrem Willkuͤhr in Preuſſen 
handeln konten, gemeinſchaftliche Sache. Doch der Marggraf war einmal im Beſitz 7). 


* 


Um den ganzen Verlauf der Sache deſto beſſer einzuſehen, wollen wir die Urs Die er uͤben⸗ 
kunde ſelbſt unſern keſern vorlegen, in welcher der Marggraf die landes regierung über, imm. 
nommen: „Von Gottes Gnaden George Friedrich, Marggraf zu Brandenburg, 
in Preuſſen, auch in Schleſien zu Jaͤgerndorf ꝛc. Herzog ze. Erbar lieber getreuer. 
Wir ſtellen in keinen Zweifel, die Stände einer erbaren Landſchaft dieſes Herzogthums 
Preuſſen werden ſich in Unterthaͤnigkeit erinnern, welchermaſſen der hochgebohrne Fuͤrſt, 
unfer freundlicher lieber Vetter, Gevatter und Sohn, Herr Albrecht Friedrich, Marg⸗ 
graf zu Brandenburg, in Preuſſen ꝛc. Herzog ꝛc. ſonder Zweifel aus ſonderlicher 
Verhengnis und unwandelbahren Willen GHttes des Allmaͤchtigen, mit Schwachheit 
und Hauptbloͤdigkeit väterlichen heimgeſucht, alſo daß S. L. von wegen derſelbigen zu⸗ 
geſtanden leibsupgelegenheit, ihren von Ott verliehenen landen und leuten, der Ges 
buͤhr und Noihdurft nach, nicht für ſenn, oder auch dieſelben regieren konnen. Nun 
baben wir ſolchen S. $. zugeſtandenen Unfall, der nahen Bluefteundſchaft und Ver⸗ 
wandniß, auch ſonſt vieler anderer chriſtlicher und vernünftigen Urſachen halben ganz 
! Pp p 2 millei⸗ 


2 m wu m ze 


=> 


= 
Pre 1 


r) Ada Borufl. T. 2 p.834 feg. Herr Lengnich l. c. p. 257, 280. 


7 


1778. 


„ hie den een, en 
mitleidig und ungern vernommen, auch darauf nicht unterlaſſen, alsbald wir deſſen 
berichtet worden, uns vor vier Jahren nicht allein in dieſe Lande zu begeben, und det 
obliegenden Blödigkeit halben Erkundigung einzunehmen, ſondern auch mit Rath und 
Zuthun einer Erbaren landſchaft von allen Ständen, alle chriſtliche, menſchliche und 
mögliche Mittel zu verſuchen, dadurch S. L. vermittelſt göwlicher Huͤlf Rach geſchaft 
haͤtte werden mögen. Als aber uͤber allen angewandten Fleiß keine Beſſerung erfol⸗ 
get, und wir ſowol, als eine Erblandſchaft dieſes Furſtenthums, und maͤnniglich geſe / 
hen, daß S. k. von wegen angeregter Schwachheit zu nothwendiger Beſtellung der Re⸗ 
gierung nicht qualifieirt, haben wir uns, der nahen Verwandniß nach, ſchuldig be / 
funden, mit Naht einer Erbaren Landſchaft, alsbald auf Mittel zu denken. Wie 
wir denn auch zu ſolcher Nohtdurft gemeldter landſchaft etliche, unſers Ermeſſens, heil 
ſame, und zu dieſen Sachen dienſtliche Erinnerungen, dazumal gantz gnaͤdiglich und 
vaͤterlich gethan, alles zu dem Ende, daß S. L. fanden und beuten, welche in jetzt ger 
dachter ihres lieben andes / Fuͤrſten Schwachheit faſt gantz Troft und Huͤlflos geweſen, 
dennoch nichts weniger in geiftlichen und politiſchen Sachen nuͤtzlich fuͤrgeſtanden, und 
dieſelben ermeldten unſern kranken Vettern, S. k. Poſteritaͤt (da deren vorha 4 
Troſt dem Chur / und fuͤrſtlichen Hauß Brandenburg, und einer Erb la 
Gedeyen und Wollfarth regieret, auch andere daraus beſorgte Weiter: e 
werden mögen. Als wir aber damals bey gedachter Landſchaft, ungeachtet unfe 
digen Wohlneynung und gutherzigen Sorgfaͤltigkeit, uͤber Zuverſicht die ge 
Folge nicht haben mögen, alſo, daß unfere dies fals geſchehene wohlge 
keit (vielleicht aus verhofter ſchleuniger S. L. Beſſerung) nicht flart baber 
wir die Sachen allenthalben an ihren Ort ſtellen, und ſolches alles Gdct und 
befehlen muͤſſen. Daneben iſt einer Erbaren kandſchaft unverborgen, 
regte Sachen, von derſelben Zeit an, erſitzen laſſen; haben wir uns auch zu 
ſetzt gehabt, uns deren gaͤntzlich zu aͤuſſern, in ſonderlicher Betrachtung, e. 
gierung unſerer eigenen anererbten väterlichen lande und beute uͤberfluͤßig gr 
ſelbſt noch zur Zeit mit teibs / Erben nicht verſehen, und auch aus dem heiliger 
Reich, in einen weiten und verdrießlichen Weg, mit Unbeguemüchkelt i 
verreiſen, ganz ungelegen geweſen iſt. Zu dem, daß wir gleichwol dle gute 
nicht allerdings bey uns fallen laſſen, der barmherzige Gott wuͤrde ſo viel S 
Gnade verliehen haben, daß obgedachtes unſers freundlichen lieben Vettern 1 
Geſundheit kommen, und ihr band und keut ſelbſt der Nothdurft regier 
konnen. Derhalben wir denn auch dazumahl den veſten unſern Sen a 
treuen George von Wambach zu Ultfeldt, ermeldtem unſerm 
tern und Sohne zu Troſt und der Sachen zu Gute (well unſere Gele je 
dergeftalt länger zu bleiben nicht geweſen) hinter uns verlaſſen. vell a 
bofte Beſſerung (leider) nicht erfolgen, und die Regierung dieſes Fuͤrſtenthum 
ordentlich regierend Haupt nicht beſtehen wollen, in Anſehung, daß (mie 
bekennen muß) ſaſt keine Folge oder Gehorſam geweſen: Wir auch die ge 


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Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 485 
tung erlangt, als ſolten ſich in die Gubernation dieſes Fuͤrſtenthums andere und frem⸗ 
de, die dem Chur / und fuͤrſtlichen Haufe Brandenburg an Herkommen ungemeß, auch 
ſonſten an dieſem Ort nicht leidlich, deſſen auch nicht befugt oder berechtigt, einzudrin⸗ 
gen unterſtanden haben; daraus allerley Gefahr und Ungelegenhelt dem Hauſe Bran⸗ 
denburg und dieſen Landen zugezogen werden mögen.“ Wir uns auch dabey ſonderlich 
erinnert, daß dieß Hertzogthunm auf weiland Marggraf Albrechten den Aeltern, Her⸗ 
tzogen in Preuſſen ꝛc. und Marggraf Georgen zu Brandenburg ic. unſern freund 
lichen geliebten Herrn Vettern und gnaͤdigen Herrn Vatern, hochloͤblich ihrer Chriſtli⸗ 
chen Gedaͤchtnis, auch ihrer ld. Menſchliche leibs / lehns Erben, und alſo auf uns fuc- 
ceſſive mit fundirt und ausgeſetzt iſt, uns auch juͤngſt verſchienes Jahrs, durch ſondere 
derwegen zu uns abgefertigte Königliche Geſandten, die Cura unſers freundlichen lie, 
ben Vettern des Herzogen ꝛc. ſammt der Gubernation und Regierung dieſer Lande ans 
getragen worden. So haben wir demnach zwar nicht unfers eigen Nuges halben (wie 
uns wol von etlichen unſern Mißguͤnſtigen, ohn einige geſtaͤndige Urſachen, uͤber Zu⸗ 
verſicht und die Gebühr, zugemeſſen worden feyn foll) ſondern zu Abwendung ferneres 
Unheils, zu Vermeidung beſchwerlicher Einführung, fo dem blöden Hertzogen und dem 
gantzen Chur und fuͤrſtlichen Haufe Brandenburg daraus erfolgen mögen, auch zur 
Erhaltung unferer zufösderft, und dann unſerer freundlichen lieben Vettern des Chur⸗ 
fuͤrſtlichen Hauſes Brandenburg ꝛc. geſammter Belehnung, Anwartung und Inter 
eſſe ſowol, als dieſer tande Nutzens und Wohlſtands, als der naͤheſte Blutsfreund, 
ungeacht obangeregter unſerer ſelbſt eigenen Privatungelegenheit, und ſolches doch auch 
nicht vor uns ſelbſt, ſondern mit ſtattlichem vorgehaltenen Rathe unſerer Erbeinigungs 
und Blutsverwandten Freunde, der Chur und Fuͤrſten im H. Rö miſchen Reich, aus 
den vorangezeichneten und andern vernuͤnftigen Urſachen und Bewegniſſen, uns der Cu- 
ra, Gubernatlon und Regierung anzunehmen, unvermeidlich nicht umgehen konnen. 
Wären auch gnaͤdiglich und wohlgeneigt geweſen, ſolches alles bald mit Rath und Zu 
thun einer Erbaren Landſchaft fuͤrzunehmen. Da allein immittelſt und nach unferm 
Abreiſen, die gantze Zeit her bey uns durch ſie (wie wir wohl verhoft, und weil keine 
Beſſerung ſich ereignet, hoch von nöthen geweſen) die Nothdurfft geſucht, und unſere 
wohlmeinende Vaͤterliche und gnaͤdige Erinnerungen, fo wir gemeldter kandſchuft, um 
ſers Anweſens allhler im kande, vor 4 Jahren gethan, ſtatt hätte finden follen, und 
ſie uns nicht zum Theil heimgeſtellt haͤtten, was wir uns bey der damals regierenden 


Königlichen Majeſtaͤt diesfals ſuchen wolten, und erhalten würden koͤnnen. Darauf, 


und auf ſonderliche jetziger Königlichen Majeftät Ermahnung und Erforderung find wir 


im Nahmen Gottes des Allmaͤchtigen mit dem Hertzogthum Preuſſen in dieſem ber 
truͤbten Zuſtande, dem alten Gebrauch nach, und vermöge der Vertraͤge ſolenniter uns 


term Himmel den z7ften Febr. juͤngſt mit Uebergebung der Lehenfahnen zu Warſchau 
beliehen und inveſtiret worden, haben auch darauf die wirkliche Poſſoßion der Lande 
nunmehr apprehendirt und angenommen; immaſſen denn ſolches hiebe vor den letzten 
December jüngft verſchienen 77 Jahres, durch ſondere hiezu verordnete Geſandten von 


5 Pp p 3 wegen 


1578. 


1578. 


486 SGSleſchichte von Preuſſen. e der 
wegen der Königlichen Majeftät ze: der landſchaft inſinuirt worden, auch da es he 


Frauen Maria Eleonora, gebohrnen zu Juͤlich, Cleve, Berg ꝛc. und in 


vermittelſt goͤttlicher Hülffe gebuͤhrliche Rechnung thun ſollen und wollen, und da 


- 
— 


* 


ſeyn wird, noch ferner von ihrer Königlichen Majeftät Bericht gethan werden mag, und 
folches doch anders nicht, als unbeſchadet feiner, des blöden Hertzogen K ld. ſowol, als det 
bochgebohrnen Fuͤrſtin, unſer freundlichen lieben Muhmen, Gevatter und Pu 


ſen Hertzogin ꝛe Rechtens, da Sdtt der Allmaͤchtige des blöden Hertzogen ud zu zu ſel 
ner Geſundheit helff, oder Männliche Leibes lehens Erben geben würde, daß lsden 
nach erlangten ihrem muͤndigen Alter, wir das tand abtreten, und auf deren 


einer Erbaren kandſchaft an ihren wohl hergebrachten Freyhelten nicht nachtheilig fi eyn 
ſolle. Wie wol nun dem alfo, und wir hierinne nichts fürgenommen, denn 
ihm ſelbſt chriftlich, erbar, billich, und in alle Wege verantwortlich, und 7 
uns von GOttes und Rechtes wegen gebüͤhretz eine Erbare kandfchaft auch ns eit 
vorhin, ohne das mit Pflichten verwandt: So haben wir doch bey dieſer gange 
lung nicht mit geringem Schmerzen und Verwunderung vernommen, daß wir 
etlichen der fande Unterthanen in einen ungebuͤhrlichen Verdacht re 
ſchrien ſein ſollen, als waͤren wir gemeint geweſen, ermeldten unſerm freu 
ben blöden Vettern und Sohne, wenn gleich S. L. geſundes Verſtandes 
Männliche keibs lehns Erben bekommen ſolten (welches bendes wir S. 1. 
gerne gönnen wolten) an ihrem Eigenthum, unſerer freundlichen lieben 9 
Tochter, der Hertzogin, an ihrer 1. Gerechtigkeit und der kandſchaft an il 
gebrachten Freyheiten zu präjubieiren. Es iſt auch dabey nicht blieben, ft 
len unfere Muͤßguͤnſtige, wider unſer Meynung und Intention, vielen ehr 
von der loͤblichen kandſchafft und Städten, ungeachtet unſerer mehrfals fe che 
und durch unſere Geſandten mündlich vorher ergangenen Erklarung, allerley fernere 
gegruͤndete Sachen eingebildet, und dadurch nicht allein der Verdacht verm 
dern auch andere getreue gutherzige Unterthanen, die des Grundes und der S 
legenheit nicht genugſam berichtet, wider uns unziemlich zu ergretzen, und Dageget 
wohlmeinende verhaſt zu machen, fich unterſtanden haben, und vielleicht noch 
hen möchten. Ueber ſolches alles denn auch ſonderlich dieß fürgelauffen 
men unſers freundlichen lieben blöden Vettern und der Landſchafft eine © 
ckung auf den juͤngſt verſchienen Reichstag gen Warſchau abgefertiget, 
allen Umftänden nach nicht anders vermerken noch ſchluͤſſen können) zu 
über uns bey der Königlichen Majeſtät und den Ständen in Pohlen d 
ten Werks halben zu beſchwehren, uns bey den kandbohten der Eron $ 
gleichfals der Sachen Gelegenheit unbekannt, zu verunglimpfen, und 
de Curam, Gubernation und Regierung, fo viel ihnen muͤglich, zu verhi 
maſſen ſie denn auch hernacher und zu dem allen noch etwas unglimpffli 
nehmlich ſich der Austraͤge und Proteſtationen zu gebrauchen, vermeinte 1 
gen * ſollen. Zu dem ſind . und gleichwol gar ſpat e N N 


Diefe Erklärung haben wir darum in gegenwärtigen unſerm Aus ſchreiben vor nothwendig zu 


Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 487 


wider das königliche Deeret, und zwar durch Mittel ⸗Perſohnen an uns gelanget. Die 
fer Beſchwerungen halben, welche uns belangen und in unſer Macht ſtehen, haben. 
wir den Preußiſchen Geſandten ſolche Erklaͤrung thun laſſen, mit welcher von Rechts 
und Billigkeit wegen ſie und maͤnniglichen zufrieden ſeyn ſollen, wie wir uns diesfals 
auf der Geſandten ſelbſt Relation (die fie ſonder Zweiffel als Etbare beute gethan haben, 
oder noch thun werden) und andere Ehrliebende Biedermannen, ſo dabey geweſen, rer 
feriren thun. Da es auch zu rechter Zeit mit Glimpff und Beſcheidenheit bey uns ges 
ſucht worden, (wie gleichwol nicht unbillig geſchehen wäre) fo ſolten wir die übrigen Ars 
tickel, da daraus einiger nachtheiliger Miß verſtand in confequentiam eingeführer wer⸗ 


den wollen, (fo viel uns muͤglich geweſen) Ihrer Königlichen Majeſtaͤt jeloft mündlich 


fürgebracht, und wo nicht umb Aenderung, doch umb mehrer und beſſere Erklarung, 


angeſucht haben. Wie wir uns denn gegen den Abgeſandten dazu mit Gnaden erbit⸗ 


ten laſſen. Dieweil aber das gantze Werk der Cura und Gubernation gefochten, wir 
auch berichtet werden, daß taͤglich neue und ſchaͤrfere Befehlich, unter unſers freundli⸗ 
chen lieben Vettern, des blöden Hertzogen Nahmen, den Geſandten gen Warſchau 
zugeſchicket worden; So haben wir anfaͤnglich, wie gern wir auch gewolt, dazu nicht 
kommen können, dergeſtalt, daß wir uns der Sachen diesfals annehmen, und mit Ih⸗ 
rer Königlichen Majeſtaͤt von denſelben Artikeln unterthaͤniglichen reden, und was ihre 
Beſchwerung wäre, derſelben intercedendo hätten fürbringen mogen. Nichts mins 
der aber, und damit ie an uns nichts erwinde, und eine Erbare tandfchaft unſern gnaͤ⸗ 
digen und väterlichen Willen, daß wir auch (ungeachtet, daß man uns in viel Wege, 
heimlich und öffentlich zuwider geweſen) gemeine Wohlfahrt dieſes Landes nicht hindern 
wollen, ſpuͤhren möchte, haben wir bey der Königlichen Majeftär (in Anſehung, daß 
wir von wegen unverſehenen tödtlichen Abgangs, weyland unſerer freundlichen, hertz 
lieben Gemahlin ꝛc. chriſtlicher loͤblicher Godaͤchtniß, und daraus zugeſtandenen ſchweh⸗ 
ren Hertzeleyds, ſolches eigener Perſon nicht thun konnen) durch die damals noch anwe⸗ 
ſenden Chur · und Fürſtliche Saͤchſiſche, Brandenburgiſche, Magdeburgiſche und 


unſere Raͤthe, etliche fuͤrnehme Artikel, als de datiua cura, verbo indigina, ju- 


ramento ſubditorum, und den Worten in unſerer lehen · Pflicht: Dominis meis &e. 
die eine Erbare Landſchafft vor beſchwehrlich angezogen, auf die Maaß, wie es an uns 
gelanget, unterthaͤniglich fuͤrbringen und bitten laſſen, dieſelben durch fuͤgliche Deela⸗ 


ration und Milderung alſo zu lindern, damit ſie in kuͤnftigen Zeiten nicht Mißverſtand 


gebaͤhren, und wider der Herrſchaffc, oder lande Privilegia verſtanden oder gedeutet 
werden mochten. Gleichergeſtalt haben wir dieſes Landes angelegene alte Beſchwerungs / 
artickel, darunter die Appellation, Seßion, Grentz⸗ Irrungen, Aufſetzung der neuen 
Zölle in Littauen und Samogiten, und was deme ſonſt anhaͤngig, und E. Erb. tands 
ſchafft zu feiner Zeit ausführlicher berichtet werden mag, wiederum erregen und anbrin⸗ 
gen laſſen. Sind auch darauf Ihrer Königlichen Majeftät gnaͤdigen und freundlichen 
Beſcheids bei unſerer zu Warſchau derhalben hinterlaſſenen Raͤthe einem gewaͤrtig. 


ſenn 


1578. 


488 Geſchichte von Preuſſen. f 
1578. ſeyn geachtet, damit männiglich den Grund und Herkommen dieſes ganzen Wetcks, auch 
was allenthalben dabey fuͤrgelauffen, wiſſen moͤge, daß man auch uns von wegen angeregtes 
Misverſtandes und Verdachts, ſo vielmehr entſchuldiget halte. Und ſtellen in keinen 
Zweifel, eine Erbare Landſchafft und jedermaͤnniglich werde hlexaus unſere gnädige, vaͤ⸗ 
terliche Intention und treuhergige aufrichtige Meynung gnugſam zu befinden haben. 
Dieweil wir dann dem allen nach nunmehr Gottlob in das Hertzogthum Preuſſen mit 
Geſundheit ankommen, und im Namen der heiligen Dreyfaltigkeit die wirkliche Pop 
ſeß, Curam, Gubernation und Regierung deſſelben oben angedeuter Maaffen ange⸗ 
nommen, ſo bitten wir anfänglich Gott den Allmaͤchtigen, begehren und befehlen dir 
auch gnaͤdiglich, du wolleſt in allen Kirchen des dir befohlnen Ambtes, und deren von 
Adel, auf den Cantzeln in dem gemeinen Bebeth dergleichen auch zu thun verordnen, 
nehmlich, daß dies durch die ordentliche Obrigkeit fuͤrgenommene und geſchloſſene Werck 
zuförderſt zu feiner göttlichen Ehre, Ausbreitung feines ſeeligmachenden Ba u 
Troſt unfern freundlichen lieben Vettern, Sohn und Gevattern, dem 
gen, S. Lo. freundlichen lieben Gemahl, ſowol auch des Chur - und Fuͤrſtlichen Hau 
ſes Brandenburg, ſamt einer Erbaren Landſchafft und ganzen Chriſtenheit Wohlfahrt 
und Gedeyen gereichen möge. Ferner, fo find wir entſchloſſen, vor uns und auf Gut⸗ 
achtung dieſes Fürſtenthums anweſender Hoff und and» Näche, auch einer guten Ans 
zahl aus der Herrn Standtslandſchafft und Städten, fo bey Christlicher Beſtattung 
wolermeldter unſerer freundlichen lieben Gemahlin ꝛc. feeltger löblicher Gedaͤchtniß, die 
fer Tage allhier zur Stätte geweſen, einen gemeinen land Tag zu ae und eine 
Erb. kandſchafft von Herren, Adel und Städten in gewöhnliche Pflicht, wie in 
Fällen bräuchlich, zu nehmen. Desgleichen einer Erb. Landſchafft Bedenken 
ren, wie die geiſtlichen, politiſchen und Cammer Sachen dieſes 2 
alle Aemter und Cammer⸗Guͤter zu Hofe und ſonſten zur Richtigkeit . 
zu bringen, zu beſtellen, und dabey zu erhalten. Dieweil auch eine 
aus treuer Unterthaͤnigkeit eine Contribution verſchiener Zeit zu 
ſchafft Schulden gewilliget, und aber ſolches noch zur Zeit nicht allerdings vollen 
uns die Urſachen deſſelben zu berichten, und daran zu ſeyn, daß es nachmals 
gebuͤhret, wuͤrklich erfolge. Daneben werden wir berichtet, daß der hot 
Fuͤrſtin, unſerer freundlichen lieben Muhmen, Tochter und Gevatter, der He 
zu Preuſſen, fuͤrſtlicher Witthumb und Lelbgeding, noch nicht 2 


gen ihrer L. bewilliget und verſchrieben worden, vollenzogen und richet 


9 
_ 


gleicher Geſtalt nochmals der Gebuͤhr geſchehen möge. Zudeme be ) 
daͤchtig General Inventarium des gangen Fuͤrſtlichen Vorraths, und ander 
gebuͤhret, aufzurichten verordnen, damit wir uns auf die Fall gebuͤhrlich zu 
Was auch ſonſten weiters vor kandgebrechen verhanden, und zur 9 higf eit 
ſeyn mochten, die wollen wir gnaͤdiglich anhören, und uns darauff mit illiche 
ſcheld gnaͤdiglich vernehmen laſſen. Dem allen * iſt n. fer. Bei 


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Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 489 


gnaͤdiger Befehl, du wolleſt deines befohlnen Amtes Unterſaſſen, von Herren, Ritter⸗ 
und Adel Stande, alle, auch die von Städten, an einen gelegenen Ort, alter Ges 
wohnheit nach, zum allerförderlichſten, und alſo Angeſichts dieſes unſers Briefs, vor 
dich beſcheiden, und ihnen von unſertwegen auferlegen, daß ſie etliche aus ihrem Mit⸗ 
tel mit genugſamer Gewalt und Vollmacht dergeſtalt abfertigen, daß ſie Mittwoch nach 
Mifericordias Domini, welches ſeyn wird der ı6te Aprilis ſchierſt kuͤnfftig zu Abend 
gewißlich und unausbleiblich allhie zu Königsberg ankommen, und folgenden Donner⸗ 
flag frühe auf dem Schloß erſcheinen, unſere fernere gnaͤdige Meynung anzuhören, 
und ſich auf obberuͤhrte Artikel, und was ſonſt die Nothdurfft erfordern wird, als ges 
treue, gehorſame Unterthanen erzeigen. Wiewol auch die Königliche Majeftär zu Poh⸗ 
len ꝛc unſer gnaͤdiger Herr und freundlicher lieber Schwager, ihre anſehnliche Königl. 


Commiſſarlen allbereit anhero zu dem Ende verordnet, daß fie uns bey dem wuͤrklichen 


neuen Beſitz, darinne wir nunmehr, Gottlob, find, (wofern es von nöchen ſeyn wuͤr⸗ 


de) von wegen Ihrer Königl. Majeftät 2c. weiters beftärigen ſolten. Welche Commiſ⸗ 


ſarien auch, auf unſer Begehren, gewißlich ankommen werden. Dieweil aber die ob⸗ 
gedachte anweſende Hoff / und land ⸗Raͤthe, auch eine gute Anzahl von denen von der 
Hertſchafft, Ritterſchafſt und den dreyen Staͤdten allhie davor unterthaͤniglich gebe⸗ 
then, ſich daneben fuͤr ihre Perſohn, als treue Unterthanen, zu allen gebuͤhrlichen Ge⸗ 
horſam und Unterthaͤnigkeit erbothen, und uns gute Hoffnung gemacht, daß die andern 
abweſenden gleichergeſtalt alſo geſinnet ſeyn würden. Wir auch gleichwol ihre Koͤnigl. 
Maj. und die Herren Königlichen Commiſſarien, ſo viel muͤglich, mit dieſer Muͤhe 
gern verſchonen, und daneben alle vergebliche Unkoſten und andere Ungelegenheit (for 
viel ſichs lelden wil) verhuͤten wolten: So haben wir, auf ihr unterthaͤnig Anſuchen 
und Bitten, auch die daneben uns gemachte Hoffnung, die angeregte Commißion noch 
zur Zeit anſtehen zu laſſen, gewilliget, find auch Willens, auf den Fall, da ſich eine 
Erb - Landſchafft der ſchuldigen Gebühr gemäß verhalten wird, (wie wir nicht zweiffeln, 
fie auch des widrigen keine beſtaͤndige Urſach haben) uns zu beſtelßigen, mehr gedachte 
Commißion gaͤntzlich abzuwenden. Solte aber über Zuverſicht jemands deines befohl⸗ 
nen Ambts ſich vermeinlich unterſtehen wollen, uͤber dieſe unſere treuhertzige Erklaͤrung 
und gnaͤdig guthertzig Erbitten, dies wohlgemeinte Werk uns oder mihr gedachten uns 
ſerm freundlichen lieben Vettern, Sohne und Gevattern, dem blöden Hertzoge und gan⸗ 
tzem Haufe Brandenburg zu Nachtheil, zu difficultiren, oder in Weiterung zu zie⸗ 
hen; So begehren wir gnätiglich befehlende, da du ſolches von cinem oder dem andern 
im wenigſten vermerken wuͤrdeſt, du wolleſt uns deſſen zeitlich vor dem obangeregten 
Sand» Tage mit allen Umſtaͤnden berichten, damit wir, auf ſolchen Fall, die allbereit 
teputirte Herren Königl. Commiffarien, fo allein unſers Zuſchreibens gewarten, zeit⸗ 
lich zur Stelle bringen, uns auch ſenſt gegen denſelben, ſo ſich widerſetzig erzeiget, und 
unſer, auch des Hauſes Brandenburg wohlhergebrachtes Recht und Gerechtigkeit, uns 
ter einem oder dem andern vermelnten Schein diſputirlich zu machen, ſich unterſtehen 
möchten, der Gebuͤhr und auſſerſter Nothdurfft nach, erzeigen mögen. Solches alles 

p. allg preuß. Geſch. 4 Th. Aa gereicht 


1578. 


490 010 Geſchichte von Preuſſen. 


1578. gereicht zu e Wohlfahrt dieſer dande, und geſchicht bieran unfere ende nu. 
laͤßige Meinung, derhalben wir uns denn auch deſſen von dir nn gef 8 
verlaſſen wollen. Und wir ſind dir zu Gnaden wohlgewogen. 


1 Anno 1878. George Friedrich Marggraf zu Banda; 0 re . 
8 226. 3 


Er ſuct Nachdem der Marggraf die Gluͤckwünſche anderer Staaten, wozu fich auch 
Preuſſen zu ſchwediſche Geſandten eingefunden 7), erhalten hatte, ſo gab er fich alle Muͤhe, die 
beruhigen. Trennungen in der Kirche zu heben, und in der Regierung des kandes Saeed 

gen. In Abſicht derer Irrungen die durch den Streit Heshuſſi und © 
urſacht worden, ließ er ſich durch die zu Herzberg in Deutſchland verfamnieren Kin 4 
chenlehrer des augfpurgifchen Glaubensbekenntniſſes, welche durch die Verfertigung 
einer Vereinigungs formel die Ruhe der deutſchen Kirchen zu befördern vermeinten, ein 
Bedenken ausſtellen, wie der ärgerliche Streit in Preuſſen am beſten zu heben wäre. 
Die D. D. Jacobus Andres, Nicolaus Selneccerus, Andreas Muſculut 
Chriſtophorus Cornerus und Martinus Chemnitius glaubten, daß dem e 
Heshuſio zu viel geſchehen fen; der Biſchof Wigand ebenfals feines Amts zu 
und die preußiſche Kirche nicht mehr durch Biſchöfe, ſondern durch geiſtli 
welche ſowol mit Rechts als Kirchenlehrern zu befegen wären, und durch 
einiger Geiſtlichen über die andere zu regieren wäre; zugleich wuͤrde ko % 
und Unterſchrift der Einigungsformel von erheblichem Nutzen ſeyn 1). 
579%, ken gemäß brachte es Georg Friedrich 1579 auch wirklich dahin, d aß 
deutſchen Staaten angenommene Einigungsformel auch von denen preuß 
lichen unterzeichnet wurde, ob ſich gleich der Biſchof Wigand nebſt fs 
gegen ſetzte. Der Marggraf ſchickte einen Befehl in alle Aemter, daß die 
ſich des Schimpfens und täfterns gegen einander enthalten, der unverſtaͤndlic has 
ausdruͤcke in der kehre von der Vereinigung der Naturen in Chriſto wich 0 ee — F 
und unter einander friedlich leben ſolten. Um aber kein Verfolger zu fehein 
es ſich gefallen, daß Wigand noch immer in dem Beſitz des Biſcho ums s 
nien und der Verwaltung des ſamlaͤndiſchen Biſchofthums ane 
dertaͤufer aber muſten völlig das kand raͤumen. Georg Friedrich fe 
zoften Merz von Königsberg uͤber Berlin nach Deutſchland, ve 
wegens mit der Prinzeßin Sophia von Braunſchweig, mit der 
Dreßden Beilager hielt &) Er nahm ſich der Regierung ſeiner de 
an, und that zum Beſten Deutſchlands ſowol, als tee Fe 
dene Reiſen. Der König von Polen hatte ihm und den Städten 
dig aufgetragen, die Mittel auszufinden, wodurch dem Schaden, 
fuhr der zu geren Sr auswärtigen ; ö inſonderheit der niederlaͤ 


hen ea 


) Ada Boruſſ. T. 3. p. nt. ) Ada Boruſf T. 2. 0 
0 Erl. pr. B. 2. S. 2. x) Ada Boruf, T. 2 P. % E am 


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Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 491 


ze, entſtuͤnde, abgeholfen werden konte ). Es war dieſerhalb von dem Marggrafen 
1580 eine Zuſammenkunft in preußiſch Holland ausgeſchrieben, wohin ſich von ſei⸗ 
ner Seite der Burggraf Achatius von Dohna, der Kammermeiſter Hans Göbel 
und ein Kanzeleiſchreiber einfanden. Man beſchloß, bey dem Schrot und Korn von 
dem Jahr 1528 zu bleiben, und die aus waͤrtigen geringern Muͤnzſorten herunter zu fer 
Sen. Die niederländifchen Thaler und die beſchnittenen Prinzen und Reichsthaler 
ſolten gar nicht im Gange bleiben, ſondern in die Muͤnze geliefert werden. Auch die 
geringhaltigen niederlaͤndiſchen Ducaten wurden verboten 2). Der Marggraf wuͤnſch⸗ 
te, daß in beiden Theilen von Preuſſen ein gemeinſchaftliches Geſetzbuch die Richt⸗ 
ſchnur der Unterthanen ſeyn möchte. Er verlangte daher beſtaͤndig, daß auch vom 
polniſchen Preuſſen zu Berichtigung des culmiſchen Rechts, Hand ans Werk ange⸗ 
leget werden möchte, und beſchickte die zu dieſem Ende in Neumark gehaltene Zuſam⸗ 
menkunft der polniſchen Preuſſen durch feinen Hofrath D. Hjeronymum Rode, 
um daſelbſt ſowol das culmiſche Recht zu berichtigen, als auch über ein Landrecht ſich 
zu vereinigen. In Abſicht des erſtern legte man dasjenige zum Grunde, was 1566 zu 
Heilsberg geſchehen war. Man gieng jedes Stück des culmiſchen Rechts durch, und 


verglich ſich meiſtens, auſſer in zwelen Stücken, in denen der herzogliche Theil Preuſ⸗ 


ſens es bey dem alten laſſen, die polniſchen Preuſſen aber eine Veränderung einfuͤh⸗ 
ren wolten. In vorigen Zeiten war in Preuſſen Rechtens, daß derjenige Gläubiger, 
welcher ſeine Anforderung an einen Schuldmann zuerſt anbrachte, vor allen uͤbrigen 


Glaͤubigern den Vorzug hatte, und nach ihm der zweite, der feine Forderung gericht 


lich angebracht, nach ihm der dritte u. f. w. fo weit das Vermoͤgen des Schuldmanns 
zulangte. Einem jeden ſtund Überdies in Preuſſen frey von feinem Eigenthum ohne 
alle Einſchraͤnkung ſo viel zu verſchenken und zu vermachen, als es ihm beliebte. Und 
eben dieſe beiden Stücke wolten die polniſchen Preuſſen ändern, worin zu willigen, 


Rode keine Vollmacht hatte. Es wurde daher der Stadt Danzig aufgetragen, dar⸗ 


über mit dem Marggrafen ſchriftlich zu unterhandeln. Den Entwurf eines Landrechts 
zu unterſuchen, verſchob man auf eine andere Zelt a). König Stephanus hatte 


auch bey des Marggrafen hinterlaffenen Regimentsrͤͤthen um einen Geldvorſchuß gegen 


eine Verſchteibung der drey groſſen polniſch preußiſchen Städte angehalten. Die 
Raͤthe brachten auf Verordnung ihres Herrn 20000 Gulden zuſammen, und ſchickten 


ſolche nach Elbing und Danzig mit der Vorſchrift einer Verſchreibung, nach welcher 


die groſſen Städte als Selbſtſchuldner zur Bezahlung mit ſechs von 100 auf kuͤnftige 


Oſtern ſich verbinden ſolten. Dieſe nahmen auch das Geld gegen eine Verficherung an, 
wolten ſolches aber auf diejenige Summe abtragen, wozu ſich das polnifche Preuſſen 
gegen den König verbindlich gemacht 5). Endlich langte der Marggraf im Okt. in 


Königsberg wieder an, und unterzog ſich der Reglerung 1581 mit vielem Eifer. Er 
N er die e mae det Schiſſart a 12 ee, liß mehrere Wirths 


häufen 


2 Unſere Geſchi 725 3. S. 0 bid. p. 386, 361. re 
ee Lengnich 1. c. p. 354 5 b) Ibid. p. 377. 


1579. 
1580. 


nd — IDEE 
1 1 ! 


492 c cechichte von Preuſſen. 
1581. bäͤuſer auf denen kandſtraſſen anlegen, und denen Wirthen in denen Waldungen land 


zum Feldbau anweiſen, und durch niederlaͤndiſche neue Anbauer, ſonderlich um Ma⸗ 
rienwerder, viele Moräfte und Suͤmpfe austrocknen und urbar machen, wozu ver⸗ 
ſchiedene beute durch eine dreijährige Freiheit und Einräumung zwo, drey und mehre / 

rer Hufen bandes angereitzet wurden c). Weil ihm auch die polniſchen Preuſſen von 

einer neuen Zuſammenkunft Nachricht gegeben, die fie zu Berichtigung des culmiſchen 

2582. Rechts halten wolten, fo beſchickte er dieſelbe 1582: durch oben bemeldten Rode, obgleich 
darauf die Sache nicht zum Stande kam ch. Der König Stephan verlangte von 

unſerm Marggrafen die Annehmung des gregorianiſchen Calenders in Preuſſen. 
Diefe Forderung ſchlug er ab e), ob fie gleich in Abſicht desjenigen, was die preußi⸗ 

ſchen landes ſtaͤnde begehrten, von weniger groſſen Betraͤchtigkeit ar. PEN 

PR „„ . 3 DEI ee 
Einige un- Sowol des blöden Herzogs Gemalin, als auch einige von 


ed Gejeigten ſch 


4 


Schiffart auf den Waſſern jederman frey geftatten. Man verlangte, daß er lan- 
desherr die Abſchaffung der in Lithauen und an der Weichſel nen angelegter? Blle zum 
Stande bringen, den Einheimiſchen den Vorkauf der Fiſche verfehaffen, den nöthig 
Bau des Hafens beſorgen, und bey dem Könige von Däntemarf ik Abschaffung d 
Sundzolls beſorgen möchte. Die bloffe Anfuͤhrung dieſer Beſchwerden 4 i en, daß 
man von dem Marggrafen Sachen begehret, die thells nicht in feiner Ma 0 ſtunden, 
zum Theil bisher bereits beſorgt waren, zum Theil nach feinen Einfichten mit der 
fart des landes ſtritten, zum Thell auch ungegruͤndet waren. Da nun 8 org $ 
drich als kandes herr nicht in allen Stuͤcken nachgeben wolte, fo wurden ger f 


ur 
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der Mißvergnuͤgten dadurch noch n r erbittert. Johann Albr t von Eulenb rg, 

Friedrich von Aulack, und Chriſtoph von der Delet vergaffen die ſhuldige elt f 
c) Unſere Geſchichte B. 3. S. 486 % ) Herr I. c. ao ert 
) Herten A. u. N. pr. ©. 36, e, Es 


b 


.zmuur 


* 


. ² A m m mama 


Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 493 
und verklagten ihn wegen ihrer Aemter Raſtenburg, Bartenſtein und Tapiau 
ſogar am polniſchen Hofe. König Stephan hatte aber bey der Belehnung dem Marg · 
grafen gleich verſprochen keine Klagen von Mißvergnuͤgten anzunehmen. Er ſchickte 
daher jetzt die angebrachte Klage demſelben zu, und erſuchte ihn, ſich gegen die unge⸗ 
borſamen zu mäßigen, befahl aber den Klagenden, bey Vermeidung feiner Ungnade, den 
ſchuldigen Gehorſam nicht aus den Augen zu ſetzen. Der Rath der alten Stadt Kir 
nigsberg unterſtund ſich aber doch einen marggräflichen Bedienten einzuziehen und ih⸗ 
rer Gericht barkeit zu unterwerfen. Derſelbe bewieß ſich auch 1583 fo ungehorſam, daß der 
Marggraf ihm 20000 Ducaten Strafe auflegen, und feine Güter einziehen muſte. 
Der Regente ſuchte freilich die verworrenen landesherrlichen Einkuͤnfte zu verbeſſern, 
und dies war eine der Hauptſachen, worauf er auf den kandtaͤgen dringen muſte, woge⸗ 
gen die Mißvergnuͤgten immer mehr und mehr ihre Widerſetzlichkeit bezeigten. Eben ſo 
gieng es auf dem landtag zu Saalfeld in Preuſſen, der den ızten Nov. 1884 gehalten 
wurde 7). Und doch haͤuften ſich die herrſchaftlichen Ausgaben. Die Ausbauung des 
Wohnſchloſſes zu Koͤnigsberg, welche dieſes Jahr vor die Hand genommen, und 10 
Jahr lang fortgeſetzt wurde, machten Koften, fo noͤthig dieſer Bau auch immer war, 
ſowol dem Hofe des blöden Herrn als auch des Marggrafen eine bequeme Wohnung zu 
ſchaffen. Georg Friedrich ſchickte feine Raͤthe Johann Jacob Truchſes von Wald⸗ 
burg, D. Georg Braͤndner und Nieolaum Schultz als Geſandten ab, um der 
Beſichtigung des neuen Weichſelgrabens in die Nogat beizuwohnen F), Er bemuͤ⸗ 
hete ſich die Grenzirrungen mit dem polniſchen Preuſſen zu heben 9) und vorzüglich 
einen ausgebrochenen Krieg zwiſchen Polen und Daͤnnemark beizulegen. Daſelbſt 
war es wegen Pilten zu Thaͤtlichkeiten gekommen. Bey der Belehnung des erſten Herzogs 
von Curland hatte der König Sigismundus Auguſtus mit ihm verabredet, Pilten, 
welches der daͤniſche Prinz Magnus als Inhaber des curlaͤndiſchen Biſchofthums be⸗ 


ſaß, gegen Sonnenberg auf der Inſul Oeſel zu vertauſchen, und es mit dem neuen Her ⸗ 


zogthum zu verfmüpfen. Die Sache hatte aber keinen Fortgang. Magnus behielte 


Pilten und die Einſaſſen gelobten nach ihres Herrn Tode ſich dem Herzoge von Curland 


zu unterwerfen, welches jener ſelbſt beftätigte, und zu mehrerer Verſicherung den cur 
laͤndiſchen Prinzen zu feinem Nachfolger ernannte. Wie aber Magnus den ıgren 


Merz 1583 ſtarb, trugen die Vornehmſten die Regierung dem Könige von Daͤnne⸗ 


mark an, der einen Befehlshaber mit Volk und Kriegesgeräthe, in etlichen Schiffen 
dahin abſchickte. Der königliche Statthalter in Liefland hergegen, der die erledigten 


tandesſtuͤcke Herzogs Magni, als ein tehn, ſo der Krone Polen heim gefallen, an, 


ſahe, bemaͤchtigte ſich ſofort derjenigen Schlöffer, fo jenfeits der Duͤna ihm zugehdrer 


batten, und ließ den Piltenern andeuten, den König von Polen für ihren einzigen 
und unmittelbaren Herrn zu erkennen. Dieſe entſchuldigten ſich mit der dem Könige 


von Daͤnnemark gelobten Unterthänigfeit, und nöͤthigten den Statthalter, das Recht 
N ü qq ſeines 


50 Sartkn A. und N pr S. 34 f. Che .) Herr Lengnich I. e. p. 4 
wei Cont. Schuͤtzens churl. Chr. B. 13 f. 30. 8) Ibid, p. 448. ‚a 


1582. 


1583- 


1584. 


1584 


1585. 


1586. 


1587. 


494.20 Öefdhichte- von Preuſen. i 


feines Königes dutch eine Partey Soldaten erwelslich zu machen, gegen die es die 
Piltner wagten, aber aus dem Felde geſchlagen wurden. Von der Zeit ſetzte man 
die öffentlichen Feindſeligkeiten fort, und wie es den a9 ſten Julii dieſes Jahres abers 
mals zum Scharmuͤtzel kam, fiel derſelbe gleichfals auf polniſcher Seite 

Endlich vermittelte es der Marggraf Georg Friedrich, daß — 
Anſpruch 30000 Thaler nahm, und Pilten dem Könige von Polen ließ, fo 
der das Geld vorgeſchoſſen, in Beſitz nahm, und Pfands weiſe bis auf erfolgte 
gung, behalten ſolte. 1585 kam alſo Curland wieder zur völligen Ruhe u 
Marggraf beſchickte die in Graudenz zur Berichtigung des eulmiſchen Rechts angeftell 
te Zuſammenkunft der polniſchen Preuſſen durch den D. 3 Node und ’ 
Johann Heidenſtein ). In feinem Anthell Preuſſens aber, wo 2 
Lobwaſſer, deſſen Pſalmen noch Häufig in den reformirten Kirchen 3 
mit Tode abgieng K), machten die Mißvergnuͤgten ihm vielen Verdruß. Sie kon l 
es nicht vertragen, daß Georg Friedrich ſtrenger regierte, als dene 9 
Albrecht Friedrich bisher gethan. Die beförderte Ausländer waren i. 
ein Stein des Anſtoſſes. Friedrich von Aulack, Chriſtoph von der D 
hann Albrecht von Eulenburg entfernten ſich ſogar aus Preuffen en 
der erſtere unterſtund ſich eine Schrift öffentlich bekandt zu machen, worinnen 
haupten ſuchte, daß Marggraf Georg Friedrich der Landesregierung zu en 
auch die Mittel anfuͤhrte, wie ſolches bewerkſtelliget werden könte. Di 
Marggrafen ſo auf, daß er den beiden erſten als ungehorſamen ec han 
land verbot, den von Eulenburg aber, weil er fo viel Schuld nicht h. 
gnadigte. Auf viele eingelaufene Vorbitte, ſonderlich der polniſch pr 
te nahm er auch die Altſtadt Königsberg wieder zu Gnaden an, und u 
eingezogenen Güter wieder. Denen geächteten kam ihre Widerſpenſ 
ſtehen, da der König, bey dem der Churfuͤrſt Johann Georg von! 
feinen Vetter vertreten half, ſich in dieſe Angelegenheit eben nicht 
Gebruͤder Zborowsky es noch ärger mit König Stephano in Jae 
teten Edelleute mit dem Marggrafen in Preuſſen machten ). 
Georg Friedrich auch endlich einmal nach fiebenjäßrigem 2 
fen ı 1586 feine deutſchen Staaten beſuchen. Der erfolgte Tod des 5 
ni von Polen, den ſeine Aerzte binopferten, machte ihm aber neue 
che Anlaß gaben, daß er ſich 1587 mit dem Churfuͤrſten von Brandenb 
ſtrin beſprach. Denn die Polacken konten ſich über die Wahl eines 
nicht einigen. Auf dem Wahltage fanden ſich auch preußiſche Gefanbı 
einigen war des Kaiſer Rudolphs 2 Bruder und Maximilians 
Maximilian zum Könige ernannt, wogegen andere den bellen 
mund erwaͤhleten, welcher letztere auch endlich die Oberhand k 


Y) Herr . I. e p. 442. i) bid. p. 464 466. 
k) Sartkn. A. u. N Pe. O. 482. , en I. e p. 342. Herr Lengn 


Ei eu c LEI 


gelung aber dem Stift Ermeland zuerſt, ſonderlich mit Huͤlfe des Kaiſers Carl 4 


) Untere Geſhigte B. 3 S at 463 


A 


Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 495 
König Johann von Schweden hatte ihm ar. die Vermaͤlung mit feiner Mutter 
Catharina aus jagelloniſchem Haufe des polniſchen Königs Sigismund 1 Tochter 
den Weg zu dieſer Krone gebahnet. Dieſe polniſche Angelegenheiten waren eben for 
wol der Inhalt der Berathſchlagungen des Marggrafen mit dem brandenburgiſchen 
Churprinzen Joachim Friedrich, als dieſer den erſten beſuchte, als andere Hausfar 
chen, und diejenigen, welche Preuſſen betrafen m), 


$. 228. 


1587. 


In Preuſſen war der pomeſaniſche Biſchof D. Johann Wigand geſtorben. Die biſhöfe 
Dies gab endlich Gelegenheit, daß der Marggraf feinen Vorſatz, den er auf Rath der werden abge; 
deutſchen Gottesgelehrten gefaßt; zum Stande bringen konte. Die biſchöfliche Wuͤr⸗ ee 


de wurde auf immer in Preuſſen unterdrückt, die Pfarrer blieben unter der Aufſicht richtet. 


gewiſſer Oberprediger, die man in Preuſſen noch Erzprieſter nennt, zweien geiſtlichen 
Gerichten unterworfen, von denen das Samlaͤndiſche zu Koͤnigsberg, und das Pos 
meſaniſche zu Saalfeld ſeine Zuſammenkuͤnfte halten ſolte. Durch dieſe Conſiſto⸗ 
ria, welche theils geiftliche, thells weltliche Beiſitzer bekamen, iſt ſeit der Zeit, bis 
auf unſere Tage dasjenige verwaltet worden, was ehemals denen Biſchöfen zuſtand. 
Die bisherigen Einkünfte der Biſchöfe verwandte man theils zu beſſerer Verpflegung der 


koͤnigsbergiſchen hohen Schule, theils zu Errichtung der Fürften oder kandſchulen, 


theils zu andern Nochwendigkeiten. Die Einwohner in Preuſſen reden nach ihren 
verſchiedenen Gegenden drey Sprachen. Die gegen Deutſchland zu wohnen, bedienen 
ſch der deutſchen, in der Machbarſchaft Polens der polniſchen, und an den lithauis 
ſchen Grenzen der lithauiſchen Sprache. Die drey kandſchulen wurden alſo zu Saal⸗ 
feld vor die Deutſchen, zu Lyck vor die Polacken, zu Tilſit vor die Lithauer, ans 
gelegt, und ſind noch heutiges Tages in gutem Stande. Ich ſelbſt habe Urſache dieſe 
gemachte Einrichtung zu preiſen, da ich auf der kandſchule zu Saalfeld, meiner Ges 
burts ſtadt, den Grund derer Wiſſenſchaften gelegt, auf die ich theils auf der preuſ⸗ 
fiche Albrechtsuniverſitäͤt, theils auf der hieſigen Friedrichs hohen Schule fortge⸗ 
bauet habe. Es wird nicht undienlich ſeyn, bey dieſer Gelegenheit die Biſchoͤfe von 
Pomeſanien und Samland von Zeit ihrer Stiftung bis zu ihrem Abgange anzuſüͤh, 


ren. Denn obwol zur Zeit der Marianer auſſer denen beiden gemeldeten, noch das 


culmiſche und ermlaͤndiſche Biſchofthum errichtet worden, welche beide letztere noch 
jetzt beſtehen, ſo gehören die beiden letztern doch heutiges Tages zu polniſch Preuſſen, 
und gehen in fo weit meiner Geſchichte nichts an. Die Abtheilung Preuſſens in vier 
biſchöfſcche Kirchenſprengel kam 1243 zum Stande, ohnerachtet das Culmiſche ſchon 
vor Zeiten der Kreuzherren in der Perſon des vom Papſt ernannten preußiſchen 
Biſchofs Chriſtians ſeinen erſten Stifter erkennet. Alle vier waren anfänglich vom 
Papſt dem neuerrichteten Erzbiſchofthum Riga in geiſtlichen Sachen unterworfen. Es 


vom 


— 


. 


Jolge der bis Die Biſchöfe von Pomeſanien hatten zwar ihre Domkirche zu Marienwerder 
hen bl wohnten aber zu Riesenburg, und ind fo auf einander gefofget: 0) 


ſchoöfe. 


496 2 Seſchichte von Preuſſen. 


ſtehen ſolte. Das culmiſche Biſchofthum ward nach dem drelzehenjährigen Kriege, da 
es unter polniſche Oberherrſchaft kam, auch im geiftlichen von Riga losgeriſſen, und 
dem Erzſtift Gneſen unterworfen. Das pomeſaniſche und ſamlaͤndiſche aber Klier 
ben bis zur Zeit der Kirchenverbeſſerung in ihrer erſten Verbindung mit Riga. Un⸗ 
ter dieſen vier Biſchöfen waren der von Culm, Pomeſanien und Samland Prieſter 
des deutſchen Ordens, bis der erſtere, da er 1466 unter Polen kam, kein Bruder 
des deutſchen Ordens ſeyn durfte. Der ſamlaͤndiſche und pomeſaniſche höreten aber 
zur Zeit der Kirchenverbeſſerung auf, ſolches zu ſeyn. Ein jeder dieſer vier Biſchbfe hatte 
nicht nur alle geiftliche biſchöfliche Verrichtungen über feinen ihm angewieſenen Kirchen 
ſprengel; ſondern ein Drictheil des Sprengels muſte bey Errichtung der Stifter vom 
deutſchen Orden dem Biſchof ſogar als Eigenthums und regierenden Herrn überlaffen 
werden. Das letztere haben zur Zeit der Kirchenverbeſſerung die Biſchöfe von Sams 
land und Pomeſanien dem erſten Herzoge von Preuſſen und feinen Erbnehmern abs 
getreten. Die vier Kirchenſprengel hatten nach ihrer erſten Einrichtung folgende Gren / 
zen. Das erſte Biſchofthum ſolte begriffen ſeyn zwiſchen den drelen Fluͤſen Weichſel, 
Oſſa und Drwenza, das löbaufche land mitgerechnet, und dieſes iſt das culmiſche 
Biſchofthum. Das andere ſolte ſich von der Oſſa anfangen, und bis an die See 
Drauſſen erſtrecken, von der Weſtſeite aber ſolte die Weichſel ſolches endigen, und 
dieſes iſt das pomeſaniſche Biſchofthum, dazu auch die Inſel Santiri „das iſt, das 
groſſe Werder zwiſchen der Weichſel und der Nogat, gehöre. Das dritte ſolte ges 
n von der See Drauſſen, an dem friſchen Haf weg, bis an den Pregel: 
Suden aber 99005 geben bis an die polniſche und lithauiſche Grenzen, und dieses 
iſt das ermlaͤndiſche Biſchofthum. Das vierte ſolte ſeyn zwiſchen dem Pregel und 
der Oſtſee bis an den Fluß Memel und bis an Lithauen, und diefes iſt 2 85 
ländiſche Bifchofthum. Dieſe Grenzen find auch bis an die Zeiten des letzten Hochs 
meiſters in Preuſſen Alberts unverruͤckt geblieben. Als dieſe Abtheilung gemacht 
wurde, gehörte Pommerellen noch nicht zu Preuſſen. Und als folches mit Preuß 
ſen vereiniget wurde, ſtand es unter dem leslauiſchen polniſchen Siftsſprengel, um 
ter welchem es auch beſtaͤndig geblieben ). a > 


_ 


9. 229. a N 45 


1. Erneſtus, von Torgau buͤrtig, Ord. praedic. ſtatb h 7 78 3 
2. Albertus, einer von Adel, ſtarb 1284 den 26ſten Sept. e 
3. Henricus von Sund, ſtarb 1302 den zoften April. Be 2 N 

4. Chriſtianus, des Ordens Syndieus und Domherr zu Marienwerder, ſtarb zog. 

5. Lutho oder Ludwig von Baldersheim, iſt 1322 den 2aften Auguſt geſtorben. 
m 


* 


1) Heriknoch A. und N. Pr. S. 483 und 458. „) Ibid. p. 466. 


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EZ EEE u —•— 
7 


3. Gerhardus, andere nennen ihn Bernhardus, 


Herzog Albrecht Friedrich und Muguruf Georg Friedrich. „497 | 


6. Rudolphus von Elbing, ſtarb 1333 den ıften Jul. 

7. Fabianus, hat das Biſchofthum nicht angetreten, deswegen ihn ntge aufn. 

8. Bartholdus, ſtarb 1346 den zgften Nov. zu Althauß im Geſängniß. 

9. Arnoldus, ſtarb 1364 den 29ſten Jan. 

10. Nicolaus 1, iſt geſtorben 1376 den 28ſten Oct. 

u. Joannes Lindenblat, ſtarb 1409 den ꝛten Merz. 

12. Joannes Kinwang, S. Th. D. ſtarb r417 den aten 2 “ 

nigsberg gebürtig, 

ſtarb 1427. * 

14. Johannes 3 von Heilsberg, ſtarb 1440. 

15. Caſpar Linke, von Chriſtburg, ſtarb 1463 den a4ften October. 

16. Nicolaus, tönigsberziſcher Domherr, bat das Blſchofthum nicht angetre⸗ 
ten, ſtarb 1471 den agſten A 


*. Vincentius Kielbaſſa, ein Polacke, war bleſes Vifofegums Verwefet. 


18. Johannes 4, ſtarb An. 1501 den ıoten April. 


| 2 Jobus von Dobeneck, genannt der eiſerne Biſchof, farb 1523. 


Achilles, ein Cardinal von Bononien. 


21. Erhard von Queis, ſtarb 1529. 


22. Paulus von Sprettern, ſonſt Speratus genannt, ſtarb 1884. 
Joannes Aurifaber, S. Th. D. war nur Praͤſident des Biſchofthums, zog 
nach Breslau. 
Joannes Draconites, S. Th. D. war gleichfals nur Präfident, zog nach 
Wittenberg. 
Mathaͤus Roſeler, Med. D. und I. V. Lic. ven wolte aber die landſchaft 
nicht fuͤr einen Praͤſidenten erkennen. 


23. Grorgus Venetus, S. Th. D. ein yeenfifhresen Adel, ſtarb 1575. 
24. Joannes Wigandus, S. Th. D. der letzte Biſchof in Pomeſanien, ſtarb 


An. 1587 den ärften October. 
$. 230. 
Das ſamlaͤndiſche Biſchofthum hatte feine Domkirche in Königsberg erft in der 


Altſtadt, und nachher im Kneiphof. Die Biſchdfe ſelbſt raf zu Jicchhauſen, 
er folgten alſo auf einander: 

1. Henricus von Brünn iſt mit dem Könige Ottocaro in Preuſſen angekommen. 
2. Chriſtianus, ein Schleſier. 

8 Seifridus, hat mit ſeinem Domherren den Orden angenommen. 


4. Joannes, bauete die Kirchs zu St. Albrecht. 


. Jacobus, aus Culm, hat die Domkirche in den Kneiphof verlegt. 


6. Bartholomäus, Domprobſt zu Königsberg. , 


7. Theodoricus 1, Dechant, von Marpurg aus Heſſen gebuͤrtig. 


p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Re r 8. Hen 


1587. 


Folge der 
bisherigen 
ſamlaͤndiſchen 

5 1una 


56. Johannes 3 Rehewinkel, ſtarb 1497 den iſten Auguſt. 


22. Tilemannus Heshuſtus, S. Th. D. der letzte Bi 


Der marg ⸗ Der Margraf beſprach fich in dieſem Jahr ebenfals wegen der k 8 
w niſchen und preußischen Angelegenheiten mit dem Churfüͤrſten von % 
dig bis an fei, Johann Georg J). Doch die Sachen in Deutſchland ſowol, ale f 

leibeszuſtand . ihm nicht, perſönlich nach Preuſſen zu kommen. 
te man wegen des erhöheten Silberpretſes die Münzen etwas ſchlechter, al 
ſtucklen müffen. Achatius Graf von Dona, D. Paul Krüger und 
ſter teiſtten alſo 7588 nach Elbing um mit den FETT NEE € 


1) Sartknoch A. u. N. Pr. S. 46. 


| Sefhichte von Parufen. Ya 
E Hanes 2 , Rührsald unt Hochmelſter Winrich von n pn, 
ricus 3, rl ln Conrad von Jungingen. u za a 
vannes 2 von Schauenburg. KR N 
21. . Fans 4, genannt Hempel, unter dem Dice, j 
Sternberg. 2 ea 45 
‚22. Henricus 5, Salfeld. 3 0 
13. Michael Jung, unter dem Sodmeiie Paal von bie, 100 = 52 N 
44. Nicolaus ı von Schöneck, genannt Schlotterfopf.. 
5. Theodoricus 2 von Cuba, ein Meiſner, iſt zu Tapiau bi 
dem Hochmeiſter Henrich von Richtenberg. 


- 


17. Paulus Wath, I. V. D. faiferlicher geweſener Caniler. 

18. Nicolaus 2, Domherr zu Königsberg. 

19. Günther von Buͤnau, ein Meifner, der mit dem leg 

Marggraf Albrecht ſich Acht; wohl vertragen konte, und aus fen 

20. Georgius von Polenz, I. V. Licent, der erfte baba hof. E 
die Weltlchteit an den Herzog ab, verlegte Finen Si nach Balg 

rt 1550. 8 

Joannes Brismannus, S. Theol. D. war zu Zeiten Sen 
lenz Vicepräfes des Biſchofthums, ſtacb 1549 den iſten ct 

. Oſiander, Vlcepraͤſes des Biſheſchums, flatb An. 1552 di 

etober. vel 

Joannes Aurifaber, S. Th. D. Präſſdent beider e im 
thum Preuſſen, zog 1565 nach Breslau. 

Mathaͤus Roͤſelerus, Med. D. et l. V.Lic, welchem Be fa 

derſprach. 

21. Joachimus Moͤrlinus, S. Th. D. Biſchof, ſtarb An. 182 b 


Biſchofthums entſetzet, deſſen Verwaltung der pomeſan Men 
Wigand bekam, bis ſolches nach des letztern Tode völlig eee 


$ 231. 


“4. 


Hero Albrecht Friedrich und atgaraf Georg Frichich. 490 
der Abgeſchickten von Danzig ſich über das Mänzwefin zu befprechen. Man konte aber ſich 


nicht einigen 7). Weil auch endlich Konig Sigmund 3 in Polen über feinen Gegner Erz⸗ 


herzog Maximilian völlig die Oberhand behalten, fo ſchickte der Marggraf ſowol als die 
Churlinie 1589 Geſandten auf den Reichstag nach Warſchau, und ließ daſelbſt das Beleh⸗ 
nungegefchäft beſorgen 7). Der König Sigmund z war ſelbſt perfönlich den zten Nov. 
in Königsberg angekommen, hatte ſich ſodenn mit der Jagd im Lande beluſtiget, und 
es ſich fo wohl gefallen laſſen, daß er öffentlich geſagt: wenn es gleich viel wäre, Kö⸗ 


nig von Polen oder Herzog in Preuſſen zu ſeyn, ſo wolte er Preuſſen dem Polen 


„vorziehen 7). Der Marggraf ſorgte 1590 vor die Beſtellung mehrerer Prediger in feis 


nem Antheill 1), und weil ihn die polniſchen Preuſſen auf ihre Zuſammenkunft zu 
Berichtigung des preußiſchen Rechts eingeladen, fo ſchickte er 1591 Geſandten nach 
Leſſen, wo aber doch nichts zum Stande kam, und vielmehr die Streitfrage aufgewor⸗ 
fen wurde, ob der Herzog in Preuſſen mit zu der Einrichtung des Rechts gehöre? 
ohnetachtet der Mutzen in die Augen fiel, wenn beide fo nahe liegende Staaten, ſo wie 
ehemals unter dem Orden, alſo auch noch kuͤnftig elnerley Recht hatten x ). Dem 
Könige wurden von dem Herzogthum 10000 Ducaten geſchenkt )). Die Gemalin des 
blöden Herrn relſete mit zwo Prinzeßinnen nach Deutſchland, ihr Vaterland zu ber 
ſuchen. Ihre Ankunft in Berlin 2) gab Gelegenheit, an eine Vermaͤlung des Chur⸗ 
fürften älteften Enkels Marggraf Johann Sigismund mit der Ateſten Prinzeßin 
des Herzogs Albrecht Friedrichs und der Maria Eleonorä von Cleve Anna zu den⸗ 
ken, um ſich hiedurch ſowol die Erbfolge in den juͤlichſchen Staaten, als auch in 
Preuſſen deſto gewiffer zu verſichern. Dieſe Verlobung geſchahe wirklich zu groſſem 
Vergnuͤgen des Marggrafen zu Berlin 1592 4), der ſich zu Koͤnigsberg mit Elbing 
und Danzig über den kuͤnftig zu beobachtenden Muͤn fuß vergleichen ließ h). Der Tod 
des Königs von Schweden Johannis dfnete nun zwar feinem Prinzen Könige Si⸗ 
gismund von Polen das Erbfolgsrecht in Schweden. Weil aber bereits Johann 
vieles in Religions ſachen zu ändern ſich angelegen ſeyn laſſen, Sigmund auch zur rös 
miſchen Kirche ſich öffentlich bekannte, ſo machte Johannis Bruder Herzog Carl 
von Sudermanland hierauf allerhand Entwürfe zu ſeinem Beſten. Er unterzog ſich 


in des neuen Königs Abweſenheit der Regierung, deſſen Handlungen aber 1593 theils 


nicht nach des Königs Sinn waren, theils Übel ausgeleget wurden. Beſonders beftells 
te die Rirhenverfammfung zu Upſal den Betanöten M, Abraham zum Erlcheſ, und 
wachte viele Anftakten zu Beibehaltung der evangeliſchen Religion. Der neue König 
kam zwar endlich in Schweden an, aber auf einem gedungenen hollaͤndiſchen Schiffe, 


mit Verachtung der ſchwediſchen Neichsflotte. Da in feinem Gefolge ein päpftlicher 
n 1 o B.oth⸗ 
Herr Lengnüch preußifche Geſchichte um ) Erl. pr. B. 3 ©. 24. 
8 bis 1605 > 95 f. 2) wid. g 
2 2 gr BP FR ech ) Unſre Geſchichte B. 3 S. 273. 

1) Unſere Geſchichte B. 3 S. 484. 5) Erl. Pr. B. 3 O. 425. Herr Lengnich l. en 


x) Herr Lengnich . e. p. 90 und 133 f P. 2. 


388. 


1589. 


1590; 


159% 


1392. 


1593. 


1593. 


* 


1595. 


2596. 


3597. 


3598. 


500 SGScſchichte von Preuſſen. une 
Bochſchafter Malaſpina und verſchiedene Jeſuiten ſich befanden, 1 85 letztere in 
Abſicht der Religion des Königs Gemuͤth zu allerhand Neuerungen verhärteten, ſo wur ⸗ 
de hiedurch der Grund zu groſſen Veranderungen gelegt. Sigmund ließ ſich zwar 
1594 nach vielen Streitigkeiten kroͤnen, reiſete aber, ſtatt im kande zu blelben, und 
denen Gebrechen und Beſchwerden abzuhelfen, nach Polen zuruͤck. Dle be. 
ſuchten darauf den Herzog Carl, ſich der Regierung aufs neue zu unterziehen, 
auch, zwar nicht nach der Vorſchrift des Königs, wohl aber nach den landes vertroͤgen 
fuͤhrete, und ſonderlich auf dem Reichstage zu Suͤdercöping alle bisherige Ne 

gen abſtellete c). Indeſſen war ſchon im vorigen Jahr Marggraf Johann E 
mund mit 160 Pferden in Preuſſen angekommen, um Anſtalten zu fein i 

zu machen. In dieſem Jahr wurde ſolches den 27ften Oct. vollzogen, woben der Her; > 
zog von Sachfens Coburg mit feiner Gemalln, des Braͤutigams Bruder Biſcho wg £ 
Strasburg mit zwo Schweſtern, ein Herzog von Lüneburg, ein Fuͤrſt von? t 

ein Herzog von Holſtein und von Curland ſich eingefunden, und überf 
Pferde zu verpflegen waren d). Die Neuvermaͤlten reiſeten 1595 nach der 
Der König von Polen aber wurde immer in mehrere Weiterungen wegen 
verwickelt. Er ſchickte zwar einige Abgeordnete 1596 in dieſes Reich, um alle 
keiten zu heben, an welche ſich auch viele der dortigen Groſſen, und ſelbſt der 
ſchof Abraham biengen, und dem Herzoge Carl die Reichs verwaltung « 
Allein Carl hielt dagegen mit feinen getreuen Ständen 1597 den Reichetgg in % Art 
wo man den Schluß faßte, bey dem Suͤdercoͤpingiſchen Reichs ſchluſſe u 
Die darüber misvergnuͤgten Reichsraͤthe giengen zwar deswegen aus Schi 
Polen; gaben aber dadurch dem Herzoge erwuͤnſchte Gelegenheit, ſich des gange 
in bemächtigen. Dies nöchigte den König Sigmund, an eine zweite R. 
Schweden zu denken. Er hatte von dem Herzogthum Preuſſen einen . orſch 
zu von 100000 Gulden verlangt. Allein man fand Bedenken, hierein zu w 
ſich daher der König in polniſch Preuſſen nach Schweden 1598 einſchiffe 
den ſich daſelbſt bey ihm preußiſche Geſandten ein, die mit guter Art d 
Vorſchuß ablehneten 7). Sigmund landete bey Calmar, fand 1 ei 
Carl bereit, ſich ihm mit Gewalt zu widerfegen. Saͤchſiſche, brai 
und pommeriſche Geſandten bemuͤheten fich zwar, beide Herren zu v 
war aber ſolches vergebens, da der Koͤnig mit den Thaͤtlichkeiten den 2 
ließ. Es kam ſogar zur e bey Stangebro, worin ene 
zum Vergleich ſchreiten muſte. Er ſahe ſich dadurch genoͤthiget, die entf 
raͤthe auszuliefern. Er verſprach, das Reich nach feinen Grundgeſetzen 
gegebenen königlichen Berfi icherung zu regieren, einem Reichstage m S 


c) Herr Lengnich Ie. p 150 . f ed) Unfre chice 2. 30 5 4 
d) Erl Pr. B. 3 S. 227, 229, 230, Unfere = f 
Geſchichte G. 3 S. 280; N Herr Lengnich — 


Br 
* 


FFT 
+ _ 1 * 


Herzog Albrecht Friedrich und Marggraf Georg Friedrich. 501 
Kriegevölker fortzufchaffen, wogegen ihm fein Vetter alle Plaͤtze ausliefern ſolte, und 


wer von dieſem Vergleich abwiche, dem ſolten ſich die geſammten Staͤnde zu widerſetzen 


berechtiget ſeyn. An ſtatt aber dem Reichstage in Stockholm beizuwohnen, ſegelte 
der König nach Polen zuruck, ließ aber Stockholm, Elfsburg und Calmar mie 
fremden Völkern beſetzt. Dies ſahen die Schweden als einen Bruch des letztern Ver⸗ 
gleichs an, und hielten ſich alſo berechtiget, gegen die zuruͤckgelaſſene fremde Völker 
feindlich zu handeln g). Unſerm Marggrafen verurſachte indeſſen der erfolgte Tod des 
Churfürſten Johann Georgs von Brandenburg andere Befchäftigungen, die die 
Wohlfarth des ganzen eee Hauſes betrafen J). Er ſchloß mit dem 
neuen Churfuͤrſten Joachim Friedrich, vieler vorhergegangenen Beredungen gemäß, 
den Vertrag zu Gera, welcher als das Grundgeſetz des brandenburgiſchen Hauſes 
anzuſehen iſt. Wegen Preuſſen ward darin ausgemacht, daß ſolches nach des Marge 
grafen Georg Friedrichs und des blöden Herzogs Albrecht Friedrichs Tode, wenn 
beide ohne männliche Erben verſtuͤrben, an den Churfuͤrſten Joachim Friedrich oder 


deſſen Churprinzen 1 9 Sigmund, oder an den jedes maligen erſtgebornen Nach⸗ 


folger, regierenden Churfürften von Brandenburg, der alsdenn vorhanden wäre, 
fallen ſolte. Unſer Marggraf beftätigte diefen Hausvertrag 1599 perfönlich zu Mag⸗ 
deburg ). Der neue Churfuͤrſt ſuchte zwar auch die Irrungen des Königs Sig⸗ 
munds mit dem Herzog Carl und den Schweden beizulegen, da die letzteren ohne 
Muͤhe Stockholm und Elfsburg, Colmar aber nach ſechsmonatlicher Belagerung in 
ihre Gewalt gebracht. Aber fine Mühe war vergebens. Zu Joͤncoͤping ſowol als 
zu Stockholm thaten die ſchwediſchen Stände nicht nur ihrem Könige, ſondern auch 
deſſen aͤlteſten Prinzen Wladislao vergeblich allerhand Vorſchlaͤge. Carl bemächtigte 
ſich alſo von Finland, und ließ 1600 vier Reichsraͤthen, die es mit dem Könige gegen 
ihr Vaterland gehalten, einem Relchstagsſchluß zu Lincoͤping gemaͤß, die Köpfe ab⸗ 
ſchlagen. Auf eben dieſem Reichstage ward die ſchwediſche Regierung aufs neue dem 


Herzog Carl aufgetragen, der ſich auch die zu Schweden gehörige Provinz Eſtland 


unterwarf K). König Sigmund hatte damals dem Obriſten von Kreutzen, einem 
Edelmann des herzoglichen Preuſſens, ein Gut in polniſch Preuſſen geſchenkt. Dies 
verurſachte die Unterſuchung der Frage: ob die Eingeborne des herzoglichen Antheils als 
Einzoͤglinge im polniſchen Preuſſen angeſehen werden koͤnten? Sie ward jedoch um 
ausgemacht gelaſſen J). Die Nachbarſchaft des ſchwediſchen Herzogs Carl in Eſt⸗ 
land gab Gelegenheit, daß mit Sigismundi gutem Vorbewuſt der Woywode von 


Wenden, Georg Farensbach, von Liefland aus Streifereien nach Eſtland vor⸗ 
nahm, und daher den Krieg zwiſchen Schweden und dem polnifchen Reich zuerſt ans 


fieng. Denn Carl brach nun auch in Liefland ein, wo er ſich 161 immer weiter aus 
breitete m). Man beforgte gar elne ſchwediſche kandung in Preuſſen und Polen, und 


Rr 3 trug 
Da p /. 5 k) Herr Lengnich 1. e. p. 277 . 
5 Unsere Geschichte B. 3 O. 288. 1) Ibid. p. zu. a * 


i) Unſere Geſchichte B. 3 S. 368310. w) Ibid. p 319. 


1598. 


1599. 


1600, 


1601, 


1601, 


1602. 


1603. 


52 G ecſcchichte von Preuſſen. 
trug daher auf dem polniſchen Reichstage auch denen Geſandten des BER 82 
die Mittel ausfindig zu machen, die Schweden von denen Kuͤſten abzuhalten 7). 
König beſchloß auf eben dem Reichstage, zu Ausmachung der Grenzſtreitigkeiten des 
Biſchofthums Ermland mit dem Herzogthum Preuffen Bevollmächtigte abzuſchlcken o). 
Sonderlich ward hieſelbſt auch die churbrandenburgiſche Geſandtſchaft gehdret. Denn, 
um kuͤnftig ohne Hinderung zum ruhlgen Beſitz des Herzogthums Saen zu gelan / 
gen, hatte der Churfuͤrſt nicht nur ſeinen Churprinzen Johann 
nach Preuſſen p), ſondern auch Geſandte nach Polen geſchickt, N 
chen: daß der Churfuͤrſt und feine Nachkommen auf erfolgten Tod Georg Friedrichs 
ſowol die Vormundſchaft des blöden Herzogs, als auch die völlige Regierung uͤberneh⸗ 
men konten. Dieſes Anſuchen ward durch Föniglich daͤniſche, churfuͤrſtüch pfälziſch 
und ſächſiſche, herzoglich preußiſche, heßiſche, wuͤrtembergiſche und mecklenbu 
giſche Geſandten ſowol, als durch königlich franzoͤſiſche Schreiben unterſtützt. Der 
König ernannte deswegen gewiſſe Bevollmaͤchtigte, die zwar mit den bt 
ſchen Geſandten in Handlung traten, ihnen aber Bedingungen verlegten, welche 4 
zugehen fie keine Vollmacht hatten. Unter andern verlangte man 801 e 
ne gewiſſe Freiheit vor die roͤmiſch catholiſche Religion im Haage 
die dem Neligionsfreigeitsbriefe Sigismundi Auguſti widerſprach; eine 
in denen Berufungen herzoglicher Unterthanen an den königlichen Hof; daß die 
gen Herzoge die polniſchen Reichsſteuren mit tragen, und die Quarte, die man jahr; 
lich auf 30000 Ducaten rechnete, nach Rawa liefern ſolten. Die churfuͤrſtlichen Ge⸗ 
ſandten konten aber von dem mit dem Herzoge Albrecht dem altern geſchloſſenen Ders 
trage und von denen nachgehends ertheilten Freibeitsbriefen nicht abweichen. Sie ev 
boten ſich jedoch, ein vor allemal 200000 Gufden zu erlegen. Weil aber die Pola 
damit nicht zufrieden, und indeß der Reichstag zu Ende gegangen, ſo ward die Sache 
bis zu anderer Zeit verſchoben q)- Sigismund brauchte aber die vom Churh 0 N 
tene Summe, da die Welterungen mit Schweden ſich immer haͤuften. Die Schwede 
festen feinem Prinzen Wladis lab 1602 zu Stockholm fogar eine neue Friſt, bey Ve > je 
alles Erbrechts, ins Reich zu kommen, und folches nach dem lehrbegrif des augſpurgiſchen 
Glaubensbekaͤnntniſſes zu regieren. Der Churfuͤrſt ſchickte daher 1603 a 
ſandten auf den polniſchen Reichstag. Der König von Daͤnnemark, 
Churſachſen, Marggraf Georg Friedrich und der Landgraf von Heffen 
geſamt durch ihre Geſandten, die ausdruͤcklich dieſerwegen abgeſchickt worder 
langen des Churfuͤrſten Joachim Friedrichs unterſtuͤten. Den sten Feb r. u in 
den folgenden Tagen thaten alle dieſe Geſandten im öffentlichen Senat den Vortrag 
Sigmund ernannte aufs neue Bevollmaͤchtigte, welche mit den brandenburg 
Unterhandlungen pflegen ſolten. Aber der Reichstag gieng zu Ende, obne aß man 
ſich uͤber die Ee 808 konte. Obgleich die Unterredungen ı noch etliche 


RK; Ex ul 
n) Ibid. p. 322. . Exl. pr er nr 
0) Ibid. p. 325. 9) Herr ae En 2 - 


= we mu 


EEE EEE I EN Eee 


| 
— 


Herzog Albrecht Friedrich und Churfürſt Joachim Friedrich. 503 
Tage forcgeſetht wurden, fo konten die churfüͤrſtich brandenburgiſche und herzoglich 
preußiſche Geſandten doch nur den ı6ten Merz folgende Abfertigung erhalten: daß 
man die Sache in Hofnung eines Vergleichs kuͤuftigen Reichstag wieder vornehmen wol⸗ 
te; inzwiſchen ſolte dem churfuͤrſtlichen Hauſe von ſeinem bisherigen Recht nichts abge⸗ 
hen; und auf den Fall, daß Georg Friedrich, der bereits dem Tode nahe war, ver⸗ 
ſtuͤrbe, folte die Regierung durch einheimifche Negierungsrärhe, fo wie fie zu Anfang 
der Bloͤdigkeit des Herzogs Albrecht Friedrichs beſtellet geweſen, gefuͤhret werden 7). 
Der kluge und alles Lobes wuͤrdige Marggraf Georg Friedrich gieng auch wirklich gleich 
darauf den 26ften April zu Grabe. Da wir bereits im vorigen Bande von dieſem 
Herrn ausführlicher s) geredet, fo will ich meine leſer dahin verweiſen. 


§. 232. N 


Nunmehr Hätte der Churfuͤrſt von Brandenburg Joachim Friedrich ſofort die 
Stelle des verſtorbenen Marggrafen Georg Friedrichs in Preuſſen erhalten ſollen. 
Seine Rechte zur Vormundſchaft des blöden Herzogs und zur ungezweifelten Nachfolge 
in Preuſſen waren fo klar, daß dagegen mit keinem Schein Rechtens etwas eingewen⸗ 
det werden konte. Er hatte ſich hiezu auch ſchon bey Lebzeiten Georg Friedrichs be 
worben. Seine Rechte von Seiten des Hofes des blöden Herzogs unterſtuͤtzt zu ſe⸗ 
hen, heiratete der Churfuͤrſt deſſen Prinzeßin Eleonora. Polen ſuchte aber bey dies 
fer Gelegenheit neue Vortheile zu ziehen, und es war nicht rachſam, fo lange Gewalt 
zu brauchen, als noch irgend durch andere Wege was zu erhalten war. Der Churfuͤrſt 
konte aber auch die groſſen widerrechtlichen Forderungen nicht eingehen, die der polni⸗ 
ſche Hof bisher gemacht hatte. Er mufte abwarten, was in dleſer Sache durch Uns 
terhandlungen auf dem kuͤnftigen Reichstage auszurichten möglich. Er ließ es daher 
geſchehen, daß die Muͤnzunterſuchung zu Warſchau 1604 von den Regimenteraͤthen 
ia Preuſſen durch zwey Gefandte beſchickt wurde. Joachim Friedrich ſetzte vielmehr 
ſeine Bemuͤhungen am polniſchen Hofe fort, der ſich in ziemlicher Verlegenheit be⸗ 
fand. Denn die Schweden waren endlich fo aufgebracht worden, daß fie zu Nor⸗ 
cöͤping erſt des Königs Sigismundi Halbbruder die ſchwediſche Krone antrugen, 
und als dieſer ſolche anzunehmen Bedenken trug, den Herzog von Sudermanland 
Carl zum Könige machten. Dieſe Angelegenheiten nörhigten Sigismundum, einen 
Reichstag auszuſchreiben „auf welchem auch die Sicherheit Polens gegen Tuͤrken und 


Tartarn, und deſſen Betragen gegen die Perſon, welche ſich vor den rußiſchen Prin⸗ 


zen Demetrium ausgab, in Ueberlegung gezogen werden ſolte. Die gegründete For⸗ 
derung des Chunfuͤrſten von Brandenburg war ebenfals ein Zweck dieſes Reichstags. 


Er wurde auf Nin zoften Januar 1605 aurgeſchrieben. Das Churhaus hatte feine un⸗ 


gelegenheit ſchon fo wohl eingeleitet, daß fat alle Groſſen und kandboten zu deſſen Vor⸗ 
theil ſtimmten. Denn, ohnerachtet der Reichstag zerriſſen wurde, fo trug doch der 


1603. 


Churfuͤrſt 


vachim Fries 


drich führt die 
preußiſche re⸗ 
gierung, doch 


ohne beleh⸗ 
nung. 


1604. 


1605, 


König dem Cburfuͤrſten Joachim Friedrich die Vormundſchaft des blöden Herzogs für 
0 | — 


) Ibid. p. 342. 343. | 79 Band 36. 467408. 


504 x GSieſchichte von Preuſſn. 85 97 


= 99 
1605. wol, als auch die landesregierung in Preuſſen wirklich auf; die Belehnung felbft aber N 
wlourde auf andere Zeit verſchoben. Die Vermaͤlung des Churprinzen und des Churfürften 

mit des blöden Herzogs Prinzeßinnen hatte die Sache ungemein befördert und man finde 
nicht, daß ſeit dieſer Zeit Albrecht Friedrichs Gemalin dem Hauſe Brandenburg einige 
Hinderniſſe gemacht Härte. Ibachim Friedrich muſte aber freilich ſchwere Koſten aufs 
wenden, um zu ſeinem Zweck zu gelangen. Seine Herren Bruͤder, denen durch den ge⸗ 
raiſchen Vergleich die Regierung in Bareuth und Anſpach zugefallen, haben zu ih⸗ 
rem gröften Schaden in der preußiſchen Angelegenheit ſich mit dem Churfuͤrſten mes 
gen der zu nehmenden Maasregeln nicht einigen wollen, da doch nichts billiger war, 
als daß dem geſchloſſenen geraiſchen Vertrage und den bisherigen Verträgen mit Po⸗ 
len gemäß, das Herzogthum Preuſſen dem Erſtgebornen unter den Mitbelehnten al⸗ 

lein zufallen muſte. Der Ehurfürft muſte daher auch alle die groffen Koſten allein tre 
gen, die zu Beibehaltung und Durchtreibung ſelnes Rechts erfordert wurden. 
ſete nebſt ſeiner Gemalin ſelbſt nach Preuſſen ab, und langte den gten 
Koͤnigsberg an. Er ſchrieb daſelbſt einen dandtag aus, und um den B. 
gen der Stände völlige Freiheit zu laſſen, reiſete er berelts den zoſten O 
1606. feinen deutſchen Staaten zuruͤk. Die 1606 erfolgte Ermordung des ſogene 
metrii in Moſcau ſchlug alle Hofnung des Königs Sigismundi nieder, v 
ne ſtarke Huͤlfe gegen Carl 9 von Schweden in Liefland zu erhalten. Er 
indeß, eine anſehnliche Geldhuͤlfe von dem Churfürften von Brandenburg 
gen, wenn die preußiſche tehnöfache zur völligen Richtigkeit gebracht wäre. 
diefes eine Haupturſache, warum er auf den ꝛten Merz einen Reichstag nach 
ſchau anſetzte. Der Adel im Herzogthum Preuſſen glaubte bey dieſer G 
groſſe Freiheiten zu erlangen, und hatte aus dieſer Abſicht den Otto von der Gr 
Warſchau geſchickt, und demſelben zu den Reiſekoſten aus den landkaſten zu B. 
und Oſterode Geld zu nehmen erlaubt. Auch unſers Churfürſten Gefand 
zu Warſchau an. Die Abgeordneten aus dem polniſchen Preuſſen he 
Verhaltungsbefehlen den Auftrag, fuͤr das Churhaus Brandenburg weg 
ſiſchen behnsempfahung, mit Beibehaltung der alten Verträge mit J 
Freiheit des landes alle Sorge zu tragen. Dieſem Auftrage zu Folge 
April in einem Gehoͤr Niewieſczinsky, ein pommerelliſcher Landbote 
die lehnsſache mit dem Churfuͤrſten von Brandenburg zur Endſchaft 
gleich aber ſuchte er vor den Adel des Herzogehums mit dem im pol 
gleiche Freiheiten auszuwirken, und ihm durch feine Vorſprache das Rec 

fen, von den Ausſpruͤchen feines landesherrn ſich auf das polniſche Teib 
Endlich verlangte derſelbe vor die Ritterſchaft polniſche Bevollmaͤchtigte 
ſchwerden zu unterſuchen. Der König erkannte dle Billigkeit der dh I 
ſchen Belehnung, fahe aber zugleich die Unbilligkeit desjenigen ein, 
relliſche tandbote vor die Ritterſchaft des Herzogthums Preuſſen gef 
ber durch den Unterkanzler Mninsky auf dieſen Antrag antworten: daß er 


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Herzog Albrecht grichric und Churfürft Joachim Friedrich. fz 
das Herjogthum Preuſſen ohne Nachthell feiner eigenen Rechte weder die Berufung an 
das polniſche Tribunal, noch die Freiheiten der Eingeſeſſenen des polniſchen Anthells 
verſtatten konne. Es bliebe dem Könige vot denſelben nichts weiter zu thun übrig, als 


beim Churfuͤrſten von Brandenburg Vorſprache vor denſelben einzulegen. Uebrigens 


ward weder in Reichs noch preußiſchen Angelegenheiten etwas heilſames beſchloſſen, 
ſondern der Reichstag endete ſich den ıgten April wegen Uneinigkeit der Stände ohne 
allen Nutzen. Es kam vielmehr in dieſem Staat fo weit, daß gegen den König ſelbſt 


eine Verbindung geſchloſſen wurde, welche man in Polen einen Rokoß zu nennen 


pflegt. Dieſes waren die Urſachen, warum die preußiſchen Lehns angelegenheiten auch 


in dieſem Jahr vom churbrandenburgiſchen Hofe nicht beendiget werden konten. Sieg⸗ 


mund hatte daher einen neuen Reichstag 1607 nach Warſchau ausgeſchrieben, und 


die Berichtigung der preußiſchen Sache zum Neichetagagefchäfte gemacht. Das pol⸗ 


niſche Preuſſen beſahl ſeinen Abgeordneten zu dieſem Reichstage, ſich zu bemuͤhen, 


daß dieſe Angelegenheit mit Vorbehalt der alten Verträge, des königlichen Lehnrechts, 
der Freiheit der herzoglichen Unterthanen, der Berufung an den königlichen Hof und eis 


ner ungektaͤnkten Uebung der roͤmiſch catholifchen Religion völlig zu Ende gebracht 
werden möchte. Unſer Churfuͤrſt hatte ebenfals Geſandte auf dieſen Reichstag abgehen 
laſſen. Aber die durch den gemachten Rokoß erregte Unruhen in dieſem Reich hatten 
bereis zu tiefe Wurzeln geſchlagen. Die Mißvergnuͤgten übten ſchon überall Gewalt⸗ 
thärigfeiten aus. Sie vergriffen ſich ſogar gegen das Völkerrecht, an denen nach 
Warſchau reiſenden brandenburgiſchen Geſandten, und erſchlugen den Geſandt⸗ 
ſchaftsſecretair. Sie giengen fo weit, daß fie den 2zſten Jun. den König des 
Reichs verluſtig erklaͤrten, den Thron vor erledigt ausgaben, und die Anhänger des 
Monarchen als Feinde des Vaterlandes anſahen. Sobald der König ſolches erfuhr, 
ließ er die Anhänger des Rokoß für Reichsfeinde austufen, und denen, fo im Unge⸗ 
borſam verharren wuͤrden, die Strafe des Meineides ankuͤndigen. Dies war zugleich 
eine Genugthuung vor dasjenige, was den brandenburgiſchen Geſandten begegnet. 
Aber die innerlichen Unruhen hinderten doch den Koͤnig, auf dem Reichstage die preuſ⸗ 
ſiſche Belehnungsſache zu Ende zu bringen. Es kam ſogar zwiſchen ihm und den An⸗ 
bängern des Rokoß zum Kriege. Die letztern legten erſt 1608 die Waffen aus den 
Haͤnden. Der Churfuͤrſt glaubte, daß ſich nun der Zeitpunkt der Belehnung nähern 
wuͤrde, er ſchickte daher den Churprinzen nach Preuſſen. Doch dieſer war kaum ab⸗ 
gereiſet, fo gieng der Chutfuͤrſt ganz unvermuthet den Sten Jul. mit Tode ab, von 
deſſen Geſchichte wir bereits im zten Bande weitlaͤuftiger 7) gehandelt haben, ' 


. I 238. 


1606. 


1608, 


Der neue Churfuͤrſt Johann Sigmund bekam zwar unterwegens die betruͤbte Ihm folgt 


Nachricht von dem Tode feines Vaters. Er hielt aber doch vor nothwendig ſeine Rei 
fe fortzusetzen, langte den gen Auguſt in Königsberg an; verbot aber wegen der tier 
) B. 3. S. 33345. fen 
P allg. preuß. Geſch. 4 Th. Sss 


ſein ſohn chur⸗ 
fuͤrſt Johann 
Sigismund. 


1608. 


fer Weitlaͤuftigkeit nicht gebraucht, da des Churfuͤrſten Rechte ohnſtreitig 


Preuſſen ein. Sie erſuchten die polniſch preußiſchen Staͤnde, bey den j 


„„ eee 


5 Scſchichte von Prruſſen. 
fen Trauer alle Feierlichkeiten bey feinem Einzuge. Er berichtete feines Vaters Able⸗ 
ben und feine Regierungsnachfolge vorzüglich dem Könige von Polen mundo 3, 
und that zugleich die Anſuchung, daß ihm ſowol die e a 
fes landes, als auch die Belehnung darüber. gereichet würde. N 
eben einen Reichstag nach Warſchau ausgeſchrieben hatte, ſo gab 41 
leids · und Gluͤckwuͤnſchunge ſchreiben dem Churfuͤrſten zu verſtehen, daß e 25 
ſchen Angelegenheiten dem Gutachten der Reichsſtaͤnde uͤberlaſſen wolte. Es Es Hätte dies 


näher aber das Churhaus Brandenburg dem völligen Beſitz des Herzogthums g a0 
ſen kam, je mehrere Schwierigkeiten wurden demſelben in den Weg gelegt, die 
aber nach und nach glͤcklich üͤberſtieg. Vor dieſem nach Warſchau ausgeſchriel 
Reichstage ward von denen polniſch preußiſchen Ständen ein kandtag zu 
gehalten. Hier fanden ſich auch Abgeordnete der Ritterſchaft aus dem H 


ſtaͤnden fich ihrer alſo anzunehmen, daß ihre bisherige Gebrechen geändert 2 
dem Genuß der alten Freiheiten geſchuͤtzet werden mochten. Die Me 
ſten polniſch preußiſchen Landſtaͤnde gieng dahin, daß man ſchlechterding 
ſchluß der Polacken beitreten folte, nur daß einige hieben für nöthig belten, & 
che ohne fernern Aufſchub zur Endſchaft zu bringen. Die Abgeordneten von 
und Danzig redeten beſonders dem Churfuͤrſten und ſeinem Recht das Wort, 
hen es für höchſt gefährlich an, wo man dem brandenburgiſchen Haufe, 
nicht nur vor ſich, ſondern auch wegen feiner Verwandiſchaft mit den vornehmfl 
ſern in Deutſchland mächtig war, das behn entziehen wolte. Indeſſen m 
von den polniſch preußiſchen Ständen auf den Reichstag Abgeordneten unt. 
der Auftrag gegeben, vor die Rechte der Ritterſchaft des herzoglichen Prer 
ſige Sorge zu tragen. Von dieſem Entſchluß ward die Ritterſchaft des He 
Preuſſen benachrichtigt. Dieſen Reichstag muſte unſer Churfürſt 
Preuſſen abwarten, weil fo vieles darauf ankam. Den ısten Jan. 16 6 
cher zu Warſchau feinen Anfang. Des Churfürften Geſandten thaten d 
ſowol um die Vormundſchaft des blöden Herzogs, als auch um die Belch 

zogthums Preuſſen Anſuchung. Den soten dieſes Monats unterſtützten d 
die königlich daͤniſchen, churfuͤrſtlich pfaͤlziſchen und fächfifchen, Kerze 
tembergiſchen und landgraͤſuch heßiſchen Geſandten durch ihre Vorſpra 
cher Zeit wurden die Abgeordneten der Ritterſchaft des Herzogthums geh 
tangten, daß ſo lange der Herzog Albrecht Friedrich am leben, die fa 
durch gewiſſe unter dem Könige von Polen ſtehende Regenten er: 
Ableben aber das kehn, mit Einwilligung der Ritterſchaft und Beib 
heiten, dem Churfuͤrſten gereicht werden mochte. Die Abgeſchlckter 
preußiſchen Städte aber erſuchten den König, daß dem Churfül . 
mundſchafrliche aandesregierung, als auch die e über h 


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Herzog Albrecht Friedrich und Churfuͤrſt Johann Sigismund. 507 
den mochte, damit fie von dem Churhauſe, deſſen Regierung fie bereits gewohnt, und 
das ihrer Rechte und Freiheiten kundig ſey, nicht abgeſondert würden. Sigismund z 
nahm alles zu reifer Berathſchlagung an die Reichsſtaͤnde. Nach deren Gutachten 
ward dem Churfuͤrſten die Vormundſchaft ſeines bloͤden Herrn Schwlegervaters und 
die Landesregierung wirklich anvertrauet. Wegen der Belehnung aber ſolte auf dem 


kuͤnftigen Reichstage weiter berathſchlaget werden. Zu Unterſuchung der Beſchwerden 


der Ritterſchaft und der Städte wurden von dem Könige gewiſſe Bevollmaͤchtigte ers 
nannt, welche deren Grund oder Ungrund auf dem naͤchſten preußiſchen kandtage uns 
terſuchen, nach Befinden abthun, oder an den König berichten ſolten. Johann 
Siegmund behielt alſo die wirkliche Regierung in Preuſſen, gewann jetzt einige Zeit 
nach Deutſchland abzugehen, und brach den zcſten Merz mit einem kleinen Ge⸗ 
folge dahin auf. Aber nach Berichtigung der nothwendigſten Angelegenheiten langte er 
bereits den 1sten April zu Königsberg wieder an. Dahin kamen den ı6ten May 
die königlich polniſchen Bevollmächtigten, die den ten denen Sandftänden auf dem 


kneiphofiſchen Rathhauſe ihren Antrag eröfneten. Den zıften kamen fie mit dem 


Churfuͤrſten in die Schloßkirche. Weil aber bald nach ihrem Eintrit ein Stuͤck Mauer 
aus einem Pfeiler fiel, befuͤrchteten fie den Einſturz der Kirche, und verlieſſen ſolche 
ſchleunigſt. Den aten Jul. endigten ſie ihr Geſchaͤft damit, daß ſie in Gegenwart der 


Landſtände auf dem groſſen Saal dem Churfuͤrſten die Landesregierung beftätigten. Sie 


hatten wahrgenommen, daß diejenigen von Adel, die ſich bisher muͤndlich und ſchrift⸗ 
lich der churfuͤrſtlichen Regierung widerſetzt, Unwahrheiten gebraucht, und ſchaͤdliche 
Abſichten geheget. Es wurden daher ſelbige angehalten dem Churfuͤrſten öffentlich Ab⸗ 


bitte zu thun. Die königlichen Bevollmächtigten nahmen darauf Abſchled, und der 


kandtag ward geendiget. Johann Siegmund gieng ſodenn nach Deutſchland zw 
eich, wo ihm der juͤlichſche Erbſchaftsfall wichtige Bemuͤhungen machte, und 1610 
ungemeln beſchaͤftite. So wenig es damals in Deutſchland ruhig ausſahe, fo wer. 
nig war Morden in Ruhe, obgleich 161 König Carl von Schweden mit Tode abs 
gieng. Sein Sohn und Nachfolger Guſtav Adolph ſetzte feines Vaters Kriege mit 
Daͤnnemark und Polen fort, und der letztere Staat war uͤberdies tief in die rußiſche 
Angelegenheiten verwickelt, und gab ſich Muͤhe dem polniſchen Prinzen Wladislao 
die rußiſche Krone zu verſchaffen. Um die Mittel hiezu auszumachen ward vom Si⸗ 
gismundo ein Reichstag nach Warſchau ausgeſchrieben. Darauf ſolte auch die 


preußiſche Belehnungsſache endlich zum Stande kommen. Der König Siegmund 


meinte ſelbſt: daß wenn es damit zur Richtigkeit wuͤrde gediehen ſeyn, der Krone nicht 


nur ein wirklicher Zuſchub, ſondern auch die Zuneigung vieler mit dem Haufe Bran⸗ 


denburg verwandter Fuͤrſten zuwege gebracht werden könne; das Churhaus gründe ſich 
auf eine Anwartung und gewiſſe Verträge; die Regeln der Klugheit riechen, daß man 
deſſen Freundſchaft beibehalte, und die Gerechtigkeit verſtatte nicht ſelbigem das Seine 
zu "entziehen; nur das was bieher gekraͤnkt worden, muͤſſe man in feinen gehörigen 


Stand ſetzen, und wegen des angetragenen Vortheils eine ſolche Verfuͤgung machen, 
633 2 f * damit 


1610. 


OB Geſchichte von e A 
1611. damit derſelbe nicht zum Privarnugen verwendet wuͤrde, ſondern dem gemeinen g zeſen 
7 ſtatten kame. Der Ehurfürft, der im Sept aber nur auf kurze Zeit Fiöft nebſt 
feiner Gemalin nach Preuſſen gekommen, ließ daher bey denen polniſchen St nden 
durch Geſandte ſein Beſtes beſorgen. Die polniſch preußiſchen Stände, ie er 
durch einen Abgeſchickten ſchriftlich erſucht, ihren Abgeordneten auf dem Keicjerag 
zutragen dieſe Sache zu befördern, gaben ihm die beſten Verſpeachungen. Als dieſe 
Stände auf dem fandtage zu Marienburg darüber ſtimmeten: wie in der preuß! 
Belehnungsſache die Verhaltungsbefehle vor die Abgeordneten einzurichten, eklagt 
der neue culmiſche Biſchof Matthias von Konnopat den Verfall der paͤpſtli a Re, 8 
liglon in Preuſſen „Knechte, , ſegt er, worunter er die evangeliſchen verſtand , vhert⸗ 
ſchen über uns, und man über gegen die catholiſchen mehrere Härte daſelbſt als in 
England aus. Wenn man das ganze Land durchreiſet, fo findet man keine 
ſche Kirche. Dieſer Umſtand hat bey den bisherigen Handlungen mit den ch 
chen Abgeſandten die meifte Schwierigkeit gemacht. Man ſolte ſich in We 
lig darnach richten, wie es ehemals geweſen, da es noch gut um die catholiſche 
geſtanden. „ Die andern adelichen Raͤthe pflichteten dieſer Meinung bey. Der 7 
merelliſche Woywode gieng gar fo weit, daß man nach feiner Meinung dem 4 
ſten das Lehn verſagen ſolte, wofern er die Catholicken ihre ehemalige Kirchen 
einzuräumen Schwierigkeiten mache. Allein die groſſen Städte riethen die Sache 
nicht fo weit zu treiben, damit nicht der Churfuͤrſt Anlaß nehmen möge, | das Her / 
zogthum mit Macht zu ante u). 3 


$. 234. 


. Auf dem Reichstage ſelbſt war die preußiſche Wulchem zes eh 17 i 
Preuſſen end genftand der Berathſchlagungen, die auch anjetzt zur gaͤnzlichen Nichtigkeit ge 
uch beliehen. Abraham Burggraf von Dohna, Johann Truchſes von Wetzhauſen u 

chim Hübner waren die Geſandten des Churfuͤrſten. Dieſe ſuchten den 
fuͤr das Churhaus Brandenburg die Belehnung. Sie Sbergeben teh 
dem Adel und den Städten des Herzogthums an den König, an den Sena 
die Ritterſchaft gerichtete Schreiben, welcht eben deſſelben Inhalts waren. 
wurden aus dem Senat acht und aus der Landbotenſtube 23 Perſonen ı 
mit den brandenburgiſchen Geſandten in Unserfanblung treten folten, 
glich ſich dahin, daß das behn dem Churfuͤrſten Johann Sigismund g 
den, von ihm auf feine männlichen keibeserben, nach dieſer tödtlichem Hi 
fen Bruder und ihre Söhne kommen, und nach deren gänzlichem Abgange 
Polen anheim fallen; der Churfuͤrſt nebſt Verſtattung einer freien Au 
miſch catholiſchen Religion zu ſolchem Gottesdienſt eine neue Side nd R 
aufbauen, und ſie mit ioo Gulden jahrlichen Einkünfte verſorgen; a 
einer andern bey den dortigen Landes ſtaͤnden beförderlch ſenn; bene . 


1) Unsere Geſchichte S. 489 : 532. 


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— nn BEE 


Herzog Albrecht Friedrich und Churfürſt Johann Sigismund. 509 


Hetzogthum einführen; an den polniſchen Schatz jährlich 30000 Gulden, und fo oft 
in der Krone eine Anlage bewilliget würde, eben fo viel zahlen; zur Deckung der 
preußiſchen Seekuͤſte bey erheiſchender Noch vier Schiffe auf eigene Koſten halten; 
die Einjaffen bey ihren alten Vorrechten und Freiheiten ſchuͤtzen und handhaben; dle 
Berufungen von Endurtheilen, daferne es eine Summe uber soo polniſche Gulden 
beträfe, an den königlichen Hof verſtatten, und die vom Könige ertheilte ſichere Gelei⸗ 
te als guͤltig erkennen ſolte. Wie man hiermit fertig war, wurden die Bedingungen den 
geſamten Reichs ſtaͤnden vorgetragen, und den churfuͤrſtlichen ward zur perſ hnlichen 
kehnsempfahung der ı3te Nov. angeſetzt, obwol derſelben zween landboten in fo weit 
wide rſprochen hatten, daß fie die Sache vorher an ihre Brüder zuruͤck nehmen wolten. 
Der Cyurfürft war den zoſten Auguſt in Königsberg angekommen, und hielt ſich 
nachher auf der Grenze auf, bis die Belehnungszeit herannahete. Er kam erſt den 
ısten zu Warſchau an, und ward vom Könige ſelbſt, dem Prinzen Wladislao und 
den anweſenden Senatoren, etlichen Corneten Reutern und 18 Fahnen Heyducken 
vor der Stadt in freiem Felde empfangen. Sobald ſie nahe zuſammen gekommen, ſtieg 
erſt der Churfuͤrſt, denn der König von ihren Pferden ab und boten ſich die Hand. 
Sie ſtiegen wieder zu Pferde, der König ritt in der Mitten, der Churfuͤrſt zur rech⸗ 
ten, und der koͤnigliche Prinz zur linken Hand bis ins koͤnigliche Schloß zu Jasdorf, 
wo der Churfuͤrſt mit go Pferden und 36 ſechsſpaͤnnigen Kutſchen und einem Ruͤſtwa⸗ 
gen feine Wohnung nahm. Der König beſchenkte ihn mit feinem teibwagen, und der 
Caſtellan von Warſchau mit ſechs Kurfchpferden und einem Kameel. Der folgende 
Tag ward zur Belehnung beſtimmt, wozu den Churfuͤrſten die Caſtellaͤne von Gne⸗ 
fen und Elbing einluden. Die Feierlichkeit ſolte auf dem Platze vor dem Bern⸗ 


hardinerkloſter geſchehen, woſelbſt eine Bühne von rothem Tuch, auf welcher ein mit 


Gold geſtickter und mit Teppichen ausgezierter königlicher Thron ſtunde, aufgefuͤhret war. 
Der König ſetzte ſich in koͤniglicher Kleidung, mit der Krone, dem Scepter und 
Reichsapfel auf den Thron. Inzwiſchen hohlten die Woywoden von Poſen, Lenczicz und 
Maſuren den Churfuͤrſten ab, der beim gneſenſchen Erzbiſchof abtrat, und durch 
ſechs feiner vornehmſten Raͤthe den König um die kehen kniend erſuchen ließ. Nach 
eingenommener Antwort folgten Ihro churfrſtl. Durchl. zwiſchen denen Worwoden 
von Poſen und Lencziez. Vor ihnen giengen etliche polniſche Hofbedienten, der Fuͤrſt 
Radzivil, einige Eaftelläne und der Woywode von Maſuren; nach Ihnen die Abge⸗ 
ſandten von Dero drey Herren Brüdern und Dero anweſende Raͤthe. An der Stiege 
der Buͤhne wurden ſie von den Marſchaͤllen empfangen, und nebſt den Abgeſandten 
zum königlichen Thron gefuͤhret, allwo fie kniend die Lehnsfahne empfangen, welche 
zum Zeichen der Mitbelehnung, die Abgeordneten mit anfaſten, auch ſo lange hielten, 
bis der Churfuͤrſt den Lehnseld, den der Krongroßkanzler vorſagte, auf der Staffel des 
Throns kniend mit Auflegung zweier Finger auf das Evangelienbuch geleiſtet hatte; 


worauf der König den Churfuͤrſten umarmte, und ihn neben ſich zur linken auf einen 
S sul ſetzen ließ. Bald hernach trat des paͤpſtlichen Botſchafters Geheimfigreiber her⸗ 


Sss 3 vor, 


— 


1611. 


1611. 


1612. 


Worten: Da fragen wir nichts darnach; beantwortete, womit ſich dieſe Beierliche 


510 Geſchichte von Preuſſen. 7 
vor, der im Namen des Papſte wegen der gelſtlichen Guͤter im Getgogfihen Preu 
einen Widerſpruch beibrachte, welchen der Burggraf von Dohna mit dieſen wenigen 


keit endigte, nach welcher der Churfuͤrſt zu Pferde ſtieg, und mit Vortragung der 
dehnsfahne nach dem Pallaſt des gneſiſchen Erzbiſchofs kehrete. Das; men de 
Churfuͤrſten und des königlichen Hauſes war fo gut, daß ſich der König des Chuͤrfar 
Vater nannte, der ſich mit dem königlichen Prinzen gemeinſchaftlich den Ba 
Hierauf relſete Johann Sigismund vergnuͤgt nach Preuſſen ab. Fünf Mellen von 
Warſchau ſtieſſen 300 Soldaten, halb Hellebardirer, und halb mit Be be⸗ 
wafnet, zu ihm, welche in Preuſſen angeworben waren, um den Churfuͤrſten | 
feinem Einzuge in Warſchau zu begleiten, die aber zu fpäc angekommen waren. M 
diefen hielt er einen prächtigen Einzug durch die Ehrenpforten, welche vor ihn Be 
tet waren, unter dem Donner des ſchweren Geſchuͤtzes und fäutung der Glocken in die 
Hauptſtadt des Herzogthums. Auf Johann Sigismunds Befehl ward im ä 2 
tande unter Anſtimmung des Ambrofianifchen tobgefangs, wegen endlich vollzogener 
Belehnung ein Dankfeſt gehalten. Im Merz 1612 folgten ihm die königlichen 
ten Bevollmͤͤchtigten nach Königsberg. Sie reiſeten aber, ohne etwas a 
zu haben, wieder ab, weil die Staͤnde mit dem Punkt, der die 2 
traf, unzufrieden ſich bezeigten. Sie kamen aber bald darauf wieder. 
glich ſich wegen eines Platzes auf dem Sackheim, wo die catholiſche koͤnig 
Kirche erbauet werden ſolte, welches nachher auch geſchahe. Das —— 
von Polen an den Ehurfürfien, feine Erben und Mitbelehnten verwiefen, w 
ches nach deren völligem Abgange wieder an Polen fallen ſolte, welches dem 
ten ward. Nach der Abreiſe der königlichen Bevollmächtigten nahm der ( 
nach und nach vom ganzen Lande die Erbhuldigung ein. Er ließ den aten Se 
all den neuen Calender, doch mit der ausdruͤcklichen Erklaͤrung, einfü pr: 
ches Feinesweges dem Papſt zu Ehren, oder feinem Befehl zufolge, ſondern b 
Könige und dem Churfuͤrſten zu Gefallen geſchaͤhe. Er hatte eine Kleider 
deordnung in Preuſſen verfertigen laſſen, und feine Geſandten Johann 
Hauptmann zu Fiſchhauſen, Eyſtach von der Groͤben, und der für 
Bürgermeifter D. Wilhelm muſten die Stände im polniſchen Preuſſen e 
ſolche auch, der nahen Nachbarſchaft wegen, in ihrem Antheil einzuführen. 
hatten ſolche andere Sachen zu berichtigen, Unter andern beſchuldigte der n 
giſche Woywod die Städte, daß fie durch ihre letztere Geſandtſchaft an 
ſten die Erbauung einer Kirche in Königsberg zu hintertreiben bemüͤhet } 
te aber fein Anbringen durch nichts beweiſen. Auch mit den e ) 
fen war das polnische Preuſſen nicht zufrieden. Sonderlich befehio 
das Verbot, die Waaren durch die Mark und Pommern nach Preuf 
da man boch von je her die Freiheit gehabt, ſich in den benachbarten far nden 


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Herzog Albrecht Friedrich und Churfürſt Johann Sigismund. Fl 
rung gelaſſen anſehen wuͤrden ‚ woraus allerley Verdruͤßlichkeiten fich beforgen lieſſen, die 
wol gar zu Störung des Friedens ausbrechen koͤnten. Johann Siegmund reiſete nun⸗ 


mehro nach Deutſchland ab, behielt aber die preußiſchen Angelegenheiten beſtaͤndig vor 


Augen. Es war ihm angenehm, daß 1613 Daͤnnemark und Schweden ſich mit einander 
ausſöhnten. Er ſchickte Geſandten auf den polnifchen Reichstag, die auf feinen Befehl 
verlangten, daß alles, was im vorigen Jahr dem vorigen Reichstagsſchluß gemäß von 
den königlich polniſchen Bevollmächtigten im Herzogthum Preuſſen verabhandelt waͤ⸗ 
re, durch einen Reichstagsſchluß beſtaͤtiget werden möchte. Es geſchahe ſolches wirk⸗ 
lich dadurch, daß alle 1609 und 1612 wegen des Herzogthums Preuſſen ausgefertigte 
Urkunden denen Reichsgeſetzen einverleibet wurden. Weil aber die königlichen Bevoll⸗ 


maͤchtigten in ihren Schriften die Reformirten von Bekleidung und Bedienungen der 


Ehrenaͤmter gaͤnzlich ansgeſchloſſen hatten, ſo widerſprachen dieſem Umſtande die damals 
aus Polen und Lithauen auf dem Reichstage anweſende Evangeliſche schriftlich. „Es 
fen ſolches, ſagten fie in ihrer Urkunde, weder mit dem Churfürften verabredet, noch 
auch von denen Reichsſtaͤnden begehret. Hierdurch ſey die warſchauiſche Religions ⸗ 
vereinigung gekraͤnket, eine bisher ungewöhnliche Glaubensunterſuchung eingefuͤhret, und 
die durch die ſendomiriſche Einſtimmung zwiſchen den geſamten Evangeliſchen getroffe⸗ 
ne Eintracht zerriſſen.,, Dem Churfuͤrſten waren dieſe Einwendungen um fo viel lies 
ber, weil er aus bewegenden Urſachen ſelbſt zur reformirten Kirche uͤbertrat. Da 
das Churhaus Brandenburg feine Rechte auf Preuſſen ſo gluͤcklich durchgeſetzt, fo 
ſahen unſers Churfuͤrſten Vettern in Franken, obwol zu ſpaͤt, ein, daß fie ſich in dies 


ſem Geſchaͤft zu ihrem eigenen Nachtheil von dem vorigen und jetzigen Churfuͤrſten ab⸗ 


geſondert hätten. Sie hatten anfaͤnglich dem Churfuͤrſten den Beſitz von Preuſſen 
nicht alleine gegönnet, und die Churlinie alle ſchwere Koſten alleine tragen laſſen, die 


man, den Beſitz von Preuſſen endlich zu erlangen, aufwenden muͤſſen. Weil nun in 


der letztern erhaltenen polniſchen Belehnung nur des Churfürften und feiner Erben und 


Buder, nicht aber der fraͤnkiſchen Vettern, gedacht worden, fo ſuchten dieſe letztern 


durch Geſandte auf dieſem polniſchen Reichstage in einem beſondern Gehör die Mitbe⸗ 
lehnung des preußiſchen Herzogthums, waren aber nicht fo gluͤcklich, dieſelbe zu erhal 
ten. Der Churfürft ließ 1614 den Anfang zum Bau der catholiſchen Kirche zu Kir 
nigöberg, den mit Polen geſchloſſenen Verträgen gemäß, machen. Er konte aber 
nicht verhindern, daß in Preuſſen nicht noch beftändig einige Unruhen geweſen wären, 


Es zeigten fich beſonders 1615 hieſelbſt zwey Parteien. Die eine, welche die klagende 


hieß, ſuchte das, was ſie verlangte, am polniſchen Hofe, dahingegen die andere, 
welche man die widerſprechende nannte, alle kandesangelegenheiten im Lande ſelbſt ent 

sieben wiſſen wolte. Dies bewog den Churfuͤrſten, 1616 den 2aften September 
wieder nach Koͤnigsberg zu kommen. In ſeinem kleinen Geſolge befanden ſich meh⸗ 
tenıheils preußiſche von Adel. Hier unterzog er ſich den Regierungsg⸗ ſchaͤften dieſes 
landes mit groſſem Eifer. Zu ſeinem Vergnuͤgen war der ſogenannte neue Graben eben 
fertig geworden, an welchem er ſeit 16 z mit groſſen Koſten hatte arbeiten laſſen. Es 

. e i lang⸗ 


1612, 


1613. 


1614. 


1615, 


1616, 


1616. 


1617. 
1618. 


Der herzog Kaum war ſolches geſchehen, fo gieng Albrecht Friedrich der blöde Herzog dm 


re ie 28ſten Auguſt dieſes Jahres zu Fiſchhauſen mit Tode ab. Der 
rich der 


ſtirbt. 


8 gema: Er hatte ſich mit der reichen Erbin der juͤlichſchen, bergiſchen und 


2 ESGſcſhichte von Preuſ vn. 


wichtige landes bedienungen zugleich bekleiden koͤnten. In Gegenwart der p 


de ertblaßten Körper den sten Februar 1679 nach Königsberg bringen, und daſeloſt den 


langten auch auf Verlangen der klagenden Partey polniſche Abgeordnete an, die dem 
landtage, wider ehemalige Gewohnheit, beiwohneten, und doch zu Vereinigung der 
Parteien nichts beitragen konten, welche vielmehr eine neue Streitigkeit über die Fra⸗ 
ge bekamen: ob zwey Bruͤder, nemlich Fabian von Dohna, der Amtshauptmann 
zu Brandenburg, und Friedrich von Dohna, der kandhofmeiſter, dieſe zwey 


Abgeordneten und des Woywoden von Cracau ward den 2ıften December die den Ber⸗ 
traͤgen mit Polen gemäß zu Königsberg erbauete catholiſche Kirche von dem Biſchof 
von Koha eingeweihet. Auf Verlangen der klagenden Partey langten den gten May 
1617 abermals die polniſchen Abgeordneten zu Königsberg auf dem Landtage an. 
Der Churfuͤrſt ließ aber feinen Churprinzen George Wilhelm den zten Jun. 1618 
nach Preuſſen kommen, um demſelben deſſen kandesangelegenhelten bekandt zu 
machen x). | UN 5 
$. 235. VER 


E 141 


laß deffen 


böten Februar mit gehörigen Feierlichkeiten in der Domkirche beerdigen 50. Da dee 
tiefe Schwermuth, in welche dieſer Prinz bald nach angetretener Regierung verfallen, 
bis an feinen Tod anhielt, fo ſtand er ſowol, als das fand in der Zelt unter der vor / 
mundſchaftlichen Regierung feiner naͤchſten tehnsverrern. Eben dieſe Schwermuch vers 
hinderte ihn auch, die guten Eigenſchaften zu zeigen, zu denen man ſich in feinen jun 
gern Jahren die gröfte Hofnung gemacht hatte. Wir muͤſſen alfo nur noch von feiner 
Gemalin und Kindern fprechen. . 
Verlaſſenſchaft Maria Eleonora 1572 verlobt, moben in denen Eheverträgen ihr nach 
Abgang des juͤlichſchen Mannſtams die Erbfolge aller Lande vor fich und i ee, 
kommen vor ihren Schweſtern ausbedungen wurde. Ihr Vater war Herzog 
von Juͤlich, Cleve und Berg, und ihre Mutter Maria, Kaiſers Ferd 
Tochter. Sie ſelbſt war geboren den 2sften Jun. ısso. Ihr Herr Vater 
ſelbſt ihrem kuͤnftigen Gemal 1573 zu. Da fie ſchon zwey Verlobte durch de n 
foren, fo feßte fie ihre Reife nach Preuſſen fort, ohnerachtet fie bereits ve 
ſtoſſenen Schwermuth Herzog Albrecht Friedrichs benachrichtiget worden. 
ſammengebung geſchahe auf dem Saal zu Königsberg den naten Oete ber 
Es war ihr auſſer drey andern Orten die Stadt Holland zum Wiethum ver 
welche letztere Stadt aber erſt 1576 von dem von Zeemen ausgelbſet wer 


„) Unfere Geſchichte B. 3 S. 3337524. She =) Alta Boruſſ. T. a p. 1 . f 


venhuͤller Ann. Ferdin. T. 7 p. 432. 433 I. e. Tab, 180. T. 1. ſagt, die B. 
5) Erl. Pe. T. 3 p 538. Hübner Gen. Tab. ten Sebr. geſchehen. & fol 
T. 1. Tab. 180. ſagt den sten Auguſt. Vermälung durch Bevollmaͤchtigte zu 


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Herzog Albrecht Friedrich und Churfuͤrſt Johann Sigismund. Fiz 


Da ihr keine Hofnung zur Wiedergeneſung ihres Gemals übrig geblieben, fo ſuchte ſie 
zwar ſelbſt die Landesregierung zu uͤberkommen, konte aber gegen den naͤchſten Mitbe⸗ 
lehnten Marggraf Georg Friedrich nichts ausrichten. Da jedoch nachher die Chur⸗ 


fuͤrſten von Brandenburg Joachim Friedrich und Johann Sigmund ihre Schwie⸗ 


gerfühne geworden, fo bearbeitete fie fich ſelbſt in den folgenden Zelten zum Beſten dies 


li 


fer Herren. Nachdem ihr Herr Vater 1592 mit Tode abgegangen, that fie eine Reiſe 


nach ihrem Vaterlande zu ihrem noch einzigen Bruder Herzog Johann Wilhelm, 
deſſen unbeerbten Tod fie aber nicht erlebte. Sie ſtarb den zten Jun. 1608 a), und 
ward den ı7ten Jul. 1609 in der koͤnigsbergiſchen Domkirche begraben, da kurz zus 
vor den z5ften Merz 1609 durch den Tod ihres Bruders Johann Wilhelms die juͤ⸗ 
lichſche Erbſchaft erlediget worden. Vermuthlich wären die groſſen Streitigkeiten we⸗ 
gen der juͤlichſchen Erbſchaft nicht entſtanden, wenn fie dieſen ihren Bruder uͤberlebet haͤtte. 
Die Kinder, die fie ihrem Gemal geboren, ſind? b 
1. Anna, geboren den zten Jul. 1575. Sie wurde den rsten Auguſt getauft, 
und hatte unter andern den König von Polen Stephanum und ihren Grosva⸗ 
ter Herzog Wilhelm von Eleve zu Taufzeugen. Bey Gelegenheit einer Reife 


und Findet 


der Frau Mutter nach Cleve 1591 ward an ihrer Verlobung gearbeitet, welche | 


Sache auch 1592 zum Stande kam. Das Beilager erfolgte den zoften Octo⸗ 
ber 1594 zul Königsberg mit dem Marggrafen und nachmaligem Churfürften 
Johann Sigmund von Brandenburg. Sie brachte ihrem Gemal nicht nur 
die Erleichterung des Beſitzes von Preuſſen, ſondern auch das völlige Recht auf 
die juͤlichſche Verlaſſenſchaft zu. Sie verſtarb auf dem churfuͤrſtlichen Schloſſe 
zu Berlin um ı Uhr nach Mitternacht zwiſchen dem agſten und zoſten Merz b) 


1625. Jbr Körper wurde den zaſten Jun. nach Königsberg in Preuſſen abe 


geführet, und dafelft in der Domkirche bey ihren Vorfahren beerbiget. _ 
2. Maria, geboren den 2aften Jan. 1879. Sie hielt den ꝛcſten April 1604 zu 


Pllaſſenburg Beilager mit Marggraf Chriſtian von Brandenburg, dem Stif⸗ 


tr der jetzigen bareuthiſchen linie. Sie ſtarb den neten Febr. 1649. ö 

3. Albrecht, geboren den ıften Jun. 1580, gieng aber ſchon den sten October 
1580 wieder aus der Welt. IS 52 

4. Sophia, geboren den ziſten Merz 1382. Sie vermälte ſich 1609 mit Wils 
helm Kettler, Herzog von Curland und Semgallen. Sie wurde die Stamm⸗ 
mutter der folgenden Herzoge von Curland durch ihren Sohn Jacob, den ſie 


den 28ſten October 1610 zur Welt gebracht. Sie ſtarb aber noch in eben dies 


ſem Jahr 640. 

. Eleonora, geboren den taten Auguſt 1383. Nach ihrer erſten Erziehung kam 
fie fruͤhzeitig an den berliniſchen Hof, wo fie der Churfuͤrſt den zaften October 

he ; — 8 1603 

9 Erl. T. 3 p. N g 5 Soͤbner 1. T. 1. Tab. 180. ſagt, ſie ſey den zſten Ma 
0 wa 1 . * 1 N nie 7 — T. 1. Tab. 180 ſagt, den 4 5 May. r 
V. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Tet N 


2629. 


aber nach der Mark auf, wohin ihn theils der ausgebrochene dr 


514 Sei von Preuſfſn. m 80 

165603 EEE antrauen ließ. Sie ſtarb aber W ach gehaltenm 
Kindbette den aten Merz . und ward Len, ten n April in der churfurſti⸗ 
chen Gruft beigefegt. V 
6. Wilhelm Friedrich, gröorenten fen gan , bes cn ae wem 
Januar 1586. „ ee 
7. Magdalena Sybila, geboren ber zoſten Dec. EN Sie vermälte ſich 
sgten Jul. 1607 an den Cpurfürften Johann Georg ı von Sachſen, und 

mit him dos jeige Ehurhaus Sachſen ſortgeſett. ba. aten Febr. 
5 Ber 


Olic nach dem Tode des blbden Heros Albrecht 


— 


| BR Churfürſt Johann Sigmund, der ohnedies bereits die Re en 


Preuſſen fuhrte, nur dieſelbe fortzuſetzen. Seine Gegenwart im lande Blie 
thig. Er ſchickte zwar ſeine Gemalin, den Churprinzen George Wilheln und deſſen 
Gemalin den gten October aus Preuſſen nach der Mark wieder ab, 0 er fü 3 
ſelbſt den raten dieſes Monats von Königsberg. Doch ſchon den a9 ſten 5 
traf er mit feinem juͤngſten Prinzen in der preußiſchen Haupeftadt wieder 1 1 
Begraͤbniß ſeines Herrn Schwiegervaters zu beſorgen. Doch ihn ruͤ - 
Schlag, fo daß er feit der Zeit eine Laͤhmung einiger Glieder, behiel \ 
ihn, bis zum izten May 1619 in Königsberg zu bleiben. An die 


theils die Kaiſerwahl zu gehen noͤchigte. Er befand ſich jedoch nach fei 
immer ſehr kraͤnklich. Dies beſtimmte ihn, die-Regierung aller feine 
22ften November feinem Churprinzen und Nachfolger Georg 1 
Dir Churfürſt Johann Sigmund ſtarb auch wirklich den azſten Decem 
lin, wo er den zten October des folgenden Jahres aur f dend no 
alſo derjenige geweſen, welcher das Herzogthum nen 
Brandenburg völlig vereiniget hat. Und da wir den vorigen: Band unf | 
te mit feinem Tode beſchloſſen haben, ſo konnen wir zun 
bung der er des . Ga . me 
helms fortgehen. DE n 
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Der neuern 


Geschichte von Brandenburg 


Zehntes Hauptſtuͤck. 


Von der Regierung 


des Churfuͤrſten Georg Wilhelms, 


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doe, erzielt batte, hieß George Wilhelm. Es kam derſelbe, nach 
der alten Zeitrechnung, den zten November zwiſchenñ z und 4 Uhr Nachmittags in Ber⸗ 


lin zur Welt, als eben der König von Daͤnnemark von da abgereiſet, zu Berlin 


aber des Königs wegen noch eine anſehnliche Geſellſchaft vornehmer Herrſchaften beifams 
men war. Es befanden ſich auſſer dem damaligen Churfuͤrſten Johann Georg und 
deſſen Gemalin und Kindern der Churprinz Joachim Friedrich, Verweſer des Hoch⸗ 


ſtifts Magdeburg, nebſt feiner Gemalin Catharina und Prinzeßin Anna Cathari⸗ 


na, der Marggraf Johann Sigmund, die Fuͤrſten Johann Georg und Chriſtian 
von Anhalt mit ihren Gemalinnen, eine Pfalzgräfin beim Rhein, die Herzoge von 
Luͤneburg und Holſtein, nebſt vielen andern in den churfuͤrſtlichen Wohnſtaͤdten. 


Die Freude uͤber die Geburt dieſes Prinzen muſte ausnehmend ſeyn, da auſſer ſeinem 


Herrn Vater Johann Sigmund und Grosvater Joachim Friedrich, ſogar ſein 
Aeltervater Churfuͤrſt Johann Georg ſolche erlebten. Den ı6ten November ward 
Georg Wilhelm zur Taufe getragen. Am Abend dieſes Tages richtete der Hof dem 
Joachim von Winterfeld, der des Hans Zachariaͤ von Rochow Tochter Eliſa⸗ 
beth heiratete, und dem Nicolao von Koͤtteritz, der ſich die Hedwig von Bellin 
ehelich beilegte, die Hochzeit aus. Den Aut und ıgten November bezeigten die Herr⸗ 

a tt 3 . ſchaf 


5 er ältefte Sohn des Chucfuͤrſten Johann Sigmunds, den er mit der Georg Wit: 
San preußifchen Peinzeßin Anna, der Erbin der jülichſchen Verlaſſen, Helms juge 


nd. 


5¹ 3 Th 10 Haupiſt. Neuere Gabe Bra 5 

ihr Vergnügen durch ein Ringrennen, in welchem ih 0 de 

Sie Siegmund und Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt ber 5 | 5 5 

age geſchahe der Aufzug in ſchwarzen, am andern in rothſamme 
5 und geſchlagenen Goldroſen a). Der Tod des 

Eu ‚welchen 1598 erfolgte „ binderte die ee 8 


ih doch Be 2 
. n 1617 auf die hohe Schule nach f 
fer ihm ein bruͤgi unſterbergiſcher Prinz ſich eben date 
ſem Mufenfig vieles Anſehen gaben 5). _ 1612 reiſete Georg W 
am Mayn, um die Krönung des neuen Kalſers Matthiä an 
Herrn zu empfehlen, „ auch mit vielen hohen 4 erſonen bef 


traf den sten Jun. Nachmittags mit dem darggra ra Im n einem a 
Wagen W an, und wurde durch die Reuterey der Stadt au rt eingeholt. 5 


Den ızten Jun. ritte er in dem zierlichen Krönungsau 

wohnte bey der Kıbnung el dem A f 
bis endlich den zıften Jun. der kaiſerliche Hof in Begleitung dreier $ 
durch das Anſpachiſche und Nuͤrnbergiſche wieder nach Prag abgieng 
fer Zeit wurde der Churprinz immer mehr und mehr zu Reglerungsg 
Weil nun 1613 den ıgten Sept. der erſte brandenburgiſche Statthe | 
ſchen Erbſchaftsſtücke der Marggraf Ernſt mit Tode Sir ernann 
? Ehurfürft dieſen ſeinen Churprinzen den ꝛſten Oct. durch ‚ein öffent a a 

zu feinem Statthalter in diefen fanden... Dan! konte von den Unter han der jüil 
Erbſchaft hoffen, daß fie ſich um fo viel mehr an dieſen Prinzen halten m buͤrden, 
ſelbiger wegen feiner Frau Mutter der einzige Erbe der ganzen cleviſche 
ſchaft, und noch überdies der churbrandenburgiſche Hof öffentlich Ge 
Kirche uͤbergegreten war. Jedoch eben dieſe Umſtände gaben dem P 


eformir > 


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Neuburg Wolfgang Wilhelm, der von Seiten feines Haufes die S faba | g erfcha J = 


in dieſen Landen führte, zu gar ſorgſamen Gedanken Anlaß. En 
Statthalterſchaft! des Churprinzen öffentlich , und wolte denſelben fein 
zu keinen. Regierungsgeſchaͤften ziehen. Als beide Herrn 161g Mi 7 
get, zeigte ſich gleich das gegenſeikige Mistrauen dadurch, daß bei 
— verſchiedene Wachen beſtellen lieſſen. Brandenburgiſcher S S 
Pfalzgrafen im Schloſſe Juͤlich nicht einlaſſen. Der N 
dorf nicht mehr ſicher, ohnerachtet er aus Möͤrs eine Verſtaͤrk 

an ſich gezogen. Er reiſete alſo den zten May ‚über Weſel na nach Cleve ab. 
8 haber in Jülich der 200 Mann, wovon aber nur 9 0 brandenb 


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5 B. 3 Unferer Geſchichte S. b) Cernitius S 5 
0 Ibid. p. 103. Kbevenbällers Ann. Perd. si 1612. 75 2 5 Bert 
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bliauptſächlich auf die 
* ar der Cpurfürft von der Pfalz das 


welehe 


Churfürſt Georg Wilhem. Ft 
ſchen Pfichten ſtand, unter ſich hatte, zog noch 200 aus der Nachbatſchaft an ſich, 1619. 
ließ an den Veſtungswerken arbeiten, und deutete denen in pfaͤlziſchen Pflichten fies 
henden an, ſich aus Jülich nach Diffeldorf zu ziehen. Dies vermochte den Pfalz 
grafen Werbungen anzuſtellen, und Düſſeldorf zu beveſtigen. Die zu Wiederherſtel⸗ 
lung der Ruhe zu Weſel angeſtellte Unterhandlungen waren fruchtlos. Die Spas 
nier machten Mine, unter dem Vorwande die kaiſerliche Acht gegen Aachen und Mühe 
heim zu vollſtrecken, in die jllichſche kande einzubtechen. Der Churprinz ließ daher 
Werbungen anftellen, und bewarb ſich im Haag um holländifihe Hülfe. Sobald 
nun Spinola wirklich viele Platze, ſonderlich Weſel und Tanten beſetzte, traf auch 
Moriz von Oranien mit den hollaͤndiſchen Völkern in dieſen Gegenden ein, bemäͤch⸗ 
tigte fich von Emmerich und Rees nebſt andern Plätzen. Zu Tanten wurde zwar 


an Welederherſtellung der Ruge gearbeitet, und den aten Nov. durch einen Vergleich 


der Befig der jüͤlichſchen Staaten zwiſchen Brandenburg und Pfalzneuburg gechellt, 


ber weder die Spanier, noch die vereinigten Niederlande hatten rechte kuſt, die ein⸗ 


mal beſetzten Orte zu räumen, woben ein Theil die Schuld auf den andern ſchob. Der 
yantenfche Vergleich kam alſo nie völlig zur Wirklichkelt, obgleich der Cpurprinz ſelt 
dieſer Zeit feiner Reglerung und Hofbaltung in Cleve, und der Pfalzgraf Wolfgang 
Wilhelm die feinige in Düſſeldorf behielt. Die Holländer befegten vielmehr, unter 
dem Vorwalnde, der Stade Braunschweig zu Hilfe zu kommen, 1615 die Grafſchaf⸗ 
een Mark und Rabdensberg und ſpwol das Haus Brandenburgals Neuburg fanden 
Urſachen (re Uneinigfeiten zu beklagen. Unftm Epurprinten wurde fogar nach dem 
teben geſtellet, jedoch den sten Febr. dieſer Anſchlag zu rechter Zeit entdeckt. Er 
relſete auf Befehl feines Herrn Vaters den aaſten Merz 1616 mit drey Compag⸗ 
nien Reuter aus Cleve nach Berlin ab. Die zuruͤckgelaſſene Rache zeigten durch eine 
übergebeue Schulft wie de dine völlige Bertraufichteit und Eintracht zwifchen den Hu, 


en Brandenburg und Pfalzneubutg wa ſchren. Der Cpurpring, zeigte aber in e, 


ner Autwort, daß von ſeiner Seite d ch Abdankung der Kriegsvölker, zwar hiezu der 

Weg gebahnet fen, daß aber Neuburg dieſe gute Eintracht Hindere, Die Spanier 

nahmen wirklich Dortmund, Soſt und Lippftadt in Beſit d) Der Churprinz 

reiſete in Perſon nach Se So wie ſich nun das Haus Ae 

uf die Hülfe dit römiſh catholiſchen vertieß, fo wachte hingegen das 

us Brandenburg auf vie ie Evangelischen groffe Rechnung Weil nun 

der Pf Haupt der proteſtantiſchen Union war, fo Biel 

der brandenburgiſche Hof vor nöthig, mit dem Churhauſe Pfalz ſich ſo genau als 

n 1 „ Dem e e Bei Ba 1 den 
ufammenkünften zu Gellenhauſen und Heidelberg eine pfölziſche Prineßln zur Ge 

bahn de bogen, un n d Bean 

aſſenen Prin 


Die ö Ehe ni rden 3 0 v 7 zu N e 1 
ia Churfürften Friedrichs 4 von der Pfalz hinter 
otta vollzogen. Beide neue Eheleute verfügten ſich hierauf nach 
N ’ 5 eve, 


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malin zugedacht. 
ul. das Beilage 


2 Kbevenlüller Annal, red uE E 


1619. 


Zuſtand von Die öfterreichifchen Erblande ſtunden bereits in völligen Flammen, e um 
ser 0, um ſo viel unvermeidlicher durch ganz Deutſchland ausbreiten muſten, da j 
Pi hurfürkt befindliche Proteſtanten die Unterdruͤckung ihrer Religion, eben ſo wie ihre eiae 5 


ward. N 


520 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg, 


Cleve, und von da kamen ſie auf des Cburfuͤrſten Gutbefinden 1617 in Berlin an e 
1618 trafen ſie den zten Jun. zu Königsberg in Preuſſen ein, reiſeten aber bereits den 
sten Oct. in Geſellſchaft der Churfürftin nach der Mark zuruck. Es war ſolches um 
fo viel nöthiger, da der Churfuͤrſt ſelbſt im folgenden Jahr 1619 ſehr ſchwaͤchlich aus 
Preuſſen zuruͤck a ‚ deffen Zuftand. ſich von Zeit zu Zeit ſo 
daß er bereit den z7ften Nov. vor gut befand die Regierungslaſt ſeinem debe 
zu übertragen, und noch vor Ablauf des Jahres den in Denis 

wodurch denn George Wilhelm zur völligen Regierung des 2 und arm, 
derer Staaten, aber in den allerbedenklichſten Zeitumſtaͤnden ene 5 8 = 


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bruͤdet der Faiferlichen Erbſtaaten, befuͤrchteten, und ſolcher mit Gewalt zu begegt 
die Union re „in der ſich des neuen Jou Et e der Marggraf Chris 
ian von Bareuth, ſonderlich aber Joachim Ernſt von An und Johann 
is von Jaͤgerndorf fehr geſchäftig ch die Liga a dem Herzog 
Maximilian von Bayren ſtand ebenfals in völliger Bereltſchaft die Sache der ron 
ſchen Kirche gegen die evangeliſche zu verfechten. Zum Gluͤck vor die atholiſch 
Kirche war Erzherzog Ferdinand 2 Kaiſer geworden, deſſen brennender Eifer vor f 


ne Religlon bereits denen Proteftanteni in feinen Erblanden die Waffen, in die 64 a „ 


geben, und es ſchien nun vor die Union ſehr bedenklich gegen den Kalſer 
brauchen. Und doch verlieſſen ſich die Mißvergnuͤgten in den eee 
den auf den Beiſtand der proteſtantiſchen deutſchen Reichsſtaͤnde fo ſehr, de 

erlangten Kaiſerwuͤrde unerachtet, Ferdinand 2 vor ihren Oberherrn in dem 0 
Böhmen nicht erkennen wolten, weil ſolches ein Wahlreich ſey, und Fe Ferdin 
ſich alles Rechts, das er durch ſeine 2 Krönung zu 1 


2 


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wirklich zur Unzeit an, und ließ ſich kronen. Er konte aber von da 
verſammleten Proteſtanten nicht erhalten, daß ſich ſolche gegen 155 
men entſchloſſen hätten. Sie verſprachen blos die ichen Erb! 
cheldigen. Der churbrandenburgſche Geſundte von machte fi 
berg anpeifipig durch feinen Hof bey Churſachſen alles anzuwenden zu 

Proteſtanten e einen churſächſiſchen Kreistag zu erhalten. Die Ligiſter 


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Chuiflift Gtorg Wilhelm.  sar- 


aber gleichfals zu Würzburg verſammlet, und ihr Haupt der Herzog Maximilian * 


von Bayren, an den die verſammleten Proteſtanten eine Geſandtſchaft abſchickten, 


batte ſich mit dem Kaifer zu München unterredet, welches der Union ſehr bedenklich 


ſiel, deren Geſandeſchaft keine weitere Wirkung hatte, als daß die Liga gegen die Dro⸗ 
hungen der Proteſtanten ihre Zuruͤſtungen vermehrte. Da nun die Union die Erb⸗ 
ſtaaten des Friedrichs, die Liga aber die Staaten des Ferdinand 2 zu befihügen im Be⸗ 


grif ſtanden, fo konte man voraus ſehen, daß der Krieg nicht in denen Öfterreichifchen 


tanden allein bleiben wuͤrde. Die Stände des nie derſaͤchſiſchen Kreiſes dachten zuerſt 
an ihre Vertheldigung. Die Stifter in dieſen Gegenden waren meiſt in den Händen 
proteſtantiſcher Prinzen, und man wuſte, daß die Catholicken daruͤber mißvergnuͤgt 
waren. Damit dieſe alſo abgehalten wuͤrden gegen die Stifter etwas zu unternehmen, 
beſchloſſen die niederfächfifchen Stände zu Braunſchweig, daß jeder von ihnen drei⸗ 
mal ſo vlel Soldaten ſtellen ſolte, als der Reichsanſchlag veſtſetze, und daß der braun⸗ 


ſchweigiſche Fuͤrſt Ehriftian, Verweſer des Stifts Halberstadt, dieſe Völker als 


Kreisobriſter befehligen ſolte. In Oberſachſen hielt man zwar auch zu Leipzig eine 

Verſammlung. Weil aber der Churfuͤrſt von Sachſen die Parten des Kaiſers hielte, 

ſo konten die Proteſtanten zu keinem vortheilhaften Schluß gelangen. Die Liga ver⸗ 

ließ fich auf paͤpſtliche, ſpaniſche und lothringiſche Huͤffe, und hielt zu Erhaltung 
der catholiſchen Religion vor noͤthig, dem Haufe Defterreich in der böhmifchen Sa⸗ 
che beizuſtehen. Selbſt Frankreich verſprach dem Kaifer Huͤlfe; hingegen verließ 
Jacob von Großbritannien ſeinen eigenen Schwiegerſohn. Der einzige Bethlem 
Gabor Faͤrſt von Siebenbürgen nahm ſich der Boͤhmen an. Er ſuchte König von 
Ungarn zu werden, und fand wirklich eine ziemliche Anzahl Anhaͤnger, die mit Fer⸗ 
dinands Regierung eben ſo unzufrieden waren als die Böhmen. Gabriel Bethlem 
brach daher in Oberungarn ein, und unterwarf ſich meiſtens dieſes land. Er ſchick⸗ 


te hierauf 12000 feiner Leute zur Verſtaͤrkung des Grafen von Thurn. Dieſer gleng 


nach einem nicht unglücklichen Gefechte gegen Buquoi und Dampierre wieder bis in 
die Gegend von Wien. Die Kaiſerlichen verloren zu eben der Zeit gegen den Brafen 
von Mansfeld alles in Böhmen, bis auf Budweiß und Crumlau. Zum Gluͤck 
fur den Ferdinand 2 fiel Humanai den Bethlem Gabor an, und dieſes machte 
daß die ungariſchen Volker ſich vom Thurn wieder abſondern muſten. Humanai, 
der des Kalſers Völker in Oberungarn befehligte, war nemlich durch 10008 Mann 


verſtaͤrkt worden, welche der Konig von Polen Siegmund, ein Schwager des Kai⸗ 


ſers, zu Huͤlfe geſchickt hatte. Der Churfuͤrſt von Sachſen bezeigte wegen des Bow 
zuges, welchen die Proteſtanten eine Zeit her dem Churfuͤrſten von der Pfalz einge⸗ 
raͤumet/ wenig Luft, ſich dem Kalſer zu widerſeten, durch den er, in Abſicht der juͤ⸗ 
lichſchen Erbſchaft, Vorthelle zu erhalten hofte. Heſſendarmſtadt wolte durch des 
Kaiſers Huͤlfe die ſtrittige marburgiſche Erbſchaft gegen das Haus Heſſencaſſel nach 
feinem Verlangen ausgemacht wiſſen, und ließ alle Zuneigung vor Ferdinand 2 bli⸗ 
den Der Herzog von Braunſchweig rr und der Fuͤrſt von Damm 

Pl allg preuß. Geſch. 4 Th. land 


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522 38h. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. - 
1619. land hielten es ebenfals mit dem kalſerlichen Hofe, um durch deffen Beiſtand die Stad ⸗ 
te Braunſchweig und Emden völlig zum Gehorſam zu bringen. Die Proteſtan⸗ 
ten waren alſo in den damaligen Angelegenheiten von ſehr verſchiedenen Geſinnungen, 
wogegen die Catholicken mehr zuſammen hielten, und alle des Kaiſers Sache als ihre 
Religionsſache anſahen. Von dem Übrigen Europa war in den boͤhmiſchen Angeles 
genheiten vor Friedrich 5 wenig zu hoffen. Portugall und Spanien funden unter 
der Regierung Philipps 3, oder beſſer zu ſagen, ſeiner Staatsbedienten, welche gut 
oͤſterreichiſch geſinnet und bereits mit dieſem Haufe eins waren, groſſe Entwürfe, 
zum Vortheil der catholiſchen Religion und des geſamten Hauſes Oeſterreich auszu ⸗ 
führen. In Frankreich hatte Ludwig 13 theils auf feine Frau Mutter, theils auf 
die Hugonotten zu ſehen, und Richelieu, der eben ans Ruder gekommen, bezeigte 
ſich in Abſicht der deutſchen Sachen anfänglich mehr wie einen Geiftlichen als = einen 
Staatsmann. Von dem Jacob 1 von England hofte fein 
fürft Friedrich 5 den meiften Beiſtand; aber alle dieſe Hofnung e 
Vorſat dieſes Königes den Prinzen von Wallis durchaus mit einer Prinzeßin aus kb / 
niglichem Haufe und von einer Religion zu vermaͤlen, welche Biſchöfe hatte. Fr 
niſche Geſandte an feinem Hofe, Don Diego Sarmiento d' Acunha 
Gondomar wuſte ihn in den Gedanken ſehr geſchickt zu beſtaͤrken, daß he Les ur 
ter Maria Anna vor feinen Prinzen am zutraͤglichſten fey, da doch der ſpaniſche Hof ar 
nur damit umglenge, den Jacob durch Unterhandlungen wegen dieſer Heirath von allen 
muthigen Entſchlieſſungen zum Beſten des Churfuͤrſten von der Pfalz und der 
ſtanten, abzuhalten. König Chriſtian 4 von Daͤnnemark war unter | 
ſchen Prinzen der einzige, der Ruhe hatte, und tuft bezeigte, beſonders bie n. 
deutſchen Stifter denen Proteſtanten zu erhalten, und nur abwartete, was die Sa ⸗ 
chen in Böhmen vor eine Geſtalt gewinnen würden. Guſtav Adolph König von 
Schweden, dieſer eifrige Lutheraner, voller Muth, brauchte alle feine 3 
er bisher gethan, feine Krone nach Verflieſſung des gemachten Waffe gegen 
feinen Vetter den König von Polen zu vertheidigen. Der neue rußiſch Czaar M 5 
chael Foeodorowiz Romanow brauchte Zeit fich in feiner neuen Wat f 
zuſetzen. Siegmund 3 König von Polen war in den moldaui 6 
Krieg hart verwickelt, mit dem Haufe Oeſterreich acheter de reit 
tern jetzt Huͤlfe zu leiſten, um von demſelben kuͤnftig Beiſtand bab 
genieſſen. Der Sultan Ottomann 2 wurde durch innere Angelet 
Staaten, mehr, als durch den Waffenftillftand mit dem Hauſe Defter 
Thaͤtlichkeit gegen daſſelbe zuruͤck gehalten. Der Papſt Paul 5ſihe die Vor 
dinands 2 vor fine eigene an, und ließ es weder an Ermahnungen zum 
das Haus Oeſterreich noch an Geldhuͤlfe fehlen In der Schweitz wat 
buͤnder durch ſpaniſche Künfte in groffe Zwiſtigkeit gerathen, die verſchlede 
gions verwandten gegen einander erbittert, und die innern Angelegen 
ſehweißeriſchen ER damals am allerwenigſten ſich in die di 


Ehurfinft Georg Wilhelm. 523 
miſchen, da es ohnedies zu allen Zeiten gegen ihre angenommene Grundregeln läuft: 1619. 
auſſer den tändern, die zu ihrer Verbindung gehören, an etwas angelegentlich Theil 
zu nehmen. Die vereinigten Niederlande hatten durch die Kirchenverſammlung zu 
Dordrecht, durch das blutige Ende des Aegidius von Ledenberg und des Johann 
von Oldenbarneveldt und durch die Gefangenſchaft des Hugo Grotius und des Rum⸗ 
boldt Roo gerbets kaum ihre innere Eintracht wieder hergeſtellt. Sie muſten aber 
nunmehr auf die Fortſetzung des Krieges mit Spanien denken, da der gemachte 12jäßs 
rige Waſſenſtillſtand zu Ende lief. Der Churfuͤrſt von der Pfalz Friedrich 5 konte 
ſich alſo nichts mehr verſprechen, als was ihren Kräften in dem Kriege gegen Spas 
nien übrig bleiben würde. Vor völligem Ablauf des Waffenſtillſtandes war ohnedies 
auf dieſer Seite keine thaͤtige Huͤlfe zu vermuthen. Und der Churfuͤrſt Georg Wil⸗ 
helm von Brandenburg muſte uͤberdies beſorgen, daß beim neuen Ausbruch des Krle⸗ 
ges zwiſchen Spanien und Holland ſeine cleviſchen Erbſchaftslande, der erſten 
Wuth ausgeſetzet ſeyn wuͤrden, weil ſolche mit den Kriegsvoͤlkern beider Staaten be⸗ 
ſetzt waren. | 0 f . 


9. 3. er 
So war die Lage der Sache beſchaffen als Churfuͤrſt Georg Wilhelm feinen Der neue 
Herrn Vater kurz vor Ablauf des Jahres beerbete. Er hatte gleich zu Anfang des ler boh⸗ 
Jahres 1620 eine Menge von Beſchaͤftigungen noͤchig, die die Regierungs nachfolge noth / miſch, pfal⸗ 
wendig gemacht. Er berichtete die vergangene Veränderung überall, wo es ſich gehör, ziſchen kriege 
te, und empfieng die gewöhnlichen Beileidsverficherungen und Gluͤckwuͤnſche. Jeder vartellos. 
bezeigte ſich aufmerkſam, was er in den boͤhmiſchen Angelegenheiten vor eine Partey a 
ergreifen würde. Sowol der Kalſer als der Churfuͤrſt von der Pfalz ſuchten ihn auf 
ihre Seite zu ziehen. Der Churfuͤrſt, welcher ſich uͤberall in ſeinen Landen huldigen 
lleß, konte ſich feines Schwagers Friedrichs 3 unmöglich gleich annehmen, ſo gut ers 
auch mit ihm meinte. Eine neue Regierung braucht viele Behutſamkeit. Indeſſen 
aber ſchlug ſchon alles Ungluͤck uͤber Friedrich 5 zuſammen, in welches verſchiedene 
Prinzen des Hauſes Brandenburg merklich verwickelt wurden. Die verſtaͤrkte Macht 
des Humanai ndthigte den Bethlem Gabor ſchon den ıöten Jan. einen Stillftand 
mit dem Kaifer zu ſchlleſſen, und den Friedrich 5 ſeinem Schickſal zu ͤberlaſſen. Fer⸗ 
dinand konte jetzt alle feine Macht gegen Böhmen wenden, und alle Umftände vereis 
nigten ſich zum Vortheil Ferdinands 2. Die drey geiſtlichen Churfuͤrſten erklaͤrten ſich 
nebſt Churſachſen, Bayren und Heſſendarmſtadt auf der Zuſammenkunft zu Mühl 
haufen den Kaiſer bey ſeinen Würden, Reichen und fanden zu erhalten, und dem⸗ 
ſelben folglich Huͤlfe zu leiſten. Um den ober und niederſaͤchſiſchen Kreis zu beruhi⸗ 
gen, ward von einigen, wegen der von den Proteſtanten im Beſitz habenden Stifter 
zwar eine Berficherungsfchrift ausgeſtellt, aber nur unter ſolchen Bedingungen, die vor 
den Kaiſer vortheilhaft lauteten. Die in Muͤhlhauſen verſammlete, lieſſen an alle 
Feinde des Kaijers Abmahnungsſchreiben ergehen, ſich dem Ferdinand 2 nicht weiter 
ju widerſetzen. Dies muthigte den Relchshofrach an, im Namen des Kalſers drohen; 
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1620, 


ten. Die kalſerlichen Völker bedienten ſich indeſſen aller dieſer Umſtaͤude e 


524 2 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geschichte von Brandenburg. 


de Befehle ergehen zu laſſen, theils die Stände von allen Unternehmungen zum Nach; 
theil des Kaiſers abzumahnen, theils die Kriegsleute aus pfaͤlziſchen Dienſten abzuru⸗ 
fen. Der Kaiſer warf ſich alſo zum Richter in ſeinen eigenen Streitigkeiten auf, und 
vermiſchte das, was gegen das Erzhaus vorgenommen wurde, mit den Angelegenheiten 
eines Oberhaupts des Reichs. Die kaiſerlichen Befehle hatten indeſſen Wirkung. Vle⸗ 
le Kriegsbediente lieſſen ſich durch ein kaiſerliches Abrufungsſchreiben und viele Reichs, 
fände durch feine Bedrohungen von Friedrichs 5 Partey abwendig machen. Dieſer 
letzte Prinz begieng ſelbſt gleich beim Antrit feiner boͤhmiſchen Regierung unverant⸗ 
wortliche Fehler. Er ernannte den Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt zum oberſten Feld / 
herrn feiner böhmifchen Macht, woruͤber die Grafen von Thurn und M 

welche bisher die Sache der Mißvergnügten im Felde gefuͤhret, nicht zufrleden! 

Der neue König ſchafte die Bilder aus den Kirchen, und änderte noch N 
ſche Kirchengebraͤuche, woran ſich nicht nur die roͤmiſch catholiſchen, ſondern auch 
der gemeine Mann der proteſtantiſchen Böhmen ärgerten, und daraus eine Gewiß 
ſensſache machten. Friedrich 5 ernannte fogar feinen Prinzen zum Kronnachfolger, 
da ihn die Böhmen nyr vor feine Perſon durch eine freie Wahl auf den Thron erhoben 
batten, welche Wahlfteiheit der Stände durch das Betragen des Churfuͤrſten 
gekraͤnkt wurde. Endlich wandte er feine Zeit und Koſten meiſt auf luſtbarkeiten und 
Feierlichkeiten, die er doch hoͤchſt nöͤthig hatte, um ſich in gute Kriegsverfaſſung 


ſie einen Vortheil nach dem andern erhielten. Den gtöſten Stoß gab ſeinen Sachen das, 
was zwiſchen der Liga und der Union vorgieng. Die erſtere erthellte 
ausgemachten Aufſchub von zwey Monate der Union die Antwort auf ihre 
chen angebrachte Vorſtellung. Es war ſolche heftig. Beide Partelen ruckten 2 
ins Feld. Die Ligiſten lagerten ſich unter dem Herzoge Maximilian von Bayren 
bey Donawerth. Die Uniirten theils unter dem Marggraf Joachim Ef 8 
Anſpach, theils unter dem Marggrafen Georg Friedrich von Badendi 20 
Briſgow. Doch eine franzoͤſiſche Geſandtſchaft brachte zu Ulm fie 

zoge Maximilian von Bayren und dem Marggrafen Joachim Ernſt o von A dach 
im Namen der Liga und der Union einen Vergleich zum Stande, der vor f 
kaum übler aus fallen konte. Er enthielt: daß fie ſich einander weder fit n 
andere in ihren kanden, ſonderlich in den churpfaͤlziſchen Erbſtaaten mit Kr 
ziehen, oder beleidigen wolten. Den Ligiſten wurde die A alten, ſich des 
Kaiſers in Böhmen anzunehmen. Ferdinands 2 Partey wurde hierdurch mer cr 
verſtaͤrkt, dem fich zu gleicher Zeit Miederöfterreich auf bloſſes B f N - 
cherheit feiner Religion und feiner Freibelten giitvoillig‘ unterwarf, und da 
der Ens wurde durch den Herzog von Bayern mit Gewalt, dem ‚Kai \ 
werfen, gezwungen. Nun fiel alle Macht auf den Friedrich 5, der 
angegriffen wurde. Der ſpaniſche Feldherr Spinola ruͤckte mit o 
Mann, denen man, um fie nicht vor Spanier zu halten, den 1555 en! 


3 7a 


Cuhurfuͤrſt Georg Wilhelm. 8 
* diſchen Kreisvölker gegeben, in die Unterpfalz. Er brauchte den Vorwand, daß 1620, 
1 das Haus Oeſterreich zur Liga nicht gehöre, und ihm alſo der Vertrag der Liga mit 

1 der Union nicht angehe. Der Marggraf von Anſpach Joachim Ernſt eilte zwar 
6 mit ungefeht 26000 Mann, die die Union angeworben, und Prinz Moritz von Ora⸗ 

1 nien mit 13000 Mann niederlaͤndiſcher Volker ebenfals nach der Unterpfalz, um 
1 ſolche zu ſchuͤtzen. Allein hiedurch ward Spinola doch nicht gehindert, einen Platz 
V. nach dem andern zu erobern. Der Churfuͤrſt Johann Georg 1 von Sachſen be⸗ 

1 maͤchtigte ſich in noch weit kuͤrzerer Zeit der Marggrafſchaft Lauſitz, ohne daß der Marg ⸗ 

ü graf Johann Georg von Brandenburg, Herzog von Jaͤgerndorf, im Stande ſich 
= befand, ſelches zu verwehren. Hierauf gieng der Ehurfuͤrſt von Sachſen welter nach 

1 Schleſien fort. Der Herzog Maximilian von Baiern ſtieß in der Zeit zu den Fals 
1 ſerlichen Völkern, die Buquoi befehligte. Jetzt gieng dieſes 50000 Mann ſtarke Heer 
in das Herz von Boͤhmen. Friedrich 5, der nebſt Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt 

1 und denen Grafen von Thurn und Mansfeld dem Feinde entgegen gieng, war welt 
ſthwaͤcher. Auſſer 9000 Huſaten, die ihm Bethlem Gabor, welchen die misvergnuͤg 

1 ten Ungarn zum Könige ausgerufen, zu Hufe geſchickt, hatte er nur zoe oo Mann 
neeugeworbener ungeuͤbter leute. Bey Rockonitz zogen die Misvergnuͤgten ſchon den 
kuͤrzern, kamen aber doch dem kaiſerllchen Heer zuvor, als ſich ſolches auf Prag zog, 


j und die erſtern festen ſich auf dem weiſſen Berge vor dieſer Stadt. Hier wurde der 
9 Churfuͤrſt den zten Nov. angegriffen und völlig geſchlagen. An ſtatt ſich unter dem 
Schutt von Prag bey ſeinen neuen Unterthanen begraben zu laſſen, entfernte er ſich 
1 naoch denſelben Tag, und gieng nach Breslau ab. Ganz Böhmen, bis auf Pilſen, Eger 
und Tabor, die der Graf Ernſt von Mansfeld vor Friedrich 5 noch beſetzt behielt, 
und ganz Mähren unterwarfen ſich hierauf dem Kaifer. Die Schlefier fanden eben⸗ 
h fals nicht vor rathſam, ſich allein dem Friedrich Faufzuopfern, da ihnen der Chun 
1 fuͤrſt von Sachſen fein Wort gab, daß fie vom Kaiſer Begnadigung erhalten ſolten. 


Sie gaben ſolches dem Churfürften von der Pfalz zu verſtehen, welcher alſo in Schle⸗ 


* 


5 ſien bey ſo geſtalten Sachen zu verbleiben ſich nicht getrauete. Er nahm von der Stadt 

1 Breslau ein Geſchenk an Gelde an, flüchtete mit feinem Urkunden vorrath nach Ber⸗ 

* lin, und akertteß dem Margzrafen Johann Georg von Jaͤgerndorf, Fine Sache 

3 i in Schleſien zu fuhren ). ce ya * er. Ab 5 2 tig sgidnagd 

6 5 an „J oll 14 5 I 9. 4. er 17% i HE 
Der berliniſche Hof hatte kurz vor feiner Ankunft verſchiedene Feierlichkeiten ge,“ Der vor 
bebt, unter die auch das Begeäbnig.b) des verftorbenen Chufhren Johann Sigis u eine her 
munds zu rechnen, welches. den zten Oct. vor ſich gieng. Von anderer Art waren ſer ſehr un; 
deie Feierlichkeiten, welche die Bermäfung der Schweſter des Churfürften Georg Wil, eucuch aus⸗ 
helms Mariaͤ Eleonora mit dem Könige von Schweden Guſtav Adolph wen 
* Wer N Uuu 3 ſachten. 

„5 g) Löndorpii Ad publ. T. 2, Lünich R. A. P. Spec. Theatr. Europ. ad a. 1626. Kbevem- 

73 baller Ann. Ferd. ad h. 8 Are eee ee 


5 WB. 3 unſerer Geſchichte. 0 nd 2.4 DR Geng 9 rpm CA 


1620, 


1621. 


Königin von Schweden krönen ließ 7). Der Churfuͤrſt von Br 


526 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 

ſachten. Der königlich polniſche Prinz Wladislaus hatte um ſie geworben, aber 
durch des Churfuͤrſten von der Pfalz Bemuͤtungen war fie bereits im Sommer an den 
ſchwediſchen Monarchen verlobet worden. Im Anfang des Nov. reiſete fie mit ih⸗ 
rer Frau Mutter von Berlin zu ihrem Verlobten ab, der fie den zoften mit groffer 
Pracht in Stockholm einholte, den 2sften das Beilager vollzog, und den 28ſten zur 


zeigte 
auch bey dieſer Vermalung, daß er der Partey des Friedrichs F nicht abgeneigt ſey. 
Er ſchadete ſich dadurch aber am kaiſerlichen und polniſchen Hofe. Am letztern hatte 
er bereits verſchiedenemal um die preußifche Belehnung angehalten. Weil aber Gu⸗ 
ſtav Adolph gleich nach feiner Vermälung in Liefland eingefallen, fo wurde dieſer und 
der Tuͤrken Sachen wegen ein polniſcher Reichstag gehalten, wohin der König die 
preußiſche Belehnungsangelegenheit auch verwies. Die dahin abgeſchickte Geſandten 
des Churfuͤrſten konten aber nichts weiter erhalten, als daß Sigismund Bevollmäch⸗ 
tigte nach Preuſſen zu ſchicken verſprach, theils die Belehnungszeit, theils andere öf⸗ 
fentliche Angelegenheiten zu behandeln A). Der von dem blöͤdſinnigen 8 
ſuchte Königs mord, der dem Sigismund mit einem Czekan zwey Hiebe bell 
te neuen Aufenthalt )). Seit diefer Zeit ſchien es dem Churfuͤrſten zu f ‚fern, 
ſich des Churfuͤrſten Friedrichs 5 öffentlich und mit Gewalt anzunehmen, da der kal⸗ 
ſerliche Reichshofrath ihn ſowol als ſeine vornehmſten Anhänger, worunter ſich der 
Marggraf Johann Georg von Jaͤgerndorf, Fuͤrſt Chriſtian von Anhalt und der 
Graf Georg Friedrich von Hohenlohe befanden, gleich zu Anfang des Johres 
1621 den 22ften Jan. in die Reichsacht verfallen zu ſeyn, und aller Würden u 
ter verluſtig erklaͤrte, auch jedermann ihnen Huͤlfe oder Aufenthalt zu geben r 
Man beſtritte die Rechtmaͤßigkeit dieſes Verfahrens zwar mit vielen Grunden. Der Er 
Kaiſer, welcher Richter und Kläger zugleich, verurtheilte ſie als W 
nicht gegen ihn als Kaiſer, ſondern als Erzherzog die Waffen fuͤhrten, i 
führten, daß Ferdinand 2 ſelbſt ſich des Königreichs Böhmen’ verluſtig 9 
die Böhmen in den Stand geſetzt hätte, eine freie Wahl anzuftellen, De 
den, eigentlich zu fagen, gar nicht gehört, und ohne allen Rechtshand 
vorher gemachten Entwurf gemäß, geächtet, ohne daß der Kaifer vo 
dasjenige zu beobachten, was ihm in Reichs achtsſachen Woche 
vertrage oblag. Der Reichehofrath glaubte ohne alle Maaßgebung be 
nen, weil der geächteten Perſonen kandfriedensbruch aller Welt in die 2 
Gruͤnde vor die Verurtheilten wurden vor dem Geräufch der ſiegend 
fen nicht gehöret. Diefe vertrieben wirklich alle Beifrge, e 
denen gefaßten Anſchlaͤgen des Kalſers und der Krone ( 
Ferdinand 2 trug vielmehr die Vellſtreckung der Acht hi: Frie 
Maximilian von Baſern und dem Erzherzog Albrecht aus 0 N 


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5 Theätr, Europ. & ad h. a. "Kbevenbüfler ad h. * * u. 
k) Herr EIER preuß Geſchichte T. 5 p. 149. 9 4 * 


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Churfürſt Georg Wilhelm. 527 


gen den Marggrafen von Jaͤgerndorf und den Fuͤrſten von Anhalt, dem Churfuͤrſten von 
Sachſen und gegen den Grafen von Hohenlohe, dem Biſchof von Bamberg und Wuͤrz⸗ 
burg auf. Das Reichshoſraths verfahren hatte die Wirkung, daß es alles mit Schrecken 
erfuͤlete, was dem Erzhauſe zuwider. Der Churfuͤrſt Georg Wilhelm gab ſogar 
dem Johanniterorden zu Sonnenburg den Rath: da der Herrnmeiſter Marggraf 
Johann Georg von Jaͤgerndorf geaͤchtet worden, fein Amt vor erlediget anzuſehen, 
und durch anderweitige Wahl zu beſetzen. Alle zur Union gehörige Fuͤrſten und Staͤn⸗ 
de lieſſen den Muth ſinken, da ihnen die Macht des Spinola drohete. Ein jeder dach⸗ 
te jetzt an ſich allein, und die Angelegenheiten des Bundes wurden vergeſſen. Die ſter⸗ 
bende Union hielt zwar zu Heilbronn noch eine Zuſammenkunft, ſo wie die Liga zu 
Wuͤrzburg ſich verſammlete. Aber Moritz Landgraf von Heſſen verließ die Union 
am erſten, und ſicherte durch deren Entſagung feine Staaten vor dem Spinola. 
Seinem Beiſpiel folgten die in der Union befindliche Reichsſtaͤdte, und endlich ließ 
ſich auch der Marggraf von An ſpach Joachim Ernſt und der Herzog von Wuͤrtem⸗ 
berg auf der zu Mainz angeſtellten Verſammlung zur gaͤnzlichen Trennung ihres Bun⸗ 
des durch den Churfuͤrſten von Mainz Johann Schweickart bewegen. Dieſem war 
alſo hauptſächlich zuzuſchreiben, daß die Proteſtanten ſich entwafneten, und dem Spi⸗ 
nola freie Hände lieſſen, die Unterpfalz faſt ganz zu erobern. Blos der neue Krieg 
mit den Holländern bewog dieſen ſpaniſchen Feldherrn, daſelbſt einen Stillſtand auf 
einige Monate zu machen. Der Churfuͤrſt von der Pfalz war nun an keinem Ort in 
Deutſchland mehr ſicher. Da der Churfuͤrſt von Brandenburg ſelbſt noch von 
Reichs wegen nicht beliehen, und fine kande von Braunſchweig, Sachſen und Por 
len gleichſam eingeſchloſſen waren, ſo hatte er bey ſeiner mäßigen Macht nicht die Herz⸗ 
haftigkeit, ſich dem Betragen des Kalſers, zum Beſten des Schwagers Friedrichs 3 
und des Vetters Johann Georgs mit Gewalt zu widerſetzen. Es wurde ſolches 
auch in der That zu nichts gedienet haben, als ſeine kande deſto zeitiger zum Tummels 
platz zu machen. Der verloſſene Friedrich 5 entfernte ſich alſo von Berlin, und ließ 
fein Archiv daſelbſt, deſſen Auslieferung der Kalſer von unſerm Churfuͤrſten begehrte. 
Der Churfuͤrſt von der Pfalz beſprach ſich auf ſelner Reiſe zu Segeberg mit dem Ko 
nige von Daͤnnemark Chriſtian 4, wo ſich auch ſchwediſche Geſaudten befanden. 
Chriſtian 4 hatte nicht üble zuſt, ſich der Geächteten anzunehmen, da er uͤber den 
kaiſerlichen Hof, thells wegen Erhöhung des Grafen Ernſt von Schaumburg in den 
Fuͤrſtenſtand, theils wegen der kaiſerlichen Erklaͤrung vor die Reichs freiheit der Stadt 
Hamburg misvergnuͤgt und beſorgt war, ſeinem juͤngern Prinzen Ulrich das Stift 
Bremen zu verſchaffen. Jedoch damals kam der Kaiſer mit einem bloſſen Argwohn 
noch weg, weil der König Jacob von England alle herzhafte Anſchlaͤge widerrieth. 


Friedrich muſte alſo ſeinen Stab ins Elend nach den Niederlanden weiter fortſetzen. 


Ferdinand 2 aber gieng inzwiſchen in Böhmen ſehr ſcharf zu Werk. Er beraubte 


dieſes Königreich zur Strafe des Aufruhrs aller Wahl und anderer Rechte und Freihei⸗ 


ten, von denen er nachmals fo viel aus Gnaden wieder gab, als es feine Vortheile zus 
0 lieſſen. 


1621. 


5 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


1621. lieſſen. Sonderlich verfuhr ein niedergeſetztos Blutgericht, deren Haupt Carl von Lich⸗ 
ER, tenſtein war, gegen die vornehmſten Anhänger Friedrichs. mit aller Strenge. Per⸗ 
ſonen aus allen Ständen verloren ihr Leben auf verſchiedene Arten unter den ‚Händen 
des Nachrichters. Andere kamen mit Verluſt der Freiheit davon Noch andere wur / 
den verbannet. Die meiſten hatten durch eine kluge Flucht ihr beben als eine Beute 
davon getragen, oder waren ſchon durch einen natuͤrlichen Tod einem blutigen Ende 
entgangen. Aber alle dieſe verloren zum Vortheil des Kaiſers ihre Habseligkeiten, die , 
ſich ſehr hoch beliefen. Gegen alle vorhergegangene Verſicherungen ward die 
ſche ſowol als die kehre des augſpurgiſchen Glaubensbekaͤnntniſſes unterdruͤckt, 1 al 
les zur römiſchen Kirche gezwungen. In Maͤhren gieng es auf eben die Art her, 
welches Buquobi völlig zum Gehorſam brachte. Dies gab dem Marggrafen Johann 
Georg von Jaͤgerndorf, dem der Churfürſt von der Pfalz die Führung des Krieges in 
Schleſien aufgetragen, Anlaß, durch verſchiedene öffentliche Schriften das 
ſpiel des Betragens des Faiferlichen Hofes denen Schleſiern vorzuhalten, und m 
durch vor Friedrich 5 einzunehmen. Er hielt ſich wirklich in dieſem Lande, 
in Oberſchleſien, und behielt dadurch den Zugang nach Ungarn offen, wo 
Gabor nicht ganz ungluͤcklich war, gegen welchen Buquoi geblieben. Aber Al 
von Wallenſtein und der Churfuͤrſt von Sachſen thaten dem Marggrafen alen Ab. 
bruch, der möglich. Der Churfͤürſt Johann Georg von Sachſen verſprach, ſo wie 
der Kalſer, denen Schleſiern alles gute, ohnerachtet feine Vorbitten vor die 
liſche Religion bey dem kaiſerlichen Hofe von faſt gar keinem Hewicht war. Tſcherclas 
von Tilly, Feldherr der Ligiſten und der faiferlichen Völker, eroberte ber uͤb 0 brigen 
Platze in Böhmen, Pilſen, Eger, Tabor u. ſ. w. ſo bald der Graf on Mans. 
feld nach Heilbronn abgereiſet, um ſich daſelbſt mit dem Pfalzgrafen von Zir Ye prů · 
cken und andern wenigen Freunden Friedrichs 5 zu beſprechen. „ 
feld zog ſich nachher mit dem Ueberreſt ſeiner Völker in die Oberpfalz, A 
dies beſchleunigte die ſchon langt beſchloſſene Beendigung des der Pfalz & illigten W 
fenſtillſtandes und den Einbruch des Herzogs von Baiern in dieſes kand, welches iht 
der Kaiſer zur Belohnung ſeiner Huͤlfe und Erſetzung der Kriegsunkoſten zug 0 
gleich Pfalz Neuburg wegen ſeiner Verwandtſchaft ein gegrͤnderes Rech 
te, wenn gleich alles, was gegen Friedrich 5 vorgenommen, zu Recht be 
weſen. Neuburg muſte das Nachſehen haben, um das Land ob der En 
des Kaiſers Haͤnde zu bringen. Weil nun der Herzog Maximilian ı2 50 Mann in 
der Oberpfalz dem Grafen von Mansfeld entgegen ſtellte, der nur 18006 hatte, 
fo muſte ſolcher ſich zu retten bedacht ſeyn. Er fieng mit vieler &ift Unten 
mit dem Herzoge an, und entfernte ſich, ehe man es ſich verſahe nach d 
pfalz. Hier befehligte der Feldherr Gonſalez de Cordova die fie 
und fieng nach Endigung des Woffenftillftandes den Krieg wieder an. Ihm 
ſtund Horatius Veere mit etlichen 1060 Mann englaͤndiſcher Völker und 
Freunde des Friedrichs 5. Mit diefen vereinigte ſich der Graf von N ) 


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* 


Churfurſt Georg Wilhelm 5729 
bezeigte ſich gegen die Spanier ſehr maͤnnlich. Der damalige Verweſer des Stifts 162. 
Halberſtadt, Chriſtian, ein geborner Herzog von Braunſchweig, bewies bey den 
verfallenen Sachen der Proteſtanten noch Muth, ſolchen wieder aufzuhelfen. Er 
ſtand im Begrif, durch Heſſen zu gehen, und ſich mit dem von Mansfeld zu ver⸗ 
einigen, ward aber durch ſpaniſche und baieriſche Völker daran verhindert und im 
Weſtphaͤliſchen ſich herum zu ziehen genöthiget. Dieſe wenige übrige Freunde Fries 
drichs 5 und die Holländer verlängerten alſo noch den Krieg. Denn nachdem der 
zwölfjährige Waffenſtillſtand zwiſchen Spanien und den vereinigten Miederlanden zu 
Ende gelaufen, ward der Krieg nach kurzer Verlängerung deſſelben von beiden Theilen 
aus Staatsabſichten beſchloſſen, ohnerachtet Erzherzog Albrecht mit Tode abgieng. 
Spanien hofte jetzt aus dem Gluͤck des Kaifers in Deutſchland Vortheile in den Nies 
derlanden um fo leichter zu ziehen, da Philipp 3 mit Tode abgegangen, und der neue 


ſpaniſche Monarch Philipp 4 und deſſen oberſter Staatsbedlenter der Herzog von Oli⸗ 


varez mit vielem Eifer und Munterkeit der Reglerung vorzuſtehen angefangen. Der 
ſpaniſche oberſte Feldherr Spinola eroͤfnete den erſten Feldzug gegen die Niederlaͤn⸗ 
der in dem Juͤlichſchen, und folglich den cleviſchen Erbſchaftsſtuͤcken. Die Spa⸗ 
nier belagerten das Schloß Juͤlich n). e . 
Dies waren alſo die erſten länder des brandenburgiſchen Scepters, die dietaft Der chun 
des Krieges fühlen muſten. Aber der Churfürſt Georg Wilhelm mufte ſelbſt des, alben 
wegen leiden, weil er mit ſolchen Höfen verwandt, die mit dem Kaiſer und dem mit Preuſſen 
Könige von Polen in Feindſchaft ſtunden. Denn feine Schwägerfchafe mie Guſtav und den reiche, 
Adolph erſchwerete ihm die preußiſche Belehnung. Er war perſönlich in Preuſſen re 581 
angelanget, um dieſe Angelegenheit zu betreiben. Er hatte die polniſch preußiſchen 
Stände um Vorſprache erſucht, die ſolche auch von Thorn aus bey dem Könige Si⸗ 
gismundo einlegten, und dem Churfuͤrſten davon Nachricht gaben. Sie erfuchten 
den König, ſich daben eine Tuͤrkenhuͤlfe und Einlager vor die königlichen neugeworbenen 
Volker auszubedingen. Es langten wirklich königliche Bevollmaͤchtigte laut dem Ver⸗ 
ſprechen vom vorlgen Reichstage in Preuſſen an, mit denen ſich auch der Churfuͤrſt 
verglichen hatte. Sie hatten ihn in der Regierung von Preuſſen beſtaͤtiget, und die 
Unterthanen zum völligen Gehorſam bereits verwieſen. Ganz Preuſſen war damit zus 
frieden, bis auf ungefehr 1s unruhige Köpfe, welche königliche Befehle auswirkten, 
wodurch alles wieder aufgehoben wurde, was mit den Bevollmächtigten verhandelt wor⸗ 
den. Die Bevollmächtigte machten neue Schwuͤrigkeiten wegen der Belehnung, und 
maßten ſich im Herzogthum einer ſolchen Gerichtbarfeit und Gewalt an, als wenn 
Preuſſen der Krone unmittelbar zugehörete. Sie wolten dem Churfuͤrſten den An; 
dreas von Kreutzen zum Landmarſchall aufdringen. Sie machten neue Geſetze, ber 
ander | schrie 


a 


m) Lei T. 4 Theatr. Europ, ad h. a. Kbevenbuller ad h. a. 50 
P. allg preuß. Geſch. 4 Th. y 


1621. 


nier, nachdem fie gleich zu Anfang dieſes Jahres das Schloß Julich 


* 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere, Geschichte von Brandenburg. 


gehrten neue Eide und neue Beguͤnſtigungen vor die catholiſche Religion 1), und die 
Belehnung ward nicht einmal erwaͤhnet, ohnerachtet ſogar der Churfuͤrſt allen Klagen f 
der Unterthanen abgeholfen. Man verſagte ihm ſogar, ſich mit dem Könige perföns 
.. 
aus die polni „ am font 
Sie chaten ſolches auf ihrer rer — zu Graudenz den 1oten Auguſt in einem 
Schreiben, das fie denen königlichen Geſandten zu dieſem Landtage mitgaben. Sie 
erſuchten den König, dem Churfuͤrſten, an deſſen guten Geſinnungen, dem Königreich 
beizuſtehen, ſie nicht zweifelten, die Belehnung zu reichen, und die darüber entſtande / 
ne Mishelligkeiten zu einem kuͤnftigen Vergleich auszufegen P. Die Sache kam auc 
endlich auf dem Reichstage zu Varſchau zur Richtigkeit. So bald die chur fürſtii 
chen Geſandten ihm davon Nachricht ertheilet hatten, ſo brach der Chur fuͤrſt 72 — 
zum Könige auf. Er ward mit soo Heiducken und einer ſtarken Anzahl J 
ſelbſt eingeholet. Den ıgten Sept. J) erfolgte die Belehnung mlt den 3 
Feierlichkeiten, obgleich einige polniſche Näche gerne geſehen, weng ı man die St 
tigkeiten noch höher getrieben Hätte. Der Churfuͤrſt reiſete den zsſten Sept. alſo 
der erhaltenen lehnsfahne nach Koͤnigsberg wieder zurück, wo er ö 
ohne Widerrede die Huldigung einnahm 7). Bey der Belehnung des Churf 
feinen deutſchen Staaten vom Kalſer Ferdinand 2 konte man fo viele S 
ten nicht machen, ob ſolche gleich erſt den 27ften Auguſt weren v. 
Graf Philipp von Solms der altere und D. Melander des Churfürſten 
waren 4). Georg Wilhelm konte aber eben fo wenig als fein Herrs ate 
ten / daß er mit den juͤlichſchen Erbſchaftsſtüͤcken beliehen wäre ‚im denen 


denen Völkern der vereinigten Niederländer herum ſchlugen, e Bran 
ſowol als Pfalz-Neuburg zu keinem Vortheil gereichte. Der Churfuͤrſt G 
helm ſchloß daher den ioten Merz durch feinen Geſandten Adam 1 
zenberg mit denen Hollaͤndern, allen vorigen Verträgen mit Frank. england 
und andern Reichs» Chur ⸗ und Fuͤrſten unbeſchadet, ein Schußbundniß we ö 0 25 ter 
zur cleviſchen Erbſchaft gehörigen Staaten, welches die Hochmdgenden im ag ber 
aten Jun. beftätigten t). Aber auch dieſes Buͤndniß hatte nicht alle Eier 
Spanien und die vereinigten Niederländer hielten ſich in den Nied 0 
das Gleichgewicht. Spinola muſte die Belagerung von Bergen op 
aber det Anſchlag des Prinzen Moritz von Oranien auf Antwerpen w 
vereitelt. Bigge behielt der Kaiſer und die Liga in e 


455 Yes ls 


25 Was man wegen der roͤmiſchen Religion 9 Theste. Euro 
vor Beſchwerden angefuͤhret, ſte het in en es da, re 


Ack. Publ. T. 2 p. 483. hen ſey. 

o) Londorpius T. 2 p. 482. a s) Theatr. — lee 

p) Ibid. p 483. = 9) Das Buͤndn 2850 ondorpii Aa. 

7) Lengnich T. 5 p. 149. 150. 8 Publ. T. 2 p. 62 . 1 
7 | b * 

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CChurfürſt Georg Wilhelm. | We. Fit 
band. Bethlem Gabor batte nach ſeiner ihm eigenen Wankelmuth ſich den 26ſten 


Jan. mit dem Kaiſer ausgeſöͤhnet, ſo bald ihm ſolcher vottheilhafte Bedingungen an⸗ 


bot. Hierauf konte der Marggraf Johann Georg vollig nach Siebenbuͤrgen ver⸗ 
jagt, und dadurch Böhmen und Schleſien völlig unter des Kaiſers Gehorſam gebracht 
werden. Alles kam noch auf die Unterpfalz an, worin ſich Friedrich 5 ſelbſt wieder 
eingefunden hatte. Der Graf von Mansfeld ſchlug zwar den baieriſchen Feldherrn 
Tilly den sgften April bey Mengelsheim und Wieſeloch, aber ein anderer Belſtand 
des Churfürften, der Marggraf von Baaden⸗Durlach Georg Friedrich, wurde 
vom * der ſich mit dem Cordova vereinigte, in einem welt wichtigern Treffen 
den 6ten 


Freiin von Riviere, erzeugt, mit Erſetzung alles Schadens und Erſtattung aller Nu⸗ 
tungen abzutreten. Der Graf von Mansfeld, der den landgrafen Ludwig von Heſ⸗ 
ſen⸗Darmſtadt gefangen nahm, ſuchte vermuthlich dem Verweſer des Stifts Hab 
berſtadt einen Weg zu eröfnen. Es hatte ſich der letztere in den weſtphaͤliſchen Stifs 
tern bisher ſogar mit Kirchengut bereichert. Tilly aber und Cordova ſchlugen ihn 
den toten Jun. bey Hoͤchſt, da er uͤber den Main zu gehen Luſt bezeigte. Er ſtieß 


ſodenn mit den uͤbrig behaltenen Völkern zu dem Grafen von Mansfeld, und beide 


waren dem Kalſer noch ſo fürchterlich, daß ſolcher ein anderes Mittel brauchen muſte, 


ſich des Friedrichs 5 in der Unterpfalz völlig zu entledigen. Der leichtglaͤudige und 


ſchon mehr als einmal verlachte König von England beredete feinen Schwlegerſohn, 
in der Hofnung, deſto eher mit dem Kaiſer ausgeſöhnet zu werden, alle feine Völker 
abzudanken. Friedrich 5 gab alſo ſowol dem Grafen von Mansfeld, als dem Chri⸗ 
ſtian von Halberſtadt, die jedoch feine einzige Stützen waren, fo, abencheuerlich fich 
dieſe Herren bisher immer aufgefuͤhret hatten, den Abſchled. Sie glengen durch Lo⸗ 


thringen bis an die Maaß,, und beförderten durch ihre Unterhandlungen mit dem Her⸗ 
zog von Bouillon und dem von Nevers, ob ſolche gleich fruchtlos ſich zerſchlugen, 


den Frieden, den der franzöſiſche Hof denen Hugonotten bewilligte. Sie giengen 
ſodenn nach Bergen op Zoom, und eröfneten ſich den ihnen vom Cordova verlegten 
Weg bey Fleurus mit Gewalt. Herzog Chriſtian ward am linken Arm verwundet, 
und muſte ſich ſolchen abnehmen laſſen. Er that es unter Trompeten » und Paucken⸗ 
ſchall. Allein die Holländer ſahen fie ſelbſt nicht gern. Sie bezahlten ihnen den 


Sold auf etliche Monat, und beurlaubten fie. Mansfeld gieng mit scoo Mann, 


die in Muͤnſter und anderwaͤrts übel Haus hielten, nach Oſtfriesland, und Herzog 
Chriſtian nach Niederdeutſchland. Cordova und die Orafen Henrich von Berg 
hen und Johann Jacob von Anholt folgten ihnen nach. Die weſtphaͤliſche Laͤn / 
der unſers Ehurfürſten, fondertich die Orafſcholr Mark, Hatte dies Jahr durch die 
Spanier und Herzog Chriſtians von Halberſtadt Volker viel gelitten. Friedrich 


hingegen hatte ſich nach Sedan gemacht, und erwartete den Ausgang einiger Unter⸗ 
l hand ⸗ 


Xxx 2 


ay ber Wimpfen uͤberwunden. Dies hatte vor Durlach üble Folgen. 
Der kaiſerliche Hof verurtheilte ihn, die ſeit Rudolph 2 Zeiten ſtreitige oberbaaden⸗ 
ſche lande den catholiſchen Kindern Eduardi Fortunati, die er mit der Marig, 


1622. 


532 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. - 
handlungen zu Bruͤſſel, die zu feiner Wiederherſtellung angeſtellet worden. Man 
verwies aber feine Sache auf eine andere Chur und Fuͤrſtenverſammlung. An alles 
dieſes kehrte ſich aber Tilly nicht. Er nahm Heidelberg weg, und beraubte * 
Ort feines vortreflichen Buͤcherſchatzes, womit ſich der Papſt bereicherte, doch ſo, daß 
manches darüber zerſtreuet wurde. Manheim gieng verloren, und num fieng man 
an, die römiſche Religion auch in der P alz einzuführen. Alles war begierig, zu 
ſehen, was auf dem vom Kaiſer ausgeſchriebenen Chur und eee 
vorgehen werde 1). 


$. 

Der 4 Es hat der Kaiſer Ferdinand 2 ud 5 ganze Regierung Woche 
ag e tag gehalten. Er regierte auf eine ganz neue Art, da er in den wichtigſten Relchsan⸗ 
dar, und las gelegenheiten blos die Churfürſten und einige Färften, deren Anhänglichfeit an fein 
mit Jägern Erzhaus ihm bekandt war, zu Rache zog. Eine ſolche Chur ⸗ und Fuͤrſtenverſamm⸗ 
dorf vorgehet. jung hatte er nach Regenſpurg ausgeſchrieben, welche auch den ten Jan. 1623 ih 


1623. 


ren Anfang nahm. Der Kaiſer wolte anjetzt diejenigen belohnen, die ſich um A 
derbar verdient gemacht. Er bebienete ſich hiezu aber Güter, die ihm 0 
Beſonders war der Eifer des Maximilians von Baiern vor den Kaiſer 
che bisher geleiſtete Dienſte beſtaͤtiget. Dieſem wolte der Kaifer. die pfaͤlziſe 
wuͤrde ertheilen, und zugleich die Macht der Proteſtanten in der Churfürft 
lung ſchwaͤchen. Dieſe wichtige die Reichsgrundverfaſſung betreffende Sache ſolte am 
jetzt zum Stande kommen, ohnerachtet kein Reichstag verſammlet worden. 1 © 
fürften. von Brandenburg und Sachſen fahen die Beränderung, die hieraus vor das 
ganze evangelifche Weſen ſowol, als vor die deutſche Reichs verfaſſung entſtehen wür : 
de. Sie ſchickten beide nur Geſandten nach Regenſpurg, ohnerachtet fie. der Kaifen - 
perfönlich zu erſcheinen, erſucht hatte. Des Kaiſers Vortrag wegen Uebertragung de 
pfaͤlziſchen Chur auf Maximilian von Baiern ward ſehr verſchieden aufgenommen. 
Spanien ſahe folches nicht gern, und die Geſandten von Brandenburg und S 
fen widerſprachen dieſer Neuerung aus mehr als einem Grunde. Sie brachten vor, 
daß, wenn fie gleich die Gültigkeit der Achtserklaͤrung gegen den Cgurfuͤrſter von 
Pfalz nicht genau unterſuchen wolten, fo fönte ſolches doch denen unſchuldige 0s n 
dern und dem Bruder Friedrichs 5, am wenigſten aber deſſen Seltenverwandten zum 
Nachtheil gereichen, die durch ihre Vorfahren insgeſamt zur Churwüͤrde in 1 Du Pd 
nung berechtiget. Sonderlich widerſprach der Pfalzgraf von Neuburg Wo 
Wilhelm dieſer Sache mit allem Ernſt. Ferdinand 2 aber dicke feinen Wil 34 
das unverbruͤchlichſte Geſetz. Er wandte vor, daß er die von Friedrich 5 verwirkte 
Chur nicht unbeſetzt laſſen koͤnte, und daß er doch die mehreſten Se 
che in Regenſpurg verſammlet, auf feiner Seite habe. Er beliehe den Her 
Baiern wirklich den 2sſten Febr. mit der Churwuͤrde, ohnerachtet die ſächſiſchen 
und beunkenbungiſchen n dieſer Handlung durchaus nicht beiwohneten. A 
my Br m 


u) Londorp. T. 2. Theatr. Europ. ad h. a. Rbe: enbuller Ann ad h. 3. 


— 


F . 


Churfürſt Georg Wilhelm 533 


Widerſpruch machte, daß Ferdinand 2 doch verſprach von denen Rechten der Kinder 


und Seitenverwandten des geächteten Churfürften auf einer anzuſtellenden Verſamm⸗ 
lung zu handeln, und was ihnen alsdenn zuerkannt wuͤrde, aber erſt auf den Fall, 


wenn der neue Churfuͤrſt Maximilian von Bayern bereits geſtorben, ihnen zu er⸗ 
theilen x). Bey dem allen erkannte man wohl die Unſtatthaftigkeit dieſer Belehnung 
gegen den Willen der weltlichen Churfuͤrſten. Der Kaiſer ſchickte deshalb den Obriſt 
Wolf Ilbung von Werſezowitz nach Dresden und Berlin, um die beiden Chur⸗ 


fuͤrſten zu erſuchen perföhnlich nach Regensburg zu kommen. Beide Herren kamen 


daher in Annaberg zuſammen, und ſchrieben gemeinſchaftlich von da aus den ꝛzten 
Merz an den Kaifer, daß fie nicht hinkommen würden, weil fie zu dem Verfahren 
des Faiferlichen Hofes doch ihre Einwilligung nicht geben konten )). Jedoch fuhr der 
Kaifer fort feine Übrigen Anhänger zu belohnen. Der fandgraf von Heſſen Darm⸗ 
ſtadt ward in den Beſitz der marburgiſchen Erbſchaft angewieſen. Dem Churfuͤr⸗ 
ſten von Sachſen war ſchon im vorigen Jahr die Lauſitz zum Unterpfande der Be, 
zahlung der vor den Kaifer aufgewandten 70 Tonnen Goldes verſprochen. Jetzt ward 
dies Unterpfand wirklich eingeraͤumt, um den Churfuͤrſten deſto eher zur Einwilllgung 
in die bayerifche Chur zu bewegen. Chur Mayntz wurde mit der Bergſtraſſe bes 
lohnt, welche man dem geächteten Churfürften Friedrich 5 abgenommen hatte. Der 
Graf Johann Georg von Hohenzollern Hechingen hatte ſich als Praͤſident des 
Reiche hofraths bisher ſo gehorſam bewieſen, daß der Kaiſer zur Dankbarkeit ihn ſowol 
als feinen Vetter Johann Graf von Hohenzollern Sigmaringen aus uralten Reichs / 
grafen zu neuen Neichsfürften machte. Tilly ward Reichsgraf. Der neue Fuͤrſt 
Carl von Lichtenſtein harte durch fein ſtreng gefuͤhrtes Richteramt in Prag, durch 
Einziehung ſehr einträglicher Güter der Verurtheilten, und durch Einführung der roͤ⸗ 
miſch catholiſchen Religion ſich um den Kaiſer hoͤchſt verdient gemacht. Davor ers 
hielt ſelbiger das Herzogthum Jägerndorf in Schleſien, welches dem geächteten 
Marggraf Johann Georg von Brandenburg zugehöret hatte. Der Kalſet beobach⸗ 
tete hieben die Rechte nicht, welche andern auf Jaͤgerndorf zuſtaͤndig. Denn obgleich 


der Merggraf Johann Georg von Jaͤgerndorf im folgenden Jahr zu Leutſch in Sie 


benbuͤrgen mit Tode abgieng, fo hinterließ er doch einen Sohn Ernſt und viele um 


ſchuldige Seitenverwandte und Stammvettern. Geſetzt, daß gegen die Achtserflärung 


nichts einzuwenden geweſen, fo beſtand fein Verbrechen doch entweder in einem lehus 
fehler, oder in der beleidigten Majeſtaͤt. Im erſten Fall war keine Urſache vorhanden 
dieſen lehnsfehler nach denen ſtrengeren fremden longobardiſchen lehnsgeſetzen zu bes 
ſtrafen, nach welchem die Vaͤter Herlinge gegeſſen, und denen Soͤhnen davon die Zaͤh⸗ 
ne ſtumpf werden. Nach denen deutſchen Lehnsgewohnhelten konte das Kind die Miſ⸗ 
ſethat des Vaters nicht tragen, und Johann Georgs Sohn Ernſt Hätte nach des Bas 


2 Nee ra ters 
g Londorpii Acta Publ. T. 2. p. 699. wo man Lünich R. A. Th. 3. P. 2. S. 64. Th. 5. S. 6 
* — er abgelegten Stimmen ſehen Adlzreuser Ann. Boii, T. 3. L. 8. 5 * 
kann, wie ſehr, und aus was vor Gründen ſich 


die br andenburgiſche Geſandtſchaft widerſetzet. ) Zendorpii AR. Publ. T. 2 p. 733. 


1623 


534 3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſhichte von Brandenbung. 


1623. ters Tode das Land zuruck haben müſſen, welches nach deſſen ohne belbeserben erfolgtem 
T.odesfall an das Churhaus hätte zuruͤck fallen muͤſſen. Geſetzt aber, daß man ja auch 
hier das harte longobardiſche tehnrecht aueͤͤben wollen, ſo kann nach deſſen Verord⸗ 
nung doch der unſchuldige Lehnsvetter nicht mit leiden, und der Kaiſer war nicht berech ⸗ 
tiget das eingezogene Jaͤgerndorf länger dem Haufe Brandenburg vorzuenthalten, 
‚als bis zum Tode Johann Georgs und feiner teibestehnßerben, die nachher mit dem 
gemeldten Marggraf Ernſt, einem Sohn Johann Georgs ausgegangen find. Man 
nehme aber auch an, daß Ferdinand 2 aus der Sache Johann Georgs ein daſter der 
beleidigten Majeftät gemacht und machen können, ſo erlaubte ihm zwar die ſtrengſte 
Gerechtigkeit dem Verbrecher und ſeinen Kindern alles wegzunehmen, aber doch nur 
das was ihm und nicht einem dritten gehoret. Jaͤgerndorf aber gehörte durch den 
Kauf Marggraf Georgs des Frommen, durch deſſen letzten Willen, und durch den ger 
raiſchen Vertrag, der brandenburgiſchen Churlinie, die nach dem letztern nicht einmal 
berechtiget war, etwas zu veraͤuſſern. Der Churfuͤrſt Joachim Friedrich hatte Jaͤgern⸗ 
dorf blos dem Marggraf Johann Georg und deſſen männlichen Nachkommen zu feiner 
Abfindung gegeben, woben das Eigenthum des landes allerdings der Hauptlinie verbleiben 
muſte. Nur der Nießbrauch von Jaͤgerndorf gehörte dem abgefundenen Johann Georg 
und feiner einie. Mit was Recht entzog alfo der Kaiſer der unſchuldigen Chur 
Eigenthum? Aber der brandenburgiſche Widerſpruch ward mit keiner Macht beg 
tet und folglich nicht geachtet 2). Der Kaiſer ließ zwar auch einigen ſeiner Wlderwän 
tigen Gnade wiederfahren, doch mit ſolcher Einſchraͤnkung, daß Georg Friedrich 
Freiherr von Roggendorf weder böhmifche noch öfterreichifche Begnadigung verlar 
te, davon nach feiner Meinung die erſtere in einem ewigen Gefaͤngniß, die I tere im 
Verluſt aller Guͤter beſtand 2). Andere hingegen blieben noch immer in der Acht 
worunter der Graf von Mansfeld und der Verweſer des Biſchofthums Halbe 
Herzog Chriſtian zu zählen. Man achtete ſolche nicht mehr, und glaubte dem Kri 
auf kaiſerlicher und catholiſcher Seite ſehr glorreich beendiget zu haben. F 


F. 7. e ee e 


> 


In Nieder: Wider alles Vermuthen wurde folches aber der Anfang neuer Unru n, worin 
ſachſen entſte nach der Zeit ganz Deutſchland ſich verwickelt ſahe. Denn da in Oberdeutſchland : 
Bee um niemand mehr die unzertrennlichen Vortheile der Proteſtanten und des Chur 

{ von der Pfalz nachdruͤcklich behaupten konte; da Ehurfachfen völlig dem a 
ben, und Churbrandenburg zu furchtſam blieb, fo blieb nur der nie derſaͤchſi 
Kreis übrig, der zuſt und Vermögen hatte dem unterdruͤckten Churfurſten aufzuß 


. * 


Sranfreit) und England fesen an fe Siserigen Behr dn emen, und 


2) Lond. T. 2. Theatr. Europ. ad h. a, Lin- a) Timate. Eur. adh.a.. In Pe 
naeus T. A. addit. ad L. 5. Iur. Publ. e. 2. p. B19. te man ſich gegen die aus den Eniferlichen Ert 
Puffendorf L. 4. Hiſt. Brand. p. 44 L. Preuß den vertriebenen ſehr milde bewieſen. 8 
ſens Rechtebegruͤndetes Eigenthum auf Schleſien. rufl, T. 3. p. ası, . ar 
C. a. S. 1020, f f 
* 0 . 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 388 
nebſt Holland, Daͤnnemark und dem Bethlem Gabor in Siebenbuͤrgen darauf 
bedacht, wie die groſſe Macht des Erzhauſes geſchwaͤchet werden koͤnte. Der Graf 
von Mansfeld und Herzog Chriſtian von Halberſtadt muſten hiezu den Anfang ma⸗ 
chen. Der letztere hatte fi) von Rinteln bemächtiger, und war über die Weſer ges 
kommen. In feinem Stift und im Eichsfelde warb er mit fremdem Gelde Völker. 
Die meiſten niederſaͤchſiſchen Kreis ſtaͤnde hatten in Braunſchweig zu ihrer Beſchüͤ⸗ 
tung vor denen herumfteeifenden ſpaniſchen Soldaten ein Heer zuſammen zu ziehen 
beſchloſſen. Sie trugen hieruͤber dem Herzog Chriſtian von Halberſtadt die oberſte 
Anfuͤhrung auf. Hiedurch fahe er ſich fo verſtaͤrkt, daß er 20000 Mann beiſammen 
hatte. Er wolte damit in Böhmen einzubringen ſuchen, da Gabor mit Huͤlfe der 
Tuͤrken in Ungarn einbrach. Alles ſahe alſo vor den Kaifer gefaͤhrlich aus. Verge⸗ 
bens ſuchte er gegen den letzten bey dem oberſaͤchſiſchen Kreiſe Huͤlfe, welcher zu ſeiner 
Sicherheit auf einer Verſammlung 1000 Mann in fertigem Stande zu halten beſchloß. 
Gegen den Herzog Chriſtian von Halberſtadt aber muſte Graf Tilly zu Felde gehen. 
Er kam auf das ſchleunigſte aus der Wetterau, bemaͤchtigte ſich von Heſſen, naͤher⸗ 
te ſich dem niederſaͤchſiſchen Kreiſe, und verlangte von demſelben die Wegſchaffung 
des geächteten Herzog Chriſtians. Da der Kreiß noch nicht in völliger Verfaſſung 
ſich befand, ſo muſte ſich derſelbe auch dazu entſchlieſſen. Chriſtian gieng nach Weſt⸗ 
phalen, um ſich mit dem Graf von Mansfeld zu vereinigen. Tilly folgte ihm aber 
auf dem Fuß, und ſchlug ihn den öten Allg bey Stadtloon im Muͤnſteriſchen aufs 
Haupt. Er nahm ſeine Flucht nach Holland. Jetzt muſte ihm auch der Graf von 
Mans feld aus Oſtfriesland folgen. Die Hofnung der Feinde des Kalſers ward dar 
durch zwar niedergeſchlagen. Es vermehrte ſich aber die Furcht vor der zunehmenden Macht 
des Kaiſers. Die Spanier bedienten ſich wirklich der weſtphaͤliſchen Kriegsangele 
genheiten, und eroberten das meifte von der Grafſchaft Ravensberg und dem Herzog ⸗ 
shum Bergen. Sonderlich ward Lippſtadt nach einer harten Belagerung gezwungen 
ſich auf Bedingungen zu ergeben, worin ſich Henrich Ludwig von Hatzfeld mit den 
hollaͤndiſchen und brandenburgiſchen Voͤlkern gegen den Grafen Johann von Oſt⸗ 
friesland gut genug gewehret hatte. Es geſchahe die Eroberung zwar im Namen des 


85 Pfalzgrafen von Neuburg, dieſer wurden aber deswegen nicht in den Beſitz geſetzt. Die 


ſpaniſchen Kriegevölker führten ſich darin, ſo wie es ihnen ſelbſt beliebte, bald als Herrn, 
bald als Feinde auf, woruͤber der Pfalzgraf vergebliche Klage zu Bruͤſſel fuͤhrete. Dem 
Cburfuͤrſten von Brandenburg gieng es mit denen hollaͤndiſchen Kriegs völkern nicht 
viel beſſer b). Dies beſtimmte beide Höfe zu Duͤſſeldorf den riten May 1624 ſich 
aufs neue wegen einer guͤtlichen Theilung des Beſitzes der juͤlichſchen Erbſchaftsſtuͤcke 
zu vereinigen. Im Namen des Churfärften von Brandenburg, verglich fich deſſen 
oberſter Staatsbedienter Adam Graf von Schwarzenberg mit dem Pfalzgrafen Wolf⸗ 
gang Wilhelm dergeſtalt; daß das Haus Brandenburg den Theil vom Herzogthum 
Cleve, der zwiſchen Iſelburg und Winnekendonck liegt, und die Graſſchaften Mark 55 

1 a 


b) Theatr. Europ. ad * Kbevenbüller Ab a. 


1623. 


1624. 


624. 


536 3 Th. 5 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


Ravensberg ſamt dem Amt Windek zu feinem Antheil beſitzen, ie 
das übrige behalten, beide Theile ihre Rechte auf die ganze Erbſchaft 5 

ein jeder den ganzen Titel und Wappen führen fol. Wuͤrde des Churfürften maͤnnli⸗ 

che beibeserben abgegangen ſeyn, fo ſolte fein Bruder Marggraf Joachim Siegmund 
die Grafſchaft Mark haben, welche nach deſſen und feiner männlichen Erben Tode an 
Sachſen fallen ſoll, wenn ſolches Haus dieſen Vertrag ſich gefallen laßt, im 2 
genſtehenden Fall aber an Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm und ſeine 

kommen ſolte. Wuͤrde Wolfgang Wilhelm und feine maͤnnliche S ſeyn, 
ſo ſolte ſein Antheil von Cleve und das Herzogthum Bergen an die Churlinie von 
Brandenburg und ihre männliche Erben, Juͤlich aber an Pfalzgraf Augu 
wen folche und feine männliche Erben nicht mehr vorhanden, an Pfalzgrafen < 
Friedrich, und wenn auch die nicht mehr vorhanden, an die Churlinie von Brandenburg 
fallen, doch ſolte ſolche alsdenn gehalten ſeyn, den aͤltern Pfalzgrafen von Zweibruͤcke 
nach dem Recht der Erſtgeburt einen Theil vom Cleviſchen abzutreten. n eee 
an wolten ſich beide Beſitz habende Fuͤrſten friedlich gegen einander betragen, —— 
Kaifer, Spanien, England, Frankreich, Iſabella aus den Niederlanden und 
Holland zu Annehmung diefes Vergleichs erſuchen, bey Spanien und Holland für 
die bisher geleiſtete Huͤlfe fich bedanken, beide Mächte aber zugleich erſuchen, alle Feind⸗ 
ſeligkeiten, Lieferungen und Erpreſſungen abzustellen und ihre r 5 
nach abzufuͤhren c). Dieſem Vergleich gemäß ſetzte der Graf von Schwa n 
im Namen des Churfuͤrſten die Unterhandlungen mit denen vereinigten Niederlande 
fort, welche bisher der churfuͤrſtliche Gefandte von Winterfeld im B96 ingefar 
hatte, und verglich d) ſich wegen deſſen, was den hollaͤndiſchen Beſotz ungen zu reis 
chen. Allein alle dieſe Mühe war abermals vergebens, da ſowol die Spanier als die 
Holländer feine rechte tuft bezeigten, ihre Völker aus den jülichſchen Erbe afteſtl⸗ 
cken abzufuͤhren, wo ſolche auf Koſten der Beſitz habenden Fuͤrſten erhalten werden mu; 
ſten. Beſonders ſuchte Spanien veften Fuß in Deutſchland zu behalten, um bie 
mit dem Kaiſer gemachte Entwuͤrfe völlig zum Ende zu bringen, wozu ſich damals alle 
Hofnung zeigte. Denn Bethlem Gabor ließ ſich aufs neue von dem Kaißer durch 
einen vortheilhaften Frieden zur Ruhe bewegen. Die unterpfändlich abgetrecene Lum 
ſitz hatte bey Sachſen in Abſicht der bayriſchen Chur gehörige Wirkung 5 
Friedrich 5 in dreien ſehr beweglichen Schreiben Sachſen e) und Brande 
zuhalten bemuͤhet geweſen in die Uebertragung dieſer Würde auf Me xin g 


Bayern i. willigen! fo war ſolches doch bey Sachſen zu ſpaͤt. war as da 


Kaifer im Junio eine Zuſammenkunft der Churfuͤrſten und einlger F 
Schleußingen dieſer Sache wegen halten ließ, fo erfolgte von Selten des a 
von Sachſen die Einwilligung der bayeriſchen Churwuͤrde, wogegen der Kalſer 
. von Sachſen Weimar und Altenburg, wehe l in der Schlacht bey 


le 


ey Lond. Ad. publ. T. 2. p. 875. d) Ibid. IN 2. p. ni 1 e 
e) Theatr. Europ. ad h. a. er uw DORT A N 
N 
Ta 
BR, 


. 


. Churfuͤrſt Georg Wilhelm. | 537 
. loon gefangen waren, frey ließ und begnadigte. Weil aber der Churfuͤrſt von Bran⸗ 1624. 
denburg das Betragen des Kaifers in dieſer Sache einmal vor ungültig erkannte, f 

konte man ihn nicht bewegen, in die bayeriſche Chur feine Einwilligung zu ertheilen. 
Ferdinand 2 verließ ſich aber auf feine Macht. Die Vollſtreckung feines Ausfpruche in 

der marburgiſchen Erbſchaftsſache ward zum Vortheil des landgrafen von Heffen Darm⸗ 

ſtadt und in der badenſchen Sache wider den Marggrafen von Durlach mit groſſer 

Schärfe vorgenommen. Ueberall, ſonderlich in den kaiſerlichen Erblanden fuhr man fort 

die Evangeliſchen zu unterdruͤcken, und der Kaiſer beſtund darauf, daß denen Catholi⸗ 

ſchen diejenigen Stifter wieder eingeräumet werden ſolten, welche dem geiſtlichen Vor⸗ 

behalt zuwider in proteſtantiſche Hände gekommen, ohnerachtet die evangeliſchen 1 
Stände ſelt dem Religionsfrieden dem geiftlichen Vorbehalt beftändig widerſprochen 

batten f). | 5 


: 9 a 

Es iſt dieſe Sache in der That der Hauptgrund zu einem neu ausgebrochenem Beſondert 

Kriege in Deutſchland geworden. Wir haben im vorigen Bande unſerer Geſchichte Ku — etz 

bereits angeführt, daß bey Errichtung des Religionfriedens die Frage zwiſchen Prote⸗ N 
ſtanten und Catholicken ſtreitig geworden; obein Geiftlicher auch nach der Religions / 
veraͤnderung fein voriges Amt behalten koͤnte? Da die beiden Friedenſchluͤſſende Theile 
darüber zu keiner Einigung zu bringen, ſo uͤberlieſſen fie die Entſcheidung dieſer Frage 
dem Ferdinand 1, welcher zum Vortheil der Catholicken ausmachte, daß ein Geiſt⸗ 
licher bey Veraͤnderung der Religion ſein voriges Amt aufgeben muͤſte. Die prote⸗ 
ſtantiſchen Stände waren mit dieſem Ausſpruch nicht zufrieden, und erflärten ſich 
mehr als einmal, daß ſie die Verordnung Ferdinands 1, welche man den geiſtlichen 
Vorbehalt nennet, nie vor verbindlich halten wuͤrden. Es hatten wirklich ſelt dieſer 
Zeit ſenderlich in Niederdeutſchland viele Erz und Biſchöfe mit Beibehaltung ihrer 
Stifter die proteſtantiſche Religion angenommen. In den meiſten diefer Stifter 
waren ſeit der Zeit Prinzen aus anſehnlichen Haͤuſern zu Erz / und Biſchöfen erwaͤhlet 
worden, fo, daß die niederdeutſchen fürſtlichen Haͤuſer ihre nachgeborne Prinzen 
durch die Stiftswahlen verſorgen und gleichſam abfinden konten. Es war folches faſt 
ſchon zu einer alten Gewohnheit geworden, und die Proteſtanten befanden ſich bereits 
in einem vieljahrigen Beſit vieler Erz und Biſchofthuͤmer. Nunmehro aber ließ der 
Kalſer an die Proteſtanten des niederſaͤchſiſchen Kreifes wegen dieſer Stifter zu Ab⸗ 
"fehaffung aller feit dem Religionsfrieden vorgenommenen Neuerungen, Befehle ergehen, 
und grif dadurch den Fuͤrſten dieſes Kreiſes an die Seele. Der Kalſer hatte hie bey die 
Abſicht die meiften und beſten dieſer Stifter einem Prinzen feines Hauſes zuzuwenden, 
und ſich hiedurch noch mehrere Macht zu verſchaffen. Dieſes ſowol als das, was mit dem 
kändgen Valtelin vorgegangen, brachte fat ganz Europa zur Aufmerkſamkeit. Fe 
a TEN \ pas 


. Kbevenktller ad h. a. Thestr. Europ. ad h. a. Vittorio Siri Memorie second, T. 3. Ca- 
reol. Caraſta Germ. perturb, et reſtitut. 8 5 5 


\ x p allg. preuß. Geſch. 4 Th. 9 


—— — eu 2 eꝛ u. 
1 * K ’ a 
* 7 — y 


* 


——— — — ——— 


— 


1624. 


3625. 


derſächſiſchen Kreiſes auf der Kreißverſammlung zu Luͤneburg, ihn anſtace 


— 


538 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. = 


Spanier Hatten feit 1617 Zwiſtigkeiten unter den Graubuͤndnern erreget. Auf ihr 
Verhetzen war 1620 in Valtelin ein Blutbad gegen die Proteſtanten vorgenommen, und 
die Sache fo geſpielt, daß die Buͤndner das Valtelim 162: an Spanien überlaffen 


Umſtand hatte alle die Bewegungen unter den europaͤiſchen Mächten verurſachet. 3 


niederfächfifche Kreiß und Heſſeneaſſel errichteten mancherley Verträge „ umdis aber 
band nehmende ſpaniſche oͤſterreichiſche Macht zu ſchwaͤchen. Herzog Chriſtian 


Sein und des Herzog Chriſtians Verſuch, das von den Spaniern 6 lagerte Br 

zu entſetzen, ſchlug ebenfals fehl. Nun gieng zwar der König von Grof nien 
Jacob 1, der durch fein Betragen feinem Schwiegerſohn Friedrich 5 von 
immer mehr geſchadet als genutzet hatte, 1625 zu Grabe, und belebte da 


nung des Churfürften von der Pfalz und feiner Freunde. Holland, 2 rank ei 


Daͤnnemark, Schweden, Bethlem Gabor und einige deutſche 9 
beiteten wirklich im Haag an einem gemeinſchaftlichen Buͤndniß, um 8 
feine Rechte und lande wieder einzuſetzen. Es kam aber ſolches nur zwiſchen 
Holland und Daͤnnemark zum Stande, und war von keiner fenderlichen Wi 
Carl 1 König von Großbritannien war mit ſeinem Parlament uneinſg. Er k 
alſo nichts weiter thun, als daß er eine Flotte an die ſpaniſchen Kuͤſten abſchick, 
welche aber weder vor Cadix noch gegen die weſtindiſche ſpaniſche Flotte en b 
richtete. Das von ihm verſprochene Heer zu kande blieb, weill das 9 Garant 2 
Geld bewilliget hatte, aus. Der Graf von Mans feld und Herzog S 
Halberſtadt bekamen von Holland und auch Schottland nur einige wenige 

mit welchen fie zu dem Könige von Daͤnnemark Chriſtian 4 zu ſtoſſen fich fert 3 
machten. Um ihnen einen Weg nach dem niederſaͤchſiſchen Kreiſe zu erden, batten 
die Holländer angefangen, denen Spaniern, die zur jülichſchen Ert Ne 
Grafſchaft Ravensberg abzunehmen. Der König von Dännemark 
Werbungen an, und ſchien um ſo viel furchtbarer zu werden, da die taͤr 


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Churfürſt Georg Wilen. 39 


zogs Chriſtian von Luͤneburg, zum Anführer aller ihrer Völker, oder zum Kreißober⸗ 
ſten erwählet harten, um deſto mehr im Stande zu feyn, die von dem Kalſer zuruͤck 
verlangte Erz / und Biſchofthuͤmer beizubehalten g). 


a i 5 f 
Alle dieſe Anſchloͤge, die England, Daͤnnemark, Holland, der niederſaͤch⸗ Der deutsche 
ſiſche Kreiß, Fürſt Chriſtian von Halberſtadt und der Graf von Mansfeld ge⸗ 3 N | 
faſt hatten, konten nicht lange verborgen bleiben. Der Kaifer, Spanien und die ausbruch. 


Liga muſten alle Mittel brauchen, die gemachten Entwuͤrfe bey Zeiten zu vereiteln. 
Der ligiſtiſche Feldherr Graf Tilly mufle fo ſchleunig als möglich in den dortigen Gegen⸗ 
den ſich einfinden. Es gluͤckte demſelben, die vornehmſten und beſten Plaͤtze zu beſetzen. 
Er ſchickte den Graf von Anholt mit einem Theil des Heeres gegen Weſel und Rhein⸗ 
bergen, um dem Grafen von Mansfeld und Herzog Chriſtian von Halberſtadt den 
Uebergang uͤber den Rhein zu verwehren. Tilly ſelbſt machte den Anfang ſowol im 
oßnabruͤckiſchen als auch hin und wieder im niederfächfifchen Kreiſe, die geiſtlichen Kir⸗ 
chenguͤter, welche gegen den geiſtlichen Vorbehalt in den Haͤnden der Proteſtanten wa⸗ 
ren, denen roͤmiſch catholiſchen mit Gewalt wieder einzuräumen. Es fehlte zwar 
nicht an allerhand Vorſchlaͤgen den wirklichen Ausbruch eines neuen Krieges zu ver⸗ 
hindern, aber der niederſaͤchſiſche Kreiß konte ſich, ohne genugſame Sicherheit feiner 
geiſtlichen Stifter wegen, nicht entwafnen laſſen; und Tilly wolte wegen Abfuͤhrung 
feiner Völker ſich zu nichts entſchlieſſen, ehe der König von Daͤnnemark feine zuſam⸗ 
mengezogenen Völker aus einander gehen laſſen. Der Kaiſer beſtritte deſſen Oberſten⸗ 
amt im niederfächfifchen Kreiſe aus dem Grunde, weil man ſolches feinem Fremden 
auftragen könne. Der König und der niederſaͤchſiſche Kreiß behaupteten hingegen, 
daß die Beſetzung dieſes Amts blos den Kreiß angehe, und ſich folglich niemand darin 
zu miſchen habe; daß die Ernennung eines Fremden zum Kreißobriſten durch kein 
Reichsgeſetz unterſagt fen; und daß der König von Daͤnnemark, als Herzog von Hol⸗ 


ſtein betrachtet, durchaus vor keinen Fremden anzuſehen ſey. Dies vermochte Koͤnig 


Chriſtian 4, mit den Feindſeligkelten den Anfang zu machen. Tilly bemächtigte ſich 


Hingegen von Höxter und Holtzmuͤnden. Der König ſuchte die andere Seite der 


Weſer zu vertheldigen. Er zog ſich nach Hameln. Hier that er einen ſchweren Fall, 
da bey Beſichtigung der Wälle fein durch einen Schuß ſcheu gewordenes Pferd ſtuͤrtz⸗ 


te, und den Hals unter ihm brach, ſo daß er anfaͤnglich den Oberbefehl ſeiner Völker 


dem Marggrafen Chriſtian Wilhelm, Verweſer des Hochſtifts Magdeburg, uͤbertra⸗ 
gen muſte. Seine Krankheit hatte die Folge, daß ſein Heer Hameln und das gan⸗ 


ze Stift Muͤnden verließ, und ſich bis Verden zuruͤck zog. Tilly bekam alſo freie 


Haͤnde das rechte Ufer der Weſer zu gewinnen, bey Hannover Vorcheile zu befech⸗ 


ten, das ganze Stift Münden und viele Orte im Niederſaͤchſiſchen einzunehmen. 


Weil ſich nun auf fein Verlangen der niederfächfifche Kreiß nicht entwafnen laſſen wol ⸗ 

ten, fo ſchickte der Kaiſer feine eigene Völker unter Anfuͤhrung Albrechts von Wallen⸗ 

N N ne fein 
2) Theatr. Europ, ad h. a. Kbevenbüller ad h. a, 


— 


540 | 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Benin 


ſtein durch Heffen nach Niederſachſen zur Hülfe, welcher ſich der Stifter Halber 
ſtadt und Magdeburg gröſten Theils bemächtigte, und ſich ſodenn der Elbe an der 
Deſſauer Bruͤcke verſicherte. Der König von Daͤnnemark füge ſich im Gegentheil 
mit englaͤndiſcher und hollaͤndiſcher Huͤlfe verſtaͤrkt, und Herzog ee 
Halberſtadt und der Graf von Mansfeld kamen mit derſelben uͤber den Rhein. Der 

erſte vereinigte ſich mit dem Könige: Der letztere aber gieng nach Niederſachſen 
Der Kaiſer und die Liga hatten alſo auf 60000 Mann gegen ſich, die aber gröſtentheils 
aus ungeuͤbten Leuten beſtunden. Der Churfuͤrſt von Brandenburg Georg Wil, 
helm hatte verſchiedene Urſachen wohl auf feiner Hut zu ſeyn. Es ſtreiften 8 
1000 Coſacken an den Grenzen feiner länder unter dem Vorwande herum, daß 

der König von Polen fie dem Kaiſer zur Huͤlfe geſchickt habe. Sie veruͤbten überall 
unwürdige Miß handlungen. Dies vermochte den Ehurfürſten auf die Sicherheit 
feiner Sande gegen fie zu denken. Sie verlangten einen Durchgang durch frine 
Staaten, wogegen der Churfuͤrſt den zöften May ein allgemeines landes aufgebot 
vornahm, und überall anbefahl den ꝛrſten Junii auf den Verſammlungsplätzen 
zu erſcheinen ). Der Zuruͤckzug der Coſacken befreiete nun zwar feine kän⸗ 
der auf dieſer Seite. Jedoch das in Niederdeutſchland neu ausgebrochene 
Kriegs feuer war vor den Churfuͤtſten um fo mehr bedenklich, weil daſſelbe vornemlich 

die Kirchenguͤter angieng, welche feit dem paſſauiſchen Vertrage in proteſtantiſche 
Haͤnde gekommen. Ob nun gleich die Catholicken damals nur die eee 
Reichs ſtifter wieder. zu verlangen ſchienen, fo war es doch nochwendig auch wegen 

geweſenen Biſchofthuͤmer Brandenburg, Havelberg und Lebus — 
Das Erzbiſtehum Magdeburg, welches die Catholicken wieder verlangten, und ei 
nem Faiferlichen Prinzen in die Hände zu ſpielen ſuchten, hatte nun ſchon ei 
dert Jahr beſtaͤndig Erzbiſchöfe aus dem Haufe Brandenburg gehabt: g = 
fürſten Vaters Bruder, Chriſtian Wilhelm, damaliger Er nn 
burg, hatte, aus Furcht fein Stift zu verliehren, an alle dem den wi 
wodurch der niederſaͤchſiſche Kreiß ſich wider den Kaiſer, und die Liga zn 
meinte. Er war ſogar ein Anführer der Kriegsvölker bey dem vereinigten 
niſchen und niederfächfifchen Heer geworden. Jedoch eben dieſes batte die 
Macht in ſein Hochſtift gezogen. Das hohe Domcapitul in Magdeburg da 
Mittel das Hochſtiſt in proteſtantiſchen Händen zu erhalten. Es kannte die hohe r 
bindlichkelt des Kaiſers gegen den Churfuͤrſten von Sachſen Johann Georg, 
deſſen Beiſtand, Ferdinand 2 die Mißvergnuͤgten Proteſtanten in ſanen Erblanden 
nicht wuͤrde haben unterdruͤcken konnen. Dies vermochte das Domenpitul von N - 
deburg, ihrem Erzbiſchof noch vor Ablauf dieſes Jahres einen Nachfolger zu ermählen. 3 
Der zweite churſaͤchſiſche Prinz Auguſtus war deswegen hiezu ernannt, hamit der 


% 


Kaiſer aus Achtung gegen das wohlverdiente Sachſen des Hochſtifts ſchonen, und selbt — 


ges in proteſtantiſchen Händen laſſen möchte. Churſachſen und Churbrandenl 


5) Lo. d Ad publ. T. 3 p. S0 N 0 ba 1.55 e 120 2 


4 8 


—ͤ— Sr Sm. — D—ꝛͤ—— — — 


| Shurfünf Georg Wilhelm - 541 

ten folgt gleiche Urſache alle Mühe anzuwenden ein Kriegesfeuer zu löſchen, das ſich 1625. 
ihren Grenzen näherte, und denſelben auf mehr als eine At verderblich werden konte. 

Sie unterzogen ſich beide des Mitleramts zwiſchen dem niederſächſiſchen Kreiſe und 

den Ligiſten. Zu Braunſchweig wurde an Wiederherſtellung der Ruhe gearbeitet. 

Doch alle Mühe dieſer beiden Churfuͤrſten fiel endlich 1626 fruchtlos aus, indem die 1626. 
niederſaͤchſiſche vereinigte Stände in die Abdankung ihrer Volker vor dem Abzuge 

des Tilly und des Wallenſteins eben fo wenig, als in die Wiederabtretung der r Kir 
ö e willigen wolten H. 

g. 10. 
In Preuſſen war man ſchon ſeit einigen Jahren wegen eines ſchwediſchen Ein „De könig 

bruchs beſorgt geweſen. Seit dem die ſchwediſchen Stände dem Sigismundoz den den 3 
Gehorſam aufgekuͤndiget, und ihre Krone dem Carl von Sudermanland aufgeſetzt Prenſſen ein. 


hatten, fuͤhrten dieſe beiden Prinzen Krieg, der ſich aus Eſtland nach Liefland ge⸗ 
gezogen. Guſtav Adolph erbte denſelben von feinem Vater, und ſuchte die ſchwedi⸗ 
ſche Krone gegen die Anſpruͤche des Königs von Polen zu vertheidigen. Er hatte in 


einem Kriege, der verſchiedene mal durch eingegangenen Waffenſtillſtand hingeleget war, 


faſt ganz Liefland erobert; aber auch hiedurch ſeinen Vetter Sigmund nicht vermd⸗ 
gen koͤnnen, ihn als Konig von Schweden zu erkennen. Guſtav Adolph machte da⸗ 
her Zuruͤſtungen, um auf Preuſſen loszugehen. So geheim ſein Anſchlag gehalten 
wurde, fo muthmaßte man denſelben doch. Der Churfuͤrſt von Brandenburg ließ 


als polniſcher dehnstraͤger zur Beveſtigung der Veſtung Pillau 4 Schiffe von Daw - 


zig kommen, beim Eingange des Hafens eine neue Schanze aufwerfen, die Beſatzung 
verſtaͤrken, und grobes Geſchuͤtz auf die Veſtungswerke bringen. Der Churfuͤrſt kam 


ſelbſt nach Preuſſen, und überlegte mit den Ständen die Vertheidigungsmittel. Es 


wurden Volker zu Roß und zu Fuß angeworben. Georg Wilhelm ließ ſogar 200 
geuͤbte leute in Holland in Sold e und beſtellte den von Podewils, einen groß 
fen Feldherrn, zu ihrem Anführer. Wegen Verwandtſchaft des Chur fuͤrſten mit dem 
Könige glaubte man jedoch nicht, daß Guſtav Adolph eben hieſelbſt durchbrechen wuͤr⸗ 
de. Wider alles Vermuthen aber landete der König den Gen Jul. in dieſer Gegend, 
er gieng nicht gerade auf Pillau loß, ſondern ließ die Veſtung zur Rechten liegen, und 
ſetzte auf mitgebrachten Platboten, die nur zwey Fuß Waſſer brauchten, fein Volk ans 
tand, ohne daß die Beſatzung von Pillau ſolches beobachtet hätte. Von denen aus 
sgerüfteten Schiffen ſtrandete eins, und da die Übrigen drey nach ‚Königsberg zu ent⸗ 
kommen ſuchten, wurden fie von der ſchwediſchen Flotte aufgebra ht, jedoch unter der 


Bedingung frey gegeben, daß man ſich ihrer ferner nicht mehr kedi'nen wolte. Die 


Veſtung Pillau war nicht im Stande eine Belagerung auszuhalten, die Beſatzung be⸗ 
fand ſich zu ſchwach gegen die ſchwediſche Flotte von 130 Segel, und gegen ein Heer 
von 15000 Mann, das der König und der Feldmarſchall Hermann Wrangel, anfuͤß⸗ 


voten es ee Das vot dem Hafen neu angelegte Werk war ohnedies noch 


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5 Theatr. N adha. Kbevenbüller ad h. a. 


1626. 


542 3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


dem polniſchen Preuſſen an. Den ızten Jul. kamen neue Geſandten aus dem Herr g 


nen Willen uͤberſchickte. Hiernaͤchſt beklagten fie ſich, daß der König die Pille 


nicht zur Vollkommenheit gebracht. Innerhalb drey Stunden ergab ſich alſo Pillau 
an den König, der zur Verſicherung des Hafens gegen das Haf von jeder Seite des 
Tiefes eine Schanze aufwerfen ließ. Der Churfuͤrſt befand ſich damals in der Mark. 
Seine preußiſchen Oberräthe aber ſchickten gleich nach Ankunft des Königs Geſandten 
ab, um beim Guſtav Adolph die Urſach feiner dandung, und weſſen man ſich von 
ihm zu verſehen, zu erkundigen. Der König antwortete ſelbſt, „daß, weil er den Ent⸗ 
ſchluß gefaſſet, die Gelſtlichkelt im ermlaͤndiſchen Biſchofthum heimzuſuchen, die ber 
queme lage der Pillau ihn genöthiger, daſelbſt fein Volk auszuſetzen. Wider den 
Churfuͤrſten, als feinen nahen Schwager, haͤtte er keine Feindſeligkeit, und fen ihm 
leid, daß demſelben Pillau zugehöre, welchen Ort er, um den Ruͤcken frey zu halten, 
nothwendig in feiner Gewalt haben muͤſſe. Gegen die Landeseinſaſſen wolle er ſich als 
einen Freund bezeigen, von ihnen keinen Zuſchub begehren, und, daferne ma ſich ge 
gen ihn auf gleiche Art zu betragen gedachte, bey feinen Worten die Verſiche rung ge⸗ 
ben, daß niemanden ein Huhn ſolle genommen werden. Demnach möchten ſich die Ger 
ſundten kurz erklaren, ob fie Freunde oder Feinde ſeyn wolten. Er würde bereits das 
Herzogthum Preuſſen feindlich behandeln, wie ein zu Polen gehöriges kand, wenn 
folches nicht feinem Schwager zuſtaͤndig und der evangeliſchen Religion zugethan wäre, „ 
Die Geſandten ſchuͤtzten die Verträge mit Polen vor, nach welchen der Chu 
Pillau wider jeden vertheidigen möftes und es fen zu beſorgen, daß der Cturfil das 
gehn verlieren möchte, wenn durch Pillau das Stift Ermland überzogen würde. Der 
König beſtund aber auf der begehrten Erklarung, wozu die Geſandten eine Friſt erhel ⸗ 
ten, bis fie desfals von den Regimentsraͤthen befehliget werden könten. Schon den 
zten Jul gieng der König über das Haf ins Ermlaͤndiſche, und ſieng den Krieg mit 


zogthum Preuſſen zum Könige nach Tolkemit, und brachten einen Abgeordneten der 
drey Städte Königsberg mit ſich. Sie ſuchten zu der neulich abgeforderten Erl / 
rung einen neuen Aufſchub, bis entweder der Churfuͤrſt ſelbſt ins tand kaͤme 5 ri f 


genommen; daß deſſen hinterlaſſene Befehlshaber ſich des dortigen Zolls amım 
und daß bey feinem Aufbruch nach Ermland etliche Pferde weggefüͤhret 
bey fie die Verträge mit der Krone Polen und die desfals ihnen obliegen 
keit nochmals anfuͤhrten. Der König, welcher alles ſelbſt beantwortete, wen 
Geſandten, daß ſie ohne ſattſame Vollmacht gekommen wären. Er ſagte, daß die 
Stände vor ſich einen Entſchluß faſſen muͤſten, weil der Churfuͤrſt, aus Furcht, . 
gehn zu verlieren, ſich nicht erklaͤren duͤrfte. Pillau hätte er deswegen b feßt, da f 
nicht die Polacken aus dieſem Hafen auf das Königreich Schweden einen A arif hu 
möchten, würde ihn auch behalten, weil er durch keinen andern Weg, als durch xi n 


und Danziger Guter fuͤhreten, zu unterſuchen, welches ihnen aufs neue at = = 
2 werden 


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"dh Herr Lengnich T. 5 p. 160 · 159. A& Bor. T. 1 p. 774 C. 


| Churfürft Georg Wilhelm. er: 448 
werden folte, und was die Pferde anlangete, hätte man etwa 20 Stuͤck zur Fortbringung 
des königlichen Heergeraͤths gegen baare Bezahlung gebrauchet. Der König erwehnte hie⸗ 


bey, der den Königsbergern vor wenigen Tagen angetragenen Parteiloſigkeit, und daß dar / 


auf annoch Feine Erklaͤrung eingelaufen, welches ihr anweſender Abgeordneter damit ent 
ſchuldigte, daß ſie ſich ohne Vorwiſſen und Nachgebung ihres landes herrn in nichts derglel⸗ 
chen einlaſſen könten. Nach einigen Wechſelreden verlangte der König, man ſolte ihm 
entweder zu ſeiner Sicherheit Lochſtaͤdt, Balga und Fiſchhauſen einräumen, oder 
ſi h für Freunde erklaͤren. Als nun darwider die Geſandten den Mangel der Befehle 
abermals vorſchuͤtzten, antwortete der König, „ich merke wohl, ihr koͤnnet euch nicht 


entſchlieſſen, und ich werde ſehen, wie ihr euch halten werdet; werdet ihr ſtill ſeyn, 


ſo iſt es gut, und ich werde, wenn ich mit Elbing fertig bin, weiter ruͤcken, werdet 
ihr aber nicht ruhig ſeyn, fo, will ich mir die Mühe nicht verdruͤſſen laſſen, zuruͤck zu 
gehen, und in Samland einzunehmen, was ich kann. Ich ſage es euch zuvor, was 


ich tkun will. Wenn ich Elbing innen habe, fo will ich eine Katze herum bauen, die 


wol von ſich kratzen, und die keiner ohne Handſchue angrelfen ſell. Hernach will ich 
mich nach der Pillau begeben, und dieſelbe dermaſſen beveſtigen, daß mich niemand 
aus der Herberge heraustreiben mag, zuletzt mich mit meinen Schiffen unter Koͤnigs⸗ 
berg ſetzen, und euch ja eder nein fprechen lehren. „ Endlich verwilligte der König 
den landes ſtaͤnden eine neue Frick, ohne ihnen eine gewiſſe Zeit zu benennen, den Koͤ⸗ 
nigsbergern aber ſetzte er dren Tage an, und ließ ihre Abgeordnete mit dieſen Bedro⸗ 
hungen von ſich: „Ich ſchwöre euch bey dem wahren GO, daß, wo ihr euch laͤnger 
aufhe lten, oder mit einer umſchwelfenden Antwort aufgezogen kommen werdet, ihr ſe⸗ 


hen ſillet, daß ich alsdenn mit meinen Orlochſchiffen mich vor eure Brucke und Haͤu⸗ 


“fer legen, die Erklarung in eurem Blute ſuchen, und euch dasjenige lehren will, was 
ihr euch nicht vermuthet. Habet euch deſſen und keines andern zu verſehen, und die 
eurigen für Schaden zu warnen. „ Der König nahm gleich darauf Elbing und Dias 
rienburg in Beſitz. Bey dem letzten Ort fand ſich aus dem Herzogthum im Na⸗ 
men der kandſchaſt ein Oeſandter und von wegen der dren Städte Königsberg Abgeordr 
nete ein, die in dem Dorf Liſſau, ohnwelt Dirſchau, zum Sebör gelaſſen wurden. 
Jener überbrachte die Verficherung der Partelloſſgkeit, auf den Fall, wenn der Chur, 
fuͤrſt darin willigen wolte. Dieſe erklaͤrten ſich ohne alle Ausnahme, in dem ganzen 
jetzigen Kriege parteilos zu bleiben; wogegen der König in einer beſondern Schrift ſich 
‚erklärte, ihnen den freien Handel und alle ihre Haabſeligkeiten, Einkuͤnfte und Ge⸗ 
nachetgteten zu loſtn. Wel Guſtar Adolph. mın den Rücken fer due, f 


gieng er in feinen Eroberungen immer weiter, konte aber die Stadt Danzig zu 


keiner Parteiloſigkeit bewegen. König Sigmund kam zwar felbft mit einem Heer 


vac Praſen, ente des sem de Schneden in def Sehe nis, ene 
ten ). ee) nel un Rp 2 Ka oo n 555 


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1626. 


1626. 
Davon einis 
ge Polacken 
dem churfuͤr⸗ 
ſten die ſchuld | 


beimeſſen. 


5 Th. 10 Hauptſt. Neuere Serie ne 


daß der König von Schweden ſchon das vorige Jahr mit dem Churfürften 


ber denen brandenburg » preußifchen Ständen einen Landtag n 


$. II, 4 Hu: 3 EM 17 
Dier Churfuͤrſt war zwar mit dem Betragen der Siäste Königsberg 
frieden, und bezeigte durch ein eigenes Schreiben an den König von 5 et 
an den Kronkanzler, daß er, feiner maͤrkiſchen Sande, ungeachtet, ihn 
Schweden gethan, was in feinen Kräften geftanden. Dem ohnerachtet konte er der 
Tadelſucht nicht entgehen. Piaſecius, ein polnifcher ne er 


Elbingern alles verabredet gehabt. Bey der kandung waͤre das . 
mit bloſſem Pulver geladen geweſen, und die churfürſtlichen Beamten wären de 
diſchen Heer mit Pferden und andern Nothwendigkeiten willig zur Hand 
So ungegruͤndet dieſes auch war, fo ſuchte man doch auf dem Reichstage zu 
den Sigmund zu Ende dieſes Jahres hielt, den Churfuͤrſten eines Ber i 
Schweden zu beſchuldigen. Nach dem Relchstage ließ der König 


ſchreiben, und fie durch feine Geſandte Fabian von Zehmen, Ca 8 
Georg von der Gablentz und Johann Zawacki ermahnen, daß ei Auf 
der Verknüpfung mit Polen, und der Pflicht, die der Churfürſt, el en ies 
der Krone ſchuldig wäre, zu den polniſchen Völkern ftoffen, und mit zu geſ 
ten Kräften den Feind aus dem Lande zu treiben behülflich ſeyn möchten. * Im 0 0 chen 
wurden ſie durch ein königliches Schreiben erſuchet, dem polniſchen Heer die 1 nöchi 
lebensmittel zuzuführen. Die Stände antworteten: „daß fie nicht mit d 1K ig 

che vereiniget worden, um an den polniſchen Kriegen Theil zu 1 nde 
mit fie vom Könige und der Krone wider alle feindliche Anfälle gefehliger wi den. De 
Churfuͤrſt und die Einfaffen wären nur alsdenn verpflichtet, mit i ihrer 
Polacken zu ſtoſſen, wenn fie wegen der Belehnung, entweder vom röm 
oder ſonſt von jemanden angefochten werden ſolten. Hlenebſt klagten 
die Streifereien der polniſchen Volker, die in verſchiedenen Aemtern g 
veruͤbet haͤtten, und erklaͤreten ſich, bey der Partelloſigkelt zu verharren, 8 
die nahe an der polniſchen Grenze wohneten, als welche, um einer gänzlich 
ſtung ihrer Güter zu entgehen, Partey zu nehmen verſprachen. Denen 
gern wolte man beſonders anmuthen, ſich dem Koͤnige und der Krone 
zu unterwerfen, welches ſie aber ſchlechterdings ablehnten, und ſo la la 
ben wolten, als die Schweden Pillau einbehalten wurden. Um! die 
Schrift zum Vorſchein, die aus einer roͤmiſch catholiſchen Feder gef 
den Untergang des Königs von Schweden, des Churhauſes Brander 
Evangeliſchen gerichtet war. Man ſetzte zum Grunde, daß der Ehurft 
denburg, welcher mit Schweden und dem Fürften von Siebenbuͤrg 
Vernehmen ſtuͤnde, dem Könige Guſtavo den pillauiſchen Hafen in d 
ſpielet, und dadurch nicht nur gegen Polen, ſondern auch, well er 
pflanzung der catholiſchen Religion gehindert, gegen das 


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) Lengnich T. 3 p. 191% et Db cum, 31 und 2 P. 12 l. Acta Boruſl. T. 1 p- 774 . 


— 


Chpurfürſt Georg Wilhelm. 545 
des Hochverraths und der beleidigten Majeſtaͤt begangen, folglich feine Wuͤrde und fans 
de verwirket haͤtte. Um ſeiner habhaft zu werden, muͤſte man ihn, unter dem Schein 
vom Frieden zu handeln, aus der Mark nach Preuſſen locken, und mit Hinterliſt 
gefangen nehmen. Wenn dieſes geſchehen, ſolte die brandenburgiſche Mark von 
den kalſerlichen Völkern beſetzet, und nebſt der Chur dem Herzoge von Lüneburg, uns 
ter dem Beding, zum Papſtihum uͤberzutreten, verliehen, auch dieſem, nach Abgang 
der jetzt regierenden Linien, die Herzogthuͤmer Braunſchweig, Grubenhagen und 
Pommern zugeeignet, inzwiſchen aber, fo bald er ſich zur eatholiſchen Religion öf⸗ 
fentlich würde bekannt haben, alle in Niederſachſen gelegene Erz ⸗ und Bisthuͤmer eins 
geraͤumet werden: deſſen Macht man ſich zur Bezwingung des Königs von Daͤnne⸗ 
mark bedienen konte. Das brandenburgiſche Preuſſen ſolte man entweder einem 
koͤniglich polniſchen Prinzen geben, oder, da ſolches die Krone nicht geſtatten wolte, 


es mit dem Königreich Polen unmittelbar vereinigen, und es in Woywodſchaften und 


Starofteyen abtheilen. Der Stadt Danzig ſolte wegen ihres guten Verhaltens der 
Sitz im polniſchen Senat angewleſen; den dortigen Rathsperſonen das Vorrecht, 
Deichsämter zu beklelden, ertheilet; daſelbſt die einzige Niederlage aller polnifchen und 
preußiſchen Waaren angeordnet, und ihr die kaͤndereien der an Schweden uͤberge⸗ 
gangenen Staͤdte, nebſt der curiſchen Nehrung geſchenket werden. Dagegen die Stadt 
verbunden ſeyn wuͤrde, der Krone Polen, fo oft fie Geldes benöthiget, ſolches auf 
das königliche Antheil der Pfalgelder vorzuſchuͤſſen, den pillauiſchen Hafen zu verſen⸗ 
ken, und, ſo bald man den König von Schweden aus Preuſſen getrieben, von hol⸗ 
laͤndiſchen und andern Schiffen, auf der Polacken Koften, eine Flotte zufammen zu 
bringen, mit der man, wenn ein Theil der ſpaniſchen Seemacht dazu geſtoſſen, das 
Königreich Daͤnnemark erobern, den Zoll im Sunde abſchaffen, und dagegen das 
Pfalgeld in Danzig erhöhen wolte. Hierauf ſolte Schweden an zween Oertern, in 
Finnland und bey Calmar, angegriffen, nebſt Daͤnnemark zu polniſchen Provins 
zen gemachet, und durch Statthalter regieret werden. Des gefangenen Churfuͤrſten 
von Brandenburg aber wolte man ſich als eines Werkzeuges, den Fuͤrſten von Sie⸗ 
benbürgen zum Frieden zu bewegen, bedienen, und ihn als Buͤrgen in der Gefangen⸗ 
ſchaft behalten, auch auf den Fall, wenn der Fuͤrſt von Siebenbürgen den Krieg wie⸗ 
der anfangen möchte, am beben ſtrafen. Dieſes, meinte man, wären die Mittel, 
den Frieden in Polen und im ro miſchen Reich herzuſtellen, und die geſamte Macht 
der römiſch⸗ catholiſchen Fuͤrſten wider den Tuͤrken und die Ketzer anzuwenden, und 


eine allgemeine Beobachtung der tridentiniſchen Kirchenverſammlung einzuführen. „n) 
So unreif dieſe Gedanken auch immer feyn mochten, fo waren ſolche doch ſehr bedenk ⸗ 


lich, da das, was in Deutſchland vorgieng, alles beſorgen ließ. 


§. 12, 


P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 8557 


1626. 


346 3%. 10 Haupt — AR von Bambu, 
1858. ib e ee eee ee 
Die Mark 3 der im Aubell f Mar; batte zwar dem Cburfürſten ale 
Brandenburg Sicherheit vor feine Staaten verſprochen 1). Allein es änderten * 5 85 
keien und de. Der König von Daͤnnemark wolte 747 faiferliche Heer von der 
freunden des fernen, da ihm Tilly genug zu chun gab. Der letzte kam dem f 
taiers,webe ſencaſſel, der ſch mie Christian 2 vereinigen welke, allzuzeltlich auf u 
oberhand be: zwang ihn, die Regierung ſeinem Sohn abzutreten, und dieſer muſte alle Oemeinſchaft 
halten. mit den Feinden des Kaiſers aufheben, und denen Freunden deſſelben den | i 
und andern Vorſchub verſprechen. Chriſtian 4 ſchickte alfo den Grafen von 
feld und ſeinen Feldherrn Fuchs ab, um, wo möglich, „in die an 
brechen, und die unterdrückten Proteftanten zum Aufſtande zu ö 
wirklich damals in Oberöſterreich gemacht wurde. Dies muſte auch den D 
ſtein zum Ruͤckzuge bewegen. Der Graf und Fuchs kamen im Febr. alſo ec 
Stift Luͤbeck und dem Lauenburgiſchen ins Mecklenburgiſche, 2 5 bey Garlo⸗ 
fe über die Elbe, und ruͤckten über Lentzen ins Brandenburgiſche 
beſetzte Havelberg, und kam den aten Merz vor Alt⸗ lr: ramenuge 
gerſchaft war zur Gegenwehr zu ſchwach, und muſte Beſatzung 
rückte der Graf ins Anhaͤltiſche weiter vor. Fuchs hatte nn 
nach ſchwacher Gegenwehr von Tangermünde und Stendal bemächtiget e 
erſten Ort etwas beveſtigen, und feine Leute hielten in der ganzen alten 
Haus. Indeſſen grif der Graf von Mansfeld, der ſich mit dem Verweſer des Hoch; 
ſtiſts Magdeburg Marggraf Chriſtian ibelm verelniget hatte, den Albrecht an 
Wallenſtein bey der Deſſauer Brücke an, litte aber den zsften Ap 
Niederlage. - Der Graf von Mansfeld zog ſich nach der Mark, und ſuchte 
ſtreueten wieder zu ſammlen. König Chriſtian ſchickte ihm etliche Compagulen S 
laͤnder zu Huͤlfe, hatte aber doch kaum 3000 Mann Fuß volk und 2000 Meuter bei 
ſammen. Nach und nach brachte er aber auf 15000 Wu die uͤberall fo 
übel wirthſchafteten, daß der Churfuͤrſt Volk muſtern, und die kehnpferde gegen ih 
aufbieten muſte. Der Graf trat aber ſeinen Zug den zoſten Jun die Mar 
uͤber Frankfurt an der Oder nach Schleſien an, und wurde ihm hin und wiede 
den brandenburgiſchen Städten, dem Verbot des churfuͤrſtlichen Obriſten Krag 
ohnerachtet, auf dieſem Zuge Schaden zugefuͤget, well die Buͤrger ſich des erlittenen 
Schadens zu erholen ſuchten. Fuchs blieb immer bey Tangermüuͤnde fi den, um be 
nen Kaiſerlichen den Weg über die Elbe zu verwehren, welche über Wolmit 
in die alte Mark gedrungen waren. Sie muſten aber dem Grafen on Mansfe 
nach Schleſien folgen. In dieſem lande blieb Johann Ernſt Herzog von We 
mar, den der König von Daͤnnemark dem Grafen mit einem Heer zu Hülfe ge 
als dänischer Feldherr ſtehen. Der Grof von Mansfeld aber drang mit einem < 
feiner Volker in Ungarn ein, und ſuchte den Krieg in das Herz der faiſer 


5 Day nd, 
n) Herr Küfter Antig. Tangerm. p. 28, eee 


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Churfürſt Georg Wilheſm. F347 
lande zu fpiefen. Er vereinigte ſich mit dem Bethlem Gabor, der dieſes Jahr des 
Churfuͤrſten von Brandenburg Schweſter geeheliget harte. Jedoch Bethlem chic, 

te ſich in die Zelt. Als es in Nie derſachſen nicht ſonderlich gieng, entſchloß er fich, 
einen Stillſtand mit dem Kalſer zu machen. Mansfeld ſahe ſich alſo verlaſſen, 
und verkaufte daher ſein Geſchütz und Heergeraͤthe. Er wolte feinen Weg durch 
Italien nach Deutſchland nehmen, ſtarb aber unterwegens unweit Zara zu Wars 
kowitz in Bosnien. Der Herzog von Weimar, der in Schleſien unterſchiedli 
Vortheile erhalten, gieng auch mit Tode ab. Der Aufſtand in Defterreich ward ges 
daͤmpft. Die neue Unternehmungen des Marggrafen von Durlach im Elſas wurden 
von dem Erzherzog Leopold Wilhelm nicht einmal zum rechten Ausbruch gelaffen. 
Hauptſächlich aber des Kaiſers und der Liga Glück in Niederſachſen dauerhaft geſi⸗ 


chert. Chriſtian 4 hatte das Stift Hildesheim und Osnabruͤck eingenommen, und 


in dem letztern feinen Prinzen, an ſtatt des baleriſchen Grafen von Wartenberg, zum 
Biſchof eingeſetzt, und Muͤnſter gebrandtſchatzt. Der Herzog Chriſtian von Hal 
berſtadt bemaͤchtigte ſich der tande ſelnes eigenen Bruders des Herzogs von Wolfen⸗ 
buͤttel, weil derſelbe nicht die Waffen wider den Kaiſer ergreifen wolte. Er verübte 
noch mehr Feindſeligkeiten in dem Gebiet des Herzogs Chriſtian von Luͤneburg, der 
es öffentlich mit dem Kaiſer hielt. Er hatte ein Auge auf Heſſen, wohin ſich Tilly, 
um nicht abgeſchnltten zu werden, und den Landgrafen im Gehorſam zu erhalten, zie⸗ 
hen muſte. Der Verweſer von Halberſtadt hatte ſonderlich Göttingen und Min: 
den ſtark beſetzt. Es ſtarb aber dieſer bittere Feind des Kalſers zu Wolfenbüttel. 
Nun ruͤckte Tilly aus Heſſen gegen König Chriſtian hervor, den der Graf von Ans 


holt aus dem Osnabruͤckſchen ins Braunſchweigiſche zu gehen genörhiger. hatte. 


Dieſer zog den Fuchs an ſich, der bisher bey Tangermuͤnde geſtanden, und ſeine 
Vorräthe nach Werben bringen laſſen, und ſodenn über Havelberg, Werben, durch 
die Altemark ins Luͤneburgiſche gieng. Tilly muſte zwar anfänglich zurück weichen. 
Nachdem er ſich aber verftärft, gieng er dem Könige unter die Augen, und lieferte 
ſolchem den 27ſten Auguſt das Treffen bey Lutter am Barenberge. Der König 


ward auf entſcheidende Art geſchlagen, und Dilly verfolgte feinen Sieg. Er noͤthigte 
die Herzoge von Braunſchweig und Luͤneburg, fich auf eben ſolche Bedingungen mit 


dem Kaifer zu fegen, als es der fandgraf von Heſſen thun muͤſſen. Nun glaubte der 
Kaiſer, daß Churbrandenburg, in Abſicht der Einwilligung in die baieriſche Chur, 


nachgebender ſeyn wuͤrde. Churſachſen gab ſich deshalb alle Mühe, und berichtete 
dem Kalſer, daß jetzt die rechte Zeit ſey, deswegen einen Geſandten an den Churfuͤr⸗ 
ſten abzuſchicken. Ferdinand 2 ſchickte deswegen den Carl Hannibal, Burggrafen von 


Dona, an Georg Wilhelm. Doch die Kriegesheere hatten auf die Entſchlieſſung des 
Cpurfuͤrſten mehreren Einſſuß. Denn nachdem Wallenſtein die Völker, fo nach des 


Herzogs von Weimar Tode von dem Verweſer des Hochſtifts Magdeburg Chriſtian 
Wilhelm und dem Grafen von Thurn angefuͤhret wurden, 1627 aus Mähren: und 


Schleſien völlig vertrieben, fo näherte ſich ſolcher der Mark Brandenburg mit dem 
1 7 4 3353 2 0 laiſer⸗ 


1626. 


1627. 


548 38h. 10 Hauptſt. Neuere Geſthichte von Brandenburg. 
1627. kaiſerlichen Heer auf der einen Seite. Auf der andern Seite verfolgte Tilly die dä⸗ 
niſchen Völker, die ſich nach der Altemark und ins Haveland gezogen hatten. Er 
legte die Stadt Havelberg in die Aſche, und da Wallenſtein ſich bey ihm in Mie, 
derſachſen wieder eingefunden, ſo wurden die Dänen bis in Jütland gerieben. Der 
ganze niederſächſiſche Kreis mit allen Stiftern kam hiedurch in — D—Ä 
ſers und der Liga. Der Churfuͤrſt von Brandenburg ſahe ſich bemuͤßiger, um dem 
augenſcheinlichen Verderben feines ganzen landes vorzubeugen, die bisher verzogene Ein 
willigung in die baieriſche Churwuͤrde endlich zu erthellen, und durch . 
ſchreiben allen feinen Unterthanen anzubefehlen, die etwa angenommene daͤniſche Krie⸗ 
gesdienſte zu verloſſen, und hingegen den Völkern des Kaiſets und feiner Bundesgenoß 
fen allen guten Willen und Beihuͤlfe zu leiſten. Hiedurch wurden jedoch die 1 
nen wenig gebeſſert. Die Kaiſerlichen bemäͤchtigten ſich verſchledener Orte in der 
Brandenburg. Selbſt die churfuͤrſtliche Wohnſtadt Berlin kam in kal Ge 
walt, deſſen Völker durch unerſchwingliche kieferungen und Kriegsſteuren die Mat 
Brandenburg ausfaugten, und zu erſtaunenden Klagen Anlaß gaben. Nebſt 
N ee nun ie ward auch ganz e — hommern 


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len parteilos in den polnithen Krieg tief verwickelt war. Der Churfürft Get 
beben. Brandenburg hatte fich gleich zu Anfang dieſes Jahres mit 4000 
600 Pferden in Preuſſen eingefunden. In Marienwerder ſuchten zwar 
cken bey ihm an, die mitgebrachten Völker ihnen zu uͤberlaſſen. Der Ehurfuͤrſt fehle 
ſolches aber ab, eee daß man ihn am polniſche eine 
Verſtaͤndniſſes mit Schweden beſchuldiget, und ſein Herzogthum le Strei 
fereien verheeret hätte. Er verlegte vielmehr feine Völker zu ſeiner eigenen Sicherhe 
an die Grenzen, und langte zu Königsberg an. Oxenſtirn, 5 ele 1 
ſtav Adolphs Abreiſe nach Schweden deſſen Angelegenheiten’ als Statthalter in 
ſen beſorgte, lies beim Churfuͤrſten ſofort um Beibehaltung der Partelloſigkelt And 
chung thun. Der faiferliche Geſandte Hannibal Burggraf von Dona bin ehe 
ſich alle Muͤhe, den Churfuͤrſten auf polniſche Seite zu ziehen. Auß einer 
nen Landtage beſchloſſen die Stände, alles beim Churfuͤrſten und dem Kön 
len aufjufegen, und die nöihigen Koſten hiezu aufzubringen, die man 
auf 60 Tonnen Goldes rechnete. 10000 Mann ſolten zur Erober ing 
lau und 10000 zu Abus der Grenzen gegen e veden gebral 


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Churfürſt Gong When. 549 

Ehurfürft wurde erſucht, über gute Manns zucht zu halten, den Unterthanen Mittel 
anzuwelſen, ihr Getreide zu verfahren und zu verſilbern, auch alle Muͤhe ſich zu geben, 
daß dieſer Krieg durch Vermittelung anderer Maͤchte beigeleget werde. Ob nun wol dle 
Stadt Königsberg, bey der Parteiloſigkeit zu bleiben, ſich entſchloß, fo wolte doch 
der Cburfurſt feiner tehnsverbindlichkeit gegen Polen nachkommen. Aber den sgten 
May langte der König Guſtav aus Schweden vor der Pillau an, und brachte 6 Re⸗ 

gimenter zu Fuß, die er in der Danziger Nehrung ausſetzte, mit ſich. Seine erſte 

Verrichtung nach der Ankunft war, daß er dem Ehurfürften die Parteiloſigkeit anteug, 

und ihm zur Erklaͤrung nicht mehr als 24 Stunden vergönnete, da er inzwiſchen etli⸗ 
che 1000 Mann in das brandenburgiſche Preuſſen einruͤcken, und Lochſtaͤdt beren⸗ 

nen ließ. Den ꝛaſten gedachten Monats ward die Parteiloſigkeit bis Michaelis auf 


folgende Art gezeichnet: daß der Churfuͤrſt verſprach, in der Zeit wider die Pillau 


nichts gewaltthaͤtiges vorzunehmen, Lochſtaͤdt mit feinen neuen Werken zu verſehen, 


ſondern es in dem jetzigen Stande zu laſſen, und in der Gegend dleſes Orts keine Völ⸗ 


ker zuſammen zu ziehen. Davor gelobte der König von Schweden, im brandenbur⸗ 
giſchen Preuſſen nicht mehr Soldaten, als zur Beſchuͤtzung der Pillau und der dazu 
«gehörigen Schanzen nöthig, zu halten: deren bisherige Beſatzung er mit drey friſchen 
Regimentern verwechſelte. Dieſes fein Betragen ſuchte der Churfuͤrſt beim Könige in 

Polen durch Geſandte zu entſchuldigen, denen aber geantwortet ward: es ſolten Ihre 
Durchl. wider Schweden eine gemeine Sache machen, und nicht abwarten, bis die 
Reichs ſtaͤnde Sie Dero lehnspflicht würden erinnern laſſen. Dies hatte die Wirkung, 
daß der Churfuͤrſt wirklich die Parteiloſigkeit verließ, und ſich mit dem Könige, von 
Polen verglich, ihm 1000 zu Fuß und 200 Reuter, nebſt 4 halben und einer ganzen 
Feldſchlange zu Huͤlfe zu ſchicken, die auch den öten Jul. unter Bedeckung von 600 
Mann vom bandausſchuß von Koͤnigsberg nach dem polniſchen Lager aufbrachen. Zu⸗ 
gleich ward den Einſaſſen alle Gemeinſchaft mit denen unter ſchwediſcher Bothmaͤßig⸗ 
keit ſtehenden Städten und die Zufuhr der lebensmittel nach ihrem Heer verboten: dar⸗ 
uber die Königsberger, als welche bey der Partelloſigkeit bleiben wolten / ihre Unzu⸗ 
friedenheit bezeigten. Um ſich zu rächen, ließ der König von Schweden des Chur 
fuͤrſten Silbergeſchirr und Jagdhunde, fo von Berlin über Stettin zu Waffer in der 


Pillau angelanget waren, anhalten, und brach mit dem Heer nach dem brandenbur⸗ 


giſchen Preuſſen auf. Bey Preuſchmark erwartete er die den Polacken beſtimmte 
churfuͤrſtliche Hülfe volker, denen der Graf von Thurn noch welter entgegen gieng, 
und ſie noͤthigte, ſich ohne den geringſten Widerſtand zu ergeben. Die Reuterey wur 


de untergeſteckt, und von den Fußknechten ein beſonderes Regiment, welches man von 


den Fahnen das gelbe nannte, aufgerichtet; die meiſten vom Ausſchuß aber, nebſt dem 


Oberſten, den Rittmeiſtern und Hauptleuten, wie auch die Feldſchlangen, dem Chur 
fluͤrſten, mit der Erinnerung, kuͤnftig für fein Volk und Geſchuͤtz mehrere Vorſorge zu 
tragen, wieder zugeſchicket. Mach dieſer Verrichtung ſchlug der König fein lager bey 
Holland auf, zu deſſen Verpflegung die herumliegende Städte und Dorfſchaften Geld 


3333 0 Genen And 


1627. 


1627. 


550 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 

und kebensmittel hergeben muſten, und ſchickte einen Sectetarium an 2 
der ihm die von feiner Seite zuerſt gebrochene Parteiloſigkeit vorhalten, und die 
Koͤnigsberg zu derſelben Beobachtung ermahnen ſolte. Zu gleicher Zeit langten in 
Koͤnigsberg polniſche Geſandten an, die den Städten ihre bisherige Zuneigung vor 
den König Guſtav bart verwieſen, und von ihnen begehrten, ſich von dem Churfuüͤr⸗ 
ſten nicht zu trennen, noch die Beförderung ihrer Wohlfart, auf eine andere Art, als 
in einer genauen Vereinigung mit Polen zu ſuchen. Die Königsberger erklaͤrten ſich 
gegen die polniſchen Geſandten zu nichts gewlſſes, der Churfuͤrſt aber wiederhohlte 
fein neuliches Verſprechen, der Krone wider Schweden Beiſtand zu Teiften, und ließ 
dem Könige Guſtav, vurch einen Abgeſandten wiſſen, daß wenn er nicht das Land 
raͤumen, und ſich deſſen kuͤnftig enthalten würde, Er, der Churfuͤrſt, es nicht an 


ders als eine öffentliche Kriegesankuͤndigung auslegen konte, die ihn Gewalt mit Ge⸗ 


walt abzuhalten berechtigte. Der König fertigte den Geſandten mit einem Schreiben 
ab, in welchem er die Schuld des vorgegangenen, auf die vom Churfuͤrſten gebrochene 


Partelloſigkeit legte, und ihm unter folgenden Bedingungen —— 
trug: „, Daß beider Theile Unterfaffen einen freien Verkehr und Han n; d 
Koͤnigsbergern wegen der Parteitofigfeit keine Gefahr zugezogen werden; und der Ehur⸗ 
fürft keine Soldaten werben, noch auch aus andern Oertern, inſonderheit aus dem 
polniſchen sager ins land ziehen ſolte. , Der Churfuͤrſt ließ ſich die Vorſchlöge ger 
fallen, und ſchickte darauf feine und feiner preußifchen Stände Genehmg 9, durc 
den kandhofmeiſter Achatium von Dohna, dem Könige von Schweden, im A 
fang des Auguſti zu. Worauf der König den 7ten deſſelben M onats , mit dem Heer 
von Holland nach Marienburg aufbrach, und solches in derſelben Gegend ſtehen lich. 
Er ſetzte den Krieg muthig fort, obgleich ſein leben zweimal vor Danzig, und denn 
wiederum bey Dirſchau in Gefahr kam. Er war zwar zu einem billigen Be eich de 
neigt. Doch die deshalb angeſtellten Unterhandlungen zerſchlugen ſich fruchtles, 
ſich gleich der Churfurſt von Brandenburg ebenfals deswegen Muh a 
Wilhelm bot ſeine Vermittelung dem Könige von Polen nebſt den * — nne 
nen hollaͤndiſchen Geſandten an. Siegmund 3 hielt 5 genehm, und bezel 
ein groſſes Vertrauen wegen eines guten Fortgangs der Unterh f enn fi 


der Churfüͤrſt ins Mittel ſchluͤge. Selbſt der Fürft von Si cee n fie 


vers] 


ten nach Königsberg, und diefe erhielten hiezu von Polen Freihelt, weil ſie den $ 
nig von Schweden zu bereden verſprachen, den pillauiſchen Hafen zu räintien. 4 
zu hatte aber Guſtav Adolph keine zuſt. Er verlängerte in Elbing die 8 


Partelloſigkeit des Herzogehums Preuſſen, und nachdem feine Völker ar Bint 


lager gerückt, gieng er vor feine Perfon über Pillau nach Schweder | 
lacken bezogen auch die Winterläger, die fie zum Theil in dem Herzogt um Preuſſet 
nahmen 7). Siegmund war aber in ber That nichts weniger als zum Frieden 
neigt, woran der kaiſerliche Hof ſchuld war. Dleſer verſprach durch der Spare 
n * Cre tr ine, 2 2 
7) Lengnich Th. 3. S. 199 sam. „erm 


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Churfuͤrſt Georg Wilhelm. e 
und der Hanſe Hilfe eine Flotte in die Oſtſee zu bringen, auf welcher Wallenſtein 1627. 
12000 Mann nach Schweden überfegen, und den Sit des Krieges dahin verlegen ſolte. r 
| | . 
Ferdinand 2 machte hiezu wirklich ernſtliche Anſtalten, während welchen er die Der fair 
deutſchen Stände ſowol als Frankreich durch angeftellte Friedensunterhandlungen ein n 
zuſchlaͤfern ſuchte. Selbſt die catholiſchen Stände und Freunde des Kaiſers hatten vergröfferung 
theils uͤber die groſſe Macht des Hauſes Oeſterreich Beiſorge gefaßt, thells auf einer der macht ſel⸗ 


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zu Würzburg angeſtellten Verſammlung über die Bedruͤckungen der kalſerlichen Wöl⸗ nes hauſts. 


ker, die ohne Anſehen auf Freunde oder Feinde alles hart behandelten, Klagen an den 
Kalſer gebracht, und auf Berathſchlagungen wegen eines Friedens gedrungen. Zu 


Colmar kamen die Herzoge von — 2 und Wuͤrtenberg zuſammen, um wegen 
Pfa 


Ausſöhnung des Churfuͤrſten von der Pfalz Unterhandlungen zu pflegen. Weil aber 
der Kaiſer darauf beſtand, daß Friedrich 5 in die beſtaͤndige Uleberlaſſung der Chur 
an Bayren willigen, und die Kriegskoſten, vor welche die Lauſitz und Oberöfters 
reich verpfändet worden, erſetzen folte, fo zerſchlug fich alles fruchtlos. Eben ſo gleng 
es auch auf der Verſammlung zu Muͤhlhauſen, wohin der Kaifer die Churfärften und 
einige andere Stände beſchrieben hatte. Der Churfuͤrſt ſchickte den Adam Graf von 
Schwarzenberg, den Sigmund von Goͤtze und D. Peter Fritz als feine Geſandten 
dahin ab. Es ſolte über der Wiederherſtellung des Friedens hier gehandelt werden. 
Hier verlangten die Catholicken, daß der Kaiſer die Proteſtänten anhalten ſolte, die 
ſeit dem Religions frieden eingezogenen geiftlichen Güter wieder heraus zu geben. Die 
meiſten Stimmen der Churfürften billigten dieſes Begehren, obgleich Churbranden⸗ 


burg dieſes nicht als das Mittel die Ruhe herzuſtellen erkannte. Man beſchloß: daß 
der Kaifer ſich feiner Schäden und feiner Kriegskoſten wegen an den eroberten Landen 
erholen, und die Streitigkeiten und Beſchwerden der Reichsſtaͤnde gegen einander nach 


den Reichsgeſetzen abthun und entſcheiden möchte. Wegen des Chutfuͤrſten von der 


Pfalz gab der Kaiſer in dem Punkt wegen Erſetzung der Krlegsunkoſten etwas nach. 
Weil er aber die Churwuͤrde durchaus bey Baiern laſſen wolte, fo war dles genug 
alle Ausſbhnung zu vereiteln. Und doch beſchloſſen die mehrern Churfuͤrſten, dem Kal⸗ 
fer wider alles Unternehmen des Pfalzgrafen beizuſtehen. Aber die Klagen über die 


Ausſchwelfungen der Faiferlichen Völker waren allgemein, welche Wallenſtein uͤberall 


nach ihrem Willkuͤhr hatte leben laſſen. Dieſe Verſammlung ſchien alſo den Kaifer 
gleichſam zu berechtigen, mit den fanden, der ſich ihm widerſetzenden Stände nach ſel⸗ 
nem Belieben zu ſchalten, und wenn es ihm belieben würde, die ſeit dem Religions⸗ 
frieden von den Proteſtanten eingezogene Kirchengäter zuruͤck zu fordern. Dies gab 
ihm Gelegenheit, feinen andern Sohn Leopold Wilhelm Biſchof von Strasburg und 
Paſſau mit den beſten Erz. und andern Stiftern in Nie derſachſen, die bisher in pro⸗ 


kteſtantiſchen Händen geweſen, zu verſorgen. Sein ältefter Prinz Ferdinand aber 


ward zum Erbfönige von Böhmen gefrönet. Um aber doch auch einigermaffen denen 
5 N 1 Klagen 
* 


52 3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 
1628. Klagen gegen feine Kriegsvölker abzuhelfen, fo ließ der Kaifer.n628 Abge 
a und wieder im Reich herum reife, um folche zu unterſuchen. Verſchiedene Kriegs 
fehlshaber hatten es fo grob gemacht, daß fie ihre Dienſte verloren. Die Freundſchaft 
des Churfürſten von Bayren blieb noch immer dem Erzhauſe unentbehrlich. Um alfo 
deſſen Mißvergnügen zu flillen, fand Ferdinand 2 vor gut die Chutwürde nicht nur 
auf die ganze wilhelminiſche linie zu erſtrecken, da fie anfänglich nur dem He 
Maximilian ertheilet war, ſondern auch dem neuen Churfuͤrſten wegen der auf 1 
Millionen gerechneten Kriegs koſten die Oberpfalz und vier Aemter der Unterp + 
lich einzuräumen. Hiezu glaubte der Kaifer durch den muͤh 8 1 Schluß ſich 
berechtiget. Mit Heraue gebung des Befehls wegen Zuruͤckgabe der Kirchengüter 
hielt er, um nicht alle Proteſtanten mit einemmal gegen ſich aufzubringen, zwar 
zuruͤk. Demungeachtet ward ſolcher ſchon wirklich in verſchiedenen Re dten voll 
ſtreckt, fo wie ſolches die Bifhöfe hin und wieder in ihren Landen ebenfals thaten. 
Der Erzherzog Leopold Wilhelm ward zum Verweſer von Halberſtadt und Hirſch 
feld ernannt, und der Papſt erthellte Ihm fogar das Hochſtift Magdeburg. Das 
Domcapitul befürchtete dieſes zum voraus. Dies vermochte ſolches, an des a 
ſerlichen und paͤpſtlichen Hofe verhaßten Marggrafen Chriſtian Wilhelms S 
den churſächſiſchen Prinzen Auguſt zum Erzbiſchof zu wählen. Doch aller 
heit, die der Churfuͤrt von Sachſen bisher gegen den Kaifer bewieſen, une 
beſtund der Kaiſer darauf feinen Prinzen bey dem Erzbiſchofthum Me irg 
baupten J). ‚Sein vornehmftes Abſehen blieb beſtaͤndig gegen S 


%. 18. e 
Sein vorha⸗ Die Holländer und der Churfuͤrſt Georg Wilhelm von 2 
ben gegen ten noch immer als Mitler Schweden und ae vertragen. 


Face de, vergich man ich glich zu Anfang des Jaßres in Ain Dorf Honigfeld, 
churfürſten be, ſenburg, Marienwerder und Stum gelegen, in Unterpandlungen zw 
„ niſchen und ſchwediſchen Geſandten zu treten. Von allen Seiten kamen 
len friede zu ken im Febr. daſelbſt an, und der Churfuͤrſt hatte den preußiſchen kandhofm 
verſchaffen. dreas von Kreutzen, und den Bernhard von Koͤnigseck, zu feinen 
hin abgeſchickt. Aber alle Mühe war vergebens. Der Krieg ward fort 
hollaͤndiſchen Geſandten reiſeten, ohne was auszurichten, ab. Der E 

te aber bey Polen und Schweden feine Bemuͤhungen, Frieden o 

ſtand zu bewirken, fort, und beredete beide Theile, deswegen neue 

chen. Guſtav Adolph erklärte ſich gegen den churfuͤrſtlichen G 

von Kreutzen, daß er fogar das polniſche Preuſſen wieder abt 

ihm die Kriegskoſten bezablet, oder ſtatt deſſen Liefland auf ewig 
Werſicherung gegeben wurde, daß wider ſeinen Staat aus denen 
hafen nichts unternommen, und an den preußiſchen Staͤdten nicht 
daß fie ſich an ihn ergeben. Jedoch ſolte dieſe Verſicherung vom E m 
\ E ; nr NR 
2) Theatr. Europ. ad h. a. Kbevenhüller ad h. a. Londorpii Act. Publ. Te Pe 


2 2 


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groſſen polniſch preußiſchen Städten als Buͤrgen beveſtiget werden. Nach des ſchwe⸗ 


diſchen Monarchen Abrelſe aus Preuſſen kamen die ſtreitenden Mächte durch Geſand⸗ 


ten nebſt denen churbrandenburgiſchen als Mitler den 2often Nov. zu Honigfeld zu⸗ 
ſammen. Aber man konte nicht einmal zu Unterredungen kommen. Denen Pola⸗ 
cken war es kein Ernſt, und das polniſche Preuſſen mißgoͤnnete dem Churfuͤrſten 
ſogar die Parteiloſigkeit )). Der Kaifer war in der That am meiſten Schuld, daß 
Polen ſich noch immer zu Wiedereroberung Schwedens Hofnung machte, Guſtav 
Adolph aber ſich in die deutſchen Angelegenheiten miſchen muſte. Ferdinand 2 hat⸗ 
te den Wallenſtein auserfehen feine Entwürfe auf Schweden zum Vortheil Polens 
und Spaniens auszuführen. Denn es ſolte nicht nur Siegmund 3 wieder in Schwe⸗ 
den eingeſetzt, und dieſes fand zur roͤmiſchen Kirche gebracht, ſondern auch aller Hans 
del in der Oſtſee den Hollaͤndern entzogen, und der Hanſe zugeſpielet werden, dar 
mit denen vereinigten Niederlaͤndern auf die Art die Kraͤfte genommen wuͤrden, ſich 
der ſpaniſchen Wiederbezwingung laͤnger zu widerſetzen. Vielleicht hatte Oeſterreich 
und Spanien ſogar die ſchmeichelhafte Gedanken mit der Zeit ganz Norden und die 


meiſten europaͤiſchen Staaten ſich zu unterwerfen. Anſtatt alſo den Wallenſtein 


wegen der wider ihn angebrachten Klagen zur Verantwortung zu ziehen, machte ihn 


vielmehr der Kaiſer zum Reichsfuͤrſten, ſchenkte ihm das Herzogthum Sagan in Schle⸗ 
ſien, und räumte ihm das ganze Herzogthum Mecklenburg unterpfändlich ein, wor 


gegen Adolph Friedrich und Johann Albrecht geborne Herzoge von Mecklenburg 
geaͤchtet, und ihrer altvaͤterlichen lande blos deswegen entſetzt wurden, weil ſie im nie⸗ 
derſaͤchſiſchen Bunde geweſen, und durch Verbindung mit Daͤnnemark dem kaiſerli⸗ 


chen und ligiſtiſchen Verhalten Ziel und Maaß ſetzen helfen wolten. Aber eben hie⸗ 


durch ward auch der Churfuͤrſt von Brandenburg empfindlich gekraͤnkt; ob ſolcher 
gleich bisher denen Kaiſerlichen in ſeinen Landen, zu deren aͤuſſerſtem Verderben, freie 
Durchzuͤge erlaubet, und allen guten Willen erzeiget hatte. Denn obgleich Wallen⸗ 


ſtein das Herzogthum Mecklenburg anfänglich und öſſentlich nur Pfandsweiſe erhielt, 


fo hatte man doch nur aus erheblichen Urſachen ſich vor der Welt geſcheuet, Wallen⸗ 
ſteins Kauf und tehn öffentlich kund zu machen, ob er gleich das kand wirklich erblich 
behalten ſolte. So hart auch das Betragen des Kaiſers in Abſicht der Herzoge von 
Mecklenburg immer ſeyn konte, fo war es in Abſicht des micbelehnten unſchuldigen 
Hauſes Brandenburg doch noch welt haͤrter, dem man alſo zugleich feine Rechte ent⸗ 
zog, ob man gleich nicht einmal die geringſte Beſchwerde gegen Georg Wilhelms Auf⸗ 
fuͤhrung anzugeben vermochte. Genug daß Ferdinand 2 ein Mittel gefunden, Wal 
lenſteins Verdienſte zu vergelten, ihm feine aufgewandten Koſten zu erſetzen, ſich der 
Seckuſte deſto mehr zu verſichern, und ihn zu bewegen die Entwuͤrfe des Erzhauſes ger 


gen Schweden mit deſto mehrerem Eifer ins Werk zu ſetzen. Ohnerachtet auch das 


Erzhaus auf der Oſtſce keinen Splitter, geſchweige Schiffe gehen hatte, fo erflärte 


Ferdi⸗ 


1) Lengnich Th. 3. S. 212 5221. i * 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. A aaa 5 


1628. 


1628, 


Daͤnnemark ſowol als Schweden hatten Urſache ſolches zu berinbeen g Chr 


554 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


Ferdinand 2 doch feinen erhögeten Wallenſtein zum Admiral in der Oſtſee. Der 
Admiral war alſo da, und man brauchte nur noch eine Flotte. Den Staatsbedienten 
des Hauſes Oeſterreich konte man damals faſt eine ſchöpferiſche Macht zuſprechen. 
Sie erfunden im Cabinet eine Flotte ohne Mühe, ohne Koſten. Die Hanfejtäbte folr 
ten folche wirklich machen, und durch Einnehmung kaiſerlicher Völker den Rückzug 
ſichern. Mit ihnen ſieng man alſo deswegen Unterhandlungen an, und entſchloß ſich, 
denenſelben durch Gewalt ein Gewicht zu geben. Wismar und Roſtock wurden mit 
Macht bezwungen. Demungeachtet aber konte man die andern Hanſeſtadte nicht ber 
wegen, dem Kalſer zu Willen zu ſeyn. Wallenſtein aber verzweifelte nicht, fo lange er 
noch kaiſerliche Völker anfuͤhrete, und des Kaifers Staatsbedienten an neuen Anſchlä⸗ 
gen fruchtbar waren. Die letztern unterſtunden ſich, dem Epurfürften von Branden⸗ 
burg zuzumuchen, fein Herzogthum Preuſſen gegen andere Genugthuung dem Kaife 
zu überlaffen. Ich weiß nicht, was man dem George Wilhelm gegen Preuſſen zu 
geben Willens geweſen. Vielleicht aber hatten die kaiſerlichen Staatsbedienten bereits 
eine neue Achtserklaͤrung ausfindig gemacht, um mit den ländern des Geaͤchteten das 
Herzogthum zu bezahlen. Zum Gluͤck ſchlug der Churfuͤrſt dieſen beleidigenden Vor / 
ſchlag, fein wohlerworbenes Preuſſen gegen etwas anders wegzugeben, ſtandbaftig 
aus. Die Staatsbedienten in Wien waren jedoch wegen neuer Anſchlöge nicht verle 
gen. In Pommern regierte Bogislaus 14, der letzte ſeines Stammes. Dieſem 
ließ der Kaifer zumuthen, fein land dem Erzhauſe zu uͤberlaſſen. Zum ewigen Nach 
ruhm wolte Bogislaus 14 ſich mit Einlaſſung in eine fo unwuͤrdige Handlung nicht 
beflecken. Er wuſte, daß wenn er auch keine Nachkommen hätte, fein land doch bes 
reits dem Churhauſe Brandenburg auf dieſem Fall verpflichtet ſen. men g. 
in Wien mit Fleiß, ich weiß nicht was vor Unfprüche des Haufes Bayern hervor 
um nur dem Ehurhauſe Brandenburg Pommern ſtreitig zu machen, und ſoſches 
unter dieſem Vorwande zu behalten. Man ſetzte fine Hofnung hauptſaͤchlich auf dle 
taiſerlichen Völker, die ſich in Pommern veftgefest hatten, und durchaus eine Beſp, 
= in Stralſund legen wolten. Da Wallenſtein in der Gate feinen Zweck 
fehlte, ſo brauchte er Gewalt, belagerte den Ort, und vermaß ſich hoch, Str 
Kaiſer zu verſchaffen, wenn ſolches gleich mit Ketten an dem Himmel bepeſt 


ſtians 4 Macht war nicht mehr hinlaͤnglich. Stade und Crempe giengen ver 7 
und obgleich Gluͤckſtadt dem Tilly widerſtund, fo war doch der König von Dänne 
mark in Pommern gar nicht gluͤcklich. Der preußiſche Krieg legte dem Kön 
Schweden Hinderniſſe in den Weg, dem kaiſerlichen Beginnen eine ver daͤlt ißma 
Macht entgegen zu ſtellen. Er konte aber doch durchaus feiner eigenen Sicherhe ’ 2 
gen Stralſund nicht verlaſſen. Er verband ſich mit dieſer Stadt, nahm fein fin \ 
Schutz, und ſchickte eben zu der Zeit, da dieſer Ort bereits wegen der U 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. * 555 
terhanbfungen anſtellte, Huͤlfe, welche nebſt dem Muth der Buͤrgerſchaft endlich den 1628, 
Wallenſtein noͤchigten, die Belagerung wieder aufzuheben 7). * 
5. 16. 


Die gar zu weitläuftigen Entwuͤrfe des Erzhauſes waren zum Beſten der Welt Der kaiſee 

am meiſten ſchuld, daß die Ketten, welche man dem Europa geſchmiedet, eben bh 2 
der Zelt ſprungen, als man ſolche anlegen wolte. Oberdeutſchland erhielt der Graf lauftige an 
Wolfgang von Mansfeld mit 1dooo Mann bey Ulm in Furcht, und hintertrieb al, chloge mehr 
le neue Unternehmungen, die man von Seiten des Marggrafen von Durlach befuͤrch * ‚ 1 
tete. In Oberſachſen ſtund eine gleiche Anzahl unter Colalto, von welcher jedoch Danemark 
30 Compagnien abgedanket wurden, well Churbayern und Sachſen uͤber ihre Bedruͤ'r frieden reift, 
kungen entfegliche Klagen gefuͤhret. Der Kalſer wuͤnſchte die Liga, um völlig freie 

Haͤnde zu behalten, getrennt zu ſehen. Wallenſtein drung vornemlich darauf, da⸗ 

mit niemand in Deutſchland Ferdinands Macht einzuſchraͤnken fähig waͤre. Der 

Churfuͤrſt von Bayern dachte hingegen daran, durch Beveſtigung der Liga des Kaiſers 

Gewalt zu maͤßigen. Von Daͤnnemark hatte das Erzhaus nichts mehr zu befuͤrchten, 

da Chriſtian 4 vielmehr ſich nach Ruhe ſehnte. Den König von Schweden hielt 

man in Furcht, daß fremde Völker in feinem eigenen Lande ihm den Thron ſtreitig mas 

chen wuͤrden, da der kalſerliche Hof zugleich beſchloſſen eine anſehnliche Huͤlfe dem Sig⸗ 

mund nach Polen zuzuſchicken. Dieſes aber und die Entwuͤrfe der Spanier und 
des Kaifers in Italien verwickelten endlich das Erzhaus in gar zu groſſe Weiterungen. 

Es war Vincenz 2 Herzog von Mantua mit Tode abgegangen. Carl 1 Herzog von 

Nevers ergrif, als unſtreitiger nächfter lehnsvetter, den Beſitz diefer Erbſchaft. Carl 

war in Frankreich geboren, und dies war hinreichend, Spanien zu beſtimmen, ihn 
in Waͤlſchland nicht zu leiden, ſondern von der wohlberechtigten Erbſchaft auszufchliefe 

fen. Man ſuchte ſolche Savoyen wegen einiger gemachten Anſpruͤche in die Hände 

zu bringen, ohne daß ſich Spanien dabey vergeſſen wolte. Dieſe belden hatten ſich 
verabredet, das Montferratiſche mit einander zu theilen. Man nahm den Kalſer zu 

Hülfe, der ſich willig einflechten ließ. Er verlangte, daß Carl von Nevers ihm den 
eigenmächtig. ergriffenen Beſitz eines Reiche lehns wieder abtreten ſolte. Es fand ſich zu 

dem Ende in Mantua ein kaiserlicher Bevollmaͤchtigter ein, dem man zwar mit aller 

Achtung begegnete, aber deswegen doch nicht den Befig abtrat. Carl erhielt Frank, 

reichs Beiſtand, woruͤber Frankreich und Spanien in einem Krieg gerlethen. Lud? 
wig Iz kam ſelbſt nach Italien, verband ſich 1629 mit dem Papft, Venedig und 162g. 
Mantua, nahm den Paß bis Suſa weg, und ſchloß einen Vergleich, der aber nicht 
gehalten wurde. Der Kalſer beſchuldigte vielmehr den Herzog Carl, weil er bey 
Frankreich Hälfe gefucht, eines dehnsfehlers, und wolte ihm deswegen ſeines Landes 
berauben. Colalto, Gallas und Altringer muſten 30000 Mann nach Italien abs 

5 Aa aa 2 fuͤh⸗ 

0 Londorp. Act. Publ. T. 3. Kbevenbäller ad h. a. Theatr. Europ, ad. h. a. Puffendorf de 

Reb. Suecic. L. 1.2 3. Adlzreuter Ann. Boll. T. 3. p. 188. Caraffa Germ. facra perturbata et 

..  reflituta p. 301. = 


1629. 


N Beförderung des innerlichen Friedens ein Churfuͤrſtentag nothwendig ſey/ Se 


\ 


556 3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Bree : 

hren. Die Kalſerlichen belagerten Mantua, und die Spanier zu gle Ca: 
fl. Der König von Frankreich kam deswegen zum zweitenmal nach Italien, ward 
aber krank, und Carls Sachen liefen eben nicht zum beſten. Jedoch hiedurch ver⸗ 
änderte fich die ganze Geſtalt der Sache. Frankreich ſuchte dem eo a Ir gr 
zu thun zu machen, und fin Geſandter Charnace mufte am bayeriſchen 
Coppenhagen, und nachmals beim Könige von Schweden 8. > 
anſtellen, die dem Kaifer nothwendig ſehr bedenklich werden muſten. 
ſtellte eine Verſammlung zu Heidelberg an. Sie beſchloß darauf, erſtlich 


Sachſen ſolchen perſönlich beſuchen möchte, fo ſey demſelben Binfängliche Besch, 
rung zu geben, daß er eine gänzliche Aufhebung des Religſonsfriedens u 

ferner keine Urſache habe: zweitens, daß man auf der Verſammlung von 0 S 
teln des höchſt ndehigen Friedens rathſchlagen: drittens ein Heer von 27000 Mann 
Fuß volk und 40 Compagnien Reuterey verfchiedener Urſachen wegen beibehalten: un 
viertens allenfals die bereits innhabende Einlager gegen die Faiferlichen Feld 
Gewalt vertheidigen wolle. Es war wirklich der Religionsfrieden in einem gi 

gen heraus gekommenen Buch, welches der Aufſchrift nach Vorfehläge zur 9 
vereinigung enthielt, angefochten worden. Dies hatte die Proteftante eben 
merkſam gemacht, als der fange zurück gehaltene, nunmehr aber endlich vom 
herausgegebene Befehl, wegen Zuruͤckgabe der Kirchenguͤter. Der Kal verordne 
te darin, daß alle mittelbare Stifter, Kloͤſter und andere Kirchenguͤter, ſo en der 
Zeit des paſſauiſchen Vertrages von den Proteſtanten eingezogen W den C 
tholiſchen wieder eingeräumer ; die übrigen Stifter, zu Folge des geiſtlichen 
keinen andern als catholiſchen Biſchöͤfen gelaſſen; die catholiſchen Stan 
Reformationsrecht in ihren fanden nicht gehindert, und in dem Religio 8 
als die das underänderte augſpurgiſche Glaubensbekenntniß annehmen, begr 
übrige kehren aber davon ausgeſchloſſen ſeyn ſolten. Gleich nach Bekannt machut 
ſes Befehls wurden durch alle Reichskreiſe kalſerliche Bevollmächtigte abge chickt, die 
fen Befehl überall, das einzige Churfachfen ausgenommen, mit groffe auc 
mit Zuziehung der kalſerlichen und ligiſtiſchen Völker, in Wirkung ſetzen! 5 n. Be 
ſonders nahm des Kaiſers Prinz Leopold Wilhelm Beſit vom Ersfift ver u 9. 
worin nur die einzige Stadt dieſes Namens mit dem ehemaligen Erz biſchof dem M 
graf Chriſtian Wilhelm es hielt. Wallenſtein ſperrete war 
aber ſolchen doch nicht zum Gehorfam bringen. In der Mar denburg be 
man ſchon ebenfals Anfechtungen. Man wolte unter andern eln 7 euſte 
Tangermünde durch einen Dominicanermönchen in Anſpruch nehmen. Es! 
ſolcher aber auf Rath des churfuͤrſtlichen Statthalters ſchlecht Wie ieſen. De 
Ehurfürft mit dem Befehl wegen der Wiedergabe der Kirchengüͤter nicht zufrieden N 
konnen, kann man theils daraus beurthellen, daß er zur reformirten Bine gehörte, 
theils daraus, daß ſolcher Befehl die Landſtifter Brandenburg, „Har berg un P. 


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N Churſürſt Georg Wilhelm: 7: 597 
bus mit betraf. Damit aber der Kaiſer freiete Hände in Deutſchland und gegen* 1629. 
Schweden behielt, ſchloß er zu Luͤbeck mit Chriſtian 4 endlich einen leiblichen Frie⸗ 
den. Alle vom Kaiſer ihm abgenommene lande wurden durch denſelben zurück gegeben, 
und die Krlegskoſten gegen einander aufgehoben. Der König verſprach, ſich in die 


Reichs ſachen nicht anders, als nur wegen Holſtein, zu miſchen, und ſich der Stif⸗ 


ter nicht anzunehmen. Durch eine beſondere Handlung ward dem Chriſtian 4 erlau⸗ 
bet, einen neuen Zoll auf der Elbe anzulegen, und ihm Hofnung zu einem Biſchof⸗ 


thum für einen feiner Söhne gemacht. Die Herzoge von Mecklenburg wurden in 


dieſen Frieden ſo wenig eingeſchloſſen, daß der Kaiſer vielmehr ihnen alle Hofnung zur 
Wiedereinſetzung in ihre Lande gänzlich benahm. Denn er beliehe um dieſe Zeit den 
Wallenſtein und feine Vettern mit dem Herzogthum Mecklenburg auf die Art, daß 
er ganz frey damit ſchalten konte. Auf der Friedens verſammlung zu Luͤbeck hatten ſich 
zwar auch ſchwediſche Geſandten eingefunden, welche wegen Stralſund einigen Vor⸗ 
trag zu thun befehliget worden. Allein dieſe wurden von allen Unterhandlungen aus⸗ 
geſchloſſen, indem es ein vor allemal veſtgeſtellet blieb, dem Könige Sigmund von 
Polen Huͤlfe zu leiſten, und alles zu verſuchen, ihm die ſchwediſche Krone wieder 
zu verſchaffen t ). 


28 . w. 

6 Zu dem Ende war zwiſchen dem Kaiſer und Sigismund verabredet, daß der Georg Wil: 
erſtere einige Kriegsvölfer nach Preuſſen „zum Beſten des polniſchen Königs, ſcht En 
cken ſolte. Sie ſtanden hiezu im Lauenburgiſchen an den preußischen Grenzen bringt Schwe⸗ 
in den Winterlagern bereit. Man muſte aber die Einwilligung der Polacken ha, den und Po: 
ben. Well nun Wrangel den gten Febr. bey Oſterode feine Völker verſammlet, e 
und damit den ızten Febr. bey Gorzno die Polacken geſchlagen, auch einen Verſuch f 

auf Thorn eben zu der Zeit eines polniſchen Reichstages gemacht hatte, ſo einigte man 

ſich, 10000 Mann kaiſerliche Völker gegen baare Bezahlung zu übernehmen. Wallen⸗ 

ſtein gab die Anfuͤhrung dieſer Huͤlfsmacht dem Obriſten Arnim, welcher zu Anfang 

des Maymonats damit zu Hammerſtein einruͤckte. Doch noch vorher hatte der Chur⸗ 

fürft von Brandenburg, mit des Königs von Polen Willen, bey dem ſchwediſchen 
Statthalter in Preuſſen Oxenſtirn einen Waffenſtillſtand vom igten Merz bis zoren 

Jun. zu Wege gebracht. Nach deſſen Beendigung wolten die mit den Polacken vereis 

nigten Kaiserlichen entweder den Schweden durch das brandenburgiſche Preuſſen 

in den Ruͤcken kommen, oder Dirſchau belagern. Wider beides machte Guſtav 

Adolph, der den ziſten May bey Pillau angekommen war, die nörhige Gegenver⸗ 

faſſung. Er ſelbſt lagerte ſich bey Marienburg, und Wrangel blieb zu Bedeckung 


des brandenburgifchen Preuſſens zwiſchen Rieſenburg und Marienwerder ſtehen. 


Den zsften Jun wurde der König bey Stum vom Arnim unvermuthet angegriffen, 
und bey nahe gefangen genommen. Die Kaiſerlichen hatten unſtreitig den Vortheil 


auf ihrer Seite. Weil aber Arnim ſolchen nicht verfolgte, vor der 9 2 
N uch a d ans Mur ji tze 


fuss 8 en sı C Man n 
7) Lond. T. 3. Kbevenbüller und Thestr, Europ. ad h. a. 


1629. 


Geſandte Charnace, und im Auguſt der englifche Geſandte Roe über Pillau in 


dem landeshauptmann Andreas von Kreutzen, dem landrath Bernhard von g enſi 


558 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


Spitze den Kern feines Volks elnbuͤſte, welches wegen nicht bezahlten Soldes misver 
gnuͤgt war, und deswegen uͤbel Haus hielt, ſo beſchwereten ſich die Polacken über den 
Arnim beim Wallenſtein, der auch ſolchem die Anfuͤhrung der kalſerlichen Huͤlfsvöl⸗ 
ker abnahm, und fie dem Herzoge von Sachſen- Lauenburg Henrich Julio übers 
trug. Bey dem allen waren die Polacken der kalſerlichen Huͤlfe und des ganzen Krie⸗ 
ges müde. Der König von Schweden münfchte auch der deutſchen Angelegenheit 
wegen freie Hände zu haben. Der Churfuͤrſt von Brandenburg ließ ſich durch feine 
bisherigen Bemühungen, die Ruhe wieder herzustellen, nicht abſchrecken. Er hatte 
fich zu Ortelsburg mit dem polniſchen Prinzen Wladislao unterredet. Die Schwe⸗ 
den faßten ohne Noth daruber Argwohn, und beſetzten Fiſchhauſen. Dem ohnerach⸗ 
tet giengen die Bemuhungen des Churfuͤrſten noch immer fort, worinnen er durch 
Frankreich und England unterſtuͤtzt wurde. Denn im Jul. kam der 


Preuſſen an. Dieſe vereinigten ihre Bemuhungen mit den churfüͤrſtlichen 


und dem Hofgerichtsrath Georg von Rauſchke, und brachten den 2öften N 
ber auf dem Felde bey Altmark, ohnwelt Stum, zwiſchen den polniſchen und fd 
diſchen Gevollmaͤchtigten einen ſechsſaͤhrigen Waffenftillftand glücklich unter folgenden 
Bedingungen zum Stande. Es ſolten die Schweden in Curland Mietau, in 
Preuſſen Strasburg, Dirſchau, das Danziger Werder, Gutſtad, Worm⸗ 
dit, Melſack, den Dom zu Frauenburg, nebſt dem dazu gehörigen Stäͤdtleln, doch 
ohne den frauenburgiſchen Hafen und das Ufer des Hafes, unter dem Vorbehalt, daß 
in währendem Stillftande weder Frauenburg noch ein anderer Ort deſſelben Bezirks 
beveſtiget, und denen ſchwediſchen Unterſaſſen und Soldaten eine freie Straſſe durch 
das frauenburgiſche Gebiet verſtattet wuͤrde, abtreten; in Liefland aber alles, was 
fie eingenommen, und in Preuſſen Braunsberg, Tolfemit, Elbing, das 
hauſiſche Werder, im groſſen Werder das ganze Ufer des Hafes, vom elbing 
Gebiet bis an den Ausfluß der Weichſel zu rechnen, nebſt den Dörfern Stobend 
Habersdorf und Allendorf, Tiegenort an der Weichſel, den ganzen werderi hen 
Damm dis an Jankendorf, ein Stuck der Danziger Nehrung von Stegen bis an 


die Pillau, und die Veſtung Pillau behalten. Marienburg, das greſſe Werder, 


Stum und das Danziger Haupt ſolten dem Churfuͤrſten von Brandenb 
Verwaltung indeſſen eingeraͤumet werden, doch dergeſtalt, daß, daferne k 
ſtaͤndiger Friede erfolgen möchte, er einen Monat vor Ausgang des Stillſtandes « 
les in dem jetzigen Stande dem Könige von Schweden wieder einraͤume, zu Beffe 
Verſicherung die Schweden Brandenburg, Preuſſen, Fiſchhauſen, Lochſ 
einen Theil des ſchackenſchen Gebiets, die curiſche Nehrung und die Memel beste 
ſolten. Der Abtritt vor bemeldeter Oerter folte an Polen ſechs Tage nach eingeh 


digter königlich polniſchen Genemhaltung geſchehen, dem Epurfürften Pr Fe 


burg aber Marienburg und Stum innerhalb 12 Tagen, und das Haupt 3 Tage, 


4 


Ehurfürft Georg Wilhelm. 5 559 


nachdem Memel wuͤrde ſeyn übergeben worden, eingeraͤumet werden. Der König 
von Polen ſolte wider die dem Churfuͤrſten von Brandenburg anvertrauete Oerter 
nichts nachtheiliges unternehmen, und die an ihn abgetretene Oerter in dem Genus 
ihrer Rechte und Freiheiten, in welchem fie, vor Anfange des Krieges geweſen, laſſen, 
wider di gent gen, ſo der ſchwediſchen Partey zugethan geweſen, keine Rechts haͤndel verftats 
ten, und die ſchon angeſtrenget worden, aufheben. Ferner ſolten in denen dem Chur⸗ 
fürften eingegebenen Oertern die Catholiken in dem Beſitz der Kirchen und geifilichen 
Güter, die fie vor dem Kriege eingehabt, und die, welche dem augſpurgiſchen Glaubens⸗ 
befänntniß zugethan, ſowol in dieſen, als auch in denen an Polen abgetretenen Plägen, 
in der ehemaligen freien Ausuͤbung ihrer Religion bleiben; einem jeden, ſeine Wohnung 
aus einem Ort an den andern zu verſetzen, erlaubt ſeyn; das vorhandene Kirchengeräch, 
die Stadtbuͤcher und gemeinen Urkunden, nebſt dem gefundenen Geſchuͤtz und groſ⸗ 
fen Büchfen aller Orten gelaſſen; beiderſeits Kriegesvölker, auſſer den nöchigen Beſa⸗ 
tzungen, aus Preuſſen ab / und in waͤhrendem Stillſtande nicht wieder eingefuͤhret; 
die Handlung zu Waſſer und zu kande nicht gehindert, und keine neue Zölle angeleget; 
die Gefangenen auf freien Fuß geſtelet, und die polnischen und ſchwediſchen Befar 
tzungen aus den Brandenburg ⸗preußiſchen Oertern abgefordert werden. Würde 
jemand die Erfüllung dieſes Vergleichs hindern, oder unter einigem Vorwand den Kör 
nig von Polen in Preuſſen mit Krieg angreifen, fo folte der König von Schweden 
ſich anheiſchig machen, feine Waffen wider denſelben mit Polen zu vereinigen. Eben 
dergleichen ſolte der König von Polen, der Churfürft von Brandenburg, als Her 
zog in Preuſſen, deſſen Stände und die Stadt Danzig, in Anſehung des Königs 
von Schweden, verſprechen, fals ihn jemand in Preuſſen beunruhigen würde, und 
beide Theile gehalten ſeyn, alles, was zum Nachiheil dieſes Vertrages gereichen konte, 


nach Vermögen abzuwenden. Weil auch der gegenwärtige Stillftand zu dem Ende ger 


ſchloſſen worden, damit mon inzwiſchen entweder uͤber einen laͤngern Waffenanſtand, 
oder einen beftändigen Frieden ſich einigen könte, als ſolte ſolches innerhalb Jahresfriſt 
durch Bevollmächtigte verſuchet, und wenn die Sache nicht zum Stande kaͤme, das 
Werk bey anderer Gelegenheit wieder vorgenommen werden. Uebrigens wurden in dies 
ſem Stillſtand, daferne fie ſich in Zeit von fünf Monaten dazu erflären wurden, von 
Seiten des Königs von Polen, der Kaifer, der König von Spanien, die ſpani⸗ 
ſchen Niederlande, der Churfuͤrſt von Baiern; von Seiten des Königs von Schwe⸗ 
den, der König von Daͤnnemark, die vereinigten Niederlande und der Zürft von 
Siebenbürgen eingeſchloſſen. Noch vor Unterzeichnung dieſes Vertrag 's gieng der 
König von Schweden, nachdem er ſich mit dem Churfuͤrſten von Brandenburg zu 
Fiſchhauſen beſprochen, den 2aften Sept. uber Pillau nach feinem lande zurück 1). 
18. 


1629. 


25 $. 
Mach fo glͤcklich hergeſtelter Ruhe in Preuffen wänfchte der Cpurfärft Georg In Deuſh⸗ 


Wilhelm, auch fine deutſchen Staaten in Frieden regieren zu tbanen. Sein dee hen 


H Rengnich preuß. Geschichte Th. 5. Ac Bor. T. 2 et} 


560 3%.1 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


18629. balter in den cleviſchen Ersfhafeftäcten, Adam Graf von Schwarzenberg, batte 
durch der in dieſer Absicht vielfache Unterhandlungen, theils mit den Holländern, Auen 
daf ern, DM Dfalggrafen von Neuburg, um denen zur fülichſchen Erbfäufe ei | 
ret. den endlich einmal die Befreiung von den Bedruͤckungen fremder Volker zu 
Unter andern war der 1624 zu Duͤſſeldorf geſchloſſene Theilungsvertrag 
mit der Erklarung verlängert, daß zwar Brandenburg die tünder 53 95 —.— 
Ravensberg, und Pfalz-Neuburg die tänder Juͤlich, Bergen, R 
Breskeſand im Beſitz haben, jedoch dem letzteren frey ſtehen fol, 3 
re ſich zu erklaren, ob er das ihm zugefallene Herzogthum Bergen lieber mit d. 

1630. zogthum Cleve vertauſchen wolte. Nun wählte zwar der Pfalzgraf wirklich 1630 das 
Herzogthum Cleve. Weil aber die vereinigten Niederlaͤnder „ 
bedenklich hielten, fo wurde durch ihre Bemuͤhung der Pfalzgraf endlich vermocht, ; 
gen, Juͤlich, Ravenſtein und Breskeſand zu behalten, Cleve und Mar 
dem Churfürften ferner zu laſſen. Es muſte aber der Churfuͤrſt ſich gefallen luke. 
daß Ravensberg ungetheilt die 25 Jahre durch beiden Beſitzern der 
ſchaft zugehdren ſolte. Ohnerachtet alſo Georg Wilhelm feine N 
nem eigenen Schaden bewies, fo waren doch alle Unterhandlungen, 8 
Kriege volker zu entledigen, eben fo, wie die Klagen über die Bedruͤckungen de 
lichen Volker in der Mark Brandenburg, noch zur Zeit Pe 2 
hatte aber ganz andere Mittel beftimme, die lehre des augſpurgiſchen Glaube 
niſſes, welches vor hundert Jahren uͤbergeben worden, und deſſen hunde 
denken der Churfuͤrſt von Brandenburg in ſeinen Landen feſtlich bege 
Kräften zu erhalten. Der König von Schweden Guſtav ber 
zeug ſeyn, die Bedruͤckungen Deutſchlands, und fonderlich der Pro chen 
beendigen. Die gegen dieſen Prinzen geſchmiedete Anſchlaͤge des Sure Oe 
die vom Kaiſer den Polacken gegen ihn geleiſtete Huͤlfe, die verächeliche B 

\ die feine Geſandten auf der Friedensunterhandlung zu Lͤbeck erfahren ale 
ten es faſt nothwendig, und ihn bereit, Rache zu nehmen. Sein ei = hrs 
Begierde flammten ihn eben ſowol, als fein brennender Religionselfer, m in 
zu machen, dem verfallenen Wefen der Proteſtanten wieder aufzuhelfen, vo 
viele, ſonderlich die Vertriebene, um feinen Beiſtand ihn erſuchten, un 
der Hofnung lebten, daß ſein Beiſtand Oeſterreichs Macht und der Ce 
te Grenzen ſetzen wuͤrde. Der franzöfifche Hof, der damals ſich Per 
te, etwas hauptfächliches gegen das Erzhaus auszurichten, bearbeitete | 

moglich, den Guſtav Adolph zum Bruch gegen den Kaifer zu en 
ſes machte, daß wegen derer Beleidigungen des kaiſerlichen Hofes, üb 
König bereits im vorigen Jahr bey denen Ehurfürften, und ae 
Wilhelm von Brandenburg, beſchweret hatte, in Semen 
beſchloſſen wurde. Der ſchwediſche Obriſte zu Stralſund, Alexander 
ſte ſich der Inſel Rügen bemächtigen. Dännemark ſuchte — 1 8 


71 


=. —— 


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—— —— ——— — — — 


Churſiuſt Georg WII. For 
nand 2 und Guſtav Adolph wieder auszuſoͤhnen, aber die Friedenshandlungen wur⸗ 
den abgebrochen. Der Koͤnig, der ſich zu dieſem Kriege mit der gröſten Vorſicht in 
alle mögliche Verfaſſung geſetzt, kam mit feiner Flotte bey Ruden an, landete den 
zaften Jun. auf Uſedom, verſtäͤrkte ſich ſogleich mit einigen Völkern aus Stralſund, 
und ließ noch mehrere aus Preuſſen und Liefland anruͤcken. Die Ankunft des Kö⸗ 
nigs in Deutſchland fiel eben in die Zeit, als zu Regenſpurg auf kaiſerliches Aus⸗ 
ſchrelben die Verſammlung einiger Chur · und Fuͤrſten gehalten wurde. Es hatte ſich Fer⸗ 
dinand 2 dazu entſchloſſen, um denen Klagen der catholiſchen Stände einigermaſſen 
abzuhelfen. So allgemein Deutſchland ſich uͤber den Druck des Faiferlichen Heeres 
beſchwerete, ſo hatten die Proteſtanten doch noch uͤberdies weit erheblichere Klagen, 
die Churſachſen, auf des Churfuͤrſten von Brandenburg Erſuchen, zwar dem Kai⸗ 
fer vor dieſer Verſammlung vorftellen ließ, ohne jedoch gewierige Antwort zu erhalten. 
Dieſe beiden Churfuͤrſten entſchloſſen ſich alſo, auf der ausgeſchriebenen Verſammlung 
nicht perfönfich zu erſcheinen. Georg Wilhelm, der eben aus Preuſſen nach der 
Mark zuruͤck gekommen war, und fein Land durch das darin verurſachte Elend faft 
nicht mehr kannte, entſchuldigte ſich hauptſaͤchlich mit dem Geldmangel. Er berich⸗ 
tete dem Kaiſer: „er konte es zwar feines Orts anders nicht ermeſſen, als daß eine pers 
ſönliche Zuſammenkunft der Churfuͤrſten in viel Wege nöthig, wiewol er nicht wenig 
anſtehen muͤſte, ob dadurch, bevorab wenn diejenigen, mit denen der Frieden zu tracti⸗ 


ren, nicht zur Stelle, und ſich vielleicht an den Schluß der Churfürften hernacher nicht 


verbunden zu ſeyn erachten würden, Ihro kaiſerliche Majeſtaͤt Intention wuͤrde konnen 


erreicht werden. Dennoch aber ſolte ihm nichts erwuͤnſchters widerfahren, als wenn _ 


er durch dieſe Gelegenheit zugleich gehorſamſt aufwarten, und derſelbigen ſeine ſchuldi⸗ 
ge Dienſte praͤſentiren konte. Nachdem er aber in feiner Heimreiſe diejenigen Oerter, 
darauf er zukommen, in einem dermaſſen verderbten und betruͤbten Zuſtande befunden, 
daß er fein eigen kand kaum kennen, weniger aber die Hofnung machen koͤnnen, daß 
er aus demſelbigen ſeinen nothwendigen Unterhalt vor ſich und die Seinigen wuͤrde zu 
gewarten haben, und darbey faſt noch mehr zwelfeln muͤſte, wie es um die uͤbrigen 
ande beſchaffen, und ob mlt andern in denſelben nicht ebenmäßige Devaſtation und 
Verwuͤſtung vorgangen ſey: Als muͤſte er nothwendig Ihr. Majeftäc bitten, fie wolte 
ihn, daß er auf Ihrer Majeftät Begehren ſich nicht alſobald erflären könte, in Un⸗ 
gnaden nicht verdenken: ſondern vielmehr an den General von Friedland Befehl thun, 


1630. 


daß ſelbiger das bishero in feinem land einquartierte Volk eheſtes und ohne ferners land ⸗ 


verderben abführe, und da es ja auf einmal nicht zum Werk geſtellet werden konte, 


dennoch zum wenigſten die Kreiſe zunͤͤchſt um feine Reſidenz, in welchen faſt die meis 
ſten Aemter, daraus er ſeine Nothdurft nehmen muͤſte, gelegen, die auch dem St. Ju⸗ 
lianiſchen Regiment, obwol daſſelbige zum gröffeften Theil in Mecklenburg einquar⸗ 


tier, nun in 16 Monaten bey 300000 Reichsthaler, ohne was durch das ſtetige hin und 


wieder marchiren und verwechſeln der Soldaten dem land für unausſprechlicher Schar 
den zugefuͤget, laut der Quittungen baar erlegen müffen, darüber noch faſt anſehnliche 
P. allg preuß. Band Th. Bobo Reſta 


1639: 


Ibrer Majeftät wiberwärtigen, und der gehorſamen Churfürſten und Stände banden, 
ein Unterſcheid zu ſehen, und im Werk verfpüret werden möchte; und endlich, diewell 


Jyr. kaiſerliche Majeſtaͤt nun ihn in feinem Suchen erhören, und er 
bey derſelben einzustellen, fo, wolt er ſich alsdann weiters erklaren, daß J 


‚feinen Regierungsrechten und Einnahmen kein Eintrag geſchehen ſolte, 


ſchienen, und hatte zur Hauptabſicht, die römiſche Köoͤnigswahl 


führten Klagen, feiner Dienſte aber zur Unzeit entlaſſen. 


552 3 Th. 10 Hauptft: Neuere Sefihichte von Brandenburg. 


Reſta von gedachtem Regiment prätendicet würden, aufs allerehſte befreiet, und auch 
inskünftig vor allen fernern Beſchwerungen geſichert bleiben, ümgleichen die Stadt 
Frankfurt an der Oder, welche bishero ein groſſes aufbringen men, und noch mes 
natlich etliche o00 Reichsthaler erlegen ſolte, ihr aber weiters aufzubringen unmuͤglich 
wäre, mit fernerer Contribution verſchonet werden möchte: dann 3 
übrigen Quartieren eine ſolche Billigkeit un Unterhalt, bis die sänzliche 
folgen fönte, angeſtellet, damit nicht ales gar unnäglich, verwüſtet; ſondern 


das Pappenheimiſche Regiment aus der alten Mark genommen werden ſollen, daß 
kein ferner Volk, weil ſolcher Orts ſchon allerdings ruiniret, einquartiret Wenn 


finden werde, daß ihm nur muͤglich, Ihr. kalſerlichen Majeſtaͤt 


Majeſtaͤt Dero getreueſte Affection wiirde zu vermerken haben. „„ In | 
ſchen Landern des Churfürften gieng es nicht beſſer. Obgleich die vereinigten 

länder auf das Anbringen der churfuͤrſtlichen Geſandten den,azten, dee 
hatten, alles anzuwenden, daß die Bedruͤckungen abgeſtellet, und 


Beeinträchtigungen doch nicht nach. Der Churfuͤrſt hatte alſo hohe Urſachen, 
der Verſammlung zu Regenſpurg die Klagen des geſamten Reichs zu unterſtuͤtze 
beſchickte dieſelbe durch Sigmund von Goͤtzen, Johann Georg von Ribbeck, C 
rad Bertram von Pfuel und Adam Neſtler. Der Kalſer war ſelbſt 


Prinzen durchzuſecten. Aber das bisherige Gluck feiner. Waffen, das hochmuͤthige Ber 
tragen Wallenſteins, die durch ſein zahlreiches Heer verurſachte 

Unterſcheid der Religion, waren ihm bey den geiſtlichen Ch ar 
Er muſte ſich alfo begnuͤgen, an ſtatt den boͤhmiſchen König ge hen, ſeit 
Gemalin zur Kaiſerin Frönen zu laſſen. Um die catholiſchen Stände nicht 
geneigt zu machen, willigte Ferdinand 2 in die von der Liga verlangte Abd 

ner groſſen Anzahl feiner Volker. Er ſchwaͤchte ſich alſo gegen den Rath Wall 

weil er glaubte, daß ſeine und der Liga vereinigte Macht dem Koͤnige von Schw 
ohnſtreitig uͤberlegen ſeyn wuͤrde. Wallenſtein, dem ſonderlich der Ehurfüͤrſt 
Baiern ſich abgeneigt bezeigte, ward vom Kaiſer, wegen der allgemein gegen ihn 


Churfuͤrſten von Baiern zum eberſten Anführer des „ 30 
Ferdinand 2 fand es aber nicht vor rathſam, fondern überließ nachmals die Anfuͤhrum 
ſeiner Völker dem ligiſtiſchen General Tilly. Die r 1 roteſtanten ge 
den Befehl, der die Zurüͤckgabe der Kirchenguͤter betraf, wurden 


uff Georg Wilke e 


weltige Verſammlung nach Frankfurt verſchoben. Vhele athelſche Fuͤrſten, — 1630. 


Baiern und der Kaiſer, waren zwar nicht abgeneigt, die Vollſtreckung Biefee Befehls 
auf 40 Jahr auszufegen; allein aus geheimen Abſichten wurde nur beſchloſſen, daß die 


Churfuͤrſten von Brandenburg und Sachſen alle inhabende Stifter und Klöſter noch 


40 Jahr behalten ſolten. Wegen der mantuaniſchen Erbſchaft kam hieſelbſt ein Fries’ 
den mit Frankreich zum Stande. Der Kalſer wolte den Carl von Nevers mit dem 
Herzogthum belehnen, damit er feine Völker aus Italien zuruͤck ziehen koͤnte. Es ifk 


aber dieſer Frieden nachmals nicht gehalten worden. In dem Abſchiede der regenſpur⸗ 


giſchen Verſammlung ward endlich beſchloſſen, dem Könige von Schweden mit vers 
einigten Kraͤften zu begegnen, doch nicht mehr Völker, als man zur Fortſetzung dies 
ſes Krieges unentbehrlich beduͤrfe, beizubehalten; keinen Krieg anders, als mit Rath 
der Churfuͤrſten, anzufangen; gute Kriegeszucht zu halten; keinen mit Einlager oder 
mit Geldanlagen zu bedrucken; ſondern die Mittel zur Unterhaltung belder Heere durch 
beſondere Erſuchung der Kreiſe zu erhandeln; den Pfalzgrafen, wenn er den ihm vor⸗ 
gelegten Bedingungen ein wirkliches Genuͤgen gelelſtet, nebſt Aufhebung der Acht wies 
der zu Gnaden anzunehmen, und ihm aus den, von der Infantin inhabenden pfaͤlziſchen 


rn förſtuhen Unterhalt d n x). 
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A ill N ce 


ne in Schweden Ankunft zog indeſſen aper Veränderungen a Die Schwe⸗ 


(ib, als man vermuthet hatte. Bald nach" feiner Ankunft verjagte er die kaiſerlichen dr re die 


Volker, die ſich unter Torquati Conti Anfuͤhrung befanden, aus einem wichtigen — Mark. 


Theil von Pommern. Er nöthigte den letzten Herzog Bogislaum 14, ihm Stets 
tin einzuraͤumen, und einen Vergleich zu treffen, aus welchem man uͤberzeugt werden 
kann, daß der König ſchon damals die Abſicht gehabt, ſich des Beſitzes von Pommern 
zu verſichern. Der letzte Punkt dieſes Vergleichs zeigt ſolches zur Gnuͤge, und war fo 
abgefaßt: „Endlichen haben wir König aus Schweden Vns vorbehalten, daß, wenn 
ein trawriger Todtsfall ſich begeben, vnd der Hertzog in Pommern die Welt ohne 
Maͤnnliche leibs ⸗Erben geſegnen ſolte, ehe vnd zuvor der Churfuͤrſt von Branden⸗ 


burg, als eventualiter behuldigter Succeſſor, dieſe Einigung beſtaͤttiget, vnd dieſen 


Landen zu Ihrer Erledigung wuͤrklich aßiſtiret haͤtte, oder da dem Churfuͤrſten die Sue⸗ 
ceß ion von andern ſtreitig gemacht, vnnd widerfochten wuͤrde wir Konig aus Schwer 
den, oder vnſere Succeſſorn an der Cron, alsdann dieſe landen in ſequeſtratoria et 
clientelari protection ſo ſang innbehalten wollen, biß der punctus ſueceſſionis 
feine vollſtaͤndige Richtigkeit erſanget, vnnd uns von dem Succeſſore die Kriegs ⸗Vnko⸗ 
ſten (jedoch ohne einigen Beſchwerd oder Zuthat deß landes Pommern vnd deſſelben 
Staͤnde vnd Innwohner) entrichtet, vnd dieſe Einigung gebührend ratifieirt vnd voll 
zogen wird. „ Hierauf bemächtigtefich Guſtav faſt aller Plaͤtze in Pommern, Meck⸗ 
n 3 Da ee Feldherr Graf von 1 

er, 615 en e ee ee fand 

4 D r. 3 et 4. ra 8 ad h. a. Kbevenbüller ad h. a, 


1630. 


564 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 
fand alles in der gröſten Verwirrung. Die Niederlage der Kaiſerlichen wuͤrde noch 


gröſſer geweſen ſeyn, wenn man nicht vielen derſelben durch Cuͤſtrin nach Frankfurt 
und Landsberg den Durchgang verftatter, welchen man doch den n 


den verweigerte. Auf dieſem Zuruͤckzuge hauſeten die Faiferlichen Volker unausſteh⸗ 


lich. Ihr Feldherr der Graf von Schaumburg berichtete ſelbſt noch Wien: 
„Daß da ſolchem Unweſen nicht abgeholfen, er abdanken und von dem Heer weg ⸗ 
gehen wolte, weil er als ein redlich deutſch Gemuͤth dieſe Barbareien nicht länger an» 
ſehen, viel weniger dazu helfen könte., Es wurde fo arg, daß der Churfüͤrſt 
Georg Wilhelm in feinem lande folgenden Befehl bekandt machen laſſen muſte: 
„Wir George Wilhelm ꝛc. Entbieten allen und ieden Unſern Unterthanen, weß 
Stands oder Wuͤrden fie ſind, Unſern Gruß und Bnade, und zweifelen darben ganz 
nicht, fie werden zum Theil gnugſam berichtet ſeyn, zum Theil es auch ſeſbſt an 
ſich und den Ihrigen mit unuͤberwindlichen Schaden und hetzbrechenden Schmer / 
zen erfahren haben, wie gar fehr es faſt eine geraume Zeit daher, und ſonderlich nur 
in neulicher Zeit von etlichen unter den kaiſerlichen in Unſern und benachtbarten fan. 
den durchziehenden und darinnen liegenden Kriegsvölkern mit allerhand Bedrängniſſen, 
Aengſtigung, Pluͤndern, Rauben, Beſchaͤtzungen, Pruͤgeln, Verwunden und Nie) 
derſchleſſen, Aufſchlagung der Kuͤſten und Boden und Hetausnehmung alles Vorraths, 
Verwuͤſtung der Haͤuſer, Schaͤndungen der Welbsperſonen, auch an heiligen Orten 
und andern graͤulichen unchriſtlichen Inſolentien mörbergeftalt uͤbermacht worden, daß 
es in keinerley Weiſe noch Wege zu verantworten, und zu dulden, auch in des Feindes 


land ärger nicht könte angeftellet werden. Solchem barbariſchen Unweſen nun haben 


wir ziemlich lange mit groſſem Verdruß zugeſehen, Unſere betruͤbte 
zur Geduld ermahnet, und ein mehrers nicht darzu gethan, als daß wir die Beſchwer⸗ 
den an gehörigen Orten fuͤrbringen und klagen laſſen. Es ſind auch wohl je und zu 
Zeiten ernſte Verordnungen darwider ergangen, und von den kaiſerlichen Officieren ger 
nußfame Demonſtrationes ihres Mißfallens bezeuget, und im Werke dargethan wor 
den, aber wir vermerken, daß der Ungehorſam der gemeinen ı 
dieſelbe Aber dem uͤbel eingeführten, zuvor unerhörten Tribuliren armer unſchuldiger 
deute, des Plagens und Hinwegnehmens alſo gewohnet, daß ſie faſt aus allem Zwang 
und Difeiplin kommen. Zudem fo find die Frauler, (von welchen wir allein, und 
nicht von redlichen tapfern Soldaten reden,) darüber immer muthiger und ſiche rer wor 
den, daß es zum öftern mal, wenn Klagen darauf angeſtellet worden, "fie ſich verlau⸗ 
ten laſſen: man ſolte die Thaͤter nennen, welches aber den armen beuten) denen der 
Schaden wiederfahren, unmöglich geweſen, und billig’ von Offcieren erkundigt wer, 
den ſollen, und alſo ſind die Uebelthaͤter ungeſtraft, unſere bekuͤmmerte 
aber unter der Qual und Angſt ſtecken blieben, und hat folche impunltaͤt an 
zur Nachfolge und ebenmäßigen unchriſtlichen Proceduren Anlaß gegeben. Damit aber 
endlich dieſem Uebel geſteuert werden, und unſere getreue Unterthanen na 
und Rettung von ac ihrem ordentlichen n haben möchten, als haben wir 
Dre * 


Churfürſt Georg Wilhelm. | 565 


nicht länger voruͤber gekönnt, hierunter Vorſehung und Ordnung zu machen. Befeh⸗ 


len demnach Anfangs beruͤhrten Angeſeſſnen unſers Landes ingeſamt, und einem ieden 
inſonderheit, daß ſie ſich auf keinerley Wege, ſo lieb ihnen iſt unſere ſchwehre Ungna⸗ 
dr zu vermeiden, iemand von der Roͤmiſch kaiſerlichen Soldateſca, wann ſie durch 


tand ziehet, und wichtigen glaubhaften Paß vorzuzeigen hat, auch Ihrer Kayſ. Mai. 


Dienſt verſichert, einiger Geſtalt zu offendiren unterfangen, ſondern ſich vielmehr be⸗ 
fleißigen ſollen, ihr bey ſolchen Durchzuͤgen allen guten freundlichen Willen zu erzeigen. 
Diejenigen Kriegsleute aber, fo fich fo weit vergeſſen, und vergreifen, daß fie ſich auf 
Pluͤndern legen, den leuten ihre Pferde, Viehe und anders mit Gewalt abnehmen, 
weg und zu Boden treiben, ſie ſchlagen, ſchieſſen und andere grobe bedraͤngliche obbe⸗ 
ruͤhrte Exceſſe veruͤben, ſollen verfolget, angegriffen und verwahrlich in die naͤchſten 
Oerter, da kaiſerl. Guarniſonen ſeyn, oder da dieſelbe nicht in der Naͤhe, dahero ſonſt 
in unfere Aemter geliefert werden, damit man Ihrer zu Beſtrafung mächtig ſeyn kön⸗ 
ne, wuͤrden ſie aber durch ihr Widerſetzen zu ſolcher Haft nicht zu bringen, und alſo 
von ihrem boͤſen Vornehmen nicht abzuwenden ſeyn, fo mögen fie fie gar niederſchlagen, 
und alſo Gewalt mit dergleichen Gegengewalt allen Rechten gemäß hintertrieben und ge⸗ 
ſteuret werden, dann dergleichen Dinge, wie ſie vornehmen, ſind nicht der Kaiſerl. 
Mal. Dienſte; an welchen Ihro Kaiſerl. Mal. wie wir deſſen mehr als gewiß vers 
ſichert ſeyn, durchaus kein Gefallen haben. Wir können auch diejenigen, fo fie bege⸗ 
hen, bey deren höchft ſtrafbaren Veruͤbung für Raͤuber und Landverderber achten, und 
dahero auch alſo und nicht anders tractiren laſſen. ,, Demohnerachtet wolte der Chur⸗ 


fuͤrſt gegen die Schweden keine Freundſchaft blicken laſſen. Auf feinen Befehl wur— 


den die Wohnſtaͤdte Berlin und Cöͤln mit einigen Schanzen verſehen, einige Thore 
verſchuͤttet, Geſchuͤtz aufgefuͤhret, 600 Buͤrger zur täglichen Wache beſtellet, und alle 
Koſtbarkeiten zu beſſerer Sicherheit nach Spandau gebracht. Marggraf Chriſtian 
Wilhelm aber warf ſich in die Stadt Magdeburg, und fieng gegen die Kaiſerlichen 
Feindseligkeiten an, obgleich der König von Schweden noch viel zu entfernt war, ihn 
mit Nachdruck zu unterſtuͤten. Dieſer ſchloß den ızten Jan. 1631 zu Baͤrwalde nach 
einigen gehobenen Schwierigkeiten mit der Krone Frankreich ein Buͤndniß. Schwe⸗ 


den verſprach darin 36000 Mann auf feine Koſten gegen 400000 Thaler Huͤlfsgelder 


in Deurfchland zu unterhalten, die eatholiſche Religion in ihrem Zuſtande zu laſſen, 
und die Liga, wenn fie ſolches von ihrer Seite gleichfals thun wuͤrde, nicht feindlich 
zu behandeln. Guſtav Adolph ſetzte indeſſen den Krieg gegen die Kaiferlichen fort. 
Weil man ihm den Durchzug durch Cuͤſtrin nicht verſtatten wolte, fo ließ er, um auch 
den Kaiſerlichen dieſen Paß zu verrennen, eine Schanze auf dem Damm aufwerfen, 
et bemächtigte ſich von Loͤckenitz, und befahl dem landvolk in der Neumark bey Feuer 
und Schwerdt ſich wieder in ihren Haͤuſern einzufinden, und ihr Gewerbe zu treiben. 
Die neumaͤrkiſchen Staͤnde muſten in 14 Tagen 10000 Scheffel Korn, und 7000 
Thaler an die Schweden zu geben bewilligen. Nach einigen Verſuchen gegen Lande» 


B bbb 3 a 


berg ward dieſet Oct eingeſchloſſen, und mit der Hauptmacht gieng der König, nachdem 
er 


1630. 8 


1631. 


566 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 
1631. er Prenzlau beſetzt, nach Mecklenburg. Dies bewog den Tilly, der von t * 
dieburgiſchen Einſchlleſſung nach Frankfurt an der Oder gekommen war, dem Kö⸗ 
nige über alt Brandenburg, Nauen, Fehrbellin und Ruppin nachzugehen. Well 
er aber denſelben zu keiner Schlacht bringen konte, gieng er nach Ruppin wieder 
ruͤk. Die Schweden kamen aber nach Stettin und Neuangermüͤnde zurück, ſchlu⸗ 
gen bey Schwed und Vieraden Bruͤcken über die Oder, die fie mit Schanzen ver 
ſahen, und ſchlugen zwiſchen beiden Orten ein lager. Der vom Tilly abgeſchickte E 
loredo konte feine Abſicht, die Brücken zu verderben, nicht erreichen, und zog 
über Bezow und Fehrbellin wieder zum Tilly, der mit der ganzen Macht Magde⸗ 
burg anzugreiffen beſchloß, um den König dadurch über die Elbe zu ziehen )). gr 
5 „uli „ 
70. Nen u en eee e ne 
Die Leipziger Der gute Fortgang der ſchwediſchen Waffen machte den er 
1 N einige Hofnung. Der Churfuͤrſt von Sachſen berief ſie den gten Feb einer Zu 
eg ſammenkunft nach Leipzig, unter dem Vorwande, ſich wegen des zum gütlichen Bei 
Schweden gleich zwiſchen den Catholicken und Proteſtanten nach Frankfurt angefegten 3 
vortheilhaft. zu bereden. Der Churfuͤrſt von Brandenburg fand ſich perſöͤhnlich 
Verſchiedene Geiſtliche hielten zwar zur Vereinigung der lutheriſchen und reft 
lehre ein Geſpraͤch, es war ſolches aber vergeblich. Der Kaiſer verhofte, 
faſſung fegen, gegen die er beſonders bey Sachſen und Brandenburg Beiſtand ber 
gehrte. Aber die Proteſtanten gedachten nicht einmal des ſchwediſchen € 
Sie fuͤhrten im Segentheil wider die Unterdruͤckung heftige Klagen, womit ſie ſowol 
durch die ſchlechte Mannszucht der kaiſerlichen Volker, als durch die vorgenommene 
Vollſtreckung des Befehls wegen Zuruͤckgabe der Kirchenguͤter ſich beſchweret fanden. 
Sie beſchloſſen gegen die wider kaiſerliche Verordnung laufende Bedruckung, ſich in 
Verfaſſung zu ſetzen, zu ſchuͤtzen und einander beizuſtehen, auch feinem Einlager oder 
Geldbeitraͤge zu bewilligen, ſondern vielmehr 4.000 Mann anzuwerben, und Gewalt 
mit Gewalt zu vertreiben. Mit den catholiſchen Ständen wolten ſie ſedoch we 
nes Vergleichs in Unterhandlung treten, und den Kaiſer erſuchen, die Bol ſtrec 
feines Befehls wegen Wiedergabe der Kirchenguͤter auszuſetzen, die Gewalte 
feiner Völker abzuſtellen, und die Fuͤrſten und Stände ungekraͤnkt bey ihren, d 
laſſen. Dieſer Leipziger Bund war alſo eine dritte Parten, die es weder mit 
den halten, noch dem Kaiſer beiſtehen, ſondern ſich gegen die Unterdrückung w 
wolte. Ihre Entſchlieſſung wolte der Kaiſer nach ſeiner gewöhnlichen A 
Empörung halten, und ſieng an ſolche auf den Fuß zu b Wende Er u ißb 
Leipziger Bund aufs höchfte, und ließ an Sachſen und randenburg auc 
Proteſtanten Abmahnungsſchreiben ergehen, ihnen alle Werbungen, die 


” Puffendorf de Reb. Svee. ad k. a, Theatc. Europ. ad h. a, Khevenbäller, 
Ack. Publ. T. 4. 


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Chyhurfuͤrſt Georg Wilhelm. 5057 
tholiſchen Staͤnden doch erlaubte, unterſagen, und wolte durch Befehle verhindern, 
daß niemand proteſtantiſche Kriegsdienſte annehmen ſolte. Die Liga verſammlete ſich 
zu Duͤnkelſpiel, um die Leipziger Bundesgenoſſen nicht zu Kräften kommen zu laſſen. 
Der Kaiſer ſchloß mit groſſer Unzufriedenheit der Spanier den Frieden zu Chierasco, 
und ließ dem Carl von Nevers den Beſitz von Mantua und Montferrat, auſſer 
daß von dem letztern Trino und Alba, nebſt so andern Oertern, an Savoyen abgetre⸗ 
ten werden muſten. Nun konte der Kaiſer feine Kriegs volker aus Italien nach Deutſch⸗ 
land zurück ziehen, welche er dazu brauchte, die Evangeliſchen in Oberdeutſchland von 
dem Leipziger Bunde abzuzlehen. Tilly ſolte es mit den niederdeutſchen Ständen 
eben ſo machen. Churſachſen und Churbrandenburg vertheidigten zwar die Recht⸗ 
mäßigfeit des Leipziger Schluſſes. Beide erſuchten den Churfuͤrſten von Mainz, es 


in die Wege zu leiten, daß die Zuſammenkunft zu Frankfurt vor ſich gehe, und wis 


der die evangeliſche Stände keine Kriegsdrangſalen unternommen, ſondern der Friede 
ethalten wuͤrde. Der Churfuͤrſt von Brandenburg beſchwerte ſich insbeſondere beim 
Kaiſer über deſſen gegen den Leipziger Schluß bekandt gemachte Befehle. Es ſey uns 
erhört, gegen Reichsſtaͤnde, die ſich durch nichts vergangen, alſo zu verfahren. Fer⸗ 
dinand 2 habe zwar mehrmals feinen Unwillen uͤber die Aus ſchwelfungen der Krieges 
volker bezeiget, hiedurch fen ſolchen aber nicht abgeholfen worden. Es ſey dem Chur⸗ 
fuͤrſten alſo nicht zu verdenken, der Selbſthuͤlfe zu gebrauchen, da den catholiſchen 
Staͤnden ſolches nicht verwehret worden. Er habe bisher in ſeinen landen das kaiſer⸗ 
liche Heer mit groſſen Unkoſten unterhalten dle ihn aber gegen Schweden nicht fh 
gen können, und dech habe man ihm nicht erlauben wollen, nur zwey Regimenter aus 
Preuſſen nach der Mark zu ziehen. Man habe ihm nicht in feinem eigenen Lande fo 
viele Kreiſe verwilliget, als zum Unterhalt der Beſatzungen in feinen Veſtungen nöchig 
geweſen. Man habe ſogar in feiner eigenen Wohnſtadt mit gewafneter Hand Steu⸗ 
ren beigetrieben. Er waͤre aber bey dem allen von denenjenigen verlaſſen worden, die 
ihn beſchuͤtzen ſollen, und die auf nichts, als auf die Einnahme von Magdeburg, ber 
dacht geweſen. Der Kaiſer beantwortete dieſes Schreiben, daß, weil er den Leipzi⸗ 
ger Schluß vor unzuläßig hielte, er die dagegen gegebene Befehle ertheilen muͤſſen, 
und befremde ihn ungemein, daß man dem ohnerachtet dem Leipziger Schluß nachkom⸗ 
me; mit denen catholiſchen Staͤnden habe es eine andere Beſchaffenhelt, ihre Kriegs⸗ 


ruͤſtungen würden zum Beiſtand des Kaiſers gemacht. Gegen den König von Schwer 


den habe man den Kaiſer nicht zu Huͤlfe gerufen, und dies ſey die Urſache des ſchleuni⸗ 
gen Fortgangs feiner Waſſen. Weil nun der Leipziger Bund ſich nicht aus den Relchs / 
geſetzen beſchbnigen laſſe , fo wolle der Kaifer, daß feinen Befehlen Folge geleiſtet wuͤr⸗ 
de. Es hatte ſich aber die Geſtalt der Sachen bereits ſehr verändert. Der König 


von Schweden war vor Frankfurt an der Oder gerückt, eroberte den Pla mit dem 
Degen in der Fauſt, brachte dadurch den Kaiſerlichen eine ſtarke Niederlage bey, lies 


1631. 


aber zugleich ſeinen Soldaten die Freiheit‘ zum Pluͤndern. Tilly kam zum Entſatz n 


ſpaͤt, und gieng alſo, da er bis Brandenburg gekommen, zuruͤck nach mene 
BERG ee 8 : ands⸗ 


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568 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 

1631. Landsberg mufte ſich unter Bedingungen an den König von Schweden ergeben, wor 
auf Croſſen und einige ſchleſiſche Orte mit feinen Völkern beſetzt wurden. Er ſelbſt 
kam wieder nach Fra zuruͤck, und gieng über die Spree, um den Entſatz 
von Magdeburg zu verſuchen. Den ıften May ruͤckte er von Hürſtenwalde nad 
Koͤppenick, von hieraus ſchickte er den Grafen von Orthenburg nach Berlin, fo 
wie der Churfuͤrſt den Marggrafen Sigmund zum Könige zu deſſen Bewillkommung 
abſchickte. Guſtav Adolph ſtellte dem Epurfürften vor, daß, weil man ihm ſchon 
einmal den Durchgang durch Cuͤſtrin verwehret, fo könne er nicht eher welter gegen 
Magdeburg fortruͤcken, bis man ihm zur Sicherheit feines Zurüͤckzuges die Veſtungen 
Spandau und Cuͤſtrin einraͤume, und fein Volk mit Lebensmitteln, auch einem mo⸗ 
natlichen Sold verſorge. Der Churfuͤrſt fehlug dieſes Anſuchen des Königs ab. Gu⸗ 
ſtav Horn, der den aten May in eben dieſer Sache abgeſchickt worden, konte eben 
fals nichts ausrichten. Den sten May beſprachen ſich beide Herren perſönlich. Der 
König reiſete unter Bedeckung von s Cornetten Reutern, 1000 Mann zu Fuß und 4 
kleinen Stuͤcken Geſchuͤtz nach Berlin. Der Churfuͤrſt kam mit feinem ganzen Hofe 
dem Könige auf eine Viertheil Meile entgegen. Beide beſprachen ſich in einem Wald 
gen mit einander. Sodenn unterredete ſich Georg Wilhelm mit ſeinen Rathen, da 
unterdeſſen der König ſich mit der verwittweten Pfalzgraͤfin unterhielt. Der Churfüͤrſt 
konte nach ſeiner Zuruͤckkunft fich noch zu nichts entſchlieſſen. Der König wolte daher 
die Unterhandlung abbrechen, und ſich zu feinem Heer verfuͤgen. Endlich ließ er ſich 
durch das churfuͤrſtliche Frauenzimmer erbitten, einen Beſuch in Berlin abzuſtatten. 
Er brachte 1000 Mann Fußvolk zur Bedeckung mit, davon 200 auf die Wache im Vor⸗ 
hofe des Schloſſes zogen, die übrigen aber auf das Werder verlegt wurden. Den aten 
May ſetzte man die Unterhandlung fort, und das ſchwediſche Heer, welches ſich um 
Berlin lagerte, gab dem ſchwediſchen Anſuchen mehreres Gewicht. Der König er 
kannte ſelbſt, daß ſein Verlangen ſehr bedenklich ſey, hielt es aber vor unumgänglich 
nothwendig, um den Rücken frey zu behalten, wenn er zum Entfag von Magdeburg 
vorruͤcken wolte. Am ſpaͤten Abend ward man endlich einig: der Kön 
dau beſetzen, ſolches aber nach dem erfolgten Entſatz von Magdeburg wieder räumen. 
Den sten May zog das ſchwediſche Heer von Berlin bis an Spandau, der König 
belegte dieſe Veſtung unter dem Obriſten Axel Lille mit einer Beſatzung, die dem 
Könige und dem Churfuͤrſten zugleich einen Eid ablegte. Den ten gieng das Heer 
auf Potsdam, worauf die Kaiſerlichen die Städte Brandenburg, : 
andere umliegende Orte verlieſſen. Der König wolte bey Wi er die 
gehen, und hielt bey Sachſen um Erlaubniß und Beiftand an, bekam aber abſchläg / 
ge Antwort. Alles dieſes verhinderte Guſtav Adolph, zu rechter Zelt der Stadt 
Magdeburg zu Huͤlfe zu kommen 2). eee eee 


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Der cu: Denn Tilln trieb indeſſen die Belagerung mit allem Eifer. Er 
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Tklhurfuͤrſt Georg Wilhelm. Io: 49: 569 


ſage nicht, der Stadt zu erlauben, Abgeordnete an andere Glaubensgenoſſen abſchicken zu 1631, 
dürfen, ohnerachtet der Marggraf Chriſtian Wilhelm und der Rath unter andern den nach zerſt⸗ 
ſchwediſchen Geſandten Johann Stahlmann und den Buͤrgermeiſter Kuͤhlewein gun vu 
an den Churfuͤrſten von Brandenburg zu gehen bereits ernannt hatten. Tilly ſchrieb ehe 
vielmehr ſelbſt an Churbrandenburg und Ehurfachfen, daß fie die Stadt, welche halten. 
ihre Widerſetzlichkeit auf den Leipziger Schluß gründe, dem Kaiſer ſich zu unterwer⸗ 
fen, bereden möchten. Er ſchlaͤferte die wachſame Buͤrgerſchaft durch Unterhandlun⸗ 
gen ein, und erſtieg den ıoten May dieſen Hauptort, da man es ſich am wenigſten 
verſahe. Die Einnahme deſſelben war zugleich mit der Zerſtoͤrung verknuͤpft. Mord, 
Nochzucht, Raub und Brand lieſſen von dieſem bisher volkreichen Ort an Einwohnern 
und Gebäuden faſt gar nichts übrig. Kein Geſchlecht, kein Alter, Fein Stand wurde 
verſchonet. Der Erzbiſchof Chriſtian Wilhelm wurde mit dem Degen in der Hand 
uͤberwaͤltiget, ſchwer verwundet und gefangen weggefuͤhret Das Verderben dleſer 
Stadt machte alles aufmerkſam. Der König von Schweden wuſte, daß dle Pro⸗ 
teſtanten einen Entſatz von ihm gehoft, und fand vor noͤthig, ſich deswegen öffentlich 
zu entſchuldigen. Er bezog ſich unter andern auf den Umſtand, daß der Churfuͤrſt von 
Brandenburg ihm alle Huͤlfe abgeſchlagen, weil ſelbiger dem Kaiſer verbindlich, die 
nöthigen Kriegsnothwendigkeiten an Lebensmitteln und Schiffen nicht ſchaffen könte, und 
ohne Churſachſen ſich zu nichts verstehen wollen. Der Churfuͤrſt George Wilhelm 
verlangte nunmehro, dem Vertrage gemäß, daß der König Spandau räumen folte, 
weil dieſer Ort nur bis zum erfolgten Entſatz der Stadt Magdeburg übergeben wäre 
Guſtav Adolph ließ zwar den Sten Jul. Spandau räumen, aber ſchon denſelben 
Abend Berlin von feinen Kriege völkern auffordern. Den gten fand ſich das ſchwediſche 
Her vor der churfuͤrſtlichen Wohnſtadt wirklich ein, und ließ das ſchwere Geſchuͤtz aufs 
führen, Berlin zu beſchuͤſſen. Der ſaͤchſiſche Feldherr Arnim, der ſich eben daſelbſt 
befand, ſuchte zwar durch feine Unterhandlungen aller Gewaltthaͤtigkeit vorzubeugen. 
Des Königs Verlangen ſchien aber dem brandenburgiſchen Hofe zu hart. Drey Tas 
ge lang reiſete Arnim ab und zu, ohne was auszurichten. Berlin glaubte, daß das 
ſchöne Geſchlecht mehr ausrichten könte. Die Ehurfürftin von Brandenburg, die 
verwitwete Churfürftin von der Pfalz, das geſamte Hoffrauenzimmer verfügte ſich den 
Iten in das ſchwediſche lager, worin ſchon beſchloſſen war: auf den erſten Schuß Ber⸗ 
lin zu pluͤndern, und wenn es ſich in Guͤte ergebe, zwey Regimenter zur Beſatzung ein⸗ 
zulegen. Der Held gab dem Frauenzimmer nach, ſeine Anforderungen wurden gelin⸗ 
dert. Nun kam der Churfürft zum Könige, beſprach ſich mit demſelben in einem Som⸗ 
merhauſe, und räumte ihm dasjenige ein, was er nicht verwehren konte. Man bes 
wirthete den König des Abends in einem Garten. Den ızten May um 2 Uhr des 
Morgens wolte der König, zum Zeichen feiner Zufriedenheit, das ſchwere Geſchuͤtz vor 
feinem lager abfeuren laſſen. Es geſchahe ſolches aus 90 Stuͤcken; man hatte aber 
vergeſſen, aus 40 derſelben die ſcharfe ladung herauszuziehen, aus welchen alſo die Ku⸗ 
geln nach der Stadt zuflogen. Sechs darunter, die einzeln 30 Pfund wogen, ers 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ce ce f reich 


570 3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von RB | 
reichten die Buͤrgerhauſer, und fielen durch zerſchmetterte Dächer zum Thell in Schlaf 


kammern, zum Gluͤck aber fo, daß kein Menſch beſchaͤdiget wurde. Der Chin fuͤrſt 
hatte verſprochen, den Schweden Spandau wieder einzuräumen, zu Cuͤſtrin das 
Diefnungsrecht zu verſtatten, monatlich aus dem Lande 30000 Thaler zu bezahlen; doch 


ſolten etliche Kreiſe des Churfürſtenthums nebſt der Ucker- und Mittelmark zu des 
Cburfuͤrſten Unterhalt ausgeſetzt, und von allen Lieferungen befreiet ſeyn, und die ſchwe⸗ 
diſche Reuterey, fo viel möglich, aus Mecklenburg und Pommern ihren Unterhalt 


ziehen. Hierauf beſetzten die Schweden Spandau, Brandenburg und Rathe⸗ 


nau, und der König reiſete nach Stettin. Tilly war, nach der Eroberung von Mag / 
deburg, nach Thuͤringen aufgebrochen. Er hinterließ den Grafen 6 
zur Bedeckung des Elbſtroms, und wolte ſelbſt den kandgrafen von Heſſen- Caſſel 
und andere Proteſtanten in Niederdeutſchland, den Leipziger Bund zu verlaſſen, 


zwingen. Die Schweden eroberten indeſſen Greifswalde, als den letzten Ort, der 


ihnen in Pommern noch fehlete. Weil aber die kalſerliche Beſatzung, wider die gemachte 
Bedingung, von Greifswalde auf Havelberg zog, wurde fie in der Priegnitz gröſtentheils 
gezwungen, das Gewehr zu ſtrecken, und ſich unterſtecken zu laſen. Von Rathenan 
aus wurde das Kloſter Jerichau gepluͤndert. Den ızten Jun. wurden . 
in Werben überfallen, auch von den Schweden der Dom in Havelberg 
men, und Burg uͤberrumpelt. Der Anſchlag Pappenheims, den Rhei 
Ludwig zu uͤberfallen, wolte nicht gluͤken. Das Vorhaben der Kaiſerlichen, 
in Brand zu ſtecken, ward glücklich entdeckt. Cotbus ward aber von ihnen überfal 
und dieſer Ort bey dieſer Gelegenheit ausgepluͤndert. Guſtav 9 
mern in Brandenburg, welches ziemlich beveſtiget wurde, an, und gieng von da 
nach Jerichau über die Elbe. Ein Theil muſte bey Tangermuͤnde durch dieſen Fluß 
ſetzen, welcher auch dieſen Ort den zoſten Jun. mit ſtuͤrmender Hand eroberte. Es 
folgten immer mehr Schweden über dieſen Fluß, und beſetzten Stendal, Werben 
und andere Orte der Altmark. Auch die Stadt Havelberg ward von ihnen durch 
einen Angrif aus dem Dom denen Kaiſerlichen abgenommen. Das 
nach Werben, wo der König eine Bruͤcke über die Elbe ſchlagen, — 
ze vertheidigen lies. Dies noͤthigte den Tilly, aus Thüringen zu 

Drey Regimenter Reuter machten feinen, Vortrab aus, die aber von den Se 
in den Dörfern Angern, Borgſtall und Reindorf uͤberfallen und ge . 
Der König zog ſich darauf in fein Lager: ben Werben zuruͤck, und erwartete d b 
welcher uber Wolmerſtaͤdt und Tangermünde anruͤckte. Er kam r das ko 
nigliche Lager. Weil er aber ſolches anzugreifen ſich nicht unterſtand/ lagerte er ſich aus 
Mangel des Unterhalts ben Tangermünde. Doch eben dieſer Mangel nöchigte ihm, 

ins Magdeburyifche zurück zu gehen. Der tandgraf von fand 
gen des neuen Einfalls in feinem ande beim Könige ein, und nahm öffen 
Partey. Tilly ließ ſich zu frühzeitig merken, daß feine Abſicht dahin g 
ſachſen mit Gewalt zu Aufhebung des Leipziger Bundes zu zwingen. Dies 


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Ehurfürſt Georg Wilhelm. Fr 


den Ehurfuͤrſten von Sachſen, ſich um die Hülfe des Königs von Schweden iu be 1631. 5 


werben, und ſich mit demſelben zu verbinden. Tilly war wirklich von Wolmerſtaͤdt 
ins Mansfeldiſche gerückt, zog in Eisleben den Grafen von Fuͤrſtenberg aus Heſſen 
an ſich, und brach in Sachſen ein. Der Eyurfürft Johann Georg harte feine Vöͤl⸗ 
ker von Leipzig und Eulenburg nach Torgau gezogen, Tilly aber bemaͤchtigte ſich 
von Halle, Merſeburg, Naumburg, Jena, Zeitz, und nahm Leipzig mit Be⸗ 
dingungen ein. Der König brach von Werben auf, gieng bey Wittenberg über 
die Elbe, und ſtieß bey Duͤben zum Churfuͤrſten von Sachſen, bey welchem ſich auch 
der Churfuͤrſt von Brandenburg befand. Der letztere reiſete bey fernerem Anruͤcken 
auf den Feind wieder zuruͤck, der König aber und der Churfuͤrſt von Sachſen liefer⸗ 
ten dem Tilly bey Leipzig am zten September ein Treffen, worin Tilly aufs Haupt 
geſchlagen wurde. Man erbeutete dabey viel ſchweres Geſchuͤtz, wovon einiges vorher 
dem Haufe Brandenburg gehöret hatte. Kurz vorher hatten die zu Regenſpurg 
veſtgeſetzten Unterhandlungen zwiſchen den Proteſtanten und Catholiken zu Frank⸗ 
furt ihren Anfang genommen. Des Churfürften von Brandenburg Geſandten war 
ren Balthaſer von Brunn, Gerhard Romilian von Callon, ſonſt Leutmar ges 
nannt, D. Matthias Pollanius und D. Adam Neſtler. Die Proteſtanten wur⸗ 
den durch das Gluͤck der Schweden aufs neue belebt. Sie drungen auf die völlige 
Abſchaffung des kalſerlichen Befehls wegen der Zuruͤckgabe der Kirchenguͤter, verſpra⸗ 
chen jedoch vors kuͤnftige die Gültigkeit des geiſtlichen Vorbehalts zu erkennen. Die 
catholiſchen Staͤnde hatten aber ganz andere Meinungen, und lieſſen aufs höchfte die 
Hofnung ſchoͤpfen „daß man die Vollſtreckung des gedachten kaiſerlichen Befehls auf 
gewiſſe Jahre aufſchieben wuͤrde. Der Leipziger Sieg und der Einbruch des Königs 
in Franken ließ hingegen die Proteſtanten hoffen, daß ſie ihren Zweck auf andere Art 
erreichen wuͤrden. Hieruͤber trennete ſich die ganze Verſammlung zu Frankfurt, und 
der Krieg ward noch mit mehrerer Verbitterung beider Religionsverwandten, als bis⸗ 
her geſchehen, fortgeſetzt, welcher vor das Churhaus Brandenburg um ſo viel be⸗ 
denklicher ſeyn muſte, da der Churfärft kaum mehr als Herr feiner Lande angeſehen 
werden konte. Die Mark Brandenburg befand ſich in den Haͤnden der Schwe⸗ 


den, und alle Unterhandlungen, die man in dieſem Jahr vorgenommen, um die Par⸗ 
teiloſigkeit und Raͤumung derer von den Hollaͤndern beſetzten Orte in den juͤlichſchen 
Erbſchaftsſtͤcken zu erhalten, waren ohne Nutzen a). 


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Nach der Leipziger Schlacht berathſchlagte ſich der König von Schweden mit Nach dem 
dem für Freude ganz auffer ſich geſetzten Churfürften von Sachſen zu Halle, wie der 1 ig 
Krieg kuͤnftig fortzuſetzen. Vielleicht waͤre ſolcher eher geendiger worden, wenn man Schweden 
mit vereinigter Macht durch Böhmen ſich einen Weg nach Baiern und Oeſterreich rofle erobe⸗ 
INT f sc Mi. eee geöfnet gen. 

v a) "Theatr. Europ. ad h a. Khevenbüller ad h. 2. Puffendorf Rer. Suec-ad h a. Londorpii Ad. 
publ. T. 4 Rirners altmaͤrkiſche Geſchichte in Herrn Züfters Antig. Tangerm. p. 30 f. 


Tilly wich nach Baiern, und ließ den König zur Belagerung von 


ſo viel groͤſſer. Italien freuete fich darüber, daß der Kaiſer gute Worte 


5 3%. 10 Hauptſt. Meuere Geſchichte von Brandenburg: ⸗ 


geöfnet Härte. Guſtav Adolph hatte aber gröffere Absichten. Er ſetzte fich vor, den 
zertrennten Bund der Proteſtanten wieder aufzurichten, und das Haupt deſſelben zu 
werden. Er ſoll gar die Abſicht gehabt haben, ſich zum Kaiſer der . —— 
chen zu laſſen. Er wolte daher den Frieden nicht zu fehe beſchleunigen. Schweden 
und Sachſen beſchloſſen, ſich zu theilen. Es geſchahe ſolches wirklich. Sach⸗ 
verjagte die Kaiſerlichen aus der Lauſitz, obgleich Eroffen abbrandte, brach in 
hmen ein, und eroberte fogar Prag und Eger. Der König, mit dem ſich die 
Fuͤrſten von Anhalt und die Herzoge von Sachfen Weimar verbunden, gleng durch 
Thuͤringen, wo ſich Erfurt ergeben, nach Franken. Würzburg ward nach fur 
zem Widerſtand erobert, Hanau überrumpelt, und Frankfurt am Main dfuete die 
Thore. Horn muſte den Krieg in Franken fortsetzen, der König ſelbſt drung durch 
den Rheingau in die Pfalz, und nahm Oppenheim, Mainz und Manheim weg, 
Alles von Speier bis Coblenz kam in ſeine Gewalt. Der Churfuͤrſt von Trier ber 
gab ſich bey dieſen Umftänden in franzöſiſchen Schutz, und räumte dieſer Krone Eh⸗ 


renbreitſtein ein. Tilly war nach ſeiner Niederlage verwundet nach Halberſt adt a 


flohen, und von da nach Hoͤrter abgegangen. Auf die Nachricht, daß die Sch 
den in Franken eingebrochen, vereinigte er ſich zu Fritzlar mit Al ing en, 9 
gern und Merode, welche bisher in Heſſen geſtanden hatten. Zu 
der Herzog Carl von Lothringen zu ihm, welcher, in der Hofnung, fi 
hut zu verdienen, entſchloſſen, dem Kaiſer beizuſtehen. Nun wolte | 
entſetzen, kam aber zu fpat. Er bewies aber feinen Grimm an Rothenburg an der 

Tauber, und Winsheim muſte ſich an ihn ergeben. Er ſchickte ſodenn den Pap⸗ 
penheim nach Weſtphalen ab, und legte ſich ſelbſt vor Nürnberg, als eben der 

König die Belagerung von Oppenheim vorhatte. Dieſer ruͤckte zum Enfog an. 


tuͤck kehten. Der Landgraf Wilhelm von Heſſen. Caſſel befreiete indeſſen Cr 
terau von den Kaiſerlichen, und der niederſaͤchſiſche Kreis begab ſich 
ſchwediſchen Schutz, worin auch die Kaiſerlichen Roſtock, Doͤmitz N 
Wismar raͤumen muſten. Ferdinand 2 hatte bey ſeinem — 
ſolche Veraͤnderung der Umſtaͤnde wohl nicht gedacht. Die Beſtürzung war al 5 


ohne daß man ihm Huͤlfe leiſtete. Tilly war ungluͤͤcklich geweſen, und kam noch uͤ 
dies in Verdacht, als ob es blos von ihm abgehangen, daß er nicht geſieget. DD 
kaiſerliche Hof wolte ſein Heer einem andern Feldherrn anvertrauen. Die T 
brachten hiezu den Faiferlichen Prinzen und König von Böhmen und Ungar 
nand in Vorſchlag. Die Faiferlichen Raͤthe festen aber ihre Hofnung auf 8 
ſtein, deſſen Erfahrung, Kriegsruhm, Gluͤck und Reichehum ihn bey den 

nen Soldaten beliebt machte. Der Kaiſer fand ſogar in der Sterndeuteren Gründe, 
ihn wieder in * zu nehmen, ob ihm gleich der Churfuͤrſt von Ba 1 abgene 


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Cuhurfürſt Georg Wilhelm. 8 


ſtein in Unterhandlungen treten, um eine Stelle wieder anzunehmen, die man ihm 
gar zu leichtſinnig abgenommen hatte, und die man ihm auf eine demuͤthigende Art wieder 


1631; 


anbot. Wallenſtein erhielt gegen feine bisherige Feinde alle Genugthuung, und mach 


te ſich ganz auſſerordentliche Bedingungen aus Ferdinand 2 vertraute faſt das ganze 
Recht, Krieg nach feinem Willkuͤhr zu führen, und Frieden nach feinem Gefallen zu 
ſchluͤſſen, feinen Händen. Vielleicht ſahe Wallenſtein bereits damals nicht allein 
auf feine kuͤnftige Sicherheit, ſondern hatte ſchon einen Entwurf groſſer Abſichten ges 
macht, zu deren Ausfuͤhrung er ſich der jetzt ausbedungenen Macht bedienen wolte. 


Wallenſtein übernahm alſo die oberſte Kriegsbefehlshaberſtelle, und bemuͤhete ſich, 
dem Kaiſer ein zahlreiches Heer zu ſchaſſen. In der Zeit war der Churfuͤrſt von Baiern 


auf Mittel bedacht, den König von Schweden abzuhalten. Der König von Frank⸗ 
reich ſchlug vor, daß die Liga die Partelloſigkeit ergreifen ſolte. Baiern befuͤrchtete 
theils einen ſchwediſchen Einfall in ſeine Staaten, theils die Wiedereinſetzung des 
Cburfuͤrſten Friedrichs 5 in die kande, aus denen man ihn getrieben hatte, da ſich 
ſolcher perſönlich bey Guſtav Adolph eingefunden. Maximilian ließ ſich daher die 
franzöſiſche Unterhandlungen gefallen, die wenigſtens den Nutzen hatten, daß der Kö⸗ 
nig von Schweden aus Achtung für Frankreich den Friedrich 5 nicht ſogleich wieder 
einfegte, ſondern vielmehr eine achte Churwuͤrde als das bequemſte Mittel in Vorſchlag 
brachte, Baiern und Pfalz zu befriedigen. Aber die Unterhandlungen zerſchlugen ſich 
1632 fruchtlos. Der Churfuͤrſt von Baiern hielt davor, daß die Vortheile feines el 
genen Hauſes und der Liga mit denen Vortheilen des Kaiſers unzertrennlich verbunden 
wären. Maximilian ließ daher den Tilly nach Franken gehen, wo Horn die 
Schweden anfuͤhrte. Dieſer fand ſich jetzt zu ſchwach. Der König kam ihm aber 
zu Huͤffe. Tilly muſte ſich hinter die Donau und den Lech ziehen. Bey dieſen Um⸗ 
ftänden erſuchte der Churfürft von Baiern den Wallenſtein um Huͤlfe; aber dieſer 
freuete ſich über das Ungluͤck feines beſtaͤndigen Gegners, und verzögerte mit Fleiß, 


ihm Huͤlfe zu leiſten. Guſtav Adolph eroberte Donawerth. Tilly ſetzte ſich zwar 


hinter dem Lech, aber der König gieng unweit Rain gluͤcklich über dieſen Fluß, wor 
bey Altringer ſchwer und Tilly roͤdtlich verwundet wurde. Der letzte ſtarb zu In⸗ 
golſtadt, nachdem er die Bewahrung der Stadt Regenſpurg ſonderlich empfohlen 
batte. Der König nahm hierauf Augſpurg ein, und kam ben der Bruͤcke in Ingolſtadt 
in Gefahr, fein beben zu verlieren. Er wolte ſich von Regenſpurg bemächtigen, wor⸗ 


in ihm aber die Baiern ſchon zuvorgekommen waren. Er breitete ſich jedoch in Baiern 


aus. Sellſt Muͤnchen muſte ihm die Thore öfnen. Bey feinem Einzuge begleitete 


ihn Friedrich z von der Pfalz, der alſo das Vergnügen hatte, als Sieger in der 


Haupeſtadt feines gröſten Feindes zu ſeyn, der ihm feine lande zerſtöret und verwuͤſtet 
hatte. Doch ward nicht gleiches mit gleichem vergolten. Der Koͤnig begnuͤgte ſich blos 


mit dem, wozu ihn der Krieg berechtigte. Er ließ das Zeughaus ausraͤumen. An⸗ 
fäͤnglich wolte ſich wenig Geſchütz darin finden. Aber endlich fand man einen Schatz 
vergraben. Er beſtund in dem vielen Geſchuͤtz, welches bisher erbeutet, und nach 


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1632. 


SHE 3%. 10 Hauptſt: Neuere Geſhichte von Brandenburg. 
1632. We worden. Es 2 ſich auch darunter manche mit dem bran / 
nburgiſchen Wappen bezeichnete e. Der K en 
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A nor won RS Bode 3 


Der churfüͤrſt Banne hatte bee das „ Mosdebusgifgeum Salberftäbtifipeunteekönse 
von Branden: diſche Gewalt gebracht, und Pappenheim ſuchte vergeblich die Stadt Magdeburg, . 
— — der er zu Hilfe gekommen war, zu behaupten. Denn andere Angelegenheiten töthig / 
den bis auf des ten hn nach der Weſer zurück zu gehen, und Magdeburg zu verlaſſen. Die Schwe ⸗ 
toͤniges tod. den ſuchten nunmehr Magdeburg aus feinem Schutt wieder herzustellen, und rich / 
teten die evangeliſche Religion uͤberall wieder her. Sie beſtellten un Magdeburgi⸗ 
ſchen und Halberſtaͤdtiſchen eine eigene Regierung, und den Turlen — 
Anhalt zum Statthalter. Des Erzherzogs Leopold Wilhelm Regierung 
vurch geendiget, aber Schweden war unſchluͤßtg, ob fie das Eribiſchofthum N 
ſiſchen Augufto geben, oder dem gefangenen brandenburgiſchen Ehriſtian Wi 
helm aufbehalten wolten. Der letztere war bey dem ſchwediſchen elle as Wi, 
und von da nach Neuſtadt geſchleppet. Die Jeſuiten arbeiteten 
Mittel ihn zur romiſchen Kirche zurück zu führen. Sein Unglück verſchaffete ihnen 
Gehör, und er trat wirklich zu der roͤmiſchen Kirche. Es kam ein 
ter feinem Namen heraus, das man den Wahrheitsſpiegel nannte, und we 
Ueberzeugungsgruͤnde enthalten ſolte, die ihm die catholiſche Religlon bellebter als die 
evangeliſche kehren gemacht haͤtten. Ich habe darin nicht angetroffen, daß er durch i 
dieſen Schritt ſich zu feiner Freiheit und Wiederherſtellung den Weg bahnen wi 
len. Pappenheim war in Niederſachſen und Weſtphalen nicht 
Churfuͤrſt von Brandenburg Hatte noch immer Urſache mit denen e 
Abſtellung der Beſchwerden in der juͤlichſchen Erbſchaft Handlung zu pflegen. an i 
ſtein bemuͤhete ſich die Sachſen aus den Faiferlichen Erblanden heraus zu bringen, 
Erſt bediente man ſich einiger Unterhandlungen Sachſen und Brandenburg von den 8 
Schweden abzuziehen, und brauchte hlezu eine gemäßigtere Sprache als ſonſt beim 
kaiserlichen Hofe üblich debe Aber der Churfuͤrſt 5 
feinen Churprinzen mit der ſchwediſchen Prinzeßin Chriſtina zu vermäle 4 
blieb ſtandhaft in der Verbindung mit ſeinem gluͤcklichen Schwager Guſtav 
deſſen Gemalin, die Schweſter unſers Churfuͤrſten, dieſes Jahr ſelbſt nach D 
land ankam, unerachtet die andere Schweſter des Churfuͤrſten die verwitwete 
tin von Siebenbürgen auf ihrem Wirwenfig Tokay mit dem Kalſer und 
hängern in gutem Vernehmen lebte, und deswegen von dem neuen? ıfte 
buͤrgen Georg Ragotzy vieles erdulden muſte. Der Churfürft 
herrn Borgsdorf mit einigen Vblkern in Schleſien . | 
gleich eben nicht ſonderlich Bun war, ſo ſuchte doch Georg Wilh 
Er Se Wil wid ur 
4 Pufendorf Theatr. Europ. Khevenbüller, e eee 


7 9 7 
I . * 


N . 8 


W 


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chpurfürſt Georg Wilhelm. J 
nur Sachſen bey der Verbindung mit Schweden zu erhalten; ſondern auch ande⸗ 
re Proteſtanten bey deſſen Parten zu beveſtigen. Als daher eine Verſammlung die⸗ 
fer Sache wegen in Torgau ausgeſchrieben wurde, ſo kam der Churfuͤrſt von 
Brandenburg perföhnlich dahin. Er half alle Bemuͤhungen des Kaiſers dadurch 
vereiteln, daß er nebſt andern Proteſtanten vom Kaiſer die Erſetzung aller erlitte⸗ 
nen Schäden verlangte, die er vor ſich allein auf 20 Millionen ſchaͤtzte. Weil 
nun Sachſen bey dem Bunde mit Schweden blieb, ſo brauchte Wallenſtein Ge⸗ 
walt, und vertrieb die Sachſen nach und nach aus ganz Boͤhmen. Er vereinigte 
ſich zu Eger mit dem Churfuͤrſten von Baiern, welches der König vergeblich zu ver⸗ 
hindern geſucht. Weil er nun hiedurch ein Heer von 6oooo Mann zuſammen gebracht, 
Guſtav Adolph hingegen, beſonders wegen der vielen Beſatzungen, kaum aoooo Mann 
zuſammen hatte, fo muſte ſich der König, um die Pluͤnderung der Stadt Nuͤrnberg 
zu verhindern, bey dieſem Ort ſetzen und verſchanzen. Er zog hierauf mit gröfter Vor⸗ 
ſicht mehrere Völfer an ſich, fo daß fein. Heer endlich bis auf 75000 Mann anwuchs. 
Weil er nun dem Wallenſtein überlegen war, fo grif er dieſen zwar in feinen unges 
mein ſtarken Verſchauzungen an, litte aber groſſen Verluſt, ohne feinen Zweck zu er⸗ 
reichen. Beide Heere konten aus Mangel der lebens mittel nicht lange ſtehen bleiben. 
Der König brach, nachdem er zu Nürnberg eine ſtarke Beſatzung hinterlaſſen, zuerſt 
auf, gieng nach der Donau und ließ dem Muͤtſchevall, der den Paß bey Rain ohne 
Noch aufgegeben hatte, den Kopf abſchlagen. Er glaubte, daß ihm Wallenſtein 
nach Baiern folgen ſolte. Doch dieſer nahm einen ganz andern Weg. Denn das 
ſaͤchſiſche Heer war unter Arnims Anfuͤhrung in Schleſien eingefallen. Es war 


ſolches durch einige ſchwediſche Völker unter dem Oberſten Teufel und durch branden⸗ 


burgiſche Kriegevölter unter der Anfuͤhrung Borgsdorfs verftärft worden. Die 
Verſtaͤrkung machte r Compagnien Reuter, 12 Compagnien Dragoner und 4 Regi⸗ 
menter zu Fuß aus. Die Kaiſer lichen wur sen bey Steinau geſchlagen, und der Oberſt 
Kalkſtein, der den Vorderzug der Bundesgenoſſen befehligte, that ihnen bey Bres⸗ 
lau und Namslau ‘groffen Abbruch. Der Dom in Breslau und viele Orte in 
Schleſien, ſelbſt Neuß komen in der Bundesgenoſſen Haͤnde, die aber die Stadt 
Breslau zu Einnehmung einer Beſatzung nicht bewegen konten. Die kaiſerlichen 
Feldherrn Holcke und Gallas waren indeffenin das von Kriegs volkern entblöſte Sach⸗ 
ſen gefallen. Sie trieben im Voigtlande ſo uͤble Wirthſchaft, daß der Churfuͤrſt von 
Sachſen fein Heer aus Schleſien zuruck kemmen laſſen muſte. Dies machte, daß 
Wallenſtein und der Churfüͤrſt von Baiern ſelbſt mit der Hauptmacht durchs Bai⸗ 
reuthiſche und Coburgiſche nach Sachſen abgiengen. Hierdurch ſetzte er die Churfürs 
ſten von Sachſen und Brandenburg ins gröfte Schrecken. Georg Wilhelm bot zur 
Beſthuͤtzung ſeines landes den Adel und faſt alle Unterthanen auf. Der Churfuͤrſt 


von Sachſen ließ den König von Schweden um ſchleunige Huͤlſe anrufen. Guſtav 


Adolph konte dieſe Hauptbundeegenoſſen nicht verlaſſen. Er ſchickte den Herzog Bern⸗ 
hard ven Sachſen Weimar mit einigen Völkern voraus, und folgte demſelben mit 
N 1 5 A 5 dem 


1638. 


556 3 Th. 10 Sau deren Geſchichte von EN, 


1622. dem ganzen Heer von der Donau durch Franken nach Thüringen uber? 
1 Butſtaͤdt, Naumburg bis Weiſſenfels. Wallenſtein hatte dem ˖ 
N der Maſtricht nicht entſetzen konnen, und der König dem Herzoge Georg von 
Befehl zugeſchickt, zu ihrem Heer in Sachſen zu ſtoſſen. Wallenſtein parte fun 
Heer den sten Nov. bey Rippach in Schlachtordnung geſtelet. Weil der König nun 
Nachricht bekam, daß Pappenheim mit einigen Regimentern noch nicht zu ihm ıger 
ſtoſſen, fo entſchloß er ſich, ohne-den Herzog Georg zu erwarten, den Feind anzu⸗ 
greifen. Es geſchahe ſolches den öten Nov. ben Lügen, wohin ſich Wallenſtein ge 
zogen hatte, um den Pappenheim, der uͤber Halle im Anzuge war, deſto eher an 
ſich zu ziehen. Doch gleich zu Anfang des Treffens ward der König ſelbſt verwundet, 
und da er ſich aus dem Treffen ziehen wolte, zum andern mal durch den $eib geſchoſſen, 
hernach auf der Erde getöͤdtet und gepluͤndert. Demohnerachtet gewann Herzog Bern⸗ 
hard von Weimar die Schlacht. Pappenheim ſtieß zwar indeſſen zu allein 
und ſtellte das Treffen wieder her. Er blieb aber auf dem Platz, und die 
den befochten uͤber ſeine Völker einen neuen Sieg, davon die Folge — | 
ſerlichen aus ganz Sachſen vertrieben wurden. Doch alles dieſes konte den 
Guſtav Adolphs nicht erſetzen, auf welchen bisher die Proteſtanten in 
land ſich hauptfächlich verlaſſen hatten. Der ungluͤckliche Churfuͤrſt — 
gieng bald darauf den roten Nov zu Maynz ebenfals zu Grabe, er Churfü 
von Brandenburg verlohr alſo kurz hinter einander zwey Schwäger von ſehr verii 
denen Glücksumſtänden ch. 1 P W „ 
9 ra Ba 

Der churfuͤſt. Schon zuvor im April war uch der König Siegmund: si von; Polen in die 

ec könne ſem Jahr mit Tode abgegangen. Dies nöchigte den Churfürſten George Wil 

von Polen helm von Brandenburg, der mit einem Gefolge von 1500 Mann in Preuſſen ange 

Wladis lao . kommen, auſſer den deutſchen Angelegenheiten, die polniſchen 2 

N 1 tung zu ziehen. Er ſchickte deswegen auf den Reichstag nach War 
des Koͤniges Tode gehalten wurde, einen Geſandten. Es muſte ſich 
ren, daß man den Churfuͤrſten gegen die lehnsvertraͤge zu dieſer 1 
berufen, und mit ihm in dem Zwiſchenreich keine Rathſchlaͤge gepflogen. 
Polacken an, die Friedensunterhandlungen mit Schweden wieder vor die 
nehmen, wozu der Churfuͤrſt gern behuͤlflich ſeyn wuͤrde. Er verlangte die 
aller Misbräuche, die im Herzogthum Preuſſen gegen die lehns vertrage, zum rah 
theil der churfürftlichen Gerichtbarkeit und anderer Rechte, eingeführet worden. Er l 
gehrte, daß der Churfuͤrſt zu Ausübung des Sitz, und Stimmrechts f den kuͤnftt 
Wahltag berufen würde; daß man die Grenzvertraͤge zwiſchen Hrospolen und der Mar 
Brandenburg genauer beobachte, und die Unterſchleife bey der Schiffart auf der We 
te abſtelle; daß man dem Churfuͤrſten das Beſatzungsrecht in einem Thel 
chen Preuſſens erleichtere, und zu dem Ende ihm dasjenige nachlleſſe, 


c) Lond. Ada Publ. T. 4. Puffendorf l. e. Theatr. Europ, Kbevenkäller, ie 


ze 2 


= —>— — —— oe u. or 
S 


fl Georg Wilhem. 5577 


Herzogthum an den königlichen Schatz bezahlt werden muͤſte; und daß endlich der Still⸗ 


ſtand mit Schweden heilig beobachtet / und die Freiheit auf der Weichſel nicht ge 
ftärkc würde, Der churfuͤrſtuche Geſandte bekam aber von den polniſchen Ständen 
die Antwort, „daß fie ſich bey der Berufung zu dieſer Reichs verſammlung nach der bis⸗ 


herigen Gewohnheit gerichtet haͤtten. Eben dieſe Gewohnheit wuͤrden fie auch bey der 


Berufung zur Wahl zum Grunde legen, und muͤſſe der Churfuͤrſt den Grund feiner 
Anforderung auf dem kuͤnftigen Wahltag ſelbſt vorbringen laſſen. Sie dankten ihm, 
daß er zu den Unterhandlungen mit Schweden die Hand bieten wolle, und erfuchten 
ihn zu dem Ende, es dahin zu bringen, daß noch in der Zwiſchenregierung hiezu ein näs 
herer Ort als Luͤbeck und Hamburg beliebt werden möchte. Die Grenzvertraͤge fols 
ten genau beobachtet, was dawider gehandelt worden, unterſucht, und die Grenz⸗ 
irrungen zwiſchen Draheim und Pommern kuͤnftig ausgemacht werden. Die vom 
vorigem und jetzigem Jahr aus dem Herzogthum zu bezahlende Gelder könte man ihm 
um fo weniger nachlaſſen, da dem Königreich Polen die Unterhaltung der Beſatzung 
in Marienburg nicht zuſtuͤnde. Den Stillſtand mit Schweden aber gedenke man 
heilig zu beobachten., Der vornehmſte unter den Kronwerbern war unſtreitig der ͤͤlte⸗ 
ſte Prinz des verſtorbenen Königes Wladislaus. Der Churfuͤrſt ſchrieb daher an den 
damals noch lebenden König von Schweden, daß derſelbe ſich keine Hofnung auf dle 
polniſchen Wahlſtimmen zu machen hätte. Georg Wilhelm beſchickte zwat auch den 
Wahltag durch Geſandte, und verlangte zu Ablegung der Wahlſtimmen zugelaſſen zu 
werden. Allein wegen der beſtaͤndigen dagegen ftreitenden Gewohnheit und des Ges 
ſchreies einiger Landboten, war nichts zu erhalten. Wladislaus wurde wirklich im 
Nov. zum Könige in Polen erwählt. Der Churfuͤrſt George Wilhelm ließ dem» 
ſelben zu Erlangung der königlichen Krone feinen Gluͤckwunſch ablegen, ihm feine Bes 
ſchwerden als Herzog von Preuſſen vorftellen, und um Veſtſetzung der Zeit zur Be⸗ 
lehnung Anſuchung thun. Ob man nun gleich 1633 von ihm verlangte, daß er die ſchlech / 
ten fremden Muͤnzen aus feinem Herzogthum Preuſſen ſchaffen, und wegen einer neuen 
Muͤnze mir Polen ſich einverſtehen ſolte, fo hinderte doch ſolches nicht die dehnsempfaͤng · 
niß. Die deutſchen Angelegenhelten gaben eine hinlängliche Entſchuldigung das lehn 
wegen Preuſſen nicht in Perſon, ſondern durch den churfuͤrſtlichen Geſandten Grafen 
Adam von Schwarzenberg ſich reichen zu laſſen dd. 


u. 3. | 


1632. 


GBruſtav Adolph batte ſchon vor ſeinem blutigen Ende den Orenſtirn abgefertis Georg Bit 
get, um der Verſammlung zu Ulm beizuwohnen, welche wegen einer genauern Ver, Be 
bindung von den Proteſtanten der obern Reichskreiſe gehalten wurde. Die Rach ynuenen. 
richt von dem Tode des Königes verhinderte ihn zwar daran. Es hatte aber dieſer 

a ſchwediſche Reichskanzler, dem die Einrichtung des ganzen deutſchen Krieges aufge⸗ 


g 40 Lengnich Th. 6. Theätr Eur. ad h. a. . 
P allg. preuß. Geſch. 4 Th. Dodd 


1633, 


578 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 

tragen worden, mit einigen Ständen zu Frankfurt Unterhandlungen, welche abzicl⸗ 
ten das Vorſteheramt der Proteſtanten, das ſeit der Leipziger Verſammlung wieder bey 
Sachſen geweſen, der Krone Schweden zu verſchaffen. Er fand daſelbſt ziemliches 
Gehör. Allein deſto kaltſinniger wurde ſolches in Dresden aufgenommen, als er in 
Teſen daß dus — Don. am ke ed it een ee 

ſchon eiferſuͤchtig auf weden geweſen, und auf Mittel zu denken „ſich 
une Kaiſer auf eine gute Art zu ſetzen. Der Churfürft von 8 
Wilhelm bemuͤhete ſich zwar auf einer Zuſammenkunſt zu Dresden den ſächſiſchen 
Hof zu bewegen, ſich das Vorſteheramt der Krone Schweden vor die Proteſtanten ge 
fallen zu laſſen. Es halt aber ſchwer feine Abſicht zu erreichen, wenn man einem an 
rathen will, ſeine Vortheile aufzuopfern. In Berlin fand Orenſtirn alfo geneigteres 
Gehör, als er daſelbſt angekommen. Die Hofnung einer Bermälung 
mit der jungen ſchwediſchen Königin Chriſtina verband den brandenburgfch 
genau an Schweden. Daͤnnemark ſuchte zwar eben damals zu Leutmeritz e 
Frieden zu unterhandeln. Aber Schweden hatte nicht zuſt den Krieg beendiget zz 
hen, ſondern nahm ſich vor Eroberungen zu machen. Der Churfuͤrſt von 2 rande 
burg gab alſo auch dem Koͤnige von Daͤnnemark deutlich zu verſtehen, daß es ſich 
mit ſeinen Unterhandlungen nicht uͤbereilen ſolte, weil noch keine genugſame Sicherhe 
vor die Proteſtanten zu hoffen ſey. Er erinnerte im Gegentheil die Stände de 
niſchen, fraͤnkiſchen und ſchwaͤbiſchen Kreiſes alles Mißtrauen, alle Uneinigkeit 
ren zu laſſen, und von Schweden ſich nicht zu trennen. Dies hatte die W. 
daß als die beſchloſſene Verſammlung der oberdeutſchen Proteſtanten vom 
Heilbronn verlegt worden, ein Bund zwiſchen ihnen und Schweden zum e 
Tam. Er ward gegen den Kaiſer und die Liga mit Auschlieſſung aller Parte 
zu Erhaltung der Rechte und Freiheiten des deutſchen Reichs und des fand. 1 
gions friedens, zu Wie derherſtellung der proteſtantiſchen Staͤͤnde und zu 5 
für Schweden hinlaͤnglichen Genugthuung, geſchloſſen. Axel Orenſtirn ſolte « 
mächtigter dieſer Krone das Vorſteheramt haben, doch ſo, daß ihm aus denen 
ein gewiſſer Rath an die Seite geſetzt wurde. Auf dieſer Verſammlung wurden 
die Erben Friedrichs 5 zum Sitz und Stimmrecht zugelaſſen. Schweden 
in die eroberten pfaͤlziſchen Lande wieder eingeſetzt, und ſich dadurch al 


verſtorbenen Churfürften von der Pfalz verbindlich gemacht. Die } ilbre . 
Bundesgenoſſen ertheilten unter andern dem ſaͤchſiſchen und br iburgiſchen Chur 
fürften von ihren Schhäffen Nachricht. Jener misbilligte ſonderlich, daß wan 
das Vorſteheramt entzogen, welches ihm zu Leipzig zugeſtanden worden. G 
Wilhelm aber blieb treulich bey Schweden, und bezelgte ſeine Hochachtu 39 
verſtorbenen König, auch gegen deſſen teiche. Dieſe war von Naum OR 
tenberg nach Wolgaſt gebracht, und von hier ſolte ſolche nach Sch 
Als das letztere geſchahe, wohnten der Churfuͤrſt Georg Wilhelm, die 
der Churprinz, des Churfuͤrſten Prinzeßin, die verwüwete Churfuͤrſtin 8 


az eu zz zeVzeize ve. 2 = 


— 


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Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 579 
mit dem ganzen Hofſtaat dem feichengepränge , welches bey Abfuͤhrung der königlichen 
leichen angeſtellet wurde, mit bey. Ohnerachtet er aber weder von der verwitweten Koͤ⸗ 
nigin zu Wolgaſt, noch von den ſchwediſchen Reichsraͤthen genugſame Verſicherung 
wegen der fünfrigen Erbfolge in Pommern erhalten konnen, fo bewies er doch feine 
Anhaͤnglichkeit gegen die Krone Schweden thätig bey der Fortſetzung des Krieges. Nach 
dem Stege bey Fügen und der Berjagung der Kalſerlichen aus Sachſen, konten zwar die 
Bundesgenoſſen mit vereinigten Kraͤften in die öſterreichiſchen Erblaͤnder einfallen, 
und den Frieden erzwingen. Aber die Schweden nahmen andere Maaftegeln. Sie 
theilten ihre Volker in verſchiedene Heere, um überall denen Proteſtanten luft und 
Herze zu machen. Oxenſtirn ſchickte einen groſſen Theil der Völker nach Nieder⸗ 
ſachſen ab, wo George Herzog von Luͤneburg befehligte. Herzog Bernhard von 
Weimar gieng mit einem andern Haufen nach Franken ab. Horn war am Rhein 
und der Ältere Graf von Thurn ſolte nebſt denen Sachſen und Brandenburgern in 
Schleſien fechten. Die kaiſerlichen Feldherrn Gronsfeld und Merode wolten Ha⸗ 
meln entjegen, wurden aber vom Herzog Georg von Luͤneburg bey Oldendorp ges 
ſchlagen, worauf ſich Hameln ergab, und ein groſſer Theil von Weſtphalen denen 
Bundesgenoſſen in die Hände fiel. Der ſpaniſche Feldherr Herzog von Feria, der 
aber bald darauf ſtarb, muſte auf kalſerliches Verlangen mit 30006 Mann aus Ita⸗ 
lien nach Deutſchland kommen, und ſich mic dem Altringer vereinigen. Dies gab 
den Schweden und ihren Bundesgenoſſen in Oberdeutſchland genung zu thun. Man 
hielt ſich das Gleichgewicht, beſonders da ſich die ſchwediſchen Feldherrn Herzog Bern⸗ 
hard von Weimar, Horn und Pfalzgraf Chriſtian bey Stöͤkach vereiniger hatten. 
Als die Kaiſerlichen aber fich nach dem Rheine wandten, trenneten fich auch die Bun⸗ 
desgenoſſen, worauf Herzog Bernhard Regensburg und Straubingen in ſeine Ge⸗ 
walt brachte. Ich muß aber beſonders zeigen was zwiſchen dem Wallenſtein und 
feinen Feinden vorgegangen, weil hiebey die brandenburgiſchen Volker und lande vor⸗ 
zuͤglich in Betrachtung kommen e). aan f 


1 


26 


1633. 


§. 26. g 
Des Georg Wilhelms Volker ſtanden in Schleſien. Sie hatten die Wins Wallenſtein 


terlaͤger jenſeit der Oder gehabt, wie denn der brandenburgiſche Oberſt Hans Hen — — 
rich von Kötterig mit einem brandenburgiſchen Regiment Fußvolk bis in den Jun gehet aber, 

im Fuͤrſtenthum Oels ſtand, dem auch etliche Compagnien des Obriſten von Borgs⸗ ohne Berlin 
dorf unter Befehl des Joachim von Goltz folgten. Wallenſtein, der im Mun, ya e, 


ſterbergiſchen ſtand, ſuchte ſich aber fo viel möglich zu verſtaͤrken, und fein ganzes 
Betragen war ſehr zweideutig. Bald ſchien es als wenn er etwas wichtiges unterneh⸗ 
men und in Sachſen und Brandenburg einbrechen wolte, bald ſchlug er Friedensbe⸗ 


| dingungen von ſonderbarer Art vor. Georg Wilhelm ſuchte ſich auf alle Fälle bes 


teit zu halten, und ließ aufs neue ein kandaufgebot gegen die immer mehr anwachſende 
Macht Wallenſteins zur Beſchuͤtzung der Mark ergehen. Es war ſolches um ſo viel 
\ nd 1 ag 1293 12 Do ddd 2 57 - If * v9 nöthi⸗ 


e) Theatr. Eur, ad h. a, Kbevenbüller ad h. a. Puffendorf I. e. ad h. a. Lond. Ad. Publ. T. 44 


* 


580 3%. 10 Bauptfi; Neuere Geſhichte von Brandenburg. 


nöchigerba Sachſen wenigſtens bier die oberſte Verwaltung der Kriegsangelegenheiten be⸗ 
haupten, und deſſen Feldherr Arnim einen Vorzug in Anfuͤhrung der vereinigten Macht 
über den alten Grafen von Thurn haben wolte. Dieſe Eiferſucht machte, daß die Bun⸗ 
deegenoſſen eben nicht viel ausrichteten, wobey man ſich zugleich durch Wallenſteins 
vorgeſchlagene Friedens bedingungen einſchlaͤfern ließ, fo ſonderbar ſelbige auch waren. 
Unter andern verſprach er, daß im kuͤnftigen Frieden alle verjagte, auch in den aiſer⸗ 
lichen Erblanden, wieder hergeſtellt, und die Schweden mit Geld abgefunden werden fol 
ten. Churſachſen und Churbrandenburg aber ſolten ihre gehabte Schäden zu allger 
meinem Beſten nicht zuruͤckfordern. Wenn der Kaiſer nicht Friede auf dieſe Bedin⸗ 
gungen machen wolte, fo fen er erbötig ſich mit den Bundesgenoſſen zu vereinigen, und 
ihn dazu zu zwingen. Und wenn man ihn zum Könige von Böhmen machen wolle, 
fo wolte er fo fort alles darin auf den Fuß ſetzen, wie es vor dem erſten Ausbruch des 
ganzen Krieges geweſen. Er theilte dieſe Gedanken dem Grafen von Thurn mit, 
und nahm ihn ein. Oxenſtirn ward davon unterrichtet , trauete aber nicht, und 
hielt davor, daß ſie mit der Abſicht Schwedens Eroberungen zu A ſich nicht 
verelnigen lieſſen. Bey Frankreich fanden ſie mehr Eingang, da Wallenſtein 

che dem franzoͤſiſchen Geſandten in Deutſchland Feuquieres bekandt gemacht. Er 
unterhandelte aber auch mit denen Churfuͤrſten von Sachſen und „ über 
einen Frieden. Vielleicht war es fein Ernſt damit, welches die Folge gl 

Er that aber unklug feine Herzensmeinung fo vielen Höfen, die ſehr e 
theife ſuchten, mitzutheilen, und die auf einander eiferfüchtig waren. f 
Hof bekam wirklich unter der Hand Nachrichten, die ihm des Wai N 
verbächtig machten. Man konte aber auf nichts gewiß fuſſen, weil der oberſte Feld 
herr der Kaiſerlichen bey allen feinen Vertraͤgen ſich immer fo aufführte,. daß er auch 
das Anſehen behielt, als wenn folche blos die Bundesgenoſſen zu beruͤcken angebracht 
waͤren. Unter andern ſtelkere er ſich, als wenn er mit der Hauptmacht auf Sachſen 
losgehen, und nur eine maͤßige Macht unter Schaafgotſch in Schleſien laſſen wol, 
te. Dies nahm wenigſtens der Arnim zum Vorwand, mit denen meiſten fächfi 

und brandenburgiſchen Völkern zur Beſchuͤtzung Sachſens dahin abzugeben, und 
ſich bey Dresden zu ſetzen. Er verſprach dem Grafen von Thurn: durch eine wicht 
ge Unternehmung in Böhmen die Kaiſerlichen zu nöthigen, alle ihre Macht 

wenden. Er that aber nichts. Indeſſen kam Wallenſtein mit aller ni 
legener Macht bey der Steinauer Bruͤcke unverſehens zum Vorſchein, und 

ſelbſt die Schweden aufs Haupt. Das. meifte in Schleſien fiel ihm 

Hande. Er beſetzte Eroffen und nahm Goͤrlitz mit Gewalt ein. Die 

ter Beſatzung zog ſich nach Cuͤſtrin und Frankfurt ergab ſich, f wie 

unter Bedingungen. Die Schanze bey Zantock ward erſtiegen. Se 
ſtreiſten durch die ganze Neumark und Mittelmark bis Pommern, verbrandten bie 
Muͤhlen und Fuͤrſtenwalde, und ſeine Völker wirt ſchafteten überall, auf das grau 
famfte. Er beſetzte Sanden und Koͤpenick, und Pr Heer naͤherte fich, da es über 


b. f 


. EEE um m zum m es messe men ve ss 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 557 
die Warte und Spree gegangen, Berlin. Der Obriſt Volkmann bielt die Be, 1633 
ſatzung viel zu ſchwach, damit Berlin zu vertheidigen, verließ daher ſolches, und gieng 
über die Havel. Wallenſtein verlangte ſchon von der chürfürſtlichen Wohnſtadt 
50000 Thaler Brandſchatzung und für fünf Regimenter Einlager. Er ließ durch eis 
nen Trompeter Abgeordnete des Raths erfordern, um Über die lieferungen zu handeln. 
Sein Vortrab ſtand eine halbe Meile von Berlin. Mit einemmal aber ward dieſer 
Ort von ſeiner Furcht befreiet. Wallenſtein entfernte ſich mit groſſer Eilfertigkeit, 
theils weil die Schweden Regenſpurg eingenommen, theils und hauptſuͤchlich weil 
das fächfifche und brandenburgiſche Heer von Dresden herzukam. _ 6000 Mann wa⸗ 
ren bereits zu Beeskow angekommen, und ſolten auf Frankfurt gehen. Der bran⸗ 
denburgiſche Aufgeborh kam in die Waffen. Arnim ſchickte den Herzog Wilhelm von 
Weimar mit 3000 Pferden und 12 halben Carthaunen der Mark Brandenburg zu 
Huͤlfe. Banner kam mit einer ſchwediſchen Macht aus Pommern über Prenzlow her ⸗ 
bey, und verſtaͤrkte ſich mit denen in Mecklenburg angelangten friſchen Völkern. Der 
Obriſte Borgsdorf nahm Köpenick ein. Der brandenburgiſche Obriſtlleutenant 
Forchaymer und andere waren gegen kleine feindliche Parteien gluͤcklich. Die ſaͤch⸗ 
ſiſche Hauptmacht gieng über Bees kow gegen Frankfurt zu, ohne jedoch es einzuneh⸗ 
men. Wallenſtein hatte ſolches und Landsberg ſtark beſetzt, und zog ſich, an ſtatt 
nach Pommern zu gehen, und den Schweden den Ruͤckweg aus Deutſchland abzu⸗ 
ſchneiden, gegen die Oberpfalz. Dies nöthigte auch die Sachſen, zur Bedeckung 
ihres Landes abzugehen. Die Mark Brandenburg blieb alſo noch bis 1634 mit 1634. 
brandenburgiſchen, ſaͤchſiſchen, ſchwediſchen und kaiſerlichen Völkern uͤberſchwem ⸗ 
met, welche insgeſamt das Land ſehr ausſogen. Wallenſtein aber hatte ſich gegen 
den über die Donau zuruͤckgekommenen Herzog Bernhard zu ſichern, zurück gezo⸗ 
gen, und die meiſten kaiſerlichen Völker, wider den Willen Ferdinands 2, der fols 
che ins Reich gebracht haben wolte, in die Winterläger nach Böhmen verlegt. /). 


9. 27. 


Dies gab feinen Widerſachern Gelegenheit, alle feine Handlungen dem Kalſer Nach Wal; 
ſehr gefährlich vorzuſtellen. Der Churfuͤrſt von Baiern, der ſpaniſche Geſandte Graf u n 
von Ognate und die Jeſuiten brachten den Kaifer dahin, den Wallenſtein zum zwei, den die Eaifer: 
tenmal abzudanken, und ſeinen Prinzen Ferdinand zum oberſten Feldherrn zu verord⸗ * nen 
nen. Wallenſtein ließ darauf zu fäner Sicherheit von den vornefmften Vefeplshar gegr. 

bern eine Schrift unterzeichnen. Aber der Hof bekam durch Piccolomini und de Gra. 

na von allem Nachricht. Der Kalſer übertrug durch einen öffentlichen ſchriftlichen Ber 

fehl uͤber alle feine Volker dem Gallas die Anfuͤhrung, und erklaͤrte den Wallenſtein 

und feine Anhänger vor Auftuͤhrer. Nun war es dem Wallenſtein Ernſt, ſich in 

die Arme der Evangeliſchen zu werfen. Zu feinem Ungluͤck zauderte der Herzog Bern 

ii Dodd d 3 hard 


N W 1 7 4 h. 4, Theatr, Europ, ad k. a, Kbevenbüller ad. h. a. Londorp. AR 
7 Publ, 4 > 


1634. 


ſchaͤftig. Die Schweden belagerten Landsberg, und zwungen den 


erreichen konte, auch auf den Ort 8 halbe Carthaunen, ohne dem vielen e 


582 2 Th 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


hard, ſich mit ihm zu vereinigen. Denn der beruͤhmte Wallenſtein word indeſſen zn 
Eger nebſt einigen feiner vornehmſten Anhänger, hauptſoͤchlich durch den Dienſt Fab 
ſerlicher Kriegsbefehlehaber, aus ſchottiſchem Volk gebürtig, ermordet. Viele kal; 
ſerliche Völker und Anführer wolten zwar ihr Misvergnügen daruͤber öffentlich zeigen, 
aber man ließ fie nicht zu Kräften kommen. Die Kalſerlichen verloren aber während 
der Zeit ihre Beſitzungen in der Mark. Borgsdorf der jüngere zeigte ſich ſehr ges 


den Ort mit Beringungen zu übergeben. ' Die Sachſen giengen nach Schleſien . 
befochten unter Arnim bey Liegnitz einen Sieg. Der Churfuͤrſt v 
nahm ſich vor, mit Bannern Frankfurt anzugreifen. Er kam nach Berlin, ı 
gieng von da nach Moͤnchberg ab, wo er feine Krlegsvölker mit Banners 
vereinigte. Georg Wilhelm Hatte drey Regimenter Reuter, davon die Inhaber Her ⸗ 
zog Franz Carl von Sachſen⸗Lauenburg, Conrad Borgsdorf . Ehre 
Borsdorf hieſſen, und zwey Regimenter Fußvolk, nemlich Conrad 2 gs 
und Volkmann; die Schweden aber 10 Regimenter Reuter und 12 Regimenter jı 
Fuß. Dieſe Macht ward nachher bis auf 20000 Mann veritärfe, und damit die Ber 
lagerung von Frankfurt unternommen, worin Manteuffel Be Die 
fer wolte zwar die beften Sachen der Beſatzung unter Bedeckung von nn 
und in Sicherheit bringen laſſen. Aber die Belagerer hoben ſolche auf. Die 
tung wehrte ſich tapfer genug. Nachdem aber die 91 Fahnen Fußvolk un 
Reuter, welche davor lagen, fo nahe gekommen, daß man den Feind mit € 


ſchuͤtz, beſtaͤndig ſpielten, und dadurch die Thuͤrme am wan um 
Thore niedergeſchoſſen worden, endlich in der Stadt ſich auch 2 
zeigte, ſo dachte der Befehlshaber an die Uebergabe. Die Unterhandlungen 
wurden zweimal abgebrochen. Endlich kamen den 23ften May die Bevingum 
Uebergabe, mit des Churfuͤrſten Bewilligung, zur Richtigkeit. Der Ort ſolte 
Churfuͤrſten und Bannern eingeraͤumet werden, die Beſatzung mit Sack u 
aber ohne Fahnen, Stuͤcken und Kriegs beduͤrfniſſe, blos mit Ober / b 5 Unter 
freien Abzug erhalten; ihren Weg nach Liegnitz oder Glatz, ohne auf den ei 
manden zu ſchaden, nehmen; fo weit die evangelifche Grenzen hi 
mit Lebensmitteln nach Nothdurft verfehen werden; hingegen alle G fang 
Fuß ſetzen, die Ueberlaͤufer wieder an ihre Compagnien abgeben, und 
giſche abgenommene Fahnen zuruͤckgeben; jedem bey den Dag enſte an ⸗ 
zunehmen erlauben; die Stadt weder pluͤndern, noch die — 1 

Gut beſchaͤdigen; was in die Kirche gefluͤchtet, die in der Stadt befin er 
ſammlungen, ſonderlich des verſtorbenen D. Pelargi, die der Chutfürft erhandelt hat; 
te, in der Stadt laſſen, und was davon etwa weggebracht, wieder herbelſchaffen 3 
alles, was von andern Orten nach Frankfurt gefluͤchtet, allen Plunde 
was abweſenden kaiſerlichen Kriegsbefehlsgabern zuftändig, da laſſen; aller 


Br” 


* Ir. 3 x ‘ N . * 1 5 ER 


ef Georg Wilhem. 583 
derungen an dle Stadt oder andere Orte und churfürſtliche Unterthanen ſich begeben; 1634. 
und alles, was geborget, richtig bezahlen. Hierauf zog der Feind ooo Mann ſtarkk 
aus, obgleich der verwundete Manteuffel nicht gleich mitgehen konte. Die Belage⸗ 
rung hatte denen Belagerern 300 Mann gekoſtet. Der Churfuͤrſt ſelbſt hatte kein Feuer 
geſcheuet, ob ihm gleich eine zehnpfuͤndige Kugel nahe uͤber dem Kopf wegfuhr. Das 
vereinigte Heer gieng ſodenn auf Croſſen, da die Sachſen Grosglogau belagerten. 
Den aten Jun. gieng Croſſen über. Die Beſatzung muſte mit weiſſen Stäben aus⸗ 
ziehen, und wurde untergeſteckt. Ihren Kriegsbefehlshabern erlaubte man den Abzug 
mit ihrem Geräche, wozu jedem Hauptmann ein Wagen zugeſtanden iſt; nur muſte 
denen Einwohnern nichts entfremdet, alle Gefangene auf freien Fuß geſtellet, und Geiſ⸗ 
ſel zuruͤck gelaſſen werden, bis die den abziehenden Kriegsbefehlshabern mitgegebene Bes 
deckung ſicher zuruͤck gekommen; endlich ſolten alle Auſſenwerke ſofort, die Stadt ſelbſt 
aber den folgenden Tag uͤbergeben werden. Hierauf ward von Sachſen, Branden⸗ 
burgern und Schweden der Krieg weiter nach Schleſien und Boͤhmen geſpielet, 
und in beiden kaͤndern machte man groſſe Eroberungen, bis die Sachen der Schwe⸗ 


den in Deutſchland in groſſen Verfall kamen g). 5 
> it $. 28. | N 
Die Proteſtanten waren theils des Krieges muͤde und theils auf Schweden eis Die ſachen 


ferſuͤchtig. Churſachſen konte ſich nicht entſchluͤſſen, die Verwaltung der proteſtan⸗ 3 


tiſchen Angelegenheiten Schweden zu uͤberlaſſen, warum ſich doch Orenſtirn immer habſucht und 
mehr bearbeitete. Churbrandenburg aber war wegen des kuͤnftigen Anfalls von ungläck in vers 
Pommern beſorgt, welches Schweden im Befig batte. Es kam immer deutlicher 

an den Tag, daß ihre Abſicht dahin gehe, dieſes land ſich zur Genugthuung und 

Schadlos haltung zuzueignen, und den Churfuͤrſten von Brandenburg, der nach kuͤnf⸗ 


tigem Tode Bogislai 14 einzig und allein darauf berechtiget war, mit einigen Stif⸗ 


tern und einem Theil Schleſiens zu entſchaͤdigen. Dieſer Entwurf konte dem Georg 
Wilhelm unmöglich anſtehen, daß er ein ſo wohl gelegenes fand, worauf er, nach 
dem Urtheil der ganzen Welt, unſtreitiges Recht hatte, mit etwas andern vertauſchen 
ſolte. Dies zeigte ſich ſonderlich auf denen Verſammlungen, die auf Oxenſtirns 
Veranſtaltungen gehalten wurden. In Halberſtadt verſammleten ſich die Proteſtan⸗ 
ten aus Niederſachſen. Sie beſchloſſen, 16600 Mann zu Fuß und s200 Pferde zu 
unterhalten. Der Herzog Georg von Luͤneburg und der ſchwediſche Feldherr Jo⸗ 
hann Banner ſolten dieſe Völker anführen, und Orenſtirn den Angelegenheiten ver 
Bundes genoſſen vorzüglich vorſtehen, doch fo, daß ihm ein Rath an die Seite geſetzt 
ward. Der oberſaͤchſiſche und weſtphaͤliſche Kreis wurden gleichfals zu einem Buͤnd⸗ 


niß mit Schweden eingeladen. Aber die den Schweden zu leiſtende Genugthuung 


und die Vereinigung mit den obern Kreiſen verſchob man auf eine allgemeine Verſamm⸗ 

n ta tts . lung 

) Puffendorf I. e. Theatr. Europ. ad b. a. Khevenballer ad h. a. Londorpius Act. Publ, 
T4. 


1634. 


in ihre Hände fiel. Aus Italien kam nunmehr unter dem Infant Ferding 


584 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


fung der Proteſtanten, die zu Frankfurt am Main gehalten werden ſolte. Es hat; 
te dieſelbe auch ihren Fortgang. Frankreich verlangte darauf, daß man ihm Phi⸗ 
lipsburg einräumen möchte. Openftirn war dieſem Geſuch unter der Hand enges 
gen, und Feuquieres widerſetzte ſich im Gegentheil denen eigenen Abſichten des Drei 
ſtirn, ſich ein Gebiet am Rhein zu erwerben. Zur Vereinigung aller Proteſtanten 
in ein gemeinſchaftliches Buͤndniß mit Schweden und Frankreich gaben ſich aber bel 
de alle Muͤhe. Aber die Handlungen dieſer Verſammlung waren vielen Streitigkeiten 
unterworfen. Man konte ſich weder über die Unterhaltung der Kriegs volker, noch 
über die Vereinigung vergleichen. Das Vorſteheramt der Proteſtanten aber und die 
Genugthuung Schwedens machten die meiſten Schwuͤrigkeiten. Churſachſen war 
in dem erſten und Churbrandenburg in dem andern Stuͤck denen n ganz zu- 
widet. Der erſte ſtellte die Abſichten Frankreichs und Schwedens auf deutſche Er⸗ 
oberungen verhaßt vor, und weil Frankreich bereits die trieriſche lande nebſt Lothrin⸗ 
gen und einem Theil von Elſas im Beſit harte, auch Philipsburg belagerte, und 
nach dem Frieden wieder abzutreten verſprach, ſo fiel das, was rug, in 
die Augen. Die Schweden lieſſen auch durch Oxenſtirn deutlich merken, 0 „ 
mit Gelde noch einigen Scuͤcken kandes von dem, was man der Liga und dem Haufe 
Oeſterreich abgenommen, ſich begnügen könten. Sie begehrten ern, 
wolten an Churbrandenburg, fo auf den Todesfall Bogislai 14 ein ganz ungeprweife 
Recht auf Pommern hatte, einige Biſchofthuͤmer zur Schadloshaltung geben. Di 
widerſprach der brandenburgiſche Geſandte aus allen Kräften. In der That ware 
auf diefer Verſammlung geneigter, die fremden Gäfte aus Deutſchland zu verttei 
als ihnen zu den vorhabenden Eroberungen behuͤlflich zu ſeyn, und blieb ud 
ſachſen in dleſem Vorhaben veſt. Doch waͤhrender Verſammlung hatte r g 
vieles geändert. Der König von Ungarn, dem Gallas und Piccolomini de 
lenſteins Volker zugefuͤhret hatten, vereinigte ſich mit den Baiern, wei he 
bingen erobert hatten. Sie giengen mit geſamten Kräften vor Regenſpurg, wie 
ches auch nach tapferem Widerſtande wegen der ſchlechten Einigkeit zwiſchen der Her 

zog Bernhard von Weimar und dem ſchwediſchen Feldherrn Horn den ı6ten 9 l 


Spanien eine Verftärfung von 12000 Mann an, die ſich mit den Kaſſerlie 
nigten. Dieſe belagerten jetzt Noͤrdlingen. Herzog Bernhard glaubte 
wegen der andern Reichsſtͤͤdte dieſen Ort entſetzen müffe. Auf Gurbe 
ward endlich beſchloſſen, vor der Ankunft des Rheingrafen kelne Schlacht 
ſondern ſich nahe an die Stadt zu ziehen, und auf den Arensberg zu ſetz 
den Feind zu nörhigen, die Belagerung aufzuheben. Bernhard fuͤhrte dieſ 
den 26 ſten Auguſt gluͤcklich aus. Aber nachdem fi) Horn durch Hofkirch 
einiger Vorgeben, bewegen ließ, den Angrif den 26ſten Auguſt fortzuſetzen, 
andere von Spaniern und Italiaͤnern beſetzte Anhöhe wegzunehmen, fo ton 


ſchlagen. Bey dem Zurüͤckzuge kam der von ihm angefuͤhrte rechte g 


a Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 585 
Unordnung, daß Guſtav Dorn frIöft gefangen, und das ſchwediſche Heer den 27ſten 
Auguſt gan lich zerſtreuet wurde. Die Nachricht von dieſer Niederlage machte der 
Verſammlung zu Frankfurt ein Ende, und Philipsburg ward ohne ferneres Beden⸗ 
ken denen Franzoſen eingeräumt. Die Kaiſerlichen verfolgten aber ihren Sieg nach 
Wunſch. Der König von Ungarn uͤberfiel das Wuͤrtenbergerland, die Baiern gien⸗ 
gen vor Augſpurg, der Herzog von Lothringen wendete ſich nach dem Elſas, und 
der Infant von Spanien räumte auf feinem Zuge nach den Niederlanden nebſt Pics 
colomini am Main alles auf. Die Proteſtanten der obern Kreiſe ſuchten ſich nun 


"durch ein Buͤndniß mit Frankreich zu helfen, das zu Paris zum Stande kam. Frank⸗ 


reich verſprach darin, ſich öffentlich gegen Oeſterreich zu erklaͤren, am Rhein ein 
Heer zu halten, und 2000 Mann deutſcher Völker auf feine Koſten zu beſolden; wogegen 
man ihnen Elſas unter der Bedingung einraͤumte, daß ſolches nach dem Frieden ohne 
Entgeld zurück gegeben werden ſolte. Oxenſtirn, der die Noͤrdlinger Schlacht feine 
zweite ſchlafloſe Nacht zu nennen pflegte, war der Meinung, daß man die deutſchen 
Stände fechten laſſen, und die Schweden nur Pommern zu vertheidigen ſuchen ſol⸗ 
ten. Das gefaͤhrlichſte bey dem allen waren die Friedensunterhandlungen des Chur⸗ 
fuͤrſten zu Sachſen mit dem Kaiſer zu Pirna. Die Eroberungen der Bundesgenof 
fen in Böhmen hatten der Noͤrdlinger Schlacht das Gleichgewicht halten können, 


wenn Churſachſen mit den Schweden und den obern Reichskreiſen ſich einverftanden 


Härte. Aber das entriffene Vorſteheramt der Proteſtanten ſchien Churſachſen un 
erträglich, und die vom kaiſerlichen Hofe angebotene beſondere Vortheile ſehr annehm⸗ 
lich. Bey denen Unterhandlungen zu Pirna ſtieß es ſich nur noch an zwey Sachen. 
Sachſen verlangte eine allgemeine Vergebung und Verſöhnung vor die wider den Kai⸗ 
ſer in den Krieg verwickelte Proteſtanten, und beſtund auf der Abſchaffung des kai⸗ 
ſerlichen Befehls wegen Wiedergabe der Kirchenguͤter. Während dieſen Unterhandlun⸗ 
gen kamen die übrigen Proteſtanten wegen Fortſetzung des Krieges zu Worms zw 
ſammen. Sie uͤbertrugen dem Herzog Bernhard von Weimar die Einrichtung des 


Krieges. Aber ihre Unterhandlungen waren mehr eifrig als fruchtbar. Der Chur⸗ 


fuͤrſt von Brandenburg hielt den ı6ren Dee. einen Landtag zu Berlin, wo der fran⸗ 
ſiſche Geſandte Rorte ihn in Verbindung gegen den Kaifer zu erhalten, der aus Dres⸗ 
den angekommene Obriſt Borgsdorf aber zum Frieden geneigt zu machen ſich bemüs 


heten. Das letzte geſchahe auch auf einem andern Landtage, den der Churfuͤrſt gleich 
zu Anfang des folgenden Jahres zu Berlin hielt, durch den von Arnim und andere 


füchfifche Geſandten. Die kaiserlichen Waffen hatten fich Franken und beinahe ganz 


Schwaben unterworfen. Am Rhein hatten fie ebenfals guten Fortgang. Sie über, 
rumpelten zu Anfang des Jahres 1635 Philipsburg, und Herzog Bernhard hatte 


ſich über den Rhein zurück ziehen muͤſen. Trier, wo eine franzöfifche Beſatzung 
lag, wurde von den Spaniern uͤberrumpelt, und der Churfuͤrſt, weil er fic in fran⸗ 
zoͤſiſchen Schutz begeben, gefänglich weggefuͤhret. Bey dieſen Umftänden erneuerten 
zwar Frankreich und Schweden ihr Buͤndniß. Ludwig 13 ſchloß ein Angreifungs⸗ 

P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ee ee und 


1634. 


1635. 


585 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geschichte von Brandenburg. 

1635. und Beſchüͤtzungsbuͤndniß mit · den Hollaͤndern gegen die Spanier, und kuͤndigte den 
letztern den Krieg an. Bey dem allen war der Frieden von mehrerer Wr web 
chen der Kaifer mit Sachſen ſchloß 2). 


Der dur: a Dieſe Friedeneuntethandlungen waren Bu Pirna nach Prag verlegt. Chur 
fuͤrſt von ſachſen maßte ſich das Recht an, den zoften May im Namen des ganzen Reichs ei 
e nen völligen Frieden mit dem Kaiſer abzufchlieffen. Der Inhalt deſſelben beſtund dar; 
Brose frie im: daß alle mittelbare Stifter, welche vor dem paſſauiſchen Vertrage — 

frieden eingezogen worden, nach der Verordnung des letztern, de 

ſpurgiſchen Glaubensbekaͤnntniſſes auf beſtaͤndig, alle unmittelbare aber, — 
jenige mittelbare Stifter, welche nach dem Religions frieden in ihre Gewalt gekommen, 
ſo viel fie deren im Jahr 1627 den ızten Nov. neuer Rechnung, inne gehabt, nur auf 
vierzig Jahr, doch ohne Sitz und Stimme, woferne ſie ſolche nicht hergebracht, vers 
bleiben; Magdeburg, wovon Querfurt, Jüterbock, Dame und Burg für Chun 
ſachſen ausgezogen werden, dem Herzog Auguſt auf lebenslang; dem Erzherzoge Leb / 
pold Wilhelm Halberſtadt gelaffen; Donawerth nach Erſtattung der Kriegeskoſten 
wieder hergeſtellet; der Punkt, die Vergönnung der freien Religions uͤbung in den fair 
ſerlichen Erblanden, und die Gleichheit der Religion bey dem ne 
hofrath betreffend, ausgeſetzt; der Ehurfürft von der Pfalz von der Ausföhnung, 

ge des Schluſſes zu Muͤhlhauſen, ausgeſchloſſen: der Churfuͤrſt von f 
mit eingeſchloſſen, und ihm feine Rechte auf Pommern vorbehalten; auch die 
einigung und Erbverbruͤderung zwiſchen Sachſen, Brandenburg und N 
Kräften bleiben; die Herzoge von Mecklenburg, wenn ſie dieſen — 
men wuͤrden, bey ihren kanden gelaſſen; auch den Übrigen Standen, 
thun wuͤrden, die abgenommene Oerter und Lande wieder eingeraͤumet; allen, auffet 
denen, welche in den boͤhmiſchen und pfaͤlziſchen Haͤndeln verwickelt geweſen, um a 
welche in dem Nebenvergleich ausgenommen waren, die Verzeihung 
ſaͤmtlichen Kriegeewölfer zur Vollſtreckung dieſes Friedens und zur bung d. 
waͤrtigen Feinde vereiniget; und zu dem Ende 12d Römermonate von Reichs wegen ve „ 
williget werden ſolten. Dieſem Hauptvergleiche wurden noch befondere Dieb 
beigefuͤget. Der erſte betraf die Religionsfreiheit Schleſiens; der zwe e die 
tuuͤmliche Abtretung der Lausnitz an Churſachſen; und der dritte dieſenigen, 

ton der Ausſ öhnung ausgeſchloſſen waren, als die Erbunterthanen des Haufe Oeſterre 
diejenige, welche in dem Rath der obern Kreiſe geſeſſen, wie auch Würtemk rg, Ba 
den, Durlach, die Grafen von Löwenſtein, Erpach, Iſenburg Büdingen, 2 
tingen reformirten Theils, Naſſau, Hanau: Muͤnzenberg und Lichtenberg, 
und Wied, den Grafen George Friedrich von Hohenlohe, Maximilſam € 
von Pappenheim, den Grafen von Eberſtein, die Herren von Freiberg e 
gen, wie auch gewlſſer maſſen kandgraf r e. von Heſſen. Von di : 


) Puffendorf Theatr. Europ. Rbevenbuller, a T. ui 


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4 


* 


— 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. ö 587 
ge hatte der Kalſer und Churſach ſen allen Vorcheil, ohnerachtet der letztere Hof in einem 


vertraulichen Schreiben an Churbrandenburg freilich allerhand Gründe beizubringen 


wuſte, warum er von Schweden abgetreten. Der Churfuͤrſt von Brandenburg 
war mit der Hofnung abgeſpeiſer, daß er luͤuftig zum Beſitz von Pommern kommen 
ſolte. Churpfalz verlor feine Würde und tande, Viele Fuͤrſten und Herrn wurden 
der willkürlichen Gnade des Kaiſers uͤberlaſſen. Alle Proteſtanten überhaupt aber in 
wahrſcheinliche Furcht geſetzt, die geiſtlichen Güter kuͤnftig einzubuͤſſen. Es iſt nicht 
zu läugnen, daß Churſachſen feine erhaltenen Vortheile in der folgenden Zeit theuer ers 
kaufen muſte. Seine Lande, die bisher ziemlich geſchont waren, wurden nachher in 
den Grund verwuͤſtet, und die Schweden raͤchten ſich bey aller Gelegenheit, daß man 


fie aufgeopfert, ohnerachtet der Konig von Schweden fogar mit Aufſetzung feines tes 


bens bisher der Schutzgott Sachſens geweſen. Allein die übrigen Proteſtanten wur⸗ 
den faſt eben ſo wenig geſchont, ohnerachtet ſie bey dem Prager Frieden mehr Scha⸗ 
den als Vortheil zu gewaͤrtigen hatten. Churbrandendurg nahm ihn unter allen Pro⸗ 
teſtanten zuerſt an, weil es dieſen Frieden vor das einzige Mittel hielt, Pommern 
zu erhalten. Seine Antwort an Oxenſtirn zeigt daß Pommern ihn hauprfächlic) das 
zu bewogen. Seinem Beifpiel folgten nach und nach die übrigen Proteſtanten, die 
noch was zu verlieren hatten. Blos diejenigen, welchen die Gnadenthuͤr völlig ver⸗ 
‚ floffen war, die aber alle ihrer lande ſich beraubet ſahen, und der Sache kein Ge⸗ 
wicht geben konten, blieben in der Verbindung mit Schweden. Der einzige fand» 
graf Wilhelm von Heffencaffel wolte ſich der Willkuͤhr des Kalſers nicht uͤberlaſſen, 
und widerſetzte fich nebſt dem Herzoge Bernhard von Weimar dem Pragerfrieven. 


Fiaſt das ganze übrige Deutſchland aber vereinigte ſich mit dem Kaiſer, um Frankreich 


und Schweden en Grenzen zu vertreiben. Der Churfuͤrſt von Branden⸗ 
burg ließ ſeit d Volker vor den Kaiſer fechten. Churſachſen hingegen ruͤck⸗ 
te nunmehr ins Feld. Banner verſammlete die ſchwediſche Macht 20000 Mann 
ſtark bey Magdeburg, darunter aber kaum 3000 geborne Schweden waren. Weil 
die uͤbrigen aus Deutſchen beftunden, fo machten die kaiſerlichen Abrufungsſchreiben um 
ſo mehr Eindruck, da man ihnen beigebracht, daß man fuͤr ihre Sicherheit und Be⸗ 


Zahlung ihres ruͤckſtaͤndigen Soldes Sorge tragen wolte. In dieſen mislichen Umftäns 


den kam Oxenſtirn zu Magdeburg an. Er ſowol als die ſchwediſchen vornehm⸗ 
ſten Kriegsbefehlshaber traten mit Sachſen in deſſen lager zu Schoͤnebeck in Unter⸗ 
handlungen. Man bot den Schweden fuͤr alle mögliche Anforderungen 5) drittehalb 
Millionen meißnifche Gulden, und bis zur Vollſtreckung des Vergleichs Stralſund 
zum Unterpfande an, wenn ſie Deutſchland verlaſſen wolten. Sie ſchienen anfaͤng⸗ 
lich dazu nicht abgeneigt, und hoften nach Ablauf des ſechsjaͤhrigen Waffenſtillſtandes 
mit Polen diejenigen Eroberungen, die ihr König in Polen gemacht, leichter zu er⸗ 
halten, als in Deutſchland welche zu ſuchen. Oxenſtirn hatte ſich zwar in Mag⸗ 
deburg mit dem Landgrafen von Heſſencaſſel genauer verbunden, er hielt aber feinen 
. a Eeee 2 laͤn⸗ 
1) Puffendorf. Theatr. Europ. Kbevenbüller, Lond. Ad. Publ. T. 4. 


1635. 


588 3 Th. 10 Hauptſt Neuere Geschichte von Brandenburg, = 


1635. laͤngern Aufenthalt an dieſem Ort vor zu gefährlich, da das anhaltende Mißvergnis 
gen feines Heeres wegen ausbleibender Bezahlung bereits in einen Aufruhr auszuarten 
anfieng. Oxenſtirn entfernte ſich alſo, um die Kuͤſte zu ſichern, nach Wismar. Ban⸗ 
ner hingegen gieng durch die alte Mark, wo die Schweden mitnahmen, was ſie in der 
Eil kriegen konten, ins Braunſchweigiſche. Das ſaͤchſiſche Heer, welches ſchon vor 
her Über die Sale gegangen, folgte ihnen auf dem Fuß. Es verhinderte den Oberſt 
Schlangen von der Stadt Tangermünde die auferlegte Brandſchatzung zu erheben. 
Die Sachſen nahmen die Schanze bey Werben und andere Platze an der Elbe in 
Beſitz, ſchonten jedoch des Landes fo viel möglich. Ihre Abſicht war, die Schwer 
den von Pommern und denen 12000 Mann abzuſchneiden, welche aus Preuſſen 
herausgezogen wurden. Frankreich war hiebey nicht wohl zu Muth, es verdoppelte alle 
Vorſtellungen, und machte ſich zu neuen Verſprechungen anheiſchig, um die Schweden 
auf deutſchem Boden zu erhalten, damit die ganze Saft des Krieges nicht endlich auf 
Frankreich allein fallen möchte. Hiezu war jedoch nothwendig den Schweden die Ruhe 
mit Polen zu verſichern, welche nach Ablauf des ſechsjaͤhrigen Waffenft e de 
zu gehen fehlen. Da aber ſelbſt die Polacken die Beibehaltung der Ruhe wünſchten, 
fo war alle Hofnung vorhanden, ſolche zu beveſtigen, da ſchon feit Anfang des Jahres 
daran gearbeitet worden. eee 

> $. 30. DE Par Een" 
Half aber den Der Churfärft von Brandenburg batte noch immer das 5 W 
Schweden zu Polen und Schweden beibehalten, und ſein eigener Vortheil nöthigte ihn ſolches mit 
einem 26jaͤhri⸗ l 5 2 x SR 
gen ftillftand allem Eifer zu treiben. In Preuſſen konte der Krieg, ohne daß der 1 ö 
mit Polen. ſche Antheil dabey litte, nicht fortgefeget werden. Man hatte ſolches vor dem getrof 
fenen Stillſtande erfahren, da das Land mit Durchzuͤgen und Ef ſehr mitgenom 
men worden, obgleich der Churfuͤrſt die Parteiloſigkeit ergriffen, die Polacken 
ihm inskuͤnftige zu geſtatten Bedenken trugen / ſondern verlangten, daß er entweder ſeine 
Macht mit dem Könige Wladislao wider Schweden vereinigen, oder die ſchwediſche 
Partey waͤhlen ſolte. Auf den letztern Fall konte das Herzogthum einer gaͤnzlichen Ber⸗ 


wuͤſtung nicht entgehen, und der Ehurfürft muſte befürchten, daß man ihm fogat das 
tehn einziehen möchte. Das erſtere war aber deswegen gefuͤhrlich, ö N 
den, fo lange fie Elbing und Pillau im Beſitz hatten, das fand gleichſam in ihrer 
Gewalt hatten, und mit demſelben nach eigenem Willen verfahren konten. Ein Frie⸗ 
de, wodurch Schweden Preuſſen räumen mufte, war das zuträglichfte. 6 elbigen 
deſto eher herzuſtellen wolte anfänglich der Churfuͤrſt in eigener Perſon nach Pre ſen 
kommen. Weil aber der damalige Zuſtand Deutſchlands ihn zuruck hielt, ernan te 
er an ſeine Stelle ſeinen Vetter den Marggrafen Siegmund von Bran enburg, 
den Andreas von Kreutzen Landhofmeiſter, Johann Georg von Saucken Kane, 
Bernhard von Königseck kandrath, Georg von Nauſchke Hofgerichter ch, und 
den Hofrath Peter Bergmann. Nebſt dem Churfürſten hatten Frankreich, 
England und die vereinigten Niederländer die Vermittelung auch uͤbernommen, der 

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Cuhurfuͤrſt Georg Wilhelm. ö 589 
ren Geſandten in Preuſſen anlangten, als die Unterhandlungen ſchon den 1zten Jan. 
zu Holland angegangen. Die polniſchen Geſandten hatten ihren Aufenthalt in Mo⸗ 
rungen, und die ſchwediſchen in Elbing. Hier ward aber nur vorbereltungswelſe 
abgemacht, daß in dem Gemach der Unterhandlungen drey Eingänge und drey Tiſche 
feyn ſolten, deren die polniſchen, ſchwediſchen und vermittlenden Geſandten ſich bes 
dienen konten, und die Hauptunterhandlungen folten den zaſten Jan. angehen. Pos 


len ſchlug zwar zu denenſelben das Dorf Hagenau zwiſchen Holland und Morungen 


und die brandenburgiſchen Geſandten das Dorf Hansdorf zwiſchen Holland und 
Elbing vor. Es blieb aber bey Holland auf Verlangen der Schweden. Schon 
den ıgten Jan. ward auf Brandenburgs Vorſchlag beliebt, weder im Schloß, noch eis 
nem brettern Gebaͤude auf dem Markt, ſondern in der Kirche zuſammen zu kommen, 
wo vor dem Altar ein dreieckigt Zimmer mit drey Thuͤren und Tiſchen von Brettern 
errichtet wurde. Man übertrug der brandenburgiſchen Geſandtſchaft die Gerichtbar⸗ 
keit derer Verbrecher aus dem Gefolge der unterhandlenden Mächte. Dieſes alles mach⸗ 
te, daß erſt den 24ften Jan. die Hauptgeſandten in Holland ankamen, und von den 
Brandenburgern bewillkommt wurden, die auch ſolche in dem Kirchenzimmer empfin⸗ 
gen, und jeden an ſeine Thuͤr und Tiſch anwieſen. Der preußiſche Kanzler hatte den 
Vortrag. Man verglich ſich die Vollmachten durch die brandenburgiſchen Geſandten 
einander zuſchicken zu laſſen. Die Urſchriften wurden den zten Febr. theils nach Es 
bing, thells nach Morungen geſchickt und zurück geſendet. Den sten ward eine neue 
Zuſammenkunft zu Holland gehalten, der bereits der engländifche Geſandte Dir 
glas beiwohnte. Allein uͤber die Worte der Vollmachten wurden die Unterhandlungen 
abgebrochen. Marggraf Siegmund kam alſo den gten Febr. in Holland zu ſpaͤt 
an. Auf dem polniſchen Reichstage, der während der Zeit angegangen, ward alſo 
der Krieg beſchloſſen. Dem Churfuͤrſten von Brandenburg und feinen Unterthanen fol 
te auf den Fall dle Partelloſigkeit nicht frey ſtehen, wogegen man ihn des polniſchen 
Schutzes verſicherte. Man fing an Kriegsanſtalten zu machen, und einige Orte im 
Herzogthum Preuſſen zu beſetzen. Well man nun ſolches geſchehen ließ, auch die Köͤ⸗ 
nigsberger auf Veranlaſſung des Königes Zuruͤſtungen machten, fo vermuthete man, 
daß der Churfuͤrſt ſich auf polniſche Seite fehlagen würde. Der König Wladislaus 
kam ſelbſt nach Preuſſen. Den öten Jul beſuchte er Koͤnigsberg, beſahe die Ber 
ſtungswerke und andere Anſtalten, rathſchlagte, wie Pillau von dieſer Seite anzu⸗ 
greiffen, und veifete ſodenn nach Thorn wieder ab. Die Schweden lieſſen es auch 


nicht an Anſtalten fehlen. Im Jun. wurden vom Churfürften den Schweden die 


in Verwahrung gehabte Orte, als den rıten das Weichſelhaupt, und den zoften Ma⸗ 
rienburg zuruͤck gegeben, wogegen die Schweden die ihnen anvertrauten Pläge raͤum⸗ 
ten. Der englaͤndiſche Geſandte und der brandenburgiſche Hofrath Bergmann 
hatten jedoch bey Wladislab noch erhalten einen abermaligen Ver ſuch zu neuen Unter⸗ 


bandlungen zu machen. Die Polen bellebten Marienwerder, dle Schweden Jo⸗ 


hannsdorf, die Vermittler Marienburg zu ihrem Aufenthalt. Durch die letztern 
N Eeee 3 En folte, 


1635. 


1635. 


590 2 ch. 10 Haupt. Neuere Geſhichte von Brandenburg 


ſolte, ohne daß ſich die ſtreitenden Parteien ſelbſt fprächen, alles verhandelt werden. Man 
verglich ſich, daß Stumsdorf der Friedensort ſeyn folte, Indeſſen kamen franzöſiſche 
und hollaͤndiſche Geſandten noch als Vermittler an. Den ꝛgſten May war in 
Stumsdorf die erſte Zuſammenkunft. Brandenburg, Schweden und Polen 
hatten hier vor ſich Zelter aufſchlagen laſſen. Die ſchwediſchen und polniſchen Ge ⸗ 
ſandten wurden von den brandenburgiſchen bewillkommt, und gaben ſolchen den Ger 
genbeſuch. Sodenn ſprachen ſich die ſtreitenden Theile mitten im Dorf unter freiem 
Hummel. Die englaͤndiſchen und brandenburgiſchen begleiteten die Polacken, die 
Franzosen und Holländer die Schweden. Den 28ſten May wolten fie wieder zu ⸗ 
ſammen kommen. Indeſſen ſetzten die Vermittler ihre Beredungen auf dem marien⸗ 
burgichen Schloſſe fort. Den 28 ſten und zoſten May, den iſten, aten und gien 
Jun. waren Zuſammenkuͤnfte zu Stums dorf doch blos durch die Vermittler, die von 
einem ſtreitenden Theil zum andern giengen, ſelbſt aber ihre Beredungen im Zelt des 
Marggrafen Siegmunds hielten. Man richtete aber nichts aus, als daß der den unten 
Jul. zu Ende gehende Waffenſtillſtand bis zum iſten Aug. verlängert wurde. Die 
polniſchen Geſandten giengen ſodenn zum Könige nach Thorn, wohin ihnen die 
zöfifche, engländifche und hollaͤndiſche, auch Marggraf Siegmund 9 Der 
König that Vorſchlaͤge zum Frieden. Die Schweden ſchlugen einen Waffenſtill / 
ſtand auf 100 oder so Jahr vor. Zu den Unterhandlungen ward der bisherige 

ſtillſtand von Zeit zu Zeit verlaͤngert. Unterdeſſen beſuchte eee 
berg. Die Unterhandlungen wurden den raten Jul zu Stumsdorf durch die Bermit⸗ 
ler wieder vorgenommen. Da die Hofnung zum Vergleich wuchs, ſprachen 1 
den Parteien den zıften Aug zwiſchen beiderſeitigen Gezelten, ſo daß die polni 
franzöſiſchen und brandenburgiſchen, die ſchwediſchen aber von den eng 
und holländifchen geführer wurden. Die Vermittler fuhren indeffen in ihrer 

fort. Beinahe waͤre ſolche vergebens geweſen, da die ſchwediſchen 8 
azſten Aug. wegen der Uebung der catholiſchen Religion in Lefland ſich nicht mi 
Polacken einigen konten, und ſchon das Zeichen durch Trompeten und Paucken 
Aufbruch gaben. Die polniſchen lieſſen auch das Spiel rühren. Ihr © a5 1 
te, daß dies ein Zeichen zum Angrif ſey, und wolten die Schweden bereit 
anfallen, die ſich zur Gegenwehr anſchickten. Zum Gluͤck liefen der engl sit che u 
die polniſche Geſandte mit Lebensgefahr dazwiſchen, und ſtillten den kerm. Der gten 
Sept. kam endlich der 26jährige Waffenſtillſtand zur Richtigkeit. Die pr 
Geſandten wurden an dieſem Tage durch den franzöͤſi ſchen und die brandenburgiſchen; 
die polniſchen aber durch die engländifche und holländifche in das zwiſche . 
Parteien Zelten vor die Vermittler errichtete hoͤlzerne Gebäude begleitet. Alle fe 
an eine lange Tafel, wobey die brandenburgiſchen Geſandten vor denen holland 
den Vorzug behaupteten, daß ſie, ſo wie der franzoͤſiſche denen pol ſchen, zur r 
Hand Platz machten „da auf der andern Seite des Diſches die ſchw vediſche N 


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Churfünft Georg Wilhelm > Por 


Hier ward der Vergleich öffentlich verleſen. Nach ſolchem ſolte Polen und Schwe⸗ 
den bis zum ıften Jul. 1661 nach alter Rechnung einen Waffenſtillſtand haben. In 
der Zeit behält in Liefland jeder Theil, was er hatte. Die Schweden aber räumen 
ganz Preuſſen, nur daß fie bis zur erfolgten Genehmigung des polniſchen Reichs⸗ 
tags Elbing und Pillau im Beſitz behalten, nachher wird jenes an Polen und dieſes 
an den Churfuͤrſten zuruͤck gegeben. In der Zeit dieſes Waſſenſtillſtandes ſoll Polen 
aus den curlaͤndiſchen und preußiſchen Hafens keine Feindseligkeiten gegen Schwe⸗ 


den vornehmen, und darüber folten der Churfuͤrſt von Brandenburg als Herzog von 


Preuſſen, der Herzog von Eurland und die groſſen preußiſchen Städte die Gewaͤhr⸗ 
leiſtung übernehmen. Als eben dleſer letzte Punkt verleſen wurde, meineten bie 7] 
den, daß zu den groffen Städten auch Königsberg gehoͤre. Die len 
Geſandten aber widerſprachen, weil man im brandenburgiſchem Antheil den Unter⸗ 
ſcheid unter groffen und kleinen Städten nicht habe. Königsberg könne ſich auch des⸗ 
wegen zu nichts verpflichten, well es weder einen Hafen, noch ein Recht uͤber das Haf 
und den Pregel habe. Die Schweden wandten ein, daß demnach der Churfuͤrſt vor 
fi) und vor feine Stadt Koͤnigsberg die Gewaͤhr leiſten möchte. Hierauf bat der 
beiftepende koͤnigsbergiſche Geheimſchreiber Koie den krakauiſchen Biſchof um Er⸗ 
laubniß zu reden, und erinnerte, daß der Churfuͤrſt vor die Stadt nichts verſprechen 
konte, und wenn es geſchehe, ſolches von keiner Guͤltigkeit ſenn wuͤrde. Der ſchwe⸗ 
diſche Graf Brahe meldete, daß Koie fogar eine Verwahrungsſchrift eingereicht habe. 
Der preußiſche Kanzler Saucken nannte folche aber eine Schmaͤhſchrift, deſſen Verfaß⸗ 
ſer nicht ungeſtraft bleiben ſolte. Koie wolte behaupten: daß Königsberg dem Chur⸗ 
fürften nicht weiter, als die groffen Städte des polniſchen Preuſſens dem Könige uns 
terthaͤnig ſen. Saucken fiel ihm ins Wort und ſtrafte ihn grober Unwahrhelt, und 
der Marggraf Siegmund drohete ſogar den Koie, wenn es an einem andern Ort wärs 
re, mit dem Strange zu belohnen. Dieſer etwas hitzige Wortwechſel wurde endlich 
fo geendiget, daß man Königsberg uͤbergieng, und blos die groſſen Staͤdte des pol 
niſchen Preuſſens nannte. Die Unterzeichnung dieſes Vertrages wurde wegen der 
Rangſtreitigkeit des franzöfifchen mit dem englaͤndiſchen, und dem brandenburgi⸗ 
ſchen mit den hollaͤndiſchen Geſandten, bis den raten Sept. verſchoben. Endlich verglich 
man ſich, daß die Vermitler ſich der Unterſchrift gänzlich enthalten, und ihrer nur im 
Eingange alſo zu erwehnen, daß die brandenburgiſchen Geſandten, welche zu die⸗ 
ſen ganzen Unterhandlungen den Weg gebahnet, zwiſchen den Namen der polniſchen 
und ſchwediſchen Bevollmächtigten vorkamen, und darnach der franzoͤſiſche, die enge 
laͤn diſchen und hollaͤndiſchen Botſchafter folgten. Dieſer Vergleich ward in allen Stuͤcken 
erfullt. Noch vor Ende des Jahres ſtellte unter andern der Churfuͤrſt von Branden⸗ 


burg ſeine Verſicherungsſchrift wegen der übernommenen Gewaͤhrleiſtung aus. Auf 


dem polniſchen Reichstage, der zur Genehmigung dieſes Vergleichs gehalten wurde, 
ſchrieben die polniſchen Geiſtlichen den guten Fortgang der Unterhandlungen den Hei⸗ 
ligen zu, denen man aus Dankbarkeit zu Pillau eine Capelle zu bauen in Vorſchlag 

bu 


1635. 


592 3% 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. N 


1635. brachte. Sie waren aber unter ſich ſelbſt uneins, ob dieſe Ehre dem heiligen Albrecht, 
oder Maria, oder der gar allen Heiligen anzuthun ſen. Sie waren auf Pill au gefallen, 
weil ſie glaubten, daß nur deswegen daſelbſt die Schweden anlanden können, weil man 
die Verehrung des heiligen Albrechts bisher unterlaſſen. Dieſer unzeitige Eifer war 
auch von keinen Folgen, vielmehr wurde Pillau zu Anfang des folgenden Jahres von den 
Schweden dem Churfuͤrſten von Brandenburg überliefert. Jene verlangten zwar 
die Erſtattung der auf die Beveſtigung dieſes Orts verwandten Koſten, wenn ſie die 

von ihnen angelegte Werke nicht ſchleifen ſolten. Weil aber der Churfuͤrſt eine ſtarke 
Gegenforderung wegen des vor Schweden im verurſachten Schadens machte, fo ver 
glich man ſich dahin, daß der Churfuͤrſt den Schweden noch 10000 Thaler herausge⸗ 
ben, und übrigens kein Theil an den andern etwas zu fordern haben ſolte. In Pils 
lau und Memel behielt er die von den Schweden angelegte Zölle bey, nur muſte er 
den Polacken auch davon etwas abgeben A), 98 „T N er 
h 2 88 N Hi 
$. 31. 5 e 
Die Mark In Deutſchland batte ſich der Herzog Bernhard von Weimar, mit den 
eee franzöſiſchen Völkern unter dem Cardinal de la Valette vereiniger, und war über 
dag triegen, den Rhein gegangen; aber da er ferner zu dem kandgrafen von Heſſen ſtoſſen wal, 
der here. te, fo wutde dieſes nicht allein gehindert, ſondern er auch von dem Gallas gendrhir 
get über dem Rhein zuruͤck zu weichen, und mit 30000 Mann bis in Lothringen ver 
folgt, auf welchem Zuge doch auch die Katſerlichen nichts ſonderliches auerichteten, und 
die Winterläger in Lothringen und Champagne nicht behaupten konten. Der land⸗ 
graf von Heſſen und Herzog Bernhard verbanden ſich genauer mit Franke ). Der 
letztere erhielt durch den am 27ften Oct. zu St. Germain en Laye getroffene 1 Vergleic 
vier Millionen franzöfifcher Pfund Huͤlfsgelder, und in den geheimen Artikeln verſpricht 
Frankreich dem Herzoge Elſas zu verſchaffen; dagegen diefer, doch mit Vorbehaltung des 
Vorſteheramts mit feinen Völkern nach des Koniges Willen gegen deſſen Feinde 
deln, ſich verbindlich machte. Die Schweden bekamen nach dem mit P 
ſchloſſenen Waffenſtillſtand mehrern Muth und Macht. Banner wolte fi 
Elbe durch die Sachſen nicht abſchneiden laſſen. Er uͤberfiel das jächfifch 
ehe noch die Reuterey dazu geſtoſſen war, den 22ften Oct. bey Doͤmiz „un 
ches in die Flucht. Bey Goldberg wurden einige fächfifche Regimenter Reute 
fallen. Die Kaiferlichen, die durch die Mark nach Pommern gegangen, 
gegen die aus Preuſſen anruckende Schweden nicht viel ausrichten. 2 
folgte die Sachſen auf dem Fuß, brachte ihnen den 7ten Dec. bey Ky 
pe bey, fo, daß fie nach Beſetzung des Doms in Havelberg über di 
muften. Die Schweden bemaͤchtigten ſich des Doms zu Havelberg 
Schanze bey Werben. Nachdem ſich aber bey Sandau eilf Faiferliche R 
mit den Sachſen vereiniget , giengen fie zuſammen nach Jerichow, lieſſen ei 


— 
2 


h) Lengnich preuß. Geſch. Th. 6. ad k. 2. Lond. Ad. Publ. T. 


— 
— 


—— — —-— —uvt . —— . 


j Churfürſt Georg Wilhelm J0z 
zu Tangermünde ſchlagen, und nahmen den Schweden Fehrbellin wieder ab, da hinge⸗ 
gen die Schweden ſich bey Zedenick lagerten. Es zog ſich das ungluͤckliche Kriegs · 
feuer alſo wieder in das Churfürftenchum Brandenburg. Es wurden zwar zwi⸗ 
ſchen Schweden und Sachſen durch den Herzog von Mecklenburg die Friedens 


unterhandlungen wieder fortgeſetzet, und wenn man damals den Schweden vier Mil⸗ 


lionen Thaler bezahlen, und die im Prager Frieden ausgeſchloſſene Stände in ihren 
vorigen Stand ſetzen wollen, fo wäre wahrſcheinlicher Weiſe das Ende des Krieges 


zu hoffen geweſen. Weil man aber in dieſen Stücken nicht nachgeben wolte, fo wurden 


die Feindfeligkeiten fortgeſetzt. Die Schweden ſtreiften bis nach Oranienburg, 
festen Berlin in Schrecken, und noͤthigten dadurch den Churfuͤrſten ſich nach Peitz zu 
wenden. Um den Krieg von den pommerſchen Grenzen zu entfernen, zog 1636 
Banner feine Volker bey Rathenau zuſammen, eroberte Barby und gieng nach 
Sachſen. Dies nöthigte die Kalſerlichen und Sachſen über Wittenberg und Halle 
nachzufolgen, wobey die ſaͤchſiſchen Länder den Krieg ſehr hart fühlten. Das Anhaͤl⸗ 
tiſche wurde auch ſo mit genommen, daß der Fuͤrſt Chriſtian mit ſeinem ganzen Hau⸗ 
ſe nach Berlin ſeine Zuflucht nahm, und doch wurde die Mark eben ſo wenig ver⸗ 
ſchont, worin die Schweden ſich von alt Brandenburg bemaͤchtiget. Banner mu⸗ 
fe ſich jedoch, weil Hatzfeld mit einem kaiſerlichen Heere Sachſen zu Hilfe gekom⸗ 
men, bis ins Luͤneburgiſche zurück ziehen. Die alte Mark litte von beiden feindli⸗ 
chen Heeren alle Gattungen von Drangſalen. Rathenau ward bald von den Sach) 
ſen, bald wieder von den Schweden beſetzt, und die Belagerung der Stadt Mag⸗ 
deburg von den Kaiſerlichen und Sachſen eifrig betrieben. Frankreich war bey dies 
fen Umftänden beſorgt, Schweden möchte mit dem Kalſer einen Frieden ſchlieſſen. 
Es ſuchte daher durch ein neues Buͤndniß ſolches zu verhindern, welches zu Wismar wirk⸗ 
lich verabredet wurde. Beide Theile verſprachen den Proteſtanten ſo bey dem Heil⸗ 
brunner Bunde veſt beharren wuͤrden, und insgeſamt allen deutſchen Staͤnden die Wie⸗ 
derherſtellung ihrer vor dem böhmifchen Krieg gehabten Rechten und Freiheiten, ſich 
ſelbſt aber eine Genugthuung zu verſchaffen, allen möglichen Beiſtand; woben Frank, 
reich an Schweden jährlich eine Million franzoͤſiſcher Pfund zu bezahlen ſich anhel⸗ 
ſchig machte. Bey dem allen verſchoben die Schweden die Genehmigung dieſes Buͤnd⸗ 
niſſes auf viele Monate, um zu ſehen, ob in der Zelt Hofnung ſey, mit dem Kaiſer 
ſich zu vergleichen. Denn der König von Daͤnnemark hatte feine Vermittelung ange⸗ 
boten, und eine Friedenszuſammenkunft nach Luͤbeck angeſetzet. Der Churfuͤrſt von 
Sachſen war bevollmächtiget, daſelbſt im Namen des Kaiſers mit den Schweden als 


lein Unterhandlungen anzuftelleh, die übrigen Proteſtanten aber, welche gegen den 


Kaiſer die Waffen fuͤhrten, ſolten vor ſich ſelbſt mit dem Kaiſer an einem Vergleich 
arbeiten laſſen. Selbſt der Papſt ſuchte zu Wiederherſtellung des Friedens unter den 


catholiſchen Prinzen etwas beizutragen. Auf feine Bemuhungen wurde eine Zuſam⸗ 


menkunft nach Cöln beliebt. Der Papft und Venedig ſolten die Vermitler ſeyn, der 
Kaiſer, Spanien und Frankreich wolten ſich daſelbſt vergleichen. Weil aber die 
P. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Ffff Schwe; 


1635. 


1636. 


594 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg 32 
1636. Schweden an einem Ort, wo päpftliche Botſchafter das Mitleramt führen ſolten, zu 
erſcheinen keine tuft hatte, fo gieng es mit dieſer Unterhandlung ſehr langſam IE j 


$. 32. 


Oer G Im Felde änderte ſich das Kriegsgluͤck zuſehens. Die Sachen batten mit kal 5 
fürft wird von ſerlicher Huͤlfe Magdeburg erobert. Banner muſte immer mehr zuruck weichen, ber 
dt eiten ge ſonders da der Kaiſer auf der andern Seite Pommern angrif. Die Spanier waren 

über die Somme gegangen. Johann von Werth ſtrelfte in Champagne herum, und 
Gallas brach mit dem Herzoge von Lothringen nach geſchehener kaiſerlicher Kriegsen 
klärung in Burgund ein. Doch fing jezo Bernhard von Weimar an, denen 
Franzoſen erhebliche Dienſte zu leiſten. Er hatte in Paris die Vorzüge eines deut⸗ 
ſchen Neichefürften zu behaupten gewuſt, er zeigte aber auch im Felde, daß feine Zur 
pferkeit feiner Geburt gleich komme. Er hinderte befonders den Gallas etwas erhebli⸗ 
4 auszurichten. Der kaiſerliche Feldherr Goͤtze hatte denen Heſſen, welche ſich von 
eſtphalen bemächtiget, ſolches gröſtentheils wieder abgenommen. Die Sachſen 
hatten Werben, Rathenau und Brandenburg in ihre Gewalt gebracht, agerteı 
ſich bey Perleberg, da indeſſen der brandenburgiſche Feldherr Klitzing v ich die 
Stadt Brandenburg mit 3500 Mann angrif. Es ſahe bey ſo! bewandten U mſt 
um die Schweden und ihre Bundesgenoſſen betruͤbt genug aus. B. hielt eine 
entſcheidende Schlacht vor nothwendig, der Gegentheil hingegen ſuchte fo viel nöglic 
zu verhindern, daß es nicht dazu kommen folte. Der ſchwediſche Feldherr brachte 
aber doch feinen Entwurf zum Stande. Er hatte die abgeſchickten Haufen an ſich ge / 
zogen, und gieng vor die Schanze bey Werben. Dies brachte die Kalſerlichen * 
Sachſen aus ihrem veſten lager bey Perleberg, die ſich mit Klitzing und feinen Bol 
kern vereinigen wolten. Solches zu verhindern gieng Banner nach rhauſer 
- Deffen Feinde zogen ſich nach Wittſtock, und wolten nach Zedenick, um jenfeit der 
Havel den Klitzing an ſich zu ziehen, und mit andern Regimentern babe 
bey Schwed ſtanden. Die Schweden lagerten ſich zwiſchen Wuſterhaußen W 
Ruppin. Banner gieng darauf den 24ften Sept. auf die Feinde los, 3 e ihnen 
das Treffen bey Wittſtock, und ſchlug ſolche aufs Haupt. Hierdurch veränderte ſich 
die ganze Geſtalt der Sachen. Banner verfolgte den Hatzfeld bis in Thuͤringen, 
der zu Gögen fluͤchtete. Die Schweden befreieten Heſſen, und auf ihrem 3 uch 
zuge muſte ſich ihnen Erfurt ergeben. Man kann ſich leicht einbilden, wie viel d 
Mark Brandenburg von Feind und Freund damals ‚gelitten habe. Freund und 
Feind ſog das Land aus, und in einer Zeit von ſechs Wochen war alles lͤngſte Ai 
zweimal von den Schweden, und einmal von den Kaiferlichen geplündert. R 
den behielten zuletzt die Oberhand, uͤberſchwemmten die Mark, belegten 
mit einer Beſatzung, die man mit 30000 Thaler und einigen Kleivungef 


muͤſſe, und verlangten des Churfuͤrſten Veſtungen e Elfen, 5 in, a 


m) Puffendorf. Theatz. Europ, | Be 50 7 8 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 595 


Georg Wilhelm doch nicht mehr frey ſtand daruͤber zu gebieten, well die Beſatzungen 
dem Raifer geſchworen hatten. Der Churfuͤrſt ſelbſt hatte zu feiner Sicherheit ſich nach 
Peitz begeben muͤſſen, und Wrangel bezog ſonderlich in der Neumark die Winters 
lager, und in der alten Mark zu Gardelegen war auch ſchwediſche Beſatzung. Die 
weſtphaͤliſchen Staaten hatten in dem immer fortdaurenden Kriege der Hollaͤnder 
mic den Spaniern, der Proteſtanten mit den Catholicken, keine Ruhe gehabt. Der 
Churfuͤrſt ließ zwar durch ſeinen oberſten Staatsbedienten Adam von Schwarzenberg 
neue Unterhandlungen mit den vereinigten Niederlaͤndern pflegen, und ſchloß den 
aten Sept mit den letztern einen Vergleich, indem die Holländer gegen anſehnliche 
Summen des Churfuͤrſten weſtphaͤliſche Staaten zu beſchuͤtzen verſprachen. Es wäre 
aber in der That mehr ausgerichtet worden, wenn der Churfuͤrſt ſelbſt Macht genug 
gehabt, ſich zu beſchuͤtzen. Auch in Preuſſen hatte der Churfuͤrſt ſeine Anfechtungen. 


Er ließ in Pillau eine neue Licentkammer ſtiften, den Zoll erhöhen, Schifs. und Des 


ſtungsgelder bezahlen, und die Rechnungen nach Reichsthalern führen. Da feine deut⸗ 
ſche Lande erſchöpft, fo muſte er ſich wenigſtens aus Preuſſen feinen Unterhalt ſchaf⸗ 


fen. Der König Wladislaus, der in dieſem Jahr von Danzig durch Koͤnigsber 


nach Wilna reiſete, hatte dagegen nichts einzuwenden. Aber die polniſchen Preu 
fen hatten allerhand Anfchläge des Churfuͤrſten Rechte zu ſchmaͤlern. Da fie Abgeord⸗ 
nete auf einen polniſchen Reichstag bevollmächtigten, gaben fie ſolchen den Auftrag, 
ſich unter andern zu bemühen es dahin zu bringen, daß Pillau einem polniſchen in 
der Krone angeſeſſenen Edelmann nach geleiſtetem Eide an den König anvertrauet, dies 
fe Veſtung mit einer genugfamen Beſatzung verſehen, und wegen ihrer ehemaligen 
Uebergabe an Schweden eine ſcharfe Unterſuchung angeſtellt werden möchte. Imglei⸗ 
chen daß die im brandenburgiſchen Preuſſen aus fremden Landen, inſonderheit aus 
Schleſien angekommen, weder daſelbſt noch im polniſchen Preuſſen als Einzöglins 
ge angeſehen, noch ihnen das Recht adeliche Güter zu kaufen geſtattet, auch die Guͤter, 
welche von ſolchen befeffen würden, die den Adel nicht beweiſen könten, vor verfallen 


angeſehen und wohlverdienten Perſonen gegeben werden möchten. Dieſe Vorſchlaͤge 


einiger Mißguͤnſtigen befchäftigten aber den Churfuͤrſten weniger als was auf der Chur⸗ 
fuͤrſtenverſammlung zu Regensburg verhandelt wurde 7), f 


g. 33. 


1636 


Dteer Kaiſer hatte ſolche aus einer zweifachen Urſache veranlaſſet. Es ſolte theils Er hilft Ser: 
darauf von denen mit Schweden und Frankreich anzuſtellenden Friedenshandlungen 8 
gerathſchlaget, theils der kalſerliche Prinz Ferdinand 3 zum roͤmiſchen Könige ge nig wahlen⸗ 
wählt worden. Der Churfuͤrſt von Brandenburg ſchickte feinen oberſten Staatsbe, der auch kaiſer 
dienten Adam Grafen von Schwarzenberg als feinen erften Geſandten dazu nach Re, wird. 
gensburg. Es gehörten aber W erreg, folgende Perſonen zu ag Ge⸗ 

* 7 fff a bis 


m) Her, la. rob. Tom. 4. Kengnich Th. 6. Thestr.; Europ. Kbevenbüller, Puffendorf 
a “N & . . 


1636. 


596 3 ‚> 10 o Hau Neuere Sefsichte von , 


wenn ſie eine Sefanbefhafe an den nt Hof a würden, mit lhnen ins 
beſondere an einem Frieden zu arbeiten, ſo daß aus dem Mittel der Churfürſten 
Mayntz und Brandenburg, oder auch die uͤbrigen, wenn fie wolten, dazu gezogen 
werden ſolten. Es wurde dem Marggraf Siegmund von Bra 

gen die Schweden daruber zu vernehmen. Die gröfte Schwierigkeit ben de n ouf g 
dieſer Verſammlung angeſtellten Friedens rathſchlaͤgen betraf die Sache der 

nen Vergebung und Vergeſſenheit alles deſſen was bisher gegen den Kaiſer gefche 
ben. Churſachſen und Churbrandenburg, welche wohl wuſten, wie nörhig Fer⸗ 
dinand 2 ihre Scimmen zur roͤmiſchen Koͤnlgswahl hatte, beſtunden a 
Ernſt darauf. Sie wolten nicht eher in die Wahl des kaiſerlichen Prinzen willigen, 
bis fie ihren Zweck erlanget hätten. Auf der andern Seite wurde aber Carl Ludwig 
des Ehurfürften Friedrichs 5 von der Pfalz Sohn wegen feines Geſuchs, unter den 
Churfuͤrſten Sitz und Stimme zu nehmen, abgewieſen. Der Kaiſer hatte ſogar be 


ſchloſſen, auch den Landgraf Wilhelm von Heſſencaſſel in die Reichsacht zu erklären, 
und — Vollſtreckung dem Hauſe Heſſendarmſtadt aufzutragen. Wurtenberg 


ſolte nur unter ſehr ſchweren Bedingungen Verzelhung erhalten. Jedoch machte die 
Schlacht bey Wittſtock beide Theile geſchmeidiger. Der Kaiſet ließ dem Herzoge von 
Wuͤrtenberg Verzeihung wiederfahren. Die Achtserklaͤrung gegen Heſſen unter⸗ 


blieb aus kluger Vorſicht, weil man jetzt nicht einſahe, wie ſie vollſtreckt 1 — 


te. Aber auch die proteſtantiſchen Ehurfürften, Sachſen und Brand n 
gen nicht weiter mit dem vorigen Eifer auf die allgemeine Wiederherſt aller I 
derwaͤrtigen des Kaiſers vor der roͤmiſchen Koͤnigswahl. Beide wuͤnſchten daß die 
ruͤckziehenden Kaiſerlichen ihre bänder ſchonen, und ſo viel moͤglich gegen die Sch ve 
den ſchuͤtzen folten. Die Wahl hatte alſo den ızten Dec. ihren Fortgang. Baiert 
legte jetzt die erhaltene pfaͤlziſche Stimme ab, und der von den Spanier n gefang 

genommene Churfuͤrſt von Trier ward ſogar, weil er vermuthlich e f 
gegeben hatte, derſelben wegen beſchuldigter Untreue beraubt, und un — 

loertrag 


Die harte Regierung Ferdinands 2 gab aber Gelegenheit in den Wah 
nands 3 manche neue Einſchraͤnkungen zu bringen. Die , 
ten kuͤnftig am Faiferlichen Hofe gleich nach denen Geſandten der gektönten 

Rang haben. Die Art und Weiſe der Friedensunterhandlungen zu Prag ſolte zu 
ner Folge angezogen werden/ ſondern Fünftig der Kalſer die se, 9. ur 


er 


1 


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Er u — — — EEE 


| und Brandenburg aufge 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. 597 
ſten nicht durch abſonderliche Erklaͤrungen, ſondern auf ordentlichen Churfuͤrſtentagen 
zu erhalten ſuchen. Der Kaifer ſolte das Reichsheer ohne Bewilligung des Reichs we⸗ 
nigſtens der Churfuͤrſten nicht auſſerhalb dem Reich brauchen, und durch ſeine Völker, 
die er auswärtigen Mächten zu Huͤlfe ſchickt, niemanden beſchweren; vielmehr fin 
Heer nach geendigten Frieden abdanken. Er foll keine Reichstage ausſchreiben, ehe 
er der Churfuͤrſten Einwilligung durch ſonderbare Abgeſchickte eingeholet. Weil bisher 
in Anſetzung und Eintreibung der Steuern die Reichsgeſetze und das Herkommen viel⸗ 
fältig uͤberſchritten worden, fo ſoll ſolches inskuͤnftige zu keiner Folge angezogen werden. 
Auſſer andern Reichsbedienungen ſolten alle hohe Kriegsaͤmter mit gebornen Deutſchen 
beſetzt werden. Der Kaiſer ſoll im Zoll, Niederlag / und Stapelſachen keine Neuerung 
ohne die Churfuͤrſten machen. Die Churfuͤrſten und Stände follen berechtiget ſeyn mit 
ihren zugehörigen kehn, wenn ihre lehntraͤger und Unterthanen ſolche verwirkt, nach 
eigenem Willen ſchalten zu laſſen; der Kalſer ſoll aber ſolche nicht nach ſeinem Gefallen 
einziehen, oder denen Ständen die vorigen oder andere lehnsleute aufdringen können. 
Auch erbliche verwirkte Güter gehören der kandesobrigkelt, und koͤnnen an deren Eins 
ziehung nicht verhindert werden. Kein] Stand fol mit Einlager und Durchzuͤgen von 
kalſerlichen Völkern ohne Vorbewuſt des Kreißoberſten und deren nach und zugeordne⸗ 
ten, wie auch der Kreißſtaͤnde, die damit betroffen, beſchwert werden. Kein Stand 
ſoll ohne Einwilligung der Churfuͤrſten ſelbſt in Faͤlen, wo die That Weltkundig, und 
der Friedbrecher beharrlich und thaͤtlich fortfuͤhre, in die Acht erklaͤret werden. Was 
mit Rath der Churfuͤrſten wegen Aufrichtung der Reichshofrathsordnung oder Abſchaf⸗ 
fung der eingeriſſenen Mißbraͤuche beſchloſſen werde, fol unverbruͤchlich bleiben. Die 
fuͤrſtliche und gräfliche Würde ſoll der Kaiſer keinem ertheilen, als der es verdient, im 


Reich geſeſſen, und feinem neuen Stande gemäß ſich aufzuführen Mittel habe. Die 


Ausſchlieſſung des Churfuͤrſten von Trier, fol in kuͤnftigen Fällen zu keiner Folge ges 
macht werden. Aus dieſen angeführten Stuͤcken des Wahlvertrags erſiehet man am bes 
ſten, worin das Reich mit der vorigen Regierung nicht zufrieden geweſen. Dieſer vor⸗ 
gegangenen Wahl widerſprachen nicht nur Churtrier und Churpfalz, weil man ſie zu 
Ablegung der Wahlſtimmen nicht zugelaſſen, ſondern auch Frankreich wolte Ferdi⸗ 
dinand 3 vor keinen roͤmiſchen König erkennen. Doch die übrigen Stände machten 
keine Einwendungen. Ferdinand 2, deſſen ganze Regierung voller Unruhen geweſen, 
und deſſen Betragen, ſonderlich in Abſicht des Einfluffes der ſpaniſchen Rathſchlͤͤge 
der ſpaͤten Nachkommenſchaft ein Schrecken verurſacht, gieng bald darauf den 1sten 
Febr. 1637 mit Tode ab, dem nunmehro der roͤmiſche König Ferdinand 3 in der 
wirklichen Regierung folgte. Der neue Kalſer ſetzte zwar den geerbten Krieg aus als 


len Kräften fort, bearbeitete ſich aber zugleich endlich zur Ruhe zu kommen 0). 


1636. 


4 


Auf der vorigen Churfuͤrſtenverſammlung zu Regenſpurg war insbeſondere Mainz Anſkatt frie⸗ 


tragen an einem beſondern Frieden mit Schweden zu handeln. 
e e ee ee ee ben ee, Sue 


D Puffendorf. Theatr. Europ. Kbevenbuller. Lond. I. . 


den zu ſtiften 
kommt es zwi⸗ 


508 3 Th. 10 Haupt. Meere Geſchichte von Vendebung 


1637. Noch vor Ablauf des vorigen Jahres legte der Churfuͤrſt Georg Wilhelm zur Vor 
ſchen Georg berettung der Unterhandlung dem ſchwediſchen Feloherrn Wrangel einige Punkte vor. 
zu und Man verlangte einen Waffenſtillſtand auf zwey, drey bis vier Monat, in 3 
wegen Pom Schweden und Brandenburg gegen einander keine Feinpfeligkeiten ausüben, dle 
mern zu groß: Schweden des Churfuͤrſten tänder mit nichts beſchweren, ſondern die darin habende 
fen ſtreit. Völker abfuͤhren, eben dieſes Churbrandenburg in Mecklenburg und Pom⸗ 

mern beobachten, Wrangel nicht den Banner, und Brandenburg nicht den Kal⸗ 

5 fer und Sachſen verftärfen, ſondern beide alle Vorbereitungen zu den unterhandlun 
gen machen ſolten. Wrangel hatte aber die Mark Brandenburg zu Winterlägern 
nothwendig, und ſchlug daher den angebotenen Waffenſtillſtand ab. Der 3 
von Mainz ſchrieb ſodenn an den Marggrafen Siegmund von Brandenburg, daß 
da derſelbe mit Schweden in keinen Widerwaͤrtigkeiten begriffen, und bey den Unter⸗ 

handlungen zwiſchen Schweden und Polen ſich loͤblich, verftändig und glücklich ges 
zeiget, fo möchte er fich die Mühe geben, entweder bey Oxenſtirn oder bey Bielcken, 
Wrangel und Bannern zu erlangen, daß Schweden an den Faiferlichen Hof A 
ordnete ſchicke, wozu es die Churfuͤrſten von Mainz und Brandenburg noch 
hatten bringen konnen. Marggraf Siegmund unterzog ſich wirklich dieſem Oeſchaft, 
und brachte im Merz dieſes Jahres eine Zuſammenkunft mit Steno Bielken in Vier⸗ 
raden zum Stande. Hier unterredeten ſich beide fünf Stunden ö 
Zeit kuͤnftiger Unterhandlung. Der Marggraf brachte Braunſchweig und ank⸗ 
furt an der Oder in Vorſchlag. Bielke beſtund auf Hamburg oder Lübeck. Der 
Marggraf gieng ſodenn nach Schwed, Bielke nach Stettin wieder ab. Der 
des letzten Herzogs von Pommern Bogislai 4, der ſeinen Stamm den aoſte 
beſchloß, machte den vierradiſchen Untethandlungen ein fruchtloſes Ende, weil di 
Schweden befuͤrchteten, daß der in der Mähe befindliche Marggraf S f 
Unterhandlung ſich bedienen möchte, um Pommerns Einwohner zu bewegen ihre 
nunmehrigen rechtmäßigen Herrn den Churfuͤrſten von Brandenburg ohne IB: 
anzunehmen. Pommern hatte ſchon nach Abgang der wendiſchen Könige t 
bezlai Bermächenig an den erſten Marggrafen von Brandenburg Albrecht den B 
kommen ſollen. Damals aber machten ſich die Fuͤrſten dieſes kandes von 
denburg unabhängig , ob fie gleich ihre Abhaͤnglichkeit zuwellen erkannt N 
nachmals von dem Kaiſer Friedrich 2 und dem Kaiſer Carl 4 zur lehnsverbind 
gegen die Churfürften von Brandenburg angewieſen worden. Hieraus a 
Kriege zwiſchen Pommern und Brandenburg, die nach dem Abgange der He 
von Pommern aus ſtettiniſcher tinie, da Churfuͤrſt Friedrich a ſich in den 2 
der Länder dieſer Linie ſetzen wolte, noch mehr angeflammet wurden. Endlich 
Vermaͤlungen Anlaß, daß die Lehnsherrlichkeit, die Brandenburg unter . Stre 
tigkeiten zu behaupten ſuchte, in eine Erbverbruͤderung verwandelt Fr meer 
Kaiſer und das Reich von Zeit zu Zeit beftätiger haben. Bran a 
Mitbelehnung am Eaiferlichen Hofe Wee und die po 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. me 509 
vielen malen dem Ehurhauſe den Eid der Treue auf den Fall geſchworen, wenn der 
herzogliche pommeriſche Stamm männlichen Geſchlechts ausgegangen ſeyn wuͤrde. 
Kurz vor dem Tode des letzten Herzogs hatten die pommerſchen Landſtaͤnde Abgeord⸗ 
nete mit gewiſſen Vorſchlaͤgen nach Cuͤſtrin zum Churfuͤrſten George Wilhelm ges 


ſchickt, welche die Regierungsnachfolge betrafen. Sie brachten den zıften Merz, 


folglich gleich nach dem Tode Bogislai 14 die churfuͤrſtliche Antwort zuruck, daß er die 
Vorſchlaͤge in Bedenken ziehe, und mit den freundſchaftlichen Höfen ſich darüber bera« 
then wolle. Der Churfuͤrſt hatte dieſen Abgeordneten gewiſſe ſchon fertig liegende Be⸗ 
fehle mitgeben wollen, die ſie aber anzunehmen ſich nicht getrauet. Weil der Chur⸗ 
fürft ein öffentlicher Feind Schwedens war, welches doch Pommern im Beſitz hats 
te, und zu feiner Benugthuung behalten wolte, fo war es kein Wunder, daß in Pom⸗ 
mern verboten wurde keine churfuͤrſtlichen Befehle anzunehmen, und zu verbreiten, wo⸗ 
fern man nicht als öffentlicher Feind angeſehen werden wolte. Georg Wilhelm ſahe 
alſo kein ander Mittel vor ſich, als an die Regierung zu Stettin einen Trompeter 
abzuſchicken, um derſelben einen Befehl des Inhalts einzuhaͤndigen: daß alle pommer / 
ſche Unterthanen von ihrem nunmehr rechtmaͤßlgem landes herrn angewieſen würden, nach 
allem ihren Vermögen mit zu wirken, damit die Schweden, welche dies fand ihren 
rechtmäßigen Herrn vorenthielten, vertrieben wuͤrden. Da aber die Schweden alle 
Gewalt in Haͤnden hatten, ſo wolte Bielke, daß der Trompeter aufgehenkt, und der 
churfüͤrſtliche Befehl ihm auf den Kopf genagelt werden ſolte. Zum Gluͤck war die her⸗ 
zogliche Witwe mitleldiger gegen einen Menſchen, der feiner Pflicht gemäß einen Bes 
fehl uͤberbracht hatte, deſſen Inhalt ihm ſelbſt unbekandt. Ihrer. Vorbitte hatte er es 
zuzuſchreiben, daß er wieder mit der mitgebrachten Schrift zuruͤck geſchickt wurde, und 
dieſer erſchrockene Bote durfte ſich nicht unterſtehen die ungeziemenden Ausdrucke zu bes 
antworten, die man ihm wegen feines Geſchaͤfts anzuhören gegeben. Die verſammle ⸗ 
ten fandeftände zu Stettin konten zu keinem Schluß kommen, wie fie ſich in Abſicht 
des brandenburgiſchen Rechts und der ſchwediſchen Gewalt verhalten ſolten. Sie 
entwarfen ein nochmaliges Schreiben an den Churfuͤrſten um gewiſſe Vorſchlaͤge an 
zunehmen. Sie bezeigten darin zur Gnuͤge, daß fie die unftreitigen Rechte des Chur 
fuͤrſten erkannten. Doch Schweden zwung fie verſchledene verbindliche Ausdruͤcke in 


dieſem Schreiben zu Ändern, verbot hierauf allen und jeden Briefwechſel und andere 


Gemeinſchaft mit dem berliniſchen Hofe, und erflärte ſich einer jeden Handlung mit 
der nachdruͤcklichſten Gewalt ſich zu widerſetzen, wodurch der Churfürft ein zur Regie⸗ 
rung gehöriges Recht ausuͤben wolte. Schweden hinderte 5 den Churfuͤrſten von 
Pommern? zig 6 au ergreiffen 59. 


Das Betragen der Schweden 1 Brandenburg zu mehrerem Elfer gegen die / Die Schwe⸗ 

fe Krone, und verband den Churfuͤrſten auf eine weit ſtaͤrkere Art an die Vorthelle des kaiſer · — 1 . 
lichen Hofes, der bum im Prager Frieden die Sawa wegen Pommern geleiſtet > ih 
getrieben. 


7) Puffendorf. Tina Europ. et Lond. A&. Publ. +.4 


600 23 Th 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. . 
Des Churfuͤrſten Kriegsvölker waren daher gegen die Schweden nach Möglichkeit ge 
fehäftig, und nahmen an denen glücklichen und ungluͤcklchen Begebenheiten des katſer⸗ 
lichen und ſaͤchſiſchen Heeres Anthell. Banner hatte zu Anfang dieſes Jahtes die 
Sachſen zu Eulenburg geschlagen, und den Reſt, der nach Torgau geflüchtet, 
mit zwey andern Regimentern daſelbſt gefangen bekommen. Es befanden ſich Kli⸗ 
tzings Dragoner darunter. Hierauf belagette er Leipzig. Goͤtze und Hatzfeld aber 
rückten, nachdem fie ſich durch luͤneburgiſche und darmſtaͤdtiſche Volker verftärft 
batten, zum Entſatz an. Banner wolte ſolchen zwar den Uebergang über die Uns 
ſtrut erschweren. Doch dies ward verſehen. Lesle und Stalhantſch folten ſoden 
die Sale bewahren, und der letztere feßte ſich nebſt Mortaigne an der abgebrochenen 
Kamsdorferbruͤcke. Goͤtze aber bemaͤchtigte ſich der Stadt Jena, und die Schwe⸗ 
den verlieffen die Sale. Banner hob nun die Belagerung von Leipzig auf, und 
jog ſich nach Torgau. Weil jedoch der Feind zu ſtark, fo entwich er nach der Oder, 
wurde aber von denen Feinden auf dem Fuſſe verfolgt. Drey Regimenter Sachſen 
waren in die alte Mark gekommen, die von Gardelegen fi bemäͤchtigten, welches 
hierauf der brandenburgische Obriſtwachtmeiſter Stange vom Regiment Klitzing ber 
feßte. Indeſſen hatten die Schweden, die in der Mark unter Anfuͤh⸗ 
rung ſtanden, das ohne Noth verlaſſene Landsberg beſetzt, und Bielcke hatte den 
ſächſiſchen Feldherrn Arnim auf dem arnimſchen Schloß Boitzenburg in der Ucker / 
mark aufheben, und von da nach Schweden bringen laſſen. ö verlegte 
gar ſein Hauptlager nach Landsberg, und ließ von da und aus Fr in 

fien ſtreifen, und zugleich Cüſtrin von weitem einſchlͤſſen. Er gieng aber nach⸗ 
mals, um Verftärfung aus Mecklenburg an ſich zu ziehen, wieder in die Mittel, 


mark. Es batte in der Zeit an leichten Treffen nicht gefehlet. In einem ward der 


een Obriſtlieutenant Starke von den churfuͤrſtlichen Völkern, und der bran 
urgiſche Obriſtlieutenant Rochow vom Gegentheil gefangen. Der ſchwediſt 
Kehrberg, der zu Arenswalde lag, ward auch gefaͤnglich in Cu ein 
Endlich kam Banner aus Sachſen, wo er durch Ausreiſſen viel eingebüft, 
ſtenberg an, und bemähete ſich Landsberg zu gewinnen, und ſodenn bey 
dem Feinde ſich entgegen zu ſtellen. Die öſterreichiſchen und ſaͤchſiſchen % 
ren über Beſekau und Cuͤſtrin auf der andern Seite der Warte auch auf 
geeilet. Weil beide faſt zu gleicher Zeit angekommen, konte Banner hier nicht 
den Fluß gehen. Er ließ aber einen dabey liegenden Berg mit Volk und Gefchäg | 
feßen, welches der Feind verſchiedene mal vergeblich zu verhindern ſuchte. Von hie 
aus beſchoß er die Verbundenen uͤber den Fluß in ihrem lager mit ſolchem Erf ig, da 
fie ihr tager auf eine Viertelmeile zurück gegen die Oder in dem Eichwalde aufſchle 
muſten. Doch Bannern ward es ſchwer vor baares Geld aus Polen zu zehren. E 
hatte 36000 Mann gegen ſich, die Gallas mit 9 Regimentern ſchwerer Reute „und 
Graf von Schwarzenberg und der von Buchheim mit 18 Regimente en ve 
ten, ohne was Geleen und Bredow mitgebracht. Dies nöthigte ihn auf ein 


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7 


Churfürſt Georg Wilhelm. 6 0r 


Mittel in denten N fich mit Wrangel zu vereinigen. Im Anfang des Jul brach er 


auf, ſtellte die Reuterey vor die cuͤſtrinſche Brucke, und ließ das Fußvolk und Ge 
ſchuͤtz bey Goͤritz eine Meile über Cuͤſtrin durch einen Furt gehen. Die Reuterey 


folgte. Wrangel, der kurz zuvor Brandenburg einnehmen laſſen, kam ihm von 


Schwed bis Neuſtadt entgegen, wo ihre Volker zuſammen ſtieſſen. Banner 
nahm zu Wrietzen, Wrangel zu Chorin, das Hauptlager. Indeſſen war nach 
Banners Aozuge Landsberg an die Verbundenen uͤbergegangen. Die ſchwediſchen 
Feldherrn theilten ſich. Wrangel ſolte Vor⸗ und Banner Hinterpommern decken. 
Die Verbundenen konten daher ihte Eroberungen immer weiter treiben. Der bran⸗ 
denburgiſche Feldherr Klitzing nahm Havelberg mit Sturm, und bald datauf auch 
die dortige Schanze ein. Die Hauptmacht gieng, nachdem fie ſich von Garz und 
Uckermuͤnde bemächtiget, auf Vorpommern. Klitzing nahm mit den fächfifchen 
und brandenburgiſchen Völkern die Werberſchanze, Doͤmitz und Plauen ein, und 
brachte den Sitz des Krleges auch ins Mecklenburgiſche und Luͤneburgiſche. In 
der ganzen Mark, in Pommern und Preuſſen ließ der Churfuͤrſt ſtarke Werbun⸗ 
gen anftellen, theils die alten Regimenter voltzählig zu machen, theils neue zu errich⸗ 


ten. Weil nun ſolches ſchwere Koſten verurſachte, fo wurde die Krlegsmetze und der 


Salzzoll eingefuͤhret. Das Luͤneburgiſche, Mecklenburgiſche und Pommern wurs 
den ſodenn ſchwer mitgenommen, fo daß ſich aus dem letztern Lande viele Einwohner 
weg, und nach Polen und Preuſſen begaben. In der Mark war auch an einigen 
Orten feit 1635 das Feld nicht beſtellet worden, woruͤber nothwendig ſich der Hunger 
einfinden muſte. Vierraden ward von den Schweden uͤberfallen, die Branden⸗ 


burger hingegen brachten den Obriſt Baum gefangen nach Schwed ein. Es kamen 


noch 3000 Mann Ungarn und Ervaten in die Mark, die aber überall ſich mehr als 
feindlich betrugen. Der Anſchlag, den die Obriſten Sparr, Borgsdorf und Jung 
aus Schwed und Landsberg auf Stargard gemacht, ſchlug zwar fehl. Aber die 
Kaiferlichen eroberten Tribſees, und die Schweden taͤumten verſchiedene Orte, wor⸗ 
unter ſelbſt Spandow ſich befand. Die Schweden ſuchten ſich vergeblich von Prenz⸗ 
lom zu bemächtigen, beſetzten aber Schwed, muſten ſolches jedoch bald darauf vers 


laſſen, nachdem fie das Schloß daſelbſt eingeäfchert hatten. Die Kaiferlichen nahmen 


nun Wollgaft und die Inſel Uſedom denen Schweden ab. Bey dieſen Umſtaͤnden 
befuͤrchtete Steno Bilike einen Angrif in Stettin. Er ließ daher zu mehrerer Sicher, 


heit anbefehlen, daß alle brandenburgiſche Unterthanen dieſen Ort verlaſſen, und 


von denſelben niemand ohne beſondere Erlaubniß herein kommen ſolte J. | 
we F. 36. 


1637. 


| Auch mit den 7 45 Bundesgenoſſen fahe es mislich aus. Der land / Ale zum frie⸗ 
graf von Heſſencaſſe Wilhelm 5 gieng vor Stuckhuſen mit Tode ab. Seine Wir, den mente 
wwe re Eliſabeth war zur Vormüͤnderin von ihm verordnet, die ſich mit ihren gen nd aer, 
bid. 1 0 ar era . 


* n Rn gebens, 
p. allg preuß. Geſch. ATh. 6999 


1637. 


1638. 


602 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


Kindern nach Groͤningen verfügte. Heſſendarmſtadt bemuͤhete ſich die Regierung 
der caffelfchen Lande an ſich zu ziehen, und wurde durch den kalſerlichen Feldherrn Gö⸗ 
gen unterſtuͤtt. Die Landgraͤfin half ſich durch ihre Klugheit. Sie ſieng Unterhandlun⸗ 
gen an, und feßte folche fo lange fort, bis Melander und King, ehe ſich Götze verftärke 
hatte, die veſten Plaͤtze mit den Nothwendigkeiten verſahen. Der Herzog Bernhard 
von Weimar ſchlug zwar den Herzog von Lothringen, und kam uber den 

Da ihn aber Frankreich nicht gehörig unterſtuͤtzte, konte er ſich nicht behaupten, und 
muſte geſchehen laſſen, daß die Kaiſerlichen ſich faſt aller Pläge am Oberrheinſtrom be⸗ 
mächtigten. Es fehlte indeſſen nicht an Friedens vorſchlaͤgen zwiſchen denen ſtreitenden 


Parteien. Nachdem die vierradenſchen ⸗brandenburgiſchen Unterhandlungen frucht 


los ausgefallen, gaben ſich die Herzoge von Braunſchweig „von Mecklenburg und 
ſonderlich von Sachſen⸗ Lauenburg dieſerhalb viele Mühe. Nachdem aber Banner 
vor den Kaiſerlichen weichen muͤſſen, ſo bezeigte Ferdinand 3 wenigere Neigung zum 
Frieden als vorher. Des Königs von Daͤnnemark Vorſchlaͤge waren auch umſonſt, 
und mit der Zuſammenkunft in Coͤln wolte es ebenfals nicht fort. Der paͤpſtliche 
Botſchafter war zwar angelangt. Weil aber Frankreich Ferdinand 3 noch nicht vor 
Kaifer erkennen, Schweden zu Coͤln nicht erſcheinen, und Frankreich ohne Schwer 
den ſich in keine Unterhandlung einlaffen wolte, fo fanden ſich keine Geſandten von den 
kriegenden Maͤchten ein. Man brachte hernach in Vorſchlag, daß mit 

einem beſondern Det, zu Luͤbeck oder Hamburg, gehandelt werden ſolte, und dies fand - 
Gehör. Der Kaiſer ertheilte bereits die noͤthigen Sicherheitsbriefe zur Unterhaltung 
der nörhigen Gemeinſchaft zwiſchen Coͤln und dem andern Friedensort. 

ließ 1638 feinen Widerſpruch gegen die Kaiſerwuͤrde Ferdinandi fahren, allein es ſtieß 
ſich nachher an andern Sachen. Denn der Kaiſer wolte die deutſchen Stände, die mit 
Frankreich und Schweden im Bündniß ſtanden, nicht mit zu den Friedensunterhand⸗ 


lungen laſſen. Hoͤchſtens wolte er ihnen nur erlauben ihr Anliegen nicht ihm unmit⸗ 


telbar, ſondern durch die Krone Frankreich vorzubringen. Mit dieſen 
wurden zwey Jahre zugebracht, ohne daß man ſich recht daruͤber vergleichen k 
vom Papſt in Vorſchlag gebrachte zehnjaͤhrige Waffenſtillſtand ward auch 255 
nommen. Und das Gluͤck der kalſerlichen Völker gegen die Schweden nörhigte 

den zu Wismar verabredeten Bund mit Frankreich endlich völlig zur Richtigkeit zu 
bringen. Der Kaiſer hatte zwar ſolches zu verhindern geſucht, und durch die Herze 
von Sachſen Lauenburg an einem beſondern Frieden zwiſchen ihm und den Schwe 
den atbetten laſſen. Der Kaiſer gab Hofnung durch eine öffentliche, Verordnung ein { 
allgemeine Verzelhung kund zu machen, und dem pfälzifchen Haufe dadurch zurathen, daß 
die Churwuͤrde Wechſelsweiſe von der baieriſchen und pfälzifchen linie geführet werden 
ſolte. Den Schweden ſolte Pommern entweder mit Gelde abgekauft, obı 
pommern eigenthuͤmlich uͤberlaſſen werden. Weil aber der Kalſer nicht anders 
mit Aus ſchlieſſung Frankreichs dieſerwegen mit Schweden handeln wolte, e 

den aber einen beſondern Frieden nicht vor ſicher 9 p wurde ” . 1 


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Churfuͤrſt Georg Wilhelm. f 603 
Frankreich völlig vollzogen, worin unter andern beſchloſſen worden, nicht anders als 1638. 
gemeinſchaftlich von dem Frieden zu handeln, und daß Frankreich jährlich) 400000 
Reichsthaler Huͤlfsgelder bezahlen ſolte. Nun hielten die Schweden nicht mehr vor er ⸗ 
laubt an einem beſondern Frieden mit dem Katſer zu arbeiten. Es blieb dabey, daß zu glei⸗ 
cher Zeit mit Frankreich zu Coͤln, und mit Schweden zu Luͤbeck, und zwar an dem 
letzten Ort unter daͤniſcher Vermittelung gehandelt werden ſolte. Es fand ſich ſonder⸗ 
lich zu Luͤbeck ein daͤniſcher Geſandter zur Vermittelung ein, und die Schweden 
wurden nach dieſem Orte Geſandten zu ſchicken erſucht. Es geſchahe ſolches aber nicht, 
ſondern ihr Gevollmaͤchtigter Salvius ſieng über einen Vorbereitungsfrieden zu Ham⸗ 
burg mit dem katſerlichen Geſandten Graf Kurz Berachſchlagungen an, denen der 
franzoͤſiſche Geſandte Avaur beiwohnete. Es ward aber auch hier über die Einrich⸗ 
tung der Öelgitsbriefe und Zulaſſung der Reichs ſtaͤnde das ganze Jahr durch geſtritten, 
ohne daß man recht einig werden konte. Hiezu kam daß die Vermittelung Daͤnne⸗ 
marks den Schweden bedenklich wurde, da ſich Chriſtian 4 mit dem kaiſerlichen Ho⸗ 
fe verſtand, und in Abſicht des niederſaͤchſiſchen Kreiſes bedenkliche Schritte that. 
Ohne rachtet der Kaifer ſich ſchon hatte merken laſſen, daß er zu feinem Vortheil dle 
Rechte des Ehurfürften von Brandenburg auf Pommern wenigſtens zum Theil auf⸗ 
zuopfern bereit wäre, fo glaubten doch die Schweden durch eine muthige Fortſetzung 
des Krieges noch mehr zu gewinnen ). 5 u 


237. * N 0 
Das Kriegsgluͤck änderte ſich auch wirklich zuſehens. Herzog Bernhard von Die Schwe⸗ 

Weimar war fruͤhzeitig ins Feld geruckt, uͤberrumpelte Sekingen und Laufenburg, den ere 
und belagerte Rheinfelden. Der Faiferliche Feldherr Savelli entfegte zwar dieſen —.— 
Ort, ward aber bald darauf vom Herzog Bernhard von Weimar angegriffen, und ſich wieder. 
aufs Haupt geſchlagen, wobey faſt alle feindliche Feldherrn, infonderheit Savelli, 
Johann von Werth, Enkevort, Fürftenberg und Sperreiter, in des Herzogs 
Hände fielen. Hierauf ergab ſich Rheinfelden an ihn. Er eroberte Roͤtheln und 
Freiburg, und belagerte Breiſach. Er ſchlug den zum Entſatz aus Heſſen herzuel⸗ 
lenden Goͤtzen, und befoͤrderte durch fein Gluck den Vergleich zwiſchen Caſſel und 
Darmſtadt, obwol ſolcher nicht völlig zur Richtigkeit gebracht wurde. Der Herzog von 
Lothringen kam zwar auch in der Abſicht herbey Breiſach zu entſetzen, er ward aber 
gleichfals auf dem Ochſenfelde bey Thann geſchlagen. Goͤtze verſuchte noch einmal den 
Entſatz von Breiſach, war jedoch abermals unglücklich, und fein Verſuch auf Enſisheim 
ſchlug ebenfals fehl. Der Pfaligraf Carl Ludwig und deffen Bruder Robert wurden zwar 
bey Lemgo geſchlagen, woben Robert gefangen wurde, und Carl Ludwig im Waſſer ums 
zukommen, Gefahr lief, und wodurch die Kalſerlichen ſich in Weſtphalen auszubreiten 
Gelegenheit fanden. Jedoch dies hinderte die Uebergabe der Stadt Breiſach an den Herzog 
Bernhard nicht. Frankreich ſuchte dieſen Prinzen zu bewegen, dieſe Veſtung dem Lud⸗ 

wig i3 einzuraͤumen. Der Herzog war aber ganz anderer Meinung. Er hatte den 

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7) Lond. T. 4. Thestr. Europ. ad h. a. Pußendorf Res, ſuee. 


1638, 


604 3%. 10 Pauptf, Neuere Gefhichteson Brandenburg. 


Vorſatz gefaßt, kuͤnftig, ohne von Frankreich abzuhangen, den Krieg fortzuſechen, 
und ſich am Rheinſtrom ein eigenes Land zu erwerben. Er dachte in dieſer Abſicht 


ſogar an eine Heirath mit der verwitweten kandgraͤſin von Heſſencaſſel; die ſich mit 


einer ſonderbaren Klugheit gegen den Kaifer und Heſſendarmſtadt zu erhalten gewuſt. 
Durch diefe Heirath glaubte Bernhard im Stande zu ſeyn, noch wichtige Dinge zu 
unternehmen, beſonders, da auch die Schweden auf der andern Seite ſich ungemein 
erholet hatten. Dieſe ſuchten ſich anfänglich nur der Kaiſerlichen in Pommern zu er⸗ 
wehren, und beſonders die Unterhaltungsmittel ihren Feinden abzuſchnelden, worin es 
ihnen ziemlich gluͤckte, doch thaten ihnen die Feinde zuweilen Abbruch, unter denen ſich 2 
ſonderlich der kalſerliche Feldherr Johann Rudolph von Bredow und der 
denburgiſche Feldherr von Klitzing hervor thaten. Der letztere eroberte 

mit ſtuͤrmender Hand, und ſchickte den gefangenen ſchwediſchen Tro; 
mont gefaͤnglich ein. Endlich aber langten aus Schweden im Jun. friſche Völker 


in Pommern an, worauf die Schweden wieder Angrelfungsweiſe den Krieg fortzu⸗ 


fegen in den Stand kamen. Die churfüͤrſtlichen Höfe von Sachſen und Branden / 


burg fanden deswegen für nörhig mit dem Kalſer in der genaueſten Verbindung zu ble 


ben. Als daher Ferdinand z nach Prag gekommen, ſchickten beide ihre Gefandten 
dahin ab. Als brandenburgiſche Geſandten fand ſich der Geheimerath von Brunn 
und der Hof, Kriegs und Kammerrath Johann Fromhold ein. Sowol die 
Schweden als der Churfuͤrſt von Brandenburg verordneten einen allgemeinen 
Bettag wegen gluͤcklichen Fortgangs der Waffen. Das Gluͤck erklärte ſich aber vor 
die Schweden. Banner nahm der brandenburgiſchen Beſatzung nach tapferer 
Gegenwehr Gartz mit Sturm wieder ab, woben der brandenburgiſche Obriſte Dias 
gitz gefangen wurde. Banner ließ hierauf Gartz, nachdem die Einwohner nach 


5 Greifenhagen und Stettin geſchaffet waren, mit Fleiß anſtecken, zum Theil in die 


guft ſprengen und. gänzlich zum Steinhaufen machen. Gallas war durch H 
Peſt und Verlaufen ſehr geſchwaͤcht. Die Schweden eroberten einen Ort ne 
andern in Pommern. Gallas muſte ſich überall zuruͤck, erſt auf e . 
auf Doͤwitz ziehen. Marazin, der in Arnims Abweſenheit das fächfi {A 
anfuͤhrte, wolte zwar den Kaiferlichen eine Verſtaͤrkung über Havelb 
wurde aber zwiſchen Lentzen und Doͤmitz uͤberfallen und geſchlagen. Gallas mu 
daher weiter zurück durch die Lentzerwiſche über die Elbe, nach der alten Mark g 
ben, wo er uͤber Seehauſen und Oſterburg nach Stendal rückte, Das Sechs 
kam nach Tangermünde, wo die Kaiferlichen ihre Vortaͤthe hatten, die aber vor dem 
Soldaten nicht hinreichend waren. Hier blieb Gallas bis zu Ende des Jahre 

Der Hunger war in dieſer Provinz fo ausnehmend groß, daß beute Menſch „ % 
eigene Kinder verzehrten. Die kalſerlichen Volker hielten abſcheulich überall 5 
und die ſogenannten Merodebruͤder brachten den kandmann durch die erſtaunſte 
tern zur N Sonderlich bedienten ſich die Soldaten dert ſogena 


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| Cbhpurfuͤrſt Georg Wilhelm. De 608 
Miſtpfützen, Heringslaage, und ſeloſt Urin von Menſchen und Vieh eintrichterten 1638, 
Das Blut der Menſchen wurde wie Waſſer vergoſſen; die heiligen Geraͤthe in den Kir 
chen geraubt, und die Perſonen andern Geſchlechts vielfältig genvhhuͤcheig⸗t. Dies 
brachte die Bauren in Droͤmling endlich in die Waffen, deren Beiſpiel das land⸗ 
volk um Salzwedel im kalbiſchen Werder und andern Gegenden nachfolgte, mit Ge⸗ 


nehmhaltung der Obrigkeit ſich Anführer wählte, und Parteienweife die Merodebruͤder 


uͤberall todtſchlug, wo man ſie fand. Die ſchwediſchen Parteien machten es in der 
Mark Brandenburg nicht beſſer. Sie uͤberſielen Bernau und bedienten ſich gleichfals 
der ſchwediſchen Traͤnke, um alle verſteckte Habſeligkeiten auszupreſſen. Die armen 
Einwohner, die um alle das ihrige gekommen, wandten ſich hierauf nach Berlin. Ei⸗ 
ne brandenburgiſche Parten nahm zwar den Schweden zwey Falconetlein bey Neuen 
werben ab, davor beſetzten die Schweden, nachdem ſich die brandenburgiſchen Voͤl⸗ 
ker heraus gezogen, Prenzlau, und verfolgten ihre immer weiter an der Havel zu ⸗ 
ruͤckziehende Feinde ſo ſchleunig, daß wo die Kaiſerlichen den einen Tag geweſen, die 
eden den andern eintrafen, wobey Freund und Feind alles pluͤnderte, und vers 
heerete. Und doch konte der Churfuͤrſt nicht bewogen werden des Kaiſers Partey zu ver⸗ 
laſſen. Er beſchickte vielmehr den oberſaͤchſiſchen Kreißtag zu Leipzig durch feine Kam⸗ 
mer / und Kriegsräche D. Fritz und Seidel, und bewilligte daſelbſt ſowol neue Oeld⸗ 
als Volkhuͤlfe gegen die Schweden ). 7 


| 1 1 N 
Auch in Abſicht Preuſſens hatte er mit dem polniſchen Hofe viel zu ſtreiten. Der gurſürſt 


Konig Wladislaus fiel auf dem Einfall aus Geldmangel Herr der Oſtſee zu ſeyn, handelt mit 


und hielt ſich berechtiget im Herzogthum Preuſſen eben fo wie im polniſchen Antheil Des wegen 
Seezölle anzulegen. Er machte ſich zuerft an den Churfuͤrſten von Brandenburg, e zolls und 
von dem, als Herzoge in Preuſſen, er dasjenige durch Vorftellungen zu erlangen ſuch des Botho ein 
te, wozu ihn die tehnsverträge nicht verpflichten, auch kein polniſcher Reichstags Br * 
ſchluß verbinden konte. Es wurde zu dem Ende im Monat Jul. 1637 ein Gefandtee " 

nach Berlin geſchicket, und an die preußiſchen Regiments taͤthe geſchrieben, dem 

Arend Spiring, zur Einnahme des Zolls, ein Haus in Pillau einzuraͤumen. Der 

Churfuͤrſt urtheilte, daß dieſes Zumuthen von einer gefährlichen Folge waͤre, und ihm 

bey Auswärtigen groſſen Verdruß zuziehen konte. Er berief ſich auf ſeine Vorrechte, 

und auf die lehne vertraͤge, und ließ an. die Regimentsraͤthe und an die Befehlshaber 

in Memel und Pillau, Befehl ergehen, den Zoll nicht zu geſtatten. Demungeach⸗ 

tet langte Arend Spiring den gten Oct. mit einem königlichen Kriegs ſchif unter hol⸗ 

laͤndiſchen Flaggen und mit geſchloſſenen Schießlöchern vor Pillau an, mit dem Vorgeben, 


daß er ein Holländer ſey, und Stücgärerführe. Wie er aber eingelaufen, und die Ans 
Fer geworfen, ließ er fönigliche Flaggen wehen, die Schieslöcher öfnen, und dem Bes 
febhls haber andeuten, daß er zur Zollelnnahme gekommen ſey; woran ihn dieſer jedoch, ums 


ter Bedrohung ihn in den Grund zu ſchieſſen, hinderte, ſo daß die Schiffe, ohne etwas an 
egen I Wu 2) 6 TE 69993 20 d ui did due n 
. 5) Puffendorf, Theatr. Europ. Kuſter Antig. Tangerm. 


— 


1638. 


jemand von den Regimentsraͤthen zu ihnen nach Braunsberg kommen möchte, um mit 


wurde. Er richtete ſeinen lauf nach Königsberg, und anfeese anffet denen Eanonen be 


606 3%. 10 Hauptſl Neuere Geſchichte von Brandenbur . 

ihn zu zahlen, aus / und einlaufen konten. Den andern Tag hernach überſchic 60 2 
Zollbevollmaͤchtigten zur Entrichtung des Zolles, einen koniglichen Befehl, nebſt eit 
offenen Briefe des Kronſchatzmeiſters, darin er die Spiringe, zur Einnahme daß 
Anlage in den preußiſchen Hafen, beſtellte: und es verlangten die Bevollmächtigten, daß 


ihnen von der Sache weiter zu reden. Die Regimentsraͤthe lieſſen alles an den Chur 
fürften nach Berlin gelangen, und fertigten den Regierungsſecretaͤr Chriſtian Wins 
ter, nach Braunsberg, um, was die Jollbevollmächtigten ſonſt zu melden N 
zuhbren. Spiring lag bis den 1aten Oct. in dem pillauiſchen Hafen, da er unter 
dem Verſprechen, ſich nach Elbing zu begeben, von dem Befehlshaber durchgelaſſen 


Veſtung, in dem Fahrwaſſer unter dem Schwalkenberg. Weill niemand zu d 

Zoll ſich verſtehen wolte, fo wurde hiedurch die Farth zwiſchen ‚Königsberg ı 
lau gehemmet. Hieraus erkannte der polniſche Hof, daß er ohne — a 
Churfuͤrſten von Brandenburg in Pillau und Memel zum Genuß des Zolles nicht 
gelangen wuͤrde. Die Regimentsraͤthe, ohne den Kanzler Sauke, waren zwar dem 
koͤniglichen Vorhaben insgeheim zugethan, konten aber nichts 2 5 
Befehlshaber von Pillau bey dem churfürſtlichen Befehl verharrete, und ſich 

weder durch angebotene Geſchenke noch Drohungen abwendig machen ließ. 
Ausgang des Octobers muſte der Graf Magnus Ernſt Doͤnhof nach Berlin 1 
fen, und dem Churfürſten aus dem pillauiſchen Zoll, jährlich 100000, Suden untu, 
ten. Des Churfuͤrſten vornehmſter Staatsbedienter, der Graf von Schwarzenber Er 
terſtuͤtzte des Königs von Polen Antrag, daher der pillauiſche Befehls hab er im Re No 

die Zolleinnahme nachzugeben, und mit dem Arend Spiring, wegen 
Churfuͤrſten zu hebenden Antheils, das noͤthige zu verabreden ue. 
ring hatte ſich eben von feinem Schif nach Elbing begeben, wie der Befehls hab 
Befehl empfieng, und ehe er zuruͤck kam, war der Ehurfuͤrſt durch die Vorſ 

ner Gemalin bewogen worden, die Nachgebung des Zolles zu und ihn 
mals zu verbieten. Die Stadt Danzig, worin der König ſeinen Willen, f 
zoll anzulegen durchaus durchtreiben wolte, hatte mit dem Churfuͤrſten von Brand 
in dieſer Angelegenheit ein genaues Vernehmen gepflogen. Sie bat unter 
ben: kein Schif, welches dem König in Danzig den Zoll bezahlt, in die — 
Häfen aufzunehmen, ſondern vielmehr den Seehandel wie fie gethan, ganzlich 
Georg Wilhelm bielt wirklich mit der Stadt Danzig genau zuſammen, mit 
auch die meiften Stände von polniſch Preuſſen hielten. Ben dieſen letzter 
ehemaligen Churfürften Johann George Sohn, Marggraf Siegmund ess an, 
auf dem kuͤnftigen Reichstage mit zu wirken, daß ihm, ſeinen Bribern und Bruders ⸗ 
föhnen von Polen auf den Fall die Belehnung von Preuſſen gereicht würde, we 
die damalige Churlinie abgienge. Auf dem Reichstage ſelbſt ward . ıdern 

net, daß die in 9 auf die Waaren neu engere Anger 


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Churflrſt Georg Wilhelm. 607 


durch Bevollmächtigte unterſucht werden ſolte, ob fonft im Herzogthum Preuſſen ein 


ungewöhnlicher Zoll angeſetzt ſey. Nachher ſchickte der König nach Berlin an den 
Churfuͤrſten einen Geſandten, welcher die Annehmung des neuen Zolls, auf vier von 


bundert, in den beiden Hafen Pillau und Memel, auswirkte. Es ward hiebey vers 


abredet: „Daß der Zoll in den gedachten Hafens, nicht eher als bis er zu Danzig, El⸗ 
bing und in den curlaͤndiſchen Hafen wiirde ſeyn eingefuͤhret worden, anfangen, 
nicht länger als zwey Jahr dauren; nach Verlauf dieſer Zeit mit dem Churfuͤrſten 
eine neue Handlung gepflogen; die Einnahme, ohne jemanden des fals Rechenſchaft 
zu geben, blos von dem Churfuͤrſten beſorget; die dazu nörhigen Leute, von ihm als 
lein, unter feinem Eide angenommen; zu Ehren Ihro Königliche Majeſtaͤt aber, eis 
ner von den Spiringen, doch unter churfuͤrſtlichem Eide, zu ſolchem Amte gelaſ⸗ 
ſen; und die Einkünfte nach Abzug der Koſten, zwiſchen dem König und dem Chur⸗ 
fuͤrſten getheilet werden ſolten. , Hiernebſt verſprach der Koͤnig, die Genehmhal⸗ 
tung dieſes Vergleichs von den Reichs ſtaͤnden herbey zu ſchaffen, und befoͤrderlich zu ſeyn, 
daß dem Churfuͤrſten, die in Anſehung des preußlſchen tehns, an die Krone Polen 
abzutragende ordentliche und auſſerordentliche Gelder erlaffen würden. Gleich im Ans 
fange des Jahres 1639 beſuchte der Churfuͤrſt den Koͤnig zu Grodno. Hier wurde das⸗ 
jenige genehmiget, was wegen des neuen Zolles durch den polniſchen Geſandten vers 
abredet worden. Georg Wilhelm willigte uͤberdies darein, daß mit der Zolleinnah⸗ 
me wirklich der Anfang gemachet werden ſolte, ohne abzuwarten, bis ein gleiches in 
Danzig geſchehen. Er ließ zu ſolchem Ende wirklich die Spiringe nach geleiſtetem 
Eide in die pillauiſche Zollkammer öffentlich einweiſen. Man fing an auch von des 
nen nach Danzig gehenden Fahrzeugen durch ein königliches Schif den neuen Seezoll 
zu erheben. Hiermit war Daͤnnemark um ſo weniger zuftieden, well ſeine Krone 
im Sunde einen ſtarken Ausfall der Einnahme ſpuͤrte, da der preußiſche Seezoll die 
Schiffahrt hemmete. Er ſchickte daher nicht nur etliche Kriegs ſchiffe auf die Danziger 
Reede, ſondern verordnete auch daß alle nach Pillau und Memel gehende Schiffer 
ſolches bey Verluſt der Schiffer und alles Guts im Sunde melden, und den ſonſt ges 
woͤhnlichen Zoll zwiefach erlegen ſolte. Er verbot ſogar nachmals alle Fahrt nach den 
Hoͤfen des Herzogthums Preuſſen. Dieſer Seezoll, das Geſuch des Marggrafen 
Siegmunds um die Mitbelehnung uͤber Preuſſen und ein Einfall, den der Chur⸗ 
fuͤrſt in Liefland vornehmen laſſen, gaben zu der Ausſchreibung eines andern polni⸗ 
ſchen Reichstags Gelegenheit. Das harte Betragen der Schweden in den churfuͤrſt⸗ 
lichen deutſchen Staaten, hatte den brandenburgiſchen Hof auf den Anſchlag ge⸗ 
bracht, fie zu nöthigen ihre Macht zu theilen, und ihnen alſo in Liefland was zu 
thun zu ſchaffen. Ein kaiſerlicher Parteigänger Hermann Boot hatte in dieſer Abs 
ſicht in Preuſſen geworben. Es geſchahe ſolches zwar unter dem Schein die Neuan⸗ 
geworbenen nach Deutſchland zu fuͤhren. Als ſolche aber bis 900 Mann t) ange⸗ 
wachſen, nahm Boot unvermuthet durch Samoiten und Curland ſeinen Zug nach 


Lief⸗ 


9) Das Theatr. Eur. feßt 40.0 Mann, geſteht aber daß ſolche nicht alle nach Kiefland gekommen. 


1638. 


1639. 


“ 


608 2 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 
1639. Lie fland, und richtete darin einige Verwuͤſtungen an. Nachdem aber eine wider Boot 
i ausgeſchickte ſchwediſche Parten denſelben gänzlich geſchlagen, ſo hatten die Schweden 
davon weiter keinen ſonderlichen Schaden. Demohnerachtet beſchwerte ſich der Bar 
fehlshaber von Riga bey Polen, daß der 26jährige Waffenftillitand hiedurch v. | 
fen, weil dieſe Völker in Preuſſen ihren Werbungsplatz gehabt, und durch die poln 
ſchen bande nach Liefland gekommen wären. Es lehnte zwar der lithauiſche Groß ⸗ 
kanzler in einem Antwortsſchreiben dieſe Beſchuldigung von der Krone ab. Weil man 
aber nicht wiſſen konte, ob Schweden ſich hierdurch beruhigen, oder wol gar zu Thät⸗ 
lichkeiten ſchreiten wuͤrde, fo kam dieſe Sache auf den Reichstag. Hier lief ein Schreie 
ben von den ſchwediſchen Reichsraͤthen an den polniſchen Senat ein, in welchem fie 
auf den Churfuͤrſten von Brandenburg, wegen des vorerwehnten Einfalls in Liefland 
argwohnten, und ihn zu Beobachtung des ſtumsdorfiſchen Vergleichs, und zu E 
tung des zugefuͤgten Schadens anzuhalten baten. Der polniſche Senat entſchul 
den Churfuͤrſten, und verſprach, ſich ben ihm zu bearbeiten, daß er nichts unte 
me, noch anderen geſtatte, was der gemeinen Ruhe nachtheilig ſeyn könte. Vor ſich 
aber gab der Senat die Verſicherung, nicht nur dem Stillſtande genau nachzuleben, 
ſondern auch bereit zu ſenn, über einen ewigen Frieden zu handeln, ſobald man ſchwe 
diſcher Seite Zeit, Ort und Gevollmächtige benennen wurde. Zulet klagt 
die Gewaltthaͤtigkeiten, welche die polniſchen Untertanen von den ſchwediſchen Sob 
daten an den lieflaͤndiſchen, pommerſchen und maͤrkiſchen Grenzen litten, mit dem 
Begehren, ſolchen Beſchwerden zum Vergnuͤgen der Beſchädigten „ durch beider Theis 
le Bevollmaͤchtigte abzuhelfen. Sonſt ward auf dem Reichstage in gebracht 
die Beſchaſſeuheit der Pillau durch gewiſſe Perſonen — 0 
ſtand aber der Reichstag wegen verſchiedenen Widerſpruchs nicht. Unter andern hatten 
einige vom Könige Dinge begehret, die ſolcher einzumilligen keine zuſt hatte, al daß 
Churbrandenburg dahin anzuhalten, daß folches den lieflaͤndiſchen Einfall nicht nur ve ⸗ 
antworte, ſondern auch kuͤnftig ſich deſſen enthalte; daß eine Unterſuchung ve genomme 
werde, wer der eigentliche Urheber dieſes Einfalls ſey; daß der König den Ständen v 
demjenigen Nachricht gebe, was er zu Ortelsburg mit dem Churfüͤrſten verab e 
und daß Spiring vom pillauiſchen Zoll abgeſchaft, und ein Einjögling dazu beſteller 
werde. Die Nachrichten aber die der Churfuͤrſt aus Deutschland erhielt, warm 
noch weit betruͤbter 1). eee 
l f . 39. ler 0 A * 
Banner fuͤhrt Gallas ſahe ſich ſo geſchwaͤcht „ daß er ſich nicht einmal gegen die altr } ed, 
den krieg in Bauern, die ihm vieles ſchwere Geſchuͤtz abnahmen, genugſam ſichern konte. Er n 
Sehnen Und ne af ſch noch wehr vor den Schweden entfernen vor deren er id urch Sachſ 
bis nach Böhmen und Schleſien zog. Jom folgte mit dem Ueberreſt 
Volker der Feldherr Salis. Die Schweden giengen bey Doͤmitz ebenfals über d 
Elbe ins Luͤneburgiſche. Weil der Herzog Georg von Braun ſchweig Lüneburg 


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2.4, 
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8. 


#) Lengnich ad h. a, Theatr. Eur, ad h. a. 


Ehurfürft Georg Wilhelm. 605 


ſie daran zu hindern nicht getrachtet ſo war der kaiſerliche Hof mit deſſen Betragen 
en zufrieden, Die verſammleten niederſaͤchſiſchen Kreißftände erſuchten uͤberdies 

den Kaiſer ſich einer allgemeinen Verzeihung nicht zu widerſetzen / und Niederſachſen 
einer genauen Parteiloſigkeit genüͤſſen zu laſſen. Ein kaiſerlicher Spruch, wodurch 
dem Herzoge Georg das Stift Hildesheim an Coln heraus zu geben anbefohlen wur⸗ 
de, erbitterte den Herzog ſo ſehr, daß ſich ſolcher auf die ſchwediſche Seite völlig zu 
lenken anſieng. Die Schweden hatten mit dem Herzog Bernhard von Weimar 
verabredet, daß fie durch Sachſen, er aber durch Vaiern in die —.— Erblan⸗ 
einbrechen wolten. Die erſtern fuͤhrten ihren Entwurf aus. Sie giengen durch die 
Stifter Magdeburg und Halberſtadt und durch die anhält ſchen lande 4 05 
ſen. Pful holte bey Elſterberg den Salis ein, und ſchlug denſelben. Stal⸗ 


1639. 


hantſch erlegte nicht weit von Dresden vier ſaͤchſiſche Regimenter. Banner fit 100 


richtete die feindlichen Völker unter den Marazin bey Chemnitz völlig zu Grunde. Er 


drang nach der Eroberung von Pirna in Boͤhmen ein, und legte ſich vor die Haupt 
ſtadt Prag. Herzog Bernhard war auch aus den Winterlaͤgern aufgebrochen, um 
nach Baiern zu gehen, und ſich mit Bannern zu vereinigen. Allein er ſtarb plötz 
lich zu Neuburg am Rhein, und ließ eln altes verſuchtes Heer, und eroberte Lander 
ohne Ober und Kriegsherren. Wer das erſtere an ſich ziehen konte kam zugleich in dem 
Beſitz der eroberten Veſtungen. Carl Ludwig von der Pfalz bemuͤhete ſich darum, ward 

aber unter dem Vorwande, daß er ohne Vorwiſſen des Königes von Frankreich durchs 
tand gereiſet, gefangen genommen; da indeſſen Frankreich des Herzog Bernhards 


hinterlaſſene kriegeriſche Völker an ſich zog, und durch die Eroberungen dieſes ver ſtorbenen 


deutſchen Helden zuerſt veſten Fuß in Deutſchland ſetzte. Weil aber die Schweden 
folches den Franzoſen mißgönneten und beide darüber in einen Streit verſielen, fo wur⸗ 
de hierdurch das vortrefliche Heer von ſeinem Zuge nach Baiern abgehalten. Die Kai⸗ 
ſerlichen gewonnen Zeit, unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Leopold Wilhelm ihre 
ganze Macht nach Boͤhmen gegen die Schweden zuſammen zu ziehen. Banner ließ 
ſich mit allerlen Friedens vorſchlaͤgen aufhalten, machte ſich aber dadurch bey vielen 
Schweden ſelbſt verdaͤchtig. Inſonderheit war Salvius daruͤber mißvergnuͤgt, der 
eigentlich zum Friedensgeſchaͤfte bevollmäͤchtiget war. Der letztere trieb folches in Ham⸗ 
burg nebſt dem franzoͤſiſchen Geſandten Avaux unter daͤniſcher Vermittelung. Weil 
man aber Geleitsbrlefe für alle Bundesgenoſſen der Kronen Frankreich und Schwe⸗ 
den vom Kaiſer verlangte, und darauf beſtund, daß dieſe Bundesgenoſſen unmittelbar 
zu den Friedensunterhandlungen zugelaſſen werden muͤſten, ſo wurden die Unterhandlun⸗ 
gen hierdurch verzögert, und ein Theil ſuchte dem andern dieſen Verzug belzumeſſen. 
Wär diefer öffentlichen Unterhandlung arbeitete Salvius auch insgeheim bald mit dem 
kaiſetlichen Geſandten Graf Kurtzen, und bald, da ſolcher nach Wien zuruͤck gereiſet, 
mit dem Herzoge von Sachſen Lauenburg. Hauptſächlich war die Genugthuung 
der Schweden der Vorwurf ihrer Unterredungen. Weil aber Schweden den eigen⸗ 
thuͤmlichen Beſitz von Pommern als ein Reichslehn verlangte, der 5 aber dieſes 
fand 


b. allg. preuß. Geſch. 4 Th. Hh h 


6180 3°. 10 Hauptſt ‚Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


1639. land den Schweden nur als ein Unterpfand bis zur Bezahlung einer Summe Geldes 

; verwilligen wolte, ſo kam man auch hiermit nicht zu Stande. In der geit gieng zwar 1 
Hatzfeld nach Sachſen, konte jedoch feine Abſichten nicht ausführen, weil Banner 
in kuͤrzerer Zeit daſelbſt anlangte) die Stadt Prag aber noch enger als vorher einſchloß. 
Weil aber die Faiferlichen und andere Völker von allen Seiten zum Entſaß dieſes Orts 
herbey rückten, woben Piccolomini unter dem Erzherzog die Volker anführte, fo mu 
ſte ſich Banner nach Sachſen zuruck ziehen, um ſich bey Erfurt mit demjenigen 
Heer zu vereinigen, welches Han Bernhard nachgelaffen, und 2 dem Her 
zoge von W ie: 10 5 Pefin und e 
e e NER vo 


4 
Die Mut Der Be von Brandenburg ar Bun W am allermeiſten. 
eng. Schweden beſtunden auf dem Eigenthum von Pommern, welches fie dem Georg 
fehr 8 55 Wilhelm noch immer vorenthielten, und die übrigen Platze, worin die li 
nommen. Beſatzungen hatten, nach und nach einnahmen. Der Kaiſer fieng in denen gehe 
Unterhandlungen mit Schweden ebenfals an, den Schweden die Hofnung mar | 
chen, daß fie wenigftens Pommern als ein Unterpfand im Beſitz b a 
und der Ehurfärft ſolte alſo das Opfer des kuͤnftigen Friedens hergeben. 
mißgönnete damals ſchon der ö ſterreichiſche Hof dem Churhauſe n 
rechtmaͤßige Erwerbung eines fo wohl gelegenen landes, well es dem Kalſer vorthe 
ter fehlen ein Oberherr mindermaͤchtiger Stände zu ſeyn, als ſolchen eine Mecht zu gon 
nen, welche dieſelben in den Stand ſetzen konte des Kaiſers Gewalt inzuſchraͤnken 
Auſſer dem, daß man dem Churfuͤrſten im Cabinet fo mitſpielte, verödete eh 
ſein Churfuͤrſtenthum. Der abſcheulichſte Hunger nöthigte die noch uͤbr be | 
ner ſich mit todten Menſchen und umgefallenem Vieh zu erſittigen. Die K 
ae nicht nur das was zum Unterhalt der Menſchen noch etwa fi fn 


Als Banner zu Anfang des Jahres unter Salzwedel nach dem Luͤneburgiſchen 
zog, gieng der brandenburgiſche Befehlshaber in Gardelegen ben Wr * 

10 Compagnien wohlbewaͤhrter Reuter zum Feinde über, und aber etantwe 
cher Weiſe dieſe Stadt und die ganze alte Mark deſſen Haͤnden. Adam von Schwar 
zenberg ſprach zwar dem Wrangel den Strang zu, und ließ des Urthel z Berlin 
an ben Bildniß vollſtrecken. Es haben aber nachmals die Schweden das Bild 
wieder abgenommen, und Wrangel ſelbſt wurde hernach begnadiger. Die 
den ſchrieben hierauf Brandſchatzungen in der alten Mark aus, der Statthalker 


r . Thestr. Eorop. Pußendörfs \. i r 


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2 . N * 


* 


Churfuͤrſt Georg Wilhelm. ix 


ſolche an die Schweden zu zahlen, und verlangte, daß die Unterthanen alles an die 1639. 


brandenburgiſchen Regimenter in der Werbenerſchanze liefern ſolten; doch jedermann 
war unterthan dem, der Gewalt uͤber ihn hatte. In der Mittelmark uͤberrumpelte 
der ſchwediſche Obriſte Dewitz die Reuter des Obriſten Borgedorfd zu Bernau. 


Die Brandenburger wolten ſich durchſchlagen, aber der Rittmeiſter Weyher blieb 


auf dem Platz. Borgsdorf ſelbſt und fein Obriſtlieutenant Johann von Mahl nebſt 
den meiſten andern wurden gefangen. Der Major Marx Luͤdecke aber ſchlug ſich durch 
und den Rittmeiſter von der Oſten rettete die Fluͤchtigkeit feines Pferdes. Schwar⸗ 
zenberg ſahe ſich kaum von den kalſerlichen Völkern verlaſſen, und die Schweden her ⸗ 
zukommen, fo verließ er Berlin mit allen Habſeligkeiten, und weil er in Spandau 
keine genugſame Sicherheit zu haben glaubte, entfernte er ſich damit nach Peitz. Er 

ließ zwar Berlin beveſtigen / aber ohne Völker zu haben, dieſen weitlaͤuftigen Ort vertheiß 


digen zu konnen. Der Befehlshaber in Cuͤſtrin verſuchte vergebens Piritz und Drama 


burg den Schweden zu entreiſſen, obwol nachher die Schweden daraus vertrieben 
wurden. Dieſe konten im May gegen Landsberg an der Warte nichts ausrichten, 
fie nahmen aber im Jul. den Ort mit Sturm ein, und nöchigten den Oberſten Knoͤr⸗ 
ring, der die Schanze vertheidigte, ſich zu ergeben, wodurch auf ooo Mann bran⸗ 
denburgiſcher Völker verloren giengen. Der Feind nahm ſodenn Frankfurt an der 
Oder im Beſitz, und brandſchatte den Ort mit 7000 Thaler. Sonnenburg der Wohn⸗ 
fig des Johanniterherrnmeiſters muſte herhalten. Der feindliche Oberſte Dewitz kam 
ſogar mit 4 Regimentern Reuter und zwey Regimentern zu Fuß im Aug. vor Berlin an. 
Die brandenburgiſche Befagung von 400 Mann war zu ſchwach den Ort zu vertheldigen, 
und zog ſich nach Spandau. Berlin muſte ſich daher ergeben, und 16000 Thaler, fo wie 
die landſchaft 3000 Thaler Brandſchatzung erlegen, und die Volker des Dewitz einnehmen. 
Havelberg, Brandenburg und Rathenau wurden gleichfals von den Schweden be⸗ 
ſetzt. Zum Gluͤck bekam Dewitz Befehl ſich nach Schleſien zu ziehen. Er verließ 
daher Frankfurt ſowol als Berlin. Der Statthalter kam an den letzten Ort zuruͤck, 
und ließ den Buͤrgermeiſter Blechſchmidt gefänglich nach Spandau führen, als wenn 
es nur von der Stabrobrigfeit abgehangen, die Schweden nicht einzunehmen. Die 
Einnahme von Rathenau wolte er der Stadt Tangermünde zuſchreiben, und verur⸗ 
theilte dieqſen Ort in 2000 Gulden Strafe, die jedoch nachher erlaſſen wurde, weil 
Tangermuͤnde ſeine Unſchuld bewieß. Die Beſatzung in Spandau ſchlug 200 
Schweden in die Flucht, welche einige ſchwediſche Packwagen bedeckten, hingegen 
brandſchatzten die Schweden von Pommern aus die Uckermark. Die Beſatzung 
von Landsberg bemächtigte fich von der Veſtung Drieſen durch Verrärheren des Haupt⸗ 
manns Georg Lauriski. Der brandenburgiſche Obriſtlieutenant und Befehlshaber 
in Drieſen Ernſt Ludwig von Groͤben blieb auf dem Platz, der Obriſtwachtmeiſter 


Ernſt Ludwig von Wedel aber nebſt einen Lieutenant und 75 Mann, 20 Stück Ges 


ſchuͤt, und vielem Kriegs vorrath gerieth in feindliche Hände. Die Schweden konten 


nun auf 30 Orte mit Brandſchatzung belegen. Der Feind nahm Neuruppin ein. 
f Hebb z N Der 


62 38%. 10 Haupt Neuere Geſchichte von enden. 


1670. Der Statthalter wolte ſolches zuruͤck erobern. Die churfuͤrſtlichen Völker aber wur · 
den mit Verluſt von 300 Mann vom Axel Lilie geſchlagen, und zwen halbe Carthau⸗ 
nen ſamt den Kutſchpferden des Statthalters, die er aus Mangel anderer Pferde davor 
hatte ſpannen laſſen, erbeutet. Einige ſchwediſche Parteien, die um Witſtock Brand · 
ſchatzungen eintrieben, wurden zwar von den Brandenburgern verjaget, da die er / 
ſtern aber verſtͤrkt worden, wurden die Brandenburger bey Spandau zum Stau 
de gebracht, und mit Verluſt von 200 Mann geſchlagen. Der Oberſte Ri 
hinter Stendal auf Gardelegen los, konte aber aus Mangel des Fußvolks nichts aus 
richten, und ein anderer Verſuch der Brandenburger auf Ruppin war gleichfals vers 
geblich. Anſtatt durch den Einfall des Hermann Boot in Liefland ſich in der Mark 
uft zu machen, nahmen die Schweden durch deſſen ungluͤcklichen Erfolg ſogar Ans 
laß das Churfuͤrſtenthum noch härter zu behandeln. e taͤnder bie 


ben nen der re Frisgerifiher Bessbnfiten . Nl 
1 . waage ee 
1640. Auch in dem folgenden Jahr 1640 wurde der Krieg von alen Pe r 


Sorrfesung fortgeſezt. Banner hatte nach der Vereinigung mit Longue ville . . 
5 und Lüneburger an ſich gezogen. Denn ſowol die Landgraͤfin von 
15 preußl, Herzog von Luͤneburg hatten ſich wirklich vor Frankreich und S 
fen angele- vereinigte Macht war 32000 Mann ſtark geworden. Aber Piccolomini fegte ſich über 
zeuheiten. all, ſonderlich bey Salfeld fo vortheilhaft, daß Banner gegen die Kaiſerlichen nichts 

ausrichten konte. Sie kamen ihm zuvor da er ſich nach Franken 3 


Fritzlar waren die feindlichen Heere ſich wieder ſehr nahe gekommen, ohne 
Schlacht erfolgte. Picolomini gieng nach der Weſer, bemaͤchtigte nn 
Hoͤrter, und wolte die braunſchweig luͤneburgiſchen Sande fo verwüſten, wie ſol. 
ches mit Heſſen geſchehen, um Heſſen und Braunſchweig auſſer Stand zu Bw 
ferner Kriegsvölker zu unterhalten, Er verfehlte aber feine Abſicht in dieſem S 
weil ihm Banner den Uebergang uͤber die Weſer verwehrte, und dadurch 


ſchweigiſchen lande rettete. Die Schweden konten jedoch eben ſo wenig ihre Abſich / 
ten in Franken, Baiern, oder die Faiferlichen Erblande einzubrechen, „ %o 
daß die feindlichen Heere den ganzen Feldzug durch in Thuͤringen, nd Weſt ⸗ 
phalen, ohne ihre Abſichten erreicht zu haben, herum zogen. In dem Churfürftens 


thum Brandenburg wurde der Krieg zwar nur mit kleineren Parteien hrt, die 
aber hinlaͤnglich waren, faſt das ganze Land zu Grunde zu richten. ‚Die Sch 

ſtelten die Veſtungswerke von Drieſen wieder her. Der brand -gifche S 
Goldacker konte vor Ruppin nichts ausrichten. Die Feinde (erteten Die Aufuhtenad: 
Spandau, Cuͤſtrin und der Werbenſchanze. Die letzte wurde r 
lebens mitteln und Verſtaͤrkung verſehen. Hingegen ließ der Statthalter die 

Stadt Werben e damit fich der Feind darin nicht * D 


5 Puffendorf, Theatt. Lan — 


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1 . - 8 * 8 * 
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Beeren 


Churfürſt Georg Wilhelm. BCE 613 


den beſetzten Frankfurt an der Oder aufs neue, und Axel Lilie wolte von Havels 
berg, Ruppin und der Priegnitz aus abermals eine Beſatzung nach Berlin bringen. 
Doch zu rechter Zeit warf ſich der Oberſt Kracht aus Spandau mit einem Regiment 
zu Fuß und 300 Mann zu Pferde in die Hauptſtadt, die Bürger griffen zu den Waf⸗ 
fen, und die Schweden, die ſchon bis in die Vorſtaͤdte gekommen, muſten ſich daher 
nach Köppenick zuruͤck ziehen. Aus Rache pluͤnderten fie Fuͤrſtenwald, Münchens 
berg, Buckow, Wrietzen an der Oder und andere Orte mehr. Die branden⸗ 
burgiſchen Reuter ſtreiften zwar in Pommern, aber das Vieh, was fie zuſammen 
getrieben, muſte die Uckermark erſetzen, ohnerachtet dieſes fand einen Vergleich mit 
Schweden darüber getroffen, was es erlegen ſolte. Eine brandenburgiſche Com⸗ 
pagnie zu Fuß ward von den Schweden in Fuͤrſtenwalde aufgehoben. Dömitz hat, 
te noch eine brandenburgiſche Beſatzung, welche den Schweden Lentzen wieder ent, 
riß und hin und wieder im Mecklenburgiſchen und Pommern Streifereien vornah⸗ 
men. Unter andern thaten ſich hlebey des Goldackers Reuter ziemlich hervor, und 
gluͤcßkte es ſonderlich dem Rittmeiſter Strauß den Lilienſtroͤm, der vom Stallhantſch 
aus Schleſien kam, mit vielen Koſtbarkeiten und geheimen Briefſchaften aufzuheben 
und nach Cuͤſtrin einzuliefern. Der Anſchlag aber, den man auf Frankfurt an der 
Oder gemacht, ſchlug fehl. Klitzing war in braunſchweig ⸗luͤneburgiſche Dienſte 
getreten. Conrad von Borgsdorf, Befehlshaber zu Cuͤſtrin mochte damals der vor⸗ 
nehmſte Feldherr der brandenburgiſchen Volker fan. Well ſich ſelbiger aber krank bes 
fand, ſo ward die Ausfuͤhrung des Anſchlages auf Frankfurt dem Oberſten Rochow 
uͤbertragen, der die Oberſten Kracht, Volckmann und Trotha, welcher letztere Bes 
fehlshaber in Peitz war, und den geweſenen Kriegsrath Günther von der Marwitz 
und Goldacker unter ſich hatte. Ohngefaͤhr 2000 Mann und 6 Stuͤcke Gefchüg fol, 
ten ſich bey Frankfurt verſammlen, um bey der Gelegenheit, wenn einige Wagen mit 
Korngarben in die Stadt fahren wuͤrden, zugleich in dieſelbe einzubrechen. Zum Un⸗ 
gluͤck fiel auf dieſem Zuge ein ſtarker Regen ein, der die Volker aufhielt und das Ge⸗ 
wehr unbrauchbar machte. Der Befehlshaber in Frankfurt bekam von ihrem Anzu⸗ 
ge zu zeitig Nachricht, und machte zur Gegenwehr alle erſinnliche Anſtalt. Die bran⸗ 
denburgiſchen Volker wolten zwar mit Gewalt ausrichten, was durch kiſt nicht mehr 
geſchehen konte, wurden aber mit ziemlichem Verluſt zurück geſchlagen, und zogen ſich 
wieder in die Veſtungen Cuͤſtrin, Spandau und Peitz. Dem Goldacker gluͤckte 
es beſſer von Kyritz aus, 1 Compagnien Schweden zu Grunde zu richten, worauf auch 
der Feind Prentzlau zu verlaffen gezwungen wurde. Ohnerachtet alſo die brandenbur⸗ 
giſchen Voͤlker zur Bedeckung ihres eigenen landes Höchft norhwendig waren, fo gien⸗ 
gen doch 3000-füchfifche und brandenburgiſche Reuter nach Schleſien, um daſelbſt 
den kaiſerlichen Feldherrn Goltz gegen den Stallhantſch zu verftärfen, der ſich des⸗ 
wegen durch Streifereien raͤchte, die er von Schleſien aus in die Mark Branden⸗ 
burg vornehmen ließ. Die Feindſchaft des Churfuͤrſten gegen die Schweden wuchs 
durch das harte Betragen der Reichstaͤthe dieſes Staats gegen feine Schweſter die vers 
f Sb witwer 


1640. 


1640, 


ſte nothwendig bey dem Georg Wilhelm die Gedanken rege machen, ar 


+ 


614 38h. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg: 
witwete Königin Maria Eleonora, der man die Erziehung ihrer Tochter Chriſti 
und die vormundſchaftliche Regierung entzogen, und fie gendthiget hatte ſich er 
aus dem ſchwediſchen Reich vor der Hand nach Daͤnnemark zu entfernen. Sie wolte 
ſich nachher zu unferm Churfüͤrſten verfügen, welcher ſich noch immer in Preuſſen aufe 
hielt, weil er in der Mark Brandenburg vor den Schweden nicht genugſam gefichert 
zu ſeyn glaubte. Aber auch hier hatte der Churfuͤrſt verſchiedene Streitigkeiten. Der 
Vorzug, den er dem Burggrafen von Dohna und dem von Eilenburg auch uͤber die 
übrigen Regimentsraͤthe von Preuſſen eingeraͤumet, ſtand vielen nicht an. Auf dem 
polniſchen Reichstage wolten die Landboten belehret ſeyn, warum ohne Bewilligung 
der Reichs ſtaͤnde ein neuer Zoll in Pillau genommen, und wozu ſelbiger verwendet wuͤr⸗ 
de? ob wegen des Einfalls in Liefland gehörige Unterſuchung angeſtellet worden P wars 
um der Churfuͤrſt die Berufungen an den koͤniglichen Hof nicht geſtatten wolle, und 
warum derſelbe feit geraumer Zeit die ſchuldigen Gelder dem Schatz nicht eingeliefert joe 
be? Wegen des.legtern verlangten einige fogar, daß der Churfuͤrſt deswegen auf den 
kuͤnftigen Reichstag vorgeladen werden ſolte. Die meiften aber hielten für dienlicher 
ihn vorher durch ein königliches Schreiben nur daran zu erinnern. George 

batte durch die ganze Zeit feiner Regierung von ſeiner dehns verbindung mit Polen ſchwe⸗ 
re Verdruͤßlichkeiten gehabt. Die Polacken hatten bey vielen Gelegenheiten ſeine Rech⸗ 
te gekraͤnkt, die ihm nach den lehnsvertraͤgen zuſtanden. Bey elner jeden neuen Bes 
lehnung bemuͤheten fie ſich die lehnsverbindlichkeiten des lehntraͤgers zu verändern und zu 
erhöhen. Sie machten immer ſo lange Schwierigkeiten die Belehnung n 
laſſen, bis der neue Herzog von Preuſſen wenigſtens zum Theil das, was man ver / 
langte, eingehen muſte. Vor ohngefähr zwey Jahren hatte der Churfürſt Georg 
Wilhelm den König Wladislaum erſucht noch bey feinen lebzelten „„ 
zu belehnen. So geneigt auch der König zu Einraͤumung dieſes f 
gens des Churfuͤrſten ſeyn mochte, fo getrauete ſich derſelbe doch nicht — was zu 
thun, weil er einen gar zu groffen lerm der polniſchen Staͤnde befuͤrchtete. Dies mmm 


— 


» 


ſich von den Verbindlichkeiten des behns zu befreien, da die Polacken auf ihrer S 
den kehnsvertrag öfters aus den Augen geſetzt. Man erzählt, daß als ihm einmal 
Neuhaus über Tafel polniſche Briefe eingehaͤndiget worden, die ihm ſehr verdruͤf ch 
geweſen, er aus Unmuch in die Worte ausgebrochen: So wahr ich dieſen in der Hand 
habenden Apfel zum Fenſter hinaus werfe, fo wahr fehe ich mich bemuͤßget, mich der 
polniſchen Verbindlichkeit zu entſchütten. Der Apfel ſey aber beim Holz an dem 
Fenſter angeprellt und zuruck gefallen. Georg Wilhelm war um fo weniger zu 2 

ſuͤhrung eines ſolchen Anſchlags geſchickt, da ihn das Herzogthum P en jetzt 
erhalten muſte, von welchem er zugleich hofte, daß es die Koſten zu einem Hes 
bringen wuͤrde, mit dem er gegen die Schweden in Deutſchland er 
ausrichten konte. Er hielt deswegen im Jun. zu Koͤnigsberg einen kandtag 
welchem ſich auch polniſche Bevollmaͤchtigte einfanden, welche Pillau genauer g 


Ehurfürft Georg Wilhelm. 6 15 
wahren und flärfer zu beſetzen den Antrag thaten. Der Churfürſt fand aber die fan, 1640. 
desſtaͤnde zu den Geldabgaben nicht fo geneigt, als er ſichs einbildete. Man beſchwerte ö : 
ſich uber die Duldung der Reformirten und der Ausländer in Preuſſen fo wie über 
den polniſchen Zoll zu Pillau, der den Handel ſchwaͤchte, und man wolte nicht gern 
Schweden gegen Preuſſen aufbringen, und deswegen den Kriegs völkern nicht gern Mu⸗ 
ſterplaͤtze in Preuſſen verſtatten, welche gegen die Schweden in Deutſchland ge⸗ 
braucht werden ſolten. Man wolte nicht einmal dem, denen Schweden verhaßten Ar⸗ 
nim in Preuſſen Aufenthalt gönnen, ob ſolcher gleich zu Fiſchhauſen gefährlich ktank 
lag. Demunetachtet waren etliche 100 Mann in Preuſſen geworben, welche durch 
Caſſuben nach Pommern gegen Ende des Jahres abgefuͤhret wurden, um den Rech⸗ 
ten des Churfuͤrſten auf Pommern ein Gewicht zu geben. Denn ohne Gewalt wol, 
ten die Schweden nicht welchen. Sie verhinderten vielmehr auf einem pommerſchen 
Landtage zu Stettin die vom Churfuͤrſten dahin abgeſchickte Bevollmächtigte etwas 
fruchtbares vor den Churfuͤrſten auszurichten 2). ö 


Ber 


Die meiſte Hofnung fegte aber der Churfuͤrſt auf einen: Reichs frieden mit Wahrend dem 
Schweden, an welchem noch immer gearbeitet wurde. Luͤzow, welcher an Kurzens veichstage zu 
Stelle in Hamburg des Kaisers Angelegenheſten beſorgte, feßte durch Lunzmann und ch 
Meurer die geheimen Unterhandlungen mit dem ſchwediſchen Geſandten jedoch mit fürft Georg 


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wenigem Erfolg fort, da Salvius aus beſondern den Freiherrn von Luͤzow ſelbſt ange Wilhelm. 


henden Urſachen nicht ſonderlich trauete. Lluzow gab ſich hauptſächlich Mühe die Erneue⸗ 
rung des zu Ende gelaufenen Büͤndniſſes zwiſchen Schweden und Frankreich zu hin 


tertrelben, darum ſich doch der franzöſiſche Geſandte Graf von Avaux eifrig bearbeite 


te. Der Kaifer wuͤnſchte hierdurch einen beſondern Frieden mit Schweden zu erlan⸗ 
gen, und bot denenſelben noch immer Geld und Pommern zum Unterpfand an. Aber 
die meiſten Reichsſtaͤnde hielten einen beſondern Frleden mit Schweden nicht vor zu⸗ 
truͤglich, ſie wuͤnſchten vlelmehr, daß an einem allgemeinen Frieden öffentlich gearbei⸗ 
tet wuͤrde. Die damaligen Reichs zuſammenkuͤnfte waren hie bey den Reichs ſtaͤnden ſeht 
vortheilhaft. Denn mit dem Anfange des Jahres hatte der Kaifer einen Churfärftene 
tag nach Nürnberg veranlaſſet. Der Churfürft von Brandenburg ſchickte den Ver, 
weſer von Croſſen Johann Friedrich von Löben und feinen Rath D. Friedrich Fritz 
auf dieſen Churfütſtentag. Der mainziſche Vortrag gieng ſonderlich auf die Herſtellung 
des Friedens, und wenn ſolcher nicht zu erlangen, auf die Art und Welſe den Krleg mit 
Nachdruck fortzusetzen. Es hatten ſich aber auſſer den Churfürften eine gute Anzahl ande⸗ 
rer Fuͤrſten in Nuͤrnberg eingefunden. Dieſe bezeigten ſich ſehr unzufrieden, daß 
fie durch die bisherigen Churfürſtentaͤge, welche unter Ferdinand 2 und 3 üblich 
geworden, von den gemeinſchaftlichen Berathſchlagungen der Reichsangelegenheiten aus⸗ 


geſchloſſen worden. Sie zeigten die Mothwendigkeit, daß alle Reichsſtaͤnde ohne Uns 


terſcheid 


ji . Thestr Eur, Puffendorf. Abel preuß. Geſchichte. 


616 3 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


1640. 


malin 


und kinder. 


Seine ges Es hatte ſich der Churfuͤrſt mit Eliſabeth Charlotta, Friedrich 15 


terſchied zu den Friedensunterhandlungen zugelaſſen werden muͤſten. Sie, Daͤnne⸗ 
mark als Friedensvermitler, und endlich die gefomten Churfüͤrſten erwiesen, daß dies 
das einzige Mittel zur Herſtellung des Friedens ſen. Das allgemeine Verlangen nach 
einem Reichstage vermochte den Kaiſer endlich eine allgemeine Reichsverſammlung auf 
den 26ſten Jul. nach Regenſpurg zu beſchreiben, welches ſeit 1613 und alſo ſeit 27 
Jahren nicht geſchehen war. Der Churfürſt Georg Wilhelm beſchickte dieſen Reichs⸗ 
tag 1 feinen Geheimenrath Johann Friedrich von Loͤben dem Geheimenrath D. 
Peter Fritz und durch feinen Geheimenkammerſchreiber Caſpar Taſchenberger. Ob 
gleich der Kaifer Heſſen und Braunſchweig⸗Luͤneburg nicht beruffen hatte, fo wus⸗ 
de ihr Recht zu erſcheinen doch fo Flärlich dargethan, daß Ferdinand 3 vor ihre Ge 
fandten die nöͤthigen Sicherheitsbriefe ausfertigen ließ. Die Stände drungen auf 
die nothwendige Bekandtmachung einer allgemeinen Verzeihung, und hielten vor 
gut, daß die Unterhandlungen mit Schweden und Frankreich entweder zu Regen 
ſpurg oder wenigſtens in der Nahe zu Nuͤrnberg geſchehen ſolten; wogegen der Kai⸗ 
fer darauf beſtand, daß zu Coln mit Frankreich, und zu Lübeck mit die 
Unterhandlungen fortgehen muͤſten a). Doch der Churfuͤrſt Georg? m erleb⸗ 
te das Ende dieſes Reichstages ſo wenig als das Ende des Krieges. im Jun. 
muſte er in Preuſſen an einem Beinſchaden das Bette huͤten. Da er ſich zu wenig 
ſchonte, fo beförderte ſolches auf dem Schloß zu Königsberg den zoften Nov. 5) nach 
alter, oder den ıften Dec. nach neuer Rechnung, feinen wirklichen Tod. Sein eniſtel⸗ 
ter Körper ward den ıflen Merz 1641 in der koͤnigsbergiſchen Schloßkirche bolgeſetzt, 
und von da den irten Merz 1642 mit gehörigen Feierlichkeiten in der n Or 
in der dortigen Domkirche beerdiget. „ ee ee d.., 
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von der Pfalz, Prinzeßin vermält. Sie war geboren den ten Sept, 10 , Sch 
1605 war an diefer Vermölung zu Gellenhauſen und Heidelberg ges b 


Beilager erfolgte aber erſt zu Heidelberg den raten Jul. 1616. Sie ih 
Gemal und ſtarb erſt den 1ö6ten April 1660 c). i + n 
N a 3 


Sie gebahr dem Churfürften folgende Kinder: e 


1. Louiſe Charlotte, geboren zu Berlin den sten Sept. tor früh ztoiſehem 6 um 
2 Uhr. Sie war anfänglich dem Marggraf Ernſt von Brandenburg zur e 
malin beſtimmt. Nachdem ſolcher aber mit Tode abgeganger wamilte fi 
mit Jacob Herzog von Curland den ten Det. 1645. In dem Siege, da 
nachmals zwiſchen Carl Guſtav von Schweden und Johann Cafimie ver 

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a) Lond. T. 4. Theatr. Eur. Puffendorf. „ ene 

b) Puffendorf Res Brand. L. 1. Rentſch S. 506. ſetzt den Tag feines Todes den aiſten Ne 

c) Hubner Tab. Gen. Tom. 1. Tab. 178. “ u > 17 — ** 


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Churfürſt Georg Wilhelm. 617 


Polen gefuhrt ward, nahmen die Schweden beide Eheleute gefangen. Sie 
ſtarb den ıgien Aug 1676 d). 181 
2. Friedrich Wilhelm, geboren den 6ten Febr. 1620. Da dieſer groſſe Herr 


nachmals die churfurſtliche Regierung geführer, ſo wird der folgende Band unſe⸗ 


rer Geſchichte ſein beben beſchrelben. N 
3. Hedwig Sophia, geboren zu Berlin 1623 den aten Jul. zwiſchen 6 und 7 
Uhr Nachmittags. Sie vermälte ſich den gten Jul. 1649 an den Landgrafen 
Wilhelm 6 von Heſſencaſſel. Nach deſſen 1603 erfolgtem Tode fuͤhrte ſie bey 
der Munderjährigkeit tandgraf Carls mit vielem Ruhm die vormundſchaftliche 
Regierung. Sie ſtarb den 1ö6ten Jun. 1683 c). NaN 
4. Johann Siegmund, geboren den zsften Jul. 1624. Er ſtarb aber noch in 
eben dem Jahr 1624 den zoſten Oct. H. 8 IN a 


1640. 


Deuynerachtet an der keibesbeſchaffenheit des Churfuͤrſten nichts auszuſetzen war, Allgemeiner 
fo hat man doch feine Gemüͤthsbeſchaffenhelt, und fine ganze Regierung fehr verſchie, durften 

den beurtheilet; nachdem man entweder der Faiferlichen oder der ſchwediſchen Par und ai ver 
tey geneigt geweſen, und nachdem ber Churfuͤrſt ſich bald zu dieſer bald zu jener Par, gierung. 


tey geſchlagen. Es iſt gewiß, daß Georg Wilhelm der ungluͤcklichſte unter allen 
Cburfürſten feines Hauſes geweſen. Freunde und Feinde hatten vor ihm nicht geböris 
ge Achtung, entzogen ihm fogar die noͤthigen Erhaltungsmittel, bemaͤchtigten fich feiner 
Woynſtadt, und nörhigeen ihn bald in Peitz, bald in Cuͤſtrin, bald gar in Preuſ⸗ 
fen einen ſichern Zuffuchtsort zu ſuchen. Das Ungluͤck drücke alle feine Verwandte 
fo lange er lebte. Der Churfuͤrſt von der Pfalz wurde verjagt, der Marggraf Jo⸗ 
hann Georg von Jaͤgerndorf verlor feine tande, der Marggraf Chriſtian Wil⸗ 
helm wurde in Magdeburg verwundet und gefangen, dem Marggrafen Siegmund 
wurde fein Wohnſchloß Schwed angeſteckt. Sein Schwager Guſtav Adolph blieb 
zu einer Zeit, da er eben die Früchte feiner Arbeiten einerndten wolte. Seine aͤlteſte 
Schweſter Anna Sophia lebte mit ihrem Gemal Friedrich Ulrich Herzog zu 
Braunſchweig in unzufriedener Ehe. Seine andere Schweſter Maria Eleonora 
kam mit den ſchwediſchen Röthen in ſolche Weicläuftigfeiten, daß fie darüber heimlich 
das Reich verlaſſen muſte. Seine dritte Schweſter Catharina wurde von Feinden und 


Freunden faſt um alles das Ihrige gebracht, da ihr unruhiger erſter Gemal der Fuͤrſt 


von Siebenbürgen Bethlem Gabor geſtorben war. Sein wuͤrdiger einziger Prinz 
Friedrich Wilhelm wurde meiſt in einer Entfernung vom Herrn Vater gehalten, 
und wan fage, daß demselben mir Gift nach dem beben getrachtet ſeh. Alle feine kän⸗ 


der erfuhren faſt durch ſeine ganze Regierung was Peſt, Hunger und Krieg vor ent / 


ſehliche Uebel wären. Das leidige Kipper / und Wipperweſen verwandelte zuerſt ihr 
ar. PN eier 


VB Sübper Neneſch. Abet. 
19 A Mallere Staatscabinet Th 3. S. 228. 


P allg. preuß. Geſch. 4 Th. ii ö 


gi 


1640. 


618 3 Th. 10 Hauptſt Neuere Geſchichte von Brandenburg. 

Silber in Eiſen. Was der Unterthan hier gerettet hatte, forderte entweder der Hof 
in erhöheren Abgaben durch Zwangsmittel zu ſeiner Unterhaltung und Kriegsruͤſtungen, 
oder der freund · und feindliche Soldat preßte es mit ſchwediſchen Tränfen und andern 
grauſamen Mitteln aus. Was der Unterthan gefäet, erndteten die Kriegsheere, bis 
die Einwohner vor andere keine &uft zu arbeiten mehr hatten, und halb verhungert if 
re Wohngebäude verlieffen, und in benachbarte Staaten fluͤchteten. Wet etwa zurück 
blieb, kam oft in die abſcheulichſte Nothwendigkeit ſich mit umgefallenem Vieh oder 
gar Menſchenfleiſch das leben zu erhalten, das ihm doch bald darauf die Fauſt eines 
barbariſchen Soldaten raubte, dem theils ſeine Feldherrn alle Ausſchweifungen durch 
die Finger ſahen, theils keine Manns zucht mehr anſtaͤndig, und der Name einer Merode / 
bruders gefälliger war. Der Churfuͤrſt wurde von feinen Schutzherten dem Kaiſer und 
dem Könige von Polen gegen Schweden nicht genugſam unterſtüͤtzt. r ger 
nugſam hinlängliche Macht feine Unterthanen zu beſchützen und dieſe kamen 


zweifelung zu dem Entſchluß: ſich gegen ae bauma Sed n hügen 


und unter dieſem Vorwande Schuldige und Unſchuldige zu mißhandeln, und etwas 
haſchen, das andern gehörte. Bald ſteckte der Feldherr eine Stadt an, Se ve 
gen ſich nicht getrauete, bald ließ er einen Ort pluͤndern, in dem ſich ders i 
oder deſſen Einwohner die unerſchwuͤnglichen Brandſchatzungen nicht aufb 
Bald ließ die Mordfackel eines Böſewichts ganze Dörfer im Rauch 
er fen plündern wolte, oder in denen er zu pluͤndern nichts mehr Be de 
lin war damals in fo ſchlechten Umſtaͤnden, daß ſelbſt der darin befindliche f 

kaum 16000 Thaler erzwingen konte, und dieſe Summe ſchien doch fo Sin 
daß der Buͤrgermeiſter, der felbige, nachdem die hurfürfilichen Wilke fh 
verwilliget hatte, gefangen nach der Beftung Spandau gebracht nn N Ja 
de, der angenommenen Parteiloſigkeit ohnerachtet, von Schweden ö 0 
Durchzuͤgen, Einlager, Lieferungen und Pluͤnderungen verheeret. Zus Cpurfuͤrſ 
Schwager Guſtav Adolph beſetzte die Hafens und andere Plaͤtze, k 
Vortheile erforderten, ohne allen Schein eines Rechtsgrundes. daß ) 
ben ſolches dem Churfuͤrſten zu, und forderten Genugthuung. 
ker in Preuſſen ergaben ſich entweder den Schweden oder 
dieſer oder jener Parten zuerſt in die Hände fielen. Das Königreich 
Georg Wilhelm zu neuen Verbindlichkeiten, wozu feine Vorfahren, nicht v nei ic 
und Fränfte doch das Recht der Wahlſtimme und anderer Befugniffe de f 
Wladislaus legte fogar im Herzogthum Preuſſen Seezblle an, und 
ordnete nach Preuſſen, die ſich in innere landesangelegen heiten 
ſiſchen Stände fuͤhreten darüber Beſchwerden, obgleich der Churfür 
bintertreiben können. Die cleviſchen Erbſchafteſtüͤcke waren dieſe ganze N 
durch ein Tummelplaß der catholiſchen und proteſtantiſchen Krigehene, r S 
nier und der Hollaͤnder, und auch die nachtheiligſten ere | 
neuburg und den vereinigten Niederländern konten dem € face web er ruh 


Ehurfürft Georg Wilhelm. 17 619 
Beſt it noch genugſamen Schutz gewähren. Die Mark Brandenburg war am übel 
ſten dran, und wurde bald von den Voͤlkern des Grafen von Mansfeld, des Kö» 
nigs von Daͤnnemark, des Kaiſers, der Schweden geaͤngſtiget, bald von den Me⸗ 
rodebruͤdern geplündert, bald ſelbſten von Sachſen und brandenburgiſchen Kriegs völ⸗ 
kern ausgeſogen: Der Soldat entfernte ſich nur zuweilen, um den Einwohnern eine 
kurze Friſt zu gönnen ſich zum Vortheil des nachfolgenden gierigen Semen etwas m 
erholen. 


9. 

Der Gurſürſläch⸗ Hof war einem ea Rohr gleich, das vom Winde en 
und her beweget wird. Bey dem Antrit der Regierung mochte Georg Wilhelm nicht üble 
luſt haben, ſich des Friedrichs 5 anzunehmen. Doch da gleich im erſten Jahr die Schlacht 
auf dem weiſſen Berge die pfaͤlziſche Parten gänzlich niederſchlug, fo hielt Georg 
Wilhelm vor das zutraͤglichſte im boͤhmiſch pfaͤlziſchen Kriege ſowol als im nieder⸗ 
ſaͤchſiſchen parteilos zu bleiben. Er brauchte nur Worte und keine Werke ſich denen 
Durchzuͤgen des Grafen von Mansfeld und anderer daͤniſchen Volker zu widerſetzen: 
Denn er hofte daß ſie in Schleſien mehr ausrichten wuͤrden, als wirklich geſchahe. 
In dem Kriege zwiſchen Schweden und Polen wolte das tand aus Furcht ſchwediſch, 


der Churfuͤrſt aber polniſch ſeyn, bis durch eine feine Staats kunſt von beiden ſtreitenden 
Parteien, dem Churfuͤrſten und dem Herzogthum eine Parteiloſigkeit eingeräumer wurde. 


Sie war noͤthig, weil man nicht genugſame Macht hatte ſich auf eine Seite mit Nach⸗ 


druck zu lenken. Aber eben der Mangel der Macht, um der Parteiloſigkeit ein Gewicht 
zu geben, verurſachte, daß die ſtreitenden Parteien Preuſſen doch nicht ſchonten. Da ⸗ 


mals war der Churfuͤrſt im Herzen ſchwediſch, ob er ſich gleich aͤuſſerlich zuweilen auf 

polniſche Seite zu lenken ſchien. Der Kaifer Ferdinand 2 achtete weder des Chur⸗ 
fuͤrſten Vorſtellungen noch Klagen, weil er deſſen Macht nicht fuͤrchtete. Er handelte 
bald gegen feine Verwandte, bald gegen ihn ſelbſt mit der gröften Härte. Des Chur⸗ 
fuͤrſten Religion war dem Kaiſer ein ſtrafbarer Irthum, und der Gebrauch der chur⸗ 
fuͤrſtlichen Rechte einer Ahndung wuͤrdig. Selbſt George Wilhelms Unſchuld ge⸗ 


keichte ihm zum Verderben, weil er durch keine Macht ſelbiger Ehrfurcht verſchaſſen 


konte. Der Kaiſer entzog feinem Haufe Jaͤgerndorf. Wallenſteins Völker mu 


ſten ihn mit Gewalt zur Einwilligung in die baieriſche Chur zwingen. Ferdinand 2 
machte ihm Preuſſen feil, und gieng damit um, Pommern an ſich zu bringen. Sein 


Befehl wegen der Wiedergabe der Kirchenguͤter betraf nicht nur unmittelbare Stifter, 


die eine lange Zeit von brandenburgiſchen Prinzen regieret worden, ſondern auch mit, 


telbare brandenburgiſche Stifter und Kirchengüter , die zur Kammer gezogen, oder 
zu anderm Gebrauch angewendet waren. Die vom Churfuͤrſten hieruͤber ſowol als ge⸗ 
gen das zuͤgelloſe Verhalten der kaiſerlichen Völker angebrachte Klagen, die doch nie⸗ 


(mals erhöret wurden, machten, daß der Efurfürft, der ſcch felbft nicht helfen konte, ei 


nen Erretter wuͤnſchte. Als aber Guſtav Adolph in dieſer Abſicht erſchien, getraue 
te fich —.— Wilhelm nicht feine Huͤlfe H und ein Büͤndniß mit “ 0 


1649. 


Fortſetzung. 


1640. 


620 Th. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. = 


te. Seit der Zeit half er das Haus Oeſterreich bey der Kaiſerwuͤrde er und 


ſchlieſſen. Er wolte eben das Mittel der Staatskunſt anwenden ; welches er bisher 
gut befunden, und unterſchrieb den Leipziger Bund, um einen mäßigen Zuſchauer ab⸗ 
zugeben, ob der Kaiſer oder die Schweden, die Catholicken oder die Proteſtanten 


4 
* 


die Oberhand behalten wuͤrden. Es iſt ſehr wahrfcheinlich, daß er ſich zu der Parten 1 


zuletzt geſchlagen hatte, die glücklich geblieben; ob ich gleich eben nicht behaupten kann, 
daß er ſogar auch das Papſtthum wieder angenommen haben würde, wenn ſich ds 
Glück vor die Catholicken erklärt hätte. Nach des Caraffa Bericht ſchmelchelten ſeh 
zwar die Catholicken damit. Es ſcheinet ſolches Grund zu haben; da ſein Verter 


Chriſtian Wilhelm zum Papſtthum übergetreten; da feine Schweſter Catharina 
vermuthlich ſolches auch gethan, indem fie nach Keislers Bericht eine koſtbare güldene 


Kette nach Loretto geopfert; da der catholiſche Adam Graf von Schwe 

bey ihm alles in allem gegolten; da der Churfuͤrſt den ermlaͤndiſchen Biſchof Simon 
Rudniki beſtändig hoch gehalten, und ihn feinen Vater genannt; da er 1636 auf die 
Aufhebung des Faiferlichen Befehls wegen der Kirchenguͤter nicht ſo eifrig als Sach | 
beſtanden; da einige preußiſche Gelehrte die Kirche zerruͤttet, und n | 
thum übergegangen, und da der heftige Religionseifer Ferdinands 2 nichts ö 
gelaffen haben würde, den Churfuͤrſten catholiſch zu machen, wenn der König von N 
Schweden hätte unterliegen muͤſſen. Es iſt aber ſolches unwahrſcheinlich, wenn man 


bedenkt, daß die ſchwediſchen Geſandten bey den weſtphaͤliſchen Friedensunterhand⸗ 


lungen frey geſtanden, George Wilhelm habe ſchon 1624 und 1625 den König von 
Schweden zu bewegen geſucht, der Noth der Proteſtanten ſich anzunehmen z d 
1630 den Proteſtanten die Jubelfeier wegen Ulebergebung des a : 
bensbekenntniſſes erlaubet, und daß er in der proteſtantiſchen Religion zu einer 
mit Tode abgegangen, in der er es wirklich mit dem Kaifer am eift 

Es ſey aber wie ihm wolle, fo ließ ihn Guſtav Adolph nicht bey der 
bleiben. Dieſer König glaubte, wer nicht in dieſem Kriege mit ihm ſen, der fo wi⸗ 
der ihn, und zwang den Churfuͤrſten und deſſen Staats bedienten, ſeine 
greiffen. George Wilhelm unterſtützte ſolche mehr durch guten i 

lange der König lebte. Nachdem ſolcher bey Luͤtzen geblieben, hielt er es „ 
Schweden, und gieng felbft zu Felde, um denen Kaiserlichen Frankfurt an der Ode 

zu entreiſſen, wo er ſich aller Gefahr des feindlichen Geſchuͤtzes ausſetzte. Er riech ſo⸗ 
gar denen Proteſtanten ein allgemeines Buͤndniß unter dem di ile 
amt zu machen. —— der Churfuͤrſt aber einſahe, daß 1 4 
Pommern verdraͤngen wolten, ſo lenkte ihn Adam von Schwarzen ‚gänzlich au 
faiferliche Seite. Der Ehurfürſt nahm den Prager Frieden an, obgleich 
denſelben gefehloffen, und ſich dabey erheblichen Vortheil ausbedungen hatte, a 
der Churfuͤrſt einſchlieſſender Theil geweſen, und was erhebliches dadur 


mr, 


opferte die Mark feindlichen und freundlichen Heeren auf, und brachte 
Both Einfall in Liefland ſelbſt Preuſſen wieder in neue Kriegsgeſah 


Cuhyurfürſt Georg Wilhelm. Ger 
Endzweck auf Pommern zu erreichen, da zu eben der ae der tate Hof in den 
geheimen Friedens unterhandlungen mit Schweden oe —— zum Uns 
Ne eee bd d und 

wc 46. 

Man thut indeſſen unrecht, wenn man die — des Ehnſtiſtn in ft 

nen Enrſchlieſſungen, die ſchlechten Ausführungen feiner Entwuͤrfe, und alles das Un⸗ 
glück, was er und feine Unterthanen ausſtehen muͤſſen, wie von einigen doch geſche⸗ 
hen g), blos feiner Denkungsart zuſchrelben wolte. Nicht ſowol er ſelbſt als die ehr⸗ 
geitzigen und habſuͤchtigen Abſichten derer Höfe, mit denen er zu thun hatte; das war 
delbare Gluͤck der ſtreitenden Parteien; die Menge ihrer Kriegsheere; die Wut, wel⸗ 
che allezeit einen buͤrgerlichen und Religionskrieg begleiten ; die Bereicherungsbegierde 
derer Kriegsbefehlshaber; die ſchlechte Mannszucht, die man beobachtete; der Mangel 
des Soldaten, der weder Geld noch Brod in einem verödeten und verwuͤſteten lande 


erhielt; die Art den Krieg durch kleine Parteien zu führen, waren an dem Ungluͤck 


der churfuͤrſtlichen Staaten am meiften Schuld. Man konte ihm vorwerfen, daß er 
nicht ein Heer von wenigſtens 20000 Mann unterhalten habe, die er in der cleviſchen 
Erbſchaft, zur Vertheidigung feiner zander, zu Durchſetzung feiner Rechte auf Pom⸗ 
mern hätte brauchen, und ſich dadurch in Ehrfurcht bey dem Kaiſer und bey Schwe⸗ 
den und Polen ſetzen können. Allein ſein Herr Vater ließ ihm ein ſolches Heer nicht 


als eine Erbſchaft. Die Frelheiten der kandſtaͤnde, die erſt unter ſeiner Regierung 


ſcheuterten, machten, daß da ſeine ordentlichen Einkuͤnfte zu Errichtung und Unterhal⸗ 
tung eines ſolchen Heers nicht zulangten, man ſchwerlich ſolche neue Abgaben verwilli⸗ 
get haben würde, die hiezu noͤthig geweſen waͤren. Ohne Krieg ein Heer beſtaͤndig auf 
den Beinen zu erhalten, war damals unerhört. Wer mehr als leibwachen und Beſa⸗ 
tzungen in den Veſtungen hielt, der führte ſchon Krieg oder wolte ſolches thun. Dies 
lief aber anfänglich gegen die angenommenen Staatsregeln des Churfuͤrſten parteilos zu 
bleiben. Da er dieſe Regel verließ, war es zu ſpaͤt. Das Land war ſchon von Volk 
entblößt und verwuͤſtet, die veſten Plaͤtze und die Landeseinkuͤnfte bereits in fremden 
Haͤnden, und die aͤuſſerſten Mittel ſchon nicht mehr hinlaͤnglich viel Volk zu erhalten, 
und die noͤthige Kriegsbereltſchaft zu machen. Vielleicht waͤre der Churfuͤrſt beſſer ge⸗ 
fahren, wenn er, da er einmal von Oeſterreichs Feſſeln, die er fühlte, ſich losge⸗ 


macht, bey der ſchwediſchen Parten geblieben wäre. Sie würden feine lande mehr 


geſchont haben. Sie Hätten ihre meiſten Voͤlker ins Saͤchſiſche aus feinen Staaten 
geführet , und Oxenſtirn haͤtte davor geſorget, daß Georg Wilhelm wegen Pom⸗ 
mern kene gehalten wäre. Da er aber alle Kraͤfte anwandte Pommern zu er⸗ 
wa N hal⸗ 
1 Theite. Europ. ad h à p. 237. Ihter gefallen laſſen, und beſſer affectioniret ey: dars 
ſpitzten uͤber den Tod Georg Wilhelms die aus man ſich eine Hofnung machete, es wurde, 
Curt und inſümulirten den abgeleibten Herrn (dem Spruͤchwort nach), mit dem alten Schnee 
Saen, daß er neuer Haͤndel ein begieriger viel abgangen ſeyn, und heffer Wetter, zumal für 
Mitſtiſter und Patron geweſen, hergegen der jun⸗ Brandenburg und Pommern hernach folgen. 
37 Succeſſor ſich die eruenta confilia nicht habe 


Beſchluß. 


3%. 10 Hauptſt. Neuere Geſchichte von Brandenburg. 


1 die doch allezeit maͤßig blieben, richteten die Schweden ſein land zu Grunde) 
welches die Raiferlichen ſelbſt nicht ſchoneten, und da der Kaiſer thm Pommern auch nicht 
gönnete, fo gieng derſelbe, wider ſein gegeben Wort, damit um, mit Pommern ſich die 
Schweden loszukaufen. Der Hauptfehler des Ehurfürften beftand alſo darin, daß er 
dem Graf Adam von Schwarzenberg Herrn von Hohenlandsberg und Gimborn ſein 
ganzes Vertrauen, und mit demſelben die ganze Regierung anvertrauete. Dies wur ⸗ 
de in der That der unumfchränfte Herr des kandes und feines eigenen Churfuͤrſten. 
Er ſtellte das in Berlin vor, was der Hetzog von Lerma in Madrit geweſen. 
Sein Vater Adolph war wegen ſeiner Thaten gegen die Tuͤrken in den Grafen / 
ſtand erhoben, und ihn hatte der Kaiſer als Bevollmächtigter in den julichſchen Erb 
ſchaftsangelegenhelten gebraucht. Sein Anſehen bey dem oſterreichiſchen Hofe vers 
ſchafte ihm den franzöſiſchen Michaelsorden, der aber bereits in ziemlichen Bew 
fall gekommen. Als Churprinz und Statthalter von Cleve lernte ihn Georg Wil“ 
helm kennen. Da er die Regierung angetreten, machte er ihn zu en 
rath und Oberkaͤmmerer, auch Geſandten an die Holländer, und ließ die Angelegen / 
heiten der cleviſchen Erbſchaftsſtuͤcke meiſtens durch ihn beſorgen. Doch wuchs dle 
Gnade des Churfuͤrſten gegen ihn faſt taglich. 1625 ward er zum Herrnmeiſter von 
Sonnenburg auf des Georg Wilhelms Begehren erwaͤhlt, und bekam alfo eine 
Stelle, die ſchon durch verſchiedene Prinzen des churfuͤrſtlichen Hauſes verwaltet wor⸗ 
den, ob er gleich zur. roͤmiſchen Kirche gehörte, die Glieder des Herrnmeiſterthums 
aber ſchon laͤngſt die evangeliſche kehre angenommen hatten. Dieſen liebling brauch⸗ 
te der kaiſerliche Hof feine Vorthelle und Abſichten bey dem 1 — 
helfen. Durch ihn fielen der Kanzler Goͤtze, Leuchtmar und Wi dem 
Churfuͤrſten in Ungnade. Durch ihn ward Georg Wilhelm von der 
Partey auf die kaiſerliche Seite gezogen. Durch ihn Ferdinand 3 zum römiſchen Abs 
nige erwählt, und die Vortheile der Proteſtanten daben nicht Vielleicht 
hofte durch ihn Ferdinand 2 wol gar die brandenburgiſchen Unterthanen in den 
Schoos der roͤmiſchen Kirche zuruͤck zu bringen. Durch ihn wurde die Macht der 
tandſtaͤnde zu Boden getreten, und die churfuͤrſtliche Regierung nicht mehr in wichti⸗ 2 
gen Stuͤcken an die Einwilligung der Staͤnde gebunden. Er ward 
des Churfuͤrſtenthums, da ſich Georg Wilhelm in Preuſſen aufdielt. 
eigentlich den Krieg, und war die Seele aller Staats angelegenheiten. 
chenſachen giengen, fo wie die Verwaltung der Gerechtigkeit, Bar — 
Niemand durfte ſich ihm widerſetzen, und Vorſtellungen gegen ſeine Gewalt wurden 
ſchon als Verbrechen beſtraft. Es gereicht wirklich denen brandenburgiſchen Unter, 
thanen zum ewigen Nachruhm, daß ſie alles duldeten, was fie unter feiner oberſten 
Verwaltung ausſtehen muſten, und nicht dem Churfürften, dieſem 
alles Uebel Schuld gaben, das fie empfunden. Man faget: daß er an, 
gang des Ehurfürften und feines Sohns den Ehurput auf fin Haupt zu bringe 
trachtet, und ſogar dem Friedrich Wilhelm, den er faſt in MER Entfern 


Churfürſt Georg Wilhelm 623 

vom BE und ee mit ſeinem Herrn Bater zu erhalten gewuſt, 1640. 
nach dem leben getrachtet, um durch Huͤlfe des Kaiſers ſeinen Ehrgeitz zu befriedigen. 
Und was war von Ferdinand 2 nicht zu erhalten, der mit Chur, und Fürſtenwuͤrden 
eben fo frey ſchaltete/ als mit feinen öſterreichiſchen tandesaͤmtern, und der Fuͤrſten⸗ 
thuͤmer leicht lich an feine Werkzeuge vergab, wenn ihm ſolche nicht zugehöreten ? 
Schwarzenberg glaubte eben die Verdienſte zu haben, die Wallenſtein gehabt. 
Wenigſtens war er der kaiſerlichen Gnade mehr als dieſer verſichert. Als der Grof 
von Schwarzenberg auf dem Epurtage zu Regenſpurg krank geworden, that Ferdi⸗ 
nand 2 ein Gelübde: daß wenn dleſer Mann wieder geſund wurde, der Kaiſer unſer 
lieben Frauen auf Bogenberg etwas Anſehnliches opfern wolte, und er erfuͤllete dies 
Geluͤbde noch eher als dasjenige, was er wegen der roͤmiſchen Königswahl Ferdi⸗ 
nand z gethan, eine * nach Marienzelle vorzunehmen ). Dies, glaube 
ich, zeigte zur Gnuͤge, wie erheblich feine Dienſte vor den Kaiſer geweſen, und was, 
ſich Ferdinand 2 noch von ihm verſprochen. Dieſer oberſte brandenburgische 
Staatsbediente brachte 1640 durch alle Kuͤnſte, die ihm die Gnade des Churfuͤrſten. 
und feine Macht möglich, machte, zuwege, daß ‚fein Sohn Johann Adolph zum 
Nachfolger im Herrnmeiſterthum gewählt: wurde. Ferdinand 3 chat nachher alles, 
um auch dieſen im Anſehen zu erhalten, und da ſolches ſich nicht mehr wolte thun laſ ⸗ 
fen, fo erhob ihn doch Leopold 1671 zum Reichsfuͤrſten, um zu beweiſen, wie viel 
Mutzen der öſterreichiſche Hof von dem Betragen feines Vaters gezogen habe, der 
immer zu verhindern wuſte, daß Georg Wilhelm entweder die Noth ſeines Landes 
niemals recht erfuhr, oder durch leidige Vertröſtungen einer endlichen öſterreichiſchen 
Huͤlfe und Genugthuung gegen alle Klagen der Uaterthanen unempfindlich machte. 
O! wenn doch kein Staat jemals ſtatt ſeines wahren Hirten einem ſolchen Miedling 
zu Theil würde! Der brandenburgiſche wäre darüber völlig ein Raub der Wölfe 
geworden, wenn nicht die Vorſicht nach Georg Wilhelms Tode dem Churfuͤrſten⸗ 

thum den groſſen Friedrich Wilhelm geſchenkt, und mit ſolchen Gaben ausg ruͤſtet 

haͤtte, daß er feinem Staat ſtatt 5 Ehrfurcht verſchaffen, ſolchen zur Ruhe 
bringen, ſchuͤtzen, mit anſehnlichen tändern vermehren, ſich ſelbſt zum unumſchränk⸗ 
ten Herrn von Preuſſen machen, und den Grund zu einer Höhe legen koͤnnen, die 
viele beneiden, und zu einer Macht, die GOtt bis auf unſere Tage durch kluge Re⸗ 
genten gegen alle Feinde gluͤcklich zum Wunder der Welt und der ſpaͤteſten Nachkom⸗ 
menſchaft erhalten hat. Der Raum mangelt mit ſolches in dieſem Bande zu thun, und 
ich verſpreche mir zum voraus liebhaber des folgenden, da die darin vorkommenden Be⸗ 
gebenheiten an und vor ſch groß und reitzend ſeyn werden. 


. 42. | 


Als eine Einleitung zum folgenden Bande will ich die Geſchichte des Herzog / Wie die fol, 
W, Pommern und des ehemaligen Stifts Camin erzehlen. Hierauf wird der er — — 
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7 A), Ktöenbüller ‚Ale, Ferd. P. 12. p. 2404. 


621 3%. 10 Hauptſt. Meere Geſchcchte von Brandenburg. 


1640“ fe Abschnitt der Regierung des groffen Eputfürften bis zum 
folgen. Well dadurch Halverſtadt und Minden ut deren‘ 
Sradcen verknüpft wörzen, ſs muß deren 


e dee groſſen Obucfürben dle bunte 

ms enthalt. Er wird uberall als ein Fein 

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ere ge —— groß in Iinerhandlungen / ind ade 
ahumſchränkten Herrn feines Hauses und bewundern. Polen, Schwe⸗ 
den,, Frankreich, feloft Spanien zeige er cinen Much, wenn er fine eigene täns 
we das deutſche Reich, die vereinigten Niederlande und Daͤnnemark ſchi 
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| Regiſter 


der merkwürdigſten Sachen und Namen. 


A. 
A aer haben Preuſſen bewohnt 9 wer dieſe ge⸗ 
weſen 10 ihre innere Einrichtung 10 f. 


Albanus, ſiehe Leander. . 5 


Albrecht, Biſchof von Prag, predigt in Preuſſen 
das Evangelium, und wird erſtochen 37 f. 
„Marggraf v. Brandenburg, wird Hochmeiſter 338 
reiſet nach Preuſſen ab 389 weigert ſich den Lehnseid 
abzulegen, ebend macht das Landmeiſterthum 
Liefland von allen Verbindlichketten gegen das 
Hochmeiſterthum los 390 thut dem Konig Sigis⸗ 
mund von Polen Vorſchlaͤge zum guͤtlichen Ver⸗ 


gleich, ebend. ruſtet ſich wider Polen, ebend ſeine 


Antwort auf des Königs von Polen Anfragen 392 
reiſet nach Deutſchlanb, Abſicht davon, ebend. 402 
Krieg mit Polen geht an 393 reiſet nach Thorn zum 
Konig 395 Polens Vorſchlaͤge zum Frieden 396.405 


Beantwortung derſelben 396 f. was er in dieſem 


Kriege eingebuͤßt 401 Vortheile von ſeiner deut; 
ſchen Reiſe 402 Antwort, die er dem Cardinal 
Campegius gegeben 404 macht mit Polen Friede 
400 tritt der lutherſchen Kirchenverbeſſerung bei 
407 Inhalt feines Vertrags mit Polen 407f laßt 
ſich als Herzog von Preuſſen belehnen 414 nimt 
Veranderungen in der Regierung und Kirche vor 
429 ſorgt vor die aͤuſſere Ruhe 430 f. uͤbergiebt 
dem Könige von Polen verfchiedene Briefſchaften 
4431 iſt gegen den deutſchen Orden auf guter Hut 432 
bekomt mit demſelben Streitigkeiten 433 ſeine 
Verordnungen im Lande 437 iſt in Gefahr ums 
Leben zu kommen 438 legt zu Koͤnigsberg eine hohe 
Schule an 439 tritt dem ſchmalkaldiſchen Bunde 
bei, ebend erhält durch Geſandte vom Konig 
Sigmund Auguſt von Polen die Erneuerung des 
Lehns 442 unterſtuͤtzet feinen Bruder in Lief⸗ 
land 444 laßt die Bibel in die polniſche Sprache 
überſetzen 447 feine Verdruͤßlichkeiten mit Oſiander 
ebend. mit Herzog Exich von Braunſchweig Ca 
lenberg 449 mit Paul Sealich 451 mit Paul von 
Wobſer 454 feine Krankheit, ebend Tod 455 fei: 
ne Leibes- und Gemuͤthseigenſchaften, ebendaſ. 
p. allg. preuß. Geſch. 4 Th. 


Gemalinnen und Kinder 458 f. deſſelben Unterwei⸗ 
ſung an ſeinen Prinzen Albrecht Friedrich 460 
Albrecht Friedrich, Herzog von Preuſſen, deſſelben 
Geburt 459 und Erziehung 460 tritt die Regie⸗ 
rung an 469 laßt ſich belehnen 470 bekomt die 
Mitbelehnung der hrandenburgiſchen Länder in 
Deutſchland 472 laͤßt fi huldigen 473 komt bey 
der polniſchen Koͤnigswahl in Vorſchlag 474 ver: 
maͤlt ſich 475 beſondere Begegniſſe auf einer Hochs 
zeit mit ihm 476 wird bloͤdſinnig, ebend. ihm kan 
nicht geholfen werden 478 nimt ſich der Regierungs⸗ 
geſchaͤfte nicht mehr an, ebend. ſtirbt 512 Nach⸗ 
richt von ſeiner Gemalin und Kindern 513 
Altenburg, Hermann von, wird Landmeiſter in 
Preuſſen l 65 
„Dietrich, Burggraf von, wird Hochmelſter 183 
deſſelben Stammtafel 184 Nachrichten von ihm 185 
ſchlieſſet mit Polen Frieden 186 führer den Krieg 
mit den Lithauern fort 187 ſiegt gegen die Lithauer 
91 bekomt mit Polen neue Streitigkeiten 192 
ſtirbt 193 wird gelobt a 194 
Amandus, Petrus, prediget in Preuſſen zuerſt wider 
das Papſtthum " 403 
Andrei, D. Jacob, deſſen Bedenken wegen des 
Streits in Preuſſen 490 
Anmerkungen über den zwiſchen dem deutſchen Orden 
und denen Preuſſen geführten szjährigen Krieg 
i i 121 f. 
Arfberg, Henrich Duſener von, wird 00 
des deutſchen Ordens 199 ſetzt die Kriege gegen 


die Lithauer fort 200 f ſchlaͤgt dieſelben 201 legt 


die Regierung nieder und ſtirbt 202 


B. 


Balck, Hermann, Landmeiſter in Preuſſen 37 laͤßt 
Neſſau bauen 58 desgleichen das Schloß Thorn sy 
wird Landmeiſter in Liefland 64 
Bart, Hermann, deutſcher Ordensmeiſter, deſſen 
Verrichtung und Tod \ 50 
Barten, die, deren Aufruhr gegen die deutſchen 
Ritter 129 wird geſtillet ebend. 
Keie Barten⸗ 


u 


Barsenland wird vom deutſchen Orden erobert 66 
faͤllt von demſelben ab 96 unterwerfen fi ſich wieder 
108 
Bartenſtein, S Schloß in Preuſſen, wird erbauet 66 
wird von den heldniſchen Preuſſen belagert 104 
von den Sudauern zerſtört un vom deutſchen Or⸗ 
den wieder hergeſtellt 113 
Bartenſtein, Stadt, wird erbauet 
Baurenkrieg in Preuſſen 


35 
Bayren, preußiſches Schloß, deſſen Erbauung 188 
ſteht in Gefahr verloren zu gehen 190 ers, 


der Lithauer dabey 191 wird niedergeriſſen 
Bendorf, Johann von, ermordet den e 
Werner von Orſeln 173 die ihm zuerkaute Br 


Berich, der Gothen König, bezwingt die ane, 
und Wandalen in Preuſſen 
Berlin, Verſammlung daſelbſt, was darauf befehlof 
ſen worden 392 
Bernſtein, wird in Preuſſen ans Land geworfen 4 
wie er bekannt worden 4 f. Fabel davon 4 wird 
von den Deutſchen Gleß oder Glaß genennet 6 
Beſelede, Schloß, wird von den aufruͤhriſchen Preuſ⸗ 
fen belagert 113 muͤſſen die Belagerung 8 
ebend 
Bethlem Gabor, Fürf von Siebeubüͤrgen, nimt ſich 
des Churfürſten Friedrichs 5 von der Pfalz gegen 


den Kaiſer au 321 muß ihn ſeinem Schickſal uͤber⸗ 


laſſen 1 
Bewegungen, grofe, 

deutſchen Orden und deren Unterthanen 296 
Bibel, wird in die polniſche Sprache uͤberſetzt 447 
Biſchoͤfe in Preuſſen werden abgeſchaft 495 f. 
von Pomeſanien, derſelben Folge 496 
von Samland, deſſelben Folge 497 
Biſchofswerder, Stadt in Preuſſen, deren Erbauung 

167 


Blume, Buͤrgermeiſter in Marienburg, wird win 
theilet, Urſachen hievon 

Böhmen, wollen Ferdinand 2 nicht vor ihren Kong 
erkennen 220 erwaͤhlen Friedrich 5 von der Pfalz, 
ebend. werden von dem Kaifer deshalb beſtraft 528 

Bolandia, Philipp von, zieht gegen die Lithauer 5 
komt ums Leben 

Boleslaus 1, König: von Polen, uͤberzieht die Preuß 
fen mit Krieg 33 will das Chriſtenthum in e 
ſen einfuͤhren 

Bonifacius 8 mimt ſich der beflaudiſchen Strrtigte 
ten an 140 Gedanken von ihm ebenb. 

Boot, Hermann, kaiſerl Parteigänger, fallt Nn 
land ein 608 

Botel, Henrich, Ordensmarſchall, greift die Lithauer 
an 95 bleibt in dem Treffen 96 


523 
in Preuſſen, zwiſchen dem 


Botſchafter, paͤpſtliche, ihre fruchtloſe Bemühung, 


Kithauen zu bekehren 167 


ä „* 1 3 1 Pan 
rt x * 


Brandenburg, Dart, tier vid 46 l. 


167 


Brrunsberg, Schloß u Pran, fr 5 be a 
„Stadt, wem zu Ehren worden 9; 
8 1 K 
Braunſchweig, Zufammenfi 4 
e ee 
Een um Jain eg 
en olen d 
93 f. ne Hier Be 
1 . wird von Leere aach 
Bromberg, fruchtloſe Unte an! 
Orden und Dies dafelbft 
Bruban, Barthold. Comthur zu Balge 
rg 4 130 thut 
thauen un Ordens 
Bruno ı von Se die Preuſſen zu bekehren, 
finder aber feinen Tod Fu e Big 
Brzesk, Er lbſt 31 
Winan, Gi of ven Samt 
„ Ks 
VBuͤndniß, ſiehe 
Vuguoi, the Be e 


. Hohen Franz, gef 
ge au 
ei 3 von, deutſcher 
e 2 Tod. 
arſchau, ſiehe St. Geor ſchloß. 
Caſimir 2, König von Polen, m 0 
terwürſig 
m . Martin, Hilfe 
liſche repetitio corp 
Hue ae deſſen RE 


aan, c Viſchof vi on p 
Papſt Innocentius 3 e 8 
unglaͤubigen Preuſſen zu v 
von Herzog Conrad den 
ſchenkt 45 f. beruft d ee 


fen Ir 
37 M A imt ſich de 
i W 1 eg ö 
„ Fauͤrſt von aunſchweig, | ie 
derfächfiichen Völker w { 
von Anhalt, oberſter Feld 
wird in die Reichsacht e 
Chriſtoph/ M Lehrme ter. des P 
Friedrichs von Preuſſen 


8 9. 


1 
E 
1 
| 
[ 6 
u 
| 
| 


der merkwuͤrdigſten Sachen und Namen. 


Elten, Dietrich von, Deutſchmeiſter, age 
land gegen Preuſſen aufzubringen 
Peer roͤmiſcher darf Geſchichte von ihm “ 
Conitz, Schlacht dabey 327 
Conrad, Herzog von Masowien, deſſen Geſchlechts⸗ 
er 42 ſchenkt dem deutſchen Orden das . 
ebiet 


Cordova, Gonſalez de, ſpauiſcher Feldherr, tt 
528 


in der "Unterpfal 1 
Cornerus, D. Chriſtoph, beſſen Bedenken wegen des 
Streits in Preuſſen 490 
Schloß in Preuſſen, deſſen Erbauung 66 
Erengen, Chriſtoph von, wird als preußifcher Geſand⸗ 
ter auf den Reichstag nach Regenſpurg geſchickt 436 


ſeine Vollmachten deshalben ebend. 
Crieve, Hoherprieſter der Sarmaten 20 deſſen Ver⸗ 
richtung 5 ebend. 


Eroonberg, Walther von, Deutſchmeiſter 430 verklagt 
den Marggraf Albrecht von Brandenburg * 
Kammergericht 

Cuba, Dietrich von, Biſchof von Samland, Bee: 
benheit deſſelben 367 f. 

Culm, Friedensverſammlung daſelbſt geht fruchtlos 
ans en 336 


1 D. 


Dampierre, kaiſerlicher Feldherr 

Danzig handelt untren am deutſchen Orden 256 Ver, 
ſchwoͤrung gegen eines ihrer Raths glieder 267 Fol⸗ 
gen davon, ebend. Aufruhr wegen einer nenen 
Schatzung 269 Strafe davor, ebend. wird in 05 
Reichsacht erklaͤret 


Dequede, Ludwig von, wird im Zwieſpalt zum Hoch. l 


meiſter des deutſchen Ordens erwaͤhlet 77 ſtirbt eb. 
Deutſch Eulau, Stadt in Preuſſen, wird erbauet 167 
Deut ſchland, ſiehe Deutſches Reich, 
Diodorus Siculus, deſſen Nachricht von Bernſtein 5 
Dobeneck, Job von, ſiehe Pomeſanien. 
Drieſen, Schlacht zwiſchen d den Preuſſen und e 
daſelbſt 
Duͤſſeldorf, Thellungsvertrag daſelbſt zwiſchen Pram 
weten und Aa a 535 wird weed 
15 0 


E. 
eu Rudolph, Pfleger in Lochſtädt, ſuchet dem 


entſetzten Hochmeiſter Henrich von Plauen die Re⸗ 
gierung, durch Huͤlſe Polens, zu verſchaffen 275 


Elbing, Stadt in Preuſſen, deſſen Erbauung 62 han⸗ 


delt am Orden verraͤtheriſch 25 ihr gutes dene 
gen gegen den Hochmeiſter 
ee Hermann von, tömt vor en, ums 


dm, Johann von, fiehe Bendorf. 


1 


Engelland, Zuſtand in demſelben unter Jacob r. 376 
Erich, Herzog von Braunſchweig Calenberg, wirbtein 
Heer, deſſen Beſtimmung ungewiß 447 gehet damit 
nach Preuſſen 448 
Erlichshauſen, Conrad von, wird Hochmeiſter 306 
deſſen Unterthanen dringen auf die Abſchaffung des 
Zolles, ehend. erhält den Pfundzoll 307 regleret 
ſeine Unterthanen in Ruhe 308 f. macht dieſelben 
von den weſtphaͤliſchen Gerichten frey 309 ſorgt 
vor die Sicherheit der Handlung derſelben, ebend. 
Krankheit und Tod 311 
Ludwig von, wird Hechmeiſter 312 Streit mit 
denen verbundenen Unterthanen, ebend. feine Vor⸗ 
ſchlaͤge, zu Aufhebung des gemachten Bundes 314 f. 
318. kuͤſtet ſich wider den Bund zer gewinnet 
uͤber denſelben eine Schlacht 327 verkauft die Neu⸗ 
mark an Brandenburg 330 iſt in Gefahr in die 
Hände ſeiner Feinde zu kommen 334. 342 ſchließt 
mit denſelben einen Waffenſtillſtand 336 faͤngt den 
Krieg wieder au 337 ſetzt auf der Nehrung Fries 
denshandlungen ſchriftlich fort 348 bringt den Frie⸗ 
den zur Richtigkeit 353 einzelne e 

deſſelben 357 f. ſtiebt ö 

Ermland wird vom deutſchen Orden erobert 66 fle 
von demſelben wieder ab 96 unterwerfen ſich — 
der 

Ernſt, Graf von Mansfeld, führt für den Ehurfäre 
fen Friedrich 5 in Böhmen Krieg 525 geht mit 
ſeinen Volkern nach der Oberpfalz 528 entſernt 
ſich nach der Unterpfalz, ebend. ſchlaͤgt den Tilly 
531 wird der churfuͤrſtlichen Dienſte entlaſſen, ebend. 
geht nach Oſtfriesland, ebend. bekomt von Holland 
und Schottland Voͤlker 538 geht mit denſelben über 
den Rhein 340 ruͤckt ins Brandenburgiſche ein, 
ebend. wird vom Wallenſtein geſchlagen, eb. zieht 
ſich nach der Mark, ebend. dringt in Ungarn a. 
ebend. ſtirbt 547 

Erörterung der Fragen: hat Albrecht, Marggraf von 
Brandenburg an der Religions veraͤnderung unrecht 
gethan 422 f. hat derſelbe dem Orden und der Hoch⸗ 
meiſterwuͤrde mit Recht entfagen konnen 423 f. hat 
er widerrechtlich die herzogliche Wuͤrde an 
men 25 f. 

Europa, Zuftand in denſelben bey Antritt der Hegier 
rung Georg Wilhelms pe 

5. 

Ferdinand 2 wird Kaifer s20 belohnt die, die ſich um 
ihn ſonderbar verdient gemacht 532 entzieht der 
Chur Brandenburg das Herzogthum Jaͤgerndorf 
534 deſſelben Befehl wegen Zurückgabe der Kirchen⸗ 
ah 356 ſchließt mit Dännemarf Friede 557 
ſtirbt 97 

3 wird roͤm. König 396 wird Kaiſer 597 win 

von Frankreich anfänglich davor nicht erfandt 60 

R Feucht⸗ 


* 


Register 


Feuchtwangen, Conrad von, wird Landmeiſter in 
Preuſſen und Liefland 117 legt dieſe Würde nieder 
ebend. wird Hochmeiſter 132 ſtirbt 137 
Siegfried von, wird zum Hochmeiſter des deut⸗ 
ſchen Ordens gewählt 145 weigert ſich dieſe Würde 
anzunehmen, ebend. wird abermals gewählt 149 
verlegt den Hochmeiſterſitz nach Marienburg in 
Preuſſen, ebend. giebt dem Lande Geſetze 150 wird 
in die pommerſchen Streitigkeiten gezogen 153 vers 
ſchaft ſich Anſpruch an Pommerellen 155 und ero⸗ 
bert es 156 ſtirbt 158 
a am Main, Verſamlung der Proteftanten 


584 
an der Oder, wird von Churfuͤrſt Georg 

Wilhelm von Brandenburg belagert und uͤbergeben 
582 Bedingungen der Uebergabe ebend. 

Frankreich, Zuſtand in demſelben unter Ludwig 13 522 

Friede, ewiger, ſiehe Breſt. 

Friedrich 5, Churfuͤrſt von der Pfalz, nimt die boh⸗ 
miſche Krone an 520 Fehler, die er bey Antritt 
feiner Regierung begangen 524 muß Böhmen ver: 
laſſen 525 wird nebſt ſeinem Anhang in die Reichs; 
acht erkläret 526 verliert feine Chur und Länder 532 

Fuͤrſtenſpiegel ein Buch, hat die Gemalin Herzog Als 
brechts von Preuſſen an ihren Sohn Albr. Friedr. 
geſchrieben 459 deſſelben Inhalt 466 

Junk, M. Johann, pflichtet den Lehren Oſianders 
bey 445 muß dieſelben widerrufen 446 haͤlt es 
mit dem Scalich 452 verlieret Darüber den Kopf 453 


Galinder, ein ſarmatiſches Volk, ihre innere Verfaſ⸗ 
ſung 14 
Gans, Hermann, Comthur von Elbing, wird zum 
Statthalter im deutſchen Orden ernennt 274 
Georg Friedrich, Marggraf von Baden Durlach, be⸗ 
fehligt die Unürten 524 
Georg Friedrich, Marggraf von Brandenburg, erhält 
die Regierung in Preuſſen 481 reiſet nach Warſchau 
und bekomt die Lehn 482 wird gehuldigt 483 Eid 
der Unterthanen bey dieſer Feierlichkeit, ebend. 
uͤbernimt die Regierung, ebend. ſeine Vermaͤlung 
490 Beſchwerden einiger feiner Unterthanen gegen 
ihn 492 werden deswegen beſtraft 493 ſchlichtet die 
Streitigkeiten mit Polen und Daͤnnemark, ebend. 
feine ruhige Regierung 498 ſtirbt 503 

„ Wilhelm, Churfuͤrſt von Brandenburg, feine 
Geburt 317 beſucht die hohe Schule zu Frankfurt 
an der Oder 51g wohnt der Krönung des Kaiſers 
Matthiaͤ zu Frankfurt am Main bey, ebend wird 
zum Stattholter der iuͤlichſchen Erbſchaftsſande 
ernennet, ebend. deſſelben Streitigkeiten mit Pfalz 
Neuburg sıg ver maͤlt ſich, ebend bleibt im boͤhm iſch⸗ 
pfaͤlpſchen Kriege parteilos 523 f. Schwuͤrigkeiten 


bei feiner Belehnung 529 wird mit Preuſſen belie⸗ 
hen szo beſtreitet die baleriſche Chur 332 ihm wird 
Jagerndorf entzogen 834 fein Verhalten bei dem 
daͤniſchen Kriege 540 f. ihm wird der Einfall der 
Schweden in Preuſſen beigemeſſen 544 Gedanken, 
was mit ihm und ſeinen Landern ſolte vorgenom⸗ 
men werden 545 gibt die Einwilligung in die bairis 
ſche Chur 548 muß im Kriege zwiſchen Polen und 
Schweden parteilos bleiben 549 ſuchet Frieden zu 
ſtiften 552 wird vom Kaifer daran gehindert 553 f. 
bringt Schweben und Polen zum Waffenſtillſtand 
558 f. erſcheinet auf der Verſammlung zu Regenſpurg 
nicht, Ur ſachen davon 561 Befehl wie ſich ſeine Un⸗ 
terthanen gegen die Ausſchweifung der i 
Volker zu verhalten haben 564 f. deſſelben Beſchwer⸗ 
den beim Kaiſer über deſſen gegen den leipziger Bund 
bekandt gem chte Befehle 367 Antwort des staifers 
darauf, ebend. deſſelben Unterhandlung mit Guſtav 
Adolph von Schweden zog f. muß es mit demſelben 
balten 570 f. beſchickt den Reichstag zu War ſchau zy 
Voll macht ſeines Geſandten deswegen, ebend Aut⸗ 
wort der polmiſchen Stände darauf 577 hält zu 
Berlin 155 Landtag 585 nimt den 7 
an 587 hilft den Schweden zu einem 28 jährigen 
Waffenſtillſtand mit Polen 15 wird von allen 
Seiten gedruckt 595 bekomt mit Schweden 
Pommern Streitigkeiten e99 handelt mit 


wegen des pillauiſchen Zolles 607 bye na 
Kin: 


von den Ver bindlichkeiten des Lehns gegen 


zu wre — ſtirdt 616 ſeine Gemalin 
der, ebend. Abriß ſeiner ganzen n 15 
Gepiber, wer fo genannt worden 1 - E 


173 


von Brandenburg 
Gerichte, heimliche weſtphoͤliſche, 
Ordensunterthanen frei erklaͤret 
Gilgenburg, Schloß in Preuſſen wird 
Girdauen, Schloß in Preuſſen, wird 


« 
2. 


EN 


Goldbach, Helwich von, wird Lan r in Preuſſen I 
— 141 muß dieſe Würde niederlegen 142 
Gothen, ſiehe Gutones. i 


Gothiscanzia, was darunter zu verſtehen 0 at x j | 
* Schloß an der Weichſel, wird dom Küng 
oleslaus 2 vergeblich bel Vergleich 
ſelbſt zwiſchen Polen du dern Peak a kn 
Zuſammenkunft daſelbſt data eg 1 
brecht Friedrich 1 eee 294 
— ſiehe Braudenz. Wenn 
ünngen, Dietrich von, wird zum Statthalter der 
deutſchen Ordenslaͤnder an der Oſtſee ernennt 84 
Grumbach, Hartmann von, wird ban m — 
ſen 94 ſein Betragen gegen die de 


wird ahgefißt UN 
Guͤten, ſiehe Sutones,. "nm nn D. 


— er * 
1 


STEBEELTERFTITEF TFT II FR IG 


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2 * 


— 


* 


— — — 


der merkwürdigsten Sachen und Namen. 


Guſtav Adolph, König von Schweden, ſ Schweden. 
Gutones, Nachricht von denenſelben 5 bewohnen 
Preuſſen 9 werden von den Wenden verdraͤngt 11 
Guttſtaͤdt, Stadt in Preuſſen, wird gebauet 167 


H. 


Yopi, Albrecht von, greift Garthe an 147 muß 


abziehen ebend. 
Halberſtadt, Verſammlung der Proteſtanten aus Nie⸗ 

derſachſen daſelbſt 583 
Heidelberg, Verſammlung der Liga daſelbſt, was dar⸗ 

auf beſchloſſen 55 
Heiligenbeil, woher der Name entſtanden 10 


Heilsberg, Schloß in Preuſſen, deffen Erbauung 67 


Heldrungen, Hartmann von, wird Hochmeiſter 112 
Geſchlechtsnachricht von ihm, ebend. ſtirbt 119 
Herodotus, deſſen Nachricht vom Bernſtein 3 
Herren, deutſche, Urſprung dieſes Titels 217 
Heshuſius, wird famländifcher Biſchof 477 feine 
Streitigkeiten 477. 479 wird entſetzt 480 
Hohenlohe, Gottfried Graf von, wird Hochmeiſter des 
deutſchen Ordens 138 gehet nach Preuſſen 139 reiſet 
nach Rom 140 komt wieder nach Preuſſen 142 ver 
legt den Hauptſitz des deutſchen Ordens nach Ma⸗ 


rienburg, ebend. Urſachen davon 143 hält eine Or⸗ 


deusverſammlung zu Elbing 144 wichtige Bege 
benheiten auf derſelben, ebend. ſein Tod 148 
„Henrich Graf von, Geſchlechtstafel von 
ihm 75 ſeine Verdienſte gegen den deutſchen Orden 
26 wird im Zwieſpalt zum Hochmeister erwaͤhlt 77 
gehet nach Preuſſen 83 uͤbet daſelbſt viele Regle, 
rungsrechte aus 84 Krieg mit Pommern, ſiehe 

Suentepolk ſtirbt 89 
Hohenſtein. Stadt in Preuſſen, deren Erbauung 167 
Holland, Stadt in Preuſſen, daſelbſt werden die Po⸗ 
lacken geschlagen 394 Zuſammenkunft daſelbſt, was 
darauf vorgenommen 25 

Horn, bas güldene, wo es hergekommen 

Hornhauſen, Burchard von erſter Befehlshaber 5 
Könizeberg 91 greift die Natanger mit gutem Er⸗ 
182 an 94 bleibt in einem Treffen mit den Cur⸗ 
nd 95 
Human, befehligt des Kaifers, Völker 521 
2 


d 


Joachim Eruſt, Marggraf von Anſpach, befehligt 


die Uniirren 524 geht nach der Unterpfalz, die ſelbe 
zu ſchüͤtzen 525 läßt ſich von dem Bunde ur 


„Friedrich, Churfuͤrſt von Brandenkurg, nber 
die preußiſche BE 503. b 504 
geht mit Tode ab 505 


Johannistrank, Nicricht von demſelben 212 
Johann Georg, Herzog von Jaͤherndorf, — ſich 
der Proteſtanten an 520 wirb in die Reichsacht 
erklaͤret 526 
„Sigismund, Churfuͤrſt von Brandenburg, Alt 
die vormundſchaftliche Regierung uͤber Preuſſen 
an 506 bekomt die Lehen 509 
Iſenburg, Wilhelm Graf von, Antwort die er von 
den Danzigern erhalten g 399 
Juͤten, ſiehe Gutones. 
Jungingen, Conrad von, wird Hedmäßer 233 feine 
- friedfertige Geſinnungen 234 nimt ſich des Königs 
Albrechts von Schweden an, ebend. ſchließt mit 
dem Herzog Barnim von Pommern ein Buͤndniß 
235 erobert die Inſel Gothland, ebend. legt die 
Irrungen mit Polen bey 236 iſt den Hanſeſtaͤdten 
gegen die Seeräuber behuͤlflich 237 fee Geſetze 238 
ſetzt ſich in Sameiten feſt 239 Streitigkeiten mit 
der nordiſchen Königin Margaretha 240 kauft die 
Neumark 241 entſetzt Wisby, ebend. macht mit 
Polen und Lithauen Friede 242 deſſen Beſchaͤfti⸗ 
gungen nach gefchloffenem Frieden, ebend. Empoͤ⸗ 
rung der Sameiten unter ihm 243 Rath der Aerzte 
bey feiner Vollbluͤtigkeit 244 ſtirbt 245 wird gelobt 
ebend. Reichthum der Bauren unter ihm 246 
„Ulrich von, wird Hochmeiſter des deutſchen 
Ordens 246 macht Geſetze 247 feine Streitigkei⸗ 
ten mit Polen 248 Feldzug gegen Polen 250 bleibt 
in der tannenbergſchen Schlacht 252 


K. 


Kauen, Belagerung und Einnahme von deutſchen Or⸗ 
densvolkern 209 
Kinſtud, lithauiſcher Prinz, wird gefangen 207 be⸗ 
freiet ſich wieber 208 
Kittelbruͤder, find in Preuſſen nicht angenehm — 
Kneiphof Königsberg, deſſen Erbauung 167 
Kniprode, Winrich von, wird Hochmelſter des deut⸗ 
ſchen Ordens 202 deſſen ruͤhmliche Anordnung im 
Orden 203 f. Kriege mit den Lithauern 206 Schlacht 
mit denſelben 207 feine Streitigkeiten mit dem Bi⸗ 
ſchof von Ermeland 214 werden geſchlichtet 215 die 
Kriege mit den Lithauern werden — — 


ſtirbt 217 
Königsberg, Schloß, deſſen Erbauung 9 daſelbſt 5 
eine hohe Schule angelegt 
Koie, koͤniasberger Geheimſchreiber, feine me 
gen bey der Verſammlung zu Stumsdorf 591 
Konnopat. Matthias von, culmiſcher Biſchof, deſſen 
Klage wegen dem Verfall der paͤpſtlichen Religion 
in Preuſſen 0 
Kreuzherren, ſiehe Dentiche Herren 
Krieg ı dreigehenjähriaer, Van, deſiben 355 
A en daruͤber 355 


Kkkk z Krieg, 


urge Negiſter 
Krie daniſche/ in Miederſachſen 539. 546 f. Pelen Krieg 177 Schlacht mit benſelben 179 
Seiegsfote, die ge — Preuſſen 2 Eroberungen gluͤcklich 1go ſchließt ache 
Krone, Schlacht daſe 258 ſtand mit Polen 181 ſtirtt 133 
Kronweiſſenburg, N wird zwiſchen Polen und Luther, D. deſſen Meinung v deutschen orden ae 
dem deutſchen Orden ein Friede geſtiftet 8s Polen Nath, den er dem Hochmeiſter gegeben 404 
ſucht dieſen Frieden anzufechten 1589 Lyck, arg in Preuſſen, daſelbſt wird eine Landſchule 
ange 10 "495 
4 m 2 7 d ab 
Labian, wird erbauet 5 . Ph ir 


Laudesrath, der groſſe, in Preuffen, deſſen Errichtung 
284 


Lauchſtuͤdt, Schloß in Preuſſen, wird erbauet 100 
Lauttenburg in Preuſſen, wird gebauet 148 
Lavant, Rudolph von, Biſchof, wird vom Papſt 
als Friedensſtifter nach Preuſſen geſchickt 350 bes 
ſpricht ſich dieſerhalb mit dem Hochmeiſter 352 
bringt den Frieden zur Richtigkeit 353 ſeinetwegen 
wird der Papſt um einen Cardinalshut 5 — 
ebend 

Leander, D. wird vom Hochmeiſter Wallenrod in 
Ehren gehalten 227 deſſen Lehren, ebend. Tod 
228 


Lehndorf „Caſpar von, Oberhofmeiſter des Prinzen 
Albrecht Friedrichs von Preuſſen 469 
Leipzig Buͤndniß der Proteftanten daſelbſt 366 
Lengnich, fee Abſchilderung von Herzog Albrecht 
von Preuſſen 457 
Lichtenhagen, Conrad von, Comthur von Branden⸗ 
burg, thut einen Einfall in Lithauen 139. 146 
Lieflaͤnder, Streitigkeiten derſelben mit dem deutſchen 
Orden 139 Papſt Bonifacius 8 nimt ſich 2 an 


Siefland, ben Herzog von, ein einfaͤltiger Steeich 
von ihm 443 
Liga, Bund der Catholiken wider die Proteſtanten 


519 

Ligiſten, Benennung der verbundenen Catholiken 

519 wollen die Stagten Ferdinands des zweiten 

ſchuͤtzen 52²¹ 
Lilienburg, ſiehe Gilgenburg, 

Lithauer fallen in Curland ein 93 in Samland 131 


richten in Natangen groſſe Verwuͤſtung an 141 


werden geſchlagen, ebend. verwuͤſten das platte 
Land in Preuſſen 138 werden gaͤnzlich geſchlagen 
? 15 

Loͤbenicht, Stadt in Preuſſen, wird angelegt = 
Ludwig, Konig von Polen und Ungarn, Streit nach 
deſſen Tode in Poleu 218 darein wird der deutſche 
Orden verwickelt 219 
Luͤneburg, Schloß in Preuſſen, ird angelegt 167 
Luther, Herzog von Braunſchweig, wird Hochmeiſter 
des deutſchen Ordens 173 Geſchlechtsnachricht von 
ihm i174 feine perſönlichen Eigenſchaften 175 Bei, 
ſpiele ſeiner Gerechtigkeitsliebe 176 fuͤhret mit 


Magdeburg, wird eingenommen und, ze 
Mansfeld, ſiehe Ernſt Graf von 
een Stadt, wird erbauet 118 er 
von Polacken belagert und er ebend. 
ratherey daſelbſt wirh Aubert u N ya 
Veſtung, Gelegenheit zu deten Er Mr 
belagern die Polacken 235 wird aufgehol 
Marienwerder, deſſen Erbauung 
Mas law, macht ſich zum Herrn l Rafovien z. 
wird von den Polacken geſchlagen eben | 
Preuſſen indes auf die Polacken los ebend. wir 
zum andern mal geſchlagen ebend, ſuchet die Preuſ⸗ 
ſen zu Fortſetzung des Krieges zu be bereden 
wird von den Preuſſen gehangen eb 
8 lache Mas law. ws 9 
aximilian, Herzog von Baiern, 2 
3 8 ir 
elno, See, Friedensſchluß da W — 
W Arte und Polen ia * 
eſeritz, wird pon den onen belagert 
ſich ergeben ? 2 
Meſtwin, Herzog von Pommern, unterftügt t 
ruͤhriſchen Preuſſen 106 erneuert den mi 
Vater und den Marianern geſchloſſe 
107 einige Streitigkeiten mit dem Orden n 
beigelegt 48 Streitigkeiten, die fein 3 
gezogen A? 
Moerlin, D. Joachim, Anführer der 9 iechtglaͤt 
gen in Preuſſen 445 1 eee r re 
tione corporis pruteniei 1 
We wird angelegt 118 mit Mei Rauren 


Te, Unterhandlung wegen Pr Frieder 
daſelbſt yr. wozu der Schluß derfelben n Kat 
Ferdinand bewogen Tele 

Musculus, S. Andreas, deſſen Beden 


des Streits in Preuſſen Mr * 


Nackel, belagern die Pelacken 6 mu 
heben 37 wird vom Koͤnig Boles 
30 Schlacht . 
cken er 


der merkwuͤrdigſten Sachen und Namen. 


Nadrauer, unterwerfen ſich dem deutſchen Orden 
18 113 
Natangen, macht ſich den deutſchen Orden unter; 
wuͤrfig 66 fällt von demſelben ab 96 wird ver⸗ 
heeret 107 unterwerfen ſich wieder dem Orden 108 
Meidenburg, Schloß in Preuſſen, deſſen Erbauung 


a 67 
Neſſau, Friedensverſammlung zwiſchen dem Orden 
und Polen daſelbſt 351 wird geſchloſſen 353 In⸗ 

alt deſſelben 2 354 
an Steino von, ſonderbare Erzehlung von ihm 
. 195 
Neu ⸗Chriſtburg, wird erbauet 85 
u Provinz, erkauft der deutſche Orden 241 
wird an Churbrandenburg wieder verkauft 330 
Neumark, Stadt in Preuſſen, deren Erbauung 167 
Meuteich, Stadt in Preuſſen, wird erbauet 167 


Nevers, Carl 1 Herzog von, ſetzt ſich in Beſitz von 


Mantua 55s Folgen davon 556 
Per Reichthum eines Bauren daſelbſt 246 
Niederſachſen, Unruhen daſelbſt 555 
Mördlingen, wird von kaiſerlichen Völkern belagert 

584 Schlacht daſelbſt ! ebend. 
Nußkrieg des Herzog Erichs von Braunſchweig 448 f. 

Gelegenheit zu dieſer Benennung 450 


G. 


Olive, Kloſter in Preuſſen, wird wieder aufgebauet 


y 202 

rden, der Schwerdtbruͤder, wie fie nach Preuſſen 
= gekommen 44 wollen ſich mit dem deutſchen Or⸗ 
den vereinigen 63 Beſchreibung von demſelben 
ebend. 


erſaſſun wird vom Biſchof Chriſtian nach 

— he 53 Unterhandlung dieſerhalb mit 
dem Biſchof Chriſtian und Herzog Conrad von 
Maſovien 34 f. erſte kriege mit den Preuſſen 
3509 f. Streit mit dem Biſchof Chriſtian 1 letz⸗ 
ter Krieg mit den abgefallenen Preuſſen 85 f. gu⸗ 
ter Fortgang deſſelben 88 leidet von den Curlän⸗ 
dern eine harte Niederlage 98 iſt gegen die Bar: 
ten unglücklich 100 fängt mit den Lithauern krieg 
an 128 wird fortgeſetzt 133 wider denſelben wer⸗ 
den bey dem Papſt Clemens 3 Klagen geführet 
157 wird in Bann gethan 163 gehet einen Wa 
ſenſtillſtand mit den Lithauern ein 167 fangt den 
krieg mit den Lithauern wieder an 169 krieg mit 
den Polacken 170 Streit mit den Domherren we: 


gen der Wahl der preußiſchen Biſchöſe 132 Ber _ 


ſchuldigung der Unterthanen gegen denſelben 295 f. 
Verantwortung dawider 319 gewinnet wider die 
Bundesgenoſſen eine Schlacht 327 leidet durch die 
‚Söldner groſſen Schaden 333 Be gegen 

denſelben j b 373 


. ihre Vereinigung kommt zu Stande 64 
der deutſche, deſſen Urſprung 46 f. Innere 


Orden, der deutſche, in Deutſchland, deſſen Anſprü⸗ 
che auf Preuſſen nebſt der Unterſuchung 422. 
Orſeln, Werner von, wird Hochmeiſter 166 laßt neue 
Verordnungen verfertigen 169 trit mit dem Koͤni⸗ 
ge von Böhmen in ein Buͤndniß ebend. geraͤth mit 
den Polacken in Krieg 170 ſchließt mit dem Koͤni⸗ 
ge von Polen einen Waffenſtillſtand 172 feine Vers 
richtung nach geendigtem Kriege ebend. wird er⸗ 
mordet 173 
Osiander, Andreas, feine befondern Meinungen 445 
Oſterna, Poppo von, Landmeiſter von Preuſſen 71 
gehet mit dem Hochmeiſter nach Deutſchland 84 
wird Hochmeiſter 89 unter ihm werden die Sam⸗ 
länder angegriffen 90 deſſen Vertrag mit Herzog 
Chriſtian von Cujavien 93 legt feine Wuͤrde nie⸗ 
der 100 ſtirbt 101 
Oxenſtirn, Axel, ſchwediſcher Reichsrath, ſucht das 
Vorſteheramt der Proteſtanten der Krone Schwe 
den zu verſchaffen 576 


P. N 
Papſt, demſelben ſtehet kein Recht auf Preuſſen 15 


4 
Paſſenheim, Henrich Waldpott von, ſoll der erſte 
deutſche Ordensmeiſter geweſen ſeyn 49 deſſen Vers 
richtungen so Tod ’ ebend, 
Pfaffenkrieg, Urſach deſſelben 363 bricht aus 370 
wird geendiget 37 
Piaſeclus, beſchuldiget den Churfuͤrſten Georg Wil 
helm eines Verſtandniſſes mit Schweden 544 
Pirna, Friedensunterhandlungen zwiſchen Churſach⸗ 
ſen und dem Kaiſer daſelbſt 585 
Plauen, Henrich Reuß von, wird Statthalter des 
Hochmeiſterthums 359 Nachricht von ihm ebend. 
beſucht den Koͤnlg Caſimir von Polen zu Marien: 
burg 361 wird Hechmeiſter 362 ſtirbt ebend. 
Plauen, Henrich von, Comthur von Schwetz, Ger 
ſchlechtstaſel von ihm 253 feine Sorge für den 
deutſchen Orden nach der tannenbergifchen Schlacht 
254 wird zum Statthalter des Hochmeiſterthums 
erwaͤhlt ebend. führt den polniſchen Krieg fort 
255. thut Friedens vor ſchlaͤge 256 hintertreibt eine 
Verraͤtherey 257. bringt den Vitold auf ſeine Sel⸗ 
te ebend. waͤhlt ſich ſelbſt zum Hochmeiſter 260 
Beweiſe feiner Liebe für das Land 261 ſchließt mit 
Polen Friede 263 erlaubt die Gewiſſensfreiheit 265 
theilt Strafen aus 266 ruͤſtet ſich, Polen von der 
Gewalt abzuhalten 268 ſchreibt neue Schatzung 
aus ebend. Unterhandlungen mit Polen 269 f. 
belohnt die Wohlverdienten im Orden 271 Zwie⸗ 
ſpalt im Orden ebend. Verſchwoͤrung gegen ihn 272 
wird abgeſetzt 273 Urſachen hiervon ebend. wird 
nach feiner Abſetzung Comthur in Engelsburg 275 
wird geſangen geſetzt ebend, ſtirbt 281 
Plauen, 


Regiſter e * 


Plauen, regierender Herr von, ah ſich des abge⸗ 
festen Hochmeiſters Henrichs von Plauen an 276 
Plettenberg, Walther von, Landmeiſter von Liefland, 
wird von allen Verbindlichkeiten gegen das Hoch⸗ 
meiſterthum losgezaͤhlt 39⁰ 
Ploͤtzke, Henrich von, Landmeiſter in Preuffen 147 
wird Großcomthur 
Put, Schloß in Preuſſen, wird gebauet 
Pocarwis, Schlacht daſelbſt 
Pogeſanien, wird vom deutſchen Orden erobert 61 “ 
fällt von demſelben ab 96 unterwerfen ſich wieder 
108 machen einen neuen Aufftand 115 vn ge⸗ 
ebend. 


149 
— 


eee Georg von, Biſchof von Samland, hat zus _ 
erſt als Biſchof die römische Kirche verlaſſen 403 


uͤbergiebt die Weltlichkeit ſeines Stifts dem . 
Herzoge 
Poliander, prediget in Preuffen das 88 


429 
Pomeſanien, wird vom deutſchen Orden eingensminen 


: Bifchof von, deſſen Bemuͤhung zum Frieden 
zwiſchen Polen und dem deutſchen Orden 396 

Pommerellen, ſchenkt der Koͤnig von Boͤhmen — 
deutſchen Orden 

Portugall und Spanien, Zuſtand in demſelben un 
ter Philips 3 Regierung 

Prag, Schlacht daſelbſt 525 Friedens ſchluß dafelt 
zwiſchen Churſachſen und dem Kaiſer 586 

Preuſchmarck, Schloß in Preuſſen, deſſen n 


167 
Preuſſen, Eintheilung der Geſchichte davon 2 wer es 
bewohner 7 f Eintheilung des Landes 28 erſter 
Gebrauch des Namens Preuſſen nebſt deſſen Ur⸗ 
ſprung 28 die Beſitzungen darinnen werden ber 
richtiget 92 f. warum die Eroberung dieſes Landes 
ſich fo lange verzögert 123 f. Folgen dieſer Erobe⸗ 
rung auf die alten Preuſſen 125 auf die Fremd» 
linge 126 auf die Ritter und ige 
das weſtliche komt an Polen 
Preuſſen, wird ein Herzogthum 414 Vortheil — 
Landes davon 417 ob es mit Recht den deutſchen 
Orden entzogen worden, wird eroͤrtert 423 
Preuſſen, die alten, ihre bürgerliche Verfaſſung 23 f. 
deren erſte Thaten 29 f. werden von demKönige Bo: 
leslao von Polen gezwungen, die Taufe anzuneh⸗ 
men zz behalten nach ſeinem Tode ihre alte Ver⸗ 
faſſung bey ebend. ihre Kriege mit Boleslao 2 von 
Polen 34 mit Wladislao 35 ſ. ihre Verhalten un: 
ter König Boleslaus 3 38 werden von Boleslao 4 
mit Krieg uͤberzogen 39 nehmen, um Frieden zu 
haben, das Chriſtenthum an ebend. fallen in Ma⸗ 
ſovien ein 40 die Polacken ſuchen ſie daraus zu 
+ vertreiben ebend. kommen aber durch Lift meiſtens 
ums Leben ebend. muͤſſen dem Koͤnige Caſimir 


“a * 
Regenſpurg, Churfünpenverfammlung dafs 5 


Tribut ua 4 richten im — 
ſovten groſſe Verwuͤſtung an 43 ihr i 
gen den deutfihen Orden 73 koͤnnen nicht geban⸗ 
diget werden 105 werden beruhiget 108 neuer auf⸗ 
ſtand derſelben 115 muͤſſen unterliegen 123 f. bey 
welcher Gelegenheit diefelben 3 


Daten, baus eus on sue et 
bia, Ten h 4 


14 34 
7 Im 2% a ‘ 
0. N 
Querfurt, Meinhard von, — r 
Geſchichte von demſelben 330 
EEE, 
* ar Er 


Vr 


Rabenneſter, Gelegenheit zu i dieſem Schin 125 ct 27 
Raciaz, Friede daſelbſt zwischen Polen, & —— und 
dem dem deutſchen Orden #3 245 
Ragnit, deſſen 3 131 wih i t 201 
Raſtenburg in Preuſſen, wird eingeaͤſe u 
gionsgeſpraͤch dafelbft ; 
Reden, ſiehe Rhaden. 


8 u daſelbſt Mr A 2 
eich, das deutſche, hat keine fprüche Prei 
r 10 2 in bein „ al rn 
m die Regierung in Preuſſen anteit 
Reichenberg, Helmerich ig, Landr f 


Reitzenſtein, Erasmus von, it a 
Pfeil im Kopf 25 17 

Repetitio corporis ace pruteni 5 
ſen das ſymboliſche Buch 453 deflen, 

Rhaden, Schloß in Preuſſen, deſſt 
wird von Polacken belagert 


Richtenberg, Henrich Reſſe von, 
363 reiſet nach Peter kau und 92 i 
ebend. unter ihm bricht der Pfaffen 
weigert ſich Polen gegen den N 
Ermeland beizuftehen 364 f. 6 
König Caſimir von Polen z 
ſtirbt 366 wird gelobt 
Ritter von Dobrin, wer die 
gen die Preuſſen nichts _ 
Roͤſel, Stadt in Preuffen, rn 
eingeaͤſchert 
Rokoß, wird in Polen eine % 
König genennet sog Aigen da 
Romowe, Go 
Rotenſtein, Conrad Zöllner 0 
des deutſchen Ordens 217 


I Fe 


der merkwuͤrdigſten Sachen und Namen. 


Herzogs Jagello gegen ſeinen Vetter Kinſtud 219 
ſucht die Vereinigung Polens mit Lithauen zu hin: 
tertreiben 220 Buͤndniß deſſelben mit dem Herzo⸗ 
gen von Pommern ebend. miſcht ſich in die Strei⸗ 
tigkeiten der lithauiſchen Prinzen 22 ſtirbt 222 
Radau, Schlacht dabey 212 f. 
8 Paul Bell zer von, wird Hochmeiſter des 
deutſchen Ordens 283 wird von Polen bekriegt 282 
macht friede ebend feine Begnadigungen 283 f. 
wird zum Mitler zwiſchen dem nordiſchen Koͤnig 
und der Hanſe erwählet 284 unterſtuͤtzt den Groß: 
flüͤrſt von Lithauen gegen Polen 285 beftätiger der 
Neumark ihre Rechte 286 wird von den Staͤn⸗ 
den ſehr eingeſchrankt 287 der Krieg mit Polen 
bricht wieder aus 288 macht einen Waffenſtillſtand 
ebend. deſſelben Landesgeſetze 289 f. nimt ſich der 
Hanſe an 290 ſchließt mit Polen den ewigen Frie⸗ 
den 292 bekomt innerliche Verdruͤßlichkeiten 293 
2; laft ſich vom ewigen Frieden nicht abwendig 
machen 294 ſeine Streitigkeiten mit denen Or⸗ 
densgliedern in Liefland 296 der mißvergnuͤgten 
Reichsſtaͤdte Anforderung an ihn ebend 297 ſiehe 
auch Bewegungen Laßt ſich feiner Sicherheit 
wegen auf das Danziger ea führen 298 dankt 


ab zo und ſtirbt ebend. 
5 S. 

Salfeld, Stadt in Preuſſen, deren Erbauung 167 

daſelbſt wird eine Landſchule angelegt 495 


Sabin, & erſter Rector der koͤnigsbergiſchen 55 
hen Schule 
Sachſen, Friedrich Herzog von, wird . 
Urſachen davon 379 weigert ſich Polen zu huldi⸗ 
gen 380 reiſet deswegen nach Deutſchland 381 
Gruͤnde, warum der Orden an den mit Polen 
geſchloſſenen Frieden nicht gebunden ſey 381 f Uns 
terſuchung derſelben 382 f. Beiſpiel ſeiner Liebe 
zum Frieden 384 feine Geſetze ebend. Streitigkei⸗ 
ten mis Polen nehmen zu 386 zu Beilegung der: 
ſelben wird eine Verſammlung zu Poſen ie 
let ebend. ſtirbt 
Sach Conrad, Landmeiſter in Prenſſen 142 wird > 
ruͤhmt ebend. fein Betragen bey der zwiſtigen Or; 
densregierung in Preuſſen 145 Vertrag mit dem 
Herzog Leſcus von Cujavien 146 legt . — 
de nieder 147 ſtirbt 
Sala, Hermann von. deutſcher ale = 
deſſen Verdienſte um den Orden zi f. wird nach 
Preuſſen berufen 33 Rimt die Würde eines Hoch: 
meiſtero an 67 * Tod 67 deſſen en 
ebend. 
Samländer, werden vom deutschen Orden wit Krieg 
überzogen 90 Urtheil eines Alten vom deutſchen 
P. allg preuß. Geſch. 4 Th. 


Orden ebend. ergeben ſich an denſelben gr wer⸗ 
den von denen noch unbezwungenen Preuſſen an⸗ 
gefallen 92 fallen vom deutſchen Orden ab 96 lei⸗ 
den eine ſtarke Niederlage 99 unterwerſen ſich dem 
Orden aufs neue 106 
Sangerhauſen, Hano von, wird Hochmeiſter 102 
— Herkommen ebend geht nach Preuſſen 103 
rbt III 
Sarmaten, bekommen Preuſſen 11 ihre Beſchaffen⸗ 
heit und Hauseinrichtung 12 f. Gottesdienſt 18 fr 
gottesdienſtliche Perfonen 
Scalich, Paul, Geburt und Character 451 mtbbraucht 
die Liebe Herzog Albrechts 452 entweicht 453 
Schif, das güldene, fo nennet ſich eine Partey in 
Preuſſen 277 
Schippen, Ludwig von, Landmeiſter in Preuſſen 140 
Schmeckbier, im Gaſtmahl, Nachricht hiervon 113 
Schutzbahr, Wolfgang, Hoch und ige > 


Schweden, Guſtav Adolph König von, bricht 13 
Preuſſen ein 541 Urſachen hiervon 542 deſſen Uns 
terhandlungen mit den preußiſchen Staͤnden, die 
Parteiloſigkeit zu ergreifen ebend. 843 ruͤckt in 
Deutſchland ein 560 treibet die Kaiſerlichen aus der 
Mark 563 triſt mit Pommern einen Vergleich 
ebend macht groſſe Eroberungen 372 
Schlacht bey Luͤtzen 

Schwenden, Burchard von, wird Ketten. 5 
nimt in Preuſſen groffe Veränderungen vor 130 
dankt ab izr und ftirbe 133 

Schwerin, Jacob von, Oberhofmeiſter des 2 7 2 

Albrecht Friedrichs von Preuſſen 

Sclodo, ein edler Samlaͤnder, haͤlt ſeine 5 0 
von einem Abfall vom deutſchen Orden zuruͤck 95 

Sehſten, Stadt in Preuſſen, wird angelegt 201 

Selneccerus, D. Nicolaus, deſſen Bedenken we⸗ 
gen bes Streits in preuſſen 490 

Sensburg, Stadt in Preuſſen, wird angelegt 

Simon, D. Leibarzt und Unterhofmeiſter des Prin⸗ 
zen Albrecht Friedrichs von Preuſſen 460 

Singonotten, ſiehe Waidelotten 

Speratus prediget in Preuſſen das Sonnet > 

Spinola, fällt in die Unterpfalz ein 

#s ſpaniſcher Feldherr, fällt in die Unterpfan e ein 
525 belagert Juͤlich 529 

Staͤnde, in Preuſſen, deren Beſchwerden gegen die 

Ordensregierung 299 f. machen ein Buͤndniß 302 
Inhalt deſſelben 302 Ueble Folgen davon ebend. f. 
dringen auf eine Aenderung ihrer Beſchwerden 
307 gegen dieſelben will der Hochmeiſter nicht Ges 
walt gebrauchen zos f dringen auf eine neue Er⸗ 
oͤrterung ihrer Beſchwerden 312 weigern ſich die⸗ 
ſelben auf dem Reichstage zu Elbing vorzubringen, 
Urſache hievon 313,315 werden vom Kaiſer und 

gilt Papſt, 


. 


5 
* 
F 
9 


5 7 


neue Verſicherungen ihrer Gerechtſame, wenn ſie 
denſelben aufheben wolten ebend. verlangen einen 
Reichstag zu Abthuung ihrer Beſchwerden zip wird 
— — ebend. erwaͤhlen den Kaiſer zum 
Schiedsrichter ihrer Beſchwerden 316 Ausſpruch 
diſſelben 320 erſuchen den König Caſtmir um Schutz 
321 Ausbruch des Krieges wider den Orden 322 
Verzeichniß derſelben und ihr Verhältniß unter ſich 
323 werden in die Reichsacht erklaret 332 ſehnen 
ch nach Frieden 350 komt zu Stande 333 
„deren Unterhandlung mit Guſtav Adolph von 
— 543 weigern ſich Polen gegen Schwe⸗ 
den beizuſtehen 


a 544 
Stange, Henrich, Comthur von Chriſtburg, wird 


in dem Zuge gegen die Samländer gerödtet 90 
Sanders, Mangold von, wird Landmeiſter in 
Preuſſen und Liefland 117 fuͤhrt gegen die Su⸗ 
dauer Krieg 118 ſtirbt 119 
St Georgenſchloß, wird angelegt 95 Schlacht dabey 
ebend. Folgen davon bey dem deutſchen Orden 96 
Strasburg, in Preuſſen, deſſen Erbauung 129 
Sternberg, Michael Kuchmeiſter von, wird Hochmei⸗ 
ſter 275 entdeckt eine Verraͤtherey gegen ihn ebend. 
wird von Polacken angefallen 276 verſolgt die 
Wiclefiten und Hußiten 278 dankt ab 280 5 


Sterz, Johann, Buͤrgermeiſter von Eulm, Hefuls 
digungen gegen ihn 291 
Stockholm, fruchtloſe Unterhandlung daſelbſt 336 
Stojus, D. deſſen Rath zur Geneſung Herzog Al⸗ 
brecht Friedrichs in Preuſſen 477 wird deshalb 
verfolgt 478 
Sudauer, Krieg gegen dieſelben 114 der deutſche 
Orden macht ſich dieſelben unterwuͤrſig 115 die noch 
un bezwungenen ſtehen den Pogefaniern bey 116 ih⸗ 
re Verwuͤſtungen in Preuſſen ebend. werden ge: 
ſchlagen 117 unterwerfen ſich dem Orden 118 
Suentepolk, Herzog von Pommern, nimt ſich der 
< abgefallenen Preuſſen gegen den deutſchen Ba 
an 73 macht Friede 
ss fällt wieder in Preuſſen ein 78 N 
79 verwuͤſtet Eujavien ebend. gegen ihn wird das 
Kreuz geprediget do wird bey Schwetz geſchlagen 
81 macht mit dem deutſchen Orden Friede 83 greift 
den deutſchen Orden abermals an ge muß Frieden 
machen 85 f. Beſtaͤtigung dieſes Friedens 88 f. 
Stumsdorf in Preuſſen, daſelbſt wird zwiſchen Polen 
— Schweden ein 26jaͤhriger Waffenſtillſtand 8 
loſſen 
Schwarzenberg, Adam Graf von, Oberſter Bu 
denburgiſcher Staatsbedienter, bringt mit Pfalz⸗ 
Nenburg einen Vergleich zu Stande 535 unter⸗ 
handelt mit den vereinigten Niederlaͤndern 536 wird 


| 7777 
payſt ermahnet, davon abzuſtehen 314 bekommen a 


als Geſandter auf die Verſam 


ber eerne en ang a 
je K. * u. 


Anm ge vr de > 

Nu 1 ur — * 
Tannenberg, Schlacht daſelſt 5 un 
Tapiau, wird erbauen _ 


Taſchner, Philip, Bürgermeiſter n Beende, 


Begebenheit von demſelben 394 
Tauchel, Schloß in — dofebſt werden did e 
densvoͤlker geſchlagen 238 


Thierberg, Conrad von, Ortensmarfhal, ‚führt den 
Krieg gegen die Sudauer A > 
Thorn, Zuſammenkunft daſelbſt 193 handelt deut 
ſchen Orden untreu 255 8 1. 
Polen und dem Orden 263 34 
der Polacken auf dieſer Zuſammen 
Ordensgeſandten Antwort daran 
ſich wieder 347 Vertrag daſelbſt 
und dem deutſchen Orden 72 
Thuͤringen, Conrad Landgraf von, vird H 
des deutſchen Ordens 68, feine, Degel 
dem Erzbiſchof Siegſried 3 W . 
ne ausſchweifende Frömmigkeit 65 fein, a 
Tiefen, Hans von, wird Hochmeiſter 374 ſein Cha. 
racter 375 legt den Lehtiseid ab ebend. fein gutes 
Vernehmen mit dem Könige Caſt 15 von 
375 leiſtet Polen Beiſtand 377 | 
die Streitigkeiten zwiſchen den Or 
Ober⸗ und Niederdeutſchland * 


Tilſtt, deffen Erbauung 13 wa — 


ſchule angelegt EM — 


Tilly, Tſcherelas von, Feldherr Sei: Safer 
ſerlichen Volker, iſt in Böhmen 
ſchlaͤgt den Grafen von Mans ſeld bey a 
nimmt Heidelberg ein 332 wird Re 
ruͤckt in den niederſächſiſchen Kreiß 5; 
römiſch catholiſchen die geiftichen Kirchengiiter 
rotetnten Dale un Gemal ein Te. 
maͤchtiget ſich von Hoͤrter und £ 
muß ſich nach Heſſen ziehen ge liefert» 
nig von Daͤnnemark das Treffen bey L 

N eng ‚verfolgt die daͤniſchen 
nach dem Havelande 548 3 
der kaiſerlichen Voͤlker 362 rück 
567 erſteigt den Ort „ 1 


ſchlagen yr flieht nach 
vor Mürnberg ebend. weicht nad £ 
komt beim Kaiſer 1 


en a 


. ˙ Din ui 


der werbwürbiſpen Sachen 55 Namen. 


die Donau ziehen ebend. wird verwundet und ſtirbt 
ebend. 


aner Carl Beſffart von, wird Hochmeister 159 ſetzt 


den lithauiſchen Krieg fort 160 vertheidiget ſeinen 
Orden zu Avignon wider den Erzbiſchof von Riga 


164 wider den Erzbiſchof von Gneſen 166 ſtirbt 
ebend. 


Zum gen, Nicolaus von, Biſchof von Ermeland be; 


mäachtiget ſich mit Gewalt des Biſchofthums 363 
feiner nimt ſich der Orden an 369 reiſet zum Kb: 
nige Caſimir von Polen Es erg von demfelben 
das Biſchofthum ebend. 


u v. 
Valtelin in der Schweitz, Begebenheit daſelbſt 337 f. 
7 — D. George, arbeitet in Preufien mit an 
m ſyniboliſchen Buch repetitio corporis ud 
N 5 453 ſtirbt 478 
Vertrag, des Marggraf Albrechts von Br 
mit Polen 40% f. 


ker Hauptſtadt der Lithauer, wird von deutſchen 
Ordensvoͤlkern eingeſchloſſen 147 und komt in ihre 
Hande 143 wird geſchleift 209 fruchtloſe Unter⸗ 
handlung zwiſchen dem deutſchen Orden nnd her 
len dafelbft 
Birnemburg, Eberhard von, Comtbur in Könige 
berg, fällt in Lithauen ein 146 kommt vor Bay ao 
und muß fruchtlos abziehen 
Vividarii, bewohnen Preuſſen A 
Vließ, das güldene, wer ſich in Preuffen ſo 9 


277 
Ulm, Vergleich daſelbſt im Napa; der + und der 
Union 524 
Ulmerugii, haben in Preuſſen gewohnt 9 
Union, wird von den Er gemade 5 520 
Untirte , ſiehe were, i I we 1 
Union, der Proteſtanten w atho⸗ 
licken * ve 
Uniſten, Benennung der Groteſtan e 
eine Geſandtſchaft an den Herzog an r 
Baiern 521 wollen die Erbſtaaten Friedrichs 5 von 
der Pfalz beſchuͤtzen ebend. 
Urban 8, Papſt, bekommt das Weben 
Valtelin 538 haͤlt es mit Spanien ebe 
Unterthanen, in Preuſſen, ob ſie mit dem Schwerd 
erworben, oder ſich alle des culmiſchen Rechts zu 
erfreuen hätten? wird erörtert 302 


uUnterweiſung, Herzog Albrechts von * 5 fei: 


nen Prinzen Albrecht Friedrich of. 
Veere, Horatius, englandifiher Feldherr, ware 
dem Cordova in der Unter 
eee daß Preuſſen zum Herzogthum FR. 


vor Polen 416 dem Kante Grafen 17 und 
Brandenburg 421 
Urenbach, Wilhelm von, wird im Zwiespalt zum Hoch 
meiſter des deutſchen Ordens gewahlt 78 
— des Hochmelſters Rusdorf, für: die wei 

ma 
das Recht des Ordens auf Preuſſen, — — 
len — a ws dem Orden wieder ausge⸗ 
handiget ebend. 
in welcher der marea Sera ue, die 
1 Arnd of 
158 8 ei — 


w. 5 10 7 


Wachtelbuben, Urſuch dieſes Schimpfwortes 271 
Wahlſtadt, Schlacht daſelbſt bi der zl im 
Wahlvertrag / Ferdinands 3 
an en Prieſter der Samen, ihre Ban 
Wallenrod, Conrad von, wird Seide des Bes 
ſchen Ordens 222 in e nach Lithauen 223 
wird Hochmeiſter 224 ſein Lob, 0 . — 
digte Verbrechen und Vertheidigung, ebend. f. 
ſetzet den Krieg gegen Lithauen 229 f. feine 
Streitigkeit mit denen Geiſtlichen 230 gibt ein 
prächtig Ehrenmal 232 iſt gegen die Lithauer uns 
gluͤcklich 233 ſtirbt f ebend. 
Wallenſtein, Albrecht von, kaiſerlicher Feldherr 528 
feine Verdienſte werden ihm vergolten 553 bekomt 
die kaiſerlichen Volker in Niederſachſen zu befehli⸗ 
gen 539 verſichert ſich der Elbe an der deſſauer 
Bruͤcke 540 ſchlaͤgt daſelbſt den Grafen von 
Mansfeld 46 folgt dem Grafen von Mansfeld 
nach Schleſien, ebend. naͤhert ſich der Mark Bran⸗ 
denburg wieder 348 über ihn wird beim Kaiſer 
Klage geführt zy wird zum Reichsfuͤrſten 553 
und Admiral in der Oſtſee erklaͤrt 354 belagert 
Stralſund vergeblich 554 f. ſperret Magdeburg, 
kann es aber nicht bekommen 556 wird ſeiner Dien⸗ 


ſte entlaſſen 562 wird wieder in Dienſte genom⸗ 


men 573. leiftet dem Churfuͤrſt von Baiern nicht 
gleich Huͤlfe, ebend vertreibt die Sachſen aus 
Böhmen 575 geht nach Sachſen, ebend. thut Fries 
dens vorſchlaͤge 350 ſchlaͤgt die Schweden bey der 
Steinauerbruͤcke, ebend. brandſchatzet Berlin zar 
zieht ſich gegen die Oberpfalz, ebend. wird vor eis 
nen Aufruͤhrer erklaͤrt, ebend. wird ermordet 
582 
Schloß in Preuſſen, wird gebauet 
167 
Waydewut, ſoll der erſte Koͤnig in Preuſſen geweſen 
ſeyn 24 Beurtheilung hievon 25 f. 
gilla Weich: 


Wartenberg, 


* 


»7 


2 


— 


geſammlet 
Weimar, Herzog Beruhard von, schwedischer Feld. 
berr gewinnt die Schlacht bey Lützen 576 geht 
nach Franken 379 entſetzt Nördlingen 384 wider⸗ 
? ſetzt ſich dem prager Frieden 587 vereinigt ſich mit 
franzoͤſiſchen Völkern und geht über den Rhein 992 
„ e den Herzog von Lothringen 602 erobert 
Rheinfelden 603 ſucht ſich ein eigenes Land zu er⸗ 
29 werben 60 ſtirbt Man ni 609 
Herzog Johann Ernft von; befeßligt; de dini 
ſchen Völker in Schleſien 346 ſtirbt daſelbſt 547 
Weizau, Ludolph König Herr von, wird Hochmeiſter 
des deutſchen Ordens 194 deſſen erſte Beſchaͤftigung 
533 ſetzt die Friedensunterhandlungen zu Thorn 
fort 196 ſchließt mit Polen einen ewigen Frieden, 
ebend. wird tieffinnig 198 und stirbt 99 
Welau, wird angelegt 92 188 wird von den Lithauern 
Leingesͤſchert 201 von neuem aufgebauet 205 
Weueeslaus, König von Böhmen, fein Ausſpruch 
in den Ordens; und polniſchen Streitigkeiten 249 
Wenden, ſiehe Sarmaten. 5 
Werbaufen, Martin Truchfes von, wird gane 
369 vertheibiget den Orden, ebend. 5 
des Koͤnigs von Polen wider ihn 370 — 
die er dem 1 Geſandten e ebend. 


Fer 


Regiſter ber merkwürdigsten ee 


Weichsel, bey derſelben Ausfluß 8 5 der — 


Nenſtadt, ebend. legt den 


Worms, daſelbſt halten die un ie 


inc H] e e 


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98 * 4 14 
5 1 1 
= P} 8 a 
ö 2 4 
2 5 


der Pfaffenkrieg bricht aus, 
nig Caſimir von Polen nach Peterkau 371 
ſich nicht unterwerfen 372 folget dem 1 


dringet auf die Abſchaffung des Bert 
gewerks zu Danzig 375 bort 7 
Vielefiten laſſen ſch in Preuffen e 
. in Preuſſen, r. 2 
2 mern N a I 0 
Bien, merkwürdige Verſammlung daſelbſt. 391 
Wieſenburg in Preuſſen, deſſen Erbauung 5 
Wigand, wird nach Preuſſen berufen 477 zum Bis 
ſchof von Pomeſanien beſtellt 79 5 
eine Kine 480 N 


Me * 
ock, Treffen 8 
ae Paul, Preis vor Scalichs ? TE 
verklagt den Herzog Albrecht von 
deutſchen ————— 


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